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Kirche 1111: Gescheiterte Reform

Am 12. Februar 1111 nahm Heinrich V. anlässlich der geplanten, dann aber gescheiterten Krönung zum Kaiser Papst Paschalis II. (1099 - 1118) gefangen. Der Grund war, dass der Papst die Bedingung, unter welcher der Kaiser auf die Investitur zu verzichten bereit war, nicht einhalten konnte. Und er konnte sie nicht einhalten, weil die deutschen Reichsbischöfe rebellierten. Was war passiert?

Wir befinden uns mitten im Investiturstreit. Heinrichs V. Vater, Heinrich IV., war vom hl. Papst Gregor VII. gebannt, aber durch seinen berühmten Canossagang 1077 wieder vom Bann gelöst worden. Aber der Konflikt war nicht gelöst. Der Papst lehnte die Investitur der Bischöfe durch den König um der Freiheit der Kirche willen ab. Der König aber wollte darauf nicht verzichten, weil die Bischöfe gleichzeitig Reichsfürsten waren.

Als Heinrich V. Anfang Februar nach Rom kam, um vom Papst die Kaiserkrone zu empfangen, begannen in S. Maria in Turri sofort die Verhandlungen. Und Papst Paschalis II. machte einen radikalen Lösungsvorschlag: Wenn der König deshalb nicht auf die Investitur verzichten kann, weil die Bischöfe gleichzeitig Fürsten sind, dann sollten sie eben aufhören, das zu sein. Damit war der Papst seiner Zeit weit voraus. Die Bischöfe sollten jeder weltlichen Macht entsagen und sich auf ihr geistliches Amt beschränken. Oder mit anderen Worten: Die Kirche sollte auf ihre Regalien verzichten. Es kam am 4. Februar zur Übereinkunft, die Heinrich am 9. Februar in Sutri bestätigte. Der Papst versprach darin: “Deshalb beschließen wir: Dir, geliebter Sohn, König Heinrich, und nur durch unsere Amtshandlung von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, Dir und dem Reich sollen jene königlichen Besitzungen und Rechte (regalia) überlassen werden, die offensichtlich zum Reich gehören, seit den Zeiten Karls, Ludwigs, Heinrichs und deiner anderen Vorgänger. Wir verbieten und hindern unter Androhung des Kirchenbanns: kein gegenwärtiger oder künftiger Bischof oder Abt darf diese Regalien an sich reißen, d. h. Städte, Herzogtümer, Markgrafschaften, Grafschaften, Münzstätten, Zoll- und Marktrechte, Reichsvogteien, Zentgerichte und offensichtlich dem Reich gehörende Höfe mit ihrem Zubehör, Heeresdienst und Burgen des Reiches ...” (aus: Peter Hilsch, Mittelalter, Grundkurs Geschichte 2, Frankfurt am Main 1989, S. 224). Vorher hatte der Papst die Verweltlichung der Bischöfe beklagt: “In den Gebieten deines Reiches sind die Bischöfe und Äbte dermaßen mit weltlichen Sorgen beschäftigt: ständig müssen sie das Grafengericht wahrnehmen und Kriegsdienst leisten.”

Als am Tag der geplanten Kaiserkrönung, am Sonntag Quadragesima, der Vertrag vorgelesen wurde, kam es zur Empörung der Reichsbischöfe und ihrem entschiedenen Widerstand gegen diese Bestimmungen. Sie erhoben “einen endlosen Lärm”, wie uns Ekkehard von Aura in seiner Chronik zum Jahr 1111 berichtet, und der ganze Tag wurde “unter ungeheurer Gefahr und unter mannigfaltigem Streiten” zugebracht. Der König bestand auf Investitur und Krönung, die der Papst nun verweigern mußte. Heinrich nahm ihn und die anwesenden Kardinäle gefangen und erzwang schließlich, nicht zuletzt auch durch den Empfang des Gegenpapstes Silvesters IV. und die damit sich anbahnende Gefahr eines Schismas, im Vertrag von Mammolo am 11. April das, was er wollte.

