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"Nur die Wahrheit macht uns frei"

Von Miriam Schilling

Wer von dem neuesten Buch von Sabatina James (Nur die Wahrheit macht uns frei. Mein Leben zwischen Islam und Christentum, 2011) eine einfache Nacherzählung ihres Lebens erwartet, eine Erzählweise, die an einen spannenden Film erinnert, der wird von der Lektüre enttäuscht. Natürlich bildet aber ihre Lebensgeschichte das Gerüst des Buches.

1982 in Pakistan geboren, kommt Sabatina mit zehn Jahren mit ihrer Familie nach Österreich. Dort wächst sie in einer westlichen Gesellschaft auf und lernt eine neue Welt kennen. Als junge Frau wird sie von ihren Eltern, denen die Annäherung ihrer Tochter an diese Welt zu weit geht, nach Pakistan geschickt, wo sie eine Koranschule besucht. Schließlich soll sie ihren Cousin heiraten. Sabatina wehrt sich gegen diese Zwangsverheiratung und flieht nach Deutschland. Dort erlebt sie das Christentum und bekennt sich zum katholischen Glauben. Den Schwerpunkt legt „Nur die Wahrheit macht uns frei“ aber auf das, was dann passiert: wie Sabatina von ihrer Familie ausgestoßen wird und sogar Morddrohungen erhält, wie sie immer auf der Flucht ist, eine Modelkarriere startet und wieder aufgibt, einen schwierigen Prozess gegen ihre Familie führt - und wie sie sich schließlich dafür entscheidet, muslimischen Frauen, die ähnliche Probleme haben wie sie, zu helfen. Sie gründet den Verein Sabatina e.V., um diese Frauen, die unter Unterdrückung und Gewalt leiden, zu unterstützen.

Die Erzählung ihrer eigenen Lebensgeschichte wird in dem Buch immer wieder von Passagen unterbrochen, die die Schicksale und Erfahrungen anderer Frauen berichten, mit denen Sabatina zum Teil durch die Arbeit in ihrem Verein in Kontakt gekommen ist. So entsteht kein kontinuierlicher Handlungsverlauf wie bei einem Film, sondern die Lektüre des Buches gleicht eher dem Betrachten eines Bildes: Mal verweilt man an einem bestimmten Detail, um dann wieder „hinauszuzoomen“ zu einem großen Überblick. Der Blick des Betrachters wird gelenkt, von einer Ecke des Bildes in eine andere, wobei jede Kleinigkeit dem Ganzen etwas hinzufügt.

So wird ein Bild geschaffen, das von den Lebensumständen der Frauen im Islam erzählen will, von den Ursachen und Formen der Unterdrückung. Das Buch hilft europäischen Lesern dabei, die Denkweise islamischer Frauen besser zu verstehen. So scheint es nicht mehr völlig abwegig, wie sich beispielsweise eine Frau, die von ihrem Vater geschlagen und zwangsverheiratet wird, trotzdem nicht von ihrer Familie lösen möchte und sie weiter liebt.

Dass dies alles den Frauen nicht weit weg, z.B. im Iran oder in Pakistan, widerfährt, sondern in Europa, in scheinbar moderner, westlicher Umgebung, ist oft unglaublich.

Die Widersprüche und Probleme, unter denen muslimische Frauen oft leiden, beschreibt Sabatina aus eigener Erfahrung. Dieses persönliche, authentische Erzählen macht einen besonderen Reiz des Buches aus. Auch wenn, wie im Vortext des Buches erklärt wird, nicht alles hundertprozentig so geschehen ist wie im Buch dargestellt, so hat man doch das Gefühl, es hier mit einer jungen Frau zu tun zu haben, die erzählt, was sie selbst erlebt hat.

In ihrem Buch schreibt Sabatina: „Eigentlich war es für Außenstehende kaum zu begreifen, in welchen problematischen Strukturen muslimische junge Frauen leben.“ Als Leser ihres Buches fühlt man sich aber doch imstande, zumindest in Ansätzen zu begreifen, was sie meint.

