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* * *

20. Juli
Kardinal Ratzinger über P. Prosinger

Vor zehn Jahren, am 23. Juli 2004, schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger in einem Brief an Pater Michael Wildfeuer: “Vielleicht wissen Sie nicht, daß P. Prosinger von der Petrusbruderschaft bei dem weltberühmten Exegeten des Bibel-Institutes, P. Vanhoye S.J., eine Lizentiatsarbeit über diese Frage geschrieben und klar bewiesen hat, daß die Übersetzung `für viele´ heißen muß, was von den gestrengen Prüfern des Bibel-Instituts auch angenommen worden ist”. Deshalb darf man annehmen, dass die Arbeit von P. Prosinger zu dem Entschluss von Papst Benedikt XVI. beigetragen hat, 2006 die betroffenen Bischofskonferenzen anzuweisen, für eine entsprechende Korrektur der landessprachlichen Übersetzungen der Wandlungsworte zu sorgen und die Gläubigen durch entsprechende Katechesen darauf vorzubereiten. Eine Kurzfassung der Arbeit Prosingers findet sich auf kath-info.

Über die Reaktion der Bischöfe auf die Korrekturaufforderung

Über den Brief des Papstes von 2012

Der nächste Beitrag auf kath-info ist für den 25. Juli geplant


20. Juli
Iwan Sergejewitsch Gagarin

Vor 200 Jahren, am 20. Juli 1814, wurde in Moskau Iwan Sergejewitsch Gagarin geboren. Er entstammte einem alten Fürstengeschlecht und wurde 1832 Sekretär der russischen Gesandtschaft in München, ab 1838 in Paris. 1842 konvertierte er zur katholischen Kirche und trat im darauffolgenden Jahr in Amiens in die Gesellschaft Jesu ein, was er mit dem lebenslänglichen Verbot einer Rückkehr in seine Heimat bezahlte. Durch Schriften und die Gründung des Kyrill-und-Method-Werkes setzte er sich für die Wiedervereinigung der russischen Kirche mit Rom ein. Er starb am 19. Juli 1882 in Paris.


20. Juli
Joseph Maria Rubio y Peralta

Vor 150 Jahren, am 22. Juli 1864, wurde im spanischen Dalias der hl. Joseph Maria Rubio y Peralta SJ geboren. 1887 zum Priester geweiht, wurde er 1890 am Madrider Priesterseminar Professor für Metaphysik, Latein und Pastoraltheologie. 1906 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. In Madrid wirkte er als Seelsorger, Beichtvater, Prediger und Exerzitienleiter so segensreich, dass ihn der damalige Bischof den Apostel von Madrid nannte. Wegen seiner außerordentlichen Charismen wurde er der “Wundertäter” genannt. Am 2. Mai 1929 starb er in Aranjuez. 1985 wurde er selig-, 2003 heiliggesprochen.


20. Juli
Die Heiligen Drei Könige

Vor 850 Jahren, am 23. Juli 1164, brachte Erzbischof Reinald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die zur Kriegsbeute von Kaiser Friedrich Barbarossa nach der Eroberung Mailands gehörte, nach Köln.


18. Juli
Bruno von Köln

Vor 500 Jahren, am 19. Juli 1514, wurde Bruno von Köln (ca. 1030-1101), der Gründer des Kartäuserordens, von Papst Leo X. heiliggesprochen.


18. Juli
Gino Bartali

Vor 100 Jahren, am 18. Juli 1914, wurde in Florenz die italienische Radfahrerlegende Gino Bartali geboren. Bartali gewann zweimal die Tour de France (1938, 1948) und dreimal den Giro d‘ Italia (1936, 1937, 1946). Letztes Jahr wurde er von der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem zum „Gerechten unter den Völkern“ ernannt, weil er etwa 800 Juden das Leben gerettet hatte. Er hatte dazu ein Netzwerk aufgebaut, zu dem auch der damalige Rabbi von Florenz, Nathan Cassuto, und der Erzbischof von Florenz, Kardinal Elio Dalla Costa (1872-1961) gehörten. Die Juden fanden u.a. in Klöstern Unterschlupf. Bartali handelte aus seinem katholischen Glauben heraus, zu dem er sich offen bekannte. “Allen zur Schau trug er eine geweihte Medaille auf der offenen Brust. Fuhr er an Wegkreuzen vorbei, so machte er, wenn es das Rennen zuließ, regelmäßig das Kreuzzeichen, und während sich die Mitfahrer jeden Tag bis kurz vor dem neuen Start ausruhten, hatte er unterdessen, auch an den Werktagen, bereits der heiligen Messe beigewohnt” (Robert Quardt, Maria Maienkönigin, Feldkirch 1961, S. 44 ff.) Bartali starb am 5. Mai 2000.


17. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht: meine Auseinandersetzung mit dem Philosophen und Atheisten Herbert Schnädelbach, meine Überlegungen über den Platz, den die Liebe in einem atheistischen Weltbild einerseits und im christlichen andererseits hat, und der Artikel von Jakob Knab über den Ghostwriter der Weißen Rose Theodor Haecker.


17. Juli
Joachim Zimmermann

Vor drei Jahren, am 17. Juli 2011, starb in Bergisch-Gladbach im Alter von 83 Jahren Pfarrer Joachim Zimmermann. 1956 zum Priester geweiht, engagierte sich der in Remscheid Geborene seit den sechziger Jahren in der UNA VOCE Bewegung. Stets hielt er an der Feier der hl. Messe in der überlieferten außerordentlichen Form des römischen Ritus fest. 1976 kam er in die Düsseldorfer Pfarrei St. Petrus Canisius zu Pfarrer Heinrich Krah, der denselben Weg eingeschlagen hatte und dessen Nachfolger Zimmermann wurde, bis die Kirche 1998 abgerissen wurde. Pfr. Zimmermann konnte zunächst nach St. Hedwig in Eller, dann 2006 nach St. Dionysius in Volmerswerth ausweichen. Als er sich aus Altersgründen nach Düsseldorf-Niederkassel zurückzog, übernahm seinem Wunsch gemäß die Priesterbruderschaft St. Petrus sein Apostolat. Viermal in der Woche, jeweils von Donnerstag bis Sonntag, feiert sie die hl. Messe in St. Dionysius.


16. Juli
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

34. Folge

Der Verfasser der Apologie sah sich hierdurch genötigt, mit der wünschenswerten wissenschaftlichen Genauigkeit zu sprechen. Er erläuterte die unklar gedachte Stelle mit der Bemerkung, daß durch dieselbe nichts anderes angedeutet werden sollte, als daß dem auf natürlichem Wege erzeugten Menschen die Anlage oder die Gaben mangelten, Furcht gegen Gott und Vertrauen auf ihn zu erzeugen [56]. Hiermit war in der Tat das Dogma der Protestanten mit aller Schärfe vorgelegt, indes doch nur demjenigen verständlich, der die Verbindung desselben mit anderen Lehren kannte. Den Lesern wird es erinnerlich sein, daß der Mensch, nach den Ansichten Luthers und der Seinigen, ursprünglich nur mit natürlichen Kräften begabt wurde, eine Vorstellung, die nun hier einen äußerst wichtigen Einfluß gewinnt. Denn da der gefallene Mensch, als solcher, offenbar jene Tugenden nicht mehr entwickeln kann, die dem noch Reinen möglich waren, und deshalb nicht kann, weil ihm die Kräfte dazu mangeln, so sahen sich die Reformatoren in der Lage, die Lehre aufzustellen, er habe gewisse natürliche Kräfte nicht mehr [57].

[56] Apol. II. §. 2. p. 54. Hic locus testatur, nos non solum actus, sed et potentiam, seu dona efficiencli timorem et fiduciam erga Deum adimere propagatis secundum carnalem naturam.

[57] Luther, in c. III. Genes. sagt nach der oben angeführten Stelle, worin er die Lehre katholischer Theologen von den übernatürlichen Kräften Adams abweist: Haec probant, justitiam esse de natura hominis, ea autem per peccatum amissa, non mansisse integra naturalia, ut Scholastici delirant.

Am meisten Aufschluß über diese abhanden gekommenen natürlichen Kräfte gewährt uns die Konkordienformel. In den synergistischen Streitigkeiten, welche die lutherische Kirche beunruhigten, behauptete Victorin Strigel [58], ein Haupt der heterodoxen Partei, ein scharfsinniger, wohlunterrichteter Denker, der mit den Verteidigungsmomenten der Katholiken wohl vertraut [59], und von der Unbesiegbarkeit des Dogma von der Freiheit überzeugt war, daß auch der gefallene Mensch wenigstens noch die Anlage, die Fähigkeit, das Vermögen besitze, Gott zu erkennen und das Heilige zu wollen, obschon diese Anlage völlig gelähmt, gleichsam erstorben sei, und nie für sich in einige Tätigkeit übergehe.

[58] S. Planks Geschichte der Entstehung, der Veränderungen und der Bildung unseres protest. Lehrbegriffs. IV. Bd. S. 584 ff.

[59] Er war ein gelehrter Kenner der altchristlich-griechischen Literatur, und wir verdanken ihm bekanntlich auch einige Übersetzungen aus derselben ins Latein; die griechische Kirche aber hat nur Verteidiger der Lehre von der Freiheit aufzuweisen.

wird fortgesetzt


15. Juli
Bestimmung

Das ganze Tun des Predigers ist dazu bestimmt, die Menschen daran zu erinnern, dass die Zeit kurz, der Tod gewiss und die Ewigkeit lang ist.

Sel. John Henry Newman

Kwasniewsk über die Erfordernisse einer guten Predigt


15. Juli
Charles Sweeney

Vor zehn Jahren, am 15. Juli 2004, starb in Boston, Massachusetts, im Alter von 84 Jahren Brigadegeneral Charles Sweeney, der am 9. August 1945 die Atombombe über Nagasaki abgeworfen hatte, die 70.000 Todesopfer forderte. Er hatte diese Tat nie bereut.


