Das Portal
zur katholischen Geisteswelt


Zum
Inhalts-
verzeichnis
Zum
biographischen Bereich

Impressum

Das katholische Informationsportal kath-info
dient der theologischen Aufklärung
und bietet Ihnen Beiträge zu Themen der katholischen Welt.

Die Beiträge unterliegen in der Regel dem Urheberrecht.

Zum Autorenverzeichnis

Sie befinden sich im ersten Teil
des blauen Bereichs des PkG (Buchstaben A bis G)
Zum zweiten Teil
Zum dritten Teil

Die neuesten Beiträge finden Sie jeweils auf der Startseite

Zum philosophischen Bereich
Zum
liturgischen Bereich

Links

Themen

Abschuß
abuse
Abtreibung
Abtreibung II
Advent
Ägypten
AIDS
Amoris laetitia
Amtsverzicht
Annaverehrung
Apokalypse
Ärgernis
Auferstehung
Auster
B16 Bundestag
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit II
Barmherzigkeit III
Befreiungstheol.
Beichte
Bekehrung
Belgrad
Benedikt XVI.
Besessenheit
Beten
Bischof
Bischofsamt
Bischofsberater
Bischofsweihen 88
Bischofsweihen II
Borromäusverein
Chesterton G.K.
Christenverfolgung
Christkönigtum
Christozentrismus
CiG
Cloyne Report
Darwinismus
DH
Dialog
Discretio
Dogma
Dogma u. Leben
Doppelwirkung
droben
Drusen
Effetha
Ehe
Ehe und Familie
Einwohnen
Eizellenhandel
Ekklesiologie
Embryo
Emmaus

* * *

25. September
Hörbeiträge

Ich habe damit begonnen, einige meiner kath-info-Artikel als Audiobeiträge auf soundcloud anzubieten. Außer dem hier eingebetteten Essay über Toleranz finden Sie dort auch meine Untersuchung der Frage, ob eine Moral ohne Gott möglich ist.


25. September
Entweltlichungsrede

Vor fünf Jahren, am 25. September 2011, hielt Papst Benedikt XVI. in Freiburg seine ungeliebte "Entweltlichungsrede", über die einige Vertreter des etablierten deutschen Katholizismus bis heute nicht hinweggekommen sind. Meine Analyse einer typisch verzerrenden Kritik dieser Rede dürfte auch heute noch aktuell sein.


24. September
Demo für alle!

Für den 30. Oktober ruft Demo für alle zur Demonstration in Wiesbaden auf, denn: “Gegen den ausdrücklichen Willen der Landes-Elternvertretung, gegen das Votum der katholischen Kirche, ohne Absprache mit der Fraktion und ohne öffentliche Diskussion hat das CDU-geführte Kultusministerium unter Alexander Lorz still und heimlich bereits am 19. August 2016 einen radikalen Sexualerziehungs-Lehrplan erlassen, der Kindergefühle und Elternrechte mit Füßen tritt.”


24. September
Jugendvigil

Heute vor fünf Jahren, am 24. September 2011, fand in Freiburg die berüchtigte Jugendvigil mit Papst Benedikt XVI. statt.


23. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Zwei Artikel, die sich anlässliche von Äußerungen Papst Franziskus' mit der Frage beschäftigen, wer ein Kind Gottes ist, wurden auf eine eigene Seite gebracht. Mein Artikel über Gottes Liebe als Quelle der Moralität ist ebenso direkt verlinkbar. Und den Aufsatz von Dwight Longenecker über die vorprogrammierte Erfolglosigkeit des progressiven Christentums, der in zwei Teilen erschienen war, findet sich nun auch auf einer eigenen Seite.


23. September
Maria Grazia Tarallo

Vor 150 Jahren, am 23. September 1866, wurde in Barra bei Neapel die selige Maria Grazia Tarallo geboren. Sie war eine Mystikerin, die bereits bei ihrer Erstkommunion das Jesuskind mit durchbohrten Händen schaute. 1891 trat sie in die Kongregation der Crocifisse Adoratrici del Santissimo Sacramento ein. Sie starb am 27. Juli 1912. 1928 wurde ihr Seligsprechungsprozess eingeleitet, der mit der Seligsprechung am 14. Mai 2006 endete. Eines ihrer letzten Worte an die Mitschwestern lautete: “Liebt Jesus in der Eucharistie, lasst ihn nie allein, verärgert ihn nicht, enttäuscht ihn nicht!”


22. September
Bundestagsrede

Vor fünf Jahren, am 22. September 2011, hielt Papst Benedikt XVI. seine Rede in Berlin vor dem Deutschen Bundestag.


21. September
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

95. Folge

Mit anderen Worten: auf daß der Mensch von Gott wieder vollkommen an Kindes Statt aufgenommen (gerechtfertigt) werde, wird im Menschen eine ihn stufenweise vorbereitende Empfänglichkeit erfordert. Daher leuchtet aber auch ein, wie seltsam der Vorwurf der Protestanten sei, daß die den Akt der Rechtfertigung vorbereitenden Akte auf eine pelagianisierende Richtung des ganzen katholischen Systems hindeuten [138]. Weil nämlich nach unserer Lehre so manches im Geiste gelitten und gewirkt, so manches vollbracht sein muß, ehe die eine große Gottestat erfolgen kann, so meinen sie, müßten wir auch glauben, durch jenes vorangegangene geistige Tun und Leiden werde eben die Fülle göttlicher Begnadigung verdient. Es verhält sich jedoch anders. Die Geschichte der Wiedergeburt bildet ein großes, in allen ihren Teilen innigst verbundenes Ganze, so daß der dritte und vierte Schritt unmöglich erfolgen kann, ehe der erste und zweite vorausgegangen ist. Da nun schon die höhere Kraft zur Ausführung des ersten ein Ausfluß göttlicher Gnade ist, und es sich auf gleiche Weise bei allen übrigen verhält, da demnach alle Teile des großen Ganzen durch die höhere Hilfeleistung bedingt und somit ein Werk göttlicher Huld sind, wie sollte nicht vom Ganzen gelten, was von allen Teilen gilt? Freilich, ohne menschliche Tätigkeit kann auch die erste Bewegung unseres Geistes nicht ausgeführt werden, gerade weil er selbst sich bewegen muß; ebensowenig die zweite und dritte, mit andern Worten: ohne menschliches Tun kann Gott im Menschen keinen Glauben, keine Furcht, keinen Keim der Liebe, keine Hoffnung, keine Reue hervorbringen, und darum auch die dadurch bedingte eigentliche Rechtfertigung nicht. Folgt aber, daß, weil der Katholik dieses glaubt, er auch glauben müsse, Gott teile je seine weiteren Gnadenerweise deshalb mit, weil der Mensch sein Mitwirken bei den früheren nicht versagt hat? Es ist der Begriff einer notwendigen Vorbedingung eines Anderen, mit dem Begriff der Ursache dieses Anderen verwechselt.

[138] Chemnit. Exam. Concil. Trid. P. I. p. 281. u. ff. Gerhard. loc. Tom. VII. p. 221. ff (loc. XVII. c. 3. Sect. V.) Daß Gott dem durch den Glauben und die Furcht, durch Hoffnung und Reue Vorbereiteten die heiligmachende Gnade (durch die Taufe) verleihe, nennen nämlich auch die besten Scholastiker nicht mit Unrecht ein meritum de congruo, aber nicht de condigno.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


20. September
Reformeifer verdrängt Gotteserfahrung

Heute in der katholischen Kirche, überhaupt und auch in Deutschland, wird unendlich viel über Kirchenreform, über Demokratie in der Kirche, über Bischöfe und Päpste, über ihr richtiges oder falsches Verhältnis gestritten und geredet, wird viel gesagt über die Weltaufgabe, die das Christentum hat, über seine Verantwortung für die profane Welt usw. Alle diese Dinge sind wichtig. Sie können nicht übergangen werden. Aber ich meine, all das würde doch zu einem entarteten Betrieb, bei allem Reformwillen zum entarteten Betrieb einer religiösen Institutionalität entarten, die gräulich ist, auch dann wenn sie großen Lärm und Geschrei macht und stolz ist auf ihren Reformwillen, wenn dieser ganze Betrieb nicht letztlich immer wieder erkennen würde, dass er dazu da ist, den Menschen anzuleiten, diese ursprüngliche Gotteserfahrung in sich zu entdecken, vorzulassen, für sich selbst in einem gewissen Sinne wenigstens zu objektivieren, diese ursprüngliche Gotteserfahrung anzunehmen, in Freiheit sie wachsen zu lassen, sich immer radikaler zu ihr zu bekennen, in dieser Gotteserfahrung frei zu werden, von sich, von den versklavenden Mächten der Welt, des Lebens, der innerweltlichen Utopien, des Todes usw.

Karl Rahner in seinem Vortrag Gotteserfahrung heute, gehalten am 22. Oktober 1969 in der damaligen Theologischen Akademie Koblenz, publiziert in Schriften zur Theologie, Band IX, Einsiedeln 1970, 161–176.

Kritisches zu Karl Rahner


19. September
Naturalismus und Theodizee

In diesem Video trägt der Philosoph Holm Tetens einige Gedanken vor, in denen er das Argument aus der Existenz von Leid nicht gegen den Gottesglauben, sondern gegen den Naturalismus wendet. Naturalismus ist eine philosophische Richtung, die nur das als wirklich anerkennt, was den Naturwissenschaften zugänglich und von den Naturgesetzen bestimmt ist, so dass sie - je nachdem, wie konsequent sie ist - nicht nur Gott und alles “Übernatürliche”, sondern auch Geist, Freiheit, Verantwortlichkeit, Intentionalität, Moralität, Personalität aus der Welt verbannt bzw. diese Phänomene umdeutet und naturalisiert.
Das Besondere an Holm Tetens ist, dass er selber Naturalist war und durch sein Philosophieren eine Wende vollzogen hat. Insofern bezeichnet die von Jesuiten geführte Münchener Hochschule für Philosophie, die auch dieses Video produziert hat, Tetens’ 2015 erschienenes Büchlein Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie zurecht als “kleine Sensation”. Obwohl sich Tetens darin einem Begriff von Gott zuwendet, der sogar die Erlöserdimension einschließt, ist derselbe immer noch vom christlichen Gottesbegriff unterschieden, da er die Möglichkeit von Wundern und des göttlichen Vorauswissens freier menschlicher Handlungen leugnet. Dennoch sind seine Ausführungen bedenkenswert.

Theodor Haecker über das Theodizeeproblem


18. September
Dass alle eins seien!

Von Robert Mäder

Bei Anlass des eucharistischen Kongresses in Algier [1939] wurde eine photographische Aufnahme gemacht, die eine historische Denkwürdigkeit sein wird. Der Kardinal Verdier von Paris [Jean Kardinal Vernier PSS, 1864-1940, nahm als päpstlicher Legat am Kongress teil] ist flankiert vom Großmufti, dem Vertreter des Mohammedanismus, und vom Großrabbiner, dem Vertreter des ]udentums. Es war eine Proklamation der Solidarität, der brüderlichen Zusammenarbeit von Anhängern aller Religionen für ihr gemeinsames Vaterland. Im Wesentlichen war das eine politische Geste in der Stunde der Gefahr. Als religiöses Symbol will und darf und kann eine solche photographische Aufnahme nicht im Sinne des Bekenntnisses zum Indifferentismus, zur dogmatischen Gleichberechtigung aller Religionen gedeutet werden. Aber vielleicht liegt darin doch auch ein stilles Heimweh der modernen Menschheit nach dem verlorenen Paradies der Einheit im Glauben.

Pfingsten und Fronleichnam rücken diesen Einheits-Gedanken wieder in den Vordergrund. Er liegt übrigens in der Luft. Die protestantischen «Basler Nachrichten» brachten seinerzeit einen Osterartikel über «Papstwahl und Protestantismus», den man früher als Unmöglichkeit betrachtet hätte. Er meint, dass die Kirchen «heute allen Anlass hätten, ihren Hausstreit zurückzustellen hinter der großen Aufgabe, das Erbe des Christentums in dem gemeinsamen Kampfe des Christentums mit dem Heidentum zu verteidigen.» Aber es ist begreiflich, dass weder der mohammedanische Großmufti, wenn er sagt: «Wir haben alle den gleichen Gott, der uns heißt, uns zu lieben», noch das protestantische Basler Blatt, wenn es zur ökumenischen Einheit der Christenheit ruft, das Problem der religiösen Einheit in seiner Tiefe zu erfassen vermögen.

