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Dina Bélanger

Von P. Engelbert Recktenwald

Da die Broschüre Die Selige aus Kanada. Dina Bélanger und ihre Sendung (Bild) vergriffen ist, veröffentlichen wir hier Lebensbeschreibung der sel. Dina, wie sie in der Broschüre enthalten ist. Hauptquelle dafür war ihre Autobiographie, die in der französischen Originalsprache bereits 1934, fünf Jahre nach dem Tod der Seligen, erschien. Eine deutsche Übersetzung kam erst 1998 im Theresia-Verlag, Lauerz, heraus.

Dina Bélanger wird am 30. April 1897 um 8.50 Uhr in Québec in Kanada geboren und am selben Tag getauft. Siebzehn Monate später bekommt sie ein Brüderchen, das aber bereits drei Monate nach der Geburt stirbt. So bleibt sie das einzige Kind. Sie wächst in einer tief religiösen Atmosphäre auf. Sie ist keine zwei Jahre alt, als sie schon das "Ave Maria" beten kann. Als sie etwa vier Jahre alt ist, nimmt die Mutter sie zu einer Predigt mit, die im Verlauf einer öffentlichen Novene zum hl. Franz Xaver gehalten wird. Die Predigt geht über die Hölle und macht auf Dina einen tiefen Eindruck. In der nächsten Nacht hat sie einen furchtbaren Traum, der sie mit Schrecken und Entsetzen erfüllt und noch lange nachwirkt. Dennoch bezeichnet sie diesen Traum in ihrer Autobiographie als eine große Gnade, da er einen ausgesprochenen Abscheu vor der Sünde in ihr hervorgerufen hat.

Schon in ihrer Kindheit kündigen sich die Züge an, die das Charakterbild Dinas ausmachen: Auf der einen Seite ist sie schüchtern, bescheiden, gewissenhaft und äußerst feinfühlig, auf der anderen Seite sehr willensstark, aufgeweckt und begabt. Ihr heftiges Temperament kennt die Neigung zum Zorn, den sie beherrschen lernt, aber auch die köstliche Gabe des Humors und herzlicher Fröhlichkeit.

Mit fünf Jahren geht sie zum ersten Mal zur heiligen Beichte. Im selben Alter empfängt sie das Skapulier Unserer Lieben Frau.

Schon früh senkt sich in ihre Seele die Liebe zum Jesuskind und die Sehnsucht nach dem Himmel. Als Dina mit sieben Jahren Kinderexerzitien mitmacht, wird sie am dritten Tag so von Liebe zum Jesuskind entflammt, daß sie es inständig darum bittet, sie noch am selben Abend ins Paradies zu holen. Doch wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie am nächsten Morgen aufwacht und feststellen muß, daß sie immer noch auf Erden ist!

Eines Tages fragt die Lehrerin die kleine Dina, ob sie ihre Namenspatronin kenne. Als diese verneint, verspricht die Lehrerin, nachzuschauen, wer es sei. Doch sie sucht vergeblich. Zwar findet sie eine biblische Gestalt dieses Namens, nämlich die Tochter Jakobs mit der Lea (Gen 30,21), aber keine von der Kirche kanonisierte Heilige. Da nimmt sich Dina vor, heilig zu werden, um denen, die ihren Namen in Zukunft tragen würden, eine Patronin zu geben.

Mit zehn Jahren, am 2. Mai 1907, empfängt Dina die erste heilige Kommunion. Durch diese erhält sie die Gnade der Sehnsucht nach dem Leib und dem Blut des Herrn, eine Sehnsucht, die im Laufe ihres Lebens immer mehr wächst. Am selben Tag empfängt sie auch das Sakrament der heiligen Firmung. Seit dieser Zeit geht sie wöchentlich zur heiligen Beichte.

Ihr Gewissen ist äußerst zart. Ganz besonders verabscheut sie das Urteilen über andere. Sie empfängt eine tiefe Erleuchtung über das Wort des Herrn: "Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet!" (Lk 6,37). Sie nimmt sich vor, stets wohlwollend über andere zu urteilen. Sie erkennt dies als eine große Gnade. Ihr ganzes Leben lang bleibt sie diesem Vorsatz treu. Auf den Ruf anderer ist sie stets mehr bedacht als auf ihren eigenen. Fehler anderer sucht sie zu entschuldigen, und wenn das nicht möglich ist, versucht sie, das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. Sie erkennt, daß sie, die eine schüchterne Natur besitzt, diese Kraft zum Widerstand gegen das Urteilen über andere nur der göttlichen Gnade verdankt. In späteren Jahren ist ihr das Bewußtsein, niemals über andere gerichtet zu haben, ein großer Trost, der ihr jede Furcht vor dem Gericht Gottes nimmt.

Im Juni des Jahres 1907 beginnt Dina mit der Übung der neun Herz-Jesu-Freitage. Am letzten dieser Freitage, im Februar 1908, erhält sie die Gewißheit, die Gnade der Beharrlichkeit bis ans Ende zu empfangen.

Dina gewöhnt sich an, beim Gebet die größtmögliche Sammlung zu bewahren. Der Herr selbst im Tabernakel lehrt sie das innere Gebet. Sie versenkt sich ganz in die Gegenwart des Herrn und bringt alles in sich zum Schweigen. Diese innere Stille ist die Voraussetzung, um die Stimme des Herrn zu hören: Am 25. März 1908, Fest Mariä Verkündigung, hört sie zum ersten Mal in ihrem Inneren die Stimme Jesu - eine Stimme voller Lieblichkeit, die sie vor Seligkeit überströmen läßt.

Als Dina für einige Monate von einer großen inneren Prüfung heimgesucht wird, nämlich von quälenden Skrupeln, schickt ihr der Herrn einen heiligen und erleuchteten Seelenführer, Philémon Cloutier. Dieser leitet sie von Juli 1907 an für dreizehn Jahre.

Mit zwölf Jahren erhält Dina die Erlaubnis zur täglichen heiligen Kommunion. Mit dreizehn Jahren wählt sie zu ihrem Leitspruch, lieber zu sterben, als eine Sünde zu begehen. In diesem Alter vollzieht sie auch die Ganzhingabe an die Muttergottes nach der Lehre des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort. In ihrer Autobiographie schreibt sie darüber vierzehn Jahre später:
"Diese vollkommene Hingabe meiner selbst und alles dessen, was ich besitze, an die Himmelskönigin spendete mir viel Trost. Jetzt erst verstehe ich, wie sehr meine gute Mutter mir hundertfach diese vorbehaltlose Hingabe vergolten hat. Erst im Himmel werde ich erkennen, wie segensreich es für mich gewesen ist, mich ganz ihrer so weisen Führung anzuvertrauen. Gerne würde ich ihr alle Seelen weihen, denn sie ist es, die uns zu Jesus führt, sie müssen wir in uns leben lassen, damit Christus die Stelle unseres Nichts einnimmt, sie ist der sicherste, kürzeste, vollkommenste Weg, um uns zum Unendlichen zu erheben, um uns mit der unerschaffenen Liebe zu vereinen, bis wir uns ihn Ihm verlieren und uns in die Quelle der ewigen Glückseligkeit versenken. O süße Jungfrau, Mutter der Menschheit, enthülle allen Seelen ohne Ausnahme dein erhabenes Geheimnis; schenke ihnen das Licht, es zu erfassen, und die Großmut, es zu umfangen. Im Namen von allen Seelen erneuere ich meine vollkommene Hingabe und danke dir."

Als sie von der Versuchung heimgesucht wird, bei jeder Kleinigkeit die Geduld zu verlieren, gelingt ihr nach einer Reihe von Kämpfen und auch Niederlagen der endgültige Sieg. Der Herr lehrt sie, mit Freuden die kleinen Mißgeschicke und Demütigungen anzunehmen, ja sogar dafür zu danken. Dina entwickelt eine äußerste Wachsamkeit und Klugheit, um keine freiwilligen Sünden zu begehen. Dazu gehört auch die Abtötung der Sinne und der Neugier. Jeden Abend macht sie ihre Gewissenserforschung.

Am 6. Oktober 1911, einem Herz-Jesu-Freitag, legt Dina privat für immer das Jungfräulichkeitsgelübde ab. Dina hat eine große Verehrung zur hl. Theresia von Avila. Wie diese ist sie von dem Verlangen nach dem Martyrium erfüllt. Mit fünfzehn Jahren liest sie die Selbstbiographie der kleinen hl. Theresia vom Kinde Jesu. Sie schreibt darüber:

"Ich zog aus diesen Aufzeichnungen, die ich Blatt für Blatt in Eile verschlang, einen unermeßlichen Nutzen für meine Seele. Die engelgleiche Rose erfüllte meine Handlungen mit dem Duft einer glühenderen Liebe. Sie schenkte mir tiefere Einsichten in die selige Wissenschaft der Hingabe."

Dina hat eine große Liebe zur Natur. Sie ist äußerst empfänglich für die Schönheiten der Blumen, des Mondlichts, des Vogelgesangs, des Schweigens der Nacht... Alles erhebt sie zur unerschaffenen Schönheit. Eines Abends, als sie in Begleitung von zwei Schulkameradinnen einen herrlichen Sonnenuntergang erlebt, gerät sie in Verzückung, und sie nimmt nichts mehr wahr von dem Gespräch um sie herum.

Dina kennt auch die schmerzliche Prüfung vollkommener Trockenheit im Gebet. In solchen Zeiten wirft sie sich dem Herrn zu Füßen und opfert ihm ihr Elend und ihre Armseligkeit auf.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, bietet sie sich dem Herrn als Opfer an im Sinne der Wiedergutmachung all der moralischen Übel, die der Welt drohen.

Oktober 1916 zieht sie nach New York zum Studium der Musikwissenschaft. Seit ihrem achten Lebensjahr erlernt sie das Klavier. In New York wohnt sie im Pensionat "Unserer Lieben Frau vom Frieden" der Schwestern von Jesus-Maria, jener Kongregation, der sie später beitreten wird. Ihr Studium ist sehr erfolgreich. Um so mehr ist sie auf die Demut bedacht. Sie ist von einem tiefen Bewußtsein ihrer eigenen Nichtswürdigkeit durchdrungen.

Im März 1917 beginnt eine Zeit innerer Prüfungen, Ängste und Finsternisse, die sechs Jahre dauert. Trotz äußerster innerer Trockenheit bleibt sie allen geistlichen Übungen treu. Jeden Tag nimmt sie am hl. Meßopfer teil, widmet sich eine halbe Stunde dem betrachtenden Gebet und betet den Rosenkranz. Ihre mindestens zehnminütige geistliche Lesung gilt oft der "Nachfolge Christi". "Mein Jesus, Barmherzigkeit" lautet ihr Stoßgebet, das sie häufig wiederholt. Über ihre inneren Erleuchtungen schreibt sie:

"Manchmal ließ sich die Stimme Jesu auf dem Grund meines Herzens vernehmen. Sein Licht stellte den Augen meiner Einbildungskraft Bilder vor, die ich nicht kannte. Ich habe viel in diesem Anliegen gebetet. Ich kam zur Überzeugung, daß es sich hier um Belehrungen meines göttlichen Meisters handelte; was er vom Gehorsam, von der Demütigung, von der Entsagung sprach, konnte nur von Ihm kommen. Die Gunst, um die ich flehte, war, mich nicht in die Schlinge des Teufels fallen zu lassen, der zu so listigen und verschlagenen Erfindungen fähig ist, mich nicht zum Opfer der Wahnbilder meiner Einbildungskraft werden zu lassen. Ich erneuerte dem Herrn gegenüber mein brennendes und aufrechtes Begehren, ihn mit reiner Liebe zu lieben, mein Vertrauen auf seine Güte, die nicht zuschauen konnte, daß ich gegen meinen Willen einer Täuschung erliege. Ich bemerkte, daß Jesus zu meinem Herzen nur in der absoluten Stille sprach. Wenn ich nicht den vollkommenen Frieden besaß, regte er mich zu Affekten der Demut, zur Zerknirschung über meine Fehler an; dann konnte ich seine geheimnisvolle Rede verstehen. Eines Tages, als ich ihn mit Inbrunst bat, nicht zuzulassen, daß ich durch eine List des Teufels getäuscht würde, erklärte er mir, wie ich sein Wort erkennen könne, welches der Unterschied zwischen seiner göttlichen Stimme und der des Teufels sei, der die Rolle eines Nachahmers und Betrügers spielen wolle. Der Unterschied besteht darin, daß der Erlöser sich nur in der Sammlung, im Frieden, im Schweigen vernehmen läßt. Seine Stimme ist so lieblich, daß alles in der Seele verstummen muß; es ist eine süße Melodie. Das Sprechen Satans ist lärmend, es ist die Unruhe, die Überstürzung, die Aufregung, die Schroffheit."

