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Noch ein Skandal

Ein “Kavaliersdelikt” nennt François Reckinger in neuesten Ausgabe des FELS (August/September 2010) die Einladung zur Kommunion, die Prof. Dr. Gotthold Hasenhüttl 2003 an die evangelischen Christen ausgesprochen hatte, wegen derer er suspendiert wurde - ein Kavaliersdelikt, “verglichen mit seinem jahrzehntelangen Dozieren von ‘Katholischer Theologie’ als Atheist, im atheistischen Sinne”. Darauf hatten wir schon vor langer Zeit hingewiesen. Reckinger stellt klar, dass Hasenhüttls Positionen seit dessen frühen Publikationen aus den Jahren 1974, 1979 und 1980 bekannt gewesen seien. “Dennoch durfte der vom Glauben öffentlich Abgefallene äußerlich-rechtlich gesehen weitermachen und über Jahrzehnte hin Studenten und durch diese Kinder und Jugendliche zum Unglauben verleiten - eine Verweigerung bischöflicher Pflichterfüllung, die nicht zu begreifen ist”, schreibt Reckinger - die aber, so könnte man hinzufügen, seit über 40 Jahren zum Normalfall gehört. Schon Dietrich von Hildebrand schrieb 1973 in seinem “Verwüsteten Weinberg” von der Lethargie der Wächter. Anders als wie beim Missbrauchsskandal wird dieser Skandal niemals öffentlichkeitswirksam aufgearbeitet werden, weil die weltliche Presse sich dafür nicht interessiert. Die Kirche hat Bischöfe nötig, denen der Wille Gottes wichtiger ist als die Berichterstattung der Medien.


Noch ein atheistischer Theologe

Auf Gotthold Hasenhüttl als Vertreter einer Gott-ist-tot-Theologie haben wir schon mehrmals hingewiesen. François Reckinger macht nun im FELS vom August/September 2010 auf Hubertus Halbfas, den Verfasser weit verbreiteter Religionsbücher, aufmerksam. Er schreibt: “Halbfas ist ganz schlicht Atheist. Das war schon in dem Band seines Religionsbuches für das zweite Schuljahr zu erkennen, wo er ausführt, ‘zu Tisch beten’ bestünde darin, zu sehen, was auf dem Tisch steht; es sich schmecken zu lassen; denen zu danken, die das Mahl bereitet haben. Und dann wörtlich: ‘Das alles fassen wir zusammen, wenn wir Gott sagen (54). Wer sich da verwundert die Augen reibt und befürchtet, er hätte falsch verstanden oder es handle sich vielleicht um einen Druckfehler, den kann die ‘Fundamentalkatechetik’ des Autors von 1968 eines Besseren belehren: ‘Gott an sich gibt es nicht. Gott ist der Grund allen Seins ... Von Gott sprechen heißt, von dieser Welt und dem eigenen Leben sprechen’. Demnach ist es nur logisch, wenn Halbfas jedes wirkliche Wunder bestreitet (198f; 207). Alle nachfolgenden Bände des Religionsbuches bestätigen diese Diagnose.”


Neomodernistische Theologie

“Die Öffnung der Kirche für die Ansprüche und Erfordernisse der Moderne (siehe Gaudium et Spes) wird von der para-konziliaren Ideologie als Notwendigkeit einer Versöhnung zwischen dem Christentum und dem philosophischen und ideologischen Denken in der modernen Kultur interpretiert. Es handelt sich hierbei um ein theologisches und intellektuelles Unterfangen, das im Wesentlichen die Idee des Modernismus wieder hervorholt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom heiligen Pius X. verurteilt worden war. Die neo-modernistische und säkularisierende Theologie hat sich um eine Begegnung mit der modernen Welt gemüht, genau am Vorabend des Zerfalls der ‘Moderne’. Mit dem Niedergang des sogenannten ‘realen Sozialismus’ 1989 sind diese Mythen der Moderne und der Irreversibilität der Emanzipation von der Geschichte gefallen, die die Postulate des Soziologismus und Säkularismus dargestellt haben.”

Aus dem Vortrag, den Mitarbeiter Monsignore Guido Pozzo, Mitglied der Glaubenskongregation und Sekretär der Kommission Ecclesia Dei, am 2. Juli 2010 im Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad gehalten hat (wir berichteten). Er wurde gestern in der Tagespost veröffentlicht und findet sich online auf der Website der Petrusbruderschaft. Zum Modernismus vgl. den Kommentar zu Pascendi und die Ausführungen von Beßmer.


Die nicht genutzten Vollmachten

Ich setze großes Vertrauen in den "sensus catholicus" unserer Laien. (...) Ich denke oft daran, daß im 4. Jahrhundert, als sich die Bischöfe selbst in großer Zahl in die arianische Häresie verstrickt hatten, der "sensus catholicus" der Laien sich nicht täuschen ließ und daß sie rechtgläubig blieben.
Ich vermag nicht vorauszusehen, wie lange der herrschende Irrsinn die Katholiken noch umtreiben wird. Derzeit schwillt das Schrifttum von Ökumenismus über, und dabei stellt die Krise der katholischen Lehre unserer Zeit ein schweres Hindernis für den Ökumenismus dar. Im vergangenen Jahr, am Karsamstag, hatte ich einen protestantischen Pastor aus Holland zum Essen eingeladen; er versicherte mir, daß seine Pfarrkinder, also Protestanten, überhaupt nicht mehr wüßten, mit wem sie den Dialog führen sollten, denn woran sollte man die erkennen, die den Katholizismus repräsentieren. Es ist noch nicht lange her, da schrieb ein - wenn ich mich recht erinnere - griechisch-orthodoxer Professor im Bulletin des serbischen Patriarchats so ziemlich das gleiche.
Ich nehme an, eines Tages werden unsere Katholiken wieder Vernunft annehmen. Doch es scheint mir, daß leider die Bischöfe, die durch das Konzil viele Vollmachten für sich bekommen haben, oft zu tadeln sind, weil sie diese in der Krise unserer Zeit nicht so benutzen, wie sie es müßten. Rom ist zu weit entfernt, um sich mit jedem Skandel zu beschäftigen. Und zudem: Rom findet nicht genug Gehorsam. Würden sich alle Bischöfe ernsthaft mit diesen Abirrungen befassen, sobald sie zutage treten, wäre die Lage anders. Unsere Aufgabe in Rom ist sehr schwer, wenn uns die Zusammenarbiet der Bischöfe abgeht.

