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Warum fasten?

Von P. Engelbert Recktenwald

Fasten ist der Prototyp der Aszese im Sinne von Entsagung und Abtötung. Es kann verschiedene Gründe haben.

Heute entdeckt man immer mehr das Fasten, weil es der Gesundheit und dem körperlichen Wohlbefinden nützen kann. Solange sich die Sorge um die Gesundheit im vernünftigen Rahmen hält, handelt es sich um einen ehrbaren und erlaubten Beweggrund. Aber er hat keinen übernatürlichen Heilswert.

Einen weiteren Grund nennt der hl. Paulus in 1 Kor 9,27: "Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Dienstbarkeit." Dahinter steht die Erfahrung, daß mit den Worten des Apostels das Fleisch wider den Geist streitet. Damit sind die ungeordneten Leidenschaften, Triebe und Gefühlsaufwallungen gemeint, über die wir nur schwer Herr werden. Die Kirchenväter vergleichen den Leib mit einem wilden Pferd, das es zu zähmen gilt. Aber auch dieser Grund ist noch nicht übernatürlich und war bereits den alten Griechen bekannt. Im "Gorgias" läßt Platon den Sokrates sagen, daß nur derjenige Mensch gut sein könne, der nach Besonnenheit strebt und das Zuchtlose flieht.

Das Fasten gewinnt übernatürlichen Heilswert, wenn es im Dienste unserer Christusliebe steht. Es soll ihr zum Sieg in unserem Herzen verhelfen, indem es alle konkurrierenden Antriebe zurückdrängt. Wir handeln entweder aus Gottesliebe oder aus Eigenliebe. Das Fasten geht unmittelbar gegen die Eß- und Genußsucht. Diese ist der Prototyp der Eigenliebe. Eine umfassende Aszese versucht natürlich auch alle anderen Antriebe zugunsten der Liebe in den Griff zu bekommen, wie Gier nach Reichtum, Karriere, Ehre usw. Tief in unserem Wesen steckt der instinktive Antrieb, das Angenehme zu suchen und das Unangenehme zu fliehen. Deshalb sagte Christus zum hl. Franziskus, um gegen die Eigenliebe als der größten Feindin der Gottesliebe vorzugehen: "Wenn du nach mir verlangst, so nimm das Bittere süß und das Süße als bitter an." Gleichzeitig machen wir uns auf diese Weise bereit um Empfang der göttlichen Liebe. Die hl. Theresa von Avila meint: "Man täuscht sich sehr, wenn man meint, Gott lasse weichliche Menschen zu seinem vertrauten Umgang zu."

Ein weiterer Aspekt: Durch das Fasten büßen wir Sündenstrafen ab. So selbstverständlich dies früher war, so sehr ist heute der Sinn für die Buße verlorengegangen - trotz Fatima. Dieser eher "negative" Aspekt ist eigentlich nur die Kehrseite einer ganz und gar "positven" Wahrheit, nämlich der Schönheit unserer Seele. Diese ist nach den Worten des hl. Johannes vom Kreuz "das herrlichste und vollkommenste Abbild Gottes", das allerdings durch die ungeordneten Gelüste befleckt wird wie durch Rußstriche. "Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen", heißt es in der Bergpredigt. Aszese ist der Reinigungsprozeß, der in unserem Herzen Platz macht für die göttliche Liebe und Schönheit. Der sel. Charles de Foucauld sagt dazu: "Unsere Herzen sollen ganz arm sein, entblößt, leer, frei, losgelöst von allem, was nicht Gott und Christus ist, um ganz reich und überfließend zu sein von Seiner Liebe, voll von Seiner Liebe, gefangen von Seiner Liebe, Ihm allein anhängend."

Wenn Christus gefastet hat, dann nicht, um Sündenstrafen abzubüßen, wohl aber, um die herrliche Schönheit seiner Seele zu bewahren. Und weil Christus es getan hat, gehört für uns das Fasten unabdingbar zur Christusnachfolge. Das Fasten ist ein Moment der Selbstverleugnung, von der der Herr spricht: "Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach."