14. Juli
Monatsranking: Die Top 12 im Juni

Aufsteiger des Monats ist die Seite über den Philosophen Robert Spaemann.
Zur Rankingseite


14. Juli
Camillo de Lellis

Vor 400 Jahren, am 14. Juli 1614, starb in Rom im Alter von 64 Jahren der hl. Camillo de Lellis. Der Spielsucht erlegen, verspielte er Hab und Gut und fand dann in größter Not Hilfe bei Kapuzinern, durch die er sich bekehrte. Unter der Leitung des hl. Philipp Neri reifte er zu einem Heiligen heran. Er erkannte, dass Gott ihn zum selbstlosen Dienst an den Kranken berufen hatte. Er gründete eine Gesellschaft der Diener der Kranken, die sich zum Orden der Kamillianer entwickelte. “Der Zeit vorauseilend, führte er bedeutsame Reformen in der Krankenseelsorge wie im Krankenhausbetrieb durch. Besonders nahm er sich der Gefangenen an. Auch in der Armenpflege tat er sich hervor; so speiste er im Notjahr 1590 im armen Mutterhaus täglich 400" (W. Wiesen im LThK, 2. Auflage). Die fünf Krankheiten, die ihn in den letzten Lebensjahren quälten, nannte der die “fünf Barmherzigkeiten Gottes”. 1742 wurde er selig-, 1746 heiliggesprochen, 1886 zum Patron der Kranken und Spitäler, 1930 zum Patron der Krankenpfleger erhoben.

13. Juli
Jean Madiran

Vor einem Jahr, am 13. Juli 2013, starb in Suresnes im Alter von 93 Jahren der Publizist Jean Madiran. In den 70er Jahren verteidigte er mit spitzer Feder in der von ihm gegründeten und geleiteten Zeitschrift Itinéraires Erzbischof Marcel Lefèbvre gegen die einsetzende Diskriminierung der “traditionalistischen” Bewegung. Schon damals fiel mir auf, dass die intelligenteste (und für mich überzeugendste) Verteidigung der Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht aus deren eigenen Reihen, sondern von außerhalb kam: in Frankreich von Jean Madiran, im deutschen Sprachraum von Dr. Eduard Kamenicky und im englischen von Michael Davies. Alle drei hielten dann 1988 Lefèbvres Weihen von vier Bischöfen und seine Ablehnung einer Versöhnung mit Rom für einen schwerwiegenden Fehler.


13. Juli
S. Anna alle Quattro Fontane

Vor 200 Jahren, am 13. Juli 1814 wurde im Kloster S. Anna alle Quattro Fontane das Allerheiligste ausgesetzt und mit der ewigen Anbetung begonnen, die nach Auskunft von Stefan Wirth in Die neuen Heiligen der katholischen Kirche (Band 8, Kisslegg 2012) bis heute ohne Unterbrechung andauert. Diese Anbetung geht auf die selige Maria Magdalena von der Menschwerdung (Katharina Sordini) (1770-1824) zurück, der Gründerin des Ordens der ewigen Anbetung. 1814 hatte die Besetzung Roms durch die Truppen Napoleons geendet, am 24. Mai war Pius VII. nach fünfjähriger Gefangenschaft nach Rom zurückgekehrt. Das erste Kloster, das er wieder eröffnete, war S. Anna alle Quattro Fontane, das 1811 von den Franzosen geschlossen worden war.


12. Juli
Alt

Die materialistische Vernunft, vertreten durch seine Zeitgenossen H. G. Wells und Bernard Shaw, sieht tatsächlich ziemlich alt aus, wenn ein frommer Freigeist wie Chesterton gegen sie antritt.

Hans Magnus Enzensberger in seinem Vorwort zum Buch Ketzer von Chesterton.


12. Juli
Gregorio Selleri

Vor 350 Jahren, am 12. Juli 1664, wurde in Panicale bei Perugia der Theologe Gregorio Selleri OP geboren. 1707 wurde er Sekretär der Indexkongregation, 1711 Magister S. Palatii, 1728 Kardinal. Er war Beichtvater Papst Klemens’ XI. (1700-1721) und ein Gegner des Jansenismus, zu dessen Verurteilung er beitrug. Am 30. Mai 1729 starb er in Rom.


11. Juli
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Zweiter Teil

Eine Welt, die im Ernste weder mit Gott, noch mit Engel und Teufel rechnet, steht natürlich vor einem Wunder ebenso ratlos wie vor einer Besessenheit. Wenn sich nun die seit langem vergessenen Mächte der Geisterwelt nachhaltig in Erinnerung bringen, kann dies geradezu einen Schock auslösen. Wir haben hier lediglich die Tatsache einer Häufung dämonischer Phänomene im Auge, welche bereits zu einer fühlbaren Unruhe führt. Über den vermutlichen Anlaß zu solch erhöhter Aktivität der Hölle wird weiter unten zu reden sein.

2. Motive für die Leugnung des Teufels

Wenden wir uns nun der Frage zu, welche Motive wohl dafür maßgebend gewesen sein mögen, daß man schon seit langem darum bemüht war, die außerirdischen Kräfte - und wir sprechen jetzt nur mehr von den Mächten der Finsternis, Satan und seinem Anhang (vgl. Apk 12,7. 9; Mt 25, 41) - aus dem Bewußtsein zu verdrängen. Es ist ja von Haus aus nicht ohne weiteres einzusehen, daß die Menschen sich über die wahren Verhältnisse und für sie bedeutsamen Gegebenheiten zu täuschen wünschen. Also müssen besondere Gründe für eine solche Neigung zu unrealistischem Verhalten zu entdecken sein. Was nun das bewußte Wegschauen des Menschen von der Wirklichkeit in unserem Falle betrifft, das in den herrschenden Überzeugungen bis zur völligen Absenz des Teufels und seines Einflusses auf das Leben des Menschen sowie auf den Gang der Welt führt, verbinden sich, wie es scheint, eine ganze Reihe von Motiven und Antrieben verschiedener Art, die aber gemeinsam auf das Ziel hin wirken, einen Lebensraum zu konstruieren, in dem Satan und Dämonen keinen Platz mehr haben.

Als allgemeinstes und gewissermaßen neutralstes Motiv muß hier wahrscheinlich das Motiv der Angst genannt werden. Angst vor dem Teufel und vor der Hölle drückt keinen mangelnden Glauben an die Existenz von Teufel und Hölle aus, sondern nur das Gefühl des Bedrohtseins, das bei besonderer Veranlagung und seelischer Gestimmtheit unerträglich zu werden vermag. In solcher Situation kann der Mensch versuchen, ins Vergessen zu fliehen. Gewiß ist derartige Angst dem Glauben und Vertrauen, wie es dem Christen ziemt, nicht angemessen. Andererseits läßt sich seelisch labilen, schreckhaften, hypersensiblen Personen gegenüber so nicht erfolgreich argumentieren. Es wäre alles unendlich leichter für sie, wenn es keinen Teufel, keine Verführungskunst des Widersachers, keine Aktivität des Erzfeindes und keine drohende Hölle gäbe. So leistet die Angst der durchaus Gläubigen, praktisch aber allzu Kleingläubigen, dem Streben nach Verdrängung des Teufels Vorschub. Daß zudem eine gewisse allgemeine Ermüdung als Folge langen Ertragens der Spannung zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Finsternis auch geschichtlich eingetreten ist, gerade als sich die Feinde der Offenbarung und der Religion mit Macht erhoben, wird kaum zu bezweifeln sein.

Hiezu gesellt sich - um noch im Bereich des Glaubens zu verbleiben - ein zweites Motiv von mehr theologischer Natur: die etwas ungestüme und jedenfalls ungeduldige gedankliche Vorwegnahme des Endzustandes. Man kann den glorreichen Vollzug der Erlösung, den nicht mehr zu bedrohenden Sieg Christi über den Teufel, die Sünde und die Hölle, den erfolgten Anbruch des Gottesreiches und der Herrschaft des Lammes in einer Weise betonen und aus dem Ganzen des Heilsgeschehens herauslösen, daß der Satan und seine Macht zu einer ein für allemal überwundenen Größe werden. »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel stürzen« (Lk 10, 18); »jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen« (Jo 12, 31); »dazu ist der Sohn Gottes erschienen, daß er die Werke des Teufels zerstöre« (1 Jo 3, 8). Das sind Sätze, die eine solche Sicht zu ermutigen scheinen. Heißt es nicht, daß »der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist« (Jo 16, 11)? Ist unser Wandel nicht »im Himmel« (Phil 3, 20)? Ist nicht »unser Leben mit Christus verborgen in Gott« (Ko1 3, 3)? Solche Worte können, isoliert betrachtet, ein vorzeitiges Auslangen nach der Vollendung stimulieren, das den Wunsch bedeutet, die Bewährung in der irdischen Kampfzeit zu überspringen. In der spätmittelalterlichen Sehnsucht nach dem dritten Aion, dem Weltalter des Heiligen Geistes und der vollkommenen Gottesherrschaft in ihm, einer schwärmerischen Erwartung, die auch in der Reformationszeit noch sehr virulent war und heute neu in manchen Sekten aufbricht, ist diese theologische Antizipation lebendig, die auf ihre Weise zur Verdrängung des Teufels und seines Wirkens aus dem Bewußtsein der Menschen beiträgt.

