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Am 25. November 1981 wurde Joseph Kardinal Ratzinger von Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation berufen. Vier Jahre zuvor war er von Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising ernannt und zum Kardinal erhoben worden. Am 28. Februar 1982 verabschiedete er sich von seiner Diözese, um sein neues Amt in Rom anzutreten. Die Kardinäle Wojtyla und Ratzinger hatten sich auf der Bischofssynode im Oktober 1977 erstmals und beim Konklave 1978 näher kennengelernt. "Ich habe mich mit ihm spontan sehr gut verstanden, aber daß er an mich denken würde [bei der Besetzung der Präfektenstelle in der Glaubenskongregation], das ist mir nicht durch den Sinn gegangen." So äußert sich Kardinal Ratzinger in seinem Gespräch mit Peter Seewald, das 1996 unter dem Titel "Salz der Erde. Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende" erschienen ist (S. 89). Darin beschreibt er auch seine Auffassung von diesem Amt und den Stil, den er anstrebte: Dialog mit den Theologen und den Bischöfen: "Wir haben die Kontinente bereist, haben überall mit den Glaubenskommissionen und dortigen Bischöfen gesprochen" (S. 92). Einen fruchtbaren Dialog führte er z.B. mit Gustavo Gutiérrez, dem Begründer der Befreiungstheologie. "Wir sind in einen Dialog mit ihm eingetreten - den ich zum Teil auch ganz persönlich geführt habe - und dabei in ein immer besseres Einverständnis gekommen. Das hat uns geholfen, ihn zu verstehen, und er hat andererseits die Einseitigkeit seines Werkes eingesehen und es wirklich weiterentwickelt auf eine sachgerechte und zukunftsfähige Form von ‘Befreiungstheologie' hin" (S. 100). Heute sei weithin anerkannt, daß die damals sehr kritisierten Weisungen in Sachen Befreiungstheologie nötig waren. Es habe eine Politisierung des Glaubens und eine Zerstörung des eigentlich Religiösen gedroht. Die mit dem Amt verbundene Macht ist nach Ratzinger "nun wirklich sehr gering. Wir können eigentlich immer nur an die Bischöfe appellieren, die ihrerseits wiederum an die Theologen appellieren müssen oder an die Ordensoberen" (S. 93). Die Vorstellungen, die der Bischof Ratzinger von seinen Pflichten hatte, beschreibt er ebenfalls im Gespräch mit Seewald: Aus der prophetischen Aufgabe der Kirche ergibt sich ihre Pflicht, sich nicht mit dem Zeitgeist zu liieren, sondern den Mächtigen ins Gewissen zu reden, auch den Intellektuellen. "Als Bischof fühlte ich mich verpflichtet, mich dieser Aufgabe zu stellen. Zudem waren die Defizite zu offenkundig: Ermüdung des Glaubens, Rückgang der Berufungen, Sinken des moralischen Standards gerade auch unter den Menschen der Kirche (...) Mir klingen immer wieder die Worte der Bibel wie der Kirchenväter im Ohr, die die Hirten mit großer Schärfe verurteilen, die wie stumme Hunde sind und, um Konflikte zu vermeiden, das Gift sich ausbreiten lassen. Ruhe ist nicht die erste Bürgerpflicht, und ein Bischof, dem es nur darauf ankäme, keinen Ärger zu haben und möglichst viele Konflikte zu übertünchen, ist für mich eine abschreckende Vision" (S. 87 f). Es ist bekannt, daß der skeptische Journalist Peter Seewald, der mit dem damals üblichen Bild des Panzerkardinals im Kopf an die Interviews mit Kardinal Ratzinger herangegangen war, durch die Begegnung mit diesem in Wahrheit demütigen Mann so beeindruckt wurde, daß er den Weg zurück in die katholische Kirche fand. In einem Interview antwortete Seewald auf die Frage, was Ratzinger am besten könne: "Zuhören." Einen Schlüssel zum Verständnis der schwierigen Aufgabe als "Glaubenswächter", die er auch als Papst selbstverständlich nicht abgelegt hat, gibt Ratzinger in einer Predigt aus seiner Münchener Zeit, die in dem Buch "Zeitfragen und christlicher