Aus einem Brief von Franjo Kardinal Seper an den kroatischen Pater Milan Mikulich, abgedruckt am 27. April 1972 in der amerikanischen Zeitschrift "The Wanderer", in deutscher Übersetzung im FELS, September 1972, S. 249.
Kardinal Seper war von 1968 bis 1981 Präfekt der Glaubenskongregation und in diesem Amt Vorgänger von Kardinal Ratzinger.


Nestbeschmutzer

Aus einem Interview mit Erzbischof Malcolm Ranjith

Gianni Cardinale: Im Jahr 2000 wurde die Erklärung Dominus Iesus über die Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu veröffentlicht. Hat das Probleme im Dialog mit den Buddhisten geschaffen?

Erzbischof Ranjith: Um die Wahrheit zu sagen, war ein erstes Problem schon 1994 entstanden, als Johannes Paul II. sein Buch-Interview mit Vittorio Messori veröffentlichte: Die Schwelle der Hoffnung überschreiten, in dem Aussagen über den Buddhismus enthalten sind, die Reaktionen auslösten. Verbreitet wurden diese Behauptungen jedoch von Außenseitern, die aus dem Ausland kamen. Sie waren es, die in den Zeitungen Sri Lankas die Nachricht breittraten, der Papst hätte in diesem Buch den Buddhismus angegriffen; Artikel, die die Spannungen verschärften – und das, obwohl viele das Buch des Papstes nicht einmal gelesen hatten. Ein buddhistischer Mönch, den ich kannte, schrieb dann aber in der größten englischsprachigen Zeitung Sri Lankas, dem Daily News, einen Artikel, in dem er den Heiligen Vater verteidigte. Er schrieb, dass laut den Anweisungen Buddhas, alle Lehren kritisch untersucht werden müssten, folglich auch seine eigenen. Und dass der Papst daher sehr wohl das Recht habe, zu sagen, was seiner Meinung nach an der buddhistischen Religion negativ sei. Paradoxerweise kam die Kritik am Papst mehr von Seiten gewisser katholischer Theologen als von den Buddhisten selbst. Mehr oder weniger dasselbe passierte dann mit Dominus Iesus: die vehementesten Attacken kamen von katholischer Seite, nicht von den anderen. In diesen Dingen lässt man sich oft mehr von den eigenen Emotionen leiten als von einer Analyse der Fakten. So kommt es dann zu unangenehmen, absurden Situationen.

Das Interview erschien im September 2006 in der Zeitschrift "30 Tage in Kirche und Welt". Erzbischof Albert Malcolm Ranjith Patabendige Don war seit 1995 Bischof der Diözese Ratnapura in Sri Lanka und seit 2004 Apostolischer Nuntius in Indonesien und Osttimor. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am10. Dezember 2005 zum Sekretär der Gottesdienstkongregation, die von Francis Kardinal Arinze geleitet wird.


Theologie: Attacken aufs Zentrum

Ein evangelischer Theologe sieht in der katholischen Kirche die biblische Botschaft besser aufgehoben als in der evangelischen:

In einem Artikel “Lasst klare Töne hören!”, der am 25. Oktober 2007 im “Rheinischen Merkur” erschienen ist, macht der evangelische Theologe Werner Thiede, einst wissenschaftlicher Referent an der Stuttgarter “Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen”, jetzt Privatdozent für Systematische Theologie in Erlangen, Attacken gegen das Zentrum des evangelischen Glaubens aus und beobachtet, dass diese Herzmitte des christlichen Glaubens heute von der katholischen Kirche wirksamer verteidigt wird als von der evangelischen.
Das Zentrum sieht er in der paulinischen Rechtfertigungslehre, der Erlösung des einzelnen Menschen durch das Sühnopfer Christi am Kreuz. Als Beispiel für eine Attacke dagegen führt er die Theologie des Benediktinerpaters Willigis Jäger an, für den alle Religionen “Wege zur Erfahrung des Göttlichen” seien, ohne dass eine von ihnen behaupten könne, “den einzigen Zugang zu ihm zu besitzen.” Thiede: “Was soll ihm da noch die Rechtfertigungslehre des Apostels Paulus bedeuten, von deren Wiederentdeckung und Zuspitzung durch Luther ganz zu schweigen? Willigis Jäger kritisiert konsequent den Leitgedanken des Protestantismus, das ‘Ich’ müsse vor Gott gerechtfertigt sein: ‘Das muss es gar nicht.’ Es braucht somit auch keinen Erlöser, der als Gottes Sohn zwischen Gott und Mensch die Brücke schlägt.” Die Umdeutung der biblischen Aussagen über Erlösung, Kreuzestod und Auferstehung störe seine Anhänger nicht. Und Thiede schließt: “Der Vatikan hat ihn mit Redeverbot belegt. Der evangelische Kirchentag lud ihn nach Köln ein.”

Zur Leugnung des Sühnetodes durch den katholischen Theologen Eugen Biser vergleiche den in der Internationalen Katholischen Zeitschrift “Communio” erschienenen Artikel von P. Franz Prosinger FSSP.


