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Rezension: The Mission

Der Film "The Mission" spielt im 18. Jahrhundert, als in Südamerika die "Reduktionen", also die von den Jesuiten geleiteten Indianerrepubliken, ihren Höhepunkt erreicht haben und sich ihrem gewaltsamen Ende nähern. Eindrücklich wird geschildert, wie die Missionare unter der Leitung des Jesuitenpaters Gabriel (Jeremy Irons) Entwicklungshilfe leisten und den Indianerstamm der Guarani vor den skrupellosen Sklavenjägern schützen. Zu diesen gehört auch Mendoza (Robert de Niro), der sich jedoch bekehrt, Buße tut und sich schließlich den Jesuiten anschließt, um sein weiteres Leben dem Dienst an den Indianern zu widmen.
Der Erfolg der Reduktionen nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht erweckt den Neid der Kolonisatoren und der portugiesischen Regierung. Diese zwingt den römischen Nuntius, den Jesuiten die Aufgabe der Reduktionen zu gebieten, obwohl er sich selber auf einer Visitation vom segensreichen Wirken derselben überzeugen kann. Die Indianer sind über diese Entscheidung entsetzt und weigern sich, die Reduktion zu verlassen. Die Missionare ihrerseits befinden sich in einem furchtbaren Gewissenskonflikt. Ihre Entscheidung fällt unterschiedlich aus: Während Pater Gabriel sich insofern dem Befehl beugt, als er keinen Widerstand entgegensetzt, aber doch bei seinen Indianern ausharren will, entscheidet sich der feurige Mendoza zusammen mit zwei weiteren Jesuiten für den bewaffneten Kampf an der Seite der Indianer.
Das Ende ist tragisch: Weder Mendoza mit dem Gewehr noch P. Gabriel mit der Monstranz in der Hand können die heranstürmenden Truppen der Portugiesen aufhalten und ein furchtbares Blutbad unter den Indianern verhindern.

Der Film besticht durch große Realitätstreue und grandiose Bilder. Für die Kameraführung wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Freigabe ab 12 ist meiner Meinung nach zu niedrig angesetzt, und zwar nicht nur wegen einiger Gewaltszenen, sondern weil selbst der Erwachsene ohne geschichtliche Vorkenntnisse kaum in der Lage ist, die historische Dimension des Films zu würdigen.

Das Massaker unter den Guaranis hat es tatsächlich gegeben. Es läutete das Ende der Reduktionen einen. Deren Anfang geht in das Jahr 1609 zurück, als die Jesuiten in Guairá (im heutigen Paraná, Brasilien) die erste Reduktion gründeten. Die Reduktionen waren bei den Indianern so beliebt, daß eine Gründung auf die andere folgte, so daß es bald über 30 Reduktionen mit über 100000 Indianern gab. In ihnen blühten Landwirtschaft, Handwerk, Frömmigkeit und Kunst auf, besonders die Musik. Selbst Voltaire anerkannte sie als den "Triumph der Humanität".
Um sie vor der Ausbeutung durch die Kolonisatoren zu beschützen, erreichten es die Jesuiten, daß die Reduktionen unter den Schutz der spanischen Krone, die auf Drängen der Kirche Gesetze zum Schutze der Indianer erlassen hatte, gestellt wurden. Das änderte sich, als das Gebiet, auf dem sich ein Teil von ihnen befand, an Portugal abgegeben wurde, damals unter König Joseph Manuel I. (1750-1777). Doch de facto regierte sein Premierminister Marquis de Pombal, Freimaurer und ein Kind der Aufklärung. Die Kirche war ihm ein Dorn im Auge, und so versuchte er, sie in ihrem einflußreichsten Teil zu brechen: im Jesuitenorden. Dazu ging er über Leichen, die Leichen der Indianer: Er war es, der die Kirche zur Aufgabe der Jesuitenmission in Lateinamerika zwang, die Indianer den Sklavenjägern preisgab und jeden Widerstand blutig niederschlagen ließ.

Fazit: Die Kirche als Beschützerin der Indianer und Hüterin der Humanität wurde verfolgt, die Aufklärung, die im Zeichen der Humanität angetreten war, um den Einfluß der Kirche zu bannen, versagte kläglich und wirkte das Gegenteil.
PER

Daten zum Film:
The Mission, Großbritannien 1986
Regie: Roland Joffé
Buch: Robert Bolt
Kamera: Chris Menges
Musik: Ennio Morricone
Produzenten: Fernando Ghia, David Puttnam.
Darsteller: Robert De Niro, Jeremy Irons, Liam Neeson, Aidan Quinn, Ronald Pickup, Charles Low, Cherie Lunghi, Daniel Berrigan, Chuck Low, Ray McAnally.

2009 ist The Mission von einer niederländischen Fachjury zum besten katholischen Film aller Zeiten gewählt worden.


Hintergrund: Die Rolle Pombals


Das Ende der Reduktionen

Auf ein trauriges Jubiläum, nämlich das Ende der Reduktionen in Südamerika, macht in der Tagespostausgabe vom 26. August 2008 Winfried Henze aufmerksam: Das „heilige Experiment“ im Urwald. Vor 250 Jahren: Glanz und Zerstörung der Jesuitenreduktionen in Paraguay.

“Am 4. September 1758 löste die Nachricht von einem Attentat auf den König von Portugal einen Verleumdungsfeldzug gegen die Jesuiten aus, dem in wenigen Jahren der größte Orden der Kirche zum Opfer fiel. Mit in die Zerstörung gerissen wurden dabei auch die ‘Reduktionen’ von Paraguay, die als ‘heiliges Experiment’ Kirchengeschichte gemacht haben.”

