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Ein großer Wurf

Jürgen Henkel über das neue Buch von Franz Prosinger

Franz Prosinger: Geheiligt in Wahrheit. Eine biblische Soteriologie, EOS Verlag, St. Ottilien 2021, 344 S., ISBN 978-3-8306-8097-0, 29,95 €

Der vorliegende Band vermag es, den Leser vom beeindruckenden Titelbild an – dem Gnadenthron aus dem „Landgrafenpsalter“ vom Anfang des 13. Jahrhunderts – bis zur letzten Seite in seinen Bann zu ziehen. Der Diözesanpriester der Prälatur von Ayaviri (Peru) und Bibelwissenschaftler am Seminario San José Franz Prosinger legt hier eine konsequent an der Heiligen Schrift entwickelte und orientierte Soteriologie vor, die sowohl im breiten Horizont ihrer theologischen Perspektive von der Schöpfung bis zum Eschaton, als auch in der Stringenz ihrer zutiefst biblischen Argumentation überzeugt – und sich gleichzeitig heute gerade beim Thema Sünde und Erlösung häufig anzutreffenden Relativierungen entzieht.

Prosinger thematisiert Grundfragen der Soteriologie und fokussiert zentrale Themen wie etwa das Verständnis des Kreuzestodes Jesu Christi. Er fragt danach, was es bedeutet, dass „Christus für unsere Sünden gestorben ist“ (1. Kor. 15, 3), und hinterfragt die klassische (westliche) These, wonach Christus für uns „zur Sünde geworden“ sei. Kritisch äußert er sich zur reformatorischen Lehre der Rechtfertigung aus Gnaden, sofern diese sich als bloß äußerliche Freisprechung von Sünden ohne innere Verwandlung des Menschen versteht. Seine stark johanneisch geprägte Auffassung betont, dass Christus den Seinen nicht selbst zur Sünde geworden ist, sondern am Kreuz in vollkommener Hingabe Gott gehorsam war. Dies alles beschreibt und begründet der Autor in einer klaren wie unmissverständlichen Sprache. Nach Methode und Inhalt darf sein Werk als geistliche Schriftauslegung gewertet werden. Dabei besticht, wie Prosinger in seiner gesamtbiblischen Soteriologie immer wieder Altes und Neues Testament in äußerster christologischer Konzentration verbindet.

Der Autor versteht es, die biblische Soteriologie hier umfassend darzustellen und einzuordnen und dies zugleich mit einprägsamen Formulierungen zu untermauern. Prägnant ist seine Darstellung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott. Ausgehend von der Gotteskindschaft als „Urgrund menschlicher Existenz“ (S. 25), die er als „Leben in der Gottesfreundschaft“ versteht, bezeichnet er die Sünde als „Atmen im falschen Luftraum“. Das Christentum als Religion strebt für ihn nach Rückbindung – religio – an den Schöpfer und Vater. Das in der menschlichen Sünde begründete Leben außerhalb von Eden gilt ihm als Leben im gottfernen Exil, die Sünde „zerstört die das Leben im Paradies charakterisierende Harmonie“ (S. 127).

Ausdrücklich wendet sich Prosinger gegen eine „reduktionistische Soteriologie“, die nur den Innenraum der Seele in ihrer Beziehung zu Gott ins Auge fasst. Erst die „kosmische, schöpfungstheologische Sicht gibt der Soteriologie den allumfassenden Rahmen. Ohne das Schöpfungsthema wird die Gottesbeziehung weltlos und die Welt gottlos.“ (S. 150) Bereits vorher hat er festgestellt: „Der Exodus aus dem Exil muss an den noch verbliebenen Spuren der Gottesbeziehung anknüpfen und durch den Prozess einer tiefgreifenden Umwandlung gehen. Ansonsten entspräche die Soteriologie weder der Reinheit des Ursprungs noch der Tiefe des Sündenfalls.“ (S. 126)

Immer wieder gelangt der Autor zu präzisen – auch apologetischen – Feststellungen. Wenn er etwa die Versöhnung des Menschen mit Gott nur im Eintreten in die neue Welt Gottes möglich sieht, dann ist das auch ein Ausrufezeichen gegen die heute übliche das Eschaton allzu oft verdrängende diesseitsorientierte Kirchlichkeit. In der Sprache Prosingers klingt das so: „Da der Gegensatz zwischen dieser Gott entfremdeten Welt und der Welt Gottes ein wesentlicher und innerer ist – also nicht nur eine Frage der äußeren Schuldbegleichung –, kann diese Welt nicht mit Gott versöhnt werden. Versöhnung kann nur durch einen Exodus aus dieser Welt in die neue und wahre Welt Gottes geschehen.“ (S. 128; Hervorhebungen bei Prosinger) Dies gilt auch für das Handeln Christi selbst: „Christus will die Herrschaft über diese Welt nicht übernehmen, um etwa mit Gewalt Unrecht zu verhindern. Diese Welt ist vom System her unerlöst, und Erlösung kann es nur durch einen Exodus aus dieser Welt geben. Die Konfrontation führt zum Kreuz.“ (S. 109)

