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Die Charismen der Priesterbruderschaft St. Petrus

Von P. John Berg

"Non vos me elegistis: sed ego elegi vos, et posui vos, ut eatis, et fructum afferatis: et fructus vester maneat."
„Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt und euch bestellt, dass Ihr hingehet und Frucht bringet und eure Frucht bleibe."

Liebe Brüder!
Es ist eine Gnade, am 18. Jahrestag der Gründung unserer Gesellschaft, der Priesterbruderschaft St. Petrus, im Kloster von Hauterieve, hier in Wigratzbad als Kapitel versammelt zu sein.

Die soeben zitierten Worte des Evangeliums vom heutigen Tag, dem Fest vom heiligen Kamillus von Lellis, unserem Jahrestag, sind offensichtlich an die Apostel gerichtet: „Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt und euch bestellt, dass Ihr hingehet und Frucht bringet und eure Frucht bleibe." Diese Worte gehören zu den letzten Unterweisungen unseres Herrn an seine Apostel vor seinem Leiden, Worte, welche wir passenderweise das ‘hohepriesterliche Gebet' nennen. Sie werden oft auf den einzelnen Priester angewandt, um zu zeigen, dass seine Erwählung durch unseren Herrn erfolgt und „niemand sich selbst erwählt". Ich denke jedoch, dass diese Worte am heutigen Tag genauso auf die Gründung unserer Priesterbruderschaft St. Petrus zutreffen, auf unsere Erwählung durch die göttliche Vorsehung.

Inmitten unserer täglichen Arbeit gibt es viele Hindernisse. Zu erwähnen sind zum Beispiel die Einschränkungen bezüglich der traditionellen Messe an Orten, wo die großzügigen Erlaubnisse, welche der Heiligen Stuhl im Motuproprio "Ecclesia Die" gewährt hat, keine Anwendung finden. Dann gibt es den Widerstand von einigen, die sich durch unsere Existenz in der Kirche gefährdet fühlen. Und es gibt natürlich auch Schwächen innerhalb unserer eigenen Gemeinschaft. So ist es schnell möglich, die Dinge aus einer rein natürlichen Sichtweise zu betrachten, einer Sicht, welche die große Rolle übersieht, die uns von der Vorsehung, welche alle Dinge auf sanfte Weise (suaviter) lenkt, wie der heilige Thomas von Aquin oft bemerkt, anvertraut wurde.

„Non vos me elegistis: sed ego elegi vos." Wir sollten stolz sein auf unser Institut und seine Rolle in der Kirche. Natürlich soll dies nicht heißen, stolz zu sein im Sinne, daß wir die Rettung der Kirche seien oder etwas dergleichen. Glücklicherweise sollten uns unsere vielen Schwachheiten immer davor bewahren, in einen solchen Irrtum zu fallen; nein, vielmehr ein Stolz, der uns das Vertrauen und den Mut einflößt, weiterzumachen in vollständiger Treue zu unserer Gründung, die wir heute feiern, zu unserem einzigartigen Charisma, zu unserer eigenen Identität.

Ich denke, dass dieses Charisma drei wesentliche Elemente aufweist, die drei grossen Säulen unserer Bruderschaft:

Die erste ist, dass wir eine Gründung im Herzen der Kirche sind. Wir sind, wie Kardinal Castrillon-Hoyos in seinem Schreiben an das Kapitel feststellt, „sub Petro et cum Petro" (unter und mit dem Papst). Achtzehn Jahre nach der Gründung denke ich nicht, dass wir den Mut und den Glauben unserer Gründer genügend anerkennen, welche wie Abraham aufgerufen wurden, ihre Heimat zu verlassen und alles Vertrauen in Gott und Seine Kirche zu setzen. Es ist schwierig für uns, uns vorzustellen, wie schwer es für sie gewesen sein muß, gegen die Entscheidungen des Erzbischofs Lefevre zu handeln, welcher für sie wie ein Vater war in einer Welt, die sich in der Krise befand.

Zweitens ist unsere Bruderschaft treu zu einer Theologie, die auf einer Philosophie aufbaut, die von den Päpsten eine "philosophie perennis", eine "immerwährende Philosophie" genannt wurde, einem Realismus, eine Theologie gegründet auf den Lehren des heiligen Thomas von Aquin. Diese Theologie, welche heute an den kirchlichen Fakultäten oft einfach als eine unter vielen präsentiert wird oder, noch schlimmer, als etwas Überholtes, stellt (gemäss den Päpsten der letzten zwei Jahrhunderten) die treffende Antwort auf den Modernismus der nach wie vor die Kirche in der einen oder anderen Form bedroht. Welche Gnade, dass wir diese Theologie als Grundlage für das Studium in unseren Ausbildungsstätten haben. Welche Gnade, daß Priester ausgebildet werden, welche diese Theologie in Predigten, Vorträgen und Katechesen weitergeben können.

