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PersonenAmadeus v. L. |
Als wir Kinder waren, gab es einen Augenblick, wo wir, wenn uns eine Geschichte erzählt wurde, die Frage stellten: "War das mal wirklich?" Wir erwarteten auf diese Frage eine schlichte Antwort, also nicht eine Antwort, die den Umfang des Begriffs "wirklich" so lange dehnte, bis auch Märchen und Träume darunter subsumiert werden konnten. Träume waren ja gerade das, was wir mit unserer kindlichen Frage ausschließen wollten. Wer nach Wirklichkeit fragt, will immer etwas ausschließen ... Die europäische Kultur und der banale Nihilismus Die Natur des Menschen, seine Menschlichkeit macht sich nicht "von Natur", nicht von selbst. Menschen müssen, wie wir im Deutschen sagen, ihr "Leben führen". Sie müssen, um Menschen zu sein, ihrem Leben eine Gestalt geben. Das gelingt nur, wenn das Leben einen Inhalt hat, der über die bloße Selbsterhaltung und die Reproduktion der Gattung hinausgeht. Einen Inhalt, der den Menschen übersteigt. Der Mensch ist das Wesen der Selbsttranszendenz. Er braucht etwas, wofür es sich zu leben lohnt. Was ist Fortschritt? In dem Parteienstreit, der zur Zeit das Bild der Kirche verunstaltet, spielen bestimmte Begriffe eine Schlüsselrolle. Es sind Begriffe wie "fortschrittlich", "progressistisch", "konservativ", "traditionalistisch" und "rückschrittlich". Einige dieser Begriffe werden gern zur Selbstkennzeichnung benutzt, andere als Waffe gegen andere. Alle diese Worte haben es an sich, zweideutig und erklärungsbedürftig zu sein. Wer sie ohne Erläuterung benutzt, klärt in der Regel nicht auf, sondern treibt Propaganda und fischt im Trüben. So z.B. bedeutet "Fortschritt" eine Veränderung, die als Schritt auf ein erwünschtes Ziel zu verstanden wird. Außerdem muß man wissen, ob das Ziel gut ist und ob die Schritte... Rationalität und Gottesglaube (...) Wissenschaft ist Bedingungsforschung. Selbstsein ist Emanzipation von den Entstehungsbedingungen. Und das Unbedingte kann per definitionem innerhalb der Bedingungsforschung nicht vorkommen. Gott aber ist per definitionem das Unbedingte. Wenn ich sagte, der Fortschritt der Wissenschaft habe das Gerücht von dem Unbedingten zurückgedrängt, so nicht deshalb, weil die Wissenschaft irgendein Argument gegen dieses Gerücht vorgebracht hätte. Der Grund ist eher ein psychologischer: Der wissenschaftliche Fortschritt hat sozusagen einen Verblüffungseffekt. Er übt Faszination aus. Er erweckt den Eindruck, dass Wissenschaft schließlich eben doch alles erklären werde, obwohl dieser Gedanke so absurd ist, als warte man in einem Film darauf, dass schließlich doch der Film sich selbst erkläre und damit den Projektor überflüssig mache... Der Weg in die Frustration Ein Interview (...) Wer hat wofür Verantwortung? Kritische Überlegungen zur Unterscheidung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik In politischen und sozialethischen Grundsatzdebatten der Gegenwart taucht immer wieder jene Unterscheidung auf, die Max Weber eingeführt und als eine letzte, nicht mehr argumentativ entscheidbare Alternative zwischen zwei moralischen Grundhaltungen bezeichnet hat, die Unterscheidung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Als Verantwortungsethiker bezeichnete Weber denjenigen, der bei seinem Handeln die Gesamtheit der Folgen seines Handelns bedenkt und der die Bewertung dieser Folgen zum Maßstab seiner Entscheidung macht. Gesinnungsethiker nannte er denjenigen, der bestimmte Handlungen kontextunabhängig als moralisch oder unmoralisch qualifiziert, also ohne Rücksicht auf die Folgen bestimmter Handlungen oder Unterlassungen das tut, was er für das sittlich Gebotene hält ... Tierschutz und Menschenwürde Dass die Unterscheidung zwischen Personen und Sachen keine vollständige Einteilung der Wirklichkeit ist und daß es nicht der “Natur der Sache” entspricht, Tiere unter die Sachen zu rechnen, sagt uns unser Empfinden. Und zwar nicht nur das Empfinden der Empfindsamen. Der Reiter, der sein Pferd beim Rennen schlägt oder ihm nach genommener Hürde den Hals tätschelt, geht davon aus, daß das Pferd in der Weise, wie solche Reize auf es wirken, ihm, dem Reiter selbst, ähnlicher ist als einem Rennauto. Und sogar der sadistische Tierquäler ... Ist ein opferloses Christentum möglich? Die Geste des Opfers reicht in die älteste Menschheitsgeschichte. Sie verdankt sich nicht einer bestimmten zweckrationalen Überlegung. Der Begriff des Opfers geht nicht dem Opfer voraus, und auch die erklärenden Begründungen des Opfers sind nachträglich. Sie verhalten sich zu dem, was sie erklären sollen, wie die "Derivationen" zu den "Residuen" bei Pareto. Das Opfer ist, so schrieb A. Loisy, "die heilige Handlung schlechthin ... der Akt, in dem der Mensch auf die höchste Weise seinen Glauben bekräftigt und seine Religion ...
