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David Jones - Dichter und Maler

Von Cordelia Spaemann

David Jones, ein eifriger englischer Kunstschüler, wurde bei Ausbruch des ersten Weltkriegs von seiner Staffelei gerissen und zum Einsatz an die Westfront geschickt. Dort sah er eines Abends, auf der Suche nach Brennholz für den Schützengraben, durch die Ritzen eines Verschlags zum ersten Mal eine heilige Messe.

Dieses Bild blieb ihm unauslöschlich eingeprägt und bestimmte von da an sein Leben und Werk. Er konvertierte zur katholischen Kirche. Nach Ende des Krieges schloß er sich für einige Jahre einer Künstlergilde an, in der man sich gemeinsam, in einem fast klösterlichen Leben, um die klassisch-christliche Tradition bemühte, um ihr - "so als könne man eine Kultur entstehen lassen" - in modernen Formen Ausdruck zu geben. Erst als er schon einen bedeutenden Ruf als Maler und Graphiker hatte, fing Jones auch an, zu schreiben. Bei seiner seltenen Doppelbegabung diente ihm die Sprache ebenso als künstlerisches Material wie Farbe und Pinsel. Was er malte, das schrieb er auch, und was er schrieb, schlug sich nieder in einer Vielfalt von Aquarellen, Graphiken und Kalligraphien. Sein Leben war ausschließlich dieser Tätigkeit gewidmet. Er wohnte und arbeitete in einem Londoner Zimmer, das vollgestopft war mit dem Material zweier Disziplinen, immer allein und immer in Geldnot. Dieser Zustand änderte sich auch nicht, als berühmte Zeitgenossen wie T.S. Eliot, W.H. Auden und Igor Strawinski zu seinen Freunden und Bewunderern wurden. Seine Bilder sind heute in den bekannten Museen Englands zu sehen oder erzielen im Kunsthandel hohe Preise.

Die letzten Jahre verbrachte er in vollkommener Armut bei Nonnen in einem Pflegeheim. Dort starb er 1974. Sein hundertster Geburtstag fiel auf den 1. November 1995.

David Jones hatte die Gewohnheit, täglich eine stille Messe zu besuchen. Dort fand er die reichste Quelle seiner Inspiration. Ihn faszinierte das Hin und Her des Priesters am Altar, seine Gesten, sein halblautes Sprechen und Hantieren mit geheiligten Geräten, sein Hineilen auf den Augenblick, in dem sein priesterliches Opfer eins sein würde mit dem Opfer Jesu im Abendmahlsaal und mit seinem Opfer am Kreuz. Alle Zeitalter waren für ihn in diesem Augenblick anwesend: die Schöpfung, die Geschichte der Erde, die Geschichte der Menschen, ihre Kulturen, ihre Mythen und Opfer als Vorausbilder auf das eine Opfer Christi.

Die Gleichzeitigkeit alles Gewesenen im Moment des priesterlichen Opfers ist der Inhalt von Jones' dichterischem Hauptwerk "Anathemata" . Es ist ein Gedicht von 250 Seiten Länge, eine Form, die bei den Engländern "long poem" genannt wird. "Anathemata" ist ein griechisches Wort. Es bedeutet "Votivgaben", "Weihegeschenke". Dieser Titel bedeutet, daß das eigentliche Thema des Werkes das Opfer ist. Er bedeutet darüber hinaus, daß dieses Gedicht mit seinen acht Kapiteln die Gaben des Dichters sind, die er, David Jones, schreibend aufopfert. Der Dichter - der gläubige Dichter - ist nach seinem Verständnis, ebenso wie der Priester, ein Darbringender. Ja die Verwandschaft geht noch weiter: beide, Priester und Dichter, sind Erinnerer. Beide erhalten das, was die schnellebige Zeit gern vergessen möchte, weiter in der Realität. Beide erzählen, gelegen oder ungelegen, jene alten Geschichten, ohne die die Menschen ihre Identität und ihren Lebenssinn nicht mehr erkennen würden, und erfüllen damit das Gebot: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Und damit wird beiden, in der modernen Gesellschaft, wie Jones es nennt, "die Ehre der Sabotage" zuteil.

Die "Anathemata" sind aufgrund ihres schwierigen Themas und ihrer zeitgenössischen Erzählweise, die nicht logisch oder chronologisch sondern assoziativ vorgeht, keine leichte Lektüre. Dennoch habe ich bemerkt, daß Menschen, denen die alte Liturgie vertraut ist, einen unmittelbaren Zugang dazu finden. Jones war, was seine Stilmittel betraf, nicht zu Kompromissen bereit. "Die Werke des Menschen", schrieb er, "können nur dann für immer sein, wenn sie zugleich für hier und jetzt gemacht sind". Kompromißlosigkeit des Dichters, das bedeutet Mühe für den Leser. Aber die Mühe wird sich - vorausgesetzt, daß der Leser ein Freund der Dichtung und womöglich katholisch ist - ganz sicher lohnen.