Auf ganz anderer Linie liegt freilich das Verlangen nach voller Freiheit und Autonomie des Geschöpfes, das sich bei allen jenen findet, denen das Kampfleben des Christen mit seinem unausgesetzten sittlichen Ringen einfach zu strapaziös ist. Will man sich nicht im täglich neuen Widerstand gegen das Böse, gegen die tausendfältigen Verlockungen der »Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens« (1 Joh 2,16) zur Bewährung vor Gott aufraffen, »der jedem vergelten wird nach seinen Werken« (Röm 2, 6), »der die Macht hat, in die Hölle zu verstoßen« (Mt 10,28), der Satan zugestehen wollte, uns »sieben zu dürfen wie den Weizen« (Lk 22,31), dann darf es kein Gericht und keine Rechenschaft, vor allem aber keinen Teufel und keine Hölle geben. Dann muß man zumindest trachten, vor diesen Wirklichkeiten beharrlich das Auge geschlossen zu halten, da anders sogar die bloße Illusion von menschlicher Autonomie und Schrankenlosigkeit unmöglich wird. So ist denn auch allen jenen, die in der Welt das Reich des Menschen entdeckt zu haben meinen, angefangen von der frühen Renaissance bis zur Gegenwart, der Affront gegen jede Form von Teufelsglauben, Höllenfurcht und jenseitiger Vergeltung gemeinsam. Je mehr sich der Anspruch des Menschen auf totale Eigengesetzlichkeit zur Klarheit des mit ihm Geforderten durchficht, desto ausdrücklicher und leidenschaftlicher wird die Zurückweisung jeder transzendenten Instanz. Hält man noch hinzu, welche Faszination der menschliche Geist im gleichen geschichtlichen Zeitraum angesichts seiner gewaltigen Leistungen auf dem Felde der Wissenschaft, der Forschung und der Technik auf sich selbst zu üben beginnt, wird ein gewisser Rausch von kollektiver Allmacht und vermeintlicher Unabhängigkeit verständlich. Bietet die Wissenschaft schließlich von sich aus innerweltliche Deutung dämonischer Phänomene an, scheint die geglückte Emanzipation von den Einflüssen außerirdischer Mächte feindlicher Natur geradezu perfekt.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


9. Juli
Faszinierende Metamorphose

Ein Filmrezension von P. Engelbert Recktenwald

2012 hat Dreilindenfilm den Film metamorphose. Die geheimnisvolle Schönheit der Schmetterlinge herausgebracht, dessen englisches Original im Jahr zuvor von Illustra Media produziert wurde.

Der 64 Minuten lange Film dokumentiert in atemberaubend schönen Aufnahmen die Metamorphose, also die Verwandlung der Raupen in Schmetterlinge. Er macht mit dem neuesten Stand der Wissenschaft vertraut, der es gelungen ist, die verborgenen Vorgänge in der Puppe durch Kernspintomographie sichtbar zu machen. Der Pionier dieser Entwicklung, der Biologieprofessor Richard P. Stringer, kommt im Film ebenso zu Wort wie andere Experten. Dennoch ist die Wissenschaft weit davon entfernt, die Verwandlung zu begreifen, von der sie immerhin weiß, dass sie in irgendeiner Weise vom Genom gesteuert wird, das den Bauplan für zwei ganz verschiedene Organismen enthält. Darüber hinaus zeigt uns der Film in herrlichen Bildern das wenig bekannte Phänomen des Verhaltens des Monarchfalters: Jedes Jahr legen Hunderte von Millionen von Monarchfaltern den Weg von bis zu 4000 Kilometern von Kanada und den USA nach Mexiko zurück, wo sie in einem Waldgebiet zusammenkommen, um in riesigen Kolonien zu überwintern. Das Interessante dabei ist, dass dies immer nur eine bestimmte Generation betrifft, deren Lebensdauer neun Monate beträgt, während die Monarchfalter sonst jeweils nur einige Wochen leben.

Zum Schluss wird im Film die Frage gestellt, wie weit diese Phänomene als Produkt von Zufall und Selektion begriffen werden können. Zu Recht legt er hier den Finger auf eine offene Wunde. Denn die Erklärung solcher Phänomene durch zufällige Mutationen im Genom, die nachträglich selektiert werden, ist bis jetzt - entgegen allen gegenteiligen Beteuerungen von Evolutionsbiologen - nur eine unerfüllte Verheißung. Nicht nur die im Film auftretenden Biologen und Wissenschaftstheoretiker wie Ann Gauger und Paul Nelson haben das erkannt, sondern auch atheistische Denker wie Thomas Nagel, und das nicht erst in seinem neuesten, Furore machenden Buch Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Metamorphose ein hochkomplexer Vorgang aus unzähligen Einzelschritten ist, die nur dann sinnvoll und erfolgreich sein können, wenn sie alle zusammenpassen und kein einziger Zwischenschritt ausfällt, dann wirkt die darwinistische Erklärung illusorisch. Denn jedes stückweise Entstehen dieses Umwandlungsprozesses führt in eine Sackgasse. Der Schmetterling kann nur dann aus der Raupe entstehen, wenn alles zusammenpasst, wenn also das Ganze schon funktioniert. Der Funktionszusammenhang kann nicht schrittweise entstehen, sondern muss als Ganzes schon gegeben sein. Wenn das nicht der Fall ist, kommt nicht etwa ein veränderter, sondern gar kein Schmetterling heraus. Für trial and error ist hier einfach kein Platz.

Um den Anspruch des Darwinismus richtig einschätzen zu können, sollte man zumindest die Phänomene kennen, die zu erklären er beansprucht. In diesem Sinne ist der Film nicht nur ein mit spektakulären Bildern aufwartender Natur-, sondern im besten Sinne auch ein Aufklärungsfilm, der die Dogmen der materialistisch konzipierten Evolutionstheorie auf den Prüfstand stellt. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen und wünsche ihm die weiteste Verbreitung.

Ein weiterer Film zum Thema


8. Juli
Schwammiges Priesterbild

Vom 2. bis 5. April 2014 fand in Herzogenrath die 16. Kölner Liturgische Tagung statt. Unter dem Titel “Alter Christus” - Die Stellung des Priesters in der Liturgie. 16. Kölner Liturgische Tagung in Herzogenrath berichtet Katrin Krips-Schmitt ausführlich darüber in der neuesten Ausgabe von Theologisches (Juli/August 2014, Spalten 377-384). Außer Guido Rodheudt, Weihbischof Athanasius Schneider, Peter Bruns, Helmut Hoping, Peter Christoph Düren, Andreas Wollbold und Ulrich Mutz sprach auch P. Bernward Deneke FSSP. Darüber schreibt Katrin Krips-Schmitt:

“Um das, was den Priester in seinem tiefsten Wesen von allen anderen Menschen unterscheidet, um die ‘differentia specifica’ - den ‘eigentümlichen Unterschied’ - des Priesters, wie es u. a. Josef Pieper in seinem 1971 erstmals publizierten Aufsatz ‘Was ist ein Priester?’ (Zürich 1971) ‘klärte’, ging es in dem Referat ‘Tischvorsteher oder Kultdiener? Zur Frage des christlichen Priestertums’ von Pater Bernward Deneke von der Priesterbruderschaft St. Petrus. Pater Deneke betrachtete anhand verschiedener Dokumente die Akzentverschiebungen, die sich in den letzten Jahrzehnten bei der Beschreibung von Wesen und Funktion des Priestertums bemerkbar machten.
Angefangen bei dem Jesuitenpater Karl Rahner über Hans Küng bis hin zu Edward Schillebeeckx und anderen, die dem Priester nur mehr eine funktionale Rolle als ‘Vorsteher’ oder ‘Leiter’ innerhalb der Gemeinde zugestehen wollten (Hans Küng in seinem 1971 erschienenen Buch ‘Wozu Priester?’), drohe das eigentliche Charisma des Priesters verlorenzugehen: das unauslöschliche Prägemal, das dem Weihekandidaten im Sakrament der Priesterweihe verliehen werde. Wie ‘schwammig’ das Berufsbild des Priesters inzwischen geworden ist, belegte der Referent eindrucksvoll mit einem aktuellen Beispiel aus der Berufungspastoral: In einer von der Diözese Freiburg herausgegebenen Broschüre erfahren junge Männer über eine möglicherweise von ihnen angestrebtes Berufsziel folgendes: ‘Durch die Weihe wirst du für die Menschen in besonderer Weise zu einem Zeugen, dass Jesus Christus mitten unter ihnen lebt. Wie ein Brückenbauer übersetzt du das Evangelium in den Lebensalltag der Menschen. So bist du ihnen Hilfe, die Spur Gottes in ihrem Leben zu entdecken. (...) So verkündest du die Frohe Botschaft in Predigt und Gottesdienst, im seelsorglichen Gespräch und Religionsunterricht, kurz: durch deine ganze Lebensweise. Als Diözesanpriester begleitest du die Menschen an wichtigen Knotenpunkten ihres Lebens: Sakramente, Taufe, Kommunion, Hochzeit, Sterben ...” Das Wesentliche unterschlägt der Text indes: das, was den Priester heraushebt, wie es Papst Johannes Paul II. in seinem Gründonnerstagsbrief von 1979 formulierte: ‘Dem Leben des Priesters liegt als tragende Wirklichkeit das Weihesakrament zugrunde, das unserer Seele das Zeichen eines unauslöschlichen Merkmals einprägt. Dieses Prägemal in der Tiefe unseres menschlichen Seins erfasst dynamisch auch unsere Person.’ Und schließlich werden in dem Freiburger Text die hauptsächlichen priesterlichen Vollzüge verschwiegen: die Darbringung des Messopfers sowie die Spendung des Bußsakramentes.”

Beiträge von P. Deneke auf kath-info


8. Juli
Das Mannheimer Ereignis

Vor drei Jahren, am 8. Juli 2011, begann in Mannheim die Auftaktveranstaltung des von Erzbischof Robert Zollitsch angeregten Dialogs. Seitdem kann sich die Kirche vor lauter Aufbruch und Erneuerung nicht mehr retten. Eine grundsätzliche Kritik an der Vorstellung, dass Dialog das sei, was die Kirche heute zur Erneuerung brauche, hatte ich schon zuvor anlässlich des einschlägigen Impulsreferats des Konferenzvorsitzenden veröffentlicht.


