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Embryo
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* * *

24. August
Die Ungerechtigkeit Gottes

Zum morgigen elften Sonntag nach Pfingsten kann ich zwei Predigten anbieten: Das Zeugnis, an dem alle Versuche der Entmythologisierung scheitern, und Er hat alles wohl gemacht.


24. August
Zeuge des Evangeliums

Der Bischof hat die Lehre der Kirche zu vertreten. Er stellt diese nicht zur Disposition. Ja, von einem Bischof erwarten wir noch immer – auch und gerade heute –, dass er nicht seine Privatideen verkündet oder geschmeidig sich gängigen Meinungen anpasst, sondern Zeuge des Evangeliums und Nachfolger der Apostel ist.

Aus: Thorsten Paprotny, Der "Synodale Weg" – eine Chance für die Neuevangelisierung?


23. August
Der Streit um die Religionsfreiheit

Was die Piusbruderschaft in ihrer Kritik am Konzil übersieht

Von P. Engelbert Recktenwald

Dieser Aufsatz erschien zuerst im Vatican-Magazin im Februar 2011

Der Protest des Papstes gegen Übergriffe auf Christen und seine Forderung, die Religionsfreiheit zu achten, stoßen immer wieder auf heftige Kritik. So hat sich etwa die ägyptische Regierung gegen eine “inakzeptable Einmischung in innere Angelegenheiten” verwahrt und ihre Botschafterin beim Vatikan zurückberufen. Aber es sind nicht nur christentumsfeindliche Kräfte, die an den päpstlichen Appellen Anstoß nehmen. Kritik kommt auch von einer Seite, von der man es nicht vermutet und die sich ganz besonders katholisch wähnt: von der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Hier gibt es Stimmen, die das Eintreten Benedikts XVI. für die Religionsfreiheit “einen gotteslästerlichen Wahnsinn” nennen (Rundbrief des Rheinhausener Priorats vom August 2010). Die Begriffsverwirrung lässt grüßen! Ist es in Piusaugen Gotteslästerung, wenn sich der Papst gegen die blutige Verfolgung von Christen wendet? Natürlich nicht! Aber man findet die Religionsfreiheit gotteslästerlich, weil sie keinen Unterschied zwischen den Religionen macht und deshalb Christus auf dieselbe Stufe mit Mohammed und Buddha stellt. Da kann man nicht heftig genug gegen den Papst hetzen, wie es der von einem Piusbruder geschriebene Rundbrief zeigt: wahnsinnige Hybris, liberales Gift, mit dem auch der Antichrist arbeiten werde, Fortsetzung der Vatikanum-II-Revolution, ja sogar das Gesetz Satans: das sind die Schandtaten, die demjenigen Papst, der sie von der Exkommunikation befreite, unterschoben werden.

Nun könnte man die Frage stellen, ob z.B. die kommunistischen Regime, als sie religiöse Menschen verfolgten, nur dann Unrecht verübten, wenn diese Menschen Katholiken oder wenigstens Christen waren? Dieser Frage stellt sich die Piusbruderschaft in der Regel nicht, und zwar deshalb, weil sie in ihrer Reflexion über die Religionsfreiheit nicht in der heutigen Welt lebt, sondern in jener vergangenen, als es noch katholische Staaten gab. Der Papst spricht zur Gegenwart: Wenn er Religionsfreiheit fordert, dann fordert er den Schutz der Gläubigen jeglichen Glaubens vor staatlicher Willkür. Das ist die Situation von heute. In den Ohren der Piusbrüder erhalten die Worte des Papstes einen anderen Sinn. Sie hören: Abschaffung des katholischen Staates, Gleichstellung der katholischen Kirche mit allen Sekten und Relativierung der christlichen Wahrheit. “Dann können wir sofort alle Gebote, alle Sakramente, alle anstrengenden Gebetsabende usw. abschaffen und nach Lust und Laune leben,” folgert unser bereits zitierter Piusbruder aus der Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag, die unter dem Motto steht: “Religionsfreiheit, der Weg zum Frieden.”

So sehr es jedem bei Sinnen Gebliebenen offenkundig ist, dass in dieser Deutung der Sinn der päpstlichen Worte auf den Kopf gestellt wird, so hilfreich ist diese Missdeutung, um den Wandel zu begreifen, den der Begriff der Religionsfreiheit durchgemacht hat. Im 19. Jahrhundert wurde die Religionsfreiheit von der Kirche verurteilt, im 20. wird sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von ihr eingefordert. Bedeutet die Lehre des Konzils also eine Revolution, wie die Piusbruderschaft meint? Natürlich nicht. Schauen wir uns die Sache näher an.

Im 19. Jahrhundert ging es der Kirche darum, den christlichen Grundwasserpegel gegen das Vordringen deistischer, atheistischer und agnostischer Strömungen zu halten. Diese benutzten die Gewissens- und Religionsfreiheit als Kampfbegriffe, um Staat und Gesellschaft zu entchristlichen. Dem setzte die Kirche die Verbindlichkeit der Wahrheit und der wahren Religion für menschliches und staatliches Handeln entgegen. Der Begriff der Gewissensfreiheit, den Gregor XVI. in seiner oft zitierten Enzyklika Mirari vos 1832 als Wahnsinn (deliramentum) verurteilte, und der entsprechende Begriff der Religionsfreiheit sind jene des Indifferentismus, der eine Gleichwertigkeit der Religionen und “die völlige Unabhängigkeit des Gewissens” (Pius XI. 1931 in Non abbiamo bisogno) lehrt. Selbstverständlich gibt es kein moralisches Recht auf den Irrtum. Diese Lehre der Kirche ist bis auf den heutigen Tag gleich geblieben. Auch das Konzil lehrt in seiner Erklärung über die Religionsfreiheit, dass die einzig wahre Religion in der katholischen Kirche verwirklicht sei und dass alle Menschen verpflichtet sind, “die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren. In gleicher Weise bekennt sich das Konzil dazu, daß diese Pflichten die Menschen in ihrem Gewissen berühren und binden.” Diese Zurückweisung des Indifferentismus ist der Hintergrund, auf dem alle dann folgenden Ausführungen über die Religionsfreiheit zu verstehen sind.

Schon Pius XI. hatte im erwähnten Rundschreiben Non abbiamo dem Begriff der Gewissensfreiheit eine positive Bedeutung gegeben. Für sie kämpfe die Kirche den guten Kampf. Zwar ist hier der Gedanke, dass die Gewissensfreiheit dem einzelnen Menschen unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit zukommt, noch nicht ausgesprochen, aber bereits sechs Jahre später rief derselbe Papst in Divini Redemptoris außer die Christen auch jene Menschen zum guten Kampf gegen den Kommunismus auf, “die noch an Gott glauben und ihn anbeten.” Nebenbei bemerkt: Nach Leuten wie P. Franz Schmidberger, dem deutschen Distriktsoberen der Piusbruderschaft, gibt es diese Menschen gar nicht, da nach ihrer Meinung selbst die Juden nicht an denselben Gott wie die Christen glauben. Pius XI. dagegen musste sogar an die Muslime gedacht haben, da er die an Gott Glaubenden für “die weitaus größte Mehrzahl der Menschen” hielt.

Die Erfahrung der Verfolgung aller Religionen durch den kommunistischen Staatsterror drängte immer mehr die Erkenntnis auf, dass in dieser Situation Christen und andere Religionsanhänger im selben Boot sitzen. Deshalb ist es kein Zufall, dass sich gerade auch Konzilsväter aus den kommunistischen Ostblockstaaten für die Religionsfreiheit stark machten, etwa Josef Kardinal Beran von Prag, der in einer Konzilsrede die schlimmen Folgen der “Verletzung der Gewissensfreiheit” schilderte. Tatsächlich wäre es reiner Zynismus, wenn die Kirche angesichts blutiger Verfolgung Freiheit allein für Katholiken, nicht aber für andere Menschen fordern würde. Es ging also darum, eine Lehre der Staatspflichten zu formulieren, die nicht die spezifische Situation bedrohter katholischer Staatsreligion im 19. Jahrhundert vor Augen hat, sondern die gegenwärtige Situation einer Pluralität von Religionen gegenüber Staaten, die von religionsfeindlichen Ideologien dominiert werden. Es ging nicht mehr um das Verhältnis von Staat und Kirche, sondern von Staat und Religion überhaupt. Dazu ist eine Abstraktion vom Wahrheitsgehalt der jeweiligen Religion nötig, die der katholischen Fundamentaltheologie immer geläufig war, nicht aber etwa der Dialektischen Theologie im protestantischen Raum. Während diese nur eine unversöhnliche Entgegenstellung von christlichem Glauben, der von oben komme, und menschlicher Religion, die von unten komme, kennt, geht die katholische Theologia von einer analogia entis aus, die die übernatürliche Gnade an die natürlichen Gegebenheiten anknüpfen läßt. Zu diesen Gegebenheiten gehört auch die religiöse Dimension des Menschen, seine Offenheit auf die Transzendenz hin. Der Mensch ist von Natur aus ein homo religiosus. Die Würde und Freiheit des “homo religiosus” muss geachtet werden, wie Papst Benedikt in seiner Ansprache vor dem diplomatischem Corps am 10. Januar 2011 betonte. In einer zunehmend säkularisierten Welt bedeutet das Recht auf Religionsfreiheit das Recht auf Religion. Benedikt hat es in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag prägnant formuliert: “Das Recht auf Religionsfreiheit ist in der Würde des Menschen selbst verankert, dessen transzendente Natur nicht ignoriert oder vernachlässigt werden darf. Gott hat Mann und Frau als sein Abbild erschaffen (vgl. Gen 1,27). Deshalb besitzt jeder Mensch das heilige Recht auf ein ganzheitliches Leben auch in spiritueller Hinsicht. Ohne die Anerkennung des eigenen geistigen Wesens, ohne die Öffnung auf das Transzendente hin zieht der Mensch sich auf sich selbst zurück, kann er keine Antworten auf die Fragen seines Herzens nach dem Sinn des Lebens finden und keine dauerhaften ethischen Werte und Grundsätze gewinnen, kann er nicht einmal echte Freiheit erfahren und eine gerechte Gesellschaft entwickeln.” Und am 10. Januar führte er aus, dass “die religiöse Dimension”des Menschen den “Maßstab für die Verwirklichung seiner Bestimmung und für den Aufbau der Gemeinschaft” bilde.

Ähnlich hat das Konzil das Recht auf religiöse Vereinigung in der gesellschaftlichen Natur des Menschen und im Wesen von Religion verankert. Es ist interessant zu beobachten, wie die Piusbruderschaft sich in der Deutung dieser Texte beharrlich weigert, jene für die katholische Theologie typische Abstraktion mitzuvollziehen und sich damit der Dialektischen Theologie annähert. Aufschlußreich ist die Lesart des Konzilstextes, wie sie der Dogmatiker der Piusbruderschaft P. Matthias Gaudron vorlegt, der ihn auf die Betätigung “eines falschen Kultes” bezieht (Civitas 10). Es ist so, wie wenn man das Elternrecht auf Erziehung leugnen wollte, weil die meisten Eltern ihre Kinder nicht katholisch erziehen, und man infolgedessen dieses Recht als ein Recht auf Irrtum missdeutet. Wenn die Kirche das Erziehungsrecht allen Eltern unabhängig von ihrem Glauben zuerkennt, bedeutet dies nicht die Anerkennung eines Rechts auf eine falsche Erziehung. Analog ist der konziliare Rechtsbegriff im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit zu denken. Es ist deshalb falsch, wenn Gaudron behauptet, das Konzil lehre “ein wahres Recht, in der öffentlichen Religionsausübung eines falschen Kultes nicht gehindert zu werden”. Das Konzil spricht nicht von falschen Kulten, sondern von der Religion überhaupt, so wie die Kirche in der Darlegung des Erziehungsrechts nicht von muslimischer Erziehung, sondern von Erziehung überhaupt spricht, obwohl das, was sie über das Elternrecht sagt, auch für muslimische Eltern gilt.

Zweiter Teil folgt

Ein weiterer Aufsatz zum Thema Religionsfreiheit


22. August
Das größte Geschenk

Der Film Das größte Geschenk feiert am 18. Oktober in München im Rio Filmpalast seine Deutschlandpremiere. Regisseur Juan Manuel Cotelo wird anwesend sein und für Gespräche zur Verfügung stehen, ebenso am 20. Oktober in Köln, wo der Film im Cineplex gezeigt werden wird.


22. August
Strukturen der Sünde

Erlebt die Kirche vielleicht gerade eine historische Transformation? Eine Dynamik der neuen Zusammengehörigkeit und Glaubenstreue – wider einer Pastoral der nationalen Sonderwege und Kompromisse? Im Zeitalter der Globalisierung muss sich kein Katholik mehr mit lokalen Hirtenworten zufrieden geben, wenn deren katholische Substanz auf Miniaturgröße geschrumpft ist. Dort, wo die „Strukturen der Sünde“ ein nationales kirchliches System so prägen, dass eine authentische katholische Verkündigung und Binnenkultur nahezu verunmöglicht wird, darf der individuelle Gläubige die Hirten, an denen er sich persönlich orientieren möchte, in Übereinstimmung mit seinem Gewissen frei wählen.

Stefan Meetschen im Leitartikel der Tagespost von heute.


