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Der Analphabetismus der Gefühle und die Kultur der Liebe

Von Livio Melina

In der Audienz für das Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie am 11. Mai 2006 hat Benedikt XVI. an die grundlegende Idee erinnert, die das Erbe Johannes Pauls II. ist und die diesen in seinem Leben und in seinem Hirtendienst stets begleitete: die Idee, dass man „die Jugendlichen lieben lehren“ muss. Dieser Ausdruck scheint nur schwer verständlich. Was heißt „lieben lehren“? Ist die Liebe etwa nicht das Spontanste, das man sich vorstellen kann? Ist sie nicht etwas, das sich unserer Kontrolle vollkommen entzieht – etwas, das einfach geschieht und über das wir keine Macht haben? Was ist die Liebe, wenn es heißt, dass es notwendig ist, lieben zu lernen? Die Liebe ist keine Idee und auch kein ethischer Entschluss, so sagt Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika, sondern sie ist vor allem eine Erfahrung, »die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt« (Deus caritas est, Nr. 1). Sie ist nicht nur ein Gebot, sondern eine Antwort auf das Geschenk der Liebe, das uns entgegengebracht wird.

Die Erfahrung der Liebe ist ein Abenteuer, ein Risiko, das man eingehen muss. Sie ist eine Dynamik, die das Leben vorantreibt – hin zu einer neuen, unbekannten Fülle. Wir sollen uns nicht nur an einem Gefühl erfreuen, das wir zufällig für jemanden empfinden, sondern wir sollen lernen zu lieben, also Subjekte zu werden, die wirklich fähig sind zu lieben. Das Abenteuer der Liebe ist kein einfaches. Die Liebe bringt uns aus dem Gleichgewicht, weil sie uns aus unserer Ichbezogenheit herausführt und uns der Realität einer anderen Person gegenüberstellt, die mit ihrer Anwesenheit in unser Leben einbricht, unvorhersehbar und unbekannt, und dennoch so faszinierend in ihrem undurchdringlichen Geheimnis. So erscheint uns die Liebe also als ein Weg, der manchmal schwierig und steil ist, der von uns verlangt, in die neue Dimension des Dialogs mit dem anderen einzutreten, um zusammen eine Lebensgemeinschaft aufzubauen.

Was wäre das Leben ohne Liebe? In seiner ersten Enzyklika Redemptor hominis sagte Johannes Paul II.: »Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen; sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält« (Nr. 10). Sein Leben ist zum Scheitern verurteilt, wenn er nicht der Liebe begegnet und nicht lernt zu lieben. Der Übergang von der Liebe zur Fähigkeit zu lieben ist schwer, denn zu lieben bedeutet sich hinzugeben, dem anderen keine Dinge, sondern sich selbst zu geben, sich dem anderen hinzugeben. Und das geschieht weder unmittelbar, noch ist es selbstverständlich. Hier klingen die großen Worte der Konzilsväter nach: »Der Mensch, der auf Erden die einzige von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist, kann sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden« (Gaudium et spes, Nr. 24). Es ist das Paradoxon des Evangeliums: »Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt? … Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten« (Lk 9, 24-25).

Der Liebe begegnen und lieben lernen ist vor allem für die jungen Menschen heute besonders schwer. Neue, nie da gewesene Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg, und diese müssen klar erkannt werden. Um lieben zu lehren oder zu lernen, muss man sich einer epochalen Herausforderung stellen und eine Kultur wieder aufbauen, ein menschliches Umfeld, das die Person formt und sich einer Gegenkultur widersetzt, die verhindert zu lieben. Meine Überlegungen bestehen aus zwei Schritten: In einem ersten möchte ich die Gegenkultur genauer beleuchten, die die Liebe unmöglich macht. In einem zweiten Schritt werde ich versuchen, die Wege abzustecken, die zum Wiederaufbau einer Kultur der Liebe führen, die nicht nur für jede einzelne Person, sondern auch für die Gesellschaft als Ganze so entscheidend ist.

1. Der Analphabetismus der Gefühle und die Gegenkultur der Autonomie: die Familie „liquidieren“

Vielleicht erinnern sich einige noch an den englischen Butler mit Namen Stevens aus dem Film „Was vom Tage übrig blieb“ (USA 1993) des Regisseurs James Ivory. Der Butler war sehr formal, untadelig und naiv, absolut unfähig, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, vor denen er Angst hatte. In der dramatischen und überzeichneten Handlung bevorzugt der Butler die kalte Steifheit leerer und formaler Beziehungen, an die er sich in seiner Rolle gewöhnt hat. Eine lebendige Beziehung zur Gouvernante hätte ihn aus dem Gleichgewicht geworfen. Zwanzig Jahre später gesteht ihm die Gouvernante ihre Liebe. Stevens ist verlegen und unfähig, das tiefe Gefühl, das er trotz allem in seinem Herzen verspürt, anzunehmen und zum Ausdruck zu bringen. Die Figur erregt Heiterkeit, weil sie dem Klischee des unterkühlten Engländers vergangener Zeiten entspricht und nicht viel mit uns zu tun zu haben scheint. Die Steifheit jener puritanischen Gesellschaft, die ihre Gefühle unterdrückt, scheint in einem radikalen Gegensatz zu stehen zu der Welt, in der wir leben und in der die scheinbare Abwesenheit von Regeln uns die volle Freiheit schenkt, unsere Gefühle zu zeigen und nach eigenem Ermessen in die Tat umzusetzen.

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Es handelt sich bei diesem Text um das vierte Kapitel des hervorragenden Buches Livio Melina, Für eine Kultur der Familie: Die Sprache der Liebe; Altötting: Grignion Verlag 2015.


Recktenwald: Gottes Liebe als Quelle der Moralität

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