Der Herr spricht ihr endlich von der Sendung, die er ihr anvertraut hat. Sie erkennt, daß von der Erfüllung dieser Mission das Heil vieler Seelen abhängt. "Ich will mich deiner bedienen, weil du nichts bist. Ich will in deiner Schwachheit meine Macht erweisen." Doch erst später erfährt sie nach und nach, worin ihre Sendung besteht.

Dina erhält ihre Erleuchtungen besonders freitags, insbesondere an den Herz-Jesu-Freitagen. Jeden Morgen und Abend betet sie für die Priester und Ordensleute. Sie erkennt die schwere Verantwortung, die diese besonders berufenen Menschen vor Gott haben. Im Laufe ihres weiteren Lebens wird dieses Anliegen immer mehr zu einem Schwerpunkt ihres Gebets und ihrer Mission.

Nach Beendigung ihres Studiums in New York kehrt sie 1918 nach Québec zurück. Sie tritt in den dritten Orden der Dominikaner ein. Es beginnt für sie die Zeit, in der sie Konzerte gibt. Alles, was sie tut, schenkt sie dem Herrn, und ihm stellt sie Erfolg und Mißerfolg anheim. Zu allem ist sie bereit, was Er will. Sie spürt, daß die Musik nicht der Inhalt ihres Lebens sein kann. So fragt sie an einem Herz-Jesu-Freitag den Herrn, was denn das Ziel ihrer musikalischen Arbeit sein könne. Sie erhält die Antwort:

"Deine musikalischen Kenntnisse werden deine Berufung schützen. Aber vor allem wirst du durch deine Schriften Gutes tun."

Dina ist überrascht. Hat sie richtig verstanden? Der Herr fährt fort:

"Ja, im Kloster wirst du dich einer schriftstellerischen Arbeit widmen."

Wie sich später für Dina herausstellen wird, meint der Herr damit ihre Autobiogrpahie, die sie auf Befehl ihrer Oberin im Kloster schreiben muß.

Im Sommer 1920 fühlt sie sich immer mehr gedrängt, in einen Orden einzutreten. Aber sie ist sich nicht darüber im klaren, in welcher Kongregation der Herr sie haben will. Sie beginnt, intensiv in diesem Anliegen zu beten. Schließlich antwortet ihr der Herr: Ich will dich bei Jesus-Maria.

Damit meint Christus die Kongragation der Schwestern von Jesus-Maria. Diese Kongregation wurde 1818 in Lyon von Claudine Thévenet (1774-1837) gegründet. Diese wurde ein Tag nach der Seligsprechung Dinas, am 21. März 1993, heiliggesprochen.

Am Donnerstag, den 11. August 1921, verläßt Dina für immer das elterliche Haus und tritt bei den Schwestern von Jesus-Maria ein. Dort ist seit November 1920 Schwester Maria Elisabeth Novizenmeisterin. Als sie das Amt übernommen hatte, bat sie das Eucharistische Herz Jesu inständig, selber der eigentliche Novizenmeister zu sein. Außerdem erbat sie sich von ihm die Gnade, unter ihren Novizinnen eine Heilige zu haben. Wer kann daran zweifeln, daß der Eintritt Dinas neun Monate später eine Erhörung dieser Bitte darstellt?

Bereits zu diesem Zeitpunkt hat Dina die Höhen der Mystik erklommen. So kommt es, daß bereits in den Postulatsexerzitien der Herr sie einer Gnade würdigt, die wir aus dem Leben der ganz großen Mystiker kennen: Der geheimnisvolle Herzensaustausch. Sie sieht in einem Bild, wie der Herr ihr das Herz aus dem Leibe nimmt und an dessen Stelle sein eigenes und das Unbefleckte Herz seiner Mutter setzt, ein Bild, das einen wirklichen inneren Vorgang symbolisiert. Seit dieser Zeit handelt und liebt Dina, wie sie selber schreibt, nicht mit ihrem eigenen Herzen, sondern mit den beiden Herzen Jesu und Mariens. Am Ende der Exerzitien faßt sie ihre Vorsätze für ihr künftiges klösterliches Leben. Sie lauten: Blind gehorchen, freudig leiden, lieben bis zum Martyrium.

Im Noviziat wird Dina mit vielen Erleuchtungen beschenkt. Der Herr lehrt sie die wahre innere Freude verstehen, die sich in einem Lächeln gegenüber jedermann und unter allen Umständen äußert. Denn: "Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger", wie Dina den hl. Franz von Sales zitiert.

Eines Tages erkennt Dina, daß es zwei Dinge gibt, um die uns die Engel beneiden würden, wenn sie in ihrer himmlischen Glückseligkeit noch Wünsche haben könnten: die hl. Eucharistie und die Fähigkeit, für Gott zu leiden.

Am 15. Februar 1922 empfängt Dina das Ordenskleid. Ihr Ordensname lautet: Maria Cäcilia von Rom.

Dina empfängt große Erleuchtungen über die Gnaden, die aus dem Heiligsten Herzen Jesu hervorgehen. Sie erkennt, daß wir den Herrn trösten, wenn wir die Reichtümer seines Herzens den Seelen zuwenden, und wie wir selber dadurch reich werden. Jeden Morgen vertraut ihr der Herr eine bestimmte Anzahl von Seelen an, die es an diesem Tag durch Opfer und Liebe für ihn zu gewinnen gilt. Sie erkennt, daß die Barmherzigkeit des Herrn unendlich ist. Er dürstet danach, zu verzeihen und zu vergessen. Oft wartet er nur auf einen einzigen Gedanken der Liebe, um dem Sünder außerordentliche Gnaden zu schenken, die ihn der Hand Satans entreißen.

Dina wird eine besondere Verehrerin des Eucharistischen Herzens Jesu. Öfters bezeichnet sie den Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament als den Gefangenen des Tabernakels. Die Liebe ist es, die ihn dort hält. Sie sieht die Leiden des Eucharistischen Herzens Jesu, verursacht durch die Sünden und die Gleichgültigkeit, besonders der Priester und gottgeweihten Seelen, gegenüber dem Allerheiligsten Altarsakrament. Und sie sieht, welch große Gnade und Herablassung des Herrn darin besteht, daß wir Ihn in seinem Leiden trösten dürfen!

Die Devise Dinas wird: Lieben und leiden. Sie will leben und sterben als Martyrer der Liebe, als Opfer der Liebe und als Apostel der Liebe.

1924 gibt der Herr der seligen Dina zwei himmlische Patrone, die sich fortan brüderlich um sie kümmern sollen: die hl. Cäcilia und die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Durch die hl. Cäcilia lernt sie besser die Tugenden verstehen, die ein Apostel haben muß: Liebenswürdigkeit und ein Lächeln gegen alle, das beständige Vergessen seiner selbst, einen glühenden und klugen Eifer, die vollkommene Hingabe und Selbstaufopferung im Dienste der größeren Ehre Jesu und Mariens. Die hl. Theresia öffnet ihr, wie Dina sich ausdrückt, den Garten des Vertrauens und lehrt sie, Fortschritte im Geist der Kindheit zu machen. Dina empfängt von ihr große Erleuchtungen über das Wort des Herrn: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen."

Am 15. August 1923, Fest Mariä Himmelfahrt, legt Dina ihre erste Profeß ab, die Ordensgelübde auf fünf Jahre. Der Herr selber reicht ihr sein Geschenk zur Profeß: einen Kelch, der über und über erfüllt ist mit den Juwelen seiner Passion.

Bis zum 2. November erhält sie vom Herrn große Erleuchtungen, durch die sie lernt, die wahre Hingabe auf vollkommene Weise zu üben: Hingabe der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Freude, des Leids, der Wünsche, der Gedanken, Worte und Werke: Alles sollen wir seiner Barmherzigkeit übergeben. Die Frucht dieser totalen Hingabe ist der vollkommene Friede. Jesus selbst ist es dann, der sich all dessen annimmt und unsere Stelle einnimmt. Genau dies wird nun das Ideal Dinas, das sie erreichen will: Christus soll es sein, der sich ihrer Vermögen und Fähigkeiten bedient und durch sie denkt, will, handelt, betet, spricht, schreibt. Wenn sie alles Ihm übergeben hat, dann bleibt ihr selber als einzige Beschäftigung nur, Jesus zu betrachten und zu lieben. Sie erkennt, daß dies ihre Mission ist: in vollkommener Weise Christus ganz frei durch sich wirken zu lassen und so ein Apostel der Liebe zu sein. Sie erkennt, daß davon das Heil und die Heiligkeit vieler Seelen abhängt. Denn durch sie will Christus unermeßliche Gnaden den Seelen zuwenden. Immer wieder hört Dina die Klagen des Herrn, wie sehr er nach den Seelen dürstet. Immer wieder verlangt der Herr von ihr Opfer, damit sich die Sünder bekehren und gerettet werden. Es kommt auch vor, daß Dina vom Satan angegriffen wird und heftige Versuchungen erdulden muß. Dann betet Dina mit dem hl. Paulus: "Wer kann mich scheiden von der Liebe Christi?" (Röm 8,35).

Eines Tages sieht Dina die hl. Theresia von Lisieux, dargestellt in Gestalt einer strahlenden Taube, gefolgt von einer Phalanx weiterer Tauben, die die "kleinen Schlachtopfer der barmherzigen Liebe" bedeuten. Dann sieht sie, wie die Anzahl dieser bevorzugten Seelen sprunghaft ansteigen wird. "Jesus will seine Gnaden und Erleuchtungen vermehren, um die Seelen an sich zu ziehen durch den Weg der geistlichen Kindheit, durch das Vertrauen, die Liebe, die Hingabe", schreibt die selige Dina.

Im Juli 1924 beginnt für Dina eine furchtbare Prüfung. Sie macht eine große innere Finsternis durch. Sie hat den Eindruck, daß Jesus sie zurückstößt. Sie sieht sich in die Hölle hinabsteigen. Aber je mehr die Finsternis zunimmt, um so mehr wächst ihr Vertrauen. Durch blinde Hingabe klammert sie sich an Gott fest und birgt sich im heiligsten Herzen Jesu. Die Prüfung hält an bis zum Januar 1925. Dann wird Dina in das Herz der Allerheiligsten Dreifaltigkeit entrückt, sie ist untergegangen im Herzen der drei göttlichen Personen:

"Ich fühle mich zermalmt unter dem Gewicht der unendlichen Liebe; und doch scheint es mir, daß mich die Heiligste Dreifaltigkeit kaum einen ganz kleinen Funken, der aus dem Innersten Ihrer göttlichen LIEBE sprüht, fühlen läßt. Ach! wie doch Worte nicht wiedergeben, was ich empfinde! Wenn man wüßte, wie sehr Gott uns liebt, uns armselige Erdenseelen! Wenn wir doch den Schatz einer Seele, die sich im Stande der Gnade befindet, kennen würden! Herr, gib uns die Gnade, Dich zu erkennen! Dich ein wenig kennen bedeutet, Dich sogleich grenzenlos lieben, Dich allein, für immer! Ich leide und ich liebe! Wie glücklich bin ich! (...) Ich erkenne, daß mir mein Gott, in dem ich mich vernichtet befinde, eine auserlesene Gnade gewährt, indem Er mir etwas die Wahrheit über das Jenseits enthüllt, doch ist es mir unmöglich mitzuteilen, was ich begreife. Ich befinde mich in der WAHRHEIT; darüber habe ich Gewißheit. Hier existiert nichts mehr von der materiellen Substanz, die unsere Augen aus Erde bezaubert. Die Erde erscheint mir so ferne, so düster, daß sie mir wie ein ganz kleiner, schwarzer Punkt vorkommt. Und dann, o Wunder! Der Unendliche gibt sich mit diesem dunklen Abgrund ab - denn ein solcher ist das ganze Universum -, weil Er darin Seelen erblickt, die Er nach seinem göttlichen Ebenbilde erschaffen hat und erschafft, Seelen, die Er liebt, Seelen, die Er mit seinen Schätzen bereichern will. O unerhörtes Mysterium der Liebe! Gott, der Ewige, unendlich selig in sich selbst, will Beglückung darin finden, sich seinem Geschöpf zu schenken... Herr, welche Güte!... Aus dem Herzen der Heiligsten Dreifaltigkeit strömen durch die geöffnete und verklärte Wunde des Herzens Jesu die göttlichen Gnaden wie stürmische und zahllose Ozeane auf die Erde herab. Ich sage «Ozeane», indem ich ein Wort der menschlichen Sprache verwende. Aber der Unterschied zwischen meinen bisherigen Vorstellungen vom Himmel und dem, was ich heute verstehe, ist so gewaltig wie der Unterschied zwischen der tiefen Nacht und dem Tag. Jedoch sehe ich das Licht nicht, ich bin in dieses eingetaucht, ich bin blind. Die Klarheit, die mich erleuchtet, gehört zum Feuerherd der Liebe, worin ich versunken bin... (...) Die Dreifaltigkeit der Liebe sucht Seelen, um sich mit ihren göttlichen Schätzen ihnen zu schenken. Geben, sich verschenken, das ist ein Verlangen der unendlichen Güte. Die Seelen, die sich vollkommen dem höchsten Willen überlassen, sind selten. Damit Gott seine Gnaden in verschwenderischer Fülle in eine menschliche Seele ergießen kann, muß Er Jesus in ihr vorfinden, muß Jesus in ihr leben. Das Fassungsvermögen einer Seele ist zu beschränkt, um den Ozean der unendlichen Wohltaten aufzunehmen. Wenn aber Jesus, die Unendlichkeit, an die Stelle der Begrenztheit tritt, kann Er gewissermaßen das unermeßliche Verlangen seines himmlischen Vaters erfüllen. Um ein Abgrund zu werden, der vom Unendlichen überflutet werden kann, ist zuvor die absolute Vernichtung des menschlichen Seins im spirituellen Bereich notwendig; dann muß Jesus an die Stelle dieses menschlichen Seins treten, und die Seele muß sich vollkommen und immerfort dem Willen des wirkenden Gottes überlassen. Die anbetungswürdige Dreifaltigkeit will die Schätze ihrer Barmherzigkeit und Liebe in Jesus, der an die Stelle meines Seins getreten ist, ergießen. Mein süßer Meister sagt an meiner Stelle zu seinem Vater (immer im Schweigen, anders kann ich mich nicht ausdrücken): «Mein Vater, hier bin ich, um deinen Willen zu tun. Vater, die Stunde ist gekommen, vollbringe deine Absichten in Mir!»"