Glaube" erschienen sind: "Nicht die Gelehrten bestimmen, was am Taufglauben wahr ist, sondern der Taufglaube bestimmt, was an den gelehrten Ausführungen gültig ist. Nicht die Intellektuellen messen die Einfachen, sondern die Einfachen messen die Intellektuellen (...) Hier wird nun das ganz demokratische Element sichtbar, das in der Aufgabe des kirchlichen Lehramtes liegt. Diesem ist es aufgetragen, den Glauben der Einfachen gegen die Macht der Intellektuellen zu verteidigen. Seine Aufgabe ist es, dort zur Stimme der Einfachen zu werden, wo die Theologie das Glaubensbekenntnis nicht mehr auslegt, sondern es in Besitz nimmt und sich über das einfache Wort des Bekenntnisses stellt" (S. 21). Deshalb ist diese Hirtenaufgabe eine Pflicht der Liebe. Wenn sie vernachlässigt wird, und das scheint im Blick auf manche Theologieprofessoren wie z.B. Walter Simonis der Fall zu sein, brauchen sich die Bischöfe über die mangelnde Glaubensweitergabe nicht zu beklagen, auch nicht über einen angeblichen römischen Zentralismus. Die Glaubenskrise in der Kirche ist teilweise selbstgemacht. Und nötig wäre nicht weniger, sondern mehr Gebrauch der gottgebenenen Autorität im Dienst des Glaubens gegen alle Falschlehrer. Theologisches Genie "Die Mehrzahl seiner Studenten wurde zu seinen Freunden. Wie beliebt er war, zeigt ein Beispiel: Der niederländische Reformtheologe Schillebeeckx hielt einen Vortrag über den neuen Weg der Kirche. Am nächsten Tag fand eine Podiumsdiskussion mit den Professoren Küng, Seckler, Ratzinger und Neumann statt. Bei der heftigen Diskussion kam Professor Ratzinger zunächst nicht zu Wort. Er saß nur da und hörte aufmerksam zu. Plötzlich brachen Sprechchöre auf: 'Ratzinger soll sprechen! Ratzinger soll sprechen!' Auch ich habe eingestimmt. Danach wurde ihm das Wort erteilt, und er fasste innerhalb einer Viertelstunde den Vortrag und die bisherige Diskussion so brillant zusammen und zog so verständliche Schlussfolgerungen daraus, dass der Moderator sagte, dies sei das richtige Schlusswort gewesen, mehr gäbe es nicht zu sagen." Dr. Irmgard Schmidt-Sommer hörte Joseph Ratzinger, als dieser von 1966 bis 1969 in Tübingen Vorlesungen gab. In einem Interview, das im Juli/August 2005 im PUR-Magazin erschien, gibt sie den gewaltigen Eindruck wieder, den Ratzinger machte. Ihn persönlich beschreibt sie als “ausgesprochen bescheiden, liebenswürdig, humorvoll und zurückhaltend charmant. Er beantwortete in den Seminaren jede Frage, die ihm gestellt wurde. Der Student fühlte sich von ihm wirklich ganz ernst genommen. Er hatte nie eine professorale Überheblichkeit.” __________ Eine große Persönlichkeit "Die große Persönlichkeit des Heiligen Vaters kann man unmöglich in ein paar Worten zusammenfassen. Er ist ein ungeheuer begabter Mann, der ganz große Gaben von Gott mitbekommen hat. Selbst seine Gegner gestehen, dass er ein Mann mit einem außergewöhnlichen Intellekt ist. Er hat mit diesen Gaben nie sich selbst in den Vordergrund gestellt, sondern immer Gott und der Kirche gedient und damit der Sache des Glaubens ungeheure Dienste erwiesen. Er war die rechte Hand von Johannes Paul II. und hat dabei die großen geistigen und religiösen Auseinandersetzungen mitgestaltet. Er hat die Fähigkeit, den Schatz des Glaubens auch in ganz einfachen Worten zum Ausdruck zu bringen. Das hat uns immer fasziniert. Er überblickt die großen schwierigen Fragen der Bioethik, in der Auseinandersetzung mit den anderen Religionen, in der Ökumene. Kardinal Ratzinger ist uns immer vorgekommen wie ein Adler, der über uns schwebst, runterschaut und dabei alles im Blick behält.” P. Hermann Geißler im Interview mit dem PUR-Magazin vom Juni 2005. Geißler hatte bis zur Papstwahl zwölf Jahre mit Kardinal Ratzinger in der