Jones reagierte auf die Abschaffung der alten Liturgie mit Kummer und Zorn. Seine Freunde entdeckten bei dieser Gelegenheit, daß er auch über ein beträchtliches Repertoire von Schimpfwörtern verfügte.

Das Bild "DieBild "Die Messe" von David Jones Messe" ist eine Radierung aus dem Jahr 1938. In der Apsis links beräuchert der Priester den Altar, während ein Ministrant die Opferkerze bringt. Rechts ist eine junge Familie aus dem Dorf zur Kapelle heraufgestiegen. Die Frau trägt einen Korb Fische und zeigt die schöne Geste des Weihwassergebens. Ein Windstoß treibt einen Schwarm Vögel herein: Albatrosse, die Glücksvögel der Seeleute. Draußen tobt das Meer, die Sonne ist verdeckt, und Boote mit gerefften Segeln kämpfen gegen den Sturm. Seit Platon wird die ganze Antike hindurch in ungezählten Wendungen von der "Schiff fahrt des Lebens" gesprochen. In christlicher Zeit wird das Schiff als Kirche gedeutet. An diese Deutung erinnert noch das Wort "Kirchenschiff". Der Mast mit der quergestellten Raa wird zum Bild des Kreuzes. Die Fahrt geht durch Stürme und Seeschlachten, Leben und Tod sind nur durch die Planken des Holzes von einander getrennt. Das Meer wird dabei gleichgesetzt mit dem Reich des Todes, es ist der Sitz dämonischer Mächte. Vom Wehen des Geistes getrieben, erreicht das Schiff schließlich den portus salutis, den Hafen der Ewigkeit.

Dieser Artikel erschien zuerst im Rundbrief Pro Missa Tridentina Nr. 10, Januar 1996

"Anathemata" von David Jones ist in deutscher Sprache zum ersten Mal 1988 bei Herder, Basel, erschienen, übersetzt von Cordelia Spaemann.

David Jones gehört ins Umfeld der Inklings, einer Gruppe von Autoren um J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis.


Am 21. Juni 2006 erschien im Seattle Catholic ein Artikel von Michael Hennessy zum Thema "David Jones and the Holy Mass". Hier erfahren wir u.a., daß David Jones durch Father John O'Connor in die Kirche aufgenommen wurde. John O'Connor (1870 - 1952), Pfarrer in Bradford (Yorkshire), war mit Chesterton befreundet und diente diesem als Vorbild für Father Brown, den Priester-Detektiv, der die Hauptrolle in den fünfzig Father-Brown-Geschichten spielt, die Chesterton geschrieben hat.
David Jones, so erfahren wir weiter, unterschrieb mit anderen Persönlichkeiten einen öffentlichen Brief, der am 6. Juli 1971 in der "Times" erschien und in dem die Bischöfe gebeten werden, den überlieferten Meßritus nicht zu verbieten.
Jones schätzte die überlieferte Liturgie gerade als Künstler. Aufgrund seines thomistischen Kunstbegriffs sah er die Analogie zwischen einem Sakrament und einem Kunstwerk. Zu diesem Kunstverständnis kam er durch die Lektüre des Werkes von Jacques Maritain "Art et Scolastique" (1920), das Jones nach seiner Konversion auf Anregung von Eric Gill (1882 -1940) gelesen hatte. Der Übersetzer dieses Werkes ins Englische war niemand anderes als John O'Connor.


Über die Autorin Cordelia Spaemann


Weitere Autoren:

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Paul Misraki

Heute vor 10 Jahren, am 30. Oktober 1998, starb in Paris der Komponist und Grandseigneur des französischen Chancons Paul Misraki.

Paul Misraki wurde am 28. Januar 1908 in Konstantinopel als Kind französischer Eltern mit italienischer Abstammung geboren. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, weilte die Familie in Bukarest. Ende 1915 kehrte sie auf abenteuerlichem Weg nach Frankreich zurück, wo zunächst für zwei Jahre Marseille, dann schließlich Paris ihr Wohnort wurde.

Bereits mit drei Jahren begann Paul, Klavier zu spielen, und mit sieben Jahren, zu komponieren. “Die Eltern Pauls waren beide Israeliten, praktizierten aber ihre Religion nicht. Sie waren zwei edle Seelen, die das Gute, Wahre, Rechte wollten und die Überzeugungen der andern achteten. Ihre Kinder hatten sie nur ein Abendgebet gelehrt, das einem jüdischen Buch entnommen war” (Abel Moreau, Paul Misraki, in: Heimkehr zur Kirche. Konvertiten des 20. Jahrhunderts, Vierter Band, Luzern und München 1959, S. 166). Bald verlor Paul jeden Glauben an Gott.

Misraki lernte Raymond Ventura kennen, der eine Jazzgruppe namen The Collegians leitete. Er komponierte für sie Lieder (darunter das berühmte Tout va très bien, madame la marquise), ging als Pianist seit 1931 mit auf Konzertreisen und wurde immer bekannter. “1935 wurde ihm die Partitur der Operette ‘Normandie’ für die Bouffes-Parisiens aufgetragen; das Libretto hatte Henri Decoin, die Lyriken André Hornez verfaßt. Die fröhlichen Lieder, die Misraki einflocht, errangen wiederum einen großen Erfolg” (Moreau, S. 168). Schließlich wandte er sich der Filmmusik zu und komponierte im Laufe seines Lebens für über 140 Filme.

