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* * *

1. Oktober
Gewalttätig

Permanent versuchte eine Gruppe, den Marsch mit Sitzblockaden und gezielten Attacken aufzuhalten. Einige entrissen den Lebensschützern sogar die Kreuze. Ich habe selbst gesehen, wie ein solches Kreuz an einem Bordstein vor dem Brandenburger Tor zertreten wurde. “Scheiß politisches Christentum”, rief derjenige, der das tat. Zuvor hatte es einen Anschlag auf den Bundesverband Lebensschutz gegeben. Den als Redner geladenen CDU-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Behinderten-Beauftragten Hubert Hüppe traf ein roter Farbbeutel am Hinterkopf. Nicht einmal der Abschluss-Gottesdienst blieb von den Störaktionen verschont.

Christian Soyke in seinem Kommentar zum diesjährigen Berliner "Marsch für das Leben" Ein Marsch, der Zeichen setzt, in: Neue Bildpost vom 27./28. September, S. 8.

Felix Honekamp schreibt in seiner Rückschau auf den Marsch: “Womöglich fragen sich Linke und sogenannte Humanisten in Zukunft doch, ob sie Gegendemonstranten tatsächlich ideologisch und finanziell aufrüsten wollen, wenn die sich benehmen wie eine rot lackierte SA und wirklich niemand mehr objektiv einen Zweifel haben kann, auf welcher Weise eigentlich die toleranten Zeitgenossen stehen.”

Zu den Unterstützern der Gegenkundgebung gehört auch pro familia.

Für 2015 ist der Marsch für das Leben für den 19. September geplant.


1. Oktober
Gender Mainstreaming XLV

Die perversen Phantasien, die in der Mehrzahl der Genderköpfe rumspuken, dass eines Tages die Klonerei den verabscheuten Geschlechtsakt überflüssig machen könnte, muss man nicht vornehm übersehen, sondern ganz im Gegenteil, man muss den Finger in diese perverse Wunde legen. Bei all dem Geschwafel vermeiden es die Genderisten regelmäßig, anders als Alice Schwarzer es getan hat, vom Geschlechtsakt auch nur zu sprechen. Dennoch wird dieser, ganz im Sinne von Schwarzer, ganz selbstverständlich als Ausübung männlicher Herrschaft über die Frau angesehen.

Aus: Bettina Röhl, Der Irrsinn der Entmännlichung unserer Gesellschaft, Wirtschaftswoche vom 9. Juli 2013

Weitere Infos über GM


30. September
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

42. Folge

Es wird nämlich gesagt, daß im gefallenen Menschen nicht das geringste Gute, so dürftig auch dasselbe gedacht werden möge, zurückgeblieben sei [74]; daß die verdorbene Natur aus sich und ihren Kräften vor Gott nur sündigen könne [75]; daß der gefallene Mensch ganz böse sei [76]. Nun befremdet auch die Vorstellung nicht mehr, daß alle sogenannten wirklichen oder persönlichen, mit Selbstbewußtsein begangenen Sünden nur die einzelnen Formen und Erscheinungen der Erbsünde seien, gleichsam die Äste, Zweige, Blüten und Früchte des bösen Stammes und seiner Wurzel [77]. Die Katholiken lassen auch bei dem gefallenen und nicht wiedergeborenen Menschen den Übergang von der Erbsünde zur wirklichen durch die Freiheit vermittelt werden, welche die Kraft besitzt, dem fleischlichen Hange nicht ganz erfolglos und auch nicht bloß auf eine äußerliche Weise entgegenzuarbeiten, obgleich sie, sich selbst überlassen, nicht so viel vermag, vollkommene, ihrem inneren Wesen nach ganz sittlich-gute, und somit gottgefällige Handlungen zu setzen.

[74] Solid. Declar. I. de peccat. orig. § 21. p. 716. 717. werden diejenigen als Irrlehrer bezeichnet, die da sagen: adhuc aliquid boni, quantulumcunque etiam, et quam exiguum atque tenue id sit, reliquum habere.

[75] Solid. Declar. l. c. § 22. Insuper etiam asserunt, quod natura corrupta ex se viribus suis coram Deo nihil, nisi peccare possit.

[76] Solid. Declar. II. de lib. arbitr. § 14. p. 632. Docent, ut ex ingenio et natura sua totus sit malus.

[77] Melancht. loci p. 19. Scriptura non vocat hoc originale, illud actuale peccatum: est enim et originale peccatum plane actualis quaedam prava cupiditas etc. Luth. Werk. Wittenb. II. Th. 1551. S. 335 "Und möcht auch wohl ein Erzsünde oder Hauptsünde genannt werden, deshalb, daß sie nicht eine Sünde ist, die da getan wird als eine andere, sondern sie ists allein, die alle andere Sünde tut und treibet, von welcher alle andere Sünden herkommen, und nichts anderes, denn nur Früchte dieser Erbsünde oder Erzsünde.” Diese Schrift hat den Justus Menius zum Verfasser, Luther’n aber zum Vorredner. In der Schrift: die Grundlehren der christlichen Dogmatik von Marheineke, zweite Aufl. § 267. Seite 158. findet sich jetzt noch ganz dieselbe Vorstellung, wenigstens dieselbe Redensweise. Es ist eben soweit gefehlt, wenn die Sünde der Natur mit der Sünde der Person identifiziert, als wenn die letztere von der ersteren getrennt wird. Es herrscht hier derselbe Fehler, wie in der schroffen Entgegensetzung von Nominalismus und Realismus.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


30. September
Keine Nachricht wert

Wenn 5000 Lebensschützer unter Polizeischutz durch Berlin ziehen, ist das dem deutschen Nachrichtenmagazin Tagesschau.de keine Nachricht wert. Völlig anders ist es, wenn 1000 Homosexuelle unter Polizeischutz durch Belgrad ziehen. Dann wird berichtet.

Dr. Josef Bordat in seinem Blog am 29. September


29. September
Entsetzen über das ZDF

Schon während der Kundgebung war ich entsetzt von der mangelnden Objektivität der dort anwesenden Kamerateams des ZDF. Anstatt ihre Linsen auf die zahlenmäßig weit überlegenen Teilnehmer des Marsches zu richten, filmten und interviewten diese fast ausschließlich die Gegendemonstranten und man konnte den Verantwortlichen sichtbar die Freude darüber ablesen, wie bereitwillig sich diese zu entsprechenden Sprechchören anregen ließen.

Aus dem Beitrag Beim Marsch für das Leben von Clara Wehler, in der Tagespost vom 27. September 2014. Hinzu kommt, dass das ZDF in seiner Satire-Sendung heute-show den Engagement der Lebensrechtler auf dem Berliner Marsch für das Leben am 20. September 2014 verhöhnte, die aggressiven Gegendemonstranten dagegen als Opfer von Polizeigewalt darstellte.

Weitere Fernsehkritik


29. September
Karl von Blois

Vor 650 Jahren, am 29. September 1364, starb im Alter von etwa 45 Jahren der selige Karl von Blois, Herzog von Bretagne. Er “geriet im Erbfolgekrieg mit Jean de Montfort um das Herzogtum Bretagne 1347 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1356 befreit wurde” (G. Allemang im LThK, 1. Auflage). Er fiel in der Schlacht von Auray. 1904 wurde sein Kult bestätigt.


28. September
Der Geist des Konzils

Ein Blick auf seine Deutungsgeschichte

Von Bischof Rudolf Voderholzer

Im Rahmen der Erarbeitung einer reflektierten Verstehenslehre hinsichtlich der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils hat sich seit geraumer Zeit die Rede vom „Geist des Konzils“ eingebürgert. Bestimmte Lehren oder Maßnahmen in der Kirche entsprächen entweder oder widersprächen dem „Geist des Konzils“, so lautet eine häufig vorgetragene Qualifizierung. Auch ist in der Regel die Berufung auf den „Geist des Konzils“ ihrerseits nicht weiter begründungspflichtig, sondern eine Art Machtwort. Mit der Berufung auf den „Geist des Konzils“ hat die letzte Instanz gesprochen.

Auch sagt man gewiss nichts gänzlich Unbelegbares, wenn man behauptet, dass die Berufung auf den „Geist des Konzils“ zumindest gegenwärtig eher in sogenannten progressiven Kreisen anzutreffen ist, die Vorbehalte dagegen eher von Konzilsinterpreten stammen, die stärker die Kontinuität der Lehrverkündigung betonen.

Bemerkenswert ist, dass es wohl bei keinem der früheren Konzilien eine vergleichbare Rede von einem „Geist des Konzils“ gegeben hat. Gewiss, das erste Nizänum war bald nach seiner Verabschiedung wieder umstritten. Aber statt sich auf einen „Geist des Konzils“ zu berufen, hat man versucht, gleich den Buchstaben selbst zu verändern, indem man das „homoousios“ in ein „homöousios“ verwässern wollte. Das Tridentinum war offensichtlich in seinem Buchstaben hinreichend eindeutig, auch wenn es mancherorts lange gedauert hat, bis es umgesetzt wurde. Gibt es aber im Zusammenhang mit einem anderen Konzil die Rede von dessen Geist in Spannung zum Buchstaben? Es sei denn, wir projizieren aus unserer heutigen Wahrnehmung diese Denkfigur zurück? Sieht man nun näher zu, zeigt sich, dass die Häufigkeit der Berufung auf den „Geist des Konzils“ in einem merkwürdigen Kontrast steht zur Bemühung, Auskunft darüber zu geben, was oder wer dies denn nun eigentlich sei, der „Geist des Konzils“, wo man seiner habhaft werden, wie man ihn empfangen oder näher bestimmen und somit dem Vorwurf entgehen könne, nur die jeweils eigene Lieblingsidee damit zu identifizieren. Es gibt keine wissenschaftliche Arbeit, die sich dieser Frage in aller Gründlichkeit gestellt hätte.

Immerhin: Der „Geist des Konzils“ taucht als Interpretationsfigur bereits während des Konzils auf. Nach dem Tod von Johannes XXIII. liest man in Presseorganen erstmals 1963 vom „Geist des Konzils“, und zwar mit der deutlichen Zielsetzung, dem Konzil die engagierte Fortführung des unter Johannes XXIII. begonnenen zu empfehlen. Der römische Korrespondent der FAZ schreibt in der Ausgabe vom 22. November 1963: „Hier aber geht es darum, die Kommissionen mit dem ,Geist des Konzils‘ in Übereinstimmung zu bringen. Die Kommissionen, allen voran die Theologische Kommission (Kardinal Ottaviani), erwiesen sich bisher als das hemmende Element, von geringen Ausnahmen abgesehen, zu denen das Sekretariat Bea, die Liturgische Kommission und die Kommission für das Laienapostolat gehören.“ Bemerkenswert ist, dass hier vom „Geist des Konzils“ gesprochen wird ohne einen erkennbaren Hinweis darauf, dass es sich um einen neuen Begriff handelt. Diesen Fund verdanken wir der liebevollen Gestaltung des nach wie vor unveröffentlichten Konzilstagebuchs von Otto Semmelroth, der besondere Tage und Ereignisse während des Konzils dadurch gewürdigt hat, dass er Zeitungsausschnitte dazuklebte.

Ein weiteres Beispiel ebenfalls aus dem Konzilstagebuch von Semmelroth wäre ein Beitrag aus der FAZ vom 4. November 1964, wo wiederum „Geist des Konzils“, hier allerdings in der Formulierung „der neue Geist, der hinter allem steht“, also schon während der Entstehung des Konzils, in diesem Fall während der dritten Konzilssession, auftaucht.

Die zweite bemerkenswerte Tatsache ist, dass sich Papst Paul VI. diese Redefigur zu Eigen gemacht hat. Die Rede vom „Geist des Konzils“ ist interessanterweise sehr früh vom Konzilspapst Paul VI. selbst aufgegriffen worden. Man kann seine Einführung also nicht allein Konzilsinterpreten oder gar der sich um die Zeitschrift Concilium versammelnden Theologengruppe zuschreiben, wie man dies vielleicht zunächst vermuten würde. Aufgrund seiner sehr frühen päpstlichen Rezeption ist die Denkfigur ernst zu nehmen. Wenn der Papst selbst vom „Geist des Konzils“ spricht, kann man es nicht als eine unzulässige Interpretationsfigur kritisieren.

Die erste Verwendung bei Paul VI. steht in seiner Eröffnungsrede zur vierten Konzilssessio vom 14. September 1965. Der Papst macht darin in einer Passage auf das Schicksal der Kirche in der Verfolgung aufmerksam. Immerhin war es einer nicht geringen Zahl von Bischöfen aus politischen Gründen nicht möglich, zum Konzil zu erscheinen, manche saßen womöglich wegen ihres Glaubens im Gefängnis. Die zweifache Reaktion des Papstes, ein doppelter Akt der Liebe, wie Paul VI. sich ausdrückt, ist zum einen der herzliche Gruß an die Bischöfe in der Verfolgung als Zeichen der Ermutigung und zum anderen die Erinnerung an die ganze Kirche, auch die Feinde zu lieben und für sie zu beten. Diese zweifache Reaktion wird als Ausdruck der Treue zum „Geist des Konzils“ eingeführt. Ist diese Verwendung noch eher beiläufig und kaum gezielt, handelt es sich bei der zweiten Verwendung bereits eher um eine programmatische Aussage.

