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Die Titus Oates-Verschwörung

Von Joseph Spillmann

In dieses Jahr fiel der 325. Jahrestag des Märtyrertodes des sel. Oliver Plunket. Er gehört zu den letzten Opfern der blutigen Verfolgung, die in einem Zeitraum von 150 Jahren in immer neuen Wellen über die Katholiken Englands hereinbrach. Erzbischof Plunket, Primas von Irland, wurde am 11. Juli 1681 in Londen wegen Hochverrats gehängt und gevierteilt. Der Prozeß, der später auch von protestantischer Seite als unrechtmäßig zugegeben wurde, stützte sich auf die Verleumdungen des Titus Oates, eines anglikanischen Geistlichen, der zum Schein katholisch geworden war und eine angebliche papistische Verschwörung bezeugte.

Joseph Spillmann hat in einem monumentalen fünfbändigen Werk die Katholikenverfolgung in England beschrieben. Es ist zu einem Standardwerk geworden, das aber schon lange nicht mehr im Buchhandel erhältlich ist. Wir beginnen heute mit der Dokumentation des fünften Bandes "Die Blutzeugen aus den Tagen der Titus Oates-Verschwörung 1678-1681. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte Englands", Freiburg im Breisgau 1905. Das Vorwort und die Anmerkungen, die zumeist aus Referenzen bestehen, lassen wir in der Regel weg.

Der Text wird auf mehrere Webseiten verteilt. Auf dieser Webseite finden Sie die ersten drei Kapitel:
1. Kapitel: Die Lage der Katholiken unter Karl II.
2. Kapitel: Titus Oates und die "Papistenverschwörung"
3. Kapitel: Verhaftungen. Die Panik. Das Parlament zieht den Prozeß vor seine Schranken.
_______________

1. Kapitel: Die Lage der Katholiken unter Karl II.

Als am 19./29. Mai 1660 Karl II. seinen feierlichen Einzug in London hielt, schien für die Katholiken in England endlich eine bessere Zeit zu tagen. Mit Recht glaubten sie allen Grund zu haben, sich ob der Rückkehr ihres legitimen Königs zu freuen. Sein Vater, der unglückliche Karl I., hatte den katholischen Adel zu seinen treuesten Anhängern gezählt, trotz der grausamen Strafgesetze, die auch unter ihm gegen Priester und Laien zur Anwendung kamen. Auf den Schlachtfeldern von Marstonmoor, Newbury und Naseby hatten sie für ihn gegen die Rebellen gekämpft. Unter 500 Edelleuten, die für den König fielen, zählte man 200 katholische, und der Zuzug der Katholiken zu seinen Fahnen war so stark, daß die Puritaner höhnten, er ziehe an der Spitze einer Armee von Papisten gegen sie ins Feld. Karl II. selbst verdankte nach der unglücklichen Schlacht von Worcester (1651) die Rettung seines Lebens braven Katholiken und entkam, in den Mantel des Benediktinerpaters Huddleston gehüllt, den Feinden. Schon damals hatte er seinen Rettern das Versprechen gegeben: "Wenn es Gott gefällt, mir meine Krone zurückzugeben, so sollt ihr und eure Religionsgenossen die gleiche Freiheit haben wie alle meine Untertanen." Dieses Versprechen hatte Karl II. überdies in dem Vertrage von Breda feierlich bestätigt.

Ja es fehlte damals nicht an Stimmen, welche behaupteten, der Großenkel Maria Stuarts und der Sohn einer so frommen Katholikin, wie Henriette Marie von Bourbon, sei in seinem Herzen katholisch, der berühmte Abbé Olier, Pfarrer von Saint Sulpice, habe ihn zur Rückkehr in den Schoß der Kirche bewogen. In der Tat scheint dieser Schritt wirklich stattgefunden zu haben, aber nicht in Paris, sondern in Köln. Im Jahre 1654 wollte der Prinz durch Vermittlung des Jesuitengenerals P. Goswin Nickel Innozenz X. dazu bewegen, eine Landung der katholischen Irländer in England zu unterstützen, durch deren Hilfe er den Thron wieder zu erobern hoffte. P. Talbot S.J. schrieb im Auftrag Karls II. den 17.November 1654 von Köln aus an seinen Ordensoberen u.a., derselbe möge dem Papste eröffnen, falls Innozenz X. dem König die für die Überfahrt eines Heeres erforderlichen Summen vorstrecke, verspreche Karl II. seinen katholischen Untertanen nicht bloß in Irland, sondern auch in England und Schottland volle Religionsfreiheit, sobald er den Thron besteige. Mit der Leitung der Verhandlungen möge man den "Nuntius hier in Köln" beauftragen. "Ich selbst darf vom König aussagen," heißt es in dem Briefe P. Talbots, "daß er nicht nur den Katholiken, sondern auch der katholischen Religion sehr zugeneigt ist." Mit großer Klugheit lehnte der Ordensgeneral P. Nickel es ab, diese politischen Verhandlungen zwischen Karl II. und dem Papst zu führen, da dieselben der Gesellschaft Jesu im vereinigten Königreich schwere Gefahren bereiten würden. Der König möge also direkt mit dem Papst verhandeln, antwortete P. Nickel. Die Verhandlungen zerschlugen sich; doch scheint es sicher, daß P. Talbot Karl II. in Köln in die katholische Kirche aufnahm. "Wiederholte Besprechungen über Religionsfragen hatten dieses glückliche Ergebnis zur Folge, welches der König aber vorläufig in Anbetracht der politischen Lage des Reiches zu verheimlichen wünschte," sagt Bellesheim in seiner "Geschichte der katholischen Kirche in Irland" [II, 545], muß aber beifügen: "Auf den Thron erhoben, ermangelte der ebenso ausschweifende wie unbeständige Monarch dieses Schrittes; erst im Angesicht des Todes siegte in ihm die bessere Überzeugung."

Der Übertritt Karls II. wurde damals streng geheim gehalten. Dennoch schlossen die Katholiken aus der großen Freundlichkeit, die der verbannte König bei verschiedenen Anlässen den gleichfalls aus England verbannten Ordensleuten bewies, auf seine Hinneigung zum Glauben seiner katholischen Mutter. Ganz besonderes Wohlwollen scheint der junge Fürst zu dem Orden des hl. Benedikt gehegt zu haben,wohl in dankbarer Erinnerung an P. Huddleston, dem er die Rettung aus der Hand seiner Feinde verdankte. 1650 besuchte er in Brüssel das von Mary Percy, der Tochter des glorreichen Märtyrers Thomas Percy, Earl of Northumberland, gegründete Benediktinerinnenkloster "der glorreichen Aufnahme unserer Frau". In einem herzlichen Schreiben, das Taunton mitteilt, dankte der Fürst für die freundliche Aufnahme und sandte dem Kloster sofort ein Almosen von 400 Pfund Sterling., eine nach damaligem Geldwert sehr große Summe, den armen Nonnen weitere Hilfe und Wohlgewogenheit versprechend. In der Tat unterstützte er sie später wiederholt durch reiche Gaben. Außer einem Geschenk von 800 Pfd. St. warf er dem Kloster eine Jahresrente von 500 Pf. St. aus. Als die Äbtissin ihn 1661 nach seiner Thronbestigung in England besuchte, überwies er ihr ein wahrhaft königliches Almosen von 3000 Pfd. St.

Das alles erklärt die große Freude der englischen Katholiken bei dem feierlichen Einzug des Königs in London.

Das alles erklärt die große Freude der englischen Katholiken bei dem feierlichen Einzug des Königs in London.Endlich schienen für sie die Tage der Verfolgung vorüber und der Sieg errungen! Das klingt aus dem Briefe wieder, den der englische Provinzial der Jesuiten Richard Bradshaigh (Barton) den 12. Mai 1660 an den Ordensgeneral Goswin Nickel nach Rom schrieb:

"Kaum jemals, so weit die Patres denken können, ist ein freudenreicherer Tag für diese Stadt und diese Insel angebrochen, als der verflossene 8. Mai, an welchem Tage Karl Stuart in feierlicher Weise mit größter Feierlichkeit und unter unglaublichem Beifallrufen zum König von England, Schottland, Frankreich und Irland und zum Verteidiger des Glaubens ausgerufen wurde. Nie und zu keiner Zeit bewies man dem König solche Liebe und Verehrung. Und zur Stunde, da der Herold feierlich den Namen Karl II. ausrief, erhob die frohe Menge einen solchen Jubelruf, daß der Schall der Trompeten, Trommeln und glocken und der Donner der Artillerie, die alle zur selben Zeit ertönten, überboten wurde. Ich habe nicht die Muße, eine ausführliche Beschreibung zu geben; aber es wird in englischer Sprache ein Bericht im Druck erscheinen, und ich werde ihn senden. Wir erwarten in kurzer Zeit den König aus Belgien; eine Deputation ist abgereist, um ihn abzuholen."

Am 29. Mai, an seinem dreißigsten Geburtstag, zog Karl II. In London ein und nahm Besitz von dem Thron seines unglücklichen Vateres. Aber der Großenkel Maria Stuarts, der Sohn einer katholischen Mutter, täuschte die gerechten Erwartungen der Katholiken, wie sie einst sein Großvater Jakob I. getäuscht hatte.
Schon nach wenigen Wochen, am 15./25. Juni, schreibt P. Bradshaigh an den P. General: "Den alten ‘Eid der Treue' [der vom Apostolischen Stuhl verurteilt worden war] fängt man neuerdings wieder an abzufordern, und das wird zweifelsohne die bedauerlichsten Wirren und selbst Gefahr für die Katholiken zur Folge haben." Doch fügt er entschuldigend bei: "Niemand wird den König für diesen Schritt verantwortlich machen wollen, sondern derselbe ist allein den Katholikenhassern zuzuschreiben."

Zunächst wurde im Parlament die anglikanische Staatskirche wieder hergestellt. Diese und die verschiedenen andern protestantischen Sekten, die man unter dem Namen "Dissenters" zusammenfaßt, reichten sich dann die Hand zum Kampfe gegen die Katholiken, als der König im Juni 1661 einen schwachen Versuch machte, sein feierliches Versprechen der Religionsfreiheit zu halten. Karl II. wünschte die grausamsten Strafgesetze, so namentlich das Gesetz, welches die Strafe des Hochverrats über alle katholischen Priester in England aussprach, endlich zu beseitigen. Aber sein erster Minister, der Herzog von Clarendon, wußte diese Absicht zu durchkreuzen, indem er wieder einmal die Jesuiten als gefürchteten Popanz ins Feld führte. Nach vielen Zänkereien in und außer der Mauern des Parlaments scheiterte die Vorlage, und das königliche Versprechen von Breda wurde nicht eingelöst. Nichts als Sektenhaß bestimmte den Herzog von Clarendon, wie Jakob II. später in seinen Memoiren ausdrücklich hervorhebt, den König zu seinem Schritt zu verleiten. Und doch bedeutete derselbe "eine Verletzung geschlossener Verträge oder wenigstens einen Bruch seines Ehrenworts, das ihm heilig und unverletzlich hätte sein sollen" [Memoires des Jacques II, vol. II, 29].