Einen weiteren Aspekt des Fastens erfahren wir ebenfalls aus dem Mund unseres Herrn. Als die Jünger vergeblich einen Teufel auszutreiben versuchten, sagte Jesus: "Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden" (Mk 9,29). Das Fasten ist also eine wichtige Waffe in unserem Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Oder besser: Wenn wir das Gebet mit einem Schwert vergleichen, so vermehrt das Fasten dessen Schärfe.

Ein weiterer wichtiger Grund: Durch das Fasten retten wir Seelen. "Viele Seelen gehen ewig verloren, weil niemand da ist, der für sie betet und opfert", sagt die Muttergottes in Fatima - ein Gedanke, der von Papst Pius XII. in seiner Enzyklika "Mystici Corporis" aufgegriffen und ein schauererregendes Geheimnis genannt wurde.

Und schließlich: Durch das Fasten vermehren wir unsere ewige Seligkeit. Der hl. Johannes vom Kreuz schreibt dazu: "Würden die Seelen erkennen, wie sehr die Leiden und Abtötungen zum Erwerbe höherer Güter behilflich sind, sie suchten nie in irgendeiner Sache ihren Trost." In der Apokalypse sieht der hl. Johannes alle Seligen mit Palmen in den Händen, dem Zeichen des Martyriums. Sind denn alle Himmelsbewohner Märtyrer? Der hl. Alfons bejaht die Frage: Alle sind Märtyrer, entweder durch das Schwert der Tyrannen oder durch die Abtötung.

Das Fasten gehört zur äußeren Abtötung, zur Abtötung der Sinne. Noch wertvoller ist die innere Abtötung, die Abtötung des Eigenwillens. Das war die Aszese der hl. Theresia vom Kinde Jesu: im Streit nachgeben, den Willen des anderen tun, sich nicht beklagen, nicht kritisieren usw. Der hl. Alfons sagt, daß die vorzüglichste Waffe, die der Teufel gegen die frommen Seelen einsetze, die Verführung zu Sünden des Eigenwillens sei, und er führt die hl. Maria Magdalena von Pazzi an, die in Visionen das Verderben sah, das die Eigenliebe unter frommen Seele anrichte. So sah sie einmal eine Seele, die bei der hl. Kommunion ganz gesammelt war. Ging ihr aber etwas nicht nach Wunsch, geriet sie in Aufregung.

So steht die Aszese nicht zuletzt im Dienste des Seelenfriedens und der wahren Freude. Der wahre Katholik ist lebensbejahend und kann beides: festen und fasten. Oder, wie die hl. Theresa von Avila sagt: "Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn."


Fasten als Technik der Heiligung

Von Josef Bordat

I. Fasten und Heiligung

Zum „heilig" werden bzw. „heilig" sein gehört neben einer Gesinnung, die dem entspricht, was als „heilig" angesehen wird, auch eine sichtbare Manifestation der Gesinnung in konkreten Lebensformen und Verhaltensweisen, denn wie sonst würde die edle Gesinnung erkennbar und die Person zur „Heiligen" werden. Zu diesen Verhaltensweisen zählt auch das Fasten als Ausdruck der Buße und der willentlichen Weltabkehr, des Verzichts auf Annehmlichkeiten und der bewussten Orientierung auf Gott. Das Fasten ist als Technik Voraussetzung für Heiligkeit und zugleich deren Konsequenz, gelangt also selbst in die Sphäre des Heiligen.[1] Im Folgenden soll es aber um die durchaus auch heute noch praktisch nachvollziehbare Technik des Fastens gehen, die den Menschen heiligt.

