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Zum „Marienlied“ von Joseph von Eichendorff

Von Dr. René Strasser

In ein allgemeineres Bewusstsein eingegangen ist Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857) als Sänger des deutschen Waldes und als Dichter jugendlichen Wanderns. So zutreffend diese Bezeichnungen sein mögen, sie erschweren die unbefangene Schau auf das ganze Werk des Dichters. Dazu tragen auch die Bemühungen bei, ihn vom Christlichen zu befreien oder einseitig religiös zu interpretieren.

Ein Unterfangen, das ebenso zum Scheitern verurteilt ist, wie der Versuch, „Das wüste Land“ des früheren T.S. Eliot gegen den „Aschermittwoch“ oder die späteren „Vier Quartette“ auszuspielen.

Man wird kaum der Meinung beipflichten können, dass dort dichterische Substanz fehle, wo Eichendorff religiöse Themen gestaltet. Sicher wirken Gedichte wie „Mariä Sehnsucht“ oder „Die Flucht der heiligen Familie“ blass, und wir werden ihrer nicht recht froh. Dabei dürfen wir aber nicht außer Acht lassen, dass sich in den „Geistlichen Gedichten“ Verse von so unvergleichlicher Schönheit finden wie die drei Strophen des Gedichts „Mondnacht“:

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Dieses endgültige Nach-Hause-Gehen, das Finden der letzten Ruhe ist immer wieder Thema in Joseph von Eichendorffs Versen, so auch im Gedicht „Letzte Heimkehr“. Ein Wanderer kehrt nach Jahren aus der Ferne heim, zu des Vaters Tür.

Doch tot sind, die sonst aufgetan,
Verwandelt Hof und Habe,
Und fremde Leute sehn ihn an,
Als käm er aus dem Grabe;
Ihn schauert tief im Herzensgrund,
Ins Feld eilt er zur selben Stund.

Aber die Rückkehr an den Ort, von wo er einstens ausgegangen, das ist noch nicht die letzte Heimkehr. Dem alten Mann, „der nicht weiß, wohin sich wenden“, begegnet ein Bote, der ihn einlädt, mit ihm zu gehen. Als der alte Mann, dem der Weg beschwerlich wird, dem Boten klagt „ich kann nicht mehr“, erhält er zur Antwort:

Nun ruh zum letzten Male aus,
Wenn du erwachst, sind wir zu Haus.

Jedes Menschen Dasein steht so im Zeichen eines memento mori. Wie der Tag mit dem Abend sich zum Ende neigt, so das Leben des Wanderers mit dem Alter, und so wird das Abendrot für jeden Erdenwaller zum Morgenrot der Ewigkeit.

Für den letzten Aufbruch und Weg, für den endgültigen Heimgang fleht die Seele, wie auch in Joseph von Eichendorffs „Kirchenlied“, um Schutz und Beistand.

Aus dem dunklen Erdengrund
Leite liebreich mich hinaus,
Mutter, in des Vaters Haus!

Davon spricht auch das „Marienlied“. Die beiden Strophen, die sich nach dem Schema ababcdcd reimen, sind leicht zu verstehen, die Verse sind ganz einfach, fast volksliedhaft, rührend schlicht die kindliche Erwartung und Zuversicht, die sich in ihnen ausdrückt; sie scheinen an ein begütigendes Schlaflied zu erinnern. Es bleibt kaum etwas zu erörtern.

Lediglich der Zusammenhang von (Un-)Wettern und Glockenklängen, den Joseph von Eichendorff herstellt, bedarf möglicherweise einer Erläuterung.

In früheren Zeiten glaubte man, „durch die Glocken, als geweihte Werkzeuge, und durch die Luftbewegung des Schalles die Gewitterwolken vertreiben zu können“, weswegen bei Gewittern die Glocken geläutet wurden (Damen-Conversationslexikon 1834 – 1838, Bd. 4, S. 448).

So ist auch die alte Glockeninschrift vivos voco, mortuos plango, fulgura frango zu verstehen (die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich), die Friedrich Schiller seinem „Lied von der Glocke“ als Motto vorangestellt hat.

Marienlied

Wenn ins Land die Wetter hängen
Und der Mensch erschrocken steht,
Wendet, wie mit Glockenklängen,
Die Gewitter dein Gebet,
Und wo aus den grauen Wogen
Weinend auftaucht das Gefild,
Segnest du’s vom Regenbogen –
Mutter, ach, wie bist du mild!

Wenn’s einst dunkelt auf den Gipfeln
Und der kühle Abend sacht
Niederrauschet in den Wipfeln:
O Maria, heil’ge Nacht!
Lass mich nimmer wie die andern,
Decke zu der letzten Ruh’
Mütterlich den müden Wandrer
Mit dem Sternenmantel zu.

Und so kann der Schluss der zweiten Strophe auch als eine poetische und diskrete, mit feinstem religiösem Takt angedeutete Variante der abschliessenden Bitte des Ave Marias verstanden werden.

In memoriam Peter Fässler (1942 - 2006)


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