Dennoch stieg die Hoffnung der Katholiken, als der König eine katholische Fürstin heiratete. Es war die Infantin von Portugal, Katharina von Braganza, die Tochter Johanns IV. Freie Religionsausübung, Kapellen und katholische Priester in allen ihren Schlössern, die sie bewohnen würde, waren ihr durch den Ehevertrag zugebilligt. Sie brachte ihrem königlichen Gemahl als Morgengabe 300000 Pfd. St. - nach jetzigem [1901] Geldwert wohl 25 Millionen Mark - und überdies die Festung Tanger in Afrika und Bombay in Ostindien, welche den Ausgangspunkt des indisch-britischen Kaiserreiches bildete. Am 13./24. Mai 1662 landete sie in Portsmouth; der König war von der Reinheit und Anmut seiner Braut entzuückt, und es schien einen Augenblick, als ob sie ihn seinen Leidenschaften entreißen würde.
Gleich bei ihrer Ankunft in London hatte Katharina vn Braganza einen Beweis ihrer Standhaftigkeit zu geben; man wollte sie zwingen, sich vom anglikanischen Erzbischof trauen zu lassen. Aber sie blieb fest, zum großen Ärger der Protestanten, zur großen Freude aller Katholiken. P. Georg Gray schrieb über diesen Vorfall unter dem 30. Mai 1662 wie folgt an den General der Gesellschaft Jesu:

"Wahrlich, der katholischen Nachwelt darf das folgende Ereignis, welches der Feder des Chronisten so würdig ist, nimmermehr verschwiegen werden! Bei ihrem Einzug in das Reich hielten die Häupter des englischen Adels und des Privy Councils eine Zusammenkunft und kamen zu dem Beschluß, es sei notwendig, daß die Ehe vor dem protestantischen Bischof nach dem Ritual der anglikanischen Staatskirche geschlossen werde. Dieses teilte man der Königin mit; aber sie antwortete, sowohl ihre Religion als ihr Gewissen verböten ihr unter allen Umständen, darin einzuwilligen. Und da man mit ganzen Lasten von Gründen sie ungestüm bedrängte und sagte, es wäre für den König weder ehrenvoll noch ratsam, daß die Zeremonie anderes als nach den Gebräuchen und Gesetzen des Landes vorgenommen würde, ja sogar die Legitimität der königlichen Kinder könnte hierdurch ni Frage gestellt werden, blieb sie dennoch ihrer religiösen Überzeugung gemäß fest bei ihrer Weigerung. Als letzte Mine benutzten sie die zärtlichen Liebkosungen, Bitten und Beschwörungen des königlichen Bräutigams selbst. Aber die unbesiegbare Heldin hielt stand und erklärte ohne Umschweife, lieber wolle sie unverrichteter Dinge nach Portugal zurückkehren, als ihrem Gewissen zuwider solchen Bitten nachgeben; ein winziges Schiff aus der großen Flotte, die mit so gewaltigen Kosten und Rüstungen und unter dem lauten Gerede von ganz Europa sie nach England gebracht habe, werde ihr zur Heimfahrt genügen. Sie siegte endlich, und die Ehe wurde nach katholischem Ritus geschlossen, obwohl sie zugab, was sie mit gutem Gewissen konnte, daß die bereits geschlossene Ehe vn dem protestantischen Bischof ratifiziert wurde. Die Katholiken preisen mit Recht laut dieses Beispiel vno Standhaftigkeit. Selbst die Protestanten bewundern es, und die falsche Idee ist ihnen gänzlich genommen, mit der sie sich bislang getröstet, daß die sanfte Königin wie eine kleine Wachspuppe zu allem gebraucht werden könne, was dem König gefiele."

Den Dienst an der königlichen Kapelle in Somerset House übertrug Karl II. den Söhnen des hl. Benedikt. In der Verbannung hatte er die Bekanntschaft Domo Paul Robinsons, eines Mönches des Klosters Dieuleward, gemacht; durch ihn ließ er mit dem Benediktiner-Kapitel verhandeln, das 1661 zu Douai beratschlagte, und Dom Benet Stapleton, einer der Mönche des dortigen Klosters des hl. Gregor, wurde als Unter-Almosenier und erster Kaplan der Königin angestellt. Dieser nahm mit sechs Priestern und zwei Laienbrüdern Wohnung in Somerset House, und der König sorgte freigebig für ihren Unterhalt, indem er jedem Priester ein Jahresgehalt von 100 Pfd. St., jedem Laienbruder vno 50 Pfd. St. zuwies. So blieb es bis zum Titus-Oates-Sturm im Jahre 1679.

Wohl um den Ärger der Anglikaner ob der Heirat des Königs mit einer katholischen Fürstin etwas zu beschwichtigen, erließ das Parlament in jenen Tagen (Mai 1662) den Act of uniformity, "die Gleichfömigkeitsakte". Diese Verfügung verlieh dem alten Strafgesetz aus der Zeit der Königin Elisabeth, wodurch die Teilnahme am Gottesdienst der anglikanischen Kirche erzwungen werden sollte, neue Kraft. Freilich erließ der König noch im selben Jahr (6. Dezember 1662), wohl auf Drängen seiner Gemahlin, eine Weisung, welche zur Nachsicht in der Handhabung der Strafgesetze aufforderte. Als aber beide Häuser Verwahrung gegen diese Milde einlegten, ließ sich der schwache Fürst, um nur ja den Verdacht, als neige er zum katholischen Glauben, von sich abzuwenden, im Februar 1663 neue Vorlagen gegen die Katholiken einbringen. Eine Adresse beider Häuser verlangte ein Verbannungsdekret gegen alle katholischen Priester unter Todesstrafe, und nach schwachem Sträuben willigte der König ein. Von nun an kehren diese und ähnliche Verordnungen Jahr um Jahr wieder und werden stets von Karl II. nach einigem Widerstand unterschrieben. So brachte schon das Jahr 1664 ein neues überaus strenges Gesetz, welches jede Versammlung von mehr als fünf Personen, die Familienglieder nicht gerechnet, als "aufrührerisches und ungesetzmäßiges Konventikel" bezeichnete und im ersten Falle mit einer Strafe von 5 Pfd. St. (100 Mark) oder drei Monaten Gefängnis, im zweiten Falle mit der doppelten Geld- oder Freiheitsstrafe und im dritten Falle gar mit 100 Pfd. St. (2000 Mark) oder einer Landesverweisung für sieben Jahre belegte.

Die großen Heimsuchungen, welche in den folgenden zwei Jahren London und England trafen, legte der allgemeine Haß gegen die Katholiken unverhohlen diesen zur Last. So die schreckliche Pest, welche 1665 in London 68596 Personen hinwegraffte, und der große Brand von 1666, welcher 89Kirchen und 13200 Privathäuser einäscherte. Trotz der strengen Untersuchung konnte natürlich auch nicht ein Schatten von Beweis aufgefunden werden, daß die Katholiken die Brandstifter seien; das hinderte aber die Regierung Karls II. nicht, auf der Denksäule, die zum Gedächtnis in Fish Street Hill errichtet wurde, die monumentale Lüge einzugraben, Katholiken seien die Brandleger gewesen: so wollte es der Haß der Bevölkerung von London. Nach der Thronbesteigung Jakobs II. wurde die Verleumdung zwar ausgemerzt, aber gleich nach der Revolution von 1688 wieder eingemeißelt: "So leichtgläubig und hartnäckig hält das Volk alles für wahr, was seinen herrschenden Leidenschaften schmeichelt", sagt der Protestant Goldsmith in seiner Geschichte Englands. Erst nach der Katholikenemanzipation im Jahre 1829 wurde die Entfernung dieser Lüge durch einstimmigen Parlamentsbeschluß entschieden. Wir werden weiter unten sehen, wie Titus Oates eidlich vor Gericht aussagte, die Benediktiner und Jesuiten hätten den Brand gelegt, um - während desselben rauben zu können! Das mag uns einen Begriff von der feindseligen Stimmung geben, welche damals in England gegen die katholische Kirche herrschte.

Dieser Haß machte sich sofort in neuen Aufforderungen des Parlaments zur Katholikenhetze Luft. Am 26. Oktober 1666 reichte das House of Commons (Unterhaus) eine Adresse an den König ein, in der es eine königliche Proklamation für die Verbannung aller Priester und Jesuiten und strenge Weisung an alle Richter für genaue Handhabung der Strafgesetze verlangte. Die Proklamation erschien den 10. November nach Wunsch und erstreckte sich auf alle Priester und Jesuiten, mit einziger Ausnahme der Kapläne der Königin und Königin Mutter. In Monatsfrist solten alle anderen Priester England verlassen haben; bis dahin hatten die Richter den Auftrag, ihrer Abreise behilflich zu sein; nachher aber auf sie zu fahnden, sie vor Gericht zu stellen und überhaupt die Gesetze gegen die Papisten in Anwendung zu bringen.

Trotzdem blieb Karl II. in seinem Herzen von der Wahrheit der katholischen Religion überzeugt und machte von Zeit zu Zeit Versuche, der Stimme seines Gewissens Folge zu leisten und sich mit der Kirche abermals auszusöhnen. Schon aus dem Jahr 1668 ist uns ein solcher verbürgt. Einer seiner illegitimen Söhne, Jakob de la Cloche de Bourg de Jersey, hatte 1667 den katholischen Glauben angenommen und war unter dem Namen Johann Stuart in die Gesellschaft Jesu eingetreten. Auf Verlangen des Königs kam derselbe nach London, um mit dem Vater die Bedingungen des Übertritts zu erörtern. "Ew. Paternität soll wissen", hatte Karl II. an den General der Gesellschaft Jesu, Paulus Oliva, geschrieben, "daß Wir seit langer Zeit unter den Sorgen der Regierung zu Gott beten, er möge Uns die Gelegenheit herbeiführen, in Unserem Reich nur eine Person zu finden, der Wir das Geschäft Unseres Seelenheils anvertrauen können. Zwar gibt es in Unseren Palästen von Saint James und Somerset zum Dienst der Königin, sowie auch in Unserer Stadt London viele Priester; aber Wir können mit keinem derselben verhandeln, weil Unser Umgang mit ihnen sofort Uns in Gefahr brächte."

Zu einer geheimen Aussöhnung mit der Kirche war der König bereit; doch damit durfte sich diese nicht begnügen, und zu einem öffentlichen Übertritt wollte sich Karl II. nicht verstehen. Krone und Leben standen auf dem Spiel. "Unter den augenblicklichen Verhältnissen müßte, wie alle einsichtigen Männer anerkennen, Unser öffentlicher Übertritt Unseren Tod und den Ausbruch einer Staatsumwälzung zur Folge haben", schrieb er am 29. August 1668 an P. Paulus Oliva in Rom.