Fasten spielt als Technik der Besinnung auf das Wesentliche nicht nur im Christentum, sondern in allen großen Religionen eine rituelle Rolle. Bekannt sind der islamische Ramadhan (Fasten als eine der fünf Säulen des Glaubens), das jüdische Fest Jom Kippur (Fasten als dankbare Erinnerung an den Versöhnungstag, an dem der Priester im Heiligtum für die Sünden des ganzen Volkes sühnte, Lev 16, 29-31) oder auch die Rede vom Nutzen des Fastens im Buddhismus (Fasten als Beitrag zu einem ungetrübten Geist). Doch insbesondere die Bibel steckt voller Passagen, die den Wert des Fastens ausdrücken. Dabei geht es insbesondere um Buße und Befreiung von Schuld und Sünde.[2] So versuchen die Einwohner der Stadt Ninive ihrem Untergangsschicksal durch „Fasten und Buße" zu entgehen: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, groß und klein, den Sack zur Buße an." (Jon 3, 5). Ferner ist das Fasten damit auf die Beschwichtigung Gottes gerichtet - als Alternative zum Opfer. An anderer Stelle wird diese Intention noch deutlicher: „Dann rief ich dort am Fluss bei Ahawa ein Fasten aus; so wollten wir uns vor unserem Gott beugen und von ihm eine glückliche Reise erbitten für uns, unsere Familien und die ganze Habe." (Esr 8, 21). Auch auf die Gefahren und Unannehmlichkeiten des Fastens wird verwiesen. In den Psalmen heißt es einmal „Ich nahm mich durch Fasten in Zucht, doch es brachte mir Schmach und Schande." (Ps 69, 11) und an anderer Stelle: „Mir wanken die Knie vom Fasten, mein Leib nimmt ab und wird mager." (Ps 109, 24). Entscheidend für die Tradition des Fastens in der christlichen Kirche ist jedoch, dass Jesus Christus selbst 40 Tage in die Wüste ging, um sich fastend auf seine Mission vorzubereiten (Mt 4, 1-11).[3] Viele Heilige, die sich in die Nachfolge Christi begeben haben, stellten das Fasten demnach in den Mittelpunkt ihrer Berufung, etwa Hildegard von Bingen[4] oder Franz von Assisi[5].

Doch ist das Fasten heute längst nicht mehr an religiöse Intentionen gebunden, sondern steht als populäre Alltagsauszeit zwischen Gesundheitstrend, Schlankheitswahn und dem Befreiungsakt, den man sich für Körper und Seele erhofft. Als Losung „Simplify your Life" erreicht die Verzichtskultur den Status einer Modeerscheinung. Und nicht zuletzt angesichts der jüngsten Forschungsergebnisse zum Klimawandel fordern immer mehr Menschen - auch solche, von denen man es kaum erwartet - einen weitreichenden Verzicht auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Fasten, um die Welt zu retten. In der Tat darf man die These wagen: Verzicht kann heute noch als individueller Befreiungsakt initiiert werden, in 50 Jahren wird er aufgrund der sich verschärfenden Umweltproblematik kollektive Notwendigkeit sein.

Es gibt verschiedene Formen und Gestalten des Fastens: Heilfasten[6], meist verbunden mit völliger Abstinenz fester Nahrung, der selektive Verzicht auf bestimmte Nahrungs- bzw. Genussmittel (etwa Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch), das Einschränken von Lebensgewohnheiten bis hin zur völligen Entsagung bestimmter Dinge. Dann bleiben der Fernseher oder das Mobiltelefon zeitweilig ausgeschaltet. „Warum nur?", möchte man fragen. Auch wenn man den religiösen Motivationen nicht folgt und insoweit nicht schon im Fasten selbst das Heiligende erkennt, so hat das Fasten dennoch als Verzichtsübung im Hinblick auf die „Heiligung" zwei entscheidende säkulare Aspekte: Solidarität und Freiheit.