Bei der Ansprache in der Öffentlichen Sitzung vom 18. November 1965 lässt Paul VI. das Auditorium mit dem Problem zurück, dass er eine Unbekannte mit einer anderen erklärt. Paul VI. ist sich des Umstands bewusst, dass die Kirche an der Schwelle zwischen der Erarbeitung der Konzilstexte und seiner künftig zu leistenden Umsetzung steht. Immerhin war die Zielgerade erreicht und der Abschluss für den 8. Dezember angesetzt. Der Papst blickt zurück, rekapituliert die zurückliegenden Jahre, erkennt darin drei Phasen und bestimmt die gegenwärtige Phase als die „der Vorsätze, Annahme und Durchführung der Konzilsdekrete“. Diese Phase sei die des eigentlichen Aggiornamento, also der eigentlichen Verheutigung. Diesem Wort, so Paul VI. schon durchaus in Abgrenzung zu bestimmten Deutungen, habe Johannes XXIII. durchaus „nicht die Bedeutung geben wollen, die ihr vielleicht jemand beilegen möchte, als besage es etwa die Relativierung all dessen, was die Kirche beinhaltet, Dogmen, Gesetze, Strukturen, Traditionen, gemäß dem Geist der Welt“. Der „Geist des Konzils“ wird dem „Geist der Welt“ entgegengestellt – eine fast johanneische Dualität. „In Wirklichkeit“, so fährt der Papst fort, „war in ihm der Sinn für die Stabilität der Lehre und der Struktur der Kirche so lebendig, dass er sie zum Angelpunkt seines Denkens und seines Wirkens machte. Aggiornamento will von jetzt an sagen: alles klug mit dem ,Geist des Konzils‘ durchdringen und gewissenhaft die Normen anwenden, die es aufgestellt hat.“ Abgesehen davon, dass hier der Begriff Aggiornamento durch den Begriff „Geist des Konzils“ aktualisiert und damit ein zu klärender Begriff durch einen anderen ebenso mehrdeutigen erklärt wird, sollte doch festgehalten werden, dass Paul VI. das nunmehr notwendige Aggiornamento, also die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse im Sinne der Durchdringung des kirchlichen Lebens mit dem „Geist des Konzils“, an die gewissenhafte Anwendung der konziliaren Normen knüpft.

Zweiter Teil folgt

Wir bringen diesen Text mit freundlicher Genehmigung der Tagespost, die ihn in ihrer Ausgabe vom 8. März 2014 veröffentlicht hat. Es handelt sich bei diesem Text gemäß Auskunft der Tagespost um einen Auszug aus dem Vortrag Der Geist des Konzils - Überlegungen zur Konzilshermeneutik, den Bischof Rudolf Voderholzer am 24. Januar 2014 beim Konzilssymposium der Theologischen Fakultät Trier gehalten hat. Im Original gehen ihm grundsätzliche Ausführungen zur Konzilshermeneutik voraus, und es schließen sich Ausführungen zur einer Kriteriologie zur Bestimmung des Konzilsgeistes an.

Zum Thema: Der Streit um das Konzil


27. September
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Siebter Teil

Unter den Streitschriften jener Tage machte namentlich der „Athanasius“ Josephs von Görres einen gewaltigen Eindruck. Die Bischöfe von Münster und Paderborn widerriefen zu Anfang Januar 1838 ihre Zustimmung zu der Geheimen Convention. Auch alle anderen Bischöfe traten in der Angelegenheit der gemischten Ehen von der eingerissenen sogen. mildern Praxis zurück; nur der Fürstbischof von Breslau, Graf [Leopold] von Sedlnitzky [seit 1836 Fürstbischof], legte lieber sein Amt (am 25. Dezember 1840) nieder. Inzwischen brach auch in der Erzdiözese Posen-Gnesen der Konflikt wegen der gemischten Ehen aus. Erzbischof Martin von Dunin [1831-1842] verbot allen Geistlichen bei Strafe der Suspension gemischte Ehen anders als unter den kirchlichen Bedingungen einzusegnen. Vom Posener Oberlandesgericht verurteilt, wurde der Erzbischof am 20. Oktober 1839 nach der Festung Kolberg abgeführt. Dem Vorgehen gegen den Kölner Erzbischof fehlte vollständig die gesetzliche Unterlage, da der in der Rheinprovinz geltende Code pénal keine Handhabe zu strafrechtlicher Verfolgung bot. Eine den Ereignissen nachhinkende Kabinettsordre vom 9. April 1838 bestimmte, daß „Personen, die sich beikommen lassen, Erlasse auswärtiger geistlicher Oberen zu überbringen, zu übersenden oder zu befördern, oder Vorschub dazu zu leisten, sofort unter Vorbehalt weiterer Untersuchung und Bestrafung zu verhaften und nach Bewandtnis der Umstände in eine Festung abzuliefern“ seien. Eine durch Kabinettsordre vom 17. Februar 1838 angeordnete Kommission legte bereits am 12. Mai desselben Jahres drei ein vollständiges System staatlicher Bevormundung der katholischen Kirche enthaltende Verordnungsentwürfe vor, deren Beratung der Staatsrat am 14. Januar 1839 beendete. Friedrich Wilhelm III. starb vor der Vollziehung dieser Verordnungen (7. Juni 1840).

Friedrich Wilhelm IV. [1840-1861] legte diese Verordnungen zu den Akten und zeigte sich alsbald nach seinem Regierungsantritt eifrig bemüht, den Frieden zwischen Staat und Kirche herzustellen. Sein ernst christlicher Sinn, seine ideale Auffassung von der Aufgabe der Kirche und sein Verständnis für Volkspsychologie befähigten diesen Monarchen in hohem Maße zu einer ausgleichenden Tätigkeit auf dem schwierigen Gebiete der Grenzregulierung zwischen Staat und Kirche. Erzbischof von Dunin durfte sein Amt wieder antreten; dem Erzbischof Clemens August, welcher in einem von der preußischen Staatszeitung veröffentlichten königlichen Schreiben eine förmliche Ehrenerklärung erhielt, wurde im Einverständnisse mit dem Apostolischen Stuhle ein Coadjutor gegeben in der Person des damaligen Bischofs von Speyer, Johannes Geissel, nachdem über die wichtigsten grundsätzlichen Streitpunkte eine Verständigung erzielt worden war. Insbesondere sollte die Behandlung der gemischten Ehen der kirchlichen Autorität ohne Einmischung der Staatsregierung überlassen bleiben. Das Breve Pius' VIII. vom 25. März 1830 gelangte auch in den übrigen preußischen Diözesen unbehindert zur Ausführung. Durch eine königliche Kabinettsordre vom 1. Januar 1841 wurde den Bischöfen der freie Verkehr mit Rom gestattet, durch eine weitere königliche Entschließung vom 12. Februar 1841 im Kultusministerium eine aus katholischen Räten bestehende eigene Abteilung für die katholischen Angelegenheiten errichtet.

Von größter Bedeutung für die Entwicklung der katholischen Kirche in Preußen waren die auf das Verhältnis von Staat und Kirche bezüglichen Bestimmungen der Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850. Insbesondere gewährleistete Art. 12 die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschaften und der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religionsausübung. Art. 15 bestimmte: „Die evangelische und die römisch-katholische Kirche sowie jede andere Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbstständig und bleibt im Besitz und Genuß der für ihre Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und Fonds.“ Art. 16: „Der Verkehr der Religionsgesellschaften mit ihren Oberen ist ungehindert. Die Bekanntmachung kirchlicher Anordnungen ist nur denjenigen Beschränkungen unterworfen, welchen alle übrigen Veröffentlichungen unterliegen.“ Art.18: „Das Ernennungs-, Vorschlags-, Wahl- und Bestätigungsrecht bei Besetzung kirchlicher Stellen ist, soweit es dem Staate zusteht und nicht auf dem Patronat oder besonderen Rechtstiteln beruht, aufgehoben.“ Art. 24: „Bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen sind die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen. Den religiösen Unterricht in der Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschaften.“

Dank dieser Bestimmungen, welche der preußische Episkopat unter Führung des Erzbischofs von Geissel weise zu benützen verstand, gelangte die katholische Kirche in Preußen bald zu segensreicher Entfaltung und hoher Blüte. An Störungen des förderlichen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche fehlte es gleichwohl nicht. Namentlich versuchte die in den Kammern überwiegende konservative Partei den mit der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der Bekenntnisse unverträglichen Satz von dem „evangelischen Staate Preußen“ aufzustellen und praktisch zur Geltung zu bringen. Die v. Raumer'schen [Karl Otto von Raumer, 1805-1859, preußischer Kultusminister von 1850 bis 1858] Ministerialerlasse vom 22. Mai und 16. Juli 1852 verboten bzw. beschränkten die Abhaltung von Missionen, das Studium im römischen Collegium Germanicum und die Zulassung von Jesuiten, während eine Denkschrift des evangelischen Oberkirchenrates „Über die Vermehrung der Dotation der evangelischen Kirche in Preußen“ die Verpflichtung des Staates behauptete, alles dasjenige, was der evangelischen Kirche zur Befriedigung ihrer kirchlichen Gesamtbedürfnisse noch fehle, aus allgemeinen Mitteln zuzuschießen. Mit guten Erfolge trat die am 30. November 1852 gegründete katholische Fraktion unter Führung der Brüder August und Peter Reichensperger diesen auf Verkümmerung des jungen Verfassungsrechts gerichteten Bestrebungen im Abgeordnetenhaus entgegen. Auch ein höchst peinlicher Zwischenfall, welcher durch einen Erlaß des Ministers von Westphalen [Ferdinand von Westphalen, preußischer Innenminister von 1850 bis 1858] vom 11. Mai 1854 herbeigeführt wurde, fand schließlich in befriedigender Weise Erledigung. Dieser an die Oberpräsidenten mit Ausnahme des katholischen Oberpräsidenten von Duisburg in Münster gerichtete Erlaß nahm Bezug auf eine in Berlin eingegangene vertrauliche Anzeige, wonach der katholische Klerus mit der Demokratie gemeinsame Sache mache, um in russenfeindlichem Sinne auf die Gemüter einzuwirken, und sich von Frankreich aus in gleichem Sinne beeinflussen lasse. Als der Erzbischof von Köln in Verbindung mit den Bischöfen von Trier, Paderborn und Münster eine sehr scharfe Vorstellung an das Staatsministerium gegen diese Denunziation und das den Bischöfen und Geistlichen durch die Berücksichtigung derselben bekundete Mißtrauen sich wandte, drückte schließlich der Minister in einem Schreiben vom 4. März 1855 wiederholt das lebhafte Bedauern aus, welches er „über die infolge der unbefugten Veröffentlichung jenes vertraulichen Erlasses unter dem katholischen Klerus hervorgerufene Mißstimmung zu teilen nicht umhin“ könne.

wird fortgesetzt

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26. September
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Achte und letzte Folge

Von hier aus können wir nun einen hellen Durchblick durch die eigentümliche Natur des Urteils gewinnen. Jedes Urteil bezieht sich notwendig auf irgendeinen Gegenstand. In der Wahl des Gegenstandes ist das Urteil an sich unbeschränkt frei. Da jeder Gegenstand unbeschränkt viele mögliche Sachverhalte darbietet, so kann nun ein Urteil über einen, aus der unendlichen Menge möglicher Gegenstände frei gewählten, Gegenstand auch irgendeinen der unbeschränkten Menge möglicher Sachverhalte frei wählen. Aber nachdem es so selbstherrlich an die Gegenstände und die Sachverhalte herangetreten ist, muß es nun auf Grund seines eigenen Wesens, auf Grund seines Anspruches auf Wahrheit, sich in seinem konkreten Gehalt absolut und vollständig dem frei gewählten Gegenstand und seinem Verhalten unterordnen, es muß sich ihm absolut sklavenhaft, mit der größten Behutsamkeit anschmiegen. Es liegt im Wesen des Urteils, seine Selbstherrlichkeit gegenüber der Gegenstandswelt von sich aus frei und absolut aufzugeben und in diesem Sinne absolut objektiv sein zu wollen.

Das redliche Wahrheitsstreben wird daher bei der Aufstellung von Urteilen zum Kriterium ihrer Wahrheit nicht die schon vorhandenen und für wahr gehaltenen Urteile des Lebens und der Wissenschaften nehmen, wird nicht ausschließlich die Widerspruchslosigkeit mit diesen Urteilen zum entscheidenden Maßstab gebrauchen, wird nicht die Beweisbarkeit durch derartige Urteile allein entscheiden lassen, wird nicht die Meinungen vieler, aller oder gewisser autoritativer Menschen den Richter über die Wahrheit neuer Urteile bilden lassen, wird aber auch nicht die angenehme oder unangenehme Gefühlswirkung, nicht die Lebensförderung oder Lebensschädigung, die von den Urteilen ausgehen können, verwechseln mit der Wahrheit des Urteils, sondern es wird sich zunächst den zu beurteilenden Gegenständen und Sachverhalten so nahe und so unvoreingenommen als möglich zuwenden und nun in möglichst behutsamer und sorgfältiger Anschmiegung an die Gegenstände und ihr Verhalten die Urteile bilden oder prüfen. Es wird vor allem nicht verwechseln die Aussagen eines »Wahrheitsgefühls« oder den Wahrheitsschein mit dem Wahrsein; und nicht das bloße Fürwahrhalten mit der Einsicht in die Wahrheit eines Urteils.

Das Wahrheitsurteil, das von einem Urteil ausdrücklich behauptet, daß es wahr sei, ist also ein Relationsurteil, das seinen Subjektsgegenstand, nämlich das betreffende Urteil, in eine bestimmte Relation zu dem Verhalten desjenigen anderen Gegenstandes setzt, der von dem beurteilten Urteil betroffen wird. Die Prädikatsbestimmtheit des Wahrheitsurteils ist die Relationsbestimmtheit »wahr«. Diese wird durch den Prädikatsbegriff »wahr« und durch die Kopula »ist« hinbezogen auf den Subjektsgegenstand, nämlich auf das beurteilte Urteil, und behauptend mit ihm in eine bestimmte sachliche Einheit gesetzt. Das Wahrheitsurteil entspricht also ebenfalls der allgemeinen Formel des Urteils »S ist P«, indem es sowohl einen Subjektsbegriff als auch einen Prädikatsbegriff und den doppelt funktionierenden Kopulabegriff enthält.

Nachdem nun das allgemeine Wesen des Urteils klargestellt ist, sei noch kurz, bevor wir in die Betrachtung der verschiedenen einzelnen Arten von Urteilen eintreten, darauf hingewiesen, welche Urteile in einem sprachlich ausgedrückten Urteil impliziert sind.

Die in einem Urteil implizierten Urteile

Die Frage nach der Implikation von Urteilen in einem vorgegebenen Urteil betrifft das allgemeine Problem, welcher Umkreis von Urteilen notwendig mit der Wahrheit eines bestimmten Urteils ebenfalls wahr ist. Dieses Problem aber gehört in die Lehre von den unmittelbaren Schlüssen und kann daher erst später behandelt werden. Hier sei nur an einem besonderen Beispiel näher ausgeführt, daß schon ein scheinbar einfaches Urteil eine ganze Reihe anderer Urteile implizieren kann. Diese implizierten Urteile gehören dann allerdings mit zu dem vollen Bedeutungsgehalt des bestimmten Urteils. Aber sie bilden nicht dessen entfalteten Sinn. Gerade weil sie jedoch in ihm enthalten sind, so bieten sie die verführerische Gelegenheit, dieses oder jenes von ihnen mit dem entfalteten Sinn des Urteils zu verwechseln und so das Urteil in ein ganz anderes umzudeuten. Bei der Deutung eines gegebenen Urteils muß man also genau unterscheiden, ob man auch wirklich seinen entfalteten Sinn oder nur diesen oder jenen der in ihm implizierten Sinne mit der Ausdeutung trifft.

