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Robert Spaemann Am 30. April 2007 brachte der Deutschlandfunk eine Sendung von Ingeborg Breuer zum kommenden 80. Geburtstag des Philosophen Robert Spaemann und wies gleichzeitig auf sein neues Buch hin. Über sein Motiv, Philosoph zu werden, heißt es:
Den interessantesten Artikel brachte die "Stuttgarter Zeitung" in der Ausgabe vom 4. Mai. Rolf Spinnler ist mit seinem Artikel "Die Frage nach dem guten Leben. Der streitbare Philosoph Robert Spaemann wird achtzig" bislang der Einzige, der die Haltung Spaemanns zur Moderne plausibel macht: "Zudem kann man Spaemanns kritische Einstellung zur Moderne nur von seiner Biografie her richtig verstehen. (...) Die entscheidende Erfahrung seiner Jugend war die der nationalsozialistischen Diktatur. Aufgewachsen in einem antinazistischen katholischen Elternhaus, war für ihn der Nationalsozialismus die ultimative Verkörperung einer atheistischen, nihilistischen und revolutionären Moderne, der nichts mehr heilig war und die alle abendländische Humanität über Bord geworfen hatte. Deshalb hat Spaemann auch den Zusammenbruch von 1945 anders gedeutet als sein linksliberaler Antipode Jürgen Habermas. Während der aus der Nazidiktatur die Schlussfolgerung zog, dass man sich nie mehr unkritisch auf irgendwelche Selbstverständlichkeiten verlassen dürfe, sondern alles ständig neu hinterfragen müsse, sieht Spaemann gerade in religiösen Überzeugungen, die nicht verhandel- und relativierbar sind, das Widerlager zu jeder Form von Totalitarismus: ‘Nur Überzeugungstäter leisten, wenn es ernst wird, Widerstand. Die Alternative wäre der banale Nihilismus, der die Menschen zu gefügigen Ratten macht, die sich mit Hilfe des Lustprinzips in jede Richtung manipulieren lassen und deren höchste spirituelle Leistung die Ironie ist.'" Das Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus brachte in ihrer Maiausgabe eine zweiseitige Würdigung aus der Feder von P. Bernhard Gerstle, der vor allem auf das kirchliche Engagement Spaemanns eingeht, aber ebenfalls mit einer Anekdote aus dem Leben dessen aufwarten kann, den Otto Kallscheuer einmal "den letzten Grünen" nannte: "Was den Umweltschutz und die Liebe zur Natur betrifft, könnte man Spaemann für einen Vertreter der ‘Grünen' halten. So hat er sich aus ideellen Gründen zeitlebens dagegen gesträubt, den Führerschein zu machen und ein Auto zu fahren. Eine nette Anekdote berichtet davon, dass er vor knapp 40 Jahren in der Heidelberger Innenstadt über mehrere Autos stieg, um auf diese Weise gegen die fehlenden Fußgängerüberwege zu protestieren." Günter Figal schrieb einmal: "Niemand kann Spaemann ernsthaft lesen, ohne anschließend klarer zu sehen." Aus diesem Grund wünschen wir dem Jubilar noch viele Jahre und viele Leser. “So gehören seine Aufsätze und Bücher zum Lesbarsten, was die deutsche Philosophie der Gegenwart hervorgebracht hat.” Henning Ritter in der FAZ vom 5. Mai 2007 zum 80. Geburtstag von Robert Spaemann. Spaemann über sich im Interview: Man nennt Sie einen «katholischen Philosophen». Sind Sie in Ihrer Zunft nicht der Einzige, der Theologie und Philosophie, die sich doch längst emanzipiert haben, wieder zusammenbringen will? Robert Spaemann im Interview mit Michael Meier und Guido Kalberer, erschienen am 23. Dezember 2007 im Tagesanzeiger. ________________ “Meine Natur ist wohl eher kritisch, skeptisch. Aber ich fühle meine Intention am besten verstanden in dem, was Hegel über den sich vollbringenden Skeptizismus schreibt: daß er eine Skepsis sei, die sich am Ende gegen sich selbst wendet. Der radikale Skeptizismus, sagt Hegel, ist derjenige, der schließlich auch an der Skepsis zweifelt. In einem Zeitalter, das im Wesentlichen bestimmt ist durch Kritik und in dem Affirmation fast ein Schimpfwort geworden ist, wendet sich meine kritische Mentalität gegen die Kritik als herrschende Daseinsform.” Der Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit Hanns-Gregor Nissing, in: H.