An verschiedenen Stellen thematisiert „Nur die Wahrheit macht uns frei“ die Ursachen und Gründe für die Unterdrückung vieler muslimischer Frauen. Sabatina nennt als diese Ursache den Islam. Für sie ist es nicht die Kultur islamischer Länder oder die von Traditionen geprägte Gesellschaft, sondern hauptsächlich die Religion und vor allem der Koran, der ihrer Meinung nach zur Gewalt, auch gegen Frauen, aufruft. Diesen Islam, dem sogar die Bezeichnung „Religion“ abgesprochen wird („Der Islam ist für mich keine Religion“, S. 263), charakterisiert Sabatina als hasserfüllt, gewalttätig und erbarmungslos gegen Andersgläubige. Dies entspricht so gar nicht dem Islambild, das Vertreter dieser Religion in Europa vermitteln und das im Zuge von politischen Debatten über Toleranz und Integration immer wieder gezeichnet wird. Diesen Widerspruch sieht auch Sabatina: „Der Islam, wie er im Westen propagiert wird, im Fernsehen, in den Zeitungen, ist nicht der Islam, wie er wirklich ist.“

Aber kann sich der „Islam, wie er wirklich ist“, den es wohl ebenso wenig gibt wie ein homogenes „Christentum, wie es wirklich ist“, nicht verändern, gerade indem ihn Menschen neu interpretieren und verstehen? Ist nicht die Art und Weise, wie der Islam in Europa von seinen Vertretern und Anhängern dargestellt wird, ein Zeichen dafür, dass auch diese Religion gewaltlos und offen gelebt werden kann und dass Unterdrückung und Gewalt also nicht so untrennbar mit dem Islam verbunden sind, wie Sabatina es sieht?

Natürlich kann man sich als Außenstehender kein Bild vom Islam machen, indem man nur die Debatte und die Meinungsäußerungen in den Medien verfolgt. Genauso wenig kann aber allein die Lektüre von Sabatina James' Buch Grundlage für ein umfassendes Meinungsbild sein. Wie in allen Bereichen, so ist es auch hier notwendig, möglichst viele verschiedene Meinungen einzuholen und zu vergleichen. Und eine solche Meinung gibt „Nur die Wahrheit macht uns frei“ wieder. Das Buch hilft also dabei, den Islam besser kennenzulernen und sich ein eigenes Bild von ihm zu machen.

Sabatina James beschränkt sich in ihrem Buch nicht auf eine Charakterisierung und Kritik des Islam. Im letzten Kapitel spricht sie auch uns als Christen an. Sie fordert uns auf, uns auf unsere eigenen Werte zu besinnen, uns darüber klar zu werden, was diese Werte eigentlich sind und auf welchem Fundament diese ruhen. Es ist interessant zu lesen, mit welchen Augen eine junge Frau, die mit dem Islam aufgewachsen ist, den katholischen Glauben wahrnimmt. Was für uns oft selbstverständlich und uns gar nicht so bewusst ist, bildet für Sabatina einen großen Gegensatz zu den Lehren des Islam und bringt sie dazu, zum Christentum zu konvertieren. Wenn sie beschreibt, wie sie die bedingungslose Liebe Jesu, sein gewaltloses Handeln und die darauf gegründeten Grundsätze des Christentums beeindruckt haben, dann ist das für einen christlichen Leser Anlass, seinen eigenen Glauben zu bedenken und in einem neuen Licht zu sehen.

Sabatina kann ein Vorbild für uns alle sein. Das Vertrauen, das sie in Gott hat, den Trost, den sie in ihm findet, und der Mut, den er ihr gibt, scheint manchmal unglaublich. Wie sie ihrer Berufung nachgeht und sich in Gefahr begibt, um anderen muslimischen Frauen in ähnlichen Situationen wie sie selbst zu helfen, ist inspirierend und gibt Kraft, sich selbst bewusst zu werden, wofür man als Christ einstehen kann und muss.

„Nur die Wahrheit macht uns frei“ ist somit für jeden empfehlenswert, der sich für das Leben von muslimischen Frauen und für den Islam insgesamt interessiert, der sich mit einer spannenden und außergewöhnlichen Biographie auseinandersetzen will, der inspiriert werden und den eigenen Glauben wieder neu entdecken will.

Sabatina James, Nur die Wahrheit macht uns frei: Mein Leben zwischen Islam und Christentum, Pattloch 2011, 288 Seiten.

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