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Fis

Von Eduard Kamenicky

Daß das Kreuz zum Weg des Heiles gehört, ist jedem klar, der Jesu Evangelium vernommen und ein wenig begriffen hat. Daß die Kirche dazu da sei, die Glieder der Kirche zu quälen, steht nirgends geschrieben. Wie sehr es dennoch geschehen kann, weiß das Buch der Geschichte zu melden.

Der Gedanke, daß erst chamäleontische Eigenschaften den Christen als solchen auswiesen, daß die Unfähigkeit zum geistigen und charakterlichen Kopfstand sozusagen die Rolle einer negativen Prädestination spiele, ist gar zu albern, um ernster Erwägung wert zu sein. So entmutigen zwei Phänomene bei genauerem Hinsehen: die gelehrte und wortreiche Selbstverneinung der Kirche auf der einen, der sehr zaghafte Widerspruch zu dieser auf der anderen Seite. Das eine Ärgernis ist groß, das andere noch größer.

Man kennt den Vorwurf, der die Duldung des Absurden von tragischer Geschichtsmächtigkeit im Urteil der Nachwelt trifft: Wie konnte man solches mit ansehen, einfach geschehen lassen? Ja, wie konnte man!? Die totale Entmachtung des Menschen und seines gesunden Geistes erklärt dies oft. Erklärt sie auch die Kapitulation der Gläubigen, der bei Vernunft Gebliebenen, innerhalb der Kirche? Wie kann man sich nur, wenn man wirklich glaubt, mit der Diktatur des Unglaubens abfinden? Vielleicht, weil man eben glaubt. Aber das ist doch recht komplex und in seinen Wirkungen sehr problematisch.

Frage: Was verdient etwa ein Verdreher der Wahrheit auf hohem Stuhl? Applaudiert oder verjagt zu werden? Die Gegenwart hält nur den Applaus für christlich. Die offizielle Linie auch. Sie hat wohl Grund, dies einzuschärfen. Wer zischt, widerlegt sich selbst. Heilige waren da mitunter anderer Meinung. Dabei ist die Alternative drängend, da ja bloßes Ignorieren nichts nützt. Aber lassen wir die Frage "im Raume stehen". Er sollte eigentlich weit genug sein daß auch wir in ihm manches placieren können. (Übrigens: Daß die Rute nur gegen die Frommen im Eifer geschwungen Liebe verrät, ist wohl nicht biblisch.)

Zudem ist es gar nicht so leicht zu sagen, wie dem Katholiken heute ums Herz ist - er will ja Liebe, Geduld und Demut keineswegs abgeschafft wissen. Vielleicht läßt sich manches durch den Vergleich deutlich machen. Warum sonst auch wären Heilige Schrift und Tradition von Parabeln voll? Wir reden also in Bildern.

Womit soll man die Atmosphäre vergleichen, in der heute Gottes Volk und Eigentum kläglich dahinsiecht? Sie ähnelt der stickigen Luft, die einen Chemiesaal erfüllt. Sie benimmt den Atem, steigt in die Nase wie der stechende Geruch von Buttersäure, attackiert die Nerven wie der widerliche Hauch, den Aas verströmt: das Fluidum von Verdorbenem. Penetrant, scharf, unausstehlich.

Optisch gesprochen: alles ist schief. Und zwar nicht etwa neutral, sondern durchaus verhängnisvoll. Denken Sie sich den quälenden Anblick, den seltene Kostbarkeiten von Porzellan und Glas (ich nehme an, daß Sie derlei zu bewundern verstehen) auf schrägen Konsolen bereiten, baumelnd an gelockerten, halb herausgerissenen Haken auf geneigten Brettern achtlos abgestellt und in ständigem Gleiten begriffen. Sie sind an Ihren Stuhl gefesselt und können nichts anderes tun, als die Augen schließen, um nicht ohnmächtig all dies Herrliche herabstürzen zu sehen. Aber Sie hören natürlich, Fall für Fall, das Klirren und Splittern. Niemand hindert es. Hie und da vernehmen Sie ein kehrendes Geräusch und das Klappern der Mülltonne.