Alle noch so gut gemeinten modernen Einheitsbestrebungen leiden an dem gemeinsamen Fehler, dass sie die Einheit am falschen Ort suchen. Die religiöse Einheit kommt auf keinem andern Weg zustande als wie sie in der Urkirche an der ersten Pfingsten zustande kam: durch Christus, das Haupt, durch den Heiligen Geist als Lebensprinzip und durch den Zusammenschluss der Gläubigen zu einem Leib. Niemand hat so klar und so eindringlich diese Einheitsmotive betont wie Paulus im vierten Kapitel seines Epheserbriefes.

Wir fassen sie hier kurz zusammen: Paulus sagt zu den Christen seiner Zeit: «Ertraget einander in Liebe» (4, 2). «Seid eifrig darauf bedacht, die Einheit des Geistes zu erhalten durch das Band des Friedens» (4, 3). «Es ist nur ein Leib und ein Geist, wie ihr ja auch, als ihr berufen wurdet, zu einer Hoffnung berufen wurdet» (4, 4). «Es ist auch nur ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater, der über allen und durch alle und in allen wirkt» (4, 5-6). Die Hirten und Lehrer sind bestimmt «zum Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben kommen» (4,12-13). Wir werden uns an die Wahrheit halten, in Liebe ganz und gar hineinwachsen in den, der das Haupt ist, Christus (4,15). «Von ihm aus fügt und schließt sich der ganze Leib zusammen... So vollzieht sich das Wachstum, bis er sich aufbaut in Liebe» (4, 16).

Daraus folgt: die religiöse Einheit des Menschengeschlechtes ist zu allererst nicht das Werk der Menschen, sondern das Werk eines Gottes. Des Gottmenschen. Das Werk von dem, der das Haupt ist. Von Christus. «Von ihm aus fügt und schließt sich der ganze Leib zusammen.» Das ist das Grundgesetz göttlicher Biologie. Das Haupt baut den Leib. Der König das Königreich. Christus die Christenheit. Und zwar durch die übernatürlichen Kräfte der Gnade. Also von oben herab und von innen heraus. Aedificabo, sagt Christus, ecclesiam meam. Ich werde meine Kirche bauen. Und zwar ist dieses Bauen am Tempel der religiösen Einheit von innen heraus vor allem ein eucharistisches Bauen. Ein Bauen aus dem kostbaren Blut.

Die Pfingstkirche, die erste religiöse Völkerverbrüderung, kommt aus dem Abendmahlssaal. Sie wurzelt in der Eucharistie. Wir begreifen es darum, wenn nach der Meinung morgenländischer Kirchenväter der Heilige Geist in dem Augenblicke herniederfuhr, wo der erste Papst inmitten der Jünger das hochheilige Opfer der Eucharistie feierte. Die um die Hostie und das kostbare Blut versammelte Opfergemeinde zog ihn an. Wo das Haupt ist, da müssen sich die Glieder bilden. Die Christenheit wächst aus der Eucharistie heraus. Aus dem Brot des Lebens.

Und - das ist das andere, was uns die Apostelgeschichte berichtet - aus der Taufe heraus. Die Taufe ist das Sakrament der Einbürgerung ins Gottesreich. ]e mehr Taufen, desto mehr Neubürger, desto mehr Wachstum der Christenheit. Alle religiösen Einigungsbestrebungen, die nicht an diese beiden organischen Gesetze des übernatürlichen Lebens und Wachsens der Christenheit anknüpfen, führen zu keinem Ziele. Die Einigkeit der Christenheit kommt in erster Linie nicht von außen, sondern von oben und innen. Von Christus dem Haupt.

Das zweite Prinzip der Unionsbestrehungen ist der Heilige Geist. Die Seele der Christenheit. Der Geist der Wahrheit und der Liebe. «Ich gebe», schreibt einmal Auguste Nicolas, «im allgemeinen wenig auf die Bücher, wo es sich darum handelt, unsere Brüder zu dem Glauben unserer Väter zurückzuführen. Der Protestantismus an sich ist zu unlogisch, als dass das Raisonnement des übrigens bei vielen Protestanten so ausgezeichneten Verstandes es wäre, wodurch sie ihm anhangen. Die Anhänglichkeit des Protestanten an den Protestantismus ist kein Werk des Verstandes und darum kann auch nicht die Verstandesbelehrung sie allein davon losmachen.»

Auf was es darum besonders ankommt, das ist nicht so sehr, dass es uns gelingt, den außerhalb der Kirche Stehenden auf hundert Schwierigkeiten hundert ausgezeichnete Antworten zu geben. Sondern, dass wir es verstehen, in ihnen vorerst die richtige Disposition für das Wirken des Heiligen Geistes zu schaffen. Den Glauben nämlich, dass die religiöse Einheit des Menschengeschlechtes und nicht die religiöse Zersplitterung der Völker das Gottgewollte und darum das in der Geistessendung Beabsichtigte ist. Der Glaube also, dass nur ein Geist sein soll unter den Menschen. Bevor wir so weit sind, dass das immerwährende Beten um diesen einen Geist der Wahrheit den Inhalt allen Flehens der Katholiken und der Protestanten bildet, werden alle Unionsbestrebungen nicht weit zum Ziele führen.

Die andere Voraussetzung der Union ist der Heilige Geist als Prinzip der Liebe. Die Wiedervereinigung ist ein Werk des Glaubens, aber sie ist ebenso sehr ein Werk der Liebe. Sie wird dann zur Wirklichkeit werden, wenn unsere getrennten Brüder zur Erkenntnis kommen werden, dass wir sie lieben. Die größte Schwierigkeit gegen die Rückkehr ist bei den meisten. - ob im einzelnen Fall mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt - die Meinung, dass wir sie hassen. Im allgemeinen ist das sicher nicht wahr.

In einem Buch vom Jahre 1853 schrieb ein deutscher Rechtsgelehrter: «Die Katholiken üben viel Geduld gegen die Protestanten, mehr als sie gegeneinander üben. Sie verschlingen lieber einen 'protestantischen Elephanten' als eine ‘katholische Mücke’». Aber das müssen wir doch gestehen, dass, wenn wir auch frei von Hass sind, wir doch vielfach mehr im Parteigeiste kämpfen, der sich zugleich der Überwindung und Demütigung des Gegners freut, als im Geiste der christlichen Liebe, welche die Überwindung und Demütigung freudig auf sich nehmen möchte, wenn nur dadurch dem so lange irrenden Bruder endlich das Heil seiner Erleuchtung und Rückkehr zuteilwird.» Wir werden zwar, weil zu allen Zeiten Irrtümer auftauchen, beten müssen, dass auch zu allen Zeiten Männer aufstehen, die die Irrtümer bekämpfen. Aber wir werden auch darum beten müssen, dass diese Männer zum geistigen Kampfe gerüstet sind durch ebenso große Demut wie Liebe.

Wir kommen zum dritten Prinzip der Union zwischen Katholiken und Protestanten. Es ist der Glaube an Epheser 4, 4: «Es ist nur ein Leib.» Der schon erwähnte Artikel der «Basler Nachrichten» meint: «Heute steht eine ökumenische Christenheit neben der katholischen, diese monarchisch-hierarchisch, jene demokratisch-repräsentativ gegliedert. Aber keine ist für sich allein die Christenheit ... Die beiden Konfessionen sind daher, ob sie wollen oder nicht, aufeinander eingestellt und in einem heutigen gemeinsamen Kampf gegen modernes Heidentum mehr als je miteinander verbunden.»

Der Irrtum ist ein doppelter. Er liegt einmal darin, dass man an die Möglichkeit einer Einigkeit ohne gemeinsames theologisches Bekenntnis glaubt, an eine Einheit des Handelns ohne eine Einheit des Wollens, an eine Einheit des Wollens ohne eine Einheit des Denkens. Der zweite Irrtum liegt darin, dass man die religiöse Einigkeit, die «ökumenische Christenheit» (die allumfassende Christenheit) in einer 'religiösen Organisation und nicht in einem religiösen Organismus sucht. Im Künstlichen, nicht im Lebendigen. Also im Menschlichen, nicht im Göttlichen.

Das biblische Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen sowie das von Haupt und Leib in den Paulusbriefen lassen keinen Zweifel zu, dass die Verbundenheit der Gläubigen mit Christus und der Gläubigen miteinander etwas Mystisch- Übernatürliches, aber auch etwas Organisch-Lebendiges ist. Die Kirche ist nicht nur Organisation, sie muss auch Organismus sein. Leib. Die Christenheit bildet nur dann eine religiöse Union, eine lebendige und einige Gemeinschaft, wenn sie organisch zum Leibe geworden und als Leib mit dem Haupte Christus und mit dem Heiligen Geiste als Lebensprinzip verbunden ist.

«Gebt mir», sagt der heilige Johannes Chrysostomus, «ein leichtfahrendes Schiff, einen Steuermann, Matrosen, Taue und die ganze zur Schiffahrt nötige Ausrüstung. Wenn kein Wind weht, ist alles umsonst. So ist es mit der Menschheit. Sie mag die Philosophie haben, die Intelligenz, den Apparat der schönsten Rhetorik. Wenn der Heilige Geist fehlt, ist alles umsonst.» Und ich füge hinzu: Wenn Christus, das Haupt, fehlt, und wenn sein mystischer Leib fehlt, sind - trotz aller «ökumenischem Konferenzen und trotz der idealsten und begeistertsten Lobreden auf gemeinsames Kämpfen des Christentums gegen das Heidentum - alle Unionsbestrebungen umsonst.

Aus: Robert Mäder, Der Heilige Geist, der dämonische Geist, Goldach 1969, S. 83-88.


17. September
Verteidigung gegen Kritik aus Deutschland

Der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück hat im "Kathpress"-Interview zum neuen Seewald-Buch "Letzte Gespräche" den emeritierten Papst Benedikt und dessen Diagnose des Zustandes der deutschen Kirche gegen Kritik aus Deutschland in Schutz genommen.




17. September
Sara Salkahazi

Vor zehn Jahren, am 17. September 2006, wurde in Budapest die Ordensschwester und Märtyrerin Sara Salkahazi SSS (1899-1944; SSS = Schwestern des Sozialen Dienstes) seliggesprochen. Sie wurde von den ungarischen Nazis (den Pfeilkreuzlern) erschossen, weil sie etwa 100 Juden in ihrem Kloster versteckt und ihnen das Leben gerettet hatte.


16. September
Die Welt und das Heilige

Von Eduard Kamenicky

Achte Folge

Der sachliche Ansatz zu diesem Entwurf und damit der gedankliche Zugang seines Verständnisses für uns liegt wohl in dem zur Macht einer viele verbindenden, gemeinsamen Erfahrung angewachsenen erlebnishaften Eindruck der Nichterreichtheit, Nichtrealisiertheit eines Ideals, das darum spontan, wenngleich bloß vermeintlich, als gar nicht gegeben oder zumindest als nicht wirksam klassifiziert wird. In diesem Erlebnis, seiner Stärke und Allgemeinheit (im Sinn größter Verbreitung) wie seinen für es kennzeichnenden schroffen Rückwirkungen auf die gesamte Seelenlage und das herrschende Weltgefühl sind vor allem zwei Momente bedeutsam: das, was wir in metaphysischer Sicht Heiligkeit als Wurzel, als Seinsgrund, als innerste Wesensbestimmung aller Dinge und insbesondere des Menschen bezeichnet haben, erscheint in der hier wirksamen Perspektive von den aktuellen Mängeln irdischer Zuständlichkeit total überblendet; es figuriert unmittelbar überhaupt nicht als Größe, weder im Bereich des Konstatierten, noch im geistigen Feld von dessen kritischer Beurteilung. Das zweite Moment scheint aber noch interessanter zu sein: mittelbar ist in dem genannten Erlebnis die anscheinend völlig ausgefallene Größe des Heiligen vehement aktiv, ja steht im verborgenen Zentrum des ganzen geistigen Vorgangs: gerade auf Grund der unausschaltbaren Effektivität dieses in der objektiven Seinstiefe doch Gesetzten und unverändert Vorhandenen kommt es anläßlich des echt (wenn auch irrig) erlebten totalen Ausfalles des Heiligen zu Äußerungen eines stürmischen Verlangens nach dem Guten schlechthin, nach dem Besseren, dem Vollkommenen, dem absoluten Glück, mit einem Wort: zur leidenschaftlichen Urgenz axiologischer Superlative, einer Sphäre, die aus dem (siehe Moment eins) allein gesichteten Weltpanorama von irdischer Perspektive nur mit traumhaften Wunschbildern weltlicher Glückserfüllung besetzt werden kann. Es ist aber nicht zu übersehen, daß auch darin, so befremdend dies zunächst uns klingt, das schlechthin Werthafte, gänzlich säkularisiert sozusagen, das Vollkommene, dessen Interpretation als das Heilige uns geläufig ist, als Attraktionsmacht absoluten Zieles, als das schlankweg zu Erstrebende, als causa universalis finalis wirksam bleibt.

