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Karl Freiherr vom Stein

Heute vor 175 Jahren, am 29. Juni 1831, starb Karl Freiherr vom Stein (1757 - 1831). Er ist als der Befreier der Bauern, der große Reformer Preußens und Organisator des Widerstands gegen Napoleon in die Geschichte eingegangen. Er war gläubiger Lutheraner. Gisbert Kranz hat ihm in seinem Werk "Sie lebten das Christentum. 28 Biographien" ein Kapitel gewidmet (S. 135 - 151). Darin heißt es über ihn in seinem Verhältnis zum Katholizismus: "Großen Anteil nahm Stein an dem Clemens-Hospital der Barmherzigen Schwestern in Münster. Er setzte sich dafür ein, 'daß das Institut dieser Kongregation eine größere Ausdehnung in Deutschland erhalte und daß man ihm Krankenhäuser, Irrenhäuser, selbst Zuchthäuser ... anvertraue'. Daß Stein fest im lutherischen Bekenntnis stand, hinderte ihn nicht, sich über jedes Zeichen kräftigen religiösen Lebens auch in der katholischen Kirche zu freuen und es zu fördern. Wie sein Briefwechsel mit dem Erzbischof Spiegel von Köln und anderen Katholiken zeigt, sah er in jedem Gläubigen, gleich welcher Konfession, einen Bundesgenossen im Kampf gegen den Unglauben. Der bornierte Satz Catholica non leguntur galt für ihn nicht: Er liebte die Schriften des Bischofs Sailer, äußerte sich tiefbeeindruckt über dessen Borromäus-Biographie und empfahl (1811) die Vorlesungen des Konvertiten Friedrich Schlegel, weil sie den Glauben stärkten. Als Stein nach Münster kam, besuchte er auch den Dichter Stolberg, der zwei Jahre zuvor vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten war, und schrieb: 'Stolberg bleibt mir immer achtungsvoll wegen seiner reinen Liebe zur Wahrheit und wegen der Resignation, mit der er ihr so viel aufopfert.' Die heftigen Angriffe, die Stolberg wegen seiner Konversion über sich ergehen lassen mußte, nannte Stein 'hart, brutal, einseitig'. 'Warum erlauben sie Stolberg nicht, seiner Überzeugung gemäß zu leben? Er glaubt in der katholischen Religion Ruhe und Bestimmtheit zu finden, er findet in ihr das reine ursprüngliche Christentum; warum ihn mit Wut und Schimpfen verfolgen?' Stolberg Geschichte der Religion Jesu gehörte zu Steins Lieblingsbüchern. Stein begrüßte die Katholikenemanzipation in England, verurteilte die Unterdrückung der irischen Katholiken, lehnte die intolerante Behandlung der katholischen Minderheiten in Preußen ab und erklärte: 'Wir müssen friedlich nebeneinander wohnen, die Verschiedenheiten allmählich ausgleichen.'" (S. 150).
Stein schätzte auch sehr die Verwaltung des Freiherrn Franz von Fürstenberg, der zum Münsterschen Kreis um Amalie von Gallitzin gehörte.


Honoré Fabri

Heute vor 400 Jahren, am 5. April 1607, wurde in Vivien-le-Grand der Astronom, Mathematiker, Theologie und Entdecker des Andromeda-Nebels Honoré (Honorat) Fabri SJ geboren. Vivien-le-Grand liegt in der Landschaft Bugey (Ain, Rhône-Alpes), die sechs Jahre zuvor von Savoyen an Frankreich abgetreten worden war.

Am 28. Oktober 1626 trat er in Avignon in die Gesellschaft Jesu ein. Ab 1628 studierte er im Collège de la Trinité in Lyon Philosophie bei Claude Boniel, von 1632 bis 1636 studierte er Theologie. 1635 wurde er zum Priester geweiht.

1636 bis 1638 unterrichtete er Philosophie in Arles, danach Logik in Aix-en-Provence, von 1640 bis 1646 Logik, Mathematik und wahrscheinlich auch Philosophie im Collège de la Trinité. Zu seinen Schülern gehörten Jean-Dominique Cassini, Philippe de La Hire, Pierre Mousnier, Jérôme de Murard und Francois de Raynaud. Nach verschiedenen Angaben kam er 1646 oder 1660 nach Rom, wo er Großpönitentiar an St. Peter wurde. Dort starb er am 8. März 1688.

Fabri war ein Geist von umfassender Bildung und stupender Arbeitskraft. Etwa 40 Werke hat er zu mathematischen, physikalischen, astronomischen, zoologischen, philosophischen und theologischen Themen geschrieben. Mit Descartes, Leibniz, Marin Mersenne, Gassendi, Michelangelo Ricci und anderen berühmten Gelehrten seiner Zeit stand er in Briefkontakt.

In der Physik versuchte er, an Descartes orientiert, die geometrische Methode anstelle des scholastischen Aristotelismus zu etablieren. 1660 studierte er die Saturnringe und trat mit dem holländischen Astronomen Christiaan Huygens (1629 - 1695), den Entdecker des Saturnmondes Titan, in eine fünfjährige Kontroverse ein, in der er unterlag. Er entdeckte den Andromedanebel, eine Galaxie, die 2 bis 3 Millionen Lichtjahre entfernt ist, und gab zum ersten Mal eine wissenschaftliche Erklärung, warum uns der Himmel blau erscheint. Er entwickelte eine Gezeitentheorie, die auf der Bewegung des Mond basierte. "Als Lehrer der Mathematik verfaßte er viele Schriften über die Bewegung der Erde, Anziehung des Mondes, Refraction des Lichtes, Elektricität und Elasticität, sowie über die Circulation des Blutes im menschlichen Körper, und setzte diese Art literarischer Produktion auch noch in Rom, meist anonym, fort. Bereits im Jahre 1657 trat Fabri auch polemisch-apologetisch auf mit seiner Una fides unius ecclesiae Romanae contra indifferentes hujus saeculi, Diling. 1657" (K. L. Grube in Wetzer und Welte, Bd. 4, Sp. 1187).