Bereitwilliger, auf den Ruf der Gnade hin die irdische Krone für die himmlische aufs Spiel zu setzen, fand sich im darauffolgenden Jahre des Königs einziger Bruder, der Herzog von York. Da die Ehe Karls II. mit Katharina von Braganza kinderlos war, galt er als Erbe des Thrones, den er auch später als Jakob II. bestieg. Als Großadmiral hatte ere sich im Seekrieg gegen die Holländer ausgezeichnet. Aber alle seine Verdienste mußte in den Augen der fanatischen Anglikaner sein Rücktritt zur katholischen Kirche hinfällig machen: davon mußte der Heruzog von York überzeugt sein, wenn er auch kaum den ganzen Sturm voraussehen konte, den dieser Schritt gegen ihn und gegen die Kirche entfesselte. Dennoch hatte er den Mut, der Stimme seines Gewissens zu folgen und im Jahre 1669 sich der katholischen Kirche anzuschließen. Er selbst hat uns in seinen Memoiren seine Konversionsgeschichte kurz erzählt:

"Anfang 1669", sagt er von sich selbst, "kamen ihm die ersten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der anglikanischen Kirche, die er bis dahin für die einzig wahre gehalten hatte. Er ließ einen Jesuiten namens P. Simon [Simeon: Es war der damalige Provinzial der Jesuiten in England, P. Emmanuel Lobb, bekannter unter dem angenommenen Namen Joseph Simeon, geboren 1619, gestorben 1671. Anmerkung von Spillmann] kommen, der im Rufe großer Gelehrsamkeit stand; er teilte ihm seine Absicht mit, katholisch zu werden, und fragte ihn, wie er sich mit der Kirche aussöhnen könne. Nach mehreren Unterredungen über diesen Gegenstand erklärte ihm der Pater ohne Rücksicht, er könne in den Schoß der Kirche nur aufgenommen werden, wenn er sich vorher von der Gemeinschaft mit der Kirche Englands lossage. Der Herzog erwiderte, er meine, der Papst könnte ihn davon dispensieren mit Rücksicht auf seine eigentümliche Lage und die Vorteile, welche die katholische Religion und ganz besonders die Katholiken Englands aus diesem Schritte ziehen würden. Man könnte also wohl die Erlaubnis geben, äußerlich Protestant zu bleiben, wenigstens bis zu der Zeit, da er mit geringerer Gefahr für sich selbst und größeren Nutzen für seine neue Religion seinen Übertritt öffentlich eingestehen könnte. Aber der gute Pater bestand auf seiner Forderung und erklärte, nicht einmal der Papst könne einen derartigen Dispens gewähren; denn es sei unabänderliche Lehre der katholischen Kirche, daß man niemals etwas Böses tun dürfe in der Absicht, daß Gutes daraus entstehe. Was ihm der gute Jesuit gesagt hatte, wurde alsbald durch einen Brief des Papstes bestätigt, an den der Herzog über dieses Anliegen schrieb. Bis dahin hatte Se. Königliche Hoheit geglaubt, was die Theologen der Kirche Englands allgemeinen glauben oder doch sagen, daß nämlich der Papst in derartigen Fällen sehr leicht Dispens erteile; aber die Worte des P. Simon [Simeon] und der Brief Sr. Heiligkeit überzeugten den Herzog, daß es hohe Zeit sei, alles aufzubieten, um die Freiheit zu erlangen, den Übertritt offen zu erklären und so einem zugleich gefährlichen und qualvollen Seelenzustand zu entgehen."

Wie aus den weiteren Aufzeichnungen des Herzogs erhellt, neigte damals der König selbst zur offenen Annahme der katholischen Religion. Am 25. Januar 1669, "am Tage Pauli Bekehrung", was Jakob II. ausdrücklich hervorhebt, hatte Karl II. mit seinem Bruder, den katholischen Lords Arundel von Wardour, Arlington und Sir Thoms Clifford eine geheime Besprechung über die besten Mittel und Wege, die katholische Religion in seinem Reiche wieder herzustellen. "Man dürfe keine Zeit verlieren," sagte der König; "er mache sich auf viele und große Schwierigkeiten gefaßt und meine, es sei besser, den Kampf aufzunehmen, so lange sein Bruder und er noch in der Kraft der Jahre seien." "Er sprach diese Worte mit viel Feuer, ja sogar mit Tränen in den Augen", sagen die Memoiren. Man beschloß zur Ausführung des Planes, die Mithilfe Ludwigs XIV. zu erwerben. Lord Arlington ging zu diesem Zweck nach Frankreich; der französische Gesandte Croissy-Colbert wurde ins Geheimnis gezogen. So kam der Vertrag von Dover von 1670 zustande, in welchem sich Karl II. verpflichtete, die katholische Religion, die er in seinem Herzen als die wahre betrachte, auch äußerlich zu bekennen, sobald die Umstände das gestatteten. Die Herzogin von Orléans, Henriette Anna von England, die Lieblingsschwester Karls II., hatte an allen diesen Verhandlungen großen Anteil und hätte nur zu gerne ihren Bruder in den Schoß der katholischen Kirche zurückgeführt. Leider starb sie kurze Zeit nach Abschluss des Vertrags, ohne ihren Wunsch erreichen zu können.

Über die Konversion des Herzogs von York und deren Folgen schrieb später der französische Gesandte Courtin an Ludwig XIV.: "Man hat bis jetzt wohl Beispiele, daß Fürsten ihre Religion wechselten, um diejenige des Landes anzunehmen, dessen Herrschaft sie antreten wollten; es gibt aber kaum ein Beispiel, daß der mutmaßliche Thronfolger die Landesreligionn verließ, um eine solche anzunehmen, deren Ausübung in seinem Reiche nicht einmal gestattet ist. Das ist in England unerhört seit der Einführung der Reformation unter der Königin Elisabeth. Gleichwohl wagte der Herzog von York seit der letzten Vertagung des Parlaments diesen Schritt. Er scheint Frankreich sehr ergeben und ist es wirklich. Man darf sich also nicht wundern, wenn ganz England fürchtet, dieser innige Bund möchte ihm als Stütze dienen, eintretendenfalls die Thronbesteigung zu erzwingen; und ein Fürst, der fähig ist, sich der Gefahr auszusetzen, aus Liebe zur katholischen Religion seine Krone zu verlieren, möchte auch entschlossen sein, die äußersten Mittel anzuwenden, um dieser Religion wieder zur Herrschaft zu verhelfen."

Wie der Herzog von York darlegt, waren im Jahre 1670 die Aussichten für einen derartigen "Staatsstreich" in England keineswegs ungünstig. Aber freilich, es hätte eines entschlosseneren Charakters bedurft, um sich offen als Katholiken zu bekennen, als ihn Karl. II. besaß. Er wollte seine irdische Krone nicht aufs Spiel setzen; er fürchtete den Ausbruch einer neuen Revolution und das blutige Ende seines Vaters: die Zeiten Oliver Cromwells waren noch frisch in aller Andenken. Zudem lebte Karl II. viel zu sehr im Strudel des sittenlosen Hoflebens jener Tage, als daß seine Seele die Kraft gefunden hätte, dem Rufe der Gnade zu folgen. So ließ er sich, im Widerspruch zu seiner besseren Überzeugung, aus weltlicher Politik herbei, alles zu gewähren, was die protestantische Mehrheit zur Vernichtung der katholischen Religion in England von Jahr zu Jahr verlangte, nur um sich und seinem Hause die Krone zu bewahren.

Vorderhand blieb der Übertritt des Herzogs von York der Öffentlichkeit noch ein Geheimnis. Freilich vermutete man schon bald die Wahrheit, da er den anglikanischen Gottesdienst nicht mehr besuchte und noch weniger mit dem Hofe das Abendmahl empfing. Seine Bestätigung erhielt das Gerücht durch die Konversion seiner ersten Gattin Anna Hyde, der Tochter des Herzogs von Clarendon. Karl II., der davon hörte, gab seinem Bruder die gemessene Weisung, darüber das strengste Geheimnis zu bewahren.

"In der Tat wußte niemand davon," erzählen die Memoiren, "als der Franziskanerpater Hunt, der sie mit der Kirche aussöhnte, Lady Cranmore und Depuy, der Diener des Herzogs. Wie aus ihren hinterlassenen Papieren erhellt, in denen sie Rechenschaft über die Beweggründe ihrer Konversion gibt, kamen ihr die ersten Zweifel etwa ein Jahr vor ihrem Tode; seit dem letzten August war sie von der Wahrheit der römischen Kirche völlig überzeugt und trat zu ihr über. Öffentlich wurde dieser Schritt erst nach ihrem Tod bekannt, der am letzten März 1671 eintrat. Sie starb mit großer Frömmigkeit und Ergebung in den Willen Gottes, nachdem sie die Sakramente der katholischen Kirche empfangen hatte. Am Morgen ihres Todes fühlte sie sich sehr schwach und erwartete ihr Ende; sie bat also den Herzog, sie nicht zu verlassen, so lange sie atme, und wünschte, daß man dem Dr. Blanford oder wenn sonst (anglikanische) Bischöfe kämen, um ihr im Tode beizustehen, die Wahrheit sage, daß sie nämlich mit der katholischen Kirche ausgesöhnt sei und die Sakramente empfangen habe. Sollten sie dennoch darauf bestehen, vorgelassen zu werden, so möge man ihnen das erlauben, vorausgesetzt, daß dieselben sie nicht mit Streitereien über den Glauben quälen wollten. Als daher gleich darauf Dr. Blanford mit dem Bruder der Herzogin, dem jetzigen Grafen Rochester kam, der nicht mit Sicherheit wußte, daß sie zur katholischen Kirche übergetreten sei, ging der Herzog zu ihnen in das Empfangszimmer und teilte ihnen den Auftrag der Herzogin mit. Da der Herzog bestimmt erklärt hatte, sie sei mit der Kirche ausgesöhnt, sagte der Bischof, er zweifle durchaus nicht, ‘daß alles gut gehen werde' (so drückte er sich aus), indem er vollständig überzeugt sei, sie habe sich nicht durch menschliche Beweggründe zu diesem Schritt bestimmen lassen. Dann betrat er das Zimmer, hielt ihr eine den Umständen entsprechende christliche Ermahnung und zog sich zurück." (Mémoires de Jacques II).

Natürlich war es jetzt nicht mehr möglich, den Übertritt der Herzogin geheim zu halten, und in immer weitere Kreise drang das Gerücht, ihr Gemahl, der künftige König, sei ebenfalls katholisch. Um dieser Kunde, der sich die Opposition sofort als einer erwünschten Waffe bediente, die Spitze abzubrechen, ließ Karl II. am Vorabend des Weihnachtsfestes seinem Bruder durch Lord Clifford den Wunsch äußern, er möge mit ihm öffentlich das anglikanische Abendmahl empfangen. Entschieden wies der Herzog dieses Ansinnen zurück; alle ehrlichen Leute müßten ihn verachten, sagte er, wenn man ihn die Kommunion in einer Kirche empfangen sähe, der er nicht mehr angehöre.

"Die Feinde des Herzogs verbreiteten geschäftig das Gerücht, das über seinen Glaubenswechsel umlief. Dasselbe gab ihnen die sehr erwünschte Gelegenheit, ihren bisd dahin ohnmächtigen Haß an ihm zu stillen. Es gab ihnen die Mittel, ihn aus allen seinen Ehrenstellen zu verdrängen und gänzlich aus dem Staatsdienst zu entfernen." (Mémoires de Jacques II).

"Von diesem Augenblick an begann im Parlament der Sturm gegen den Herzog loszubrechen," sagt Jakob II. weiter in seinen Memoiren. "Der Verdacht, der sich an einen Übertritt zur katholischen Kirche knüpfte, war der Grund und Anfang der Feindschaft. Bis dahin hatten seine Feinde nichts gegen ihn vermocht. Der Mut, mit dem er so willig und so oft für die Ehre und den Nutzen des Königs und des Reiches eintrat, sein Fleiß und sein Eifer für die Hebung des Handels und der Schiffahrt hatten ihn zum Liebling Englands gemacht; aber kaum verbreitete sich das Gerücht von sienem Übertritt zum Papismus, so waren alle seine Verdienste vergessen, und sämtliche Parteien reichten sich wie gegen einen gemeinsamen Feind die Hand zu seinem Sturz." Die Leiter der Opposition, Shaftesbury an ihrer Spitze, verbreiteten nämlich, auch der König sei im Begriff, in die katholische Kirche einzutreten, oder habe diesen Schritt schon getan; er besuche den katholischen Gottesdient in der Kapelle der Königin, ja er habe daselbst die Kommunion empfangen.