Da sich nun aber geschichtlich in der Welt eine Größe zeigt, die programmatisch beansprucht, eben diese Erfüllung grundzulegen, anzubahnen, zu gewährleisten und im einzelnen heil-spendend zu vermitteln, gerät jene Größe angesichts des erlebnishaft evidenten und daher in dieser seiner Qualität nicht widerlegbaren (und darum für den aus dem Erlebnis Denkenden und Urteilenden auch in seiner Erheblichkeit nicht zu erschütternden) aktuellen Un-heiles geradezu zwangsläufig in Verdacht, in ganz spezieller Weise der vag ersehnten Vollendung, dem dumpf begehrten Aufstieg zum Besseren, dem anderen, freieren, würdigeren, dem vollkommeneren Leben im Wege zu stehen. So bringt der Impetus innerweltlichen Messianismus - in welcher Gestalt immer auch - fast notwendig den Affront gegen Kirche, Religion, institutionalisierte Heilslehre und Kunde vom Heiligen mit sich, der sich, so verstanden, nicht bloß gegen irgend eine Konkurrenzmacht, sondern gegen das Hindernis schlechthin wendet, wenn er dem Reich und der Botschaft des Heiligen den Kampf ansagt, das Hindernis, das die wirksame Entfaltung der innermenschlichen und innerweltlichen Möglichkeiten in Richtung auf eine seinsentsprechende Vollendung (die natürlich nur mehr von weltlich interpretiertem Sein aus verstehbar bleibt) nicht zuläßt.

Dazu kommt, daß mangels eigener religiöser Erfahrung der Wert des Heiligen nicht mehr einleuchtet. Nur solche Erfahrung vermöchte das, was sonst bloß als ein anderwärts Angenommenes bekannt wird und um das man als um etwas irgendwo zum Glauben Vorgestelltes weiß, in den Bereich der personalen Lebenswirklichkeit zu erheben. Wir selbst haben uns in unserer Rede über das Heilige dieses zumindest ererbte und in der eigenen Glaubensbemühung je latente Wissen zunutze gemacht, wenn wir auf jenes ursprüngliche Begriffsverständnis zurückgegriffen haben, das ja eingebettet ist in einen Lebenszusammenhang, der um das Heilige ‘weiß’. Damit soll aber keineswegs die entscheidende Rolle geleugnet werden, die das existentielle Sich-Einlassen auf die Wahrheit des Heiligen zur wurzelhaften Erschließung derselben spielt. Hier wäre einer weniger bedachten Sentenz des Evangeliums zu gedenken, die den Gewinn der faktischen Überzeugung von der Wahrheit, das heißt hier: der originären Göttlichkeit der gegenständlichen Lehre an die Erprobung derselben in der Erfüllung der in ihr formulierten göttlichen Forderungen knüpft. “Wenn jemand dessen (nämlich Gottes) Willen tun will, wird er inne werden, ob diese Lehre von Gott stammt.” (Jo 7, 17) Mangels solchen Tuns, das in den Blutbahnen vieler die geistige Szene heute Beherrschender seit Generationen erloschen ist, mangels des Zwingenden einer echten religiösen Atmosphäre in der Mitwelt und mangels des Mutes zum Wagnis, es selbst mit Heiligkeit als einem Lebensexperiment zu versuchen, fehlt weithin jeder existentielle Zugang zum Heiligen. Nun kann man aber ‘das Heilige’ in sich, das, was wir paradox die universale Eigenart Gottes genannt haben - es bleibt im letzten unaussprechlich und alle Denkbemühung scheitert daran -, in seinem Tiefsten und Eigensten nicht ‘begreifen’, man kann sich seine Kenntnis nicht durch Studien aneignen, man kann es nur erfahren oder nicht erfahren - man muß es erfahren oder es bleibt unerschlossen, ja unberührt. - Parallel mit diesem - gegenwärtig die geistige Lage bestimmenden - Ausfall geht aber, wie angedeutet (und es ist geradezu ein handgreifliches Zeichen für die Schmerzlichkeit dieses Ausfalls), das ungestüme Suchen nach neuen, freien, willkürlichen Wertsetzungen, die immer wieder in nichts anderem bestehen können als in Verabsolutierung weltlicher Momente, welche in ihrer Wurzel, das heißt: in ihrer letzten Verankerung im Heilig-sein Gottes selbst, nicht mehr verstanden werden.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


15. September
Alfons Maria von Liguori

Vor 200 Jahren, am 15. September 1816, wurde Alfons Maria von Liguori (1696-1787) seliggesprochen. Die Heiligsprechung erfolgte 1839. Pius IX. erhob ihn 1871 zum Kirchenlehrer und nannte ihn den “hervorragendsten und mildesten unter den Moraltheologen”. 1950 erklärte ihn Pius XII. zum Patron der Beichtväter und Moraltheologen. Er trägt den Ehrennamen “Doctor zelantissimus” (der seeleneifrige Lehrer). Sein Buch “Elemente einer Spiritualität der Liebe” kann bei mir gegen eine freiwillige Spende bestellt werden.

Der hl. Alfons über das Beten


14. September
Charles Joseph Murphy

Vor 50 Jahren, am 14. September 1966, wurde der Ire Urban Charles Joseph Murphy CP zum Bischof von Gaborone geweiht. Das Bistum Gaborone war erst am 5. August desselben Jahre aus der seit 1959 existierenden Apostolischen Präfektur Betschuanaland errichtet worden. Gaborone ist die Hauptstadt Botsuanas und liegt im Südosten des Landes an der Grenze zu Südafrika, 250 km nordwestlich von Pretoria.


14. September
Giovanni Battista Lemoyne

Vor 100 Jahren, am 14. September 1916, starb der aus Genua stammende Giovanni Battista Lemoyne. 1862 zum Priester geweiht, schloss er sich 1864 den Salesianern an und legte in die Hände des hl. Don Bosco die ewige Profess ab. Er wurde mit einem mehrbändigen Werk dessen erster und bedeutendster Biograph.


14. September
Pierre Duhem

Vor 100 Jahren, am 14. September 1916, starb in Bordeaux im Alter von 55 Jahren der in Paris geborene Physiker und Wissenschaftshistoriker Pierre Duhem. Er wurde 1894 Professor für theoretische Physik in Bordeaux. Durch seine Studien über Johannes Buridanus, Albert von Sachsen, Nicolaus Oresme u.a. trug er zu einem besseren Verständnis der wissenschaftlichen Leistungen des Mittelalters bei. In seinem zehnbändigen Werk Système du monde unternahm er den Beweis, “dass das Denken des christlichen Mittelalters im Vergleich zu antiken Wissenschaft keineswegs einen Rückschritt darstellte, dass es vielmehr das antike Denken aus seinen Blockierungen gelöst und den Weg für das Verständnis der Himmelsbewegungen wie der Geologie und der Geodynamik freigemacht hatte” (Jacques Gadille in Die Geschichte des Christentums, Band 11, Herder 1997, S. 439).

Zum Thema: Der Grundlegung der Wissenschaft im Mittelalter


12. September
Regensburger Rede

"Doch die Angriffe auf den Pontifex in Rom sind besonders grotesk. Die scharfe, oft auch mit der Androhung von Gewalt verbundene Kritik an der Regensburger Rede Benedikts XVI ist nicht nur eine Attacke auf das Oberhaupt der Katholiken. Die böswilligen Verdrehungen seiner Worte und absurden Unterstellungen von Islamvertretern sind auch ein frontaler Angriff auf den freien religionsphilosophischen Diskurs. Dass sich offenbar immer mehr Menschen in der islamischen Welt dazu verleiten lassen, diesem Protest zu folgen, zeigt, wie einflussreich islamistische Gruppen dort inzwischen sind.”

So kritisierte der SPIEGEL (!) die Reaktion in der islamischen Welt auf die Regensburger Rede, die Papst Benedikt XVI. heute vor zehn Jahren gehalten hat.


11. September
Durch Aufweichung zum Aufbruch?

Auf diese beiden Aspekte lässt dann jeder synodale oder dialogische Prozess reduzieren. Da geht es zum einen um Modifikation der Lehre durch schleichende Aufweichung in Richtung Zeitgeist. Zum anderen geht es um teilweise wirklich schwierige Entscheidungen, wie die sterbende Volkskirche in ihrem Sterbeprozess zu begleiten ist. Erstaunlicherweise geschieht letzteres mit einer unglaublich propagandistisch daher kommenden Aufbruchsrhetorik.

Peter Winnemöller über den Sinn von Synoden und Dialogen im Artikel Klar geht das.

Meine Kritik und andere Stimmen zum Dialogprozess


10. September
Guter Ruf und gute Werke

Von P. Engelbert Recktenwald

In der Bergpredigt mahnt uns der Herr, Almosen im Verborgenen zu geben. Er warnt uns davor, unsere guten Werke zur Schau zu stellen, um von den Menschen gesehen zu werden. “Handeln um des eitlen Ruhmes willen”, ist der Ausdruck, der sich in der spirituellen Tradition der Kirche dafür durchgesetzt hat. Es gibt nur Weniges, was der Herr mit schärferen Worten gegeißelt hat. Die solches tun, nennt er Heuchler.

Aber warum soll es eigentlich verwerflich sein, etwas für seinen guten Ruf zu tun? Der hl. Franz von Sales schreibt in der Philothea, dass wir drei Leben haben, nämlich “das geistliche, das in der Gnade Gottes besteht, das körperliche, das seinen Sitz in der Seele hat, und das bürgerliche, das im guten Ruf liegt. Die Sünde nimmt uns das erste, der Tod das zweite, die üble Nachrede das dritte.”

Der gute Ruf ist also ein legitimes, kostbares Gut. Niemand macht uns einen Vorwurf, wenn wir etwas für unsere Gesundheit tun. Warum also ist es so schlimm, wenn wir etwas für unseren guten Ruf tun?

Im Wirtschaftsmarketing gibt es den Grundsatz: “Tue Gutes, und sprich darüber!” Keiner Firma machen wir es zum Vorwurf, wenn sie auf Gewinn aus ist. Wie sollte sie sonst überleben? Wenn sie damit wirbt, dass ein gewisser Prozentsatz der Einnahmen in humanitäre Projekte, in den Fairtrade oder in den Umweltschutz fließt, dann wissen wir zwar, dass dies nicht aus reiner Selbstlosigkeit geschieht, aber wir würden es nicht unbedingt als Heuchelei bezeichnen und es sogar als positiv empfinden im Vergleich zu solchen Unternehmen wie der FIFA, die 2014 bei der Fußball-WM in Brasilien aus Profitgier einheimische Straßenhändler in den Ruin trieb, weil sie beschloss, dass nur die Vertragspartner der FIFA im Umkreis der WM-Spiele bestimmte Dienste und Waren anbieten durften. Humanitär gezügeltes Gewinnstreben ist uns lieber als skrupelloses.

Das Anstößige ist also nicht die Kombination der Wahrnehmung legitimer Interessen mit Werken der Nächstenliebe. Die Heuchelei kommt erst dann ins Spiel, wenn den guten Werken kein Interesse am Wohl des Nächsten entspricht, sondern sie nur dem Kalkül jener Eigeninteressen entspringen. Wenn ich Almosen gebe, dann soll es die Anteilnahme an der Not des Nächsten sein, die mich dazu bewegt. Das Werk der Nächstenliebe soll Ausdruck der entsprechenden Gesinnung sein. Wenn ich diese Gesinnung bloß vortäusche, um meinen guten Ruf zu fördern, verhalte ich mich heuchlerisch.

Der Herr berichtet, dass die von ihm gegeißelten Almosengeber ihre Werke vor sich herposaunen ließen. Man kann sich die Situation gut vorstellen: Sie wurden nicht unvorhergesehen mit einer Not konfrontiert, der sie spontan abhalfen, sondern machten sich zusammen mit einem posaunenden Herold auf den Weg, um ihr gutes Image wieder einmal aufzupolieren. Die Not des Nächsten war ihnen nur der geeignete Stoff dazu. Wie gleichgültig sie in Wirklichkeit gegenüber der Not waren, zeigte sich an ihrem Nörgeln, wenn Jesus am Sabbat heilte. Selbst die frommen Werke wie das Gebet waren ihnen, wie der Herr ausführt, nur Mittel der Selbstprofilierung.

Die Heuchelei besteht also in der Instrumentalisierung des Guten: Ich tue das Gute nicht um des Guten, sondern des eigenen Ruhmes willen. Damit widerspreche ich dem Anspruch des Guten, auch wenn ich ihm in der Tat folge. Denn das Gute fordert nicht nur meine Tat, sondern auch meine Gesinnung.

