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Das Abhängen der Kreuze in den Herzen

Von P. Engelbert Recktenwald

Am 16. Mai 1995 verkündete das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seine Entscheidung, das Anbringen eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule verstoße gegen die Religionsfreiheit. Diesem Ereignis widmete die italienische Zweimonatszeitschrift La Nuova Europa (Ausgabe vom März/April 1996) unter ihrem Direktor Romano Scalfi mehrere Beiträge, zu denen auch der meine unter dem Titel Non è solo una questione di valori umani gehörte (S. 30 - 32). Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich ihn hier in deutscher Sprache.

Das Kreuz ist in erster Linie nicht ein Symbol für irgendwelche menschlichen Werte, sondern für ein Ereignis. Es steht für die Heilstat Gottes, der als Menschgewordener für uns am Kreuz gestorben ist. Es erinnert an den Opfer- und Sühnetod Jesu Christi, von dem das ewige Heil jedes Menschen abhängt. Der Glaube an diese Erlösungstat macht die Mitte der christlichen Religion aus. Das Kreuz, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit (1 Kor 1,23), steht für das spezifisch Christliche.

Das Bundesverfassungsgericht begründete sein Urteil gegen das Kreuz in den Schulen mit der Pflicht des Staates zur religiösen Neutralität. Diese Neutralität impliziert die Forderung nach grundsätzlicher Gleichbehandlung aller Religionen und Konfessionen. Wenn die Kirche die Neutralität des deutschen Staates anerkennt - wie sie es tatsächlich tut -, dann gerät sie in ihrer Kritik am Gerichtsurteil in eine gewisse Argumentationsnot. Es bleiben zwei, miteinander kombinierbare Argumentationsstrategien offen. Erstens: Gegenüber einem abstrakten Neutralitätsideal wird an die historischen und d.h. christlichen Wurzeln unserer Kultur erinnert. Zweitens: Das Kreuz wird zu einem Symbol gerade jener Werte erklärt, auf deren Anerkennung unser ganzes Gemeinwesen aufbaut: Respekt vor der Würde jedes Menschen, Toleranz und Gewaltlosigkeit, Solidarität.

In beiden Fällen wird dem Gewissensgegner des Christentums die Erwiderung leicht gemacht: Die Entchristlichung der Gesellschaft sei mit solchem Tempo vorangeschritten, daß eine Abkoppelung von den christlichen Wurzeln überfällig geworden sei. Die Kirche mag diese Entwicklung bedauern, der Staat aber als neutraler hat sich einer Wertung dieser Entwicklung zu enthalten und sie als Faktum hinzunehmen. Wenn die Kirche die Neutralität des Staates anerkennt, kann sie von ihm nicht verlangen, Partei zu ergreifen und diese Entwicklung durch staatliche Maßnahmen künstlich aufzuhalten. Bayern mag zwar dieser Entwicklung hinterherhinken, aber auf die Dauer ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch in diesem Bundesland die üblichen Verhältnisse herrschen. Was die Entkleidung des Kreuzes von seinem christlichen Spezifikum angeht, so stellt sich dies für den Gegner des Christentums als eine religiöse Vereinnahmung der auch von ihm anerkannten humanen Werte heraus. Selbst wenn die Anerkennung dieser Werte historisch ursprünglich christlich bedingt ist, so hat dem Staat eine Emanzipierung der staatstragenden Werte von ihren historischen Ursprüngen gleichgültig zu sein, solange diese Werte selber nicht in Frage gestellt werden. Eine untrennbare Verknüpfung dieser Werte mit dem spezifisch christlichen Glauben kann von der gegnerischen Seite zurückgewiesen werden als eine religiöse Vereinnahmung, die die Unmöglichkeit zur Einsicht in bindende Werte und zu sozialer Verantwortung außerhalb des christlichen Glaubens unterstelle - und das paradoxerweise zu einer Zeit, wo gerade christliche Moraltheologen ein Proprium christlicher Moral leugnen und nur moralische Begründungen akzeptieren, die argumentieren etsi Deus non daretur.