Am 17. Februar notiert Dina:
"Niemals werden wir die Unermeßlichkeit der unendlichen Güte gegenüber jeder menschlichen Seele begreifen können. Das längste Leben hier auf Erden dauert in Wirklichkeit nur einen Augenblick. Wie sind wir von Sinnen, wenn wir diesen Augenblick, welcher unser Erdenleben ist, nicht zur größeren Ehre des höchsten Herrn verwenden. Welche Überraschungen wird es in der letzten Stunde geben, wenn der Schleier zur Wahrheit zerreißt!"

Dina sieht, daß der geringste Grad der Glückseligkeit im Himmel unendlich mehr wiegt als alle erdenklichen Freuden auf Erden. Und jeder kleinste Akt der Liebe, der Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen, des Gehorsams oder der Entsagung wird uns eine solche Glückseligkeit bescheren. Die Allerheiligste Dreifaltigkeit bietet uns die Abgründe ihrer Reichtümer an, aber wie gering ist die Zahl jener, die sie in Empfang nehmen, indem sie sich vollkommen dem heiligen Wirken Gottes überlassen, sich mit Glauben, Vertrauen und Liebe hingeben, ohne jemals etwas zurückzunehmen.

Dina wird ein Blick in die Welt der Engel gewährt, in die mannigfaltige Harmonie der Spiegelungen göttlicher Schönheit, sie sieht die Herrlichkeit ihres Schutzengels... Sie sieht "die Allerheiligste Dreifaltigkeit in Maria, der schönsten Jungfrau, dem Meisterwerk der Allmacht und der unendlichen Güte. Reinheit... Liebe... Barmherzigkeit." Mit jedem Blick in die himmlische Herrlichkeit wächst ihre Sehnsucht, die sich aus Liebe zu Gott verzehrt.

Über das Vertrauen lehrt Dina dasselbe wie die selige Sr. Faustine: Nichts verletzt das väterliche Herz Gottes mehr als unser Mangel an Vertrauen. Am 8. Juni 1925 schreibt sie:

"Oh! Wie gut ist der Herr! Wie mild ist er! Welche Zärtlichkeit besitzt er! Wenn ich nur alle schüchternen und ängstlichen Seelen von der Unermeßlichkeit seiner Milde überzeugen könnte! Wenn ich bloß die armen Seelen, die ihrem Vater im Himmel mißtrauen, mit grenzenlosem Vertrauen einhüllen und durchdringen könnte! Die unendliche Barmherzigkeit betätigt sich in uns um so mehr, je mehr Elend sie in uns findet; wir bereiten Gott Freude, wenn wir ihm durch unsere Reue und unser Vertrauen Gelegenheit geben, seine Barmherzigkeit zu betätigen. Nichts verletzt sein väterliches Herz so sehr wie unser Mangel an Vertrauen. Und der Herr sucht Seelen, die Ihm mit Freude dienen. Die Dunkelheit wie das Licht, die Trostlosigkeit wie der Trost, die Bitterkeit wie die Süßigkeit, alles kommt aus seiner freigebigen Hand, oder besser es entspringt seinem Herzen wie ein Pfeil, der von Liebe entzündet ist. Unser Leben müßte eine ununterbrochene Danksagung sein, ein freudiges Vorspiel auf den Gesang des ewigen Lobpreises. Der göttliche Meister sucht freudige Seelen überall auf der Welt, aber Er will um so mehr alle geweihten Seelen, jene, die Er sich auserwählt hat, um Ihn zu trösten, Ihn kennen und lieben zu lehren, jene, die Er seine bevorzugten Bräute nennt. Oh! Jesus spricht zu jeder Seele im Frieden, im Schweigen, in der Zeit der Sammlung. Was will Er von uns?... Wir sollen zuhören... und treu sein... denn Er will unser Glück, sei es, daß Er uns einen bitteren Kelch darbietet oder einen berauschenden, eine Krone von Dornen oder von Rosen, ein schweres oder ein leichtes Kreuz. «Servite Domino in laetitia», ja, dienen wir dem Herrn in der Freude und im Jubel."

Wenige Tage später folgen große Erleuchtungen über den Wert jedes Kreuzes, das der Herr uns auferlegt. Unter dem Datum vom 18. Juni 1925 notiert Dina die Erleuchtungen, die sie darüber empfängt:

"Ich würde gerne allen Seelen, besonders den auserwählten Seelen, den Wert des Kreuzes verständlich machen. Der moralische oder physische Schmerz ist eine unermeßliche Goldgrube; er ist ein brennender Pfeil, den die Liebe vom Herzen des Unendlichen abschießt, um das menschliche Herz zu verzehren und es in die Gottheit einzutauchen. Das Kreuz! Es ist das blendende Szepter der inkarnierten Weisheit, der miterlösende Juwel der Unbefleckten Jungfrau, die leuchtende Palme der Seligen. Wenn wir wüßten, was für ein Maß an göttlicher Liebe jedes unserer Kreuze einschließt, würden wir diesen unendlichen Schatz so hochschätzen, daß wir Tag und Nacht nicht aufhören würden, Gott flehentlich um diesen Schatz zu bitten und für ihn übersprudelnd zu danken. Wenn wir den Wert unserer Kreuze verstünden, wären wir gelähmt vor Freude und Glück, sie zu empfangen; die Prüfungen, die Bedrängnisse, die Ängste aller Art würden uns zu Liedern des Jubels und der Begeisterung antreiben, und wir würden spontan das Te Deum anstimmen. Der Herr wird nicht verstanden! Nein, das Herz dieses anbetungswürdigen Bräutigams, das so zart und gut ist, wird nicht erkannt! Jesus hat das Kreuz erwählt als ein heiliges Gut. Er hat es mit Leidenschaft umarmt, Er hat es geliebt bis zur Torheit: und das für uns! Und wenn er uns ein Stückchen dieser geheimnisvollen Kostbarkeit anbietet, dann zögern wir, die Hand auszustrecken, zumindest zögern wir, es freudig zu tun. Ach! die gefallene menschliche Natur ist ein Abgrund von Finsternis. Gott weiß es; deshalb hat seine Barmherzigkeit stets Mitleid mit unserer Blindheit, und trotz unseres natürlichen Widerwillens bietet sie uns an und verpflichtet sie uns sogar, die unschätzbare Wohltat des Kreuzes anzunehmen. Oh! wie glücklich ist der göttliche Meister, ein anerkennendes Danke zu hören, wenn Er uns eine Dorne seiner Krone oder einige Tropfen seines bitteren Kelches anbietet! Wie sehr freut sich sein heiliges Herz, wenn eine verletzte und gekreuzigte Seele mit Liebe die Geißel, die Lanze und die kostbaren Nägel küßt! Oh! wenn wir die Gabe Gottes verstünden! Alle Leiden, alle Qualen, alle Martern würden meiner Seele süß erscheinen, um der zarten Vorsehung für den leichtesten Kummer zu danken. Wenn doch das Herz des Bräutigams wahrhaft erkannt würde! Oh Geist der Wahrheit, durch die Verdienste Jesu bitte ich dich, schenke den Seelen das Licht, lehre sie, die wahren Güter zu schätzen und die unendliche Güte anzuerkennen in den Stunden der Prüfung und der Demütigung."

So übertrieben diese Lobpreisung des Leidens dem einen oder anderen erscheinen mag, so stimmt sie doch vollkommen mit dem überein, was alle großen Mystiker darüber lehren. Man denke etwa an den Brief an die Freunde des Kreuzes des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, an die Lehre des hl. Franziskus von Assisi über die vollkommene Freude, wie sie uns in den Fioretti überliefert ist, oder an die Lehren im Büchlein der Ewigen Weisheit des seligen Heinrich Seuse O.P., wo wir im Kapitel Vom unermeßlichen Adel zeitlichen Leidens einen ähnlichen Lobgesang finden, in dem es z.B. heißt: "Geduld in Leiden ist größer als Tote aufstehen machen und andere Zeichen tun; es ist der enge Weg, der da gerade hindringt zur Himmelspforte. Leiden macht zum Genossen der Märtyrer; es führt hin zum Lobe, es führt hin zum Sieg wider alle Feinde. Leiden kleidet die Seele mit rosigem Kleide, mit Purpurfarbe. Sie trägt den Kranz von roten Rosen, der grünen Palme Zepter, es ist ein glänzender Rubin in einer Jungfrau Vorspange. Sie singt in Ewigkeit mit süßer Stimme, mit freiem Mute einen neuen Reigen vor, den aller Engel Scharen nicht singen können, da sie Leiden nie empfanden. Und daß ich [es spricht die Ewige Weisheit] es kürze: die Leidenden heißen vor der Welt die Armen, sie heißen aber vor mir die Seligen; denn sie sind meine Auserwählten."

Dina gewinnt große Einblicke in das Geheimnis des Allerheiligsten Altarsakramentes. Wenn wir verstehen würden, so meint Dina, was für einen Schatz wir in der göttlichen Eucharistie besitzen, dann würden die Kirchen Tag und Nacht überfüllt sein von Anbetern, die sich vor Liebe zum göttlichen Gefangenen des Tabernakels verzehrten. Dina sieht die unendliche Verherrlichung, die der Dreifaltigkeit durch Jesus im Allerheiligsten Altarsakrament zuteil wird.

Immer wieder wird Dina über die Erlöserliebe Christi erleuchtet. Sie erkennt die Liebe seines Herzens, die sich den Seelen schenken will. Aber es gibt so wenige Seelen, die sich öffnen, weil sie Angst haben, sich dem Herrn ganz auszuliefern. Dina will im Namen aller menschlichen Herzen den Herrn um seine Liebe bitten, und sie erkennt, daß dies auch im Himmel ihre Mission sein wird, bis zum Ende der Zeiten: Bettlerin der göttlichen Liebe zu sein, Apostel und Missionarin der Liebe. Bis zum Ende der Welt wird sie das göttliche Herz Jesu über die Seelen ausstrahlen, und zwar durch Maria. Dina sieht, daß Maria die allgemeine Gnadenvermittlerin ist. Durch Maria opfert sich Jesus dem Vater auf, und durch Maria kommen alle Gnaden von Gott den Seelen zu.

Immer mehr läßt der Herr Dina an seinem inneren Leben teilnehmen. Deshalb wird Dina von einem brennenden Durst nach Leiden, nach Seelen und nach Liebe erfüllt. Dieser Durst wird für sie zu einem dreifachen Martyrium. Am 16. Januar 1926 sagt ihr der Herr, daß sie vor Schmerz sterben würde, wenn sie um all das Böse wüßte, das in der Welt begangen wird.

Die himmlische Seligkeit, die Dina verkosten darf, beschreibt sie immer wieder als eine große Stille. Dort darf sie im Herzen Jesu ausruhen und seine unaussprechliche Zärtlichkeit und Milde erfahren.