II. Solidarität und Freiheit

Zum einen ist das Gefühl der Solidarität mit denen, die nicht freiwillig entsagen, sondern einfach nicht genug von dem haben, auf das sie verzichten könnten, ein bestimmendes Moment des Fastens, das zur Heiligung notwendig ist. Armut und Verzicht gelten in vielen von Heiligen gestifteten Gemeinschaften als heils- und heiligungsnotwendig (auch hier ist beispielhaft der Franziskanerorden zu nennen). Aus der Verbundenheit im Verzicht erwächst die tätige Hilfe, nicht nur in der Anteilnahme an der Not des Mitmenschen, sondern im Teilen des Materiellen, so dass die Not gelindert werden kann. Hier wirkt sich das Fasten konkret-materiell aus und bewirkt eine Heiligung der Welt.

Soweit bleibt Solidarität ein Akt des Einzelnen. Aus der individualistischen Fastenlehre hat sich jedoch auch eine christliche Konsumethik entwickelt, die sich nicht nur positiv auf das körperliche Befinden und das Seelenheil dessen auswirkt, der sich ihr verschreibt, sondern die auch systematisch gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen vermag. So ist es nach Max Weber ironischerweise gerade diese innerweltliche Askese, die eine große historische Rolle bei der Schaffung des modernen Wohlstandes gespielt hat. Ein bescheidener Lebenswandel, die Bereitschaft zum Reinvestieren von Gewinn und der Wille zum Lernen prägten eine Ausrichtung auf die diesseitige Welt, in der das verantwortliche Ausüben weltlicher Aufgaben mit Blick auf das Jenseitige und Ewige idealisiert wurde; Gott als letzter Zweck, auch der Wirtschaft.[7] Ein auch heute gültiger Appell an die höhere Verantwortlichkeit jenseits des Systems.

Und dann - zum zweiten - ist da die Freiheit. Was hat Verzicht mit Freiheit zu tun? Eine Antwort lautet: So wie uns der Zwang zum Konsum, dem wir häufig unterliegen, die echte Freiheit raubt und uns nur die Spur einer Scheinfreiheit lässt, so kann uns umgekehrt der Verzicht auf Konsum die Freiheit zurückgeben. Es ist die Freiheit, etwas nicht zu haben, nicht haben zu müssen. Hier liegt also der Heiligungseffekt im abstrakt-spirituellen und wirkt sich wiederum verstärkend auf die Gesinnung und die Bereitschaft zur Solidarität aus. Wer gelernt hat, dass der Konsumzwang einengt und der Verzicht befreit, wird sich weniger schwer tun zu teilen als der, der diese Erfahrung nicht hat machen können. Das Unverständnis gegenüber der Radikalität vieler Heiliger ist ein wenig auch der mangelnden Erfahrung geschuldet, wie viel Freude es macht und wie befreiend es wirkt, auf die äußeren Vergnügungen und Lebensinhalte wie Reichtum, Ruhm und Karriere zu verzichten und sich ganz Gott und dem Mitmenschen zuzuwenden.

Die Komplexität des Fastens schildert eine Stelle aus dem Buch Jesaja, in dem die beiden Aspekte Solidarität und Freiheit eine zentrale Bedeutung haben:

„Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße und du merkst es nicht? Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt? Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt." (Jes 58, 3-11).

Der Verzicht führt also nicht nur zur Befreiung des eigenen Körpers und der eigenen Seele („deine Wunden werden schnell vernarben", in einer anderen Übersetzung heißt es allgemeiner: „deine Heilung wird schnell voranschreiten"), sondern hat auch angenehme Folgen für die gesellschaftliche Wohlfahrt: der Hungrige wird satt, der Nackte bekleidet und der Obdachlose erhält eine Unterkunft. Ein bisschen einfach, oder? Was hat schon mein Verzicht mit der Lage des Anderen zu tun?! Ich denke: Eine ganze Menge. Das erschließt sich heute insbesondere mit dem Blick auf diejenigen, die unsere Konsumartikel unter unmenschlichen Bedingungen herstellen. Die unheilvolle Verbindung von billiger Produktion, teurer Vermarktung und steigendem Konsum betreffen bei weitem nicht allein die Bekleidungs- und Sportartikelindustrie, die häufig im Zentrum von kritischen Kampagnen stehen. Man muss sich bei jedem Einkauf fragen, wer eigentlich für unsere Billigpreise bezahlt - mit Arbeitszeit, Lebensqualität und Würde.

