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Handkommunion

Ein Vorwort von Prof. Dr. Robert Spaemann

Die gegenwärtig dominante Liturgie der lateinischen Kirche leidet momentan unter anderem an einer »Anomalie«, die sie von allen anderen katholischen und orthodoxen Riten unterscheidet, ja außerdem auch von denen der anglikanischen und protestantischen Gemeinden: für den Kommunionempfang gibt es keine verbindliche gemeinsame Form. Ausgerechnet im Augenblick der »communio« zerfällt die Gemeinde in zwei Gruppen von Individuen, denen, die den Leib des Herrn in den geöffneten Mund empfangen, und denen, die ihn in sich in die linke Hand legen lassen, um ihn mit den Fingern der rechten zum Mund zu führen. Ausgerechnet wenn wir zum gemeinsamen „Tisch des Herrn“ gehen, müssen wir als Laien durch die Weise unseres Kommunionempfangs die Zugehörigkeit zu einer »Gesinnnungsgruppe« offenbaren. Je nach Land, Gegend oder Orientierung der Ge-meinde überwiegen entweder die einen oder die anderen. Dabei gibt es auf beiden Seiten Katholiken, die lieber gar nicht zur hl.Kommunion gehen, als in einer anderen als der von ihnen geschätzten Form. Es gibt andere, die zwar eine Form bevorzugen, die andere aber aus Gründen der Anpassung fallweise auch praktizieren. Diese Situation kann nicht von Dauer sein. Sie widerspricht den Gestaltgesetzen jedes Ritus, der diesen Namen verdient. In den Messen des alten römischen Ritus ist der kniende Empfang der Kommunion in den Mund obligatorisch geblieben und so die Anomalie vermieden. In denen des neuen Ritus ist die Mundkommunion weiterhin gestattet, allerdings - in der Praxis - ohne vorherige Ehrfurchtsbezeugung und nicht im Knien. Dabei besteht natürlich die Hoffnung auf eine Wiederherstellung der Einheit, dadurch, daß die Mundkommunion allmählich verschwindet.

Diese »Hoffnung« ist unbegründet. Es gibt viele junge Menschen, die an der Mundkommmunion festhalten oder bewußt zu ihr zurückgekehrt sind. Es zeigt sich ferner, daß zwar viele gläubige Katholiken die Handkommunion empfangen, aber auch alle diejenigen, die den Glauben an die wirkliche Gegenwart des Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein verloren haben, weiterhin zur Kommunion gehen. Diese lehnen die Mundkommunion fast ausnahmslos ab. Die Mundkommunion ist also zu einem sichtbaren Zeichen der Rechtgläubigkeit geworden. Die Handkommunion vereinigt Gläubige und Ungläubige. Auch die vielen Katholiken, die den Stand der Todsünde nicht mehr für ein Hindernis des Kommunionempfangs halten, finden sich fast ausschließlich in den Reihen der Handkommunikanten. Die Mundkommunikanten halten sich, der katholischen Lehre entsprechend, in solchen Fällen für verpflichtet, der Kommunion fernzubleiben, wenn sie nicht zuvor gebeichtet haben.

Schon aus diesen pastoralen Gründen muß die Kirche die Mundkommunion als einheitliche Form des Kommunionempfangs anstreben, zumal die Handkommunion sich nur durch Akte des Ungehorsams gegen den erklärten Willen des Papstes und der klaren Mehrheit der katholischen Bischöfe durchgesetzt hat.

Könnte aber nicht in den Messen des Neuen Ritus die Einheit der Form des Kommunionempfangs wiederhergestellt werden durch Verbot der Mundkommunion? Daß das nicht möglich ist, ist eines der Resultate der vorliegenden Studie von Pater Lugmayr. Schon die Beseitigung der gemeinsamen Gebetsrichtung von Priester und Volk durch die Umkehrung der Altäre wurde mit einem altchristlichem Brauch gerechtfertigt. Wie wir inzwischen wissen, hat dieser Brauch niemals bestanden. Pater Lugmayr zeigt nun, daß das gleiche für die Handkommunion gilt. Er belegt, daß - entgegen einer verbreiteten Ansicht - eine Handkommunion in der heutigen Form in keiner anderen Liturgie des Ostens und des Westens bestanden und daß sie auch im römischen Ritus niemals existiert hat. Sie ist eine absolute Neuerung. Würde daher nicht die kirchliche Autorität - wie Kardinal Ratzinger gezeigt hat - ihre Vollmacht überschreiten, wenn sie diese Form obligatorisch machen würde durch Verbot der Mundkommunion? Dies würde auch den Widerspruch zur Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils, der schon in der Zulassung der Handkommunion lag, noch verschärfen. Das Konzil erklärte ja, daß keine Neuerung erlaubt werden dürfe, von der nicht ein „wahrer und sicherer Nutzen“ zu erwarten sei. Ist von der Handkommunion ein solcher Nutzen ausgegangen? Die Handkommunion ist nicht sakrilegisch. Aber wer behaupten wollte, ihre Einführung hätte das gläubige Bewußtsein der realen Gegenwart Christi in den Gestalten von Brot und Wein, die Ehrfurcht vor diesem Sakrament und das bewußte Leben aus ihm bei der Mehrheit der Gläubigen gestärkt, der muß wohl auf einem anderen Stern leben, oder aber er muß wirlich beide Augen vor der Realität fest verschließen.

