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* * *

25. Mai
Achtzig Prozent

Nach einer neueren Untersuchung leiden 80 Prozent der Frauen nach einer Abtreibung unter Schuldgefühlen, Stimmungsschwankungen und Depressionen.

Der WDR in einer Sendung am 18. April 2013.

Zum Thema PAS


25. Mai
Alfonso Muzzarelli

Vor 200 Jahren, am 25. Mai 1813, starb in Paris im Alter von 63 Jahren der aus Ferrara stammende ehemalige Jesuit Alfonso Muzzarelli. In seinen Werken setzte er sich u.a. mit Jean-Jacques Rousseau auseinander. Sein besonderes Verdienst aber besteht darin, den Mai als dem der Muttergottes geweihten Monat populär gemacht zu haben. Unterstützt wurde er dabei u.a. von Paul Capelloni. Sein Werk Il mese di Maria o sia di Maggio erlebte über 100 Auflagen und wurde in viele Sprachen übersetzt, auch ins Arabische und Deutsche.


24. Mai
Bieger korrigiert Pfeiffer

P. Eckhard Bieger SJ wirft dem Kriminologen Christian Pfeiffer falsche Tatsachenbehauptungen vor. Pfeiffer schrieb, dass in den USA die Missbrauchstaten durch Priester seit den siebziger Jahren um 90 % zurückgegangen seien. Daraus folgert er, dass die Liberalisierung der Sexualmoral in den USA und die De-facto-Lockerung des Zölibats in der Praxis für den Rückgang verantwortlich sei. Umgekehrt war also der Zölibat der Grund für die hohe Zahl der Missbrauchsfälle.

Dazu Bieger: “Es ist wie bei anderen Tatsachenbehauptungen von Prof. Pfeiffer (zur höheren Gewaltbereitschaft im Ruhrgebiet aufgrund des Fernsehkonsums und dem Ertrinken eines Kindes als Folge von Fremdenfeindlichkeit) genau das Gegenteil richtig. Die Zahl der Missbrauchsfälle stieg in den USA seit Ende der fünfziger Jahre kontinuierlich und flaute erst 1980 wieder ab. Der Höhepunkt war 1971 mit 400 Fällen. Genauer können die Verantwortlichen ebenso wie Prof. Pfeiffer die Erhebungen nachlesen bei: Hanson, Robert Karl; Price, Shelley (2004): Sexual abuse screening procedures for positions of trust with children. In: Hanson (2004), 78 – 93” (Blogeintrag vom 3. Mai 2013).

Seit Ende der fünfziger Jahre stieg die Zahl an, also genau in jener Euphoriezeit, die die Fenster weit für den befreienden Wind, der aus der Welt in die Kirche wehte, öffnen wollte. Damals wurde, wie Manfred Lütz in der FAZ belegt hat, die Kirche angefeindet, weil ihre rigide Sexualmoral jegliche Pädophilie verurteile. Es war damals die “fortschrittliche”, “liberale” Speerspitze in der Kirche, die sich mit dieser Kritik gemein machte.

Lütz: “1970 erklärte der angesehene Sexualwissenschaftler Eberhard Schorsch unwidersprochen bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag: ‘Ein gesundes Kind in einer intakten Umgebung verarbeitet nichtgewalttätige sexuelle Erlebnisse ohne negative Dauerfolgen.’ Die linke Szene hätschelte die Pädophilen. Bevor sich Jan Carl Raspe in die RAF verabschiedete, pries er 1969 im ‘Kursbuch’ die Kommune 2, in der Erwachsene Kinder gegen deren Widerstand zu Koitierversuchen brachten. Bei den Grünen gab es 1985 einen Antrag auf Entkriminalisierung von Sex mit Kindern, und noch 1989 erschien im renommierten Deutschen Ärzteverlag ein Buch, das offen für die Erlaubnis von pädosexuellen Kontakten warb. In diesen Zeiten wurde insbesondere die katholische Sexualmoral als repressives Hemmnis für die ‘Emanzipation der kindlichen Sexualität’ bekämpft. Erst Ende der achtziger Jahre haben dann vor allem feministische Beratungsstellen zu Recht klargemacht, dass es keine gewaltfreien sexuellen Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen gibt. Freilich war es dabei nicht immer einfach, zwischen Bagatellisierung und Skandalisierung einen angemessenen Weg zu finden. Dann ergriff die Welle auch die katholische Kirche, und manche ihrer Vertreter verstanden die Welt nicht mehr. Hatten die Pädophilieentkriminalisierer sie gerade noch ob ihrer rigiden unmodernen Moral lächerlich gemacht, sollten sie jetzt plötzlich wegen ihrer Laschheit die eigentlichen Übeltäter sein” (FAZ vom 11. Februar 2010).

Mit Sicherheit sind die Missbrauchsfälle nicht zu 100% auf das Eindringen der sexuellen Revolution in die Kirche zurückzuführen. Solche Verbrechen kamen und kommen in allen Lagern und Richtungen vor. Aber durch die genannte Entwicklung wurden Hemmschwellen gesenkt, und sie stimmt auch mit dem statistischen Befund überein. Der behauptete Zusammenhang mit dem Zölibat und der kirchlichen Morallehre dagegen ist konstruiert, stellt einen Missbrauch des Missbrauchs (Lütz) dar und läuft als solche Instrumentalisierung auf eine Verhöhnung der Opfer heraus, wie es etwa in einer Talkshow (wir berichteten) deutlich wurde.


24. Mai
Neu in der Personenübersicht:
August Benninghaus, Norbert Scholl


23. Mai
Randnotizen zur Causa Piusbruderschaft (33):
Zerbröselnde Einheit

Dass die Einheit der Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht mit einem plötzlichen Knall infolge einer Spaltung zerreißt, sondern von innen her durch zermürbende Richtungskämpfe ganz allmählich zerbröselt, lehren uns die Dokumente, die aus ihrem Inneren ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Da gibt es etwa den Offenen Brief der 37 Priester, Gegner einer Einigung mit Rom, die mit ihrem Generaloberen Bischof Bernard Fellay so hart ins Gericht gehen, wie es die Piusbruderschaft mit dem Papst zu tun pflegte.

Herausgreifen möchte ich allerdings den Brief eines Priesters, mit dem ich sechs gemeinsame Seminarjahre in Zaitzkofen verbracht habe und der inzwischen Sedisvakantist geworden ist. P. Hermann Weinzierl erklärt darin seinem ehemals unmittelbaren Vorgesetzten, P. Franz Schmidberger, Distriktsoberer in Deutschland, warum er sich von der Piusbruderschaft getrennt hat. Das theologische Niveau seiner Argumentation ist nicht so hoch, dass Nichtsedisvakantisten beunruhigt sein müssten. So antwortet er auf das Argument Schmidbergers, “daß es eine Kirche ohne Papst nicht gibt und geben kann” mit der Belehrung, dass doch jedes Mal zwischen dem Tod eines Papstes und der Wahl eines neuen die Kirche ohne Papst existiere. Na, das hat P. Schmidberger bis dahin sicherlich noch nicht gewusst.

Es gibt allerdings eine Passage, die zutreffend das Verhalten der Piusbruderschaft beschreibt: “Gehorcht P. Schmidberger Benedikt XVI.? Nein! Er gehorcht ihm durchaus nicht, grundsätzlich nicht, zu keiner Zeit und in keiner Entscheidung. Er ‘gehorcht’ ihm letztlich nur, wenn er es selbst für richtig hält, wenn er meint, daß etwas katholisch ist usw., und auch das eigentlich nur theoretisch. D.h. P. Schmidberger folgt in allem seinem eigenen privaten Urteil und nicht dem Urteil des von ihm doch angeblich als legitim anerkannten Papstes in all seinen authentischen Akten.” Natürlich ist diese Art des Gehorsams kein Privatprivileg Schmidbergers, sondern Charakterzug der Piusbruderschaft und aller ihrer Mitglieder einschließlich Weinzierls, als er noch Mitglied war.

Doch grundsätzlich trifft diese Kritik den Kern des Problems und ist meine Rede, nur zieht Weinzierl die entgegengesetzte Konsequenz: nicht Gehorsam gegenüber dem Papst, sondern Leugnung seiner Existenz.

Hier zeigt sich, dass sich die Piusbruderschaft gewissermaßen in einem labilen Schwebezustand befindet (in der Randnotiz Nr. 20 sprach ich von ihrem Janusgesicht), der sich durch die ergebnislosen Verhandlungen mit Rom noch zugespitzt hat. Die Mitglieder des einen Flügels nehmen Anstoß daran, dass die Verhandlungen ergebnislos sind, die anderen daran, dass sie überhaupt stattfinden. Die einen wollen Fisch sein, die anderen Fleisch, aber niemand etwas, das weder Fisch noch Fleisch ist.

Als Alternative bleibt nur der blinde Gehorsam. So schrieb P. Schmidberger an P. Weinzierl: “Gerne erwarte ich deswegen Ihre feste Zusage, in der FSSPX bleiben zu wollen, mit oder ohne kirchenrechtliche Normalisierung von Seiten Roms.” Der Bruderschaftsleitung bleibt nichts anderes als diese Forderung übrig, will sie ihre Leute beisammenhalten, aber für den Priester, der sich mit dieser Forderung konfrontiert sieht, bleibt nur die Alternative der Überzeugungslosigkeit in der das Katholischsein im Nerv treffenden Frage “Wie verhalte ich mich zum Papst?” oder das zur Dispositionstellen der eigenen Überzeugung, so er eine hat, an die völlig ungewissen, künftigen Entscheidungen seiner Oberen. Dieses sacrifium intellectus, das die Führung der FSSPX ihren Mitgliedern zumutet, wäre nur berechtigt, wenn diese das Vertrauen haben könnten, dass in jedem Fall (ob Einigung mit Rom oder nicht) das Urteil ihrer Oberen das richtige ist, dass also - mit anderen Worten - ihre Oberen unfehlbar wären. Hier sehen wir deutlich, dass die Piusbruderschaft genau jene Vollmacht für sich in Anspruch nimmt, die in der traditionellen Theologie dem Papst zugesprochen, ihm aber in der Nouvelle Théologie der Piusbruderschaft nun abgesprochen wird.

Zu den anderen Randnotizen


22. Mai
Der geistige Hintergrund

Inzwischen versammeln sich in Paris abwechselnd jeden Abend einige Hundert Jugendliche. Die Initiative fand in zahlreichen anderen französischen Städten Nachahmung, aber auch im Ausland, etwa in Mailand und Madrid. Die Idee ging von zwei Freunden, Alix und Axel aus. Mehr weiß man über sie nicht. Medieninterviews lehnen sie ab.
Zu den zahlreichen, vorgetragenen Autoren gehören Victor Hugo, Paul Eluard, Sophokles, Robert Desnos, Charles Pierre Péguy, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Edmond Eugène Alexis Rostand, Jerzy Popiełuszko, Vaclav Havel, Antoine de Saint-Exupery, Alexis de Toqueville, Alexander Solschenizyn, zu den zitierten Filmen Hannah Arendt und Cristiada.

Aus einer Reportage von Antonio Righi über die Bewegung der Wächter (Veilleurs), die aus der Manif pour tous hervorgegangen ist. Was als krasser Gegensatz zu jener Homosexuellenbewegung, wie sie sich etwa im CSD (Christopher Street Day) manifestiert, in die Augen fällt, ist der anspruchsvolle geistige Hintergrund der Wächter. Die Millionen Demonstranten mobilisierende Bewegung Manif pour tous (Demo für alle) zur Rettung der Familie betreibt eine eigene Website, die aktuelle Informationen auch in deutscher Sprache anbietet. Wer auf Facebook ist, kann dort sowohl die Wächter wie auch Manif pour tous unterstützen.


22. Mai
In eigener Sache

Wo sind Beiträge von der Startseite geblieben?
Meine Kritik an Christian Modehn Der Papst ist schuld habe ich als Glosse Nr. 10 auf der einschlägigen Seite untergebracht. Das berührende Zeugnis über die Kraft der Vergebung finden Sie nun im Anschluss an den Bericht von Urs Keusch über das Schicksal von James Bain. Auf einer eigenen Seite sind die Beiträge zum letztjährigen Katholikentag untergebracht worden.


21. Mai
Geprägt vom Reformkonzil

Die Mittwochskatechesen Papst Benedikts XVI. über die Kirchenlehrer der Neuzeit

Von P. Daniel Eichhorn

Die Mittwochskatechesen der Päpste sind mittlerweile eine jahrzehntealte und feste Institution, die aus dem Alltag Roms nicht mehr wegzudenken sind. Bereits am Dienstag nachmittag schwillt der Besucherstrom der Ewigen Stadt an, bis er am Donnerstag vormittag wieder abebbt: Das katholische Leben rund um den Vatikan bewegt sich im Rhythmus der Mittwochsaudienzen - was Rom von seiner katholischen Seite betrifft, gehört die Wochenmitte auch heute noch dem Papst. Die Pilger wollen Benedikt XVI. sehen, aber vor allem auch hören. Was er zu sagen hat, ruft Menschen aus nah und fern auf den Petersplatz oder in die Halle Pauls VI. In den Katechesen zeigt sich der Nachfolger Petri als Lehrer des pilgernden Volkes Gottes, der in möglichst einfachen Worten tiefe Wahrheiten und Einsichten des Glaubens aus einem reichen Priester- und Gelehrtenleben vermittelt. Daß Benedikt der Kirche schon jetzt eine gewisse Prägung auf längere Zeit gegeben hat, läßt sich bereits absehen. Daran wirken nicht nur die Pastoralreisen, persönlichen Begegnungen und die erneuerte Feierlichkeit und Sakralität seiner gottesdienstlichen Handlungen mit, sondern gerade auch sein Wort. Schon immer war Joseph Ratzinger ein Mann des Wortes. In seinem Amt als Papst steht dabei nicht seine eigene theologische Lehrmeinung oder persönliche Vorliebe im Mittelpunkt - wenngleich diese gelegentlich durchaus durchscheinen, was vollkommen legitim ist. Zentrum seiner Ausführungen ist immer das göttliche Wort selber, dem die Kirche und der Papst dienen. Versteht er sich doch als erster Zeuge Christi, als oberster Garant des apostolischen Glaubens. Dahinter steht die Einsicht, daß die Kirche nichts Größeres und Höheres bieten kann, als das Größte und Höchste schlechthin: Gott selbst nämlich. Zugleich entspricht es seiner Haltung persönlicher Bescheidenheit und Demut, welche die wahre menschliche Größe ist!