Das ergibt nun einen merkwürdigen Zusammenhang: Die Handlung ist sündhaft, obwohl kein Handlungsbestandteil für sich allein sündhaft ist, weder das Motiv noch die Tat. Der gute Ruf ist ein legitimes Gut, und folglich kann er als Motiv nicht automatisch sündhaft sein. Und die Handlung selber, das Almosengeben, ist ebenfalls nicht sündhaft. Und trotzdem ist das Almosengeben allein um des eigenen Rufes willen ein besonders abstoßendes Beispiel sittlicher Verwerflichkeit. Der Grund liegt darin, dass Tat und Motiv nicht zusammenpassen. Das hängt wiederum mit dem zusammen, was der große katholische Philosoph Dietrich von Hildebrand die Hierarchie der Werte nannte. Er zeigt in seiner Ethik, dass an der Spitze dieser Hierarchie die moralischen Werte stehen, also die Werte des Guten. Die menschliche und moralische Reife einer Persönlichkeit zeigt sich in der Fähigkeit, den Anspruch dieser Werte zu erkennen und ihnen jene Antwort zu geben, die ihnen gebührt. Diese Antwort ist eine zweifache: eine des Herzens und eine der Tat. Die des Herzens nannte er die affektive Antwort. Nehmen wir als Beispiel die Dankbarkeit: Wenn ein Helfer mir das Leben rettet, dann soll ich ihm nicht nur nach außen hin danken, sondern auch im Herzen wahrhaft dankbar sein. Nehmen wir an, der Helfer habe während seiner Tat selber den Tod gefunden und ich würde nun Dankbarkeit für überflüssig halten, weil ich sie ihm nicht mehr erweisen könne: Wir würden sofort die Verwerflichkeit dieser Haltung erkennen, weil ich jener guten Tat jene affektive Antwort verweigerte, die ihr gebührt. Auch wenn dem Retter meine Dankbarkeit nichts mehr nützt: Sie zu verweigern und im Herzen gleichgültig zu bleiben, wäre ein Zeichen sittlicher Verrohung.

Das Gute nimmt mich also ganz in Anspruch: Herz und Tat. So verhält es sich auch mit der Not des Nächsten. Die erste Antwort, die von mir verlangt wird, ist immer die affektive, und dann, je nach dem Maß der Dringlichkeit und meinen eigenen Möglichkeiten, auch die effektive.

Natürlich kommt es auch darauf an, welcher Art die Situation ist, innerhalb derer ich mit der Not konfrontiert werde. In den Medien werden wir Tag für Tag mit Nachrichten über die verschiedensten Katastrophen und Unglücksfälle überschüttet, so dass wir bis zu einem gewissen Grad abstumpfen, da es uns nicht möglich ist, die Unglücksnachrichten emotional zu verarbeiten, wenn wir jedes Mal angemessen auf sie reagieren wollten. Und wenn sich einmal unsere Spendenfreudigkeit herumgesprochen hat, werden wir von den Bettelbriefen so vieler Wohltätigkeitsorganisationen überflutet, dass wir notwendigerweise hier und dort unsere Hilfe verweigern, weil wir nicht allen helfen können.

Aber wenn wir einmal in einer besonderen Situation persönlich einem verhungernden Menschen begegnen sollten, dann können wir ihm nicht die Hilfe verweigern mit dem Argument, wir hätten gerade erst der Caritas 100 € gespendet. Es ist also ein Riesenunterschied, ob wir einer konkreten Not real begegnen oder bloß von ihr hören. Und es ist auch dieser Unterschied, der den Unterschied zwischen einer legitimen Marketingstrategie und der von Jesus gegeißelten Heuchelei ausmacht. Eine Firma, die sich sagt: Um uns den Käufern zu empfehlen, spenden wir eine Zeit lang 2 % des Erlöses als Hilfe für die Opfer der letzten Flutkatastrophe, handelt nicht verwerflich, weil sie von sich aus nicht mit jener Not konfrontiert und deshalb zu nichts verpflichtet war. Es ist eine freiwillige gute Tat. Würde aber ein Vertreter der Firma als Helfer zur Katastrophe vor Ort hinfahren und dort nur so lange Hand anlegen, wie die Kamera, die das dokumentieren soll, auf ihn gerichtet wäre, würden wir das schon als heuchlerisch empfinden. Hier sehen wir: Je konkreter und näher die Not ist, um so gebieterischer fordert sie unsere Antwort unter Beiseitelassung anderer, auch legitimer Interessen. Je mehr eine Situation vom moralischen Wert, also hier vom kategorischen Imperativ der Hilfeleistung, beherrscht wird, um so mehr haben untergeordnete Werte und Interessen zu schweigen.

Das gilt z.B. auch für künstlerische Werte. Ein Künstler, der sich ins Katastrophengebiet begeben wollte, allein um Stoff für seine realistischen Darstellungen zu finden, würde sich der Instrumentalisierung menschlicher Not ebenso schuldig machen wie die Heuchler aus der Bergpredigt.

Das Eigentümliche des moralischen Wertes ist es also, uns um so mehr in Anspruch zu nehmen, je mehr er die Situation beherrscht, in die wir geraten. Er fordert uns nicht nur zum Handeln, sondern auch zum passenden Handlungsmotiv heraus. Als gläubige Christen wissen wir, dass sich in ihm der Wille Gottes ausspricht. Es ist Gottes Ruf an uns, wenn in einer konkreten Situation unsere Hilfe gefordert ist. Dieser Ruf ist nicht der blinde Befehl eines Tyrannen. Dietrich von Hildebrand wird in seinen Schriften nicht müde, die innere Schönheit und Herrlichkeit der Werte zu beschreiben. Es lohnt sich, sich in diese Schriften zu vertiefen, um immun gegenüber allen Versuchen zu werden, die Werte zu relativieren und sie ihrer inneren Schönheit und Wahrheit zu berauben.

Die moralische Reife eines Menschen besteht, wie gesagt, darin, den Werten jene Antwort zu geben, die ihnen gebührt. In dem Maße, wie die moralischen Werte unser ganzes Leben bestimmen und durchdringen, reifen wir zu jener Heiligkeit heran, die Jesus mit den Worten beschrieben hat: “Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch dazu gegeben werden.” Dann brauchen wir auch nicht einmal mehr eine Marketingstrategie, so wenig wie Mutter Teresa von Kalkutta.


9. September
Pedro Ledesma

Vor 400 Jahren, am 9. September 1616, starb in seiner Geburtstadt Salamanca der Theologe Pedro Ledesma OP. In der Gnadenlehre verteidigte er vehement die Thesen des Dominigo Banez (1528-1604) gegen die Molinisten.


8. September
Dogmatisches Gewicht

C&W: Wie ist man im Vatikan auf die Idee gekommen, dass die Konzils-Dokumente unterschiedliches dogmatisches Gewicht haben sollen?

Pozzo: Das ist ganz gewiss keine Schlussfolgerung unsererseits, sondern war schon zur Zeit des Konzils eindeutig. Der Generalsekretär des Konzils, Kardinal Pericle Felici, erklärte am 16.November 1964: »Diese heilige Synode definiert als für die Kirche verbindlich nur das, was sie im Hinblick auf Glauben und Moral ausdrücklich als solches erklärt.« Nur explizit von den Konzilsvätern als verbindlich eingestufte Texte sind auch als solche anzunehmen. Das hat sich nicht »der Vatikan« ausgedacht, sondern steht in den Akten.

Aus einem Interview von Christ & Welt vom Juli 2016 mit Erzbischof Guido Pozzo, dem Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei. Auf das dogmatische Gewicht der Konzilsdokumente (gemeint ist das Zweite Vatikanische Konzil) legen deutsche Theologen immer dann großen Wert, wenn es um die Einigung mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. geht. Aber sie vergessen es, wenn es um ihre eigenen Abweichungen von den Aussagen des Konzils geht. Kürzlich hieß es in einer Meldung von katholisch.de über die Piusbruderschaft: “Die Bruderschaft lehnt bis heute Bestandteile des Zweiten Vatikanischen Konzils ab.” Dasselbe könnte man über viele Theologieprofessoren sagen. Vgl. dazu etwa meine Glosse über die Konzilsgegner.

Kardinal Ratzinger über den Verrat am Konzil


8. September
Luigina Sinapi

Vor 100 Jahren, am 8. September 1916, wurde in Itri, einer Stadt ca. 140 km südöstlich von Rom, die Mystikerin Luigina Sinapi geboren. In Tre Fontane wurde ihr die spätere Bekehrung Bruno Cornacchiolas geoffenbart. Ebenso sagte sie 1937 Kardinal Pacelli voraus, dass er Papst werden würde. Sie starb in Rom am 17. April 1978. Am 26. März 2004 wurde ihr Seligsprechungsprozess eingeleitet. Das öffentliche Zeugnis, das Papst Pius XII. über sie gab, bringt Erich Maria Fink in seinem Artikel über die Bekehrung des Bruno Cornacchiola.


7. September
Der selige Rudolf Aquaviva S. J.
Missionär und Märtyrer in Indien

Von Anton Huonder S.J.

15. Folge

Der blutige Bekennertod, nach dem er so sehr verlange, so schrieb er bereits im September 1580 an P. Rugno Rodriguez, den Rektor des Jesuitenkollegs in Goa, liege freilich noch in weiter Ferne, „so ferne nämlich als der Tod des Kaisers selbst. Während aber der Martertod sich verzögert, fehlt es uns nicht an tausenderlei Gelegenheiten zu leiden. Wir sind mit inneren und äußeren Trübsalen so überhäuft, dass mir das Leben manchmal eine Last wird. Es gefiel dem Herrn, mir in dieser Mission noch nicht den Kelch zu reichen, der berauscht, sondern jenen, der voll des Mischtrankes (plenus misto) ist, da wir noch nicht bis aufs Blut widerstanden haben. Bei alledem bin ich zufrieden, jedoch so, dass wenn der Gehorsam die Bürde des Obern dieser Mission mir abnähme, meine Freude voll wäre, soweit man überhaupt von Freude sprechen kann inmitten eines verderbten Volkes, wo unsere Augen nur Sünden sehen und unsere Ohren nichts anderes hören als den widerwärtigen und fluchwürdigen Namen Mohammeds. Ich schreibe dies Ew. Hochwürden unter Tränen. In der Umgebung, in der wir leben, vernimmt man nur jenen teuflischen Namen, von dem alles widerhallt; der süße Name ,Jesus, Sohn Gottes´ aber wird fast niemals ausgesprochen. Denn die Mohammedaner betrachten Jesus nur als einen Propheten, nicht als den Sohn Gottes. Ich aber kenne keinen solchen Jesus und kann nur sagen: ,Jesus, der Sohn Gottes.´ Spreche ich ihn aber gelegentlich vor Auswärtigen aus, so bringt mir dies nur neues Leid und größere Betrübnis. Denn sobald einer dieser Muselmänner es hört, ruft er mir sogleich zu: Sta furlah! d.i. ,Gott verhüte es!´ Das ist der bei den Mohammedanern gebräuchliche Ausruf des Abscheus und des Entsetzens. Andere halten sich die Ohren zu, noch andere lachen höhnisch oder brechen in Flüche aus. Komme ich dann nach Hause, so wünschte ich, dass von den wenigen christlichen Seelen, die ich hier, gleichsam in der Arche Noes, finde, ja dass von den Wänden selbst mir nichts anderes entgegentönte als ,Sohn Gottes´, ,Sohn Gottes´. Aber es scheint mir dann, als ob mir nur zur Antwort würde: ,Wie sollen wir in fremden Landen das Lob des Herrn singen?´ (Ps 136, 4.)

Gehen wir zum Kaiser, um ihn zu unterrichten, so finden wir ihn in einem mühsamen Gebet begriffen, welches diese Mohammedaner mit solchem Eifer und mit solcher Sammlung und äußerer Ehrfurcht verrichten, dass man sich nicht genug darüber wundern kann. Aber alles das ist bloß Äußerlichkeit. Müssen wir doch selbst mit unsern Augen die Abscheulichkeiten mit ansehen, denen sich diese übertünchten Gräber hingeben. Kurz, hier gilt Mohammed alles.

Dieser Antichrist führt hier das Zepter. Zu Ehren dieses höllischen Ungeheuers wirft man sich auf die Knie, streckt sich auf die Erde aus, erhebt die Hände zum Himmel. Ob man Almosen gibt oder sonst ein Werk tut, alles geschieht in seinem Namen.