Schließlich sind wir eine Gründung, welche die heilige Messe ins Zentrum eines jeden Priesters stellt. Es ist eine Bruderschaft, welche die große Gnade hat, den Meßritus Papst Pius' V. oder Gregors des Grossen aufrecht zu erhalten, und nicht nur die Riten, sondern auch die Disziplinen (Motuproprio "Ecclesia Dei"). Dies ist das herausragende Kennzeichen unserer Bruderschaft. Diese Riten sind so wichtig, weil es evident ist, daß der Mensch kein Engel ist, kein reiner Geist, sondern aus Seele und Leib besteht. Diese Wahrheit ist zusammengefasst im Satz "Handlungen sprechen lauter als Worte". Deshalb braucht der Mensch nicht nur katechetische Unterweisungen, um sich in einer glaubenslosen Welt zu bewähren, sondern auch Riten, welche die Wahrheiten unterstreichen, die in der heiligen Messe gegenwärtig werden: das heilige Opfer des Fleisch gewordenen Wortes auf dem Altar und die wahre Gegenwart Christi in der Eucharistie.

Es ist unsere Pflicht als Kapitel, all diesen Elementen treu zu bleiben. Es wäre ein fataler Fehler, für eines den Blick zu verlieren oder sogar eines auf Kosten des anderen vorzuziehen. Sie dürfen nie in Gegensatz zueinander gestellt werden. Einschlägige kirchliche Dokumente aus jüngster Zeit wie z.B. "Congregavit nos in unum" stellen klar fest, dass es für ein Institut tödlich ist, wenn der Blick auf sein eigenes Charisma verloren geht.

Heute, an diesem wichtigen Jahrestag, sollten wir zuerst Gott, der uns in Seiner Vorsehung hierher gebracht hat, unseren Dank erweisen durch die Darbringung des heiligen Meßopfers. Ferner sollten wir unsere Gründer schätzen für ihr Vertrauen in Gott in einem Moment, welcher innerhalb der Kirche sehr schwer war. Am meisten jedoch sollten wir an unsere eigenen Pflichten als Kapitel denken. Als einzelne Mitglieder sollten wir danach trachten, immer mehr mit den Charismen unserer Bruderschaft übereinzustimmen und nicht die Bruderschaft, ihre Mission oder die erwähnten Elemente zu verändern, auch dann nicht, wenn es aus rein natürlicher Sicht als praktischer erscheint.

Wir wollen uns unter den Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria stellen, Unserer Lieben Frau vom Sieg, welche hier in Wigratzbad immer unter diesem Titel verehrt wurde. Laßt uns sie bitten, eines Tages am ewigen Sieg ihres Sohnes Anteil zu haben.
Schließlich mögen wir den Gnaden der göttlichen Vorsehung entsprechen und hingehen und Frucht bringen und daß diese Frucht bleibe. Eamus, et fructum afferamus et fructum nostrum maneat.

Es handelt sich bei diesem Text um die Predigt, die P. John Berg als frisch gewählter Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Petrus am 18. Juli 2006, dem achtzehnten Jahrestag ihrer Gründung, vor den Mitgliedern des Generalkapitels, das vom 4. bis 20. Juli 2006 in Wigratzbad (Allgäu) stattfand, gehalten hat.


Das lautere Herz

Von P. Walthard Zimmer

Es handelt sich bei diesem Text um die Predigt, die P. Walthard Zimmer FSSP zum Abschluss des Generalkapitels der Priesterbruderschaft St. Petrus am Mittwoch, den 18. Juli 2012, in der Kirche des Priesterseminars unserer Lieben Frau von Guadalupe in Denton, Nebraska, vor den Teilnehmern des Kapitels gehalten hat. Der 18. Juli ist gleichzeitig der Gründungstag der Petrusbruderschaft.

Liebe Mitbrüder, als wir rund um die Bischofsweihen 1988 die Priesterbruderschaft St. Pius X. verließen, wusste niemand von uns, wie es weiter gehen würde. Wir wussten nur, dass wir den Weg, den wir bisher gegangen waren, nicht weitergehen konnten und hatten nichts als das Vertrauen auf Gott, dass er irgendwie ein Lösung finden würde.

Wir dachten dabei eher daran, dass irgendwie die Bischofsweihen verhindert werden würden, dass sich Erzbischof Lefebvre den Fuß brichen oder der Papst doch noch die Erlaubnis geben werde. Wir sahen sonst keinen anderen Weg.