Als Beispiel sei ein einfaches positives Bestimmungsurteil, nämlich das Urteil: »Dies ist Schwefel« genommen. Dieses sprachlich ausgedrückte Urteil enthält in sich implizite mindestens folgende verschiedenen Urteile:

1. Das Bestimmungsurteil: »Dies ist ein körperlicher Stoff.«

2. Die attribuierenden Urteile: »Dies ist ausgedehnt, schwer, gelb, harzglänzend«, wenn der Begriff »Schwefel« nicht nur die bestimmte Stoffart, sondern zugleich die ihr zukommenden Eigenschaften »ausgedehnt, schwer, gelb und harzglänzend« mitmeint.

3. Die Existenzialurteile: »Dies existiert« und »Schwefel existiert«, wenn das »Dies« die Existenzialmeinung in sich schließt.

4. Die Relationsurteile: »Dies ist ähnlich oder gleichartig bestimmten anderen Körperdingen«, wenn im gegebenen Falle der Begriff »Schwefel« nicht nur eine bestimmte Stoffart, sondern zugleich auch andere Dinge meint, die ebenfalls diese Stoffart zeigen.

Außer diesen Ähnlichkeitsrelationsurteilen enthält das Urteil weiter das »Benennungsurteil«, also das intentionale Relationsurteil: »Dies heißt im Deutschen Schwefel«, insofern in dem sprachlichen Ausdruck des Urteils das deutsche Wort »Schwefel« in seinem sprachgebräuchlichen Sinn genommen zu sein beansprucht.

Es ist außerdem impliziert das intentionale Begriffsurteil »Dies fällt unter den Begriff Schwefel«, weil das, was tatsächlich Schwefel ist, auch unter den Begriff »Schwefel« fällt.

Schließlich impliziert das Urteil noch die Behauptung: »Dies gehört zu der Klasse von Dingen, die aus Schwefel bestehen«, weil jeder bestimmten Stoffart eine Klasse von Dingen aus dieser Stoffart entspricht, und jedes Ding, das von dieser Stoffart ist, auch zu dieser Klasse von Dingen gehört.

Zum bisher Erschienenen


25. September
Michael Davies

Vor zehn Jahren, am 25. September 2004, starb im Alter von 68 Jahren Michael Davies, der im englischen Sprachraum der wortmächtigste Verteidiger von Erzbischof Lefebvre war, ähnlich wie Jean Madiran in Frankreich und Eduard Kamenicky im deutschen Sprachraum. Alle drei hielten 1988 Lefèbvres Weihen von vier Bischöfen und seine Ablehnung einer bereits ausgehandelten Versöhnung mit Rom für einen schwerwiegenden Fehler.


25. September
Mateo Crawley-Boevey

Vor 100 Jahren, am 25. September 1914, weihte in Paray-le-Monial P. Mateo Crawley-Boevey SSCC, der Begründer der Herz-Jesu-Thronerhabung, sich und sein Wirken dem heiligsten Herzen Jesu. Im Internet scheint es den Text des wunderschönen Weihegebetes nur in englischer Sprache zu geben.


25. September
Entweltlichung

Heute vor drei Jahren, am 25. September 2011, hielt Papst Benedikt XVI. in Freiburg seine berühmte Rede, in der er das Stichwort “Entweltlichung” zu einer Kirchenerneuerung gab, die diesen Namen verdient. Diese Rede ist deshalb viel kritisiert worden. Mit der Kritik habe ich mich in einem eigenen Artikel auseinandergesetzt.


24. September
Liebe im Koran

Im Koran kommt das Wort Liebe 47 Mal vor, aber 44 Mal in negativer Form: Allah liebt nicht den, der sich nicht muslimisch verhält. Und die anderen drei Male beziehen sich nur auf Muslime. In diesem Gottesbild sind Toleranz und Achtung der Freiheit des anderen nicht so sehr im Mittelpunkt.

Jürgen Liminski in: Dschihad in deutschen Straßen, neue bildpost vom 20./21. September 2014


24. September
Ist Islam Barmherzigkeit?

Extremisten, die ihre Gräueltaten im Namen des Islams legitimieren, berufen sich auf einzelne koranische Verse, die sie aus ihrem textlichen und historischen Kontext herausreißen, um ihr Vorgehen religiös zu begründen. Der Koran, ähnlich wie die Bibel, wurde in einem bestimmten historischen Kontext verkündet und spricht bestimmte Ereignisse an, darunter auch kriegerische Auseinandersetzungen im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel. Eine Lesart des Korans, die diese historische Kontextualisierung verweigert, bietet eine Grundlage für Missbrauch. Letztendlich sagt die 21. Sure des Koran zum Verkündungsauftrag des Propheten Mohammeds: „Wir [Gott] haben dich [Mohammed] lediglich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt“, und das ist der Selbstanspruch des Korans an Mohammeds Verkündung. Jede Lesart seiner Biografie, die diesem Kriterium der Barmherzigkeit widerspricht, ist zurückzuweisen.

Prof. Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler an der Universität in Münster und Autor des 2012 erschienenen Buches Islam ist Barmherzigkeit, in seinem Kontra-Beitrag in der Pro&Kontra-Rubrik von IdeaSpektrum zur Frage Ist Gewalt im Islam angelegt?, IdeaSpektrum vom 17. September 2014, S. 15. Gegen Khorchides “Theologie der Barmherzigkeit”, die er in seinem Buch darlegt, hat der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am 17. Dezember 2013 Stellung genommen und ist in einem Gutachten zur Schlussfolgerung gelangt, dass sie “weder mit dem dahinter stehenden wissenschaftlichen Anspruch, noch mit Khorchides Selbstverpflichtung zur bekenntnisgebunden Islamtheologie konform geht.”


24. September
Was bedeutet Distanzierung?

So kommt es vor, dass sich eine Gemeinde in Deutschland öffentlich vom IS-Terror distanziert, aber trotzdem die Bücher eines radikalen Islamisten wie Jussuf al-Karadawi verkauft und ihn den Jugendlichen als Vorbild präsentiert. Dieser Mann legitimiert das Töten israelischer Kinder durch Selbstmordattentate, verharmlost die Schoah und wünscht sich, Muslime sollten die „Arbeit“ von Hitler vollenden.

Der Palästinenser Ahmad Mansour in seinem Artikel Reinheit, Ehre, Todesverachtung. Muslime sollten ihre Religion reformieren. Der moderate Islam ist der radikalen Auslegung des Glaubens zu ähnlich, veröffentlicht im Spiegel 37/2014 vom 8. September 2014.


24. September
Vergehen an der Religion

„Unschuldige Menschen zu töten, zu foltern oder aus ihrer Heimat zu vertreiben, ist mit islamischen Werten nicht vereinbar. Wer dies trotzdem tut, ist ein Verbrecher, der sich nicht nur an der Menschlichkeit, sondern auch an seiner Religion vergeht.
Unsere Religion lehrt uns, Unterdrückten zu helfen, für ihr Leben, Hab und Gut einzustehen. Flüchtlinge aus diesen Ländern dürfen nicht allein gelassen werden. Sie brauchen unsere Solidarität und wohlwollende Aufnahme.“

Aus einer Pressemitteilung "VIKZ verurteilt jedwede Gewalt" des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) vom 5. September 2014 anlässlich des IS-Terrors im Irak und in Syrien.


24. September
Jugendvigil

Heute vor drei Jahren, am 24. September 2011, fand im Rahmen des Papstbesuches die Jugendvigil in Freiburg statt. Sie enthielt einen Programmpunkt, den ich äußerst kritikwürdig fand.


23. September
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Vierte Folge

Doch geht es uns hier weniger darum, den genauen Verlauf der Kontroverse zu verfolgen, als vielmehr den ideengeschichtlichen Hintergrund der hierokratischen Theorie zu untersuchen, um zu erkennen, wie sie ihren Charakter unter der Hand auf eine Weise ändert, daß sie eine der ursprünglichen Intention genau entgegengesetzte Wirkung entfaltet.

Welches sind die Argumente, die die Hierokraten für ihre Theorie ins Feld führen? Die biblische Argumentation ist für die Zeitgenossen unserer Kontroverse eine Selbstverständlichkeit, da für sie als gläubige Christen die göttliche Offenbarung eherne Norm des Denkens ist. Da jedoch die Ablehnung des Dualismus eine Neuerung gegenüber der traditionellen Auffassung darstellte, für deren Anhänger dasselbe gilt, kommen hier die biblischen Texte nicht als eigentlich inspirierende Quelle für die neuen Anschauungen in Betracht. Vielmehr erfahren umgekehrt die klassischen Bibelstellen im Lichte der neuen Theorie eine neue Deutung. Ein Beispiel ist die Deutung von Mt. 16, 19: "Quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in coelis; et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in coelis." Dieses Wort Christi an Petrus wurde stets im Sinne der geistlichen Jurisdiktion innerhalb der sichtbaren Kirche verstanden. Papst Innozenz IV. leitet daraus aber eine Urteilsbefugnis über die rechte Amtsführung des Kaisers ab und damit die Vollmacht, den Kaiser abzusetzen, wenn er sich in den Augen des Papstes als seines Kaisertums unwürdig erweist. In seiner Absetzungsbulle "Ad apostolicae dignitatis" vom 17. Juli 1245 beruft er sich ausdrücklich auf diese Stelle. Später wird das Binden und Lösen auf Erden wie selbstverständlich im Sinne einer iurisdictio temporalis verstanden, z.B. schon von Tholomeus von Lucca OP. Die Gegner der potestas directa in temporalibus dagegen erinnern an die alte Deutung, z.B. Remigius Girolami und Dante: Mt. 16, 16-19 beziehe sich auf die geistlichen Dinge. Remigius verweist im Gegenzug auf Mt. 22,21: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist", Dante auf Joh. 18,36: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Dieses dialektische Wechselspiel im Beibringen von Schriftzitaten ließe sich noch an vielen anderen Beispielen illustrieren. Wichtig für uns ist hierbei die Erkenntnis, daß in den meisten Fällen die bereits anderweitig gewonnene Überzeugung es ist, die darüber entscheidet, welche Deutung man den einzelnen Schriftaussagen gibt, welchen man die entscheidende Beweiskraft zuspricht und welche man in ihrer Bedeutung gegenüber der anderen relativiert.

Dennoch soll noch auf eine Schriftstelle eingegangen werden, nämlich auf Joh. 21,17: "Pasce oves meas." Hier überträgt der Herr dem Petrus auf feierliche Weise durch dreimalige Wiederholung die allgemeine Hirtengewalt über seine Schafe. Wenn nun Guido Vernani beispielsweise zu diesen Schafen auch den Kaiser zählt, dann knüpft er damit an eine alte Tradition an. Ist nicht dasselbe gemeint, wenn etwa schon Ambrosius den Kaiser einen Sohn der Kirche nannte und ihn in der bekannten Episode von 390 wegen des Gemetzels in Thessalonich der Bußgewalt der Kirche unterwarf? Genau dieser Sachverhalt aber war das Einfallstor für jene Konzeption der Eingriffsmöglichkeit "ratione peccati", die von den Kanonisten immer mehr zu einer ordentlichen rechtlichen Kompetenz ausgebaut wurde. Bei dem Kanonisten Rufin (+ um 1192) handelt es sich noch um eine reine Buß- und Absolutionsgewalt des Papstes über die Person des weltlichen Herrschers. Bei Innozenz III. aber wird sie bereits zum Examinations- und bei Innozenz IV. zum Absetzungsrecht. Der Umschlag zur potestas directa in temporalibus ist schließlich sehr schön zu beobachten bei Matthäus de Aquasparta. Er spricht dem Papst bereits allgemein die Urteilsbefugnis ratione peccati "de omni temporali" zu, um unmittelbar zur Unterscheidung zwischen executio und Besitz der zeitlichen Jurisdiktionsgewalt de iure überzugehen: "de omni temporali habet cognoscere summus pontifex et iudicare ratione peccati. Unde dico quod iurisdictio temporalis potest considerari vel prout competit alicui ratione actus et usus, vel prout competit summo pontifici, qui est vicarius Christi et Petri, de iure." Die Unterscheidung zwischen Besitz und Ausübung der Gewalt wird dann typisch für die hierokratische Theorie.

Dieses Beispiel soll zeigen, wie ein ursprünglich richtig gesehener Sachverhalt, sobald seiner Deutung eine bestimmte Richtung gegeben wird, eine Eigendynamik entfalten kann, die die Behandlung eines Problems immer mehr unter die Herrschaft der eigenen Perspektive reißt, so daß er zum alles beherrschenden und einzig entscheidenden Faktor der Untersuchung wird. Dies gilt nun in besonderem Maße für zwei Begriffe, aus denen heraus die hierokratische Anschauung immer stringenter entwickelt wird: der Papst als "vicarius Christi" und seine "plenitudo potestatis." Alle Hierokraten schlachten diese Begriffe in ihrem Sinne aus, indem sie ihnen einen Sinn unterlegen, der die Grenzen der ursprünglichen Bedeutung überschreitet. Die "plenitudo potestatis" deuten sie so, daß sie auch die direkte zeitliche Gewalt umfaßt. Dies wird von Jakob von Viterbo gerade mit dem vicarius-Christi-Titel begründet. Nach Aegidius Romanus kann der Papst wie Christus sprechen: "Data est mihi omnis potestas in celo et in terra" (Mt. 28,18), denn: "In potestate summi pontificis continetur omnis potestas sacerdotalis et regalis, celestis et terrena" (De ecclesiastica potestate, III, 10, S. 197). Bei Egidius Spiritalis wird die plenitudo potestatis zu einer absolutistischen Willkürherrschaft, die außer an den Glauben an kein Recht gebunden ist. Was dem Papst gefällt, hat Gesetzeskraft, denn: "apud eum erit pro ratione voluntas."

Wenn auch "vicarius Christi" und "plenitudo potestatis" die beiden Schlüsselbegriffe in der hierokratischen Argumentation darstellen, so ist dennoch damit noch nicht die tiefste theologische Wurzel des hierokratischen Systems angesprochen. Das ist vielmehr der Augustinismus.

