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* * *

31. Juli
Frühzeitige Warnung aus Rom vor der Genderideologie

Heute vor zehn Jahren, am 31. Juli 2004, veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem Präfekten Joseph Kardinal Ratzinger ein Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt. Darin wird auch die Genderideologie präzise beschrieben und zurückgewiesen. Angesichts der Entwicklung, die diese Ideologie inzwischen genommen hat, kann man das Schreiben nur als prophetisch bezeichnen. Doch es stieß in manchen Regionen, wie wir es ja schon gewohnt sind, auf taube Ohren, so dass die Ausbreitung dieser Ideologie auf keinen Widerstand seitens der Kirche stieß. Inzwischen sind jedoch einige Bischofskonferenzen aufgewacht und schlagen Alarm, so die polnische, portugiesische und slowakische.

Wir bringen hier einige Ausschnitte:

2. In den letzten Jahren haben sich in der Auseinandersetzung mit der Frauenfrage neue Tendenzen abgezeichnet. Eine erste Tendenz unterstreicht stark den Zustand der Unterordnung der Frau, um eine Haltung des Protestes hervorzurufen. So macht sich die Frau, um wirklich Frau zu sein, zum Gegner des Mannes. Auf die Missbräuche der Macht antwortet sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht. Dieser Prozess führt zu einer Rivalität der Geschlechter, bei der die Identität und die Rolle des einen zum Nachteil des anderen gereichen. Die Folge davon ist eine Verwirrung in der Anthropologie, die Schaden bringt und ihre unmittelbarste und unheilvollste Auswirkung in der Struktur der Familie hat.

Im Sog dieser ersten Tendenz ergibt sich eine zweite. Um jegliche Überlegenheit des einen oder des anderen Geschlechts zu vermeiden, neigt man dazu, ihre Unterschiede zu beseitigen und als bloße Auswirkungen einer historisch-kulturellen Gegebenheit zu betrachten. Bei dieser Einebnung wird die leibliche Verschiedenheit, Geschlecht genannt, auf ein Minimum reduziert, während die streng kulturelle Dimension, Gender genannt, in höchstem Maß herausgestrichen und für vorrangig gehalten wird. Die Verschleierung der Verschiedenheit oder Dualität der Geschlechter bringt gewaltige Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen mit sich. Diese Anthropologie, die Perspektiven für eine Gleichberechtigung der Frau fördern und sie von jedem biologischen Determinismus befreien wollte, inspiriert in Wirklichkeit Ideologien, die zum Beispiel die Infragestellung der Familie, zu der naturgemäß Eltern, also Vater und Mutter, gehören, die Gleichstellung der Homosexualität mit der Heterosexualität sowie ein neues Modell polymorpher Sexualität fördern.

3. Die unmittelbare Wurzel der genannten Tendenz findet sich im Kontext der Frauenfrage. Ihre tiefste Begründung muss aber im Versuch der menschlichen Person nach Befreiung von den eigenen biologischen Gegebenheiten gesucht werden. [1] Gemäß dieser anthropologischen Perspektive hätte die menschliche Natur keine Merkmale an sich, die sich ihr in absoluter Weise auferlegen: Jede Person könnte und müsste sich nach eigenem Gutdünken formen, weil sie von jeder Vorausbestimmung auf Grund ihrer Wesenskonstitution frei wäre.

Diese Perspektive hat vielfältige Auswirkungen. Zum einen wird dadurch die Meinung bekräftigt, die Befreiung der Frau bringe eine Kritik an der Heiligen Schrift mit sich, die ein patriarchalisches Verständnis von Gott überliefere, das von einer wesentlich männlichen Kultur genährt sei. Zum anderen ist es gemäß dieser Tendenz unwichtig und bedeutungslos, dass der Sohn Gottes die menschliche Natur als Mann angenommen hat.

4. Angesichts dieser Denkströmungen spricht die Kirche hingegen, erleuchtet vom Glauben an Jesus Christus, von aktiver Zusammenarbeit von Mann und Frau bei ausdrücklicher Anerkennung ihrer Verschiedenheit.

[...]

8. Eine Durchsicht dieser grundlegenden Texte macht es möglich, einige Kernaussagen der biblischen Anthropologie zu bekräftigen. Vor allem muss der personale Charakter des Menschen unterstrichen werden. „Der Mensch ist eine Person: das gilt in gleichem Maße für den Mann und für die Frau; denn beide sind nach dem Bild und Gleichnis des personhaften Gottes geschaffen“. [2] Die gleiche Würde der Personen verwirklicht sich als physische, psychologische und ontologische Komplementarität, die eine auf Beziehung angelegte harmonische „Einheit in der Zweiheit“ schafft. Nur die Sünde und die in der Kultur eingeschriebenen „Strukturen der Sünde“ haben aus dieser Beziehung eine potentielle Konfliktsituation gemacht. Die biblische Anthropologie legt nahe, die Probleme im Zusammenhang mit der Verschiedenheit des Geschlechts auf öffentlicher und privater Ebene in einer Weise anzugehen, die von der gegenseitigen Beziehung und nicht von Konkurrenz oder Rache ausgeht.

Darüber hinaus ist zu unterstreichen, wie wichtig und sinnvoll die Verschiedenheit der Geschlechter als eine dem Mann und der Frau tief eingeschriebene Wirklichkeit ist. „Die Geschlechtlichkeit kennzeichnet Mann und Frau nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der psychologischen und geistigen Ebene und prägt alle ihre Ausdrucksweisen“.[3] Sie kann nicht auf einen unbedeutenden biologischen Aspekt reduziert werden, sondern „ist eine grundlegende Komponente der Persönlichkeit; sie ist eine ihrer Weisen zu sein, sich zu äußern, mit den anderen in Kontakt zu treten und die menschliche Liebe zu empfinden, auszudrücken und zu leben“.12 Diese Fähigkeit zu lieben, Abglanz und Bild Gottes, der die Liebe ist, äußert sich auch im bräutlichen Charakter des Leibes, in dem die Männlichkeit bzw. die Weiblichkeit der Person eingeschrieben ist.

Diese anthropologische Dimension der Geschlechtlichkeit kann nicht von der theologischen Dimension getrennt werden. Das menschliche Geschöpf in seiner Einheit von Seele und Leib ist von Anfang an durch die Beziehung zum anderen gekennzeichnet.

[1] Zur komplexen Frage des Gender vgl. auch Päpstlicher Rat für die Familie, Familie, Ehe und „de-facto“ Lebensgemeinschaften (26. Juli 2000), 8: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache (22. Dezember 2000), 8.

[2] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 6: AAS 80 (1988) 1663.

[3] Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe. Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung (1. November 1983), 4: Ench. Vat. 9, 423.

Weitere Infos zur Gendertheorie


30. Juli
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Fünfter Teil

Den Katholiken der neu erworbenen westlichen Landesteile wurde durch die königlichen Besitzergreifungspatente der Schutz ihrer Religion feierlich zugesagt. Behufs Wiederherstellung der zerstörten kirchlichen Organisation knüpfte die Regierung Verhandlungen mit dem Römischen Stuhle an, welche zum Erlaß der Bulle De salute animarum führten. Durch diese Bulle, welche Papst Pius VII. am 16. Juli 1821 erließ und König Friedrich Wilhelm III. durch Kabinettsordre vom 23. August desselben Jahres zum Staatgesetz erhob, wurden acht Bischofssitze (Köln, Paderborn, Münster, Trier , Breslau, Ermland, Posen-Gnesen und Kulm) nebst Domkapiteln, Seminarien und theologischen Lehranstalten (bzw. theologischen Fakultäten) neu gegründet und zu deren Ausstattung die nötigen Fonds aus Staatsmitteln angewiesen. Die in der Bulle fixierte Verpflichtung, die einzelnen Sprengel zu dotieren und diese Dotationen auf Staatsdomänen zu radicieren, ist bis heute [1894] nicht erfüllt worden. Hinsichtlich der Bischofswahlen enthielt die Bulle De salute animarum nur die Bestimmung, daß der zu Wählende Preuße sein müsse. Durch das auf besonderer Vereinbarung mit der preußischen Regierung beruhende Breve Quod de fidelium ist jedoch auch die Wahl eines deutschen Priesters, der nicht Preuße sei, für zulässig erklärt worden, während andererseits das Kapitel verpflichtet wurde, vor der Wahl sich zu vergewissern, daß der in Aussicht genommene Kandidat keine dem Könige mißliebige Persönlichkeit sei. Die preußische Regierung hat seitdem wiederholt das Recht in Anspruch genommen, alle auf der vom Domkapitel vorzulegenden Kandidatenliste stehenden Kandidaten zu streichen und Ergänzung oder Vorlegung einer neuen Liste zu fordern, während der Apostolische Stuhl daran festhält, bei dem Listenverfahren müsse die Regierung behufs Ermöglichung einer Wahl drei Kandidaten auf der Liste stehen lassen.

Während die Bulle De salute animarum die äußeren Bedingungen für die Betätigung katholisch-kirchlichen Lebens wiederhergestellt hatte, machte sich die staatskirchliche Tradition der preußischen Kirchenpolitik alsbald wieder in der frühern Weise geltend. In alle kirchlichen Angelegenheiten wurde hineinregiert; in die Ausübung geistlicher Funktionen, die Verwaltung der geistlichen Seminarien, die Prüfungen der Aspiranten zum geistlichen Stande, das kirchliche Kollektenwesen, den Gebrauch der Katechismen in der Schule.

In der Frage der Mischehen traf König Friedrich Wilhelm III. [1797-1840] folgenschwere Anordnungen. Bereits i.J. 1803 hatte er durch die Deklaration vom 21. November eine Abänderung des § 76 des Allgemeinen Landrechts dahin getroffen, daß in Zukunft eheliche Kinder stets in der Religion des Vaters zu erziehen seien. Diese Deklaration ward durch Kabinettsordre vom 17. August 1825 auch auf die Rheinlande und auf Westfalen ausgedehnt. Zur Begründung wies die Kabenettsordre auf die in den östlichen Provinzen geltende Praxis hin, wo tatsächlich, insbesondere in der Diözese Breslau, die Nachgiebigkeit gegen die Forderungen der Regierung bis zum vollen Widerspruch gegen alle kirchlichen Grundsätze und den Apostolischen Stuhl getrieben wurde. Inzwischen richtete Papst Pius VIII. [31.3.1829-30.11.1830] am 25. März 1830 das Breve Litteris altero ab hinc an die vier rheinisch-westfälischen Bischöfe. Dasselbe ließ die allgemein geltende Norm unberührt, wonach die Erlaubnis zur Einsegnung einer gemischten Ehe von der Verbürgung ungefährdeter Religionsübung des katholischen Teils, katholischer Erziehung der Kinder und ausschließlicher Einsegnung der Ehe durch den katholischen Geistlichen abhängig sein sollte. Mit Rücksicht auf die eigentümlichen Verhältnisse in Preußen gestattete aber der Papst den Pfarrern die passive Assistenz auch ohne die Gewährung dieser Bürgschaften und erklärte, dass in Zukunft auch die ohne Beobachtung der tridentinischen Form geschlossenen Ehen gültig sein sollten. Die Regierung wünschte jedoch ein der Durchführung der Kabinettsordre vom 17. August 1825 nicht entgegenstehendes Breve und wußte die rheinisch-westfälischen Bischöfe zum Abschluß der Geheimen Konvention über die gemischten Ehen vom 19. Juni 1834 zu bestimmen, welche über die vom Apostolischen Stuhle gewährten Zugeständnisse weit hinausging und das Breve Litteris altero ab hinc in wesentlichen Punkten verletzte, indem sie insbesondere von dem Versprechen der katholischen Kindererziehung als unerläßlicher Bedingung absah. Erzbischof Ferdinand August [von Spiegel] von Köln [1824-1835] und die Bischöfe von Trier, Münster und Paderborn erließen auf Grund jener Konvention Pastoral-Instruktionen, welche die Abnahme eines Versprechens der katholischen Kindererziehung ausdrücklich untersagten.

wird fortgesetzt

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29. Juli
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter Teil