Ein Gespräch über die Weise, wie der gespaltene Kommunionritus überwunden werden kann, wird künftig nur auf der Basis jener geschichtlichen Tatsachen sinnvoll sein, die P.Lugmayr in dieser kleinen Studie zusammengetragen hat.

Es handelt sich um das Vorwort zu Martin Lugmayr, Handkommunion. Eine historisch-dogmatische Untersuchung. Das Vorwort wurde am 19. Januar 2001 geschrieben. Die Broschüre kann bei introibo.net bestellt werden.


Handkommunion im überlieferten Ritus?

“In diesem Zusammenhang ein Wort zur Form der Spendung der heiligen Kommunion: Die Messen nach dem Novus Ordo kennen für die Kommunion keinen gemeinsamen Ritus mehr. Gerade in diesem Augenblick der ‘Communio’ spalten sich die Gläubigen, da jeder gezwungen ist, sich offen einer der beiden Parteien anzuschließen: den Mund- oder den Handkommunikanten. Das ist einzigartig in der Geschichte der Liturgie und ein echter Skandal. Augenblicklich kursiert sogar ein Gerücht, wonach man die Handkommunion auch für den alten römischen Ritus erlauben will. Warum ohne Not diese Anomalie zweier unterschiedlicher Formen für den Empfang des Herrenleibes in eine Liturgie einführen, die bis jetzt davor bewahrt blieb? Besteht hier etwa ein heimliches Neidgefühl gegenüber einer liturgischen Welt, die noch heil geblieben ist? Pastorale Gründe gibt es jedenfalls keine.”

Aus einem Vortrag, den Prof. Dr. Robert Spaemann im Juli 2001 auf einer Tagung in Fontgombault gehalten hat, veröffentlicht in der UNA VOCE Korrespondenz 6/2001.


Es ist der Herr!

Von P. Bernward Deneke

Bewegend ist die Begegnung einiger Apostel mit dem Auferstandenen am See Tiberias (Joh 21,1ff.). Sie hatten die Nacht über erfolglos gefischt, als Er sich ihnen frühmorgens am Ufer zeigte und ihnen auf wunderbare Weise zu vollen Netzen verhalf. Die Jünger erkannten Jesus nicht, bis Johannes dem Petrus sagte: “Es ist der Herr!” Daraufhin zog sich Petrus, der unbekleidet war, eilends sein Gewand über (obwohl das beim Schwimmen doch eher hinderlich ist) und stürzte sich in das kühle Nass, dem Meister entgegen.

In der Erkenntnis “Es ist der Herr” liegt ein Potential an Erschütterung. Die selbstgemachten Gedankengebilde weichen wie Nebelschwaden vor dem klaren Sonnenstrahl, der Blick auf die Wahrheit selbst wird frei. So ergeht es uns auch vor dem Altarsakrament, und die Einsicht, dass es der Herr ist, erweckt in uns ähnlich wie beim Apostel Petrus eine zweifache Regung: das Verlangen, zu Jesus hinzugelangen, und den Eindruck tiefer Unwürdigkeit, der nach Formen der Ehrfurcht ruft. Mit Recht sprechen Religionsphilosophen davon, das Heilige sei zugleich mysterium fascinosum und mysterium tremendum - Geheimnis, das uns fasziniert und erzittern lässt.

Die klassische Theologie und Liturgie der Kirche haben sich insgesamt mit Erfolg darum bemüht, beide Seiten des Altarsakramentes zu bekunden. Bis eine bestimmte Art von Theologie versuchte, das Geheimnis auf die rein menschliche Ebene herabzuziehen. Die Aussage “Es ist der Herr” sei allenfalls noch im übertragenen Sinne zu verstehen, hieß es. Daraus zog man alsbald auch die praktisch-liturgischen Konsequenzen und behandelte das Sakrament wie einen Allerweltsgegenstand, den man den Leuten ohne weiteres in die Hand legen kann!

Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wer hätte gedacht, dass sich nach den Stürmen, die in den letzten Jahrzehnten über die Kirche und ihren Gottesdienst hereingebrochen sind, jetzt so schnell und deutlich die Silberstreifen einer neuen Ehrfurcht zeigen würden? Zwei solcher Lichtblicke seien hier erwähnt:

1) Jüngst hat Athanasius Schneider, Weihbischof von Karaganda in Kasachstan, ein Buch mit dem vielsagenden Titel “Dominus Est” (Es ist der Herr) veröffentlicht. Immerhin erschienen in der Vatikanischen Verlagsanstalt, verfolgt das Buch kein geringeres Anliegen als eine grundsätzliche Neubesinnung auf den eucharistischen Herrn und die rechte Weise, Ihn zu empfangen. Im Vorwort äußert der Sekretär der Gottesdienstkongregation, Erzbischof Malcolm Ranjith, seine Überzeugung, die Kommunionspendung in die Hand habe “eine zunehmende Schwächung einer ehrfürchtigen Haltung gegenüber dem Allerheiligsten” mit sich gebracht.
Weihbischof Schneider befindet sich übrigens in Übereinstimmung mit seinem Erzbischof, Jan Pawel Lenga, der auf der Weltbischofssynode 2005 “demütig vorschlug”, die Kommunionspendung in die Hand abzuschaffen. Auch Kirchenmänner wie Janis Kardinal Pujats, Erzbischof von Riga, und der emeritierte Bischof von San Luis in Argentinien, Juan Rodolfo Laise, haben das Anliegen wiederholt ausgesprochen. Aber hatte nicht schon Papst Paul VI. davor gewarnt, die Einführung dieser Praxis könnte eine “Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarsakrament, seine Profanierung sowie eine Verfälschung der rechten Lehre” nach sich ziehen (Memoriale Domini, 29.5.1969)?

2) Zu den wichtigen theoretischen Erwägungen gesellen sich in der Gegenwart erstaunliche Fakten. Folgende Aussage des Erzbischofs von Lima, Juan Luis Kardinal Cipriani Thorne, könnte man noch als exotische Erscheinung weitab von unserer aufgeklärten europäischen Kirche abtun: “Persönlich glaube ich, dass es die beste Art ist, die Hl. Kommunion auf der Zunge zu empfangen. Deshalb habe ich in meiner Diözese die Handkommunion verboten.” Aber dass auch Benedikt XVI. jetzt dazu übergeht, in den Papstmessen den Leib des Herrn knienden Gläubigen in den Mund zu reichen (so zuletzt auf dem Weltjugendtag in Sydney), lässt sich nicht mehr bagatellisieren: “Der Heilige Vater hat gebeten, dass alle, die von ihm selbst die Kommunion empfangen werden, knien sollen. Ausserdem wünscht der Heilige Vater, dass die Eucharistie mit dem Mund empfangen wird. Der Papst ist besorgt, was die Frage der Ehrfurcht betrifft. Der stehende Empfang der Eucharistie und die Handkommunion können zu mangelnder Ehrfurcht führen”, erklärte Pater Mark Podesta, der Sprecher des Weltjugendtags, den Medienleuten.

Doch die kürzeste Antwort auf die Frage, warum man in einer sehr ehrfürchtigen Haltung zur Kommunion gehen soll, ist noch immer das Wort, das einst Petrus dazu bewegte, sich sein Gewand überzuwerfen und zu Jesus hinzueilen: “Es ist der Herr!”


Mundkommunion: Ausdruck der Anbetung und des Glaubens

In der Sonntagsausgabe der spanischen Tageszeitung La Razón ist am 14. Dezember 2008 ein Interview mit Antonio Kardinal Cañizares Llovera erschienen. Auf die Frage, ob es sich bei der Kommunionform um etwas Wichtiges oder nur eine Formsache handle, antwortete der Kardinal gemäß der Übersetzung von Kath.net:

“Nein, es ist nicht nur eine Formsache. Was bedeutet es, die Kommunion in den Mund zu empfangen? Was bedeutet es, vor dem Allerheiligsten Sakrament zu knien? Was bedeutet es, während der Wandlung in der Messe zu knien? Es bedeutet Anbetung, es bedeutet, die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie anzuerkennen. Es bedeutet Respekt und eine Haltung des Glaubens eines Menschen, der sich vor Gott niederwirft, weil er weiß, dass alles von Ihm kommt, und wir fühlen uns sprachlos, bestürzt vor der Herrlichkeit Gottes, seiner Güte und seiner Barmherzigkeit. Deshalb ist es nicht dasselbe, die Hand hinzuhalten und die Kommunion irgendwie zu empfangen, wie es in respektvoller Weise zu tun. Es ist nicht dasselbe, die Kommunion stehend oder kniend zu empfangen, weil all diese Zeichen auf eine tiefe Bedeutung hinweisen. Wohin wir gelangen müssen ist diese tiefe Haltung des Menschen, der sich selbst vor Gott niederwirft, und das ist es, was der Papst will.”

Da Kardinal Cañizares, bisher Erzbischof von Toledo, am 9. Dezember 2008 zum Präfekten der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ernannt worden ist, haben seine Aussagen besonderes Gewicht.


Überlieferter Ritus und Mundkommunion

Am Sonntag, den 11. Januar 2009, wurde in der Trappistenabtei Mariawald in der Eifel zum ersten Mal die Sonntagsmesse im außerordentlichen Ritus gefeiert. Vor einigen Wochen machte die Abtei Schlagzeilen mit der Nachricht, zum überlieferten Ritus zurückzukehren. Einem Bericht der Aachener Zeitung ist zu entnehmen, dass der Andrang der Bevölkerung überwältigend war.
Besonders freut uns, dass Abt Josef Vollberg offensichtlich unsere Haltung teilt, was die Frage der Form des Kommunionempfangs angeht: “Anschließend
[an die Predigt] machte der Abt seine Zuhörer noch auf eine Besonderheit des tridentinischen Ritus aufmerksam: Die Kommunion wird bei dieser Form der Heiligen Messe von den Gläubigen nur kniend empfangen. Doch das war für die Anwesenden, unter ihnen viele junge Menschen sowie Familien mit Kindern, so gut wie selbstverständlich.”
Mit der knienden Kommunion ist - so darf man annehmen - die Mundkommunion gemeint. Schon Robert Spaemann hatte 2001 dafür plädiert, von Plänen abzusehen, die Handkommunion in den überlieferten Ritus einzuführen.

Was in diesem Zusammenhang wenig bekannt ist: Als Josef Kardinal Ratzinger 1990 in Wigratzbad im überlieferten Ritus zelebrierte, spendete er nur die Mundkommunion, und zwar auch solchen Kommunikanten, die die Hand ausstreckten, um die hl. Kommunion in die Hand zu empfangen.


Schweinegrippe

So mancher Bischof sorgt sich um die Gesundheit seiner Schäfchen: durch Weihwasser könnte man sich mit der Schweinegrippe anstecken, oder auch die Kommunion birgt angeblich ein Risiko. Dazu sei erinnert, daß das Geld einen besonderen Risikofaktor darstellt. Es geht von Hand zu Hand und wer es berührt, sollte keine Nahrung mit den Fingern zu sich nehmen. Wir empfehlen daher, in den Messen, in denen eine Kollekte eingezogen wird, die hl. Kommunion nicht in die Hand zu empfangen, bzw. in Messen, in denen Handkommunion ausgeteilt wird, keine Kollekte einzuziehen.
F. Prosinger


Schweinegrippe zum Zweiten

Elsa Laska berichtet von einem Fall von Diskriminierung eines Mundkommunikanten. Obwohl die Deutsche Bischofskonferenz in ihren “Hinweisen zur Vermeidung von Ansteckungen in Gottesdiensten” vom 12. November 2009 wegen der Schweinegrippe die Handkommunion nur empfohlen und nicht etwa angeordnet hat und von einem Verbot der Mundkommunion angesichts der Formulierung “Wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos verlangen Kelchkommunion und Mundkommunion besondere Vorsicht” keine Rede sein kann, kommen mir immer häufiger Berichte zu Ohren, nach denen Priester die Mundkommunion verweigern, teils mit Berufung auf ihren Bischof, teils mit verräterischen Begründungen, die in Seitenhieben auf die Mundkommunikanten bestehen und den Verdacht nähren, dass die Schweinegrippe der willkommene Anlass ist, dieser Form des Kommunionempfangs den Garaus zu machen. Andererseits habe ich noch nie gehört, dass jemand die gefährlichste Dreckschleuder, die Kollekte, die in Verbindung mit der Handkommunion ein hohes Ansteckungsrisiko in sich birgt, in Frage gestellt hätte. Dabei kann der Schweinegrippevirus sich bis zu zwei Wochen auf Geldscheinen halten.