Am 18. April 2007 ist das neue Buch von Robert Spaemann erschienen: "Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne" Zur Person Robert Spaemanns: Am 30. April 2007 brachte der Deutschlandfunk eine Sendung von Ingeborg Breuer zum kommenden 80. Geburtstag des Philosophen Robert Spaemann und wies gleichzeitig auf sein neues Buch hin. Über sein Motiv, Philosoph zu werden, heißt es:
Den interessantesten Artikel brachte die "Stuttgarter Zeitung" in der Ausgabe vom 4. Mai. Rolf Spinnler ist mit seinem Artikel "Die Frage nach dem guten Leben. Der streitbare Philosoph Robert Spaemann wird achtzig" bislang der Einzige, der die Haltung Spaemanns zur Moderne plausibel macht: "Zudem kann man Spaemanns kritische Einstellung zur Moderne nur von seiner Biografie her richtig verstehen. (...) Die entscheidende Erfahrung seiner Jugend war die der nationalsozialistischen Diktatur. Aufgewachsen in einem antinazistischen katholischen Elternhaus, war für ihn der Nationalsozialismus die ultimative Verkörperung einer atheistischen, nihilistischen und revolutionären Moderne, der nichts mehr heilig war und die alle abendländische Humanität über Bord geworfen hatte. Deshalb hat Spaemann auch den Zusammenbruch von 1945 anders gedeutet als sein linksliberaler Antipode Jürgen Habermas. Während der aus der Nazidiktatur die Schlussfolgerung zog, dass man sich nie mehr unkritisch auf irgendwelche Selbstverständlichkeiten verlassen dürfe, sondern alles ständig neu hinterfragen müsse, sieht Spaemann gerade in religiösen Überzeugungen, die nicht verhandel- und relativierbar sind, das Widerlager zu jeder Form von Totalitarismus: ‘Nur Überzeugungstäter leisten, wenn es ernst wird, Widerstand. Die Alternative wäre der banale Nihilismus, der die Menschen zu gefügigen Ratten macht, die sich mit Hilfe des Lustprinzips in jede Richtung manipulieren lassen und deren höchste spirituelle Leistung die Ironie ist.'" Das Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus brachte in ihrer Maiausgabe eine zweiseitige Würdigung aus der Feder von P. Bernhard Gerstle, der vor allem auf das kirchliche Engagement Spaemanns eingeht, aber ebenfalls mit einer Anekdote aus dem Leben dessen aufwarten kann, den Otto Kallscheuer einmal "den letzten Grünen" nannte: "Was den Umweltschutz und die Liebe zur Natur betrifft, könnte man Spaemann für einen Vertreter der ‘Grünen' halten. So hat er sich aus ideellen Gründen zeitlebens dagegen gesträubt, den Führerschein zu machen und ein Auto zu fahren. Eine nette Anekdote berichtet davon, dass er vor knapp 40 Jahren in der Heidelberger Innenstadt über mehrere Autos stieg, um auf diese Weise gegen die fehlenden Fußgängerüberwege zu protestieren." Günter Figal schrieb einmal: "Niemand kann Spaemann ernsthaft lesen, ohne anschließend klarer zu sehen." Aus diesem Grund wünschen wir dem Jubilar noch viele Jahre und viele Leser. “So gehören seine Aufsätze und Bücher zum Lesbarsten, was die deutsche Philosophie der Gegenwart hervorgebracht hat.” Henning Ritter in der FAZ vom 5. Mai 2007 zum 80. Geburtstag von Robert Spaemann. Spaemann über sich im Interview: Man nennt Sie einen «katholischen Philosophen». Sind Sie in Ihrer Zunft nicht der Einzige, der Theologie und Philosophie, die sich doch längst emanzipiert haben, wieder zusammenbringen will? Robert Spaemann im Interview mit Michael Meier und Guido Kalberer, erschienen am 23. Dezember 2007 im Tagesanzeiger. ________________ “Meine Natur ist wohl eher kritisch, skeptisch. Aber ich fühle meine Intention am besten verstanden in dem, was Hegel über den sich vollbringenden Skeptizismus schreibt: daß er eine Skepsis sei, die sich am Ende gegen sich selbst wendet. Der radikale Skeptizismus, sagt Hegel, ist derjenige, der schließlich auch an der Skepsis zweifelt. In einem Zeitalter, das im Wesentlichen bestimmt ist durch Kritik und in dem Affirmation fast ein Schimpfwort geworden ist, wendet sich meine kritische Mentalität gegen die Kritik als herrschende Daseinsform.” Der Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit Hanns-Gregor Nissing, in: H.