Diese Gerüchte entfesselten unter den Anglikanern einen solchen Sturm der Entrüstung, daß man am Hof den Ausbruch einer Revolution befürchtete. Karl II. ließ sich daher herbei, in einer feierlichen Proklamation zu erklären, wie er bislang trotz aller Versuchungen treu an der wahren, anglikanischen Religion gehangen habe, so werde er auch künftig ihrer Erhaltung und Verteidigung seine gründlichste Sorgfalt und seinen vollen Eifer widmen. Mit dieser Erklärung begnügte sich das Parlament keineswegs. Es wollte durch ein neues Gesetz, die sog. Testakte, alle Katholiken von jedem Staatsamt ausschließen, indem es den Bewerbern nicht nur den alten Treue- und Suprematseid, sondern überdies eine ausdrückliche Erklärung gegen die Transsubstantiation zur Bedingung machte. Merkwürdigerweise riet Ludwig XIV. dem König, durch dieses schmähliche Gesetz die Katholiken in England preiszugeben, um so vom Parlament die geforderten Summen zum gemeinsamen Krieg gegen Holland zu erhalten. Zunächst ließ sich der charakterlose Karl II. herbei, vor den Augen des Privy Councils das Siegel zu zerbrechen, unter dem er den Katholiken Milde in der Anwendung der Strafgesetze versprochen hatte. Dann bestätigte er, am 29. März 1673, die Testakte zum Schutz der anglikanischen Kirche. Ebenso kam ein neues Unterrichtsgesetz zustande undn wurde sofort vom Haus der Peers angenommen, das nicht nur den öffentlichen, sondern sogar den Privatunterricht von der Erlaubnis des anglikanischen Bischofs und von dem eidlichen Versprechen abhängig machte, daß der Lehrer in jedem Punkt sich der Staatsreligion füge. Infolge der Testakte verlor auch der Herzog von York sein Amt als Großadmiral sowie seine übrigen einflußreichen Stellen.

Karl II. setzte seine bisherige Politik der Schwäche fort. Zunächst erließ er 1675 eine königliche Proklamation, welche sechs Verordnungen der im Lambethpalast versammelten Prälaten Englands enthielt. Alle eingeborenen Priester sollten unter Todesstrafe innerhalb von sechs Wochen das Reich verlassen. Jeder englische Untertan, der in der Kapelle der Königin oder eines auswärtigen Gesandten der Messe beiwohnte, verfiel einer Buße von 100 Mark und einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Die alten Strafgesetze sind wieder streng zu handhaben. Jeder Papist, der einen königlichen Palast zu betreten wagt, ist sofort einzukerkern; ist es ein Peer, so soll er in den Tower, hat er einen geringeren Rang, in ein gemeines Gefängnis geworfen werden. Dann brachten die Minister einen neuen Gesetzentwurf, der das Recht, im Parlament zu sitzen, Mitglied des Privy Councils (geheimen Kronrats) zu sein, jegliches öffentliche Amt zu bekleiden, wieder von einem, den Katholiken unmöglichen Eid abhängig machte. Das Haus der Gemeinen (das Unterhaus) nahm ihn an, das Haus der Peers (Oberhaus, House of Lords) verwarf ihn jedoch, da er das ganze Erbrecht angreife; der Streit der beiden Häuser gab dem König die Veranlassung, das Parlament zu vertagen; sobald es aber wieder zusammentrat, war seine erste Forderung der abgelehnte Eid, und sie verschärften ihn noch, indem sie zu der Ableugnung des Primats und der Transsubstantiation die der Heiligenanrufung und der Verehrung der seligsten Jungfrau beifügten. Die Forderung ging durch, wenn auch mit der Klausel, daß der Eid dem Herzog von York nicht abverlangt werden dürfe.

In dem Eid, der später nochmals verschärft wurde, heißt es u.a.: "Ich, N. N., erkläre feierlich, daß ich glaube, es finde in dem Sakrament des Abendmahls keinerlei Wesensverwandlung der Bestandteile des Brotes und Weines in den Leib und das Blut Christi statt, weder bei noch nach der Konsekration derselben durch was immer für einen Menschen, und daß die Anrufung oder Anbetung der Jungfrau Maria oder sonst eines Heiligen und das Meßopfer, wie dieselben jetzt in der römischen Kirche im Gebrauch sind, abergläubisch und götzendienerisch seien, und ich beteuere feierlich usw., daß ich diese Erklärung im natürlichen und gewöhnlichen Sinne der Worte, wie sie von englischen Protestanten verstanden werden, ohne jede Zweideutigkeit mache."

Der Herzog von York hatte inzwischen durch seine Ehe mit einer katholischen Fürstin den Zorn der Anglikaner noch mehr gesteigert. Maria Beatrix von Este, die Schwester des Herzogs von Modena, war die Braut.
Umsonst hatte der Earl of Shaftesbury, der damals leitende Staatsmann, diese Ehe des Thronerben mit einer katholischen Fürstin verhindern wollen. Die Prinzessin selbst hätte gern der Krone den Schleier vorgezogen, und es bedurfte eines Schreibens Clemens' X., um sie zur Eingehung dieser Verbindung mit dem künftigen König Englands zu bewegen. Der Papst forderte sie auf, ihre Liebe zum Kloster dem Wohl der Kirche zum Opfer zu bringen, und sie gehorchte. Am 30. September 1673 wurde die Ehe durch einen Prokurator geschlossen und am 21. November landete die Neuvermählte in Dover. Nur wenige Edelleute hatten den Mut, den Herzog von York nach Dover zu begleiten, als er seine Braut abholte. Der König ließ sich aus Furcht vor der öffentlichen Meinung bestimmen, der Herzogin statt der ihr im Ehevertrag versprochenen öffentlichen Kapelle im Saint-James-Palast nur eine Privatkapelle im Sommerset House zu gewähren.

Der Wunsch des Papstes, sie möge nach Kräften die Beschützerin der Katholiken Englands sein und sich selbst für dieselben im Falle der Notwendigkeit hinopfern, war die Richtschnur ihres Lebens. Ihr Seelenführer, der hl. P. Claude de la Colombière, schreibt von ihr den 20. November 1676: "Die Frau Herzogin von York ist eine Fürstin von großer Frömmigkeit; sie geht alle acht Tage und bisweilen noch öfter zum Tische des Herrn; sie betrachtet täglich eine halbe Stunde." Und P. Bourdaloue, der berühmte Preidiger, der nach ihrer Verbannung nach Frankreich ihr Seelenführer war, sagt von der entthronten Königin: "Ich kenne keine heiligere und vollkommenere Person. Seitdem ich sie kennengelernt habe, schlage ich an meine Brust und sage: Diese Königin wird uns einst richten."

Der Hofstaat der Königin und die Familie des Thronerben mußten den Anglikanern als eine Hochburg der katholischen Kirche erscheinen, von der aus der alte Glaube sich verbreitete und die Reformation bedrohte. Am Hofe Katharinas von Braganza weilt drei portugiesische Jesuiten, die Patres Lemos, Lorenzo und Colorno, als Kapläne; der Beichtvater des Herzogs von York war der englische Jesuit P. Bedingfield, der Beichtvater der Königin der Italiener P. Galli SJ, ihr Prediger (seit dem 13. Oktober 1676) der hl. P. Claude de la Colombière. Von ihm wird in seinem Leben ausdrücklich hervorgehoben, er habe in seiner Stellung im Saint James-Palast viele Anglikaner in die Kirche aufgenommen. Auch sein Vorgänger, P. Saint-Germain, hatte eifrig an der Bekehrung der Irrenden gearbeitet und England verlassen müssen, weil er von einem Verräter, der den Wunsch zu konvertieren geheuchelt hatte, bei den englischen Gerichten angezeigt wurde. Überdies hatten die Gesandten der katholischen Mächte in London ihre Kapläne und privilegierten Kapellen. Im Palast von Saint James waren die Priester und Ordensleute so zu Hause, daß die Jesuiten mit Zustimmung des Herzogs von York daselbst im Frühjahr 1678 ihre Provinzialkongregation abhalten konnten. 40 Patres berieten unter dem Vorsitz ihres Provinzials, des ehrwürdigen Whitebread, vom 4. bis 6. Mai (24. Bis 26. April a. St.) über ihre Ordensangelegenheiten und wähten den vom Institut vorgeschlagenen Prokurator, welcher dem Pater General Bericht erstatten sollte. Ebenso konnten die Franziskaner ihre regelmäßigen Kapitel von 1671 an bis zum Ausbruch des Titus Oates-Sturmes im Somerset House, der Residenz der Königin, abhalten.

Aber auch außerhalb der königlichen Paläste war die Lage der katholischen Kirche, trotz aller alten und neuen Gesetze, in England nach anderthalbhundertjähriger Verfolgung immer noch befriedigend. 230 Weltgeistliche, über die ganze Insel verbreitet, arbeiteten unter Leitung des Dekans Waring am Heile der Seelen. Ihnen stand ein zahlreicher Ordensklerus zur Seite; 130 Jesuiten, 80 Benediktiner, 55 Franziskaner und einige wenige Dominikaner und unbeschuhte Karmeliten. 17 bis 21 Jesuiten waren allein in London, das damals auf etwa eine halbe Million Einwohner 30000 Katholiken zählte (nach anderen Angaben nur 12000).

Das alles läßt uns die seit dem Übertritt der Herzogs von York steigende Furcht der Anglikaner für den Fortbestand der Staatskirche begreifen. Um keinen Preis sollte ein Katholik den Thron Englands besteigen, am allerwenigsten, nachdem derselbe durch seine Ehe mit einer katholischen Fürstin die Aussicht auf katholische Erben der Krone begründet hatte.

Man wollte also den König bestimmen, sich durch Parlamentsbeschluß von seiner kinderlosen Gattin zu trennen und eine andere Ehe einzugehen, oder den Herzog von Monmouth als seine rechtmäßigen Sohn und Erben anzuerkennen. Wie bei Elisabeth wollten die fanatischen Engländer auch jetzt eher einen illegitimen Nachkommen als einen Katholiken auf ihrem Throne sehen. Aber Karl II. war nicht zu diesem Schritt zu bewegen. "Lieber wollte er Monmouth zu Tyburn am Galgen sehen," antwortete er, und so schwach er sich sonst dem Parlament gegenüber zeigte, blieb er in diesem Punkte fest. Alles andere wollte er opfern; aber die rechtmäßige Erbfolge nicht.

Da kam Shaftesbury, dem Führer der Opposition, eine große papistische Verschwörung, deren Erfinder wahrscheinlich er selbst war, als politisches Agitationsmittel zu Hilfe. "Wenn der Engländer einmal aufgeregt ist," sagt Oliver Goldsmith [ein anglikanischer Schriftsteller], "so findet er entweder Gründe des Verdachts oder erfindet sie." Der Glaube, es sei auf die Vernichtung des Anglikanismus durch Mittel der Gewalt abgesehen, war im Sommer 1678 nun einmal verbreitet, und das große, papistische Komplott, an dem die Königin, der Herzog von York, dessen Gemahlin, der ganze katholische Welt- und Ordensklerus und die Häupter der katholischen Partei beteiligt sein sollten, fand unter dem Volke sofort Glauben. Damit hatte Shaftesbury die Waffe in der Hand, mit der er entweder alle Katholiken zu vernichten oder doch den Herzog von York von der Thronfolge auszuschließen hoffte.

"Gewiß ist niemals eine Anklage auf Erden schlechter erfunden und in allen ihren Umständen unwahrscheinlicher gewesen," sagt Jakob II. "Aber unterstützt durch die erstaunliche Leichtgläubigkeit des Volkes, sobald es sich um etwas zum Nachteile der Katholiken handelt, und vom unersättlichen Hasse, den einige Führer gegen den Herzog überall schürten, entfesselte diese elende Erfindung einen Sturm, der ihn und alle seine Glaubensgenossen mit dem Untergang bedrohte".