21. August
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Die Predigt Gebt dem Teufel nicht Raum ist in die Unterscheidungsseite eingebettet worden. Die Kurzvorstellung von Georg Mays Buch 300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie findet sich auf der Rezensionsseite zu Sheeds Theologie für Anfänger. Den bemerkenswerten Tweet des australischen Weihbischofs Richard Umbers über die Zukunftsfähigkeit des überlieferten Ritus ist auf die einschlägige Themenseite verschoben worden (ganz unten).


21. August
Solidaritätstag für verfolgte Christen

Am Sonntag, den 15. September, veranstaltet Kirche in Not in Augsburg wieder den jährlichen Solidaritätstag für verfolgte Christen. Er beginnt um 15 Uhr im Haus St. Ulrich.


20. August
Jahresranking: Die Aufsteiger des Jahres: Die Top 30

Dritter Teil

Welche von 647 Seiten (die 14 Neueinsteiger werden nicht mitgerechnet) haben 2018 im Ranking die größten Sprünge nach oben gemacht? Ich gebe die Top 30 in drei Schritten bekannt. Hier kommen die Plätze 23 bis 30. In der rechten Spalte ist die Anzahl der Plätze angegeben, um welche die jeweilige Seite im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

Platz Die Aufsteiger des Jahres 2018
Die Plätze 23 bis 30
gestie-
gene Plätze
23

Gabriele Kuby, Only you. Eine Rezension

152
24

Libermann: Grundsätze bei der Verwaltung des Pfarramtes

149
25

Cordelia Spaemann: David Jones / Paul Misraki

146
26

Katrin Krips-Schmidt: Julien Green und seine Tagebücher

144
27

Michael Hanke: Dichtung als Gottesdienst. Über Gerard Manley Hopkins

143
28

Recktenwald: Zum Streit um den päpstlichen Amtsverzicht

141
29

Max Ettinger: Der Philosoph Joseph Geyser

138
30

Gerhard Hermes: Wunder - Kern des Christentums

134

Zu den Top 20


19. August
Walter Thirring

Vor fünf Jahren, am 19. August 2014, starb in seiner Geburtsstadt Wien im Alter von 87 Jahren der Naturwissenschaftler Walter Thirring. Er war einer der großen Physiker, die noch Albert Einstein persönlich kannten. Er arbeitete u.a. mit Erwin Schrödinger, Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli zusammen und verfasste unter vielen anderen bahnbrechenden Arbeiten das Standardwerk Lehrbuch der Mathematischen Physik I-IV (1977–1980), über das geurteilt wurde: “Die Informationsdichte und die Fülle tiefer Einsichten in diesem Werk ist atemberaubend. Sie wird noch für viele Generationen ein Goldstandard der mathematischen Physik bleiben” (Jakob Yngvason im Nachruf der Universität Wien).
Im Buch Kosmische Impressionen: Gottes Spuren in den Naturgesetzen geht er Grenzfragen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften nach und sieht - ähnlich wie Francis S. Collins und Richard Swinburne - in der Feinabstimmung des Kosmos ein starkes Indiz für die Existenz Gottes. Von Thirring war Kardinal Schönborn inspiriert, als er am 7. Juli 2005 in der New York Times die atheistische Konzeption der Evolutionstheorie kritisierte und dadurch weltweit heftige Polemik seitens aggressiver Atheisten und philosophisch ungebildeter Naturwissenschaftler provozierte.


17. August
Der sichere Lottogewinn

Eine Predigt zum morgigen 10. Sonntag nach Pfingsten.


17. August
Das Zitat

Wer den Frieden erwirbt und in seinem Herzen bewahrt, um den herum werden Tausende Rettung finden und zum Heil gelangen.

Seraphim von Sarow


5. August
Morlinobrief

Vor einem Jahr, am 18. August 2018, veröffentlichte Bischof Robert C. Morlino von Madison seinen Brief an die Gläubigen über den anhaltenden sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die Aufrichtigkeit, mit der er dieses Krebsgeschwür in der Kirche wahrnimmt, und der Mut, mit dem er die nötigen praktischen Konsequenzen daraus zieht, könnten als Vorbild für den synodalen Weg in Deutschland dienen - wenn man nur wollte.


5. August
Benedikt ist besser informiert

Wenn Wolf, Striet und andere Vertreter der Theologen-Zunft keinerlei Zusammenhang zwischen gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungen und der Zunahme sexuellen Missbrauchs in und außerhalb der Kirche sehen können oder wollen, dann offenbaren sie genau jene fahrlässige Ignoranz und ideologische Verbohrtheit, die sie ihrem Gegenüber meinen vorwerfen zu müssen. Man muss Benedikts Ausführungen gewiss nicht in allen Einschätzungen teilen, eines aber wird man festhalten dürfen: Im Blick auf die genannten Zahlen, Daten und Fakten erweist sich der 92-jährige Benedikt erheblich besser informiert als seine besserwisserischen Kritiker.

Aus: Dominikus Kraschl, „Binsenwahrheit: Es hat zu allen Zeiten sexuelle Übergriffe gegeben“

Weitere Infos zum Thema


5. August
Savina Petrilli

Vor 150 Jahren, am 15. August 1869, legte die selige Savina Petrilli (1851-1923) in Siena in der von ihr gegründete Kongregation der Schwestern der Amen von der hl. Caterina von Siena ihre Ordensprofess ab. Als sie starb, hatte sich die Kongregation bereits über drei Kontinente ausgebreitet mit 500 Schwestern in 52 Häusern. Ordensziel ist das Apostolat an der verwahrlosten Jugend und den Kranken. Am 24. April 1988 wurde Savina Petrilli seliggesprochen.


4. August
Reinhard Lauth

Vor 100 Jahren, am 11. August 1919, wurde im rheinländischen Oberhausen der Philosoph Reinhard Lauth geboren. Seit 1954 lehrte er in München. Kirchenpolitisch war er Traditionalist, philosophisch Anhänger und international anerkannter Experte und Herausgeber der Werke Fichtes (eine anregende, für manche auch anstößige Kombination). Seine Vorlesungen über Transzendentalphilosophie hinterließen bei seinen Hörern einen tiefen Eindruck. Zu seinen Studenten gehörten die späteren Patres Franz Schmidberger, Klaus Wodsack, Michael Wildfeuer und Franz Prosinger. Auch Jörg Splett wurde von ihm inspiriert: “Reinhard Lauth verdanke ich die Ergänzung der ‘Evidenz’ durch die ‘Sazienz’ (vom mittellateinischen ‘sacire’ = Ergreifen, noch in ‘saisir’ erhalten): dem Aktiv wie Passiv voranzustellen ist das Medium des Sich-ergreifen-Lassens.” Am 23. August 2007 starb er in München.


4. August
Eustáquio van Lieshout

Vor 100 Jahren, am 10. August 1919, wurde in Ginneken (Bavel) der selige Eustáquio van Lieshout (1890-1943) zum Priester geweiht. Der mit der Gabe der Heilungen begnadete Niederländer kam 1925 nach Brasilien, wo er ungezählte Menschen bekehrte. Am 15. Juni 2006 wurde er seliggesprochen.


4. August
Manuel Medina Olmos

Vor 150 Jahren, am 9. August 1869, wurde im spanischen Lanteira der Märtyrer Manuel Medina Olmos geboren. 1891 zum Priester geweiht, wurde er 1928 zum Bischof von Guadix ernannt. Seine besondere Sorge galt den Armen. Zusammen mit Bischof Diego Ventaja Milan von Almeria wurde er im Spanischen Bürgerkrieg am 5. August 1936 gefangengenommen und am 30. August in der Schlucht El Chisme nahe Vícar bei Almería ermordet. Bei Bischöfe wurden am 10. Oktober 1993 zusammen mit sieben Schulbrüdern, die ebenfalls der Märtyrertod erlitten, seliggesprochen.


3. August
Der ungerechte Verwalter

Eine Predigt zum morgigen achten Sonntag nach Pfingsten.


3. August
Albert Werminghoff

Vor 150 Jahren, am 3. August 1869, wurde in Wiesbaden der Historiker Albert Werminghoff geboren. Er lehrte als Professor in Königsberg und Halle. “Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten bekunden seine große Gelehrsamkeit wie seinen unermüdlichen Fleiß und sind voller Anregungen. Sein bedeutendstes Quellenwerk sind die beiden Bände der karolingischen Konzilien in den Monumenta Germaniae (1904/08); sein bisher unerreichtes darstellendes Werk ist seine Verfassungs-Geschichte der deutschen Kirche im Mittelalter (1905, 21913)” (LTthK, 1. Auflage, 1938). Werminghoff starb am 2. Februar 1923 in Halle.


2. August
Monatsranking Juli 2019

Platz Monatsranking Juli 2019
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 660 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Zitatensammlung

+ 2
2

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
3

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 2
10

Robert Spaemann

+ 24
20

Katholische Kirche und Nationalsozialismus

- 13
30

Über Karl Rahner

+ 17
40

Julius Bachem: Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

+ 26
50

Martin Ramm: Der Widerstand der katholischen Jugend im Dritten Reich

- 10
60

Johannes Paul II. über Pseudotheologie

+ 161
100

Recktenwald: Die Liebe als Schlüssel zur Erkenntnis

+ 89

Zum Ranking der Vormonate


1. August
NkF

Die Neue katholische Frauenbewegung, die am 14. Juni in Ingolstadt gegründet wurde, hat seit kurzem eine eigene Internetpräsenz.


1. August
Mark Gabriel

Vor 25 Jahren, im August 1994, fand Mark Gabriel zum Glauben an Christus. Er war ursprünglich Muslim, Professor an der Kairoer Al-Azhar-Universität, die eine große Autorität im sunnitischen Islam genießt. Am 17. Dezember 1991 wurde er von seinem Posten abgesetzt, weil er nicht mehr an den Koran glauben konnte. Kurz darauf wurde er von der Geheimpolizei entführt und gefoltert. 1994 verließ er Ägypten. Er ist Verfasser des Buches Islam und Terrorismus, in dem er den religiösen Wurzeln des islamistischen Terrors nachgeht.


31. Juli
Die Zahlen bestätigen Benedikt

Die Erhebungen der Klasnic-Kommission, die in Österreich die kirchlichen Missbrauchstaten aufgearbeitet hat, bestätigt die Ursachenanalyse von Papst Benedikt: “Betreffend den Zeitraum der Vorfälle (jeweils Beginn) kann eine eindeutige Konzentration auf den 1960er und 1970er Jahren ausgemacht werden” (Zwischenbericht von 2012, S. 31). Darauf macht Dr. Christian Behrendt in einem Leserbrief an die Tagespost vom 27. Juni 2019 aufmerksam. Nach dem Stand der Aufarbeitung von 2019 begannen gerade einmal 14 % der Missbrauchsfälle vor 1960 (ab 1940), während in den 60er und 70er Jahren, also in dem Zeitraum, in dem der Geist der 68er wirksam war (in Österreich seit 1962), 67,9 % der Missbrauchsfälle begannen.

Das Gleiche gilt die Entwicklung in den USA. Der Jay Report von 2011 The Causes and Context of Sexual Abuse of Minors by Catholic Priests in the United States, der die Jahre von 1950 bis 2010 erfasst, bestätigt ebenfalls Benedikts Analyse, wenn es dort heißt: „Während der hier beobachteten Periode wuchs die jährliche Angabe von Fällen sexuellen Vergehens durch Priester fortwährend bis zur Kulmination in den späten 1970ern bis zu den frühen 1980ern” (Paul Josef Cordes, Ein Alarmruf, Tagespost vom 25. Juli 2019).

Damit ist sowohl die Kritik von Kardinal Schönborn wie auch die einschlägige Polemik von Magnus Striet gegen den emeritierten Papst erledigt.


31. Juli
Das Zitat

Es gibt nichts Unnützeres als einen Christen, der sich nicht bemüht, andere Menschen zu retten. Sage nicht: Es ist mir unmöglich, andere zu beeinflussen. Wenn du wirklich Christ bist, sollte es unmöglich sein, dass nichts geschieht.

Hl. Johannes Chrysostomus


30. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Die Predigt Ist Gott geizig? wurde in die Barmherzigkeitsseite eingebettet. Mein Artikel Wenn der Inhalt stört findet sich auf derselben Seite wie mein Artikel Demagogische Mission. Die deprimierende Beobachtung George Weigels über die damnatio memoriae Johannes Pauls II. auf der Jugendsynode habe ich auf der Seite zur Familiensynode untergebracht.


30. Juli
Christobal Magallánes

Vor 150 Jahren, am 30. Juli 1869, wurde in San Rafael, Totatiche, Mexiko, der Priester Christobal Magallánes geboren. Er war ein Förderer der sozialen Erneuerung Mexikos, Gründer landwirtschaftlicher Schulen und Lehrwerkstätten und ein Presseapostel (Ferdinand Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 4, S. 46). In der mexikanischen Katholikenverfolgung wurde er am 25. Mai 1927 erschossen. Zusammen mit 24 weiteren mexikanischen Märtyrern wurde er am 22. November 1992 seliggesprochen.


29. Juli
Die Kunst, es nicht gewesen zu sein

Von Lorenz Jäger

Autsch, das tat weh, was der emeritierte Papst da geäußert hatte. Unter den Ursachen der Missbrauchstragödie in der Kirche machte er nämlich auch eine wesentliche namhaft, die im Zuge der großen Kulturrevolution, die wir kurz mit der Jahreszahl 1968 verbinden, von außen in die Kirche eingedrungen sei: „Zu der Physiognomie der 68er Revolution gehörte, ...
weiterlesen


28. Juli
Früchte der Heiligkeit...

...und was Viktor E. Frankl damit zu tun hat.
Meine Predigt von heute.