Mit "Augustinismus" ist hier jene theologische Richtung gemeint, die im engen Anschluß an die Gnadenlehre des hl. Augustinus so sehr von der Notwendigkeit der Gnade überzeugt ist, daß ohne sie der Mensch vor Gott zu nichts Gutem fähig ist. Die Verderbnis seiner Natur infolge des Sündenfalls reicht so tief, daß der Mensch selbst zur Wiederherstellung einer rein natürlichen Integrität vollständig auf die Heilung durch die Gnade angewiesen ist. Sünde oder Gnade lautet die Alternative. Ein Zwischenbereich des bloß Natürlichen und Naturrechtlichen existiert nicht. Der entscheidende Gedankengang besteht nun in der Anwendung dieser Theologie auf die Frage des dominiums. Am konsequentesten ist dabei Aegidius Romanus vorgegangen. Nach ihm haben wir durch die Erbsünde - wie auch durch die persönliche Sünde - jedes Besitzrecht verloren. Herrschaft, "potestas", faßt Aegidius nach Analogie des Besitzrechtes ("possessio") auf, der Mittelbegriff ist "dominium." Durch die Sünde verliert der Mensch jedes Eigentumsrecht, und das heißt gleichzeitig: jede potestas. Der einzige Weg aber vom Zustand der Sünde in den der Gnade führt über die Taufe, dem "remedium contra originale", bzw. über das Bußsakrament, dem "remedium contra peccatum actuale", und das heißt: über die Kirche. "Nullus efficitur dignus dominator nec dignus princeps nec possessor rerum, nisi sub ecclesia et per ecclesiam." [2] Folglich ist die Verleihung durch die Kirche der einzige Weg, in den rechtmäßigen Besitz einer Sache zu kommen. Die Kirche selber hat also im eigentlichen Sinn das Eigentumsrecht und die höchste Herrschaft über alle Temporalia. Der Begriff der "Kirche" ist aber bei Aegidius austauschbar mit dem des Papstes. Und so gilt für die "potestas summi sacerdocii": "sic habet imperium super temporalibus, quod dominus temporalium dici debet" (ebd. II, 10, S. 91). Der Kirche kommt auch das "iudicare de iusta et iniusta possessione quarumcumque rerum" zu. Da auch die potestas unter die Kategorie des dominiums fällt, ergibt sich die Folgerung für jeden weltlichen Herrscher von selbst. Aegidius drückt es in unerbittlicher Prägnanz aus: "nullus princeps erit dignus et verus princeps, nisi sit per ecclesiam regeneratus spiritualiter, et si incidat in peccatum mortale, nisi sit per ecclesiam absolutus sacramentaliter" (ebd. III, 2, S. 154). Der Papst ist - wie Gott - Quelle aller Gewalt. Er ist vicarius Dei.

Anmerkungen:

[2] De ecclesiastica potestate II, 8, S. 78 f. Das ganze 11. Kapitel des 2. Buches ist dem Beweis der These gewidmet: "Quod infideles omni possessione et dominio et potestate qualibet sunt indigni."

wird fortgesetzt.

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21. September
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

27. Folge

Aber diese Bedingungen passen ebensogut auch auf die Produktion der dritten Person in Gott. Auch sie ist nicht geschaffen; auch sie geht aus der Substanz der ersten aus, und diese Substanz geht mit ihrer ganzen Vollkommenheit auf sie über. Auch sie sproßt aus dem Innern des Vaters hervor, ist ebenso wie die zweite dem Vater vollkommen gleichartig, und geht überdies, wenn man auch das noch in Anschlag bringen will, mit derselben Naturnotwendigkeit vom Vater aus.

Der Grund, weshalb die zweite Person allein gezeugt und Sohn genannt wird, die dritte nicht, kann also nur darin liegen, daß beide auf verschiedene Weise die göttliche Natur und Wesenheit empfangen und besitzen, und daß gerade die Art des Ursprungs der zweiten Person mit dem, was wir auf dem geschaffenen Gebiete Zeugung nennen, auf eine ganz besondere Weise übereinstimmt.

Die Produktion der zweiten und die der dritten Person unterscheiden sich am entschiedensten nach dem Dogma darin, daß jene von einer, diese von zwei Personen ausgeht. Aber hieraus allein kann man keinen Grund finden, jene Produktion vor dieser Zeugung zu nennen.

Wir müssen also tiefer eindringen und bis auf den Grund zurückgehen, aus dem wir es auch zu erklären haben, weshalb die zweite Person von einer, die dritte von zweien ausgeht. Die zweite Person geht von der ersten allein aus, weil sie der Ausdruck, das Wort, das Bild der Erkenntnis ist, welche die erste Person von sich selbst und ihrer Wesenheit hat; die dritte geht von zweien aus, weil sie der Hauch und der Erguß der Liebe ist, welche die beiden ersten zueinander tragen. Die Produktivität der ersten Person durch ihre Erkenntnis und in Verbindung mit der zweiten durch ihre Liebe muß, wie überhaupt der letzte Grund des Unterschiedes der Personen, so auch der Grund aller einzelnen Unterschiede und näheren Bestimmungen der Personen sowohl als ihrer Ursprünge sein. Mag man die Momente, durch welche der Begriff der Zeugung verifiziert wird, bestimmen wie man will; auf alle Fälle ist die zweite Person deshalb allein gezeugt und allein Sohn, weil sie allein das Wort der ersten ist; und die dritte ist deshalb nicht gezeugt und nicht Sohn, weil sie eben nicht das Wort der ersten Person ist.

Darin kommen denn auch seit dem heiligen Thomas fast alle Theologen überein, obgleich sie sich nicht alle ganz genau darüber verständigen können, weshalb gerade der Begriff der Zeugung auf die intellektuelle Produktion und auf sie allein paßt. Versuchen wir, das Resultat der besten Forschungen über diesen Gegenstand kurz und klar hier vorzulegen.

Die Zeugung finden wir zunächst in der sinnlichen Welt, und zwar in den lebendigen Wesen derselben, in den Pflanzen, in den Tieren, im Menschen. Wir unterscheiden sie dort als die höchste Spezies von dem Erzeugen im allgemeinen. Erzeugung nennen wir im allgemeinen jede Produktion, jedes Hervorbringen, sei es nach innen oder nach außen, durch Natur oder durch Kunst und Freiheit, insofern jede Produktion von der Kraft oder Kunst des tätigen Subjektes uns Kunde gibt, Zeugnis ablegt. Zeugung hingegen nennen wir die höchste Art der Produktion, durch welche das zeugende Wesen in der vollkommensten Weise von sich selbst Zeugnis gibt, sich selbst ausspricht. Sie findet statt, wenn ein lebendes Wesen - denn nur ein solches ist dazu imstande - aus seinem Innersten heraus ein anderes setzt, das ihm gleichartig ist, seine Wesenheit und Natur in sich trägt; denn hier prägt das Wesen aus seinem Innern ein ihm gleiches Bild aus, stellt sich selbst mit seiner ganzen Natur und Vollkommenheit nach außen dar, spricht sich nach außen aus, bezeugt sich somit in der vollkommensten Weise. Daher definiert man die Zeugung ganz treffend als Ursprung resp. Hervorbringung eines lebenden Wesens aus der Substanz des andern in die Ähnlichkeit der Natur [25]. Man sagt nicht: in der Ähnlichkeit der Natur; denn die Ähnlichkeit soll nicht als ein obligates Moment in der Zeugung liegen, sondern ist eben formell das Ziel, nach dem sie hinstrebt, weil die Bezeugung des Zeugenden durch den Gezeugten nur durch die Ähnlichkeit erreicht wird. Die Verähnlichung des Gezeugten mit dem Zeugenden ist also immer das vorzüglichste und prinzipalste Moment in der Zeugung.

Es ist zwar keineswegs ausgemacht, daß das erzeugende Zeugen und das bezeugende Zeugen ursprünglich und etymologisch zusammenhängen. Vielmehr hat wohl die Grundform von ersterem (Wurzel tuh, duco) die Bedeutung von ziehen, die des letzteren (W. dih, in dico, deíknymai) die Bedeutung von zeigen. Wie aber die Begriffe "hervorziehen" oder "erzeugen" (genau = producere) und "bezeigen" oder "bezeugen" tatsächlich in derselben Lautbildung "zeugen" zusammengeflossen sind: so fügen sich auch die beiden Begriffe harmonisch zusammen, um die vollkommenste Art des Erzeugens zu charakterisieren, und deuten zugleich an, wie dieselbe auf geistigem Gebiet zu denken ist.

Die Verwandtschaft der beiden Begriffe weist nämlich bei näherer Betrachtung eine merkwürdige Wechselbeziehung der geistigen Welt mit der sinnlichen auf. Man bezeugt eigentlich nur Gedanken, wie man auch nur Gedanken ausspricht. Und in der Tat legt auch das zeugende Wesen in der sinnlichen Welt nicht so sehr Zeugnis ab von seiner konkreten, individuellen Natur, als von der göttlichen Idee der Natur im allgemeinen, welche sich in jedem Individuum dieser Natur offenbart und bezeugt und sich von dem zeugenden zu dem gezeugten Individuum fortbezeugt. Gleichwohl sagen wir nicht, daß die göttliche Idee die Individuen zeuge, da sie anderer Natur ist als diese und sie deshalb auch nicht aus ihrem Schoße hervorbringt.

Wohl aber sagen wir, daß wie die Natur in ihren Produkten sich bezeugt und ausspricht, so auch der Geist dasjenige, worin er seine Ideen, seine Erkenntnis ausspricht, aus seinem Schoße zeuge. Darauf weist uns wenigstens die lateinische Sprache hin, welche das intellektuelle Wort, die geistige Vorstellung einer Sache als den "conceptus" oder die "conceptio" derselben bezeichnet. Vorzüglich aber gilt das von der Vorstellung oder dem geistigen Worte, in welchem der Geist sich selbst erkennt. Denn hier bildet er in seinem lnnern und aus seinem Innern heraus ein Bild seiner selbst; er prägt sich selbst in diesem Bilde aus, in einem Bilde, als dessen Urheber und Vorbild er nicht nur aus demselben erkannt werden kann, wie dieses auch bei der sinnlichen Zeugung der Fall ist, in dem er vielmehr sich selbst erkennen muß, das die Erkenntnis selbst ist, und in dem der Geist folglich in ungleich höherer Weise sich abspiegelt, sich selbst bezeugt und ausspricht, als die Natur in ihren Produkten sich abspiegeln und bezeugen kann. Es ist auch kein totes, sondern ein lebendiges Bild, wie die Erkenntnis selbst etwas Lebendiges ist; ein Bild ferner, das an der geistigen Natur seines Erzeugers teilhat, weil es selbst geistig ist; ein Bild endlich, das aus dem innersten Schoße des Geistes hervorgeht, weil es aus der innersten Lebenskraft desselben als Abdruck seiner Substanz hervorgebracht wird.

Anmerkungen:

[25] Productio (passiv processio) viventis de vivente coniuncto in similitudinem naturae. Unter der "coniunctio" versteht man den Zusammenhang in der Substanz, welche ganz oder teilweise aus dem Zeugenden in sein Produkt übergeht.

Wird fortgesetzt

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19. September
Rettet die Menschlichkeit

Alfred Delp und der “Theonome Humanismus”

Von Korbinian Kleber

Zweiter und letzter Teil

Im Tiefsten geht es in der Frage nach einem echten, überzeugenden Humanismus um die Frage, wie die menschliche Freiheit angemessen zu verstehen ist. Die Freiheitsbegriffe eines Marx oder Sartre werden der menschlichen Wirklichkeit nicht gerecht: Menschliche Freiheit nämlich ist nicht völlige Beliebigkeit, Willkür, sondern immer schon an die eigene, innere Mitte gebundene Freiheit, Freiheit in Bindung. Weder muss sich der Mensch ja derart haltlos und zusammenhangslos ins Dasein geworfen und zur Freiheit verurteilt wissen, wie es der atheistische Existentialismus annimmt, noch ist es stimmig, überhaupt von der Möglichkeit einer voraussetzungslosen Selbstschöpfung des Menschen auszugehen. In vielfacher Hinsicht ist das eigene Dasein gebunden. Letztlich geht es nur immer um die Frage, wie der Mensch dem ihm nicht notwendig, sondern ungeschuldet und ihm nicht verfügbar Zukommenden begegnet und welche Antwort er dem in sein Dasein hineinragenden Unendlichen zu geben bereit ist. Humanismus im christlichen Sinne wie auch im Sinne von Marx oder Sartre meint Befreiung, „Erlösung“ zu wahrem Menschsein. Doch die Frage ist die nach deren richtigem Verständnis: Meint nämlich „Erlösung“ die Befreiung von jedweder Abhängigkeit, die Befreiung zu totalem Selbststand und Auf-sich-selbst-gestelltsein? Oder aber ist die wahre Befreiung des Menschen zum wahren, vollen Menschsein nicht vielmehr die „völlige Abhängigkeit der Liebe“ (Joseph Ratzinger)?

Die Verhältnisse, die Marx sich herbeisehnt und die – wenngleich unter anderem Vorzeichen in unseren Tagen immer mehr Realität zu werden drohen –, hießen, sich einen Zustand zu wünschen, in dem niemand mehr jemandem zu danken braucht, keiner mehr auf die freie Zuwendung des anderen angewiesen ist, sondern jeder seinen Teil nach seinem Recht hat und auf sich selbst gestellt ist. Ist das aber echte Humanität, das Menschsein in Fülle, nach dem wir uns wirklich sehnen?

Nicht von ungefähr ist die Kehrseite dieses Menschenbildes die vielfach erkrankte Seele des Menschen: Die Freiheit von Liebe und Abhängigkeit und das restlose Bauen auf die eigene Kraft, das dem Dasein seine Unsicherheit nehmen und Furcht oder Ehrfurcht überflüssig machen sollte, melden sich nun trotz aller Errungenschaften und großartigen Leistungen des modernen Menschen wieder in einer vielfältig sich zeigenden fundamentalen Angst, die letztlich die Angst vor der eigenen Endlichkeit ist. Dahinter aber verbirgt sich letzten Endes ein falsches Verständnis des Unendlichen, dem man anstatt mit Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen mit Angst und Verdrängung begegnet ist.