Es lassen sich ab dem 12. Jahrhundert zwei Traditionslinien unterscheiden: die theologische und die kanonistische. Dabei hält die kanonistische Linie bezeichnenderweise weitaus länger am Dualismus fest als die theologische. Letztere entwirft ein ideales Bild der Christenheit, erstere hat es mit den konkreten Realitäten zu tun. Aus diesem Grund neigt die theologische Linie, repräsentiert etwa durch Hugo von St. Victor und Johannes von Salisbury, zur Herausarbeitung einer geschlossenen Einheit der christlichen Heilsordnung, neben der kein Platz mehr ist für eine selbständige politische Gewalt. Diese wird zu einem Moment innerhalb der Kirche herabgedrückt. Deutlich wird dies etwa formuliert von Hugo von St. Victor (+ 1141), der daraus auch das Absetzungsrecht der "spiritualis potestas" - wiederum das Abstractum statt des Papstes! - ableitet. Demgegenüber war die kanonistische Tradition lange Zeit weitaus vorsichtiger. So wurde etwa von den Glossatoren des Decretums Gratiani das Recht der Thronenthebung, das Papst Gregor VII., sich auf das historische Vorbild des Papstes Zacharias' stützend, der den Frankenkönig abgesetzt habe, beanspruchte, stets abschwächend interpretiert: Die Thronenthebung sei eine Folge der Exkommunikation (so Gratian), der Papst habe nicht abgesetzt, sondern der Absetzung nur zugestimmt (so Simon von Bisignano, Schüler Gratians). Nach Huguccio, dem "Meister der Dekretisten" (+ 1215), sind beide Gewalten "quoad institutionem" voneinander unabhängig. Einig war man sich auch lange Zeit darin, daß man nicht vom weltlichen Richter an den Papst appellieren könne, ein Grundsatz, an dem noch Papst Alexander III. (1159-1181), der erste große Kanonist auf dem päpstlichen Stuhl, festhielt. Richard Anglicus, ein englischer Kanonist, der Ende des 12. Jahrhunderts in Bologna, der bedeutendsten mittelalterlichen Kanonistenschule, lehrte, geht in einer ausführlichen Quaestio auf die Zweischwerterlehre ein und verteidigt den Dualismus ausdrücklich gegen die entgegengesetzten Thesen. Der Grundsatz Alexanders III. ist für ihn ein Argument dafür, daß der weltliche Herrscher sein Schwert nicht vom Papst empfangen hat, sondern von Gott allein.

Doch bald wendet sich das Blatt, und zwar durch Innozenz III. (1198-1216), einem Schüler Huguccios. Er verbindet die theologische Tradition mit der kanonistischen, wertet sie kanonistisch aus und setzt ihre Aussagen in rechtliche Machtansprüche des Papstes um. Dabei bleibt der Dualismus im Prinzip erhalten, doch "ratione peccati" werden dem Papst Eingriffsmöglichkeiten in die weltliche Herrschaftsführung eröffnet. Damit wird dem Papst die Urteilsbefugnis und Richtermacht über den rechten oder unrechten Gebrauch der potestas temporalis eingeräumt. Dies ist der entscheidende Ansatz zur Lehre über die potestas indirecta in temporalibus, die von den Dekretalisten des 13. Jahrhunderts weiter ausgebaut wird und einen fließenden Übergang zur potestas directa ermöglicht. Alanus Anglicus, zu Beginn des 13. Jahrhunderts Kanonist in Bologna, ist der Vorreiter der neuen Position. Der Papst ist "iudex ordinarius imperatoris et quoad temporalia et quoad spiritualia". Deshalb kann der Papst den Kaiser auch im Notfall absetzen. Der Kaiser hat sein Schwert vom Papst. Nach Johannes Teutonicus kann der Papst den Kaiser wegen Häresie und anderer "iniquitates" absetzen, nach Gottfredo von Trani (+ 1245), einem Kanonisten in Bologna, wegen Häresie und dem Versäumnis, gegen Häretiker vorzugehen. Einen weiteren Schritt vollzieht Innozenz IV. (1243-1254), der dem Papst, den vicarius-Christi-Titel auswertend, prinzipiell dieselbe Machtstellung dem Kaiser gegenüber zuspricht wie Christus selbst, der "iure naturali" den Kaiser und alle anderen Herrscher absetzen kann. Diese Theorie findet Eingang in die kanonistische Tradition, vor allem durch Heinrich von Segusia (Hostiensis, + 1270), den "monarcha iuris utriusque".

Eine ebenso große Bedeutung wie die Unterscheidung von direkter und indirekter Gewalt in temporalibus gewinnt die Unterscheidung zwischen dem Besitz des weltlichen Schwertes und seinem Gebrauch. Wenn auch dem Kaiser die executio des Schwertes zukommt, so bleibt es doch stets im rechtmäßigen Besitz des Papstes. Bedeutet dies nun, daß der Kaiser seine Gewalt nur über die Kirche empfängt? Die Antworten fallen verschieden aus. Wie fließend die Übergänge sind, zeigt etwa die Auskunft Bernhards von Botone, des bedeutendsten Glossators des Liber Extra, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts: Zunächst hält er daran fest, daß das Imperium allein von Gott ausgeht, dann aber läßt er den Kaiser von der Kirche die "executio gladii temporalis" empfangen. Der Papst hat also doch beide Schwerter und besitzt deshalb gegenüber dem Kaiser das Konfirmations-, Konsekrations-, Krönungs- und Absetzungsrecht. Der Dualismus wird immer mehr verdrängt zugunsten der hierokratischen Theorie, die beide Schwerter dem Papst zuspricht und die Herrschaft des Kaisers bzw. des Königs in eine immer größere Abhängigkeit vom Papst bringt. Wir befinden uns hier in einer Zeit, in der auch realpolitisch das Papsttum sich auf einem Höhepunkt befand: 1245 setzt Innozenz IV. den Staufer Friedrich II. ab, 1279 akzeptiert Rudolf von Habsburg die päpstliche Theorie.

Neue Anstöße empfängt die Diskussion durch das Vordringen des Aristotelismus. 1260 übersetzt Wilhelm von Moerbecke die "Politik" des Aristoteles. Sie wird als erstes kommentiert von Albert dem Großen und Thomas von Aquin. Wir können nun die interessante Beobachtung machen, daß das aristotelische Gedankengut sowohl von den Dualisten wie von deren Gegnern für die jeweils eigene These ausgewertet wird. Auf der einen Seite fördert der Aristotelismus eine natürliche Sicht des Staates, die dessen Eigenständigkeit in einem positiven Sinne anerkennt. Der Staat ist nicht mehr bloß ein notwendiges Übel infolge der Erbsünde, das erst durch die Kirche, d.h. durch die Integrierung in die übernatürliche Heilsordnung, geheilt werden kann. Das war die augustinische Konzeption des Staates. Nun rückt der Mensch als ein animal sociale ins Blickfeld. Der Staat ergibt sich aus der Natur des Menschen und hat deshalb eine Daseinsberechtigung und einen positiven Wert vor und unabhängig von der christlichen Heilsordnung. Auf der anderen Seite machen sich die Gegner des Dualismus die aristotelische Lehre von der Hierarchie der Zwecke zunutze. Wenn irgendeinmal dem Menschen ein Ziel vorgegeben wird, das über das natürliche Ziel des Staates hinausliegt, dann kann dieses gar nicht anders, als jenem sich unterzuordnen. Gerade die aristotelische Zwecklehre schließt ein Fortdauern der Autonomie des Staatszweckes aus. Die aristotelische Eigenständigkeit des Staates kann - auch und gerade mit Aristoteles selber - nur solange anerkannt werden, solange in der Menschheitsgeschichte kein höheres, übernatürliches Ziel auftaucht. So sehr ein solches außerhalb des Blickfeldes des Aristoteles lag, so selbstversändlich ist es allen Diskussionsteilnehmern unseres Zeitraumes bis zum Ausgang des Mittelalters. Von daher erklärt sich die ambivalente Wirkung des Aristotelismus in der mittelalterlichen Diskussion über das Verhältnis von zeitlicher und geistlicher Gewalt.

wird fortgesetzt.

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28. Juli
Martin Lugmayr

Vor 25 Jahren, am 29. Juli 1989, wurde in Wigratzbad Martin Lugmayr zum Priester geweiht.
Er gehörte zu den Seminaristen, die 1988 das Priesterseminar von Erzbischof Marcel Lefebvre wegen der illegalen Bischofsweihen verließen und an der Gründung der Petrusbruderschaft beteiligt waren, ohne als eigentliche Gründer zu gelten. Später promovierte er bei Professor Manfred Hauke in Dogmatik mit einer Arbeit über Scheffczyks Schöpfungstheologie, aus der ein Auszug auf kath-info veröffentlicht ist.


28. Juli
Jean Ousset

Vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914, wurde in Porto, Portugal, Jean Ousset geboren. 1946 gründete er in Paris zusammen mit Denis Demarque und Jean Masson die Cité catholique, in der sich Laien zum Aufbau einer christlichen Gesellschaftsordnung engagieren. Er veranstaltete Kongresse, an denen z.B. Gustave Thibon und Jean Madiran mitwirkten. Eines seiner Hauptwerke wurde auch ins Deutsche übersetzt: Aktion. Die Praxis der christlichen Gesellschaftslehre. Ousset starb am 20. April 1994 in Paris.


27. Juli
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Sechste Folge

In eine andere Beziehung zu den denkenden Menschen setzt der pragmatistische Wahrheitsbegriff die wahren Urteile, indem er behauptet, die Wahrheit eines Urteils bestehe in der Nützlichkeit, in der Lebensförderung, die das Urteil den Menschen gewähre. Daß hierin nun wieder eine unberechtigte Umdeutung des schlichten Wahrheitsbegriffes ausgesprochen ist, ergibt sich sogleich, wenn man sich fragt, ob wirklich mit der Erklärung, ein bestimmtes Urteil sei wahr, nichts anderes gemeint sei als, das Urteil sei nützlich; oder ob auf die Frage: »Ist das Urteil wahr?« die richtige Antwort gegeben wird durch die Behauptung, es sei nützlich. Schon die Tatsache, daß wahre Urteile schädlich, falsche Urteile nützlich sein können, ja schon die bloße Behauptung, daß es so sein könne, beweist, da sie keine in sich widerspruchsvolle ist, daß die Wahrheit eines Urteils nicht mit seiner Nützlichkeit identisch sein kann. Zum Überfluß sei noch darauf hingewiesen, daß die Wahrheitsforschung durchaus nicht nach der Nützlichkeit oder der Lebensförderung, die ein Urteil für die Menschen haben kann, sucht, um zu bestimmen, ob das Urteil wahr ist.

Diese unklare pragmatistische Lehre kann sich nicht einmal darauf zurückziehen, daß sie nur das Motiv des Fürwahrhaltens von Urteilen habe angeben, nicht aber den Wahrheitsbegriff selbst habe bestimmen wollen. Denn es ist nicht einmal wahr, daß nur die nützlichen und lebensfördernden Urteile für wahr und nur die lebensschädlichen Urteile von den Menschen für falsch gehalten werden. Urteile, deren Lebensschädigung klar erkannt wird, können trotzdem für wahr, und Urteile, deren Lebensförderung ebenso klar erkannt wird, können trotzdem für falsch gehalten werden.

Welche andere Beziehung der Urteile zu menschlichen Individuen und deren Erlebnissen man nun auch außer den genannten noch herbeiziehen möchte, soviel ist klar, daß die Wahrheit eines Urteils selbst keinerlei derartige Beziehung notwendig in sich schließt, sondern davon gänzlich unabhängig ist. Der Anspruch jedes Urteils, wahr zu sein, appelliert offenbar an etwas ganz anderes, an etwas, das gänzlich jenseits aller menschlichen Individuen und ihrer Erlebnisse liegt.

Fassen wir, ehe wir nun zur positiven Bestimmung des Wahrheitsbegriffes übergehen, unsere bisherigen Ergebnisse noch kurz zusammen, so ergibt sich folgendes Resultat.

