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„O glückliche Schuld“ - Gedanken zur Osterzeit

Von P. Michael Wildfeuer

 „O glückliche Schuld“: Dieses Wort, das ganze Welten aus den Angeln zu heben vermag, steht im Exsultet, dem schönsten Preisgesang, der am liturgischen Gipfelpunkt des Kirchenjahres, in der hochheiligen Osternacht, erklingt. Es stammt von dem Geistesriesen Augustinus. Für denjenigen, der es versteht, ist es ein Zauberwort, das schwarz in weiß, Kot in Gold zu verwandeln vermag. Es ist imstande, aus der Jammergestalt „erbsündlicher Mensch“ einen Heroen an Sieghaftigkeit, einen wahren österlichen Menschen zu bilden. Wenn alle, die Christi Namen zu tragen wagen, dieses kurze Wort beherzigten, wäre vernichtet das – ja man könnte es nennen – „Anti-Wort“ des Atheisten und Christenspötters Friedrich Nietzsche: „O dass doch die Erlösten erlöster aussähen!“ Ja, dieses Zentralwort der Ostervigil vermag aus uns wahrhaft erlöste, österliche Menschen, „lebend für Gott in Christus Jesus“ (Röm. 6,11),  zu formen. Die Gnade des Erlöstseins ist das Wesentlichste im Leben der Erdgeborenen. Adam kommt von hebräisch „Adama“ = die rotbraune Erde. Dies nur nebenbei. Das Paradoxon „o glückliche Schuld“ besingt am markantesten das Glück, das bei aller Sünde, Bosheit und Schuld zu uns kommt.

Die Kirche sprudelt über vor lauter Freude über den Erlöser und möchte alle mitreißen in diesen Jubel hinein: „Dies ist die Nacht, in der Christus die Bande des Todes zerriss und siegreich vom Grabe erstand. ... O wunderbare Herablassung Deiner Güte zu uns! O unschätzbarer Erweis der Liebe: Um loszukaufen den Knecht, gabst Du hin den Sohn. Ja, wahrlich geschehen musste die Sünde Adams, dass Christi Sterben sie sühne! O glückliche Schuld, gewürdigt eines Erlösers, so hehr und erhaben!“

Welcher Denker, welcher Philosoph, welcher Weltverbesserer kann es wagen, solche Worte hervorzubringen? Welche Religion kann sich einen solchen Lobpreis „leisten“? Das kann nur eine göttliche, nein, die göttliche, die einzig wahre!!!

Schauen wir etwa hinein in den Buddhismus. Nach dem Buddha gilt: Geburt ist Leiden, Leben ist Leiden, Sterben ist Leiden. Leiden, Leiden, Leiden. Sein ist Leiden. Die einzige Lösung: Nicht-Sein, Nirwana. Das ist konsequent für einen unerlösten Menschen. Oder schauen wir hinein in die germanische Sage, etwa auf die Rachewut einer Kriemhild mit ihren entsetzlichen Folgen. Ähnlich ein Hamlet. Oder in der griechischen Antike: Tantalus, Sisyphus, Ödipus, Antigone. Oder – noch ein Beispiel aus einem ganz anderen Kulturkreis: In Afrika die Stammesreligionen. Ganze Dörfer leben unter der Knute eines Medizinmanns. Er übt die Macht aus, steht mit okkulten Mächten im Bunde und kann so die armen Dorfbewohner beherrschen.

Unerlöstes Heidentum! Schuld über Schuld und Unglück über Unglück! Das kontradiktorische Gegenteil von „felix culpa“!

Und schließlich haben wir hier in unseren eigenen Landen, im ehemals christlichen Abendland immer mehr das Unerlöstsein vor Augen. Das Christentum, die Gnade, die Sakramente werden sozusagen immer dünner, der Gnadenstrom, der vom Himmel herabkommt zu der kranken, in Schuld verstrickten Menschheit, diese göttliche Medizin, fließt in immer dünneren Bahnen, so dass die kranke Menschheit sich immer mehr in seelische Not verstrickt: in „Frust“, in Depressionen, in Süchte, in Ängste, in Neurosen, in Psychosen, in Satanismus und schließlich in Selbstmorde. Es gibt nun schon im Internet die Suche nach einem Selbstmordpartner. Denken wir ferner an das Inferno von Hiroshima und Nagasaki, denken wir an Tschernobyl, denken wir an die Wahnsinnstat in Erfurt oder das blutige Gräuel von Manhattan. Wenn wir diese Ozeane von Blut und Tränen betrachten, müssen wir dann nicht ausrufen: O unglückliche Schuld! O tausendmal unglückliche Schuld!