Ende März 1926 schenkt ihr der Herr die unendlichen Reichtümer seines Herzens. Sie darf mit diesen unerschöpflichen Reichtümern tun, was sie will. Sie ist im Besitz seiner unendlichen Verdienste und darf nach Belieben darüber verfügen. Auch diese außergewöhnliche Gnade kennen wir aus dem Leben anderer Heiliger. So schreibt z.B. die selige Maria vom göttlichen Herzen Droste zu Vischering (1863-1899) am Herz-Jesu-Fest 1897: "Der Heiland sagte mir, daß er mich heute von neuem als die geliebte Braut seines Herzens erwählte und daß er die Schätze seines Herzens zu meiner Verfügung stelle. Ich müsse viel beten für die heilige Kirche, für die ganze Welt, aber besonders für die Seelen, denen er durch meine Vermittlung Gnaden zuführen wolle."

Dina reagiert auf diese Gnade, indem sie das unaussprechliche Geschenk an die Muttergottes weitergibt, die nach ihrem Gutdünken daraus schöpfen und die Dreifaltigkeit verherrlichen soll.

Immer mehr kommt es Dina zu, den Herrn in seiner Agonie zu trösten. Er gibt ihr einige Tropfen seines bitteren Kelches zu kosten. Dina darf in wachsendem Maße den physischen und den seelischen Schmerz des leidenden Heilands teilen. Schließlich empfängt sie am Samstag, den 22. Januar 1927, die Stigmata.

Dina wird durch die Klagerufe des Herrn erschüttert:

"So wenige Seelen wollen in meiner Agonie mit mir leiden!
So wenige Seelen, selbst geweihte Seelen, verstehen es, mit der Agonie meines Herzens mitzuleiden."

Und dann die Verheißung:

"Ich werde große Erweise meiner Freundschaft den Seelen gewähren, die mich in meiner Agonie trösten wollen."

Auf die Frage Dinas, warum so viele geweihte Seelen nicht mit der Agonie seines Herzens mitzuleiden verstehen, antwortet der Herr:

"Weil sie nicht genügend Zartgefühl (délicatesse) gegen mich besitzen, und weil sie sich nicht genügend um eine große Vollkommenheit auch in all den kleinen Dingen bemühen. Die Agonie meines Herzens war die Einsamkeit, das Vergessenwerden, die Undankbarkeit."

Der Herr ruft alle geweihten Seelen, sein Herz zu trösten durch Gehorsam, vollkommene Regeltreue, Vollkommenheit in allen Dingen, reine Gottesliebe. Dina erkennt, daß der Engel, der den leidenden Heiland im Garten Gethsemani stärkte, alle Seelen repräsentiert, die in den folgenden Jahrhunderten dem Herrn in seiner Todesangst Gesellschaft leisten. Sehr auffällig ist die Ähnlichkeit dieser Gedanken mit den Ausführungen Papst Pius XI. in seiner Enzyklika Miserentissimus Redemptor vom 8. Mai 1928. Das Thema dieser Enzyklika ist die Sühne, die wir dem heiligsten Herzen Jesu schulden. Es heißt dort unter anderem: "Unsere Sünden lagen in der Zukunft, waren aber vorausgesehen; auch ihretwegen wurde Christi Seele todtraurig. Unsere Sühne sah Er gleichfalls voraus; wer dürfte zweifeln, daß Er auch aus ihr Sich etwas Trost holte, schon damals, als vom Himmel ihm ein Engel erschien, um Sein vor Ekel und Angst gedrücktes Herz zu trösten? Tatsächlich können und sollen wir so Sein heiligstes Herz, das von Sünden des Undanks immerfort verwundet wird, auch jetzt wundersam und doch wahrhaftig trösten."

Das Herz des Herrn, so schreibt Dina, denkt unaufhörlich an die Seelen, viele Seelen aber, selbst geweihte, vergessen so oft ihren Herrn und Erlöser. Deshalb erwartet der Herr von Dina, ständig ohne Unterbrechung an ihn zu denken, und schenkt ihr die Gnade dazu.

Am 7. April 1927 sieht Dina, wie die Seelen zu Tausenden in die Hölle stürzen. Sie fragt daraufhin den Herrn, was denn, nachdem er das Erlösungswerk vollendet habe, noch fehle, so daß so viele Seelen noch verloren gehen. Die Antwort des Herrn lautet:

"Das liegt daran, daß die frommen Seelen sich nicht genügend mit meinen Leiden vereinigen."

Wenig später fügt er hinzu:
"Wenn du wüßtest, wieviel mein Herz getröstet wird, wenn ich eine Seele finde, die sich Mir vollkommen ausliefert! Aber ich finde davon so wenige! Selbst unter den geweihten Seelen sind jene selten, die sich mir vollkommen ausliefern!"

"Meine Apostel Petrus, Jakobus und Johannes, denen ich mich gerade in der heiligen Kommunion geschenkt und die ich zu Priestern gemacht hatte, waren geweihte Seelen, und sie schliefen während meiner Agonie! Wieviele geweihte Seelen schlafen immer noch, während meine Kirche verfolgt wird und leidet!"

Dina erkennt es als ihre Aufgabe, den Arm der göttlichen Gerechtigkeit aufzuhalten. Denn Jesus will, daß seine Barmherzigkeit triumphiert. Aber die göttliche Gerechtigkeit ist schwer! Wie furchtbar, so notiert Dina in ihrem Tagebuch, muß es für den Sünder sein, vor dem unendlich gerechten Gott zu erscheinen! Die Gnade dieser Erkenntnis vervielfacht die Sehnsucht Dinas, Barmherzigkeit für die Sünder zu erlangen. Sie fürchtet sich nicht, sich dazu der göttlichen Gerechtigkeit vollkommen auszuliefern und an Stelle der Sünder zu leiden. In Vereinigung mit dem leidenden Heiland wächst Dina immer mehr in diese Aufgabe hinein. So fühlt sie sich am 14. Juli 1927 in und durch Christus dem Vater dargebracht als Opfergabe zur Sühne aller Sünden aller Zeiten, so als ob sie die einzige Seele wäre, die Gott zu lieben fähig ist. Am 5. August ermuntert der Herr sie noch einmal, über die Schätze seines Herzens zu verfügen. Er gibt ihr die Versicherung, daß der Arm der Gerechtigkeit seines Vaters aufgehalten sei und seine Barmherzigkeit die Gnaden seines Herzens über die Seelen ausgießen werde.

Immer mehr lenkt der Herr die Aufmerksamkeit Dinas auf seine Priester. Der Priester soll ein zweiter Christus sein und in ganz inniger Verbindung mit dem Herrn leben.

"Während meiner Todesangst hat mein Herz Bluttränen über eine gewisse Anzahl meiner Priester geweint. Etliche unter ihnen besitzen Beredsamkeit und menschliche Wissenschaft, aber ihnen fehlt die erste aller Wissenschaften: die Heiligkeit. Sie sind mit Mir durch die heiligmachende Gnade vereint, gewiß, aber sie leben nicht genügend in der Vertrautheit mit mir durch Entsagung und reine Liebe."

Diese Klage hört Dina am 23. April 1927. Dann wendet sich der Herr direkt an Dina und bittet sie: "O meine kleine Braut, tröste mich! Ich weiß, daß du mich liebst."

Ab dieser Zeit häufen sich die Erleuchtungen, die der Herr der seligen Dina über seine Priester gibt. Er erklärt ihr, was er von ihnen erwartet und wie er durch sie wirken will. Die Sühne für die Priester tritt in den Mittelpunkt von Dinas Sendung. Am nächsten Tag, einem Samstag, spricht der Herr zu ihr:
"Meine Priester, meine Priester, ach! ich liebe sie so sehr! Und es gibt unter ihnen so viele, die mich so wenig lieben!... Wenn mein Herz während der Agonie Bluttränen über sie vergossen hat, dann geschah dies nicht allein, weil sie sich von Mir durch den Verlust der heiligmachenden Gnade getrennt hätten, sondern auch, weil sie nicht genügend ein Leben der innigen Vereinigung mit Mir führen. Ich rufe sie, ein zweiter Christus zu werden. Ein anderes Ich von mir zu sein: das ist ihre Berufung. Viele von ihnen sind mein Trost, mein Ruhm und meine Ehre. Aber etliche, ach! betrüben mich... Willst du, meine kleine Braut, mir durch meine allerseligste Mutter deinen heutigen Tag schenken für meine Priester? Willst du mir so jeden Samstag schenken? das heißt, durch meine erhabene Mutter mich lieben, beten, dir entsagen, dich aufopfern für meine Priester?"

Selbstverständlich besteht die Antwort Dinas in einem von Liebe brennenden "Ja". Was sie besonders bewegt, ist das "Willst du?", d.h. die Achtung, die der Herr vor ihrer Freiheit bekundet, indem er sie fragt. "Oh, wie unendlich ist die Zärtlichkeit Gottes in seiner Herablassung gegenüber dem armen menschlichen Nichts!", notiert Dina in ihrem Tagebuch. Dann schreibt sie weiter, was der Herr ihr sagt:

"In den Händen meiner Priester liegt das ganze religiöse Leben der Gesellschaft. Wenn sie alle wahrhaft heilig wären, würde allein ihr Anblick, sei es in der Kirche, auf der Straße oder anderswo, die Gedanken der Menschen auf mich lenken; sie würden die Seelen zu mir hinziehen; wenn man ihnen begegnete, würde man denken: das ist ein zweiter Christus, der da geht. Der Teufel fürchtet eine einzige Seele, in der ich frei wirke, viel mehr als eine ganze Armee lauer und gleichgültiger Seelen, in denen ich in meinem Wirken gehindert bin. Denn in der ersten wirke ich mit meiner Macht, während ich in den letzteren gezwungen bin, sie ihrer Schwachheit zu überlassen."

Am Donnerstag, den 28. April, läßt der Herr Dina die Empfindungen seines Herzens im Ölgarten angesichts der geweihten Seelen verspüren. Er zeigt ihr Tausende von geweihten Seelen, die ihm gegenwärtig sind. Eine sehr große Anzahl ist zerstreut in ihren Gedanken an den göttlichen Bräutigam. Nur ganz wenige bleiben mit ihm stets eng verbunden. Dann hört sie wieder die Stimme des Herrn. In ihrer Autobiographie notiert sie:

"Betrachte diese Seelen. Siehst du, wie wenige es sind, die ununterbrochen mir vollständig hingegeben sind! Am Tag der Profeß gibt man sich ohne Vorbehalt hin, aber dann nimmt man sich Stück für Stück wieder zurück. In den großen Angelegenheiten, in den Hauptpunkten der Regel erfüllt man meinen Willen, aber in den ganz kleinen Dingen kümmert man sich nicht um mein Wohlgefallen.

Siehst du diese Seelen (er zeigte mir alle jene, die zerstreut waren): die einen haben ihre Augen der Welt zugewandt, um zu schauen, was dort passiert; die anderen haben ihre Ohren geöffnet, um alle Arten von Neuigkeiten zu erfahren; die anderen sprechen während des Schweigens, um nutzlose Bemerkungen zu machen oder um zu kritisieren; andere unterhalten in ihrem Gedächtnis eitle Erinnerungen an die Vergangenheit; diese dort schmieden in ihrer Phantasie alle Arten von Plänen für ihre persönlichen Interessen; jene verlieren sich in unnützen Wünschen; diese dort halten in ihrem Willen an einem Vorbehalt für sich fest, usw.

Und Ich, ich gehe vorbei; mein Herz verlangt nach Trost, und alle diese Seelen, die sich um sich selbst oder um die Welt kümmern, trösten mich nicht. Verstehst du jetzt, daß mein Herz zu Recht diese Klage ausgestoßen hat: «Ich harrte, ob einer mich tröste, doch ich fand keinen!» [Ps 69,21] Komm, sagte er mir, komm mit mir zu dieser großen Schar geweihter Seelen (Er führte mich nach links unter die Menschenmenge, die vor Ihm war.) Ich werde hindurchgehen und um Trost bitten... Du siehst es, alle sind zerstreut und denken nicht an mich... Ich kehre zurück, ohne eine einzige gefunden zu haben, die mich tröstet...

Zweifellos gibt es hier welche, die mich nicht verlassen; (er zeigte mir die kleine Zahl jener Seelen, die ständig Ihm allein ihre Aufmerksamkeit schenken) oh! diese da trösten mich! aber da auf der linken Seite keine einzige!...

Ich kenne die menschliche Schwäche, ich verzeihe immer, ich vergesse den Mangel an Zartheit [l'indélicatesse], wenn man zu Mir zurückkehrt, aber das ändert nichts daran, daß mein Herz verletzt worden ist. Ich liebe sie so sehr, meine geweihten Seelen! Sobald sie sich mir zuwenden, lächle ich sie an, denn ich liebe sie mit einer unendlichen Liebe, und meine Blicke sind ständig auf sie gerichtet.