Aus der überaus großen Schar der Heiligen ernennt die Kirche einige sehr spezielle zu „Kirchenlehrern“ - Menschen, deren Lehre und Leben für die ganze Christenheit von ganz besonderer Bedeutung sind. Sie müssen sich auszeichnen durch Heiligkeit des Lebens und hervorragende Kenntnisse im Hinblick auf den Glauben bzw. die Theologie. Der Papst stellt uns sechs solcher Männer und zwei solcher Frauen als Kirchenlehrer bzw. Kirchenlehrerinnen ebenso sachkundig wie lebendig vor Augen. Damit fordert er uns gleichsam zur Beschäftigung mit diesen Gestalten des Glaubens auf. Ja, jeder Leser ist eingeladen, sich aus der Schar der Heiligen jene herauszusuchen, die ihm in besonderer Weise entsprechen und sie sich zu persönlichen Freunden und Lehrmeistern christlicher Weisheit zu machen. Die Texte des römischen Bischofs atmen dabei eine wirkliche Anteilnahme am Leben jener heiligen Lehrer, und sie offenbaren immer wieder auch das persönliche Empfinden Papst Benedikts.

Sämtliche jener sechs Kirchenlehrer und zwei Kirchenlehrerinnen, die der Heilige Vater uns vorstellt, sind Menschen der Neuzeit. Die meisten lebten in der Zeit von Spätrenaissance und Barock. Es ist die Zeit des Trienter Konzils (1546-1563) und danach, eine Periode, die stark von jenem Reformkonzil geprägt wurde und die Kirche zu neuer Blüte brachte. Nur die heilige Therese von Lisieux als Kind des 19. Jahrhunderts stammt aus späterer Zeit. Vereinigt sind sie also alle darin, daß sie in gewisser Weise „moderne Menschen“ sind. Aber was heißt das schon? Selbstverständlich hat jede Zeit ihre besonderen Anschauungen, Moden und Verhaltensmuster, ihre speziellen Vorlieben und eben für ihre Zeit „typischen“ Überzeugungen. Doch unbeschadet dieser eher vordergründigen Wandlungen gibt es etwas Bleibendes im Wesen des Menschen. Seine Bedürfnisse, Antriebe und Wünsche sind im Grunde doch immer die gleichen: Der junge Theologe Joseph Ratzinger spricht daher nicht nur vom „heutigen Menschen“, sondern eben gerade auch vom „allzeit einen Menschen“ [1]. Ja, vielleicht handelt es sich bei jenem „modernen Mensch“ letztlich um eine Chimäre, die noch niemand zu Gesicht bekam... Gerade deshalb aber, weil der Mensch im Grunde eben doch immer derselbe ist, ist die Lehre der hier vorgestellten acht Kirchenlehrer eine noch heute gültige, ja in gewisser Weise ewig gültige!

Ihre Lehre ist Weisheit und Erfahrung. Petrus Canisius und Robert Bellarmin, beide Jesuiten, waren Koryphäen der Wissenschaft. Doch Canisius wurde „allen alles“, er war auch ein Mann des christlichen Volkes mit viel Feinsinn und Gespür, wie der Papst aufzeigt: „In einem Augenblick der Geschichte, der von starken konfessionellen Gegensätzen geprägt war, vermied er, was außergewöhnlich ist, jede Bitterkeit und zornige Rhetorik – das war, wie gesagt, zu jener Zeit in den Auseinandersetzungen zwischen Christen selten“. Genau wie die Gestalt Joseph Ratzingers steht auch gerade Bellarmin als Professor in Löwen und Rom in besonderer Weise für die universitäre Theologie. Auch an der Höhe der Begabung ebenbürtig, wurden beide später Kardinäle der Römischen Kirche. Zwischen Bonaventura, Ratzingers großem theologischem Richtpunkt im Mittelalter, Bellarmin und Ratzinger bestehen auffällige Lebensparallelen.

Anmerkungen:

[1] Joseph Ratzinger, Debatte über das Offenbarungsschema, in: Klerusblatt 11 (1963) 209-210, hier 210.

Es handelt sich bei diesem Text um das Vorwort, das P. Daniel Eichhorn FSSP für das Buch Benedikt XVI., Kirchenlehrer der Neuzeit geschrieben hat. Das sehr ansprechend gestaltete Buch ist 2012 im Lepanto Verlag, Bonn erschienen.

Zweiter Teil folgt.


20. Mai
Wider den Ausschluss des Übernatürlichen

Von Léon Bloy

An einen Mathematiker:

Ihre Briefe lehren mich nichts außer dem Bankrott Ihrer Vernunft. Und wie! Mein Lieber, Sie zweifeln an der Kirche, weil es unwürdige Priester oder Gläubige gibt, von denen Sie im Übrigen nicht einmal die Anzahl kennen können. Mit anderen Worten zweifeln Sie an der Mathematik, weil Sie einen oder 377 Algebra- oder Trigonometrielehrer kannten, die Schweine waren. Ja wirklich, das ist einfach zu dumm, gestatten Sie, dass ich es Ihnen mit Liebe sage, wie ich es schon so oft zu de Groux gesagt habe, das stinkt nach zu viel Stammtischgeschwätz, nach dem Geschwätz von reisenden Erdöl- und Kuhlederverkäufern. Alles ist verzeihlich, entschuldbar, erträglich, aber man darf nicht mittelmäßig sein. Das ist unmöglich. Sie kennen keinen Priester, sagen Sie, der imstande wäre, Ihren Gehorsam zu erlangen. Warum sagen Sie mir das, mir, mein lieber Freund? Ich bin weder ein Nachbar aus dem Café noch ein Büroangestellter noch ein Feldwebel noch ein Hausmeister, ja nicht einmal einer dieser tiefgründigen Schuster, über die sich die Weisheit wundert. Ich denke, dass Sie diese Worte nicht ohne etwas Scham haben schreiben können.

Ich habe Priester gekannt, die bewundernswerte Männer waren, davon kenne ich immer noch welche und davon werde ich noch andere kennenlernen, die nur die Ehre Gottes, das Heil der Seelen und die Evangelisierung der Armen im Blick haben. Wir sind so tief gefallen, dass diese Worte grotesk geworden sind, aber ich habe keine Angst sie aufzuschreiben.

Sentimentale Einwände haben keinen Wert. Haben wir, ja oder nein, die Pflicht, Gott und der Kirche zu gehorchen? Das ist der springende Punkt. Von diesem sehr einfachen Standpunkt aus, ist der Priester nicht mehr als ein übernatürliches Instrument, ein Erzeuger des Unendlichen, und man muss schon ein Esel sein, um es anders zu sehen, denn dies alles passiert und muss passieren im Absoluten. Seit mehr als dreißig Jahren höre ich heilige Messen, die von Priestern gelesen wurden, die mir unbekannt sind, und ich beichte bei anderen, bei welchen ich nicht weiß, ob sie Heilige sind oder Mörder. Bin ich denn deren Richter und wäre ich nicht töricht, wenn ich mir anmaßte, über sie Erkundigungen einzuziehen? Mir reicht es zu wissen, dass die Kirche göttlich ist, dass sie nur göttlich sein kann und dass die durch einen schlechten Priester gespendeten Sakramente die gleiche Wirkung haben wie die durch einen Heiligen gespendeten.

Ist das nicht zum Weinen, mein lieber Freund? Ich bin hier unter Kamelen, der Pein ausgeliefert, und ich muss Ihnen, einem Katholiken, diese grundlegenden Dinge schreiben, die nicht einmal einem gebildeten Ketzer unbekannt sein dürfen. Das ist traurig.

Noch eine Bemerkung, die sehr einfach ist und die, so denke ich, Ihren Geist wachrütteln wird, denn sie hat etwas Mathematisches an sich. Die protestantische Welt, die mich umgibt, ist zweifellos hässlich, mittelmäßig und so viel wie überhaupt möglich des Absoluten bar. Was ist der eigentümliche Charakter dieser Welt? Es ist der Ausschluss des Übernatürlichen, das aus dem Christentum ausgeschlossene Übernatürliche, also die unlogischste und unsinnigste Idee, die jemals in den menschlichen Kopf eindringen konnte. Die Folge davon ist die Verachtung des Priestertums, die Entwertung der priesterlichen Tätigkeit, in der allein sich das Übernatürliche manifestieren kann. Ohne die Macht zu weihen, zu binden und zu lösen, verschwindet das Christentum, um in den Ställen Luthers und Calvins einem niederträchtigen Rationalismus Platz zu machen, der noch minderwertiger ist als der Atheismus. Der katholische Priester hat eine solche Begnadung, dass die Erhabenheit seiner Weihe selbst dann, wenn er unwürdig ist, sich Bahn bricht. Selbst ein krimineller Priester, der strafwürdig ist und meinetwegen die größte Verdammnis verdient, hat doch die Macht, die Wandlung, die Transsubstantiation zu vollziehen! Wie kann man diese unendliche Schönheit nicht spüren?

Von der Messe zurückkommend, finde ich Jesus in unserem Haus. Madeleine ist aufgewacht, während sie seinen Namen aussprach, und sie sagte, dass er an an der Tür war und dass man ihm öffnen müsse. Das ist der Schmerz.

Es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug aus Léon Bloys Mon Journal, das die Jahre 1896 - 1900 umfasst, in deutscher Übersetzung 1958 bei Glock und Lutz in Nürnberg unter dem Titel Die heilsame Verfolgung. Tagebücher des Verfassers 1896 - 1900 erschienen, übersetzt von P. A. Roesicke. Wir legen hier eine eigene Übersetzung von Dominik Weissenburger vor. Der französische Originaltext ist auf der Internetpräsenz der Kongregation für den Klerus veröffentlicht. Wir geben ihn hier wieder:

A un mathématicien :

Vos lettres ne m’apprennent rien, sinon la banqueroute de votre raison. Eh quoi ! mon cher, vous doutez de l’Eglise parce qu’il y a des prêtres ou des fidèles indignes dont vous ne pouvez, d’ailleurs, savoir le compte. En d’autres termes, vous doutez des mathématiques parce que vous connûtes un professeur ou trois cent soixante-dix-sept professeurs d’algèbre ou de trigonométrie qui étaient des porcs. Vraiment, c’est trop bête, souffrez que je vous le dise avec amour comme je l’ai tant dit à de Groux, trop garno, trop table d’hôte, trop commis-voyageur en pétroles ou en peaux de vache. Tout est pardonnable, excusable, supportable, mais il ne faut pas être médiocre. Ça, c’est impossible. Vous ne connaissez pas, dites-vous, " de prêtre qui aurait pu obtenir votre obéissance ". Pourquoi me dire cela, à moi, mon cher ami ? Je ne suis pas un voisin de café, ni un employé de bureau, ni un sergot, ni un concierge, ni même un de ces profonds cordonniers dont la sagesse étonne. Je pense que vous n’avez pu écrire ces mots sans un peu de honte. J’ai connu des prêtres qui étaient d’admirables hommes, j’en connais encore et j’en connaîtrai d’autres qui n’ont en vue que la Gloire de Dieu, le Salut des Ames, l’Evangélisation des Pauvres. On est tombé si bas que ces mots sont devenus grotesques, mais je n’ai pas peur de les écrire.

Les objections sentimentales n’ont aucune valeur. A-t-on, oui ou non, le devoir d’obéir à Dieu et à l’Eglise ? Tout est là. De ce point de vue très-simple le prêtre n’est plus qu’un instrument surnaturel, un générateur d’Infini, et il faut être un âne pour voir autre chose, car tout cela se passe et doit se passer dans l’Absolu. Depuis plus de trente ans, j’entends des messes dites par des prêtres inconnus de moi et je me confesse à d’autres dont j’ignore s’ils sont des saints ou des assassins. Suis-je donc leur juge et quel sot ne serais-je pas si je prétendais m’enquérir ? Il me suffit de savoir que l’Eglise est divine, qu’elle ne peut être que divine et que les Sacrements administrés par un mauvais prêtre ont la même efficace qu’administrés par un saint.

N’est-ce pas à pleurer, mon cher ami ? Je suis ici chez des chameaux, livré aux tourments, et il me faut vous écrire, à vous catholique, ces choses rudimentaires qu’un hérétique instruit n’a pas le droit d’ignorer, c’est désolant.

Voici une remarque très-simple et qui doit, je pense, frapper votre esprit, car elle a quelque chose de mathématique. Le monde protestant qui m’environne, est incontestablement laid, médiocre, dénué d’absolu autant que possible. Quel est le caractère propre de ce monde-là ? C’est l’exclusion du surnaturel, c’est le Surnaturel exclu du Christianisme. c’est-à-dire l’idée la plus illogique et la plus déraisonnable qui ait jamais pu entrer dans la tête humaine. Conséquence, le mépris du Sacerdoce, l’avilissement de la fonction sacerdotale en dehors de quoi le surnaturel ne peut être manifesté. Sans le pouvoir de consacrer, de lier et de délier, le Christianisme s’évanouit pour faire place, dans les étables de Luther et de Calvin, à un rationalisme abject, certainement inférieur à l’athéisme. Le prêtre catholique a une telle investiture que, s’il est indigne, la sublimité de son Ordre éclate d’autant. Voici un prêtre criminel, passible, si on veut, de la plus ample damnation, et qui, cependant, a le pouvoir de transsubstantier ! Comment ne pas sentir cette Beauté infinie ?

Revenant de la messe, je trouve Jésus dans notre maison. Madeleine s’est réveillée en prononçant son nom, en disant qu’il était à la porte et qu’il fallait lui ouvrir. C’est la Douleur.


19. Mai
Nicolas Gomez Davila

Vor 100 Jahren, am 18. Mai 1913, wurde Nicolas Gomez Davila geboren.