In moralischer Hinsicht führte er ein zügelloses Leben, fühlte sich aber immer unglücklicher. Als er um das Jahr 1937 das Buch des Nobelpreisträgers Alexis Carrel Der Mensch, das unbekannte Wesen las, wurde ihm klar, dass es Dinge gibt, die die Naturwissenschaften nicht erklären können. Zunächst begab er sich noch auf die Irrfahrt des Okkultismus, doch dann entdeckte er das Evangelium: “Ich las das Evangelium und die Apostelbriefe mit neuen Augen ... Und ich sagte mir: Wozu noch länger suchen? Christus ist gekommen und hat uns gesagt, was wir tun sollen. Ich hatte nicht daran geglaubt; jetzt aber sehe ich, dass er recht hat.”

Dieser erste Zugang zu Christus eröffnete ihm den Weg zum katholischen Glauben: “Das Studium des Evangeliums verlangte bald nach Ergänzung durch die Werke, die es angeregt hatte, und so tat sich mir langsam die katholische Lehre auf. Ich verdanke es zweifellos der Übung, die ich im Verlauf der früheren Lektüre erlangt hatte, dass mich die Strenge dieses neuen Studiums nicht abstieß; ich wich vor Thomas von Aquin, vor Johannes vom Kreuz nicht zurück ...
So hielt unmerklich der Glaube bei mir Einzug. Ich vertraute auf das Wort Christi und war entschlossen, alles zu glauben, was er sagte. Von allen ‘Gesandten Gottes’ auf dieser Erde (Plato, Buddha, Mohammed usw.) war Jesus der einzige, der sich den Einen Sohn Gottes in Einigkeit mit seinem Vater nannte, und der einzige, der erklärte, er sei der Erlöser” (zitiert in: Moreau, S. 171).

Im Juli 1939 wurde Misraki in Saint-Priest (Seine-et-Oise) getauft und empfing die erste hl. Kommunion.

1941 veröffentlichte er das Buch Das Haus meines Vaters. Es enthält seinen Briefwechsel mit Jacqueline Chassang, die er bis an die Schwelle des Glaubens und zur Praxis des Gebetes führen konnte, die aber 1952 ungetauft starb. Das Buch brachte ihm einen Briefwechsel mit Paul Claudel ein.

1942 flüchtete er mit Ray Ventura nach Südamerika, wo er u.a. Orson Welles kennenlernte, der ihn später für die Filmmusik von Mr. Arkadin engagierte. 1945 kam er nach New York, dann nach Hollywood. Dort mußte er erfahren, dass seine Mutter und andere Verwandten wegen ihrer jüdischen Abstammung von den Nazis vergast worden waren.

Nach dem Krieg kehrte er nach Frankreich zurück. Am 12. Januar 1950 heiratete er Cécile Seuzaret, ein tiefgläubiges Mädchen, das ihm zwei Söhne und eine Tochter schenkte. Alle vier überlebten ihn.

“Der einzigartige Vorzug des Christentums liegt darin, dass es uns eine vollständige Offenbarung bietet, die alle Bruchstücke an Wahrheit, die andere Lehren zerstreut enthalten, einschließt, aber mit weitem Flügelschlag über sie hinaus zur vollkommenen Erkenntnis aufsteigt, die Gott den Menschen geschenkt hat”, schrieb Misraki in La Maison de mon Père : échange de lettres à la recherche de la foi (zitiert in Moreau, S. 177).


Theologie und Kunst

Eine “entsakralisierte“ Gesellschaft drücke sich durch eine vollkommen innerweltliche Kunst aus, die weder im Stande sei, sich für den Himmel zu öffnen, noch fähig, die Welt mit der christlichen Freude eines Menschen auszudrücken, der in seinem Leben die Anwesenheit des Schöpfers spüre. Das meint Francesco Colafemmina, Initiator des viel beachteten “Appells an Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. für die Rückkehr zu einer wirklich katholischen sakralen Kunst”, in einem Interview, das im Vatican-Magazin (Januar 2010) erschienen ist. Dabei sieht er den desaströsen Zustand der gegenwärtigen sakralen Kunst in Zusammenhang mit einer entsprecheden Theologie: “Die Fleischwerdung Christi zu leugnen – wie es bei den neuen Werke sakraler Kunst geschieht, die nicht im Stande sind, körperliche Formen ernst zu nehmen – oder die Realpräsenz in der Eucharistie zu leugnen – was der Fall ist, wenn man die Tabernakel aus der Mitte der Kirchen entfernt und sie ins ‘Hinterzimmer’ steckt: Das alles sind die Ergebnisse einer schwerwiegenden theologischen Verwirrung, die seit vierzig Jahren herrscht.”


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