Ich würde meine Gnaden geben ohne Maß; aber der Mangel an Entsagung, an Vollkommenheit, an Liebe in all den kleinen Dingen, in den kleinsten indifferenten Handlungen hindern mich daran. Man sagt sich: das ist nicht der Mühe wert, und während dieser Zeit kümmert man sich nicht um mein Wohlgefallen. Alles, was man mit viel Liebe und mit Aufmerksamkeit gegenüber meinen Wünschen tut, erfreut mein Herz.

Man sagt auch: «Die großen Gnaden sind eine Gunst für einige bevorzugte Seelen». Man täuscht sich. All diese Seelen, die ich zu Bräuten erwählt habe, die ich gerufen habe, sich Mir zu weihen, sind bevorzugte Seelen. Ich rufe sie alle, sich ständig mit Mir zu befassen. Das, was man eine oder mehrere Vorzugsgnaden bei gewissen Seelen nennt, ist einfach eine Belohnung, die ich ihnen gewähre für ihre ständige Aufmerksamkeit gegenüber meiner Gegenwart und meinem Wirken in ihnen.

Meine kleine Braut, sagte er zu mir, tröste Mich. Willst du mir, immer durch meine allerseligste Mutter, den Donnerstag für die geweihten Seelen schenken?

«Ja, mein Jesus, wie du es willst», habe ich ihm geantwortet.

Bete, leide, liebe Mich, fuhr er fort, und kümmere dich nur um mich allein. Die geweihten Seelen: dazu gehören auch die priesterlichen Seelen, meine Priester. Der Samstag soll ganz besonders für meine Priester sein. Und ich gebe dir bis Sonntag die Gnade, ohne Unterlaß an mich zu denken. Bald werde ich sie dir ohne Unterbrechung geben."

Am Donnerstag, den 5. Mai, gibt der Herr der seligen Dina wieder seinen Leidenskelch zum Trinken. Er taucht sie ein in das Todesleiden seines Herzens und läßt sie die unzählbare Menge der geweihten Seelen schauen, wie Er selbst sie in Gethsemane geschaut hatte. Das Herz des Herrn spricht zu ihr. In ihrem Tagebuch lesen wir:

"Betrachte genau all diese geweihten Seelen. Die meisten leben in der Vereinigung mit Mir; die anderen, ach! sie haben den Gnadenstand verloren und sind von Mir getrennt. Ich werde dich mein Leben in ihnen oder meine Trennung von ihnen sehen lassen.

(Er zeigte mir eine unter ihnen).

Du erkennst mich in ihr; aber siehst du, meine Hände sind mit Fäden gebunden. Sie liebt mich, aber sie bewahrt eine Anhänglichkeit an die zeitlichen Güter, die mir die Hände bindet und mich daran hindert, ihr große Gnaden zu geben.

Schau diese andere. Ich erstrahle mehr in ihr; sie liebt mich mehr. Aber sieh mein Herz: es ist verwundet durch ganz kleine Dornen; das sind die ganz kleinen Dinge, die sie mir verweigert und die mich hindern, ihr alle Schätze meines Herzens zu geben.

Betrachte diese hier. Du siehst mich kaum in ihr. Meine Füße sind mit Stricken gebunden; meine Hände sind ebenso gefesselt; in mein Herz dringen Dornen ein, die es umschließen und zum Bluten bringen. Das ist eine laue Seele. In ihr ist mein Wirken zum Erliegen gebracht, und sie ist nahe daran, sich von Mir zu trennen.

Und nun, schau hierhin. Fürchte dich nicht, du bist bei Mir. Das ist eine Seele, die sich von Mir getrennt hat, indem sie den Gnadenstand verloren hat. Diese hier ist die Seele eines Priesters. Ich wohne nicht mehr in ihr, aber mein Bild bleibt in ihr: es ist eine getaufte und geweihte Seele. Sieh den Dämon, der sich meines Bildes bemächtigt hat, der sie mit Eisenketten vollkommen fesselt; er lärmt viel, er tanzt, er grinst; er treibt sein Spiel mit meinem Bild, und er tyrannisiert diese Seele, die er unglücklich macht, indem er sie nach rechts zerrt, nach links, er macht sie zu seiner Beute. Du kannst sie in Vereinigung mit meiner allerseligsten Mutter für mich zurückgewinnen und dem Dämon entreißen durch die Liebe und das Opfer. Ach! wie es doch davon etliche geweihte Seelen gibt, die ich unter die Herrschaft des Dämons fallen sehe! Schau da, dort, in der Ferne...

Endlich, betrachte diese da!"

An dieser Stelle führt Christus die selige Dina auf die rechte Seite, wo er ihr eine Seele zeigt, die voller Gnade und Licht ist. "O mein Jesus, wie bist du schön!", ruft Dina aus, hingerissen von Bewunderung. Der Herr fährt fort:

"Du siehst mich ganz strahlend: das ist eine Seele, die mir nichts verweigert. Du siehst nichts, nichts mehr von der Seele, sie ist in mir vernichtet, und ich bin an ihre Stelle getreten. Ich habe ihr frei alle Schätze meines Herzens geben können. Ich mache sie glücklich, und sie tröstet mich."

Nach einigen Augenblicken fügt er hinzu:
"Ich habe dir die fünf Gruppen von geweihten Seelen gezeigt. Das hindert nicht, daß jede Seele ihr eigenes besonderes Charakterbild besitzt. Aber gemäß ihrer Vereinigung mit Mir oder ihrer Trennung von Mir können sie in die eine oder andere dieser fünf Gruppen eingeordnet werden.
Betrachte noch einmal jene, in denen meine Hände gebunden sind. Ich strahle durch sie nur ein wenig in ihre Umgebung aus; durch sie wirke ich ein wenig Gutes in den Seelen, die sie umgeben. Betrachte jene, in denen mein Herz durch die ganz kleinen Dornen verletzt ist. Meine Hände sind frei, sie lieben mich mehr, da sie mir nur die ganz kleinen Dinge verweigern. Ich strahle mehr in ihnen auf, und ich wirke mehr Gutes und in größere Ferne.
Schließlich betrachte die Seelen, die sich mir vollständig ausgeliefert haben und mir nichts verweigern. Meine Strahlen breiten sich über alle anderen Seelen aus, weit, sehr weit; sie breiten sich aus bis zu den Seelen, die dem Dämon ausgeliefert sind. Schau, ich lasse einen Strahl auf die Seele des Priesters niedergehen, den du eben betrachtet hast. Dieser Priester wird sich von meiner Gnade berühren lassen, er wird auf die Knie fallen, und ich werde ihm verzeihen."

Am 6. Mai 1927 vertraut der Herr der seligen Dina ein abgrundtiefes Geheimnis an: Wenn alle geweihten Seelen ihm nichts verweigern würden, so daß er in ihnen ununterbrochen frei wirken könnte, dann würden alle anderen Seelen gerettet werden. Es wäre der Herr selbst, der in ihnen beten und vom himmlischen Vater die Rettung und Heiligung all der anderen Seelen erflehen würde. Ohne Zweifel, so erklärt der Herr weiter dieses Geheimnis, gehen die Seelen, die in die Hölle kommen, durch eigene Schuld verloren. Gleichzeitig sei aber auch der Mißbrauch seiner Gnade durch die gottgeweihten Seelen daran Schuld.

Das Geheimnis, das Christus hier gegenüber der seligen Dina anspricht, nannte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Mystici Corporis Christi ein "schaudererregendes Geheimnis": "Ein wahrhaft schaudererregendes Mysterium, das man niemals genug betrachten kann: daß nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, welche die Hirten und Gläubigen, besonders die Familienväter und Mütter, unserem göttlichen Erlöser zu leisten haben." In Fatima sagte die Muttergottes am 19. August 1917 ganz in diesem Sinne: "Viele gehen ewig verloren, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet."

"Mein Herz liebt jede Seele unendlich. Während meines menschlichen und irdischen Lebens konnte ich nicht mehr für das Heil und die Heiligung der Seelen tun, als ich getan habe; und seitdem will ich die Erlösung fortsetzen durch mein Leben in den Seelen."

Diese Wahrheit über die Fortsetzung der Erlösung, von der Christus zu Dina spricht, bildet zweifellos auch den Hintergrund der geheimnisvollen Aussage des hl. Paulus, daß er durch sein Leiden das ergänzen wolle, was am Leiden Christi noch ausstehe (Kol 1,24).

Aus diesem Grund überläßt der Herr die selige Dina vielfältigen Drangsalen, auch solchen, bei denen sie den Angriffen des Teufels ausgesetzt ist. Am 18. Juni tröstet sie der Herr, indem er ihr erklärt, daß er sie der Demütigung, dem Kampf und der eigenen Schwäche überläßt, um andere Seelen dem Satan entreißen zu können, indem er ihnen die Gnaden der Vergebung und der Reinheit gewährt. Der Herr trägt ihr in diesem Junimonat auf, die Opferung ("l'immolation") seines Herzens in der Todesangst gegenüber seinem Vater zu meditieren. Er gibt ihr etwas von der unendlichen Traurigkeit seines Herzens zu kosten. Dina, die sich in Liebe verzehrt, opfert ungezählte Male das Herz ihres Herrn dem himmlischen Vater auf.

Dina erkennt den Wert der reumütigen Liebe. Die reumütige Liebe einer Seele, die sich bekehrt, kann an Intensität die unschuldige Liebe der reinen Seelen übertreffen. "Ich verstehe", schreibt die selige Dina unter dem Datum des 7. August, "wie eine büßende Maria Magdalena sich durch die Glut ihrer Liebe zu einer so hohen Heiligkeit hat erheben können. Ich verstehe auch, wie heilsam es manchmal ist, in gewisse mehr unüberlegte als bewußte Fehler zu fallen, die für den Willen demütigend sind; denn dann stützt sich unsere arme Natur, die ihre Gebrechlichkeit beweint, mit mehr Liebe und Vertrauen auf Gott, ihre einzige Stärke."

Die Kirchengeschichte kennt eine ganze Reihe heiliger Büßerinnen, deren beeindruckendste vielleicht die hl. Margareta von Cortona ist (1247-1297). Nach einem neunjährigen Leben in wilder Ehe bekehrte sie sich und legte sich für den Rest des Lebens die strengste Buße auf, so daß sie gleichsam eine zweite Unschuld gewann und zu den Höhen der Mystik aufstieg. Sie wurde, was leider sehr wenig bekannt ist, zu einer großen Heroldin des heiligsten Herzens Jesu. Der Herr trug ihr eine Botschaft für alle Gläubigen auf. Sie sollten die einzigartige Liebe seines Herzens erkennen, die sein einziger Beweggrund seiner Menschwerdung und seines ganzen Lebens bis zu seinem Tod am Kreuz gewesen sei. "Ich habe dich zu einem Spiegel für die Sünder gemacht. An dir werden die Verstocktesten erkennen, wie gern Ich gegen sie barmherzig bin, um sie zu retten. Du bist eine Leiter für die Sünder, damit sie zu Mir kommen durch dein Beispiel. Meine Tochter, Ich habe dich gesetzt als ein Licht inmitten der Finsternis, als einen neuen Stern, den Ich der Welt gebe, um den Blinden Licht zu bringen, die Verirrten wieder zurückzuführen und um die aufzurichten, die unter ihren Sünden zusammengebrochen sind. Du bist der Weg der Verzweifelten, die Stimme der Barmherzigkeit."

Der Herr lehrt Dina immer mehr die totale Selbstvergessenheit. Sie soll nur an Ihn denken, Ihn wirken lassen und Ihm nichts verweigern. Die Demütigungen, die über sie kommen, sind für die geweihten Seelen, die der Herr von ihrem Stolz befreien will. Dina soll keine Angst haben. Die Furcht, die ihren Seelenfrieden gefährdet, stammt vom Teufel. Sie soll sich nicht darum kümmern.

Am Mittwoch soll Dina ihre ganze Zeit dem Herrn schenken für die Berufungen zum Priestertum und zum Ordensstand. Viele Berufungen, so eröffnet ihr der Herr, gehen verloren, weil man sich vor der Entsagung und dem Opfer fürchtet und Angst hat, sich ganz seiner Liebe auszuliefern.

Dina erkennt, wie brennend sich das Herz des Herrn danach sehnt, seine Schätze über die Seelen auszugießen, ihnen den Reichtum seiner unendlichen Verdienste zukommen zu lassen. Wenn eine Seele, in der Er frei leben und wirken kann, sein heiligstes Herz dem himmlischen Vater zu Seiner Ehre aufopfert, dann kann der Vater seinem vielgeliebten Sohn nichts verweigern. Das heiligste Herz Jesu kann dann dieser Seele alle seine Reichtümer in der Unermeßlichkeit seiner Liebe mitteilen, und gerade darin besteht Sein Trost.