Jeder und jedem sei das Fasten als Technik der Heiligung ans Herz gelegt, aber noch viel mehr das, was Jesus seinen Jüngern sagte: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten." (Mt 6, 16). Es besteht auch gar kein Grund für die Leidensmiene. Schließlich hat die oder der Fastende am Ende den größten Nutzen: ein Stück Heiligkeit.

Anmerkungen:

[1] So wird an einigen Bibelstellen die Heiligkeit des Fastens als solches betont („heiliges Fasten", Joe 1, 14 und 2, 15).

[2] „Buße tun" heißt dabei im Christentum, umzukehren und sich auf die Botschaft Jesu zu besinnen. Dieser Versuch, zur Quelle des Lebens zurückzukehren, geht mit dem äußeren Akt des Fastens einher. Buße und Fasten in seiner komplexer Form, wie sie hier zugrunde gelegt wird, lassen sich kaum voneinander trennen, daher wird die nun beginnende „österliche Bußzeit" zurecht auch „Fastenzeit" genannt.

[3] Hier ist der Bezug zum Alten Bund erkennbar, denn die Israeliten zogen nach der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei auf dem Weg in das verheißene Land 40 Jahre durch die Wüste (vgl. das Buch Exodus).

[4] Hl. Hildegard, Heilfasten. Gesundheit für Körper und Seele, hg. von P. Pukownik, München 1992.

[5] Brief an die heilige Klara über das Fasten. Der Brief ist leider nicht erhalten, doch schreibt die heilige Klara von Assisi an die selige Agnes von Prag über den Brief des Franziskus. Daraus lässt sich ableiten, dass Franziskus den gesunden Schwestern riet, das ganze Jahr hindurch zu fasten - außer Sonntags und an Weihnachten (Quelle).

[6] Schon Hippokrates soll das Fasten aus gesundheitlichen Gründen empfohlen haben, mit den Worten: „Wer stark, gesund und jung bleiben und seine Lebenszeit verlängern will, der sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung, halte den Kopf kalt, die Füße warm und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arzneien." (Quelle).

[7] Kern der Unternehmer-Askese ist bei Max Weber der Gedanke, nicht um des möglichen Genusses, sondern um der Ehre Gottes willen, fleißig zu sein und reich zu werden: „Das sittlich wirklich Verwerfliche ist nämlich das Ausruhen auf dem Besitz, der Genuss des Reichtums mit seiner Konsequenz von Müßigkeit und Fleischeslust, vor allem von Ablenkung von dem Streben nach ,heiligem' Leben. Und nur weil der Besitz die Gefahr dieses Ausruhens mit sich bringt, ist er bedenklich. [...] Der Reichtum ist eben nur als Versuchung zu faulem Ausruhen und sündlichem Lebensgenuss bedenklich und das Streben danach nur dann, wenn es geschieht, um später sorglos und lustig leben zu können. Als Ausübung der Berufspflicht aber ist es sittlich nicht nur gestattet, sondern geradezu geboten." (Askese und kapitalistischer Geist, in: M. Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1 [Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus], Tübingen 1978, S. 166 ff.)


Aschermittwoch

Der Aschermittwoch ist traditionsgemäß durch zwei Bräuche gekennzeichnet, die der christlichen Frömmigkeit am Herzen liegen: die Auflegung der Asche und das Fasten: zwei Handlungen, die den Körper betreffen, aber den Geist erreichen. Zwei vielsagende Handlungen, die eine innere Wirklichkeit darstellen. Sich der Speise enthalten, uns der Leidenschaften enthalten, uns der Nichtigkeiten der vergänglichen Welt enthalte, um uns unserer Lage als Sünder und gottbedürftige Geschöpfe klarer bewusst zu werden: Geschöpfe, die sich zu ihm bekehren müssen, der unsere wahre Freude ist. Gott, das unendliche unvergängliche Gut.