Über dieses Attentat auf Joseph I. wurde auf kath-info bereits in Zusammenhang mit der Biographie des Jesuitenmissionars Gabriel Malagrida berichtet.

Über die Anfänge der Reduktionen berichtet Henze, dass König Philipp III. von Spanien 1608 der Gesellschaft Jesu die Mission der Indios übertrug und die Reduktionen direkt der Krone unterstellte. Die erste Jesuitenreduktion Paraguays namens San Ignacio wurde im darauffolgenden Jahr von Pater Marcial Lorenzana und einem Guarani-Kaziken, also einem Stammesoberhaupt der Guarani, gegründet. Die Guarani waren ein weit verbreitetes Indianervolk jener Region.

Bei Peter Berglar können wir Genaueres darüber nachlesen: “Am Tage vor Heiligabend, am 23. Dezember 1609, gründete Pater Lorenzana, 60 km nördlich des Paraná, 125 km östlich von Asunción, die erste Guarani-Niederlassung zu Ehren des Stifters der Gesellschaft Jesu ‘San Ignacio’ genannt - mit dem Beiwort ‘Guazu’, was ‘älter’ bedeutet, im Unterschied zu San Ignacio-Mini, das schon ein Jahr später 1610, zugleich mit dem dritten Dorf, San Loreto, erstand; diese beiden unter der Führung und Obhut der italienischen Patres Cabaldino und Maceta. Zwischen 1611 und 1623 erwuchsen im Missionsbereich der Patres Montoya und Guayrá elf weitere Reduktionen.” (Berglar, Der “Jesuitenstaat” in Paraguay, in: Verhängnis und Verheißung, Bonn 1963, S. 190 f). Nach Henze entstanden schließlich 30 Reduktionen mit mehr als 100000 Einwohnern.

Die Unterstellung unter die Krone bedeutete für die Indianer Freiheit und Schutz vor Versklavung. Philipp III. befahl dem Gouverneur von Asunción, dafür zu sorgen, dass die Indianer genau so frei seien wie alle anderen Untertanen des Königs. Es waren die Jesuiten gewesen, die jahrelang für die Freiheit der Indianer gekämpft hatten und dafür büßen mußten: Sie wurden von den Sklavenhaltern angefeindet, verleumdet und z.B. aus Santiago des Estero vertrieben. Nach der Gründung der Reduktionen spitzte sich die Auseinandersetzung zu. Henze berichtet darüber:
“Vom portugiesischen Sao Paulo zogen bewaffnete Sklavenjägerhorden aus und schleppten Indios auf die Märkte von Rio de Janeiro und Bahia, zwischen 1612 und 1638 insgesamt an die 300000. Um der Vernichtung zu entgehen, verlegten die Jesuiten ihre Missionsdörfer weiter ins Land hinein. Damals zog der Pater Ruiz de Montoya ganz allein an der Spitze von 12000 Indios nach Westen. Er war es auch, der schließlich nach Madrid und Rom reiste, um an höchster Stelle für seine Indios zu streiten. Er erreichte die Erlaubnis, sie mit Feuerwaffen auszurüsten und die Reduktionen mit Festungswällen zu umgeben. 1641 siegten die Guarani-Truppen bei Mbororé über 3000 Bandeirantes, erbeuteten 300 Flöße und 400 Handfeuerwaffen. Von 1656 an gab es keine Überfälle mehr. Es gab hundert Jahre ruhige Entwicklung.”

Henze gibt einen interessanten Einblick in die Organisation der Reduktionen und das Leben in ihnen. Die Jesuiten “übergaben die Verwaltung, die Rechtspflege sowie die Organisation der gemeinsamen Arbeit in Landwirtschaft und Handwerk den mit ausgewählten Guarani besetzten ‘Cabildos’ (Räten), behielten aber die Gesamtleitung. Die Strafjustiz war milde. Höchststrafe war die Ausweisung aus der Reduktion. Der ‘Jesuitenstaat’ war damals das einzige Territorium auf der Welt ohne Todesstrafe.”

Über das Ende der Reduktionen berichtet Henze: “Am 24. Mai 1768 setzte sich in Buenos Aires eine Flotte mit 1500 Soldaten an Bord in Bewegung, den Rio Paraná hinauf. Der Gouverneur Francisco Bucarelli hatte im Gepäck das Dekret König Karls III., das die Jesuiten aus allen Ländern der Krone auswies. Der Orden war zunächst in Portugal, dann in Frankreich und Spanien verboten worden. Beigetragen hatte dazu der ‘Guarani-Krieg’, in dem sich die Indios von 1753 bis 1756 gegen die Ausweisung aus ihrem Gebiet gewehrt hatten, das in einem Grenzvertrag von Spanien an Portugal gefallen war. Die Jesuiten waren dabei nicht militärisch aktiv gewesen, wurden aber dennoch beschuldigt.”

Die Vertreibung der Jesuiten, die Zerstörung der Reduktionen und die Preisgabe der Indianer an Sklavenjäger und Ausbeuter waren das Werk der Kräfte der Aufklärung, allen voran Pombals. Es ist eine Verdrehung der Tatsachen, wenn heute die Aufklärung pauschal als Vorreiter von Humanismus und Menschenwürde gegen die Unterdrückung durch die Kirche dargestellt wird. Ein Blick auf die Geschichte der Reduktionen zeigt, dass es genau umgekehrt war. Die Indianer hatten keine anderen Anwalt für ihre Recht als die Kirche, vor Ort verkörpert in der Gesellschaft Jesu. Als diese der Gewalt weichen mußte, verloren die Indianer ihre einzige Stütze. Einen Einblick in die Dramatik und Tragödie jener Zeit liefert der Film The Mission.


Dominikaner verteidigen die Indios

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