Am 21. Februar 1928 kann Dina das Herz ihres Herrn nicht betrachten, ohne von einer großen Traurigkeit heimgesucht zu werden. Denn sie sieht die Trauer des Herrn, der ihr schließlich den Grund darlegt:

"Man vergißt mich! Man vergißt mich! Nicht nur die Seelen in der Welt verletzen mich, sondern auch die gottgeweihten Seelen vergessen mich. Man betet, man handelt mit einer oberflächlichen Frömmigkeit; im Gebet und im Handeln fehlt der Liebe die Tiefe. Mein Herz ist so sensibel für die wahre Liebe von Seiten der Seelen, die mir geweiht sind! Ich bin so sensibel für ihre selbstlose Liebe, für ihre Liebe, die in allem nur mein Interesse sucht!"

Und drei Tage später:

"Ich will Liebe, ich suche sie und finde davon so wenig! Man behandelt mich wie etwas Abwesendes, während ich doch in Wirklichkeit den Seelen so nahe und in ihnen gegenwärtig bin!"

Wie sehr es dem Herrn allein auf die Liebe ankommt, wissen wir nicht nur aus dem dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefs, sondern auch aus dem Leben anderer Mystiker. P. Johannes Reus SJ ist es beispielsweise widerfahren, daß er, als er eines Tages - es war der 8. Dezember 1916 - vor dem Tabernakel kniete und um die Abwendung einer schweren Krankheit für die Hausinsassen betete, die Stimme des Herrn hörte: "Ich will, daß du einzig und allein liebst; für alles andere werde ich sorgen."

Dina erhält die Gnade, am Martyrium des eucharistischen Herzens Jesu teilzuhaben. Obwohl Christus, so notiert sie im März 1928, seit seiner Auferstehung nicht mehr leiden kann, berühren dennoch die Schmähung, das Mißtrauen, der Haß, die Gleichgültigkeit, die Undankbarkeit sein Herz und verwunden es. Bei seinen Priestern beklagt der Herr vor allem den Mangel an Gebetsgeist und innerem Leben. Sie können die Herzen der Menschen nicht erreichen, weil sie zu wenig mit ihm vereinigt sind. Sie zählen zu sehr auf menschliche Mittel und ihre eigene Aktivität und nicht genügend auf das göttliche Wirken des Herrn. Weil sie Ihn zu wenig lieben, gehen viele Seelen verloren.

Das Mitleiden Dinas bereitet ihm Trost. Er erwartet von ihr in allem Leiden ein inneres und äußeres Lächeln. Hier zeigt sich die Wesensverwandtschaft Dinas mit ihrer geistlichen Schwester, der hl. Theresia vom Kinde Jesu. Diese äußerte sich über die Kunst des Lächelns: "Mein kleines Hilfsmittel besteht darin, immer froh zu sein, immer zu lächeln, gleichgültig, ob ich falle oder einen Sieg davontrage." "Wenn mich vieles bedrückt, wenn schwierige und unangenehme Dinge auf mich zukommen, dann mache ich kein betrübtes Gesicht, sondern beantworte alles Schwere mit einem Lächeln." Dina befolgt den Wunsch des Herrn. Tatsächlich wird sie inmitten schwersten Leidens mit einem Lächeln sterben.

Der Herr offenbart Dina, daß die größte Freude, die eine Seele ihm bereiten kann, darin besteht, sich von Ihm bis zu Seiner Gottheit erheben zu lassen. "Ja, meine kleine Braut, ich finde ein unermeßliches Wohlgefallen darin, eine Seele in Mich selbst umzugestalten, sie zu vergöttlichen, sie ganz in die Gottheit aufzunehmen [absorber]."

Als der Herr sich eines Tages - es ist der 4. Juni 1928 - über den Mangel der geweihten Seelen an Vereinigung mit ihm beklagt, fragt ihn die selige Dina, was sie tun müßten, um die Gnade der Vereinigung mit Ihm und der Loslösung von sich selbst zu erhalten. Der Herr antwortet ihr:

"Man muß mich darum bitten. Ich gebe meine Gnade jeder Seele, die mich darum bittet, besonders der gottgeweihten Seele, die meine Braut ist und es werden will."

Wie soll sie darum bitten, fragt Dina.

"Die Seele soll mich einfach um die Gnade bitten, daß ich in ihr herrsche, wie ich es will."

Was soll die Seele tun, wenn sie die Gnade erhalten hat?

"Ihr mit viel Liebe entsprechen."

Nun erinnert Dina den Herrn an die menschliche Schwäche, wodurch wir so oft fallen und es versäumen, mit der Gnade mitzuwirken. Der Herr antwortet:

"Sich mit viel Liebe wieder erheben, immer zu Mir zurückkommen, auf Mich vertrauen. Eine große Zahl gottgeweihter Seelen vertraut nicht genügend auf Mich: das ist es, woran es fehlt. Ihr müßt in allem auf Mich vertrauen: in euren Schwierigkeiten, in euren Nöten, euren Kämpfen, ja selbst wenn ihr fallt und Fehler macht. Vertraut auf mich, ohne zu fürchten, zu viel auf Mich zu vertrauen."

Das unerschütterliche Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit steht ganz im Mittelpunkt von Dinas Spiritualität. Auch die Erkenntnis der eigenen Fehler sollen und dürfen das Vertrauen nicht ins Wanken bringen, im Gegenteil. Im Jahre 1924, so berichtet Dina in ihrer Autobiographie, erhielt sie eine vertiefte Einsicht in ihre Schwäche und Ohnmacht. "Aber", so schreibt sie, "dieses Gefühl des eigenen Elends, ein Gefühl, so tief wie ein grenzenloser Abgrund, war gerade der Grund meines kühnen Vertrauens auf unseren Herrn."

Am 28. Juni des folgenden Jahres notiert sie:
"Ich habe noch nie mein Elend, meine Fehler, meine Unvollkommenheiten so klar gesehen. Aber dies steigert nur mein Vertrauen auf meinen guten Meister. Unser Herr kennt mich. Es können bei Ihm keine Enttäuschungen über mich vorkommen, denn Er weiß von Ewigkeit her, daß ich ein Nichts und lauter Schwäche bin und daß ich ohne Ihn nichts, ja weniger als nichts vermag."

Unter dem Datum des 7. Juli 1928 berichtet sie über eine Versuchung zur Mutlosigkeit:
"Ich sehe meine Fehler, meine Mängel, und der Dämon möchte mich dahin bringen, daß ich das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes verliere. Aber gemäß dem Wunsch unseres Herrn halte ich mich nicht bei meinen elenden Fehlern auf; ich bedaure sie mit Demut und überlasse sie ihm alle, ich werfe sie in den Glutofen seiner Liebe und bemühe mich, nur noch Ihn allein, sein göttliches Herz zu betrachten."

Diese Botschaft des Vertrauens, das sich gerade nicht auf das eigene Sein und Können, sondern allein auf die göttliche Barmherzigkeit stützt und deshalb auch nicht durch das eigene Elend in Frage gestellt werden kann, stimmt ganz mit der Botschaft der seligen Faustine überein, zu der der Herr im Oktober 1936 einmal gesprochen hat: "Du siehst, was du aus dir selbst bist, aber sei deshalb nicht entsetzt; wollte Ich dir dein ganzes Elend enthüllen, das du bist, würdest du vor Entsetzen sterben. Doch wisse, was du bist. Deswegen, weil du ein so großes Elend bist, habe Ich vor dir das ganze Meer Meiner Barmherzigkeit enthüllt. Solche Seelen wie deine suche und verlange ich, aber es sind nur wenige. Dein großes Vertrauen zu Mir zwingt Mich, dir unentwegt Gnaden zu verleihen. Du hast ein großes und unbegreifliches Anrecht auf Mein Herz, weil du eine Tochter voller Vertrauen bist. Du würdest die Größe Meiner Liebe, die Ich zu dir hege, nicht ertragen, wollte Ich sie dir hier auf Erden in ihrer ganzen Fülle enthüllen." (Tagebuch nr. 718).

Es braucht hier nicht eigens erwähnt zu werden, daß es sich bei den Fehlern seitens der seligen Dina oder der seligen Faustine selbstverständlich nicht um Todsünden, nicht einmal um vorsätzliche läßliche Sünden handelt, sondern um die Gebrechlichkeiten der menschlichen Natur, welche die klare Willensausrichtung auf Gott nicht ausschließen. Nicht die Sünde, sondern die Demut ist die Voraussetzung für jedes Gottvertrauen. Es gibt eine unzertrennliche Wechselbeziehung zwischen Demut und Vertrauen. Denn nur die demütige Seele, die um ihre eigene Schwäche weiß, ist imstande, den Grund ihres Vertrauen ganz außerhalb von sich selbst in Gott hineinzuverlegen. Lorenzo Scupoli beschreibt deshalb in seinem vom hl. Franz von Sales so sehr geschätzten Werk Der geistliche Kampf das Wesen der Vollkommenheit als das vollkommene Mißtrauen gegenüber sich selbst und das vollkommene Vertrauen auf Gott. Der Stolze vertraut auf sich selbst, der Demütige auf Gott. "Eine Seele, die sich selbst vertraut, ist schlimmer als der Teufel", schreibt deshalb der hl. Johannes vom Kreuz in seiner bekannten schonungslosen Art.

Von der Demut ist in der Autobiographie Dinas wenig ausdrücklich die Rede. Aber sie ist gewissermaßen hinter jeder Zeile gegenwärtig. An einigen Stellen ist vom Wert der Demütigung die Rede. So sagt ihr der Herr im April 1928: "Wenn du wüßtest, wie sehr du mir wohlgefällig bist, wenn du freudig den Zustand der Demütigung annimmst, in den ich dich hinabgeführt habe."

Zur seligen Anna Maria Taigi sagte der Herr einmal: "Mein Herz läßt sich nur durch die Demut beugen. Wie sehr ein Herz mich zu lieben wünscht, es wird, sofern es nicht in den geraden Weg der Demut eintritt, straucheln und fallen und nie zu meiner Liebe gelangen. Der Mensch hat Staub auf dem Herzen, die Eigenliebe, die ihm wie mit einem Schleier die Augen der Seele bedeckt und seine Handlungen verdirbt. Der Mensch ist voll Hochmut, und ich habe nichts gemein mit den Hochmütigen. Nur die Demütigen gefallen mir, nur an sie verschwende ich den Schatz meiner Gnaden. Wer meine Wonne genießt, muß die Welt verachten; er selbst muß von der Welt verachtet sein, wie ich es auch war. Ich ruhe so gern in den demütigen und einfältigen Seelen. Je geringer sie sind und je weniger geachtet, um so mehr Freude habe ich an ihnen. Jene Gelehrten und Weisen, die den Kopf voll Rauch und Eitelkeiten haben, beschäme und demütige ich, du weißt, wohin ich sie schließlich schicke. Dort unten endigen ihre falsche Weisheit und ihr Hochmut. O meine Tochter, ich erhöhe, wer sich erniedrigt. Diese sind würdig meines Reiches und diesen enthülle ich meine Geheimnisse. Liebet also die Verachtung, welche die Grundlage wahrer Tugend ist. Wer immer, ausgestattet mit Glaube und wahrem Eifer, die Gabe hat, geduldig die Verachtung der Welt zu ertragen, der wird mein wahrer Sohn und mein Schüler sein."

Bei Dina nimmt die Demut die Form des Sich-selber-Vergessens an, auch dies wiederum in der Nachfolge der hl. Theresia vom Kinde Jesu, von der wir z.B. das Wort kennen: "Sie fragen mich oft, wie man zur reinen Liebe komme: Vergessen Sie sich und suchen Sie nie sich selber." Von Dina verlangt der Herr, sich selber ganz und gar zu vergessen. Das war am 28. Januar 1927, sechs Tage nach ihrer Stigmatisation. Er erleuchtet sie über ihren Zustand des Vernichtetseins in Ihm. "Ich war wie untergetaucht in eine große Gnade der Demut", schreibt sie.

