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Gottesvergiftung?

Gefahren krankmachenden Glaubens

Von P. Engelbert Recktenwald

“Mein Weg ist Liebe und Vertrauen zu Gott. Ich verstehe die Seelen nicht, die einen so zärtlichen Freund fürchten. Meine Seele ist berufen, sich Gott stets in Liebe zu nähern, nicht mühevoll auf der Leiter der Ehrfurcht. Für jene, die Gott lieben, gibt es keine Furcht vor Gerechtigkeit. Gott kennt meine Schwäche, wovor soll ich mich fürchten? Die Erinnerung an meine Sünden demütigt mich, aber sie spricht auch von Liebe und Barmherzigkeit. Meine Sünden werden sofort gelöscht, wenn ich sie mit Zuversicht ins Feuer der Liebe werfe!”

Diese Worte der sel. Zdenka Schelingová erinnern an die kleine hl. Theresia. Meine Wahl fiel auf dieses Zitat, um zu zeigen, dass diese Spiritualität keine Ausnahme darstellt. Es ließen sich beliebig viele Zitate aus allen Epochen der Kirchengeschichte beibringen, um zu belegen, wie tief dieses Gottesbild der Liebe im Glauben der Kirche verankert ist.

Dieses Gottesbild birgt in sich ein riesiges psychotherapeutisches Potential. Der Glaube an einen Gott, auf dessen Liebe man sich verlassen kann, schützt vor Versagensängsten. Wer glaubt, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht (Röm 8, 28), vermag auch dort von einem verborgenen Sinn überzeugt zu sein, wo uns scheinbar sinnlose Schicksalsschläge treffen. Diese Fähigkeit, jeder Lebenssituation einen Sinn abzugewinnen, ist nach Viktor Frankl, der selber das KZ überlebte, ein wichtiger Resilienzfaktor, also eine Voraussetzung psychischer Belastungsfähigkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass heute als wissenschaftlich gesichert gilt: Religiosität ist günstig für die psychische Gesundheit, liefert wichtige Ressourcen für die Bewältigung leidvoller Situationen und erhöht die Erfolgsaussichten zur Überwindung von Depressionen (cf. Utsch/Bonelli/Pfeifer, Psychotherapie und Spiritualität, Berlin 22018).

Um so tragischer ist es, dass auch das Gegenteil vorkommt: Glaube, der krank macht; angstbesetzte Spiritualität. Das hängt oft mit einem verzerrten Gottesbild zusammen: Aus dem Gott, dessen Liebe ich mich furchtlos anvertrauen kann, wird ein Gott, dessen Forderungen ich nicht gerecht werde und dessen Strafen ich fürchten muss. Das scheinbar Paradoxe besteht darin, dass es diese fordernde Seite in Gott ja wirklich gibt. “Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert”, sagt Jesus etwa. Was für eine maßlose Forderung! Und zu dieser Liebe gehört es, seine Gebote zu halten (Joh 14,21). Die strafende Gerechtigkeit wird in der Bibel wie selbstverständlich vorausgesetzt. Wer sie leugnen wollte, müsste die meisten Gleichnisse Jesu aus den Evangelien tilgen, in denen von der großen Scheidung am Ende der Zeit die Rede ist, aufgrund derer die törichten Jungfrauen, das Unkraut, die schlechten Fische vom Reiche Gottes ausgeschlossen werden. Es ist deshalb ein Kurzschluss, wenn etwa ein Jesuit gleich die Hölle abschafft, um das biblische Gottesbild vor der Verwandlung in dämonische Gottesbilder zu schützen.

Als die Muttergottes den Fatimakindern die Hölle zeigte, war das - so sollte man meinen - der schlimmstmögliche pädagogische Fehler. Trotzdem schadete diese Vision den Kindern nicht. Denn es gab zuvor göttliche Schutzmaßnahmen: Ihnen war der Himmel versprochen worden. Sie wären sonst, so bezeugt die Seherin Lucia, vor Schreck gestorben. Und sie hatten Maria gesehen. Sie waren überwältigt von ihrer mütterlichen Güte, die ihrerseits wiederum nur ein schwacher Abglanz der Güte Gottes ist. Aufgrund dieser Erfahrung konnte ihnen diese Vision nichts anhaben. Ihr Gottesbild blieb intakt.

Krankmachend wird der Glaube, wenn die Güte nicht als die grundlegende Eigenschaft Gottes erkannt und erfahren wird. Die hl. Theresia sagt, dass sie alle Eigenschaften Gottes im Licht seiner Barmherzigkeit betrachtet. Wird seine Gerechtigkeit isoliert, mutiert sie in gefühllose Strenge. Aus den Forderungen Gottes werden kalte oder gar herrschsüchtige Befehle. Das Einhalten der Gebote wird zu einem angstbesetzten Frondienst, Gott zu einer Bedrohung, der fromme Christ Opfer einer “Gottesvergiftung”.

Die Sensibilität für diese Gefahren ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Und das ist gut so. Aufgrund des wachsenden Bewusstseins von der Vulnerabilität der menschlichen Seele rückt Jesus als der barmherzige Samariter in den Vordergrund, der zuerst unsere Wunden verbindet, ehe er uns zur Heiligkeit anspornt. Wir alle tragen Wunden in unserer Seele. Wir müssen zuerst heil werden, bevor wir heilig werden. Viele Menschen sind etwa seit ihrer Kindheit in ihrem Selbstwertgefühl verletzt. Eine Spiritualität der Selbstverachtung kann diese Verletzung verschlimmern. Für das Kind sind Lob und Anerkennung lebenswichtig, weil sein Selbstbild sich in dem widerspiegelt, was es von seinen Eltern erfährt. Bleibt Anerkennung aus, fühlt es sich wertlos. Ich bezweifle, dass es einem Menschen gelingen kann, auch im Erwachsenenalter jemals völlig unabhängig von solchen Rückmeldungen zu werden. Heilige wie die sel. Angela von Foligno, die die Sehnsucht preist, “von jedem Geschöpf verachtet, übersehen und geschmäht” zu werden, sind nur deshalb dazu fähig, weil eine entsprechend tiefe Erfahrung des Geliebtseins von Gott die menschliche Anerkennung entbehrlich gemacht hat.

Eine geistliche Begleitung, die solche Erfahrung nicht vermittelt, sondern einfach voraussetzt und deshalb in einer unerleuchteten Leidensmystik menschliches Leid bagatellisiert oder gar schönredet, kann schnell in geistlichen Missbrauch umschlagen, der großen Schaden anrichtet.

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