19. Mai
Dringendste Projekte

Während in den arabischen Hinterhöfen die Christen verfolgt und vertrieben werden, diskutiert die hiesige Intelligenz über die Homo-Ehe und das Frauenpriestertum als dringendste Reformprojekte für den neuen Papst. Frohe Ostern.

Peter Keller, Historiker und Kulturredaktor, in der Weltwoche vom 28. März 2013 in seinem Artikel Stilles Sterben über das dramatische Schicksal der Christen im Vorderen Orient. Im Irak etwa ging die Zahl der Christen aufgrund des Erstarkens der islamistischen Kräfte von 1,4 Millionen im Jahr 1987 auf knapp 400.000 zurück.


19. Mai
Generalkapitel

Vor 750 Jahren, am Pfingstfest des Jahres 1263, tagte in Pisa das Generalkapitel der Franziskaner, das ihr Generalminister (so wird bei den Franziskanern der Generalobere genannt), der hl. Bonaventura (1217 - 1274, Generalminister seit 1257) dorthin einberufen hatte. Hier wird u.a. bestimmt, dass das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens im ganzen Orden gefeiert werde. Außerdem billigte es die Vita des hl. Franziskus, die Bonaventura im Auftrag des Generakapitels von 1260 geschrieben hatte. Damals fiel der Pfingstsonntag auf den 20. Mai.


18. Mai
Zentralismus der Reformer

In der neueren Liturgiegeschichte ist es zu einem bemerkenswerten Zentralismus gekommen. Nur mit seiner Hilfe konnte sich die Liturgiereform so rasch und flächendeckend durchsetzen. In wenigen Jahren entwarfen die römischen Kommissionen eine völlig neu erstellte “editio typica” aller liturgischen Bücher, und wenig später folgten in allen großen Sprachen die Übersetzungen. Ein Stichdatum wurde festgelegt, und ab diesem Tag waren nur noch diese zu verwenden. So stellt der gesamte Vorgang das Musterbeispiel einer top-down-Reform in einer pyramidal gebauten Institution dar, die ihre Maßnahmen global durchzusetzen versteht, von Alaska bis Zentralasien. Für die Überbetonung der Zentralgewalt weist die Forschung dem Konzil von Trient und Papst Pius V. die Verantwortung zu, die angeblich die oberste liturgische Autorität strikt an den Heiligen Stuhl banden und gleichzeitig die Liturgie der Kirche romanisierten. Beides trifft nicht zu. Trient ist in vielerlei Hinsicht das Konzil der Entpapalisierung und der über die Bischöfe bis hin zu den Pfarrern und den Familien klug verteilten Verantwortung: So schuf die Residenzpflicht von Bischöfen und Pfarrern erst das Bild eines Hirten, der den Stab für seinen Sprengel auch wirklich in die Hand nimmt ...

Aus: Prof. Dr. Andreas Wollbold, Die große Erleichterung. Warum die Liturgiereform so erfolgreich war, in: Dominus Vobiscum Nr. 6, April 2013, S. 8.


18. Mai
Heilige

Vor 10 Jahren, am 18. Mai 2003, wurde in Rom Józef Sebastian Pelczar (1842-1924), Urszula Ledóchowska (1865-1939), Virginia Centurione Bracelli (1587-1651) und Maria De Mattias (1805-1866) heiliggesprochen. Letztere hatte, getrieben von dem Wunsch, “allen die zärtliche Liebe des himmlischen Vaters” oder die “gekreuzigte Liebe” kundzutun, 1834 die Kongregation der Anbeterinnen des Blutes Christi gegründet, inspiriert vom hl. Kaspar del Bufalo, den sie mit 17 Jahren auf einer Volksmission erlebt hatte.


17. Mai
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

Achter Teil

Der heilige Thomas bemerkt [9] über diese Argumente in seiner bündigen Kürze: die in ihnen enthaltenen Bemerkungen träfen bei Gott zu und bestätigten den Glauben an die Dreifaltigkeit, wenn dieser selbst ihnen als Wurzel und Basis zu Grunde gelegt würde, d. h. wenn man die Möglichkeit und Wirklichkeit der Dreifaltigkeit annähme und dann durch diese Bemerkungen zeigte, wie sehr sich in dieser Wahrheit die Größe und Unendlichkeit der göttlichen Macht, Güte und Seligkeit kundgebe; aber die Wurzel selbst könnten sie nicht beweisen, weil nämlich alle diese Gründe voraussetzen, daß die Dreifaltigkeit in Gott als zulässig und möglich erkannt werde, was nur dadurch geschieht, daß die Offenbarung uns dieselbe als wirklich darstellt. Und in der Tat sind alle jene Bemerkungen nichts anderes als Blüten, welche eine aufmerksame Betrachtung des durch den Glauben gegebenen Dogmas aus ihm wie aus einer Wurzel hervorlockt, um die ganze Schönheit und Herrlichkeit desselben vor unsern Augen zu entfalten; sie sind eben nur eine Entwicklung der gegebenen Idee des Dogmas, die nur dazu dient, uns mit dem Inhalte desselben vertraut und befreundet zu machen. Aber sie können uns nicht von der Wirklichkeit ihres Inhaltes überzeugen, wenn derselbe nicht als wirklich gegeben und angenommen ist; sie können das ebensowenig, als die Blüten die Wurzel zu tragen vermögen, aus der sie entsprossen sind. Da wir jedoch in der Regel den Gehalt und Wert einer Wurzel nach ihren Blüten schätzen, so kann auch hier ein Ungläubiger, in dem das Dogma noch nicht festen Fuß gefaßt, durch den Anblick seiner herrlichen Blüten eingeladen werden, dasselbe durch den Glauben in seiner Seele Wurzel schlagen zu lassen und so den Schatz, dessen Schönheit er bewunderte, sich wirklich zu eigen zu machen. Nimmt man den Glauben nicht als Wurzel an und will auf rein rationellem Wege die Trinität deduzieren, so muß man den natürlichen Gottesbegriff zur Wurzel nehmen; dann darf man aber auch die Macht, Vollkommenheit, Güte und Seligkeit Gottes nur als Blüten dieser Wurzel betrachten, d. h. insofern es Momente und Eigenschaften der schöpferischen Natur Gottes als solcher sind, nicht insofern sie als Momente eines Prozesses auftreten, wodurch diese Natur selbst mitgeteilt wird. [10]

Unser zu Anfang geführter Beweis für die Indemonstrabilität der Dreiheit der göttlichen Personen hat sich also auch bei der Umschau über die verschiedenen rationellen Beweisverfahren, die durch die Tat unsere Theorie umstoßen sollten, entschieden bewährt, indem alle diese Verfahren, um zum Ziele zu kommen, entweder irrationell werden müssen durch Fehlschlüsse, oder überrationell durch Hinzunahme von Glaubenswahrheiten. Und zwar sind die für unsern Satz sprechenden Gründe derart, daß wir hinzufügen können, sie gelten nicht bloß für uns Menschen, sondern überhaupt für jeden geschaffenen Geist, also auch für die Engel. Auch die Engel erkennen Gott natürlicherweise nur aus seinen Werken, wenngleich sie diese, und somit auch Gott, ungleich vollkommener erkennen als wir Menschen, und wir haben eben bewiesen, daß die Dreifaltigkeit Gottes aus seinen Werken nicht erkannt werden könne. Die Theologen streiten noch darüber, ob nicht aus gewissen übernatürlichen Werken Gottes, die aber wiederum dem natürlichen Auge des geschaffenen Geistes nicht zugänglich sind, die Trinität erkannt werden könne. Im allgemeinen ist zu sagen, die Trinität könne nicht aus einem geschaffenen Gegenstande erschaut oder erschlossen, sondern nur in sich selbst geschaut werden durch die unmittelbare Anschauung Gottes, die für jeden geschaffenen Geist absolut übernatürlich ist. Um so mehr sind also wir Menschen der Gnade Gottes zum Dank verpflichtet, daß er uns dieses unerforschliche Geheimnis, zu dem selbst die Engel nicht vorzudringen vermochten, so gütig und liebevoll geoffenbart hat.

Anmerkungen:

[9] I, q. 32, a. I ad 2: "Ad secundum dicendum, quod ad aliquam rem dupliciter inducitur ratio: Uno modo ad probandum sufficienter aliquam radicem, sicut in scientia naturali inducitur ratio sufficiens ad probandum, quod motus coeli semper sit uniformis velocitatis, Alio modo inducitur ratio, non quae sufficienter probet radicem, sed quae radici iam positae ostendat congruere consequentes effectus, sicut in Astrologia ponitur ratio excentricorum epicyclorum ex hoc, quod hac positione facta possunt salvari apparentia sensibilia circa motus coelestes. Non tamen ratio haec est sufficienter probans, quia etiam forte alia positione facta salvari possent. Primo ergo modo potest induci ratio ad probandum Deum esse unum, et similia. Sed secundo modo se habet ratio, quae inducitur ad manifestationem Trinitatis; quia s. Trinitate posita congruunt huiusmodi rationes, non tamen ita, quod per has rationes sufficienter probetur Trinitas personarum. Et hoc patet per singula. Bonitas enim infinita Dei manifestatur etiam in productione creaturae, quia infinitae virtutis est ex nihilo producere. Non enim oportet, si infinita bonitate se communicat, quod aliquid infinitum a Deo procedat, sed secundum modum suum recipiat divinam bonitatem. Similiter etiam quod dicitur, quod sine consortio non potest esse iucunda possessio alicuius boni, locum habet, quando in una persona non invenitur perfecta bonitas, unde indiget ad plenam iucunditatis bonitatem bono alicuius alterius consociari sibi. Similitudo autem intellectus nostri non sufficienter probat aliquid de Deo propter hoc, quod intellectus non univoce invenitur in Deo et in nobis. Et inde est, quod Aug. supra prima dicit, quod per fidem venitur ad cognitionem et non e converso."

[10] Eine gründliche Kritik anderer, von uns übergangener Beweisversuche siehe bei Dieringer, Lehrbuch der Dogmatik, 4. Aufl., § 24.

Wird fortgesetzt

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16. Mai
Erfüllte Pflicht

Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich nicht überrascht. Ich habe ihn im Sommer 2012 in einem Gespräch mit Pater Franz Schmidberger vorausgesagt. Der Papst ist zurückgetreten, weil er sich, der Kirche und der Welt das Schauspiel eines Nachfolgers Petri ersparen wollte, der sein Amt festhält, obwohl er es nicht mehr adäquat ausüben kann. Wer mit Gewißheit erkennt, daß er einem Amt nicht (mehr) gewachsen ist, hat die Pflicht, es aufzugeben. Das hat Benedikt getan.

Prof. Dr. Georg May im Gespräch mit der Kirchlichen Umschau, März 2013, S. 14.

Zum Thema


16. Mai
Kaspar del Bufalo

Vor 200 Jahren, am 16. Mai 1813, wurde der hl. Kaspar del Bufalo (1786 - 1837) wegen seiner dritten Verweigerung des Treueids für Napoleon von der Festung von Imola nach dem Kastell von Lugo gebracht. Zum ersten Mal hatte der Heilige den Treueid am 13. Juni 1810 verweigert und war deshalb nach Piacenza verbannt worden. Ein Jahr zuvor hatte Napoleon den Papst aus Rom verschleppt. Mit dem Treueeid sollte Napoleon an dessen Stelle als neuer Herr von Rom anerkannt werden. Der hl. Kaspar del Bufalo, damals Kanoniker, antwortete dem Boten des Kaisers in der Präfektur im Palazzo Borromeo: “Ich kann nicht, ich darf nicht, ich will nicht, und ich füge hinzu, dass ich bereit bin, alle Folgen auf mich zu nehmen, selbst den Tod.” Was folgte, waren Jahre der Verfolgung, des Leidens und der Läuterung.


16. Mai
Roque González de Santa Cruz

Vor 25 Jahren, am 16. Mai 1988, wurde Roque González de Santa Cruz SJ (1576 - 1628) heiliggesprochen. Er war ein Pionier der Jesuitenreduktionen in Südamerika. 1934 wurde er von Pius XI. seliggesprochen.


15. Mai
Gebotene Blasphemien?

Blasphemien sind geboten, um unsere Fixierungen (unsere Erfahrungen) auf und von Gott zu lösen. Die Evangelische Kirche begrüßt daher freudig alle Formen von Blasphemie, insbesondere diejenigen, die ihr selber wehtun!

Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke auf dem 34. Evangelischen Kirchentag, zitiert in einem Bericht von Karsten Huhn über denselben: Jeder findet die Bibel anders, in IdeaSpektrum vom 8. Mai 2013, S. 21. Harald Schroeter-Wittke ist Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Evangelischen Religionslehre in Paderborn. Theologisch leitet der Herr Professor seine positive Blasphemiewertung aus der Tatsache ab, dass Jesus wegen Blasphemie verurteilt worden sei. Seitdem sei Blasphemie aus protestantischer Sicht völlig gegenstandslos. Gott könne nicht beleidigt werden. Mein Kommentar: Da bleibt für die Ökumene noch einiges zu tun. Bekommt die katholische Kirche mal wieder den Schwarzen Peter, wenn sie da nicht mitzieht?


15. Mai
Erste Benediktinerabtei im Fernen Osten

Vor 100 Jahren, am 15. Mai 1913, wurde das dreieinhalb Jahre zuvor in Seoul gegründete Benediktinerkloster St. Benedikt zur Abtei erhoben. Damit war es die erste Benediktinerabtei im Fernen Osten. Das Kloster war von P. Bonifatius Sauer gegründet worden, der von St. Ottilien aus dorthin gesandt worden war. Er wurde auch der erste Abt des Klosters und blieb es bis zu seinem Märtyrertod unter den Kommunisten am 7. Februar 1950.


15. Mai
Peter Koslowski

Vor einem Jahr, am 15. Mai 2012, starb im Alter von 59 Jahren der Philosoph Peter Koslowski. Er war ein Schüler Robert Spaemanns, Gründer des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover, “eine unbestrittene Autorität auf dem Gebiet der Wirtschaftsethik” (Reinhard Neck) und Autor u.a. des Werkes Ethik der Banken, in dem er “einen substantiellen Beitrag zur Kritik der ökonomischen Theorie” (Christian Geyer in der FAZ vom 17. Mai 2012) leistete.