Diese Demut ist Voraussetzung für die Erhöhung, die darin besteht, daß der Herr sie etappenweise ins Innerste der Dreifaltigkeit entrückt. Am 5. August 1927 wird sie in die unendlichen Räume (parterres) der Dreifaltigkeit entrückt, in die, wie der Herr ihr eröffnet, nur einige privilegierte Seelen eintreten. Dina ist wie geblendet vom lebendigen Licht und hört die Stimme Jesu: "Schweigen und Entsagung, mein kleines Ich-selbst, verweigere mir nichts, nichts..." An Weihnachten desselben Jahres wird sie ein Stück tiefer geführt, in den "geschlossenen Garten des Herzens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit", wo sie eingehüllt wird in eine unbeschreibliche Atmosphäre des Schweigens und der Liebe. Am 21. Januar 1928 darf sie - übrigens in Begleitung der Muttergottes und ihres Schutzengels - weiter vordringen in das "Heiligtum der Allerheiligsten Dreifaltigkeit", wo sie überrascht wird von einer vertieften Erkenntnis der Größe und Unermeßlichkeit der göttlichen Attribute. Am 9. Februar geht es in derselben Begleitung weiter in den "Tabernakel der Allerheiligsten Dreifaltigkeit", wo sie in eine unermeßliche Glut der Wonne und Seligkeit eintauchen darf. Jesus spricht zu ihr:

"Hier ist der Feuerherd der göttlichen Flammen, das Zentrum der unendlichen Liebe. Du darfst, mein kleines Ich-selbst, verzehrt in mich, nur noch von der reinen Liebe und der Aufopferung [immolation] leben. Und ich habe dich hierhin geführt zur Verherrlichung meines Vaters, zum Trost meines Herzens und zum Nutzen der Seelen."

Aber die Reise ist noch nicht zu Ende. Am 22. April fordert sie der Herr auf, in das "Wesen des Herzens Gottes, in das Wesen der Gottheit selbst" einzutreten. Es wird aus der Eintragung im Tagebuch nicht ganz klar, ob es sich bloß um eine Ankündigung handelt oder schon um das Eintreten selbst. Ein Jahr später jedenfalls, unter dem Datum vom 5. Mai 1929, spricht sie davon, daß sie die Tiefen des unendlichen Wesens der Dreifaltigkeit schauen darf. Es handelt sich um eine der letzten Eintragungen in ihrer Autobiographie.

Wir kennen solche geheimnisvollen Entrückungen in das Innere der Gottheit auch aus dem Leben anderer Mystiker, darunter der 1994 seliggesprochenen italienischen Ehefrau Elisabeth Canori-Mora (1774-1825). Sie berichtet in den Aufzeichnungen über ihre mystischen Erfahrungen, niedergeschrieben auf strengen Befehl ihres heiligmäßigen Seelenführers, daß sie am 1. November 1816 in die "weiten Räume der göttlichen Unendlichkeit" geführt wurde, wo sie die Stimme Gottes hörte, der sie seiner unendlichen Liebe versicherte. Auch die große Mystikerin Mechthild von Magdeburg im 13. Jahrhundert kannte bereits das Versunkensein der Seele in die "wunderbare Dreifaltigkeit".

Eine Anmerkung ist hier angebracht zur Art und Weise, wie der Herr die selige Dina anspricht. Er nennt sie "meine kleines Ich-selbst" ("ma petite Moi-même"). Dazu schreibt Dina am 22. Januar 1927: "Seit einigen Wochen nennt mich der Herr am Donnerstag und am Freitag gerne: mein kleines Ich-selbst. Damit will er sagen, daß er meine Stelle eingenommen hat, daß Er alles ist und ich nichts, nichts." Die hinter dieser Namensgebung stehende Realität durfte Dina bereits einige Jahre früher in einem symbolischen Bild schauen. Am 13. November 1923 wurde sie von Jesus eingeladen, einen Altar zu besteigen, der von Feuerflammen brennt. Sie besteigt ihn, breitet auf göttliches Geheiß die Arme in Kreuzesform aus und wird von den Flammen erfaßt und verzehrt. "Als die Glut keine Nahrung mehr fand, fiel das Feuer zusammen und erlosch. In der Mitte blieb nur Asche; Jesus nahte sich, blies hinein und vernichtete sie. Endlich war von mir selber nichts mehr übrig. Indes, wenn ich auch nach den Absichten des Erlösers tot war, lebte ich dann nicht doch noch auf Erden? Ja, aber Jesus nahm eben meinen Platz ein. Er setzte sich an die Stelle meines Seins. Er hatte mich soeben verschwinden lassen, das Feld war fei. Er selber konnte nun mit voller Freiheit handeln. Er zeigte mir, daß meine äußere Erscheinung nur mehr ein Mantel wäre, dessen Er sich nun bedienen mußte; ein Mantel, der Ihn den menschlichen Blicken entzog und Ihm ermöglichte, sein Leben hienieden fortzusetzen."

Dieser Vorgang wird von den Mystikern mit verschiedenen Worten und in verschiedenen Bildern geschildert und erlebt: Umwandlung, Umgestaltung in Christus, Einigung, Vergöttlichung, mystische Vermählung usw. Der Sache nach aber ist es dieselbe geheimnisvolle Wirklichkeit. Als Beispiel sei das Zeugnis der sel. Maria von der Menschwerdung (1599-1672) aus Frankreich angeführt. 1639 reiste sie nach Kanada und wirkte in Québec, der Heimatstadt Dinas. Sie wird die "Mutter der kanadischen Kirche" genannt. Ähnlich wie die sel. Dina erlebte sie die Vermählung mit dem Logos als ein Er-Werden. In ihrer Autobiographie schreibt sie: "Da erkannte und erfuhr ich, daß das Wort wirklich der Bräutigam der Seele ist. Diese Erkenntnis und Erfahrung ist abgrundtief. Alles, was man darüber sagen kann, bleibt weit entfernt von dem, was es ist. Und das freut mich für die Majestät Gottes, die so groß ist, daß man nicht angemessen darüber sprechen kann. Indessen verstand ich diese Wahrheit mit Sicherheit, und die mir darüber geschenkte Einsicht war die nähere Vorbereitung darauf, sie wirklich in mir zu erfahren. In dieser Einwirkung bemächtigte die anbetungswürdige zweite Person sich tatsächlich meiner Seele, umfing sie mit unerklärbarer Liebe, vereinigte sie mit sich und nahm sie zur Braut. Wenn ich sage: Er umfing sie - so darf man das nicht nach menschlicher Weise verstehen. Nichts Sinnenhaftes wird mit diesen Worten gesagt. Ich muß mich jedoch auf irdische Weise ausdrücken, da wir aus Erde gebildet sind. Durch göttliches Berührtwerden und Sein Eindringen in meine Seele, durch ein wunderbares Wechselspiel des Eindringens meiner Seele in Ihn - so daß ich nicht mehr ich war - blieb ich Er durch die innige Vertrautheit der Liebe. Mir selbst verloren, sah ich nicht mehr mich, sondern war durch Teilnahme Er geworden."

Eine große Rolle im mystischen Leben der seligen Dina Bélanger spielt die Muttergottes. Obwohl es Christus ist, der ganz im Mittelpunkt ihrer Spiritualität steht, und obwohl sie bis ins Innerste der Dreifaltigkeit entrückt wird, kommt es doch niemals vor, daß Maria ganz aus ihrem Blickfeld verschwindet. Bis zuletzt taucht sie immer wieder in ihrer Autobiographie auf. 1924 darf Dina die Mutterliebe Mariens erkennen. Die glühendste und hingebungsvollste Mutterliebe hier auf Erden ist kalt im Vergleich zu den Liebesflammen des Unbefleckten Herzens Mariens. Am 4. August 1925 erkennt Dina Maria als die allgemeine Gnadenvermittlerin. Am 18. Januar 1928 sieht sie, wie Maria mit der einen Hand ihren göttlichen Sohn dem himmlischen Vater darbringt und mit der anderen Hand den Seelen die Schätze des heiligsten Herzens Jesu ausspendet. Am 29. Juli 1925 ist sie überwältigt von der Schönheit Mariens, die sie erblicken darf: Kein noch so großes Meisterwerk menschlicher Kunst kann eine Ahnung von dem Liebreiz ihres Anblicks, von ihrer Güte, von ihrer Milde, von der Anmut ihres Lächelns vermitteln.

An einer anderen Stelle ihrer Autobiographie beschreibt Dina ihre innere Haltung beim Kommunizieren. Sie stellt sich vor, wie sie den eucharistischen Herrn aus den Händen Mariens empfängt. Während der Danksagung läßt sie Maria sprechen, während sie selber sich damit begnügt, zuzuhören, sich mit ihrem Erlöser zu vereinen, ihn zu betrachten und ihn zu lieben. Dies entspricht einer Empfehlung des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, der im Goldenen Buch schreibt: "Nach der heiligen Kommunion sammle dich innerlich, schließe die Augen und führe Jesus in das Herz Mariens. Gib ihn seiner Mutter. Sie wird ihn voller Liebe empfangen, ihm einen würdigen Platz einräumen, ihn voll Ehrfurcht anbeten, ihn in Vollkommenheit lieben..."

Am 27. Januar 1925, während sie ins Herz der Allerheiligsten Dreifaltigkeit entrückt ist, fühlt sie sich gleichzeitig im Herzen Mariens. Am 10. August 1927 darf sie in besonderer Weise den mütterlichen Schutz Mariens erfahren, in den sie eingehüllt ist. Maria bereitet sie auf den Empfang göttlicher Gnaden vor.

Im Juni 1928 sieht Dina die Hostie und das Herz Jesu. Von der Hostie gehen unermeßliche Lichtstrahlen aus, vom Herzen Feuerflammen, beide aber gehen durch das Unbefleckte Herz Mariens und von dort zu den Seelen. Bei dieser Vision ist Dina vor allem von der unbeschreiblichen Reinheit Mariens überwältigt. Außerdem sieht sie, wie Maria die Seelen anzieht, um sie zum Eucharistischen Herzen Jesu zu führen, das sie von einer unzählbaren Schar von Engeln umgeben sieht.

Am 12. September 1928 spricht Maria selber zu Dina und gibt ihr die Zusicherung, daß sie sie, solange sie mit ihr eng verbunden bleibe, vor jeder Täuschung des Teufels bewahren werde. Einen Monat später nimmt Dina die Trauer Mariens wahr und fühlt das Verlangen, sie zu trösten. Doch diese gibt ihr zu verstehen, daß Dina allen Trost, deren sie fähig sei, dem Herrn selber schenken solle. Denn Jesus zu trösten bedeute gleichzeitig auch, sie selber zu trösten.

13. Folge

Auch die Engel spielen eine Rolle im geistlichen und mystischen Leben Dinas. Während ihres Noviziats schließt sie mit den Anbetungs- und Schutzengeln aller Tabernakel der ganzen Welt einen Vertrag: Sie sollen Dina gegenüber dem göttlichen Gefangenen des Tabernakels vertreten, dafür werde sie dienstags, also an dem den Engeln besonders geweihten Wochentag, in noch speziellerer Weise als sonst der heiligen Messe in Vereinigung mit ihnen beiwohnen. Wenn sie zur hl. Kommunion geht, vergegenwärtigt sie sich "die Engel, wie sie das heilige Ziborium umringen, Seraphim, die in Anbetung glühen oder in süßen Liedern und Harmonien ihre Liebe ausdrücken; ich neigte mein Ohr ihren Gesängen, die mir so rein erschienen, daß die melodischsten Lobgesänge der Erde wie Mißtöne meine Seele trafen. Ich empfing Jesus aus den Händen meiner gütigen Mutter. Von ihr geführt, kehrte ich an meinen Platz zurück und stellte mir dabei vor, ich sei von einer großen Schar von englischen Geistern umgeben, die den Hofstaat meines göttlichen Königs bildeten." Wie schon früher erwähnt, durfte Dina die Welt der Engel schauen. Im Februar 1925 schreibt sie:

"18. Februar. (...) Die unzählbare Schar der Engel ist untergetaucht in Gott. Jeder von ihnen ist versenkt, durchdrungen von der unendlichen Dreifaltigkeit. Die Schönheit jedes Auserwählten ist ein Ausfluß der höchsten Schönheit. Wenn ich eine glückselige Seele anschaue, ist es in Wirklichkeit Gott selbst, den ich sehe; aber ich schaue so viele verschiedene Schönheiten, wie es Auserwählte gibt: der ewige Meister wiederholt sich in keinem seiner Heiligen. Welche Harmonie! In ihnen allen ist die Liebe, die Heiligkeit je nach dem Maß, wie Gott es ihm mitteilt, das vollkommene Glück. Das Licht, das ich bewundere, ist süß und rein; das der Erde ist dagegen nur Finsternis. Was ich sehe, ist so schön! dabei ist es nur ein blasser Strahl der Wahrheit. Schweigen... Schweigen... Liebe..."

19. Februar. Ich sehe Gott in seinen Engeln und die Engel lebend in der unendlichen Dreifaltigkeit. Es sind unaussprechliche Schönheiten..."

20. Februar. Ich sehe die drei anbetungswürdigen Personen, den Vater, das Wort und den Heiligen Geist, in den Engeln: jeder von diesen ist durchdrungen von der Dreifaltigkeit, von der unendlichen Einheit, und erstrahlt in ihr von hinreißendem Glanz. Soviele Engel, ebensoviele verschiedene Herrlichkeiten. Wie ist mein Schutzengel schön!..."