7. Juli
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

25. Folge

Man sieht leicht, daß die Absolutheit der göttlichen Personen hauptsächlich von der absoluten Natur, die sie besitzen und sind, herkommt. Darum bleiben sie aber unter sich wesentlich relativ. Ja wenn sie dieses nicht wären, würden sie auch nicht alle absolut sein können; denn dann müßten sie sich noch durch etwas anderes unterscheiden als durch die bloße Form des Besitzes; die eine müßte nicht bloß auf andere Weise, sondern auch etwas anderes besitzen und sein als die andere; nicht alle würden daher dieselbe absolute Natur besitzen. So hebt die Relativität der göttlichen Personen ihre Absolutheit nicht nur nicht auf, sondern schließt sie wesentlich ein. Diese Personen sind relativ im Unterschiede ihrer hypostatischen Charaktere, absolut in der Dignität, welche die Hypostase zur Person stempelt. In beiden Beziehungen unterscheiden sie sich wesentlich von allen geschaffenen Hypostasen und Personen. Und so können wir auch den Begriff der Hypostase und Person nur analogisch auf Gott übertragen und anwenden.

Die individuelle, d. h. singuläre, in keinem höheren Ganzen aufgehende Substanz ist auf geschöpflichem Gebiete "eo ipso" die Hypostase, und wenn die Substanz eine mit Vernunft begabte ist, eine Person. Die göttliche Substanz hingegen ist dadurch, daß sie eine singuläre, keine generische und in keinem höheren Ganzen aufgehende, selbständige ist, noch nicht Hypostase. Nach der Glaubenslehre erscheint sie nämlich durch diese Singularität und Selbständigkeit noch nicht als "individua", unverteilbar und unverteilt, in letzter Instanz; wir müssen noch mehrere, nicht über ihr stehende oder sie umfassende, sondern real mit ihr identisch Subjekte denken, in denen sie ist und an welche sie verteilt wird. Erst in diesen Subjekten, und als mit jedem einzelnen identisch, erscheint sie als "individua" in letzter Instanz, somit als Hypostase.

Der formelle Begriff der Hypostase fällt also bei Gott nicht zusammen mit dem der Singularität und Totalität der Substanz und Natur, und deshalb erfordert auch die Mehrheit der Hypostasen in Gott keine Multiplikation der Natur, sondern bloß eine auf Mitteilung beruhende Verschiedenheit im Besitze derselben unteilbaren Natur.

Darin, daß sich in Gott wirklich verschiedene Besitzer derselben Natur finden, liegt die Ähnlichkeit zwischen den göttlichen Hypostasen und den kreatürlichen; darin, daß die Verschiedenheit des Besitzes bei Gott nicht auf Multiplikation des Besitzobjektes, sondern auf Mitteilung desselben Objektes beruht, die Unähnlichkeit zwischen den göttlichen und kreatürlichen Hypostasen. Durch jenes positive und dieses negative Moment kommt der analoge Begriff der göttlichen Hypostasen zustande.

Daß die Dignität der göttlichen Hypostasen, wodurch sie Personen sind, ebenfalls nur durch analoge Begriffe von uns aufgefaßt werden könne, ist schon hinreichend erklärt. Das begreift sich um so leichter, weil diese Dignität nichts anderes ist als die Vollkommenheit der göttlichen Natur, welche sich in der entsprechenden Würde und Vollkommenheit der Geschöpfe zwar reflektiert, aber doch zugleich unendlich hoch über dieselbe erhaben bleibt.

§ 15. Der konkrete Begriff und Name der einzelnen Personen und ihrer Produktionen. Notwendigkeit und Möglichkeit eines tieferen Verständnisses der kirchlichen Namen

Sind die Personen als solche wesentlich relativ, dann kann man den einzelnen auch keinen Namen geben, der sie in ihrer Eigentümlichkeit bezeichnen soll, wenn derselbe nicht ihre Relation ausdrückt. Darum heißt denn auch die erste Person Vater, d. i. Vater des Sohnes; die zweite Sohn, Sohn des Vaters. Bei der dritten Person springt diese Relation nicht so sehr in die Augen, weil das Wort Geist auch absolut gebraucht wird. Aber strenggenommen muß es zur Bezeichnung der dritten Person ebenfalls relativ genommen werden, da man sagen will: Geist, d. i. Hauch oder Odem des Vaters und des Sohnes.

Diese Namen nun haben wir näher zu erklären, einmal, weil es die gebräuchlichsten in der Sprache der Heiligen Schrift und der Kirche sind, dann aber auch - und das ist eben der Grund ihres bevorzugten Gebrauches -, weil sie ohne nähere Bestimmungen in der konkretesten Weise den persönlichen Charakter der drei Gegensätze in Gott hervorheben und bezeichnen.

Für die zweite und dritte Person haben wir schon früher mehrere Namen kennen gelernt, die ihnen eigentümlich sind. Die zweite Person ist wirklich, und zwar allein, das Wort und das Abbild der ersten; aber es gibt auch unpersönliche, ja ganz unselbständige Worte und Abbilder, und deshalb tritt in dieser Bezeichnung die Persönlichkeit ihres Gegenstandes nicht hervor und muß eigens durch Apposition bezeichnet werden. Ebenso verhält es sich mit den Namen: Hauch, Pfand, Band, die wir der dritten Person beilegen. Für die erste Person aber hatten wir noch gar keinen Namen; als Prinzip des Wortes könnten wir sie höchstens Sprecher nennen. Darin ist zwar ihre Persönlichkeit ausgesprochen oder vielmehr vorausgesetzt; aber sie tritt darin doch noch nicht ausdrücklich im Verhältnisse zu einer andern aus ihr hervorgehenden Person auf, weil ihr Produkt nur als Wort erscheint. Soll aber der relative Name wirklich die Person in ihrer ganzen konkreten Selbständigkeit bezeichnen, dann muß er sich auch in personaler Beziehung, d. h. als persönliches Prinzip einer Person resp. als persönliches Produkt einer andern Person bezeichnen.

Das geschieht bei den beiden ersten Personen, wenn die erste Vater, die zweite Sohn genannt wird. Denn ein Vater ist immer eine Hypostase und eine persönliche Hypostase sowie auch Prinzip einer solchen; und ein Sohn ist ebenso immer eine Hypostase und eine persönliche Hypostase und Produkt einer solchen.

Diese beiderseitige Bezeichnung der beiden ersten Personen kann aber nur darauf beruhen, daß die zweite aus der ersten auf dem Wege der Zeugung ausgeht - denn nur ein zeugendes Prinzip ist Vater, und nur ein gezeugtes Produkt ist Sohn -; und wenn sie eine charakteristische, eigentümliche Bezeichnung dieser beiden Personen, wenn sie Eigenname derselben sein soll, muß deren gegenseitiges Verhältnis allein, und nicht auch das der dritten Person zu ihnen, auf Zeugung beruhen.

Wird fortgesetzt

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6. Juli
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Vierter Teil

Im staatskirchlichen Geiste waren auch die das Verhältnis von Staat und Kirche betreffenden Normen des unter Friedrichs II. Nachfolger (i.J. 1794) publicierten Allgemeinen Landrechts gehalten. Wie [Ernst Adolf Theodor] Laspeyres (Geschichte und heute Verfassung der katholischen Kirche) zugesteht, hielt dieses Gesetzgebungswerk „die Verhältnisse der katholischen und der evangelischen Kirche durchgängig nicht auseinander; es hat bei legislativer Feststellung der kirchlichen Verhältnisse der evanglische Gesichtspunkt hier und da das Übergewicht, die Gesetzgebung sozusagen eine protestantische Färbung gewonnen“. Nirgends findet sich in demselben irgend welche Anerkennung der organischen Verbindung der katholischen Kirche Preußens mit dem Römischen Stuhle. Im Hinblick auf die mangelhafte Berücksichtigung der Verfassung und Jurisdiktion der katholischen Kirche, welche in dem Allgemeinen Landrecht zu Tage tritt, gibt der vorgenannte Schriftsteller zu bedenken, „daß überall und zumeist innerhalb des katholischen Bekenntnisses die gesellschaftliche Organisation der Kirche und die Handhabung des geistlichen Regimentes im engen Zusammenhang steht mit dem der einzelnen Kirche eigentümlichen Lehrbegriff“ sowie „daß die Glaubens- und Gewissensfreiheit, gleichviel, ob auf bloßer Duldung oder förmlicher Anerkennung beruhend, nicht schlechthin auf den Kreis der individuell persönlichen Überzeugung, des ungehinderten Kultus, freier Gestattung der Lehr- und Seelsorgetätigkeit und ungeschmälerter bürgerlich-politischer Rechtsfähigkeit beschränkt werden könne“. Die auf die Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen bezüglichen Bestimmungen des Allgemeinen Landrechts stellten für Schlesien die Fortbildung der Vorschriften des Edikts von 1750 dar und verschärften insbesondere noch das Verbot von Verträgen der Ehegatten über die Erziehung der Kinder.