14. Mai
Monatsranking: Die Top 12 im April

Der Aufsteiger des Monats, ausgelöst durch die skandalöse ZDF-Verfilmung, ist der Beitrag über Isa Vermehren. Zum ersten Mal in der Rankinggeschichte bleiben die ersten fünf Plätze unverändert.
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14. Mai
Vertrauen in die Vernunft

Wenn Joseph Ratzinger über Aufklärung spricht, meint er nicht das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert, sondern er spricht von der Aufklärung durch die klassische griechische Vernunft. Da zeigt er auf, dass das Christentum nicht die griechische Götterwelt übernommen hat, denn es hat nicht Zeus getauft und Athene, sondern es hat die griechische Vernunft einbezogen. Nicht nur Paulus, sondern auch andere „übersetzen“ sie ins Christentum. Denn die Vernunft ist eine Fähigkeit im Menschen, die keine Standesunterschiede, keine sozialen Klassen aufbaut. Sondern sie ist ein Vermögen, mit dem man die Welt durchdringt. An dieser Stelle sieht Ratzinger eine Gemeinsamkeit mit allen Nicht-Gläubigen, indem wir über die Vernunft Position beziehen, nämlich die Behauptung aufstellen, dass diese Welt lesbar, nicht irrsinnig und nicht undurchschaubar einem blinden Fatum unterworfen ist.

Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz im Interview mit Guido Horst, aus: Vertrauen in das Fleisch - und in die Vernunft, Tagespost vom 11. Mai 2013, S. 13

Ratzinger als Anwalt der Vernunft

Über den verfehlten Hellenisierungsvorwurf an Ratzinger


14. Mai
Michael Garicoits

Vor 150 Jahren, am 14. Mai 1863, starb in Bétharram im Alter von 66 Jahren der hl. Michael Garicoits. Er gründete mit Unterstützung der hl. Johanna Elisabeth Bichier des Ages (1773 - 1838) die Genossenschaft der Priester des heiligsten Herzen Jesu von Bétharram. 1923 wurde er selig-, 1947 heiliggesprochen, zusammen mit der erwähnten Heiligen.


13. Mai
Tradition und Lehramt

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter Teil

Erzbischof Lefebvre sprach oft von “der Tradition”, und manchmal meinte er damit die kirchliche, manchmal die göttliche Tradition, ohne die beiden zu unterscheiden.

Kehren wir zurück zur göttlichen Tradition: Sie wurde mündlich weitergegeben in der Verkündigung und Predigttätigkeit der Apostel. Der hl. Paulus schreibt, dass der Glaube vom Hören komme: “Fides ex auditu” (Röm 10,17).

Aber selbstverständlich wurde die mündliche Überlieferung auch immer wieder schriftlich fixiert, und zwar zweifach: in der Hl. Schrift und außerhalb der Hl. Schrift. Die Hl. Schrift, also die Bücher des Neuen Testaments, sind schriftlicher Niederschlag der Tradition, und zwar geschrieben unter dem inspirierenden Beistand des Hl. Geistes. Aber auch danach ging es weiter mit dem schriftlichen Niederschlag der Tradition. Was gehört alles dazu? Unter anderem:

1. Die Glaubensbekenntnisse (Symbola), besonders das Apostolische, das Athanasianische und das Nizänisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis: das erste beten wir vor dem Rosenkranz, das letztere in der hl. Messe.
2. Die Liturgien.
3. Die Konzilien und die Erlässe der Päpste.
4. Die Schriften der Kirchenväter.

Alle diese Schriften sind je auf ihre Weise Zeugnisse oder Dokumente oder Urkunden der Tradition. Wenn man also wissen will, was zur Tradition gehört, muss man auf diese Zeugnisse zurückgreifen.

Aber wir haben oben gesehen, dass die Hl. Schrift auch rein kirchliche Traditionen überliefert. Wenn das für die Hl. Schrift gilt, so gilt das erst recht und noch mehr für die Traditionsdokumente. Also längst nicht alles, was wir dort finden, gehört zur göttlichen Tradition, ist also Offenbarungswahrheit. Wir brauchen folglich Kriterien, um innerhalb der Traditionsdokumente göttliche und menschliche Tradition unterscheiden zu können.

Solche Kriterien hat der hl. Vinzenz von Lerin entwickelt, ein Kirchenvater aus dem 5. Jahrhundert. Er gibt drei Kriterien an: Nach ihm gehört zur Tradition, was (1.) überall, (2.) immer und (3.) von allen geglaubt worden ist.

Deshalb lehrt die Kirche z.B. (im Tridentinum und im Ersten Vaticanum), dass man die Schrift immer gemäß dem Konsens der Väter auslegen muss: natürlich nur dort, wo dieser Konsens auch besteht.

Aber selbst die Regel des hl. Vinzenz von Lerin kommt kaum über den Charakter einer Faustregel hinaus. Der Dogmatiker Bernhard Bartmann schreibt dazu: “Unklar ist, ob die Momente konjunktiv oder disjunktiv gelten, ob absoluter oder moralischer Konsens erforderlich ist; ob das Alter von der expliziten oder impliziten Lehre gilt; endlich bedarf es noch der Kirche selbst mit ihrem Urteil, ob alle Momente in einem bestimmten Falle zutreffen. Die Regel war für den Privatgebrauch aufgestellt in einer Zeit, in der das Papsttum noch nicht leicht bei Neuerungen angerufen werden konnte” (Lehrbuch der Dogmatik, Erster Band, Freiburg im Breisgau 71928, S. 30).

Mit anderen Worten: Die Regel des hl. Vinzenz von Lerin ist ihrerseits nur eine provisorische Regel, die bei umstrittenen Fragen nur ein vorläufiges, aber kein endgültiges Urteil darüber erlaubt, was zur Tradtion gehört oder nicht.

Um zu einem endgültigen Urteil zu kommen, bedarf es deshalb einer göttlich legitimierten Entscheidungsinstanz, und das ist das kirchliche Lehramt. Es bedarf eines Urteils, das kein Privaturteil ist, sondern ein offizielles und autoritatives Urteil, also das Urteil einer sichtbaren, d.h. öffentlich greifbaren Instanz, die über den Parteien einer theologischen Kontroverse steht und von Gott eingesetzt und legitimiert ist. Genau das ist der Sinn des kirchlichen Lehramtes.

II. Das kirchliche Lehramt

Die Theologen verwenden in diesem Zusammenhang den Begriff der Glaubensregel. Das kirchliche Lehramt ist die nächste und unmittelbare Glaubensregel, Schrift und Tradition sind entferntere Glaubensregeln.

Mit Glaubensregel ist hier die Norm gemeint, nach der wir unterscheiden können, was zum Glauben gehört und was nicht. Wir wissen, dass wir alles glauben müssen, was Gott geoffenbart hat, und wenn wir die Tugend des Glaubens besitzen, wollen wir auch alles glauben, was Gott geoffenbart. Aber woher wissen wir, was zum Offenbarungsgut gehört? Dazu können wir Schrift und Tradition befragen. Aber diese beiden sind nur die entferntere Glaubensregel, weil sie selber der Auslegung bedürfen. Viele Stellen, Passagen und Lehren der Hl. Schrift können verschieden verstanden und gedeutet werden, und die Geschichte zeigt uns, dass dies auch tatsächlich oft geschah und geschieht. Wer entscheidet, welches die richtige Auslegung ist? Damit in einer geschichtlich konkreten Auseinandersetzung eine Entscheidung möglich ist, bedarf es einer Entscheidungsinstanz, die hic et nunc eingreifen, Stellung beziehen und einen Richterspruch fällen kann. Das ist das lebendige Lehramt. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem lebendigen Lehramt, weil es handelnd in die Auseinandersetzung eingreifen und einen Richtspruch fällen kann. Das kann die Tradition nicht. Zwar muss, wie wir gesehen haben, die Schrift nach dem einstimmigen Zeugnis der Väter, also nach der Tradition interpretiert werden. Aber als vergangenes Zeugnis ist dieses Kriterium seinerseits wiederum passives Objekt der Deutung und Interpretation, nicht handelndes Subjekt. Aus diesem Grund ist die nächste Glaubensregel das kirchliche Lehramt, und nichts sonst.

wird fortgesetzt

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12. Mai
Hölle

Jesu Erlösungstat ohne die Voraussetzung der Hölle ist so sinnlos wie ein Elfmeterschießen ohne gegnerische Mannschaft.

Der Atheist Michael Schmidt-Salomon im Streitgespräch mit dem Hannoverschen Landesbischof Ralf Meister auf dem Deutschen Humanistentag, der vom 1. bis 4. Mai in Hamburg stattfand. Für Schmidt-Salomon sind Christen, die noch an die Auferstehung und die Existenz der Hölle glauben, überzeugender als liberale Christen, die an "nicht eingestandener Säkularisierung" leiden. Meister meinte, schon Martin Luther habe die Vorstellung von einer Hölle “erledigt”. Quelle: IdeaSpektrum vom 8. Mai, S. 6.


12. Mai
Irena Sendler

Vor fünf Jahren, am 12. Mai 2008, starb in Warschau im Alter von 98 Jahren Irena Sendler. Sie hatte unter Lebensgefahr 2500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto gerettet. Von den Nazis verhaftet, gab sie selbst unter Folter die Namen der geretteten Kinder nicht preis. 1965 wurde die Katholikin von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Schon ihr Vater hatte als Arzt und gläubiger Katholik unter Armut leidende Menschen, darunter auch Juden, kostenlos behandelt.


12. Mai
Marienweihe

Vor drei Jahren, am 12. Mai 2010, weihte Papst Benedikt XVI. in Fatima die Priester dem Unbefleckten Herzen Mariens.


12. Mai
Joseph Anton Endres

Vor 150 Jahren, am 12. Mai 1863, wurde in Untermeiningen Joseph Anton Endres geboren. 1887 zum Priester geweiht, lehrte er seit 1890 in Regensburg. Er schrieb Werke über die mittelalterliche und neuzeitliche Philosophie. Am 19. Januar 1924 starb er in Bidingen bei Kaufbeuren.


11. Mai
Christlicher Humor

Von Henry Deku

Zweiter Teil

Ribera berichtet von der hl. Therese von Avila, daß, wenn sie lachte, jedermann sich davon anstecken ließ. Natürlich gibt es auch Freude, die nicht in Lachen ausbricht, eine gleichmäßige Gestimmtheit ohne besondere Eruptionen, wie eben auch der Humor der reifste sein wird, der nicht nur ein paar verkrampfte Wilhelm-Busch-Verse zur Unterhaltung parat hält, sondern davon lebt, was man vielleicht am besten - weil man ja doch Schwierigkeiten immer nur mit sich selber hat - Weltbeherrschung setzt bekanntlich Selbstbeherrschung voraus! - was man also am besten bezeichnet mit douceur sich selbst gegenüber: zu umschreiben etwa mit milde sein, keine Bitterkeit infolge beleidigter Selbstliebe in sich aufkommen lassen, auf Eitelkeiten verzichten, auch auf die einer zu dürren Strenge sich selbst gegenüber, die Extreme meiden, insbesondere das besonders zerstörerische des Pessimismus: schon der Volksmund weiß, daß toutes les hérésies - vom Marcionitismus bis zum Jansenismus und Existenzialismus - pèchent par tristesse (durch ihre Trübsal sündigen)!

Urbanitas oder lepos urbanitatis, was einen gewissen touch of lightness andeutet, wäre daher wohl die adäquateste Übersetzung von Humor, der früher niemals unter dem uns bekannten Namen erwähnt wurde, dafür aber um so mehr schon zum Fundamentalschatz antiker Weisheit gehörte: steckt er doch bereits in Odysseus' nie ermüdender, aber auch nie sich selbst bemitleidender Geduld, in Sokrates' Bewußtsein, zwar nirgendwo im einzelnen gesiegt zu haben, dafür aber mit der Welt als ganzer fertig geworden zu sein, und zwar so gründlich, daß auch sein eigenes Todesurteil ihn nicht mehr allzusehr zu erschüttern vermochte.

Man ahnte eben damals schon, daß es etwas gebe, worauf man sich verlassen könne: das unzugängliche Licht auf dem "unberührbaren Götterberge", die Sicherheit wissenschaftlichen Beweisens, die viel beeindruckender sei als selbst der Perserthron, das Übergewicht geistiger Ordnung, die "beim besten Willen" vom Menschen nicht manipuliert werden kann - weswegen die trübseligen Modernisten des 20. Jahrhunderts erst recht die vorgeschobenen Bastionen der Mathematik und des Naturrechts anzugreifen begannen, um sie beide und damit erst recht alle schwächeren nominalistisch zu paralysieren. So daß es an der Universität heute deswegen so unerfreulich aussieht, weil sie sich schon seit Generationen dazu hergegeben hat, jeden erdenklichen Unsinn, den man vordem nur naiv durchexerziert hatte, auch noch akademisch zu legitimieren: Historismus, Biologismus, Psychologismus, Soziologismus, Materialismus - ob da nicht zuweilen ein interdisziplinärer Universitätsnarr ganz am Platze wäre?

Jedenfalls ist die akademische "Lustlosigkeit" selbstverschuldet und nicht bloß die Folge räumlicher Überfüllung. Übrigens wäre ein Narr, mit dem man auch über sich selbst lachen soll - wenn man sich z. B. über jemand oder etwas zu sehr entrüstete, dabei sich selbst genießend! -, insofern von einem nur äußerlich lustigen Clown verschieden, als man, was diesen angeht, nur mit sich über ihn und nicht mit ihm über sich lachen kann: ein bloßer Zeitvertreib also, verglichen mit jener Weisheit des Narrseins - letzten Endes um Christi willen, des Siegers über Tod und Sünde. Ein solcher Narr ist nämlich, wie Don Quijote demonstriert, der einzig gescheite Mensch in einer verrückten Welt. Auf dem Wege dahin schützt der die Gewichte angemessen verteilende Humor u. a. auch vor allen ismushaften Versimpelungen wissenschaftlichen Aberglaubens, einschließlich der Ideologien als des Opiums der Intellektuellen:

"Ihr meine Freunde vom deutschen Land
habt einen durchdringenden Verstand;
er durchdringt das Wahre in all seiner Weite
und kommt heraus auf der anderen Seite."

