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Das Gnadengeschenk dieser Zeit

Von P. Engelbert Recktenwald

Vom hl. Johannes vom Kreuz stammt der Ausspruch, dass ein einziger Akt reiner Gottesliebe der Seele wertvoller und der Kirche nützlicher sei als alle anderen Werke zusammen. Dieser Ausspruch könnte auf den ersten Blick entmutigend wirken auf jene, die sich in der heutigen Zeit durch vielfältige Initiativen und Aktivitäten abmühen, um einigermaßen der so großen Not in der Kirche zu begegnen. Er könnte als ein Aufruf zum Rückzug in die Innerlichkeit missverstanden werden. Doch liegt es dem hl. Johannes vom Kreuz sicherlich fern, das äußere Engagement zu desavouieren und seinen Wert zu verkennen. Der springende Punkt, um den es ihm geht, ist ein anderer. Es geht ihm um die rechte Ordnung unseres Handelns, und die ist nur in dem Maße gegeben, wie die Liebe zu Gott einziger Beweggrund unseres Handelns ist. Es geht nicht um Rückzug, sondern um Läuterung.

Viele Maßnahmen und Initiativen in der Kirche entspringen zunächst einmal Beweggründen, die sich bei näherem Hinsehen als ziemlich ichbezogen herausstellen: der Enttäuschung über missglückte Reformen, dem Ärger über den erzwungenen Bruch mit manch liebgewonnener Tradition. Das sind alles Beweggründe von sehr gemischtem Charakter: In die objektiv berechtigte Empörung schleicht sich schnell eine subjektive Betroffenheit ein, die allzumenschlich ist und die Lauterkeit der Gesinnung trübt.

Der Ausspruch des Heiligen darf uns aber auch nicht dazu verführen, die Rangfolge der Beweggründe umzukehren und die Gottesliebe deshalb anzustreben, weil wir der Kirche helfen wollen. Wir sollen nicht Gott lieben, um der Kirche zu helfen, sondern der Kirche helfen, damit Gott mehr geliebt werde. Dieser Beweggrund kann freilich nicht durch die Beobachtung dessen, was in der Kirche alles falsch läuft, in uns geweckt werden, sondern nur durch die Entdeckung der Liebenswürdigkeit Gottes. Diese Entdeckung ist nur einem reichen innerlichen Leben möglich. Freilich kann die Beobachtung der kirchlichen Not und der Wunsch, ihr zu begegnen, ein Auslöser dazu sein, aber nur in der Rolle eines Beweggrundes, der dazu bestimmt ist, sich selber auszulöschen und der Liebe das Feld zu räumen.

“Der Eigenwille und die Selbstgefälligkeit bei ihren Werken beherrscht sowohl geistliche Seelen wie gewöhnliche Menschen, und zwar in dem Maße, dass man kaum einen findet, der mit Ausschluss jedes eigenen Interesses, des Trostes oder Befriedigung oder eines anderen menschlichen Beweggrundes rein aus Liebe zu Gott sich zum Handeln bestimmen lässt.” Diese Beobachtung des hl. Johannes vom Kreuz drückt weder eine Besonderheit seiner, noch eine solche unserer Zeit aus, sondern eine allezeit allgemein verbreitete Erscheinung. Es erscheint fast unmöglich, “menschliche” Beweggründe auszuschließen, wenn wir nicht wie ein durch das Panzerglas der Gleichgültigkeit abgeschirmter Dickhäuter durch die Not der Zeit hindurchgehen wollen. Dieser Einwand verkennt freilich die Rolle der Liebe in der Seele: Sie tötet unsere Sensibilität für die Not der Zeit nicht ab, sondern transformiert die “menschlichen” Beweggründe. Das Beispiel unseres Erlösers vermag uns den rechten Weg zu weisen: Kein Herz, das jemals in der Brust eines Menschen schlug, war so sensibel für die Not der Zeit und verwundbar durch ihre Übel, und keines hat so konsequent darauf mit Liebe geantwortet wie das des Herrn. Seine Antwort auf das Geheimnis der Bosheit war seine Lebenshingabe am Kreuz. Nur die Torheit der Liebe hat die Weisheit der Welt überwunden. Die Erlösung der Welt und die Überwindung des Teufels war nicht die Frucht eines ausgeklügelten Apostolatsmanagements, sondern des Todes aus Liebe. Der hl. Johannes vom Kreuz, der nicht müde wird, uns immer wieder zu ermuntern, in allem Christus nachzuahmen “mit glühender Sehnsucht und heiliger Begeisterung”, gibt uns deshalb auch den Rat: Es geht also darum, die Not der Kirche “auf uns zu nehmen”, und dies kraft eines Herzens, das allein durch die Liebe stark genug geworden ist, diese Last zu tragen. Weder Gleichgültigkeit noch bitterer Eifer, sondern sich als Tapferkeit erweisende Liebe sind die rechte Antwort. Der Rat des Heiligen lässt uns auch den Frieden erahnen, den eine Seele genießt, die liebt. Eine solche Seele ist die Wohnstätte Gottes geworden. In ihr hat er sein Königreich errichtet. In ihr ist die Schöpfung zu ihrem Ziel gelangt. Alles ist ja erschaffen zu Verherrlichung Gottes, durch nichts aber wird Gott mehr verherrlicht als durch einen Akt reiner Liebe.

