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Memorandum Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch

Am 4. Februar 2011 veröffentlichten 143 Professoren und Professorinnen der Theologie ein Memorandum zur Krise der katholischen Kirche, das von einem achtköpfigen Redaktionsteam erstellt wurde und den Titel Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch trägt. Zum Redaktionsteam gehörten u. a. Hille Haker, Frankfurt, und Judith Könemann, seit 2009 Professorin in Münster. Auch Gerhard Kruip gehört zu den Initiatoren des Memorandums. Bis zum 11. Februar wuchs die Zahl der Unterzeichner auf 228, schließlich waren es 240 aus dem deutschsprachigen Raum. Wir bringen eine Reihe von Kommentaren und verfolgen die weitere Entwicklung.

1. Das Memorandum: ein Ablenkungsmanöver

“In den 70er Jahren wurde Pädophilie als etwas durchaus dem Menschen und auch dem Kind Gemäßes theoretisiert. Dies aber war Teil einer grundlegenden Perversion des Konzepts von Ethos. Es wurde – auch bis in die katholische Theologie hinein – behauptet, das in sich Böse gebe es so wenig, wie es das an sich Gute gebe. Es gebe nur ‘besser als’ und ‘schlechter als’. Nichts sei in sich gut oder schlecht. Alles hänge von den Umständen und von der Zwecksetzung ab. Je nach den Zwecken und Umständen könne alles gut oder auch schlecht sein. Moral wird durch ein Kalkül der Folgen ersetzt und hört damit auf, als solche zu bestehen. Die Folgen dieser Theorien sind heute offenkundig.”

Mit diesen Worten aus seiner Ansprache vom 20. Dezember 2010 vor den Kardinälen und Mitgliedern der Kurie wies Papst Benedikt XVI. zum wiederholten Male auf die Fehlentwicklungen in der Moraltheologie hin, die für die Missbrauchsskandale in der Kirche mitverantwortlich waren (worauf ich schon früher ausführlich eingegangen bin). Doch von den meisten Bischöfen werden diese Worte ignoriert. Einer Diskussion über die Frage der Mitschuld katholischer Theologen weicht man aus. Statt dessen lässt man sich, wie jetzt beim Memorandum der Theologieprofessoren sichtbar wird, eine Diskussion aufzwingen, die die Missbrauchsaffäre missbraucht, um katholische Lehre und Praxis aufzuweichen und von den wahren Ursachen abzulenken.

2. Doppelmoral in der Kirche

“Das Problem, das wir haben - und da stimme ich der Erklärung zu, - ist ein ungeheures Maß an Doppelmoral in der Kirche: dass von Seiten der Bischöfe hier weggeschaut wurde, was die Frage des Missbrauchs betrifft. Und dieses Wegschauen gibt es auch in anderen Bereichen: Also Priester können lehren, was sie wollen, sie können leben, wie sie wollen, und sie können Liturgie feiern, wie sie wollen, und das interessiert in der Regel die Bischöfe nicht. Und das muss aufhören, da muss wirklich eine Erneuerung des Amtes erfolgen, auch mit einem entsprechenden Dienstaufsichtsrecht.”

So der Freiburger Dogmatiker Prof. Dr. Helmut Hoping am 4. Februar im Interview mit dem Domradio über das Memorandum. Das Interview steht auf der Internetpräsenz des Domradios als Audio-Datei zur Verfügung.

Zwar sind die Bischöfe entschlossen, der Doppelmoral im Falle des Umgangs mit Kinderschändern, ein Ende zu setzen. Doch wird die Doppelmoral auch in den von Hoping genannten Fällen ein Ende finden? Wohl kaum, denn im ersten Fall haben die Bischöfe auf den Druck der Medien und der öffentlichen Meinung reagiert. Dieser Druck fehlt in den anderen Fällen. Da ist es bloß der Papst, der seit Jahrzehnten immer wieder die Bischöfe ermahnt; und der wird, wie die Erfahrung lehrt, von vielen Bischöfen ignoriert (siehe oben).

3. Unsere Helden, die Theologen

Oft wurde von Theologenseite die gesellschaftliche Relevanz der Theologie beschworen, die Notwendigkeit politischen Engagements postuliert und der Dialog mit der Welt gefordert. Doch wann haben wir je eine öffentliche Erklärung der Theologenzunft zu wirklich brennenden Fragen der Zeit erlebt, ein Memorandum etwa zum Skandal der Abtreibung oder der Euthanasie? Wo bleibt ihre Stimme zum Schutz von Menschenwürde und Lebensrecht, ihr flammender Protest gegen PID, Klonen und Genmanipulation? Da hält sie sich merkwürdig zurück.
Doch wenn es gilt, gegen Papst, Zölibat und kirchliche Lehre Stimmung zu machen, werden medienwirksam Erklärungen wie die Kölner von 1989 lanciert, in deren Tradition nun auch das Memorandum steht. Statt sich vom christlichen Standpunkt aus für eine Verchristlichung der Gesellschaft zu engagieren, setzen sie sich lautstark für eine Verweltlichung der Kirche ein. Unsere Helden der Zivilcourage betätigen sich als Trittbrettfahrer antikirchlicher Medienkampagnen. Gleichzeitig präsentieren sie der Öffentlichkeit ein Bild von Kirche, die mit sich selbst beschäftigt ist - und fordern im Memorandum, sie aus der Selbstbeschäftigung herauszuführen. Vielleicht sollten unsere Helden der Logik einmal einen Blick auf Papst Benedikt werfen, der ihnen vormacht, wie man glaubwürdig den Weltauftrag der Kirche bezeugen kann.