Hieraus entsteht ein Ressentiment gegen Gott, das ihn um der Möglichkeit des vollen Menschseins willen leugnen zu müssen meint. Doch ohne Gott fehlt dem Menschen das Maß seiner Ordnungen und das Maß zur rechten Beurteilung der Dinge. So erwiderte bereits Platon auf Protagoras' berühmten Ausspruch: Nicht der Mensch, sondern vielmehr Gott sei das Maß aller Dinge! Alfred Delp erwähnt in diesem Sinne beispielsweise die Leidenschaft des Menschen: Ihr müsse das Zerstörerische und die Verliebtheit in sich selbst genommen werden. Das rechte innere Maß zu haben aber bedeutet keineswegs, dass ihr etwas von „Wucht und Feuer ernster wirkender Liebe zum Menschen“ genommen würde. Insofern wird der theonome und christliche Humanismus die Herausforderung eines neuen, „positiven“ Atheismus, der seine Kraft nicht so sehr aus theoretischer, spekulativer Überlegung nimmt, sondern eine neue Inbrunst des Willens zur Erde zeigt und viel eher im Willen (etwa zu neuer Solidarität) denn in der Vernunft seine Wurzel hat, wohl ernst nehmen müssen.

Jedoch wird er dieser Herausforderung standhalten, da der Transzendenz-Bezug im christlichen Sinn sowohl das Jenseits als auch Gottes Gegenwart im Leben des Menschen hier und jetzt meint. Es geht dem Christen, so könnte man etwas überspitzt formulieren, im Gegensatz zur marxistisch-kommunistischen Ideologie gerade um den Menschen von heute, nicht erst um denjenigen einer illusionären Zukunft des erwünschten Himmels auf Erden, zu dessen vermeintlicher Herbeiführung der einzelne Mensch heute noch verzwecklicht werden dürfe. Dabei ist sich aber auch Delp dessen bewusst, dass es einer gründlichen Änderung der Zustände des Lebens seiner Zeit bedarf, denn „solange der Mensch menschenunwürdig und unmenschlich leben“ müsse, solange werde „der Durchschnitt den Verhältnissen erliegen und weder beten noch denken“. Eine bloße Änderung der äußeren Zustände jedoch würde nicht genügen: Die veränderten Verhältnisse würden „über kurz oder lang aufs neue vermurkst sein“. Auch die Art der Änderung der Zustände müsse eine fundamental andere sein als der Gedanke einer Weltrevolution. Im Gegenteil: Der Mensch müsse durch intensives Bemühen „wieder seelisch und geistig bodenständig“ gemacht werden. Diese Bemühung um wenigstens ein Minimum an „geistiger Wachheit“, „persönlicher Lebendigkeit“ und „sachhafter Lebenskundigkeit“ des Menschen, ohne das er nicht in der Lage sein könne, das Wort Gottes zu vernehmen und Gottes Ordnung anzuerkennen, müsse aber selbst schon „innerlich geführt sein vom Leitbild dessen, der vom Menschen gesagt hat: ad imaginem suam“.

Das ist die Idee des theonomen Humanismus im Gegensatz zum nihilistischen Ansatz atheistisch-humanistischer Illusionen, die doch nur wieder in neuer Hybris und Verirrung, in einem neuen Wahn enden würden. Die „schlechten Erfahrungen“, die der Mensch im Laufe der letzten Jahrhunderte mit sich selbst gemacht hat, müssen, das ist auch Delps besonderes Anliegen, „zu klaren Aussagen durchdacht und der Menschheit als Ergebnisse von viel Leid und Not mit auf den weiteren Lebensweg gegeben werden“. Zu diesen dringenden Forderungen und Einsichten gehört für Alfred Delp auch die Einsicht, dass Menschheit und Staat „nicht ohne ein Minimum an allgemeiner Hingabe an die Transzendenz“ bestehen können. In diesem Sinn wird die angesichts der Schrecken von heutigem religiösem Fanatismus und Terrorismus allerdings zu einseitige Feststellung Delps zu verstehen sein: „Wie immer die Idee oder das Ideal einer Zeit beschaffen sein mag, mag es auch von der vollen Wahrheit nur noch ein Schatten sein: jede irrige Idee und jedes falsche Ideal sind der öden, massenhaften Gedankenlosigkeit vorzuziehen, da sie im Menschen eine gewisse Lebendigkeit für das Geistige überhaupt erwecken.“ Mindestens ebenso sehr sollte wohl die unersetzbare Bedeutung der Vernunft als Korrektiv religiöser Anschauungen betont werden.

Zu Recht als Illusion entlarvt wird von Alfred Delp allerdings die Möglichkeit eines Atheismus im Namen des Menschen. Im Kontrast zu diesem nämlich sieht Delp erst in einem irreduziblen Rückbezug des Menschen auf Gott die schützende Grenze vor dem „despotischen Druck der Masse“, vor einer letzten Hingabe an das Wir, „die auch den letzten Raum des Intimsten prostituiert, das Gewissen verschlingt, das Urteil vergewaltigt und schließlich den Geist blendet und erstickt“. Mit anderen Worten: Ein recht verstandener Transzendenz-Bezug bedeutet nicht Einengung menschlicher Freiheit, sondern ist ermöglichende Bedingung wahrer Menschlichkeit, deren Herzmitte Delp in der Freiheit des Gewissens erkennt. Sie ist die „persönliche Intimsphäre, der Raum, in dem der Mensch die Sterne überragt und das Ewige berührt“. Anerkannt und respektiert werden wird sie über kurz oder lang nur dort, wo sie als „vom Ewigen, vom Absoluten her garantiert“ verstanden wird und somit als eine Intimität des Menschen, in der dieser von keinem Wir mehr belangt werden kann.

Alfred Delps Stimme ist die Stimme eines Rufenden in der Wüste, der den Menschen seiner Zeit wie der kommenden Generationen die Herzmitte aller Humanität in Erinnerung rufen wollte – aus der Überzeugung heraus, hierfür sogar bis zur Hingabe seines Lebens einstehen zu müssen: „Im äußersten Falle, in dem infolge einer Rebellion der Werte (...) die letzte Würde des Menschen, die Freiheit des Menschen zu Gott und zum Gewissen in Frage“ stehe, müsse „sogar (...) der Wille zum Leben und zur Erhaltung des Lebens geopfert werden“. Delp ruft mit dem Mut eines Löwen dazu auf, „die wandernde Wüste (...) aufzufangen durch die größere Kraft des bekehrten Herzens“. – „Wehe aber einer Zeit“, so schreibt er wenige Wochen vor seiner Hinrichtung, „in der die Stimmen der Rufenden in der Wüste verstummt sind, verschrien vom Tageslärm oder verboten oder untergegangen im Fortschrittstaumel oder gehemmt oder leiser geworden aus Furcht und Feigheit.“

Zum ersten Teil


18. September
Martino Martini

Vor 400 Jahren, am 20. September 1614, wurde in Trient der Chinamissionar Martino Martini SJ geboren. 1643 kam er nach China und wirkte in Hangtschou. Er “unternahm weite Reisen für geographische Forschungen, 1651 nach Europa gesandt und nach langem Aufenthalt in Amsterdam 1655 in Rom angelangt, erwirkte hier 1656 die den Jesuiten günstige Entscheidung in der Ritenfrage, kehrte 1659 nach Hangtschou zurück” (A. Väth im LThK, 1. Auflage). Hier starb er am 6. Juni 1661.


18. September
Margareta Maria Alacoque

Vor 150 Jahren, am 18. September 1864, wurde die Empfängerin der Herz-Jesu-Offenbarungen Margareta Maria Alacoque (1647-1690) von Papst Pius IX. seliggesprochen. Die Heiligsprechung folgte 1920.


17. September
Die Kunst der Vergebung

Vergeben und sich vergeben lassen sind sehr wichtig für die psychische Gesundheit. Wer nicht vergibt, verbittert. Die Verbitterungsstörung ist die, die leider erst vor 15 Jahren entdeckt worden ist und die rasend um sich greift. Immer mehr Menschen verbittern, immer mehr Menschen hadern mit ihrem Schicksal, mit der scheinbaren Ungerechtigkeit, mit der sie leben müssen. Der Königsweg da heraus ist die Fähigkeit, zu vergeben. All dieses Böse, mit dem man konfrontiert wird, dort zu lassen und im Frieden damit abzuschließen. Leichter ist es, wenn der andere um Vergebung bittet. Die große Kunst ist zu vergeben, wenn nicht um Vergebung gebeten wird.

Aus: Vergebung ist der Königsweg, Interview von Norbert Schäfer mit Raphael M. Bonelli, Pro-Medienmagazin 4/2014, S. 11

Weitere Beiträge zum Thema


17. September
Juan Bautista de Morales

Vor 350 Jahren, am 17. September 1664, starb in Funing, China, im Alter von etwa 67 Jahren der spanische Missionar Juan Bautista de Morales OP. Er wirkte seit 1622 auf den Philippinen, seit 1633 in China. Im südchinesischen Fujian (Fukien), wo bisher nur Jesuitenmissionare tätig waren, begründete er zusammen mit Gefährten die erste Dominikanermission. Als Gegner der Jesuiten im Ritenstreit erwirkte er 1645 von der Sacra Congregatio de Propaganda Fide unter Innozenz X. (1644-1655) die Verurteilung die Methode der Jesuiten, die den von ihnen missionierten chinesischen Christen die Teilnahme an der Ahnen- und Konfuziusverehrung erlaubten.


16. September
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Fünfter Teil

Die jüngsten diesbezüglichen »Anträge« an die Adresse der Kirchenleitung stellen mit ernüchternder Deutlichkeit klar, welch platter Rationalismus in Deutschland heute herrscht. Unbegrenztes Vertrauen in die Wissenschaft und die ganze ahnungslose Fortschrittsgläubigkeit des Aufgeklärten von Anno Dazumal spricht aus den Worten Heinz-Joachim Fischers: »Es ist im Jahre 1976 unbegreiflich, daß eine religionspsychopathologische Krankheit nicht durch das umsichtige Gespräch eines Priesters und die einfühlende Diagnose und Therapie eines Arztes geheilt werden können« (FAZ, a. a. O.). Wenn man in dieser Angelegenheit irgendeiner Seite Naivität attestieren muß, dann wohl jener, die mit stolzem Ernst verkündet: »Die durch Aufklärung, Naturwissenschaft und Technik ermöglichte Einflußnahme des Menschen auf die Gestaltung der Welt verdrängte seit dem 18. Jahrhundert die Dämonen aus der Natur« (ebd.). Von dieser Meinung bis zur Einstufung Edisons, Watts und Einsteins als erfolgreichster Exorzisten ist fast nur mehr ein Schritt.

Im Lichte solcher Auffassungen wird die Ungeduld verständlich, mit der die »Süddeutsche Zeitung« fragt: »Wie lange mag es da noch dauern, bis selbst in Europa in die letzten magischen Sektiererzirkel (zu welchen offenbar auch das Ordinariat Würzburg gehört; Anmerkung von uns) die schlichte Wahrheit vorgedrungen ist: nicht der Böse spukt in uns, sondern das Böse.« (SZ, 4.8.76, Streiflicht) Dann läßt sich auch begreifen, daß Hannes Burger - ein Katholik, früher bei der »Münchener Katholischen Kirchenzeitung«! - gegen den »Anachronismus dieses kirchenamtlich praktizierten Aberglaubens« wettert und von »blauäugiger Borniertheit« spricht (SZ, 4.8.76, »Entlarvung durch das Medium«).

Für ihn ist Prof. Haag, der Leugner des Teufels - und damit des katholischen Glaubens - der Ehrenretter der Kirche. Allein dieses Moment läßt fühlen, wie sehr hier alles auch innerkirchlich auf eine Entscheidung hindrängt. Denn daß der Unglaube für Glaube und der Glaube für Aberglaube gilt, ist unerträglich.

c) Mangel an Verständnis

Der offenkundige Mangel an Glauben, der sich aus der Fehlreaktion der Öffentlichkeit auf den Fall Klingenberg als deren Ursache ohne Mühe erheben läßt, zieht als unmittelbare Folge den Mangel an Verständnis nach sich für das, was sich in jener Stadt am Main ereignet hat, und für das, was von seiten der Kirche, ihrer Aufgabe entsprechend, unternommen wurde. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich nicht nur ein erschreckendes Vakuum an Glaubenskraft und Glaubensbereitschaft, sondern auch eine so große Lückenhaftigkeit des religiösen Wissens bei im übrigen vielseitig versierten Mitgliedern der Gesellschaft, wie es Journalisten sind, daß man sich ein sinnvolles und fruchtbares Gespräch über die in Frage stehenden Gegenstände kaum vorstellen kann.

Fundamental fällt hier, wie schon zu bemerken war, bereits das Verständnis für Religion im Sinne des Christentums aus - ein Umstand, der mehr als manches andere zu der erstaunten Frage reizen könnte, wie denn so etwas »im Jahre 1976« möglich sei. Denn wer unter Religion nichts anderes als eine primitive oder intelligente Projektion des menschlichen Inneren zu denken vermag, hat sich von vornherein jeden Zugang zur »Sache selbst«, um die es sich hier handelt, verbaut. Solange der Mensch, »der kleine Gott der Welt«, nicht bereit ist, von seinem selbstgezimmerten Thron zu steigen und aus dem Spiegelkabinett jener Einbildung zu treten, das ihm ein trügerisches Alleinsein mit sich und seinesgleichen suggeriert, sollte er sich redlicherweise in Dingen der Religion der Stimme enthalten.