28. Juli
Pierre Parisot

Vor 250 Jahren, am 28. Juli 1769, starb in Commercy im Alter von 66 Jahren der Kapuziner Pierre Parisot OFMCap. Kirchenpolitisch spielte er eine traurige Rolle: In der Mission in Pondichéry “geriet er wegen Jurisdiktions- und Ritenfragen in Streit mit den Jesuiten, die er dann bis zum Tod leidenschaftlich bekämpfte.” Von 1760 bis 1763 war er in Lissabon ein Gehilfe Pombals, der die Jesuiten auf eine Weise bekämpfte, dass sogar Voltaire das ungerechte Vorgehen des Freimaurers Pombal als entsetzliche Bosheit verurteilte (cf. das Schicksal Malagridas SJ).


27. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Für den Gnadenstuhl wurde eine eigene Seite eingerichtet. Die Predigt über die Warnung des Herrn vor der ängstlichen Sorge wurde in die Vorsehungsseite eingebettet. Die Absage Annemarie Piepers an eine biologistische Erklärung der Moral wurde dem Schwarte-Artikel über die Biologie als Leitwissenschaft der Zukunft hinzugefügt (ganz unten).


27. Juli
Zanobi Acciajuoli

Vor 500 Jahren, am 27. Juli 1519, starb in Rom im Alter von 58 Jahren der Dominikaner Zanobi Acciajuoli OP. In Florenz geboren, entdeckte er durch Savonarola seine Berufung und trat 1495 ins Kloster San Marco ein. Von Leo X. (1513-1521) “wurde er 1518 zum Vorsteher der vatikanischen Bibliothek und des Archivs in der Engelsburg ernannt, das er neu ordnete und inventarisierte” (LThK, 1. Auflage).


26. Juli
Das eingepflanzte Wort der Wahrheit

In der renommierten Reihe Stuttgarter Bibelstudien ist jetzt als Band 243 ein Buch zur Struktur und zum Grundgedanken des Jakobusbriefs erschienen mit dem Titel Das eingepflanzte Wort der Wahrheit.
Autor ist Franz Prosinger, einer der dreizehn Gründer der Priesterbruderschaft St. Petrus.

Franz Prosinger
Das eingepflanzte Wort der Wahrheit. Struktur und Grundgedanke des Jakobusbriefes.
Katholisches Bibelwerk, 24. Juli 2019
kartoniert, 288 Seiten


26. Juli
Mit Stil und Analysekraft

Nachdem der von Philipp Liehs geführte Renovamen-Verlag bereits im vergangenen Jahr mit der Veröffentlichung von Bellocs “Der Sklavenstaat” einen beachtlichen Griff in die Schatzkiste der katholischen Klassiker gemacht hat, setzt sich dies mit “Die großen Häresien” fort. Man kann die Lektüre des Buches sehr empfehlen, weil Hilaire Bellocs Stil und Analysekraft nichts an Aktualität verloren hat. Es ist ein Buch, das geradezu wie für unsere Zeit geschrieben zu sein scheint, da auch in der Kirche keineswegs mehr sicher ist, wer noch katholisch ist und was Katholisch sein überhaupt bedeutet.

Aus: Stefan Meetschen, Wie ein katholischer Donner. Hilaire Bellocs “Die großen Häresien” sind erstmals auf Deutsch erschienen, in der Tagespost von gestern.


24. Juli
Steinbruchmentalität

Wer von Erneuerung spricht und faktisch Spaltungen befördert, hegt oft die besten säkularen Absichten. Aber nur Einer durfte und konnte von sich begründet sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wer sich aus den Worten Jesu eine postmoderne Lebensphilosophie bastelt und dieser einen objektiven Geltungsanspruch zuschreibt, dem hätte der kluge protestantische Theologe Martin Hengel gesagt, dass die Bibel nicht als Steinbruch für Ideologien tauge.

Aus Thorsten Paprotny, Häresie – jetzt oder nie?


24. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Für die theologischen Nebel von Avalon wurde eine eigene Seite eingerichtet. Meine Predigt über den Wert der Dankbarkeit wurde in die Werteseite eingebettet. Die treffende, schon aphorismustaugliche Bemerkung Menkes über bastelnde Theologen findet sich auf der Seite über Pseudotheologie (ganz unten).


23. Juli
Der missbrauchte Kant

Warum Kants Autonomie bei Ratzinger besser aufgehoben ist als bei Magnus Striet

Von P. Engelbert Recktenwald

Der katholische Theologieprofessor Magnus Striet beruft sich für seine Forderung nach grundlegenden Änderungen der kirchlichen Morallehre auf die Kantische Idee der Autonomie. Zu seinen Forderungen gehört z.B. die Anerkennung homosexueller Partnerschaften. Für Striet ist Autonomie das Signum der Moderne. Er versteht darunter “individuelle Selbstbestimmung”. Ihre einzige Grenze findet dieselbe an der individuellen Selbstbestimmung des Mitmenschen. Mit anderen Worten: Solange ich anderen Menschen nicht in die Quere komme, kann ich tun und lassen, was ich will. Als Kronzeuge für diese Auffassung beansprucht Striet den großen Philosophen Immanuel Kant. Dieser ist sein Leib- und Magenphilosoph.

Dabei unterschlägt Striet einen wesentlichen Aspekt der Autonomie, wie Kant sie versteht. Kant betrachtet Autonomie in erster Linie als die Emanzipation von der Bestimmung des Wollens und Handelns durch sinnliche Antriebe. Autonom ist für Kant der Mensch gerade dann, wenn... weiterlesen.


22. Juli
Adam Schall von Bell

Vor 400 Jahren, am 22. Juli 1619, kam der Kölner Johann Adam Schall von Bell SJ (1591-1666) in China an. Er wurde zu einem der berühmtesten China-Missionare. Am Hof des Kaisers wirkte er als Astronom. 1644 wurde er von Kaiser Shunzhi zum Direktor des kaiserlichen astronomischen Instituts ernannt.


22. Juli
Laurentius von Brindisi

Vor 400 Jahren, am 22. Juli 1619, starb in Lissabon im Alter von genau 60 Jahren der hl. Laurentius von Brindisi.


20. Juli
Das andere Wunder

Eine Predigt zum morgigen 6. Sonntag nach Pfingsten.


20. Juli
Wachkoma-Patient kirchliche Bürokratie?

“Der amerikanische Publizist George Weigel kritisiert die deutsche Kirchensteuer. Im Gespräch mit der Tagespost erklärt der Leitende Wissenschaftler des Ethics and Public Policy Center in Washington, man solle ernsthaft darüber nachdenken, die Kirchensteuer abzuschaffen. ‘Deren Hauptfunktion scheint zu sein, eine riesige kirchliche Bürokratie am Leben zu erhalten, der es an Leidenschaft und missionarischer Energie fehlt.’ Darüber hinaus diene die Kirchensteuer zu häufig dem Zweck, einen ‘Katholizismus-Light’ zu fördern."

Das meldete die Tagespost Anfang des Monats. Wenn wir auf der einen Seite eine aufgeblähte kirchliche Bürokratie, auf der anderen Seite einen Mangel an Glaubensleben feststellen müssen, haben wir es dann vielleicht mit einem institutionellen Wachkoma-Patienten zu tun, bei dem das Abstellen der künstlichen Lebenserhaltungsmaßnahmen, wie es die staatlich eingetriebene Kirchensteuer ist, moralisch erlaubt wäre? Vielleicht muss die Bürokratie sterben, damit der Glaube lebt?


19. Juli
Podcast

Vor zwei Jahren, am 19. Juli 2017, ging mein Podcast online. Bis jetzt sind 31 Episoden erschienen.


19. Juli
Pavel Dzidzov

Vor 100 Jahren, am 19. Juli 1919, wurde in Plowdiw, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, der Theologe Pavel Dzidzov geboren. Am 4. Juli 1952 wurde er im Rahmen der kommunistischen Christenverfolgung verhaftet, nach einem Schauprozess am 3. Oktober desselben Jahres zum Tode verurteilt und am 11. November in Sofia erschossen. Am 23. April 2002 wurde er vom Heiligen Stuhl als Märtyrer anerkannt, am 26. Mai 2002 seliggesprochen.


18. Juli
Das Geheimnis des Erfolgs

Meine Predigt vom 4. Sonntag nach Pfingsten.


18. Juli
Benedikt hat recht

Die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG) hat Benedikt XVI. gegen die Kritik katholischer Theologen verteidigt. Am 11. April 2019 hatte der emeritierte Papst eine Analyse zum Thema „Die Kirche und der Skandal des sexuellen Missbrauchs“ veröffentlicht. Darin machte er u.a. den „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“ angesichts der zunehmenden Gottlosigkeit in Kirche und Gesellschaft seit den 1960er Jahren für die Missbrauchskrise verantwortlich. Pfarrer Werner Neuer, der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, hält dieses Schreiben für einen Aufruf zur inneren Erneuerung der Kirche, dem man nur weite Verbreitung in allen christlichen Kirchen wünschen könne. So schreibt er in der Zeitschrift Diakrisis.


17. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Mein Aufsatz über die Philosophie Thomas Nagels Zwischen Evolutionskritik und Atheismus ist nun vollständig auf der für ihn eingerichteten Seite veröffentlicht. Meine Predigt Wo alle Entmythologisierungsversuche scheitern ist in die Auferstehungsseite, die Podcast-Episode Genderideologie und Wissenschaftsfeindlichkeit in die Genderseite eingebettet.


17. Juli
Römische Aufklärungsverweigerung?

Die neuerlichen Anklagen des ehemaligen Vatikandiplomaten Carlo Maria Viganò gegen Papst und Vatikan sind präzise. In jeder staatlichen Verwaltung würden sie ausreichen, um Ermittlungen einzuleiten. Würde der Ex-Nuntius einfach lügen, könnte der Vatikan dementieren und – auch in dessen Abwesenheit – disziplinarische Schritte gegen ihn einleiten. Das tut der Vatikan aber nicht. Die Medienverantwortlichen schweigen.

Aus: Guido Horst, Das Gesetz des Schweigens, in der Tagespost vom 11. Juli 2019


16. Juli
Wilhelm Nyssen

Vor 25 Jahren, am 16. Juli 1994, starb in Köln Prof. Wilhelm Nyssen, Hochschulseelsorger in Köln und großer Kenner der byzantinischen Liturgie. Er war ein Freund der Priesterbruderschaft St. Petrus.


16. Juli
Servi Jesu et Mariae

Vor 25 Jahren, am 16. Juli 1994, wurde die Kongregation der Diener Jesu und Mariens (Servi Jesu et Mariae, SJM) vom Heiligen Stuhl zu einer Kongregation päpstlichen Rechts errichtet. Am 30. Mai 1988 war sie von P. Andreas Hönisch gegründet worden. Ihre Mitglieder feiern die hl. Messe in der ordentlichen wie außerordentlichen Form des römischen Ritus. Der Gemeinschaft gehören zur Zeit ca. 30 Priester an. Unter dem Menüpunkt “Aktuelle Aufgaben” finden Sie auf der Website der Gemeinschaft den Stand vom November 2013.


16. Juli
Junipero Serra

Vor 250 Jahren, am 16. Juli 1769, gründete der hl. Junipero Serra (1713-1784) San Diego, die älteste Stadt Kaliforniens. Es war die erste von 21 Missionsstationen, die der gebürtige Mallorquiner oder seine franziskanischen Mitgründer gründeten und aus denen Städte wurden, darunter San Francisco, das 1776 gegründet wurde.


15. Juli
Die Art und Weise, vertraulich mit Gott umzugehen

Vom hl. Alfons Maria von Liguori

7. Folge

16. Gott wird nicht unwillig, wenn du in deinen Leiden Trost bei deinen Freunden suchst, aber Er will, daß du hauptsächlich zu Ihm deine Zuflucht nehmest. Hast du dies unterlassen, so mußt du wenigstens, nachdem du bei den Geschöpfen Hilfe gesucht und keinen Trost gefunden hast, dich zu deinem Schöpfer wenden und Ihm sagen: Herr, die Menschen haben nur Worte, sie können mich nicht trösten, ich entsage jetzt ihren Tröstungen, Du allein bist meine Hoffnung, meine Liebe. Tröste mich, o mein Gott! Gib, daß mein Trost darin bestehe, jetzt zu tun, was Dir am meisten gefällt, ich bin bereit, dies Leiden mein ganzes Leben hindurch zu erdulden, ich will es die ganze Ewigkeit ertragen, wenn es Dir also gefällt, stehe Du mir nur bei.

