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“Dem Geheimnis des Lebens nahe”

Von P. Engelbert Recktenwald

Eines der beliebtesten Argumente der “Neuen Atheisten”, wie sie Richard Dawkins repräsentiert, ist eine Evolutionstheorie, die zum universalen Erklärungsmodell erhoben ist. Der für den gesunden Menschenverstand auf den ersten Blick plausibel erscheinende Rückschluß aus der komplexen Ordnung der Natur, insbesondere der lebendigen Organismen, auf Gott als einer ursprünglichen Intelligenz wird von dieser Theorie als Trugschluß zurückgewiesen, da zufällige Mutation und Selektion als Erklärungsfaktoren angeblich ausreichen. Tun sie es tatsächlich?

Diesem Problem widmet sich der äußerst informative Film “Dem Geheimnis des Lebens nahe”. Er gibt einen naturwissenschaftlichen und einen historischen Einblick. Der naturwissenschaftliche Einblick bezieht sich auf den wissenschaftlichen Forschungsstand hinsichtlich der Tragweite jener Erklärungsfaktoren, der historische auf die Entstehung jener Bewegung unter Naturwissenschaftlern, die unter dem Namen “Intelligent Design” (ID) aus naturwissenschaftlicher Perspektive jenen universalen Erklärungsanspruch zurückweisen.

Der Film macht deutlich, dass sich die Argumente der ID-Bewegung nicht gegen die Tatsache der Evolution richten, sondern gegen ihre Mechanismen, also gegen den Darwinismus, insofern dieser Zufallsmutation und Selektion für hinreichende Ursachen des Lebens und der Lebensorganismen hält. Es mag sein, dass in Amerika der Kreationismus und die ID-Bewegung eine partielle politische Allianz eingegangen sind, da jener die Argumente dieser gut gebrauchen kann. Das ändert aber nichts am Charakter der Argumente, die eine wissenschaftliche Kontroverse verdienen, nicht aber eine verlogene Polemik, wie man ihr hierzulande auf Schritt und Tritt begegnet.

Wissenschaftler wie der Evolutionsbiologie Dean H. Kenyon, der 1969 mit Koautor Gary Steinman das Standardwerk Biochemical Predestination über die chemische Evolution des Lebens veröffentlichte, oder der Biochemiker Michael Behe waren zunächst Darwinisten und kamen allein durch wissenschaftliche Einwände zur Überzeugung, dass die darwinistische Theorie zu kurz greift. Kenyon kamen durch den Einwand eines Studenten fünf Jahre nach der Veröffentlichung seines erfolgreichen Buches Zweifel an seiner Theorie, und er besaß die Größe, sie zu widerrufen. Die Zweifel bezogen sich auf die Möglichkeit, die ursprüngliche Zusammensetzung der Aminosäuren zu Proteinen ohne die in der DNA codierte Information allein durch chemische Eigenschaften zu erklären. Bei Behe waren es Argumente des Biochemikers Michael Denton in seinem Buch Evolution. A Theorie in Crisis, die ihn zu einer Korrektur seiner Überzeugung gelangen ließen.

Behe, dessen Werk Darwins Black Box seit kurzem auch in deutscher Sprache vorliegt, legt seinen Forschungsschwerpunkt auf die komplexen Strukturen der Zelle. Der Film vermittelt durch Computeranimationen, die uns ins Zelleninnere versetzen, einen Eindruck von der Komplexität der Arbeitsvorgänge und des Ineinandergreifens der Prozesse, die für die Lebensfunktionalität der Zelle sorgen. Da dafür eine Vielzahl von Faktoren in präziser gegenseitiger Abstimmung gleichzeitig notwendig sind, ist eine schrittweise Entstehung solcher Komplexität per mutativer Zufallstreffer nicht nachvollziehbar. Behe hat dafür den Begriff der irreduziblen Komplexität geprägt.

Kenyon, Behe und andere Wissenschaftler trafen sich 1993 auf Einladung des Rechtswissenschaftlers Phillip E. Johnson im kalifornischen Pajaro Dunes, um sich über ihre Zweifel und Erkenntnisse auszutauschen. Das war die Geburtsstunde der ID-Bewegung. Zu ihnen gehören auch Wissenschaftstheoretiker, die die metaphysischen Implikationen naturwissenschaftlicher Theorien bedenken. So zeigt der Film, dass es sich bei dieser Bewegung weder um eine ideologische Gruppe handelt, die mit unwissenschaftlichen Argumenten die Evolutionstheorie bekämpft, noch um naive Naturwissenschaftlicher, die einem Naturalismus mit umgekehrtem Vorzeichen huldigen, sondern um eine ernstzunehmende Alternative zum wissenschaftlichen Mainstream, der sich in auffallender Weise mehr von der ID-Bewegung zu distanzieren bemüht ist als von der Vereinnahmung seitens der neuen Atheisten.