Post Christum natum ist das Allerzuverlässigste aber erst recht nichts bloß Innerliches, gefühlsmäßig Erfahrbares; denn das für mich schlechthin Zentrale ist nicht einmal die Sorge um mein eigenes Heil, sondern ganz einfach die Tatsache, daß die Kirche die Wahrheit lehrt, und zwar jenseits aller naiven Mißverständnisse - unfehlbar. Das Zentrum schlechthin ist Christus, der von seiner Kirche nicht abtrennbare und in ihr fortlebende Christus, und nicht die christliche Existenz.

Angefangen von den alttestamentlichen Frommen, die sich der Führung Gottes anvertrauten und daher mit dem Psalm 27 sagen konnten: quem timebo? a quo trepidabo? vor wem soll ich denn Angst haben? - waren daher bis in unsere Zeit am allerwenigsten verkrampft immer nur diejenigen, die nicht ständig ihre Aufklärungsmündigkeit bzw. ihre anthropologische "Kehre" auf der Zungenspitze trugen, sondern vielmehr wie die Kinder sein wollten: Marguerite de Beaune, Jeanne Perraud, Thérèse de Lisieux - zumal auf dem Hintergrund jenes unselig verkrampften Perfektionismus, der naturgemäß immer wieder enttäuschen muß, nichtsdestoweniger aber seit einigen Jahrhunderten eine eminente Suggestionskraft ausübt.

Es begann mit dem Traum von dem aus eigener Kraft wiederzugewinnenden Paradies, der sich, als die ersten Hindernisse sich abzuzeichnen begannen, umsetzte in den Traum einer zumindest vollkommen reformierten Kirche: man wollte wenigstens eine chemisch fleckenreine, weil sich ausschließlich auf die Innerlichkeit stützende Kirche haben. Als Versuche in dieser Richtung auch in dem dafür idealen Raum von New England nicht allzu überzeugend ausfielen (schließlich waren die Pilgrimväter weder tolerant noch liberal), bot sich als nächstes Experiment einer Perfektionierung dieser Welt die Kolonisierung aller unentwickelten Gebiete durch Europäer an, bis man schließlich - ungeduldig, wie die deutsche Romantik nun einmal war - den Beglückungsprozeß zu forcieren begann: nach den streng wissenschaftlichen Spielregeln des Marxismus würde in Bälde der ganze Erdkreis revolutioniert sein, um sich dann vom sündenfrei gebliebenen Proletariat den unüberbietbaren Endzustand diktieren zu lassen.

Da sich dieser nun aber immer wieder verspäten zu müssen scheint, bleibt uns vorläufig nichts anderes übrig, als zu warten - oder aus all diesen humorlosen Perfektionismusträumen aufzuwachen! Das messianisch greifbare Glück, das man sich mit Hilfe nur einer einzigen Verwaltungsmaßnahme leicht selber bescheren kann - indem man etwa die päpstliche Autorität abschafft oder die Unzivilisiertheit der Nichteuropäer oder den Kapitalismus - oder ganz einfach alle Juden -, dies Glück scheint nicht nur nicht lange vorzuhalten, es will sich offenbar unter so viel radikalisierten Fanatikern gar nicht erst zeigen. Politik ist eben die Kunst des Möglichen, nicht die der erzwingbaren idealen Reinheit, schon gar nicht die des willkürlichen Manipulierens.

Der Mangel an Mut zur Hingabe an vorgegebene objektive Ordnungen macht nämlich auf die Dauer genauso neurotisch wie die Unterdrückung aller individuellen Regungen - weshalb sich ja auch immer mehr Leute in psychotherapeutische Behandlung begeben müssen. Man klammert sich nur an die eigenen "Ideale" und merkt zu spät, daß sie keinen soliden Baugrund abgeben. Sainte Beuve zitiert im 5. Bande seines Port Royal eine Stelle aus du Guet, die leicht auf die politische Fortschrittsdogmatik der Neuzeit umgeschrieben werden könnte: "Man möchte gern wissen, woran man sich halten soll, man möchte seine Konten in gutem Zustand sehen, dessen sicher sein, was man erreicht hat, und sich auf etwas ausruhen, was in Bezug auf uns weniger ungewiß ist als das göttliche Erbarmen - aber gerade das ist nur Ausdruck von wenig Glauben und viel Hochmut ... "

Wenn aber das Zentrum Christus ist und nicht ich selbst oder der Fortschritt, dann muß ich mich Gott ebenso hingeben können, wie sich die romantische Seele ihrer Sehnsucht hingibt - nur mit dem Unterschied, daß demjenigen, der sich Gott hingibt, Gott selbst sich als eine Art Antwort zurückschenkt, während die Sehnsucht gar nichts zu bieten hat als eine zunehmend langweilige Verlängerung ihrer selbst. Auf dem Hintergrund der Aktivitäts- und Vergewisserungsneurosen heißt das aber, daß der Mensch imstande sein muß, schon um gesund zu bleiben, ein wenig Zeit für Gott zu verschwenden; nicht so sehr von sich selbst, seinem Leistungsstolz und seinem Mitmenschlichkeitsaktivismus besessen zu sein, daß er nicht mehr Freude an der Wahrheit um ihrer selbst willen aufzubringen vermöchte.

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10. Mai
Das Schweigen des Kirchentags

Wie IdeaSpektrum berichtet, gab es beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 1. bis 5. Mai in Hamburg stattfand, über 2500 Veranstaltungen. Doch keine einzige dieser Veranstaltungen beschäftigte sich mit dem Thema Abtreibung.


10. Mai
Oratorium

Vor 400 Jahre, am 10. Mai 1613, approbierte Papst Paul V. die von Pierre de Bérulle in Paris gegründete Kongregation des Oratoriums unseres Herrn Jesus Christus. Seitdem verbreitete sie sich rasend schnell. Es kam in folgenden Städten zu Gründungen (nach Ludwig von Pastor):

1614 Dieppe und La Rochelle
1615 Orleans und Tours
1616 Langres, Lyon und Luçon
1617 Rouen, Montmorency und Clermont
1618 Riom, Nancy, Troyes und Nevers
1619 Limoges, Saumur, Toulouse und Angers
1620 Joyeuse und Amiens.

In Langres übernahmen die Oratorianer das dortige Priesterseminar, in Paris das Seminar von St. Magloire.


10. Mai
Vikariat Antananarivo

Vor 100 Jahren, am 10. Mai 1913, wurde das Vikariat Antananarivo gegründet. Antananarivo ist die Hauptstadt Madagaskars und hieß damals Tananarive.

Weitere Infos zur Kirchengeschichte Madagaskars


9. Mai
Bruno Cornacchiola

Vor 100 Jahren, am 9. Mai 1913, wurde in Rom Bruno Cornacchiola geboren, ein "Paulus" des 20. Jahrhunderts.


9. Mai
Ulrika Nisch

Vor 100 Jahren, am 8. Mai 1913, starb in Hegne im Alter von 30 Jahren die selige Ulrika Nisch.


8. Mai
Frauendiakonat II

Schon öfters ist mir von Seiten der Befürworter des Frauendiakonats das Argument begegnet, dass die Gegner desselben keine überzeugenden Gründe gegen seine Einführung vorbrächten.

Mit diesem Argument wird die Beweislast zuungunsten der Verteidiger des Status quo verschoben. In Wirklichkeit dagegen sind die Befürworter zwingende Argumente schuldig, dass die Einführung des Frauendiakonats dem Willen Jesu entspricht. Denn nur wenn die Sicherheit besteht, dass dem so ist, kann die Einführung gerechtfertigt werden. Da in der Kirche der Stifterwille entscheidend und die Diakonatsweihe darüberhinaus ein Sakrament ist, ein Sakrament seine Wirkkraft aber nur von Gott her empfangen kann, würde eine ungerechtfertigte, nur auf menschlichen Willen oder rein kirchliche Satzung zurückgehende Einführung des Frauendiakonats zu einem ungültigen Sakrament führen.

Da Jesus nur Männer geweiht hat, können wir nur in Bezug auf das Männerdiakonat diese Gewissheit haben. Ein seit Jahrzehnten wiederholtes Standardargument dagegen lautet, Jesus habe auch nur Juden geweiht, und trotzdem blieb das Weihesakrament nicht auf Juden beschränkt. Tatsächlich waren die Apostel und die erste Generation der Christen ausschließlich Judenchristen, denen der Gedanke, dass Gott zwischen Juden und Heiden keinen Unterschied mehr macht, so fremd war, dass es, wie die Apostelgeschichte (Kapitel 10) berichtet, einer eigenen Offenbarung bedurfte, um Petrus und “die Gläubigen aus der Beschneidung” (Apg 10, 45) davon zu überzeugen. Aber in diesem Fall haben wir eben die biblisch bezeugte Offenbarung und die seitdem ununterbrochen existierende Tradition. Genau dies fehlt aber beim Frauendiakonat.

Dass entgegen einer zweitausendjährigen Tradition nun vorgeblich entdeckt wird, dass es Jesus eigentlich ganz anders wollte, bedarf doch einer überzeugenden Begründung. Davon ist weit und breit nichts zu sehen. Man fordert einfach, und Rom soll bitte seine Ablehnung begründen. Damit vertauscht man die klassische Beweislast. Weil durch die Tradition die Kontinuität zum Stifterwillen sichergestellt ist, bedarf nicht die Tradition, sondern die Neuerung der Begründung.

Wenn man freilich den Glauben aufgegeben hat, dass Jesus die Kirche gründete, wird das Vorgehen der Befürworter plausibel. Dann kommt es in der Kirche nicht auf den Willen Jesu an, sondern wie in der staatlichen Demokratie auf die Mehrheits- und Machtverhältnisse. Wenn man nur hartnäckig genug für die eigenen Wünsche Werbung macht, wird man über kurz oder lang schon ans Ziel kommen. Wer so denkt, sollte offen zugeben, dass er den Glauben an die Kirche aufgegeben hat. Und wer von den Befürwortern diesen Glauben nicht aufgegeben hat, sollte sich von jenen deutlich und öffentlich distanzieren, statt mit ihnen gemeinsame Sache zu machen.

Was der Historiker zum Thema zu sagen hat


8. Mai
Nicht überraschend

Ende April hat eine Stellungnahme des Generalsekretärs der Deutschen Bischofskonferenz, P. Hans Langendörfers, für Aufregung gesorgt. Darin distanzierte er sich von den französischen Massenkundgebungen gegen die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen und meinte, dass die Kirchen in Deutschland solche Proteste in Deutschland nicht wollten.

Verwunderung kann diese Stellungnahme eigentlich nur dann auslösen, wenn man vergisst, dass seit mindestens zwei Jahrzehnten von Gruppen wie dem BDKJ die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durch die Kirche gefordert wird. Als Beispiel seien hier nur die Ergebnisse des Kleinen Diözesanjugendforums des Bistums Würzburg aus dem Jahr 1995 erwähnt. In dem vom Bischöflichen Ordinariat herausgegebenen Heft, das diese Ergebnisse präsentiert, heißt es: “Die Arbeitsgruppe ‘Sexualität’ ist zu der Auffassung gekommen, daß homosexuelle Beziehungen – sofern die Betroffenen unumkehrbar homosexuell sind und partnerschaftlich leben – wertvoll sind und deshalb gesellschaftlich und kirchlich entsprechend zu akzeptieren sind. Vom kirchlichen Lehramt wird praktizierte Homosexualität nach wie vor pauschal verurteilt. Eine erste Aufgabe für die Jugendarbeit ist, hier auf der Basis moderner humanwissenschaftlicher Erkenntnisse Bewußtseinsbildung zu leisten, um endlich Fehlinformationen und Vorurteile abzubauen. Die Bistumsleitung ist gefordert, ihre Position zu überdenken, ebenso Bewußtseinsbildung zu leisten und darüber hinaus deutlich zu machen, daß Homosexuelle einen Platz in der Kirche haben (auch im kirchlichen Dienst). Es ist zu diskutieren, ob die Form einer kirchlichen Segnung homosexueller Paare ein geeignetes Zeichen wäre.”

Kann man von Hirten, die nicht einmal innerhalb ihres kirchlichen Verantwortungsbereiches effektiv für eine Anerkennung der katholischen Morallehre sorgen, erwarten, dass sie sich mit dem Staat anlegen, um christliche Wertvorstellungen zu verteidigen?


7. Mai
Ungesund

Arland K. Nichals zitiert in der US-Zeitschrift Lay Witness (Januar/Februar 2013) “die Studie ‘The New Family Structures’ (Die neuen Familienstrukturen), die der Soziologe Mark Regnerus im Juli 2012 in ‘Social Science Research’ veröffentlicht hat. Demnach gibt es in den USA 99.000 gleichgeschlechtliche Haushalte mit Kindern. Und während 19 % der Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Haushalten aufgewachsen sind, sich Therapien für ihre psychische Gesundheit unterziehen, sind dies bei Menschen, die in Familien aus einem Mann und einer Frau aufgewachsen sind, nur 8 %.”

Aus der FMG-Information Nr. 108, April 2013, S. 31.


7. Mai
Gender Mainstreaming XXXIII

Es ist üblich geworden, von der „sexuellen Orientierung“ zu sprechen. Das ist verräterisch: Man orientiert sich. Man wählt aus, wer man sein will. Die Lebensform hängt nicht von den biologischen Bestimmtheiten ab, in denen man sich vorfindet. Das Geschlecht ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet.
Der Mensch wird zum Schöpfer seiner selbst. Wenn man die vorgegebene Dualität von Mann und Frau leugnet, verliert auch das Kind seine ihm eigene Stellung und wird zum Objekt, auf das man einen Anspruch zu haben meint.