-G. Nissing (Hrsg.), Grundvollzüge der Person. Dimensionen des Menschseins bei Robert Spaemann, München 2008, S. 133. Über Toleranz Schon die Rede von „unseren Werten“ oder von „christlichen Werten“ usw. ist relativistisch. Sie suggeriert ja, dass Werte in Wertungen gründen statt umgekehrt Wertungen in Werten. Und wenn dann doch für europäische Werte ein Absolutheitsanspruch erhoben wird, dann gilt dieser Anspruch eigentlich nur einem Wert, der unbedingt gelten soll, dem höchsten Wert Europas nach Auskunft unserer Bundeskanzlerin, dem Wert der Toleranz. Darin steckt aber ein Denkfehler. Toleranz gilt den Überzeugungen anderer Menschen, die wir für irrig halten, aber achten, weil es Menschen sind, die sich mit ihnen identifizieren. Und solche Toleranz gründet selbst in einer höchst voraussetzungsvollen eigenen Überzeugung von der Würde jedes Menschen. Heute wird aber landauf, landab gesagt, so etwas wie unbedingte Wahrheitsüberzeugungen seien ihrer Natur nach intolerant, weil sie gegenteilige Überzeugungen für falsch halten. Und damit kippt der ganze Wertekanon um. Toleranz respektiert Überzeugungen. Der neue Begriff von Toleranz aber verbietet es, Überzeugungen zu haben, weil diese per definitionem intolerant sind. Robert Spaemann, Wahrheit spricht mit leiser Stimme, im Kölner Stadtanzeiger vom 13. Juni 2008 “Die Hölle muss sein” Unter diesem Titel berichtet Jürgen Busche in der Mai-Ausgabe 2009 von Cicero über ein Gespräch, das er mit dem Philosophen Robert Spaemann geführt hat (S. 72 - 75). “Die Hölle”, so zitiert er darin Spaemann, “ist Ausdruck der frei gewählten göttlichen Ohnmacht gegenüber dem Willen des Menschen. Weil Gott sich hinsichtlich seiner Schöpfung zurückgenommen hat, bricht er den Willen des Menschen nicht. Gerade deshalb ist die Hölle als eine Konsequenz, die dem Menschen vor Augen steht, unbedingt ernst zu nehmen.” Spaemann verweist auf das Gleichnis Jesu von den zehn Jungfrauen. Die törichten Jungfrauen, die kein Öl in ihren Lampen mitnehmen, werden am Ende vom Bräutigam verstoßen. Das ist das Gegenteil der “netten Religion” (Elizabeth Anscombe), zu der viele Theologen das Christentum machen wollten. Auch Kardinal Newman hielt dagegen fest, “dass es hir um einen entscheidenden Punkt des Christentums gehe, der unlösbar mit der Existenz Gottes zusammenhänge.” Auf den Vorwurf, mit der Hölle Angst und aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft zu machen, kontert Spaemann mit dem Vergleich mit einem Mädchen, das der Mutter vorwirft, ihm Angst machen zu wollen, weil die Mutter ihm für das Vorhaben, auf einem gefrorenen See Schlittschuh zu laufen, die Warnung mitgab, nicht auf die Mitte des Sees zu laufen, weil dort das Eis möglicherweise zu dünn sei. Deshalb sei das “Absehen von der Hölle bei christlichem Glauben unverantwortlich”, zitiert Busche Spaemann. Kranke Logik Regina Einig: Befremdet es Sie, wenn in den Diskussionen über die Mission der katholischen Kirche vor dem Konzil Stichworte wie Zwangstaufen, Kolonialismus oder Gesinnungsterror fallen? Robert Spaemann im Interview mit Regina Einig, Tagespost vom 30. Mai 2009, online bei Zenit. |
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Reise Sharm el Sheikh |
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