Und wir dürfen aus Rücksicht auf den Kaiser uns nicht einmal frei über solche Greuel aussprechen. Denn würden wir in der Kundgebung unserer Gefühle im Geringsten zu weit gehen, so brächten wir das Leben des Kaisers in Gefahr. So sterben wir nicht, weil man uns nicht zu töten wagt, leben aber auch nicht, weil unser Eifer uns verschmachten macht.“

Man lebe nur von Hoffnungen, und diese seien nicht wie die der armen Seelen von der Erwartung einer sichern Erfüllung getragen, sondern recht ungewiss. Zumal gelte dies von der Bekehrung des Kaisers. Gott allein, der Erforscher von Herzen und Nieren, wisse es. Indessen tröste der Gedanke, dass nichts, was im Dienste Gottes geschehe, verloren sei.

Ein weiterer Trost sei, dass sie das Glück hätten, alle Tage das Opfer ihres Lebens Gott dem Herrn darzubringen, „da wir uns an einem Orte befinden, wo Gott uns diese Gnade leicht zuwenden kann“.

„Es ist schwer zu sagen“, meint Manouchi, „von welcher Seite der Pater mehr zu leiden hatte, durch die Gunst des Fürsten oder durch die bittern Enttäuschungen, welche das unbeständige und ausschweifende Leben Akbars ihm bereitete. Die Freundschaft des Padischah weckte den Neid der Höflinge, seine offene, siegreiche Sprache den Hass des Mollas, der wiederholt sein Leben in Gefahr brachte.“

Besonders zu Zeiten, da Akbar abwesend war, hatte der Missionär viel auszustehen. Bei seinen Ausgängen in der Stadt schrien ihm ungezogenen Kinder, böse Weiber und andere mohammedanische und heidnische Lästermäuler Fremdling, Christ und noch öfters Feind Mohammeds oder Brahmas nach. Dabei stießen sie die heftigsten Drohungen aus, von deren Ausführung nur die Furcht vor der Rache des Kaisers sie abhielt. Aquaviva ertrug alles freudig aus Liebe zu Christus. „Ich habe hier“, so schrieb er schon früher einmal, „herrliche Gelegenheit, in der Heiligkeit Fortschritte zu machen. Wir sind hier der Gegenstand allgemeinen Hasses. Alle überschütten uns mit Unbilden und Drohungen. Das Messer sitzt uns gleichsam an der Kehle und wir sind ein Auswurf geworden für alle. Beten Ew. Hochwürden, dass wir uns all dieser Gnaden zu unserem geistlichen Nutzen bedienen.“

wird fortgesetzt


5. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer eigenen Seite wurde untergebracht der Artikel von Katrin Krips-Schmidt über den Schriftsteller Julien Green und dessen interessante Gedanken über die Konzilszeit. Das neue Buch von P. Martin Ramm zur Vorbereitung auf die Erstkommunion findet sich nun auf der Seite (ganz unten) über das Medienapostolat der Petrusbruderschaft. Die Kriterien für mündiges Christsein, die Alex Lefrank SJ entwickelt, habe ich meinem Artikel Der mündige Christ und die Kirche beigesellt.


5. September
Maurice-Jean-Madelein Broglie

Vor 250 Jahren, am 5. September 1766, wurde auf dem Schloss Broglie in der Normandie Maurice-Jean-Madelein Broglie geboren. 1807 wurde er von Kaiser Napoleon zum Bischof von Gent ernannt. Er wurde "wegen Verteidigung der päpstlichen Rechte 1811 verbannt und zur Resignation gezwungen. 1814 wieder Bischof von Gent, leitete Broglie die Opposition gegen die Verfassung der Vereinigten Niederlande und verfasste das auch von andern Bischöfen unterschriebene Jugement doctrinal, das den Eid auf die Verfassung verbot” (M. Dierickx im LThK, 2. Auflage). Bischof Broglie flüchtete nach Paris, wo er am 20. Juli 1821 starb.


4. September
Hans Reiner

Vor 25 Jahren, am 4. September 1991, starb in Freiburg im Breisgau im Alter von 94 Jahren der Philosoph Hans Reiner. Er studierte bei Husserl, Heidegger und Rudolf Otto und lehrte von 1951 bis 1965 in Freiburg. Als Ethiker wurde er zu Unrecht viel zu wenig beachtet. Reinhard Lauth nannte ihn in seiner Ethik (Stuttgart 1969) “den bedeutendsten Ethikwissenschaftler der Gegenwart in Deutschland” (S. 8). Karl Lehmann urteilte über ihn: “Er war immer ein unabhängiger Geist. Dabei hat mich fasziniert, wie er eine sehr eigenständige philosophische Lehre entwickelte. Sein Urteil war unbestechlich; seine Begrifflichkeit und Sprache waren von seltener Klarheit und Durchsichtigkeit; sein phänomenologischer Blick war ausgesprochen orginell ...” Sein Werk Die philosophische Ethik. Ihre Fragen und Lehren in Geschichte und Gegenwart (Heidelberg 1964) ist die beste historische Gesamtdarstellung der Ethik, die ich kenne, und neben der Ethik Dietrichs von Hildebrand der beste Einstieg in sie.


3. September
Medienapostolat

Ein Video über die katholische Kirche, das mancher kirchlichen Medienarbeit seitens der katholischen Kirche in Deutschland als Vorbild dienen könnte.


3. September
Monatsranking August 2016

Platz Monatsranking August 2016
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 610 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Bernward Deneke: Liebe, und dann tue was du willst

+ 1
2

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

- 1
3

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 1
10

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

- 1
20

Der Streit um das Konzil

- 8
30

Johannes Paul II.: Was bedeutet Schöpfung?

+ 28
40

Die wahre Braut Jesu Christi

+ 15
50

Edmund Husserl

+ 7
60

Hl. Alfons: Von der Barmherzigkeit Gottes

+ 18
100

Grisar: Luther und der Ablassstreit

- 47

Zum Ranking der Vormonate


2. September
Heinrich Buschoff

Vor 100 Jahren, am 2. September 1916, starb in Mugil, Neuguinea, der Missionar Heinrich Buschoff SVD. Er stammte aus Lippborg, empfing 1905 die Priesterweihe und wurde noch im selben Jahr als Missionar nach Deutsch-Neuguinea gesandt. Dort wirkte er zunächst auf der Insel Sek und ab 1910 auf der Missionsstation Mugil, Provinz Madang, an der Nord-Ost-Küste von Papua-Neuguinea.


1. September
Benigna Consolata Ferrero

Von Urs Keusch

Vor 100 Jahren, am 1. September 1916, starb in Como im Alter von 31 Jahren die Mystikerin Benigna Consolata Ferrero, deren Seelenführer der selige Luigi Boccardo war. Aus diesem Grund bringen wir hier einen Artikel von Urs Keusch über sie, der 2008 in der Zeitschrift Vision 2000 erschienen ist.

Vor einigen Tagen schrieb mir eine ältere Frau: “In unserer Kindheit und Jugendzeit vermittelte man uns das Bild eines strengen und strafenden Gottes. Wie befreiend war es, als wir später hörten: Gott ist die Liebe, und wie staunt man über den Barmherzigen Jesus, den wir durch Schwester Faustyna kennen lernen durften!"

Viele Menschen, vielleicht ganze Generationen von Gläubigen, haben am Bild eines strengen und strafenden Gottes mehr oder weniger gelitten - und leiden heute noch. Sie fanden nicht den Weg zum Vertrauen in die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, wie ihn die hl. Theresia vom Kinde Jesu für sich neu entdeckt und ihn in ihren Schriften der Kirche als “kleinen Weg" strahlend und hinreißend vor Augen geführt hat. Mit dem Beispiel der hl. Theresia, später mit der Botschaft der hl. Faustyna Kowalska, wurde ein neuer pfingstlicher Aufbruch an Vertrauen und Liebe in die Kirche getragen.

Nun wissen viele katholische Christen nicht, daß es bereits vor Sr. Faustyna einen solchen Aufbruch in der Kirche gegeben hat, der sich vor allem nach dem 1. Weltkrieg wie ein Lauffeuer über die Erde verbreitete (Europa, USA, Mexiko, Brasilien, Chile, Alaska, Ceylon, Madeira, Malta, bis nach China). Er ging von einer Schwester aus, die Jesus an verschiedenen Stellen “Apostolin meiner Barmherzigkeit" oder “Sekretärin meines Herzens" nannte, Titel, die Jesus auch Sr. Faustyna zugesprochen hatte. Es war Sr. Benigna Consolata Ferrero, die - wie Theresia von Lisieux - sehr jung im Rufe der Heiligkeit starb, nämlich mit 31 Jahren (5.8.1885-1.9.1916). Schon wenige Jahre nach ihrem Tod sind hunderte von Gebetserhörungen eingegangen, der Seligsprechungsprozeß wurde schon 1925 eröffnet.

Maria Consolata Ferrero wurde als drittes von 4 Kindern in einem vermögenden Hause in Turin geboren. Nach einer gediegenen Schulausbildung und Tätigkeit zu Hause, trat sie mit 22 Jahren in das Kloster des Ordens der Heimsuchung Mariens in Como (Oberitalien) ein. Maria Consolata, so hieß sie vor ihrem Klostereintritt, wuchs in einer liebevollen, herzlichen und von wahrer Frömmigkeit geprägten Familienatmosphäre auf. Das Herz des Erlösers war der “Feuerherd der Liebe" für die ganze Familie, und wurde es für Maria Consolata immer mehr! Sie war ein aufgewecktes Kind, empfindsam und zartfühlend, aber hatte gleichzeitig einen starken, ja, etwas eigensinnigen Charakter.

Schon als Kind machte sich bei ihr eine starke religiöse Neigung bemerkbar und ein ebenso starkes Ergriffensein von den Schönheiten der Schöpfung, wie wir es auch bei Theresia von Lisieux kennen. Vom 17. Lebensjahr an vernimmt Maria Consolata in ihrem Innern die Stimme des Herrn. Jesus macht ihr Mitteilungen, die sie im Auftrag ihres Beichtvaters in Hefte schreiben muß. Schon am Anfang dieses mystischen Weges “teilte ihr Jesus das Verständnis jenes geheimnisvollen, unstillbaren ,Mich dürstet' mit, Seines Durstes nach Seelen, den so wenige verstehen", wie der Biograph schreibt. Es ist jener Durst, der auch für die hl. Theresia von Lisieux und später für Mutter Teresa von so zentraler Bedeutung war.

Jesus führt seine Freundin immer tiefer in Seine Liebe ein, in die Sehnsucht Seines Herzens nach Liebe. Es ist die Sehnsucht nach der Liebe der Menschen.

Maria Consolata geht unbeirrt den steilen Weg der Selbstüberwindung, den Jesus sie lehrt: er wird immer mehr zu einem Weg der Liebe und des Vertrauens in die “zärtliche Barmherzigkeit unseres Gottes" (Lk 1,78). Es ist “der kleine Weg" voll Hoffnung und Liebe für alle, die Gott herzlich lieben wollen.

Viele Aufzeichnungen von Sr. Benigna könnten in den Schriften der hl. Theresia von Lisieux oder der seligen Mutter Teresa stehen (letztere hat ihre Schriften gekannt). Alles kreist um die Sehnsucht der gekreuzigten Liebe nach Seelen, der Sehnsucht des Herzens eines Mensch gewordenen Gottes.

Einmal fragt Benigna Consolata ihren Herrn: “Was findest Du denn eigentlich an den Seelen, daß es scheint, Du könntest ohne sie nicht leben? Du bist doch unendlich selig in Dir selbst, Du hast die Engel!" Darauf antwortet ihr Jesus in der in ihren Schriften so typisch vertrauten, liebevollen, ja, zärtlichen Art: “Liebe Benigna! Das ist wahr, was du sagst, alles ist wahr! Aber es ist auch wahr, daß ich ein menschliches Herz habe und daß ich die Menschen liebe. Ich habe es dir bereits gesagt, aber ich sage es dir noch einmal, damit du es niederschreibst, meine kleine Sekretärin. Ich werde dafür sorgen, daß es gelesen wird, damit man an meine ganz maßlose Liebe glaubt. Es sind ja meine Brüder, die Menschen, es sind ja meine Brüder!"

Die Verheißung hat sich erfüllt: Nach ihrem Tode (1916) sind auf Empfehlung vieler Bischöfe ihre Kleinschriften - man schätzt zu Millionen - in die Welt hinausgegangen und haben einen unermeßlichen Segen an Hoffnung in die Welt getragen.

Viele Menschen, niedergebeugt von der Angst vor einem gerechten Gott, konnten diese Last ablegen und sich der Hand des liebenden Gottes anvertrauen, der von sich sagt: “Lernt von mir, ich bin sanft und demütig von Herzen." (Mt 11,29)

Wir wissen auch, daß eine Lebensbeschreibung von Benigna Consolata die Lieblingslektüre der Heiligen Faustyna gewesen war! Wir lesen in Faustynas Tagebuch Stellen, die sich fast wörtlich in den Schriften von Benigna Consolata finden, etwa: “Ich bereite das Werk meiner Erbarmungen vor. Ich will eine neue Auferstehung der menschlichen Gesellschaft, und dieses Werk soll sich durch die Liebe vollziehen."

