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* * *

16. Mai
Angelus Silesius und die christliche Mystik

Von Richard von Kralik

Zwölfter Teil

Nur in Gott, in seinem Worte, seinem »Logos«, haben die Dinge Bestand:

Weil die Geschöpfe gar in Gottes Wort bestehn,
Wie können sie denn je zerwerden und vergehn?

Ihre Idee in Gott ist aber ihr Wesen:

Mensch, werde wesentlich! Denn wenn die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

Das Wesen wird bleiben, wenn das Vergängliche vergeht:

Schau, diese Welt vergeht. Was? Sie vergeht auch nicht.
Es ist nur Finsternis, was Gott an ihr zerbricht.

Das gilt vor allem von bekehrten Menschen:

Mensch, wenn du durch das Blut des Lammes bist genesen,
So bist du ewiglich kein böser Mensch gewesen.

Diese Verwesentlichung, diese Idealisierung nennt die Scholastik »Teilnahme an der göttlichen Natur« (»participatio divinae naturae.« Thom. Aq. II. 1. q. 112 a. 1.), die Mystik »Vergottung«. Sie ist die übernatürliche Kindschaft Gottes:

Mensch, werd’ aus Gott geborn! Bei seiner Gottheit Thron
Steht niemand anders als der eingeborne Sohn.

Nur der so vollkommen ist wie der Vater, kann sein Kind sein:

Sag’, wie ich möge sein des Vaters liebstes Kind?
Wenn er sich selbst und All’s und Gottheit in dir findt.

Oder anders ausgedrückt:

Ist Gottes Gottheit mir nicht inniglich gemein,
Wie kann ich denn sein Kind und er mein Vater sein?

Das Gotteskind muss ein Glied am Leibe des einigen Gottessohnes werden:

Der wahre Gottessohn ist Christus nur allein.
Doch muss ein jeder Christ derselbe Christus sein.

Dies ist der geistige Adel des Christen:

Des Weisen Ahnen sind Gott Vater, Sohn und Geist;
Von denen schreibt er sich, wenn er sein’ Abkunft preist.

Oder noch genauer gesagt:

Aus Gott bin ich geborn, erzeugt in seinem Sohn,
Geheiliget im Geist. Dies ist mein’ Adelskron’.

Es ist eine geistige Wiedergeburt durch Teilnahme:

Die geistliche Geburt, die sich in mir eräugt [= ereignet],
Ist eins mit der, durch die den Sohn der Vater zeugt.

Der Weg zu diesem hohen Ziel wird durch gute Werke erreicht:

Durch Demut und Kastein und durch Almosengeben
Steht auf Geist, Leib und Seel zu einem neuen Leben.

Vor allem durch die Wurzel aller Tugenden:

Schau’, alle Tugenden sind Ein’ ohn’ Unterscheid.
Willst du den Namen hör’n! Sie heißt Gerechtigkeit.

Das ist nicht zu Gottes, sondern zu des Menschen Vorteil:

Mensch, Gott ist nichts gedient mit Fasten, Beten, Wachen.
Du dienst mehr dir damit, weil’s dich kann heilig machen.

Die Vervollkommnung geschieht stufenweise:

Fünf Staffeln sind in Gott: Knecht, Freund, Sohn, Braut, Gemahl.
Wer weiter kommt, verwird und weiß nichts mehr von Zahl.

Je nach den Stufen vervollkommnet sich das Verhältnis zu Gott:

Die Knechte fürchten Gott. Die Freunde lieben ihn.
Die Kinder geben ihm ihr Herz und allen Sinn.

Wird fortgesetzt.

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15. Mai
Unterstützenswerter Gebetsaufruf

Die Zeit ist da zu beten - wozu Mgr. Fellay uns aufruft. Und auch die Zeit des Vertrauens in die Kirche.

Pater Michel Simoulin FSSPX, eines der ältesten Mitglieder der Piusbruderschaft, im Rundschreiben "Le Seignadou".


15. Mai
Roque González de Santa Cruz

Vor 400 Jahren, im Mai 1612, wurde der hl. Roque González de Santa Cruz (1576 - 1628) Nachfolger von Lorenzana in der Leitung der Reduktion von San Ignacio Guazú. Zuvor hatte er die Guaycurus am Paraguay-Fluss zivilisiert, evangelisiert und deren Reduktion organisiert. In der Stadt Asunción hatte er feierlich den Häuptlingssohn der Guaycurus taufen können. Die neue Reduktion leitete er drei Jahre, bis er 1615 die Reduktion Encarnación, dann Santa Ana Yaguapoá gründete.


14. Mai
In eigener Sache

Auf einer eigenen Seite wurden die beiden Kurzbiographien über Giuseppe Maria Pignatelli und Josef Benedikt Cottolengo untergebracht, außerdem die Rezension Elisabeth Pals über Allah Mahabba und die Ausführungen P. Walthard Zimmers über die Aufgaben des Priesters.


14. Mai
Vinzenz von Paul

Vor 400 Jahren, im Mai 1612, wurde der hl. Vinzenz von Paul (1581 - 1660) Pfarrer in Clichy bei Paris und damit Nachfolger von François Bourgoing, einem der ersten Gefährten Bérulles, der kurz zuvor das Oratorium gegründet und Vinzenz zu einem heiligen Leben bekehrt hatte.


13. Mai
Die unersetzliche Bedeutung Christi

Wer kennt Gott? Wie können wir ihn kennenlernen? Wir können hier nicht in eine umfassende Erläuterung dieser fundamentalen Frage eintreten. Für den Christen ist der Kern der Antwort einfach: Nur Gott kennt Gott, nur sein Sohn, der Gott von Gott, wahrer Gott ist, kennt ihn. Und er, »der am Herzen des Vaters ruht, hat Kunde [von ihm] gebracht« (Joh 1,18). Daher rührt die einzige und unersetzliche Bedeutung Christi für uns, für die Menschheit.

Papst Benedikt XVI. heute vor fünf Jahren, am 13. Mai 2007, in seiner Rede zur Eröffnung der V. Generalversammlung der Bischofskonferenzen von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida (Brasilien). Mit der Kritik, die diese Rede hervorgerufen hat, setzt sich Prof. Albert Dahm in seinem Beitrag Christus - Sehnsucht der Völker auseinander.


12. Mai
Vernunft und Tyrannei der Mehrheit

Von Janne Haaland Matláry

Zweiter Teil

Vernunft ist das Schlüsselwort für Ratzinger. Er kommt auf die Grenzen der funktionalen Rationalität zurück: „Vernünftig ist danach nur, was im Experiment nachgewiesen werden kann“ (ebd., S. 66). Doch das Experiment als die spezifisch naturwissenschaftliche Methode ist nicht die spezifisch philosophische oder spezifisch theologische Methode, und das würde auch niemand erwarten. Dennoch ist es den Vertretern der letztgenannten Disziplinen nicht gelungen, ihre Vernunft deutlich zu machen, die notwendigerweise im Wissen vom Menschen wurzelt. Doch während Immanuel Kant noch von einer Kategorie des Guten an sich sprechen und seinen kategorischen Imperativ als Axiom formulieren konnte, ist dies, so Ratzinger, heute nicht mehr möglich. Das moderne Europa, das die Kultur der Philosophie und der Theologie, so wie wir sie kennen, gewesen ist, hat auch ihre Antithese hervorgebracht: die heute vorherrschende Kultur der instrumentellen Vernunft, in der jedes Wissen vom Menschen eine reine Laune oder subjektive Empfindung ist.

