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Ferdinand Ebner

Heute vor 75 Jahren, am 17. Oktober 1931, starb der Ferdinand Ebner, "die ergreifendste Denkergestalt", "die Österreich in seinem erschütterten Bestand zwischen zwei Weltkriegen hervorgebracht hat" (Ludwig von Ficker).

Ebner wurde am 31. Januar 1882 in Wiener Neustadt geboren. Schon mit 16 Jahren begann er, Dramen und Gedichte zu schreiben. Er macht eine atheistische Phase durch, die erst zur Zeit des Ersten Weltkriegs enden sollte: "Mitten im Kriege - ich war im 35. Lebensjahr - begann die bedeutsame Wende zum Christentum." 1902 wurde er Volksschullehrer, zunächst in Waldegg, dann seit 1912 in Gablitz. Dort wird er geprägt durch die beiden Zeitschriften "Die Fackel" (hg. von Karl Kraus, dem Freund und Vorbild Sigismunds von Radecki) und "Der Brenner" (Ludwig von Ficker), auf die ihn Josef Räuscher aufmerksam gemacht hatte, und die Werke von Henri Bergson und Sören Kierkegaard, mit dem er die Neigung zur Schwermut gemeinsam hat. Im Winter 1918/1919 schreibt er sein Werk "Das Wort und die geistigen Realitäten. Pneumatologische Fragmente". Theodor Haecker kann Ludwig von Ficker (1880 - 1967) dafür gewinnen, es in seinem Brenner-Verlag zu veröffentlichen. Ebner wird Mitarbeiter in Fickers Zeitschrift "Der Brenner", und zwar der "weitherzigste, der einsichtsvollste Mitarbeiter", wie von Ficker 1962 bekannte. 1923 heiratet er Maria Mizera. Aus Krankheitsgründen wird er in den Ruhezustand versetzt, was seiner literarischen Arbeit keinen Abbruch tut. 1929 lernt er die Malerin und Dichterin Hildegard Jone kennen, die seine posthumen Schriften herausgeben wird.

Ebner nimmt zwar Anregungen von Kierkegaard, Dostojewski, Wilhelm von Humboldt und Johann Georg Hamann auf, entwickelt sie aber selbständig dergestalt weiter, daß er nicht einer bestimmten philosophischen Schule zugeordnet werden kann. "Mein Denken hat zwei Realitätsstützpunkte: die Sprache und das Wort Christi." Es kreist um die Ich-Du-Beziehung und die sie ermöglichende Wirklichkeit und Wirkkraft des Wortes und der Sprache. Das "für das Ich essentielle und existentielle" "Verhältnis zum Du" bilden den Ausgangspunkt seines Denkens. Den Grundgedanken seines Werks "Das Wort und die geistigen Realitäten" bringt er im Vorwort auf folgende "möglichst knappe Formel":

"Vorausgesetzt, daß die menschliche Existenz in ihrem Kern überhaupt eine giestige, d.h. eine in ihrer natürlichen Behauptung im Ablauf des Weltgeschehens sich nicht erschöpfende Bedeutung hat; vorausgesetzt, daß man anders als im Sinne einer poetisch oder auch metaphysisch gemeinten oder gar nur aus ‘sozialen' Gründen gebotenen Fiktion von etwas Geistigem im Menschen sprechen darf: so ist dieses wesentlich dadurch bestimmt, daß es von Grund aus angelegt ist auf ein Verhältnis zu etwas Geistigem außer ihm, durch das es und in dem es existiert. Ein Ausdruck, und zwar eben der ‘objektiv' faßbare und darum einer objektiven Erkenntnis zugängliche Ausdruck des Angelegtseins auf eine derartige Beziehung ist in der Tatsache zu finden, daß der Mensch ein sprechendes Wesen ist, daß er das ‘Wort hat'. Das Wort jedoch hat er nicht aus natürlichen und aber auch nicht aus sozialen Gründen. Sozietät im menschlichen Sinne ist nicht die Voraussetzung der Sprache, sondern hat selbst vielmehr diese, das in den Menschen gelegte Wort zur Voraussetzung ihres Bestandes. Wenn wir nun, um ein Wort dafür zu haben, dieses Geistige im Menschen Ich nennen, das außer ihm aber, zu dem im Verhältnis das ‘Ich' existiert, Du, so haben wir zu bedenken, daß dieses Ich und dieses Du uns eben durch das Wort und in ihm in seiner ‘Innerlichkeit' gegeben sind; nicht jedoch als ‘leere' Wörter, denen kein Bezughaben auf eine Realität innewohnte - als was sie freilich in ihrem abstrakten, substantivierten und substantialisierten Gebrauche bereits erscheinen -, vielmehr als Wort, das in der Konkretheit und Aktualität seines Ausgesprochenwerdens in der durch das Sprechen geschaffenen Situation seinen ‘Inhalt' und Realitätsgehalt ‘redupliziert.' Das ist in Kürze der Grundgedanke."