17. Fürchte nicht, daß du Gott mißfallest, wenn du manchmal dich zärtlich bei Ihm beklagst und Ihm sagst: Herr, warum bist Du so fern von mir? Du weißt, mein Gott, daß ich nichts anderes als Deine Liebe begehre, komme mir aus Liebe zu Hilfe, verlasse mich nicht! Dauert dein Leiden zu lange, ist deine Angst allzu groß, so mußt du dich dem betrübten und sterbenden Jesus am Kreuze vereinigen, und um Barmherzigkeit flehen und ausrufen: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt 27,46). Deine Leiden müssen dir dazu dienen, dich immer mehr vor Gott zu verdemütigen, wenn du bedenkest, daß, wer Gott beleidigt hat, keinen Trost verdient, und um dein Vertrauen zu vermehren, da du weißt, daß Gott uns alle Leiden für unser Bestes schickt oder daß Er sie deshalb zuläßt: “Alles wirkt ihnen zum Guten” (Röm 8,28). Wenn du aber von Mißtrauen und Angst gepeinigt wirst, so rufe voll Zuversicht aus: “Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?” (Ps 26). Du mußt meinen Verstand erleuchten. Du mußt mich retten, auf Dich vertraue ich: “Auf Dich, Herr, hoffe ich, lasse mich nimmermehr zuschanden werden” (Ps 30,1). Du mußt dich mit dem Gedanken beruhigen, daß niemand, der auf Gott sein Vertrauen gesetzt hat, verlorengegangen ist: “Keiner, der auf den Herrn gehofft hat, ist zuschanden geworden” (Sir 2,10). Bedenke, daß Gott dich mehr liebt, als du selbst dich lieben kannst, was fürchtest du denn also? Tröste dich mit den Worten Davids: “Der Herr sorgt für mich” (Ps 39,18). Herr, ich übergebe mich ganz Dir, ich will nur daran denken, wie ich Dich lieben, wie ich Dir wohlgefallen kann; siehe, ich bin bereit zu tun, was Du von mir verlangst. Du wünschest nicht nur, daß es mir wohlergehe, nein, Du selbst trägst Sorge für mein Bestes, mögest Du selbst die Mittel für mein Heil ausfindig machen. Ich verlasse mich auf Dich, ich will mich stets auf Dich verlassen, denn Du willst, daß ich immer alle meine Hoffnung auf Dich allein setze: “Ich schlafe in Frieden und ruhte, denn Du, Herr, hast mich vollkommen festgestellt in der Hoffnung” (Ps 4,9).

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


14. Juli
Das Zitat

Gott spricht zum Menschen: Richte deine Augen allein auf meinen Sohn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst; er ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung.

Hl. Johannes vom Kreuz


14. Juli
Franz Xaver Heiner

Vor 100 Jahren, am 14. Juli 1919, starb in Buldern, Kreis Coesfeld, im Alter von 69 Jahren der Kanonist Franz Xaver Heiner. Er stammte aus Atteln bei Paderborn und lehrte seit 1889 in Freiburg im Breisgau. Von 1897 bis 1912 war er Herausgeber des “Archivs für Katholisches Kirchenrecht.”


13. Juli
Heiligkeit und Gerechtigkeit

Zum morgigen fünften Sonntag nach Pfingsten kann ich zwei Predigten anbieten: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener ist als die der Pharisäer und Haltet Christus heilig in euren Herzen.


13. Juli
Schweigen statt Untersuchung?

Auch auf die neuerlichen Anklagen des Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò nicht zu antworten, dürfte für den Vatikan immer schwieriger werden. Die Enthüllungen betreffen Spitzenleute der Kurie – den amtierenden Kardinal und seinen Substituten im vatikanischen Staatssekretariat – und natürlich den Papst selber, der schon nach den ersten Anschuldigen Viganòs im August vergangenen Jahres keine gründliche Untersuchung und deren Veröffentlichung anordnete, sondern sich für das Schweigen entschied. Und die Journalisten aufforderte, sich selber ein Urteil über die detaillierten Vorwürfe des untergetauchten ehemaligen Nuntius zu bilden. Das haben inzwischen die Medien getan. Viele kamen zu dem Ergebnis, wie etwa die „Washington Post“, dass Viganò – auch wenn er als ehemaliger Diplomat nicht so handeln dürfte, wie er es jetzt tut – dennoch glaubwürdig ist. Stattdessen ist es keinem Medium gelungen, auch nur eine der Anschuldigungen des Ex-Nuntius in sich zusammenbrechen zu lassen.

Aus: Guido Horst, Viganò-Anschuldigungen gegen Franziskus, in: Die Tagespost vom 4. Juli 2019.


12. Juli
Von Greta lernen

Ein Beitrag von mir für den Cathwalk.


11. Juli
Therapien ohne Gottes Heilswort

Die Vorschläge zur Problembewältigung versammeln die üblichen Stereotypen: systemische Gründe, klerikale Macht, vormoderne Ordnung der Kirche, sexuelle Tabus. Man solle endlich vorgehen gegen den Klerikalismus, den Zölibat und die Männerbünde, um einzutreten für die Herabstufung des Weiheamtes, und für die „Ehe“ – nicht nur für Priester, sondern „für alle“. Den Grund für die gegenwärtige Krise in systemischen Missstände festzumachen, ist leider so geschichtsblind wie naiv. Doch wirklich unverzeihlich ist, dass bei den veröffentlichten Therapie-Vorschlägen Gottes Heilswort nicht einmal erwähnt wird. Obwohl doch die kirchlichen Hirten in dem feierlichen Augenblick ihrer sakramentalen Weihe versprochen hatten, „das Glaubensgut rein und unverkürzt zu bewahren, wie es von den Aposteln überliefert und in der Kirche immer und überall bewahrt wurde“.

Aus: Paul Josef Kardinal Cordes, Ein Alarmruf, in: Die Tagespost von heute. Es geht um die Missbrauchsanalysen, die einerseits die Reformkräfte (oder sollte man eher sagen: die Abbruchskräfte?), andererseits der emeritierte Papst Benedikt vorgelegt haben.


10. Juli
Der Einzige

Vor elf Jahren [1999] warf ein Merkur-Doppelheft die Frage auf: „Wer ist Gott?“ Von den eingeladenen protestantischen und katholischen Theologen gab eigentlich keiner eine klare Antwort. Der einzige, der die Frage ohne Wenn und Aber affirmativ beantwortete und über die konkrete Existenz Gottes Aussagen machte, war der katholische Philosoph Robert Spaemann.

Aus: Karl Heinz Bohrer, Welche Macht hat die Philosophie heute noch?, in: Marcel van Ackeren, Theo Kobusch, Jörn Müller (Hg.), Warum noch Philosophie? Historische, systematische und gesellschaftliche Positionen, Berlin 2011.


7. Juli
Striet vs. Benedikt

Von Franz Prosinger

Der Wunsch, ja das Gebetsanliegen, es möchte ein Bischof auf dem Missbrauchsgipfel im Februar in Rom eine Bilanz ziehen zu 50 Jahren „Befreiung der Sexualität“ und die diesbezügliche Position der „Kirche“, ging nun doch noch in Erfüllung. Mit dem Papa emeritus Benedikt XVI. nahm dazu jemand Stellung, der den gesellschaftlichen und kirchlichen Umbruch an vorderster Front erlebt und durchlitten hat: als Theologieprofessor in Bonn, Münster, Tübingen und ... weiterlesen


6. Juli
Woher kommt die Bedrohung?

Gendertheorie: Ist Papst Franziskus rechtspopulistisch?

Zitat:
“Für die Kirche besteht der größte Skandal in der Einführung des Gender-Mainstreams in die Lehrpläne von Schulen und in die Erziehungskonzepte von Kindergärten und Kinderkrippen.
Papst Franziskus sieht darin eine Bedrohung der Menschheit, der die Kirche mit allen Mitteln entgegentreten müsse. Wie ein roter Faden zieht sich die Ablehnung der Gender-Theorie durch sein ganzes Pontifikat. Auch das neue Dokument trägt eindeutig seine Handschrift, die besonders deutlich zutage tritt, wenn er auf Pressekonferenzen oder anderen Begegnungen frei auf Fragen antwortet. So spricht er von 'Gemeinheit' und 'Boshaftigkeit', wenn der Versuch unternommen wird, Kindern ... weiterlesen


6. Juli
Ignaz Knoblecher

Vor 200 Jahren, am 6. Juli 1819, wurde in St. Canzian Ignaz Knoblecher geboren, der Begründer der Mission in Zentralafrika.


5. Juli
Jahresranking: Die Top 8 der Newcomer

2018 kamen auf kath-info 14 Seiten neu hinzu. Ich gebe die acht meistgelesenen bekannt. Die rechte Spalte gibt den Platz im Gesamtranking der insgesamt 661 Seiten an.

Platz Jahresranking 2018
Die Top 8 unter den 14 Newcomern
Platz im Gesamt
ranking
1

Recktenwald: Demagogische Mission

16
2

Rod Dreher: Das Erwachen. Die Benedikt-Option

41
3

Johannes Hartl: Abschied vom Relativismus

158
3

Hl. Alfons: Die Art und Weise, vertraulich mit Gott umzugehen

311
5

Scheeben: Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit. 4. Seite

361
6

Franz Prosinger: Der Gnadenvorschuss

449
7

Petra Kehl: Tapfer und Treu

506
8

Recktenwald: Metaethik

517

4. Juli
Kardinal Cordes kritisiert Kardinal Marx

Kardinal Marx hat eine “offene Diskussion” über den Zölibat angeregt. In ihr soll herausgefunden werden - nein: nicht, welche Kostbarkeit er trotz aller Ablehnung birgt, sondern ob er überhaupt zum Zeugnis des Priesters gehören muss; ob nicht Änderungen in der Lebensform der Geweihten fällig sind. Der Vorsitzende nahm für seinen Vorschlag die Missbrauchskrise zum Anlass. So erweckt er den Eindruck, zwischen Pädophilie und dem Zölibat gäbe es einen Kausalnexus. Das jedoch ist pure Spekulation. Die beachtenswerte Kritik des “MHG-Forschungsprojekts” durch Dr. Manfred Lütz (September 2018), die den Bischöfen vorliegt, hat herausgestellt: jede pädophile Konditionierung durch den Zölibat bleibt aufgrund des Zahlenmaterials unbewiesen. Sucht der Kardinal demnach in dem fatalen Kirchenskandal einen Anlass für die Herabstufung des Zölibats? Er wäre ungeeignet. Bezeichnend ist ferner die Ankündigung, mit wem in der Problematik zusammengearbeitet werden soll. E ssind nicht die geistlichen Neuaufbrüche der Kirche, obwohl sie eine Vielzahl zölibatär lebender Priester geschenkt haben und schenken. Nein, der Kardinal wählt das ZdK, dessen Präsident Thomas Sternberg bekanntlich schon seit langer Zeit fordert, der müsse “gelockert werden”. Die Beteuerung des Vorsitzenden, der Zölibat solle nicht abgeschafft werden, kann lediglich eine Schutzbehauptung sein. Denn wird das ganze Manöver nicht initiiert, um ihn zu unterlaufen?

Aus: Paul Josef Kardinal Cordes, Amt und Charisma, in der in heutiger Zeit für jeden gläubigen Katholiken unentbehrlichen Wochenzeitung Die Tagespost, Ausgabe vom 18. April 2019.


3. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Die Rezension Postls über Wollbolds Felapton findet sich auf einer eigens eingerichteten Seite. Auf welche Frage das Gleichnis vom barmherzigen Samariter die katholische statt die lutherische Antwort gibt, erkläre ich in der Predigt, die ich auf dieser Seite eingebettet habe. Zwei Kurzbeiträge über Amoris Laetitia (Applaus von der falschen Seite und Nachgiebigkeit statt Barmherzigkeit) habe ich auf der einschlägigen Seite über Amoris Laetitia untergebracht.


3. Juli
Das Zitat

Gott ist ja in uns, die ganze Allerheiligste Dreifaltigkeit. Wenn wir es nur verstehen, uns im Innern eine wohlverschlossene Zelle zu bauen, und uns so oft wie nur möglich dahin zurückziehen, dann kann uns an keinem Ort der Welt etwas fehlen.

Hl. Edith Stein


2. Juli
Ein Besuch in New Rochelle

In Kirche heute (Juli 2019) berichtet P. Daniel Eichhorn FSSP unter dem Titel Das Erbe eines großen Denkers von seinem Besuch bei Alice von Hildebrand, der 96jährigen Witwe des 1977 verstorbenen großen Philosophen Dietrich von Hildebrand. Er schildert dessen Denk- und Lebensweg vom liberalen Elternhaus, über sein Studium bei Husserl, seine Konversion zum katholischen Glauben, seiner Begründung des Naturrechts durch die Wertphilosophie, seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus bis hin zum Philosophieren in Fordham jenseits eines zur Schulphilosophie erstarrten Thomismus. Alice von Hildebrand war selber Philosophin, hatte es aber als Frau schwer, eine Lehrstelle zu bekommen. Dazu schreibt Eichhorn: “Die Erfahrung der unverschuldeten Arbeitslosigkeit konnte die junge Akademikerin indes nicht brechen, sondern trug zu einer vertieften Reflexion über die unverletzliche Würde der Frau bei. Ihr Einsatz für Würde und Rechte von Frauen erfolgte in klarer Abgrenzung zu jener Form des Feminismus, für die der Name Simone de Beauvoir steht. Sartres Partnerin habe einen Hass auf ihren weiblichen Körper bekannt - eine offensichtlich untaugliche Grundlage, um Werte wie Weiblichkeit und Mütterlichkeit zu erkennen und zu begründen.” Dann weist er auf ihr bedeutendes Werk The Privilege of Being a Women hin.


2. Juli
Martin Hengel

Vor zehn Jahren, am 2. Juli 2009, starb in Tübingen im Alter von 82 Jahren der Theologe Martin Hengel.


