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Beichte und Zweites Vatikanum

“Noch einmal möchte ich die äußerste Wichtigkeit des Bußsakramentes beim Vollzug der vom Zweiten Vatikanischen Konzil beabsichtigten Erneuerung der Kirche betonen. Die Kirche hat immer die Notwendigkeit von Buße und Reue für eine volle Teilhabe an der erlösenden Wirkung der Eucharistie, dem eigentlichen Mittel- und Höhepunkt allen sakramentalen Lebens, verkündet. Ich habe vom Beginn meines Pontifikats an die Notwendigkeit betont, besonderen Nachdruck auf die Wichtigkeit der Einzelbeichte zu legen.”

Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache bei der Begegnung mit den indischen Bischöfen in Neu-Delhi am 1. Februar 1986.

Es ist interessant zu sehen, wie gegensätzlich die Vorstellungen der vom Konzil gewollten Erneuerung der Kirche sind. Auf der einen Seite Papst Johannes Paul II., der getreu dem biblischen Ruf Christi nach Umkehr die Beichte für unabdingbar hält, auf der anderen Seite Bewegungen wie die Kirche von unten und das Kirchenvolksbegehren, für welche die Beichte keine Rolle spielt und die in der Anpassung der kirchlichen Morallehre an die praktizierte Sünde das Heil erwartet.


Gesamtpastoral des Bußsakraments

Am 16. März 1986 stellte Papst Johannes Paul II. in seinem Gründonnerstagsschreiben an die Priester Sacerdotii nostri primordia ausführlich den hl. Johannes Maria Vianney, den Pfarrer von Ars, als Vorbild heraus. Er schildert unter anderem die Beichtpastoral des Heiligen und zieht aus der Tatsache, dass dieses Sakrament heute vielfach vernachlässigt wird, die gegenteilige Folgerung wie die Modernisten: nicht Aufgabe dieses Sakramentes zugunsten von Bußandachten, sondern vermehrte Anstrengungen zur Wiederentdeckung dieses Sakraments:
“Leider kommen heute beichtwillige Gläubige nicht in großer Zahl und bereitwillig zum Beichtstuhl, wie zur Zeit des Pfarrers von Ars. Nun, gerade dort, wo sich eine große Zahl aus vielfältigen Gründen vom Bußsakrament fernhält, ist damit ein Zeichen gegeben, dass man dringend eine Gesamtpastoral des Sakramentes der Versöhnung entwickeln muß; unablässig muß man dahin wirken, dass die Christen die Erfordernisse einer ehrlichen Beziehung zu Gott wiederentdecken, ebenfalls das Bewusstsein von Sünde, bei der man sich dem göttlichen wie dem menschlichen Gegenüber verschließt, ferner die Notwendigkeit, sich zu bekehren und durch die Kirche die Vergebung als unverdientes Geschenk Gottes zu empfangen, und schließlich auch die Bedingungen, die es ermöglichen, das Sakrament gut zu feiern, indem man die hierbei bestehenden Vorurteile, falschen Ängste und die Routine hinter sich läßt. Eine solche Lage erfordert zugleich, dass wir uns für diesen Dienst der Vergebung voll zur Verfügung stellen, stets bereit, die notwendige Zeit und Sorgfalt dafür einzusetzen und - so möchte ich sagen - diesem Dienst die Priorität vor anderen Aktivitäten zu geben.”

Diese wie so viele andere heilsame Ermahnungen verhallten wirkungslos. Im Gegenteil: In Deutschland wurde von Seiten der Bischofskonferenz in den letzten 25 Jahren nicht nur die Entwicklung und Durchsetzung einer Gesamtpastoral, die dem Bußsakrament die gewünschte Priorität einräumt, unterlassen, vielmehr wurden Bewegungen wie etwa die Katholische Pfadfinderschaft, die junge Menschen zum monatlichen Empfang des Bußsakramentes anleitet, aus eben diesem Grund (unter dem Vorwand, sie setze sie unter Druck) in ihrem Wirken vielfach behindert.


Das Corpus Delicti aus Ars

Vor 25 Jahren, am 15. Oktober 1986, stellte Papst Johannes Paul II. in der Generalaudienz in deutscher Sprache den hl. Pfarrer von Ars als Vorbild hin, “der durch Gebet und Buße und durch sein priesterliches Wirken im Dienst der Verkündigung und besonders des Bußsakramentes uns auch heute noch Vorbild ist.”
Die beständige Empfehlung des Beispiels des hl. Johannes Maria Vianney durch die Päpste - auch Johannes XXIII. gehört durch seine Enzyklika über den Heiligen dazu - macht deutlich, wie abwegig es von Bernward Loheide war, aus der Empfehlung des Heiligen durch Benedikt XVI. eine theologische Nähe Benedikts zu umstrittenen Positionen der Piusbruderschaft abzuleiten. Das war 2009 der Beitrag der dpa zur Kampagne gegen den Papst gewesen.


Ganz und gar nicht begreiflich

Wenn ich mich an das anschließende Gefühl glückseliger Leichtigkeit und “porentiefer Sauberkeit” erinnere, das ich empfunden habe, dann kann ich immer wieder ganz und gar nicht begreifen, warum sich meine lieben Mitkatholiken mit dem Sakrament der Beichte so schwer tun. Schon sie allein hat die Konversion gelohnt!

Rainer Laabs in seinem Bericht über seinen Weg zur katholischen Kirche: Die Sache mit der Eucharistie, VaticanMagazin Juni/Juli 2011, S. 48-52. Im Jahr 2002 konvertierte er im Alter von 47 Jahren in die katholische Kirche und legte eine Generalbeichte ab.

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