Es ist laut Ficker "ein abseitiger, ein verlassener und völlig neu zu entdeckender Weg", den Ebner "auf seiner Suche nach den verschütteten Quellen der Wahrheit einschlagen mußte". Wie sehr Ebner die ausgetretenen Bahnen bisheriger Philosophie verließ, zeigt das Unverständnis, auf welches sein Werk bei Berufsphilosophen stieß und wie es sich in einem Gutachten des Wiener Universitätsprofessors Adolf Stöhr äußerte. Dieses Gutachten, durch welches die zuerst beabsichtigte Veröffentlichung im Wiener Verlag Braumüller verhindert wurde, führt Ebner selber im Vorwort an. Stöhr macht in Ebners Werk einen pathologischen Zug aus: "Es ist für einen Leser, der nicht das Interesse eines Fachpsychologen oder eines Psychiaters von Beruf diesem hoch interessanten Fall entgegenbringt, direkt eine Qual, sich in ewigen Wiederholungen eines einzigen Gedankens und gleicher Redensarten durch 300 Seiten hindurchzuwinden und dabei das Gefühl zu haben, sich immer um denselben Punkt zu drehen."

Das hinderte Ebner nicht, acht Jahre später in einer Nachbetrachtung das Werk Stöhrs "Wege des Glaubens", ebenfalls 1921 erschienen und im ersten Kapitel sich dem "Du-Problem" widmend, in die Reihe jener Werke aufzunehmen, die sich mit "seinem" Thema beschäftigen. Vor allem aber gehören dazu "Der Stern der Erlösung" von Franz Rosenzweig, das zur selben Zeit entstand, und Martin Bubers Buch "Ich und Du". Über dieses schreibt Ebner: "Es ist in der Literaturgeschichte bekanntlich schon einigemal vorgekommen, daß zwei Köpfe, ganz unabhängig von einander und zu derselben Zeit, dieselben Gedanken dachten und festhielten für eine Veröffentlichung. Das hatte sich nun auch in den Fragmenten und dem Buch Bubers zugetragen. Denn der Gedankengang dieses Buches entwickelt - in einer lyrisch-mystischen Fassung, wie sie eben Martin Buber eigentümlich sein mag - nichts anderes als den Grundgedanken der Fragmente: die wesentliche Beziehung des Ichs zum Du und das Verwurzeltsein dieser Beziehung im Wort." Martin Buber ortete seinerseits im Werk Ebner stellenweise eine "fast unheimliche[n] Nähe".

Ebner schreckte nicht vor Überspitzungen zurück, die ihn zu einer allzu pauschalen Ablehnung der Philosophie ("Aller Idealismus, alles Ästhetische und Metaphysische ist nur ein Traum vom Geiste, der abseits von den Realitäten des geistigen Lebens geträumt wird") wie auch der Theologie ("Zum Ich gehört Gott. Auch die Existenz Gottes läßt sich nicht in der dritten Person behaupten - eine Tatsache, an der alle Theologie zuschanden wird. Sie kann nur in der zweiten Person behauptet werden. Denn Gott ist das Du des Ich, das sich selbst gefunden hat") führte.

Dennoch bieten die originellen Gedankengänge Ebners wertvolle Hinweise in der Auseinandersetzungen mit allen Versuchen, den Menschen reduktionistisch zu erklären, z.B. in der Biologie. "Ebners Argumente gegen naturwissenschaftlich-neodarwinistische Versucher seiner Zeit (etwa Ernst Haeckels) behalten auch angesichts evolutionärer Konzepte unserer Tage noch ihre Gültigkeit. Jeder Vergleich zwischen tierischen und menschlichen Kommunikationssystemen unterbietet im Grunde Ebners Einsicht vom ‘Durchbruch' des Wortes: ‘Das Phänomen der Sprache in der Geistigkeit seiner Bedeutung kann nur aus sich selbst - aus seinem konkreten Gegebensein im Wort -, nicht aus einem anderen Phänomen oder Vorgang in der Natur erklärt werden.'" (Peter Kampits, in: Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 3, S. 139).

Ebner hatte eine hohe Vorstellung vom Christentum und vom Leben in der Nachfolge Christi. Die Mängel, die er in der Kirche wahrnahm, waren für ihn oft Anlaß zu ätzender Kritik. Dennoch starb er ausgesöhnt mit der Kirche, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten. Sein Sterben war lang und schmerzhaft. Das konnte ihn jedoch nicht von dem Bekenntnis abhalten: "Sich in Gottes Willen legen, welche Seligkeit."

In seinem Todesjahr schrieb Ebner noch ein Nachwort zu einem Fragment aus dem Jahre 1916. Dieses Nachwort gehört zu seinen letzten schriftlichen Zeugnissen. Es endet mit den Sätzen: "Das ist der eigentliche Sinn alles Lebens und Denkens im Menschen: daß es sich selbst durchsichtig werde, so durchsichtig, daß es Gott durchscheinen läßt. Daß der Mensch im Licht des Wortes sich bewußt werde, ein Kind Gottes zu sein - Gottes, der die Liebe ist."

Die Internationale Ferdinand-Ebner-Gesellschaft mit Sitz in Innsbruck möchte das Werk Ebners einer größeren Öffentlichkeit erschließen.


Weitere Philosophen:

Jacques Maritain

C. S. Lewis

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