1. Juli
Schockenhoffs Frühling

Von P. Engelbert Recktenwald

Am 13. März 2019 hielt der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff vor der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen einen Vortrag, in dem er für eine Kurskorrektur der kirchlichen Sexualethik plädiert, um die menschliche Sexualität „aus den normativen Fesseln der traditionellen Sexualmoral zu befreien.” Und da heißt es plötzlich an einer Stelle, wo es um das Ziel der „inhaltlichen Revisionsarbeiten am Gebäude der kirchlichen Sexualmoral” geht, „damit der erhoffte Frühling tatsächlich kommen kann.” Da haben wir es, das magische Wort: „Frühling”! Dieser Frühling wird also bis jetzt verhindert, und zwar durch die Kirche und ihrem Festhalten an ihrer Lehre. Aber merkwürdig: Gleichzeitig wird seit Jahren immer wieder beteuert, dass sich die Lehre der Kirche längst von der Lebenswirklichkeit des Menschen entfernt habe. Das heißt mit anderen Worten: In der Lebenswirklichkeit ist der sexuelle Frühling schon längst bei den Menschen angekommen.

Dann schauen wir uns doch einmal diese Lebenswirklichkeit an, die sich Herr Schockenhoff als „Frühling” vorstellt: Die Scheidungsrate in Deutschland ist zwischen 1960 und 2000 von knapp elf Prozent auf fast 52 Prozent gestiegen, die Pornoindustrie macht weltweit mehr Gewinn als Microsoft, Google, Apple, Amazon und Ebay zusammen, Pornosucht, sexuelle Verwahrlosung, emotionale Bindungsunfähigkeit nehmen zu. Sozialarbeiter können ein Lied davon singen. “Das Bild unserer Jugendlichen von Sexualität ist total geprägt von Pornografie”, wird eine Sozialarbeiterin in einem Stern-Artikel über sexuelle Verwahrlosung zitiert. Ist das also die Lebenswirklichkeit, an die manche Bischöfe und Theologen die Kirche anpassen wollen? Und weil Johannes Paul II. oft vor der “selbstbezogenen Fixierung auf eigenen Lustgewinn” warnte, muss er sich von Schockenhoff den Vorwurf gefallen lassen, den “Triebcharakter des Eros nicht vorbehaltlos” (!) positiv zu würdigen.

Ironischerweise sieht Schockenhoff ausgerechnet in der Missbrauchskrise einen Anlass, “über die Gründe nachzudenken, die eine Revision zentraler Aussagen dieser Lehre geboten erscheinen lassen.” Kam es also zu den Missbrauchsverbrechen, weil die Täter den Triebcharakter ihres Eros nicht vorbehaltlos genug gewürdigt haben? Wurden sie durch die Fesseln der kirchlichen Lehre daran gehindert? Was soll diese Logik? Vielleicht kommt ein Theologe ja sogar auf die Idee, den priesterlichen Zölibat, der inzwischen für alles herhalten muss, auch noch für den Erfolg der Pornoindustrie verantwortlich zu machen.

Als 2010 die erste Welle der Missbrauchsskandale Deutschlands Kirche erschütterte, fand Kardinal Lehmann den Mut, auf die dunkle Seite, die der Eros eben auch hat und die in den Missbrauchsverbrechen sichtbar wurde, aufmerksam zu machen: “Die menschliche Sexualität ist nicht so unschuldig romantisch, wie man dies - gegenüber allen Verteufelungen des Geschlechtlichen - oft meinte. Sie kann als Gesamttrieb des Menschen zu wunderbaren Höhen führen, die das irdische Glück des Menschen bilden können, weist aber auch abgründige Tiefen auf, die eine letzte Pervertierung des Menschlichen zeigen” (FAZ vom 1. April 2010). Schockenhoff dagegen fällt nichts anderes ein, als den sexuellen Frühling zu beschwören, der durch die kirchlichen Normen noch hinter Schloss und Riegel gehalten wird.

Offensichtlich dichter an der Lebenswirklichkeit dran sind Frauen wie Michaela von Heereman (Hausfrau, Mutter und Theologin!), die kürzlich geschrieben hat: “Aber die heutige sexuelle Freiheit verantwortet ihrerseits viel Unglück, etwa die stetige Zunahme von Bindungsunfähigkeit, Scheidungen, Pornografiesucht und Abtreibungen.” Und ganz im Sinne der Theologie des Leibes fügt sie hinzu: “Glück dagegen liegt in der Bejahung der drei großen Sinngehalte menschlicher Sexualität: Liebe, Lust und Leben (Fruchtbarkeit). Sie gehören zumindest grundsätzlich zusammen. Diese Botschaft schulden wir den jungen Leuten auf ihrer Suche nach dem Glück” (Neue Bildpost vom 18./19. Mai). Wie weltfremd muss man eigentlich sein, um nicht zu sehen, wie sehr die gegenwärtige Gesellschaft die Weisheit der kirchlichen Lehre nötig hat?

Dieser Text erschien zuerst am 30. Mai 2019 in MeinungsMacherBlog der Tagespost.


30. Juni
Die unterschätzte Macht

Eine Predigt zum Fest des Kostbaren Blutes, das im Alten Kalender am 1. Juli gefeiert wird (1. Klasse).


30. Juni
Wigant Wirt

Vor 500 Jahren, am 30. Juni 1519, starb in Steyr im Alter von etwa 50 Jahren der Theologe Wigant Wirt OP. In Frankfurt am Main, seiner Geburtsstadt, trat in den Dominikanerorden ein. Von 1505-1512 war er Prior in Stuttgart. Wie fast alle Dominikaner war er aufgrund seines Thomismus ein Gegner der Lehre von unbefleckten Empfängnis Mariens. Nur tat er sich in der Bekämpfung dieser Lehre und der Franziskanerobservanten (die dem seligen Duns Scotus folgten) so hervor, dass er 1512 in Rom verurteilt wurde, woraufhin er 1513 in Heidelberg widerrief.


29. Juni
Gabriel Baumann

Vor 40 Jahren, am 29. Juni 1979, wurde P. Gabriel Baumann FSSP, einer der Gründer der Petrusbruderschaft und Autor bei kath-info, zum Priester geweiht.


29. Juni
Firmin Gbagoua

Vor einem Jahr, am 29. Juni 2018, wurde in der Zentralafrikanischen Republik der katholische Priester Firmin Gbagoua, Generalvikar der Diözese Bambari, getötet. Gbagoua war im letzten Jahr bereits der vierte katholische zentralafrikanische Priester, auf den ein Attentat ausgeübt wurde. Seit Jahren wird das Land durch islamistische Gewalt erschüttert. “Die gezielte Agression der muslimischen Rebellengruppe Seleka und ihrer zum Teil ausländischen Kämpfer, vor allem gegen Christen und christliche Einrichtungen, habe eine andere Qualität als die rein ethnischen Rivalitäten, die früher für Konflikte gesorgt hätten, so Beobachter vor Ort,” berichtete CNA.


28. Juni
Kinsey, Kentler, Sielert

Der WDR, der Kinseys jüngsten Geburtstag ohne eine einzige kritische Bemerkung feiert, zieht zur Rechtfertigung den Kieler Sexualpädagogen Uwe Sielert heran. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet Sielert die fragwürdigen Forschungen des Amerikaners verteidigt. Sielert ist nämlich nicht nur einer der wichtigsten deutschsprachigen Vertreter der übergriffigen und schamverletzenden „Sexualpädagogik der Vielfalt“, sondern auch ein Schüler des Psychologen Helmut Kentlers. In „sexualwissenschaftlichen“ Modellversuchen gab Kentler obdachlose minderjährige Jungs in die Obhut von bekannten Pädophilen und erwirkte als Gerichtsgutachter zahlreiche Freisprüche für pädophile Missbrauchstäter.

Aus Die Wurzeln der „Sexualpädagogik der Vielfalt“, einem kritischen Beitrag der Demo für alle über Alfred Kinsey.


28. Juni
Mein neuester Podcast


28. Juni
Heimerad

Vor 1000 Jahren, am 28. Juni 1019, starb auf dem Hasunger Berg der hl. Heimerad. Er wurde in Meßkirch geboren, unternahm Pilgerfahrten bis nach Palästina, wurde Einsiedler in der Nähe von Kassel und dort “zum Hüter des Christentums im erst seit kurzem christianisierten fränkisch-sächsischen Grenzland.” “Vom Volk als ‘hl. Narr’ verehrt; bekannt mit der hl. Kaiserin Kunigunde, Bischof Meinwerk von Paderborn und Erbischof Aribo von Mainz. Dieser errichtete nach Heimerads Tod über seinem Grab Kirche und Kanonikerstift Hasungen” (LThK, 2. Auflage).


26. Juni
Die Gabe der Frömmigkeit

Von P. Martin Ramm

Bedeutung

Wie bei der Gottesfurcht, so müssen wir uns auch bei der Frömmigkeit zunächst davon überzeugen, dass sie edel, gut und schön und deshalb höchst erstrebenswert ist. Es ist nämlich eine traurige Tatsache, dass bei vielen weder Gottesfurcht noch Frömmigkeit einen sonderlich guten Ruf genießen.

Noch trauriger aber ist es, wenn sogar Christen die wahre Frömmigkeit nicht kennen und statt ihrer ein Zerrbild belächeln. Die wahre Frömmigkeit ist nämlich weder kleinlich-rechnend noch pharisäischselbstgerecht oder sentimental-verkitscht. All das hat mit Frömmigkeit gar nichts zu tun!

Möge der Heilige Geist uns erleuchten und uns die Frömmigkeit in hellem Licht erstrahlen lassen!

Natürliche Grundlage

Die Grundlage, auf welcher sie aufbaut, findet die Gabe der Frömmigkeit (donum pietatis) in der natürlichen pietas. Das zu verstehen ist wichtig.

• Zunächst meint pietas die schöpferische Liebe Gottes, die uns ins Dasein rief. In der Liturgie bezeichnet der Begriff die liebende Sorge des himmlischen Vaters für seine Kinder

• Ein Abbild der göttlichen pietas ist jene Liebe, mit der Väter und Mütter ihre Kinder lieben. Das Vaterherz Gottes umfasst nämlich die volle sowohl väterliche als auch mütterliche Liebe (vgl. Is 49, 15). Um aber dieser Fülle von Liebe Ausdruck zu geben, hat Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen, damit sie gemeinsam - als Väter und Mütter - seine Liebe widerspiegeln.

Neben dieser ersten Richtung vom Schöpfer zum Geschöpf und von den Eltern zu den Kindern gibt es eine zweite Grundrichtung der pietas. Sie besteht in der liebenden Antwort, die das Geschöpf dem Schöpfer und das Kind den Eltern gibt.

• Die pietas religiosa ist jene hingebende Liebe zum himmlischen Vater, mit welcher der Mensch seinen Gott liebt und ihm dient. Sie ist die treibende Kraft im gesamten religiösen Leben und trägt den Namen Frömmigkeit.

• Die pietas filialis hingegen ist die natürliche Kindesliebe, die sich über die leiblichen Eltern hinaus auch auf alles erstreckt, worin...
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25. Juni
Wer ist frauenfreundlich?

In den Kirchen meinen manche, Lebensrechtler seien radikal oder frauenfeindlich. Beides ist nicht wahr. Es sind vor allem Lebensrechtler, die sich um Frauen kümmern, die abgetrieben haben, auch wenn dies aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur selten offenbar wird. Auf dem diesjährigen Marsch für das Leben hat ein Paar hierzu ein sehr bewegendes Zeugnis abgegeben. Da hatten viele Zuhörer - ich auch - Tränen in den Augen.

Stefan Rehder im Interview mit Cornelia Kaminski, “Herzen und Hirne bilden”, Tagespost vom 2. Dezember 2017.


25. Juni
Kevin Scallon

Vor einem Jahr, am 25. Juni 2018, starb in Palm Harbor, Florida, im Alter von 83 Jahren der irische Priester Kevin Scallon CM, Autor des Buches Ich will selbst kommen!, aus dem wir auf kath-info ein Kapitel veröffentlicht haben.


24. Juni
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Für meinen Artikel Gefährliche Parallelgesellschaft? wurde eine eigene Seite eingerichtet. Meine Predigt über Gottes Ungerechtigkeit gegen sich selbst wurde auf dieser Seite eingebettet. Die Zitate von Bernhard Müller (Ausreden) und Gerhard Kardinal Müller (Noch ein Missbrauch) über den Zustand des Episkopats finden sich auf der einschlägigen Seite.


22. Juni
Julie Billiart

Vor 50 Jahren, am 22. Juni 1969, wurde die Mystikerin Julie Billiart SND (1751-1816) heiliggesprochen. Sie gründete die Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau von Namur. 1906 wurde sie seliggesprochen.


22. Juni
Merkwürdig, was uns alles wichtiger ist

Eine Predigt zum morgigen zweiten Sonntag nach Pfingsten.


21. Juni
Kirche in Flammen

Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat einen 52seitigen Sonderdruck herausgegeben: “Kirche in Flammen. Benedikt XVI. und seine Analyse der Kirchenkrise. Wortbeiträge für eine Erneuerung der Kirche.” Drei Teile zu den Themen “Sexuelle Revolution”, “Heiligkeit der Kirche” und “Eucharistie” enthalten jeweils drei Beiträge, die teilweise schon früher im Informationsblatt der Petrusbruderschaft erschienen sind.
Bestellen Sie die Hefte zum Verteilen beim Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad!
Sie enthalten wertvolle Orientierungen und Argumente, um in der heutigen Zeit als gläubiger Katholik zu bestehen.