Die Fastenzeit ist darum eine “heilsame Zeit”, in der wir aufgefordert werden, in unserem Innern Einkehr zu halten, um die wahren Werte neu zu entdecken, auf die sich unser Leben gründen soll. Es ist eine Zeit des Nachdenkens und der Vertiefung, in der ein jeder mutig sein Leben überprüfen soll, so dass er sich der verschiedenen Punkte bewusst wird, in denen sein Verhalten nicht im Einklang mit dem Evangelium steht. Der Zweck ist schließlich, dem eigenen Leben dadurch einen mehr christlichen Stempel aufzuprägen, dass aufs neue der Vorrang des Geistes gegenüber einer oft allzu aufdringlichen Materie betont wird.

Die heute beginnenden Fastenzeit fordert uns im besonderen dazu auf, in Demut die strengen Worte des Apostels Jakobus anzuhören: “Reinigt die Hände, ihr Sünder, läutert euer Herz, ihr Menschen mit zwei Seelen! Klagt und trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer, eure Freude in Betrübnis. Demütigt euch vor dem Herrn; dann wird er euch erhöhen” (Jak 4, 8-10). Entziehen wir uns diesem Aufruf nicht! Wir sind alle betroffen. Ja, wir werden dem Herrn um so willkommener sein, je mehr wir diesen Aufruf als an uns gerichtet betrachten.

Die Fastenzeit fordert uns auf, besonders über unsere Hinfälligkeit, über unser “Staub sein” und über die Vergänglichkeit jener irdischen Güter nachzudenken, auf die unser Glück gründen zu wollen vergeblich wäre; dieses unser Glück liegt im Gegenteil einzig und allein in unserer aufrichtigen, freundschaftlichen Beziehung zu Gott, dem wahrhaft höchsten und absoluten Gut.

Die Fastenzeit mahnt uns, betrübt zu sein und zu bereuen, dass wir uns von Gott entfernt haben. Sie mahnt uns, zu ihm zurückzukehren. Sie fordert uns auf, uns die schmerzlichen, ja tragischen Auswirkungen dieser Loslösung von ihm bewusst zu machen.

(...) Das Eingeständnis unserer Schuld, Reue und Umkehr machen uns offen und bereit für Gottes Vergebung und verwandelnde Gnade. Dabei helfen uns vor allem die drei wichtigen Werke, zu denen uns die Fastenzeit besonders einlädt: das Gebet, das Geben von Almosen und das Fasten. Pflegen wir also in den kommenden Wochen einen lebendigen und intensiven Umgang mit Gott durch Gebet und Opfer, bemühen wir uns um eine größere Hilfsbereitschaft unserern notleidenden Mitmenschen gegenüber und üben wir durch Fasten unsere sittliche Selbstbeherrschung, die uns zu einer inneren Erneuerung befähigt.

Johannes Paul II am Aschermittwoch 1986


Das Zitat: Mut zur Buße

Um seine Freiheit wiederzuerlangen, hat der Mensch vor allem Hilfe von oben nötig, die seine von der Sünde erschütterte innere Welt wieder in Ordnung bringt: Diese Hilfe erhält er durch das Gebet. Sodann braucht er einen starken und entschlossenen Willen, der imstande ist, sich den trügerischen Einflüssen des Bösen zu entziehen, um sich mutig auf die Wege des Guten einzustellen: Das aber setzt die hochherzige Einübung in Verzicht und Opfer, das heißt den Mut zur Buße voraus, um jene Kontrolle über sich selbst zu erlangen, die ihm im Einklang mit der tiefsten Wahrheit des eigenen Daseins die mühelose Selbstbeherrschung erlaubt.

Papst Johannes Paul II. am 24. Februar 1985 in seiner Ansprache vor dem Angelus (Der Apostolische Stuhl 1985, S. 40).


