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Am Ende trotzdem Hoffnung

Eine Rezension des Buches von Hatune Dogan Ich glaube an die Tat

Von Anna Diouf

Hatune Dogan ist eine beeindruckende Frau - mit vierzehn Jahren flieht sie mit ihrer Familie aus der Osttürkei, wächst in Deutschland auf, macht eine Ausbildung zur Krankenschwester, studiert und tritt schließlich ins Kloster ein. Dort aber hält es sie nicht angesichts der Not ihrer Mitmenschen: Sie baut eine Hilfsorganisation auf, die in Indien den Ärmsten der Armen hilft. Dies ist ein unkonventioneller Schritt für eine syrisch-orthodoxe Ordensschwester. Als ihr das Ausmaß der Christenverfolgung in ihrer Heimat deutlich wird, beginnt sie, in Flüchtlingslagern des Nahen Ostens und in den Bürgerkriegsgebieten zu arbeiten. Von diesem Engagement erzählt sie in ihrem zweiten, unter Mitarbeit der Journalistin Tonia Riedl entstandenen Buch „Ich glaube an die Tat“.

Dem Leiden ein Gesicht geben

Das Buch ist keine erschöpfende Darstellung der aktuellen Christenverfolgung. Hatune Dogan gibt uns vielmehr Einblick in Einzelschicksale. Diese werfen jeweils Schlaglichter auf den Schrecken, dem die Christen und andere Minderheiten im Nahen Osten ausgesetzt sind. Wir lesen von einem Jungen, der hinter Kisten versteckt die Enthauptung seines Vaters mit ansehen muss. Von einem Familienvater, dem der Anblick von Leichenbergen, unter denen er seine Familie vermutete, den Verstand geraubt hat. Von einer Familie, die eines Tages einen Leichensack vor ihrer Tür findet und flieht. Von einer Frau, die, auf der Flucht in der Türkei gestrandet, ihre eigene Tochter zur Prostitution zwingen muss, um das Geld aufzutreiben, das kriminelle Schleuser verlangen. Jeder einzelne Fall ist entsetzlich und lässt uns fassungslos zurück – und doch sind es nur einige wenige Schicksale, die stellvertretend stehen für Hunderttausende weitere. Und all dies geschieht täglich, drei, vielleicht vier Flugstunden von uns entfernt.

Die Episoden offenbaren eine schier unvorstellbare Grausamkeit und unermessliches Elend. Man kann Zahlen in den Raum stellen – aber das, was die Überlebenden zu sagen haben, gibt dem Leiden ein Gesicht und macht das Grauen deutlich, das sonst diffus und weit entfernt von der eigenen Erfahrungswelt und Vorstellungskraft bleibt. Und zu jedem Opfer gehören Täter, die durch die Berichte der Menschen ebenfalls konkreter vor Augen treten: Es sind ja nicht Strukturen und Automatismen, die den Unschuldigen zum Verhängnis werden, sondern aktive, bewusste Taten derer, die rauben, morden und schänden.

Das Schicksal eines Volkes

Hatune Dogan unterbricht die Schilderung ihrer konkreten Arbeit mit Erzählungen aus ihrer Kindheit – dies sind mit die eindrücklichsten Passagen des Buches. Hier lässt sie uns teilhaben an ihrer eigenen Fluchterfahrung und an der leidvollen Geschichte der ältesten Christen, der Syro-Aramäer.

Damit wird das Buch „ganz nebenbei“ auch zu einer wichtigen Lektüre für Menschen, die sich mit der Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens nicht gut auskennen und vielleicht auch die Mühe scheuen, sich in die komplexen historischen Zusammenhänge zeitintensiv einzulesen – denn wir erfahren etwas, das viel unmittelbarer nahegeht als Zahlen, Fakten und abstrakte Vorgänge: Wir erfahren, was es ganz konkret bedeutet, als Angehöriger einer Minderheit in einem muslimisch geprägten Land zu leben. Das ist das persönliche, nicht relativierbare Zeugnis einer Christin, die selbst Opfer von Gewalt und Verfolgung geworden ist, sich aber selbst durch den Verlust ihrer geliebten Heimat nicht von Bitterkeit übermannen lässt, sondern über sich hinauswächst.