Glückliche Zeiten

Ein Kardinal im Glück lautet ein Artikel, den Guido Horst in der Tagespost vom 23. August 2008 veröffentlichte. Mit dem Kardinal ist Carlo Maria Martini gemeint, der, so Horst, gegenüber dem Papst ein “Gegenlehramt” wahrnimmt und kürzlich in der Zeitung Avvenire allen Ernstes behauptete, in der Geschichte der Kirche habe es nie eine so glückliche Zeit wie die unsere gegeben und in der Geschichte der Theologie “nie eine reichere Periode als in der jüngsten Vergangenheit.” Dem hält Guido Horst entgegen, dass “eine ganze Generation von Theologen nach dem Konzil hart daran gearbeitet” habe, “dem gläubigen Volk den historischen Christus auszutreiben und ihn durch eine nebulöse ‘Sache Jesu’ zu ersetzen.” Nur noch eine Minderheit glaube daran, “dass sich in Jesus Christus Gottes Sohn gezeigt hat, der gestorben und auferstanden ist und in seiner Kirche weiterlebt.”

Diese sind klare Worte, die an die Analysen der Glaubenssituation durch Georg May erinnern. Sie sind beruhigend, sind doch in letzter Zeit in der Tagespost Artikel erschienen, die die Befürchtung hochkommen lassen konnten, die Zeitung nähere sich der Sicht Kardinal Martinis an. So wurde z.B. in der Ausgabe vom 15. März 2008 Georg May wegen seiner Auffassung kritisiert, die Zeit nach dem Konzil sei als fortschreitender Verfall des Glaubens und des religiösen Lebens in der Kirche anzusehen. “Es ist die alte Masche: Wer auf die Krise des Glaubens vor allem im einst christlichen Europa hinweist und den Zusammenbruch des kirchlichen Leben beklagt, wird von den sogenannten Progressisten als Unglücksprophet hingestellt, während sie selber nur so in Optimismus schwelgen,” meint Guido Horst zu dieser Art der Realitätsverweigerung.


Abräumkommando

“Wenn man wie Ohlig das christologische und trinitarische Dogma vollständig abräumt (...), dann muss man wohl mit Widerspruch rechnen, und zwar von beiden: sowohl vom Theologen Ratzinger als auch von Papst Benedikt”, schreibt Michael Schulz in seiner Rezension des Sammelbandes Jesus von Nazareth - kontrovers. Rückfragen an Joseph Ratzinger (Die Tagespost vom 2. September 2008, “Am Anfang stand die Enttäuschung”). Da hat Schulz Recht. Das Merkwürdige aber ist, dass dieser die Grundlagen des christlichen Glaubens abräumende Karl-Heinz Ohlig nicht etwa ein Bright oder ein beliebiger freigeistiger Gelehrter ist. Vielmehr war er 1970-1978 Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule des Saarlandes und von 1978 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Religionswissenschaft und Geschichte des Christentums an der Universität des Saarlandes. Folglich war er an der Ausbildung der künftigen Religionslehrer beteiligt. Hatte er die missio canonica? Ist sie ihm jemals entzogen worden? Hier geht es nicht um akademische Diskussionen, sondern um die Weitergabe des Glaubens, eine existentielle Frage für die Kirche, die auch ein Anliegen der Bischöfe sein sollte. Der Fall Ohlig ist ein Beispiel, das die Diagnose Guido Horsts bestätigt, wonach eine ganze Generation von Theologen daran gearbeitet habe, mit dem historischen Jesus aufzuräumen (vgl. den obigen Beitrag Glückliche Zeiten). Und die zuständigen Hirten?


Kirche mit Flügeln?

Von Martin Lienhart

Ein Kommentar zu den Vorgängen um Pfr. Gerhard Wagner, der zum Weihbischof von Linz ernannt worden war.

Immer wieder war in den letzten Tagen, gerade in Österreich, von einem rechten Flügel die Rede, manchmal wurde gar von einem rechten Rand der Kirche gesprochen. Es ist anzunehmen, dass der, der die Redeweise von einem rechten Flügel im Munde führt, stillschweigenderweise auch einen linken Flügel annimmt. Wer gehört aber zu welchem Flügel, wer gar zur Mitte? Nach den Medienberichten der letzten Tage kann man klar feststellen: zum rechten Flügel, oder gar Rand, gehören offensichtlich die, die treu zum Glauben der Kirche stehen, die sich bemühen in Einheit mit dem Papst zu leben. In der Mitte stehen demnach „aufgeklärte“ Katholiken, die sich in manchen Fragen des Glaubens ein von Rom abweichendes Urteil gebildet haben; der linke Flügel umfasst die Katholiken, die sich kämpferisch für eine Reform der Kirche nach eigenen Maßstäben einsetzen. So wird natürlich klar, warum ein Pfr. Gerhard Wagner „polarisiert“: Er gehört nach obigem Maßstab schließlich zum rechten Flügel, was die „Mitte“ und den linken Flügel zum Widerstand reizen musste. Bei all diesem aus dem Politischen entlehnten Schubladendenken bleibt allerdings ein entscheidender Punkt verdeckt: In Wirklichkeit geht es um Glauben und Unglauben! Die Wahrheit des Glaubens ist nie links oder rechts, konservativ oder progressiv! Ist es möglich unter der Auferstehung Jesu Christi etwas anderes zu verstehen, als das, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist, dass er lebt? Wer hier etwas anderes glaubt, ist in diesem Fall eben ungläubig!