4. Logik

In ihrem Memorandum fordern die unterzeichneten Theologen als Konsequenz aus den Missbrauchsfällen “Respekt vor dem individuellen Gewissen”, “Vertrauen in die Entscheidungs- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen” besonders im “Bereich persönlicher Lebensentscheidungen und individueller Lebensformen.” Mit Freuden können sich Pädophile dies zu eigen machen, entspricht dies doch genau jenen Forderungen, die sie selber seit Jahrzehnten erheben, auch im Bereich der Theologie (Klaus Berger hat darüber berichtet), damals übrigens noch Arm in Arm mit den Homosexuellen (Beleg etwa bei Eckhard Nickig). Während Papst Benedikt für das skandalöse Vertuschen - plausiblerweise - eine nachlässige Anwendung der Bestimmungen des Kirchenrechts verantwortlich macht, klagen die Theologen gegen alle Logik nun gerade den moralischen Rigorismus der Kirche an. Der Spiegel macht sich darüber lustig mit der Bemerkung: “Warum ausgerechnet ein Ende des ‘moralischen Rigorismus’ ein probates Mittel gegen eine winzig kleine Minderheit pädophiler Priester sein soll, erschließt sich nicht so recht. Sollte die moralische Sperre nicht eher noch viel rigoroser sein? Würden sich Pädophile mit einer weniger rigiden Moral eher dem Briefmarkensammeln zuwenden als sich an Schutzbefohlenen auszutoben?”

5. Der doppelte Maßstab

Haben die Theologen des Memorandums das Priestertum der Frau gefordert? Wohl mit Bedacht wurde die Formel gewählt: “Die Kirche braucht auch verheiratete Priester und Frauen im kirchlichen Amt.” Da nicht gesagt wird, in welchem kirchlichen Amt, haben sich die unterzeichneten Theologen ein Hintertürchen offengelassen, um nicht auf einen Widerspruch gegen eine höchst verbindliche Lehramtsäußerung festgenagelt werden zu können. Auf der anderen Seite wird ihnen klar gewesen sein, dass die Forderung genau in diesem Sinne verstanden werden würde. Und tatsächlich brachte die dpa in ihrer ersten Meldung über das Memorandum am 4. Februar um 8:30 Uhr die Nachricht: “Die Geistlichen treten auch dafür ein, Frauen zum Priesteramt zuzulassen.” Eine Distanzierung von dieser Deutung ist bis dato von keinem der Theologen erfolgt. Deshalb wird der Dogmatiker Helmut Hoping Recht haben mit seiner Meinung, dass genau dies von den Unterzeichnern auch gemeint war.

Die Forderung der Einführung der Frauenordination bedeutet aber einen massiven Widerspruch gegen die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie sie in der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium über die Kirche im Abschnitt 25 niedergelegt ist. Dort wird mit aller wünschenswerten Deutlichkeit der Glaubensgehorsam bzw. der “religiöse Gehorsam des Willens und Verstandes” je nach dem Verbindlichkeitsgrad der vorgelegten Lehre eingefordert. Neben der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung gehört Lumen gentium zum gewichtigsten Dokument des Konzils.

Als der Heilige Stuhl 1988 von Erzbischof Lefebvre und den zurückkehrenden “Traditionalisten” die Anerkennung genau dieses Abschnitts 25 forderte, beschwerten sich die selbsternannten Konzilsverteidiger, das sei viel zu wenig. Rom müsse mehr verlangen. Nun sind sie nicht bereit, selber überhaupt dieses Minimum an Anerkennung des Konzils aufzubringen.

Bei aller subjektiv gutgemeinten Absicht, die ich den Unterzeichnern des Memorandums unterstellen will - dieser doppelte Maßstab, den sie an sich und andere anlegen, ist unehrenhaft.

Beiträge zum Streit über das Konzil

6. Welche Solidarität?

Zu den Unterzeichnern des Memorandums gehören Theologen, die “das christologische und trinitarische Dogma vollständig abräumen” (so Michael Schulz über Karl-Heinz Ohlig) oder das Jesus-Buch des Papstes zerreißen, weil in ihm die Gottessohnschaft des historischen Jesus geglaubt und ernstgenommen wird (cf. den Exegeten Stefan Schreiber, seit 2010 Professor in Augsburg, vorher in Münster).

Nun wäre es zweifellos unrecht, allen Unterzeichnern mangelnden katholischen Glauben vorzuwerfen. Aber die Allianz mit Theologen, die nicht mehr auf dem Boden des katholischen Glaubens stehen, wirft ein bezeichnendes Licht auf die erhobenen Forderungen: Es geht letztlich darum, ein Kirchenverständnis zu etablieren, das mit häretischen oder gar apostatischen Anschauungen kompatibel ist (ein Phänomen, das wir so schon bei Wir sind Kirche feststellen konnten). Tatsächlich ist z.B. die Sinnhaftigkeit des Zölibats nur einsichtig auf dem Hintergrund der göttlichen Einsetzung des Priestertums und dessen übernatürlichen Charakters. In der heutigen Glaubenskrise wirkt der Zölibat wie eine Firewall, die das massenhafte Eindringen von halbgläubigen Trojanern ins Priesteramt verhindert.