Schroffer noch als in den bis dahin mit dem Staate Preußen vereinigten Landesteilen wurde der staatskirchliche Gedanke in den polnischen Gebieten zur Geltung gebracht, welche infolge der verschiedenen Teilungen Polens an Preußen fielen. Obwohl auch hier den Römisch-Katholischen in betreff der Religion der status quo feierlich gewährleistet worden war, wurde eine umfassende Säkularisation des Kirchengutes vorgenommen. Die Kabinettsordre vom 1. November 1772, welche in Westpreußen und dem Netzedistrikt [Teil Polens, der 1772 bei der Ersten Teilung Polens von Preußen annektiert wurde und der von der Netze, einem Nebenfluss der Warthe, durchströmt wird] den Stiften und Klöstern die eigene Verwaltung ihrer Güter entzog, enthielt den Vermerk: „Denen Geistlichen wird bei Abnahme ihrer Güter und liegenden Gründe zur Ursach angegeben, daß solches in der Absicht geschehe, damit sie durch deren Bewirtschaftung nicht distrahiert und von ihren geistlichen Verrichtungen um so weniger behindert werden möchten.“ Eine Verordnung vom Jahre 1796 erklärte in den 1793 und 1795 an Preußen gefallenen Gebieten die Güter und Grundstücke der katholischen Geistlichkeit (mit alleiniger Ausnahme der zur Dotation von Pfarreien und Kirchen bestimmten Güter) „als ein wahres Staatseigentum“ und beließ dem Klerus gleichsam nur ein auf Grund und Boden radicirtes Staatsgehalt. Dabei nahmen die preußischen Regenten in den neu erworbenen Gebieten mit weit überwiegend katholischer Bevölkerung alle Gerechtsamen in Anspruch, welche die um die katholische Kirche vielfach verdienten Könige von Polen in kirchlichen Dingen geübt hatten, namentlich deren althergebrachte Nominationsrechte. Wie in Schlesien wurde die Einwanderung von Protestanten in die neuen Landesteile eifrig gefördert und auch mit staatlichen Geldaufwendungen unterstützt.

Die umfassende Einziehung der Kirchengüter in den heutigen preußischen Provinzen Posen und Westpreußen war gewissermaßen ein Vorspiel der großen Säcularisation, welche die französische Revolution am Ausgang des 18. Jahrhunderts im Gefolge hatte. Für das seit 1807 nur noch bis zur Elbe reichende Gebiet des preußischen Staates bestimmte eine Kabinettsordre vom 30. Oktober 1810: „Alle Klöster, Dom- und anderen Stiften, Balleien oder Commenden, sie mögen zur katholischen oder protestantischen Religion gehören, werden von jetzt an als Staatsgüter betrachtet.“ In der Kabinettsordre wurde aber zugleich versprochen: „Wir werden für hinreichende Belohnung der obersten geistlichen Behörden und mit dem Rate derselben für reichliche Dotierung der Pfarreien, Schulen und milden Stiftungen und selbst derjenigen Klöster sorgen, welche sich mit der Erziehung der Jugend und der Krankenpflege beschäftigen und welche durch obige Vorschriften entweder in ihren bisherigen Einnahmen leiden oder deren durchaus neue Fundierung nötig erscheinen dürfte.“ Allein der Wert der in der Provinz Schlesien eingezogenen Güter beziffert sich gemäß Schätzung der fiskalischen Behörde nach den Wertverhältnissen des Jahres 1811 auf 12.862.852 Taler.

Als durch die Pariser Friedensschlüsse und die Wiener Congreßverhandlungen die ausgedehnten deutschen Landesteile im Westen mit weit überwiegend katholischer Bevölkerung an Preußen gekommen waren, übernahm dieses außer den säcularisierten Kirchengütern auf der linken Rheinseite auch die zum größten Teil noch unveräußerten Kirchengüter in den Gebieten zwischen Rhein und Elbe, welche namentlich in Westfalen von großem Werte waren. Der Herausgeber der Schrift: „Die katholischen Interessen bei den Budgetverhandlungen in den preußischen Kammern des Jahres 1852/53“, berechnet den Wert der Kirchengüter, welche die katholische Kirche durch die Säcularisationen an den preußischen Fiscus verloren hat, auf mehr als 100 Millionen Taler; der Verlust der Prostestanten dürfte nach derselben Quelle auf eine Million Taler zu veranschlagen sein. Die Regierung verhielt sich dem protestantischen Kirchenvermögen gegenüber ungleich rücksichtsvoller, ließ insbesondere die reichen Domkapitel zu Brandenburg, Naumburg und Merseburg sowie das Collegiatstift zu Zeitz als Corporationen bestehen. Auf dem Besitz der eingezogenen Kirchengüter beruht die Verpflichtung der preußischen Regierung zur Dotierung der kirchlichen Stellen und Anstalten sowohl gegenüber der katholischen als der protestantischen Kirche, wie insbesondere der preußische Kultusminister [Karl Otto] v. Raumer [Kultusminister 1850-58] in der zweiten Kammer wiederholt ausdrücklich anerkannt hat. Kultusminister [Adalbert] v. Ladenberg [1848-1850] bezeichnete das bestehende Leistungsverhältnis als ein solches, das „der Staat nur durch einen Wort- und Treuebruch hätte auslösen können, dessen Folgen auf ihn selbst zurückgefallen sein würden“.

wird fortgesetzt

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5. Juli
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Es wurde eine eigene Seite zum Thema Unauflöslichkeit der Ehe eingerichtet. Cosima Pevelings Rezension von Sheeds Buch Theologie für Anfänger wurde auf einer eigenen Seite untergebracht, ebenso das Interview von Stefan Rochow mit dem Philosophen Josef Bordat über dessen Buch über das Gewissen.


5. Juli
Lucius Roth

Vor 100 Jahren, am 5. Juli 1914, wurde Lucius Roth OSB (1890-1950) von Basilio Kardinal Pompilj (1858-1931) zum Priester geweiht. Er gehört zu den Benediktinern aus St. Ottilien, die in Korea unter den Kommunisten das Martyrium erlitten.


5. Juli
Tiefe

Nach dem alten Kalender ist morgen der 4. Sonntag nach Pfingsten. Auf kath-info finden Sie dazu eine Predigt von P. Franz Prosinger.


4. Juli
Otto von Habsburg

Vor drei Jahren, am 4. Juli 2011, starb in Pöcking im Alter von 98 Jahren Otto von Habsburg. “Der Kampf um die Seele Europas ist der Kampf um den Gottesbezug in der Verfassung. Wenn die Menschenrechte, die eines der wesentlichen Elemente Europas sind, einen Sinn und einen Inhalt haben sollen, muss es logischerweise einen Gott geben. Denn das Menschenrecht fußt schließlich auf dem Gedanken, dass der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen eigene Rechte hat”, sagte 2007 er in einem Interview mit Kirche in Not.


4. Juli
Marienbasilika in Kevelaer

Vor 150 Jahren, am 4. Juli 1864, wurde die Marienwallfahrtskirche in Kevelaer eingeweiht, die 1923 von Papst Pius XI. zur Basilika erhoben wurde. Die Grundsteinlegung war 1858 erfolgt. Die Wallfahrt geht, wie man auf der Internetpräsenz der Erzdiözese Köln nachlesen kann, auf eine Erscheinung im Jahr 1641 zurück, in der der Handelsmann Hendrick Busmann dreimal den Auftrag hörte: "An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!"


2. Juli
Martin Hengel

Vor fünf Jahren, am 2. Juli 2009, starb in Tübingen im Alter von 82 Jahren der Theologe Martin Hengel.


2. Juli
Dom Gérard Calvet

Vor 25 Jahren, am 2. Juli 1989, wurde Dom Gérard Calvet (1927-2008), der Gründer des Benediktinerklosters in Le Barroux bei Carpentras (zuerst in Bédoin), von Augustin Kardinal Mayer zum Abt geweiht. Wegen der überlieferten Liturgie war die Klostergemeinschaft zunächst mit Erzbischof Marcel Lefebvre verbunden, schlug aber 1988 den Weg der Versöhnung ein, so dass die Situation kirchenrechtlich geregelt wurde. Dom Gérard machte in Frankreich auch die Werke des deutschen Liturgiewissenschaftlers Klaus Gamber bekannt.


2. Juli
Alois Andritzki

Vor 100 Jahren, am 2. Juli 1914, wurde in Radibor der selige Alois Andritzki geboren. Am 30. Juli 1939 in Bautzen zum Priester geweiht, wurde der Sorbe zu einem entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus, der aus seiner Überzeugung kein Hehl machte. Die Folge war, dass er am 21. Januar 1941 verhaftet wurde und am 3. Februar 1943 im KZ Dachau starb. Am 13. Juni 2011 wurde er seliggesprochen.


30. Juni
Asia Bibi

Es ist noch nicht zu spät, sich an der missio-Fanmeile für die vom Tod bedrohte pakistanische Christin Asia Bibi zu beteiligen.


30. Juni
Weihen

Am 31. Mai spendete Erzbischof Dr. Guido Pozzo in Lindau neun Subdiakonen der Priesterbruderschaft St. Petrus und einem weiteren aus der schottischen Diözese Argyll die Diakonenweihe.

Am selben Tag weihte Weihbischof Athanasius Schneider in Omaha, Nebraska, sieben Diakone der Petrusbruderschaft zu Priestern.

Am Samstag, den 28. Juni, weihte Bischof Marc Aillet von Bayonne in Chartres für die Petrusbruderschaft die drei Diakone Olivier de Nedde, Thibault Paris und Jean de Massia (Bild) zu Priestern.


30. Juni
Priesterbruderschaft St. Petrus

Am 4. Juni wurde das 67. Haus der Priesterbruderschaft St. Petrus errichtet. Es handelt sich um die Niederlassung St. Rita in Minneapolis, Minnesota. Seit einem Jahr wirken in Minneapolis zwei Priester der Petrusbruderschaft. Über die Bedeutung der kanonischen Errichtung und die überraschende Entwicklung, die sie in der Petrusbruderschaft genommen hat, habe ich bereits berichtet.