4. Zusammenfassung. Jedes Urteil macht Anspruch auf Wahrheit. Es ist nicht erst ein Urteil und macht dann außerdem noch den Anspruch auf Wahrheit. Sondern ohne solchen Anspruch ist es überhaupt kein Urteil. Es gehört zu seinem Wesen, einen solchen Anspruch zu machen, da dieser Anspruch in der Behauptungsfunktion der Kopula, die für das Urteil charakteristisch ist, notwendig enthalten ist. Dieser Anspruch auf Wahrheit nun ist nicht der Anspruch, eine bestimmte Art von Urteil zu sein. Denn jede Art von Urteil will wahr sein, ohne dabei seine Art eventuell ändern zu wollen. Jener Anspruch ist auch nicht der Anspruch, eine bestimmte Beschaffenheit zu haben. Denn die Wahrheit ist nicht eine bestimmte Beschaffenheit des Urteils für sich genommen. Freilich will das Urteil, indem es wahr sein will, notwendig auch in sich widerspruchsfrei sein, da es sonst nicht wahr sein kann. Aber der Anspruch auf Wahrheit geht über die bloße innere Widerspruchslosigkeit weit hinaus, da innerlich widerspruchslose Urteile immer noch falsch sein können. Ebenso geht der Anspruch auf Wahrheit auch über die bloße Richtigkeit des sprachlichen Ausdrucks hinaus, da auch sprachlich richtig ausgedrückte Urteile noch falsch sein können. Der Anspruch auf Wahrheit geht zwar nicht auf Übereinstimmung oder äußere Widerspruchslosigkeit mit irgendwelchen Urteilen des Lebens oder der Wissenschaft, wohl aber auf solche mit den wirklich wahren Urteilen. Dennoch reicht er auch über diese noch hinaus, weil auch solche, den wirklich wahren Urteilen nicht widersprechenden Urteile doch noch falsch sein können. Da die Wahrheit nicht mit der Bewiesenheit eines Urteils identisch ist, so beansprucht jedes Urteil nicht notwendig, bewiesen zu sein, wohl aber wahr zu sein, auch da wo es keines Beweises fähig ist, nämlich wenn es keines Beweises bedürftig ist. Schließlich geht der Anspruch auf Wahrheit auch nicht in erster Linie darauf, von mir, von mehreren oder von allen Menschen oder denkenden Wesen für wahr gehalten zu werden; auch nicht darauf, eine Nötigung zum Glauben oder Fürwahrgehaltenwerden auf irgendwelche denkende Wesen auszuüben. Denn nur weil es wahr sein will, will es dann auch für wahr gehalten werden. Die pragmatistische Lebensförderung aber liegt gar nicht in der Absicht des Urteils; es will vielmehr wahr sein, gleichgültig ob es das Leben irgendwelcher Wesen fördert oder schädigt.

Wird fortgesetzt

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26. Juli
Wer ist ein Fundamentalist?

Von Robert Spaemann

Dieser Text Spaemanns erschien zuerst im Rundbrief Nr. 5 von Pro Missa Tridentina im Mai 1993.

"Ein Gespenst geht um in Europa" , so könnte man in Abwandlung des berühmten Anfangs des Kommunistischen Manifests sagen, das Gespenst des Fundamentalismus. Im Unterschied zur kommunistischen Bewegung handelt es sich allerdings wirklich um ein Gespenst. Was sich anscheinend hinter diesem Wort verbirgt, löst sich bei genauerem Hinsehen in eine Reihe von Bestandteilen auf, die nur durch diese magische Vokabel zusammengehalten werden. Die Vokabel sagt inzwischen wenig mehr aus, außer über den, der sie benutzt.

Das war einmal anders. Fundamentalisten nannten sich am Anfang unseres Jahrhunderts einige protestantische Gruppen in den Vereinigten Staaten, die an einer wörtlichen Bibeldeutung festhielten und zum Beispiel die Evolutionstheorie als Bestandteil des Schulunterrichts ablehnten: Die Welt durfte nicht älter als 6000 Jahre sein. Diese Position kann man nur verstehen auf dem Hintergrund des Protestantismus.

Die Reformation war ja selbst anfänglich eine fundamentalistische Bewegung. Sie wollte zurück zu den Fundamenten. "Die Schrift allein" war ihr Schlachtruf, und: "Das Wort sie sollen lassen stan" (Luther). Die anderthalbtausendjährige Entwicklung der Kirche, ihrer Lehre und ihrer sakramentalen Praxis erschien den Reformatoren nicht als Entfaltung eines Keims, nicht als Strom aus der Quelle, sondern als Entfernung vom Ursprung. Nur die Bibel sollte die Verbindung mit dem Ursprung garantieren. Aber kann ein Buch das? Bücher können immer verschieden ausgelegt werden. Schon im Anfang war darum die Reformation in sich gespalten und ließ keine Abendmahlsgemeinschaft aller reformierten Gemeinschaften untereinander zu. Dann kam die Aufklärung und die Mutmaßungen über die Entstehungsgeschichte dieses Buches, die schließlich zu einer weitgehenden Auflösung der fundamentalen Inhalte der christlichen Botschaft führten. Denn der Protestantismus hatte den Begriff einer sichtbaren, hierarchisch verfaßten und mit Lehrautorität ausgestatteten Kirche preisgegeben, einer Kirche, der Christus seine Gegenwart bis zum Ende der Zeiten versprochen hat. Nur eine solche Kirche aber hat die Vollmacht, eine legitime Entwicklung, die den Sinn des Evangeliums bewahrt und entfaltet, von einer illegitimen Entwicklung zu unterscheiden, die diesen Sinn entstellt. Rückbesinnung auf den Ursprung kann im Protestantismus nur bedeuten: fundamentalistischer Rückzug auf den Buchstaben einer Bibel, die angeblich der Auslegung nicht bedarf, sondern die sich selbst auslegt.

Bei manchen fundamentalistischen Sekten ist dieser Rückzug verbunden mit einer radikalen Distanz zur modernen Welt. Sie wählen freiwillig das Ghetto einer geschlossenen Lebensweit. Andere dagegen sind missionarisch und passen sich in ihren Missionsmethoden der modernen Welt äußerlich perfekt an. Das gilt zum Beispiel für die protestantischen Sekten, die heute in Südamerika der einheimischen katholischen Kirche Konkurrenz machen, vor allem dort, wo die romantische Rhetorik der Befreiungstheologie ihre Unfähigkeit erwiesen hat, die Lebenssituation der Menschen real zu verbessern.

Inzwischen ist nun aber das Wort Fundamentalismus seinem ursprünglichen, präzisen Sinn entfremdet und damit recht nichtssagend geworden. Es dient nicht mehr der neutralen Beschreibung oder auch Selbstbeschreibung bestimmter Gruppen, sondern es ist einfach ein Schimpfwort, eine Einschüchterungsvokabel zur diskriminierenden Kennzeichnung jeweils anderer. Man spricht von islamischen, katholischen, kommunistischen oder grünen Fundamentalisten. Gekennzeichnet werden jeweils Leute, die 1. bestimmte Überzeugungen nicht zu hinterfragen, d.h. nicht zur Disposition zu stellen bereit sind, die dagegen 2. bestimmte grundlegende Prinzipien der modernen Zivilisation hinterfragen und nicht mehr akzeptieren, Leute, die 3. ihre Überzeugungen gegen andere mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Das 4. Kennzeichen besteht in der Regel in einer psychologischen Erklärung der fundamentalistischen Haltung. Fundamentalisten sind danach Menschen, die mit der Komplexität und raschen Veränderungsgeschwindigkeit der modernen Welt nicht zurechtkommen, verunsicherte, ich-schwache Menschen, die sich durch die Mündigkeit des Individuums überfordert fühlen und sich nach der Geborgenheit in einem einfachen Weltbild bzw. nach dem Konformismus überlieferter Lebensformen sehnen.

Zweiter Teil folgt.


25. Juli
Aufruf der Petrusbruderschaft:
Tag des Gebetes für die verfolgten Christen!

Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist erschüttert über die entsetzliche Christenverfolgung, die sich derzeit im Irak, in Syrien und in weiten Gebieten des Nahen Ostens ereignet. Aus diesem Grund hat der Hwst. H. Generalobere, P. John Berg FSSP, angeordnet, dass die Gemeinschaft den kommenden 1. August diesen verfolgten Christen widmet. Jede Pfarrei, Kapelle und jedes Apostolat der Bruderschaft wurde gebeten, an diesem Tag eine Heilige Stunde oder eine andere Gebetszeit oder sonst einen Sühneakt in dieser Meinung zu organisieren.

Wir bitten die Allerheiligste Dreifaltigkeit, dass diese verfolgten Glieder des Mystischen Leibes Jesu Christi in ihrem Glauben standhaft bleiben und von dieser schrecklichen Verfolgung befreit werden. Möge ein solcher Gebetstag uns den krassen Gegensatz vor Augen führen zwischen den erholsamen Urlaubstagen bei uns und dem täglichen Kampf ums Überleben dort, wo die Christen getötet und aus ihrer Heimat verschleppt werden.

Dieser Tag ist für eine solche Initiative deswegen besonders geeignet, weil wir an ihm nicht nur den Herz-Jesu-Freitag begehen, sondern die Bruderschaft als vom Hl. Stuhl zugestandenes Privileg an diesem Tag das Fest "St. Peter in Ketten" als Fest III. Klasse feiert. Mit unserer Initiative folgen wir dem Gebet der Urkirche für unseren hl. Patron, wie es in der Lesung dieses Festes heißt: "Petrus quidem servabatur in carcere; oratio autem fiebat sine intermissione ab Ecclesia ad Deum pro eo. - Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Kirche aber betete inständig für ihn zu Gott." (Apg. 12,5)


25. Juli
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

35. Folge

Die Formeln, deren er sich bediente, sind: der gefallene Mensch besitze noch den modum agendi, capacitatem, aptitudinem, d. h. er erfreue sich doch noch wenigstens der leeren Erkenntnis- und Willensform in Bezug auf die geistlichen Dinge, obgleich sie alles wirklichen und wesentlichen Gehaltes entblößt sei [60]. Obschon nun Victorin die Folgen der Sünde Adams für das ganze aus ihm sich entwickelnde Geschlecht weit zerstörender auffaßte als die Katholiken wenigstens durch die trientischen Bestimmungen sie aufzufassen unmittelbar gehalten sind, so genügte seine Betrachtungsweise den Orthodoxen seiner Kirche dennoch nicht; sie nannten ihn einen Pelagianer, und behaupteten, auch jenes bloße Vermögen, jene an sich leere Form sei im Menschen zerstört, und sprachen hierin allerdings ganz im Sinne Luthers. Die Concordienformel nun verwarf gleichfalls die Ansicht der Synergisten und erklärte sich dahin, daß der gefallene Mensch auch nicht einmal mehr das bloße natürliche Vermögen besitze, Gott in seinem heiligen Willen zu vernehmen und dem Erkannten gemäß zu wollen [61], Mit einem Worte, das Erkenntnis- und Willensvermögen, insofern sich dasselbe auf die göttlichen Dinge bezieht, wird dem bloß natürlichen, nur aus Adam geborenen Menschen abgesprochen, oder wenn wir wollen, die vernünftige Anlage. Die Wahrheit dieser Auffassung der lutherischen Lehre von der Erbsünde wird durch die Erklärung der Konkordienformel, daß sie nicht gemeint sei, den gefallenen Menschen für ein unvernünftiges Geschöpf zu halten [62], keineswegs aufgehoben, vielmehr bestätigt; denn sie weist ausdrücklich jenem Vermögen des menschlichen Geistes, welches sie Vernunft nennt, bloß die endliche Welt als Wirkungskreis an [63], und legt dadurch unverkennbar zu Tage, daß nach ihrer Meinung, der von Gott verstoßene Adam und alle seine Söhne, inwiefern sie nun dieses sind, keine geistige Anlage mehr für Gott und sein Reich bewahrt haben.