Verachtung der Welt

Vom hl. Alfons Maria von Liguori

Der Gedanke, daß alles in der Welt eitel und daß alles, was die Welt schätzt, nichts als Lug und Trug ist, hat viele Seelen zu dem Entschluß gebracht, sich ganz Gott zu schenken. "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet" (Mt 16, 26). Was würde es dem, der seine Seele auf ewig verloren, nützen, wenn er auch die ganze Welt gewonnen hätte? Wie viele Jünglinge hat dieser große Ausspruch des Evangeliums bewogen, Verwandte, Vaterland, Hab und Gut, Ehren, selbst Kronen zu verlassen, um sich in ein Kloster oder in eine Wüste zurückzuziehen und sich da einzig mit dem Gedanken an Gott zu beschäftigen! Der Tag des Todes wird Tag des Verlustes genannt: Juxta est dies perditionis nahe ist der Tag des Verlustes" (Dt 32, 35). Tag des Verlustes heißt der Todestag, weil wir an demselben alle Güter, die wir uns hienieden erworben, zu verlassen haben. Deshalb nennen wir, bemerkt treffend der heilige Ambrosius, diese Güter mit Unrecht unsere Güter, weil wir sie nicht in die andere Welt, wo wir ewig zu bleiben haben, mitnehmen können: "Nicht unser ist", sind seine Worte, "was wir nicht mit uns nehmen können; nur die Tugend ist der Verstorbenen Begleiterin." Nur unsere guten Werke werden uns begleiten und unser Trost in der Ewigkeit sein.

Alle irdischen Güter, die höchsten Würden, Silber und Gold und die kostbarsten Edelsteine verlieren, auf dem Totenbett betrachtet, ihren Glanz: der finstere Schatten des Todes verdunkelt selbst Zepter und Kronen und läßt alles, was die Welt schätzt, nur als Dunst, Kot, Eitelkeit und Elend erscheinen. Und in Wahrheit, was nützen im Tode die Reichtümer, die der Sterbende sich erworben, wenn ihm nach dem Tode nichts bleibt als ein hölzerner Sarg, in den er gelegt wird, um zu verfaulen? Was nützt die gepriesene Schönheit des Leibes, wenn von diesem nichts bleibt als eine Handvoll übelriechenden Staubs und fleischlose Knochen?

Was ist das Leben des Menschen auf Erden? Hört, wie der heilige Jakobus es beschreibt: "Was ist euer Leben? Ein Dunst ist es, der eine kurze Zeit erscheint und dann verschwindet" (Jak 4, 15). Jener Große ist heute geachtet, gefürchtet, gepriesen, morgen wird er verachtet, gelästert und verwünscht: "Ich sah den Gottlosen überaus erhöht... und ich ging vorüber, und siehe, er war nicht mehr" (Ps 36, 35.36). Er ist nicht mehr dort in seinem geliebten Landhaus, in jenem großen Palast, den er sich gebaut; wo ist er denn? Im Grabe, zu Staub geworden!

"Statera dolosa in manu ejus sie hat eine trügerische Waage in der Hand" (Os 12, 7). Mit diesen Worten warnt uns der Heilige Geist, von der Welt uns nicht täuschen zu lassen, da sie die Güter mit ihrer falschen Waage wäge. Wir sollen vielmehr alles auf der rechten Waage des Glaubens wägen, der uns die wahren Güter erkennen läßt, zu welchen aber jene, die bald vergehen, keineswegs gehören. Die heilige Theresia sagt: "Auf Dinge, die mit dem Tode enden, darf man keinen Wert legen." O Gott! Was ist wohl Großes noch übrig von so vielen ersten Staatsministern, von so vielen Feldherrn, Fürsten und römischen Kaisern, jetzt, wo für sie das Schauspiel zu Ende und die Ewigkeit angebrochen ist. "Verschwunden ist ihr Andenken mit dem Schalle" (Ps 9, 7). Sie spielten in der Welt eine große Rolle, ihr Name erscholl überall, aber mit ihrem Tode war Rolle, Name und alles zu Ende. Hier findet die Inschrift, die auf einem Gottesacker, wo mehrere große Herren und Damen begraben liegen, zu lesen ist, ihre passende Stelle:

Sieh, welches Ziel der Größe ist beschieden,
All' ird'schen Pomp, der Schönheit der Gebärde:
Gewürme, Tränen, Stein, ein Häuflein Erde,
Begrenzt des Lebens flücht'gen Traum hienieden.