Einmal sagte Jesus zu Benigna Consolata: “Ich suche nichts so sehr, als immer Barmherzigkeit zu üben. Wenn ich von meiner Gerechtigkeit Gebrauch machen muß, so ist es mir, als müßte ich gegen den Strom schwimmen; ich muß mir Gewalt antun."

1914, als der 1. Weltkrieg ausbricht, wenden sich die Vorgesetzten an Sr. Benigna Consolata, sie möge doch “durch ihre Gebete das Ende dieser furchtbaren Geißel herbeiführen". Benigna Consolata fleht Jesus inständig an, doch dieser gibt ihr mit “zärtlichen Trostworten" zu verstehen, “der Krieg sei keine Strafe der göttlichen Gerechtigkeit, sonst hätte die ganze Welt ihrer vielen Sünden wegen schon vernichtet werden müssen - sondern er sei eine Strafe aus Barmherzigkeit zur Rettung vieler Seelen, die sonst ewig verloren gegangen wären."

Eine “Strafe" aus Barmherzigkeit, also nichts als Barmherzigkeit! Man kann solche Worte nicht tief genug in sein Glaubensbewußtsein aufnehmen. Der von der Liebe Gottes erleuchtete Blick, mit dem wir auf die Ereignisse der Welt schauen - mögen sie noch so erschütternd und schrecklich sein! - , wird uns immer wieder die unergründliche barmherzige Liebe Gottes erkennen lassen.

Diesen österlichen Blick zu üben, die Ereignisse in der Welt und im persönlichen Leben im Lichte der barmherzigen Liebe Gottes zu sehen, sie in ihrer Tiefe zu sehen, von Gottes österlicher Barmherzigkeit her: das war die Sendung dieser wunderbaren und in ihrer Güte und Milde so hinreißenden Frau, zu der Jesus wiederholt sagte:

“Schreibe, liebe Benigna, Apostolin meines Erbarmens, schreibe, daß es mein Hauptwunsch ist, die Menschen möchten erkennen, daß ich ganz Liebe bin und daß es der größte Schmerz ist, den man meinem Herzen bereiten kann, wenn man an meiner Güte zweifelt. Mein Herz erbarmt sich nicht nur, nein, es freut sich, je mehr man ihm zur Wiedergutmachung überläßt... Rufe laut hinaus, damit alle es hören, daß ich Hunger und Durst habe, ja, daß ich vergehe vor Verlangen, Eingang zu finden in die Herzen meiner Geschöpfe. Ich weile im Sakrament meiner Liebe für meine Geschöpfe, und wie wenig wissen sie dies zu schätzen."

Benigna Consolata Ferrero, die - wie Mutter Teresa - mit jeder Faser und mit jeder Regung ihres Herzens und ihrer Hände, mit jedem Wort, mit jedem Blick und Lächeln, durch unzählige Anfechtungen und Dunkelheiten hindurch, den unendlichen Durst des Herzens ihres gekreuzigten Bräutigams stillen wollte, sollte das in den letzten Wochen ihres Lebens und Sterbens in einer Weise tun müssen, wie es uns auch in der Biographie der hl. Theresia von Lisieux berichtet wird - und uns sprachlos macht und erschüttert.

“Der Heiland ließ mich erkennen, daß auch meine Krankheit eine Mission habe", sagte die 31jährige. “Sie war in ein Meer von äußeren und inneren Leiden versenkt", schreibt der Biograph. Am Herz-Jesu-Freitag um 15 Uhr, dem 1. September 1916, “nach großen physischen und moralischen Leiden, schlug endlich für sie die Stunde der Erlösung". Preis dem Herrn!

Urs Keusch über eine Jungfrau namens Barmherzigkeit


1. September
Jordan Mai

Vor 150 Jahren, am 1. September 1866, wurde in Buer (heute zu Gelsenkirchen gehörend) Jordan Mai geboren. 1895 trat er als Laienbruder in den Franziskanerorden ein und war in verschiedenen Klöstern als Koch tätig, zuletzt in Dortmund. “Bot sich Gott nach einem ungewöhnlichen Opfer- und Gebetsleben als Sühne für einen Sakramentsfrevel an und starb ohne erkennbare Todesursache an dem Tag, für den er sein Hinscheiden vorausgesagt hatte” (LThK, 2. Auflage), das war der 20. Februar 1922. Sein Seligsprechungsprozess ist schon weit vorangeschritten: 1991 stellte Rom den heroischen Tugendgrad fest.


1. September
Taddeo Zuccari

Vor 450 Jahren, am 1. September 1566, starb in Rom genau auf seinen Geburtstag im Alter von 37 Jahren der Maler Taddeo Zuccari. “Unter Anschluss an Raffael bei gleichzeitiger Einwirkung v. A. da Correggio und Parmeggianino schafft Taddeo eine Reihe von Historienbilder” (L. Dussler im LThK, 2. Auflage).


31. August
Eine göttliche Erfindung

Eine Rezension von Carolin Holterhoff

Mit ihrem Buch Man and Woman. A Divine Invention („Mann und Frau. Eine Göttliche Erfindung“, erschienen 2010) hat die Philosophin Alice von Hildebrand nach The Privilege of Being a Woman (Vom Privileg eine Frau zu sein) ein weiteres Werk vorgelegt, das sich mit der Situation der Frau in der heutigen Zeit auseinandersetzt. Ihr Ziel ist es, wie sie selbst sagt, der Frau zu helfen, ihre von Gott vorgesehene Aufgabe wiederzuentdecken und derselben gerecht zu werden. Diese Aufgabe betrifft ihre Beziehung zum Mann und damit auch die Gesellschaft. Wenn man bedenkt, dass sich die Frau im Zuge der Emanzipation seit den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und des um sich greifenden Feminismus selbst verwirklicht hat, ist es dringend geboten, dass sie sich jetzt endlich selbst wiederfindet.

In der Genesis steht, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Er erschuf zuerst den Mann. Aber kein Tier – nicht einmal der intelligenteste Affe – war in Gottes Augen würdig, so von Hildebrand, dem Mann zur Seite gestellt zu werden. Deshalb erschuf er die Frau, die von Anfang an eine besondere Würde besitzt, da sie aus der Rippe des Mannes erschaffen wurde. Adams Reaktion auf seine Eva ist bekannt – er erkannte sie als zu ihm gehörig und ebenbürtig an. Diese Komplementarität von Mann und Frau ermöglicht es beiden, mit Hilfe ihrer Unterschiede (körperlich und psychisch) in Verbindung mit Gott neues Leben zu erschaffen.

Diese Harmonie im Paradies wurde grundlegend gestört, als Adam und Eva der Versuchung durch die Schlange erlagen und die Frucht des verbotenen Baums aßen. Mit dieser Ursünde trennten sie sich von Gott und wurden aus dem Paradies vertrieben. Der Punkt, der laut von Hildebrand häufig übersehen wird, ist, dass durch diese Trennung von Gott auch eine Trennung der Menschen untereinander erfolgt. Adam und Eva erkannten, dass sie nackt waren, versteckten sich voreinander und gaben sich gegenseitig die Schuld für die Sünde, denn, so von Hildebrand, die gemeinsame Sünde bedingt die Trennung der beiden Täter. Als Beispiel führt sie die freie Liebe an, die – obwohl sie angeblich zu einer engeren Nähe zwischen den beiden Partnern führt – sie voneinander trennt. Die freie Liebe respektiert die Gesetze Gottes nicht und damit wird auch der Partner nicht respektiert, sondern aus egoistischen Motiven benutzt. „The closest physical bond that can exist between human beings, to ´become one flesh´ instead becomes the key agent of their separation.“ („Die engste physische Verbundenheit, die zwischen Menschen bestehen kann, [nämlich] ´ein Fleisch zu werden´, wird stattdessen zur Hauptursache ihrer Trennung.“ (S. 6)). Die menschliche Sexualität, die dann nur noch der Befriedigung der eigenen sexuellen Gelüste dient, ist die Domäne, in der der Satan die leichtesten Siege erringt.

Aus dieser Zerbrochenheit erwächst die Gefahr, dass der Mann zu einem brutalen Frauenverachter wird; sie ist nur noch ein Sexobjekt, welches er benutzen und erniedrigen kann, wie es ihm gefällt. Die Frau wird im Gegenzug zu einer Verführerin, die mit den Männern spielt und für ihre Vorteile nutzt. Beide sind dann nur noch degenerierte Negative dessen, was Gott für sie vorgesehen hatte. Von Hildebrand warnt allerdings davor, diese Entartungen der beiden Geschlechter zu verallgemeinern. Weder der Mann noch die Frau schlechthin können so beschrieben werden.

Aber genau hier setzt die Lüge des Feminismus an. Der Mann per se wird als Unterdrücker der Frau gesehen, die sich deshalb vom Mann emanzipieren muss, um als der „bessere Mann“ die Herrschaft zu übernehmen. Wenn eine Frau sich benimmt wie ein Mann, wird dieser ihr allerdings nicht mit Respekt begegnen, sondern mit Verachtung, da sie keine Achtung vor sich selbst als Frau hat. Der Teufel führt Krieg gegen das Weibliche, um die Menschheit zu zerstören. Von Hildebrand zitiert hier Papst Benedikt XVI. (damals noch Kardinal Ratzinger), der bereits frühzeitig den Feminismus als die größte Gefahr für die Kirche bezeichnet hat, denn der Feminismus ist völlig konträr zum Femininen; er bezichtigt Gott der Ungerechtigkeit und fordert eine Gleichmacherei der Geschlechter, nicht aber die vorgesehene Gleichberechtigung.

Dieser Krieg ist besonders deutlich in der modernen Welt zu beobachten. Der Mann ist in seinem Denken abstrakter und kann sehr viel leichter seine Gefühle außen vor lassen; aus diesem Grunde hat er eine höhere Affinität zu Maschinen und Technik. Diese bestimmen die Welt von heute. Je mehr Technik entwickelt wird und unser Leben bestimmt, desto besser sei es für die Menschheit, wird uns heute vermittelt. Wenn zum Beispiel ein seelenloses Computerprogramm durch das Menü führt, ist ein lebendiger Servicemitarbeiter am Schalter nicht mehr nötig. Die Menschlichkeit geht dabei verloren. Die Akronyme im täglichen Sprachgebrauch sind ein weiteres Indiz dafür, denn Abkürzungen wie CIA, FBI oder AIDS sind abstrakte und bedeutungslose Buchstabenansammlungen. Das Feminine, also die Fähigkeit, die Wärme und das Lächeln in diese kalt gewordene Welt zu bringen, ist kaum mehr zu finden. Wie nötig hätte aber die Welt das Weibliche, das dafür sorgt, dass der Mensch Mensch bleibt, seinen Gefühlen Ausdruck verleiht und die Welt menschlich macht; denn die Frau ist es, die dem Mann dabei hilft, seine menschliche Seite zu entdecken und zu entwickeln und den Blick für das Übernatürliche zu bekommen.

Nur wenn Mann und Frau sich in ihrer Verschiedenheit ergänzen, können sie die Fülle des menschlichen Seins erreichen. Wie von Hildebrand schreibt, kann diese Erfindung wirklich nur göttlichen Ursprungs sein, denn ein Mensch wäre niemals auf diese Idee gekommen.

Das Leugnen dieser Komplementarität der Geschlechter führt dazu, dass der Mensch eine einseitige Beziehung mit der materiellen Welt eingeht, wobei diese ihm nicht wirklich etwas zurückgeben kann, und er verliert dadurch die Anbindung an die übernatürliche Welt und damit an Gott.

Leider folgen zu viele Frauen diesem falschen Weg und vermännlichen immer mehr. Damit soll nicht gesagt werden, dass sie nicht fähig wären, in sogenannten Männerberufen Leistung zu bringen, aber sie verlieren dabei das Wesentliche aus dem Blick, nämlich die Aufgabe, die Gott in erster Linie für sie vorgesehen hat: Frau und Mutter zu sein und ihrer Mission in der Heilsgeschichte gerecht zu werden.