Glaubenskongregation zusammengearbeitet. ____________ Enzensbergers Leuchte “Ich habe einiges von ihm gelesen und ich finde, er ist wirklich eine Leuchte.” Das sagte 2004 Hans Magnus Enzensberger über Kardinal Ratzinger. In der Reihe Die Andere Bibliothek gab Enzensberger im Jahr 2000 Chestertons Hauptwerk Orthodoxie heraus, mit einem Vorwort von Martin Mosebach. Der Unbeirrbare Was man bei Benedikt XVI. nie erlebt, ist die etwas weiche Anpassung an die ihn empfangende Umgebung, die Flucht in schöne Worte. Er sprach vor laizistischen Intellektuellen in Paris Klartext, begegnete in Prag der akademischen Elite Tschechiens, dem vielleicht säkularisiertesten Land Europas, ohne mit dem Evangelium hinterm Berg zu halten, warb vor Präsident Barack Obama für den Lebensschutz und erinnerte vor einer bunten Auswahl von Künstlern und Kulturschaffenden daran, dass das göttliche Geheimnis die erste und letzte Quelle der Schönheit ist. Seiner Warnung vor der “Diktatur des Relativismus” bleibt er treu, auch wenn er sich damit den Vorwurf einhandelt, er führe einen Kreuzzug gegen die Moderne. Die Wahrheit mache frei, nicht die allgemeine Beliebigkeit, ist seine beständige Rede, und niemand nehme dem anderen die Freiheit weg, wenn er ihm Jesus Christus als den Weg, die Wahrheit und die Liebe verkündige. Glaubwürdiger Draufgänger Eines aber hat sich gezeigt: Der “Mozart der Theologie” ist als Papst ein veritabler Hardrocker: Er steuert das Schiff nicht in den seichten Gewässern des Zeigeistes und der bequemen Anpassung an all die Forderungen und Gelüste, die die Menschen nun einmal so haben und ihnen gerade in den Sinn kommen. Mit ihm gibt es keinen kurzlebigen Basar der Beliebigkeiten. Benedikt ist ein Draufgänger, einer, der für Gott und seine Kirche aufs Ganze geht. Nicht einer, der sich selbst verkündigt. Sein Zeugnis ist radikal, weil Gott es von ihm verlangt. Weil es radikal sein muss, wenn er glaubwürdig sein will in seinem Amt. Aus: Barbara Wenz, Keep on rockin’, rock of Saint Peter! Der Papst meines Lebens (PDF-Dokument), in: Vatican-Magazin, April 2010. Barbara Wenz wurde unter Papst Benedikt XVI. katholisch. Kriegserklärung Bei Benedikt spürt man den beinahe schon vergessenen Wahrheitsanspruch der Kirche zurückkehren; es wird deutlich, dass der Papst es mit seinem Kampf gegen den Relativismus ernst meint und dass er vor allem die Katholiken dafür gewinnen will, wieder katholisch zu sein. Das begreift ein einflussreicher Teil der veröffentlichten Meinung als Kriegserklärung. Ihre Antwort darauf ist: Dieser Papst darf keinen Fuß auf den Boden bekommen. Aus: Martin Mosebach, Er ist ja nur der Papst. Der Artikel ist eine der intelligentesten Würdigungen Benedikts XVI. zum fünften Jahr seiner Wahl zum Papst, erschienen in der WELT vom 18. April 2010. Die Rede von der Kriegserklärung ist eine Anspielung auf das Papst-Bashing anlässlich der Missbrauchsskandale. Vgl. auch Mosebachs Stellungnahme zum Papst-Bashing anlässlich der Aufhebung der Exkommunikation ein Jahr zuvor. Meister der Analyse Er ist ein Meister der genauen Analyse und differenzierten Argumentation. Er hat die wertvolle Gabe, mit großer Klarheit und scharfem analytischen Verstand die Zeichen der Zeit zu erkennen, sie zu deuten und mit der Botschaft des Evangeliums zu verbinden. Mit einem feinen, sicheren Gespür weist er gerade auch auf die modernen Gefährdungen des menschlichen Lebens hin, die sich etwa hinter der Globalisierung und Fortschrittsgläubigkeit verbergen. Dazu gehört auch die Gefahr eines ungezügelten Kapitalismus genauso wie die vielfachen Bedrohungen durch einen scheinbar grenzenlosen Machbarkeitswahn auf dem Gebiet der Bio-Technologien. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch am 19. April über Benedikt XVI. zu dessem 5. Jahrestag seiner Wahl. Selektive Wahrnehmung Die Wahrnehmung der Person Benedikts XVI. durch die Medien sei sehr selektiv, merkt der journalistische Experte [Eberhard von Gemmingen] an und führt etliche Beispiele auf. So habe sich die publizistische Öffentlichkeit bei der Afrika-Reise des Papstes ausschließlich auf dessen Kondom-Äußerung gestürzt. Ein wesentliches Anliegen Benedikts - die Stärkung der Stellung der Frau in Afrika - sei dabei vollkommen vergessen worden. Aus einem Bericht der Nürnberger Nachrichten vom 15. April 2010 Christologische Motivation "In den meisten Kommentaren zu seinen Äußerungen über Ökumene, tridentinische Liturgie, Piusbruderschaft oder Fälle von sexuellem Missbrauch wird übersehen, dass Benedikt XVI. die unbestreitbare Krise seiner Kirche nicht in bestimmten Bewegungen oder Strömungen, sondern in einer falschen Christologie sieht: Für diese sei Jesus nur wahrer Mensch, der dann bei der Taufe im Jordan zum Gottessohn adoptiert worden sei. (...) So schreibt der Theologe Prof. Dr. Karl-Heinz Menke in seinem Artikel Theologe im Petrusamt, am 15. April 2010 im Rheinischen Merkur erschienen. Das ist eine wohltuende Korrektur solcher demagogischer Ausführungen wie der des “Theologen” Peter Bürger, der die Entscheidung für die tridentinische Liturgie nur im Lichte eines angeblichen Antisemitismus zu würdigen versteht. Dass der Papst die Christologie ins Zentrum seines Denkens, Handelns und Verkündigens stellt, macht seine ganze Größe aus. Der Papst darf nicht Ich bewundere den Papst. Er hat die schwerste aller Aufgaben, den innerkirchlichen Zerfall ohne Befehl und Diktat zu beenden und eine neue Harmonie herzustellen. Die Medien sind auf vermeintliche Pannen fixiert, aber die berühren einen Nachrichtenredakteur, nicht den Papst. Ein Papst darf sich gar nicht für solche Aufgeregtheiten interessieren. Ihm geht es nicht um die schnelle Nachricht, die Sensation, den Knalleffekt, ihm geht es darum, mit unendlicher Geduld einen Baum zu pflanzen, dessen Früchte er selbst nie sehen wird. Martin Mosebach über Benedikt XVI. in einem Interview mit Matthias Drobinski und Tobias Haberl, veröffentlicht im SZ-Magazin, Heft 19/2010. Geisteskraft Ratzinger, das zeigten alle Begegnungen und Vorträge, die ich im Lauf der Jahre erlebte, ist dreimal so schnell im Kopf wie ein normaler Mensch; diese blitzartige, alle Bezüge eines in der Diskussion auftauchenden Arguments erfassende Geisteskraft habe ich nur noch bei einem zweiten Wissenschaftler erlebt, dem Historiker Reinhart Koselleck. Gustav Seibt im SZ-Magazin 19/2010 Großer Gelehrter Fides quaerens intellectum der Glaube, der die Vernunft befragt. Der größte Gelehrte der Gegenwart, der sich auf dieser philosophischen Ebene mit dem Zueinander von Entwicklung und Bewahrung, Vernunft und Glaube beschäftigt, ist Joseph Ratzinger. Das läuft so manchem Mentalitätswahhabiten im deutschen Klerus gar nicht gut rein, ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Alexander Görlach in The European vom 9. Februar 2011 Revolutionäre Sprengkraft Der Papst drängt die Kirche zur Erneuerung durch eine Erneuerung der Herzen, die dann auch zu einem anderen Auftreten führt. Ohne individuelle Buße und Umkehr, ohne eschatologische Spannkraft verkümmert demnach das Christentum. Das ist ein ganz klassisches, ursprungstreues Kirchenbild. Weil heute die verweltlichenden Bräuche in den Pfarreien und Ordinariaten und Fakultäten mitunter Traditionsrang angenommen haben, kommt diesem Kirchenbild eine revolutionäre Sprengkraft zu. Alexander Kissler im PUR-Gespräch mit Michael Ragg, PUR-Magazin November 2010 Kompetente Exegese Wieder verbindet Ratzinger gründliche Beobachtungen an den Evangelientexten, wichtige