Für die Kirche scheint deshalb eine Situation eingetreten zu sein, die sie zwingt, wieder auf die ihr eigene Autorität zu rekurrieren. Und das ist nicht mehr und nicht weniger als jene, die ihr Christus übertragen hat. Wenn sie gegenüber dem Staat irgendwelche Ansprüche auf etwas spezifisch Christliches, wie es das Kreuz nun einmal ist, anmelden will, kann sie dies letztlich nur mit demselben Recht, auf das sie sich berufen kann, wenn sie den Einzelnen oder die Gesellschaft missioniert. Jede Herunterspielung des Kreuzes auf etwas, das sowieso alle immer schon anerkannt haben, muß notwendigerweise als fauler Trick angesehen werden, den Kern der Auseinandersetzung zu verschleiern. Der Kern der Auseinandersetzung ist nun einmal der: Welchen Stellenwert hat Christus heute noch im Leben des Einzelnen, der Gesellschaft, des Staates?

Wir machen nun heute die Beobachtung, daß die Kirche nicht nur gegenüber dem Staat darauf verzichtet, die Anerkennung Christi im Namen Christi zu verlangen, sondern zunehmend in ihrem eigenen Inneren eine Aufweichung des Anspruchs und der Autorität Christi toleriert. Während der Papst selber noch mit deutlichen Worten eine Neuevangelisierung fordert, macht sich gerade in der Kirche Deutschlands und anderer europäischer Länder eine Mentalität breit, die sich dem modernen Menschen anbiedern und ihn durch ein Image, welches das spezifisch Christliche allzuoft verschämt versteckt, anlocken will. Das geht dann soweit, daß Priester und Religionslehrer, die noch unangenehme Wahrheiten wie die von den Letzten Dingen oder die katholische Morallehre vortragen, gemaßregelt oder suspendiert werden, weil sie Anstoß erregen, während Irrlehrer, die die Mitte des christlichen Glaubens leugnen, aber nach außen ein gewinnendes und menschliches Gehaben zur Schau tragen, ungehindert im Namen der Kirche den Glauben in den Herzen vieler zerstören können. So hat kürzlich beispielsweise die katholische Theologin Regula Strobel aus Freiburg in der Schweiz für eine Abkehr von der christlichen Kreuzestheologie plädiert. Sie wandte sich gegen die Rede vom Sühnetod Jesu und gegen eine religiöse Sinngebung des Leidens. Ein Christentum, das Opferbereitschaft zum Beweis wahrer Liebe erkläre, trage zur Unterdrückung der Frauen bei. Das bedeutet mit anderen Worten: Während sich gegen den richterlichen Spruch, der das Kruzifix an den Wänden betrifft, heftiger Protest erhebt, spielt sich seit Jahrzehnten ein viel schlimmerer Vorgang ab, der die Verantwortlichen scheinbar kalt läßt: Das Abhängen der Kreuze in den Herzen. Der Glaube an das Kreuz, an die Heilsbedeutung des Kreuzestodes unseres Herrn, an sein Opfer und an seinen Sühnetod wird von katholischen Theologen in den Herzen ihrer Zuhörer, zukünftiger Priester und Religionslehrer, zerstört. Er wird verkannt, mißdeutet, verdreht, in einzelnen Fällen sogar lächerlich gemacht. Strobel ist leider kein Einzelfall. Schon vor elf Jahren hat der renommierte Kirchenrechtler Prof. Dr. Georg May auf die Lehren Hans Kesslers, Anton Vögtles, Josef Blanks und des Religionsbuches "Glaube im Prozeß" hingewiesen und dazu geschrieben: "Wer alle diese Fakten, die sich mühelos vermehren ließen, auf sich wirken läßt, kommt um das Urteil nicht herum: Hier wird die Axt an die Wurzel unseres Glaubens gelegt. Hier steht Letztes auf dem Spiel. Wenn hier nicht Abhilfe geschaffen wird, ist das Ende des kirchlichen Christentums gekommen."

Das Ende des kirchlichen Christentums hängt nicht vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts ab, sondern von der Entscheidung der Bischöfe. Sie sind wie ein Mann aufgestanden, um das Kreuz an den Wänden zu verteidigen. Gott sei es gedankt! Wann werden sie aufstehen, um den Glauben an den Gekreuzigten in den Herzen zu schützen?

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