Besorgniserregend ist, dass bei den unterzeichneten rechtgläubigen Theologen, die die Abschaffung des Zölibats fordern, die Solidarität mit gleichfordernden Häretikern anscheinend größer ist als die Solidarität im Glauben. Wo bleibt die Distanzierung von Häresien von Mitunterzeichnern?

7. Wer steckt in der Falle?

Das von Oliver Maksan in der Tagespost benutzte Bild von der Dialogfalle, die mit dem Memorandum zugefallen sei und in die die deutschen Bischöfe geraten seien, ist zutreffend - aber nur auf jene Bischöfe, denen es mit ihrem Dialogangebot darum ging, die Glaubensnöte jener Menschen ernstzunehmen, die sich immer mehr von der Kirche entfernen. Dieser notwendige Dialog mit der Welt ist nun blockiert durch den von den Memorandalierern erzwungene innerkirchliche Disput über Strukturfragen. Statt mit den Bischöfen zusammen auf die Glaubensnöte der Menschen von heute zuzugehen, drängeln sich Theologen mit ihren Problemen, die sie etwa mit der Institution des Priesterzölibats oder der Unmöglichkeit des Frauenpriestertums haben, vor und drehen jenen Menschen den Rücken zu.

Dass es aber auch Bischöfe gibt, denen genau dieser innerkirchliche Disput willkommen ist, hat uns Kardinal Lehmann in seiner Bistumszeitung gezeigt, wo er die Zölibatsfrage zu einem “unerledigten Thema” erklärt hat, “das nun schon über 40 Jahre lang immer wieder in der Kirche diskutiert wird.” Warum ist dieses Thema unerledigt? Genügen dem Kardinal nicht die Aussagen des Konzils? Ist in seinen Augen die eigens dem Zölibat gewidmete Enzyklika Pauls VI. Sacerdotalis coelibatus von 1967 so belanglos, dass er eine anschließende vierzigjährige Dauerdiskussion für sinnvoll hält? Vor allem aber muss er sich den Schuh anziehen, den Kardinal Kasper den Unterzeichnern des Memorandums zugedacht hat, wenn er schreibt: “Die [Zölibats-]Frage ist international exegetisch wie historisch mit Ergebnissen diskutiert worden, die es seriöser Weise wissenschaftlich nicht mehr erlauben, die alten Argumente einfach zu wiederholen. Nicht weniger als drei ‘Weltbischofssynoden’ haben sich mit der Frage befasst und darüber mit überwältigenden Mehrheiten abgestimmt. Wenn man, wie es zu Recht geschieht, eine Rechtskultur verlangt, dann gehört dazu auch, dass man, wie es im weltlichen Bereich selbstverständlich ist oder zumindest sein sollte, keine lähmende Dauerdiskussion führt, sondern Entscheidungen auch dann anerkennt, wenn man selbst vielleicht eine andere Lösung bevorzugt hätte.”

Kardinal Lehmann und seine bischöflichen Gesinnungsgenossen sitzen also, um das Bild Maksans wieder aufzugreifen, nicht in der Dialogfalle, sondern gehören selber zu den Fallenstellern, und in der öffentlichen Wahrnehmung ist es der Papst, der darin sitzt. Denn bei ihm liegt mal wieder der Schwarze Peter, wenn er in der Frage hart und den Voten von Konzil und drei Weltbischofssynoden treu bleibt. Lehmann und Co. dagegen, die sich als die großen Versteher der Zölibatskritiker präsentieren, sind fein raus und können dann in das große Wehklagen über die tauben Ohren, auf die sie in Rom gestoßen seien, mit einstimmen.

Wir kommen nicht um das Fazit herum: Der von den Theologen erzwungene Dialog demontiert in der öffentlichen Wahrnehmung das Ansehen des Papstes, und jede Unbedenklichkeitsbescheinigung, die ihm ausgestellt wird, wirkt dabei mit.

8. Die Unruhe der Theologen

“Die Unruhe eines offenen Dialogs ohne Tabus ist nicht allen geheuer”, heißt es im Theologenmemorandum "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Und der Theologe Georg Steins, seit 2002 Lehrstuhlinhaber in Osnabrück und einer der Initiatoren des Memorandums, meinte in einem Interview mit katholisch.de: “Tabus darf es nicht geben! Man kann keinen Dialog führen, wenn man bereits im Vorfeld bestimmte Dinge jedem Gespräch entzieht.”

Das hörte sich vor zwei Jahren noch ganz anders an. Da hieß es anlässlich der Gespräche, die mit der Piusbruderschaft zu führen der Heilige Stuhl nach der Aufhebung der Exkommuniation ankündigte, auf keinen Fall dürfe das Zweite Vatikanischen Konzil in Frage gestellt werden. Natürlich ging es bloß um einige konziliare Lieblingsthemen der Progressisten. Was das Konzil beispielsweise zum Zölibat sagt, ist ihnen völlig egal, wie sich - nicht erst seit dem Memorandum - zeigt.

Das bedeutet nichts anderes, als dass die Memorandisten selber bestimmen wollen, welche Themen tabuisiert und welche zur Verhandlungssache werden. Dass Rom etwa die Frage der Frauenordination höchstverbindlich entschieden hat, lassen sie nicht gelten. Indem sie sich selber die Entscheidungshoheit über Tabu- und Dialogthemen zuschreiben, tun sie genau das, was ihnen Johannes Paul II. einst vorgeworfen hatte: Sie setzen das Lehramt der Theologen an die Stelle des Lehramts der Kirche!