Die Frau trägt von Anbeginn an ein Geheimnis in sich: In ihr entsteht neues Leben. Der Mann gibt zwar seinen Samen, aber mit der weiteren Entwicklung hat er nichts mehr zu tun. Stattdessen berührt Gott das Innerste der Frau und erschafft die Seele des Kindes, welches sich dann im Leib der Frau entwickelt. Dieses Geheimnis und die größere Nähe zu Gott sind laut von Hildebrand der Grund, warum die Frau in der Vergangenheit von der Gesellschaft härter bestraft und mehr verachtet worden ist als der Mann, wenn sie sich außerhalb der Ehe sexuell betätigte, da sie dann Gott auf eine Weise beleidigte und verletzte, wie es der Mann nicht vermag. Leider ist das Wissen um diesen Zusammenhang verloren gegangen.

Die Fruchtbarkeit der Frau ist aber nicht allein auf den biologischen Bereich beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf den geistigen. Der Mann erscheint aufgrund seiner Rationalität und seines Abstraktionsvermögens oft als vernünftiger, leidet dabei aber häufig an einer „Trockenheit des Geistes“. Die Frau aber ist mit ihrer größeren Emotionalität und ihrer größeren Empfänglichkeit für das Übernatürliche in der Lage, diese Wüste zu bewässern und zur Blüte zu bringen. Der Mann wäre in seiner Abstraktion und Rationalität verloren, hätte er nicht die Frau mit ihrer Liebe an seiner Seite, die ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholt und ihm dadurch die Möglichkeit gibt, Großes zu leisten. Viele große Männer konnten ihre Leistung in der Welt nur vollbringen, weil sie eine starke Frau an ihrer Seite hatten, die zwar nicht in der Öffentlichkeit stand, ihm aber den Rücken stärkte und seinen Blick weitete. Von Hildebrand zitiert den Dichter Roy Campbell, der in einem Brief an seine Frau Mary schrieb, dass er von ihr gelernt hatte, die Dinge anders zu betrachten, und er, wenn sie nicht bei ihm war, nicht die ganze Schönheit sehen konnte, da sie sie nicht teilen konnten.

Die Aufgabe der Frau ist im Grunde spirituell und religiös. Hier liegt ihre Stärke, denn sie soll den Mann und auch die Kinder zu Gott führen. Sie ist in der Lage, den Blick des Mannes für die Realität zu verändern und ihn menschlicher zu machen. Sie ist sozusagen die Seele in einer Beziehung und hilft dem Mann, seine Seele zu entwickeln.

Natürlich besteht die Gefahr, dass die Frau sich in ihrer Gefühlswelt verliert; deshalb braucht sie die Rationalität des Mannes, der sie in diesem Bereich vor Verirrungen bewahren sollte. Die Komplementarität der beiden Geschlechter beinhaltet also auch, sich gegenseitig vor den Gefahren zu bewahren, die die jeweiligen Eigenschaften für den einzelnen bedeuten können.

Aber, ergänzt von Hildebrand, nicht alle sind zur Ehe oder zu biologischer Mutterschaft berufen. Die geistige Mutterschaft ist eine andere Art von Mutterschaft, die aber nicht weniger wertvoll ist. Eine Nonne zum Beispiel wird keine eigenen Kinder haben, aber sie kann vielen Menschen dabei helfen, den richtigen Weg zu gehen, ebenso wie eine Frau, die keine eigenen Kinder hat, aber fremde Kinder annimmt und großzieht.

Welche Art von Mutterschaft auch immer für jede einzelne Frau vorgesehen ist, für alle Frauen gibt es nur ein Vorbild par excellence: Maria, die Mutter Jesu. Sie ist durch die Gnade Gottes der Prototyp der Frau. Sie vereint alle weiblichen Tugenden in sich, nach der die Frau streben sollte, wenn sie ihrer Natur und Aufgabe gerecht werden will.

Dieser Sichtweise steht die Forderung nach der Zulassung der Frauen zum Priesteramt entgegen. In modernistischen und feministischen Kreisen wird dieses Nein zum Frauen-Priestertum in der katholischen Kirche als demütigend für die Frau angesehen, da ihr die Gleichheit zum Mann versagt wird. Tatsächlich aber wird deutlich, dass eine völlig falsche Vorstellung von Gleichberechtigung vorliegt. Mutterschaft und Priesteramt sind verschieden, aber keines von beiden ist ein Job, den man einfach ausübt. Beides ist eine lebenslange Verpflichtung, die mit großer Verantwortung einhergeht. Die Mutterschaft ist ein Privileg, das aber verbunden ist mit Schmerzen, Leid und Sorgen. Auch das Priesteramt ist eine Ehre, die einigen Männern zuteil wird, aber auch sie ist verbunden mit Leid. Beides sind Kreuze, die zu tragen viel Kraft und Gottvertrauen erfordern. Deshalb, so von Hildebrand, sind sie mit Juwelen besetzte Kreuze, die nicht beide von einer Person allein getragen werden können. Sie stehen gleichwertig nebeneinander, sind aber nicht für beide Geschlechter von Gott vorgesehen. Dies zu fordern, bedeutet, sich dem Willen Gottes zu widersetzen und seine eigentliche Berufung zu verraten.

Alice von Hildebrand. Man and Woman. A Divine Invention. Sapientia Press of Ave Maria University. Ave Maria, Fl (2010)


30. August
Unbekanntes kath-info

Hier die Zusammenfassung der 20 Seiten (von 571), die im Jahr 2015 am seltensten aufgerufen wurden.

Platz Die 20 unbekanntesten Seiten
von kath-info
Bereich
1

Alexander Pfänder: Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Philosophie
2

Francesco Borghero

Biographien
3

Claude François Poullart des Places

Biographien
4

Über den ermordeten P. Kenneth Walker FSSP

englisch
5

Guillaume Répin, Aloisius Stepinac, Richard Pate, Guilbert Bourne

Biographien
6

Michaela Koller: Osttimor

allgemein
7

Die Titus-Oates-Verschwörung: fünfte Seite

allgemein
7

Die Titus-Oates-Verschwörung: Siebte Seite

allgemein
9

Marsch für das Leben 2014 und 2015

allgemein
9

Alfonso de Castro SJ, Alfonso de Castro OFM, Francesco Caracciolo und Johannes Baptist Berthier

Biographien
11 Hermann Döring, Prosper Delpech, Joseph Tieffentaller Biographien
12 Recktenwald: Wurzeln allgemein
12 Das Christentum im Irak allgemein
14 Max Ettinger: Der Philosoph Joseph Geyser Philosophie
14 Josef Diaz Sanjurjo, Vincent Yen, Organtino Gnecchi-Soldi Biographien
14 Johannes Ruysbroek, Pierre Lambert da la Motte, Jean-Charles Cornay Biographien
14 Rupert Kornmann, Paul Capelloni, Magnus Jocham Biographien
18 Candidus Sierro, Petrus Claver, Peter Donders Biographien
18 Erich Wasmann, Domenico Palmieri, Kasper Druzbicki Biographien
20 Libermann: Grundsätze bei der Verwaltung des Pfarramtes allgemein

Die am häufigsten aufgerufenen Seiten


28. August
Abwegig

Zu den Feinden des normalen Menschen zählt er besonders die „Nützlichkeitsfanatiker“, die seit der Aufklärung das Sagen in der Gesellschaft hätten. Schon die Theorie Adam Smiths findet Chesterton abwegig, die davon ausgehe, „dass die Menschen durch ihre Selbstsucht glücklich werden könnten, mit anderen Worten, Gott lenke alles zum Guten, wenn es den Menschen nur gelinge, böse genug zu sein“.

Aus: Urs Buhlmann, Philosophie mit Blick nach oben. Wie der britische Konvertit Gilbert Keith Chesterton bald rauflustig, bald sensibel die Freiheit der Gedanken verteidigt. Eine Rezension des Buches von Gilbert Keith Chesterton Wenn ich nur eine einzige Predigt halten könnte. Essays, Vorwort von Matthias Matussek. Kösel-Verlag, München 2016, in: Die Tagespost vom 25. August 2016

Über Chesterton


27. August
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

46. Folge

Wenn man fragt, ob die Trinität eine philosophische Bedeutung habe, antworte ich mit "ja" oder mit "nein", je nachdem man die Frage auffaßt.

Die Philosophie kann man im engeren und im weiteren Sinne nehmen. Im allgemeinen bezeichnet sie die Liebe zur Weisheit und die Weisheit selbst, also auch die göttliche, übernatürliche Erkenntnis und Wissenschaft, die uns durch den Glauben vermittelt wird. Im engeren Sinne ist sie die menschliche Weisheit, rein vernünftige Erkenntnis und Wissenschaft.

Versteht man die Frage im letzteren Sinne, wie sie gewöhnlich verstanden werden soll, so ist sie absolut zu verneinen und nur in einer gewissen Beziehung und Einschränkung zu bejahen.

Schlechthin kann man ja nur denjenigen Wahrheiten philosophische Bedeutung zuschreiben, die selbst philosophisch, d. h. durch das Organ der Philosophie erkennbar sind oder doch wenigstens als unumgänglich notwendig erscheinen für die Erklärung und Begründung der Objekte der Philosophie. Darf man aber die Trinität in diese Kategorie hineinziehen? Keineswegs. Wenn sie in der Weise, wie wir es oben bewiesen, eine geheimnisvolle, eine übernatürliche Wahrheit ist, kann sie weder eine Vernunftwahrheit sein noch zur Erklärung und Begründung der Vernunftwahrheiten unbedingt notwendig erscheinen. Für die Philosophie ist sie wirklich transzendental; sie liegt über ihren Bereich, über ihr Gebiet unendlich weit hinaus, und man tut ihrer Erhabenheit wahrlich keine Ehre an, wenn man sie aus ihrer Höhe herabzieht, um sie in das philosophische Gebiet einzuschließen.

Man fürchtet, ohne Annahme der Trinität dem Pantheismus zu verfallen oder wenigstens den Pantheismus nicht allseitig überwinden zu können, was doch eine Hauptaufgabe der Philosophie sei. Doch warum diese Furcht? Genügt es nicht, um den Pantheismus zu widerlegen und auszuschließen, die Existenz des einen, selbständigen, unendlichen, persönlichen Gottes nachzuweisen? Kann man keinen Begriff von der Einheit des wahren Gottes haben ohne den Begriff der Trinität? - Aber die Tätigkeit Gottes, sagt man, wird sie nicht notwendig als eine Entwicklung Gottes in der Welt erscheinen, wenn wir nicht nachweisen können, daß sie im Innern der Gottheit produktiv ist? Auch das nicht. Wir begreifen Gott als unendlich tätig in der Erkenntnis und Liebe seiner selbst; wir begreifen, daß Gott deshalb sich selbst zu seiner Seligkeit genügt und daher keiner Tätigkeit nach außen bedarf. Wem das nicht genug ist, um jeden pantheistischen Gedanken ferne zu halten, den werden auch die innern Produktionen in Gott nicht eines Besseren belehren. Oder haben wir es nicht im System Günthers gesehen, wie man eben von den innern Produktionen der Gottheit zu den äußern überging und die letzteren als die notwendige Entwicklung und Ergänzung der ersteren darzustellen suchte? War das auch kein ausgesprochener Pantheismus, so führt es doch in letzter Analyse darauf hinaus, wie alles, wodurch die Welt als der notwendige Nachsatz des Unendlichen hingestellt wird.

Sollen wir aber darum vollständig leugnen, daß die Trinitätslehre eine große Bedeutung für die Philosophie habe, namentlich für die Vermeidung des Pantheismus? Wir leugnen nur, daß sie der Philosophie auf ihrem Gebiete notwendig sei zur Erklärung des Ursprungs der Welt und ihres Verhältnisses zu Gott. Wir geben zu, daß sie der Philosophie in dieser Beziehung sehr nützlich ist. Denn in der Tat, je deutlicher wir durch sie die Art und Weise erkennen, in der Gott subsistiert und persönlich ist, desto entschiedener können wir ihn in seiner selbsteigenen Persönlichkeit von der Welt unterscheiden; und wenn wir wissen, daß Gott in seinem Innern eine unendliche Produktivität entfaltet, begreifen wir desto vollkommener seine Freiheit in Bezug auf seine Wirksamkeit nach außen. Doch auch diesen Nutzen schöpft die Philosophie aus der Trinitätslehre nicht als aus einer zu ihrem Fonds gehörigen Wahrheit, da dieselbe für sie immer transzendental bleibt und nicht durch die Vernunft, sondern durch den Glauben dem philosophierenden Geist nahegelegt wird. Die Philosophie schöpft also aus fremden Quellen, wenn sie aus der Trinitätslehre für sich profitieren will, und so dürfen diejenigen, welche die Philosophie als solche ganz gegen den Glauben absperren wollen, am allerwenigstens von einer philosophischen Bedeutung der Trinitätslehre sprechen.