Worin besteht die Begrenztheit dieser instrumentellen Vernunft unserer Zeit? Mit messerscharfer Logik stellt Ratzinger seine Hypothese vor, daß die instrumentelle Vernunft des heutigen Europa nicht als universales Paradigma dienen kann. Nur in Europa sind moralische Normen und Religion in einer recht krassen Form des Säkularismus aus dem öffentlichen Leben der Nationen verbannt worden. Doch dieser Säkularismus stellt sich selbst als den einzig gültigen Maßstab dar, an dem sich auch andere Kulturen und Zivilisationen messen lassen müssen, wodurch er seine Achtung vor Pluralismus und Relativismus ad absurdum führt. Das einzige, was nicht im Namen des Relativismus kritisiert werden darf, ist diese durch und durch europäische Kultur selbst. Das europäische Paradigma wird zur einzigen politisch korrekten Möglichkeit – doch dahinter verbirgt sich der logische Trugschluß, daß ein Wertesystem wertvoller ist als andere, was doch nur denkbar wäre, wenn es auf objektiven Werten beruhen würde.

Ein sehr anschauliches Beispiel hierfür ist die Debatte um die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed im Februar 2006. Diese Karikaturen erschienen zuerst in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten und später in einem rechtsgerichteten christlichen Publikationsorgan in Norwegen. Die heftigen Reaktionen reichten von Boykotten bis hin zu Brandanschlägen auf Botschaftsgebäude im Mittleren Osten. Die im Zusammenhang mit diesem Fall in den nordischen Ländern geführte Debatte um die Meinungsfreiheit zeigt überdeutlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die aggressiv säkularistische Sicht auf alle Verhältnisse übertragen wird: Die Pressefreiheit ist unanfechtbar, so die Argumentation der dänischen und norwegischen Journalisten, und diese Pressefreiheit äußert sich eben auch darin, daß die Religion diffamiert, lächerlich gemacht und verunglimpft wird – wenn manche Leute das als Blasphemie empfinden, beweist das nur, wie sehr sie noch an den religiösen Tabus festhalten, die allein schon deshalb, weil sie Tabus sind, bekämpft werden müssen. Nichts ist heilig, so das Argument, und der Anspruch, daß irgend etwas heilig ist, zeigt nur, daß die Religionen Sonderrechte beanspruchen. Wer soll entscheiden, was heilig ist? Etwa die Religionen? Damit verschaffen sie sich doch nur Privilegien, die sie vor allen Angriffen und jeglicher Kritik schützen.

Diese Argumentationsweise ist wichtig, denn sie ist eine perfekte Veranschaulichung von Ratzingers These, daß ein intoleranter Säkularismus, der in einigen europäischen Ländern verbreitet ist, sich nun selbst als Verteidiger der Menschenrechte und der Demokratie auf der ganzen Welt und damit als ein Maßstab zu profilieren sucht, dem andere, weniger entwickelte Länder folgen müssen. Außerdem belegt diese säkulare Hegemonie in Europa die Menschenrechte mit Beschlag, indem sie die Freiheit der Meinungsäußerung in ihrer eigenen intoleranten und respektlosen Weise definiert – wenn die Beleidigung und Verhöhnung der Religion ihren Höhepunkt erreicht, dann hat man es mit einem absoluten, in größter Freiheit ausgeübten Menschenrecht zu tun. Es ist geradezu eine Gesetzmäßigkeit: Je mehr die Religion beleidigt wird, desto freier war die Meinungsäußerung.

Das ist natürlich blanker Unsinn und hat außer mit primitiver Geschmacklosigkeit mit nichts etwas zu tun. Die Freiheit der Meinungsäußerung ist ein sehr weiter – in der Gesetzgebung mancher europäischer Staaten sogar allumfassender – Begriff, doch das bedeutet nicht, daß sie ein Freibrief für alle Arten von Beleidigungen sein darf. Wer seine Meinung äußert, muß sowohl die Religionsfreiheit als auch das Recht auf Reputation und guten Ruf in Betracht ziehen, denn auch bei diesen beiden handelt es sich um grundlegende Menschenrechte. Der Respekt vor der Religion ist außerdem eine Voraussetzung der Religionsfreiheit. Über all das herrscht in den europäischen Staaten weitgehende Übereinstimmung, doch es muß erwähnt werden, daß sich sowohl in den fraglichen skandinavischen Staaten als auch im traditionell laizistischen Frankreich starke Gruppen von Befürwortern in dem oben erwähnten Fall für eine uneingeschränkte Meinungsfreiheit eingesetzt haben.

Der Freiheitsbegriff, der dieser Auffassung, daß man alles und vor allem auch beleidigende Dinge sagen darf, zugrunde liegt, ist notwendigerweise selbst unbegrenzt. Ratzinger sieht in dieser unbegrenzten Freiheit zu Recht das größte Problem der modernen Demokratie. Wenn das Böse ein subjektiver Begriff und das Urteil über den Schaden, den man anderen zufügt, ebenfalls eine Frage des subjektiven Empfindens ist, dann wird die Freiheit nicht einmal mehr dadurch begrenzt, daß man anderen nichts Böses tun darf.

Die fehlende Bereitschaft, diese moderne Freiheit zu begrenzen, liegt letztlich in der Unfähigkeit, den Menschen und das zu definieren, was an der menschlichen Natur gut oder schlecht ist. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 basiert auf einem allerdings impliziten Menschenbild: So muß man beispielsweise, um in Würde leben zu können, bürgerliche und politische Rechte besitzen; man muß religiösen Freiraum haben und die Möglichkeit, eine Familie zu gründen; man muß für seine Familie Unterstützung erhalten usw. Wenn wir genau hinsehen, können wir die Anthropologie, die dieser Erklärung zugrunde liegt, nachzeichnen. Die verschiedenen Menschenrechte bilden ein sorgfältig ausbalanciertes Gebäude, und sobald eines dieser Rechte absolutgesetzt wird, wird das ganze Gebäude einstürzen.