29. Juni
Jeanne-Marie Kegelin

Vor zehn Jahren, am 29. Juni 2004, wurde in einem Fluss die Leiche des seit elf Tagen vermissten Mädchens Jeanne-Marie Kegelin aus Straßburg gefunden. Am 18. Juli wäre sie elf Jahre alt geworden. Sie war in jenem Sommer eines von drei Opfern des 59jährigen Triebmörder Pierre Bodein. Keine drei Wochen vor ihrer grausamen Ermordung hatte sie noch im Kinder-Chapitre an der Fußwallfahrt von Paris nach Chartres teilgenommen, die jedes Jahr an Pfingsten u.a. von der Petrusbruderschaft organisiert wird. Sie war das jüngste von sieben Kindern.
Einer ihrer Brüder war Seminarist in Wigratzbad. Louis-Dominique Kegelin FSSP wurde fünf Jahre später zum Priester geweiht und arbeitet jetzt in Belgien. Von einer tiefen Frömmigkeit zeugt das Tagebuch Jeanne-Maries, in dem es z.B. heißt: “Jesus, ich danke dir, weil du mir die Kraft gegeben hast, gut zu sein, und weil du gekreuzigt wurdest, um uns zu erlösen. Hilf mir, dass ich viele Opfer bringe und dass ich in der Freude bleibe.”


29. Juni
Joseph Kalinowski

Vor 150 Jahren, am 29. Juni 1864, trat der hl. Joseph Kalinowski seine Reise in die Verbannung nach Sibirien an.


29. Juni
Schwestern von der hl. Familie

Vor 100 Jahren, am 29. Juni 1914, gründete der selige P. Rupert Mayer in München die Schwestern von der hl. Familie, die Notleidenden helfen und dabei nach dem Grundsatz handeln sollten: “Wir müssen alles Harte und Abstoßende in eine liebenswürdige und feine Art umformen, um die Menschen für Christus zu gewinnen und die Religion den Menschen liebenswert zu machen.”


28. Juni
Frederick William Faber

Vor 200 Jahren, am 28. Juni 1814, wurde in Yorkshire Frederick William Faber geboren. Calvinistisch erzogen, konvertierte er 1845 unter dem Einfluss des seligen John Henry Newman zur katholischen Kirche. Auch die Verehrung des Allerheiligsten, wie er sie 1843 in Rom erlebte, trug dazu bei: “Es erwachte in ihm die Bewunderung für das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Gregors XVI., als er sah, wie dieser von seinem Thron herunterstieg und am Fuß des Altares vor dem Allerheiligsten niederkniete. ‘Wir alle knieten mit ihm nieder; eine rührendere Szene habe ich nie gesehen. Die Purpurgewänder der knienden Kardinäle, das Violett der Prälaten, die knienden Soldaten, die buntgemischte Volksmenge, die Pracht der herrlichen Kirche und die unsichtbare Gegenwart ihrer großen historischen Erinnerungen, und in der Mitte der in Weiß gekleidete päpstliche Greis, demütig hingestreckt vor dem erhobenen hochheiligen Leib unseres Herrn, und dabei lautloses, tiefes Schweigen. Welch ein Anblick war das doch!’” (aus: Ferdinand Holböck, Das Allerheiligste und die Heiligen, Stein am Rhein 1979, S. 356).
1847 empfing er die Priesterweihe und 1849 gründete er im Auftrag des sel. John Henry Newman das Londoner Oratorium. Bekannt wurde Faber durch viele geistliche Schriften, die auch ins Deutsche übersetzt wurden. Er starb am 28. September 1863 in London.


28. Juni
Erzherzog Franz Ferdinand

Vor 100 Jahren, am 28. Juni 1914, wurden in Sarajewo der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie ermordet. Sie konnten noch die Sterbesakramente empfangen, und zwar durch P. Anton Puntigam SJ (1859-1926), den Gründer der Zeitschriften Stimmen aus Bosnien (später Balkanstimmen) und Der Eucharistische Völkerbund.


26. Juni
Karl Rahner als Gegner des Dialogs

Es ist nicht seine Art, sich mit Gegnern auseinanderzusetzen, die sich mit der Kritik seiner Grundlagen befassen. In dem umfangreichen Buch Grundkurs des Glaubens (Herder 1976) findet sich zu Beginn eine philosophisch-erkenntnistheoretische Einführung, in der er seine ‘transzendentale Anthropologie’ erneut vertritt. Seinen präzisesten Gegner in dieser Hinsicht, Professor Cornelio Fabro (La svolta antropologica di Karl Rahner, Mailand 1974) erwähnt er auch nicht mit einem Wort. Zu Recht sagt man, dass im Dialog die Wahrheit wächst. Aber dies ist nicht Rahners Art.

Aus: P. Dr. Athanasius Kröger OSB, Totale Pluriformität? Zu Karl Rahners Aufsatz “Dogmen- und Theologiegeschichte - gestern und morgen”, in: Der FELS, August 1977, S. 246

Weitere Infos über Rahner


26. Juni
Gewalttätige Kurie

“Eine fundamentalistische Gruppe ist gewalttätig, selbst wenn sie niemanden tötet und niemanden schlägt. Die mentale Struktur des Fundamentalismus ist Gewalt im Namen Gottes.”

Das sagte diesen Monat Papst Franziskus im Interview mit der spanischen Zeitung La Vanguardia in Bezug auf die fundamentalistischen Gruppen in den drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum.

2010 bekam ich auf dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München über die aufgedrehten Lautsprecher unfreiwillig einen Vortrag mit, der über christliche Fundamentalisten ging. Der mir unbekannte Vortragende verriet uns auch, welches die bedeutendste fundamentalistische Gruppe in der Kirche sei: die Kurie!

Ist diese Gruppe gewalttätig, auch wenn sie niemanden tötet oder schlägt? Nach Auskunft des Lexikons für Theologie und Kirche ja, und zwar wegen ihrer Lehre über die Homosexualität. Im zweiten Teil des Eintrags über “Homosexualität”, der sie unter soziologischem Aspekt behandelt, finden wir folgenden Text: “Homosexuelle Menschen sind in vielfältiger Hinsicht Opfer von Gewalt, nicht nur in ganz offensichtlicher Form bei Überfällen, Beraubungen bis hin zum Mord, sondern auch in subtiler Weise durch soziale Ausgrenzungen, Pathologisierungen ihrer Orientierung mittels medizinischer und psychologischer Theorien und nicht zuletzt auch durch offizielle kirchliche Verlautbarungen” (Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Fünfter Band, Herder 1996, Spalte 255).

Der Text stammt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch (Basel). Fachberater für Theologische Ethik, Sozial- und Kulturethik war Prof. Dr. Konrad Hilpert (Saarbrücken), Berater für theologische Ethik und naturwissenschaftliche Fragen Prof. Dr. Wilhelm Korff (München). Herausgegeben wurde das Gesamtwerk von Walter Kasper mit Konrad Baumgartner, Horst Bürkle, Klaus Ganzer, Karl Kertelge, Wilhelm Korff und Peter Walter.


25. Juni
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts steht unter dem Schatten zweier großer Auseinandersetzungen zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt. Die erste Auseinandersetzung ist die zwischen Papst Bonifaz VIII. und dem König von Frankreich Philipp IV., die zweite zwischen drei Päpsten und Ludwig dem Bayern, dessen Kaisertum von ihnen nicht anerkannt wird. Dieses gewaltige Ringen stellt den Höhepunkt des jahrhundertealten Konflikts zwischen geistlicher und weltlicher Macht dar. Dieser Konflikt wurde jedoch nicht nur politisch und militärisch, sondern auch literarisch und doktrinell ausgetragen. Auf kurialer Seite führte er zur Ausformung einer immer überspitzteren Theorie päpstlicher Herrschaftsgewalt. Anfang des 14. Jahrhunderts erreicht diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Doch während bis zum Hochmittelalter Theorie und Wirklichkeit päpstlicher Machtansprüche miteinander Schritt hielten, bricht nun diese Konvergenz auseinander: Noch kein Jahr, nachdem Bonifaz VIII. in der Bulle "Unam sanctam" (18. November 1302) die päpstlichen Machtansprüche auf ihren Höhepunkt getrieben hat, offenbart der Überfall von Anagni (7. September 1303) die politische Ohnmacht des Papsttums und leitet die Phase der Abhängigkeit vom französischen König ein, die ihren Niederschlag im avignonesischen Exil (1309 - 1377) findet. Dieses bildet den realpolitischen Hintergrund der tragischen Auseinandersetzung dreier Päpste mit Ludwig dem Bayern. Diese Tragik gewinnt ihre Schärfe nicht zuletzt durch das Interdikt, welches Johannes XXII. 1323 über ganz Deutschland verhängte. Das Interdikt dauerte bis 1347 und stürzte die Kirche Deutschlands in tiefste geistliche Not. Es macht blitzartig die widersprüchliche Situation deutlich, in die das päpstliche Selbst- und Machtbewußtsein sich hineingesteuert hat.

Wir wollen im ersten Teil die mittelalterliche Entwicklung der Zweigewaltenlehre überblicken, um im zweiten Teil den ideengeschichtlichen Hintergrund der hierokratischen Theorie auszuleuchten und zu untersuchen, wie dieser Theorie ihre paradoxe Rolle zufallen konnte. Während sie inhaltlich anscheinend eine kontinuierliche Fortführung erfuhr, wirkte sie sich plötzlich in eine ihrem Anspruch entgegengesetzte Richtung aus: Sie verhinderte nicht die Krise, sondern verfestigte sie. Von der Untersuchung dieses eigenartigen Mechanismus dürfen wir uns auch Aufschluß zum größeren Verständnis gegenwärtiger Krisensymptome in der Kirche erwarten.