9. Brandmüllers Rehabilitierung

Karl Kardinal Lehmann hatte am Offenen Brief von Kardinal Brandmüller an die zölibatskritisierenden CDU-Politiker moniert, man könne denselben doch nicht den Wunsch nach einer “anderen Kirche” vorwerfen. Kaum hatte er diesen Gedanken veröffentlicht, fielen ihm die Memorandumstheologen in den Rücken, indem sie die Diagnose Brandmüllers bestätigten: Die Forderung nach der Abschaffung der priesterlichen Zölibatsverpflichtung steht bei ihnen im Kontext eines ganzen Wunschkatalogs, dessen Erfüllung die Identität der katholischen Kirche in ihrer Lehre und Struktur antasten würde. Von den Politikern kam keine Distanzierung von diesem Kontext, in dem ihre eigene Forderung plötzlich auftrat und Unterstützung erfuhr. Es wird klar, dass der Angriff auf den - theologisch nicht zwingend zu haltenden - Zölibat als Einfallstor zur Weichspülung lehramtlich unaufgebbarer Positionen fungiert. Insofern haben die Memorandumstheologen zur Rechtfertigung Brandmüllers gegenüber der Lehmannschen Kritik und zur Entlarvung der strategischen Bedeutung der Zölibatskritik beigetragen.

10. Vorgetäuschter Dialog

Wenn die unterzeichneten Theologen von sich behaupten, dass sie mit ihrem Memorandum das bischöfliche Dialogangebot aufgreifen, dann ist das eine Täuschung - wenn man unter Dialog den Austausch von Argumenten versteht. Wo bleibt denn im Memorandum und auch in den nachfolgenden Kommentaren und Erklärungen die inhaltliche Auseinandersetzung etwa mit den Aussagen des Konzils zum Zölibat, mit der tiefschürfenden Lehre Johannes Pauls II. über den Sinn der menschlichen Sexualität oder den äußerst differenzierenden Erörterungen schon des Theologen und Kardinals Ratzinger über das Verhältnis von Hierarchie und Kollegialität? Allein schon der Weg über die Öffentlichkeit zeigt, dass es diesen Theologen nicht um Dialog, sondern um Druckausübung geht. Der seit 2009 emeritierte Heidelberger Theologieprofessor Joachim Maier aus Schriesheim, einer der Erstunterzeichner des Memorandums, hat es inzwischen dankenswerterweise offen eingestanden: "Der Druck muss stärker werden, damit die Leitung der Gemeinden nicht länger an den geweihten Priestern festgemacht wird", sagte er dem Mannheimer Morgen. Und sein Vorgänger auf dem Heidelberger Lehrstuhl, Norbert Scholl aus Wilhelmsfeld, ebenfalls ein Erstunterzeichner, dreht den Spieß gleich rum und diffamiert Papst Benedikt XVI. als beratungsresistent.

Genau das ist es, was manche Kritiker des Memorandums so aufregt: der heuchlerisch wirkende Widerspruch zwischen zur Schau getragenem Dialogpathos und tatsächlich praktizierter Ersetzung des Dialogs durch Druck und antipäpstlicher Stimmungsmache. Das ist der Grund, warum viele treue Katholiken sich durch jene Theologen in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen und dann natürlich auf eine Weise reagieren, über deren Emotionalität und Unsachlichkeit die Nase zu rümpfen die Gegenseite schnell bereit ist - statt sich einmal an der eigenen Nase zu fassen und sich darüber klar zu werden, was für ein Bild von Kirche sie der Öffentlichkeit vermittelt.

11. Nientiedts Verteidigung der Selbstbeschäftigung

Interessantes bringt ein Blick auf die Versuche der Memorandumsverteidigung gegenüber dessen Kritikern ans Licht. Dass die Unterzeichner gerade jene “lähmende Selbstbeschäftigung” der Kirche produzieren, die sie kritisieren, ist mit Händen zu fassen und wurde am 4. Februar erstmals von Guido Horst öffentlich festgestellt. Am 7. Februar meinte dazu Klaus Nientiedt in der Onlineausgabe des Konradsblatts, des Freiburger Diözesanblatts: “Und wem kann man ‘lähmende Selbstbeschäftigung’ vorhalten – denen, die für die Weihe von in Familie und Beruf bewährte Männer zu Priestern (‘viri probati’) eintreten oder denjenigen, die diese Forderung gerade nicht unterstützen?”