Doch kommen wir noch einmal auf das erwähnte Beispiel zurück, denn daran läßt sich gut veranschaulichen, wie es dazu gekommen ist, daß sich ein Menschenrecht vor die anderen geschoben hat. Muslime sind es nicht gewohnt, daß ihre Religion lächerlich gemacht wird, und sie reagieren daher mit allen möglichen inakzeptablen Mitteln wie Drohungen und gewaltsamen Angriffen. Niemand will diese Methoden gutheißen. Doch wenn wir von diesen inakzeptablen Methoden einmal absehen, sehen wir, daß es zwischen der Verhöhnung der Muslime und der der Christen in bestimmten Teilen der westlichen Presse eine Parallele gibt: Die Christen werden in ihrer eigenen nationalen Presse und vielleicht besonders in den nordischen Staaten regelmäßig attackiert, doch sie haben sich daran gewöhnt. Dennoch zeigt diese Entwicklung, daß das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in unseren Gesellschaften nicht respektiert wird – es läßt sich nicht mit der säkularistischen Prämisse vereinbaren, daß alles lächerlich gemacht werden darf und muß und daß nichts heilig und somit davon ausgenommen sein kann. Diejenigen, die an Gott glauben, werden keine Blasphemie dulden und ihr niemals mit Gleichgültigkeit begegnen, auch wenn die Christen im Sinne der christlichen Vergebungsbereitschaft damit ganz anders umgehen als viele Juden und Muslime. Doch darum geht es hier nicht. Der wesentliche logische Punkt ist der, daß Blasphemie nur für den existiert, der das Phänomen des Religiösen respektiert, und das Recht, solchen Respekt einzufordern, ist im Menschenrecht der Religionsfreiheit enthalten. Das Verhältnis zwischen Redefreiheit und Religionsfreiheit muß in einer Gesellschaft entweder ausgewogen sein – und das war sicherlich die Absicht der Verfasser der Menschenrechtserklärung –, oder es kommt zur Konfrontation, bei der das eine Recht versuchen wird, das andere zu verdrängen.

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11. Mai
Verzerrende Darstellung

Ein Zerrbild dieses Papstes zeichnen Sie auch mit Begriffen: Benedikts Brief fordere mit einem „katholischen Basta“ von den Bischöfen, skeptischen Gläubigen in dieser Frage „Zweifel auszutreiben“ und „die päpstliche Lesart beizubiegen“. Sie unterstellen damit einen autoritären Habitus, der Joseph Ratzinger völlig fremd ist. Seine Sprache und Argumentation ist hier, wie generell, vielmehr differenzierend und werbend, auf Einwände eingehend, behutsam statt brüsk.

Andreas Püttmann in einem offenen Brief an Joachim Frank anlässlich dessen Berichterstattung über den Papstbrief zu den Wandlungsworten in der Frankfurter Rundschau und dem Kölner Stadtanzeiger.


11. Mai
Monatsranking: Die Top 12 im April

Aufsteiger des Monats sind die Seiten über die Wandlungsworte und die Forderung Roms nach ihrer korrekten Übersetzung.
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10. Mai
Hochschätzung des biblischen Wortes

Wenn er [Papst Benedikt XVI.] sich dennoch so nachdrücklich für die Formulierung „für euch und für viele“ einsetzt, macht er das aus einem einzigen Grund, wie er in seinem Brief betont: „Die Kirche sagt es so aus Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben. Die Ehrfurcht vor dem Wort Jesu selbst ist der Grund für die Formulierung des Hochgebets.“ Als evangelische Christen können wir uns über diese Hochschätzung des biblischen Wortes nur von Herzen freuen: Entspricht sie doch unserer reformatorischen Erkenntnis von der Heiligen Schrift als dem alleinigen Maßstab für Lehre und Leben. Es befremdet daher, wenn einzelne katholische Theologen wie auch Vertreter der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ die Ausführungen des Papstes sogleich beargwöhnen, der Papst wolle mit seiner Unterscheidung ein Zugeständnis an extrem konservative Kreise wie die Piusbrüder machen. Das zeigt nur, wie weit verbreitet inzwischen das Misstrauen in der katholischen Kirche gegenüber dem Vatikan ist.

Aus dem Kommentar Abendmahl: Zurück zu Jesus! des evangelischen Pastor Klaus Jürgen Diehl im idea-Spektrum vom 9. Mai 2012 über die Anordnung Benedikts XVI., die Wandlungsworte wörtlich zu übersetzen.


10. Mai
Der Unterschied zu den Kritikern

Im Unterschied zu den Kritikern argumentiert der Papst sehr differenziert. Er spricht kein Machtwort, sondern wirbt für seine Entscheidung mit Argumenten.

Der Theologe Jan Heiner Tück, Professor in Wien, im April 2012 über den Brief Papst Benedikts XVI. zur “für-viele”-Übersetzung.


10. Mai
Märtyrer

Der Journalist Odoardo Focherini ist jetzt vom Heiligen Stuhl offiziell als Märtyrer anerkannt worden.


7. Mai
Überreicher Segen

Ebenso möchte ich in diesem Zusammenhang auch an die große Familie der Pfarrei einige dringende Bitten richten: Haltet das monatliche Triduum: Priesterdonnerstag, Herz-Jesu-Freitag, Herz-Mariä-Samstag! Betet beharrlich, der Aufforderung Christi entsprechend, daß der Herr Arbeiter in seine Ernte sende! (Mt 9, 38) Betet um Piester-, Missions- und Ordensberufe! Laßt die Jugend erkennen, daß nicht nur der Bischof, sondern auch die Pfarrgemeinde jedem dankbar ist, der trotz Schwierigkeiten den an ihn ergangenen Ruf Christi großherzig erwidert. In besonderer Weise wende ich mich an die Kranken: Ihr erfahrt in euren Gebrechen, daß unsere Hoffnung nicht in dieser Welt aufgeht. Ihr spürt die Notwendigkeit von Menschen, die euch von Christus her, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, euer Leben deuten und euch durch Wort und Sakrament Kraft und Trost spenden. Euer Leben und Leiden ist nicht sinnlos, sondern kann überreicher Segen für die ganze Kirche werden, wenn ihr es Christus anbietet. Vergeßt in eurer Krankheit nicht das Gebet um Priester- und Ordensberufe!

Papst Johannes Paul II. am 4. Mai 1987 in seiner Ansprache an die Seminaristen der Diözese Augsburg anlässlich der Einweihung des neuen Priesterseminars.


7. Mai
Gold außer Kurs
Was es mit der "Geschichtlichkeit der Wahrheit" auf sich hat

Von Dr. Eduard Kamenicky

Zweiter Teil

Drittes Beispiel: Aufklärung

Dann war die gefeierte Neuzeit vollends da und mit ihr der Wissensstolz der Aufklärung, die Skepsis des Liberalismus, die rationalistische Kleinstgläubigkeit. Auch die echten Söhne dieser Epoche scheuten in ihrer großen Mehrheit das schroffe Nein zu der Lehre des Meisters von Nazareth. Aber in den Händen von Lessings Nathan wurde schon recht zweifelhaft und im Grunde unwichtig, wo hier nur wirklich das Kleinod war. Und weil sich alles zuletzt als Objekt der Wissenschaft erwies und erst mit der Wissenschaft der Mensch die ihm zugedachte Höhe erstieg, wurde auch der alte Schatz des Evangeliums hervorgeholt und endlich einmal kritisch unter die Lupe genommen. Abermals ein Akt der “Annahme”, dem allerdings der Geist des Glaubensgehorsams und der Bereitschaft zur Nachfolge Christi schon völlig fremd war. Da stand immer noch der Katholik, dieses sonderbare Geschöpf, bewahrend, festhaltend an dem ihm Überlieferten, treu, in Ehrfurcht, seines göttlichen Reichtums gewiß. Immer noch hatte er die alte Münze in der Hand wie den Denar himmlischen Lohnes, trug die Kunde des mit ihm Verheißenen im Herzen. Bis der Mann der Wissenschaft an ihn herantrat und zu ihm sagte: “Was hast du da Hübsches? O ja, ein schones Stück! Ein interessantes Stück! Meisterlich gefälscht, aber natürlich — gefälscht!” Und nach und nach erfuhr der gläubige (man sagte: “ach so gut-gläubige”) Katholik, was alles nicht echt war. Gewiß: die Bibel in Ehren. Die Tradition in Ehren. (Und die Wissenschaft erst recht!) Aber man war eben so weit, unterscheiden zu können. Und man fand mit der Zeit so viele Falsifikate, daß der geistige Schatz der Kirche praktisch in nichts zerrann. Diese Leistung war im wesentlichen schon im 19. Jahrhundert erbracht, wenngleich sie erst allmählich den Christen zum Bewußtsein kam.