Im August 1678 brach der Sturm los; aber statt die katholische Kirche in England zu vernichten, verlieh er ihr nur eine neue zahlreiche Schar von glorreichen Blutzeugen, die letzten, welche seinen Boden mit ihrem Blute benetzten.

2. Kapitel: Titus Oates und die "Papistenverschwörung"

Am 13. August 1678 machte Karl II. im Park von Whitehall seinen gewöhnlichen Spaziergang. Da trat ein gewisser Kirby, eine Gehilfe des Königs bei seinen alchemistischen Experimenten, auf den Monarchen zu und sagte: "Herr, entfernt Euch nicht von Eurem Gefolge; Eure Feinde haben es auf Euer Leben abgesehen und Ihr könnt möglicherweise auf diesem Spaziergang niedergeschossen werden." Der Fürst gab nicht viel auf diese Warnung und setzte seinen Gang ungehindert fort.. Doch ließ er den Mann am Abend noch vor sich kommen und verhören. Kirby behauptete die Richtigkeit seiner Angabe; er habe sie aus dem Mund des Dr. Tongue, des anglikanischen Pfarrers der St. Michaelskirche. Dieser wurde nun herbeigerufen: er kam mit einem ganzen Paket Papiere, die ihm, wie er behauptete, unter seine Haustür durch in den Flur geschoben worden seien. Aus ihnen wollte er die abenteuerlichste Verschwörung beweisen, die jemals erdacht wurde. Die Papisten sollten die Ermordung des Königs und den Umsturz der ganzen Ordnung Englands planen. Der königliche Leibarzt Sir George Wakeman werde dem Fürsten Gift beibringen, wenn nicht, solle der König von einem Jesuiten-Laienbruder und einem Benediktiner-Laienbruder mit silbernen Kugeln erschossen werden; mißglücke dieser Anschlag, so ständen zwei Benediktinermönche zum Mord bereit, und wenn er auch ihren Händen entkäme, so hätten ihm vier Irländer den Tod geschworen. Der Prädikant hatte die ganze Geschichte in 43 Punkten zusammengestellt. Gefragt, ob er den Urheber der ihm zugeschobenen Papiere nicht kenne, sagte er, der Mann sei ihm bekannt; derselbe wünsche aber, daß sein Name geheim bleibe; sein Leben würde sonst vor den Jesuiten, den Urhebern des ganzen Komplotts, nicht sicher sein. Dann nannte er ihn doch; es sei ein gewisser Titus Oates, ein Doktor aus Salamanca; auch bot er sich, die beiden Übeltäter, welche zunächst auf den König schießen sollten, ausfindig zu machen.

Karl II. nahm alle diese Eröffnungen höchst ungläubig entgegen, schickte aber die beiden Männer mit ihren Papieren zum Lord Schatzmeister, dem Earl of Danby, der sei gleichfalls zuerst ziemlich kühl aufnahm. Das veranlaßte Titus Oates und Tongue nur, die Farben noch greller aufzutragen. Am 17. August mcahten sie dem Lord Schatzmeister neue Eröffnungen: rasch wuchsen die 43 Punkte zu 81 an. Der König lachte über Danby, der nun auf einer Untersuchung bestand, und verbot ihm geradezu, die Sache im Privy Council zur Sprache zu bringen oder dem Herzog von York davon zu sprechen. Die Lügen waren ja zu handgreiflich: wenn der königliche Leibarzt versprochen hatte, den Monarchen zu vergiften, wozu bedurfte es dann noch drei Abteilungen von Mordgesellen? Und wenn Dr. Tongue den Urheber jener Papiere kannte, was brauchten sie ihm denn heimlich unter der Türe durch zugeschoben zu werden? Aber der Earl of Danby hatte seine ganz besonderen Gründe, das Unglaubliche zu glauben, wie wir später sehen werden.

Vor allem müssen wir uns nun mit der Lebensgeschichte des Titus Oates näher bekannt machen. Er war der Sohn eines Bandwebers, der unter Cromwell als Prediger der Wiedertäufer auftrat, nach der Wiederherstellung des Königtums aber sofort für gut fand, zur Staatskirche zurückzukehren. In Cambridge machte er Studien, empfing dann die anglikanischen Weihen, war in verschiedenen Gemeinden und endlich auf einem Kriegsschiff als Prediger angestellt. Seine Sitten waren aber so schmachvoll, daß er mit Schimpf und Schande fortgejagt wurde. Des Meineides angeklagt, hatte er vor Gericht gestanden, und obschon das Verbrechen nicht vollständig erwiesen war, blieb ihm doch der Makel haften. Endlich mußte er, wie die protestantischen Geschichtsschreiber zugeben, unnatürlicher Laster wegen auch seine letzte Stelle als Schiffsprediger aufgeben. Ohne Brot und Unterkommen stand er jetzt als Bettler auf der Straße und fiel rasch in den tiefsten Abrund der Verkommenheit.

Da machte der Unglückliche die Bekanntschaft Dr. Ezrael Tongues. Tongue, der anglikanischen Pfarrer der St. Michaelskirche in der Woodstreet, war entweder ein überaus einfältiger und leichtgläubiger Mensch, dessen Phantasie schon seit Jahren von nichts träumte als von papistischen Schreckbildern, oder er stand mit Oates auf der gleichen Stufe absichtlicher Verleumder. Ein Fanatiker war er auf jeden Fall; das Lieblingsthema seiner Predigten bildete die große Gefahr, welche die Jesuiten und Papisten dem lauteren Gotteswort in England bereiten, und mindestens jedes Vierteljahr erzählte er in irgend einem Flugblatt von einer neuen, greulichen Verschwörung gegen das Leben des Königs und den Bestand der anglikanischen Kirche. Tongue und Oates paßten also vollkommen zusammen.

Um sich von den Plänen der Gegner Kenntnis zu verschaffen oder um das selbst ausgeheckte Komplott wenigstens etwas glaubwürdiger ausmalen zu können, faßten die zwei den Entschluß, Oates sollte zum Schein Katholik werden und sich als Zögling in ein Jesuitenkolleg, oder besser noch in den Orden selbst aufnehmen lassen. Gewandt in der Kunst, zu heucheln, fand der verkommene Mensch bald einen Priester, der sein Glaubensbekenntnis entgegennahm und durch dessen Fürsprache er einen Platz in dem Jesuitenkolleg in Valladolid erhielt. Es gelang ihm aber nicht, seine wahre Natur auf die Dauer zu verhüllen; schon nach fünf Monaten hatten ihn die Lehrer durchschaut, und er wurde, jedoch mit möglichster Schonung, aus dem Kolleg in Spanien ausgewiesen. Noch einmal versuchte Oates, seine Spionage bei den Jesuiten fortzusetzen. Auf seine Bitten und Tränen hin gewährte der englische Provinzial P. Whitebread ihm die Aufnahme in das Kolleg von St. Omer. Am 10. Dezember 1677 traf er daselbst ein. Aber so sehr er heuchelte, bald trat auch hier sein rohes, gemeines und sittenloses Wesen zu Tage. Man teilte ihm also seine Entlassung mit. Da wollte der Mensch die Rücknahme derselben, ja sogar die Zulassung in das Noviziat der Gesellschaft Jesu geradezu erzwingen. Er wolle nicht bettlen; entweder solle man ihn als Jesuiten annehmen, oder man werde ihn zum Judas machen. Natürlich konnten solche Gründe den P. Provinzial nicht bestimmen, und Oates mußte den 23. Juni 1678 St. Omer verlassen.

Er ging sofort nach London und kam gerade recht, um seinen Freund Dr. Tongue mit den vorgeblichen Früchten seiner Spionage zu bedienen. Er arbeitete nun, wahrscheinlich mit dem anglikanischen Fanatiker gemeinsam, die 43 Punkte seiner "wahrhaften und getreuen Erzählung des greulichen Komplottes und Bundes der papistischen Partei gegen das Leben Seiner geheiligten Majestät, gegen die Regierung und die protestantische Religion" aus, welche zunächst dem König und dem Lord Schatzmeister vorgelegt wurden. Mittlerweile trieb er sich in verrufenen Schenken und liederlichen Häusern herum, ging aber auch fleißig zu den Jesuiten und zu anderen Priestern, deren Aufenthalt er in St. Omer ausgekundschaftet hatte, teils um zu spionieren, teils um bettelnd und drohend Geld zu erpressen. 50 Fälle von Hochverrat seien ihm von Jesuiten bekannt, sagte er. Es liege ganz in seiner Gewalt, sie alle zu vernichten, und er werde es tun, wenn man ihn nicht entweder in den Orden aufnehme, oder ihm sonst eine gesicherte Lebensstellung mit einem genügenden Jahresgehalt verschaffe. Natürlich wies man ihm die Tür.

Das also war der Mann, der die schreckliche Verfolgung veranlaßte, welche in England über die katholische Geistlichkeit hereinbrach! Hume [David Hume, 1711 - 1776, schottischer Philosoph und Historiker] nennt ihn "den allerinfamsten Schurken der Menschheit"; Macaulay [Thomas Babington Macaulay, 1800 - 1859, bedeutender englischer Historiker] heißt ihn "das verlogenste, böswilligste und unverschämteste Wesen, das jemals die menschliche Gestalt entehrte, den Begründer der Schule falscher Zeugen". Ganz gewiß hätte ein solcher Mensch in ruhigeren Zeiten vor den Gerichten keinen Glauben gefunden. Bei der damaligen Stimmung des fanatisierten Volkes aber war man geneigt, das Ungeheuerlichste zu glauben. Gleichwohl schreckten die Drohungen ihres früheren Hausgenossen die Jesuiten im Bewußtsein der Unschuld nicht, und so brach der Schlag ganz unerwartet über alle herein.

Der Earl of Danby hatte den beiden "Entdeckern" des Komplotts gesagt, er könne ihren Worten nur Glauben beimessen, wenn sie ihm greifbare Beweise beibrächten. Nach verschiedenen Ausflüchten erinnerte sich endlich Oates, daß die Jesuiten demnächst ein Paket Briefe an P. Thomas Bedingfield SJ (alias Momford), den Kaplan des Herzogs von York, mit der Post nach Windsor senden würden. Er wolle aufpassen und rechtzeitig einen Wink geben, daß man diese hochverräterischen Papiere auffangen könne. Wie klug! Die Jesuiten sollten so gefährliche Dokumente ohne jegliche Vorsicht auf der Post nach dem nahen Windsor befördern, ja sie sollten das sogar lange zuvor einem Subjekte wie Titus Oates mitgeteilt haben, der zu gleicher Zeit durch Drohungen Geld von ihnen erpressen wollte! Aber der Lord Schatzmeister hatte seine Gründe, gerade damals die öffentliche Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Ein furchbares Ungewitter hatte sich über seinem Haupte zusammengezogen. Eine für die Würde Englands keineswegs schmeichelhafte Verhandlung mit dem Hofe von Versailles wurde ihm zur Last gelegt; er wußte, daß die Sache, sobald das Parlament wieder zusammentreten würde, zur Sprache komme und daß dann sein Fall gewiß sei. Was konnte ihm also gelegener kommen als diese Verschwörungsgeschichte, so geeignet, die öffentliche Aufmerksamkeit von jener unliebsamen Affaire abzulenken, so geeignet auch, die geschwundene Popularität durch Entlarvung einer Papistenverschwörung und vorgebliche Beschützung der anglikanischen Kirche wieder zu gewinnen? In der Tat, das Ganze kam dem Lord Schatzmeister so gelegen, daß es nicht an Stimmen fehlt, die ihn als den eigentlichen Erfinder bezeichneten.