21. Juni
Antonia Mesina

Vor 100 Jahren, am 21. Juni 1919, wurde auf Sardinien Antonia Mesina geboren. Sie starb am 17. Mai 1935 als Märtyrerin der Reinheit, als sie sich gegen eine Vergewaltigung zur Wehr setzte. Am 4. Oktober 1987 wurde sie seliggesprochen.


20. Juni
Totalitäre Durchsetzungsmethoden

Im Jahr 2018 wurde ich zu einer öffentlichen Diskussion mit einer Vertreterin der Gender-Studies an der Technischen Universität Wien eingeladen. Fünf Gender-Professorinnen hatten die Einladung abgelehnt, schließlich fand sich eine Vertreterin auf untergeordneter Ebene. Als ich an der Reihe war, mein Statement abzugeben, schrillten die Feuersirenen – normalerweise das Signal, das Gebäude sofort zu evakuieren. Ein Dialog mit der Dame wurde durch ständige lautstarke Unterbrechungen aus dem Publikum verhindert – für mich ein déjà-vu-Erlebnis von 1968. Da die Gender-Ideologie mit der wissenschaftlichen Wahrheitssuche von Biologie, Medizin und Gehirnforschung gebrochen hat, vielmehr die wissenschaftlichen Institutionen für ihre revolutionäre Agenda missbraucht, müssen die Aktivisten sich der Manipulation und zunehmend totalitärer Durchsetzungsmethoden bedienen.

Aus: Gabriele Kuby, Dialog mit Ideologen? auf kath.net am 18. Juni 2019.


19. Juni
Wovon sollen wir reden?

Erzbischof Buchberger brachte seine engagiert plaudernden Mitbrüder damals zum Verstummen, als er kurz und bestimmt sagte, wovon auf dem Konzil die Rede sein sollte: „Von Gott!“ Wenn wir, hier und heute, nicht zu Gott aufbrechen und uns Ihm zuwenden, dann können wir uns auch alles andere gleich sparen: jeden Diskurs, jeden Dialog, jeden synodalen Weg.

Aus: Thorsten Paprotny, Die Frage nach Gott, kath.net vom 18. Juni


19. Juni
Ablenkungsmanöver

Es gibt immer nur die Schuld des Einzelnen. Ein Bischof, der sich nicht zu seiner persönlichen Schuld bekennt, sondern stattdessen ein kollektives Schuldbekenntnis der Kirche proklamiert, bedient sich des Sündenbockmechanismus. Er schiebt die Schuld von sich weg auf die Kirche insgesamt. Aber nicht deren Zölibatsgesetz oder deren Sexualmoral oder deren Machtstrukturen, sondern der einzelne Missbrauchstäter oder der einzelne Bischof, der auffällig gewordene Priester gewähren ließ, ist schuldig. Wie Minister regelmäßig die politische Verantwortung für Taten übernehmen, die unter ihrer Letztverantwortung geschehen sind, so müssen dies analog auch Bischöfe tun; und zwar durch Rücktritt. Es geht um die Schuld Einzelner, nicht um die Schuld eines Systems oder Kollektivs (...) Die von den deutschen Bischöfen in Lingen beschlossenen Gesprächsforen sind zumindest als Reaktion auf den Missbrauchsskandal ein einziges Ablenkungsmanöver. Statt die Schuldigen namentlich zu benennen und deren je singuläre Biographie zu durchleuchten, wird dem in der Gesellschaft gängigen Vorurteil Rechnung getragen, die Täter seien Epiphänomene von hierarchischen Strukturen, der zölibatären Lebensform oder der kirchlichen Sexualmoral. Nein, der Missbrauch gehört nicht zur DNA der katholischen Kirche...

Aus einem Leserbrief des Theologen Prof. Dr. Karl-Heinz Menke an die Tagespost, veröffentlicht am 13. Juni 2019


18. Juni
Zur Analyse des Subjektsbegriffs

Von Bronislaw Wladislaus Switalski

3. Folge

Diese erkenntnistheoretische Fiktion, die eben als solche im Bereich der Empirie nie völlig realisierbar ist, dient nun als Norm für die Beurteilung der Erkenntnisleistung der empirischen Subjekte. Diese in der Erfahrung allein vorfindlichen Subjekte, wir selbst, sind nämlich — vermöge der Eigenart unseres Bewußtseinslebens — nicht ausschließlich, nicht einmal in erster Linie derartig „reine" Erkenntniswesen: Wie alle Bewußtseinsinhalte mehr oder minder gefühlsbetont sind, uns also tiefinnerlich in Mitleidenschaft ziehen, so sind auch alle auf diese Erlebnisse reagierenden Bewußstseinsäußerungen ursprünglich und vornehmlich von unserem Interesse diktiert, es sind praktische Stellungnahmen dem „Fremden" gegenüber. Wir sind also vor allem praktisch-orientierte Wesen; und wenn der mit so großem Enthusiasmus seinerzeit begrüßte Pragmatismus nichts weiter bezweckte, als einer extrem-theoretischen und darum durchaus wirklichkeitsfremden Ausdeutung des Seelenlebens entgegenzutreten, so wäre gegen ihn nichts einzuwenden.

Die Praxis hat es mit äußerst komplizierten, in ihrer raschen Veränderlichkeit sofort Antwort erheischenden Verhältnissen zu tun. Das Bewußtseinssubjekt als Praktiker hat somit keine Muße aus dem Strome der Ereignisse emporzutauchen, um in unparteiischer Ruhe sie zu betrachten. Es fühlt sich selbst in Wirkung und Gegenwirkung verstrickt und vermag so zur Würdigung seiner einzigartigen Einheitlichkeit nicht vorzudringen. Auf dieser Stufe verharrt das Bewußtsein der Tiere. Wir wenden deshalb auf sie die Bezeichnung “Subjekt” nicht gern an, weil dieser Ehrentitel nach unserem Gefühle nur den Bewußtseinswesen zukommt, die im Vollbewußtsein ihrer Subjektivität zu wahrhaft selbständigem Handeln sich durchzuringen vermögen. In uns selbst nehmen wir nun diese Fähigkeit wahr. Wir bleiben nicht ständig auf der Stufe der reinen Praxis. Wir stellen uns allmählich immer bestimmter dem von uns Erlebten gegenüber. Wir machen es zu unserem “Gegenstande” im wahrsten Sinne des Wortes, indem wir es aus dem Strome des unmittelbaren Erlebens herauslösen, um es “für sich” zu betrachten. Diese Fähigkeit zur Vergegenständlichung, die uns als das Grundmerkmal unserer geistigen Würde erscheint, lockert zunächst die Bande der praktischen Bedürfnisse, um uns im Verlaufe unserer geistigen Entwicklung immer vollständiger von ihnen zu befreien. So werden wir aus rein praktisch interessierten Subjekten immer mehr zu unparteiischen Beschauern, zu Theoretikern. Wir nähern uns damit dem Ideale des “reinen Erkenntnissubjekts”, wenn wir es auch nie völlig erreichen.

Daraus ergibt sich für uns als Erkenntnissubjekte die Forderung, unsere Selbständigkeit derart auszubilden, daß sie gegebenenfalls im stande ist, rein das Erkenntnisziel zu verfolgen und dabei alles Unsachliche, affektiv und praktisch Bestimmende zu eliminieren. Das Bewußtseinssubjekt muß sich somit zum Erkenntnissubjekt emporentwickeln, da es nicht in jedem seiner Stadien in gleicher Weise befähigt ist als Begründer allgemeingiltiger Erkenntnisbeziehungen zu fungieren. Wenn aber dieser notwendigen Entwicklung die richtigen Wege gewiesen werden sollen, so müssen wir uns zunächst noch genauer über die unmittelbar vorfindliche Eigenart des Bewußtseinssubjekts orientieren.

Unmittelbar tritt uns das Bewußtseinssubjekt in der “Ich”-Form gegenüber. Die Bestimmung des Subjekts hebt deshalb zweckmäßig mit der Analyse des Ich-Bewußtseins an. Was wir mit “Ich” meinen, scheint uns nun freilich auf den ersten Blick einer Analyse weder fähig noch bedürftig zu sein. Glaubte doch schon Descartes mit seinem berühmt gewordenen Grundsatz: “Cogito, ergo sum”, also mit dem Hinweis auf das Ich-Erlebnis endlich eine solide Basis für alle Gewißheitsbegründung gefunden zu haben! Wenn wir nun aber bedenken, wie weit ernste Denker in ihren Ansichten über die Bedeutung des “Ich-Begriffs” von einander abweichen, ja wie man es sogar versucht hat, das Ich-Erlebnis als Illusion aus der Reihe des unmittelbar Gegebenen zu streichen, dann dürfte man wohl kaum mehr von einer Selbstverständlichkeit und durchsichtigen Klarheit des Ich-Erlebnisses sprechen wollen! Fragen wir uns nun zunächst, was bezeichnen wir mit dem “Ich-Begriff”? Durch die “Ich-Bezeichnung” wird das Gemeinte unfraglich nach zwei Seiten hin abgegrenzt: Dem “Ich” steht einerseits die ihm fremde, von ihm unabhängige Wirklichkeit gegenüber, und anderseits wird das “Ich” seinen Inhalten gegenübergestellt. Das Ich ist somit jedenfalls ein Beziehungsbegriff, aber eben als solcher braucht es nicht immer auf einen und denselben Gegenstand Anwendung zu finden. Das “Ich” ist vielmehr der “Eins” in der Zahlenreihe vergleichbar: Was mit diesen Beziehungsbegriffen gemeint ist, hängt eben jeweils von dem Ansatz und von der Beziehungsrichtung ab, in der sie gebraucht werden. “Ich” meine zwar mit diesem Worte nur “mich”; jeder andere aber, der dieses Wort sinnvoll gebraucht, meint eben “sich” damit.

wird fortgesetzt.

Zum bisher Erschienenen


17. Juni
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht: Mein Artikel Zeit, 'danke' zu sagen, die gesammelten Reaktionen auf Spaemanns Tod und der beeindruckende Hirtenbrief von Bischof Morlino über den anhaltenden sexuellen Missbrauch in der Kirche, ein Hirtenbrief, von dem manche Bischöfe in Deutschland lernen könnten.


16. Juni
Gott über uns - Gott mit uns - Gott in uns

Meine Predigt von heute


16. Juni
Josef Scharbert

Vor 100 Jahren, am 16. Juni 1919, wurde im Sudetenland der Exeget Josef Scharbert geboren. Von 1958 bis 1984 war er Professor für alttestamentliche Exegese, zunächst in Freising, dann in München. Hier starb er am 21. April 1998.


15. Juni
Wir feiern den Himmel

Eine Predigt zum Dreifaltigkeitsfest.


15. Juni
St. Lantpertus

Vor einem Jahr, am 15. Juni 2018, wurde das Haus St. Lantpertus, die Niederlassung der Priesterbruderschaft St. Petrus in München, kanonisch errichtet.


13. Juni
Das Zitat

Die Sünde, selbst die Sünde, mein Sohn, wird zu einer Stufe, die uns Gott näher bringt, die uns erhebt, die uns noch sicherer zu Ihm führt, wenn auf diese Sünde der tiefe Schmerz darüber folgt, sie begangen zu haben, wenn wir uns ehrlich vornehmen, sie nicht zu wiederholen, wenn wir fühlen, wie schlecht wir gegen Gottes Barmherzigkeit gehandelt haben; wenn es ihr gelingt, die härtesten Fasern unseres Herzens zu zerreißen und aus ihnen Tränen der Reue und der Liebe fließen zu lassen.

Hl. Pater Pio


13. Juni
Castor

Vor 1600 Jahren war der hl. Castor Bischof von Apt, wie aus einem Brief von Papst Bonifatius I. vom 13. Juni 419 hervorgeht. Er war der erste Bischof dieser Stadt, die ca. 50 km östlich von Avignon liegt. Er veranlasste Johannes Cassianus zur Abfassung des Werkes “De institutis coenobiorum”.


12. Juni
Komm in fünf Jahren wieder!

Erzählen wir engagiert, dass die wahre Befreiung zur Lebensfreundlichkeit erst dann erreicht wird, wenn die katholische Morallehre neu erfunden ist – regional angepasst an die vermeintliche Lebenswelt und Lebenswirklichkeit? Sagen wir dem Suchenden: “Lieber Freund, du möchtest glauben? Das ist leider ein ungünstiger Zeitpunkt. Wir sind so beschäftigt – wir reformieren gerade die Kirche. Unsere neukatholische Kirche wird dir bestimmt gefallen. Sogar einige Bischöfe machen mit, ist das nicht schön? Hier vor Ort wird alles sympathischer und netter. Vielleicht kommst du in 5 Jahren wieder, dann haben wir unsere Pläne umgesetzt.”

Aus: Thorsten Paprotny, Sie sind gern katholisch? - Erzählen Sie davon!, in CNA von heute.


12. Juni
Adalgoz von Veltheim

Vor 900 Jahren, am 12. Juni 1119, starb in Magdeburg Adalgoz von Veltheim, seit 1107 Erzbischof von Magdeburg. Er förderte tatkräftig die Evangelisierung östlich der Elbe.