[60] Calvin. Institut. l. II. §. 14. fol. 87. gibt uns den erwünschten Aufschluß über den Begriff, der im sechzehnten Jahrhundert mit aptitudo verbunden wurde. Mit noch größerem Nutzen vergleiche man Thom. Aquin. Summa tot. theolog. P. I. Q. XCIII. art. IV. Ed. Caj. Lugd. 1580, Vol. I. p. 417. Thomas untersucht hier, warum die Geistigkeit des Menschen das Gottähnliche in ihm sei, und sagt dann, auf eine dreifache Weise könne das Ebenbild Gottes in uns betrachtet werden. Uno quidem modo secundum quod homo habet aptitudinem naturalern ad intelligendum et amandum Deum. Et haec aptitudo consistit in ipsa natura mentis, quae est communis omnibus hominibus. Alio modo secundum quod homo actu vel habitu deum cognoseit et amat etc. Aptitudo bezeichnet hiernach im Gegensatze mit actus die natürliche Anlage, das Vermögen, hier also das religiös-sittliche. Eine ausführlichere Beweisführung hierüber s. Neue Untersuchungen usw. Zweite Aufl. S. 35 ff.

[61] Solid. Declar. II de lib. arbr. § 44. p. 644. Eam ob causam etiam non recte dicitur: hominem in rebus spiritualibus habere modum agendi aliquid, quod sit bonum et salutare. Cum enim homo ante conversionem in peccatis mortuus sit: non potest in ipso aliqua vis ad bene agendum in rebus spiritualibus inesse; itaque non habet modum agendi seu operandi aliquid in rebus divinis. I. § 21. p. 616. 617. Repudiantur qui docent, hominem ex prima sua origine adhuc aliquid boni, quantulumque etiam et quam exiguum atque tenue id sit, reliquum habere: capacitatem videlicet et aptitudinem et vires aliquas in rebus spiritualibus etc.

[62] Solid. Declar. II. de lib. arbr. § 16. p. 633. Non tarnen in eam sententiam sic loquuntur, quasi homo post lapsum non amplius sit creatura rationalis.

[63] Solid. Declar. I. de peccat. originali, § 10. p. 614. In aliis enim externis et hujus mundi rebus, quae rationi subjectae sunt, relictum est homini adhuc aliquid intellectus, virium et facultatum, etsi hae etiam miserae reliquiae valde sunt debiles, et quidem haec ipsa quantulacunque per morbum illum haereditarium infecta sunt atque contaminata, et deus abominetur ea. § 43. p. 644. Et verum quidern est, quod homo etiam ante conversionem sit creatura rationalis, quae intellectum et voluntatem habeat: intellectum autem non in rebus divinis et voluntatem, non ut aliquid boni et sani velit. Victorin Strigel hatte in seinem Kommentar über die Psalmen, der im Jahr 1563 erschien, die aus Augustin entlehnte Stelle aufgenommen: Non omnino deletum est in corde hominis per peccatum, quod ibi per imaginem Dei, cum crearetur, impressum fuerat, neque adeo imago Dei detrita est illa labe, ut nulla in anima veluti lineamenta extrema remanserint, remansit enim quod homo non nisi rationalis esse possit. Diese Worte bezeichnen die württembergischen Theologen als verwerflich. Vergl. Planks Geschichte der Entstehung und Entwicklung des protestantischen Lehrbegriffs IV, 682. Man ersieht darin, daß Victorin einen andern Begriff mit dem Worte Vernunft verband, als die Concordienformel; er betrachtete sie als das Vermögen des Übersinnlichen, als das Gottebenbildliche im Menschen; da ihm nun der Mensch notwendig vernünftig erschien, behauptete er, auch nach dem Falle seien Reste dieses Vermögens übriggeblieben. Diese Ansicht nun verwarfen seine Gegner und betrachteten demnach den gefallenen Menschen wirklich als unvernünftig, d. h. ohne alles Vermögen für das Übersinnliche.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


20. Juli
Kardinal Ratzinger über P. Prosinger

Vor zehn Jahren, am 23. Juli 2004, schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger in einem Brief an Pater Michael Wildfeuer: “Vielleicht wissen Sie nicht, daß P. Prosinger von der Petrusbruderschaft bei dem weltberühmten Exegeten des Bibel-Institutes, P. Vanhoye S.J., eine Lizentiatsarbeit über diese Frage geschrieben und klar bewiesen hat, daß die Übersetzung `für viele´ heißen muß, was von den gestrengen Prüfern des Bibel-Instituts auch angenommen worden ist”. Deshalb darf man annehmen, dass die Arbeit von P. Prosinger zu dem Entschluss von Papst Benedikt XVI. beigetragen hat, 2006 die betroffenen Bischofskonferenzen anzuweisen, für eine entsprechende Korrektur der landessprachlichen Übersetzungen der Wandlungsworte zu sorgen und die Gläubigen durch entsprechende Katechesen darauf vorzubereiten. Eine Kurzfassung der Arbeit Prosingers findet sich auf kath-info.

Über die Reaktion der Bischöfe auf die Korrekturaufforderung

Über den Brief des Papstes von 2012


20. Juli
Iwan Sergejewitsch Gagarin

Vor 200 Jahren, am 20. Juli 1814, wurde in Moskau Iwan Sergejewitsch Gagarin geboren. Er entstammte einem alten Fürstengeschlecht und wurde 1832 Sekretär der russischen Gesandtschaft in München, ab 1838 in Paris. 1842 konvertierte er zur katholischen Kirche und trat im darauffolgenden Jahr in Amiens in die Gesellschaft Jesu ein, was er mit dem lebenslänglichen Verbot einer Rückkehr in seine Heimat bezahlte. Durch Schriften und die Gründung des Kyrill-und-Method-Werkes setzte er sich für die Wiedervereinigung der russischen Kirche mit Rom ein. Er starb am 19. Juli 1882 in Paris.


20. Juli
Joseph Maria Rubio y Peralta

Vor 150 Jahren, am 22. Juli 1864, wurde im spanischen Dalias der hl. Joseph Maria Rubio y Peralta SJ geboren. 1887 zum Priester geweiht, wurde er 1890 am Madrider Priesterseminar Professor für Metaphysik, Latein und Pastoraltheologie. 1906 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. In Madrid wirkte er als Seelsorger, Beichtvater, Prediger und Exerzitienleiter so segensreich, dass ihn der damalige Bischof den Apostel von Madrid nannte. Wegen seiner außerordentlichen Charismen wurde er der “Wundertäter” genannt. Am 2. Mai 1929 starb er in Aranjuez. 1985 wurde er selig-, 2003 heiliggesprochen.


20. Juli
Die Heiligen Drei Könige

Vor 850 Jahren, am 23. Juli 1164, brachte Erzbischof Reinald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die zur Kriegsbeute von Kaiser Friedrich Barbarossa nach der Eroberung Mailands gehörte, nach Köln.


18. Juli
Bruno von Köln

Vor 500 Jahren, am 19. Juli 1514, wurde Bruno von Köln (ca. 1030-1101), der Gründer des Kartäuserordens, von Papst Leo X. heiliggesprochen.


18. Juli
Gino Bartali

Vor 100 Jahren, am 18. Juli 1914, wurde in Florenz die italienische Radfahrerlegende Gino Bartali geboren. Bartali gewann zweimal die Tour de France (1938, 1948) und dreimal den Giro d‘ Italia (1936, 1937, 1946). Letztes Jahr wurde er von der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem zum „Gerechten unter den Völkern“ ernannt, weil er etwa 800 Juden das Leben gerettet hatte. Er hatte dazu ein Netzwerk aufgebaut, zu dem auch der damalige Rabbi von Florenz, Nathan Cassuto, und der Erzbischof von Florenz, Kardinal Elio Dalla Costa (1872-1961) gehörten. Die Juden fanden u.a. in Klöstern Unterschlupf. Bartali handelte aus seinem katholischen Glauben heraus, zu dem er sich offen bekannte. “Allen zur Schau trug er eine geweihte Medaille auf der offenen Brust. Fuhr er an Wegkreuzen vorbei, so machte er, wenn es das Rennen zuließ, regelmäßig das Kreuzzeichen, und während sich die Mitfahrer jeden Tag bis kurz vor dem neuen Start ausruhten, hatte er unterdessen, auch an den Werktagen, bereits der heiligen Messe beigewohnt” (Robert Quardt, Maria Maienkönigin, Feldkirch 1961, S. 44 ff.) Bartali starb am 5. Mai 2000.


17. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht: meine Auseinandersetzung mit dem Philosophen und Atheisten Herbert Schnädelbach, meine Überlegungen über den Platz, den die Liebe in einem atheistischen Weltbild einerseits und im christlichen andererseits hat, und der Artikel von Jakob Knab über den Ghostwriter der Weißen Rose Theodor Haecker.


17. Juli
Joachim Zimmermann

Vor drei Jahren, am 17. Juli 2011, starb in Bergisch-Gladbach im Alter von 83 Jahren Pfarrer Joachim Zimmermann. 1956 zum Priester geweiht, engagierte sich der in Remscheid Geborene seit den sechziger Jahren in der UNA VOCE Bewegung. Stets hielt er an der Feier der hl. Messe in der überlieferten außerordentlichen Form des römischen Ritus fest. 1976 kam er in die Düsseldorfer Pfarrei St. Petrus Canisius zu Pfarrer Heinrich Krah, der denselben Weg eingeschlagen hatte und dessen Nachfolger Zimmermann wurde, bis die Kirche 1998 abgerissen wurde. Pfr. Zimmermann konnte zunächst nach St. Hedwig in Eller, dann 2006 nach St. Dionysius in Volmerswerth ausweichen. Als er sich aus Altersgründen nach Düsseldorf-Niederkassel zurückzog, übernahm seinem Wunsch gemäß die Priesterbruderschaft St. Petrus sein Apostolat. Viermal in der Woche, jeweils von Donnerstag bis Sonntag, feiert sie die hl. Messe in St. Dionysius.


15. Juli
Bestimmung

Das ganze Tun des Predigers ist dazu bestimmt, die Menschen daran zu erinnern, dass die Zeit kurz, der Tod gewiss und die Ewigkeit lang ist.

Sel. John Henry Newman

Kwasniewsk über die Erfordernisse einer guten Predigt


15. Juli
Charles Sweeney

Vor zehn Jahren, am 15. Juli 2004, starb in Boston, Massachusetts, im Alter von 84 Jahren Brigadegeneral Charles Sweeney, der am 9. August 1945 die Atombombe über Nagasaki abgeworfen hatte, die 70.000 Todesopfer forderte. Er hatte diese Tat nie bereut.


14. Juli
Monatsranking: Die Top 12 im Juni

Aufsteiger des Monats ist die Seite über den Philosophen Robert Spaemann.
Zur Rankingseite


14. Juli
Camillo de Lellis

Vor 400 Jahren, am 14. Juli 1614, starb in Rom im Alter von 64 Jahren der hl. Camillo de Lellis. Der Spielsucht erlegen, verspielte er Hab und Gut und fand dann in größter Not Hilfe bei Kapuzinern, durch die er sich bekehrte. Unter der Leitung des hl. Philipp Neri reifte er zu einem Heiligen heran. Er erkannte, dass Gott ihn zum selbstlosen Dienst an den Kranken berufen hatte. Er gründete eine Gesellschaft der Diener der Kranken, die sich zum Orden der Kamillianer entwickelte. “Der Zeit vorauseilend, führte er bedeutsame Reformen in der Krankenseelsorge wie im Krankenhausbetrieb durch. Besonders nahm er sich der Gefangenen an. Auch in der Armenpflege tat er sich hervor; so speiste er im Notjahr 1590 im armen Mutterhaus täglich 400" (W. Wiesen im LThK, 2. Auflage). Die fünf Krankheiten, die ihn in den letzten Lebensjahren quälten, nannte der die “fünf Barmherzigkeiten Gottes”. 1742 wurde er selig-, 1746 heiliggesprochen, 1886 zum Patron der Kranken und Spitäler, 1930 zum Patron der Krankenpfleger erhoben.