Titus Oates sorgte also dafür, daß das versprochene Paket beim Generalpostamt aufgegeben wurde. Am gleichen Tag kam Danby wie zufällig nach seinem Landhaus bei Windsor, wo sich damals der Hof aufhielt. Auch einer der Entdecker (Kirby?) erschien beim Postmeister von Windsor, um das Paket wegzunehmen und Danby einzuhändigen. Es waltete aber ein eigener Unstern über dem plumpen Plan. Zufällig, oder vielmehr durch Gottes Fügung, kam P. Bedingfield gerade bei Ankunft der Post auf das Postbüro, und so gelangte die Sendung unmittelbar in seine Hand. Er öffnete das Paket und fand einen von unbekannter Hand geschriebenen Brief, unter welchem die Namen des Provinzials und der übrigen in London weilenden Patres standen. Das Schreiben besagte, "die Meinung der Patres und der übrigen im Bunde Beteiligten sei, daß der bewußte große Plan bei der ersten günstigen Gelegenheit, jedoch ohne jegliches Mitwissen des Herzogs von York, ins Werk gesetzt werde". P. Bedingfield erkannte den Brief sofort als eine Fälschung, hatte aber keine Ahnung, von wem sie herrühre. Er eilte zum Herzog, legte das Dokument in seine Hände und beschwor den König, die Sache gründlich untersuchen zu lassen, da zweifelsohne eine Intrige gegen den Herzog und seine Freunde im Werke sei. Der König sagte: "Seit einem Monat weiß ich um die Geschichte", und fügte bei, er habe alles seinem Bruder, der ihm so treu ergeben sei, mitgeteilt.

Natürlich schrieb P. Bedingfield über den gefälschten Brief an den Provinzial. Dieser ahnte sofort den Täter, und als Oates sich wieder bei ihm einstellte, wie gewöhnlich bettelnd und drohend, sagte ihm P. Whitebread ins Gesicht hinein, er sei der Fälscher. Oates sah nun wohl, daß er sein Werk schleunigst vollbringen müsse, sollte es nicht gänzlich mißlingen. Die ursprünglichen 43 Punkte seiner "Enthüllung" lagen bei Danby. Tongue besaß aber eine Abschrift. Diese wurde zu einer viele Seiten umfassenden Klageschrift von 81 Punkten oder Artikeln erweitert. Am 27. September erschien dann der Verfasser mit Dr. Tongue und Kirby als Zeugen vor dem Friedensrichter Sir Edmundbury Godfrey, reichte sein Machwerk förmlich ein und beschwor es als lautere Wahrheit. Hiermit war der Prozeß anhängig gemacht.

Schon des folgenden Tages wurde Oates vor das Privy Council beschieden und wiederholte daselbst mündlich seine Erzählung. Macaulay hat vollkommen recht, wenn er dieselbe "einen Schauderroman" nennt, welcher "viel mehr den Fieberphantasien eines Kranken als einem Plane gleiche, der irgend jemals in der wirklichen Welt zur Verhandlung kam". Die königlichen Geheimräte hörten und staunten. Der König allein befragte den Menschen, der seinen eigenen Angaben zufolge mindestens ein Dutzendmal Strang und Rad verdient hatte. In seiner Erzählung hatte Oates unter anderem behauptet, er habe im Auftrag der Jesuiten mehrere Stunden in Madrid mit Don Juan d'Austria über die Vernichtung Englands unterhandelt, auch sei er in der gleichen Angelegenheit bei den Jesuiten in Paris gewesen. Der König fragte ihn nun: "Wie sieht dieser Don Juan d'Austria aus?" "Er ist groß, braun und hager," antwortete kühn der Meineidige. Der König blickte lachend seinen Bruder an; beide kannten Don Juan, der klein von Gestalt und blond war. Karl II. sagte deshalb: "Es ist vollkommen erwiesen, daß Ihr ihn nie gesehen habt! Doch wo habt Ihr in Paris mit den Jesuiten verhandelt?" - "In ihrem Hause am Ufer der Seine," antwortete Oates. "Die Jesuiten haben in Paris drei Häuser, aber keines liegt an der Seine," entgegnete der König. Damit verabschiedete sich Karl II. vom Privy Council, indem er sagte: "Der Mensch ist der allerverlogenste Schuft, der mir je unter die Augen kam!"

Gleichwohl übergab der geheime Rat dem Titus Oates einen Haftbefehl gegen alle, die er des Hochverrats angeklagt hatte, und stellte ihm eine Abteilung Soldaten zur Vollstreckung desselben zur Verfügung.

Bevor wir unsere Leser mit den Männern bekannt machen, welche Titus Oates zunächst den Händen der "Gerechtigkeit" überlieferte, müssen wir wenigstens die Hauptpunkte seiner Anklage uns näher ansehen. Diese Mühe scheint durchaus notwendig, teils zum Verständis der Gerichtsverhandlungen, teils auch zur Würdigung der Minister Karls II, welche sich den Anschein gaben, als glaubten sie solche plumpen und widerspruchsvollen Lügen. Für wahrscheinlich oder auch nur für möglich halten konnten sie dieselben ja nicht; das ist bei Männern von ihrer Bildung und Stellung ausgeschlossen, wie sofort jedem in die Augen springt, der das Aktenstück auch nur oberflächlich durchliest.

Die 81 Verbrechen von Mord, Versuch und direkter Anstiftung von Königsmord, Landesverrat, Aufruhr, Brandstiftung und Raub im größten Maßstab, welche Oates beschwor, sollen alle vom 19. April 1677 bis 8. September 1678 unter Mitwissenschaft bzw. Mitwirkung des Papstes, des römischen Kaisers, der Könige von Frankreich und Spanien zunächst durch die Jesuiten, dann aber auch durch die Benediktiner, Dominikaner, Karmeliter, Weltpriester und eine Anzahl katholischer Laien, zum Teil aus höchstem Adel, begangen oder geplant worden sein.

[Spillmann referiert nun auf acht Seiten die Punkte der abenteuerlichen Anklageschrift, deren Wiedergabe wir uns hier ersparen wollen. Zum Schluß heißt es dann:]

Die Liste der Verschworenen enthält nicht weniger als 137 Namen, darunter 2 Erzbischöfe (von Dublin und Tuam), 9 Benediktiner, 3 Karmeliter, 2 Franziskaner, 10 Dominikaner, 64 Jesuiten, 14 Weltpriester und eine große Anzahl Laien, zum Teil von höchstem Adel. Der General der Gesellschaft Jesu, Johann Paul Oliva, habe durch Patente die höchsten Ämter im Staatshaushalt und im Heer verteilt, und der Papst habe den neuen Würdenträgern vollkommenen Ablaß verliehen. Nur einige Beispiele: Lord Arundel hätte Lordkanzler werden sollen, Lord Powis Lord-Schatzmeister, Viscount Stafford erster Staatssekretär, Coleman Staatssekretär, Sir George Wakeman Generalarzt der Armee usw.

Das also ist in kurzen Umrissen der Inhalt dieser kolossalen und in der ganzen Weltgeschichte vielleicht beispiellosen Anklage. Das in vielen Beziehungen, namentlich aber für die Geschichte des anglikanischen Fanatismus, höchst interessante Dokument schließt wie folgt: "Ich, Titus Oates, Schreiber, bezeuge mit meinem Eid, daß die in diesem Schriftstück enthaltenen Angaben, bestehend aus 81 Artikeln, sämtlich geschrieben und unterfertigt mit meiner Hand, wahr sind, sowohl im allgemeinen als in allen einzelnen Umständen, so zwar, daß alles, was er gesehen, gehört, getan und gewußt hat, ihm als wahr bekannt ist; was er aber nur als von ihm gehört, ihm erzählt berichtet, das hat er auch gehört, und es wurde ihm erzählt, so wie er es niederschrieb, und er glaubt, daß es so richtig ist.

Der Zeuge eigenhändig: Titus Oates, 27. September 1678.

So beschworen vor mir, Sie Edmundburg Godfrey, Friedensrichter Sr. Majestät für die Grafschaft Middlesex.
Edm. B. Godfrey.

Zeugen: Ez. Tongue, Chr. Kirby

Das ist die "wahrhaftige Erzählung von dem greulichen Papistenkomplott". Und auf dieses, von handgreiflichen Lügen wimmelnde Machwerk eines früher wegen Meineids angeklagten Mannes hin hielten es die Mitglieder des Privy Council für gut, einen Haftbefehl gegen sämtliche "Verschwörer" zu erlassen und dem Kläger eine Häscherschar zur Verfügung zu stellen!

So war der blutige Prozeß gegen mehr als hundert der edelsten Katholiken Englands würdig eingeleitet.

3. Kapitel: Verhaftungen. Die Panik. Das Parlament zieht den Prozeß vor seine Schranken.

Trotz der Erklärung des Königs, er betrachte den Ankläger als einen gemeinen Lügner, wurde Titus Oates vom Privy Council sofort mit den nötigen Verhaftbefehlen und einer Schar Häscher geschickt, daß er womöglich alle "Verschwörer" dingfest mache. Oates kannte die Wohnungen der meisten Priester und Jesuiten in London; er hatte sie ja der Reihe nach um Unterstützung angebettelt. Sein erstes Opfer war der ehrwürdige Wilhelm Ireland S.J. [William Ireland, geboren 1636, wurde 1929 seliggesprochen], der Prokurator (Vermögensverwalter) der englischen Ordensprovinz. Nächtlicherweise riß er den nichts Böses Ahnenden aus dem Bett. Alle seine Briefe und alle Rechnungsbücher der englischen Ordensprovinz fielen den Gerichtspersonen in die Hände. Ganz gleich erging es dem ehrwürdigen Fenwick [John Fenwick, ebenfalls 1929 seliggesprochen], der in London die Korrespondenz und alle Aufträge des Kollegs von St. Omer besorgte. P. Jenison und der ehrwürdige Benediktiner-Laienbruder Pickering wurden ebenfalls in jener Nacht festgenommen. Man schleppte die Gefangenen sofort vor das Privy Council und unterzog sie einem scharfen Verhör. Die Unschuld P. Irelands sprang so in die Augen, daß der Vorsitzende öffentlich erklärte, dieselbe sei klar erwiesen, wenn die hochangesehenen Personen, die er als Zeugen für sein "Alibi" aufrufen wollte, seine Angaben bestätigten. Gleichwohl warf man die Gefangenen in die elenden Kerker der Newgate, wo sie in strenger Einzelhaft einstweilen untergebracht wurden.