"Praeterit figura hujus mundi die Gestalt dieser Welt vergeht" (1 Kor 7, 31). Unser Leben ist, kurz gesagt, nichts anderes als ein schnell endender Auftritt in einem Schauspiel; und für alle wird es enden, für den Edelmann wie für den Bauersmann, für den König wie für den Untertan, für den Reichen wie für den Armen. Selig, wer in diesem Schauspiel seine Rolle gut vor Gott gespielt! König Philipp III. von Spanien starb in dem jugendlichen Alter von zweiundvierzig Jahren; vor seinem Tode sprach er zu den Umstehenden: "Wenn ich tot bin, so verkündigt das Schauspiel, das ihr jetzt seht; verkündigt, daß dem König auf dem Totenbett der Gedanke an seinen Thron zu nichts anderem dient, als ihn mit Gewissensangst über seine Regierung zu erfüllen." Und dann schloß er seufzend mit den Worten: "O wäre ich diese Zeit hindurch in einer Wüste gewesen, um mich mit meiner Heiligung zu beschäftigen: gewiß ich würde jetzt mit größerem Vertrauen vor dem Richterstuhl Jesu Christi erscheinen."

Bekannt ist, zu welcher Lebensänderung den heiligen Franz von Borgias der Anblick des Leichnams der Kaiserin Isabella bewog, die im Leben überaus schön war, nach dem Tode aber jeden, der sie sah, mit Schauder erfüllte. Darum sagte damals Borgias: "So also enden die Güter der Welt." Darauf schenkte er sich ganz Gott. O daß wir alle, ehe der Tod uns ereilt, seinem Beispiel folgten. Laßt uns aber nicht zögern; denn der Tod ist bereits auf dem Wege und der Augenblick seiner Ankunft ist uns verborgen. Lassen wir es nicht dahin kommen, daß uns von der Erleuchtung, deren uns Gott jetzt würdigt, in jener Stunde, wo wir die Sterbekerze in der Hand halten, nur die Gewissensbisse und die Rechenschaft, die wir Gott abzulegen haben, übrig bleiben. Entschließen wir uns, jetzt zu tun, was wir dann wünschten, getan zu haben, aber nicht mehr tun können.

Nein, mein Gott! Du hast mich lange genug ertragen: ich will Dich nicht länger warten lassen, mich Dir geschenkt zu sehen. Du hast mich wiederholt gerufen, mit der Welt zu brechen und mich deiner Liebe ganz zu weihen. Jetzt rufst Du wieder; da bin ich, nimm mich auf in deine Arme: in diesem Augenblick gebe ich mich Dir ganz hin. O makelloses Lamm, das auf dem Kalvarienberg am Kreuze sterbend sich für mich geopfert, wasche mich vorerst in deinem Blute und vergib mir alle Dir zugefügten Unbilden und entflamme mich dann mit deiner heiligen Liebe. Ich liebe Dich über alles, ich liebe Dich mit ganzer Seele. Und was könnte ich auch in der Welt finden, das mehr Liebe verdiente und mich mehr geliebt hätte als Du? Maria, Mutter Gottes und meine Sachwalterin, bitte für mich und erlange mir eine wahre und beständige Lebensänderung; ich vertraue auf Dich.

Aus dem Buch "Elemente einer Spiritualität der Liebe"


Das Zitat

Die Welt verheißt wenige und vergängliche Dinge, und man dient ihr mit Eifer. Gott verspricht ungeheure, ewige Güter, und die Herzen der Menschen sind kalt.
Sel. Charles de Foucauld


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