Viertes Beispiel: Die Gegenwart

Und jetzt treten mit großer Selbstsicherheit die Neu-Interpreten von Bibel, Kirche und Dogma auf — die Geschichtsschreibung hat mangels zeitlichen Abstandes von diesem Ereignis noch keinen endgültigen Namen für sie geprägt —‚ welche ihre umfassende Kritik noch raffinierter üben. Sie sagen nämlich (wenn wir das Bild von der Münze beibehalten und ihre Haltung an diesem verdeutlichen wollen): »Eine Fälschung? Nein, nein, das ist schon echt! Das ist schon alt, uralt! Das ist sogar, nach allen Merkmalen zu schließen, mit großer Sicherheit erstes Jahrhundert. Aber - was willst du eigentlich heute, im zwanzigsten, damit? Echtes Gold, kein Zweifel, aber — längst außer Kurs! War damals gängig und gültig, selbstverständlich. Aber heute? Man könnte es allenfalls in eine Vitrine legen, sozusagen als ein museales Stück. Aber damit ist niemandem wirklich gedient. Es bliebe dabei tot und fossil. Man muß es einschmelzen. Man muß es umprägen. Man muß daraus etwas machen, was dem Menschen heute dient, was seinen Bedütfnissen entspricht. Gewiß, man muß es nutzbar machen und wieder in Verkehr bringen, aber angepaßt an die neuen Verhältnisse einer ganz anders gewordenen Welt ...”

Das klingt abermals verblüffend, nahezu klug, für viele einleuchtend und jedenfalls gefährlich verführerisch wie jeder andere erwähnte Versuch, die christliche Botschaft in einer für sie zuletzt tödlichen Weise zu adoptieren und dem Menschen zu eigen zu machen. Der Kern dieser geisteswjssenschaftlichen “Relativjtäts-Theorie” (die nicht mit der naturwissenschaftlichen Albert Einsteins verwechselt werden darf) lautet: alles ist geschichtlich bedingt und in seiner Bedeutung daher überholbar. Es hängt notwendig von der Erkenntnis, der Bildung, dem Charakter der Völker und ihrer Kultur ab und kann nur aus der Zeit heraus, in der es gesagt, geglaubt und geschaffen wurde, richtig verstanden werden. Man muß alles im Rahmen des Weltbildes, zu dem es gehört, auf das es sich bezieht und das es zum Ausdruck bringt, sehen, man muß es aus seinen geschichtlichen Bedingungen und Zusammenhängen beurteilen. Die Zeiten ändern sich und wir Menschen wandeln uns mit ihnen. Das hatten sogar schon die Alten erfaßt. Dieses Grundgesetz allen Lebens und aller Entwicklung muß die Methodik jeder deutenden Wissenschaft, jeder geistigen Erschließung menschlicher Leistungen und Anschauungen aller einzelnen. Epochen bestimmen. Nur die Berücksichtigung aller geschichtlichen Faktoren und Konditionen kann uns hinsichtlich jedes geistigen Denkmales der Menschheit den Weg zu dessen ursprünglichem Sinn freimachen. Solche Deutekunst (oder Hermeneutik) ist der Universalschlüssel wahrhaft wissenschaftlicher Interpretation. Was sich mit ihrer Hilfe als geschichtlich fundierter und gesicherter Sinn der Dokumente menschlicher Überzeugungen erheben läßt, ist in seiner Geltung natürlich beschränkt auf den Raum der ihm zugehörigen Kultur und Mitwelt. Sobald sich die Perspektiven des Menschen geschichtlich verschieben, stellt sich alles von neuem Standort aus verändert dar. Das kann gar nicht anders sein. Dieser Wandel ist stetig und er ist notwendig; denn er ist die Seele des Fortschritts. Daß dies alles auch für die Religion und ihre Lehre gilt, steht außer Zweifel. Wir beginnen sehr spät, diese Einsicht nutzbar zu machen; desto machtvoller kommt sie heute zum Durchbruch; desto radikaler muß sie auch hier mit allen ihren Folgerungen zu Ende gedacht werden.

In dieser hier notgedrungen ganz knapp resümierten Doktrin ist Berechtigtes und Berüchtigtes, Banales und Fatales, Schlüssiges und Kurzschlüssiges so heillos miteinander vermengt und verfilzt, daß man die Breitenwirkung dieser mit Irrtum versetzten Erkenntnismelange auf ein weithin laienhaft unkritisches, wissenschafisgläubiges und fortschrittlich gesinntes Publikum durchaus verstehen kann. Der Arglose beginnt gewöhnlich erst dann zu stutzen, wenn sich die Relativitätspropheten so sehr übernehmen, daß sie etwa Sätze wagen wie: Wahrheit sei einzig Sache des intellektuellen Geschmacks, oder: was die Sentenzen einer Schrift des ersten oder eines Konzils des vierten Jahrhunderts für die, die sie niedergelegt haben, bedeutet hätten, sei heute überhaupt nicht mehr eruierbar. Denn mit solchen und ähnlichen Annahmen würde nicht nur alle Texterschließung zu einer Sache der Willkür und jede Weitergabe von Wissen zu einer Angelegenheit von Zufall und Glück, der Mensch selber entpuppte sich angesichts einer derart monströsen Diskontinuität seiner geistigen Manifestationen als ein irrationales Wesen von so bedenklicher Art, sich zu äußern und seine Überzeugungen darzustellen, daß er mit den Zeugnissen seines Geistes ferner kaum mehr das anhaltende Interesse des vernünftig Denkenden erwarten dürfte. Daß sich darin alle Wissenschaft des Menschen selbst zuschanden machte, ist völlig klar, und hier muß nun wohl auch den abenteuerlustigsten Partisanen des sogenannten Erkenntnisfortschritts der Zweifel packen.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


6. Mai
Francesco Giuseppe Bressani

Vor 400 Jahren, am 6. Mai 1612, wurde in Rom der Kanadamissionar Franz Joseph Bressani SJ geboren. Er missionierte unter den Huronen, wurde von den Irokesen gefangen und gefoltert, überlebte aber, wurde an die Holländer verkauft und starb 1672 in Florenz. Er begegnete uns auf kath-info bereits in der Lebensbeschreibung Chaumonots.