In der darauffolgenden Nacht verhaftete Oates den Provinzial, den ehrwürdigen Thomas Whitebread und dessen Sekretär (Socius), den ehrwürdigen Edward Mico. Beide waren gefährlich krank; P. Whitebread hatte sogar die Sterbesakramente empfangen. Sie befanden sich im Haus des Grafen Egmond, des spanischen Gesandten, und hofften daselbst durch die Immunität des Gesandtschaftshotels in ihrer Krankheit geschützt zu sein. Oates aber achtete weder die Privilegien des Gesandten, noch die Forderungen der Menschlichkeit. Mit einer Schar Bewaffneter brach er in die Krankenzimmer und ließ die beiden Priester aus den Betten reißen, um sie, mehr tot als lebendig, in die Gefängnisse zu schleppen. Der Gesandte wollte das aber nicht dulden; wenn man seine beiden Gäste als Priester verfolge, so werde er seine Rechte zu schützen wissen, und wenn als Hochverräter, so bürge er mit seinem Leben dafür, daß sie sich dem Gerichte stellen werden. Oates wollte dennoch auf der Einkerkerung der beiden Schwerkranken bestehen; der Sheriff gab sich jedoch mit der Bürgschaft Graf Egmonds zufrieden, wenn das Privy Council nichts anderes beschließe. Sie stellten aber Wachtposten vor die Tür der Kranken und nahmen alle Papiere des Provinzials mit sich. Wenn auch nur der Schatten einer Verschwörung bestand, so mußte sie in dieser Masse von Briefen, Büchern, Akten, darunter die Protokolle der letzten Provinzial-Kongregation, auf welcher nach der Aussage Oates' die Ermordung des Königs beschlossen sein sollte, aufgefunden werden. Aus diesen Briefen hatte Oates die Beweise für die Wahrheit seines Berichtes versprochen, als der König ihn vor dem Privy Council den verlogensten Schuft gescholten hatte. Wahrscheinlich hatte er geglaubt, die Jesuiten hätte ihre Papiere schon so gut verborgen, daß sie dem Gerichte nie in die Hände fallen würden. Und nun lagen sie alle der Einsicht des Privy Councils offen und zeugten laut gegen den meineidigen Angeber: dieser Schlag hätte den ganzen Lügenbau zertrümmern müssen, wenn nicht gewissenlose Staatsmänner den wankeden Glauben gestützt hätten.

Auch Coleman [Edward Coleman, 1929 seliggesprochen], der Sekretär der Herzogin von York, war in der Klageakte des Titus Oates genannt. Auf seine Verhaftung und auf die Wegnahme seiner Korrespondenzen legten die Männer, in deren Interesse es lag, den Glauben an die Papistenverschwörung zu verbreiten, um so größeren Wert, als sie in seinen Papieren eine direkte Waffe gegen die Thronfolge des Herzogs von York zu finden hofften. Coleman war Konvertit und scheint sich durch seinen vielleicht manchmal unklugen Eifer für die katholische Sache hervorgetan zu haben. Er glaubte die Zeit nicht fern, in welcher England durch den Gemahl seiner Herrin und wohl uach durch die Hilfe Ludwigs XIV. zum alten katholischen Glauben zurückkehren würde. Sehr wahrscheinlich hatte er diesen Hoffnungen in seinen Briefen warmen Ausdruck gegeben. Der Herzog von York, der wohl wußte, daß die ganze verschwundene Verschwörung nur eine Mine war, um ihn zu sprengen, und dem es bekannt war, daß die Liste der "Verschworenen" auch Coleman enthielt, warnte daher den Sekretär seiner Gemahlin und riet ihm, seine Papiere in Sicherheit zu bringen. Im Vertrauen auf seine Unschuld stellte sich aber Coleman dem Gericht. Am 13. Oktober wurde er in das Gefängnis von Newgate geworfen.

Inzwischen wurden die abenteuerlichen Geschichten von der "entdeckten Verschwörung" in Umlauf gesetzt. Die Menge, stets geneigt, das Ungeheuerlichste zu glauben, erzählte sich und vergrößerte noch die Märchen des Titus Oates. Man habe bereits viele Kisten voll Waffen aufgefunden, hieß es; aber den größten Munitionsdepots sei man noch nicht auf der Spur. Die schreckliche Mordbande, die über alle drei Königreiche verbreitet sei, könne jeden Augenblick losschlagen; es sei nicht nur auf das Leben des Königs, sondern aller Protestanten abgesehen. Stündlich stehe die Landung eines französischen Heeres zu befürchten, ja sie sei schon erfolgt, in Schottland, wie die einen sagten, in Irland, wie die anderen behaupteten. Der König soll erdolcht, vergiftet, mit Silberkugeln erschossen werden, und wenn man mit den Protestanten in England aufgeräumt habe, so werden alle Nichtkatholiken auf dem Kontinent den Jesuiten ans Messer geliefert werden. London könne jede Nacht in Flammen aufgehen usw. Das alles wurde erzählt und weiterberichtet; je ungeheuerlicher und schauerlicher die Neuigkeiten lauteten, desto wahrscheinlicher schienen sie den guten Leuten, desto besser stimmte das alles mit den Schilderungen, welche die Prädikanten seit Jahr und Tag von den Kanzeln aus über die blutdürstigen Jesuiten unter das Volk gebracht hatten. Es ist unglaublich, welche Aufregung sich Londons durch alle diese Gerüchte bemächtigte, welche Panik von der Hauptstadt aus bis in die entferntesten Provinzen sich verbreitete.

Doch konnte dieser urplötzliche Sturm naturgemäß nicht lange dauern; die Gerüchte bestätigten sich nicht; es erfolgte kein Attentat auf den König, es landete keine französische Flotte, kein Aufstand erfolgte, und der gefürchtete Brand der Haupststadt blieb aus. Nach kurzer Zeit machte sich daher der Rückschlag geltend, als auf einmal ein unseliges Ereignis das Schlimmste zu bestätigen schien und im Nue die Panik Londons wieder auf ihrem Höhepunkt stand.

Wie ein Lauffeuer ging nämlich den 13./23. Oktober die Kunde von Straße zu Straße, Sir Edmundsbury Godrey, der Friedensrichter, bei dem Oates und Tongue ihren Bericht beschworen und hinterlegt hatten, sei verschwunden. Sofort hieß es, wahrscheinlich sei er von den Papisten ermordet, und als man nach einigen Tagen, am 17./27. Oktober, wirklich den Leichnam des unglücklichen Mannes vor London draußen in einem trockenen Graben bei Primrose Hill auffand, erklärte die öffentliche Stimme ohne weiteres den Friedensrichter als das Opfer der Verschwörung. Daß der Mann eines gewaltsamen Todes gestorben war, lag auf der Hand; das eigene Schwert steckte in seinem Leib; daß er nicht das Opfer eines Räubers war, bewies die Börse, die man in den Kleidern des Toten fand. Also, schloß die Logik der aufgeregten Massen, wurde er von den Papisten ermordet und der Bericht des Titus Oates von der greulichen Verschwörung beruht auf Wahrheit.

Die Todesursache Sir Edmundbury Godefreys ist auch heute noch nicht völlige aufgeklärt. Es hat nicht an Stimmen gefehlt, welche die Tat Shaftesbury und seinen Kreaturen zuschrieben.

Wir haben schon gesagt, daß der Lord Schatzmeister Danby den Glauben an die Papistenverschwörung benutzen wollte, um die geschwundene Volksgunst wieder zu erobern. Durch seinen Sturmruf gegen die katholische Kirche wollte er sich als einen Pfeiler der Kirche Englands hinstellen. Es war das gewöhnliche Manöver der englischen Staatsmänner jener Zeit: in Schwierigkeiten hetzten sie John Bull gegen die Papisten. Allein Graf Danby, der die Furie des protestantischen Fanatismus entfesselte, besaß nicht die Kraft, sie zu leiten. Ein anderer riß ihm bald die Zügel aus der Hand; sein Gegner Shaftesbury lachte über den Eifer des Lord Schatzmeisters: "Mag Danby so laut No Popery schreien, als er Lust hat, und meinen, er habe so das Komplott als Waffe in seiner Hand: ich schreie doch noch einen Ton höher und werde ihn bald aus seiner Stelle verdrängen."

Shaftesbury war bald der Lenker des furchtbaren Sturmes, der sich jetzt gegen die katholische Kirche Englands entfesselte, und zwar so sehr, daß die Verschwörung neben dem Namen Titus-Oates-Plot geradezu den Namen "Shaftesbury-Plot" erhielt. Der protestantische Geschichtsschreiber Echard sagt, wie Oates der Entdecker der "Tatsachen" sei, so habe Shaftesbury es verstanden, sie als "glaubwürdig" darzustellen. Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, ist einer der gewissenlosesten Staatsmänner, die jemals lebten. Vierzig Jahre hatte er der Reihe nach die verschiedensten Parteien geführt und betrogen und hatte jeden neuen Umschwung mit durchtriebener Schlauheit so auszunutzen verstanden, daß sein Einfluß und sein Vermögen durch den Sturz jedes verratenen Freundes höher stieg. Der Erfolg, stets der Abgott der Massen, ließ ihn den Augen des Volkes als ein Wunder von Staatsklugheit erscheinen: was er tat und sprach, galt als Orakel. Damals stand dieser Mann, obschon selbst ein Gottesleugner, an der Spitze der anglikanischen Fanatiker, war Führer der Opposition und bot alles auf, um den Herzog von Monmouth die Krone Englands zu verschaffen. Er war der Urheber der "Exclusion Bill", der Todfeind des Herzogs von York, und da ihm sofort die politische Tragweite der Entdeckung Oates' einleuchtete, wenn es nur glückte, dem plumpen Lügengewebe wenigstens bei den Massen Glauben zu verschaffen, so warf er sich schnell entschlossen zum Anwalt und Beschützer des "Entdeckers" und seiner Erzählung auf. Er erreichte so den doppelten Zweck: seinem politischen Gegner Danby die Waffe der Popularität zu entreißen, und zugleich den viel wichtigeren - den Haß gegen die Katholiken, und in erster Linie gegen den Herzog von York, bis zur Raserei zu steigern und so dessen Ausschluß von der Thronfolge zu erzwingen. Karl II. nannte einmal Shaftesbury "den größten Schuft seines Königreiches". Macaulay sagt von demselben: ein Mann wie er habe zweifelsohne die Geschichte der Verschwörung als eine Lüge betrachtet, "aber es war eine Lüge, die seinen Plänen diente, und seinem verhärteten Gewissen macht der Tod eines Unschuldigen nicht mehr Unruhe als der Tod eines Feldhuhns".

Wenn der Friedensrichter Sir Edmundbury Godfrey wirklich ermordet wurde, so liegt der Gedanke nicht fern, Shaftesbury habe seine Hand mit im Spiel gehabt. Jedenfalls müßte diese Annahme wahrscheinlicher sein als die Annahme, die Papisten hätten ihn ermordet. Welches Motiv hätte sie auch hierzu antreiben können? Wäre es Rache gewesen, sie würde sich doch wohl gegen Titus Oates oder Tongue, und nicht gegen den unschuldigen Beamten des Königs, der überdies bei den Katholiken allgemein als ein billig denkender Mann galt, gerichtet haben. Doch steht es gar nicht fest, daß überhaupt ein Meuchelmord vorlag; ebenso wahrscheinlich ist Selbstmord. Der Friedensrichter litt seit längerer Zeit an schwerer Melancholie; er meinte, es sei ihm bestimmt, sein Leben am Galgen zu beschließen. Namentlich nach der Verhaftung Colemans, der zu seinen Freunden zählte, bemerkten viele eine große Niedergeschlagenheit an Godfrey, und überdies steht fest, daß eine krankhafte Melancholie in seiner Familie erblich war. Auch sein Vater hatte bei einem Anfall dieses Leidens Hand an sich gelegt. Bei der näheren Untersuchung des Leichnams fand sich außer der Wunde, in welcher sein eigener Degen steckte, ein roter Streifen um den Hals, wie von einer Schlinge. Wenn sich der Schwermütige selbst erhängte, so haben seine Angehörigen die Leiche, um den Verdacht des Selbstmordes abzulenken, an die Stelle gebracht, wo man sie fand. So retteten sie sich das Vermögen; denn die Habe des Selbstmörders wäre nach dem englischen Gesetz der Krone verfallen. Das alles hätte den Gerichtspersonen, welche die Leichenschau vornahmen, von Gewicht scheinen müssen; aber sie standen zu sehr unter dem Eindruck der öffentlichen Meinung, die im Sturm alles mit sich fortriß. Sie erklärten, es liege nicht Selbstmord, sondern Meuchelmord vor, und hunderttausendstimmig hallte es durch die Straßen der Hauptstadt: "Die papistischen Verschwörer haben ihn gemeuchelt!"