I. Die Entwicklung der Zweigewaltenlehre bis zu Papst Bonifaz VIII.

Die Zweigewaltenlehre des Mittelalters fand ihre Ausformung vor allem in der Gestalt der Zweischwerterlehre, die sich auf eine allegorische Deutung von Lk. 22, 35-38 stützte. Dabei kam die Dualität der beiden Schwerter zunächst dem Dualismus entgegen, der von kaiserlicher Seite aus immer wieder gegen die päpstlichen Anspruchssteigerungen ins Feld geführt wurde. Heinrich IV. führte die Stelle gegen Gregor VII. an, ebenso wie der prokaiserliche Sigebert von Gembloux OSB (+ 1112) gegen Paschalis II. und später Friedrich Barbarossa, Friedrich II., die Parteigänger Philipps IV. und Dante. Dieser Dualismus war ursprünglich - in der Abweisung cäsaropapistischer Tendenzen des oströmischen Kaisertums - auch das Anliegen der Päpste gewesen und von Papst Gelasius I. in seinem berühmten "Duo quippe"-Brief an Kaiser Anastasius im Jahre 494 auf seine klassische Formulierung gebracht worden. Deshalb sollte es nicht wundernehmen, daß ausgerechnet Petrus Damiani, ein Vorkämpfer der kirchlichen Reformbewegung des 11. Jahrhunderts, es ist, der zum ersten Mal die beiden lukanischen Schwerter auf die weltliche und geistliche Macht verteilt. Ein anderer Reformer allerdings, Kardinal Humbertus von Silva Candida, stellt die Weichen für die spätere Entwicklung, wenn er um das Jahr 1058 die These aufstellt, daß die principes ihr Schwert von den Priestern Christi empfangen. Klassisch und Gegenstand vieler Kommentare wird der Text des hl. Bernhard von Clairvaux (um 1090 - 1153), der beide Schwerter der Kirche zuspricht, das eine pro, das andere ab ecclesia zu führen.

Zweifellos sind diese Texte jedoch noch nicht in jenem Sinne zu lesen, wie sie später von kurialer Seite ausgewertet werden, nämlich als streng rechtliche Vollmacht über die Vergabe des Kaisertums. Es geht vielmehr um eine ideale Zuordnung der Gewalten und um die Einordnung des Gebrauchs der weltlichen Gewalt in die christliche Gesamtordnung. Aus diesem Grunde sprechen Humbertus und Bernhard abstrakt vom Schwert des Priesters, nicht des Papstes. Erst unter Innozenz III. werden aus Texten wie denen Bernhards juristische Kompetenzen abgeleitet.

Wird fortgesetzt.

Der Text erschien zuerst in der Festschrift Esse in Verbo für Heinrich Reinhardt, hg. von Benedikt Dissel, Kisslegg 1993. Es handelt sich um eine Kurzfassung dieser Studie.


24. Juni
Warum Waugh?

Von T. M. Doran

Wenn Sie eine Liste von Schriftstellern erstellen würden, bei denen es sich um Meister im Geschichtenerzählen, Meister des Humors und Meister der englischen Prosa handeln würde, wäre dies eine recht kurze Liste. Doch einer von denen, die auf diese Liste gehörten, wäre Evelyn Waugh.

Vom britischen Schriftsteller und Journalist Evelyn Waugh werden drei Bücher in der „Modern Library´s 100 Best Novels of the 20th century“ aufgelistet, aber er scheint nicht von vielen heutzutage gelesen zu werden, nicht einmal in in literarischen Zirkeln. Nichtsdestoweniger handelt es sich bei ihm um einen meisterhaften Schreiber, der mit Scharfsinn, Eindringlichkeit und Humor ein breites Spektrum von Ideen und Gefühlen hervorzurufen weiß.

Ich bin kein Schüler, Experte, Biograph von Evelyn Waugh oder ähnliches dieser Sorte, aber ich habe viele seine Romane gelesen, einschließlich derer, die als seine besten Werke erachtet werden, welche sowohl Vergnügen bereiten wie auch in die Kunst des Schreibens einführen, wenn man solchen Geistes überhaupt teilhaft werden kann: „Wiedersehen mit Brideshead“ („Brideshead Revisited“), „Der Knüller“ („Scoop“), „Lust und Laster“ („Vile Bodies“) und „Eine Handvoll Staub“ („Handful of Dust“).

Einer der Gründe für Waughs heutige relative Unbekanntheit – abseits der britischen Gesellschaft und der Geschehnisse in seinen Büchern, die einem anderen Zeitalter entspringen – ist seine implizite Ablehnung des Nihilismus, des Leitsterns der meisten „seriösen“ Schriftsteller seit den 1960er Jahren. Anders gesagt, Literatur wird nun durch ein nihilistisch/materialistisches Prisma gefiltert. Wie mitreißend, interessant und sogar meisterhaft sie auch geschrieben ist, wenn sie diesen Test nicht besteht, handelt es sich bei ihr schlicht und einfach nicht um „seriöse“ Literatur.

Keineswegs schrieb Waugh seinen Lesern vor, was sie glauben sollten, oder zeigte ihnen „richtiges Handeln“ mit plumpen Erzählungen. Im Gegenteil, Waughs Geschichten sind fordernd, oft weder den Erwartungen der Charaktere noch denen der Leser entsprechend, sie im Wesentlichen zwingend, tiefer in die ummauerten Gärten einzudringen, die sie für sich selbst erstellt haben. Ich liebe gute Kriminalgeschichten und habe die Geschichten um Philo Vance von S. S. Van Dine (Willard Huntington Wright) gelesen. Philo Vance, ein Ästhet und Materialist des frühen 20. Jahrhunderts, wickelt sich selbst in einen Kokon aus Anmaßung und Überheblichkeit ein. Waughs Charaktere andererseits werden aus ihren Kokons herausgezogen, ob sie es realisieren oder nicht, entfalten ihre durchsichtigen Flügel und beginnen, sich in die Lüfte zu erheben, andere verwandeln sich in eine selbstzerstörerische Flamme.

Durch Satire, Ironie, Parodie, Humor und Verlorenheit schildert Waugh die Absurdität und Beschränktheit des Materialismus und der Abhängigkeit von Wohlstand, Status, Prestige und intellektuellem Chauvinismus. Nihilistische Literatur stellt diese Dinge ebenfalls satirisch dar, aber in der nihilistischen Literatur gibt es keinen Weg heraus, während Waughs Geschichten einen Weg andeuten, auch wenn seine Charaktere ihn ignorieren, ablehnen oder sich darüber lustig machen. Trotzdem war sich Waugh bewusst und hütete sich, unverhohlen zu moralisieren, wenn er bemerkte: „... der Schriftsteller muss die Entscheidung treffen, ein Künstler oder ein Prophet zu werden. Er kann sich hinter seinem Schreibtisch verschanzen und egoistisch sein Vergnügen darin suchen, seine eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren, oder er kann sich darüber hinwegsetzen, Schicksale diktieren und Ermahnungen zu den Tagesthemen verfassen. Der Einsiedler des Schreibtisches hat eine geringe Chance, anderen eine bleibende Freude zu bereiten; der Publizist hat überhaupt keine.”

Einige legen Waugh Antisemitismus und Rassismus zur Last. Zu allererst: Wer von uns (ich nicht!) will jedes Wort, das wir jemals geschrieben, und jedes Wort, das wir jemals ausgesprochen haben, als Beweis für eine Neigung heranziehen? Solche wie Waugh, die Millionen von Worten in der Öffentlichkeit von sich gegeben haben, sind besonders angreifbar für die Inquisitoren der Politischen Korrektheit. Wir müssen daran denken, dass Waugh ein meisterhafter Satiriker, Parodist und Humorist war. Wie viele der Vorurteile, die in seinen Werken bedacht werden, spiegeln eher Satire und Parodie wider, die Geschichten wie „Der Knüller“ ausmachen, als seine eigenen Überzeugungen?

Evelyn Waugh war ein kühner und ehrlich provokativer Schreiber, einer der besten. Er verdient es, gelesen zu werden. Heute wie auch zu seiner Glanzzeit.

Aus dem Englischen übersetzt von Manuel Schuster. Der Originalartikel Why Waugh? erschien auf dem Blog von Ignatius Press.


24. Juni
Monatsranking: Die Top 12 im Mai

Aufsteiger des Monats ist die Seite über die Abtreibung.
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23. Juni
Gender Mainstreaming XLIII

Kaum ein Studienfach hat in den vergangenen Jahren eine solche Karriere hingelegt wie die von der modernen Geschlechtertheorie inspirierten Gender Studies. An deutschen Hochschulen gibt es inzwischen über 40 entsprechende Institute und Einrichtungen, darüber hinaus hat sich die Gender-Forschung an nahezu jedem geisteswissenschaftlichen Lehrstuhl etabliert. Auch im Verwaltungsalltag ist die moderne Gendertheorie längst angekommen. Jede Landesregierung, die etwas auf sich hält, fühlt sich der Förderung der Geschlechterneutralität verpflichtet, was man nicht mit gängiger Quotenpolitik verwechseln sollte. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg für eine Theorie, die ihren Ursprung in den Seminarräumen der philologischen Fakultät einer kalifornischen Hochschule hat und bis heute ohne jede wissenschaftlich nachprüfbare Fakten auskommt. Dass Menschen sich nicht entscheiden können, ob sie sich als Männer oder Frauen fühlen, mag vorkommen - auf der Überwindung des biologischen Geschlechts aber ein Konzept aufzubauen, das dann Richtlinie staatlichen Handelns wird, verlangt einiges an Phantasie.

Aus: Jan Fleischhauer, Gender-Politik: Mitleid mit Martenstein, auf SPON am 21. März 2013

Weitere Infos über GM


22. Juni
Karl Borromäus

Vor 400 Jahren, am 22. Juni 1614, wurde das Herz des hl. Karl Borromäus (1538-1584) in die römische Kirche S. Carlo al Corso übertragen. 25 Kardinäle und etwa hundert Prälaten nahmen an dieser Feier teil.