Man ist versucht, in dieser Antwort eine Fortsetzung jener “Exerzitien der intellektuellen Selbstkasteiung” zu sehen, die Alexander Kissler den Memorandisten vorwarf: “Ihr stellt euch – bitte entschuldigt das harte Wort – viel, viel schlichter, als Ihr seid.” Denn es ist kaum vorstellbar, dass Nientiedt nicht erfassen sollte, dass die Kritik der Wahl des Themas und nicht der inhaltlichen Positionierung gilt, also der Tatsache, dass man der Kirche die Diskussion überhaupt aufzwingt. Es geht nicht darum, ob man Weiß oder Schwarz, sondern dass man überhaupt Schach spielt, während man Wichtigeres zu tun hat. Durch die Dauerdiskussion um Zölibät und Co. werden, wie Prof. Dr. Jan-Heiner Tück in der NZZ richtig festgestellt hat, die besten Kräfte der Kirche gebunden. Während es in der Gesellschaft brennt und sich eine Kultur des Todes ausbreitet, wird die Kirche von einer gewissen Art von Theologen permanent zur Selbstbeschäftigung gezwungen. Diese Theologen sind Feuerwehrmännern vergleichbar, die während einer Feuerkatastrophe in den Streik treten, um bequemere Fahrzeuge zu erzwingen. Tatsächlich glänzen die meisten von ihnen durch Streik, sprich: durch Abwesenheit in den relevanten Themen, wo das Zeugnis der Kirche gefragt wäre.

Inzwischen haben zwei Kardinäle einen Nachhilfeunterricht gegeben, der Herrn Nientiedt vielleicht auf die Sprünge hilft. Walter Kardinal Kasper meinte, das Memorandum bleibe in der von ihm kritisierten Selbstbeschäftigung stecken: “Glauben denn die Unterzeichner im Ernst, dass die Kirchenfragen die existenziellen Fragen der Menschen heute sind?” Und Kurt Kardinal Koch zeigte sich erstaunt, dass das Memorandum “auf die ganze kulturelle Krise, in der wir heute leben, mit keinem Wort eingeht. Man wirft der Kirche vor, sie beschäftige sich immer nur mit sich selber, aber dann ist es doch wieder ein Aufruf an die Kirche zur Selbstbeschäftigung, der in diesem Papier drinsteht.”

Peter Seewald brachte es auf den Punkt: “Es sind genau diese Gruppierungen, die die Selbstbeschäftigung geradezu zu einer Manie ausgebildet haben und damit seit 25 Jahren verhindern, dass sich die Kirche in Deutschland der wirklichen Probleme annimmt.” Sein Staunen “über die Unredlichkeit der Diskussion, die schiefen Argumente” wird nur noch übertroffen von meinem Staunen über die Antwort Nientiedts.


Erfüllte Träume

Man kann es nur wieder und wieder betonen: Im Protestantismus sind sämtliche Reformforderungen, mit denen Papst und Bischöfe bestürmt werden, längst verwirklicht. Was hat es gebracht? Von vollen Gotteshäusern und blühendem geistlichem Leben kann keine Rede sein.

Markus Reder im Leitartikel Katholische Identitätsstörung, Tagespost vom 28. Januar 2014


Presseschau zum Theologenmemorandum

Merkwürdigerweise respektieren wir Mahatma Ghandi, der ein dem Zölibat entsprechendes Gelübde abgegeben hat. Ebenso den ehelosen Dalai Lama. Aber dem katholischen Priester wollen wird ständig geregelte Triebabfuhr verordnen, weil alles andere unnatürlich sei.
Matthias Matussek vom Spiegel in seiner Abrechnung mit dem Memorandum

Die einzigen, die angesichts eines solchen Papiers erschrecken müssen, sind die Bischöfe dieser Theologen. Denn sie sind die Hüter und Verkünder des Glaubens und tragen die Verantwortung dafür, wer die nachwachsenden Generationen von Theologen und Religionspädagogen ausbildet. Man darf nicht vergessen, dass es die Theologenzunft war, die in Deutschland dafür gesorgt hat, dass die Weitergabe des katholischen Glaubens im schulischen Religionsunterricht völlig in sich zusammengebrochen ist – von als heroisch zu bezeichnenden Ausnahmefällen einmal abgesehen.
Guido Horst in seinem Leitartikel Wie Kirche sich selbst versenkt in der Tagespost vom 5. Februar 2011

Schlichtest erscheint auch die Berufung auf das Zweite Vatikanum, das Ihr gewiss ein und aus studiert habt. Es dient hier als Einwickelfolie für die Forderung, von der „modernen Gesellschaft“ zu lernen. Das Zweite Vatikanum hat aber exakt jene Verfasstheit von Kirche bekräftigt, die Ihr nun überwinden wollt. Warum schreibt Ihr dann nicht, es sei Zeit, sich vom letzten Konzil zu lösen? Das wäre ehrlich und mutig und also das Gegenteil des tatsächlich Gesagten.
Aus dem Offenen Brief Dr. Alexander Kisslers an die Unterzeichner des Memorandums, 7. Februar 2011

Laut krachend ist sie am Freitag zugeschnappt: die Dialogfalle, die sich die deutschen Bischöfe im Herbst mit dem angekündigten „Dialogprozess“ ohne Not selbst gestellt haben. Denn mit dem Memorandum mit seinem altbackenen, wirren Themenkatalog – da finden sich präzise Forderungen wie die nach der Frauenordination neben bewusst nebulösen wie der Forderung von Frohbotschaft statt Drohbotschaft – haben die Theologen nur beherzt die ausgestreckte Hand ergriffen, die die Bischöfe unter dem Eindruck der Missbrauchskrise jedem so treuherzig entgegengestreckt haben. Heil werden die Oberhirten aus dieser Falle nicht herauskommen.
Oliver Maksan in seinem Leitartikel In der Dialogfalle in der Tagespost vom 8. Februar 2011