6. Mai
Bamberger Dom

Heute vor 1000 Jahren, am 6. Mai 1012, wurde in Anwesenheit Kaiser Heinrichs II. und aller Großen des Reiches der Dom zu Bamberg geweiht. Zum heutigen Jubiläum übermittelte Walter Kardinal Brandmüller ein Grußwort des Papstes, in dem es heißt: “Es sind Mauern, die den Stürmen eines Jahrtausend standgehalten haben. An ihnen haben sich auch die Wogen der gott- und menschenfeindlichen Ideologien des vergangenen Jahrhunderts gebrochen. Das Haus, es war und bleibt aus Fels gebaut.”


6. Mai
Martin de Porres

Vor 50 Jahren, am 6. Mai 1962, sprach Papst Johannes XXIII. den Peruaner Martin de Porres OP (1569 - 1639) heilig. Der Mulatte wurde von Pius XII. zum Schutzpatron der sozialen Gerechtigkeit in Peru erklärt.


5. Mai
Organspende nach Hirntod?

Von P. Engelbert Recktenwald

Das Lehramt der katholischen Kirche gestattet die Entnahme lebensnotwendiger Organe zum Zweck der Transplantation nur bei toten Menschen. Dies geht hervor aus der Charta der im Gesundheitsdienst tätigen Personen, 1995 hrg. vom Päpstlichen Rat für die Seelsorge im Krankendienst, und aus der Ansprache Papst Benedikts vom 7. November 2008 an die Teilnemer des Kongresses zum Thema “Ein Geschenk des Lebens. Überlegungen zur Organspende.”

Im ersten Dokument heißt es:
“Die Organe können bei homöoplastischen Verpflanzungen einem lebenden Spender oder einem Leichnam entnommen werden. Im ersten Fall ist die Organentnahme unter der Bedingung legitim, dass es sich um Organe handelt, deren Explantation keine schwerwiegende oder nicht wiedergutzumachende Beeinträchtigung für den Spender nach sich zieht (...) Im zweiten Fall befinden wir uns nicht mehr vor einem lebenden Menschen, sondern vor einem Leichnam (...) Man muß freilich die Gewissheit haben, dass es sich um einen Leichnam handelt, um zu vermeiden, dass die Organentnahme den Tod hervorruft oder auch nur vorzeitig eintreten läßt. Die Organentnahme vom Leichnam ist nur nach einer sicheren Feststellung des Todes des Spenders zulässig.”

In der Rede des Papstes heißt es:
“Es kommt häufig vor, dass die Technik der Organtransplantation durch eine Geste totaler Unentgeltlichkeit seitens der Verwandten von Patienten ermöglicht wird, deren Tod mit Sicherheit festgestellt worden ist. In diesen Fällen ist die aufgeklärte Zustimmung [„informed consent“] die Vorbedingung der Freiheit, damit die Transplantation die Charakteristik einer Gabe hat und nicht als erzwungene Handlung oder als Akt der Ausnutzung interpretiert werden kann. Es ist jedoch nützlich daran zu erinnern, dass die einzelnen lebenswichtigen Organe nur ‚ex cadavere‘ entnommen werden dürfen [d.h. wenn der Mensch tot ist], der im übrigen seine einzigartige Würde behält, die zu respektieren ist. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren weitere Fortschritte in der Sicherheit der Todesfeststellung des Patienten gemacht. Es ist daher gut, wenn die erreichten Resultate die Zustimmung der ganzen wissenschaftlichen Gemeinschaft erhalten, um die Erforschung von Lösungen zu begünstigen, die allen Gewissheit vermitteln. In einem Bereich wie diesem darf nicht der geringste Verdacht auf Willkür gegeben sein, und wo noch keine Gewissheit erreicht ist, muss das Prinzip der Vorsicht walten.”

Es müssen also nach den Vorgaben des Lehramtes zwei Bedingungen für die Spende lebensnotwendiger Organe erfüllt sein:

1. Der Spender muss tot sein.
2. Über den Tod muss Gewissheit herrschen.

Darüber aber, ob der Hirntod wirklich der Tod des Menschen ist, herrscht gerade keine Gewissheit. Die “Zustimmung der ganzen wissenschaftlichen Gemeinschaft” zum Hirntodkriterium hat in den letzten Jahren nicht zu-, sondern abgenommen. Das liegt daran, dass das Hauptargument, das einst die Hirntodtheorie stützte, zusammengefallen ist. Es lautete, dass das Gehirn den biologischen Organismus zu einem Ganzen integriere. Die Wirklichkeit sieht anders aus: “So halten Hirntote ihre Homöostase aufrecht, den Gleichgewichtszustand des Organismus. Sie regulieren Körpertemperatur und bekämpfen Infektionen, produzieren Exkremente und scheiden sie aus. Die Wunden heilen bei Hirntoten ebenso, wie ihr proportioniertes Wachstum gesteuert wird. Schwangere Hirntote können gesunde Babys austragen. Nicht zuletzt reagieren Hirntote mit Ausschüttung von Stresshormonen auf Schmerzreize.” So berichtete am 14. September 2010 die FAZ über die neueste wissenschaftliche Entwicklung. Das amerikanische President’s Council on Bioethics hält gemäß seinem White Paper Controversies in the Determination of Death aus dem Jahr 2008 die Hirntodtheorie für empirisch widerlegt.

Es existieren also zumindest ernsthafte, stark begründete Zweifel daran, ob Hirntote wirklich tot sind. Wenn dem so ist, greift das “Prinzip der Vorsicht”, von dem der Papst spricht. Es ist im Zweifelsfall nicht erlaubt zu töten. So darf ein Jäger z.B. nur dann schießen, wenn er sicher ist, dass das Objekt ein Tier und kein Mensch ist. Wenn daran ein Zweifel besteht, darf er nicht schießen. Solange der Hirntod umstritten ist, bleibt eine Organspende nach Hirntod moralisch verwerflich, weil sie möglicherweise und nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft sogar sehr wahrscheinlich die Tötung eines Menschen bedeutet.

Es ist deshalb widersprüchlich, wenn einerseits in bischöflichen Stellungnahmen die Umstrittenheit des Hirntods zugegeben und in der Debatte “ein Höchstmaß an Offenheit hinsichtlich der immer wieder diskutierten Frage des Eintritts des Todeszeitpunkts” gefordert wird (so der Vorsitzende der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Dr. Gebhard Fürst am 6. Oktober 2011), andererseits für die Organspende, wie sie heute faktisch nach dem Hirntodkriterium praktiziert wird, geworben wird. Die einzig moralisch vertretbare Folgerung aus dem geschilderten Sachverhalt ist die Forderung nach einem Stopp der entsprechenden Organspenden.