Wenn die Wortbedeutung von „katholisch“ „allumfassend“ heißt, dann ist der Gläubige im eigentlichen Sinne katholisch, der einschlussweise den ganzen (!) Glauben der Kirche annimmt und lebt. Wer einzelne Glaubensaussagen leugnet oder umdeutet, kann nicht mit gleichem Recht die Bezeichnung „katholisch“ für sich reklamieren! Zum Katholisch-Sein gehört ebenfalls die entspechende Lebenspraxis, die aus der Lehre der Kirche folgt. Aus ihrem christlichen Menschenbild ergeben sich Konsequenzen, wie z.B. im Bereich der Sexualität, die oft gerade nicht gesellschaftlich anerkannt sind. Wenn wir diese Betrachtungsweise auf die kirchlichen Verhältnisse in Österreich anwenden, dann haben nicht-mehr-katholische Kräfte einen wahrhaft katholischen Priester weggemobbt. Dieses nicht mehr in voller Einheit mit Rom stehende Milieu hat Pfr. Gerhard Wagner als eigentliche Ursache des kirchlichen Unfriedens sichtbar gemacht. Eine Heilung dieses Zustandes wird nur mit der Gnade Gottes und mit einer Wiederbelebung dessen, was katholisch heißt, möglich sein.


Wer ist liberal?

"Teilweise ist sogar die Grenze der Ehrlichkeit überschritten worden. Wenn ich mir beispielsweise die kategorische Einschärfung der Religionsfreiheit in den vergangenen Wochen vor Augen halte und mich zugleich daran erinnere, mit welcher Vehemenz Hans Küng zusammen mit anderen so genannt liberalen Katholiken vor wenigen Jahren für die Aufrechterhaltung des Bistumsartikels, des letzten aus dem Kulturkampf stammenden konfessionellen Ausnahmeartikels, in der Schweizerischen Bundesverfassung gekämpft hat, kann ich solches Verhalten nur als Rückfall in das 19. Jahrhundert verstehen. Glücklicherweise hat das Schweizer Volk in der Abstimmung ein sensibleres Verständnis von Religionsfreiheit an den Tag gelegt als der Weltethiker Küng."

Bischof Kurt Koch von Basel in seiner Stellungnahme zum Streit um das Konzil, in der er u.a. den Anspruch der Konzilstreue seitens der Kritiker des päpstlichen Entgegenkommens gegenüber der Piusbruderschaft kritisch unter die Lupe nimmt.


Die Sonne des leuchtenden Tages

Von P. Bernward Deneke FSSP

„Na, was war denn das Schönste am heutigen Fest?“ So fragte eine ältere Dame am Abend des Erstkommuniontages ihre Großnichte. Die Kleine war um eine Antwort nicht verlegen: „Dass das Elefantenbaby seine Mama wiedergefunden hat.“ Man stelle sich das Erstaunen der gläubigen Frau vor: Da hatte das Kind am selben Tag zum ersten Mal Jesus Christus, den Sohn Gottes, im Sakrament empfangen und wusste doch keinen stärkeren Eindruck zu schildern als den der Tiergeschichte, die der Pfarrer in der Predigt vorgetragen hatte! Vielleicht war das Happy End ja wirklich rührend. Vielleicht auch wollte das Mädchen über seine tieferen Gemütsbewegungen nicht sprechen. Oder hat es einfach auf eine dumme Frage eine dumme Antwort gegeben?

Jedenfalls ist der Vorfall bezeichnend und keineswegs ein Einzelfall. Noch in den letzten Tagen wurden mir mehrfach Klagelieder vorgetragen, welche die fragwürdige Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion und die oft eigenwilligen Inszenierungen der Feier zum Inhalt hatten. Nur einige Stichworte seien genannt: kein Unterricht mehr durch den Priester; stattdessen Tischmütter, die man sonntags selten bis nie in der Kirche sieht; Schwerpunktverlagerung auf Nebenthemen (z.B. Brotbacken); keine klaren Worte über das Messopfer und die wirkliche Gegenwart Jesu im Sakrament; kaum Förderung einer kindlichen Frömmigkeit im Blick auf den Tabernakel; Verstoß gegen die kirchliche Vorschrift, dass die Erstbeichte der Erstkommunion vorausgehen muss; horizontale und seichte, „aufgegagte“ Gestaltung des Festgottesdienstes; Ersticken der Ehrfurcht und Zerstörung der Innerlichkeit durch die Zur-Schau-Stellung der Kinder während der Messe (Umstehen des Altares zur Wandlung und Kommunion). Und so weiter und so fort.

Wir wollen nicht ungerecht sein und dürfen daher nicht verschweigen, dass es viele Geistliche gibt, die den Erstkommuniontag mit Elan und Esprit vorbereiten und ihn dann zur würdigen, freudigen und innigen Feier werden lassen. Für die Kommunionkinder wie für die Eltern und Verwandten, ja für alle Anwesenden ist das eine unschätzbare Gnade. Bedauerlich aber, dass dieser Richtwert weithin zur Ausnahme geworden ist. Das geht nicht zuletzt auch aus dem Zeugnis mancher Gläubigen hervor, die mit einem gewissen Stolz betonen: „Unser Pfarrer macht es noch recht. So richtig katholisch!“ Offensichtlich ist das eben keine Selbstverständlichkeit mehr, sonst müsste man es nicht hervorheben. Es erscheint vielmehr als Relikt aus vergangenen Zeiten, das es hier und da noch gibt.

Die Angelegenheit hat herausragende Wichtigkeit. Wie aufnahmebereit die kindliche Seele für die Wahrheiten des Glaubens und wie formbar sie in Richtung Ehrfurcht und Frömmigkeit ist, das kann jeder bestätigen, der schon einmal Erstkommunionunterricht erteilt und dabei keinen Bogen um anspruchsvolle, angeblich „nicht kindgemäße“ Inhalte gemacht hat. In diesem Alter fesselt der katholische Katechismus, liebe- und kraftvoll vorgetragen, den Geist und das Herz mehr, als es sozialpädagogische Gruppenspielchen und substanzlose Animationen vermögen. Ob bewusst oder unbewusst, es denkt jedenfalls zu niedrig vom Kind, wer es mit Gehaltlosem abspeist und ihm das Nahrhafte vorenthält. Eine pastorale Verantwortungslosigkeit ohnegleichen!