historische Informationen, Einsichten der Kirchenväter, Bezüge zur neutestamentlichen Christologie und kirchlichen Lehre sowie das kritische Gespräch mit der vor allem deutschsprachigen Jesusforschung bis hinein in die jüngste Gegenwart. Ferner wird der Jude Jesus auf dem Hintergrund der Glaubensgeschichte Israels verstanden. Klar in der Sache und in der Sprache bescheiden, warm und gewinnend nimmt er die Leser an die Hand, um mit ihnen das Angesicht Jesu zu sehen. Prof. Dr. Christoph Stenschke, evangelischer Dozent für Neues Testament an der Biblisch-Theologischen Akademie, Forum Wiedenest, über den Zweiten Band des päpstlichen Jesusbuches, im IdeaSpektrum von heute. Der Band erscheint morgen. An vorderster Front gegen Missbrauch Es hat in der Kirche - wie etwa auch im staatlichen Schuldienst - die Haltung gegeben, Schuldige, was Missbrauch und Misshandlung angeht, zu versetzen und zu hoffen, dass die Sache nicht ans Tageslicht kommt. Einer derjenigen, die mit dieser Haltung an vorderster Front aufgeräumt hat, war und ist Kardinal Joseph Ratzinger beziehungsweise Benedikt XVI. So Guido Horst in der Tagespost von heute in seinem Kommentar zur Antwort des Vatikans auf die Vorwürfe der irischen Regierung. Die Pionierrolle Ratzingers im Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche wurde seinerzeit auch von der weltlichen Presse Amerikas anerkannt. Verdunkelt wurde sie erst durch die Kampagne, an der sich Hans Küng und andere Theologen im Verbund mit Presseorganen wie der Süddeutschen Zeitung beteiligten. Der lutherische Papst Dass Kritiker heute vehement gegen den Papst wettern, hat einen verblüffend einfachen Grund: Der Mann ist sich treu geblieben. Nun rufen sie: Pass dich an, beweg dich und deine Kirche, höre auf die Meinungsumfragen, höre auf Hans Küng und die Priesterinitiative in Österreich. Doch der Papst sagt in allem, und da ist er sehr lutherisch: Hier stehe ich, und ich kann nicht anders. (...) Benedikt XVI. ist der verkörperte Widerstand gegen die Idiotien des Tages, für die Quotenfragen und Sex wichtiger sind als jeder Glaubensartikel - aber das ist er mit sanfter Stimme und der Unbeirrbarkeit eines tiefgläubigen Menschen. Matthias Matussek in seinem Artikel Der neue Kulturkampf auf Spiegel Online vom 21. September 2011 Warum wir den Papst brauchen Wir brauchen den Papst zum Beispiel, weil das deutsche Forschungsministerium mit öffentlichem Geld die Entwicklung eines Tests fördert, der ohne jedes Risiko für die Mutter feststellt, ob ihr Baby das sogenannte Down Syndrom aufweist. Dieser Test hat nur einen Zweck: Selektion. Jakob Augstein auf Spiegel-Online (Papa ist der Beste) am 22. September 2011 Als Kardinal Ratzinger am Reden gehindert wurde Eine persönliche Erinnerung von Andreas Ziemann Ende der siebziger Jahre muß es gewesen sein, als der damalige Rektor der Ludwig-Maximillian-Universität zu München (LMU) Nikolaus Lobkowicz Kardinal Joseph Ratzinger, damals Bischof von München-Freising, zu einem Vortrag in die Große Aula der Universität geladen hatte. Für die zu dieser Zeit an der LMU noch relativ stark vertretenen kommunistischen Studentengruppen galt dies als eine Provokation, zumal der Rektor für deren Veranstaltungen ein striktes Raumverbot verhängt hatte. Den Kommunisten galten die „bürgerlichen“ Universitäten allemal als Kaderschmieden des Kapitals. Hinzu kam, dass die LMU dem Kultusminister Hans Maier unterstellt war, einer der zahlreichen rechten Hände von Franz-Josef Strauß. Der Rektor Lobkowicz wiederum galt als einer der rechten Hände von Hans Maier. Alle drei waren katholisch, daher nicht marxistisch, daher reaktionär und Kardinal Ratzinger galt als der natürlich ebenfalls reaktionäre Diener von all diesen und war zuständig für das „Opium fürs Volk“. Aufgrund dieser messerscharfen und unwiderlegbaren marxistischen Analyse war uns klar: Der Kardinal musste am Reden gehindert werden die Kommunisten wollten nun ihrerseits ein „Raumverbot für den Kardinal“ durchsetzen. Die Taktik: Rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung sollten möglichst viele Plätze der Großen Aula von Mitgliedern und Symphatisanten der kommunistischen Gruppen besetzt werden. Beim Einzug des Rektors mit dem Kardinal sollten sie alle „Großer Gott wir loben Dich“ anstimmen und alle 11 Strophen solange wiederholen, bis der Kardinal die Große Aula „freiwillig“ verlassen würde. Dazu wurden auf allen Plätzen Liederzettel verteilt denn man ging davon aus, dass auch die Nichtkommunisten aus Höflichkeit mitsingen würden, bevor sie merkten, was gespielt wurde. Und so war es dann auch. Zu Beginn sangen alle Anwesenden mit, auch Rektor Lobkowicz. Aber schon nach der dritten Strophe kam Verdacht auf denn an der Stelle „Alles ist Dein Eigentum“ brachen die Kommunisten in lautes Gelächter aus von wegen Abschaffung des Privateigentums. Dennoch, die Durchführung klappte wie geplant und ich - Student und eifriger kommunistischer Kader - begeistert mitsingend mittendrin. Hatte doch Karl Marx schon gesagt: „Man kann die versteinerten Verhältnisse nur dadurch zum Tanzen bringen, indem man ihnen ihre eigene Melodie vorspielt“. Nach kurzer Zeit war Kardinal Ratzinger klar, dass er sich trotz des Mikrofons kein Gehör würde verschaffen können, und die Veranstaltung wurde in einen anderen Raum außerhalb der Universität verlegt. Damit war die Sache noch nicht erledigt zumindest nicht für mich: Zwanzig Jahre später hatte ich auf Wegen, die letztlich nur Gott allein versteht, zur Kirche zurückgefunden und jedes Mal, wenn ich „Te Deum laudamus...“ hörte, wurde mir äußerst mulmig, denn jetzt wurde „Großer Gott wir loben Dich“ gesungen. Und damit kam jedesmal die Erinnerung an den kleinen Mann in Priesterkleidung, der da allein vor ca. 600 Leuten stand und wartete, dass man ihn reden ließ und der, als er merkte, was gespielt wurde, milde lächelnd den Saal verließ, begleitet von rhytmischem Klatschen und Sprechchören wie: Ra Ra Ratzinger. Da ich inzwischen schon einige seiner Bücher gelesen hatte, war mir auch klar, daß er nichts versäumt hatte, als wir ihn am Reden hinderten, wir dagegen viel, da wir uns am Hören gehindert hatten. An Pfingsten im Jahr 2000 schließlich wieder einmal war ein Te Deum zum Dank angestimmt worden - konnte ich mich endlich vor lauter Scham, die mit jeder Zeile, die ich von ihm las, größer wurde, zu einer Entschuldigung durchringen. Schriftlich. Beim Präfekten der Glaubenskongregation persönlich. Das Schreiben steckte ich in einen Umschlag mit der Adresse: Kardinal Ratzinger, Vatikan, Rom, Italien in der Hoffnung, das würde ankommen. Es kam an. Vier Wochen später erhielt ich von Kardinal Ratzinger einen Brief mit einer persönlichen handgeschriebenen Antwort. Vier oder fünf Zeilen des Inhalts: Gerne nehme er meine Entschuldigung an; dass seine Bücher mir hilfreich seien, freue ihn, und daß ich den Weg zur Kirche gefunden habe, sei schon ein „Großer Gott wir loben Dich“ wert. Große befreiende Freude. Schließen möchte ich mit zwei brandaktuellen Sätzen, die G.K.Chesterton zwar nicht über Papst Benedikt XVI. geschrieben hat, sondern über den heiligen Thomas von Aquin: „St. Thomas muss sich eine ganze Anzahl von Feinden gemacht haben, obgleich er kaum irgend jemand als Feind behandelte. Leider wirkt Milde oft aufreizender als ihr Gegenteil.“ Kardinal Ratzinger über den Verrat am Konzil Kardinal Ratzinger über die Liturgiereform Kardinal Ratzinger über das bischöfliche Amt |
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