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Führung statt Stuhlkreise

Der Kirchenstreik „Maria 2.0“ und der Reformdruck „von unten“ offenbaren ein falsches Kirchenverständnis. Dem haben die Bischöfe aber selbst Vorschub geleistet.

Von Oliver Maksan

Kirchenstreik „Maria 2.0“, „Reformen“ und Synodaler Weg: Dass die katholische Kirche in Deutschland von Woche zu Woche mehr aus den doktrinären Fugen gerät, ist ganz wesentlich die Verantwortung mehrerer Generationen von Bischöfen. Es ist Ausdruck eines kollektiven Führungsversagens, das sich seit Jahrzehnten aufgebaut hat. Hinhaltende Moderation und ängstliches Erwartungsmanagement statt mutiger Leitung und lehrmäßiger Weisung: Das rächt sich jetzt.

Schon mit der Königsteiner Erklärung 1968 versuchten die Vorgänger des jetzigen Episkopats, das Unvereinbare zu vereinbaren: die Orientierung am Lehramt mit der Orientierung am sich als aggiornamento präsentierenden Zeitgeist. Mit der Würzburger Synode in den siebziger Jahren vertiefte sich diese Tendenz des halbherzigen Kompromisses. Der Dialogprozess ab 2011 war der letzte Versuch, den Tiger zu reiten, das heißt den Reformdruck der organisierten „Basis“ durch Stuhlkreise und verständnisvolles Nicken – „Ich verstehe Ihre Wut und Enttäuschung“ – zu managen anstatt die Lehre der Kirche zu bezeugen, zu erklären und einzufordern. Anstatt die kirchliche Lehre etwa zur Frauenordination zu vertiefen, hieß es, die Frage stelle sich derzeit nicht, eine Weihe von Frauen sei im Moment nicht möglich, das Kirchenrecht lasse das nicht zu. Der Eindruck wurde erweckt, beim Nein des Lehramts zur Frauenordination handele es sich um eine positivistische Rechtssetzung – und nicht um eine vom Herrn selbst eingesetzte und darum verbindliche Praxis, die zudem ganz in der Logik der katholischen Anthropologie steht. Ähnlich beim Zölibat oder der Sexualmoral. Auf dieses „derzeit“ und „noch nicht möglich“ bauten die Reformer. Von einigen mutigen Bischöfen abgesehen wählten ganze Bischofsgenerationen diese Methode – sei es, weil sie das als den Weg des geringsten Widerstands sahen, sei es, weil sie insgeheim den Forderungen zustimmten, von „Rom“ her aber keine „Spielräume“ sahen.

Durch die Missbrauchskrise sieht der im Zentralkomitee der Katholiken institutionalisierte Reformflügel seine Stunde gekommen. Hamburgs Erzbischof Heße warb jetzt am Samstag vor dem Gremium um Zusammenarbeit auf dem Synodalen Weg: Wir Bischöfe kommen allein nicht weiter. Die Laienvertreter stimmten großmütig zu – wenn man sich auf Augenhöhe begegne und es zu konkreten Ergebnissen komme.

Dabei müssen alle ekklesiologischen Alarmglocken angehen. Der Geist von „Basis“ gegen Spitze ist mit der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche nicht vereinbar. Das Volk Gottes ist nicht das Gegenüber zur Hierarchie. Auch die Bischöfe und der Papst gehören zum Gottesvolk, das hierarchisch verfasst durch die Geschichte pilgert. Wer es dieser Zeitung nicht glaubt, darf sich von einer Lektüre der Konzilskonstitution „Lumen gentium“ überzeugen lassen. Natürlich müssen Bischöfe und Laien reden. Beide eint die Sorge um die Kirche. Bischöfe und organisierte Laien begegnen einander hier aber nach dem Vorbild von Regierung und Opposition, Arbeitgebern und Gewerkschaft. Was in Demokratie und Wirtschaft Recht ist und Sinn macht, passt nicht zur Verfassung der katholischen Kirche. Lehrfragen wie die Frauenweihe und tiefgreifende Fragen der Praxis wie der Zölibat sind nicht Verhandlungsmasse wie Gesetzesentwürfe und Lohnfragen. In diesem Geist wird der Synodale Weg zur schiefen Ebene.

Als Leitartikel erschienen in der Tagespost vom 16. Mai 2019


Die theologischen Mängel des Synodalen Wegs

Im Februar 2022 hat die Versammlung des Synodalen Wegs mit Zweidrittelmehrheit ein theologisches Grundlagenpapier angenommen, dessen Widersprüche zum Zweiten Vatikanischen Konzil ich in dieser Predigt vom 13. Februar 2022 aufzeige.

Recktenwald-Predigten · Über den Synodalen Weg


Was ist vorüber?

Eine Glosse von P. Engelbert Recktenwald

“Die nachkonziliare Zeit ist vorüber”, so äußern sich manche Reformer in der Kirche.