Früher wurde der Tag der Erstkommunion gerne als „der leuchtende Tag“ oder gar als „der schönste Tag im Leben“ bezeichnet. Dem gläubigen Katholiken ist klar, woher er letztlich seinen Glanz und seine Zierde bezieht: von der Vereinigung des Kindes mit Jesus Christus im Sakrament des Altares. Der eucharistische Herr ist das Licht dieses Tages, die Sonne, die ihn überstrahlt. Wo man Ihn aus dem Zentrum drängt, auf die Seite schiebt oder Seine wirkliche Gegenwart im Sakrament ganz verschweigt, wird die göttliche Sonne gleichsam hinter dicken Wolken verborgen. Dann mag man sich allerlei einfallen lassen, den Erstkommuniontag trotzdem zum besonderen Ereignis werden zu lassen, mag Elefantenbabys mit ihren Mamas zusammenführen und ähnliches mehr: Niemals jedoch werden solche künstlichen Lämpchen das Licht der Sonne ersetzen können, denn menschliches Getue ist wie ein Nichts vor dem herrlichen Wirken des Gottessohnes.


Lebenslanger Kampf gegen die Anbetung?

“Mir wurde von einem französischen Priesterseminar berichtet, in dem die Anbetung des Allerheiligsten Sakrament abgeschafft wurde, weil man das für abwegig fromm hielt. Dort mussten die neuen Seminaristen fast ebenso lange kämpfen, damit die Anbetungsstunden wieder eingeführt werden konnten, während einige Ausbilder sich dafür entschieden haben, zurückzutreten, weil sie diese Praxis wie eine ‘Rückkehr in die Vergangenheit’ empfunden hatten. Den Anforderungen der meisten jungen Leute nachzugeben, verstärkte bei ihnen den Eindruck, dass zu verleugnen, wofür sie ein Leben lang gekämpft hatten.”

Diese Aussage einer erschütternden Analyse der vorherrschenden Theologenrichtung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die das Konzil als einen Bruch interpretierte, stammt von keinem Geringerem als dem Sekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Erzbischof Jean-Louis Bruguès. “Priesterausbildung am Scheideweg”, so titelte er seinen Vortrag, den am 16. März 2009 in Rom vor den Rektoren der päpstlichen Seminaren gehalten hatte und der im Osservatore Romano vom 3. Juni veröffentlicht wurde. Während die Vertreter der Anpassung an den Zeitgeist und der Aufweichung des Glaubens zur älteren, zahlenmäßig schrumpfenden Priestergeneration gehören, legt die nachdrängende jüngere Generation wieder mehr Wert auf katholische Identität. Deshalb steht ein generationsbedingter Übergang bevor, den Bruguès als einen “Übergang von einer Interpretation des II. Vatikanischen Konzils zu einer anderen, möglicherweise sogar von einem Kirchenbild zu einem anderen” charakterisiert, was in diesem Zusammenhang nur bedeuten kann: zu einer Rückgewinnung einer unverkürzt katholischen Konzilsinterpretation und Ekklesiologie.

Erinnert sei hier an eine Aussage des Mainzer Theologen Georg May über jene Theologengeneration: “Ein ehrlicher Mann wie der Herausgeber des SPIEGEL, Rudolf Augstein, hat den Satz geschrieben: ‘Die Theologen wissen sehr genau, daß das Christentum ein unhaltbarer Irrtum ist, aber sie geben es nicht zu.’ Augstein hat ganz recht. Von den Theologen, die ich hier im Auge habe, gilt das tatsächlich. Ich kann ihm nur zustimmen, wenn er aus der Lektüre der modernistischen Bücher diesen Schluß zieht.” (Quelle)


Ein Theologe outet sich

Im Schweizerischen Tagesanzeiger ist im Oktober 2009 ein primitives Pamphlet gegen die katholische Kirche erschienen, in welchem z.B. das Kirchenrecht allen Ernstes mit der Scharia verglichen wird und über die Kirchenverfassung hergezogen wird. Autor ist der “katholische” Theologe Fritz P. Schaller aus Küsnacht bei Zürich. Dabei sollte klar sein: Wer den Jurisdiktionsprimat des Papstes leugnet, entfernt sich weiter von der Kirche als etwa die Piusbruderschaft.


Katholikenrechte

Nachdem das Forum Deutscher Katholiken am 12. September 2009 von der Bischofskonferenz die Einsetzung eines Menschenrechtsbeauftragten gefordert hat, der das Vorgehen der Kirche gegen Verletzungen z.B. der Religionsfreiheit oder des Lebensrechts (etwa durch Abtreibungen) koordinieren soll, haben nun die Initiativkreise die Einsetzung eines Katholikenrechtsbeauftragten für jede Diözese vorgeschlagen. Zu seinem Job würde gehören:

“- die Rechte der Katholiken auf eine unverfälschte katholische Lehre in allen Kirchen, Schulen und Universitäten zu wahren,
- dafür zu sorgen, dass alle Katholiken überall in seiner Diözese alle ihnen zustehenden Sakramente empfangen können,
- sicherzustellen, dass überall eine würdige Liturgie nach den Vorschriften der Kirche gefeiert wird.”

Da dies gleichzeitig zu den “vornehmsten Aufgaben” des Bischofs gehöre, könne der jeweilige Diözesanbischof diese Aufgaben in seinem Bistum gleich selber wahrnehmen und damit die Personalkosten für einen zusätzlichen Beauftragten sparen.