Degradierung

Wenn ich an die Abschaffung der Hostienanbetung und Hostienverehrung nach dem II. Vatikanischen Konzil – ebenso natürlich auch in den Jahrhunderten nach der Reformation – denke, sehe ich unwillkürlich ein militärisches Bild vor mir, vielleicht, weil das militärische Zeremoniell teilweise sogar immer noch eine Zeichensprache hat. Ich sehe die von einigen Schriftstellern besonders lebhaft beschriebene Degradierung des Hauptmanns Dreyfus vor mir, der nach seiner Verurteilung als deutscher Spion in voller Montur vor seinem Regiment anzutreten hatte, um den Urteilsspruch anzuhören. Nicht nur das Bagno auf der Insel Cayenne war seine Strafe, sondern auch der Verlust des militärischen Ranges. Der Offizier, der den Spruch verlesen hatte, forderte Dreyfus danach auf, ihm den Degen zu geben. Die Degenklinge des Hauptmanns wurde über dem Oberschenkel des Offiziers zerbrochen, die Bruchstücke dem vermeintlichen Verräter vor die Füße geworfen. Dann wurden Dreyfus die Epauletten von den Schultern gerissen und die Rangabzeichen von der Brust gelöst.
Genauso erscheint es mir, wenn ich sehe, wenn bei erhobener Hostie die Leute stehen bleiben, wenn sie die Kirche ohne Kniebeuge betreten, wenn sie die Kommunion in die ausgestreckte Hand empfangen – als demonstrative, zeichenhafte Entwürdigung.

Aus: Martin Mosebach, Tiefe Ehrfurcht vor der Hostie, in: Komma 83-84/2011, S. 104-111, auch online.


Gesegnetes Brot oder Leib des Herrn?

“Wie kann man nur! Vor einem Priester fällt man nicht auf die Knie”, hörte ich einmal beim Herausgehen aus einer Kirche jemand hinter mir sagen [nachdem die Autorin die Mundkommunion praktiziert hatte]. Ich drehte mich um und erwiderte: “Vor einem Priester nicht, aber vor Gott” und zitierte noch Papst Johannes XXIII.: “Nie ist der Mensch größer als wenn er kniet.” Ich ernteten einen verständnislosen Blick. Schmerzlich ging mir auf, dass wir im selben Gotteshaus zur selben Zeit unterschiedliche Messen gefeiert hatten - einmal mit dem Priester als Vorsteher einer Mahlfeier und zum anderen als geweihten Gottesdiener, der in persona Christi das Kreuzopfer unblutig erneuert. Die Hostie war dem einen gesegnetes Brot, dem anderen der Leib des Herrn.

Aus: Sigrid Grabner, Beuget die Knie!, Vatican-Magazin vom Januar 2013, S. 62 f.

Mosebach zum Thema


Protestantisches Vorbild

Und gerade damals fielen mir die Abschiedsbriefe des protestantischen Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke in die Hand. Ich las, wie er im Januar 1945, Tage vor seiner Hinrichtung in Plötzensee, gemeinsam mit seiner Frau eines Tages das Abendmahl empfangen konnte. Er beschreibt den Augenblick, in dem er mit seiner Frau in der Zelle niederkniet und sich die Hostie auf die Zunge legen lässt, als einen der beglückendsten Momente im Gefängnis. Der Protestant, der kniend das Abendmahl empfängt und sich auf dem Weg zum Galgen stärken lässt – was für ein packendes Bild und was für eine Ermutigung, über den Kommunionempfang neu nachzudenken.

Aus: Markus Günther, Die gerettete Zunge. Wenn das Sakrale symbolisch wird: Erfahrungen mit dem Empfang der Kommunion, in: Vatican Magazin, Dezember 2015, S. 54-61. Auf einfühlsame, sensible Weise schildert der Autor, wie er die Mundkommunion entdeckte und sie das erste Mal praktizierte, nachdem er fast vierzig Jahre lang die hl. Kommunion ausschließlich mit der Hand empfangen hatte.


Ratzinger:
Wir müssen die Dimension des Heiligen in der Liturgie zurückerobern

Autoren

Conrad Sven
Deneke B.
Mosebach M.
Muschalek G.
Postl Uwe
Prosinger F.
Ramm Martin
Ratzinger J.
Recktenwald E.
Spaemann R.
Strasser R.
Wildfeuer M.


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