Zweifellos war der Vorschlag des Papstes eine radikale Lösung gewesen, ein Eingriff in die Kirchenverhältnisse, der unvergleichlich tiefgreifender gewesen wäre als etwa die Abschaffung der Kirchensteuer in der heutigen Zeit. Aber warum er schlechthin illusorisch und undurchführbar gewesen sein sollte, wie in den Geschichtsbüchern einmütig zu lesen ist, leuchtet nicht ein. Denn schließlich hatten in den anderen Ländern die Bischöfe bei weitem nicht diese starke Stellung als Fürsten, weshalb in Frankreich und England der Investiturstreit durch Kompromisse schon vorher beendet werden konnte. Der Plan des Papstes war nur undurchführbar unter der Bedingung der Gehorsamsweigerung der Reichsbischöfe, den deutschen Sonderweg zu beenden, und der unüberwindlichen Scheu aller Beteiligten zu einer Neuordnung des ganzen Machtgefüges des Reiches. Man muss aber fairerweise hinzufügen, dass auch die weltlichen Fürsten protestierten, weil sie von der Rückgabe der Regalien eine Machtsteigerung des Königs befürchteten. Man muss sagen: Die für die Kirche so heilsame Reform scheiterte, weil weltliche Partikularinteressen größer waren als das Interesse am geistlichen Wohl der Kirche und der Seelen.

Der Verdacht, der Papst habe seinen Vorschlag von Anfang an nicht ernst gemeint und als Betrugsmanöver konzipiert, verkennt das Gewicht der Tatsache, dass er der gregorianischen Reformbewegung angehörte. Der protestantische Geschichtsschreiber Albert Hauck meint dazu in seinem Standardwerk zur Kirchengeschichte Deutschlands: “Es bleibt nur die Annahme übrig, dass der ehemalige Mönch vor die Frage gestellt, ob er um der Freiheit der Kirche willen von neuem einen Kampf mit allen seinen Schrecken beginnen wollte, davor zurückbebte und lieber den Ausweg traf, auf ihre äußere Macht zu verzichten. Die Einsicht, dass der Fürstenstand der Bischöfe mit seiner Verpflichtung zu den mannigfaltigen Reichsdiensten für die Kirche schädlich sei, fehlte in Rom keineswegs; der Kardinal Deusdedit hat sie sehr bestimmt ausgesprochen. Warum sollte Paschal sie nicht geteilt haben? Sie lag ihm durchaus nicht ferne [cf. sein Brief an Anselm von Canterbury vom April 1102]. Und sollte der Mönch für den konsequenteren Gedanken unempfänglich gewesen sein: Die Kirche ist geistlich; deshalb gehört ihr an sich nichts Irdisches?” (Band III, Berlin, Leipzig 1952, S. 900 f).

Egon Boshof hält des Papstes Vorschlag für “die klarste und eindeutigste Lösung des Problems”, indem er “die hohen Prälaten ganz aus ihrer Verflechtung in die saecularia zu lösen und damit wieder auf ihre eigentlichen priesterlichen Aufgaben auszurichten” suchte (Die Salier, Stuttgart 1987, S. 277). Nach Alfred Haverkamp “hätten Kaisertum und Papsttum aus dem Vertrag den größten Nutzen, freilich unter großen Risiken, ziehen können” (Neue Deutsche Geschichte, Band 2, München 1993, S. 139). Und Alois Dempf urteilt: “Die Szene in der Peterskirche vom 9. [12.] Februar 1111 ist von weltgeschichtlicher Größe. Der fromme Papst will allein, Jahrhunderte voraus, die Beschränkung der Kirche auf das Geistliche und Moralische, fast alle Bischöfe aber von diesseits und jenseits der Alpen bestürmen ihn, widerstehen ihm ins Antlitz und erklären den Verzicht auf die Regalien als Häresie” (Sacrum Imperium, Darmstadt 1954, S. 217).

Übrigens gehörte zum Anliegen der Reformbewegung auch der Zölibat. Auch er ist ein Bollwerk gegen die Verweltlichung, dient dem Schutz vor Verstrickung in weltliche Sorgen. Der Priester soll frei sein, um allein dem geistlichen Dienst zu leben. Die Zölibatsgegner verbündeten sich deshalb im Investiturstreit mit der weltlichen Macht. “Der niedere Klerus stand mehrheitlich auf königlicher Seite, da er die Zölibatsforderungen der Reformer ablehnte”, lesen wir bei Hilsch (S. 218). Wie sich doch die Bilder gleichen! Von einem Memorandum ist allerdings nichts überliefert.

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