-G. Nissing (Hrsg.), Grundvollzüge der Person. Dimensionen des Menschseins bei Robert Spaemann, München 2008, S. 133. Das unsterbliche Gerücht Am 18. April 2007 ist von Robert Spaemann das Buch erschienen: "Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne" “Die Hölle muss sein” Unter diesem Titel berichtet Jürgen Busche in der Mai-Ausgabe 2009 von Cicero über ein Gespräch, das er mit dem Philosophen Robert Spaemann geführt hat (S. 72 - 75). “Die Hölle”, so zitiert er darin Spaemann, “ist Ausdruck der frei gewählten göttlichen Ohnmacht gegenüber dem Willen des Menschen. Weil Gott sich hinsichtlich seiner Schöpfung zurückgenommen hat, bricht er den Willen des Menschen nicht. Gerade deshalb ist die Hölle als eine Konsequenz, die dem Menschen vor Augen steht, unbedingt ernst zu nehmen.” Spaemann verweist auf das Gleichnis Jesu von den zehn Jungfrauen. Die törichten Jungfrauen, die kein Öl in ihren Lampen mitnehmen, werden am Ende vom Bräutigam verstoßen. Das ist das Gegenteil der “netten Religion” (Elizabeth Anscombe), zu der viele Theologen das Christentum machen wollten. Auch Kardinal Newman hielt dagegen fest, “dass es hir um einen entscheidenden Punkt des Christentums gehe, der unlösbar mit der Existenz Gottes zusammenhänge.” Auf den Vorwurf, mit der Hölle Angst und aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft zu machen, kontert Spaemann mit dem Vergleich mit einem Mädchen, das der Mutter vorwirft, ihm Angst machen zu wollen, weil die Mutter ihm für das Vorhaben, auf einem gefrorenen See Schlittschuh zu laufen, die Warnung mitgab, nicht auf die Mitte des Sees zu laufen, weil dort das Eis möglicherweise zu dünn sei. Deshalb sei das “Absehen von der Hölle bei christlichem Glauben unverantwortlich”, zitiert Busche Spaemann. Kranke Logik Regina Einig: Befremdet es Sie, wenn in den Diskussionen über die Mission der katholischen Kirche vor dem Konzil Stichworte wie Zwangstaufen, Kolonialismus oder Gesinnungsterror fallen? Robert Spaemann im Interview mit Regina Einig, Tagespost vom 30. Mai 2009, online bei Zenit. Die Gottesidee als Option für die Vernunft Wir stehen heute meiner Meinung nach vor folgender Situation: Entweder nehmen wir uns selbst als Personen ernst und glauben, dass wir in der Welt tatsächlich freie Wesen sind, was wiederum die Gottesidee impliziert, oder aber wir streichen mit der Gottesidee zugleich auch die Idee des Menschen durch. Das Letztere war Nietzsches Gedanke, ein Gedanke, der sicherlich eine gewisse Konsequenz hat. Deswegen müssen wir uns meiner Ansicht nach heute klarer als im Mittelalter und in der Antike darüber werden, dass in der Akzeptanz der Gottesidee ein Moment von Option steckt, dass das also nicht einfach nur ein schlüssiger Beweis ist. Aber das ist eine Option zugleich für die Vernunft und eine Option dafür, uns selbst noch ernst zu nehmen. Der Philosoph Robert Spaemann am 22. Dezember 2000 im Bayerischen Rundfunk im Gespräch mit Wolfgang Küpper. Das vollständige Gespräch stellt der BR auf seiner Website als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung. Näher ausgeführt hat Spaemann den im Zitat wiedergegebenen Gedankengang in seinem “Gottesbeweis”. Philosophieren gegen die Naziherrschaft Dass die Naziherrschaft eine Lüge war, war mir von Anfang an klar, aber zu wissen, warum sie falsch war, erforderte weiteres Nachdenken. Ein Buch von Theodor Haecker hat mir weitergeholfen: „Vergil, Vater des Abendlandes“. Über ihn bin ich zu Kierkegaard gekommen. Dann gab es kein Zurück mehr [in der Philosophie]. Robert Spaemann, Jahrgang 1927, im Interview mit Norbert Mayer, Die Presse vom 15. Mai 2011. Überzeugend ohne Imponiergehabe Niemand scheint sich im gegenwärtigen Deutschland auf das Problematisieren üblicher Anschauungen und das Erschüttern von Denkgewohnheiten so zu verstehen wie Robert Spaemann. Dies meinen in einer Rezension Sokratische