Nichts kann uns hindern, jetzt schon den letzten Zweck und den höchsten Sinn unseres Lebens zu verwirklichen, nämlich Gott aus ganzem Herzen zu lieben. Und wenn die Welt noch so sehr kopfsteht und die Kirche von Krisen geschüttelt wird, und wenn wir Verfolgung erdulden und die Feinde des Glaubens noch so sehr Triumphe feiern: nichts von all dem kann uns hindern, sofort jetzt schon das Wertvollste und Nützlichste zu tun, was uns überhaupt möglich ist. Alle Pläne, die wir haben, können vereitelt werden, alle Projekte, die wir verfolgen, können scheitern, aber das, worum willen wir dies tun oder jedenfalls tun sollten, jetzt schon zu verwirklichen in dem Stück der ganzen Schöpfung, zu dem kein anderer Zutritt hat, nämlich in unserem Herzen, kann uns keine Macht der Welt hindern. Und dieses Stück der ganzen Schöpfung ist das einzige, wofür wir eine unverlierbare Verantwortung tragen und welches der Schöpfer beim Gericht unbedingt von uns zurückfordern wird. Durch die Liebe übergeben wir es ihm jetzt schon, entreißen es der Feindeshand und feiern den wichtigsten Triumph. Ob andere Triumphe für die Kirche von uns gefordert werden – Kämpfe gewiss, aber Triumphe? ‒, wissen wir nicht, dieser aber wird von uns gefordert, und das nicht in einer ungewissen Zukunft, sondern jetzt. Die Werke, die wir aus Liebe unternehmen, können scheitern, die Liebe selber nicht. “Ein Werk, das voll und ganz und mit reiner Absicht Gott zuliebe geschieht, gestaltet das Herz zu einem Königreich, das ihm vollkommen gehört” (Johannes vom Kreuz).

Nun stellt sich, wenn wir uns an die Eingangsaussage des Heiligen erinnern, der paradoxe Sachverhalt ein, dass trotzdem der Nutzen für die Kirche, gleichsam als Nebeneffekt, bei einem solchen Werk, auch wenn es scheitert, größer ist als bei einem noch so erfolgreichen Apostolat, das nicht aus reiner Liebe geschieht. Das ist das Paradox, welches der hl. Johannes zum Grundgesetz seiner Spiritualität gemacht hat und auf allen Ebenen bis ins Letzte ausreizt: Willst du dahin gelangen, alles zu besitzen, verlange in nichts etwas zu besitzen; willst du dahin gelangen, alles zu sein, verlange in nichts etwas zu sein; willst du die Menschen beherrschen, schäle dich von ihnen und von dir selber los. Das bedeutet also: Erst der Verzicht auf jeden Erfolg verbürgt den Erfolg. Dieses Paradox ist Ausdruck der Eigenart des menschlichen und göttlichen Zusammenwirkens. Erst das Absterben des Eigenwillens zugunsten eines vollständigen Aufgehens in der Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen ermöglicht das ungehinderte Gnadenwirken Gott in der Seele und durch die Seele in die Kirche hinein. Erst in der Selbstverleugnung wird der Seele alles geschenkt, wonach sie dürstet. Diese Selbstverleugnung ist aber nur wieder ein anderer Name für die Liebe.

