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PersonenAmadeus v. L. |
Pater Johann Eduard Lamy Von Gabi Weiß Heute vor hundert Jahren hatte der französische Priester Pater Jean-Édouard Lamy in der Pilgerstätte Gray eine bedeutende Erscheinung: Während er die Messe las, erschien ihm die Gottesmutter und ihr ärgster Widersacher, der Satan. Sie sagte dem Geistlichen den Weltkrieg voraus und forderte ihn auf, eine Kongregation und den zukünftigen Wallfahrtsort Unsere Liebe Frau vom Wald (Notre Dame de Bois) im Wald von Pailly zu gründen. Danach verschwand sie. Doch dies ist weder die erste derartige Vision Pater Lamys gewesen, noch sollte es die letzte sein. Geboren wurde der Seher als Landwirtssohn am 22. Juni 1853 im kleinen französischen Dörfchen Pailly nahe Paris. Anders als im Leben anderer Heiliger und Seher war schon seine Kindheit von tiefer Frömmigkeit geprägt. Vor allem die Muttergottes verehrte er von klein auf. Seine Schwester, die bis zu ihrem zwölften Lebensjahr das Zimmer mit ihm teilte, erzählte später, sie habe den Bruder nie zu Bett gehen sehen. „Er brachte die ganze Nacht im Gebete zu, auf einem Schemel kniend [...] ganz aufrecht vor dem Bild der Unbefleckten. [...] Ich bin kein einziges Mal aufgewacht, ohne den Bruder in dieser Stellung zu finden. Jahrelang sah ich sein Bett stets unberührt“ (Dr. Paul Biver, Pater Lamy. Ein Apostel und Mystiker für die Welt von morgen, Lauerz 1994). Als der Junge eines Tages betend durch die örtliche Pappelallee wanderte, zeigte sich ihm die Gottesmutter zum ersten Mal, über den Bäumen schwebend, allerdings ohne zu sprechen. Schon bald zeigte sich die klare Berufung Eduards zum Priestertum, doch ein Hausbrand, der die Lamys aller Besitztümer beraubte, verhinderte den geplanten Eintritt ins Priesterseminar. Im Januar 1875 wurde Lamy zum Militär eingezogen, 1878 stieg er zum Unterfeldwebel auf. In dieser Zeit verlor er durch eine Pulverladung das rechte Auge. Im selben Jahr verließ er das Heer und kehrte in sein Heimatdorf zurück. Obschon er beinahe 26 Jahre alt war, fand sich das Geld für seinen Eintritt ins Seminar noch immer nicht. Schließlich machte er eine Lösung ausfindig: Lamy wurde von den Oblaten des hl. Franz von Sales ausgebildet, im Gegenzug trat er für 15 Jahre in ihre Dienste ein. In Troyes übernahm er einen Jungenhort, den er erst wieder aufzubauen hatte. Mit Strenge aber auch Güte erzog er die Jungen, die oft aus den schwierigsten Verhältnissen kamen, und hatte daneben noch mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Es verging kein Tag, an dem er für sich und die Jungen genug Geld oder Essen für den nächsten Tag besaß. Mit seinem Studium erging es Lamy ganz ähnlich wie einem großen französischen Heiligen, dem Pfarrer von Ars. Hart musste er arbeiten und blieb doch stets ein schlechter Schüler, weswegen er auch erst 1886 die Priesterweihe empfing. Einen besonderen Ruf verdiente er sich unter seinen Jungen als Beichtvater. Tage- und Nächtelang saß er Beicht. „Oft habe ich so 250-280 Jungens nacheinander beichtgehört“, berichtete er später (Biver, Pater Lamy). 23 Priester gingen unter seiner Obhut aus dem Hort hervor. Nach einer halbjährigen Zwischenstation als Vikar in Guéret wurde Pater Lamy Vikar in St. Ouen und gründete auch dort einen Jungenhort. Er wurde bekannt als Armenpfarrer; am liebsten hielt er sich bei den Lumpensammlern in den Armenvierteln auf. Seine erste Pfarrei, La Courneuve bei Paris, war ein Tummelplatz für genau diese Bevölkerungsschicht. Und hatte in dem Ort zuvor kaum einer das „Vater Unser“ beherrscht, war bald ein reger Kirchbesuch festzustellen. Leute kamen von weit her, um den Pfarrer aufzusuchen. Auch in La Courneuve galt seine besondere Fürsorge dem örtlichen Jungen- und Mädchenheim. Als er nun 1909 die alljährliche