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Der einzige Kampf, der des Kämpfens wert ist

Die Familie des hl. Bernhard von Clairvaux

Von Dr. Alexandra Kehl

Sie kann wohl als eine der erstaunlichsten unter den christlichen Familien gelten, die Familie des hl. Bernhard von Clairvaux. Es traten nicht nur alle sieben Kinder und schließlich der Vater in den geistlichen Stand ein; alle Familienmitglieder, einschließlich der früh verstorbenen Mutter, werden bis heute im Zisterzienserorden hoch verehrt. Obwohl sie im 12. Jahrhundert lebten, sind sie ein Vorbild für die christliche Familie auch unserer Tage.

Will man dem Geheimnis dieser ungewöhnlichen Familie auf die Spur kommen, so muss man vor allem die Mutter betrachten. Alice oder Aleth – es werden in den verschiedenen Quellen unterschiedliche Schreibweisen angegeben – stammte aus der adligen Familie von Montbard. Ursprünglich hatten sie ihre Eltern für den geistlichen Stand bestimmt und entsprechend erziehen lassen. Dass die Eltern die Entscheidung für ihre Kinder trafen, ob und welches Kloster oder welcher Ehepartner, war damals üblich, wenn auch nicht unumstritten. Alices Vater, Bernhard von Montbard, änderte jedoch seinen Entschluss und gab die 15-Jährige dem rund 20 Jahre älteren Tescelin von Fontaines, einem adligen Ritter in Diensten des Herzogs von Burgund, zur Frau.

Alice war die Seele der Familie. Sie machte nicht den Fehler, bei der Erziehung ihrer Kinder nur das irdische Leben im Auge zu haben, nur die Stellung, die sie einmal in der Gesellschaft einnehmen sollten, sondern hatte die ewige Bestimmung der ihr Anvertrauten ebenso im Blick. Dabei setzte sie nicht auf ständiges Ermahnen und Predigen, vielmehr lebte sie den Kindern Heiligkeit vor. Sie verband das Übernatürliche mit dem Natürlichen, verrichtete ihre Standespflichten, weil sie in ihnen Gottes Willen sah, und schenkte sieben Kindern das Leben, weil sie dies als ihre von Gott gegebene Aufgabe ansah. Und dies alles ohne Frömmelei.

Ein besonders inniges Verhältnis hatte Alice zu ihrem dritten Sohn Bernhard. Während die übrigen fünf Söhne ihrem Vater nacheiferten und nach dem Rittertum strebten, war er mehr den geistlichen Dingen zugeneigt und besuchte die Schule der Kanoniker von Chatillons-sur-Seine. Als sie mit ihm schwanger war, hatte Alice einen sonderbaren Traum. Sie träumte, sie trage einen kleinen weißen Hund mit rotem Rücken in ihrem Schoß. Ein Einsiedler, so wird erzählt, habe ihr den Traum gedeutet: Sie trage den künftigen Wachhund Gottes unter ihrem Herzen. Vielleicht ahnte sie, dass er einmal eine besondere Aufgabe in der Kirche zu erfüllen haben werde. Erlebt hat sie es nicht mehr. Alice starb, als Bernhard gerade mal 15 Jahre alt war. Auch den Lebensweg der übrigen Kinder hat sie nur von der Ewigkeit aus verfolgen können.

Dass alle ihre Kinder den geistlichen Stand wählen würden, war anfangs nicht abzusehen. Gerhard, der Älteste, trat vielmehr in die Fußstapfen des Vaters, wurde Ritter und heiratete. Der Zweitgeborene, Guido, heiratete zwar nicht, doch all sein Sinnen und Trachten war darauf ausgerichtet, ein berühmter Ritter zu werden. Andreas, der vierte Sohn, eiferte den älteren Brüdern nach und wurde schon in jungen Jahren zum Ritter geschlagen. Kampf, Ehre und Ruhm – das sollten die Ziele ihres Lebens sein.

Doch dann kehrte Bernhard von seinen Studien zurück. Von glühender Liebe zu Christus erfasst, leidenschaftlich und redegewandt, rief er seine Brüder auf, sich in einem neuen Kampf zu engagieren – im Turnier der Gottesliebe. Es gelang ihm, nach und nach jeden seiner Brüder für das Ordensleben als Zisterzienser zu gewinnen. Leicht wurde es ihm nicht. Gerhard brauchte die Zustimmung seiner Ehefrau, die diese zunächst verweigerte. Guido war überhaupt nicht geneigt, den Waffenrock gegen die Kutte zu tauschen. Erst nach einer schweren Verwundung und monatelanger Gefangenschaft änderte er seinen Sinn. Auch Andreas leistete anfänglich heftigen Widerstand – bis er bei einem der Streitgespräche hinter Bernhard das Antlitz seiner verstorbenen Mutter erscheinen sah. Da gab er sein Sträuben auf. Bartholomäus, gerade mal 16 Jahre alt, schloss sich den älteren Brüdern an. Hinzu kamen noch Bernhards Onkel Gauderich und weitere Verwandte und Freunde, sodass Bernhard 1112 mit insgesamt 30 Männern im Kloster Citeaux erschien.

Dieses Kloster war 1098 von Robert von Molesmes gegründet worden.

So blieb nur der Jüngste, Nivard, noch zu Hause. Er würde, so erklärten ihm die älteren Brüder, später einmal alles erben und Herr der Burg Fontaines werden. Nivard war über diese Aussicht gar nicht glücklich. „Ihr nehmt euch den Himmel und lasst mir die Erde“, rief er aus. Wenige Jahre später folgte auch der jüngste Sohn.

Was dies für den Vater, Tescelin von Fontaines, als adligen Burgherrn bedeutet hat, kann sich heute nur noch der Chef eines Familienunternehmens vorstellen, der mangels eigener Kinder seinen mühsam aufgebauten Betrieb an einen Fremden verkaufen muss. Die Familie, die Dynastie, galt den Adligen des Mittelalters alles. Selbst die Kirche erkannte dies an und gestattete einem nachgeborenen Sohn, der in den geistlichen Stand eingetreten war als Kanoniker oder die niederen Weihen empfangen hatte, die Rückkehr in den Laienstand und die Eheschließung, wenn anders die Familie ausstarb.

Tescelin stellte sich den Söhnen jedoch nicht entgegen. Wie seine Ehefrau Alice, so war auch Tescelin in seiner Lebensführung ganz auf Gott ausgerichtet. Wollte Gott also sein Söhne und auch die einzige Tochter, so sollte er sie haben. Welch ein Opfer es für den Vater war, das weiß Gott allein. Gegen Ende seines Lebens trat Tescelin dann selbst als Laienbruder bei den Zisterziensern ein.

Alexandra Kehl beschreibt diese ungewöhnliche Familie, indem sie einzelne Episoden aus dem Roman „The Family that overtook Christ“ des Trappisten M. Raymond in eine szenische Lesung mit drei Sprechern umsetzt.

Alexandra Kehl: Auf zum ruhmreichen Kampf. Die Familie des heiligen Bernhard von Clairvaux, Künzell 2018, mp3-Format, ca. 122 Minuten Spielzeit, € 14,90


Eine weitere CD: Christoph von Schmids "Josaphat"

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