Die Not der Kirche kann ein Auslöser und Beweggrund sein, sich auf den Weg zur reinen Liebe zu machen und sich zu heiligen. Nicht zuletzt hat uns ja der Erlöser selber gezeigt, dass es möglich ist, sich um des Heiles anderer willen zu heiligen: “Für sie heilige ich mich, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit” (Joh 17,19). Auch hier ist das Ziel der Liebe ja wieder die Liebe; denn wer den Herrn liebt, dürstet auch danach, dass er von möglichst vielen Seelen geliebt wird. Das Schlimmste und Schmerzlichste an der Not der Zeit und an der Krise der Kirche sind nicht die Enttäuschungen, die wir erleben, und das Unrecht, das man uns allenthalben zufügt, sondern die schlichte Tatsache, dass die Liebe zum Herrn in so vielen Herzen erkaltet ist. Wenn uns das mehr schmerzt als alles, was wir selber erdulden müssen, dann dürfen wir darin den göttlichen Ruf erblicken, mit allen Kräften und Mitteln, die uns die Klugheit nahelegt, einzugreifen. Dieses Handeln lässt sich dann durch keine Art des Misserfolgs und des Leidens von der Liebe abbringen, weil es selber nur aus Liebe geschieht. Wer so handelt, freut sich sogar der Leiden, weil er so am besten seine Liebe zu Gott erweisen kann. “Was vermag der, der nicht um Christi willen zu leiden weiß? Je schwerer und drückender die Beschwerden sind, desto glücklicher soll sich jener schätzen, der sie erdulden muss”, meint dazu unser Heiliger.

Das ist die wunderbare Transformation, welche die Liebe bewirkt. Was zuvor Quelle der Unzufriedenheit war, wird jetzt zur Quelle der Freude. Wenn die widrigen Wechselfälle des Lebens eine Seele verwirren, so ist dies nach dem hl. Johannes nur ein Zeichen ihrer Tugendschwäche: “Denn eine unvollkommene Seele empfindet da Leid, wo eine vollkommene sich glücklich fühlt.”

So dürfen wir sicher sein, dass wir die Zeit, in der wir leben, mit all ihren schlimmen Verfallserscheinungen desto mehr als ein Gnadengeschenk des Herrn an uns empfinden werden, je mehr wir uns heiligen. Wie schön ist es, in einer Zeit zu leben, wo wir so reichlich Gelegenheit haben, um unseres Glaubens willen zu dulden und so unsere Liebe zum Herrn unter Beweis zu stellen! Dass der Herr uns als Gläubige in diese Zeit hineingestellt hat, ist ein ganz außerordentlicher Beweis seiner Liebe zu uns. Dieser Liebe erweisen wir uns aber nur dann als “würdig”, wenn wir ihr mit einer rückhaltlosen Gegenliebe antworten. Die Heiligkeit ist von uns heute dringender gefordert als zu besseren Zeiten. “Heiligkeit ist immer von uns gefordert werden. Früher konnte man glauben, dass sie aus weiter Ferne gefordert würde mit einem unbestimmten Fälligkeitstermin, der verjähren kann. Heute wird sie von uns an der Tür eingefordert von einem verstörten und blutüberströmten Boten. Einige Schritte hinter ihm die Panik, die Feuersbrunst, die Plünderung, die Folter, die Verzweiflung, der grauenhafteste Tod...” Hoffen wir, dass diese prophetischen Worte Léon Bloys sich nicht allzu wörtlich erfüllen. Doch wird die Heiligkeit für alle Fälle das Beste sein, mit dem wir uns wappnen können.

Diesen Text kann man auch hören.


Gottes Liebe als Quelle der Moralität

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