11. Juni
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Meine Predigt über das tägliche Gastmahl des Herrn wurde auf der Seite mit Prosingers Stuflesserkritik eingebettet, die Predigt über die Frage, um welche Einheit es bei der Kirche geht, aufs Georg Mays Falschlehrerseite. Der Podcast über die konziliare Aufwertung des Wunders ist beim gleichnamigen Aufsatz eingebettet.


11. Juni
Kenneth Walker

Vor fünf Jahren, am 11. Juni 2014, wurde in Phoenix P. Kenneth Walker FSSP ermordet.


10. Juni
Netflix boykottieren!

Weltweit haben Christen begonnen, Netflix zu boykottieren, weil Netflix Abtreibung aktiv fördert und seinerseits versucht hat, den Bundesstaat Georgia wegen dessen Gesetzen zugunsten des Lebensrechts zu erpressen. Leider kann ich mein Netflix-Abo nicht kündigen, weil ich keines habe...


9. Juni
Die Seele der Kirche

Meine Pfingstpredigt von heute


8. Juni
Was ist der Maßstab?

Es schmerzte sie, dass ihr mit der Liturgiereform und der ihr folgenden Neustrukturierung der Orden genau das entzogen wurde, was ihr Leben geprägt hatte und weiter hätte formen sollen. Was Isa Vermehren in ihren Tagebüchern mit scharfem Verstand und glasklarer Logik analysiert, ist, dass sich in den 1960er und 1970er Jahren die Blickrichtung von der Mitte des Glaubens, dem Herzen Jesu, auf den Menschen hin änderte. Maßstab war nun nicht mehr das Gegebene, sondern das Gewünschte, Erhoffte oder schlimmer noch, das subjektiv Empfundene. Das aber ist ein herber Gegensatz zu einem Leben, in dessen Zentrum es steht, Jesus von innen her zu begreifen, so im geistlichen Leben zu wachsen, um dann anderen dienen zu können, durch konsequente Formung dieselbe Weite des Herzens zu erlangen.

Aus: Barbara Stühlmeyer, Erkämpfte Konsequenz. Die Tagebücher von Schwester Isa Vermehren geben Einblick in das Denken einer außergewöhnlichen Frau, in: Tagespost vom 2. Mai 2019. Es handelt sich um Rezension von Isa Vermehren, Tagebücher 1950-2009, hg. von Helga Böse, Heimbach/Eifel 2017. Hier auf kath-info gibts weitere Infos über diese bemerkenswerte Frau, die ich selber noch kennenlernen durfte.


7. Juni
Reformer vs. Konzil

Die Einheit des dreistufigen Ordo ist aufgrund der entsprechenden Aussagen des Zweiten Vatikanum nicht hinterfragbar. Dasselbe gilt, wie eben dargelegt, von der zentralen Sentenz des Lehrschreibens “Ordinatio sacerdotalis”. Deshalb erkenne ich keinen gangbaren Weg zu einem sakramentalen Diakonat der Frau.

Der Theologe Karl-Heinz Menke im Interview mit der Tagespost, Ausgabe von gestern. Es ist interessant zu sehen, wie wenig sich manche Reformer um das letzte Konzil kümmern, sobald es ihnen nicht in den Kram passt. Das gilt in dem von Menke angesprochenen Fall für jene, die zwar zugeben, dass das Frauenpriestertum unmöglich sei, aber das Frauendiakonat für diskutabel halten. Denn in diesem Fall wird die Einheit des Ordo (also des dreistufigen Weihesakraments mit den drei Stufen Diakonat - Priestertum - Bischofsamt) auseinandergerissen und damit eine zentrale Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgewiesen.


7. Juni
In kirchliche Strukturen eingedrungen

Baier: Hätte nicht gerade die Kirche der heutigen Gesellschaft etwas zur Sexualität zu sagen, etwa die Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II.?

Bonelli: Ja, denn Papst Johannes Paul II. hat immer die personale Dimension der Liebe zwischen Mann und Frau hervorgehoben. Leider sind Irrtümer wie die “Sexualpädagogik der Vielfalt” von Helmut Kentler tief in kirchliche Strukturen eingedrungen. Ich kann da nur warnen: Frühsexualisierung ist das Muster des Pädophilen. Dennoch sind viele sexualpädagogischen Ansätze auf die Frühsexualisierung aus - auch innerhalb der Kirche...

Aus dem Interview von Stephan Baier mit dem Psychiater Raphael Bonelli, dem Gründer des Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie, in der Tagespost von gestern. Während der Psychiater vor der Frühsexualisierung warnt und die Theologie des Leibes empfiehlt, gehen Theologen des synodalen Weges den umgekehrten Weg.


6. Juni
Meine neueste Podcast-Episode


6. Juni
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

67. Folge

Indessen ist die Ausdrucksweise der Heiligen Schrift und namentlich der heiligen Väter, wenn vom Tempel des Heiligen Geistes die Rede ist, so stark und konstant, daß wir, wenn immer möglich, hier an eine dem Heiligen Geiste wirklich hypostatisch eigentümliche Besitznahme der Kreatur denken müssen. In der Tat glauben wir, daß sich das auch sehr gut denken läßt. Wenngleich die Substanz und die Tätigkeit allen Personen gemeinschaftlich, so ist doch der Besitz der Substanz jeder Person eigentümlich. Wie jede einzelne Person die göttliche Natur auf eine besondere Weise besitzt, so kann sie auch eine geschaffene auf eine ihr eigentümliche Weise und insofern allein besitzen. Wir sehen das beim Sohne in der Inkarnation. Wenn hier der Sohn allein eine geschaffene Natur zum physischen Besitze in sich aufnimmt, sollte dann nicht der Heilige Geist auf eine seiner Person eigentümliche Weise durch einen minder vollkommenen und bloß moralischen Besitz (durch eine henosis schetiké im Gegensatz zur physiké kai hypostatiké, d. h. eis hypóstasin mían) ein geschaffenes Wesen in Besitz nehmen können, so daß die übrigen göttlichen Personen jenes Wesen in dieser bestimmten Beziehung nicht unmittelbar, sondern nur in ihm besitzen, wie das bei dem Sohne und seiner Menschheit der Fall ist?

So wahr der Heilige Geist in seiner hypostatischen Eigentümlichkeit und kraft derselben das Pfand ist, worin und wodurch wir die andern Personen besitzen und umfangen: so wahr muß er auch in seiner hypostatischen Eigentümlichkeit für dieselben der Depositar sein können, worin und wodurch sie uns besitzen; so wahr muß er, als von den andern Personen ausgehend, in uns wohnen können, als in seinem, ihm auf eine besondere Weise eigenen Tempel, obgleich er diesen Tempel nicht nur wegen der Einheit der Substanz, sondern auch wegen seiner persönlichen Relation zu den andern Personen nicht ohne sie, vielmehr nur für sie in Besitz nehmen kann. So wahr ferner der Heilige Geist in ganz besonderer Weise der Gegenstand unserer besitzenden und genießenden Liebe ist, so wahr kann er auch in seiner Person der besondere Gegenstand des Kultus unserer dankbaren Liebe sein; ihm, in dem die übrigen Personen sich uns schenken, können und müssen wir auch uns zunächst hingeben und weihen zu seinem besondern Eigentum, um in ihm und durch ihn dem Vater und dem Sohne anzugehören (Daher die alte Doxologie: “Gloria Patri per Filium in Spiritu Sancto”). Ja, nachdem der Heilige Geist als Pfand seiner väterlichen Liebe uns vom Vater geschenkt worden, können und sollen wir ihn auch als das einzig würdige Pfand unserer Gegenliebe dem Vater und dem Sohne darbringen; denn wie wir Gott dafür, daß er uns seinen Sohn in der Inkarnation geschenkt, nicht anders würdig danken können, als wenn wir ihm diesen Sohn selbst zum Dankopfer darbringen: so können wir auch die Liebe, in welcher er uns den Heiligen Geist geschenkt, nur dadurch erwidern, daß wir diesen Geist selbst als das Pfand unserer Liebe ihm wiederschenken.

Es ist also klar, daß die beiden scheinbar entgegengesetzten Beziehungen der Hingabe und des Besitzergreifens miteinander verwandt sind. Beide zugleich sind in den herrlichen Worten des Hymnus ausgedrückt, wo es heißt, daß der Heilige Geist der süße Gast unserer Seele (Dulcis hospes animae, im Hymnus “Veni Creator”) sei; als Gast nimmt er von unserer Seele Besitz, aber als ein süßer Gast, der uns nur durch unsere Liebe besitzen will und dieser Liebe sich selbst zum süßen Genusse, zur seligen Umarmung darbietet. Als Gast erscheint er überdies nicht nur als eine hypostatische, sondern auch als persönliche Gabe.

Fassen wir diese Art der Sendung näher ins Auge, so werden wir in dem einen Mysterium viele verschiedene finden; wir werden namentlich den ganzen tiefen Sinn vieler Stellen der Heiligen Schrift und der Väter verstehen, denen sonst nur ein sehr vager oder oberflächlicher Sinn untergelegt wird. Wir werden sehen, daß der Heilige Geist durch seine gastliche Einwohnung in unserer Seele auf höchst erhabene, wunderbare Weise nicht nur die “causa efficiens” und “exemplaris”, sondern auch in gewissem Sinne die “causa formalis” unserer übernatürlichen Heiligkeit, der Würde der Kindschaft Gottes und unserer Vereinigung mit den göttlichen Personen ist, wie mehrere der ausgezeichnetsten Theologen auf Grund eines tieferen Väterstudiums behauptet haben.

Wird fortgesetzt


4. Juni
Die schöpferische Kraft der Häresie

Von Hilaire Belloc

Was ist eine Häresie und worin besteht ihre historische Bedeutung?

Wie die meisten modernen Begriffe, wird „Häresie“ sowohl in vager als auch in mannigfaltiger Bedeutung verwendet. Er wird vage gebraucht, da dem modernen Geist die Präzision von Gedanken genauso zuwider ist, wie er entzückt ist von der Präzision in der Vermessung. Er wird mannigfaltig gebraucht, und je nachdem, wer ihn gebraucht, kann er für eins von vielen Dingen stehen.

Heute impliziert das Wort „Häresie“ für die Menschen (die die englische Sprache verwenden) längst verflossene und vergessene Querelen, ein altes Vorurteil gegen rationale Auseinandersetzungen. Der Häresie wird demzufolge keine zeitgenössische Bedeutung beigemessen. Das Interesse daran ist tot, denn sie behandelt eine Materie, die niemand mehr ernst nimmt. Man hat Verständnis, wenn jemand sich aus archäologischer Neugier für eine Häresie interessiert. Sagt er aber, sie habe eine große Wirkung auf die Geschichte gehabt und sei auch heute von Bedeutung, so wird er schwerlich verstanden werden.

Trotzdem ist das Thema der Häresie im Allgemeinen von höchster Wichtigkeit für den ...
weiterlesen


3. Juni
Die Befreiung der Kinder

Jeder von uns kann sich vielleicht vorstellen – dazu bedarf es keiner Fantasie –, wie scharf die Kritik ausgefallen wäre, wenn Benedikt XVI. in dezidiert kritischer Absicht das nachfolgend Zitierte gesagt hätte: "Zu den Projekten der 68er gehörte die sexuelle Befreiung der Kinder, der Bruch aller Schamgrenzen wurde bei einem Teil der Bewegung zum Programm. So entstand ein Klima, in dem selbst Pädophilie als fortschrittlich galt." Davon hat Benedikt nicht gesprochen, und das musste er auch nicht. Eine sprachlos machende Analyse der skandalösen Grenzüberschreitungen und Anleitungen zum sexuellen Missbrauch in der Sexualpädagogik im Gefolge der 1968er-Bewegung stand im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" – am 21. Juni 2010.

Aus: Thorsten Paprotny, Benedikts Projekt der Aufklärung


3. Juni
Didacus Oddi

Vor 100 Jahren, am 3. Juni 1919, starb in Bellegra im Alter von knapp 80 Jahren der Franzsikaner Didacus Oddi OFM. Obwohl Analphabet und Almosensammler, wurde er als Ratgeber hochgeschätzt und selbst von Bischöfen und Kardinälen in Anspruch genommen. Er hatte die Gabe der Prophetie und der Bilokation. Am 3. Oktober 1999 wurde er seliggesprochen.


3. Juni
Anton Maria Anderledy

Vor 200 Jahren, am 3. Juni 1819, wurde in Berisal bei Brig Anton Maria Anderledy SJ geboren. 1838 trat er der Gesellschaft Jesu bei, wurde Volksmissionar, dann Professor für Moraltheologie in Maria Laach und 1887 der 23. Ordensgeneral. “Sein Hauptaugenmerk galt der Aufrechterhaltung des Ordensgeistes mitten in den Verfolgungen” (LTK, 1. Auflage). Am 18. Januar 1892 starb er in Fiesole bei Florenz.