Es gibt Theologen, die vor der ID-Bewegung zurückschrecken, weil sie das Argument fürchten, Gott könnte auf die Rolle eines Lückenbüßers reduziert werden. Dies mag eine kluge Zurückhaltung nahelegen, entscheidet aber in keiner Weise die Sachfrage. Wer aus Angst davor, ein unangenehmes Argument in eigener Sache zu erhalten, jeden Falsifikationsversuch des Darwinismus von vorneherein ablehnt, denkt genau so ideologisch wie jene Kreationisten, die naturwissenschaftliche Argumente für die Evolutionstheorie nicht zur Kenntnis nehmen. Beiden Parteien gemeinsam ist das Desinteresse an der naturwissenschaftlichen Forschungslage. Wer sich dagegen für naturwissenschaftliche Sachverhalte interessiert, dem kann der Film nur empfohlen werden. Die Tagespost begann seinerzeit ihre Empfehlung des Films mit den Worten: “‘Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch’, schrieb Werner Heisenberg, ‘aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott’. Also auch über die Naturwissenschaft kann ein Weg zum Glauben führen, und das ist eine der Erkenntnisse, die der Film ‘Dem Geheimnis des Lebens nahe’ bietet.”

DVD “Dem Geheimnis des Lebens nahe”
Die wissenschaftliche Begründung von Intelligent Design
(Englischer Originaltitel: "Unlocking the Mystery of Life")
58 Minuten plus Bonusmaterial
Drei Linden Film, 2006

Website des Films

Trailer


Glaubwürdigkeit

In der aktuellen Ausgabe (1/2009) der Zeitschrift Universitas. Orientierung in der Wissenschaft, die dem Thema Werden und Vergehen - zum 200. Geburtstag von Charles Darwin gewidmet ist, schreibt ihr Herausgeber und Redakteur Dirk Katzschmann im Editorial: “Übernatürliche Erklärungen und die Existenz eines Schöpfergottes sind mit ihr [Darwins Evolutionstheorie] nicht in Einklang zu bringen – daran ändern auch die Versuche, den grundsätzlichen Widerspruch zwischen Religion und Evolutionstheorie durch Kreationismus und Intelligent Design wieder aufzuheben, nichts. Letztere sind ausschließlich weltanschaulich motiviert und entbehren jeder wissenschaftlichen Stichhaltigkeit.”

Der erste Satz ist natürlich sowohl unter Naturwissenschaftlern wie auch unter Philosophen umstritten. Eine Auseinandersetzung mit ihm ist solange müßig, wie es bei der bloßen Behauptung bleibt und die Argumente fehlen. Der zweite Satz dagegen ist einfach falsch. Er widerspricht den historischen Fakten, dass die bedeutendsten Vertreter des Intelligent Designs (der mit dem Kreationismus nicht in einen Topf geworfen werden darf) Naturwissenschaftler sind, die durch die naturwissenschaftlichen Befunde dazu bewogen wurden, an der Tauglichkeit von zufälliger Mutation und Selektion zur Erklärung hochkomplexer Organismen zu zweifeln. Zu ihnen gehört z.B. Michael Behe, der als gläubiger Katholik und Molekularbiologe den Kreationismus ablehnt und die Tatsache der Evolution annimmt. Aber seine wissenschaftliche Tätigkeit ließ ihn die üblichen Erklärungsmodelle hinterfragen. Darüber berichtet er in seinem Buch Darwins Black Box. Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie. Ebenso informiert darüber wie auch über andere naturwissenschaftliche Vertreter des ID der Film Dem Geheimnis des Lebens nahe.

Wer schon über solche einfach zu überprüfenden Fakten unzuverlässig berichtet, wie sollte der Glaubwürdigkeit beanspruchen in der Darstellung schwierigerer Sachverhalte, die zu überprüfen dem durchschnittlichen Leser unmöglich ist?

Lässt die Evolutionstheorie noch Platz für Gott?

Wie eine Antwort auf den eben zitierten Dirk Katzschmann liest sich ein Beitrag über Darwin und das Design, der am 21. Januar 2009 in der Wiener Zeitung erschienen ist und aus dem wir zwei Zitate bringen wollen:

“Wenn Wissenschafter die mögliche Existenz eines Intelligent Designers kategorisch negieren, dann entbehrt diese Ablehnung jeder rationalen Grundlage. Niemand hat jemals wissenschaftlich bewiesen, dass es keinen solchen Designer gibt. Freilich kann man als Wissenschafter aber die Theorie vertreten, dass es keinen Gott gibt.”

“Dass die Evolution aber ausschließlich auf Zufall beruht, ist eine theoretische Annahme, die bisher nicht zu beweisen war. Die Möglichkeit der Existenz eines Schöpfers, der schon vor der Entstehung des Lebens da war und dasselbe initiiert haben könnte, muss daher auch nach streng wissenschaftlichen Kriterien zugelassen werden.”

Der Autor Marcus Franz ist Facharzt für Innere Medizin in Wien.


Weitere Beiträge zum Thema:

Der Streit um die Evolution

Johannes Schwarte: Biologie als Leitwissenschaft?

Wie seriös ist Dawkins?

Die neuen Atheisten

JPII: Gegen die atheistische Abdankung des Verstandes

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