Wallfahrt in den Gnadenort Gray antrat und vor dem Gnadenbild am Altar die Messe las, geschah es: Die Muttergottes und der Teufel erschienen dem erschrockenen Priester. Bis zur Wandlung verharrte sie am Altar, sprach mit Pater Lamy über persönliche Dinge und die Gründung einer Kongregation. Auch ihre Unterhaltung mit dem Teufel über den bevorstehenden Krieg und ihren Streit um die Seelen der Menschen durfte der staunende Pater Lamy mit anhören. Vor der heiligen Wandlung verschwand Maria. Daraufhin erschien Pater Lamy Jesus, der nur die Worte „Auf heute in einem Jahr“ sprach. Tatsächlich sollte er genau ein Jahr darauf wieder zu dem Pfarrer kommen. 1914 baute Pater Lamy an der Stelle, die Maria ihm gezeigt hatte, bei Pailly die Kapelle U.L. Frau vom Wald aus einem alten Forsthaus. Die darauffolgenden Jahre hatte der fromme Mann immer wieder Erscheinungen der Muttergottes, seines Schutzengels, des Erzengels Gabriel, Jesu und zahlreicher anderer Heiliger und Engel. Währenddessen überzog Krieg die Welt und ließ auch Pater Lamys Pfarrei nicht unbeteiligt. Eine große Bombenexplosion erschütterte den Ort. Da P. Lamy dies aufgrund der Marienerscheinungen schon im voraus wusste, hatte er seine Gemeinde bereits Wochen zuvor zu Buße und Reue aufgerufen, damit die Gottesmutter das Schlimmste verhindere. So gab es zwar 900 Verwundete, aber trotz der giftigen Gase keinen einzigen Toten. Endlich, im Alter von 75 Jahren, versucht Pater Lamy Marias Wunsch nachzukommen und die von ihr gewünschte Kongregation zu gründen. Schon vorher hatte sie ihn vor den Schwierigkeiten und dem Widerstand des Teufels gewarnt. Die Vorhersage sollte eintreffen: Drei Mal bemühte sich der betagte Geistliche, indem er Novizen um sich scharte, aber erst beim dritten Mal gelang das Vorhaben. 1930 wurde die Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) gegründet. Pater Lamy zog als Generaloberer nach Chambourg. Auch dort blieben die Wunder, die das Leben Pater Lamys stets geprägt hatten, nicht aus. Eine Madonnenstatue im Garten fing im Beisein mehrerer Zeugen zu weinen an. Aber durch Missgunst und Streit sah sich Pater Lamy 1931 gezwungen, seine Novizen zu entlassen. Später würde sich die Kongregation wieder zusammentun, Niederlassungen gründen und wachsen. Doch das sollte Pater Lamy nicht mehr erleben. Im Alter von 77 Jahren nahm ihn seine himmlische Mutter am 1. Dezember 1931 für immer zu sich. In Courneuve wurde er zwei Tage später, von einer großen Menschenmasse begleitet, beerdigt. Sein Vermächtnis, die Kongregation der Diener Jesu und Mariens, hat trotz aller Widerstände bis heute überdauert. Das Heiligtum U.L. Frau vom Wald ist ein vielbesuchter Gnadenort, an dem sich - davon zeugen die Votivtafeln an den Wänden - schon zahlreiche Heilungen ereigneten, obwohl die Muttergottes eindringlich bat, vor allem um innere Gnaden zu bitten und nicht um „irdische Dinge“. So bringt der Nachlass dieses besonderen Christen, der übrigens auch von Jacques Maritain sehr geschätzt wurde und der einen Kardinal zu dem Ausspruch brachte: „Ich habe in meinem Sprengel einen zweiten Pfarrer von Ars!“, heute noch reife Früchte. Paul Francis Wattson Vor 100 Jahren, am 30. Oktober 1909, trat Paul Francis Wattson, der Begründer der Weltgebetsoktav, in die katholische Kirche ein. Er tat dies zusammen mit 16 Gefährten und Gefährtinnen, mit denen er eine Gemeinschaft, die Society of the Atonement (Congregatio Fratrum Adunationis Tertii Regularis Ordinis S. Francisci oder Societas Adunationis, SA) gebildet hatte. Ihre Mitglieder wurden die Graymoor Friars genannt. Wattson wurde 1863 als Sohn eines Geistlichen der Episkopalkirche geboren. In Graymoore, Garrison, New York, gründete er 1898 die erwähnte Society, eine anglikanische Gemeinschaft mit franziskanischer Spiritualität. Er tat