Die Theologen der Münsteraner Erklärung betreiben „Missbrauch mit dem Missbrauch“, um Forderungen durchzusetzen, die ganz sicher nicht die Ursachen bekämpfen, die dem Missbrauch zugrunde liegen. Dass zu einem neuen Aufbruch ein innigeres Bemühen um die Keuschheit gehören müsste, wird in dem Memorandum nicht gesagt. Auch von der Notwendigkeit einer Bekehrung ist nicht die Rede. Im Gegenteil: Man setzt sich ein für die kirchliche Anerkennung der wiederheirateten Geschiedenen, die nach dem Worte Jesu im Zustand des Ehebruchs leben (vgl. Mk 10, 11f par.), und sogar der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, deren sexuelle Praxis nach den Lasterkatalogen des Neuen Testaments zum Ausschluss vom Reiche Gottes führt (vgl. 1 Kor 6, 10 etc.). Hiermit zeigt sich nicht etwa die höhere Weihe neuer akademischer Einsichten, sondern ein Verlust von Glaube und Moral (...) Könnten die Unterzeichner der Münsteraner Erklärung ehrlicherweise die „Professio fidei“ sprechen, die Voraussetzung dafür ist, im Namen der Kirche lehren? Werden die zuständigen Bischöfe den Mut haben, gegenüber den auf den Wogen des Zeitgeistes surfenden Theologen auf der Kirchlichkeit der Theologie zu bestehen?
Der Theologe Prof. Dr. Manfred Hauke in der Tagespost vom 8. Februar 2011

Kath.net: Die Initiatoren des Memorandums sagen, sie hätten damit einen Nerv getroffen?
Seewald: Das kann man wohl sagen. Den Nerv von Millionen von Gläubigen, die diese Diskussion, die wir unzählige Jahre geduldig ertragen haben, endlich satt haben. Man wolle „die Kirche aus ihrer lähmenden Selbstbeschäftigung herausführen“, heißt es mit Krokodilstränen in den Augen. Absolut irre. Es sind genau diese Gruppierungen, die die Selbstbeschäftigung geradezu zu einer Manie ausgebildet haben und damit seit 25 Jahren verhindern, dass sich die Kirche in Deutschland der wirklichen Probleme annimmt.
Peter Seewald im Interview mit kath.net vom 8. Februar 2011

Die stark abwanderungsgefährdeten „kirchlich distanzierten Christen“ interessieren sich nach dem „Trendmonitor Religiöse Kommunikation 2010“ nur zu 8 Prozent „sehr“ oder „ziemlich“ für „Themen, die die Kirche betreffen“ und zu 12 Prozent „für religiöse Fragen“. Die Autoren argumentieren hier also contrafaktisch und rein spekulativ; bedenkt man, dass es sich doch um Gelehrte handeln müsste, kann neben dem Eindruck der Ignoranz sogar der Verdacht der Manipulation aufkommen: Man konstruiert die Wirklichkeit so, wie sie am besten ins eigene Konzept passt und vereinnahmt die Ausgetretenen pauschal.
Der Politologe Dr. Andreas Püttmann in seiner gründlichen Analyse des Memorandums, bei kath.net am 10. Februar 2011 erschienen.

Dieser Papst – das ist, glaube ich, sein Auftrag –, ist einer, der den Glauben nochmal konsolidiert. Heutzutage verrutscht ja alles. Wir leben auf Wanderdünen. Der Boden gibt nach, keiner ist mehr dogmatisch sicher, keiner weiß mehr so richtig, was nun gilt und nicht gilt. Es existiert eine große Glaubensunsicherheit, die durch die Erklärung der Theologen weiter angeheizt wird. Da ist es gut, dass der Heilige Vater gleichzeitig ein großer Gelehrter und ein großer Theologe ist, der Pflöcke einrammt und die Wege nochmal begradigt.
Matthias Matussek im Interview mit der Tagespost vom 12. Februar über das Memorandum und was er vom Papst und dessen Deutschlandbesuch im September 2011 erwartet.

Als einer, der selbst fast dreißig Jahre lang im akademischen Dienst tätig war - und das sehr gerne - und der diesem wichtigen Dienst mit dem Herzen und mit dem Verstand auch seither verbunden geblieben ist, muss ich aber offen sagen, dass mich das Memorandum maßlos enttäuscht hat. Es hat mich deshalb enttäuscht, weil ich mir von Theologen mehr, nämlich einen substanziellen theologischen Beitrag erwartet hätte. Den brauchen wir, aber den finde ich in dem Memorandum nicht. Ich frage mich nämlich, wie man als Theologe, und das heißt als Wissenschaftler der rational verantwortet von Gott reden soll, von der gegenwärtigen Situation und ihren Nöten sprechen kann, ohne das zu nennen, was Johann Baptist Metz schon vor Jahren die Gotteskrise genannt hat.
Walter Kardinal Kasper in seiner Stellungnahme zum Theologenmemorandum im Februar 2011

Wahrscheinlich brauchen die Menschen für ihr ewiges Heil auch eine Kirche nicht, die sich als selbstreferentielles System mit einem hochdotierten und aufgeblähten Pastoralapparat erweist, der sie in ihrer Gottesnot alleine lässt. Leider ist das Memorandum Teil und Ausdruck dieses kirchlichen Systems, das dringend einer Reform bedarf. Die Bischöfe sind dazu zu schwach. Viele Priester und auch Theologen resignieren. Die Laien müssten also das Heft in die Hand nehmen. Sie könnten mit einer wirksamen Reform beginnen, indem sie es machten wie mein Kollege Zapp: aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts, nicht aus der Kirche als Glaubensgemeinschaft austreten, dies dem Ortsbischof schriftlich mitteilen und die ersparte Kirchensteuer den Armen geben.
Der Pastoraltheologe Prof. Hubert Windisch in kath.net am 14. Februar 2011.

