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Herz Jesu, König und Zentrum aller Herzen

Biblische Gedanken zur Herz-Jesu-Verehrung

Von P. Franz Prosinger

Die Anrufung der Herz-Jesu-Litanei „Herz Jesu, König und Zentrum aller Herzen“ läßt uns eine Verbindung der Herzen betrachten, die untereinander verbunden sind durch die gemeinsame Beziehung zu einem einzigen Herzen als ihrem König und Zentrum. Zunächst sollte klar sein, daß es im biblischen Denken nicht um bloße Herzlichkeiten oder Sentimentalitäten geht, sondern um das Zentrum personaler Existenz, dort, wo sich das per-sonare eröffnet als dem vernommenen und beantworteten Ruf: „Fürchte dich nimmer, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich mit Namen berufen, du bist mein!“ (Jes 43, 1) – „so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel“ (ebd.). Das Herz des Menschen wird durch diesen Ruf eröffnet als ein per-sonare, ein geöffnetes Ohr für den Klang der Worte „ich“, „du“, „dich“, „mein“, gerufen mit einem eigenen, ganz besonderen Namen. Und dieser Ruf ergeht beständig, Tag für Tag, und weckt zu immer neuem Leben: „Am Morgen weckt ER das Ohr mir, daß ich wie Lehrlinge höre“ (Jes 55, 4). Freilich liegt es an uns, auf den Ruf einzugehen: „Geöffnet hat ER, mein Herr, mir das Ohr. Ich aber, ich habe nicht widerstrebt, ich bin nicht nach hinten gewichen“ (Jes 55, 5). Das per-sonare als durchdringender Ruf ereignet sich nur im Vernommen Werden, nur dann, wenn die Türe des Herzens geöffnet wird (vgl. Offb 3, 20; Hld 5, 2-6). Ansonsten bleibt es beim nicht abgenommenen Anruf bzw. Anklopfen. Erst dann entsteht Sprache, wenn es als Wort im entsprechenden Membran des geöffneten Gehörs vernommen wird. Das Auslösen aus einer stummen Welt, in die Irre geführt von der schlauen Schlange (mit spitzer Zunge, aber ohne Ohren!), geschieht durch das Öffnen des Ohrs in der Hingabe des Leibes als Opfer des Gehorsams (Ps 40, 7f; Heb 5, 8f; 10, 5-10). Dieses Ganz-Ohr-Sein ist das „neue Herz aus Fleisch“ des erlösten Menschen (vgl. Ez 36, 22). So weit zur biblischen Bedeutung des Herzens.

Nun ist die Rede von einem König aller Herzen. Auch hier müssen Sentimentalitäten oder romantische Vorstellungen von Königtum ausgeschlossen werden. In der Welt der Bibel und ihrer Umwelt ist dem König Macht verliehen, um die Rechtlosen zu schützen, die Witwen und Waisen. Dies allein macht seine Macht zu einer vornehmen Macht, die Vertrauen weckt. Viel ist über das Verhältnis von Gnade und Macht nachgedacht worden, vor allem von Reinhold Schneider – hier wollen wir uns darauf konzentrieren, den komplementären Aspekt zu betrachten: der König ist zugleich das Zentrum der Herzen. Das heißt, daß zur hierarchischen Struktur der Herrschaft von außen bzw. von oben eine innere Beziehung hinzukommt. Die Kon-kordanz, die ent-sprechende Übereinstimmung der Herzen (con-cordare), rührt aus der inneren Befähigung und innigen Sehnsucht des Menschen, den Ruf des göttlichen Herzens zu vernehmen. Der König hat die Macht, zu koordinieren, als der machtvolle Schöpfer und Erhalter – aber er ist zugleich auch das innere Zentrum, der Deus interior intimo meo, der Gott, der mir innerlicher ist, als ich mir selbst bin, und von innen heraus in mich hineinsprechen und mich in sich hineinziehen kann. Während nach Jer 31, 32 Gott im Alten Bund die Menschen nur durch ein äußeres, machtvolles Eingreifen aus der Sklaverei Ägyptens befreit hat, und sie Ihm doch widerstrebten, besteht der Neue Bund in einer inneren Übereinstimmung des menschlichen Herzens mit der göttlichen Weisung, so daß Er wirklich der Gott seines Volkes und sein Volk das Volk Gottes ist (ebd. Vers 33). Im Vers 34 wird betont, daß diese Gemeinschaft der Menschen untereinander als Gottesvolk dadurch entsteht, daß jeder Einzelne von innerer und eigener Gotteskenntnis erfüllt ist. Eröffnet wird dieses 31. Kapitel bei Jeremias, das sogenannte Trostbüchlein für Ephraim, mit der gnadenvollen Vorgabe: „Mit ewiger Liebe habe ich dich (schon immer) geliebt und dich an mich gezogen in Barmherzigkeit“ (31, 3). Von diesem Ziehen der Gnade ist nur noch in Joh 6, 44 und 12, 32 die Rede, so daß auch das Ziehen des Netzes mit den 153 Fischen an das Land, in dem der auferstandene Herr auf uns wartet, ein Sinnbild dieser Erlösung sein wird (Joh 21, 11). Von dieser Vernetzung spricht der Herr in Mt 18, 19: „Wenn zwei von euch auf Erden übereinstimmen in irgendeiner Sache und darum bitten, so wird sie ihnen von meinem Vater, der im Himmel ist, zuteil“ (griechisch: symphônêsousin, wovon „Symphonie“ abgeleitet ist).

