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Christenverfolgung “Ausgerechnet das 20. Jahrhundert, das mit dem Anspruch von Humanismus, Menschenrechten und Demokratie angetreten war, brachte ideologische Bewegungen hervor, welche die Glaubensfreiheit teilweise bis vollständig abschafften und die umfangreichsten Christenverfolgungen seit Neros und Diokletians Zeiten organisierten. Zigtausende Geistliche und christliche Laien verschwanden in Gulags und KZ’s, wurden mißhandelt und ermordet, Millionen andere drangsaliert und diskriminiert. Auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts beziffert „Kirche in Not“ die Zahl der wegen ihres Glaubens ums Leben gebrachten Christen auf rund 170.000 pro Jahr. Im Schnitt werde alle 3 Minuten irgendwo auf der Erde ein Christ aufgrund seines religiösen Bekenntnisses ermordet.” Andreas Püttmann, Anstößiger Wahrheitsanspruch. Zehn Thesen zum Standort des Christentums, in: Die neue Ordnung, Februar 2008 Christenverfolgung im Irak “In einer irakischen Stadt schickte ein Vater seine Tochter zur nahegelegenen Apotheke, um Medizin für ihn zu kaufen. Doch seine Tochter kehrte nicht wieder zurück. Die 16-jährige trug keinen Schleier und war somit als Nicht-Muslima deutlich zu erkennen. Daher vermutet ihr Vater, dass sie von muslimischen Fanatikern entführt wurde, tot ist oder zur Prostitution oder Heirat mit einem Muslim gezwungen wurde. Der Vater lebt heute im Ausland und trägt eine schwere Last auf seinem Herzen. Er fühlt sich mitschuldig am Verschwinden seiner Tochter. Einheimische Mitarbeiter und Christen berichten, dass Vergewaltigungen und Entführungen von jungen Christinnen gängige Mittel sind, um sie zum Übertritt zum Islam zu zwingen”. Das berichtet Open Doors in einem Sonderheft über den Irak. Die offizielle Religion des Iraks ist der Islam. So legt es die Verfassung vom 15. Oktober 2005 fest. Zwar wird auch das Recht auf Religionsfreiheit eingeräumt, gleichzeitig aber heißt es: “Kein Gesetz kann verabschiedet werden, das mit dem islamischen Recht in Konflikt steht” (Art. 2.1.a, zitiert in: Religionsfreiheit weltweit. Bericht 2008 von Kirche in Not, S. 212). “Christen waren an der Aufsetzung dieser neuen Verfassung in keiner Weise beteiligt und forderten vergeblich die Streichung oder Änderung von Artikel 2.1.a” (ebd.). Die Baathpartei, die seit 1968 bis zum dritten Golfkrieg die Macht innehatte und säkularistisch-laizistisch orientiert war, hatte den Islam als Staatsreligion abgelehnt. Die Christen waren den Muslimen gleichgestellt, die fünf christlichen Hauptkirchen als juristische Personen anerkannt. Der Irak hat fast 29 Millionen Einwohner, davon sind etwa 96% Muslime. Der Bevölkerungsanteil der Christen liegt unter 2%. Davon sind gut 300000 Katholiken. Die fünf christlichen Hauptkirchen sind die chaldäische-katholische, die syrisch-katholische, die syrisch-orthodoxe, die armenisch-orthodoxe und die assyrische Kirche des Ostens. Die größte Gruppe sind die chaldäischen Christen. Seit 2006 haben die Übergriffe auf Christen durch islamische Extremisten, die in ihnen Verbündete der Amerikaner sehen, immer mehr zugenommen. Der Staat schaut oftmals hilflos zu. “Christliche Familien werden zu Hunderten mitsamt ihrer Kinder ausgelöscht. CD-ROMs mit Aufnahmen von Hinrichtungen wurden in Briefkästen eingeworfen, um die Christen in Furcht und Schrecken zu versetzen und sie dazu zu bringen, ihre Kultusstätten aufzugeben, (zum Islam) zu konvertieren oder den Irak unverzüglich zu verlassen, wenn sie nicht dasselbe Schicksal erleiden wollten wie die Personen auf den Videos” (Mitteilungsblatt Saint-Pierre d’Antioche Nr. 36, November 2007, zitiert in Religionsfreiheit weltweit, S. 217). Die Folge ist eine große Flüchtlingswelle unter Christen: Etwa 70.000 bis 100.000 Christen sind nach Syrien geflohen, 25.000 bis 30.000 nach Jordanien, 70.000 in die Kurdengebiete und weitere 70000 in andere Länder. Die Zahl der Christen ist seit 2003 bis heute von etwa 800.000 auf 200.000 bis 300.000 zurückgegangen. Mit 3 Millionen Einwohnern ist Mossul im Norden des Iraks die drittgrößte Stadt des Landes. Sie gilt als eine Hochburg von Al Kaida, die sich anscheinend zum Ziel gesetzt hat, die Stadt von den Christen zu reinigen: Es werden Drohbriefe an christliche Familien versandt mit der Aufforderung, die Stadt binnen 24 Stunden zu verlassen. “Kein Christ darf in Mosul bleiben”: Mit diesen Worten forderte ein als Beamter getarnter, maskierter Terrorist zwei Christen zur Flucht auf (laut Sonderheft von Open Doors). Es gibt Schuldzuweisungen an die Kurden, deren Milizionäre hinter den Anschlägen stünden. Für Basra im Süden des Iraks, das laut der Gesellschaft für