Hoppla, ich muss mich korrigieren! In Wirklichkeit sprechen sie von der “alten” Zeit. Aber damit kann doch eigentlich nur die nachkonziliare Zeit gemeint sein, oder nicht? Die vorkonziliare Zeit ist ja bereits mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu Ende gegangen. Wie oft haben wir aus berufenem oder unberufenem Mund gehört, dass mit dem Konzil eine neue Zeit begonnen habe, eine Zeit des Frühlings und des Aufbruchs, eine neue Ära. Und die soll jetzt auch schon wieder zu Ende sein? Immerhin hat diese Zeit mit über 50 Jahren auch schon ein gewisses Alter erreicht. Also kann, wenn von der alten Zeit die Rede ist, die jetzt vorüber sei, nur die nachkonziliare Zeit gemeint sein, oder? Ich kenne eine Menge Leute (“Traditionalisten” genannt), die sich wirklich freuen würden, wenn dem so wäre.

Aber so meinen es die Reformer dann wohl doch nicht. Es geht ja um Themen wie Zölibat und kirchliche Morallehre. Und da müssen wir feststellen, dass das Konzil noch viel zu vorkonziliar war. Der Zölibat sei im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründet, hat das Konzil gelehrt, durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen seien die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht.

Der Priester sei in vorzüglicher Weise Christus geweiht? Mit Leichtigkeit erkennen wir hier ganz klar jenen vorkonziliaren Klerikalismus, der schuld am tausendfachen sexuellen Missbrauch in der Kirche ist. Diese Konzilsaussage ist eine Beleidigung der Laien und eine Gefahr für unschuldige Kinder. Das Konzil ist schuld am Missbrauch, weil es die vorkonziliare Zeit nicht radikal genug beendet hat. Das Konzil war einfach zu wenig konzilsgemäß. Wir müssen das Konzil um des Konzils willen überwinden! Wir müssen es retten, indem wir seine Texte entsorgen. Dann beginnt endlich der echte und wahre Aufbruch...

Diese Glosse erschien am 31. Dezember 2019 auf dem Cathwalk.

Weitere Glossen


Eine Predigt, die schockiert

Hat Ihnen denn die Dialogpredigt von von Bischof Dr. Georg Bätzing mit der Direktorin des Katholischen Bibelwerkes, Dr. Katrin Brockmöller, beim Abschlussgottesdienst [des Katholikentags 2022] zugesagt?

Sie bot nicht einmal den Ansatz einer ernsthaften Auslegung der Heiligen Schrift. Die Direktorin ordnete unwidersprochen die drei Texte aus dem Neuen Testament ein als „mehrdeutige Literatur“, die „manchmal widersprüchlich“ sei und unser Gespräch benötige. Klar ist damit: Die Schrift ist hier nicht mehr das durch Menschen vermittelte Zeugnis der Selbstoffenbarung Gottes, das mich als Hörenden zugleich richtet und rettet, wenn ich im Glauben darauf antworte, sondern ein irgendwie religiöser Text, der mir zum Anlass relativ beliebiger Assoziationen wird. So sah dann die Predigt auch aus. Die theologischen Hauptlinien der Texte waren den beiden reichlich egal. Sie ließen sich gerade nicht dadurch herausfordern. Es macht mich beinahe fassungslos, wie qualifizierte Theologen derart niveaulos über Gottes Wort sprechen. Da war von einer exegetischen Verantwortung vor den Texten und dass wir als hörende Kirche unter dem Wort und nicht darüber stehen, schlechterdings nichts zu spüren. Mit einem Wort: Die Predigt hat mich schockiert und ziemlich traurig zurückgelassen.

Aus einem Interview von CNA Deutsch mit Martin Brüske


Im Namen des Volkes Gottes?

Das Synodalpräsidium hat sich am selben Tag [21. Juli 2022] verstimmt, mürrisch und pikiert zu dem vatikanischen Schreiben geäußert (...). Das Synodalpräsidium erklärt dankbar, “dass die Bischöfe und das ZdK diesen Weg gemeinsam gehen und sich der Unterstützung und aktiven Mitarbeit des pilgernden Volkes Gottes gewiss sein dürfen”. Auch wir, Sie und ich, gehören zum pilgernden Volk Gottes – und ich kenne viele Katholiken, die über diese Diskursveranstaltung, ihre fruchtlosen Debatten, ihre deutschkatholischen Themen, ihren ostentativ präsentierten Hochmut gegenüber Rom und der Weltkirche sowie über ihre kunterbunten Ideen schon lange entnervt stöhnen. Viele wissen zudem: Der Synodale Weg strapaziert nicht nur unsere Nerven, sondern kostet auch das Geld der treuen Kirchensteuerzahler.

Aus: Thorsten Paprotny, Das Synodale Schulmeistertum


Johannes Paul II. über die Pflichten der Bischöfe

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