Um die „Vernetzung“ der Herzen in den einen König und Zentrum aller Herzen besser zu verstehen, sei ein Kontrast angeführt: das world-wide-web, die Vernetzung digitaler Daten, welche über verschiedene Zentren oder Server abrufbar sind. Es soll hier durchaus keine Verteufelung vorgenommen werden, obwohl es nachdenklich stimmt, daß die Abkürzung „www“ im Hebräischen die Zahl „666“ widergibt, und das, was nach 1 Joh 2, 16 die Welt erfüllt, die nicht vom Vater stammt, nämlich Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens, hier besonders dominiert, neben dem Mammon mit Milliardengeschäften mit Waffen, Drogen und Pornographie – aber immerhin zeigt die vom geneigten Leser angeklickte Netzseite, daß sich auch gute Daten abrufen lassen. Allerdings bleibt noch der grundlegende Unterschied zur Vernetzung der Herzen in dem einen König und Zentrum aller Herzen, daß die abgerufenen digitalisierten Daten übersetzt und vernommen werden müssen als personale Anrufe und Aufrufe an das eigene Herz in seiner Verantwortung und inneren Bereitschaft, einzugehen in jene Hingabe, die aus der Welt der Zerstreuung in die Konzentration der Wahrheit führt. Dem Netz digitalisierter Daten fehlt nicht nur die äußere, königliche Ordnung, sondern vor allem ein inneres Zentrum. Gefahr droht schon allein durch die Vielfalt, die Flut der Bilder, die Zerstreuung der notwendigen Konzentration.

Dazu zwei Zitate: „Unter Stalins Herrschaft wurde die Sprache zu einem Brei unverständlicher Worte und einem Haufen Lügen - eine stinkende Kloake, die sich dahinwälzte...” (Solschenizyn).

Auf die Frage, was er zuerst tun würde, wenn ihm die Verwaltung eines Landes übertragen würde, antwortete Konfuzius: ”Ich würde den Sprachgebrauch verbessern”. Zur Begründung sagte er: „Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das, was gesagt ist, nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt ist, nicht das Gemeinte ist, dann gedeihen die Werke nicht, so verderben die Sitten und die Künste. Verderben die Sitten und die Künste, so trifft die Justiz nicht das Rechte. Trifft die Justiz nicht das Rechte, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Daher achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem”.

Vor 50 Jahren, als es noch keine Fernseher in den Hauhalten gab, waren wir fasziniert von der Wochenschau zu Beginn der Kinofilme, einem Überblick von wenigen Minuten über die Ereignisse in der Welt. Dagegen warnte schon damals Romano Guardini: „Was haben wir da schon gesehen? Nichts! Im Gegenteil: wir verlernen zu sehen“. Verweilendes Schauen sucht der Mensch der Bibel: „Entschleiere meine Augen, und ich werde schauen die Wunder Deiner Weisung“ (Ps 119, 18) – verbunden mit dem schon nach Jes 50, 5 besprochenen geöffneten Ohr. Erst so eröffnet sich eine sprechende Welt, zugleich mit der gesprochenen Welt, der Welt der Sprache. Hanns-Josef Ortheil schildert in seinen Roman „Die Erfindung des Lebens“ eindrucksvoll, wie Johannes aus seinem Stummsein hineingeführt wurde in die Entdeckung der konkreten Welt in der Aussprache ihrer Worte, teilnehmend an der Wahrnehmung und Mitteilung des Vaters. Im Mitsprechen, also im personalen Austausch treten wir ein in die sich aussprechende Wirklichkeit. Cor ad cor loquitur, das Herz spricht zum Herzen. Dies bleibt aber vorläufig und kann nicht endgültig gelingen, wenn es nicht eingebunden ist in die gemeinsame Beziehung zu dem gemeinsamen König und Zentrum aller Herzen. Die vollkommene Korrespondenz und Concordanz ist verwirklicht in den geeinten Herzen Jesu und Mariens.

Die Welt neu zu entdecken ist eine vordringliche Aufgabe unserer außer Rand und Band geratenen Welt. „Kauft die Zeit frei, denn die Tage sind böse“ (Eph 5, 16); „wandelt in Weisheit gegenüber den Außenstehenden, indem ihr die Zeit freikauft“ (Kol 4, 5). Dieses Auslösen geschieht durch den Lösepreis unserer Erlösung, das aus dem geöffneten Herzen Jesu strömende Blut, Zeichen der Hingabe des Leibes als Opfer des Gehorsams, als das Ganz-Ohr-Sein dem Willen des Vaters. Wenn wir nicht untergehen wollen im Chaos der Zerstreuung, müssen wir Zuflucht nehmen im König und Zentrum aller Herzen.

Zuletzt noch eine Frage: Ist das heiligste Herz Jesu wirklich König und Zentrum aller Herzen? Letztlich kann und will der Herr freilich nur in den Herzen wohnen und herrschen, die sich Ihm öffnen. Vorläufig, aber doch auch wirklich und wirksam ist Er aber doch bereits in allen Herzen der Menschen, da sie von Ihm gerufen sind und da diesem Ruf auch eine innere Befähigung und eine innige Sehnsucht entspricht, auf diesen Ruf einzugehen. Da wir in das forum internum keinen Einblick haben und zusammen mit den Pharisäern in den Evangelien eindrücklich gewarnt sind, über Randexistenzen oder „öffentliche Sünder“ zu urteilen, sollen wir in jedem Menschen das Kind des himmlischen Vaters und den Freund des heiligsten Herzens sehen, welcher er entweder bereits ist oder jederzeit von einem Augenblick zum anderen werden kann.


Prosinger: Gottes Liebe im Werk der Erlösung

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