4. Mai
Ludwig Windthorst

Von Ludwig von Hammerstein

Vierter Teil

Artikel 15 der preußischen Verfassung, welcher der Kirche ihre Selbständigkeit verbürgte, erhielt den Zusatz: sie “bleibt aber den Staatsgesetzen und der gesetzlich geordneten Aufsicht des Staates unterworfen”. Das hieß mit anderen Worten: die Kirche ist unabhängig, aber sie ist nicht unabhängig. Da man diesen Widerspruch erkannte, sah man sich bald genötigt, den ganzen Artikel aufzuheben. Nun war freie Bahn geschaffen für die verderblichsten kirchenfeindlichen Gesetze. Der katholische Klerus sollte auf deutschen Universitäten, also von den Professoren des Staates, herangebildet werden. Es wäre hierdurch, wenn die Kirche sich dem gefügt hätte, ermöglicht worden, dass die Seelsorger ihr geistiges Gepräge im Sinne des Unglaubens und des Liberalismus erhielten. Hätte dennoch einer oder der andere während einer solchen Heranbildung seinen katholischen Glauben bewahrt, so konnte er von jeder einflußreichen Stellung in der Kirche ferngehalten werden; dafür sorgten die Bestimmungen über die Anstellung der Geistlichen. Wäre ein Geistlicher auch durch diese Schranke hindurchgelangt und wollte er den Geboten Gottes und der Kirche, und wollte er seinem Gewissen mehr folgen, als den der Rechtskraft entbehrenden, sogenannten Gesetzen des Staates, so konnte er seines Amtes entsetzt werden. Es ist bekannt, wie die weltliche Macht sich herausnahm, sogar Bischöfe abzusetzen und weltliche Beamte die Stelle derselben einnehmen zu lassen. Sogar der Papst wurde in gewissem Sinne für Preußen abgesetzt, indem § 1 des Gesetzes vom 12. Mai 1873 bestimmte: “Die kirchliche Disziplinargewalt über Kirchendiener darf nur von deutschen kirchlichen Behörden ausgeübt werden.”

Besonders entlud sich der Zorn und die Intoleranz des Liberalismus gegen die religiösen Orden der katholischen Kirche. Es wurde vielen derselben ihre Wirksamkeit und somit ihre berufsmäßige Existenz in ihrem Vaterlande unmöglich gemacht. Die krankenpflegenden Orden, welche man einigermaßen verschonte, wurden unter die drückendsten staatlichen Ausnahmebestimmungen gestellt.

Sie entfaltete sich eine klugberechnete Verfolgung der katholischen Kirche. Die katholischen Priester, welche fast ausnahmslos ihrer Pflicht treu blieben, wurden vielfach gehetzt wie scheues Wild. Viele derselben mußten in die Verbannung und in den Kerker wandern. Manche opferten hierbei Gesundheit und Leben. Sogar Bischöfe wurden gefangen gesetzt und wie gemeine Verbrecher behandelt. Zahlreiche Gemeinden wurden ihrer Seelsorger beraubt, und Sterbende mußten des Trostes der heiligen Sakramente entbehren. Sollte eine Leiche zur Erde bestattet werden, und war die Pfarrei verwaist, so brachte man wohl die Leiche an die Grenze der Nachbar-Pfarrei, damit der dortige Pfarrer über die Grenze hinaus seinen Segen spende. Hätte er dies innerhalb jener Pfarrei getan, so wäre er nämlich vom Staat gestraft worden.

Unsägliches Elend kam in dieser Weise über die blühendsten Gegenden Deutschlands. Im Auslang aber litten die verbriebenen Ordensleute, namentlich die Ordensfrauen, oft bittere Not. Man hatte ihnen ja vielfach die Einnahme-Quellen verstopft, wohl gar ihr Ordensvermögen zurückbehalten.

Doch all dies Elend brachte die Katholiken Deutschlands, insbesondere Preußens, ebensowenig zur Verleugnung ihres Glaubens, wie einst die Christen der ersten Jahrhunderte durch die Verfolgungen der römischen Machthaber sich zur Untreue gegen ihren Gott verleiten ließen. Allerdings wurden die Gemüter der Katholiken bis ins tiefste Innere empört. Es wäre nur allzunatürlich gewesen, der Gewalt mit Gewalt zu begegnen. Ein Bürgerkrieg, ein Religionskrieg würde alsdann Deutschland verheert haben. Dass dies nicht geschah, war zum großen Teil der klugen Mäßigung der Zentrumsführer zu verdanken und der treuen Folgsamkeit, welche das katholische Volk Deutschlands denselben leistete.

Als man zu Berlin erkannte, dass die bisherigen Maßregeln an der Glaubenstreue der Katholiken abprallten, schritt man zu einem äußersten Mittel. Durch Gesetz vom 22. April 1875, dem sog. Brotkorb-Gesetz, versagte man den katholischen Geistlichen die Auszahlung ihres Gehaltes, obgleich diese Zahlung auf einem Vertrag mit der Kirche beruhte, und obgleich dieselbe nur eine ganz geringe Entschädigung bildete für die vom Staate der Kirche entzogenen Besitzungen. Durch den Hunger wollte man die katholischen Priester gefügig machen. Doch man irrte sich. Die Priester litten eher die äußerste Entbehrung, als dass sie ihr Gewissen verletzt hätten. Die katholischen Gemeinden sorgten freiwillig für den Unterhalt ihrer Seelsorger. Und wo wegen Armut ihre Mittel nicht ausreichten, halfen sogar Spenden der katholischen Engländer die Not lindern.

Den Vergewaltigungen des alten katholischen Glaubens durch die nichtkatholische weltliche Macht und die protestantische Majorität traten schon am 26. Mai 1873 die preußischen Bischöfe entgegen mit einer Kollektiv-Eingabe an das Staatsministerium, in welcher sie erklärten: “Wir sind nicht im Stande, zum Vollzuge der am 15. d. M. publizierten Gesetze mitzuwirken. Diese Gesetze verletzen die Rechte und Freiheiten, welche der Kirche Gottes nach göttlicher Anordnung zustehen ... Die Kirche kann das Prinzip des heidnischen Staates, dass die Staatsgesetze die letzte Quelle des Rechtes seien und die Kirche nur die Rechte besitze, welche die Gesetzgebung und die Verfassung des Staates ihr verleiht, nicht anerkennen, ohne die Gottheit Christi und die Göttlichkeit seiner Lehre und Stiftung zu leugnen, ohne das Christentum selbst von der Willkür der Menschen abhängig zu machen ... Auch denjenigen einzelnen Bestimmungen der gedachten Gesetze, welche von der Kirche an verschiedenen Staaten kraft eines Übereinkommens derselben mit dem apostolischen Stuhle zugestanden sind, vermögen wir aus diesem Grunde nicht Folge zu geben; sonst würden wir die Kompetenz des Staates, über kirchliche Dinge einseitig zu verfügen, anerkennen.”

wird fortgesetzt

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3. Mai
Unzurechnungsfähig

Freiheit ist kein Gegenstand einer wissenschaftlich objektivierbaren Erfahrung, sondern etwas, dessen wir uns unmittelbar bewusst sind. Psychiater haben für den Begriff keinen Platz. Sie können nur untersuchen, ob Merkmale vorliegen, die nach unserem Selbstverständnis auf Unzurechnungsfähigkeit hindeuten. Die Neurophilosophen halten alle Menschen für unzurechnungsfähig – außer sich selbst.

