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Die Rolle des Gewissens

Ein Interview von Stefan Rochow mit dem Philosophen Dr. Josef Bordat über dessen neues Buch

Herr Bordat, das Gewissen wird oft bemüht, wenn man jemanden dazu bringen möchte, sich so zu verhalten, wie man es gern hätte „Plastiktüten machen schlechtes Gewissen“ titelt gerade die Rheinische Post, andernorts entdeckt man „Faire Trade für das gute Gewissen”. Wollen Sie den Lesern Ihres neuen Buches ein gutes oder schlechtes Gewissen machen?

Zunächst möchte ich mit dem Buch klären, was das Gewissen überhaupt ist – vom Wort her, von seiner – mit Sicherheit inflationären – Verwendung her, von den Auseinandersetzungen im Bereich der Theologie, Philosophie und Psychologie her und schließlich von der katholischen Morallehre her, die sich vom 19. Jahrhundert über das Zweite Vatikanische Konzil bis in unsere Tage intensiv mit dem Gewissen beschäftigt hat – zunächst eher ablehnend, dann nach und nach zustimmend. Ich möchte mit dieser Darstellung erreichen, dass das Gewissen im ethischen Diskurs wirklich ernst genommen wird. Daran anschließend möchte ich den Einzelnen ermuntern, das Gewissen weder als Hort des Ungehorsams und der Anarchie zu brandmarken (eine Haltung, die ich „Objektivismus“ nenne), noch als Freibrief und beliebig einsetzbaren moralischen Joker anzusehen (das wäre der „Subjektivismus“). In dieser Spannung wird der Gewissensbegriff betrachtet, weil er in dieser Spannung steht und billiger nicht zu haben ist. Nach der Lektüre wird vielleicht derjenige ein gutes Gewissen haben, der es genau inmitten dieser Spannung verortet, und derjenige ein schlechtes Gewissen, der es zu stark einem der beiden Spannungspole zuweist.

Es gibt Menschen, Sie beschreiben das in Ihrem Buch, die sich für Ihr Gewissen entschieden und damit alle weltlichen Unbilden auf sich nahmen. Welches Schicksal hat Sie persönlich am meisten beeindruckt?

Das von Sophie Scholl, von der in der Einleitung die Rede ist. Sie erkennt im Gebrauch ihres Gewissens klar, was zu tun ist, ohne die Konsequenzen zu fürchten. Sie ist dabei nur eine von vielen Menschen, bei denen sich während der Zeit des Nationalsozialismus das Gewissen regte. Aber sie ist eben auch eine von den wenigen, die daraus die richtigen Schlüsse zogen und handelten. Das macht sie zu einem Vorbild in Sachen Gewissen, auch für uns heute. Beeindruckt hat mich aber auch der Mut eines Neuköllner Apothekers, der für natürliche Familienplanung einsteht und aus Gewissensgründen den Verkauf der „Pille danach“ verweigert, die eine abtreibende Wirkung hat, also menschliches Leben tötet. Der Mann nimmt für diese Gewissensentscheidung erhebliche Nachteile in Kauf, verbale Angriffe auf seine Person sowie tätliche Angriffe auf seine Apotheke inklusive. Schon von daher kommt dem Gebrauch seines Gewissens ein besonderer Stellenwert zu, der jedem Respekt abnötigen sollte, auch wenn man vielleicht mit der Haltung des Mannes inhaltlich nicht völlig übereinstimmt.

An welcher Stelle gibt es heute in der Gesellschaft Gewissensbildung? Und wie kann man hier erreichen, dass das ein größeres Thema wird, wenn gleichzeitig Gott als Instanz immer mehr geleugnet wird? – ich erinnere mich an das Signal, als der damalige Kanzler Gerhard Schröder bei seiner Vereidigung ganz bewusst auf den Gottesbezug verzichtete.

Ja, das ist in der Tat ein Problem, dass uns heute Bildungschancen für das Gewissen fehlen. Oft wird einem ja geradezu vorgelebt, dass man gerissen sein sollte – und nicht allzu gewissenhaft. Nicht, dass ich meinte, ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, habe kein Gewissen – wir alle haben ein Gewissen, soweit wird eben Menschen sind. Dennoch sehe ich Gewissensbildung vor allem in der Kirche thematisiert. Hier schöpft man ja auch aus fast 800 Jahren Erfahrung mit der Diskussion über die Rolle des Gewissens, angefangen bei Thomas von Aquin. Ab und an gibt es zwar auch in der säkularen Welt den Versuch, das Gewissen – etwa in Bezug auf den Umgang mit der Natur – zu schulen, aber das wirkt doch alles sehr angestrengt und dringt daher nicht wirklich bis zum Gewissen des Einzelnen durch. Am Ende steht dann doch meist wieder eine Norm, etwa in Gestalt eines Verbots, an die man sich zu halten hat. Basta.

Das Gewissen in sich zu ergründen ist wohl die Kardinalfrage. Wenn man den Gedanken Ihres Buches folgt, ist diese Frage für einen katholischen Christen leicht zu beantworten – er möge sich nur an die Lehre seiner Kirche halten. Was halten Sie Kritikern entgegen, die das als Aufgabe der Selbstbestimmung bezeichnen würden?

Ganz so einfach ist es ja nun nicht mit dem Verhältnis des Christen zur Lehre der Kirche. Wenn es so wäre, wenn also der Katholik das tun soll, was die Kirche sagt, ohne Rückfragemöglichkeit, ohne jeden Spielraum für die Reflexion der Normen, dann hätte ich das Buch nicht zu schreiben brauchen bzw. wäre das Gewissen dann ein rein idealistisches Programm ohne praktische Bedeutung für den Gläubigen. „Hier ist die Norm, halte dich daran!“ – das ist geradezu unkatholisch, wenn ich das mal so sagen darf. Die katholische Morallehre traut ja der menschlichen Natur durchaus mehr zu, als nur Befehlsempfängerin zu sein – und das ebenfalls schon seit Thomas von Aquin (Stichwort: Naturrecht). Wenn nun aber in Konsequenz dessen bereits in der Lehre der Kirche auf das Gewissen Bezug genommen wird und der Christ normativ ermutigt wird, bei moralischen Entscheidungen auf sein Gewissen zu achten, wie dies seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil explizit der Fall ist, dann ergibt sich für ihn einerseits die Möglichkeit der Selbstbestimmung, andererseits die Notwendigkeit für die Kirche, diese wiederum so zu orientieren, dass der Gewissensbezug am Ende nicht den bequemsten, sondern den besten Weg zur moralischen Wahrheit ebnet. Und das geht gerade über die Gewissensbildung, die die Kirche mit ihrer Lehre anbietet. Also: In der Lehre der Kirche schließt die Norm immer eine gewissensgestützte Normkritik mit ein. Dabei soll sich das Gewissen wiederum an der Norm orientieren und sich von ihr formen lassen. Der Gewissensgebrauch ist also ein sich selbst immer wieder neu ins Gleichgewicht bringender Balanceakt von Subjekt (Christ) und Objekt (Lehre der Kirche). Man erkennt: Das Leben des Katholiken ist mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil keineswegs leichter geworden! Der katholische Christ findet aber – nicht zuletzt auch aus Gewissensgründen – in der Lehre der Kirche genügend zuverlässige Hinweise, die es ihm erleichtern wollen und können.

Dr. Josef Bordat, Das Gewissen, ca. 256 Seiten, Lepanto-Verlag, Rückersdorf üb. Nürnberg 2013


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