Tatsächlich sind die Rechte der Gläubigen im Codex Iuris Canonici klar festgehalten. So heißt es z.B. im Canon 213: “Die Gläubigen haben das Recht, aus den geistlichen Gütern der Kirche, insbesondere dem Wort Gottes und den Sakramenten, Hilfe von den geistlichen Hirten zu empfangen.”

Wie die Hilfe der geistlichen Hirten aussieht, die sie etwa durch ihren Weltbild-Konzern gewähren, haben wir schon mehrmals angesprochen.


Zur Lage der Moraltheologie

Dr. Clemens Breuer, Professor für Moraltheologie, hat in der Tagespost vom 14. September 2009 zum Sammelband Forschung contra Lebensschutz? Der Streit um die Stammzellforschung (hg. von Konrad Hilpert) eine Rezension vorgelegt, die kein günstiges Licht auf den Zustand der Moraltheologie in Deutschland wirft. In seinem Resümee heißt es, “dass sich die Beiträge der katholischen Moraltheologen (bis auf den Arikel von Schockenhoff) in einer mehr oder weniger deutlischen Abgrenzung zu den lehramtlichen Äußerungen bewegen. Es entsteht der Eindruck, dass sich nicht wenige katholische Moraltheologen in Bezug auf den Schutz des menschlichen Lebens an seinen Anfang in das Fahrwasser der Güterabwägung begeben haben und weithin nur geringe semantische Nuancen zu anderen Disziplinen erkennbar sind. Das große Missbrauchspotenzial, das mit den Befruchtungstechniken verbunden ist, scheint den Moraltheologen keiner Erwähnung wert zu sein.”

Zu den Folgen der Unfähigkeit, die Eigenart von Handlungen zu erkennen, deren moralische Qualifikation kein Ergebnis einer Güterabwägung ist, vergleiche die Ausführungen von Robert Spaemann über die Grenzen der Verantwortungsethik.


Glaubensverlust nebensächlich

Benjamin Greschner hat in einem Beitrag auf seiner Nachrichtenseite kathnews.de am Beispiel des Kommunionverständnisses aufgedeckt, wie tief in die deutsche Kirche der Glaubensverlust hineinreicht: Auf derem offiziellen Portal katholisch.de findet man, so berichtet er, im Dossier zum Thema “Erstkommunion” nichts, was über Aussagen hinausgeht wie “In der Erstkommunion erfahren Kinder die einladende Gemeinschaft mit Gott. Sie werden in die Mahlgemeinschaft mit Gott und der Gemeinde aufgenommen.”

Damit zeigt sich, wie repräsentativ die leidvollen Erfahrungen katholischer Eltern sind, deren Kinder nur ungenügend, wenn nicht gar irreführend auf ihre erste hl. Kommunion vorbereitet werden. Prof. Spaemann erwähnt diese Erfahrungen in seinem Video-Interview und macht sie dafür mitverantwortlich, dass junge Familien ihre kirchliche Heimat bei der Petrusbruderschaft suchen, wo sie eine katholische Glaubensverkündigung finden.
Ich selber kenne den Fall einer Kommunionmutter, der deshalb die Kommunionkindergruppe entzogen wurde, weil sie es gewagt hatte, den Kindern das Gegrüßet seist du, Maria beizubringen, und außerdem den Fall eines Religionslehrers, der den Kindern nichts von der Realpräsenz erzählt, um kein magisches Sakramentsverständnis zu fördern.

Doch wir können beruhigt sein: Sowohl die offizielle Website katholisch.de wie auch all die Verantwortlichen für jene desolaten Zustände stehen ganz und gar auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils. Und das ist doch die Hauptsache!


Hengsbachs Heimatrecht in der Kirche

Er ist der Meinung, Jesus habe keine hierarchische Kirche gewollt, das Gottesvolk müsse sich dessen Kirche durch zivilgesellschaftlichen Widerstand erst wieder aneignen. Wer so seinen Abfall vom katholischen Glauben bei einer Veranstaltung der Karl Rahner Akademie am 6. Oktober 2010 in Köln bekundete, war der Jesuit Friedhelm Hengsbach. Stanislaus berichtet darüber ausführlich auf seinem Blog Politisch Unpolitisches. Den Papst betitelte Hengsbach als “Herrn Ratzinger”, unter dem sich sowieso nichts ändere, weshalb eine Laiensynode das richten müsse. Den Einwänden des Kirchenrechtlers Norbert Lüdecke, dass das Zweite Vatikanum in seiner dogmatischen Konstitution Lumen gentium die Stiftung der hierarchischen Kirche durch Jesus lehre, begegnete Hengsbach mit dem Bekenntnis, dass ihm die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes viel mehr als Lumen Gentium bedeute.

Wir erinnern uns an die bischöflichen Drohungen vom letzten Jahr, dass es für solche, die das Zweite Vatikanische Konzil nicht zur Gänze annehmen, kein Heimatrecht in der Kirche gebe. Gilt das auch für Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach?


Irrtümer als Lösung?

Der Fels brachte in seiner Januarausgabe 2011 einen Auszug aus dem “Lebensbericht” Hubert Jedins (1900 - 1980), des hochrenommierten Altmeisters katholischer Kirchengeschichtsschreibung im 20. Jahrhundert. Er schildert darin die Entstehung jener Glaubenskrise, die bis heute andauert. Zu den von ihm diagnostizierten fünf Krisenerscheinungen zählt er außer der Demokratisierung der Kirche, der Entsakralisierung des Priestertums, der Auflösung der Liturgie und dem Ökumenismus als Protestantisierung “die immer weiter um sich greifende Unsicherheit im Glauben, hervorgerufen durch die ungehemmte Verbreitung von theologischen Irrtümern auf Kathedern, in Bücher und Aufsätzen.”