Der Philosoph Robert Spaemann im Interview mit Stefan Kister von der Stuttgarter Zeitung, 2. Mai 2012


3. Mai
Marie-Léonie Paradis

Vor 100 Jahren, am 3. Mai 1912, starb im kanadischen Sherbrooke im Alter von 72 Jahren die aus Quebec stammende Gründerin der “Kleinen Schwestern von der Heiligen Familie” Marie-Léonie Paradis. Sie wurde am 11. September 1984 seliggesprochen.


3. Mai
Der Heilige Rock zu Trier

Heute vor 500 Jahren, am 3. Mai 1512, wurde in Trier auf Drängen des Volkes zum ersten Mal der Heilige Rock öffentlich gezeigt. Er war kurz zuvor gefunden worden, nachdem auf Drängen des Kaisers Maximilian, der zum Reichstag nach Trier gekommen war, der Hochaltar im Ostchor des Trierer Doms geöffnet worden war.


2. Mai
Die Petrusbruderschaft im Saarland

Seit gestern, den 1. Mai 2012, ist P. Werner Barthel FSSP Rector Ecclesiae der ehemaligen Jesuitenkirche St. Petrus Canisius im saarländischen Saarlouis. Bischof Stephan Ackermann von Trier hat ihn am 25. April dazu ernannt. Die Ernennung erreichte die Priesterbruderschaft St. Petrus am 27. April, dem Festtag des Kirchenpatrons. Die Kirche, die zwischenzeitlich profaniert worden war, ist von der Petrusbruderschaft gekauft worden, wird nun wieder hergerichtet und dann neu eingeweiht werden. Ab dann werden dort regelmäßig Gottesdienste nach der außerordentlichen Form des römischen Messritus gefeiert werden. P. Barthel ist von Bischof Ackermann gleichzeitig zum Capellanus, also zum Seelsorger jener Gläubigen ernannt worden, die diese Gottesdienste besuchen werden.


2. Mai
Carlo Passaglia

Vor 200 Jahren, am 2. Mai 1812, wurde in Pieve San Paolo bei Lucca der Theologe Carlo Passaglia geboren. Zusammen mit Giovanni Perrone (1794 - 1876) gehört er zu den Erneuerern “der Theologie an der Gregoriana” (Heribert Schauf im LThK, 2. Auflage). Zu seinen Schülern zählen Clemens Schrader und Johann B. Franzelin. Er bereitete theologisch die Definition der Unbefleckten Empfängnis von 1854 vor. In der italienischen Frage unterstützte er Cavour und “führte einen heftigen literarischen Kampf gegen die weltliche Herrschaft des Papstes. Er verfiel der Suspension, blieb aber dem Glauben und Zölibat treu, schrieb 1863-64 gegen Renan und 1881 gegen die Ehescheidung. Einige Monate vor seinem Tode söhnte er sich mit der Kirche aus” (Hermann Lange, LThK, 1. Auflage). Von 1827 bis 1859 gehörte er dem Jesuitenorden an. Er starb am 12. März 1887 in Turin.


1. Mai
Alphons Ratisbonne

Vor 200 Jahren, am 1. Mai 1812 (nach manchen Angaben 1814), wurde in Straßburg Alphons Ratisbonne geboren. Er bekehrte sich während eines Romaufenthalts aufgrund einer Muttergotteserscheinung am 20. Januar 1842 und wurde Priester. Die damals großes Aufsehen erregende Bekehrung ist die berühmteste, die der Wundertätigen Medaille zugeschrieben wird.


1. Mai
Linzer Dom

Vor 150 Jahren, am 1. Mai 1862, wurde unter Bischof Franz Joseph Rudigier der Grundstein zum Linzer Dom gelegt.


1. Mai
Edith Stein

Vor 25 Jahren, am 1. Mai 1987, sprach in Köln Papst Johannes Paul II. Edith Stein selig. Die Heiligsprechung erfolgte am 11. Oktober 1998.


30. April
Große Dringlichkeit

Zeuge Christi sein bedeutet, Zeugnis zu geben für die Wahrheit, für Gott und die wahre Größe des Menschen, für die gottgewollte Ordnung in allen Lebensbereichen. Darum ist Kardinal von Galen damals so entschieden gegen die organisierte Ermordung sogenannten unwerten Lebens aufgetreten. Gegenüber menschenverachtender Tyrannei erinnerte er an das Gebot Gottes: “Du sollst nicht töten!” Wenn auch heute die Bedrohung derWürde und Grundrechte des Menschen auf nicht so dramatische, sondern subtilere Weise geschieht, muß die Kirche nicht weniger bereit sein, “nec timore nec laudibus”, ohne Rücksicht auf Einschüchterung und Lob, sich gleichermaßen stets zum Anwalt des Lebens zu machen. Angesichts der erschreckend hohen Zahl der Abtreibungen und der zunehmenden unerlaubten Praktiken sogenannter “Sterbehilfen” hat der Dienst am Leben für uns Bischöfe in der heutigen Gesellschaft erneut eine große Aktualität und Dringlichkeit erlangt. Es gilt, Gott als den alleinigen Herrn über Leben und Tod mit neuem Nachdruck zu verkünden und die feindliche Einstellung dem Leben gegenüber sowie den mangelnden Mut zur Weitergabe des Lebens durch ein neues Ja zum Leben zu überwinden.

Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren, am 30. April 1987, in seiner Ansprache an die Deutsche Bischofskonferenz im Maternushaus in Köln


29. April
Manuel Garcia Morente

Vor 75 Jahren, in der Nacht vom 29. zum 30. April 1937, bekehrte sich der spanische Philosoph Manuel Garcia Morente (1886 - 1942). Morente war Schüler u.a. der Neukantianer Natorp und Cohen, wandte sich dann, vermittelt durch José Ortega y Gasset, der Phänomenologie zu und übersetzte Husserl und Alexander Pfänder, außerdem auch Kant, Leibniz und Descartes. Er war Atheist, als ihm in jener Nacht die Gebete seiner Kindheit in den Sinn kamen und er feststellen musste, dass er das “Vater unser” vergessen habe. Es ging eine tiefe Veränderung in ihm vor, seine Seele wurde mit einem tiefen Frieden erfüllt, gleichzeitig zögerte er aber noch, den Schritt zum Glauben zu wagen. Er entschloss sich, die Evangelien zu kaufen. “In diesem Moment trat das Ereignis ein, von dem sein geistlicher Lehrer zu Lebzeiten seines Beichtkindes nie sprach: Morente flehte um ‘eine Geste der Liebe, des Verzeihens voller Zärtlichkeit!’ Dann meinte er wieder eingeschlafen zu sein, und als er aufgewacht war, sah er in dem nur von einem Nachtlicht erleuchteten Zimmer den Gegenstand seiner erwachenden Liebe. ‘Ich wandte den Kopf gegen die Mitte des Zimmers und erstarrte. - Er war dort. Ich sah Ihn nicht, ich hörte Ihn nicht, berührte Ihn nicht. Aber Er war da ... Ich sah nichts, hörte nichts, berührte nichts, hatte nicht die leiseste Empfindung. Aber Er war da ...” (Josef G. Cascales, Gotteserfahrung - Christuserlebnis, Wien 21978, S. 20).