13. Juli
Jean Madiran

Vor einem Jahr, am 13. Juli 2013, starb in Suresnes im Alter von 93 Jahren der Publizist Jean Madiran. In den 70er Jahren verteidigte er mit spitzer Feder in der von ihm gegründeten und geleiteten Zeitschrift Itinéraires Erzbischof Marcel Lefèbvre gegen die einsetzende Diskriminierung der “traditionalistischen” Bewegung. Schon damals fiel mir auf, dass die intelligenteste (und für mich überzeugendste) Verteidigung der Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht aus deren eigenen Reihen, sondern von außerhalb kam: in Frankreich von Jean Madiran, im deutschen Sprachraum von Dr. Eduard Kamenicky und im englischen von Michael Davies. Alle drei hielten dann 1988 Lefèbvres Weihen von vier Bischöfen und seine Ablehnung einer Versöhnung mit Rom für einen schwerwiegenden Fehler.


13. Juli
S. Anna alle Quattro Fontane

Vor 200 Jahren, am 13. Juli 1814 wurde im Kloster S. Anna alle Quattro Fontane das Allerheiligste ausgesetzt und mit der ewigen Anbetung begonnen, die nach Auskunft von Stefan Wirth in Die neuen Heiligen der katholischen Kirche (Band 8, Kisslegg 2012) bis heute ohne Unterbrechung andauert. Diese Anbetung geht auf die selige Maria Magdalena von der Menschwerdung (Katharina Sordini) (1770-1824) zurück, der Gründerin des Ordens der ewigen Anbetung. 1814 hatte die Besetzung Roms durch die Truppen Napoleons geendet, am 24. Mai war Pius VII. nach fünfjähriger Gefangenschaft nach Rom zurückgekehrt. Das erste Kloster, das er wieder eröffnete, war S. Anna alle Quattro Fontane, das 1811 von den Franzosen geschlossen worden war.


12. Juli
Alt

Die materialistische Vernunft, vertreten durch seine Zeitgenossen H. G. Wells und Bernard Shaw, sieht tatsächlich ziemlich alt aus, wenn ein frommer Freigeist wie Chesterton gegen sie antritt.

Hans Magnus Enzensberger in seinem Vorwort zum Buch Ketzer von Chesterton.


12. Juli
Gregorio Selleri

Vor 350 Jahren, am 12. Juli 1664, wurde in Panicale bei Perugia der Theologe Gregorio Selleri OP geboren. 1707 wurde er Sekretär der Indexkongregation, 1711 Magister S. Palatii, 1728 Kardinal. Er war Beichtvater Papst Klemens’ XI. (1700-1721) und ein Gegner des Jansenismus, zu dessen Verurteilung er beitrug. Am 30. Mai 1729 starb er in Rom.


11. Juli
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Zweiter Teil

Eine Welt, die im Ernste weder mit Gott, noch mit Engel und Teufel rechnet, steht natürlich vor einem Wunder ebenso ratlos wie vor einer Besessenheit. Wenn sich nun die seit langem vergessenen Mächte der Geisterwelt nachhaltig in Erinnerung bringen, kann dies geradezu einen Schock auslösen. Wir haben hier lediglich die Tatsache einer Häufung dämonischer Phänomene im Auge, welche bereits zu einer fühlbaren Unruhe führt. Über den vermutlichen Anlaß zu solch erhöhter Aktivität der Hölle wird weiter unten zu reden sein.

2. Motive für die Leugnung des Teufels

Wenden wir uns nun der Frage zu, welche Motive wohl dafür maßgebend gewesen sein mögen, daß man schon seit langem darum bemüht war, die außerirdischen Kräfte - und wir sprechen jetzt nur mehr von den Mächten der Finsternis, Satan und seinem Anhang (vgl. Apk 12,7. 9; Mt 25, 41) - aus dem Bewußtsein zu verdrängen. Es ist ja von Haus aus nicht ohne weiteres einzusehen, daß die Menschen sich über die wahren Verhältnisse und für sie bedeutsamen Gegebenheiten zu täuschen wünschen. Also müssen besondere Gründe für eine solche Neigung zu unrealistischem Verhalten zu entdecken sein. Was nun das bewußte Wegschauen des Menschen von der Wirklichkeit in unserem Falle betrifft, das in den herrschenden Überzeugungen bis zur völligen Absenz des Teufels und seines Einflusses auf das Leben des Menschen sowie auf den Gang der Welt führt, verbinden sich, wie es scheint, eine ganze Reihe von Motiven und Antrieben verschiedener Art, die aber gemeinsam auf das Ziel hin wirken, einen Lebensraum zu konstruieren, in dem Satan und Dämonen keinen Platz mehr haben.

Als allgemeinstes und gewissermaßen neutralstes Motiv muß hier wahrscheinlich das Motiv der Angst genannt werden. Angst vor dem Teufel und vor der Hölle drückt keinen mangelnden Glauben an die Existenz von Teufel und Hölle aus, sondern nur das Gefühl des Bedrohtseins, das bei besonderer Veranlagung und seelischer Gestimmtheit unerträglich zu werden vermag. In solcher Situation kann der Mensch versuchen, ins Vergessen zu fliehen. Gewiß ist derartige Angst dem Glauben und Vertrauen, wie es dem Christen ziemt, nicht angemessen. Andererseits läßt sich seelisch labilen, schreckhaften, hypersensiblen Personen gegenüber so nicht erfolgreich argumentieren. Es wäre alles unendlich leichter für sie, wenn es keinen Teufel, keine Verführungskunst des Widersachers, keine Aktivität des Erzfeindes und keine drohende Hölle gäbe. So leistet die Angst der durchaus Gläubigen, praktisch aber allzu Kleingläubigen, dem Streben nach Verdrängung des Teufels Vorschub. Daß zudem eine gewisse allgemeine Ermüdung als Folge langen Ertragens der Spannung zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Finsternis auch geschichtlich eingetreten ist, gerade als sich die Feinde der Offenbarung und der Religion mit Macht erhoben, wird kaum zu bezweifeln sein.

Hiezu gesellt sich - um noch im Bereich des Glaubens zu verbleiben - ein zweites Motiv von mehr theologischer Natur: die etwas ungestüme und jedenfalls ungeduldige gedankliche Vorwegnahme des Endzustandes. Man kann den glorreichen Vollzug der Erlösung, den nicht mehr zu bedrohenden Sieg Christi über den Teufel, die Sünde und die Hölle, den erfolgten Anbruch des Gottesreiches und der Herrschaft des Lammes in einer Weise betonen und aus dem Ganzen des Heilsgeschehens herauslösen, daß der Satan und seine Macht zu einer ein für allemal überwundenen Größe werden. »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel stürzen« (Lk 10, 18); »jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen« (Jo 12, 31); »dazu ist der Sohn Gottes erschienen, daß er die Werke des Teufels zerstöre« (1 Jo 3, 8). Das sind Sätze, die eine solche Sicht zu ermutigen scheinen. Heißt es nicht, daß »der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist« (Jo 16, 11)? Ist unser Wandel nicht »im Himmel« (Phil 3, 20)? Ist nicht »unser Leben mit Christus verborgen in Gott« (Ko1 3, 3)? Solche Worte können, isoliert betrachtet, ein vorzeitiges Auslangen nach der Vollendung stimulieren, das den Wunsch bedeutet, die Bewährung in der irdischen Kampfzeit zu überspringen. In der spätmittelalterlichen Sehnsucht nach dem dritten Aion, dem Weltalter des Heiligen Geistes und der vollkommenen Gottesherrschaft in ihm, einer schwärmerischen Erwartung, die auch in der Reformationszeit noch sehr virulent war und heute neu in manchen Sekten aufbricht, ist diese theologische Antizipation lebendig, die auf ihre Weise zur Verdrängung des Teufels und seines Wirkens aus dem Bewußtsein der Menschen beiträgt.

Auf ganz anderer Linie liegt freilich das Verlangen nach voller Freiheit und Autonomie des Geschöpfes, das sich bei allen jenen findet, denen das Kampfleben des Christen mit seinem unausgesetzten sittlichen Ringen einfach zu strapaziös ist. Will man sich nicht im täglich neuen Widerstand gegen das Böse, gegen die tausendfältigen Verlockungen der »Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens« (1 Joh 2,16) zur Bewährung vor Gott aufraffen, »der jedem vergelten wird nach seinen Werken« (Röm 2, 6), »der die Macht hat, in die Hölle zu verstoßen« (Mt 10,28), der Satan zugestehen wollte, uns »sieben zu dürfen wie den Weizen« (Lk 22,31), dann darf es kein Gericht und keine Rechenschaft, vor allem aber keinen Teufel und keine Hölle geben. Dann muß man zumindest trachten, vor diesen Wirklichkeiten beharrlich das Auge geschlossen zu halten, da anders sogar die bloße Illusion von menschlicher Autonomie und Schrankenlosigkeit unmöglich wird. So ist denn auch allen jenen, die in der Welt das Reich des Menschen entdeckt zu haben meinen, angefangen von der frühen Renaissance bis zur Gegenwart, der Affront gegen jede Form von Teufelsglauben, Höllenfurcht und jenseitiger Vergeltung gemeinsam. Je mehr sich der Anspruch des Menschen auf totale Eigengesetzlichkeit zur Klarheit des mit ihm Geforderten durchficht, desto ausdrücklicher und leidenschaftlicher wird die Zurückweisung jeder transzendenten Instanz. Hält man noch hinzu, welche Faszination der menschliche Geist im gleichen geschichtlichen Zeitraum angesichts seiner gewaltigen Leistungen auf dem Felde der Wissenschaft, der Forschung und der Technik auf sich selbst zu üben beginnt, wird ein gewisser Rausch von kollektiver Allmacht und vermeintlicher Unabhängigkeit verständlich. Bietet die Wissenschaft schließlich von sich aus innerweltliche Deutung dämonischer Phänomene an, scheint die geglückte Emanzipation von den Einflüssen außerirdischer Mächte feindlicher Natur geradezu perfekt.

wird fortgesetzt

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9. Juli
Faszinierende Metamorphose

Ein Filmrezension von P. Engelbert Recktenwald

2012 hat Dreilindenfilm den Film metamorphose. Die geheimnisvolle Schönheit der Schmetterlinge herausgebracht, dessen englisches Original im Jahr zuvor von Illustra Media produziert wurde.

Der 64 Minuten lange Film dokumentiert in atemberaubend schönen Aufnahmen die Metamorphose, also die Verwandlung der Raupen in Schmetterlinge. Er macht mit dem neuesten Stand der Wissenschaft vertraut, der es gelungen ist, die verborgenen Vorgänge in der Puppe durch Kernspintomographie sichtbar zu machen. Der Pionier dieser Entwicklung, der Biologieprofessor Richard P. Stringer, kommt im Film ebenso zu Wort wie andere Experten. Dennoch ist die Wissenschaft weit davon entfernt, die Verwandlung zu begreifen, von der sie immerhin weiß, dass sie in irgendeiner Weise vom Genom gesteuert wird, das den Bauplan für zwei ganz verschiedene Organismen enthält. Darüber hinaus zeigt uns der Film in herrlichen Bildern das wenig bekannte Phänomen des Verhaltens des Monarchfalters: Jedes Jahr legen Hunderte von Millionen von Monarchfaltern den Weg von bis zu 4000 Kilometern von Kanada und den USA nach Mexiko zurück, wo sie in einem Waldgebiet zusammenkommen, um in riesigen Kolonien zu überwintern. Das Interessante dabei ist, dass dies immer nur eine bestimmte Generation betrifft, deren Lebensdauer neun Monate beträgt, während die Monarchfalter sonst jeweils nur einige Wochen leben.

Zum Schluss wird im Film die Frage gestellt, wie weit diese Phänomene als Produkt von Zufall und Selektion begriffen werden können. Zu Recht legt er hier den Finger auf eine offene Wunde. Denn die Erklärung solcher Phänomene durch zufällige Mutationen im Genom, die nachträglich selektiert werden, ist bis jetzt - entgegen allen gegenteiligen Beteuerungen von Evolutionsbiologen - nur eine unerfüllte Verheißung. Nicht nur die im Film auftretenden Biologen und Wissenschaftstheoretiker wie Ann Gauger und Paul Nelson haben das erkannt, sondern auch atheistische Denker wie Thomas Nagel, und das nicht erst in seinem neuesten, Furore machenden Buch Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Metamorphose ein hochkomplexer Vorgang aus unzähligen Einzelschritten ist, die nur dann sinnvoll und erfolgreich sein können, wenn sie alle zusammenpassen und kein einziger Zwischenschritt ausfällt, dann wirkt die darwinistische Erklärung illusorisch. Denn jedes stückweise Entstehen dieses Umwandlungsprozesses führt in eine Sackgasse. Der Schmetterling kann nur dann aus der Raupe entstehen, wenn alles zusammenpasst, wenn also das Ganze schon funktioniert. Der Funktionszusammenhang kann nicht schrittweise entstehen, sondern muss als Ganzes schon gegeben sein. Wenn das nicht der Fall ist, kommt nicht etwa ein veränderter, sondern gar kein Schmetterling heraus. Für trial and error ist hier einfach kein Platz.