Auf der anderen Seite war das Hauptargument für die Bischofsweihen, die FSSPX sei die einzige katholische Gemeinschaft in der Kirche. Die FSSPX sei daher notwendig, damit die Kirche überleben könne, für die FSSPX seien aber - um überleben zu können - Bischöfe notwendig, daher seien zum Überleben der Kirche die Bischofsweihen notwendig.

Unsere ehemaligen Mitbrüder haben damals ernsthaft so getan, als käme der Liebe Gott in Verlegenheit, wenn es die FSSPX nicht mehr gäbe.

Aber Gott hat gezeigt, dass er quasi über Nacht eine neue Bruderschaft in der Kirche begründen kann, der alles in den Schoß fällt, wofür Erzbischof Lefebvre so lange gekämpft hatte. Das Wirken der Vorsehung ging spürbar weiter, als wir das Seminar in Wigratzbad bezogen, das seit vielen Jahren dort prophezeit war und wenige Monate vor unserem Kommen fertiggestellt wurde.

Am allerersten Beginn unserer Bruderschaft, so zu sagen in der vorbruderschaftlichen Phase, standen zwei Überzeugungen:
Erstens eine ehrliche Haltung, eine Liebe zur Wahrheit, die versucht hat, Antworten zu finden unabhängig davon, ob sie gefallen oder nicht, unabhängig davon, ob sie uns zum Vorteil oder Nachteil sind. Und zweitens ein großes Vertrauen auf die Vorsehung, dass dann, wenn die Liebe zur Wahrheit uns scheinbar in eine Katastrophe führt, Gott dennoch einen Ausweg findet.

Nach bald 25 Jahren Priestertum erscheint mir diese Liebe zur Wahrheit, dieses „lautere Herz“, das einfach das Gute, Richtige und Wahre tun will, ohne darauf zu schauen, ob die Konsequenzen daraus Vorteile oder Nachteile bringen, als das wichtigste Element, um mit Gott verbunden zu bleiben. Alles andere wird letztlich nur dann Frucht bringen, wenn es dem lauteren Herzen entspringt.

Die Arbeit, die wir hier auf dem Generalkapitel gemacht haben, vor allem die Arbeit an den Direktorien, ist wichtig, weil Recht und Gerechtigkeit die Grundlage jedes Zusammenlebens sind und weil wir Menschen im Alltag das geschriebene Wort brauchen, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Aber kein Direktorium wird helfen können, wenn der Wille fehlt, das geschriebene Wort mit Liebe zur Wahrheit, mit lauterem Herzen auszulegen und anzuwenden.

Der Anfang unserer Gemeinschaft ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Gottes Vorsehung niemandem im Stich lässt, wenn er nach vernünftigem Studium und mit lauterem Herzen einfach das Gute und Richtige tut. Gottes Vorsehung findet dann Auswege, Mittel und Möglichkeiten, ohne dass sich jemand den Fuß brechen muss und ohne dass wir einen jener Wege erzwingen müssen, die wir begrenzte Menschen uns bauen wollen.

Wenn Ihr mich, liebe Mitbrüder, fragen würdet, was stand am Anfang der Priesterbruderschaft St. Petrus, dann würde ich nicht antworten, es war der Wille, an der überlieferten Liturgie festzuhalten, es war die Treue zum Papst oder sonst ein anderes offenkundiges Merkmal; ich würde antworten: Am Anfang der Bruderschaft stand das lautere Herz.

Wenn wir daran festhalten, wird Gottes Vorsehung uns festhalten, auch wenn ihre Lösungen - ich möchte sagen: in der Regel - anders aussehen als die, die wir uns vorstellen können.

So will ich diese Predigt schließen mit dem Gebet, das wir diese Woche schon so oft gebetet haben:
Deus, cuius providentia in sui despositione non fállitur: te súpplices exorámus; ut nóxia cunta submoveas, et ómnia nobis profutúra concédas.
Amen.

Anmerkung:
Es handelt sich bei diesem Gebet um die Oration des siebten Sonntags nach Pfingsten. Es lautet in deutscher Übersetzung: “O Gott, dessen Vorsehung sich in ihren Anordnungen nicht täuscht, wir flehen in Demut zu Dir: Du mögest alles Schädliche von uns entfernen und alles Heilsame uns gewähren” (Übersetzung nach dem Meßbuch von Anselm Schott). Dieses Gebet war in der Woche des 18. Juli das Tagesgebet im Brevier sowohl am Sonntag wie auch an den beiden vorhergehenden Werktagen jenes Mittwochs, da sie Ferialtage (festfreie Tage) waren.

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