So viel bleibt immer bestehen: die Vernunft und der natürliche Mensch kann und braucht diese für ihn transzendentale Wahrheit nicht zu erkennen. Der natürliche Mensch kann und braucht nur um sein natürliches Verhältnis zu Gott zu wissen; er soll Gott verehren als seinen höchsten Schöpfer und Herrn, er soll sich ihm in tiefster Ehrfurcht unterwerfen, ihn anbeten, ihm dienen; dazu reicht die Erkenntnis der Einheit und Unendlichkeit Gottes hin; mehr zu erkennen, hat er weder die Pflicht noch das Recht.

Wenn Gott also dieses Geheimnis offenbart, so hat er dabei höhere Zwecke als die Entwicklung und Vollendung des natürlichen Menschen als solchen. Diese Offenbarung ist etwas in jeder Beziehung Übernatürliches wie das Geheimnis selbst; sie steht daher notwendig in Verbindung mit einer übernatürlichen Erhebung des Menschen und hat für denselben eine übernatürliche Bedeutung. Wie sie selbst wesentlich eine theologische Wahrheit ist, die nur durch den Glauben erkannt werden kann, so ist auch ihre eigentliche Bedeutung zu suchen in ihrem Verhältnis zur höheren theologischen Erkenntnis selbst und zu dem von derselben umspannten Kreise von höheren, übervernünftigen Wahrheiten; dieselbe ist somit nicht so sehr eine philosophische als eine rein theologische.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


25. August
Wilhelm Schamoni

Vor 25 Jahren, am 25. August 1991, starb in Altötting im Alter von 86 Jahren der Theologe Wilhelm Schamoni, Gründer der Zeitschrift Theologisches und einer der wenigen Widerständler gegen den nachkonziliaren Niedergang der Theologie.


24. August
Charles George Herbermann

Vor 100 Jahren, am 24. August 1916, starb in Manhattan im Alter von 65 Jahren der Charles George Herbermann. In Saerbeck, Münsterland, geboren, zog seine Familie, als er zehn Jahre alt war, nach New York. Hier wurde er Professor für lateinische Sprache und Literatur und zeitweilig auch Präsident des Catholic Club. Sein Lebenswerk war die Herausgabe und Schriftleitung der berühmten Catholic Encyclopedia, deren Vollendung er noch erlebte, als im April 1914 nach siebenjähriger Arbeit der 16. und letzte Band erschien.


24. August
Jakob Salat

Vor 250 Jahren, am 24. August 1766, wurde in Abtsgmünd, Württemberg, der Philosoph und Theologe Jakob Salat geboren. In Dillingen war er ein Schüler Johann Michael Sailers. 1807 wurde er Professor der Philosophie in Landshut. “Der Gefühlsphilosophie F. H. Jacobis zugetan, war Salat literarisch wie universitätspolitisch en unermüdlicher Vorkämpfer einer kantischen Orientierung der Philosophie und Theologie und schärfster Gegner des ‘Modephilosophen’ F. W. J. von Schelling” (K. Schrems im LThK, 2. Auflage). Am 11. Februar 1851 starb er in Landshut.


23. August
Versuch einer Theodizee

Von Theodor Haecker

Siebte Folge

Die Tragik, die durch die Erbsünde und die Schwachheit des Menschen in die Welt gekommen ist und heute in fast mystischer Weise als Bestandteil alles Seins angesehen wird, im besonderen von uns Deutschen, ist keine Kategorie des innergöttlichen ewigen Lebens und also keine der Theodizee.

Dennoch: das Tragische ist, so wie diese Welt in diesem Äon ist, der letzte Ausdruck - vom Menschen her - ihres wahren Geheimnisses, ein Zeigen und Offenhalten ihrer Verwundbarkeit und ihrer Wunde, ihrer Verwundbarkeit, welche die Schwäche unserer Natur ist, ihrer Wunde, welche unsere Erbschuld und Schuld ist. Die tragische Weltanschauung ist - vom Menschen her - eine Art von Vollkommenheit, eben weil sie der Welt Unvollkommenheit nicht nur, sondern auch Schuld kündet. Wir erleben das Seltsame, daß dieselben Mängel, von denen ich vorhin sagte, daß sie die Möglichkeit einer wahren Theodizee wegnehmen, auch eine wahre Tragödie unmöglich machen. Das Tragische setzt nicht nur den Mangel, sondern auch die Fülle unserer Existenz voraus und instinktiv oder bewußt deren wahre Fundamente und Bestandteile. Wer die Sünde aufgehen läßt in der Schwachheit und diese beiden Mysterien nicht unterscheidet, der wird auch keine echte Tragödie erleben oder schreiben, denn die Tragödie setzt die Realität der Schuld voraus. Sie lebt davon, daß es Schuld gibt. Sie wäre überhaupt nicht ohne sie. Wer diese Welt nur für eine Illusion hält und nicht für die reale Schöpfung eines allerwirklichsten Gottes, der wird auch keine echte Tragödie erleben oder schreiben, denn die Tragödie setzt die Realität dieser Welt voraus. Es ist nur lächerlich und keineswegs tragisch, eine erkannte Illusion ernst zu nehmen, fast hätte ich gesagt: tragisch zu nehmen, denn Tragik ist Ernst, und beide ziemen nur dem Realen. Wer diese Welt aufgehen läßt in der Rechnung der Nützlichkeit oder auch edler Verständigkeit und endlicher Lebensweisheit, der wird keine echte Tragödie erleben oder schreiben, denn die Tragödie setzt die Erhabenheit von Mächten und Kräften über alle solche Rechnungen voraus. Wer diese Welt. beherrscht sein läßt von endlos sich vermehrenden Gesetzen, ein jedes läßt notwendig den einen oder anderen Fall aus, der nun notwendig ein neues Gesetz verlangt und so in infinitum, der wird keine echte Tragödie erleben oder schreiben, denn die Tragödie setzt voraus eine geheimnisvolle, den Menschen nicht verantwortliche Quelle des Rechts und klagt in stummer Qual und Resignation und Unwissenheit über die Unerfülltheit der Gerechtigkeit in diesem Sein ... Das freilich ist das Ende des Tragischen: die Erfüllung der Gerechtigkeit und ihre Übererfüllung in jener dritten Schöpfung aus Liebe und misericordia, welche dritte Schöpfung die Mitteilung Gottes selber ist, die Erfüllung eines göttlichen Geheimnisses, welches der Teufel verriet und profanierte: eritis sicut Deus. Das Leiden Christi ist deshalb übertragisch, weil Er unschuldig litt. Niemals hat ein Gläubiger dieses bestritten. Niemals aber auch hat ein Mensch je behauptet, daß der tragische Held ohne jegliche Schuld sei. Hier ist die entscheidende Unterscheidung. Nie ist das Tragische kürzer und radikaler formuliert worden als in der Überschrift, die Kierkegaard über seine eigene Tragödie geschrieben hat: Schuldig - Nicht schuldig? Nur jene Tragödie ist vollkommen, erfüllt adäquat ihren Begriff selber, die den Abgrund zwischen Schuldig - Nicht schuldig - nicht ausfüllt, das kann sie nicht, sondern - klaffen läßt. Dazu ist zu bemerken, daß es auch hier noch eine gott- und erlösungsgerichtete Tragik gibt und eine abgefallene niederträchtige. In jener wird der Mensch schuldig in der niedrigeren Sphäre, ist aber - alles relativ verstanden - unschuldig in der höheren Sphäre; in dieser aber bleibt er - scheinbar, denn es ist nicht so, daß die Waagschalen gleich ständen - in der niedereren Sphäre unschuldig und schuldig in der höheren. - Ich lasse für den Augenblick dieses eigentlich Tragische und wende mich zu dem, was gleichsam die Materie der Tragik ausmacht, mit der es verwechselt wird: das Leiden. Das Leiden ist nicht identisch mit dem Tragischen - es gibt ein Leiden diesseits des Tragischen, das Leiden des Tieres, und eines jenseits des Tragischen, nämlich das göttliche Leiden und das an ihm teilnehmende freiwillige menschliche Leiden, die beata passio (kein tragischer Held oder Dulder hat je selig gelitten) - aber es hat eine notwendige Beziehung zu ihm in allen seinen Formen, in allen seinen hierarchischen Ordnungen, die vom physischen Schmerz gehen über den seelischen bis zum rein geistigen der Verzweiflung.

Wenn die Apologetik vor allem eine Verteidigung unseres Glaubens ist, die Theodizee ist etwas anderes: die Rechtfertigung Gottes. Gibt es ein solches Unterfangen überhaupt noch in der Welt des Glaubens? In dem durch die Liebe geformten Glauben gibt es kein Bedürfnis mehr nach einer Theodizee. Im Leben eines heiligen Menschen ist dieses Problem längst aufgesaugt durch die Nähe Gottes, der Seine eigene Rechtfertigung ist, es sei denn, der heilige Mensch sei Lehrer. Und es haben ja heilige Väter der Kirche angestrengt um eine Theodizee sich bemüht. Denn für die Schwachen und für alle jene im besonderen, die im Glauben überhaupt erst nur dadurch sind, daß sie ihn suchen, ist die Theodizee heute wieder wie in den ersten Jahrhunderten der Kirche eine große und quälende Sache. Eine Theodizee wird verlangt, oft nur primitiv, ohne Reflexion und ohne Erkenntnis des ganzen Problems. Gott soll sich rechtfertigen. Wofür? Die Antworten mögen im einzelnen auseinandergehen, im Prinzip laufen sie auf dasselbe hinaus. Für die Übel und Leiden dieser von ihm geschaffenen Weit. Niemand kann diese Übel und Leiden leugnen, und am wenigsten leugnet sie Gott selber.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


21. August
Regelmäßige Anbetung

Vor fünf Jahren, am 21. August 2011, fand die Abschlussmesse des Weltjugendtages in Madrid statt. Dabei sagte Papst Benedikt XVI.:
“Ich bitte euch, liebe Freunde: Liebt die Kirche, die euch zum Glauben geboren hat, die euch geholfen hat, Christus besser kennenzulernen, die euch die Schönheit seiner Liebe entdecken ließ. Für das Wachsen eurer Freundschaft mit Christus kommt es entscheidend darauf an, daß ihr die grundlegende Bedeutung eurer freudigen Einbindung in die Pfarreien, Gemeinden und Bewegungen ebenso anerkennt wie die Teilnahme an der Eucharistie an jedem Sonntag, den häufigen Empfang des Sakraments der Versöhnung, die regelmäßige Anbetung und die regelmäßige Betrachtung des Wortes Gottes. Aus dieser Freundschaft mit Jesus wird auch der Impuls dazu hervorgehen, in den verschiedensten Bereichen Zeugnis vom Glauben zu geben, einschließlich dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit herrschen. Es ist nicht möglich, Christus zu begegnen und ihn nicht den anderen bekannt zu machen. Bewahrt also Christus nicht für euch selbst! Teilt eure Glaubensfreude den anderen mit! Die Welt braucht das Zeugnis eures Glaubens.”


20. August
Maria de Mattias

Vor 150 Jahren, am 20. August 1866, starb in Rom im Alter von 61 Jahren die hl. Maria de Mattias ASC. Mit 17 Jahren lernte sie auf einer Volksmission den hl. Kaspar del Bufalo (1786-1837), den großen Verehrer des Kostbaren Blutes, kennen. Zuammen mit Don Giovanni Merlini (1795-1873), einem Gefährten des Heiligen, gründete sie 1834 die Adoratrici del Sangue di Cristo. Sie schrieb: “Wir wollen gerne leiden aus Liebe zu Jesus, der aus tiefer Liebe sein Blut für uns vergossen hat. Wir wollen uns bemühen, Seelen für den Himmel zu gewinnen.” Am 1. Oktober 1950 wurde sie selig-, am 18. Mai 2003 heiliggesprochen.

Themen

Engel
Englandreise
Entmytholog.
Entweltlichung
Erbsünde
Erlösung
Erneuerung
Evangelien
Evangelisierung
Evangelisierung II
Evangelium
Evolution
Exegese
Exerzitien
Exkommunikation
Falschlehrer
Familie
Familiensynode
Fasten
Fegefeuer
Fellay B.
Felix culpa
Flüchtlinge
Frau
Frauendiakonat
Freiheit u. Gnade
Fremde Sünden
Freundschaft
FSSP
FSSPX
Fundamentalismus
Gebet
Geburt Jesu
Gehsteigberatung
Geistbraus
geistliches Leben
Gender
Genderideologie
Gender Mainstr.
Generalkapitel 06
Geschlecht
Glaube
Glauben
Glaubensjahr
Glaubensregel
Glaubensschild
Glossen
Goa
Gold
Gott
Gott II
Gottesbegegnung
Gottesknecht
Gotteskrise
Grabeskirche
Guadalupe

Zu den neuesten Beiträgen