Fragen, salomonische Antworten zu dessem Sammelband Schritte über uns hinaus. Gesammelte Reden und Aufsätze, Band 2 (Klett-Cotta 2011), Arno Lustiger und Hans Maier in der WELT-Online vom 16. Juli 2011. Sie halten die Lektüre für eine Wohltat, die uns in “abgelegene Schluchten” der Philosophiegeschichte führt und trotzdem immer einen unmittelbaren, manchmal auch einen bestürzend konkreten Gegenwartsbezug habe. Spaemanns Stil sei “klar und durchsichtig: Nirgendwo schüchtert Spaemann die Leser durch szientifische Fachbegriffe, durch sprachliche Anleihen aus Einzelwissenschaften ein. Fachjargon und wissenschaftliches Imponiergehabe fehlen ganz. Die Fragen werden vorgebracht mit leichter Hand. Die Themen werden knapp und anschaulich exponiert. Schnell zu lesen sind diese Aufsätze gleichwohl nicht. Vom Leser wird intensives Mitdenken verlangt; die Argumentation ist dicht und triftig.” Der Einzige Robert Spaemann sei “wohl der einzige noch lebende deutsche Denker, der die gesamte philosophische Tradition als sein Arbeitsfeld, als sein Arbeitsmaterial ausschöpft”, meint Deutschlandradio Kultur am 4. September 2011 in einer Besprechung des neuen Spaemannschen Sammelbandes Schritte über uns hinaus. Gesammelte Reden und Aufsätze II, der um Themen wie Hirnforschung, Natur und Liebe kreist. Größe „Der Gläubige hält mehr für denkbar und für möglich als der Ungläubige, dessen Hintergrundüberzeugungen oft ähnlich unerschütterlich sind wie die des Offenbarungsgläubigen.“ Es ist (auch) diese Freiheit des Denkens, die Spaemanns Philosophie Größe verleiht. Sie will niemand gefallen und muss keiner Mode hinterherrennen. Sie will verstehen, ohne Denkverbote und ohne Rücksicht auf die Wetterwendungen des Zeitgeistes. Jeder Zeitgeist bestehe aus einer Ansammlung von Vorurteilen, die Selbstverständlichkeit beanspruchen, so Spaemann. Die Aufgabe der Philosophie bestehe deshalb darin, über das Selbstverständliche nachzudenken. Dirk Pilz in seiner Rezension Nichts ist erledigt über Spaemanns Autobiographie und seine Aufsatzsammlung Schritte über uns hinaus, Band II, in der Frankfurter Rundschau, online am 26. Juni 2012 Nur noch ein Feindbild Das Konzil hat die Katholiken lasch gemacht. Die Kirche hat sich immer in einem Kampf befunden, einem geistlichen Kampf, nicht einem militärischen, aber in einem Kampf. Der Apostel Paulus spricht von den Waffen des Lichts, dem Helm des Glaubens usw. Heute ist das Wort "Feind" anstößig geworden, das Gebot "Liebet eure Feinde" kann gar nicht mehr zur Anwendung kommen, weil wir keine Feinde mehr haben dürfen. Für sogenannte fortschrittliche Katholiken gibt es eigentlich nur noch ein Feindbild: Die Traditionalisten. Prof. Dr. Robert Spaemann im Interview mit Lucas Wiegelmann in der Welt vom 26. Oktober 2012 Selbstzerstörung der Aufklärung “Da wo Gott geleugnet wird, bricht am Ende auch die Vernunft zusammen. Wer das im 19. Jahrhundert am deutlichsten gesehen und ausgesprochen hat, war Friedrich Nietzsche. Er schreibt einmal, dass auch wir Aufklärer, wir freien Geister des 19. Jahrhunderts, noch unser Feuer nehmen von dem Brand, den der Christenglaube entzündet hat, der auch der Glaube Platons war’: dass Gott Wahrheit und dass die Wahrheit göttlich ist. Dann sagt Nietzsche: Wenn dieser Glaube an die Göttlichkeit der Wahrheit schwindet, dann zerstört sich die Aufklärung selbst, denn diese Aufklärung war mit dem Pathos der Wahrheit angetreten.” Robert Spaemann im Interview mit Pater Bernd Hagenkord SJ, dem Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, veröffentlicht auf dessem Blog am 25. November 2012. Hören kann man das Interview ebenfalls auf der Website von Radio Vatikan. Beiträge von Prof. Dr. Robert Spaemann: Wirklichkeit als Anthropomorphismus Die europäische Kultur und der banale Nihilismus Was ist Fortschritt?Die Zweideutigkeit des aggiornamento. Das Kirchenvolksbegehren als Symptom |
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