Um den Anspruch des Darwinismus richtig einschätzen zu können, sollte man zumindest die Phänomene kennen, die zu erklären er beansprucht. In diesem Sinne ist der Film nicht nur ein mit spektakulären Bildern aufwartender Natur-, sondern im besten Sinne auch ein Aufklärungsfilm, der die Dogmen der materialistisch konzipierten Evolutionstheorie auf den Prüfstand stellt. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen und wünsche ihm die weiteste Verbreitung.

Ein weiterer Film zum Thema


8. Juli
Schwammiges Priesterbild

Vom 2. bis 5. April 2014 fand in Herzogenrath die 16. Kölner Liturgische Tagung statt. Unter dem Titel “Alter Christus” - Die Stellung des Priesters in der Liturgie. 16. Kölner Liturgische Tagung in Herzogenrath berichtet Katrin Krips-Schmitt ausführlich darüber in der neuesten Ausgabe von Theologisches (Juli/August 2014, Spalten 377-384). Außer Guido Rodheudt, Weihbischof Athanasius Schneider, Peter Bruns, Helmut Hoping, Peter Christoph Düren, Andreas Wollbold und Ulrich Mutz sprach auch P. Bernward Deneke FSSP. Darüber schreibt Katrin Krips-Schmitt:

“Um das, was den Priester in seinem tiefsten Wesen von allen anderen Menschen unterscheidet, um die ‘differentia specifica’ - den ‘eigentümlichen Unterschied’ - des Priesters, wie es u. a. Josef Pieper in seinem 1971 erstmals publizierten Aufsatz ‘Was ist ein Priester?’ (Zürich 1971) ‘klärte’, ging es in dem Referat ‘Tischvorsteher oder Kultdiener? Zur Frage des christlichen Priestertums’ von Pater Bernward Deneke von der Priesterbruderschaft St. Petrus. Pater Deneke betrachtete anhand verschiedener Dokumente die Akzentverschiebungen, die sich in den letzten Jahrzehnten bei der Beschreibung von Wesen und Funktion des Priestertums bemerkbar machten.
Angefangen bei dem Jesuitenpater Karl Rahner über Hans Küng bis hin zu Edward Schillebeeckx und anderen, die dem Priester nur mehr eine funktionale Rolle als ‘Vorsteher’ oder ‘Leiter’ innerhalb der Gemeinde zugestehen wollten (Hans Küng in seinem 1971 erschienenen Buch ‘Wozu Priester?’), drohe das eigentliche Charisma des Priesters verlorenzugehen: das unauslöschliche Prägemal, das dem Weihekandidaten im Sakrament der Priesterweihe verliehen werde. Wie ‘schwammig’ das Berufsbild des Priesters inzwischen geworden ist, belegte der Referent eindrucksvoll mit einem aktuellen Beispiel aus der Berufungspastoral: In einer von der Diözese Freiburg herausgegebenen Broschüre erfahren junge Männer über eine möglicherweise von ihnen angestrebtes Berufsziel folgendes: ‘Durch die Weihe wirst du für die Menschen in besonderer Weise zu einem Zeugen, dass Jesus Christus mitten unter ihnen lebt. Wie ein Brückenbauer übersetzt du das Evangelium in den Lebensalltag der Menschen. So bist du ihnen Hilfe, die Spur Gottes in ihrem Leben zu entdecken. (...) So verkündest du die Frohe Botschaft in Predigt und Gottesdienst, im seelsorglichen Gespräch und Religionsunterricht, kurz: durch deine ganze Lebensweise. Als Diözesanpriester begleitest du die Menschen an wichtigen Knotenpunkten ihres Lebens: Sakramente, Taufe, Kommunion, Hochzeit, Sterben ...” Das Wesentliche unterschlägt der Text indes: das, was den Priester heraushebt, wie es Papst Johannes Paul II. in seinem Gründonnerstagsbrief von 1979 formulierte: ‘Dem Leben des Priesters liegt als tragende Wirklichkeit das Weihesakrament zugrunde, das unserer Seele das Zeichen eines unauslöschlichen Merkmals einprägt. Dieses Prägemal in der Tiefe unseres menschlichen Seins erfasst dynamisch auch unsere Person.’ Und schließlich werden in dem Freiburger Text die hauptsächlichen priesterlichen Vollzüge verschwiegen: die Darbringung des Messopfers sowie die Spendung des Bußsakramentes.”

Beiträge von P. Deneke auf kath-info


8. Juli
Das Mannheimer Ereignis

Vor drei Jahren, am 8. Juli 2011, begann in Mannheim die Auftaktveranstaltung des von Erzbischof Robert Zollitsch angeregten Dialogs. Seitdem kann sich die Kirche vor lauter Aufbruch und Erneuerung nicht mehr retten. Eine grundsätzliche Kritik an der Vorstellung, dass Dialog das sei, was die Kirche heute zur Erneuerung brauche, hatte ich schon zuvor anlässlich des einschlägigen Impulsreferats des Konferenzvorsitzenden veröffentlicht.


7. Juli
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

25. Folge

Man sieht leicht, daß die Absolutheit der göttlichen Personen hauptsächlich von der absoluten Natur, die sie besitzen und sind, herkommt. Darum bleiben sie aber unter sich wesentlich relativ. Ja wenn sie dieses nicht wären, würden sie auch nicht alle absolut sein können; denn dann müßten sie sich noch durch etwas anderes unterscheiden als durch die bloße Form des Besitzes; die eine müßte nicht bloß auf andere Weise, sondern auch etwas anderes besitzen und sein als die andere; nicht alle würden daher dieselbe absolute Natur besitzen. So hebt die Relativität der göttlichen Personen ihre Absolutheit nicht nur nicht auf, sondern schließt sie wesentlich ein. Diese Personen sind relativ im Unterschiede ihrer hypostatischen Charaktere, absolut in der Dignität, welche die Hypostase zur Person stempelt. In beiden Beziehungen unterscheiden sie sich wesentlich von allen geschaffenen Hypostasen und Personen. Und so können wir auch den Begriff der Hypostase und Person nur analogisch auf Gott übertragen und anwenden.

Die individuelle, d. h. singuläre, in keinem höheren Ganzen aufgehende Substanz ist auf geschöpflichem Gebiete "eo ipso" die Hypostase, und wenn die Substanz eine mit Vernunft begabte ist, eine Person. Die göttliche Substanz hingegen ist dadurch, daß sie eine singuläre, keine generische und in keinem höheren Ganzen aufgehende, selbständige ist, noch nicht Hypostase. Nach der Glaubenslehre erscheint sie nämlich durch diese Singularität und Selbständigkeit noch nicht als "individua", unverteilbar und unverteilt, in letzter Instanz; wir müssen noch mehrere, nicht über ihr stehende oder sie umfassende, sondern real mit ihr identisch Subjekte denken, in denen sie ist und an welche sie verteilt wird. Erst in diesen Subjekten, und als mit jedem einzelnen identisch, erscheint sie als "individua" in letzter Instanz, somit als Hypostase.

Der formelle Begriff der Hypostase fällt also bei Gott nicht zusammen mit dem der Singularität und Totalität der Substanz und Natur, und deshalb erfordert auch die Mehrheit der Hypostasen in Gott keine Multiplikation der Natur, sondern bloß eine auf Mitteilung beruhende Verschiedenheit im Besitze derselben unteilbaren Natur.

Darin, daß sich in Gott wirklich verschiedene Besitzer derselben Natur finden, liegt die Ähnlichkeit zwischen den göttlichen Hypostasen und den kreatürlichen; darin, daß die Verschiedenheit des Besitzes bei Gott nicht auf Multiplikation des Besitzobjektes, sondern auf Mitteilung desselben Objektes beruht, die Unähnlichkeit zwischen den göttlichen und kreatürlichen Hypostasen. Durch jenes positive und dieses negative Moment kommt der analoge Begriff der göttlichen Hypostasen zustande.

Daß die Dignität der göttlichen Hypostasen, wodurch sie Personen sind, ebenfalls nur durch analoge Begriffe von uns aufgefaßt werden könne, ist schon hinreichend erklärt. Das begreift sich um so leichter, weil diese Dignität nichts anderes ist als die Vollkommenheit der göttlichen Natur, welche sich in der entsprechenden Würde und Vollkommenheit der Geschöpfe zwar reflektiert, aber doch zugleich unendlich hoch über dieselbe erhaben bleibt.

§ 15. Der konkrete Begriff und Name der einzelnen Personen und ihrer Produktionen. Notwendigkeit und Möglichkeit eines tieferen Verständnisses der kirchlichen Namen

Sind die Personen als solche wesentlich relativ, dann kann man den einzelnen auch keinen Namen geben, der sie in ihrer Eigentümlichkeit bezeichnen soll, wenn derselbe nicht ihre Relation ausdrückt. Darum heißt denn auch die erste Person Vater, d. i. Vater des Sohnes; die zweite Sohn, Sohn des Vaters. Bei der dritten Person springt diese Relation nicht so sehr in die Augen, weil das Wort Geist auch absolut gebraucht wird. Aber strenggenommen muß es zur Bezeichnung der dritten Person ebenfalls relativ genommen werden, da man sagen will: Geist, d. i. Hauch oder Odem des Vaters und des Sohnes.

Diese Namen nun haben wir näher zu erklären, einmal, weil es die gebräuchlichsten in der Sprache der Heiligen Schrift und der Kirche sind, dann aber auch - und das ist eben der Grund ihres bevorzugten Gebrauches -, weil sie ohne nähere Bestimmungen in der konkretesten Weise den persönlichen Charakter der drei Gegensätze in Gott hervorheben und bezeichnen.

Für die zweite und dritte Person haben wir schon früher mehrere Namen kennen gelernt, die ihnen eigentümlich sind. Die zweite Person ist wirklich, und zwar allein, das Wort und das Abbild der ersten; aber es gibt auch unpersönliche, ja ganz unselbständige Worte und Abbilder, und deshalb tritt in dieser Bezeichnung die Persönlichkeit ihres Gegenstandes nicht hervor und muß eigens durch Apposition bezeichnet werden. Ebenso verhält es sich mit den Namen: Hauch, Pfand, Band, die wir der dritten Person beilegen. Für die erste Person aber hatten wir noch gar keinen Namen; als Prinzip des Wortes könnten wir sie höchstens Sprecher nennen. Darin ist zwar ihre Persönlichkeit ausgesprochen oder vielmehr vorausgesetzt; aber sie tritt darin doch noch nicht ausdrücklich im Verhältnisse zu einer andern aus ihr hervorgehenden Person auf, weil ihr Produkt nur als Wort erscheint. Soll aber der relative Name wirklich die Person in ihrer ganzen konkreten Selbständigkeit bezeichnen, dann muß er sich auch in personaler Beziehung, d. h. als persönliches Prinzip einer Person resp. als persönliches Produkt einer andern Person bezeichnen.

Das geschieht bei den beiden ersten Personen, wenn die erste Vater, die zweite Sohn genannt wird. Denn ein Vater ist immer eine Hypostase und eine persönliche Hypostase sowie auch Prinzip einer solchen; und ein Sohn ist ebenso immer eine Hypostase und eine persönliche Hypostase und Produkt einer solchen.

