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Borromäusverein, quo vadis? “Gute Medien auszuwählen, kirchlichen Einrichtungen zu liefern und für deren Mitarbeiter/innen Bildungsangebote durchzuführen, gehört seit 1845 zu unseren Hauptaufgaben,” so stellt sich der ganz in kirchlicher Trägerschaft stehende Borromäusverein auf seiner Website vor. Was dieser Verein unter “guten Medien” versteht, darüber mag sich jeder ein Urteil bilden, der die Website erkundet und dabei auf eine eigenartige Medienempfehlung stößt (Stand vom 9. Februar 2008): Dort wird ein “trauriges Dokument der Borniertheit” (Alan Posener) angeboten, nämlich das Buch Wo bitte gehts zu Gott?, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke. Das Bundesfamilienministerium hat beantragt, das Buch in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen, weil es die drei monotheistischen Religionen der Lächerlichkeit preisgebe und das Judentum als besonders angsteinflößend und grausam darstelle. Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger hält das Buch für gefährlich, mit klaren antisemitischen Tendenzen: “Die Vertreter der Religionen, beispielsweise der jüdische Rabbi, wird dargestellt wie der Stürmer im Dritten Reich. Die Nazis haben jüdische Rabbis damals ähnlich dargestellt, ich habe dafür Belege.” Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellte am 17. Dezember 2007 Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Aus dieser Diözese stammt übrigens der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats beim Borromäusverein. Auf der Homepage des Vereins wird das Buch folgendermaßen beschrieben: “Religionskritisches Kinderbuch. Als ‘Dawkins für Kinder’ angepriesen, vom Bundesfamilienministerium scharf kritisiert und als jugendgefährdend eingestuft, die Wellen schlagen hoch um das Bilderbuch. Eine Borromäus-Rezension folgt in Kürze.” Dazu meint Scipio: “Da sind wir aber gespannt. Bestimmt machen sich die netten Herrschaften auf der Website von Michael Schmidt-Salomo kundig und merken am Ende gar noch, daß seine und ihre Gottesvorstellung gar nicht so weit auseinanderliegen: Sympathie für manche ‘Gottesvorstellungen’, Freiheit für innerreligiöse Reformprozesse und Wertschätzung der ‘kulturellen Schatzkammern der Menschheit’. Man kann ja nie wissen. Aber vielleicht hat der hl. Kardinal, nach dem der Verein benannt ist, ein Einsehen und legt an höchster Stelle ein gutes Wort für das Lektoratsteam ein, das für die ‘Empfehlungen’ zuständig ist.” Borromäusverein zum Zweiten Wie am 9. Februar gemeldet, listete der Borromäusverein das antireligiöse Machwerk Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel von Michael Schmidt-Salomon unter seine Medienempfehlungen auf. Das hat sich nun geändert. Es erscheint jetzt unter aktuell und ist mit einer vernichtenden Rezension der Leiterin des Lektorats Bettina Kraemer versehen, die mit den Worten schließt: “Ein niveauloses Buch, das gerade auch wegen der plakativen und einfallslos daherkommenden Illustrationen kaum als anspruchsvolles Kinderbuch bezeichnet werden kann. Die Aufmerksamkeit, die das reichlich banale Buch mittlerweile erhält, steht in keinem Verhältnis zur Qualität.” So weit, so gut. Noch besser wäre es, wenn man annehmen dürfte, dass dieser Fortschritt nicht auf den Staub zurückgeht, den die skandalöse Medienempfehlung aufwirbelte (am 10. und 11. Februar hatten auch Onlinenachrichtendienste darüber berichtet), dass es sich also um einmaligen Ausrutscher gehandelt hatte. Doch dem ist leider nicht so. Von dem Atheisten Michael Schmidt-Salomon, der sich dem literarischen Kampf gegen jeglichen Gottesglauben verschrieben hat, finden sich weitere Bücher, die jeweils unter “Medienempfehlungen” erscheinen. Dazu gehört z.B. das Buch Die Kirche im Kopf, das in einer Weise vorgestellt wird, die der nichtsahnende Leser als Empfehlung verstehen dürfte: “Dieses Lexikon nimmt auf vergnüglich-böse Weise die ‘Kirche im Kopf’ aufs Korn”, beginnt die Kurzrezension, um zu schließen: “Am Ende der Lektüre sollten die Leserinnen und Leser nicht nur die eine oder andere Selbstverständlichkeit mit anderen Augen sehen, sie sollten über die bizarren religiösen Denkwelten auch befreit lachen können.” Dem könnte man zustimmen, wenn nicht unter den “bizarren religiösen Denkwelten” der “normale” christliche Glaube zu verstehen wäre (das “Christentum schlechthin”, wie C.S. Lewis sagen würde), z.B. die Lehre über die Dreifaltigkeit. Die wird in dem vom Borromäusverein empfohlenen Buch so erklärt: “Eine überaus seltene, von Gläubigen daher hoch gepriesene Form von ‘multipler Göttlichkeit’, etwa analog zum Krankheitsbild der ‘multiplen Persönlichkeit’. Wäre Gott ein Mensch, müsste man ihn wohl mit starken Psychopharmaka behandeln ...” Abraham wird wegen seines “Kadavergehorsams” lächerlich gemacht, Gut und Böse sind “jenseits des religiösen Hokuspokus (...) banale, inhaltsleere Begriffe. Nach heutigem Wissensstand verhalten sich Menschen nämlich exakt so, wie sie sich aufgrund ihrer biologischen Prägung und ihrer Lebenserfahrung verhalten müssen. Kaum ein Neurophysiologe von Rang glaubt noch an die sog. Willensfreiheit. Damit entfällt aber die empirische Basis für die vermeintlich freie, moralische Entscheidung für oder gegen Gott, für das Gute oder das Böse.” Da wundert es nicht, wenn der Borromäusverein auch alle Hauptwerke der “neuen Atheisten” unter “Medienempfehlungen” laufen läßt:
Als der Papst seinerzeit die Bischöfe aufforderte, in Zusammenhang mit der Abtreibung aus dem Beratungssystem auszusteigen, tat er dies mit Hinweis auf die notwendige Klarheit des Zeugnisses. Soll er sich jetzt auch noch um den Ausstieg aus dem Geschäft mit glaubensgefährdenden Büchern kümmern? Wie wäre es, wenn die Betreffenden einmal von selber ihre Verantwortung wahrnähmen? 5. Juli 2008 Bernhard Müller, der Chefredakteur des PUR-Magazins, legt in der Mai-Ausgabe 2008 desselben den Finger in eine Wunde der Kirche: Er stellt die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit angesichts der Tatsache, was sie mit ihrem Buchversand “Weltbild” anstelle: “Die Kirche unterhält milliardenschwere Unternehmen wie den ‘Weltbild’-Medienkonzern, der aber kein ‘kirchliches Weltbild’ vermittelt, sondern ganz auf Kommerz ausgerichtet ist, was verheerende Auswirkungen auf seine Programmauswahl zur Folge hat. So verdient die Kirche durch den Verkauf von Sex, Esoterik und Horror Millionen ...” Auf diesen Skandal macht das PUR-Magazin schon seit vielen Jahren aufmerksam, ohne bisher etwas erreicht zu haben. Von anderer Seite kam kürzlich dieselbe Kritik: Gernot Facius meinte in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur idea, es sei schizophren und heuchlerisch, wenn katholische Bischöfe vor Esoterik warnten, Weltbild aber esoterische Bücher anbiete: “Die Herren Bischöfe und Generalvikare lassen die Manager eben gewähren.” In der Rubrik “10 Fragen, die ich Benedikt XVI. immer schon einmal stellen wollte”, die in jeder Ausgabe des Vatican-Magazins erscheint, meldet sich in der Juni-Ausgabe Peter Seewald zu Wort. Seine siebte Frage lautet: Der Liborius-Wagner-Kreis untermauert die Kritik am Weltbild-Verlag mit Fakten: Es scheint, dass die nun schon seit Jahren geäußerte Kritik am Weltbild-Verlag die Bischöfe unberührt läßt. 24. Juli 2008 Es scheint, dass dieser Schein getrügt hat, denn zwei Tage später brachten Zeitungen die Nachricht, dass die Bischöfe den in Augsburg angesiedelten Medienkonzern verkaufen wollen. Die FAZ vermutet als Hintergrund den “Zwiespalt zwischen geschäftlichen und theologischen Interessen”. Als Beispiel führen die Autoren Marcus Theurer und Georg Giersberg den Verkauf von Dan Browns Thriller Das Sakrileg an: “Als der Buchhändler vor Jahren für das damals neue ‘Sakrileg’ kräftig die Werbetrommel rührte, brach ein Sturm der Entrüstung über die Augsburger Kaufleute herein. ‘Das gab einen Riesenärger’, erinnert sich ein Beteiligter.” Die Bischöfe lösen das Problem nun durch einen Verkauf. Dazu schrieb Dr. Eduard Werner in einem Leserbrief, den die Tagespost am 22. Juli veröffentlichte: “Herr Dr. Jestaedt begrüßt den Ausstieg der vierzehn beteiligten Bistümer aus dem Konzern Weltbildverlag (Leserbrief in DT vom 15. Juli). Hierzu ist aber zu fragen, ob man sich aus einem Unternehmen mit unmoralischen Produkten einfach davonstehlen darf, ohne es vorher moralisch in Ordnung gebracht zu haben. Verantwortung kann man nämlich nicht weiterverkaufen. Ein ursprünglich guter Verlag verkauft zum Beispiel in der Bestseller-Ecke seiner Läden um des Profites willen stapelweise Dan Browns Buch ‘Das Sakrileg’ und das Buch ‘Die Päpstin Johanna’ aus dem ehemals kommunistischen Aufbau-Verlag. (...) Seit vielen Jahren wurden die Bischöfe auf das Programm mit Pornografie, Esoterik und Satanismus aufmerksam gemacht und auch eindringlich davor gewarnt. Fünfzehn Jahre lang keine Reaktion. Jetzt endlich kommt die Absicht, das Unternehmen zu verkaufen. Aber warum will man denn die jetzt weit verästelte Krake nicht entfernen und das Unternehmen unter neuer Leitung wieder auf ein gesundes Fundament stellen?” Besteht eigentlich Grund zu der Hoffnung, dass dem von Bischöfen ins Auge gefassten kirchlichen TV-Sender ein anderes Schicksal bevorstehen wird als dem Weltbild-Verlag? Update: Totalversagen? In der Oktoberausgabe 2009 des PUR-Magazins wirft Martin Müller der Kirche ein Totalversagen im Medienbereich vor: “Sie hat mit WELTBILD den größten Buchvertrieb Deutschlands in der Hand, und nützt ihn nicht, um den Glauben zu transportieren. Im Gegenteil verbreitet sie damit millionenfach Literatur, die dem christlichen Menschen- und Familienbild konträr entgegensteht.” |
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