2. Juni
Reale statt begriffliche Zustimmung

Meine Predigt von heute


2. Juni
Reduktion auf die Methode

Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger als ausgewiesener Experte machte auf ein grundlegendes Problem aufmerksam, worunter Exegese und Theologie gleichermaßen leiden: Es geht um die Frage, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um die Heilige Schrift zu verstehen. Dabei geht es prinzipiell um eine Richtungsentscheidung, an der sich die Geister - und Exegeten - scheiden. Erschließt sich der Sinn der Schrift allein durch einen akademischen Vollzug, gestützt auf die historisch-kritische Methode, oder ist auch eine geistliche Erfahrung notwendig? Kommt es zur Reduktion auf die Methode, dann läuft die Theologie Gefahr, ihrer Seele beraubt zu werden. Das geistige Vakuum wird dann mit anderen Dingen gefüllt, nicht selten geschieht dies in Anlehnung an Yoga, Zen, etc. In den Untersuchungen hat sich gezeigt, dass sich Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. dieser Problematik bewusst war und er auf die kanonische Exegese rekurrierte, um Wissenschaft und Spiritualität wieder zueinander zu bringen.

Aus: Don Ralph Weimanns Bericht über das Jahrestreffen des Neuen Schülerkreises Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. Wie verstehe ich die Bibel richtig? Ratzinger Schülerkreis erörtert Exegese und Theologie.

Weiteres zum Thema auf kath-info.


1. Juni
Benedikts Stein des Anstoßes

Hier verteidige ich die Missbrauchsanalyse des emeritierten Papstes gegen Kritik und zeige, wie verlogen diese zum Teil ist.


1. Juni
Über die Notwendigkeit der Gnade

Zum morgigen Sonntag nach Christi Himmelfahrt kann ich zwei Predigten anbieten: Bewahre sie vor dem Bösen! und die Gabe des guten Willens.


1. Juni
Pierro Camaiani

Vor 500 Jahren, am 1. Juni 1519, wurde in Arezzo der Bischof und Nuntius Pierro Camaiani geboren. 1551 wurde er Nuntius am Kaiserhof, 1552 Bischof von Fiesole, 1554 Nuntius in Neapel, 1566 Bischof von Ascoli und Nuntius in Spanien. Er nahm an der dritten Tagungsperiode des Konzils von Trient teil und “widerstand mannhaft unzulässiger Beeinflussung durch Herzog Cosimo I.” Als Bischof von Ascoli setzte er sich “energisch für die tridentinische Reform ein” (Hubert Jedin im LThK, 2. Auflage). Am 27. März 1579 starb er in Ascoli Piceno.


31. Mai
Das Nahtoderlebnis von Hellmut Laun

Meine Predigt von gestern.


31. Mai
Benedikts Missbrauchsanalyse jetzt als Broschüre

Die Missbrauchsanalyse, die der emeritierte Papst Benedikt XVI. im April vorgelegt hat, ist jetzt - zusammen mit einem Vorwort von Albert Christian Sellner - unter dem Titel Ja, es gibt Sünde in der Kirche. Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche als Broschüre im FE-Verlag erschienen.

Verbreiten Sie diese Broschüre!
Denn es gibt sicherlich viele Katholiken, die den Text nie gelesen haben, aber von der Kritik an ihm gehört und sich deshalb ein falsches Bild von ihm gemacht haben. Aufklärung tut not!


30. Mai
Schockenhoffs Frühling

Der Moraltheologe Prof. Eberhard Schockenhoff hat im März den deutschen Bischöfen einen Vortrag über die Reformbedürftigkeit der kirchlichen Morallehre gehalten. Auf dem MeinungsMacherBlog der Tagespost habe ich mir meine Gedanken darüber gemacht, was er wohl mit dem dadurch erhofften Frühling meint.


30. Mai
Weihe Spaniens

Vor 100 Jahren, am 30. Mai 1919, weihte König Alfons XIII. (1886-1931) Spanien dem heiligsten Herzen Jesu. Dies geschah auf dem Cerro de los Angelos (Engelshügel, siehe Bild) in Getafe, ca. 10 km südlich von Madrid. Dazu war eine 24 Meter hohe Herz-Jesu-Statue errichtet worden. Der König nahm die Weihe mit prachtvoller Feierlichkeit vor in Gegenwart aller spanischen Bischöfe und der höchsten Würdenträger des Reiches. 2009 wurde die Weihe von Kardinal Antonio M. Rouco Varela, dem Präsidenten der Spanischen Bischofskonferenz, in Gegenwart von etwa einem Dutzend weiterer Bischöfe am selben Ort erneuert. Am 2. Dezember 2018 hat das Bistum Getafe das Jubiläumsjahr zum 100. Jahrestag der Weihe eröffnet.


30. Mai
Felix Dobner

Vor 300 Jahren, am 30. Mai 1719, wurde in Prag der “Vater der neueren kritischen Geschichtsschreibung Böhmens” Felix Dobner geboren. 1736 trat er bei den Piaristen ein und erhielt den Namen Gelasius. “1752 errichtete Dobner die Ordensniederlassung mit Schule in Prag. Er machte sich verdient um das Schulwesen der Piaristen in Böhmen-Mähren” (LThK, 2. Auflage). Von Maria Theresia wurde er zum kaiserlich-königlichen Historiographen ernannt. Am 24. Mai 1790 starb er in Prag.


29. Mai
Raumfahrt der Herzen

Zum Fest Christi Himmelfahrt gibts auf Soundcloud zwei Predigten von mir: die Raumfahrt der Herzen (B16) und Ein Fest der Trauer?


29. Mai
Memoriale Domini

Vor 50 Jahren, am 29. Mai 1969, erlaubte Papst Paul VI. mit der Instruktion der Gottesdienstkongregation Memoriale Domini, unterschrieben von Benno Kardinal Gut und Annibale Bugnini, die Handkommunion.
Die Mundkommunion wurde als die ordentliche Form der Kommunionspendung nachdrücklich bekräftigt. Die Möglichkeit zur Handkommunion wurde nur dort und insofern erlaubt, wo sie sich schon eingebürgert hatte (im Ungehorsam, progressistisch "vorauseilender Gehorsam" genannt):
“Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die Heilige Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände – wenn solche vorhanden sind – zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, dass jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten.”

In Deutschland und anderen Ländern machten die Bischöfe von diesem Indult in solchem Maße Gebrauch, dass die Handkommunion schon bald als ordentliche Form erschien und bis heute erscheint. Als umgekehrt 1984 das Indult für die alte Liturgie herauskam, wurde es äußerst restriktiv angewandt oder gar boykottiert. Die einschränkenden Bedingungen wurden oft noch verschärft, während die Bedingungen, unter denen Paul VI. die Handkommunion erlaubte (siehe obiges Zitat), völlig ignoriert wurden.


28. Mai
Das Besondere der Krise

Cathwalk, der originelle katholische Blog mit Begeisterungsauftrag für das Schöne (“Ästheten aller Länder, vereinigt euch!”), hat gestern ein Interview mit mir veröffentlicht.


28. Mai
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Meine Predigt über das Fest, an dem wir den Himmel feiern, habe ich auf der Himmelsseite, meinen Podcast über die unter Atheisten höchst umstrittene Frage, ob ohne Gott die Moral eine Illusion sei, auf der Atheismusseite eingebettet. Für die englische Übersetzung meines Aufsatzes über die Liebe als Schlüssel zur Erkenntnis wurde eine eigene Seite erstellt.


27. Mai
Gaben des Geistes

Von P. Martin Ramm FSSP ist ein neues Büchlein über die sieben Gaben des Heiligen Geistes erschienen. Auf 240 Seiten erläutert es klar und verständlich den Glauben der Kirche an die dritte göttliche Person. Vom Heiligen Geist her wird ‚Christsein‘ definiert und im Hinblick auf die Herausforderungen der modernen Welt konkretisiert. In vielen praktischen Details zeigt es, wie Christsein ‚geht‘.
Mit einem kleinen Firmkatechismus im Anhang ist es besonders gut geeignet für Firmlinge, Firmpaten, Konvertiten und nicht zuletzt für Priester und Katecheten. Gegen eine freiwillige Spende kann es bei der Petrusbruderschaft bestellt werden.


27. Mai
Die eigentliche Bruchstelle der Polarisierung

Zunächst ist der Glaube unserer Kirche der Maßstab, der mich leitet. Ich halte beispielsweise die Inhalte unseres Katechismus für wahr, im Grunde alle – und zwar aus theologischer und philosophischer Überzeugung. Und ich habe bei meiner Bischofsweihe feierlich versprochen, eben diesen Glauben auch zu schützen und zu verteidigen. Und hier sind wir schon beim ersten Problem: Es gibt aus meiner Sicht eine breite Mehrheit innerhalb unserer Kirche und innerhalb unserer theologischen Wissenschaften, die den Katechismus für überaus problematisch halten. Und die ihre eigene theologische Identität nicht selten daraus ableiten, dass sie sich erst einmal kritisch davon distanzieren müssen, weil man vieles ja heute so nicht mehr sagen könne, man müsse sich hier kritisch weiter entwickeln. Ich halte aber genau das für problematisch, weil sich gerade hier, an der kirchlich gültigen Formulierung des Glaubens und dem Bekenntnis dazu schon die eigentliche Bruchstelle der Polarisierung anzeigt.

Aus der Predigt von Bischof Stefan Oster OSB anlässlich der Ausrufung der Maria-Hilf-Woche und des fünften Jahrestages seiner Bischofsweihe am 24. Mai 2019.


26. Mai
Das Zitat

Es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich sein kann, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.

Sören Kierkegaard


26. Mai
Theologischer Substanzverlust

Der niederländische Dirigent und Bach-Spezialist Ton “Koopman vermisst in den meisten Predigten eine intellektuell verantwortete Rechenschaft über den christlichen Glauben, die auch von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophen Robert Spaemann immer wieder angemahnt worden war. Spaemann, der sich als Intellektueller mit christlicher Verortung und scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes in den öffentlichen Diskurs einbrachte, konstatierte einen zunehmenden intellektuellen Substanzverlust in der Kirche.”

Aus: Béatrice Acklin Zimmermann, Den Kirchen gelingt es immer weniger, intellektuell anspruchsvolles Publikum anzusprechen, in: NZZ vom 19. April 2019


25. Mai
Das unterschätzte Geschenk

Eine Predigt zum morgigen 5. Sonntag nach Ostern


25. Mai
Vermisste Hellsichtigkeit

Robert Spaemann sei wegen seines Engagements gegen Euthanasie dort angekommen, “wogegen er sich in seinen Jugendjahren hellsichtig verwahrt hatte: bei der politischen Rechten", so schrieb die Frankfurter Rundschau in ihrem Nachruf zum Tode Spaemanns, unkommentiert und offensichtlich zustimmend zitiert von Information Philosophie (März 2019).
Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Wenn man sich heute gegen Euthanasie engagiert, also gegen etwas, was seinerzeit von den Nazis praktiziert wurde, gehört man zur politischen Rechten. Aber seien wir fair: Nicht nur das Engagement gegen Euthanasie ist unseren Freunden von FR und IP ein Dorn im Auge: Außer Euthanasie werden noch Abtreibung, Empfängnisverhütung und künstliche Befruchtung genannt. Aber das macht die Sache nicht besser. Denn in allen Fällen gehe es um eine Bedrohung der “Idee der menschlichen Person als ‘transzendentes Wesen.’”
Wer sich also für die Würde der menschlichen Person einsetzt, ist heute rechts. Allerdings hat nicht Spaemann sich gewandelt, sondern das politische Koordinatensystem. Das nicht zu durchschauen, ist gerade ein Mangel an jener Hellsichtigkeit, die sich Spaemann über all die Jahre hinweg bewahrt hat.


24. Mai
Viele Anlässe zum Protest

Nach wie vor werden weltweit Frauen unterdrückt: Mitgiftmorde, Ehrenmorde an Frauen, Witwenverbrennung, Mädchenabtreibung, Mädchentötung, Mädchenbeschneidung, Kinderheiraten, Polygamie, Haremskulturen, heute kommt dazu: Druck zur Abtreibung, Leihmutterschaft auf Bezahlung. Es gäbe viele Anlässe für katholische Frauenverbände, sich dagegen laut aufzulehnen. (...). Die Fakten der Frauenverachtung sprechen eine interreligiöse und interkulturelle Sprache. Es ist wesentlich das Christentum, das diese Gewohnheiten angreift und überhaupt die weibliche Würde gegen religiös unterbaute Herabwürdigung verteidigt.

Aus der empfehlenswerten Kritik von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz an Maria 2.0: Maria 3.0, in der Tagespost von gestern.

Zum Thema Frau und Christentum


23. Mai
Priesterseminar ULF von Guadalupe

Vor 25 Jahren, am 23. Mai 1994, wurde das zweite Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Petrus errichtet, das amerikanische Priesterseminar Unserer Lieben Frau von Guadalupe.


21. Mai
Maria 1.0

Es hat sich eine alternative Frauenbewegung zu Maria 2.0 gebildet, die sich auf einer ansprechenden Website vorstellt.


21. Mai
Kathinfo-Orientierungsservice

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Meine Predigt über Maria mit einem kleinen Versuch zur Geschlechtertheologie habe ich auf der Frauenseite eingebettet. Die beiden Zitate von Kardinal Brandmüller und Stephan Schwarz über die Entmachtung der Bischöfe bzw. deren Überforderung finden sich auf der Bischofsseite (ganz unten). Die Würdigung Christoph von Schmids durch Petra Kehl zu seinem 250. Geburtstag habe ich einer anderen Biographie dazugesellt.


19. Mai
Sünde, Gerechtigkeit, Gericht

Eine Predigt zum 4. Sonntag nach Ostern

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