Eine Volksdemonstration in riesigem Maßstab sollte nun die Ungeheuerlichkeit der von den Jesuiten geplanten Verschwörung London und ganz England zum Bewußtsein bringen. In Prozession wurde der blutige Leichnam durch die Straßen getragen; 72 Prädikanten zogen vorauf, laut erklärend, sie brächten den Leib des ersten Märtyrers, der unter dem Dolche der Feinde ihrer Religion gefallen sei. In unabsehbaren Scharen drängte das Volk nach. Man mußte die Leiche 14 Tage öffentlich ausstellen, um der Neugierde der Massen zu genügen, die von nah und fern herbeiströmten und sich an der Bahre des Toten von den fürchterlichen Anschlägen der Papisten erzählen ließen.

Es ist etwas Schreckliches um die Macht einer Meinung, welche von Tausenden und Tausenden inmitten einer aufgeregten Bevölkerung laut als Wahrheit ausgeschrieen wird. Prüfungslos wird sie hingenommen und geglaubt. Von dem Tage an, da Emundbury Godfreys Leiche unter dem Wut- und Angstgeschrei der Einwohner durch die Straßen Londons getragen wurde, zweifelten nur wenige an dem wirklichen Bestand einer blutigen Verschwörung und wagten noch weniger ihre Zweifel laut auszusprechen. Die Jahresbriefe der Gesellschaft Jesu klagen, daß viele selbst von den Katholiken die Märchen glaubten, welche von allen protestantischen Kanzeln gepredigt, in allen Volksversammlungen verkündet, in Hunderten von Flugschriften gelesen und durch die bekannten Schaudergeschichten der Bartholomäusnacht scheinbar bestätigt wurden. Um selbst der Wut des Pöbels zu entgehen, stimmten manche offen in die Verwünschungen gegen die Orden ein, die vor allem als Anstifter und Helfershelfer dieser blutigen und schändlichen Pläne galten.

Die Panik, die sich in diesen Tagen Londons bemächtigte, ist unglaublich. Alle Milizen der Hauptstadt, etwas 50000 Mann, traten unter die Waffen; Kanonen rasselten durch die Straßen und wurden auf öffentlichen Plätzen, namentlich um den königlichen Palast von Whitehall aufgepflanzt. Kein Bürger traute sich unbewaffnet auszugehen, wenigstens trug er schwere Bleikugeln an einem kurzen Schlagriemen unter dem Gewand; ja selbst die Frauen bewaffneten sich mit Dolchen, auf deren Klingen eine Mahnung an die Ermordung Godfreys und ein Aufruf, treu zur protestantischen Religion zu stehen, eingraviert waren. Mehr als 20000 solcher Messer wurden in wenigen Tagen verkauft. Abends legte man sie unter die Kopfkissen, um sie zur Hand zu haben, wenn die gefürchtete Mordnacht kommen würde. Häscherbanden zogen herum und durchsuchten, freilich umsonst, alle Häuser der Katholiken nach Waffen; alle Gefängnisse der Hauptstadt und der Grafschaften füllten sich mit unschuldigen Priestern und Laien, und Tag und Nacht erwartete man irgend eine ungeheuerliche Tat von seiten der Verschworenen oder ihrer Bundesgenossen in Frankreich, Spanien und Deutschland.

Inmitten dieser furchtbaren Aufregung trat den 21./31. Oktober das Parlament zusammen. Der König, der doch vor dem Privy Council so unverhohlen Titus Oates als einen meineidigen Lügner erklärt hatte, fand jetzt der öffentlichen Meinung gegenüber nicht den Mut, die Unschuldigen zu verteidigen. "Wer die Glaubwürdigkeit der Zeugen angreift, muß als ein Feind des Vaterlandes betrachtet werden", hatte Shaftesbury erklärt. Im Gegenteil, die Worte des Königs schienen den Glauben an den Bestand der Verschwörung zu bestätigen; er sagte in der Thronrede: er habe gehört, die Jesuiten hätten sich gegen sein Leben verschworen; doch wünsche er, über diese Angelegenheit zu schweigen und die ganze Sache den Gerichten zu überlassen. Das Unterhaus war damit keineswegs zufrieden. Am 24. Oktober (3. November) beschied es Dr. Tongue und Titus Oates vor seine Schranken und ließ sich das abenteuerliche Lügengewebe von seinem Erfinder vorerzählen; dann erklärte das Haus: "Es bestehe in Wahrheit ein höllisches Komplott von Papisten zur Ermordung des Königs, zum Umsturz der Regierung und zur Vernichtung der protestantischen Religion." Gleichzeitig verlangten beide Häuser des Parlaments, daß man Wachen in die Kellergewölbe unter den Versammlungshallen bei Tag und Nacht aufstelle, als fürchteten sie eine neue Pulververschwörung. Ein allgemeiner Fast- und Bußtag wurde vom Parlament ausgeschrieben, um den Schutz des Himmels auf den König und alle getreuen Untertanen herabzuflehen. Die vorgebliche Verschwörung sollte nicht, wie es der König wollte, durch die ordentlichen Gerichte, sondern durch eine eigens vom Parlament ernannte Kommission untersucht werden; alle darauf bezüglichen Akte und Papiere seien dem Haus vorzulegen. Eine Bill wurde schon in der ersten Sitzung eingebracht, welche alle Katholiken (etwa 30000!) aus London und zehn Meilen im Umkreis der Hauptstadt verbannte; die Katholiken in den Provinzen durften sich nicht weiter als fünf Meilen von ihrem Haus entfernen; bei Hof solle allen fremden und verdächtigen Personen der Zutritt verweigert werden; die Milizen von London und Westminster sollen sich marschfertig halten; alle Personen, welche Oates in seiner Liste der Verschworenen angab, wessen Standes und Ranges sie auch seien, sollen alsbald eingekerkert werden, namentlich seien die katholischen Earls of Powis und Castlemane, Viscount Stafford und die Lords Petre, Arundel of Mardour und Bellasyse und viele andere hervorragende Katholiken in London und in den Provinzen sogleich in den Tower oder in andere Gefängnisse zu werfen.

Ebenfalls in dieser stürmischen Sitzung, welche von morgens 8 Uhr bis nachts 10 Uhr dauerte, brachte Shaftesbury, der jetzt an der Spitze der ganzen Bewegung stand und die Stellung des Herzogs von York bei der allgemeinen Stimmung im Sturm zu nehmen hoffte, eine Bill ein, welche die katholische Thronfolge unmöglich machen sollte. Dieselbe verlangte von allen Katholiken ohne Ausnahme - bisher war der Herzog von York ausgenommen - die schon erwähnte Testakte und verschärfte dieselbe mit dem Zusatz, daß der katholische Gottesdienst Abgötterei sei. Wer diesen Eid verweigere, könne weder vor dem Gerichtshof Klage führen, noch Vormund, Testamentsvollstrecker, Verwalter eines Vermögens mit rechtlicher Wirkung sein, ja er könne nicht einmal eine Erbschaft, ein Vermächtnis oder eine Schenkung entgegennehmen; noch viel weniger solle er fähig sein, irgend eine öffentliche Stellung zu bekleiden, oder dürfe er den Palast des Königs betreten oder sonstwie sich in der Umgebung des Monarchen befinden. Schon am 28. Oktober nahm das Unterhaus diese Bill ohne irgend welche Beschränkung an, und es stand zu befürchten, daß das Oberhaupt dasselbe tun werde.

Am 31. Oktober (9. November) endlich fand unter ungeheurem Zulauf die feierliche Beerdigung Godfreys statt. Sie steigerte womöglich noch den rasenden Fanatismus. Dr. Lloyd, der von Bewaffneten umringt am Grabe stand, als gälte es auch sein Leben, hatte zu seinem Text die Worte gewählt: "Wie ein Mann fällt vor den Gottlosen, so bist du gefallen." Er feierte den Toten als einen wahren Märtyrer, als den ersten von den zahllosen, welche papistische Bosheit in diesem Augenblick und in dieser Stadt dem Verderben weihen möchte.

Die Beschlüsse, welche das Unterhaus am nächsten Tag faßte, sind der Widerhall dieser stürmischen Straßenszene. Mit Nachdruck wiederholte es seine Erklärung, daß ein greuliches Papisten-Plot wirklich bestehe, und forderte Maßregeln, binnen 24 Stunden 100000 Mann unter die Waffen rufen zu können.

So hoch gingen jetzt die Wogen, daß am 2./12. November im Oberhaus Shaftesbury persönlich einen direkten Angriff auf den Herzog von York unternahm, und zwar in Anwesenheit des Königs. Dasselbe geschah im Unterhaus durch Lord Russell. In einer Adresse an den König verlangte man von Karl II. ausdrücklich, daß er seinen Bruder aus seiner Umgebung entferne und aus dem Privy Council entlasse. Die Freunde des Königs glaubten den Sturm durch ein Opfer beschwören zu müssen, und auf den Wunsch Karls II. erklärte der Herzog von York im Oberhaus seinen freiwilligen Austritt aus dem geheimen Rat. Dafür wurde von den Peers der Eidesbill die Klausel beigefügt, daß sie auf den Bruder des Königs keine Anwendung finde. So war der erste Sturmlauf Shaftesburys in dem Hauptpunkt freilich abgeschlagen, aber er hatte immerhin einen Erfolg von ungeheurer Tragweite: selbst in dem Falle, daß der Opposition die Verhinderung einer katholischen Thronfolge nicht glücken sollte - was hatte ein Monarch zu bedeuten, der weder in seiner Umgebung noch in seinem Staatsrat noch überhaupt in der ganzen Rangordnung der Beamten auch nur einen Glaubensgenossen haben durfte? Zudem verloren durch diese Bill Shaftesburys nicht weniger als 21 katholische Peers Sitz und Stimme im Oberhaus, und dieselbe blieb in Kraft bis zur Emanzipation der Katholiken im Jahre 1829, also volle 150 Jahre.

Natürlich sprach die öffentliche Meinung das Hauptverdienst der glücklichen Abwendung des allgemeinen Umsturzes dem Entdecker Titus Oates zu. Laut feierte ihn die Menge als den "Retter des Vaterlandes". Der Mensch, der eben noch als verachteter Bettler auf der Straße gestanden hatte, wurde jetzt von der höchsten Aristokratie mit Einladungen überschüttet. Ja das Parlament empfahl den durch ehrlose Verbrechen Gebrandmarkten der besonderen Huld des Königs, und Karl II., der ihn vor Monatsfrist "den verlogensten Schuft" (a most lying scoundrel) genannt hatte, wies ihm jetzt in seinem königlichen Palast Whitehall eine Wohnung an und setzte ihm als Lohn für seine treuen Dienste eine Jahrespension von 1200 Pfd. St. (nach heutigem Geldwert [ca. 1901] wohl 100000 Mark) aus.

Die Partei Shaftesburys konnte mit der geschickten Ausbeutung der höchst plump angelegten Klage zufrieden sein. Schon im November 1678, nach dem ersten Sturmlauf, schien die Stellung des Herzogs von York beinahe unhaltbar. Der Leiter der Opposition hatte alle Hoffnung, im weiteren Verlauf des Prozesses, dem jetzt die ganze Energie zugewendet wurde, neue Momente zu finden, welche die katholische Thronfolge zur Unmöglichkeit machen würden.

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