In den letzten Wochen vor ihrem Tod, als sie schon nicht mehr schreiben kann, hat sie eine besondere Engelsvision, und zwar anläßlich eines Kampfes für die Armut. Der Engel, der ihr erscheint, lächelt ihr zu und sagt: "Ich bin der Engel der Armut."

Das heutige Mißtrauen, das der Lehre über die Engel entgegengebracht wird, ist von den großen Mystikern niemals geteilt worden. Je näher sie Gott kamen, umso vertrauter und selbstverständlicher wurde ihnen auch die Welt der Engel. Als Beispiel sei wieder die selige Maria von der Menschwerdung angeführt. Sie durfte die Chöre der heiligen Engel schauen. Erst später las sie die Werke des Kirchenvaters Dionysius Areopagita, der als erster die Lehre über die himmlische Hierarchie der Engel entfaltet hatte, erkannte in dessen Lehre das von ihr Geschaute wieder und fühlte sich dadurch unsagbar getröstet. Die Ausdrücke, mit denen sie das Geschaute beschreibt, sind denen der seligen Dina sehr ähnlich, etwa wenn sie ausführt: "Obwohl man bei diesen seligen Geistern weilt, geht man doch nicht aus Gott heraus. Diese erhabene Majestät hält sie in sich versunken und verschlungen, und man kann sie nirgends anders sehen als in Ihm."

Dina gehört zu den besonders bevorzugten Seelen des Herrn, die er sich auserwählt, um von ihnen das zu erhalten, was ihm so viele andere vorenthalten: Trost und Liebe. Das aber bedeutet auf Seiten der auserwählten Seele: Leiden. Von der hl. Mechthild von Hackeborn wird berichtet, daß sie einmal für eine kranke Mitschwester betete und dabei den Herrn fragte, warum er denn seine treue Freundin aufs Krankenlager werfe. Er wisse doch, wie eifrig sie ihm im Chore zu dienen pflege. Da erhielt sie vom Herrn die Antwort: "Und warum soll es mir nicht erlaubt sein, mit meiner Freundin, wenn es mir gefällt, auch einmal zu tanzen? Denn wenn einer krank ist, dann ziehe ich seine Seele an wie ein Festkleid und trete damit in der Fröhlichkeit meines Herzens vor meinen Vater, danksagend und lobpreisend für alle Schmerzen, die jener Mensch geduldig erträgt."

Dina eilt ihrer Vollendung entgegen - und damit auch dem Vollmaß ihres Leidens. Am 15. August 1928 legt sie ihre ewigen Gelübde ab. Am darauffolgenden Weihnachtsfest spricht sie nach der Mitternachtsmesse auf immer das Gelübde aus, stets das Vollkommenere zu tun. Dieses Gelübde durfte sie für eine begrenzte Zeit schon vorher ablegen, zum ersten Mal am 3. Oktober 1924. Obwohl sie an diesem Weihnachtsfest von großer Trockenheit heimgesucht wird, erfüllt sie dieses Gelübde mit innerer Freude. Der Herr schweigt, kein Trost, kein Wort an sie. Dennoch, so schreibt sie in ihrem Tagebuch, bereitet selbst dieses Schweigen ihr große Freude, weil er ihr dadurch einige seiner so wertvollen Tropfen der Bitterkeit zu kosten gibt.

Im Jahre 1929 werden die Eintragungen Dinas in ihrem Tagebuch ganz spärlich. Es sind ihrer nicht mehr als neun. Unter dem Datum vom 3. Januar 1929 finden wir lediglich die Notiz: "Große Traurigkeit Unseres Herrn", dann die Worte Jesu:

"Meine Priester! meine Priester!..."

Am darauffolgenden Tag, Herz-Jesu-Freitag, während der Aussetzung des Allerheiligsten im Noviziat, hört sie die Stimme des Herrn mit Freude zu ihr sagen:

"Ich bin zufrieden mit dem Noviziat. Ich werde hier geliebt. Ich herrsche und ich finde Seelen, die mir Freude bereiten."

Die nächste Eintragung findet sich erst wieder mehr als drei Monate später, am 22. April. Die Krankheit, die zu ihrem Tode führen wird, macht Fortschritte: Lungentuberkulose. Erste Anzeichen dieser Krankheit waren bereits im Frühling 1926 aufgetreten. Es ist dieselbe Krankheit, an der auch ihre geistliche Schwester, die hl. Theresia vom Kinde Jesu, gestorben ist. Für beide ist es die letzte große Prüfung vor ihrem Heimgang in die ewige Herrlichkeit. Von der hl. Theresia kennen wir das Wort an ihrem letzten Lebenstag: "Nie hätte ich geglaubt, daß es möglich ist, soviel zu leiden! Nie, nie! Ich kann mir das nur erklären mit meinem heißen Wunsch, Seelen zu retten." In ihrem Leiden wurde die Heilige auch nicht unterstützt durch fühlbare innere Kraft oder irgendeinen Trost von oben, im Gegenteil: Sie machte eine furchtbare Glaubensprüfung durch und befand sich in seelischer Finsternis. "Dies ist eine Agonie ohne den geringsten Trost", sagt sie deshalb wenige Stunden vor ihrem Tod. Vielleicht darf das Fehlen jeglicher Aufzeichnungen im Tagebuch Dinas während so langer Zeit als ein Hinweis für eine ähnliche Prüfung innerer Verlassenheit gedeutet werden. Zu dieser Deutung würde auch passen, daß die nächste Eintragung Dinas eine ergreifende Bitte an den Herrn ist, schnell herbeizueilen, um ihr Mut einzuflößen. Diesmal antwortet der Herr:

"Ich bin da, fasse Mut... Laß mich nur wirken. Das Leiden, das ich dir gebe, ist von unendlichem Wert für die Seelen. Bitte darum, daß meine Gnade dich bis ans Ende in der vollkommenen Treue zu deiner Sendung bewahrt."

Am folgenden Tag spricht er zu ihr:

"Wenn du die Freude kenntest, die du mir bereitest, wenn du mich wirken läßt! Es gibt so wenige Seelen, die in der Stunde der großen Opfer ihre Zustimmung geben, mich in allem nach meinem Willen wirken zu lassen."

Am 24. April notiert Dina, wie gut es sei, Jesus zu lieben, und der Herr antwortet:

"Wenn du wüßtest, wie angenehm es meinem Herzen ist, geliebt zu werden!"

Am 30. April, ihrem Geburtstag, wird Dina auf die Isolierstation für Tuberkulosekranke gelegt. In ihrem Tagebuch notiert sie an diesem Tag nichts davon, sondern lediglich - nach dem Vermerk: "wahrnehmbare Gegenwart" (des Herrn) -: "Ich liebe dich!"

Am 5. Mai schreibt Dina, daß der Herr sie seit dem 30. April die Tiefen der Dreifaltigkeit schauen läßt.
Am Abend des 14. Mai fühlt sich Dina so schwach, daß sie sich davor fürchet, die kommende Nacht allein zu verbringen. Da nimmt sie zur Rechten ihres Bettes die Gegenwart des Herrn wahr, der zu ihr sagt: "Ich bin gekommen, um mit dir die Nacht zu verbringen; ich werde für dich Sorge tragen."

Dann folgt die letzte Eintragung:
"Juli 1929. Ich dachte über die große Güte meiner Oberen mir gegenüber und über die Liebe meiner Mitschwestern nach. Ich empfand eine äußerst tiefe Dankbarkeit und bekannte Unserem Herrn meine Trostlosigkeit darüber, zu jedem Dankeserweis unfähig zu sein. Er antwortete mir:

«Ich selber werde deine Schulden zahlen.»
«Du wirst sie bezahlen als Gott?»
«Ganz gewiß, ich werde sie bezahlen als Gott, ich werde bezahlen mit meinem Herzen. Jeder Person, die dir den geringsten Dienst erwiesen oder die geringste Freude bereitet hat, werde ich dafür Gnaden schenken. Aber im Himmel wirst du überdies selber deine Schulden bezahlen. Ich habe dir mein Herz gegeben, und das für immer. Du wirst deshalb meine Reichtümer durch meine heiligste Mutter austeilen."

Diese Verheißung des Herrn über die himmlische Sendung Dinas, die Reichtümer des heiligsten Herzens Jesu weiterhin den Seelen zukommen zu lassen, ist die letzte Eintragung in ihrer Autobiographie.

Ab dieser Zeit ist Dina so geschwächt, daß sie nicht mehr schreiben kann. Die Leiden nehmen zu. Sie vermögen es aber nicht, ihr das Lächeln zu rauben. Oft wiederholt sie gegenüber ihren Oberen: "Oh wie gut ist es, sich Jesus auszuliefern! Wie treu ist er! Wie freigebig ist er! Wie zart ist er selbst in den kleinsten Dingen! Wie rührt mich seine Güte!" Trotz ihres Leidens beteuert sie, wie glücklich sie sei. Sie spricht auch von ihrer kommenden Sendung im Himmel, die darin bestehen wird, Freude auszuspenden und für die Seelen zu arbeiten.

Tatsächlich ist trotz allen Leidens die Freude das letzte Wort. Auch darüber hatte ihr der Herr mehrmals gesprochen, z.B. am 14. September 1928:

"Das Leiden ist das notwendige Lösegeld für die Sünde. Aber Gott liebt die Seelen mit einer so großen Liebe, daß er sein Glück darin findet, für sie all ihre Leiden in Freuden zu verwandeln. Er will, daß schon auf Erden die Seelen in ihrem Leiden durch die göttliche Liebe glücklich seien. Deshalb finden die Seelen, die Gott wahrhaft lieben, so viel Glück im Kreuz, trotz des Widerwillens ihrer Natur. Denn in allem, was ihnen entgegentritt, finden und lieben sie Gott."

Und am nächsten Tag darf Dina hören:
"Die Seelen sind nur in dem Maße unglücklich, wie sie sich von Gott entfernen. Der große Wunsch meines Vaters und der meine wäre es, alle Seelen glücklich zu sehen, selbst schon auf Erden. Wenn unsere göttliche Gerechtigkeit bedrückt oder straft, dann immer durch die Liebe und um die Seelen mit Gott, ihrem höchsten Glück, zu versöhnen. Oh, meine kleine Braut, arbeite mit mir daran, die Seelen glücklich zu machen."

In ihrem Leiden bittet Dina die Anwesenden immer wieder, für sie zu beten, daß sie treu bleibe bis zum Ende. Am Abend des 15. August fragt sie der Herr, ob sie noch weiter leiden oder mit ihm in den Himmel kommen wolle. Dina erklärt sich bereit, noch weiter zu leiden: für die Seelen und für ihre Kongregation. Wenige Tage vor ihrem Tod empfängt sie die Sterbesakramente.

Eines Tages hört sie Stimmen, die fünfzehnmal zu ihr sagen: "Bienheureuse, bienheureuse...": "Selige..." Ein anderes Mal spricht der Herr zu ihr: "Dein Tod in Vereinigung mit dem meinen ist wie eine zweite Erlösung. Du hast mich mein Leben in dir leben lassen; so werde ich an deiner Stelle gerichtet werden."

Am Morgen des 4. September, einem Mittwoch, überfällt sie eine große Schwäche. Ihre Augen sind auf das Bild des Eucharistischen Herzens Jesu geheftet, das gegenüber ihrem Bett aufgehängt ist. Dina bleibt bis zum Ende bei vollkommenem Bewußtsein. Sie vereingt sich mit den Gebeten, die für sie verrichtet werden, lächelt ihre Mitschwestern an und küßt zärtlich das Kruzifix, das man ihren Lippen darreicht. Trotz heftigster Schmerzen bewahrt sie ihr Lächeln. Eine Mitschwester von ihr bezeugt: "Das Lächeln ihrer letzten Tage hatte etwas so erhaben Reines und Rührendes, daß man davon bis auf den Grund der Seele erschüttert war und dies himmlische Schauspiel nicht vergessen kann."

Etwa um drei Uhr am Nachmittag naht sich das Ende. Sie sagt: "Ich ersticke." Dina stirbt in der Haltung der heiligen Theresia vom Kinde Jesu: fast sitzend in ihrem Bett, den Kopf nach hinten geworfen, die Augen zum Himmel gerichtet.

Benutzte Literatur:

Religieuses de Jésus-Marie (Hg.), Autobiographie de Dina Bélanger, Québec 1984

Irène Léger RJM, Courage d'aimer. Dina Bélanger, Québec 1986

Ghislaine Boucher RJM, Sur les traces de Dina, Québec 1990

Antonio Blasucci OFMConv, Une expérience de Dieu, Rom 1984

Ferdinand Holböck, Aufblick zum Durchbohrten. Große Herz-Jesu-Verehrer aus allen Jahrhunderten, Stein am Rhein 1990

Zeugnis bin ich dir, Autobiographie der sel. Maria de l'Incarnation, Stein am Rhein 21981


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