Klar und kompromisslos sind die Folgerungen, die Prosinger zieht. Wenn er etwa festhält: „Ist die Sünde die Abkehr von Gott in der Zuwendung zu einer Welt ohne Gott, so kann die Wiederherstellung und Erlösung nur in der Zuwendung zu Gott und in der Abkehr von einer Welt ohne Gott bestehen.“ (S. 131) Immer wieder betont er die notwendige innere Verbindung zwischen Mensch und Gott: Auch bei der Glaubensgerechtigkeit des Abraham (Gen. 15, 6) „geht es nicht um Handel und Buchhaltung, nicht um eine äußere Anerkennung und Belohnung für die Leistung einer blinden Glaubensbereitschaft, sondern um die innere Verbindung. Der Akt des Glaubens als solcher stellt den Menschen in die Aufnahmebereitschaft, in der Gott sein Werk wirken kann.“ (S. 141)

Die Sühne für die Sünde darf für Prosinger nicht äußerlich bleiben. Es gehe vielmehr um das Zurückfinden zu Gott, ein „Zu-Gott-Kommen“ als Hingabe durch das Strafgericht hindurch. Mit den klassischen Kirchenvätern und auch Thomas von Aquin und der Scholastik lehnt er die Verbindung des Sündenbocks als Opfertier mit Christus ausdrücklich ab: „Erst mit dem Aufkommen eines nominalistischen Gottesbildes wird Christus zum ‚Sündenbock‘, zuerst bei Dionysius dem Kartäuser und dann vor allem bei den Reformatoren in der Sicht eines strafrechtlichen Ersatzopfers.“ (S. 154) Die Gottesbeziehung müsse vielmehr wiederhergestellt werden durch Reue und Umkehr; Erlösung heiße in den Gehorsam Jesu Christi einzugehen. Insoweit brauche es das menschliche Mitwirken zur Erlösung – die Umkehr! Erlösung und Sündenvergebung bedeuteten „Eintritt in eine neue Existenz“ (S. 263): das Leben in Christus.

An diesem zentralen Punkt treffen sich – auch wenn Prosinger das nicht explizit ausführt – orthodoxe und katholische Theologie in ihrer Kritik am Protestantismus. Seine Darstellung will „jeden Zweifel beheben, ob nicht die Erlösung doch nur der Zuspruch von Sündenvergebung und das Anrechnen von Gerechtigkeit sein könnte. Vielmehr handelt es sich um einen Prozess der Verwandlung, in dem der zu Erlösende mitgeht.“ (S. 221) Die Orthodoxie spricht hier explizit von Synergie zwischen Mensch und Gott. Das „Hinwegnehmen der Sünde der Welt“ durch das Lamm Gottes (vgl. Joh. 1,29) ist daher auch „kein Auslöschen durch eine Ersatzhandlung, keine Besänftigung des göttlichen Zornes und keine Generalamnestie“ (S. 222), auch kein bloßer „Schuldennachlass“ (S. 248). Und so wird Christus nicht für uns zur Sünde, sondern er gibt sich selbst hin für unsere Sünden (vgl. Gal. 1,4) – ein großer Unterschied, den Prosinger gut erschließt.

Das Sakrament der Eucharistie deutet er dann nachgerade mystisch: „Die neue Gottesbeziehung, welche die Sünde überwindet und auslöscht, ereignet sich im Eingehen des Kommunizierenden in das Opfer Christi.“ (S. 233) Die Hingabe Christi aus Gehorsam überwindet den Ungehorsam des ersten Adam. Hier und an anderer Stelle tauchen Motive auf, die an das berühmte Werk „Vom Leben in Christus“ des Nikolaos Kabasilas (14. Jh.) und dessen Sakramentsmystik erinnern. Christus, „der sein Leben freiwillig hingibt und den Glaubenden in seine Hingabe hineinzieht“ (S. 246), wird zum Schlüssel der Erlösung. Das „Sein Christi in uns“ und „unser Sein in Christus“ bringt die „Entmachtung der feindlichen Mächte“ (vgl. Kol. 2,15). Das wiederum „geschieht nicht extra nos, sondern dadurch, dass der in Christus erlöste Mensch die inneren Fesseln lösen konnte“ (S. 249).

Dementsprechend ist die Rechtfertigung „nicht nur ein Nachlass der Sünden, sondern eine Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen durch die freiwillige Aufnahme der Gnade und der Gaben, woraus der Mensch aus dem Ungerechten ein Gerechter, aus einem Feind ein Freund wird“ (S. 221). Daher gelte auch in letzter Konsequenz: „Der Neue Bund beruht auf einer neuen Gottesbeziehung, die ein Doppelleben simul iustus et peccator ausschließt.“ (S. 263) In seiner kraftvollen Sprache hält Prosinger fest: „Sündenvergebung ist dann ein wirkliches Befreitwerden aus der Vollmacht der Finsternis, ein Überwinden entfremdender Hörigkeit und das Eintreten in die Königsherrschaft des Sohnes.“ (S. 264) Franz Prosinger ist mit dieser Arbeit ein großer Wurf gelungen. Dem Buch sind große Verbreitung und nachhaltige Rezeption zu wünschen.

Die Rezension ist erschienen in der zweiten Ausgabe der empfehlenswerten Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie Auftrag und Wahrheit.


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