Das Martyrium um Christi willen zieht sich durch die Geschichte der Christen des Nahen Ostens, nicht erst beginnend mit dem Völkermord an den Armeniern und Assyrern, der auch in Hatune Dogans Familie Opfer forderte. Das, was sie aus ihrer Kindheit in der Türkei der 70er und 80er Jahre erzählt, gleicht allem anderen als einem orientalischen Idyll. Abgesehen von der systematischen Unterdrückung der eigenen Sprache und Kultur und dem Verbot, den Glauben in der Öffentlichkeit zu leben, erzählt Schwester Hatune von Entführungen, Morden, versuchten Vergewaltigungen, Raub; Gefahren, mit denen sie schon als Kind konfrontiert ist, Alltag in der damals nach außen streng laizistischen Türkei. Und dies sind Schilderungen aus mehr oder minder „friedlichen“ Zeiten – bevor eine handfeste Morddrohung gegen den Vater die Familie zur Flucht zwingt.

Ihre eigene Lebensgeschichte, die dramatische Geschichte ihrer Familie und die Vergangenheit ihres Volkes verweben sich so mit dem Schicksal der heute verfolgten Christen und geben uns eine Ahnung von dem tiefen Zusammenhang zwischen dem Kreuz Christi und dem Zeugnis derer, die um Christi willen verfolgt werden.

Lehren aus der Vergangenheit

Es ist wichtig, dass die Christen Europas diesen Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren. Darüber hinaus sollte man diese Kontinuität der Verfolgung und Unterdrückung ernst nehmen: In einer Zeit, in der uns in Europa vorrangig eine Lesart des Islam begegnet, die den IS-Terror als Ausgeburt einer falsch verstandenen Religiosität sieht – mittlerweile sprichwörtlich ist der Satz, das habe „mit dem Islam nichts zu tun“ - lassen Hatune Dogans Berichte die Frage aufkommen, wann der Islam denn dann jemals „richtig“ verstanden worden ist, wenn selbst in laizistischen Staaten eine derart drastische Verfolgungssituation bestand und auch im osmanischen Reich die „Koexistenz“ keineswegs so weit reichte, dass Christen vor rechtlicher Willkür und Gewalt geschützt gewesen wären. Trotz der zurückhaltenden Wortwahl und der Feststellung, dass es natürlich viele friedliche Muslime gibt, auch in Hatune Dogans eigenem Bekannten- und Freundeskreis, wird deutlich, dass die Gewalt, die wir heute sehen, aus dem Gewaltpotenzial stammt, das der Islam selbst birgt.

So dekonstruiert die Erinnerung eines uralten Volkes, das seit der Eroberung des Mittleren Ostens durch den Islam unter Verfolgung und Unterdrückung leidet, europäische Mythen vom friedlichen Zusammenleben unter muslimischer Herrschaft. Und diese Erinnerung ist um so vertrauenswürdiger, als sie von einer Frau geschildert wird, die trotz des ihr zugefügten Leids und trotz der grausamen Augenzeugenberichte, die ihr Tag für Tag zugetragen werden, keinen Groll gegen Muslime hegt und natürlich muslimischen Notleidenden ebenso selbstverständlich hilft wie ihren Glaubensgenossen.

Am Ende steht die Hoffnung, verankert im Glauben

Man fragt sich, wie eine einzelne Frau, deren eigenes Leben bereits von traumatischen Erfahrungen geprägt ist, so viele Schilderungen aufnehmen und verarbeiten kann, von denen jede einzelne das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Antwort findet man in ihrem unerschütterlichen Glauben und in der Gewissheit, von Gott getragen zu sein: „Was ich tue, das tue ich in seinem Namen. Deshalb kann ich auch auf seine Kraft vertrauen. Und diese Hoffnung halte ich fest“.

Hatune Dogan sagt selbst, dass sie oft nur zuhören, mitleiden, da sein kann. Es ist schwer, angesichts der Realität des Bösen nicht zu verzagen. Aber mit welchem Recht könnten wir resignieren oder verzweifeln, während sich diese Frau – und mit ihr viele weitere Menschen - Tag für Tag diesem Bösen stellen? Trotz unserer Hilflosigkeit steht Hoffnung am Ende des Buches – die Hoffnung, dass es aufrütteln möge, die Hoffnung, dass es Menschen dazu bewegt, den menschenverachtenden Handlungen islamistischer Schergen Taten der Nächstenliebe entgegenzusetzen.

Immer noch wissen viele Menschen nicht, dass sich im Nahen Osten ein Völkermord abspielt, und viele weigern sich, diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. „Ich glaube an die Tat“ ist ein in der Sprache einfaches und schlichtes Buch; gerade in der authentischen Einfachheit aber ist es berührend und bewegend. Es hilft, Augen und Herzen zu öffnen für das große Leid, das unsere verfolgten Glaubensgeschwister tragen müssen.

Hatune Dogan, Ich glaube an die Tat: Im Einsatz für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, Brunnen-Verlag Dezember 2015, 192 Seiten.


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