Aus: Hans Winkler, „Mama-Papa“, „Mama-Mama“, „Papa-Papa“ – wirklich egal?, in der Presse, 6. Mai 2013

Weitere Schlaglichter auf GM


6. Mai
G. K. Chesterton

Von Carl Christian Bry

Vierter Teil

Anders herum sündigt die bisher letzte Chestertonübersetzung, die der Innocence of Father Brown. Behandelt Franz Blei den Autor als ein esoterisches Stück moderner Literatur für ganz kleine Kreise, so drückt ihn Frau von Lama, abgesehen von wirklichen, manchmal absichtlichen Schnitzern und von Sprachsteifheit, um ein halbes Dutzend literarischer Stufen herab. Schwer verständlich, weshalb der ganz klare englische Titel in die klobige Aufschrift ‚Priester und Detektiv‘ (Pustet-Regensburg) verwandelt wurde, die dazu noch den Anschein erweckt, als seien hier beide Antagonisten. Gewiss war der Gedanke glücklich, uns gerade dieses zugänglichste, spannendste Buch Chestertons näher zu bringen und für einen großen Leserkreis auch einen starken Anreiz zu schaffen. Doch sollte es dazu nicht genügt haben, unter den richtigen deutschen Titel ‚Die Einfalt des Vaters Brown‘ zwar in freier Hinzufügung, aber doch Chestertonscher Denk- und Sprechweise einigermaßen nahe, einfach den Untertitel zu setzen: "Ein Dutzend Detektivgeschichten"?

Auch das äußere Gewand stört und verzerrt. Haben die Detektivgeschichten (auch in der englischen Ausgabe) ein Buchumschlagbild, das die Ansprüche des Lesers noch weiter herabzusetzen geeignet ist, so machen die deutschen Ausgaben anderer Bücher Chestertons (bei Hans v. Weber und Georg Müller) schon von außen durch Umschlag, Type, Spiegel den Eindruck, nur für Kenner, für Literaten zu sein. Auch Bücher sind Lebewesen. Man kann ihnen nicht jedes Kleid anziehen, ohne sie und ihre Wirkung zu gefährden. Wer Chesterton wirklich in sich aufnehmen will, ist deshalb bis heute auf Tauchnitz angewiesen, der zwar nur vier, darunter aber drei der kräftigsten Bücher des Autors hat; Bücher, die – um ein Wort Shaws abzuwandeln – die Welt ändern könnten, wenn man die Leute dazu bringen könnte, sie zu lesen und – ernst zu nehmen.

Die Orthodoxie allerdings, Chestertons Zentralwerk, ist nicht bei Tauchnitz. In der deutschen Ausgabe wird sie auf nicht ganz wenigen Kolumnen zu einem schwer lesbaren, jedenfalls nicht anlockenden Buchstabenbandwurm. Von der Orthodoxie müsste einmal eine deutsche Taschenausgabe aufgelegt werden: in Kleinoktav, ja vielleicht in Duodez, auf Dünndruck, mit wenig Text auf der Seite, biegsam gebunden. Denn dieses Buch schöpft man nicht beim ersten, auch nicht beim zehnten Lesen aus. Es müsste ein Vademekum sein.

Chesterton erzählt in der Orthodoxie die Geschichte seiner Selbstbekehrung. Hindurchgegangen durch alle modernen Ansichten und Redeweisen, sah er eines Tages die lebendige Welt an. Er fand, dass die Gedanken, die den Menschen glücklich und frei zu machen versprachen, in der Wirklichkeit genau das Gegenteil erreichten: weil sie der logischen Geschlossenheit die menschliche und weltliche Wirklichkeit opfern; und zweitens, weil ihre “Vorurteilslosigkeit und Freiheit” sie daran hindern, auch nur ihren eigenen Plänen ganz und dauernd zu trauen und ihnen mit voller Kraft nachzutrachten. “An jeder Straßenecke kann uns ein Mensch begegnen, der die frevlerische und tolle Behauptung aufstellt, er sei vielleicht im Irrtum, seine Anschauung könne wohl nicht die rechte sein.” In dieser Unsicherheit zieht der moderne Revolutionär “nicht nur die Institution in Frage, die er angreift, sondern das Prinzip selbst, kraft dessen er sie angreift ... Ein russischer Pessimist wird einen Polizisten verklagen, weil er einen Bauern erschoss und dann eine ganze Reihe von philosophischen Beweisführungen vorbringen, wieso dieser Bauer sich selbst hätte töten sollen. Da klagt einer die Ehe als Lüge an und wirft dann aristokratischen Lebemännern ihre Nichtachtung der Ehe vor. Er nennt eine Flagge einen nichtssagenden Fetzen und tadelt dann die Unterdrücker von Polen oder Irland, weil sie diesen Fetzen fortnahmen ... Kurz, der moderne Revolutionär, der ein unbegrenzter Skeptiker ist, wird stets am Werke sein, seine eigenen Minen zu zerstören ... Darum zeigt sich der moderne Rebell zu allen wirklichen Rebellionen untauglich. Indem er gegen alles rebellierte, hat er sich das Recht weggenommen, gegen dies oder jenes Beschwerde zu führen.” Dieselbe Entdeckung über die Unfruchtbarkeit der Fortschrittsidee haben viele Menschen gemacht, auch ohne Chesterton. Ein Teil von ihnen erfindet dann eine neue, seine eigene Art des Fortschritts und der Menschheitserneuerung, die Unbeständigkeit noch erhöhend; die übrigen schwenken zur Autorität ab, nur um zu entdecken, dass die Autorität dem Menschen auch nicht mehr gerecht wird als der Fortschritt.

Chesterton hingegeben bleibt Demokrat, ja, sollte es nötig sein, geneigt zur Rebellion, “Anhänger des elementaren, liberalen Prinzips einer sich selbst regierenden Menschheit”. Dieses Prinzip bestimmt sich für Chesterton nach zwei Theorien: dass die allen Menschen gemeinsamen Interessen wichtiger sind als die privaten Interessen eines jeden; und dass der politische Instinkt oder Drang zu jenen gemeinsamen Dingen gehört.

Mit diesen drei sich so widersprechenden Hauptgedanken, die in tausend anderen Ausdrücken wiederkehren, nämlich: Gedankenfreiheit macht sklavisch; zweitens: stramme Autorität macht leibeigen; drittens: wir müssen uns einigermaßen selbst regieren, nicht irgendwelchen neuen Theorien des Fortschritts zuliebe, sondern unseren Instinkten und unserem Menschentum folgend – mit diesen drei widerspruchsvollen Grundgedanken und Urgefühlen des natürlichen Menschen stößt nun Chesterton auf den überraschenden Umstand, dass “die ganze Geschichte schon entdeckt war”, und zwar im Katholizismus. Misstrauisch erst und zunächst nur durch überraschende, sonst unerklärliche Einzelbeispiele angezogen, gelangt er zur Einsicht, dass die katholische Kirche die eine, in tausendfacher Form auftauchende Grundfrage beantwortet hat, wie wir uns auf und zu dieser Welt verhalten sollen: “Wie könnten wir es fertig bringen, über die Welt erstaunt zu sein und uns zugleich heimisch in ihr fühlen? Der Mensch muss Vertrauen in sich haben, um sich in Abenteuer zu stürzen, und Zweifel genug, um sie als wirkliche Abenteuer zu empfinden.” Im Katholizismus nun sieht Chesterton diesen Weltsinn gegeben: “Eine Frage nach der anderen stieß da auf eine Antwort ... ich glich einem, der in ein feindliches Land eingedrungen war, um eine Festung einzunehmen. Und als diese eine Festung gefallen war, ergab sich das ganze Land.”

wird fortgesetzt

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5. Mai
Geplatzte Einigung

Vor 25 Jahren, am 5. Mai 1988, unterschrieben Erzbischof Marcel Lefebvre und Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, ein Einigungsprotokoll als Ergebnis monatelanger Verhandlungen. Doch das Misstrauen und die Furcht, in eine Falle geraten zu sein, ließen den Erzbischof nicht los, und so kündigte er am Tag darauf in einem Brief an Kardinal Ratzinger an, am 30. Juni auf eigene Faust Bischöfe zu weihen. Ohne seine Unterschrift formell zurückgezogen zu haben, machte er damit die gerade errungene Einigung zu einer Farce. Die Gründer der Petrusbruderschaft machten diese Einigung zur Grundlage ihrer Gründung. Da der Erzbischof seine Unterschrift ausdrücklich im Namen aller Mitglieder seiner Gemeinschaft, der Priesterbruderschaft St. Pius X., gegeben hatte, bedeutete dies nichts anderes, als das vom Erzbischof begonnene Werk der Einigung fortzusetzen und zu vollenden.

So sehr das Schwanken des Erzbischofs in diesem Fall bedauerlich war, so verständlich ist ein solches Schwanken in schwierigen Entscheidungen. Es bedeutet an und für sich das Gegenteil ideologischer Verhärtung. So hätte man erwarten können, dass er einfach interessiert abwartet, wie sich die Neugründung entwickelt, um herauszufinden, ob seine ursprüngliche Entscheidung die richtige war. Stattdessen stilisierte er die Frage zu einer kirchlichen Prinzipienfrage und gab an seine Gemeinschaft die Losung aus, die Petrusbruderschaft und das denselben Weg gegangene Benediktinerkloster Le Barroux wie Schismatiker anzusehen.

Andererseits äußerte er die Zuversicht, dass die Piusbruderschaft schon nach etwa fünf Jahren so stark sein werde, dass sie von einer neuen Position der Stärke aus wieder Verhandlungen mit Rom in Angriff nehmen könne.

Dieses Schwanken des Erzbischofs ist der Grund, warum sich heute in der Piusbruderschaft sowohl Befürworter wie Gegner einer Einigung mit Rom auf ihn berufen können. Beide Seiten beanspruchen für sich, die authentische Linie des Erzbischofs fortzusetzen und der Gegenseite Verrat am Geist des Erzbischofs vorwerfen zu können.

Weitere Infos zur Piusbruderschaft und ihrer Haltung


5. Mai
Søren Kierkegaard

Vor 200 Jahren, am 5. Mai 1813, wurde in Kopenhagen der Philosoph Søren Kierkegaard geboren, der sich unter anderem als heftiger Kritiker eines verweltlichten Christentums einen Namen machte. Jürgen Kaube schreibt in der FAZ vom 4. Mai über ihn: “Er, der es um 1848 vielleicht als Erster kommen sah, fand das Christentum viel zu zumutungsreich, um als frohe Botschaft einer Wertschätzung aller Werte festivalisiert zu werden. Wenn er in seinen Schriften die Mäßigung des christlichen Glaubens zu einer gemütlichen Vernunftergänzung attackierte, dann muss er sich heute bei Protestanten, die vor allem gegen das protestieren, gegen das alle protestieren, das Vergessen gefallen lassen.”


4. Mai
Maria Rosa Flesch

Vor fünf Jahren, am 4. Mai 2008, wurde in Trier Maria Rosa Flesch FBMVA (1826 - 1906) seliggesprochen.Sie gründete die Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die 1863 vom Trierer Bischof approbiert wurden. Den Ruf zur Gründung dieser Kongregation hatte Margaretha - wie sie mit bürgerlichem Namen hieß - 1844 auf der Heilig-Rock-Wallfahrt zu Trier empfangen.


4. Mai
Anerkannt

Vor fünf Jahren, am 4. Mai 2008, wurden die Erscheinungen von Notre-Dame-du-Laus aus dem Jahre 1664 von Bischof Jean-Michel di Falco von Gap und Embrun offiziell als übernatürlich anerkannt.


4. Mai
Heiligsprechung

Vor zehn Jahren, am 4. Mai 2003, sprach in Madrid Papst Johannes Paul II. folgende fünf Spanier heilig: Petrus Poveda Castroverde (1874 - 1936), Priester und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg; Joseph Maria Rubio y Peralta SJ (1864 - 1929); Angela vom Kreuz (A. Guerrero González, 1846 - 1932), Gründerin der Compania de las Hermanos de la Cruz; Genovefa Torres Morales RA (1870 - 1956), Gründerin der Schwestern des Heiligen Herzens Jesu und der heiligen Engel; Maria von den Wundmalen Jesu OCD (M. Maravillas Pidal y Chico de Guzmán, 1891 - 1974).


3. Mai
Reue und Wiedergeburt

Von Max Scheler

Neunte Folge

Eines freilich soll dabei nicht bestritten werden. Daß wir eine starke Neigung haben, — wenn nur irgend möglich — alle irgendwie, auch pathologisch bedingten Zustände der Selbstqual oder der Unlust an uns selbst, als der Ursache gewisser Handlungen und Zustände, mit echter Reue zu verwechseln oder sie als Reue uns gut zu schreiben. Aber solche Selbsttäuschungen, die so häufig auch zu Fremdtäuschungen führen, setzen sowohl das Phänomen der echten Reue als auch die positive Wertschätzung dieses Phänomens voraus. Die Menschen neigen freilich dazu in ihre Grausamkeit gegen sich selbst, in ihre krankhafte Schmerzliebe, die »wollüstig im Leiden an der Sünde wühlt«, in ihren Rachedurst gegen sich selbst, in ihre moralischen Schwächezustände, in ihre geheime Furcht oder in ihr zwangsmäßiges Grübeln über ihre Vergangenheit, in jenen »schlechten Blick«, den sie zuweilen wie gegen Alles so auch gegenüber sich selbst haben, das Gott wohlgefällige Bild eines reuevollen Herzens hinein zu phantasieren und diese ihre geheimen Laster oder ihre seelischen Erkrankungen unter dem Scheinbilde einer Tugend zu verstecken. Aber dieses Schicksal der Reue (das sie mit jeder Tugend, ja mit jedem Vorzug teilt), das Schicksal, daß sie sich selber und andern vorgespielt werden kann, sollte niemandem, der sich Psychologe dünkt, Anlaß dazu werden, die Reue selbst hinter diesen ihren Scheinbildern aus dem Blicke zu verlieren.