bedrohte Völker bereits “christenrein” ist, kann dies jedenfalls nicht zutreffen. Im Oktober 2008 sind in Mossul mindestens zwölf Christen ermordet worden, etwa 13000 Christen flohen nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks aus der Stadt. Ob die Extra-Einheiten der Polizei, die daraufhin zum Schutz der Christen nach Mossul beordert wurden, an der bedrohlichen Lage dauerhaft etwas ändern können, erscheint fraglich. Tatsache ist jedenfalls, dass von den 300.000 Christen im Jahr 2003 nur noch 90.000 in Mossul leben. Und die Hilfe des Westens? Deutschland hat sich bereit erklärt, 2500 Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. Österreich unter Innenministerin Maria Fekter lehnt dies ab, worüber sich der Ökumenische Rat der Kirchen bestürzt zeigte. Update vom 30. Januar 2009: “Im Irak droht sogar die komplette Auslöschung des Christentums.” Das erklärte Berthold Pelster, Leiter der Filiale Münster von Kirche in Not, am 25. Januar auf einer Tagung der Katholischen Akademie in Trier. Im Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten nach dem Sturz Saddam Husseins seien die Christen zwischen alle Stühle geraten. Marie-Ange Siebrecht, Leiterin des Referats Asien-Afrika von Kirche in Not, ergänzte: “Die Christen im Irak zählen zu den ältesten Gemeinden überhaupt, sie haben eine fast 2.000 Jahre alte Tradition. Mit ihnen verliert das Land seine Geschichte und Identität.” Regierung und Polizei unternähmen nichts, um die Christen zu schützen, bezeugten Flüchtlinge, die auf der Tagung sprachen. Wenige Tage später bezeichnete es Christoph Kardinal Schönborn als “enttäuschend und empörend”, dass sich Österreich nicht an der EU-Hilfsaktion zur Aufnahme von bedrängten Irakern beteiligen wolle. Dabei handle es sich in überwiegender Zahl um Christen, die um ihr Leben fürchten müssen. Die Not der irakischen Christen war auch das Hauptgesprächsthema während des Ad-Limina-Besuchs der chaldäischen Bischöfe im Vatikan am 24. Januar. Die Bischöfe beklagten das “eisige Schweigen” der internationalen Gemeinschaft über das Schicksal der irakischen Christen. Das Leben der Christen im Irak sei von Gewalt und Drohungen geprägt, bezeugte der syrisch-katholische Erzbischof Athanase Matti Shaba Matoka von Bagdad. Christliche Väter würden gefoltert und verstümmelt wieder zu ihren Familien zurückgeschickt. Von Islamisten gegründete islamische Tribunale verkünden Todesurteile. Familien werden terrorisiert durch Sprüche wie: “Wenn ihr nicht zum Islam übertretet, dann holen wir uns eure Töchter.” Die Folge ist, dass schon Hunderttausende Christen geflohen sind, in den Nachbarstaaten festsitzen und traumatisiert sind. Hinweis: Link: Der Trick der “Neuen Atheisten” Weltweit gibt es erschreckend viele Menschen, die Opfer religiös motivierter Verfolgung sind. Doch die Opfer dieser Verfolgung sind mehrheitlich nicht etwa Atheisten, sondern Christen. Christen werden von Hindus und Buddhisten verfolgt, vor allem aber von Muslimen, wie Till-Reimer Stoldt in der Welt vom 21. September 2007 ausführte. “Ein Zentrum der Verfolgung ist die islamische Welt. In fast allen islamisch geprägten Ländern werden Christen daran gehindert, das Menschenrecht auf freie Religionswahl und Mission auszuüben. Im Iran, in Saudi-Arabien oder Sudan wartet auf christliche Missionare und Konvertiten das Beil oder die Steinigung. In vergleichsweise gemäßigten Ländern wie Ägypten oder Algerien wandern zum Christentum übergetretene Ex-Muslime und Missionare in die Psychiatrie oder ins Gefängnis. Und in für islamische Verhältnisse fast liberalen Ländern wie Malaysia muss der Abfall vom Islam vom Gericht genehmigt werden. Doch solch eine Genehmigung hat noch kein Gericht jemals erteilt.”80 Prozent der aus religiösen Gründen Ermordeten seien Christen. Trotz der Diskussion um einzelne Zahlen im Detail sei ein Befund unstrittig: “Keine andere Religionsgemeinschaft auf der Welt wird stärker verfolgt.” Die neuesten Zahlen aus dem Jahrbuch zur Christenverfolgung heute “Märtyrer 2008" bestätigen diese Aussagen: “Der religiöse Fanatismus ist im vergangenen Jahr in vielen Teilen der Erde gewachsen. Leidtragende sind vor allem die Christen, die wegen ihres Glaubens von extremistischen Moslems, Hindus und Buddhisten diskriminiert oder verfolgt werden” (IDEA-Bericht vom 2. November 2008). Die “Neuen Atheisten” arbeiten mit einem Trick: Indem sie nicht zwischen den verschiedenen Religionen unterscheiden, nehmen sie die Verfolgungen als Indiz für die Gewalttätigkeit von Religion überhaupt, stecken Christen zusammen mit ihren Verfolgern in dieselbe Schublade und machen so aus Opfern Täter. |
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