Das unterscheidet sich signifikant von der Diagnose Alois Glücks, des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der im Streitgespräch mit Alexander Kissler das Gegenteil beklagte: “In der Sexualmoral hat in den letzten 30 Jahren keiner mehr etwas publiziert, was nicht dem amtlichen Duktus entsprach.” In Wirklichkeit ist natürlich das Gegenteil der Fall: Lehramtstreue Moraltheologen stellen in Deutschland die Ausnahme dar und haben kaum eine Chance, auf einen Lehrstuhl berufen zu werden. Wer das bis jetzt nicht glauben mochte, wird durch das jüngste Theologen-Memorandum eines Besseren belehrt.

Der springende Punkt aber ist: Jedin sieht in der Verbreitung von theologischen Irrtümern die Ursache der Krise, Glück und seine Theologengenossen dagegen ihre Lösung.


Versiegelung der Lehrstühle

Die Altvorderen der Achtundsechziger haben durch eine einseitige Lehrstuhlvergabe die konsequente Versiegelung der Lehrstühle betrieben. Auch haben sie Jahrzehnte lang unter dem Mantel der Freiheit der Forschung [und unter den Augen der Bischöfe, könnte man hinzufügen] ein mächtiges Kartell zur Demontage der Katholischen errichtet und nehmen nun noch [mit dem Memorandum] einen letzten Anlauf, bevor sie womöglich bei der “Generation Facebook” gar nicht mehr punkten können.

Dr. Guido Rodheudt in seinem Kommentar zum Memorandum Die Macht der Buchhalter, Vatican-Magazin März 2011


Experimentierfeld

“Doch im Seminar [im Mainzer Priesterseminar, in das er 1974 eingetreten war] traf ich auf ein Experimentierfeld der Liturgie, das meine erste Liebe zur Liturgie erschütterte. Dann durfte ich zum sogenannten Freisemester nach Jersusalem. Und hier lernte ich die orientalischen Riten und deren Frömmigkeit kennen und ich wusste auf einmal, was wir im Westen aufgegeben hatten: die Anbetung Gottes in dem sich für uns opfernden Jesus.”

Monsignore Joachim Schroedel, Beauftragter für die deutschsprachigen Katholiken in Kairo, der regelmäßig die hl. Messe in der außerordentlichen Form feiert, in einem Interview mit Michaela Koller für die Tagespost, 19. Mai 2011.


Konkurrenz

Die “Diesseitsfixierung hat einen für die Kirche unschönen Nebeneffekt: Mit der Verschiebung des Erlösungshorizonts, der sich ganz aufs Heute richtet, setzt sie sich der Konkurrenz zu weltlichen Glaubensorganisationen aus, die dem Bedürfnis nach entschiedenem Handeln sehr viel besser nachkommen können. Warum nicht gleich Mitglied bei Greenpeace, Peta oder Amnesty werden?”

Jan Fleischhauer auf Spiegel Online vom 6. Juni 2011


Trübsinnige Zirkel

Ich habe die Weltkirche durch meine Korrespondententätigkeit in Brasilien und in New York und anderen Teilen der Welt kennengelernt, und muss sagen: Das ist etwas spezifisch Deutsches; dass hier dauernd nur gesagt wird, nur eine Revolution kann die Kirche retten - bei Geißler, die Kirchenkrise - bei Küng. Alle leiden wie wahnsinnig unter der Kirche. In Brasilien hat man ganz andere Probleme. In Nigeria muss man froh sein, wenn man als Katholik überlebt. Die Weltkirche hat andere Probleme. Die Deutschen dümpeln in ihrem trübsinnigen Zirkel von missmutigen Denksportlern. Ich finde diese reformkatholischen Stürme im Wasserglas doch relativ lächerlich und ablenkend von unserer eigentlichen Aufgabe, wenn wir in die Kirche gehen.

Spiegel-Autor Matthias Matussek in seinem heutigen Interview mit dem Kölner Domradio über sein Buch Das katholische Abenteuer


Ein Mittel gegen die nachkonziliare Verödung

Fest steht, daß die katholische Kirche seit den nachkonziliaren Unruhen zusehends verödet und trivialisiert und protestantisiert, und auf vulgär-politische Kampagnen reduziert wird, alles mit dem Ziel, die aus den kahlen Kirchenräumen davonlaufende Klientel mit theologischen Billigangeboten und weltanschaulichen Sonderaktionen zurückzuholen.
Vergeblich. Und das ist auch durchaus verständlich. Wer einmal die zum Teil trostlosen Minderheitenprogramme der katholischen Akademien durchforstet - es gibt durchaus auch Lichtblicke - erkennt unschwer, daß hier in erster Linie missgünstige Denksportler doch eher unter sich bleiben wollen. Von Gott zu reden, ist denen einfach zu naiv, zu un-verschämt.
Doch hier ein Vorschlag an den Vatikan, und an die Kirche: Wäre es nicht prima, für eine Weile auf Strategiepapiere zur Ökumene verzichten, und statt dessen, jetzt kommt’s - einfach das Personal austauschen?

Matthias Matussek am 12. Juni 2011 auf der Achse des Guten


Leugnung

Die Verneinung einer “zentralen Glaubenswahrheit der Kirche” wirft Michael Karger in der Tagespost vom 14. Februar 2012 dem Theologen Magnus Striet vor. Demnach leugnete Striet “die Heilsbedeutung des Kreuzestodes Jesu als stellvertretenden Sühnetod”. Außerdem stellte er “das Vorhandensein einer natürlichen Gotteserkenntnis in Frage und empfahl, man müsse hier ‘über Paulus hinaus denken’”. Dementsprechend fragwürdig waren auch seine Ausführungen zur Erbsündenlehre und zur Heilsbedeutung der Taufe.
Magnus Striet trug seine Thesen am 8. Februar während einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung mit Jan-Heiner Tück in der Katholischen Akademie München unter deren Direktor Florian Schuller vor. Er ist Professor für Fundamentaltheologie in Freiburg im Breisgau. Dr. Robert Konrad stellt in einem Leserbrief (Tagespost vom 18. Februar) angesichts der Tatsache, dass solche Thesen an die zukünftige Priestergeneration weitergegeben werden dürfen, die Frage, wie “die Kirche aus der gegenwärtigen Glaubenskrise herauskommen” soll. Und weiter: “Wo bleibt das Eingreifen des Bischofs?”


