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475 Jahre Guadalupe

Am 9. Dezember 1531 ist in Guadalupe, Mexiko, dem Indianer Juan Diego (um 1474 - 1548, 2002 heiliggesprochen) die Muttergottes erschienen. "Ich bin eure erbarmungsreiche Mutter, die Mutter aller Menschen, all jener, die mich lieben, die zu mir rufen, die Vertrauen zu mir haben. Hier will ich auf ihr Weinen und ihre Sorgen hören und will ihre Leiden, ihre Nöte und ihr Unglück lindern und heilen." Dies bewahrheitete sich auf unwahrscheinliche Weise: Innerhalb weniger Jahre bekehrten sich über acht Millionen Indios vom Götzendienst zum Christentum. Als Zeichen hinterließ die Muttergottes ein fortwährendes Wunder: Ihr Bildnis auf der Tilma, dem mantelartigen Überhang des Sehers, das in den letzten Jahrzehnten Gegenstand ungezählter wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen ist. Wir geben hier einen Teil der betreffenden Kapitel aus dem Buch Francis Johnston "So hat er keinem Volk getan" wieder.

Der übernatürliche Ursprung des Bildes

Die Jahrhunderte hindurch wurde das heilige Bild einer Vielzahl von eingehenden Prüfungen und gründlichen Untersuchungen durch Kunstexperten und Wissenschaftler unterzogen, um zu entscheiden, ob es irgendeine mögliche natürliche Erklärung für seine Existenz gebe. Doch bis heute haben alle Untersuchungen, ob mit Mikroskopen, Infrarotstrahlung oder computer-vergrösserten Fotografien, auf seinen übernatürlichen Ursprung hingewiesen. Infrarotstrahlungs-Fotografien sind ganz besonders aufschlussreich, da sie Pinselstriche entlarven, Malkorrekturen aufdecken können, und, was besonders wichtig ist, das Vorhandensein einer früheren darunterliegenden Skizze blosslegen, eine wesentliche Vorbedingung für fast alle Malarten.

Im Jahre 1936 wurde ein in Mexiko lebender deutscher Professor, Fritz Hahn, von seiner Regierung zu den Olympischen Spielen in Berlin eingeladen. Kurz bevor er nach Europa abreiste, wurden ihm durch Dr. Ernesto Pallanes zwei Fasern – eine rote und eine gelbe – von dem heiligen Bild übergeben. Dr. Pallanes hatte diese von dem Bischof von Saltillo erhalten, der sie selbst von Don Feliciano Echevarria, einem Priester der Basilika, für ein Reliquiar bekommen hatte. Zusammen mit den zwei Fasern nahm Professor Hahn von Professor Marcelino Junco, einem emeritierten Professor für organische Chemie an der National-Universität von Mexiko, ein Empfehlungsschreiben an Professor Richard Kuhn mit, den deutschen Nobelpreisträger für Chemie. Professor Kuhn war Direktor der chemischen Abteilung am KaiserWilhelm-Institut in Heidelberg. Er untersuchte die Fasern mit gewohnter Gründlichkeit und verkündete dann das Unglaubliche: Es befand sich keinerlei Farbe auf und in den Fasern. Die Materialien, die benutzt wurden, um das, was wie Farbe aussah, hervorzubringen, sind der Wissenschaft unbekannt. Es sind weder tierische, pflanzliche noch mineralische Farbstoffe. Die Verwendung von synthetischen Farben wurde ausgeschlossen, da diese erst dreihundert Jahre nach der Entstehung des heiligen Bildes entwickelt wurden.

Die Hypothese, dass das heilige Bild ein Gemälde sei, wurde erneut als nicht zutreffend abgetan, als im Jahre 1946 eine mikroskopische Untersuchung nachwies, dass keine Pinselstriche vorhanden waren. Es gab auch keinerlei Anzeichen für die übliche Signatur eines Künstlers in der unteren rechten Ecke des Bildes. Im Jahre 1954 und erneut im Jahre 1966 führte der mexikanische Professor Francisco Camps Ribera eine erschöpfende Untersuchung des heiligen Bildes durch und kam zu demselben Ergebnis. Wenn also das Bild keine Malerei ist – was ist es dann? Die Materialzusammensetzung müsste irgendwie bestimmt werden können, da man es sehen und greifen kann. Wenn es aber übernatürlichen Ursprungs ist – wie sollte man es dann in der materiellen Welt mit Begriffen der Naturwissenschaft ausdrücken können?