Wenn Sie ein inneres Verhältnis zur Kunst haben, wenn Sie imstande sind, Gemälde zu lieben, so denken Sie sich dem schönsten Bild gegenüber, das Sie kennen: Velasquez meinetwegen, oder Rembrandt oder Vermeer. Da kommt einer und sagt, es solle restauriert, entstaubt, erneuert werden, Sie dürfen Zeuge sein. Dann beginnt es. Zunächst wird tatsächlich irgendwo Staub entfernt, allerdings grob und keineswegs sachverständig, denn die oberste Lasur geht mit. Bald dringt die Arbeit aber in die Farbschichten ein. Zu Ihrem Entsetzen werden Glanzlichter abgenommen, tausend Feinheiten verwischt, das Kolorit abgestumpft. Schließlich bröselt die Farbe, blättert selbst die Grundierung ab. Die nackte Leinwand wird sichtbar, dort klafft schon ein Loch. Sie meinen, verrückt zu werden, denn Sie dürfen ja nur zuschauen dabei. Völlig wehrlos.

Vielleicht sind Sie musikalisch. Ausübend, sitzen selber am Pult. Denken Sie an jenes Werk, das Ihnen am meisten bedeutet. Ein neuer Mann führt den Stab. Sie merken gleich, daß er alles von Grund auf mißdeutet: die Tempi werden überhastet, die polyphonen Gewebe verwirrt, die Akzente grotesk verschoben. Dann mischen sich die ersten falschen Töne ein, im Holz, im Blech. Er läßt weiterspielen. Die Entgleisungen häufen sich, die Musik artet aus in wüste Kakophonie. Gerade, daß man noch die Partitur erkennen kann, die gespielt werden sollte; aber was erklingt, ist eine Karikatur derselben, eine schamlose Parodie. Schließlich ist es so weit, daß Sie allein inmitten dieser Klangorgie immer noch richtig spielen - Sie kennen ja Ihren Part. Plötzlich geschieht es. Der Dirigent klopft ab. Schreit Sie an: "Fis!" Aber da steht doch f. "Können Sie nicht lesen?" Wirklich, da steht auf den neuen Stimmen, die man ausgelegt hat -: fis. Ach so! Also steht auch all das andere Falsche, das da wütet, auf den einzelnen Blättern! Und darum hat man sie ausgeteilt! Nochmals herrscht der Dirigent Sie an: "Fis!" Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Aber wie könnten Sie fis spielen? Sie wissen, daß f gehört. Sie möchten, vor Empörung glühend, Ihr Instrument am liebsten zerschmettern. Sie sind vor Zorn und Verzweiflung gebadet in Schweiß. Und spielen f.

Ich tue es seit Jahren, und ich bleibe dabei. Natürlich habe ich keinen Platz mehr am Pult, denn ich passe nicht ins Orchester. Ich sehe das irgendwie ein. Denn daß man immer nur eine 'Fassung' realisieren kann, begreife ich. Das ist aber so wenig eine Widerlegung meines Standpunktes wie das gefälschte Notenblatt ein Argument. Ich habe die Original-Partitur gut aufbewahrt und da ist zu lesen, Zeile für Zeile, schwarz auf weiß, wie es richtig geht. Dieses Original lasse ich mir nicht entwinden, dieses Wissen nicht rauben. Dort steht an der Stelle, von der ich sprach, makellos jenes f; jedem, der nur ein klein wenig von Musik versteht, ist klar, daß es durch keine andere Note ersetzt werden kann.

Und das ist auch meine persönliche Bitte an Sie, da Sie dies lesen - wenn ich eine solche einmal aussprechen darf -: Lassen Sie nichts und niemandem zuliebe sich zu dem fis verleiten, zu dem falschen Ton, der sogenannten ,Neufassung`, die man auch Ihnen aufnötigen will, und die nur eine grausame Verhunzung des Werkes ist, das Sie so sehr lieben. Behalten Sie den wahren Klang jenes Wunders im Ohr und seinen Sinn im Herzen. Bleiben Sie Ihrem Part treu. Und dem Willen des Meisters. Ignorieren Sie die Anweisungen anmaßender Neu-Interpreten. Spielen Sie einsam und unverstanden, wie Sie sind, weiterhin richtig.

Spielen Sie f.


Kamenicky: Gold außer Kurs

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