Wo die Koordinaten für jenen Raum fehlen, in dem bestimmte Erscheinungen zu orten sind, kann auch mit keinem Verständnis für die Ursache der betreffenden Phänomene gerechnet werden. Kein Wunder, daß diesbezüglich die ärgsten Entgleisungen passiert sind. Was soll es denn etwa heißen, wenn die »Frankfurter Allgemeine« in dem zitierten Artikel den Satz wagt: »Auf der Kirche bleibt nach allgemeiner Meinung der Vorwurf lasten, daß sie die Geister, die sie rief, nicht zu bannen imstande sei«? Man muß schon richtig durchdrungen sein von der freisinnigen Ansicht, Glaubenssätze seien Erfindung der Priester und religiöse Überzeugungen Produkte der menschlichen Phantasie, wenn man diesem Passus einen Sinn unterlegen will. Dann wäre die Kirche durch die ihr opportune Kreation der Teufelsidee und die jahrhundertelange Einschüchterung ihrer Gläubigen mit der Hölle und deren Qualen die schuldbar Verantwortliche für alles, was je Christen seitens dämonischer Mächte zu erleiden wähnten. Die Kirche hätte ihnen ja den Stoff und Anlaß zu derlei Hirngespinsten geliefert und sie in jene latente Angst versetzt, in der sie schließlich den vermeintlichen Einfluß von Teufel und Hölle an sich zu erleben begannen. Dann hätte die Kirche mittelbar auch jene Geister gerufen, die Anneliese Michel in Klingenberg durch Jahre hindurch gepeinigt haben. Davon kann natürlich überhaupt keine Rede sein. Der Teufel ist so wenig ein Geschöpf der Priester wie Gott. Die Hölle ist so wenig eine Erfindung der Kirche wie das Himmelreich. Die Ursachen von Heil und Unheil, von Gnade und Verstockung, von außerordentlichen Geistesgaben wie von Besessenheit, so selten die letzterwähnten Befindlichkeiten auch sein mögen, liegen nicht im Menschen, sondern außerhalb. Wer das aus »weltanschaulichen« Gründen nicht anzuerkennen bereit ist, kann zu keiner Interpretation dieser Erscheinungen gelangen, die deren innere Wahrheit trifft.

Es kommt jedoch nicht nur ein weit verbreitetes Fehlen des Sensoriums für das Übersinnliche und Außerirdische zum Vorschein, sondern ein spezifischer Mangel an Verständnis für das Wesen und Wirken der Dämonen. »Dem aufklärerischen Rationalismus entgeht diese Seite der Wirklichkeit, in die der Mensch hineingestellt ist«, merkt der »Rheinische Merkur« schlicht und richtig an (Nr. 31/1976, S. 8). Es ist blinde Überheblichkeit, wenn man jeden ernsten Gedanken an dämonische Mächte und ihr verderbliches Treiben in der Welt mit dem Hinweis beiseite schiebt, an derlei Dinge hätten die Menschen vor Jahrtausenden geglaubt, und nur Stämmen auf der Stufe der Steinzeit könne man heute noch solche Vorstellungen interimistisch gestatten. Hier müßte einmal die dünkelhafte Annahme ausgeräumt werden, daß die je jüngere Meinung die je tiefere Einsicht verbürge. In ungezählten Fällen verhält es sich umgekehrt.

wird fortgesetzt

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15. September
Islam und Menschenrechte

Im Christentum führte die Erfahrung des Unglaubens nicht zum Aufruf, die Ungläubigen zu töten, sondern zum Missionseifer und – nach der Entdeckung Amerikas – zu Gestalten wie Vitoria und Bartolomé de las Casas: In der christlichen Tradition stehend machten sie geltend, dass Ungläubige als Menschen die gleichen grundlegenden Rechte besitzen wie Christen. Dabei wurden sie von päpstlichen Verlautbarungen unterstützt (obwohl die spanischen Könige deren Verbreitung zu verhindern suchten).
Und hier liegt der entscheidende Punkt: Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäß ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die «fitra», ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, «denaturierte» Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. Der Islam akzeptiert die modernen Menschenrechte immer nur unter dem Vorbehalt der Bestimmungen der Scharia. Deshalb kann sich gerade der «wahre Islam» nicht in die Moderne integrieren.

Aus dem Artikel von Prof. Dr. Martin Rhonheimer, Töten im Namen Allahs. Gewalt und theologische Tradition im Islam, NZZ vom 6. September 2014


15. September
Kathinfo-Orientierungsservice

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Verschiedene Beiträge und Meldungen über die Schulsexualerziehung und den politischen Kampf um sie sind auf einer eigenen Seite untergebracht worden, ebenso einige Beobachtungen zur Statistik kirchlicher Entwicklungen. Meine Antwort Der springende Punkt auf die Kritik, die P. Michael Weigl an meinem Artikel Tradition und Lehramt geübt hat, habe ich diesem hinzugefügt.


15. September
Daniel Comboni

Vor 150 Jahren, am 15. September 1864, kam dem hl. Daniel Comboni (1831-1881) am Grab des hl. Petrus in Rom die Erleuchtung für seinen Plan, Afrika durch Afrika zu retten. Damit meinte er das Ziel, in Afrika Eingeborene als Missionare für Afrika auszubilden. So gründete er 1867 in Verona das Institut der Missionare für Afrika (heute die Comboni-Missionare vom Herzen Jesu) und das Werk des Guten Hirten für die Erneuerung Afrikas. Am 17. März 1996 wurde er selig-, am 5. Oktober 2003 heiliggesprochen.


13. September
Benedikt Schmittmann

Vor 75 Jahren, am 13. September 1939, starb im KZ Sachsenhausen im Alter von 67 Jahren der aus Düsseldorf stammende, mit Konrad Adenauer befreundete Sozialpolitiker Dr. Benedikt Schmittmann. Seit 1919 lehrte er in Köln als Professor für Sozialwissenschaften. Da er die katholische Soziallehre verbreitete, wurde er 1933 nach der Machtergreifung der NSDAP in "Schutzhaft" genommen und mit Lehrverbot belegt. Anfang September 1939 kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er von der SS grausam zu Tode getreten wurde.


13. September
Friedrich August von Klinkowström

Vor 200 Jahren, am 13. September 1814, konvertierte der Pädagoge und Schriftsteller Friedrich August von Klinkowström in Wien im Alter von 36 Jahren zur katholischen Kirche. Vor dem hl. Klemens Maria Hofbauer legte er das katholische Glaubensbekenntnis ab. Anwesend waren Friedrich von Schlegel und Joseph Anton von Pilat. Seine Frau Friederike Luise Charlotte von Mengershausen war schon zuvor während seiner Abwesenheit katholisch geworden, was er erst nach seiner Rückkehr aus Aachen erfuhr. Er starb am 4. April 1835 in Wien. Sein Sohn Georg Ernst Joseph Maria wurde Jesuit und ein erfolgreicher Volksmissionar.


13. September
Passitea Crogi

Vor 450 Jahren, am 13. September 1564, wurde in Siena die stigmatisierte Mystikerin Passitea Crogi geboren. Sie starb am 13. Mai 1615.


13. September
Die Andacht der fünf ersten Samstage

Vor 75 Jahren, 13. September 1939, approbierte Bischof José Alves Correia da Silva von Leiria (1920-1957) die Übung der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, die auf die Fatimaseherin Schwester Maria Lucia von Jesus zurückgeht. Diese hatte am 10. Dezember 1925 in Pontevedra als Novizin im Institut der hl. Dorothea eine Erscheinung der Muttergottes, die zu ihr sprach:
“Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch Lästerungen und Undankbarkeiten ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und mache bekannt, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde Gesellschaft leisten, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten. ”


12. September
Christliche Missionsmethode

Mein Apostolat muß das Apostolat der Güte sein. Wenn man mich beobachtet, soll man sich sagen: „Wenn dieser Mensch so gut ist, dann muß seine Religion gut sein“. Wenn man mich fragt, warum ich mich so mild und gut verhalte, muß ich antworten: „Weil ich der Diener eines bin, der viel besser ist als ich. Wenn ihr wüßtet, wie gut mein Meister Jesus ist“.

Aus den Notizen des seligen Charles de Foucauld, der nach Algerien zog, um die muslimischen Tuaregs zu Christus zu führen.


12. September
Der Unterschied

Eine Studie aus dem Jahr 2010, die sich auf die Befragung von 45.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland stützt, hat gezeigt, dass bei jungen Muslimen die Gewaltbereitschaft um so größer ist, je religiöser sie sind. Bei christlichen Jugendlichen ist es umgekehrt.

Islam und Christentum


12. September
Christenbedrängnis in Deutschland

Flüchtlinge aus Syrien und Indien werden in deutschen Asylbewerberheimen monatelang von Muslimen drangsaliert.


12. September
Pastorale Nächstenliebe

Vor fünf Jahren hielt Weihbischof Nicolas Brouwet von Nanterre seine Rede über pastorale Nächstenliebe, die wir auf kath-info veröffentlicht haben.


9. September
Monatsranking

Da im Laufe der Zeit die Bewegungen innerhalb der monatlischen Top 12 immer geringfügiger wurden und der Informationswert damit gesunken ist, habe ich mich entschlossen, in Zukunft mitzuteilen, welche Seiten sich außer auf den drei Spitzenplätzen auf den Plätzen 10, 20, 30, 40, 50, 60 und 100 befinden. Das vermittelt zwar nur einen sehr fragmentarischen, aber hoffentlich interessanteren Einblick in das Monatsranking als bisher.

Platz Monatsranking August 2014
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 535 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/- 0
3

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 4
10

Robert Spaemann

- 2
20

Spaemann: Rationalität und Gottesglaube

+ 2
30

Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

+ 13
40

Gabriel Malagrida / Franz von Paula / Dominikus Mau

+ 209
50

Martin Ramm: Der Ritus der hl. Messe: Die Opferung

+ 1
60

Walter Hoeres: Adorno oder der zweideutige Fortschritt

+ 60
100

Georges Bernanos

- 41

Zum Monatsranking

Zum Jahresranking


9. September
Jacques-Desiré Laval

Vor 150 Jahren, am 9. September 1864, starb in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, der aus der Normandie stammende Missionar und Selige Jacques-Desiré Laval CSsP). "1841 durch F. M. P. Libermann zur Bekehrung der freigelassenen Negersklaven auf Mauritius gesandt, taufte [er] über 1500 Erwachsene, bekehrte ungefähr 67.000 (...) Sein Grab ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort für Christen, auch für Inder, Hindus und Chinesen" (H. Döring im LthK, 1. Auflage 1934). Am 29. April 1979 wurde er seliggesprochen.


9. September
Elisabeth Eppinger

Vor 200 Jahren, am 9. September 1814, wurde in Niederbronn Elisabeth Eppinger geboren. Mystisch begnadet und von einem schweren, schmervollen Leiden geheilt, gründete sie 1849 die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern), die sich ganz der Pflege der Armen, Alten und Kranken widmen. Sie starb am 31. Juli 1867 in Oberbronn. Der Seligsprechungsprozess ist eingeleitet.


8. September
Utopische Hoffnung

Renate Martin: Wir brauchen als wichtigstes begeisterte Apostel (s. „Evangelii gaudium, besonders ab Nr. 259. Dann aber bedarf es dringend einer pastoralen Aufarbeitung der päpstlichen Schreiben über Ehe und Familie auf breiter Basis, die das Sakrament in seinem inneren Sinn verdeutlicht. Seit 1968 warten wir darauf. Ist es utopisch zu hoffen, dass katholische Schulen und unsere Pfarreien Programme erarbeiten und das Ruder herumreißen? Manchmal fürchten wir das. Im Gespräch mit jungen Leuten hingegen machen wir oft die Erfahrung, dass sie froh sind, wenn man ihnen von der christlichen Auffassung der Schönheit der Liebe und des Wunders des Lebens erzählt.

Renate Martin, Ehefrau von Prof. Dr. Norbert Martin (Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie) im Interview mit Regina Einig in der Tagespost vom 8. Februar 2013


8. September
Johannes Kardinal von Geissel

Vor 150 Jahren, am 8. September 1864, starb in Köln im Alter von 68 Jahren Johannes Kardinal von Geissel. Geboren in der Rheinpfalz, wurde er 1837 Bischof von Speyer und 1845 Erzbischof von Köln. Er sorgte für eine gute Priesterausbildung in seiner Diözese und ging deshalb gegen Häresien vor. Die von ihm 1848 einberufene Würzburger Bischofskonferenz war eine solche, die für einen neuen Aufschwung in der Kirche Deutschlands sorgte. 1860 leitete er das Kölner Provinzialkonzil.


7. September
Gottes Liebe im Werk der Erlösung

Von P. Franz Prosinger

Zwei Veröffentlichungen aus jüngster Zeit geben Anlaß, noch einmal auf das Thema der Soteriologie (Lehre vom Erlösungswerk) zurückzukommen [1]. Von Hubertus Halbfas wurde ein Interview von 2013 wiederveröffentlicht unter dem Titel Was einmal hilfreich war, kann störend werden, und Hansjürgen Verweyen schrieb ein Buch zum Thema Ist Gott die Liebe? Spurensuche in Bibel und Tradition. Regensburg 2014 – das in der Tagespost vom 26. August auf S. 6 besprochen worden ist.