22. Juni
Eberhard I. von Salzburg

Vor 850 Jahren, am 22. Juni 1164, starb im Zisterzienserstift Rein, Steiermark, im Alter von etwa 80 Jahren Erzbischof Eberhard I. Er war seit 1147 Erzbischof von Salzburg. Im Schisma unterstützte er Papst Alexander III. (1159-1181) gegen den von Kaiser Friedrich Barbarossa (1155-1190) unterstützten Gegenpapst Viktor IV. (1159-1164).


21. Juni
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Fünfte Folge

Die eben betrachtete Umdeutung des Wahrheitsbegriffes wird nicht besser, wenn man, in Erinnerung an die »kataleptische Vorstellung« der Stoiker, erklärt, es müsse natürlich eine gewisse Nötigung zu dem »Fürwahrhalten« des Urteils vorliegen, und die Wahrheit eines Urteils bestehe eben darin, daß es mich nötigt, es für wahr zu halten, ihm beizustimmen, es anzuerkennen oder es zu glauben. Denn auch dies ist mit dem Wahrheitsbegriff nicht gemeint und kann gar nicht damit gemeint sein. Ein Urteil kann wahr sein, ohne daß es mich nötigt, es für wahr zu halten; und es kann mich nötigen, es für wahr zu halten, auch wenn es tatsächlich nicht wahr ist. Die Nötigung, die ein Urteil auf mein Fürwahrhalten ausübt, kann ein Grund meines Glaubens an seine Wahrheit, nicht aber der Grund seiner Wahrheit, und noch viel weniger seine Wahrheit selbst sein.

Will man den Vorwurf der eigenen Unfehlbarkeitserklärung vermeiden, den man sich auch durch diese Umdeutung zuziehen würde, so kann man die Beziehung des Urteils zu anderen Menschen herbeiziehen und das Gewicht dieser Beziehungen entweder durch die Quantität oder durch die Qualität dieser anderen Menschen zu steigern suchen. Im ersten Fall kommt man zu der Erklärung: die Behauptung, ein Urteil ist wahr, besage nichts anderes als, es ist allgemeingültig, und das heiße, es wird von allen Menschen für wahr gehalten. Nur unklares Denken jedoch kann meinen, die Wahrheit eines Urteils bestehe darin, daß es von allen Menschen für wahr gehalten werde. Denn ein Urteil kann wahr sein, ohne von allen Menschen für wahr gehalten zu werden; und ein Urteil kann von allen Menschen für wahr gehalten werden und doch nicht wahr sein. Freilich ist die Erfahrung, daß alle Menschen, von denen man weiß, ein bestimmtes Urteil für wahr halten, ein drängender Antrieb, nun auch selbst das Urteil für wahr zu halten, aber sie garantiert doch die Wahrheit des Urteils in keiner Weise. Indem das Urteil den Anspruch erhebt, wahr zu sein, macht es allerdings auch den Anspruch, von allen Menschen für wahr gehalten zu werden. Aber der zweite Anspruch gründet sich doch auf den ersten: weil das Urteil wahr zu sein beansprucht, verlangt es dann auch den Glauben aller Menschen. Wenn der erste Anspruch erfüllt ist, ist gewöhnlich der zweite noch lange nicht erfüllt. Ja es gäbe wohl schließlich überhaupt keine wahren Urteile, wenn sie erst auf die Anerkennung durch alle Menschen zu warten hätten. Die Wahrheit eines Urteils ist nicht nur nicht identisch mit der Anerkennung durch alle Menschen, sondern sie ist auch davon völlig unabhängig. Wahre Urteile sind nur in dem Sinne notwendig allgemeingültig, daß sie als wahr für alle Menschen, ja für alle denkenden Wesen gültig sein wollen, nicht aber in dem Sinne, daß sie tatsächlich auch von allen denkenden Wesen für wahr gehalten werden. Ist ein Urteil wahr, so schadet es seiner Wahrheit gar nichts, wenn es nicht von allen Menschen anerkannt wird; ist ein Urteil falsch, so verhilft ihm auch die Anerkennung aller Menschen nicht im geringsten zur Wahrheit.

Zieht man statt der Quantität der Menschen ihre Qualität in Betracht, indem man erklärt, die Wahrheit eines Urteils bestehe in der Anerkennung durch bestimmte Autoritäten oder bestimmte Vertreter der Wissenschaften, so bleibt man im Grunde in derselben Verwirrung stecken. Denn Urteile können in eigentlichem Sinne wahr sein ohne jede Beziehung zu solchen menschlichen Autoritäten, ja selbst dann, wenn diese Autoritäten sie für falsch halten. Wie auch, umgekehrt, Urteile falsch sein können, obgleich sie von den Autoritäten für wahr gehalten werden. Nur ist es da, wo man kein anderes Kriterium für die Wahrheit eines Urteils hat, berechtigt, diejenigen Urteile für wahr zu halten, die von bestimmten Autoritäten als wahr hingestellt werden, ohne daß man damit jedoch eine wirkliche Garantie für ihre Wahrheit hat. Die Wahrheit ist auf keinen Fall selbst identisch mit der Anerkennung durch Autoritäten.

Man kann übrigens auch schon im allgemeinen erkennen, daß das »Wahrsein« in jedem Fall von dem »Fürwahrgehaltenwerden« verschieden ist, gleichgültig, ob es ein oder mehrere oder alle oder bestimmte autoritative denkende Wesen sind, die das Urteil für wahr halten. Denn, indem ein Urteil für wahr gehalten wird, wird ja eben von ihm geglaubt, daß es selbst für sich wahr sei, und nicht bloß, daß es von irgendwelchen denkenden Wesen für wahr gehalten werde.

Zum bisher Erschienenen


19. Juni
Gelähmte Kirche

Im Konflikt um den Beratungsschein in der Schwangerschaftskonfliktberatung hat die Mehrheit der deutschen Bischöfe und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken nicht die kirchliche Lehre gegenüber dem Gesetzgeber, sondern die fatale deutsche Rechtslage gegenüber Papst Johannes Paul II. verteidigt. Dies lähmt die Kirche in Deutschland in Fragen des Lebensschutzes bis heute.

Prof. Dr. Manfred Spiekier im Interview mit Victoria Fels, Neue Bildpost vom 24./25. Mai 2014, S. 6.


19. Juni
Nicolas Tuite de MacCarthy

Vor 200 Jahren, am 19. Juni 1814, wurde in Chambery der berühmte, in Dublin geborene, in Frankreich, Rom und Turin wirkende Kanzelredner Nicolas Tuite de MacCarthy SJ (1769-1833) zum Priester geweiht. Seine Predigten erschienen auch in deutscher Übersetzung.


18. Juni
Elisabeth von Schönau

Vor 850 Jahren, am 18. Juni 1164, starb im Kloster Schönau im Alter von etwa 35 Jahren die hl. Elisabeth von Schönau. Sie war eine Mystikerin und mit der hl. Hildegard von Bingen bekannt.


18. Juni
John A. Hardon

Vor 100 Jahren, am 18. Juni 1914, wurde in Pennsylvania der Theologe John A. Hardon SJ geboren. Als Theologe zeichnete er sich durch Tiefe und Treue zum Lehramt aus. Er starb am 30. Dezember 2000 in Michigan. Kardinal Raymund Burke leitete 2005 seinen Seligsprechungsprozess ein. Viele seiner Artikel sind online erreichbar.


17. Juni
Naturalistische Ethik

Auf meinen Artikel über die Unmöglichkeit einer naturalistischen Erklärung von “gut” und “böse”, der in der Internationalen katholischen Zeitschrift Communio erschienen ist, habe ich bereits hingewiesen. In der Rezension der Zeitschrift, die am 5. Juni in der Tagespost erschien, geht der Rezensent Michael Karger auf meinen Artikel ein und schreibt darüber:

“Auf knapp vier Seiten tritt im selben Heft Engelbert Recktenwald, ein Schüler des Philosophen Robert Spaemann, dem Naturalismus entgegen. Der Verfasser kann belegen, dass selbst ein kämpferischer Atheist wie R. Dawkins absolute Wertmaßstäbe voraussetzt, wenn er etwa behauptet, dass ein Gott, der so viel Leid zulasse, wie es die Menschheit bisher zu tragen hatte, unmöglich gut sein kann. Für einen Evolutionisten wie Dawkins sind „Gut“ und „Böse“ allerdings gar nicht vorhanden. Sie sind für ihn nur ein Trick der Evolution, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Wenn es aber keine moralischen Qualitäten gibt, dann dürfen sie auch nicht auf Gott angewandt werden. Auf diesen Denkfehler macht der Ordenspriester Recktenwald aufmerksam. Fällt Dawkins aber trotzdem moralische Urteile über Gott, dann zeige dies, dass es eine Selbstevidenz sittlicher Werte gibt, „der sich auch die Naturalisten nicht entziehen können“. An einem Beispiel macht der Verfasser deutlich, wie wenig das naturalistische Denken unsere moralische Intuition erreicht. Wenn wir nämlich „grausame Kindesmisshandlung ,abscheulich‘ nennen, meinen wir nicht: dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Überlebensinteresse der menschlichen Art, sondern wir qualifizieren die Handlung ausschließlich im Zusammenhang dieses Kindes, dem Unrecht geschieht“. Mit einem moralischen Urteil meinen wir eben etwas ganz anderes als einen Evolutionsvorteil. Unser ursprüngliches Wissen um das Gesolltsein des Guten werde im Naturalismus nur durch das Konzept eines „moral-analogen Verhaltens“ ersetzt.”


17. Juni
Karl Maria Harrer

Vor einem Jahr, am 17. Juni 2013, starb in Altötting im Alter von 86 Jahren Pfr. Karl Maria Harrer. Er war Gründungspfarrer der Pfarrei St. Bruder Klaus in München-Waldperlach, wo er von 1963 bis 1996 wirkte. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schriftenreihen über die schönsten Mariengeschichten, die schönsten eucharistischen Wunder und Erlebnisse mit der Wundertätigen Medaille.

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