Der Missbrauchsskandal ist ein ganz eigenes Thema. Er ist noch lange nicht aufgearbeitet. Mit den Reformvorschlägen, die im Memorandum gemacht werden, hat er nichts zu tun. Der Text sagt nichts zur Entschädigungsfrage; er verliert kein Wort über die kirchliche Aufklärungsarbeit, er spricht die Opfer nicht an. Der Skandal dient im Text nur als Aufhänger. Ich bin sicher, dass dieser Eindruck nicht der Intention der Verfasser und Unterzeichner entspricht. Aber er hätte nie entstehen dürfen.
Prof. Dr. Thomas Söding am 17. Februar im Interview mit der Internetpräsenz kirchensite.de des Bistums Münster.

Sie besitzen auch keine religionssoziologische Kompetenz, sonst könnten sie nicht behaupten, die im Jahr 2010 aus der Kirche Ausgetretenen hätten „der Kirchenleitung die Gefolgschaft gekündigt“ (warum eigentlich nur der Kirchenleitung und nicht auch den Theologen?), denn der Kirchenaustritt ist in aller Regel der Endpunkt eines schleichenden Prozesses des Glaubensverlustes und der an diesen Glauben geknüpften kirchlichen Bindung.
Michael Schäfer auf kath.net vom 17. Februar 2011

Das Memorandum ist nicht einmal in seiner Analyse zutreffend. Es schwimmt auf der Oberfläche allzu gewöhnlicher Vorurteile. Die Ursache der Krise, nämlich der massenhafte Glaubensabfall in den „westlichen“ Ländern, wird überhaupt nicht erörtert. Woher kommt die mangelnde Erlösungsbedürftigkeit? Und woher kommen die sexuellen Missbrauchsfälle in der Kirche? Sie derart hochzuspielen und sie mit dem Zölibat, mit einer „rigorosen“ Sexualmoral der Kirche in Zusammenhang zu bringen, zeugt von Ignoranz, und leider auch von Infamie. Das hat mit empirischer Analyse nichts zu tun.
Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels im Interview mit kath.net vom 17. Februar 2011.

Sie [die Liturgie] ist Gabe Christi, nicht Kult menschlicher Aktion. Die Forderung, in die Liturgie „Erfahrungen und Ausdrucksformen der Gegenwart“ einzubringen und dabei „die konkrete Lebenssituation“ der Menschen zu berücksichtigen, ist nicht nur berechtigt. Sie ist schon längst liturgische Praxis. Warum aber werden dann trotzdem unsere Kirchen immer noch leerer? Wäre es nicht richtiger und auch redlicher, gerade den Raum der Liturgie weniger zur Selbstdarstellung zu nutzen und wieder mehr für Gott selbst, sein Kommen zu uns, zu öffnen?
Prof. Dr. Manfred Gerwing in der Tagespost vom 17. Februar 2011

Das Memorandum macht deutlich, wie brüchig das Glaubensfundament der Kirche geworden ist und wie weit sich die Theologie von der Kirche und ihrem Glauben entfernt hat. Dieser Zustand hat eine längere Geschichte. Seit Jahrzehnten vertreten nicht wenige Theologie-Professoren eine anthropologische Wende in der Theologie und sehen in der Distanz von der Kirche und in zynischen Bemerkungen über die Amtsträger der Kirche, speziell über den Träger des Petrusamtes, ein Qualitätssiegel der akademischen Theologie. Zugleich wollten sie mit dieser Praxis die Freiheit ihrer Wissenschaft dokumentieren, die in nicht wenigen Fällen schon lange zur Ideologie degeneriert war.
Der Fundamentaltheologe Prof. Dr. Joseph Schumacher am 18. Februar 2011 in seinem Kommentar zum Theologenmemorandum.

Die Unterzeichner reden viel von Dialog und Suche nach Lösungen, aber davon, dass die Kirche die Antworten auf ihre Fragen im Wesentlichen längst gegeben hat, davon reden sie nicht. Im Gegenteil vermitteln sie den Eindruck, sie selbst bräuchten die Lösungen nicht suchen, weil sie sie bereits in ihrer Schublade hätten und es nur noch darum ginge, sie der Weltkirche bekannt zu geben!
Weihbischof Dr. Andreas Laun in seinem Artikel Die Argumente sind längst bekannt, in Kirche heute März 2011