Diese beiderseitige Bezeichnung der beiden ersten Personen kann aber nur darauf beruhen, daß die zweite aus der ersten auf dem Wege der Zeugung ausgeht - denn nur ein zeugendes Prinzip ist Vater, und nur ein gezeugtes Produkt ist Sohn -; und wenn sie eine charakteristische, eigentümliche Bezeichnung dieser beiden Personen, wenn sie Eigenname derselben sein soll, muß deren gegenseitiges Verhältnis allein, und nicht auch das der dritten Person zu ihnen, auf Zeugung beruhen.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


5. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Es wurde eine eigene Seite zum Thema Unauflöslichkeit der Ehe eingerichtet. Cosima Pevelings Rezension von Sheeds Buch Theologie für Anfänger wurde auf einer eigenen Seite untergebracht, ebenso das Interview von Stefan Rochow mit dem Philosophen Josef Bordat über dessen Buch über das Gewissen.


5. Juli
Lucius Roth

Vor 100 Jahren, am 5. Juli 1914, wurde Lucius Roth OSB (1890-1950) von Basilio Kardinal Pompilj (1858-1931) zum Priester geweiht. Er gehört zu den Benediktinern aus St. Ottilien, die in Korea unter den Kommunisten das Martyrium erlitten.


5. Juli
Tiefe

Nach dem alten Kalender ist morgen der 4. Sonntag nach Pfingsten. Auf kath-info finden Sie dazu eine Predigt von P. Franz Prosinger.


4. Juli
Otto von Habsburg

Vor drei Jahren, am 4. Juli 2011, starb in Pöcking im Alter von 98 Jahren Otto von Habsburg. “Der Kampf um die Seele Europas ist der Kampf um den Gottesbezug in der Verfassung. Wenn die Menschenrechte, die eines der wesentlichen Elemente Europas sind, einen Sinn und einen Inhalt haben sollen, muss es logischerweise einen Gott geben. Denn das Menschenrecht fußt schließlich auf dem Gedanken, dass der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen eigene Rechte hat”, sagte 2007 er in einem Interview mit Kirche in Not.


4. Juli
Marienbasilika in Kevelaer

Vor 150 Jahren, am 4. Juli 1864, wurde die Marienwallfahrtskirche in Kevelaer eingeweiht, die 1923 von Papst Pius XI. zur Basilika erhoben wurde. Die Grundsteinlegung war 1858 erfolgt. Die Wallfahrt geht, wie man auf der Internetpräsenz der Erzdiözese Köln nachlesen kann, auf eine Erscheinung im Jahr 1641 zurück, in der der Handelsmann Hendrick Busmann dreimal den Auftrag hörte: "An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!"


2. Juli
Martin Hengel

Vor fünf Jahren, am 2. Juli 2009, starb in Tübingen im Alter von 82 Jahren der Theologe Martin Hengel.


2. Juli
Dom Gérard Calvet

Vor 25 Jahren, am 2. Juli 1989, wurde Dom Gérard Calvet (1927-2008), der Gründer des Benediktinerklosters in Le Barroux bei Carpentras (zuerst in Bédoin), von Augustin Kardinal Mayer zum Abt geweiht. Wegen der überlieferten Liturgie war die Klostergemeinschaft zunächst mit Erzbischof Marcel Lefebvre verbunden, schlug aber 1988 den Weg der Versöhnung ein, so dass die Situation kirchenrechtlich geregelt wurde. Dom Gérard machte in Frankreich auch die Werke des deutschen Liturgiewissenschaftlers Klaus Gamber bekannt.


2. Juli
Alois Andritzki

Vor 100 Jahren, am 2. Juli 1914, wurde in Radibor der selige Alois Andritzki geboren. Am 30. Juli 1939 in Bautzen zum Priester geweiht, wurde der Sorbe zu einem entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus, der aus seiner Überzeugung kein Hehl machte. Die Folge war, dass er am 21. Januar 1941 verhaftet wurde und am 3. Februar 1943 im KZ Dachau starb. Am 13. Juni 2011 wurde er seliggesprochen.


30. Juni
Asia Bibi

Es ist noch nicht zu spät, sich an der missio-Fanmeile für die vom Tod bedrohte pakistanische Christin Asia Bibi zu beteiligen.


30. Juni
Weihen

Am 31. Mai spendete Erzbischof Dr. Guido Pozzo in Lindau neun Subdiakonen der Priesterbruderschaft St. Petrus und einem weiteren aus der schottischen Diözese Argyll die Diakonenweihe.

Am selben Tag weihte Weihbischof Athanasius Schneider in Omaha, Nebraska, sieben Diakone der Petrusbruderschaft zu Priestern.

Am Samstag, den 28. Juni, weihte Bischof Marc Aillet von Bayonne in Chartres für die Petrusbruderschaft die drei Diakone Olivier de Nedde, Thibault Paris und Jean de Massia (Bild) zu Priestern.


30. Juni
Priesterbruderschaft St. Petrus

Am 4. Juni wurde das 67. Haus der Priesterbruderschaft St. Petrus errichtet. Es handelt sich um die Niederlassung St. Rita in Minneapolis, Minnesota. Seit einem Jahr wirken in Minneapolis zwei Priester der Petrusbruderschaft. Über die Bedeutung der kanonischen Errichtung und die überraschende Entwicklung, die sie in der Petrusbruderschaft genommen hat, habe ich bereits berichtet.


29. Juni
Jeanne-Marie Kegelin

Vor zehn Jahren, am 29. Juni 2004, wurde in einem Fluss die Leiche des seit elf Tagen vermissten Mädchens Jeanne-Marie Kegelin aus Straßburg gefunden. Am 18. Juli wäre sie elf Jahre alt geworden. Sie war in jenem Sommer eines von drei Opfern des 59jährigen Triebmörder Pierre Bodein. Keine drei Wochen vor ihrer grausamen Ermordung hatte sie noch im Kinder-Chapitre an der Fußwallfahrt von Paris nach Chartres teilgenommen, die jedes Jahr an Pfingsten u.a. von der Petrusbruderschaft organisiert wird. Sie war das jüngste von sieben Kindern.
Einer ihrer Brüder war Seminarist in Wigratzbad. Louis-Dominique Kegelin FSSP wurde fünf Jahre später zum Priester geweiht und arbeitet jetzt in Belgien. Von einer tiefen Frömmigkeit zeugt das Tagebuch Jeanne-Maries, in dem es z.B. heißt: “Jesus, ich danke dir, weil du mir die Kraft gegeben hast, gut zu sein, und weil du gekreuzigt wurdest, um uns zu erlösen. Hilf mir, dass ich viele Opfer bringe und dass ich in der Freude bleibe.”


29. Juni
Joseph Kalinowski

Vor 150 Jahren, am 29. Juni 1864, trat der hl. Joseph Kalinowski seine Reise in die Verbannung nach Sibirien an.


29. Juni
Schwestern von der hl. Familie

Vor 100 Jahren, am 29. Juni 1914, gründete der selige P. Rupert Mayer in München die Schwestern von der hl. Familie, die Notleidenden helfen und dabei nach dem Grundsatz handeln sollten: “Wir müssen alles Harte und Abstoßende in eine liebenswürdige und feine Art umformen, um die Menschen für Christus zu gewinnen und die Religion den Menschen liebenswert zu machen.”


28. Juni
Frederick William Faber

Vor 200 Jahren, am 28. Juni 1814, wurde in Yorkshire Frederick William Faber geboren. Calvinistisch erzogen, konvertierte er 1845 unter dem Einfluss des seligen John Henry Newman zur katholischen Kirche. Auch die Verehrung des Allerheiligsten, wie er sie 1843 in Rom erlebte, trug dazu bei: “Es erwachte in ihm die Bewunderung für das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Gregors XVI., als er sah, wie dieser von seinem Thron herunterstieg und am Fuß des Altares vor dem Allerheiligsten niederkniete. ‘Wir alle knieten mit ihm nieder; eine rührendere Szene habe ich nie gesehen. Die Purpurgewänder der knienden Kardinäle, das Violett der Prälaten, die knienden Soldaten, die buntgemischte Volksmenge, die Pracht der herrlichen Kirche und die unsichtbare Gegenwart ihrer großen historischen Erinnerungen, und in der Mitte der in Weiß gekleidete päpstliche Greis, demütig hingestreckt vor dem erhobenen hochheiligen Leib unseres Herrn, und dabei lautloses, tiefes Schweigen. Welch ein Anblick war das doch!’” (aus: Ferdinand Holböck, Das Allerheiligste und die Heiligen, Stein am Rhein 1979, S. 356).
1847 empfing er die Priesterweihe und 1849 gründete er im Auftrag des sel. John Henry Newman das Londoner Oratorium. Bekannt wurde Faber durch viele geistliche Schriften, die auch ins Deutsche übersetzt wurden. Er starb am 28. September 1863 in London.


28. Juni
Erzherzog Franz Ferdinand

Vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, wurden in Sarajewo der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie ermordet. Sie konnten noch die Sterbesakramente empfangen, und zwar durch P. Anton Puntigam SJ (1859-1926), den Gründer der Zeitschriften Stimmen aus Bosnien (später Balkanstimmen) und Der Eucharistische Völkerbund.


26. Juni
Karl Rahner als Gegner des Dialogs

Es ist nicht seine Art, sich mit Gegnern auseinanderzusetzen, die sich mit der Kritik seiner Grundlagen befassen. In dem umfangreichen Buch Grundkurs des Glaubens (Herder 1976) findet sich zu Beginn eine philosophisch-erkenntnistheoretische Einführung, in der er seine ‘transzendentale Anthropologie’ erneut vertritt. Seinen präzisesten Gegner in dieser Hinsicht, Professor Cornelio Fabro (La svolta antropologica di Karl Rahner, Mailand 1974) erwähnt er auch nicht mit einem Wort. Zu Recht sagt man, dass im Dialog die Wahrheit wächst. Aber dies ist nicht Rahners Art.

Aus: P. Dr. Athanasius Kröger OSB, Totale Pluriformität? Zu Karl Rahners Aufsatz “Dogmen- und Theologiegeschichte - gestern und morgen”, in: Der FELS, August 1977, S. 246

Weitere Infos über Rahner


26. Juni
Gewalttätige Kurie

“Eine fundamentalistische Gruppe ist gewalttätig, selbst wenn sie niemanden tötet und niemanden schlägt. Die mentale Struktur des Fundamentalismus ist Gewalt im Namen Gottes.”

Das sagte diesen Monat Papst Franziskus im Interview mit der spanischen Zeitung La Vanguardia in Bezug auf die fundamentalistischen Gruppen in den drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum.

2010 bekam ich auf dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München über die aufgedrehten Lautsprecher unfreiwillig einen Vortrag mit, der über christliche Fundamentalisten ging. Der mir unbekannte Vortragende verriet uns auch, welches die bedeutendste fundamentalistische Gruppe in der Kirche sei: die Kurie!

Ist diese Gruppe gewalttätig, auch wenn sie niemanden tötet oder schlägt? Nach Auskunft des Lexikons für Theologie und Kirche ja, und zwar wegen ihrer Lehre über die Homosexualität. Im zweiten Teil des Eintrags über “Homosexualität”, der sie unter soziologischem Aspekt behandelt, finden wir folgenden Text: “Homosexuelle Menschen sind in vielfältiger Hinsicht Opfer von Gewalt, nicht nur in ganz offensichtlicher Form bei Überfällen, Beraubungen bis hin zum Mord, sondern auch in subtiler Weise durch soziale Ausgrenzungen, Pathologisierungen ihrer Orientierung mittels medizinischer und psychologischer Theorien und nicht zuletzt auch durch offizielle kirchliche Verlautbarungen” (Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Fünfter Band, Herder 1996, Spalte 255).

Der Text stammt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch (Basel). Fachberater für Theologische Ethik, Sozial- und Kulturethik war Prof. Dr. Konrad Hilpert (Saarbrücken), Berater für theologische Ethik und naturwissenschaftliche Fragen Prof. Dr. Wilhelm Korff (München). Herausgegeben wurde das Gesamtwerk von Walter Kasper mit Konrad Baumgartner, Horst Bürkle, Klaus Ganzer, Karl Kertelge, Wilhelm Korff und Peter Walter.


24. Juni
Warum Waugh?

Von T. M. Doran

Wenn Sie eine Liste von Schriftstellern erstellen würden, bei denen es sich um Meister im Geschichtenerzählen, Meister des Humors und Meister der englischen Prosa handeln würde, wäre dies eine recht kurze Liste. Doch einer von denen, die auf diese Liste gehörten, wäre Evelyn Waugh.