Gegenüber den Jansenisten und Blaise Pascals "Lettres écrites à un provincial" verteidigte er die Morallehre der Jesuiten u.a. in seinem Pithanophilus seu dialogus de opinione probabili, Romae 1659 und in seinem Apologeticus doctrinae moralis Soc. Jesu, Ludg. 1670. Dieser kam 1672 auf den Index "und trug ihm, da er gegen Zensurvorschriften Urbans VIII. verstieß, einige Tage Gefängnis ein" (L. Koch im LThK, Bd. 3, 1. Auflage, 1931.

In Wetzer und Welte's Kirchenlexikon und in den beiden ersten Auflagen des "Lexikons für Theologie und Kirche" wurde er gewürdigt, in dessen dritter Auflage widerfuhr ihm dasselbe Schicksal wie dem hl. Ezechiel Moreno.


Lorenzo Hervás y Panduro

Vor 200 Jahren, am 24. August 1809, starb in Rom der Sprachwissenschaftler Lorenzo Hervás y Panduro SJ.

Geboren am 10. Mai 1735 im spanischen Horcajo de Santiago (in der Provinz Cuenca, ca. 90 km südöstlich von Madrid), trat er am 29. September 1749 in Madrid der Gesellschaft Jesu bei und studierte in Alcala de Henares (ca. 30 km östlich von Madrid). 1760 wurde er zum Priester geweiht. Unter anderem lehrte er in Cáceres (1760 - 1763), Madrid und Murcia (ab 1766). Als Karl III. 1769 die Jesuiten aus Spanien auswies, ging er zunächst nach Korsika, dann nach Forli in der Emilia-Romagna. 1783 ließ er sich endgültig in Rom nieder. Pius VII. ernannte ihn 1804 zum Präfekten der Bibliothek des Quirinal.

Hervás war ein Sprachgenie. Die Begegnung mit vielen Jesuiten - z.B. mit Joaquín Camao (1737 - 1820) oder dem Orinoco-Missionar Filippo Salvatore Gilii (1721 - 1789) -, die nach der Aufhebung des Ordens 1773 aus allen Teilen der Welt nach Italien kamen, (und nicht ein angeblicher 16jähriger Missionseinsatz in Südamerika) ermöglichte es ihm, etwa 40 Sprachen zu erlernen und intensive vergleichende Sprachstudien zu betreiben. Noch vor Alexander von Humboldt (1769 - 1859) entdeckte er “die Verwandtschaft der malaiischen und polynesischen Sprachen” (Joseph Albert Otto SJ im LThK II). Außerdem gelang ihm “der Nachweis, dass Hebräisch, Chaldäisch, Syrisch und Arabisch eine Sprachfamilie bilden” (Ludwig Koch im LThK I). Noch vor dem Sanskrit-Erforscher Franz Bopp entdeckte er die Verwandtschaft zwischen dem Griechischen und dem Sanskrit.

Seine Forschungen sind gesammelt in dem 21 Bände umfassenden Werk Idea dell’Universo (Cesena 1778-87), von denen die letzten fünf Bände seine Sprachstudien enthalten. Er legt darin “die bis dahin größte Sammlung über Sprachen der Welt” vor (Gerda Haßler, Typologie und Anthropologie bei Lorenzo Hervás y Panduro, in: Ute Tintemann, Jürgen Trabant (Hg.), Sprache und Sprachen in Berlin um 1800, Hannover 2004). Die Sammlung erweiterte er später in dem sechsbändigen Werk Catálogo de las lenguas de las naciones conocidas y numeración, división, y clases de estas según la diversidad de sus idiomas y dialectos, das von 1800 bis 1805 in Madrid erschien. Im ersten Band untersucht er die amerikanischen Sprachen, im zweiten die von den Inseln im Indischen und Pazifischen Ozean, im dritten die asiatischen und in den restlichen Bänden die europäischen Sprachen.

Seine originellste Leistung ist laut Haßler “zweifellos seine Klassifizierung der amerikanischen Sprachen”. Schon Theodor Benfey (1809 - 1881) sah dieselbe als einen bedeutenden wissenschaftlichen Fortschritt an. Hervás fasste das Maya, Cakchi, Poconchi und Pocoman zu einer Sprachfamilie zusammen, ebenso das Otomí, Mazahua und Chichimec. Von der Algonkin-Sprachfamilie listete er 27 Dialekte auf.
Doch als auf eine zweite bedeutende Leistung "muß mit Benfey, Jespersen, Thomsen, Pedersen, Dinneen und Arens nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß Lorenzo Hervás y Panduro nicht nur die Bedeutung des grammatischen Strukturvergleichs für die Beurteilung der Sprachverwandtschaft anerkannte, sondern auch selbst diese Strukturvergleich schon durchzuführen suchte" (Helmut Gipper, Peter Schmitter, Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie im Zeitalter der Romantik: Ein Beitrag zur Historiographie der Linguistik, Tübingen 21985).

Auch verfaßte er einen “Lehrgang für den Taubstummenunterricht durch Fingerzeichen” (Koch), die zweibändige Escuela espanola de sordomudos (Madrid 1795). Angeregt wurde er dazu durch die erste römische Gehörlosenschule, die Abbé Tommaso Silvestri (1744 - 1789), von Papst Pius VI. unterstützt, am 5. Januar 1784 in der Via Barbieri eröffnet hatte.
Hervás y Panduro schrieb über 90 Bücher. In der dritten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche in sein Eintrag getilgt.


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