Vor diesem Hintergrund sticht nun die Erlösungstat Christi umso deutlicher hervor. Der Hintergrund zeigt uns immer klarer, dass diese allein die Rettung ist, das Heil schlechthin. „Und in keinem anderen ist das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der gegeben wäre unter Menschen, dass wir in ihm sollten gerettet werden“ (Arg 4,12).

In das ausweglose Sündenelend bricht völlig unverdient die Erlösungsgnade ein. Sie sei mit Hilfe einer Legende von einem mir unbekannten Autor erklärt.

Man stelle sich einen wunderbaren, leuchtenden Goldkelch vor, der mit Diamanten übersät ist und im Sonnenglanze nur so funkelt wie der schönste Kristall. Dieser Pokal ist bis zum Rand mit dem Glutwein göttlicher Liebe gefüllt. Nun gießt Gott ein paar Tropfen aus dem Glutkelch auf die Erde und formt aus ihnen zwei wunderschöne Menschen, majestätisch in ihrer Erscheinung, von wonnevollem Anblick, und einen anmutigen Garten mit den verlockendsten Früchten. Als die beiden, König und Königin, ihre Augen erheben und den göttlichen Glutkelch sehen, entbrennt in ihnen in unerklärlichen Torheit die Gier, ihn an sich zu reißen. Da erstarrt der zauberhafte Park zur Steinwüste, und der König wird im Nu zum erbärmlichsten Bettler, die Königin zu jammervollsten Bettlerin, beide aschfahl, gebeugt, ein Anblick zum Entsetzen. So auch ihre Kinder. So geht es über Generationen und Generationen.

Nach Jahrtausenden aber hat Gott ein Erbarmen, er gießt ein zweites Mal ein paar Tropfen aus dem Liebespokal und formt dieses Mal aus ihnen eine wunderschöne, duftende Rose. Und in diese Rose gießt er den ganzen Inhalt des Kelches, so dass nun die ganze Fülle himmlischer Liebe auf die Erde herabkommt. Und wer sich von dieser Rose anziehen lässt, ihren Duft in sich aufnimmt, wird wieder zurückverwandelt in die ursprüngliche Schönheit und Majestät.

Was gemeint ist, ist wohl nicht allzu schwer zu erraten: Adam und Eva sind die beiden königlichen Wesen im Zaubergarten. Das Gieren nach dem Kelch ist der Sündenfall, es folgt die Vertreibung aus dem Paradies, d. h. der Verlust der Gotteskindschaft. Die Rose ist die allerseligste Jungfrau Maria. In sie gießt Gott seinen eigenen Sohn hinein, den Logos, die zweite göttliche Person, den ganzen Himmel. Die ganze Glut göttlicher Liebe kommt auf die Erde herab. Und wer mit dieser göttlichen Liebe in Berührung kommt, erhält seine ursprüngliche Schönheit und Würde zurück. Dies geschieht in der hl. Taufe und v. a. in der hl. Kommunion, wo wir den ganzen Himmel in uns aufnehmen, wie der Herr sagt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh. 6,56).

Das ist das Große des Christentums und die Größe der Gnade, die wir uns gar nicht genügend klarmachen können. Durch das Erbarmen Gottes wird die Schuld jetzt Anlass des Glückes. Derjenige, der an der erneuten Liebe Gottes teil hat, hat an einer größeren Gnade teil als die Menschen im Paradies. Warum? Weil Gott seine Huld jetzt nicht einem Unschuldigen zuwendet, wie im Paradies, sondern einem Sünder, einem Ungerechten, einem Verworfenen. Und das ist eine weitaus größere Gnade: Wenn ich mich zu einem stinkenden Bettler hinabneige und diesen an den Königshof hole, dann ist es natürlich viel größere Huld, als wenn ich einen Unbescholtenen einlade. Und das ist die wunderbare Größe des Christentums, die einzigartige Größe. Das gibt es nirgends auf der Welt. Welches Volk, welche Religion könnte die Schuld glücklich preisen? Das ist nirgends möglich, das ist nur im Christentum möglich – dort, wo die wahre Erlösung stattgefunden hat. Das ist das, was wir in der hl. Messe immer beten, im zweiten Opferungsgebet: "O Gott, du hast die Würde des Menschen wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert (mirabilius reformasti)." Und beim hl. Paulus heißt es: "Wo die Sünde überschwänglich wurde, da wurde die Gnade noch überschwänglicher" (Röm. 5,20). Jeder muss sich das hinter die Ohren schreiben und auf die Stirne und überall hinschreiben: Das ist die Wirklichkeit, aus der ein Christ, ein österlicher Mensch, leben muss. Gott füllt nicht nur das Loch wieder auf, sondern er macht noch etwas viel Größeres daraus, etwas viel Schöneres, etwas viel Herrlicheres.