Im Auge des Bildes spiegeln sich Personen wider

Schon im Jahre 1929 machte ein Berufsfotograf namens Alfonso Gonzales eine mehrfache Vergrösserung des heiligen Bildes und entdeckte zu seiner Verblüffung in den Augen des Bildes Unserer Lieben Frau etwas, was ein menschliches Gesicht zu sein schien. Seine Entdeckung wurde geheimgehalten, bis weitere Untersuchungen erfolgt wären. Die Folgerungen aus seiner Entdeckung machten aber bei den zuständigen Stellen keinen besonderen Eindruck, und schliesslich wurde die Angelegenheit zu den Akten gelegt und vergessen.

Am 29. Mai 1951 untersuchte ein Grafiker namens S. Carlos Salinas Chavas eine grosse Fotografie des Gesichtes des heiligen Bildes unter einem starken Vergrösserungsglas. Als das Glas über die Pupille des rechten Auges wanderte, war er plötzlich überrascht, die Gesichtszüge und das Brustbild eines bärtigen Mannes zu sehen. Das Phänomen veranlasste den Erzbischof von Mexiko-Stadt, Luis Marie Martinez, eine Sonder-Forschungskommission einzuberufen. Die Entdeckung wurde bestätigt, und am 11. Dezember 1955 wurde sie öffentlich bekanntgegeben, zusammen mit der dramatischen Eröffnung, dass das Gesicht des Menschen, das im Auge des heiligen Bildes zu sehen war, nach einem zeitgenössischen Gemälde mit Bestimmtheit als das von Juan Diego identifiziert werden konnte. Im folgenden Juli untersuchten zwei Augenärzte, Dr. Javier Torroello Bueno und Rafael Torifa Lavoignet, erneut gründlich die Augen des heiligen Bildes, zunächst ohne Vergrösserungsglas.

Dr. Lavoignet sagte später zu Bruder Bruno Bonnet-Eymard: «Gewisse Einzelheiten überraschten mich, vor allem die Lichtreflexe.» Der Arzt untersuchte dann noch einmal die Augen gründlich mit einem starken Vergrösserungsglas. «Ich wusste, dass das Brustbild eines Mannes in den Augen der Guadalupana entdeckt worden war» , sagte er zu Bruder Bruno. «Ich untersuchte mit grösster Sorgfalt, und tatsächlich bemerkte ich, dass ein Brustbild eines Mannes in der Hornhaut beider Augen zu sehen ist. Ich schaute zuerst das rechte und dann das linke Auge an. Ich war überrascht und dachte, dass es notwendig wäre, die Tatsache mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen.»

Am 23. Juli 1956 nahm Dr. Lavoignet eine peinlich genaue Untersuchung der Augen mit einem Augenspiegel vor. «In der Hornhaut der Augen ist ein menschliches Brustbild zu sehen», sagte er zu Bruder Bruno. «Die Verzerrung und die Stelle des optischen Bildes stimmen mit dem überein, was in einem normalen Auge produziert wird. Wenn das Licht des Augenspiegels auf die Pupille eines menschlichen Auges gerichtet wird, ist ein Lichtreflex zu sehen, der in dem äusseren Kreis aufscheint. Wenn man diesen Reflexen nachgeht und die Linsen des Augenspiegels entsprechend auswechselt, ist es möglich, hinten im Auge ein Bild zu erhalten. Wenn das Licht des Augenspiegels auf die Pupille des Auges der Gottesmutter auf dem Bilde gerichtet wird, erscheint derselbe Lichtreflex. Infolge des Reflexes leuchtet die Pupille in einem diffusen Licht auf und erweckt den Eindruck eines Hohlreliefs. Dieser Reflex kann unmöglich auf einer flachen Oberfläche erzielt werden, zumal nicht auf einer, die opak (undurchsichtig) ist, wie es bei diesem Bild der Fall ist. Dann untersuchte ich mit Hilfe eines Augenspiegels die Augen auf Fotografien von verschiedenen Leuten. Auf keinem einzigen war der geringste Reflex in den Augen zu sehen, wohingegen die Augen der allerseligsten Jungfrau von Guadalupe den Eindruck machen, lebendig zu sein.»

