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Entweltlichung oder Entewigung?

Von P. Engelbert Recktenwald

Am 25. September 2011 hielt Papst Benedikt XVI. vor engagierten Katholiken aus Kirche und Gesellschaft seine berühmte Freiburger Konzerthausrede. Seine Forderung nach Entweltlichung der Kirche stieß manchem Vertreter des deutschen Katholizismus sauer auf.

Aufschlussreich ist die Kritik, die der Freiburger Soziologe Michael N. Ebertz an der Rede übt. Er konstatiert in seinem Beitrag zu einem Sammelband zur päpstlichen Rede mit treffenden Worten die gegenwärtige Situation des Glaubens an die Ewigkeit: “Angesichts des - auch selbst betriebenen - Niedergangs der Hölle im Prozess der Zivilisation ist das Heil der Seelen postmortal kaum mehr in Gefahr, die ehemals zentrale kirchliche Aufgabe der Seelenrettung kaum mehr plausibel zu machen” (Ebertz, Päpstlicher Kirchenkurs. Die Option der elitären Minorisierung, in: Jürgen Erbacher, Hg., Entweltlichung der Kirche? Die Freiburger Rede des Papstes, Freiburg im Breisgau 2012, S. 125). Dieser Glaubensverlust und die dadurch bedingte Entleerung der zentralen kirchlichen Aufgabe werden nun aber nicht als zentrale Herausforderung an die Kirche zur Neuevangelisierung gesehen, sondern als unveränderliches Fatum, dem die Kirche Rechnung tragen muss. Aufgrund ihres Personalmangels muss die Kirche ihre Ohnmacht eingestehen. Als zukunftsträchtige Option bietet Ebertz die des Umlernens an.

Ebertz argumentiert als Soziologe. Er entwirft fünf idealtypisch unterscheidbare Kirchenkursoptionen: erstens das Aussitzen der Krise (Option der institutionellen Stabilisierung), zweitens die fundamentalistische Option (die Ebertz widersprüchlich beschreibt: einerseits als “scharfe Weltdistanz”, woraus die meisten anderen Fundamentalismuskritiker den Vorwurf des sektiererischen Rückzugs ins Ghetto ableiten, andererseits als integralistische “Verkirchlichung der Welt”), drittens das Durchwursteln (Option der pragmatischen Selbstregulierung), viertens die geistliche Aufrüstung bei gleichzeitig struktureller Abrüstung (die Option der elitären Minorisierung, die Ebertz für die des Pastoraltheologen Hubert Windisch hält und der er einen sektenartigen Rückzug “aus der Weltverantwortung im lokalen Gemeinwesen” vorwirft) und schließlich fünftens die Verwandlung von “Anpassungszwänge in intendierte Entwicklungsprozesse” (Option des Lernens), die “Kirchenwachstum unter völlig neuen Lebensbedingungen” ermöglichen soll.

Warum es ausgerechnet nur diese fünf Optionen geben soll, begründet Ebertz nicht. Man kann sich des Eindrucks der Willkür nicht erwehren, vor allem, wenn man beobachtet, wie vier dieser Optionen von vorneherein so negativ beschrieben werden, dass nur die vom Autor bevorzugte Option als akzeptabel erscheinend übrig bleibt. Nachdem so die Schubladen bereitet sind, kann er nun auch elegant die Provokationen des Papstes entsorgen, indem er sie in der vierten Schublade unterbringt.

Dabei übersieht Ebertz, dass er genau in jene Falle tappt, vor der der Papst warnt, wenn er in seiner Freiburger Rede sagt. “Es geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen.” Es geht nicht um die Überwindung kirchlicher Ohnmacht, nicht um Selbsterhalt oder Wachstum der Institution Kirche. Diese ist kein Selbstzweck. Worum geht es dann? Der Papst fährt fährt fort. “Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, eben dadurch dass sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheit ist.” Und dann bringt der Papst die zentralen Glaubenswahrheiten, die Heilstaten Gottes, seine Menschwerdung und seinen Erlösungstod am Kreuz, um dann mit unmißverständlichen Worten Ziel und Zweck von all dem zu nennen: “dass uns Sterblichen Auferstehung und Ewiges Leben verheißen ist.” Das Ewige Leben ist der Zweck, dem die Kirche dient, den aber Ebertz in seinen Ausführungen gerade ausgeklammert hat.

Der Papst spricht dann von der “Zumutung”, die genau dieser Glaube ans Ewige Leben und an das, was Gott um dieses Zieles willen getan hat, darstellt. Im Konfliktfall ist nicht Entewigung, sondern Entweltlichung die Lösung. Die Kirche sollte lieber zeitliche Nachteile in Kauf nehmen, als ihren Auftrag bezüglich des ewigen Seelenheils verraten - man denke etwa an den bis heute nicht aus der Welt geschafften Weltbild-Skandal.

Dieser Taktik des Überlebens um jeden Preis hält der Papst die Forderung nach totaler Redlichkeit entgegen. Diese Redlichkeit entspricht der Haltung der Heiligen, die von Paulus bis zum seligen Charles de Foucauld ihr ganzes Sein und Leben in die Waagschale geworfen haben, um Seelen fürs Ewige Leben zu retten. Es ist der Mangel an Heiligkeit, der die Zeugniskraft der Kirche bis hin zur beklagten Ohnmacht schwächt. Geistliche Aufrüstung bei gleichzeitiger struktureller Abrüstung, also: mehr Nachfolge Christi, weniger Institution; mehr Geist, weniger Bürokratie; mehr geistlicher Aufbruch, weniger Verwaltung bestehender Besitzstände: genau dies ist die Antwort auf die gegenwärtige Krise. Sie bedeutet nicht sektenartiger Rückzug aus der Weltverantwortung, sondern Wahrnehmen jener Verantwortung, die die Kirche heute wie in den Zeiten seit ihres Bestehens für das ewige Seelenheit der Menschen besitzt.