Der Reueakt ist nicht — womit man zumeist beginnt — ein zuständliches »Unlustgefühl«, welches sich zu irgend welchen »Ideen« von Handlungen geselle, als deren Täter der Mensch sich kennt. Überlassen wir diese Platitüde der herkömmlichen Assoziationspsychologie. Reue ist vielmehr eine zielmäßige Bewegung des Gemüts angesichts der Schuld, und auf jene Schuld hin, die sich im Menschen angesammelt hat. Das Ziel dieser »Bewegung« ist eine emotionale Negation und eine Entmächtigung der Fortwirksamkeit der Schuld, eine geheime Anstrengung, diese aus dem Personkern herauszustoßen, um die Person »heil« zu machen. Erst die Rückwirkung des im Akte der Reue zuerst ansteigenden Schulddrucks auf diese Bewegung macht den Reueschmerz aus. Der Schmerz steigt mit der Unnachgiebigkeit der Schuld — die selbst wieder um so größer ist, je tiefer sie im Kern der Person sitzt. Nicht dieser Schmerz also, vielmehr die Bewegung gegen die Schuld und die Tendenz, ihre Fortwirksamkeit zu brechen, sind das Erste. Der Schmerz ist erst Folge und das Zweite. Die besondere Natur des Reueschmerzes ist scharf, brennend, aufwühlend; ihm fehlt jede Dumpfheit. Neben dieser Qualität als Schmerz aber besteht im Ganzen des Vorgangs gleichzeitig noch eine Befriedigung, die bis zur Seligkeit ansteigen kann. Befriedigung und Lust, Mißbefriedigung und Unlust haben ja nichts miteinander zu tun; ja die fühlbar tiefer gelagerte Befriedigung steigt sogar mit der Stärke des Reueschmerzes. Ist es also etwa die innere Auffassung jenes Schmerzes als Sühnung der Schuld, oder ist es die Abnahme des Schulddrucks im Verlauf der Reue, was die Befriedigung gewährt? Das erstere könnte man annehmen, wenn man die Reue als eine Art geistiger Vergeltung, nämlich als Selbstvergeltung, auffaßte. Aber diese Annahme ist, wie gezeigt, irrig. Der Gehorsam gegen die Sühneforderung ist Sache der Buße und nicht der Reue. Dieser Gehorsam kann auch ohne fundierende Reue erfolgen. Denn wohl wächst notwendig die Bußgesinnung aus der Reue so notwendig heraus wie die Bekenntnisbereitschaft, nicht aber umgekehrt die Reue aus der Bußgesinnung. Und noch weniger ist diese Gesinnung die Reue selbst. Am wenigsten aber ist Reue ein Schmerz, der an sich als Schmerz befriedigt; es sei denn, daß anstatt echter Reue eben eine Reueillusion vorliegt, die in Schmerzliebe gegründet ist. Die Pietisten zum Beispiel haben diese beiden Dinge häufig verwechselt: daher die stark sinnliche, fast masochistische Färbung ihrer religiösen Reue-Literatur. Die zunehmende Befriedigung ist faktisch also Folge der langsamen Abnahme des Schulddrucks. Sie vollzieht sich mit der objektivierenden Heraussetzung der Schuld aus dem Personkern wie von selbst.

Ist die Reue eine Entmächtigung der Schuld, so muß die Schuld auch irgendwie gegeben sein, wenn die Reue als Gegenakt einsetzt.

Was ist nun aber diese »Schuld«? Sie ist jene Qualität »böse«, die der Person selbst, dem Aktzentrum, durch ihre bösen Akte dauernd zugewachsen ist. Eine Qualität also, nicht aber ein »Gefühl« ist die Schuld. Das sogenannte »Schuldgefühl« ist von anderen Gefühlen selber nur durch seine innere Sinnbeziehung auf diese Qualität unterschieden. Ob man sich also auch schuldig fühle oder nicht — die Schuld haftet. Die Feinheit oder Stumpfheit des Schuldgefühls, resp. die Schwellenwerte des Fühlens der Schuld sind vom Dasein der Schuld und ihrem Ausmaß sehr verschieden. Gehört doch gerade dieses zu den dunkelsten Wirkungen der Schuld, daß sie sich im Wachsen gleichsam selbst verbirgt und das Gefühl für ihr Dasein abstumpft. Und gehört es doch umgekehrt zum Wachstum der Demut und Heiligkeit im Menschen, daß — wie das Leben aller Heiligen bezeugt — das Fühlen der Schuld gerade mit ihrer objektiven Abnahme sich funktionell verfeinert und daß daher immer geringere Verfehlungen schon schwer empfunden werden. Der Reueakt richtet sich denn auch durchaus nicht gegen das Schuldgefühl, — das er ja vielmehr gerade breit entfaltet und ausdehnt — er richtet sich vielmehr gegen jene objektive Qualität der Schuld selbst. Aber er richtet sich auf die Schuld »durch« das Fühlen der Schuld hindurch, so wie der Akt geistigen Beachtens oder eine Bedeutungsintention durch das Sehen eines Gegenstandes, oder durch das Hören sich auf diesen Gegenstand richtet. Irgendein Fühlen von Schuld — meist zuerst unlokalisiert bezüglich der Fragen »was?« und »gegen wen?« oder »von wem verschuldet?« — muß also auf alle Fälle den Reueakt einleiten. Seine Ausbreitung, seine Lokalisierung, Richtung, seine Tiefe jedoch — häufig selbst erst sein bestimmtes Objekt z. B. diese und jene Tat — pflegt das Gefühl der Schuld erst während der Reue und nur durch sie zu finden. Ist die Schuld freilich so sehr angewachsen, daß sie selbst das Gefühl ihres Daseins ganz oder beinah erstickt, so ist jene partiale oder totale »Verhärtung« vorhanden, welche die Reue nur schwer oder nicht mehr durchbrechen kann. Da die Schuld eine Qualität der Person, des Aktzentrums des Menschen, ist, die aus ihren Akten und Taten als ein die Person »Erfüllendes« der Person zuwuchs: so ist sie auch, so lange sie besteht, in jedem Akte, den die Person vollzieht, heimlich mitgegenwärtig. Nicht die kausalen Folgen der bösen Taten als reale Wirklichkeiten der Natur bringen notwendig ein ferneres Böse hervor; sie können rein kausal ebensowohl Gutes bewirken oder Gleichgültiges. Es gibt keine moralische Kausalität in diesem Sinne. Aber die Schuld, das finstere Werk dieser Taten in der Seele selbst, geht in alles mit hinein, was der Mensch will und tut; und sie bestimmt ihn, ohne sein Wissen in ihrer Richtung weiterzuschreiten. Insofern ist auch jede Tatreue nicht unmittelbar Reue über eine Tat, sondern Reue über das Verschuldetsein der Person durch die Tat. Von der Seins-Reue bleibt die Tatreue gleichwohl durch den primären Hinblick auf den Unwertverhalt der Tat geschieden.

wird fortgesetzt

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1. Mai
Dreimal abgeschnitten und immer noch zu kurz

Als mir im Vorfeld der Freiburger Diözesanversammlung, die vom 25. bis 28. April stattfand, Meldungen begegneten, in denen wieder einmal der Aufbruch beschworen wurde, den man sich von der Versammlung erwarte, stellte ich mir die Frage, an was für Aufbrüche hier wohl gedacht werde. An jene Neuaufbrüche, wie sie etwa von Initiativen wie Nightfever ausgehen, wo Jugendliche Christus in der Eucharistie und im Bußsakrament neu entdecken? Also an einen Aufbruch zur Neuentdeckung und Vertiefung des Glaubens? Wer skeptisch war, erhält jetzt Recht: Nein, es geht schon wieder um solche Dinge wie das Diakonat der Frau, also um Strukturreformen statt Geisteserneurung. Es geht nicht um neuen Wein, sondern um neue Schläuche für den alten abgestandenen Wein. Die Öffnung des Diakonats für die Frau wird ebensowenig eine Glaubenserneuerung bewirken wie etwa die schon geschehene Öffnung des Ministrantendienstes für Mädchen. Sie wird auch ebensowenig wie sie die Begehrlichkeiten der Reformwütigen befriedigen, sondern nur neue wecken, etwa im Blick auf das Frauenpriestertum. Die ewige Frustration, das Erkennungsmerkmal der deutschen Kirche, wird nicht ab-, sondern zunehmen. Was bei all dem auf der Strecke bleibt, ist das, was den Namen Aufbruch wirklich verdient: Erneuerung des Glaubens, Evangelisation, Bekehrung. Machen wir uns nichts vor: Wenn Theologen wie Herbert Haag schon vor Jahren offen zu lehren wagten, dass Christus keine Priester eingesetzt habe, dann zeigt dies nur, dass der Nährboden jener Reformwünsche großenteils nichts anderes als ein abgestorbener Glaube ist, ein verweltlichtes, vom Übernatürlichen gereinigtes Verständnis des Priestertums.
Solange die berufenen Wächter des Glaubens diesen Reformwünschen immer wieder nachgeben, wird jede Glaubenserneuerung blockiert. Keine Aufbruchsrhetorik kann darüber hinwegtäuschen. Nach über vierzig Jahren Reformerfahrung sollte man das eigentlich gelernt haben. Als Alternative bliebe nur das trotzige Motto: “Dreimal abgeschnitten und immer noch zu kurz.”


1. Mai
Paul Devos

Vor 100 Jahren, am 1. Mai 1913, wurde im belgischen Ploegsteert der Orientalist Paul Devos SJ geboren. 1930 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und empfing 1943 die Priesterweihe. Seit 1946 gehörte er zu den Bollandisten. Schwerpunkt seiner Arbeit war die syrische, koptische, ägyptische und slawische Hagiographie. Er starb am 29. April 1995 in Brüssel.


30. April
Die Rückkehr der Philosophie zum Objekt

Von Peter Wust

Fünfter Teil

Zwei Denker aber stehen in diesem Ringen um das Objekt in der Logik gleichsam als repräsentative Gestalten im Vordergrunde. Ich meine Emil Lask: und Nicolai Hartmann: Der erstere weniger merkwürdig nach seinen Resultaten, sondern eher deshalb gerade interessant, weil er unentschlossen und unsicher zwischen den beiden großen Möglichkeiten »Platon« und »Kant« dauernd hin- und herschwankte, ja sich geradezu aufrieb in diesem steten Sichlosringen von Kant und doch von ihm Nichtloskönnen; Nicolai Hartmann dagegen mit seinem epochemachenden Werk »Die Metaphysik der Erkenntnis« (Berlin 1921), der Mann der längst erwarteten annähernden Erfüllung. Es ist hier nicht der Ort, bis ins einzelne bei Lask oder Hartmann Negatives und Positives zu sichten. Lask hat den hochbedeutsamen Unterschied zwischen einer ungekünstelten Ursphäre und einer gekünstelten sekundären Sphäre des Denkens wieder eingeführt. Das ist die wichtigste Unterscheidung, die seit langem in dem von Cohen ab geradezu einfarbig gewordenen Begriff des Denkens gemacht worden ist. Damit aber wurde, vielleicht sogar in einem übertriebenen Maße, die freischöpferische Aktivität des Denkens in eine höhere Sphäre hinaufgerückt und das Tor der Ontologie geöffnet. Es war eine Erkenntnis instinktiver Natur, wenn dieser Neukantianer sich mehr und mehr an die Antike, etwa an Aristoteles und Plotin annäherte, ja sogar die vielverkannte Lehre von den sogenannten Transzendentien des Mittelalters wieder auf ihren tieferen Sinn zu prüfen unternahm. Es gibt kaum ein Werk des Neukantianismus, in dem man das Ringen um eine objektive Kategorienlehre in seinen qualvollen Stadien besser verfolgen könnte als in dem Buche von Emil Lask über »Die Logik der Philosophie und die Kategorienlehre« (Tübingen 1911). Und ein Gleiches gilt von seinem vielleicht noch tiefer dringenden Buche »Die Lehre vom Urteil« (Tübingen 1912). Es ist zwar richtig, was die Kritiker sagen: Lask hat, trotz noch so tiefer Bohrarbeit den vollen Durchbruch zum Objekt nicht erreicht. Aber eben deshalb werden gerade die Bücher dieses so ernst um die Sache selbst ringenden Denkers, der von Kant loskommen wollte und doch wie durch ein Verhängnis an ihn gebunden blieb, in Zukunft einmal lehrreicher sein als alle übrigen Werke des Neukantianismus. Denn nirgendwo sonst läßt sich die furchtbare Qual des Kampfes zwischen Subjekt und Objekt deutlicher ablesen als an der auf- und absteigenden Skala seines Ringens um den tieferen Sinn des Kantischen Vermächtnisses.

Was bei Lask aber nur ein Prozeß der Selbstzersetzung innerhalb des Kantianismus genannt werden kann, das wird bei Nicolai Hartmann zur vollendeten Katastrophe, ja zu einer glänzenden Überwindung des modernen subjektivistischen Systems. In seinem Werke ist der Bruch mit Kant und mit allen Spielarten des Kantianismus fast völlig vollzogen. Und Hartmann geht noch weiter. Er benützt geradezu die wertvollen Ergebnisse der tiefdringenden Analysen des Neukantianismus, um nicht bloß die Erkenntnistheorie, sondern die Philosophie überhaupt auf eine neue Basis, auf die Basis des Seins, zu stellen. So wirkt er denn gar nicht mehr eigentlich abreißend und zerstörend, sondern aufbauend und synthetisch. Die lange genug geübte scharfe Analyse von Psychologie, Logik, Phänomenologie führt bei ihm zu einer wirklichen Metaphysik der Erkenntnis, hinter der die Gesamtmetaphysik ihre ersten scharfen Grundrisse abzeichnet. Und so entsteht ihm denn eine mehrfach gespaltene und doch zur Einheit verbundene Kategorienlehre des Objekts. Es entsteht eine Prinzipienlehre des Erkennens und des »Gegenstandes der Erkenntnis«. Beide aber ruhen auf einer allgemeinen Kategorienlehre des Seins überhaupt und seiner verschiedenen Arten. Der Gegensatz von Aktivität und Passivität wird in dieser Metaphysik der Erkenntnis so vorsichtig wie möglich nach bei den Seiten hin geprüft und abgewogen. Immer steht das »sozein tà phainómena« [das Retten der Phänomene] als Leitspruch über dem Ganzen. Im Grunde aber ergibt sich für Hartmann ein starkes Plus von Passivität im Prozeß der Erkenntnis: überall tritt auch für die Logik, die als Geistlehre nur ein Abglanz sein kann einer primär-schöpferischen und ontologischen Schicht, die Irrationalität der Prinzipien hervor. Das aber ist das genaue Gegenspiel zu dem herrischen Erzeugungscharakter der »Logik des Ursprungs« im System Hermann Cohens. Und so bedeutet denn dieses Werk Hartmanns in dem langen Prozeß einer Rückgewinnung des Objekts innerhalb der »Schulphilosophie« die entscheidende Niederlage des Kantianismus.