Daß der nun achtzigjährige H. Halbfas mit der katholischen Theologie radikal gebrochen hat – in vielen Punkten stimmt er mit E. Biser überein [2] -, bekennt er offen. In geradezu nostalgischer Weise vertritt er die These der 70-er Jahre, Paulus habe die Botschaft Jesu grundlegend verfälscht und dessen Tod am Kreuz mit den Kategorien von Opfer, Sühne und Versöhnung umgedeutet. Während angeblich Jesus in allen Menschen die vom Vater geliebten Gotteskinder sehe und ohne Erbsünde, Gnade, Rechtfertigung und Erlösung das Reich Gottes verkündet habe, wäre für Paulus der Mensch ein erlösungsbedürftiger Sünder. Dagegen ist zu sagen, daß nicht nur Paulus, sondern auch das Markusevangelium ganz gezielt und von Anfang an auf den Prozeß und Todesbeschluß zugeht. Der zweite Teil (8, 27 bis 16, 8) ist strukturiert durch die drei Leidensankündigungen mit ihren jeweiligen Deutungen des Kreuzes als Überwindung und Hingabe seiner selbst. Daß die Auslieferung in die Hände der Sünder geschieht „als Lösepreis für viele“ (10, 45), ist nicht etwa ein Zusatz und eine spätere Deutung, sondern in den Duktus des ganzen Evangeliums eingebunden, welcher zielt auf die Worte über den Kelch im Abendmahlssaal (14, 24) und das Gebet Jesu am Ölberg (14, 36). [3] -

Seriöser und deshalb beunruhigender sind die Ausführungen des Ratzinger-Schülers Verweyen. Freilich werden auch hier alte Vorurteile transportiert. Unverständlich ist etwa, daß man auch heute noch im Kohelet einen Agnostiker und profanen Glückssucher sehen kann, nachdem der Fachwelt der sowohl spirituell wie auch exegetisch beeindruckende Kommentar von Schwienhorst-Schönberger geschenkt worden ist [4]. Aber auch in der zentralen Frage zum Kreuzestod Jesu zeigt Verweyen wenig theologisches Feingefühl. Schon die Formulierung, „ob der Kreuzestod Jesu notwendig für Gott selber war“, ist anthropomorph und führt schließlich zur Frage, „ob diese Selbstdarbringung (des Sohnes) vom Vater verlangt wurde als Lösegeld für die vielen und damit doch als eine Sühneleistung“. Wenn in den Evangelien der göttliche Heilsplan mit dem griechischen dei (“müssen”, lat. oportet; etwa in Mt 26, 54 als Erfüllung der Schrift, in Mk 8, 31 und Lk 24, 26 bezüglich der Passion, der Tötung und der Auferstehung des Menschensohnes, aber auch das Sein des Sohnes in dem, was des Vaters ist in Lk 2, 49) angedeutet wird, so wird damit eben jene anthropomorphe Vorstellung vermieden, als ob sich Vater und Sohn als zwei Personen gegenüberständen und der Vater seinem Sohn eine Notwendigkeit auferlegte. Natürlich kostete es dem menschlichen Willen Jesu Überwindung, sich als der ganz Heilige in die Hände der Sünder auszuliefern (Mk 14, 36f; Heb 5, 7f), aber die unzertrennliche Übereinstimmung von Vater und Sohn, wie sie vor allem im Johannesevangelium zum Ausdruck kommt, stand nie in Zweifel. Die freiwillige und vollkommene Hingabe an den Vater, in die uns Christus hineinnehmen will, dient der Verherrlichung des Vaters (12, 23. 28; 13, 31f; 17, 1. 5), seiner Verherrlichung in den Seinen (17, 10) und deren Heiligung (17, 17. 19). Nach Joh 3, 3.5 besteht die Notwendigkeit in uns, zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden. Also nicht Gott hat es notwendig, durch ein Sühnopfer versöhnt zu werden, sondern wir müssen unser verwirktes Leben zum Opfer der Sühne darbringen, damit so der Tod verwandelt werde zu neuer Geburt. Daß dies dem Sohn das Leben „kostete“ und er sein kostbares Blut als „Lösepreis“ dahingab, darf nicht einseitig verstanden werden: die Erlösung besteht nach Heb 9, 11-14 nicht in einem äußeren Akt der Wiedergutmachung durch die Bezahlung einer Schuld, sondern in der Eröffnung eines neuen, nicht von Menschhand gemachten Heiligtums durch die Hingabe und Konsekration des Sohnes als dem wahren und einzigen Sühnopfers.

Hier gilt das Wort des heiligen Augustinus: sacrificium externum signum sacrificii interni – wenn das äußere Opfer nicht Ausdruck innerer Hingabe ist, verkommt es zu bloßem Ritualismus. Ein re-ligiöses Werk ist einzig die innere Rückbindung an den, der mich ins Leben ruft. Diese Bindung bzw. diesen Bund wiederherzustellen, ist das Werk unserer Erlösung: „Sei ohne Furcht, ich habe dich erlöst, ich rufe dich bei deinem Namen: mein bist du“ (Jes 43, 1). Wenn nur ein anderer für meine Schuld bezahlt, würde sich nichts an meiner eigenen Entfremdung ändern [5].

Unter den drei Theologen, J. Ratzinger, K. Rahner und H. U. v. Balthasar kann Verweyen noch am ehesten der Soteriologie Balthasars zustimmen. Aber ausgerechnet dieser schöpft seine Gedanken weniger biblischem als griechisch-mythologischem Denken. Die unendliche Zerspannung zwischen Vater und Sohn, die „alle Distanzen der Sünder von Gott überholt und in sich einfaßt“ [6], wird als ein Wüten Gottes gegen sich selbst gesehen, als ein ersatzweises Austragen von Schuld und Strafe zwischen Vater und Sohn. So etwas mag auf dem Olymp denkbar sein, aber nicht auf Golgotha.

Zur Beurteilung der gegenwärtigen Situation in Theologie und Kirche ist zu bedenken, daß Theologen so verschiedener Provenienz und Erudition wie Halbfas und Verweyen jeweils die Möglichkeit einer ewigen Verwerfung ausdrücklich ausschließen. Demnach gäbe es keinen doppelten Ausgang in der Geschichte des Einzelnen und der Menschheit insgesamt, nicht einen breiten und bequemen Weg, der ins Verderben führt (Mt 7, 13), nicht ein Aussenden der Engel am Ende der Zeit, welche die Gerechten von den Bösen sondern, keinen Ort, wo es Heulen und Zähneknirschen gibt (Mt 13, 49f), sondern alle, Johannes der Täufer und Herodias, Adolf Hitler und Alfred Delp werden gemeinsam, Hand in Hand im Paradies lustwandeln – oder nach der Formulierung Leo Scheffzcyks: der Mensch könnte sich demnach nicht davor retten, gerettet zu werden. Daß der biblischen Botschaft und dem kirchlichen Leben damit der Ernst der Entscheidung, der Ruf zur Bekehrung und der Sinn des Erlösungswerkes entzogen wird, kennzeichnet die gegenwärtige Situation zumindest im deutschsprachigen Raum nach wie vor.

Wer keine unbiblischen Vorstellungen in das Werk der Erlösung am Kreuz hineinliest, muß die Liebe Gottes im Kreuzestod Jesu nicht problematisieren. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für uns dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt (und somit an dessen Hingabe teilnimmt), nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe (Joh 3, 16). Jesus selbst erläutert seine Liebe bis zur Vollendung (Joh 13, 1) so, daß niemand eine größere Liebe habe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15, 13). Und der heilige Paulus gibt darüber hinaus noch zu bedenken, daß Gott seine Liebe zu uns darin beweist, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder bzw. seine Feinde waren (Röm 5, 8-10). Wer das Erlösungswerk verstehen will, muß mit der schmerzhaften Mutter am Fuß des Kreuzes stehen und aufschauen zu dem, den wir durchbohrt haben (Joh 19, 26. 37). Dann gilt es aber auch, sich dem von der geöffneten Seite ausgehenden Geist der Buße und Sühne-Besprengung zu öffnen (Zach 13, 1 LXX B).

Auch in Bezug auf die Liturgie der Meßfeier wird sich Verweyen von Halbfas deutlich unterscheiden, der an die „offenen Tischgemeinschaften Jesu“ anknüpfen will. Aber trotz der Wahrung einer gewissen Sakralität wird man angesichts einer Allerlösungslehre der immer wieder erneuten Darbringung des Opfers Christi durch die Kirche kein Verständnis entgegenbringen können.

[1] F. Prosinger, ... Damit sie geheiligt seien in Wahrheit. Siegburg 2008. War der Kreuzestod Jesu ein Opfer? in Communio 1999 (II), S. 189 (auch auf kath-info).

[2] Vgl. E. Biser, Der unsichtbare Sonnenaufgang. In: Stimmen der Zeit; Bd.213 (1995) S.723-729.

[3] Siehe hierzu die über 800-seitige Darlegung von A. Weihs, Die Deutung des Todes Jesu im Markusevangelium, Würzburg 2003

[4] L. Schwienhorst-Schönberger, Kohelet. HThKAT, Freiburg 2004.

[5] Siehe hierzu meinen Artikel Wer bezahlt das zerbrochene Fenster? Gedanken zur Erlösungslehre.

[6] H. U. v. Balthasar, Theodramatik III. Die Handlung. Einsiedeln 1980, S. 465.


6. September
Miesepeterei

Alles, was hier gefordert wird, ist in den evangelischen Kirchen längst verwirklicht. Ist dort die Situation grundsätzlich besser? Hätten die genannten Einwände recht, so müßte dort das christliche und kirchliche Leben in ungeahntem Ausmaß blühen. Dass man dort mit denselben Problemen zu kämpfen hat wie bei uns und mit einigen dazu, ist jedoch offenkundig (...)
So bleibt zum Schluß nur noch ein Wort gegen die weitverbreitete Miesepeterei in der Kirche. Sie macht mit ihrer eigenen Unlust alles madig und ist immer nur daran interessiert, das berühmte Haar in der Suppe zu finden. Wenn man will, kann man es immer finden und damit sich und den anderen den Appetit verderben. Man kann, obwohl man am Verdursten ist, ein halbvolles Glas Wasser mißgelaunt zurückweisen mit der Begründung, es sei doch halb leer. Gegen eine solche Einstellung ist kein Kraut gewachsen.

Prof. Dr. Walter Kasper 1986 im Schlußplädoyer “gegen die Miesepeterei und für einen neuen Realismus in der Kirche” seines Kommentars zu den Dokumenten der außerordentlichen Bischofssynode, die vom 24. November bis 8. Dezember 1985 in Rom tagte (Zukunft aus der Kraft des Konzils. Die außerordentliche Bischofssynode ‘85. Die Dokumente mit einem Kommentar von Walter Kasper; Freiburg, Basel, Wien: Herder 1986, S. 108). Seine Worte gelten den Kritikern, die der Synode vorwarfen, den “Zölibat, das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen, die Frage Geburtenregelgung, die Frauenordination” (S. 107) nicht aufgegriffen zu haben.


6. September
Hans Apel

Vor drei Jahren, am 6. September 2011, starb in Hamburg im Alter von 79 Jahren der evangelische Christ, SPD-Politiker und ehemalige Verteidigungsminister Hans Apel. Er war ein scharfer Kritiker der zunehmenden theologischen Profillosigkeit der evangelischen Volkskirche und warnte vor einem “weichgespülten Christentum”. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Hamburg unter Maria Jepsen, die zudem die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day übernahm, brachte bei Apel das Fass zum Überlaufen: Er trat 1999 aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche aus und schloss sich der SELK (Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche) an.


5. September
Seligsprechung

Vor zehn Jahren, am 5. September 2004, sprach Papst Johannes Paul II. Pedro Tarrés y Claret (1905-1950), Alberto Marvelli (1918-1946) und Pina Suriano (1915-1950) selig.


4. September
Alles verloren und alles gewonnen

Wir haben alles verloren: Haus, Arbeit, Familienmitglieder. Aber wir haben das größte gewonnen, was ein Mensch gewinnen kann: das Wissen, dass Jesus Christus unser Retter ist.

Ramir, ehemaliger syrischer Muslim; Quelle: Open Doors


4. September
Dina Bélanger

Vor 85 Jahren, am 4. September 1929, starb im Alter von 32 Jahren die kanadische Selige und Mystikerin Dina Bélanger. Sie wurde von Gott mit Visionen, u.a. über das Priestertrum, reich beschenkt. Sie könnten in der gegenwärtigen Glaubenskrise wertvolle Wegweiser sein.


4. September
Werner Bergengruen

Vor 50 Jahren, am 4. September 1964, starb in Baden-Baden im Alter von fast 72 Jahren der aus Riga stammende Dichter und Schriftsteller Werner Bergengruen. 1936 war er zum katholischen Glauben konvertiert.


3. September
Vor den Karren gespannt?

Über die Fortschritte der Wissenschaft in der Frage des Hirntodes berichtet der Philosoph Prof. Andreas Brenner aus Basel in einem Interview, das die Zeitschrift Information Philosophie (Ausgabe Juli 2014, S. 74-82) mit ihm und Frau Prof. Andrea Esser aus Marburg geführt hat. Dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen sei, die “Transplantation lebenswichtiger Organe mithin also Tötung” bedeute, habe sich in Amerika selbst unter Anhängern der Transplantationsmedizin schon so weit durchgesetzt, dass dort die Formel vom justified killing ausgedacht wurde, um die Transplantationsmedizin doch noch zu retten. In Deutschland beklagt er u.a. eine “Aufklärung” über Organspende, die in Wirklichkeit interessegeleitet ist und moralischen Druck aufbaut: “Nach dieser Logik wird ja auch von den staatlichen Stellen, - derzeit lässt sich das an der Informationspolitik des deutschen Bundesgesundheitsministerium beobachten -, eine als Aufklärungskampagne bezeichnete, in Wahrheit aber alleine an möglichst großen Spenderzahlen interessierte einseitige PR-Kampagne zu Gunsten der Transplantationsmedizin betrieben. Die Kirchen lassen sich übrigens vor den Karren der utilitaristischen Biopolitik spannen, und erklären jeden Zweifel am Hirntodkonzept mit einem Mangel an Nächstenliebe” (S. 76)

Weitere Infos zum Thema


3. September
Hugo Staudinger

Vor zehn Jahren, am 3. September 2004, starb der Historiker Hugo Staudinger. Geboren am 5. Juli 1921 in Dresden, studierte er in Dresden und Münster Physik, Geschichte, Philosophie, Latein und Theologie. 1962 wurde er Professor für politische Bildung und Didaktik in Paderborn. Von 1958 bis 1966 leitete er das Deutsche Institut für Bildung und Wissen. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er war einer der letzten Gesprächspartner von Max Horkheimer.

In seinem Werk Gott - Fehlanzeige? (Trier) setzt er sich mit den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen der Gottesfrage aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft auseinander. Besonders wertvoll und empfehlenswert ist sein Buch Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, das aus der Sicht des Profanhistorikers auf die Versuche von Exegeten wie Rudolf Bultmann und Willi Marxsen, den Evangelien ihren historischen Charakter weithin abzusprechen, antwortet. Es erschien seit 1969 in mehreren Auflagen in verschiedenen Verlagen. Antiquarisch ist es noch erwerbbar.


2. September
Das ignorierte Martyrium

Die Juli/August-Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ist dem Thema Christenverfolgung gewidmet. Tobias Mayer stellt in seinem Artikel Wie Schafe unter die Wölfe (S. 261-267) das neueste Buch des Journalisten John Allen vor, das demnächst in deutsch unter dem Titel Krieg gegen Christen erscheinen soll. Zur Beobachtung Allens, dass die Christen heute die weltweit am meisten verfolgte religiöse Gruppierung sei, deren Märtyrer zudem viel zu oft unbemerkt leiden müssten, kommentiert Mayer: “Die Zahlen sind in der Tat erschreckend: Den meisten Schätzungen zufolge leben 100 Millionen Christen weltweit in einer Verfolgungssituation. Die Summer der Märtyrer der letzten 20 Jahre beläuft sich auf Hunderttausende (allein 70.000 im Jahr 2013), manche sprechen gar von bis zu 2 Millionen. Unbestritten ist, dass die Zahl der Christen, die allein im 20. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten, die Summe der Märtyrer aller vorhergehenden Jahrhunderte übertrifft.”