Wer aus meiner Generation (ich wurde während des Zweiten Vatikanums geboren) heute noch an Christus glaubt, ist seit Schülerzeiten hinreichend häresieerprobt. Ob in Religionsunterricht, Sonntagspredigt, Kommunion- und Firmkurs, ob in der Liturgie, Jugendgruppe, Frauengemeinschaft oder in der Kirchenzeitung, wir sind es gewohnt, dass Glaubens und Lehraussagen munter verdreht werden, verkürzt, bagatellisiert, durch kreative Auslegung ins Gegenteil verkehrt oder schlicht unterschlagen. Aber haben uns diese „Memorandums“-Theologen beziehungsweise ihre geistigen Väter auf diese Weise zu einem tieferen Glauben an Christus geführt? Ganz im Gegenteil. Sie haben via Religionsunterricht in unsere Kinderseelen den Zweifel, nein schlimmer, sie haben den Unglauben gesät. Indem sie mit dem vollen Gewicht ihrer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit den vier Evangelien absprachen, Tatsachenberichte zu sein, und diese stattdessen zu wildesten Interpretationen freigaben, haben sie sehr effektiv dafür gesorgt, dass nicht nur Jesu Worte, sondern er selbst, in seiner ganzen Existenz, uns nicht mehr glaubwürdig erschien. Gläubigkeit und Frömmigkeit wurden der Lächerlichkeit preisgegeben.
Aus: Hedwig von Beverfoerde, Das Schreien der Lämmer, Vatican-Magazin März 2011

Und was das Memorandum angeht, das zehrt natürlich von dem Aufregungskatholizismus, von der Empörungssucht, von dem, was wir aus den 1970er kennen: von der Pose der Rebellen und den antirömischen Aufständen. Der Aufstand gegen Rom ist etwas ganz medienträchtiges und ist so billig zu haben, furchtbar billig: Da nickt jeder mit dem Kopf. Alte Hüte und professorale Hybris, wie peinlich!
Spiegel-Autor Matthias Matussek in Tagespost vom 12. Februar 2011

Mit der Ablehnung durch oberflächliche oder gleichgültige Zeitgenossen können praktizierende Katholiken umgehen, aber die mit hehren Worten vorgebrachten Klagen gut dotierter Theologen, die sich in den Medien als Vertreter des Kirchenvolks aufspielen, strapazieren ihre christliche Nächstenliebe über alle Maßen.
Sigrid Grabner in ihrer Kritik am Theologenmemorandum im Artikel Still den guten Gott anschauen, Vatican-Magazin März 2011.


CDU-Angriffe auf das Konzil

“Lammert greift Zölibat an”: So und ähnlich lauteten Schlagzeilen im Januar 2011 kurz vor Erscheinen des Memorandums. Warum hieß es nicht: “Lammert greift das Konzil an”? Schließlich hat das Zweite Vatikanum den Zölibat ausdrücklich eingeschärft. Und hörten wir 2009 nicht aus berufenem Munde, dass es in der Kirche keinen Platz gebe für Leute, die nicht sämtliche Texte des Konzils annehmen? Man wende nicht ein, der Zölibat sei kein Dogma! Das stimmt zwar, aber dass es im Konzil Texte unterschiedlicher Verbindlichkeit gebe, wusste man auch schon 2009!


Sackgasse

Ich halte ihr „Memorandum“ für eine tragische Sackgasse. Es widerspricht aller wissenschaftlichen Evidenz, dass es durch den Sieg der klassischen Kirchenkritik zu weniger Missbrauch in der Kirche käme. Pädophile schleichen sich in alle Bezugssysteme ein.

Manfred Lütz in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 8. Juli 2011


Keine Neuerfindung der Kirche

Wird sich die Kirche weiterentwickeln? Sie kann nicht die Fundamente der Glaubens, der Moral, der Sakramente, der Struktur des Leibes Christi verändern: im Jahr 2000 wird keine Kirche Christi erfunden!

Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache beim Treffen mit der Jugend im Stadion Gerland in Lyon am 5. Oktober 1986.


Neue Kirche, neuer Glaube

Prof. Dr. Walter Hoeres hat in Theologisches (September/Oktober 2011) den Pro-Memorandum-Sammelband Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch. Argumente zum Memorandum (hg. von Marianne Heimbach-Steins, Gerhard Kruip und Saskia Wendel) rezensiert und dabei klar gemacht, dass die Autoren letztlich eine andere Kirche wollen. So hält etwa Prof. Dr. Edmund Arens aus Luzern das Amt des Papstes als höchste Leitungs- und Lehrinstanz für “eine anachronistische Zumutung” für Gläubige in den westlichen Demokratien. Angesichts der Demokratisierungsforderungen von Reinhard Feiter und Judith Könemann beklagt Hoeres die “Dreistigkeit”, “mit der das Konzil selektiv zitiert wird, das gerade in seiner Kirchenkonstitution unerhört deutlich die monarchische Struktur der Kirche sowie die Unfehlbarkeit des Papstes betont.” Der Beitrag des Freiburger Fundamentaltheologen Magnus Striet macht für Hoeres deutlich, dass es nicht nur um andere Strukturen, sondern um einen anderen Glauben gehe. Striet hält demnach weder die Existenz Gottes noch einen sicheren Zugang zu seiner Offenbarung für gewiss. Dem Kirchengeschichtler Hubertus Lutterbach wirft Hoeres bei der Beschreibung der Entstehung des Zölibats Geschichtsklitterung vor. Auch die Beiträge von Saskia Wendel, Gerhard Kruip, Hille Haker und Tiemo Rainer Peters werden kritisch unter die Lupe genommen. Zum Schluss wundert sich Hoeres, dass Erzbischof Robert Zollitsch den Band mit einem eigenen Text zur Einleitung beehrt hat. Aus Ehrfurcht vor dem Bischofsamt nimmt er an, dass der Erzbischof die Beiträge vorher nicht gelesen habe.


Zum Thema eine Satire von Uwe Postl

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