III.

Wenn sich nun auch hieraus ergibt, daß die Philosophie sogar ihrem »Schulbegriff« nach, d. h. in ihrer sogenannten wissenschaftlichen und einseitig vom Kantianismus beeinflußten Form sich gezwungen sah, die Bahn zum Objekt von neuem zu beschreiten, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß sie auch so sich noch nicht völlig von einer gewissen Ichzentriertheit befreit hat. Sie wird ja als solche wissenschaftliche Philosophie noch ausschließlich in den reinen Formen des Denkens festgehalten und wagt es nicht, auf diese ganz besondere Seinssphäre beschränkt, durch den Ring der Logik zur Realität des gesamten Seins vorzustoßen. Sie ist deshalb auch in dieser Form nur eine Angelegenheit des Kopfes und nicht des ganzen Menschen. Ein Zeichen dafür ist schon ihre stolze Geistesaristokratie, mit der sie sich vom Volke wegwendet, um ihr Verständnis bloß in ihren eigenen Kreisen zu suchen. Sie ist (ein anderer Fall des l'art pour l'art) bloß »eine Philosophie für die Philosophie«, und nicht einmal der engere Volkskreis der Gebildeten hat ein Interesse, geschweige denn praktischen Anteil an ihr. Nun ist es keineswegs ein günstiges Vorzeichen für eine Philosophie, wenn sie vom Volke gemieden wird und wenn sie sogar selbst das »odi profanum vulgus« auf ihre Fahne schreibt. Die Schätze des von Hegel so genannten »absoluten Geistes« sind keineswegs bloß dafür da, in Schaukästen für feinere Genießer aufbewahrt zu werden. Gewiß möchte man ja die Religion, das eine dieser drei großen Güter des absoluten Geistes, dem Volke gern überlassen. Die Kunst aber, und namentlich die Philosophie, hat man oft genug fälschlich als einen Ersatz für die Religion gewissen Ausnahmegeistern vorbehalten wissen wollen. Mir scheint aber, daß genau so wie die Religion auch die Kunst und die Philosophie als geistige Gesamtgüter zu betrachten sind. Auch dem einfachsten Mann hat eine Kantate Bachs oder die »Missa solemnis« Beethovens etwas zu sagen. Das aber muß auch für die Philosophie gelten. Und es gilt auch für sie, wenn sie eben wirklich Philosophie ist. Sokrates und Platon verstanden sie so, vielfach auch die französischen und englischen Klassiker des Denkens. Erst seit Kant ward es üblich, ihren »Schulbegriff« von ihrem »Weltbegriff« zu trennen. Deshalb ward sie denn auch einsam auf ihrem Katheder, und das Volk erkannte sie nicht mehr als bedeutsam an für sein Leben. Es war das die Strafe für ihre Objektentfremdung.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


29. April
In eigener Sache

Mein Beitrag Braucht die EKD den Papst? wurde auf der Ökumeneseite, meine Betrachtung Advent, Zeit der Sehnsucht auf der Seite mit thematisch ähnlichen Beiträgen von Eduard Kamenicky und Franz Prosinger untergebracht. Die Buchrezension von Georg Haiber über Die Stärkeren im Geistes wurde der Vorstellung des Films Sophie Scholl. Die letzten Tage zugesellt.


29. April
Maria Theresia Ledochowska

Vor 150 Jahren, am 29. April 1863, wurde im niederösterreichischen Loosdorf die selige Maria Theresia Ledochowska geboren. Sie gründete die Petrus-Claver-Sodalität (benannt nach dem großen "Apostel der Schwarzen"), die die Sklaverei in Afrika bekämpfte. Den entscheidenden Anstoß dazu erhielt sie von einer zündenden Rede Kardinal Lavigeries. Sie starb am 6. Juli 1922 in Rom. Am 19. Oktober 1975 wurde sie von Papst Paul VI. seliggesprochen. Ihre Schwester Schwester Maria Ursula Ledóchowska (1865–1939) wurde 2003 heiliggesprochen.


28. April
Aus sich herausgehen und hingehen

Der Geist der Liebe ist also die Seele der Mission: Er drängt uns, aus uns selbst herauszukommen, um »hinzugehen« und zu evangelisieren. Liebe Jugendliche, laßt euch von der Kraft der Liebe Gottes führen, laßt diese Liebe die Tendenz besiegen, sich in der eigenen Welt, in den eigenen Problemen, in den eigenen Gewohnheiten zu verschließen; habt den Mut, aus euch selbst »herauszugehen«, um zu den anderen »hinzugehen« und sie zur Begegnung mit Gott zu führen.

Aus der Botschaft Papst Benedikts zum Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro


28. April
Eduard Kamenicky

Vor fünf Jahren, am 28. April 2008, starb der Theologe Eduard Kamenicky. Von ihm sind einige Artikel auf kath-info veröffentlicht.


27. April
Wonach mein Herz strebt

Barino will es damals genauer wissen. Also schlägt er die Bibel auf. Er liest die angegebenen Stellen nach, und ist überwältigt. Besonders von der Person Jesus. "Er war authentisch und hat sich ganz an das Wort Gottes gehalten." Besonders seine Barmherzigkeit gegenüber Sündern bewegt Barino zutiefst. Das gebe es im Islam nicht, sagt er. Dort werde eine Ehebrecherin nach der Geburt des unehelichen Kindes gesteinigt. Als Jesus einer Ehebrecherin begegnet sei, habe er ihr vergeben. "Jesus hat nie etwas für sich getan. Er ging sogar so weit, dass er sein Leben für die anderen gab." Für Barino steht fest: "Ihm kann ich ganz vertrauen. Jesus ist das, wonach mein Herz strebt."

Aus: Swanhild Zacharias, Der Sinnsucher, über die Bekehrung des Moslems und Islamisten Barino Barsoum, in: Pro Christliches Medienmagazin 6/2012, S. 8.

Weitere Zeugnisse


27. April
Maria Dominika Mantovani

Vor zehn Jahren, am 27. April 2003, wurde Maria Dominika Mantovani PSSF seliggesprochen. Am 12. November 1862 in Castelletto di Bronzone geboren, gründete sie 1892 zusammen mit ihrem Seelenführer, dem seligen Giovanni Nascimbeni, die Kongregation der Piccole Suore della Sacra Famiglia, deren Generaloberin sie wurde. Die Schwesterin kümmerten sich vor allem um die Jugend, die Kranken, Armen und Alten. Die Selige starb am 2. Februar 1934 in ihrem Heimatort.
Mit ihr zusammen wurden seliggesprochen der Ordensgründer Jakobus Alberione SSP (1884 - 1971), der Befreier Wiens Markus von Aviano OFMCap (1631 - 1699), und die Ordensgründerinnen Julia Salzano SCSC (1846 - 1929), Adelheid Brando Sr. Maria Christina SVEGS (1856 - 1906) und Eugenia Ravasco CCIM (1845 - 1900).


26. April
Aschenblüte

Eine Rezension von Melanie S. Färber

Der Originaltitel „Left to tell“ ist aussagekräftig: Die Autorin wurde „gelassen“, das heißt, sie hat überlebt, um zu erzählen. Was hat sie überlebt? Den Völkermord in Ruanda. Als Tutsi.

Sie berichtet in erster Linie nicht von den politischen Hintergründen, sondern sie erzählt ihre ganz persönliche Geschichte. Wie sie durch ihren Glauben am Leben blieb, wie dieser Glaube in und durch unmenschlich grauenhafte Extremsituationen immer kraftvoller wurde; durch das Beten zu und das Hören auf Gott. Von ihrem unerschütterlichen, das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigende Vertrauen in den himmlischen Vater und die Sicherheit an der Hand der Muttergottes mittels Halt am Rosenkranz des irdischen Vaters. Sie durfte nämlich in ihrer Familie Geborgenheit erfahren und empfand innige Liebe zu den Eltern und Geschwistern. Mit den Nachbarn wurde ein freundlicher Umgang gepflegt. Ihre Eltern schenkten den vier Kindern eine unbeschwerte Kindheit in einem offenen Haus. Jeder Gast wurde herzlich empfangen, unabhängig von seiner Stammeszugehörigkeit oder Religion. Die Kinder wussten nicht einmal, ob sie selbst Tutsi oder Hutu waren.

Den Rosenkranz bekam Immaculée in einem kritischen Moment, als sie ihren Vater in Lebensgefahr ahnte. Sie gab ihm ihr eigenes Skapulier, er ihr als Gegengeschenk seinen Rosenkranz.

Immaculée war und ist eine äußerst vitale Frau, sie arbeitete intensiv in ihrer Studienzeit und genoss ihre Freizeit, hatte seit drei Jahren einen Freund namens John. Die Verlobung stand vor der Tür. John konnte sich als Hutu relativ frei bewegen, konnte seine Freundin sogar im Versteck besuchen. Doch da musste Immaculée erkennen, dass er nicht so sehr an ihrer Person, sondern mehr an ihrem Äußeren interessiert war, dass die Beziehung zu ihrem Innersten abgestorben war, da die körperliche Anziehung nicht mehr spielte. Mit Schmerz, aber ohne Groll hat sie sich von ihm verabschiedet. Auch später, als ein sympathischer Franzose sich in sie verliebte, hat sie sich trotz der ihr angenehmen Aufmerksamkeit vor Gott geprüft und gesehen, dass dies nicht der von Ihm ihr zugedachte Ehemann sei. Ihr Gottvertrauen hat sich auch in dieser Hinsicht hundertfach gelohnt.

John war längst nicht die größte Enttäuschung. Beste Kameraden und Freundinnen aus der Kindheit wollten infolge des ausgebrochenen Stammeskonflikts nichts mehr mit ihr zu tun haben, wandten sich ganz unverhofft ab, ja wurden zu erbittertsten Feinden, die ihr nach dem Leben trachteten. Ihr gesamtes Wertesystem wurde komplett aus den Fugen geworfen. Dies musste Misstrauen gegenüber den Mitmenschen zur Folge haben. Wie konnte Immaculée diese unweigerlich zum negativen Menschenbild drängende Spirale durchbrechen? Wie kam es, dass sie diese Aneinanderreihung von Verletzungen ohne Verbitterung, ohne bleibenden Hass überstehen konnte? Wie konnte ihr Zorn sich wandeln? Wer stellte in ihr wieder Ordnung her? Wer ließ in ihr Mitgefühl aufkeimen? Wer nährte die Liebe in ihrem Herz? Wie war es möglich, dass sie sich noch freuen, noch danken konnte?

Es klingt verrückt, vor dem Mörder - genauer gesagt vor dem brutalsten Schlachter - seiner Familie zu stehen und ihm nichts mehr als ein „ich vergebe dir“ entgegenzuhalten. Das hat Immaculée getan. Genau das, weil die Vergebung das einzige war, was sie noch geben konnte.

Die bedrohliche Gegenwart des Genozids war dank Gottes Schutz für Immaculée nicht nur durchlebbar, sondern Er hat ihr das lebensspendende, heilende Verzeihen möglich gemacht und für die Zukunft vorgesorgt, so dass sie im engsten Versteck, gezwungenermaßen jedes Wort und jede hörbare Bewegung unterdrückend, zusammengepfercht mit sieben anderen Frauen, Englisch lernte.

Wenn man dies liest, könnte man sich fragen, ob das alles so kam, weil Immaculeé besonders brav und stets eifrig auf Gottes Wort bedacht war. Nein, wohl eher, weil sie kompromisslos auf Ihn gezählt hat, Seine Verheißungen für wahr hielt und Ihn leidenschaftlich daran erinnerte!

Wie diese Leidenschaft aussah, davon berichtet sie in ihrem Buch.

Es ist ein Buch vom sprühenden Leben; über den Glauben, der Leben erhält und Berge versetzt; über die Hoffnung auf und in Ihn, die bei Immaculée immer klare Erwartung des Guten ist; über die Hingabe, die sich Gott ganz gibt und alles von Ihm erwartet.

Ein ehrliches Buch, das Immaculées Weg, ihr Ringen mit Gott geradeheraus schildert; spannend, gut und einfach lesbar - was jedoch nicht heißt, dass der Inhalt simpel ist. Nein, er weckt auf, erschüttert und ist oft gar unerträglich.

Ein empfehlenswertes Buch, das die persönliche Gottesbeziehung nicht bloß überdenken lässt, sondern sie - wie auch die Nächstenliebe - stärkt.

Immaculée Ilibagiza, Aschenblüte, Ullstein Taschenbuch, 5. Auflage 2012, 288 Seiten


25. April
Neu in der Personenübersicht:
Gabriel Garcia Moreno, Ludwig Windthorst


25. April
Auch der Kirchentag

Auch der Kirchentag braucht in seinem Kern eine bußwillige Entweltlichung.

Der evangelische Pastor Dieter Müller, Kiel, über den Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 1. bis 5. Mai 2013 zum 34. Mal stattfindet, dieses Mal in Hamburg; in: IdeaSpektrum vom 24. April 2013, S. 15.


25. April
Fragwürdige Prioritäten

In meinen Augen beklagt der Papst mit Recht, dass vieles in der Kirche zu sehr von der Mentalität des Machers und zu wenig vom Staunenden geprägt ist oder – sagen wir es einmal anders – nicht mehr spürbar vom festen Vertrauen auf und Glauben an den Gott geprägt ist, der das Heil aller Menschen will. Wir arbeiten uns gegenwärtig ab an innerkirchlicher Neustrukturierung von großen Seelsorgeeinheiten und setzen bisweilen fragwürdige Prioritäten, um der Kirche eine Gestalt zu geben, mit der sie für den Weg durch das 21. Jahrhundert gewappnet ist.

Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer in der Kirchenzeitung für das Bistum Köln, Ausgabe vom 25. Januar 2013 S. 16. In ihrem Artikel Im Dienst der Welt - die entweltlichte Kirche setzt sie sich konstruktiv mit der Entweltlichungsforderung Papst Benedikts XVI. auseinander.

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