Mit Allen stellt er die Frage: “Doch warum schweigt die Kirche?” Allen: “Ist es nicht paradox, dass das fesselndste Narrativ des Christentums unseres jungen Jahrhunderts nicht ins Blickfeld des christlichen Bewusstseins gerät?” Zu den Gründen gehört ihm zufolge u.a. “eine eilfertige ‘political correctness’ des interreligiösen Dialogs”.

Ich würde noch die Vermutung hinzufügen, dass große Teile der Reformkatholiken so fanatisch auf ihre Lieblingsthemen und ihr Projekt der Anpassung kirchlicher Lehre und Praxis an ihre Ideen eingeschworen sind, dass für das Leid der Märtyrer einfach nicht mehr genügend Ressourcen an Interesse und Aufmerksamkeit zur Verfügung stehen. Man denke nur an den ganzen institutionellen, finanziellen und medialen Aufwand für einen fruchtlosen Dialog um die bekannten Reizthemen im Vergleich zur eklatanten Vernachlässigung des Einsatzes für unsere verfolgten Brüder und Schwestern. 2013 hat das bereits der Historiker Peter Keller bemerkt und ausgesprochen: “Während in den arabischen Hinterhöfen die Christen verfolgt und vertrieben werden, diskutiert die hiesige Intelligenz über die Homo-Ehe und das Frauenpriestertum als dringendste Reformprojekte für den neuen Papst. Frohe Ostern.”


2. September
Christkönigsjugend

Vor 25 Jahren, am 2. September 1989, wurde in Wigratzbad die Christkönigsjugend (CKJ) gegründet.


1. September
Drei wichtige Kundgebungen

Am Sonntag, den 14. September, findet in Augsburg um 16:30 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto Glaube braucht Bekenntnis – Verfolgte Christen brauchen unsere Solidarität im Rahmen eines Begegnungstages von Kirche in Not statt.

Am Samstag, den 20. September, findet in Berlin der jährlich Marsch für das Leben statt.

Am Sonntag, den 19. Oktober, beginnt in Stuttgart um 14 Uhr auf dem Schillerplatz mit einer Kundgebung die Demo für alle zum Anliegen Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!

Alle drei Kundgebungen verdienen breiteste Unterstütung!


1. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden die Ausführungen von Peter Kwasniewski über die Eigenschaften einer guten Predigt und der Artikel von Franz Prosinger über die eucharistische Ekklesiologie Ratzingers und Voderholzers untergebracht. Die Beobachtungen P. Axel Maußens über die selektive Berichterstattung über den Heiligen Vater findet man auf der Seite mit den gesammelten Notizen zu Papst Franziskus.


1. September
Universität Krakau

Vor 650 Jahren, am 1. September 1364, erließ Papst Urban V. (1362-1370, in Avignon residierend) eine Bulle, in der er König Kasimir III. dem Großen von Polen (1333-1370) auf dessen Bitte hin die Gründung der Universität Krakau erlaubte, und zwar mit den Fakultäten für die Artes, Medizin und beide Rechte. Eine theologische Fakultät war also ausgeschlossen. Sie kam erst im Jahre 1400 hinzu. Die Jagiellonen-Universität ist nach Prag die zweitälteste Universität Mitteleuropas. Noch im selben Jahrzehnt folgten Wien und Fünfkirchen (Pécs).


31. August
Gemäßigter Islam?

Kürzlich brachte kath.net eine KNA-Meldung, wonach Saudi-Arabiens Großmufti Abdul Asis bin Abdullah al-Scheich vor der Armee des Islamischen Staates (IS; vorher ISIS) gewarnt habe. Der Großmufti ist die höchste islamische Autorität des Landes. Abdul Asis bin Abdullah bekleidet seit 1999 dieses Amt. Tatsächlich hatte er schon 2004 jeden Terror im Namen des Islam verurteilt. Dieser sei eine Religion des Friedens und der Güte. Derselbe Mann forderte aber 2012 in einer Fatwa die Zerstörung aller Kirchen in Arabien einschließlich Kuwait, da es in diesem Gebiet nur eine einzige Religion, den Islam, geben dürfe. Natürlich ist die Zerstörung von Kirchen im Vergleich zu den Gräueltaten der IS im Irak und in Syrien eine maßvolle Gewalttat. Aber es sollte klar sein, dass im Kontrast zum IS-Terror gemäßigt erscheinende Islamvertreter immer noch meilenweit von der Rechtsstaatlichkeit unserer westlichen Demokratien entfernt sind.

Nun muss man zugeben, dass die in Saudi-Arabien herrschende Form des Sunnitentum, also der Hauptrichtung des Islam, eine besonders radikale ist, nämlich der Wahhabismus, der auf Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb (1703-1792) zurückgeht und sich großenteils mit dem Salafismus deckt. Er zeichnet sich durch fanatische Intoleranz aus, der auch dem Schiitentum gilt. Wenn die IS-Terroristen schiitische Heiligtümer zerstören, tun sie nur das, was ihr wahhabitischen Vorfahren schon im 19. Jahrhundert taten.

Im Vergleich zum arabischen Wahhabitentum ist der Islam, wie er von den Gelehrten der Kairoer Al-Azhar-Universität vertreten wird, wiederum sehr gemäßigt. Für einen Großteil der islamischen Welt gilt der al-Azhar-Scheich, der auch Großimam genannt wird, als die höchste geistliche Autorität des Islam. Natürlich hat auch Al-Azhar das Vorgehen der IS-Milizen verurteilt und die Ausrufung des Kalifats zurückgewiesen. Eine solche Haltung hindert aber nicht die Meinung, dass Muslime, die vom Islam abfallen, die Todesstrafe verdienen, wie es eine Fatwa aus Al-Azhar 1978 festgelegt hat.

Es gibt also einen gemäßigten Islam. Er ist aber gemäßigt nur im Vergleich zu Phänomenen wie dem IS oder Boko Haram in Nigeria. Allen diesen Formen des Islam ist die Anerkennung der Scharia gemeinsam, die das herrschende Rechtssystem in jedem islamischen Staat sein muss. Einzelne muslimische Intellektuelle, die die Scharia in Frage stellen oder die deren ernsthafte Anpassung an die westliche Rechsstaatlichkeit mit ihrem Verständnis der Menschenrechte fordern, dürften Ausnahmeerscheinungen sein, die es niemals geschafft haben, dort, wo der Islam gesellschafts- und staatsbildend wurde, ihre Anschauungen durchzusetzen.


27. August
Moralischer Abgrund

Denn im Grunde haben das nationalsozialistische Heidentum wie das marxistische Dogma dies gemeinsam, daß sie totalitäre Ideologien sind und dazu neigen, Ersatzreligionen zu werden.

Schon lange vor dem Jahre 1939 zeigte sich in gewissen Bereichen der europäischen Kultur der Wille, Gott und sein Bild aus dem Horizont des Menschen zu entfernen. Man begann, die Kinder vom jüngsten Alter an in diesem Sinne zu indoktrinieren.

Die Erfahrung hat den traurigen Beweis erbracht, daß der Mensch, welcher allein der Macht des Menschen ausgeliefert und in seiner religiösen Sehnsucht verstümmelt ist, sehr schnell zu einer Nummer oder einem bloßen Objekt wird. Im übrigen hat noch kein Zeitalter die Gefahr vermeiden können, daß sich der Mensch in einer Haltung stolzer Selbstgenügsamkeit in sich selbst verschloß. Diese Gefahr aber hat sich in diesem Jahrhundert in dem Maße verschärft, wie Waffengewalt, Wissenschaft und Technik dem heutigen Menschen die Illusion haben geben können, der alleinige Herr und Meister von Natur und Geschichte zu werden. Ein solcher Anspruch liegt den Auswüchsen zugrunde, die wir heute beklagen.

Der moralische Abgrund, in den die Verachtung Gottes und damit auch des Menschen die Welt vor fünfzig Jahren hinabgestürzt hat, läßt uns die Macht des »Herrschers dieser Welt« (Joh 14,30) mit Händen greifen: Er vermag die Gewissen zu verführen durch die Lüge, durch die Verachtung des Menschen und des Rechtes, durch den Kult von Herrschaft und Macht.

An all das erinnern wir uns heute und bedenken dabei, zu welch extremen Folgen die Aufgabe jeglicher Achtung vor Gott und jeglichen transzendenten Moralgesetzes führen kann.

Papst Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren in seinem Apostolischen Schreiben zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs


27. August
Philipp Angelus Becchetti

Vor 200 Jahren, am 27. August 1814, starb im Alter von 72 Jahren der Kirchenhistoriker Philipp Angelus Becchetti OP, seit 1800 Bischof von Pieve, Italien. Seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung bestand in der Fortsetzung der Herausgabe der Istoria ecclesiastica, die Giuseppe Agostino Orsi 1747 begonnen hatte. Als dieser 1761 starb, waren 20 Bände erschienen, die den Zeitraum der ersten sechs Jahrhunderte abdeckten. Becchetti gab weitere 28 Bände heraus und kam bis zum Jahr 1587. Das monumentale Werk wurde mehrmals nachgedruckt und in verschiedene Sprachen, auch in die deutsche, übersetzt.


25. August
Maria Flesch

Vor drei Jahren, am 26. August 2011, starb im Alter von 86 Jahren Maria Flesch, die 1984 die von dem kanadischen Priester Pierre Gendron gegründete Herz-Jesu-Familie in Deutschland einführte.


25. August
László Dobszay

Vor drei Jahren, am 25. August 2011, starb in Budapest im Alter von 76 Jahren Prof. László Dobszay. Er setzte sich mit Kompetenz für die überlieferte Liturgie und den Gregorianischen Gesang ein. Große Beachtung fanden seine Werke The Bugnini Liturgy and the Reform of the Reform und The Restoration and Organic Development of the Roman Rite.


24. August
Monatsranking: Die Top 12 im Juli

Aufsteiger des Monats ist mein Artikel über die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben.
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24. August
Maria Bartholomäa Bagnesi

Vor 500 Jahren, am 24. August 1514, wurde in Florenz die selige Maria Bartholomaea Bagnesi OP geboren. Sie war eine Mystikerin und “wirkte trotz ihrer mit heroischer Geduld getragenen Leiden höchst segensreich in ihrer Vaterstadt” (H. Wilms im LThK, 1. Auflage). Am 28. Mai 1578 starb sie in Florenz.


18. August
Julius Bessmer

Vor 150 Jahren, am 21. August 1864, wurde in Baar, Kanton Zug, der Theologie und Psychologe Julius Bessmer SJ geboren. 1888 zum Priester geweiht, lehrte er ab 1895 Dogmatik. Am 18. April 1924 starb der hochangesehene Gelehrte in Valkenburg. Seine Auseinandersetzung mit dem modernistischen Offenbarungs- und Dogmenbegriff ist auf kath-info veröffentlicht.


18. August
John MacHale

Vor 200 Jahren, am 22. August 1814, wurde John MacHale (1791-1881) zum Priester geweiht. Er war ein “Führer im Kampf um die irische Emanzipation” (J.J. Twomey im LThK, 2. Auflage). 1833 wurde er Erzbischof von Tuam.


18. August
Bernard Galura

Vor 250 Jahren, am 21. August 1764, wurde in Herbolzheim Bernard Galura geboren. 1788 zum Priester geweiht, wurde er 1829 Fürstbischof von Brixen. Er war ein “überaus fruchtbarer Schriftsteller” und mit J. B. Hirscher “für die moderne Katechetik grundlegend” (L. Bopp im LThK, 2. Auflage 1960). Am 4. Mai 1856 starb er in Brixen.


18. August
Ladislaus Findysz

Vor 50 Jahren, am 21. August 1964, starb im polnischen Krościenko im Alter von 56 Jahren der selige Ladislaus Findysz. 1932 zum Priester geweiht, wurde er 1944 von den Deutschen aus seiner Pfarrei vertrieben, anschließend von den Kommunisten verfolgt. 1963 wurde er verhaftet und gefoltert. Im Krakauer Gefängnis verweigerte man ihm eine nötige Operation zur Entfernung eines Tumors an der Speiseröhre, woran er schließlich starb. Zusammen mit Bronislaus Markiewicz und Ignatius Klopotowski wurde er am 19. Juni 2005 in Warschau seliggesprochen.


17. August
Pius X.

Vor 100 Jahren, am 20. August 1914, starb der hl. Papst Pius X. Er war ein großer Reformpapst und ein unerschrockener Verteidiger des Glaubens gegenüber den Gefahren des Modernismus, den er in seiner Enzyklika Pascendi als Sammelbecken aller Häresien entlarvte.


17. August
Franz Xaver Wernz

Vor 100 Jahren, am 19. August 1914, starb in Rom im Alter von 71 Jahren der aus Rottweil stammende Kanonist Franz Xaver Wernz SJ. 1875 wurde er Professor für Kirchenrecht, 1886 Konsultor von drei römischen Kongregationen, 1906 Ordensgeneral. Er war der 25. Ordensgeneral in der Geschichte der Gesellschaft Jesu.


17. August
Weltjugendtag

Vor drei Jahren, am 18. August 2011, kam Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Madrid.


17. August
Christian Philippe Chanut

Vor einem Jahr, am 17. August 2013, starb in Boutigny-sur-Essonne im Alter von 65 Jahren der Historiker Christian Philippe Chanut. Er studierte in Saint-Sulpice und wurde 1979 zum Priester geweiht. Viele Jahre lehrte er Kirchengeschichte, Patristik und Homiletik im Priesterseminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad. Nach der Promulgation des Motu proprio Summorum Pontificum im Jahre 2007 wurde er in der Diözese Évry-Corbeil-Essonnes zum Verantwortlichen für dessen Umsetzung ernannt.


15. August
Berührt das mein Herz?

Wenn ich daran denke oder höre, dass viele Christen verfolgt werden und sogar das Leben für ihren Glauben hingeben, berührt das mein Herz oder kommt es bei mir nicht an? Bin ich offen für jenen Bruder oder für jene Schwester der Familie, der oder die ihr Leben hingibt für Jesus Christus? Beten wir füreinander? Ich stelle euch eine Frage, aber antwortet nicht mit lauter Stimme, sondern nur im Herzen: Wie viele von euch beten für die verfolgten Christen? Wie viele? Jeder möge im Herzen antworten.

Papst Franziskus in der Generalaudienz vom 25. September 2013

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