Bei der Fortsetzung dieses faszinierenden Berichts können wir nichts besseres tun, als Bruder Bruno selbst zu Wort kommen zu lassen: «Es sieht ganz so aus, als ob ein Lichtstrahl in eine Höhle einfalle und einen volumetrischen Augapfel (das heisst den Rauminhalt eines Augapfels) ausfülle, der von innen heraus ein diffuses Licht ausstrahlt. Ich machte das Experiment selbst mit einem Augenspiegel. Das bronzefarbene oder haselnussfarbene Auge der allerseligsten Jungfrau leuchtet auf, und auf der Oberfläche leuchtet ganz deutlich der Umriss eines menschlichen Brustbildes. Der Kopf ist in einer Dreiviertelwendung nach rechts zu der Jungfrau hingewandt und leicht vorgeneigt. Die Brust ist durch die Bewegung der Arme eingerahmt, die nach vorn gerichtet sind, als ob sie etwas vorzeigen. Das ganze geschah, als ob im Moment, da das Bild auf der Tilma entstand, ein Mann, der gegenüber der allerseligsten Jungfrau stand und sich in der Hornhaut ihres Auges widerspiegelt, selbst in dieser indirekten Weise fotografiert worden wäre.»

«Das ist aber noch nicht alles», fuhr Bruder Bruno fort. «Das Bild dieser Büste weist eine Verzerrung in genauer Übereinstimmung mit den Gesetzen einer solchen Widerspiegelung bei einem lebenden Menschen auf.» Ein anderer Arzt, Dr. Javier Torroella Bueno, bemerkte im Jahre 1979 gegenüber Bruder Bruno: «Wenn wir ein quadratisches Stück Papier nehmen und es vor die Augen halten, stellen wir fest, dass die Hornhaut nicht flach und auch nicht kugelförmig ist, denn es entsteht eine Verzerrung des Bildes, was durch eine Funktion auf die Stelle der Hornhaut entsteht, wo es sich widerspiegelt. Wenn weiterhin das Papier in einen bestimmten Abstand gerückt wird, wird es auch in dem entgegengesetzten Winkel des anderen Auges reflektiert, das heisst: wenn ein Bild sich in der Schläfenseite des rechten Auges widerspiegelt, wird es im linken Auge an der Nasenseite widergespiegelt. Das Experiment wird in unserem Bild auf umgekehrte Weise bestätigt: Die Umrisse desselben bärtigen Mannes sind in der Nasenseite des rechten Auges reflektiert und erscheinen auch in der Schläfenseite des linken Auges. Die Verzerrung des reflektierten Bildes ist sogar noch auffälliger, denn es gehorcht dabei vollkommen den Gesetzen der Krümmung der Hornhaut.»

Wie vorauszusehen war, schlug in Mexiko die Neuigkeit wie eine Bombe ein. Das Mysterium konnte von allen, die sich die Mühe machten, untersucht und erforscht werden...

Aus: Francis Johnston, So hat er keinem Volk getan, Stein am Rhein, 3. Auflage 1998, 221 Seiten


Weitere Beiträge zur Mariologie:

Engelbert Recktenwald: Maria im Heilsplan Gottes

Bernward Deneke: Maria und die Eucharistie

Bernward Deneke: Schwester im Glauben


12. April 2007:
Vor zehn Jahren, am 12. April 1997, wurde auf dramatische Weise das Turiner Grabtuch vor dem Verbrennen gerettet. Während das Feuer, das auf Brandstiftung zurückging, in der Kathedrale von Turin wütete und die Guarini-Kapelle, in der sich das Grabtuch befand, zerstörte, schlug der Feuerwehrmann Mario Trematore, von seinen Kollegen zum Schutz mit Wasser bespritzt, mit einem Hammer wie in Trance mit übermenschlicher Kraftanstrengung auf das Panzerglas ein, bis es zersprang und er das Tuch retten konnte. "Es ist unbeschädigt. Das ist ein Wunder!", meinte der Erzbischof von Turin Giovanni Saldarini, der seitdem an die Echtheit des Tuches glaubte. Kurz zuvor, im Februar 1997, war ein neues Indiz für die Echtheit gefunden worden, das auch die ominöse Radio-Carbon-Datierung aufs Mittelalter widerlegte: Professor Luigi Baima Bollone hatte den Abdruck einer Münze, die in Palästina zur Zeit des Pontius Pilatus geprägt wurde, auf den Augen des abgebildeten Leichnams entdeckt.

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