Wir sind, von der Gnade her gesehen, höher gestellt als Adam im Paradies, weil wir eine größere Liebe empfangen haben als der erste Mensch im Garten Eden. Das ist der Inhalt von "o felix culpa"! Bei der Hochzeit von Kana wurde zuerst der Fusel getrunken und dann der bessere Wein. So ist es hier gewissermaßen auch.

Weitere Stellen, die dieses Glück bestätigen: „Aber nicht wie mit der Sünde verhält es sich auch mit der Gnade. Denn wenn durch des Einen Sünde die Vielen gestorben sind, so ist die Gnade Gottes und die Gabe in der Gnade des einen Menschen Jesus Christus um so reicher auf die Vielen übergegangen. ... Wenn durch die Sünden des Einen der Tod herrschte durch den Einen, werden um so mehr die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Rechtfertigung empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus“ (Röm. 5,15 und 5,17). Der Herr selbst sagt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh. 10,10). Noch einmal der hl. Paulus: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, die überreich uns zuteil geworden ist...“ (Eph. 1,7f).

Schlagend argumentiert der hl. Cyrill von Jerusalem: „Von nicht geringem Werte war derjenige, welcher für uns gestorben ist. Es war kein sinnenfälliges Lamm, kein bloßer Mensch, auch kein Engel, sondern der fleischgewordene Gott. Die Ungerechtigkeit der Sünder war nicht so groß wie die Gerechtigkeiten dessen, der für uns starb. Wir haben nicht so viel gesündigt, als derjenige durch Gerechtigkeit hervorragte, welcher für uns sein Leben opferte“ (Catech. 13,33 R 831). Wunderbar und sehr anschaulich der hl. Johannes Chrysostomus: „Gleichwie wenn jemand einen Mann mit zehn Obolen Schulden ins Gefängnis würfe und nicht allein ihn, sondern um seinetwillen auch seine Gattin, Kinder und Dienerschaft, und dann ein Anderer hinzuträte und nicht nur zehn Obolen hinzählte, sondern sogar zehntausend Talente Gold, und darauf den Gefesselten in die königlichen Gemächer einführte und auf einen erhabenen Thron niedersetzte und ihn am höchsten Ehrenglanze teilnehmen ließe – der Gläubiger müsste die zehn Obolen vergessen – : so auch ist es uns ergangen. Denn weit mehr, als wir schuldig waren, hat Christus bezahlt, und zwar in höherem Maße, als wie das unermessliche Meer ein Tröpfchen Wasser an Größe übertrifft“ (In ep. ad Rom. Hom. 10,2).

Dies ist die Lehre von der Superabundanz der Gnade: Das Maß der Sühne übertrifft bei weitem das Maß der Sünde. Das „Unglücksloch der Schuld“ wird nicht nur aufgefüllt auf die Höhe der ehemaligen Ebene, sondern überhöht durch den „Glücksberg der Erlösung“. Und dies, weil nicht ein Mensch, sondern ein Gottmensch sühnt. Und ein Gott kann nur göttlich handeln, er kann sich nicht an Größe übertreffen lassen.

Wir kommen zum Schluss! Machen wir es wie der verlorene Sohn: Er, der sich seinen Teil geben ließ,  in die Fremde zog und bei Dirnen sein Vermögen verjuxte, kommt zurück zum Vater. Und der Vater steht schon da und wartet, breitet die Arme aus, drückt denjenigen, der vom wirklichen und vom moralischen Misthaufen zurückkommt, an sein Herz. Demjenigen, der dem Vater nicht in die Augen zu schauen wagte und sagte: „Vater, ich habe gesündigt, ich bin nicht mehr wert, Dein Sohn zu heißen“, macht der Vater nicht den geringsten Vorwurf; er sagt nicht: „Na ja, geh mal zu den Schweinen und mach den Stall sauber!“ Nein, das Gegenteil tritt ein: Er bekommt das schönste Kleid und einen Ring, das beste Mastkalb musste geschlachtet werden,  und dann war Tanz und Musik (Luk. 15,11ff). Ja, so müssen auch Sie beichten an Ostern – mit Tanz und Musik. Bitte, das sage nicht ich, das sagt das hl. Evangelium. Dann haben Sie das Wort von der „glücklichen Schuld“ verstanden.


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