Die Soziologie kann wertvolle Erkenntnisse über Gesetzmäßigkeiten von Institutionen und Bedingungen ihres Erfolges beisteuern, sie kann aber nicht die Kriterien dafür bereitstellen, was für die Kirche als “Erfolg” zu gelten hat und was nicht. Die Soziologie kann den Weg zum Ziel nur aufzeigen, wenn Klarheit über das Ziel besteht. Die ganze Rede des Papstes dient dieser Klärung. Das weiß Ebertz nicht zu würdigen.

Statt dessen wirft er der Kirche mit dem niederländischen Soziologen Leo Laeyendecker beschränkte Lernfähigkeit vor, ein Vorwurf, den man auch der Muttergottes machen müßte, sofern sie wirklich in Fatima erschienen ist. Ihre Botschaft dort hat mehr Ähnlichkeit mit der Verkündigung des Papstes hat als mit den Lösungsvorschlägen unseres Soziologen. Aber vielleicht wird ja einmal der ganze himmlische Hof einen Nachholkurs in Soziologie belegen, um zu erfahren, wie man heute unter den veränderten Umständen am besten bei den Menschen ankommt.


Fragwürdige Prioritäten

In meinen Augen beklagt der Papst mit Recht, dass vieles in der Kirche zu sehr von der Mentalität des Machers und zu wenig vom Staunenden geprägt ist oder – sagen wir es einmal anders – nicht mehr spürbar vom festen Vertrauen auf und Glauben an den Gott geprägt ist, der das Heil aller Menschen will. Wir arbeiten uns gegenwärtig ab an innerkirchlicher Neustrukturierung von großen Seelsorgeeinheiten und setzen bisweilen fragwürdige Prioritäten, um der Kirche eine Gestalt zu geben, mit der sie für den Weg durch das 21. Jahrhundert gewappnet ist.

Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer in der Kirchenzeitung für das Bistum Köln, Ausgabe vom 25. Januar 2013 S. 16. In ihrem Artikel Im Dienst der Welt - die entweltlichte Kirche setzt sie sich konstruktiv mit der Entweltlichungsforderung Papst Benedikts XVI. auseinander.


Gegen Macht und Heuchelei

Der Papst hat damals [Benedikt XVI. am 25. September 2011 in seiner Freiburger Rede über Entweltlichung] gesagt, die Kirche muss auf Macht verzichten, und dadurch wieder geistlich in die Welt ausstrahlen. Die deutsche Kirche hat diesen flammenden Appell überhört. Aber Papst Franziskus lässt da nicht locker. Auch er warnt vor Verweltlichung. Es gibt einfach viel zu viele kirchliche Institutionen, in denen die Kirche Arbeitgebermacht ausübt über Leute, die sich mit ihr gar nicht identifizieren wollen. Das schafft bei manchen Einrichtungen eine Atmosphäre produzierter Heuchelei.

Prof. Dr. Manfred Lütz im Interview mit der KNA, veröffentlicht im PUR-Magazin, Juni 2013, S. 24.


Von der Entweltlichung eingeholt

Benedikt XVI. und Franziskus haben mit Nachdruck zur Entweltlichung gerufen. Immer wieder hat man das bewusst missverstanden und als Weltflucht umgedeutet, was nie gemeint war. Verweltlichung ist, wenn sich kirchliche Unternehmen so weit auf weltliches Denken, Handeln und Wirtschaften einlassen, dass der Drang nach Wachstum und Gewinnmaximierung das Evangelium frisst. Weltbild ist ein Muster-Beispiel, wohin Verweltlichung führt. Leidtragende sind am Ende die Angestellten und die Kirche selbst, die den Finanz- und Imageschaden hat. Der Fall Weltbild illustriert noch eines: Wenn sich die Bischöfe nicht selbst zügig um die recht verstandene Entweltlichung der Kirche kümmern, holen die Ereignisse die Verantwortlichen schneller ein, als ihnen lieb ist.

Markus Reder in Tagespost vom 30. Januar 2014, im Leitartikel Weltbild: Was für ein Desaster.


Paradox der Neuevangelisierung

Die entweltlichte Kirche des Glaubens sei die evangeliumsgemäße Alternative zur Gesellschaft, die “via regis” der Neuevangelisierung, unterstrich der Dogmatiker Achim Buckenmaier von der Päpstlichen Lateran-Universität. Als “Nebenstraße des kirchlichen Programms” mochte er die Forderung Papst Benedikts nicht sehen. Satte Selbstzufriedenheit der Verantwortungsträger und kirchlichen Mitarbeiter stellt für Buckenmaier nicht nur das größte Hindernis für die Reform der Kirche dar, sondern auch für eine authentische Neuevangelisierung. Der Dogmatiker wies auf das Paradox hin, dass die Neuevangelisierung gerade durch diejenigen gebremst werden könnte, denen äußere Mittel dafür wie Geld, Strukturen, Personal und Gebäude zur Verfügung stehen.

Aus dem Bericht Wider die Trennung von Evangelium und Leben von Regina Einige über die Tagung Säkularisierung und Neuevangelisierung als Herausforderung für das Kirchenrecht, die vom 3. bis 5. Februar 2014 in der Münchener Katholischen Akademie in Bayern stattfand, durchgeführt von dem Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik. Der Bericht erschien in der Tagespost vom 13. Februar.

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