Vom britischen Schriftsteller und Journalist Evelyn Waugh werden drei Bücher in der „Modern Library´s 100 Best Novels of the 20th century“ aufgelistet, aber er scheint nicht von vielen heutzutage gelesen zu werden, nicht einmal in in literarischen Zirkeln. Nichtsdestoweniger handelt es sich bei ihm um einen meisterhaften Schreiber, der mit Scharfsinn, Eindringlichkeit und Humor ein breites Spektrum von Ideen und Gefühlen hervorzurufen weiß.

Ich bin kein Schüler, Experte, Biograph von Evelyn Waugh oder ähnliches dieser Sorte, aber ich habe viele seine Romane gelesen, einschließlich derer, die als seine besten Werke erachtet werden, welche sowohl Vergnügen bereiten wie auch in die Kunst des Schreibens einführen, wenn man solchen Geistes überhaupt teilhaft werden kann: „Wiedersehen mit Brideshead“ („Brideshead Revisited“), „Der Knüller“ („Scoop“), „Lust und Laster“ („Vile Bodies“) und „Eine Handvoll Staub“ („Handful of Dust“).

Einer der Gründe für Waughs heutige relative Unbekanntheit – abseits der britischen Gesellschaft und der Geschehnisse in seinen Büchern, die einem anderen Zeitalter entspringen – ist seine implizite Ablehnung des Nihilismus, des Leitsterns der meisten „seriösen“ Schriftsteller seit den 1960er Jahren. Anders gesagt, Literatur wird nun durch ein nihilistisch/materialistisches Prisma gefiltert. Wie mitreißend, interessant und sogar meisterhaft sie auch geschrieben ist, wenn sie diesen Test nicht besteht, handelt es sich bei ihr schlicht und einfach nicht um „seriöse“ Literatur.

Keineswegs schrieb Waugh seinen Lesern vor, was sie glauben sollten, oder zeigte ihnen „richtiges Handeln“ mit plumpen Erzählungen. Im Gegenteil, Waughs Geschichten sind fordernd, oft weder den Erwartungen der Charaktere noch denen der Leser entsprechend, sie im Wesentlichen zwingend, tiefer in die ummauerten Gärten einzudringen, die sie für sich selbst erstellt haben. Ich liebe gute Kriminalgeschichten und habe die Geschichten um Philo Vance von S. S. Van Dine (Willard Huntington Wright) gelesen. Philo Vance, ein Ästhet und Materialist des frühen 20. Jahrhunderts, wickelt sich selbst in einen Kokon aus Anmaßung und Überheblichkeit ein. Waughs Charaktere andererseits werden aus ihren Kokons herausgezogen, ob sie es realisieren oder nicht, entfalten ihre durchsichtigen Flügel und beginnen, sich in die Lüfte zu erheben, andere verwandeln sich in eine selbstzerstörerische Flamme.

Durch Satire, Ironie, Parodie, Humor und Verlorenheit schildert Waugh die Absurdität und Beschränktheit des Materialismus und der Abhängigkeit von Wohlstand, Status, Prestige und intellektuellem Chauvinismus. Nihilistische Literatur stellt diese Dinge ebenfalls satirisch dar, aber in der nihilistischen Literatur gibt es keinen Weg heraus, während Waughs Geschichten einen Weg andeuten, auch wenn seine Charaktere ihn ignorieren, ablehnen oder sich darüber lustig machen. Trotzdem war sich Waugh bewusst und hütete sich, unverhohlen zu moralisieren, wenn er bemerkte: „... der Schriftsteller muss die Entscheidung treffen, ein Künstler oder ein Prophet zu werden. Er kann sich hinter seinem Schreibtisch verschanzen und egoistisch sein Vergnügen darin suchen, seine eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren, oder er kann sich darüber hinwegsetzen, Schicksale diktieren und Ermahnungen zu den Tagesthemen verfassen. Der Einsiedler des Schreibtisches hat eine geringe Chance, anderen eine bleibende Freude zu bereiten; der Publizist hat überhaupt keine.”

Einige legen Waugh Antisemitismus und Rassismus zur Last. Zu allererst: Wer von uns (ich nicht!) will jedes Wort, das wir jemals geschrieben, und jedes Wort, das wir jemals ausgesprochen haben, als Beweis für eine Neigung heranziehen? Solche wie Waugh, die Millionen von Worten in der Öffentlichkeit von sich gegeben haben, sind besonders angreifbar für die Inquisitoren der Politischen Korrektheit. Wir müssen daran denken, dass Waugh ein meisterhafter Satiriker, Parodist und Humorist war. Wie viele der Vorurteile, die in seinen Werken bedacht werden, spiegeln eher Satire und Parodie wider, die Geschichten wie „Der Knüller“ ausmachen, als seine eigenen Überzeugungen?

Evelyn Waugh war ein kühner und ehrlich provokativer Schreiber, einer der besten. Er verdient es, gelesen zu werden. Heute wie auch zu seiner Glanzzeit.

Aus dem Englischen übersetzt von Manuel Schuster. Der Originalartikel Why Waugh? erschien auf dem Blog von Ignatius Press.


24. Juni
Monatsranking: Die Top 12 im Mai

Aufsteiger des Monats ist die Seite über die Abtreibung.
Zur Rankingseite


23. Juni
Gender Mainstreaming XLIII

Kaum ein Studienfach hat in den vergangenen Jahren eine solche Karriere hingelegt wie die von der modernen Geschlechtertheorie inspirierten Gender Studies. An deutschen Hochschulen gibt es inzwischen über 40 entsprechende Institute und Einrichtungen, darüber hinaus hat sich die Gender-Forschung an nahezu jedem geisteswissenschaftlichen Lehrstuhl etabliert. Auch im Verwaltungsalltag ist die moderne Gendertheorie längst angekommen. Jede Landesregierung, die etwas auf sich hält, fühlt sich der Förderung der Geschlechterneutralität verpflichtet, was man nicht mit gängiger Quotenpolitik verwechseln sollte. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg für eine Theorie, die ihren Ursprung in den Seminarräumen der philologischen Fakultät einer kalifornischen Hochschule hat und bis heute ohne jede wissenschaftlich nachprüfbare Fakten auskommt. Dass Menschen sich nicht entscheiden können, ob sie sich als Männer oder Frauen fühlen, mag vorkommen - auf der Überwindung des biologischen Geschlechts aber ein Konzept aufzubauen, das dann Richtlinie staatlichen Handelns wird, verlangt einiges an Phantasie.

Aus: Jan Fleischhauer, Gender-Politik: Mitleid mit Martenstein, auf SPON am 21. März 2013

Weitere Infos über GM


22. Juni
Karl Borromäus

Vor 400 Jahren, am 22. Juni 1614, wurde das Herz des hl. Karl Borromäus (1538-1584) in die römische Kirche S. Carlo al Corso übertragen. 25 Kardinäle und etwa hundert Prälaten nahmen an dieser Feier teil.


22. Juni
Eberhard I. von Salzburg

Vor 850 Jahren, am 22. Juni 1164, starb im Zisterzienserstift Rein, Steiermark, im Alter von etwa 80 Jahren Erzbischof Eberhard I. Er war seit 1147 Erzbischof von Salzburg. Im Schisma unterstützte er Papst Alexander III. (1159-1181) gegen den von Kaiser Friedrich Barbarossa (1155-1190) unterstützten Gegenpapst Viktor IV. (1159-1164).


19. Juni
Gelähmte Kirche

Im Konflikt um den Beratungsschein in der Schwangerschaftskonfliktberatung hat die Mehrheit der deutschen Bischöfe und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken nicht die kirchliche Lehre gegenüber dem Gesetzgeber, sondern die fatale deutsche Rechtslage gegenüber Papst Johannes Paul II. verteidigt. Dies lähmt die Kirche in Deutschland in Fragen des Lebensschutzes bis heute.

Prof. Dr. Manfred Spiekier im Interview mit Victoria Fels, Neue Bildpost vom 24./25. Mai 2014, S. 6.


19. Juni
Nicolas Tuite de MacCarthy

Vor 200 Jahren, am 19. Juni 1814, wurde in Chambery der berühmte, in Dublin geborene, in Frankreich, Rom und Turin wirkende Kanzelredner Nicolas Tuite de MacCarthy SJ (1769-1833) zum Priester geweiht. Seine Predigten erschienen auch in deutscher Übersetzung.


18. Juni
Elisabeth von Schönau

Vor 850 Jahren, am 18. Juni 1164, starb im Kloster Schönau im Alter von etwa 35 Jahren die hl. Elisabeth von Schönau. Sie war eine Mystikerin und mit der hl. Hildegard von Bingen bekannt.


18. Juni
John A. Hardon

Vor 100 Jahren, am 18. Juni 1914, wurde in Pennsylvania der Theologe John A. Hardon SJ geboren. Als Theologe zeichnete er sich durch Tiefe und Treue zum Lehramt aus. Er starb am 30. Dezember 2000 in Michigan. Kardinal Raymund Burke leitete 2005 seinen Seligsprechungsprozess ein. Viele seiner Artikel sind online erreichbar.


17. Juni
Naturalistische Ethik

Auf meinen Artikel über die Unmöglichkeit einer naturalistischen Erklärung von “gut” und “böse”, der in der Internationalen katholischen Zeitschrift Communio erschienen ist, habe ich bereits hingewiesen. In der Rezension der Zeitschrift, die am 5. Juni in der Tagespost erschien, geht der Rezensent Michael Karger auf meinen Artikel ein und schreibt darüber:

“Auf knapp vier Seiten tritt im selben Heft Engelbert Recktenwald, ein Schüler des Philosophen Robert Spaemann, dem Naturalismus entgegen. Der Verfasser kann belegen, dass selbst ein kämpferischer Atheist wie R. Dawkins absolute Wertmaßstäbe voraussetzt, wenn er etwa behauptet, dass ein Gott, der so viel Leid zulasse, wie es die Menschheit bisher zu tragen hatte, unmöglich gut sein kann. Für einen Evolutionisten wie Dawkins sind „Gut“ und „Böse“ allerdings gar nicht vorhanden. Sie sind für ihn nur ein Trick der Evolution, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Wenn es aber keine moralischen Qualitäten gibt, dann dürfen sie auch nicht auf Gott angewandt werden. Auf diesen Denkfehler macht der Ordenspriester Recktenwald aufmerksam. Fällt Dawkins aber trotzdem moralische Urteile über Gott, dann zeige dies, dass es eine Selbstevidenz sittlicher Werte gibt, „der sich auch die Naturalisten nicht entziehen können“. An einem Beispiel macht der Verfasser deutlich, wie wenig das naturalistische Denken unsere moralische Intuition erreicht. Wenn wir nämlich „grausame Kindesmisshandlung ,abscheulich‘ nennen, meinen wir nicht: dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Überlebensinteresse der menschlichen Art, sondern wir qualifizieren die Handlung ausschließlich im Zusammenhang dieses Kindes, dem Unrecht geschieht“. Mit einem moralischen Urteil meinen wir eben etwas ganz anderes als einen Evolutionsvorteil. Unser ursprüngliches Wissen um das Gesolltsein des Guten werde im Naturalismus nur durch das Konzept eines „moral-analogen Verhaltens“ ersetzt.”


17. Juni
Karl Maria Harrer

Vor einem Jahr, am 17. Juni 2013, starb in Altötting im Alter von 86 Jahren Pfr. Karl Maria Harrer. Er war Gründungspfarrer der Pfarrei St. Bruder Klaus in München-Waldperlach, wo er von 1963 bis 1996 wirkte. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schriftenreihen über die schönsten Mariengeschichten, die schönsten eucharistischen Wunder und Erlebnisse mit der Wundertätigen Medaille.

Themen

Engel
Englandreise
Entmytholog.
Entweltlichung
Erbsünde
Erlösung
Erneuerung
Evangelien
Evangelisierung
Evangelisierung II

Evangelium
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Exegese
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Exkommunikation
Falschlehrer
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Fasten
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