Schüllers Pfarrerinitiative

April 2012: Der Frankfurter Karikutarist Michael Schmitt hat uns folgende Karikatur zu Helmut Schüllers Pfarrerinitiative mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam zur Verfügung gestellt. Sie darf weiter verwendet und verbreitet werden.


YOUCAT

Dr. François Reckinger hat für Kirche heute, Mai 2012, ein Plädoyer für den Jugendkatechismus YOUCAT verfasst und hält diesen für eine gelungene Sache. Um so ernster sollte seine Kritik genommen werden, da sie nicht der Missgunst, sondern aufrichtiger Besorgnis entspringt. Es sind nur wenige Text des YOUCATS, die er kritisiert.
Die wichtigste Kritik bezieht sich auf diese Passage: “Ob wirklich jemand im Moment des Todes der absoluten Liebe ins Gesicht sehen und immer noch nein sagen kann, wissen wir nicht.” Dazu Reckinger: “Damit wird der vor allem von Hans Urs von Balthasar propagierten ‘Hoffnung auf das Heil aller’ Ausdruck gegeben.” Jene Passage findet sich nicht im KKK, als dessen Jugendausgabe der YOUCAT ausgegeben worden ist.


Gebotene Blasphemien?

Blasphemien sind geboten, um unsere Fixierungen (unsere Erfahrungen) auf und von Gott zu lösen. Die Evangelische Kirche begrüßt daher freudig alle Formen von Blasphemie, insbesondere diejenigen, die ihr selber wehtun!

Prof. Dr. Harald Shroeter-Wittke auf dem 34. Evangelischen Kirchentag, zitiert in einem Bericht von Karsten Huhn über denselben: Jeder findet die Bibel anders, in IdeaSpektrum vom 8. Mai 2013, S. 21. Harald Schroeter-Wittke ist Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Evangelischen Religionslehre in Paderborn. Theologisch leitet der Herr Professor seine positive Blasphemiewertung aus der Tatsache ab, dass Jesus wegen Blasphemie verurteilt worden sei. Seitdem sei Blasphemie aus protestantischer Sicht völlig gegenstandslos. Gott könne nicht beleidigt werden. Mein Kommentar: Da bleibt für die Ökumene noch einiges zu tun. Bekommtdie katholische Kirche mal wieder den Schwarzen Peter, wenn sie da nicht mitzieht?


Ignorierte päpstliche Diagnose

Wir müssen darüber nachdenken, was in unserer Erziehung, in unserer Lehre der letzten Jahrzehnte unzureichend war: in den 50er, 60er und 70er Jahren gab es das Konzept des ethischen Proportionalismus: es bestand in der Ansicht, daß nichts in sich schlecht ist, sondern nur in seiner Proportion zu anderem; mit dem Proportionalismus war die Möglichkeit gegeben, in bezug auf einige Dinge – eines davon kann auch die Pädophilie sein – zu denken, daß sie in bestimmten Proportionen gut sein können. Nun, da muß ich ganz klar sein: das war niemals eine katholische Lehre. Es gibt Dinge, die immer schlecht sind, und Pädophilie ist immer schlecht.

Das sagte Papst Benedikt XVI. am 12. Juli 2008 in einem Interview während seines Flugs nach Australien zum Weltjugendtag. Er ging dabei auf die Ursachen ein, die das ganze Ausmaß des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche möglich gemacht haben, und machte dabei die erwähnte Lehre des ethischen Proportionalismus namhaft, die auch von vielen deutschen Moraltheologen vertreten wird. Natürlich wurden diese wahren Ursachen hier in Deutschland weder von den Bischöfen noch von den Medien aufgegriffen. Statt auf die Worte des Papstes zu hören, instrumentalisierten Theologen wie Klaus Mertes die Missbrauchsfälle, um gegen den Zölibat und das traditionelle Priesterbild, wie es etwa vom hl. Pfarrer von Ars gelehrt und gelebt wurde, zu agieren.
Ausführlicher bin ich auf dieses Thema in einem Artikel eingegangen, der im Vatican-Magazin erschienen ist.


Finsternis statt Frühling

Doris Nufer und Elisabeth Reinle berichten in einem Brief, der im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt veröffentlicht wurde (Ausgabe vom 6. Oktober 2013, S. 24), von einer Begebenheit aus den letzten Lebenstagen des hl. Pater Pio. Dieser war eines Abends im Gespräch mit einer Gruppe von Freunden und geistlichen Kindern, als die Rede auf die Früchte kam, die man sich vom Zweiten Vatikanischen Konzil erhoffen dürfe. “Die kleine Gruppe äußerte und prognostizierte für die Zukunft zahlreiche hoffnungsvolle Dinge. Sie wollten aber die Bestätigung von Pater Pio und schauten auf ihm. Pater Pio sagte nur sehr, sehr ernst: “Es erwarten uns nur Finsternisse, alles Finsternisse ...”


Weitere Beiträge zur Kirchenkrise:

Der Verrat am Konzil

Die vergeblichen Bitten des Papstes

Darf ein Christ an Gott glauben?

Die Religion des Walter Simonis

Ein neuer Klerikalismus?
Bernhard Müller über die Medienpolitik der deutschen Bischöfe

Kamenicky: Mea res agitur

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