dies zusammen mit Lurana White, die er im Frühjahr 1897 durch Briefkorrespondenz kennengelernt hatte und die ihrerseits, als Mitglied der Episcopal Sisters of the Holy Child Jesus in Albany, New York, von einer franziskanischen Gemeinschaft geträumt hatte. Da ihre Pläne konvergierten, trafen sie sich am 3. Oktober 1898, um gemeinsam das Werk der Sühne und Versöhnung (atonement) zu gründen. Es sollte eine Gemeinschaft sein, die mit der franziskanischen Spiritualität die Förderung der kirchlichen Einheit verbindet. Als Ort wählten sie Graymoor aus, ein einsamer Flecken in der Nähe des Dorfes Garrison (ca. 85 km nördlich der Mündung des Hudson River in den Atlantik in New York), der im wesentlichen aus einer Kapelle und einem alten Bauernhaus bestand. Die Kapelle trug den bezeichnenden Namen St. John’s-in-the-Wilderness. Am 15. Dezember zog Lusana mit einer Gefährtin in das Bauernhaus ein. Im darauffolgenden Jahr bezog Watts eine nahegelegene Hütte, die er “Palace of Lady Poverty” nannte. Die ersten Jahre waren sehr hart, da viele Wohltäter ihre Gaben einstellten, als sie bemerkten, dass sich die Gemeinschaft für die Einheit mit der katholischen Kirche einsetzte und heftige Opposition seitens der Episkopalkirche provozierte. Wattson rief die Gebetswoche für die Einheit der Christen ins Leben, die noch heute begangen wird. Sie beginnt am 18. Januar, welcher Tag von Paul IV. als Gedächtnistag des römischen Amtsantritts Petri festgelegt worden war, und endet am 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des hl. Paulus. 1910 wurde sie vom hl. Papst Pius X. gebilligt. Papst Benedikt XVI. sprach in der Generalaudienz vom 23. Januar 2008 darüber: “Es war im Jahr 1908: Ein amerikanischer Anglikaner, der dann der Gemeinschaft der katholischen Kirche beitrat, Gründer der ‘Society of the Atonement’ [Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des Atonement], Pater Paul Wattson, hatte zusammen mit einem anderen Angehörigen der Episkopalkirche, Pater Spencer Jones, die prophetische Idee einer Gebetsoktav für die Einheit der Christen. Die Idee wurde vom Erzbischof von New York und vom Apostolischen Nuntius wohlwollend aufgenommen. Der Aufruf, für die Einheit zu beten, wurde dann im Jahr 1916 dank des Beitrags meines verehrten Vorgängers Papst Benedikts XV. mit dem Breve Ad perpetuam rei memoriam auf die ganze katholische Kirche ausgeweitet.” 1907 entschied die Generalversammlung der Episkopalkirche, dass auch Vertreter anderer Konfessionen in ihren Kirchen predigen dürften, wenn der Ortsbischof dies erlaube. Dies bedeutete die Gefahr einer weiteren Protestantisierung der Episkopalkirche und einer Aufweichung ihrer Identität in Lehre und Liturgie, die noch relativ katholikennah war. Dadurch schwanden die Hoffnungen Wattsons und seiner Gemeinschaft, ihr Ziel der Einheit mit der katholischen Kirche jemals erreichen zu können. Nach zwei Jahren qualvollen inneren Ringens zogen sie die Konsequenz und baten um Aufnahme in die katholische Kirche. Am Samstag, den 30. Oktober 1909, wurden sie von Msgr. Joseph Conroy, dem späteren Bischof von Ogdensburg (1921 - 1939), aufgenommen. Es war seit der Reformation die erste Rückkehr einer ganzen Gemeinschaft in die Kirche. Nach seiner Konversion wurde Wattson 1910 in Dunwoodie zum Priester geweiht. Er gründete außerdem Saint Christopher’s Inn (ein Gasthaus für Obdachlose), die Graymoor Press und, zusammen mit Richard Doyle, die Catholic Near East Welfare Association. Die Monatszeitschrift The Lamp war der christlichen Einheit gewidmet. Die Gemeinschaft wuchs immer mehr und breitete sich über die Vereinigten Staaten hinaus aus nach Kanada, Italien, Irland, Japan und Brasilien. Lusana White starb 1935, Paul Wattson fünf Jahre später. |
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