Es war keine flüchtige, trügerische Anwandlung, sondern eine vollständige Bekehrung: 1940 wurde er zum Priester geweiht.


28. April
Gianna Beretta Molla

Vor 50 Jahren, am 28. April 1962, starb in Monza im Alter von 40 Jahren die hl. Gianna Beretta Molla. Als während der Schwangerschaft Komplikationen auftraten, bestimmte sie, dass die Rettung des Lebens ihres Kindes Vorrang haben müsse vor ihrem eigenen Leben: “Wenn ihr entscheiden müsst zwischen mir und dem Kind, keine Aufregung: wählt - und dies verlange ich - das Kind. Rettet das Kind!”. Am 21. April 1862 brachte sie ihre Tochter Gianna Emmanuela zur Welt, während sie selber eine Woche später mit den Worten starb: “Jesus ich liebe dich.” Am 24. April 1994 wurde sie selig-, am 16. Mai 2004 heiliggesprochen.


27. April
Ein Lehrbeispiel

Es [das Schreiben des Papstes zur Übersetzung “für viele”] könnte auch ein Lehrbeispiel für kirchenkritische Menschen sein. Denn wo gibt es das, daß die Zentrale mehr als 11 Jahre wartet, ob sich eine Regionaldirektion einigen kann, wie eine Neuerung umgesetzt werden soll oder nicht? Und wenn dann wirklich keine Entscheidung auf der lokalen Ebene erfolgt, dann kommt nicht eine knappe Direktive, vielmehr kommt ein langer, verständnisvoller und erklärender Brief.

Peter Winnemöller gestern in seinem Blog katholon


27. April
“Für viele”: Die Methoden der Gegner

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Brief an die deutschsprachigen Bischöfe seine Forderung, zur wortgetreuen Übersetzung “für viele” zurückzukehren, geduldig, ausführlich und überzeugend begründet. Was tun nun dagegen opponierende Theologen, wenn ihnen die Sachargumente ausgehen? Sie arbeiten mit Unterstellungen: so der Münsteraner Theologieprofessor Klaus Müller, der laut Darstellung von kna und epd das wahre, nicht ausgesprochene Motiv des Papstes kennt. Dieser spreche “zwar davon, zur Texttreue zurückkehren zu wollen”, tatsächlich gehe es aber um einen politischen Schritt, nämlich der Piusbruderschaft entgegenzukommen. So einfach ist das.

Wenig überzeugend ist auch das Sachargument aus der angeblich unsicheren Quellenlage: “‘Woher will der Papst wissen, ob nicht auch die Evangelisten interpretiert haben’, fragte der Theologe [Klaus Müller]. Den aramäischen Wortlaut Jesu hätten weder die Evangelisten noch die heutige Kirche gehört”, meldet der Evangelische Pressedienst (epd). Dazu treffend der Kommentar des Bloggers von Thermometer: “Danach haben die Liturgierevolutionäre des Jahres 1970 den aramäischen Wortlaut der Einsetzungworte gehört, die die Evangelisten des ersten Jahrhunderts offenkundig falsch verstanden haben.”

Zur Reaktion der DBK 2010


27. April
Was durch das “für alle” verlorengegangen ist

“Was, wenn nun in diesem Text [die Wandlungsworte mit ‘für viele’] noch etwas anderes, etwas Besonderes steckt, das durch die Formulierung ‘für alle’ verlorengeht? Wie ist es mir mit dieser Änderung [Ersetzung des ‘für viele’ durch ‘für alle’] ergangen? Einerseits habe ich immer nachfühlen können, warum sie gemacht wurde. Andererseits war mir stets unwohl. Ich hielt den Schritt für falsch. Deshalb bin ich froh, daß jetzt eine Überarbeitung der landessprachlichen liturgischen Texte aus den siebziger Jahren stattfindet, in der einiges, was beim ersten Wurf nicht ganz gelungen ist, ein wenig ausgebügelt werden soll.”

So der Exeget Norbert Lohfink in seinen Ausführungen am 28. Januar 2007 nach der Anordnung Roms, zum “für viele”zurückzukehren. Was er zum “Besonderen”, das durch die “für alle”-Übersetzung verlorengeht, ausführt, deckt sich teilweise mit den Erläuterungen des Papstes: “Ich würde es den Stoß in unser eigenes Herz nennen. ‘Jesus ist für alle Menschen gestorben’ – das ist so etwas wie ein theoretischer Lehrsatz der Theologie. Geht er mir ins Herz? Anders bei der Formulierung des liturgischen Einsetzungsberichts.”

Ebenso sieht der Papst in dem “für viele” eine existentielle Konkretisierung, wie sie dem “für euch” entspricht, nicht eine Verengung des “für alle”: “‘Alle’ bewegt sich auf der ontologischen Ebene – das Sein und Wirken Jesu umfasst die ganze Menschheit, Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft. Aber faktisch, geschichtlich in der konkreten Gemeinschaft derer, die Eucharistie feiern, kommt er nur zu ‘vielen’.” Und: “Das ‘für euch’ macht die Sendung Jesu aber ganz konkret für die Anwesenden. Sie sind nicht irgendwelche anonyme Elemente einer riesigen Ganzheit, sondern jeder einzelne weiß, dass der Herr gerade für mich, für uns gestorben ist.”


26. April
Bedauernswerte Qualität

Regina Einig hat in der Tagespost von heute den Brief Papst Benedikts kommentiert. Ihr fallen in dessen Duktus einige Besonderheiten auf, die den drängenden Charakter des Schreibens deutlich machen:
“Von einer ‘drohenden Gefahr’ ist darin die Rede. Auch der in Papstschreiben an Bischöfe unübliche Superlativ ‘dringendst darum zu bitten’ zeigt, dass dies kein Brief wie jeder andere ist. In Großbuchstaben gedruckt erscheint das Wort ‘Katechese’ im Text. Der Papst liefert die Grundlinien dieser Katechese im Brief selbst mit. Das ist der schärfste denkbare Tadel. Offensichtlich wirkt die Qualität der liturgischen Debatte in Deutschland von weltkirchlicher Warte aus betrachtet derart bedauernswert, dass Benedikt es sich nicht erspart, in die Rolle des Nachhilfelehrers zu schlüpfen.”


26. April
Die unterbliebenen Katechesen

“Weil es so ist, wurde damals, als gemäß der Differenz zwischen Übersetzung und Auslegung für die Übersetzung 'viele' entschieden wurde, zugleich festgelegt, dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse, in der die Bischöfe ihren Priestern wie durch sie ihren Gläubigen konkret verständlich machen müssten, worum es geht. Das Vorausgehen der Katechese ist die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung. Soviel ich weiß, ist eine solche Katechese bisher im deutschen Sprachraum nicht erfolgt.” So schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Brief vom 14. April 2012 an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz.

Dass die bereits aus dem Jahr 2006 stammende Bitte, die Gläubigen durch Katechesen auf die Übersetzung “für viele” vorzubereiten, nicht befolgt wurde, ist oft beklagt worden. Ja, es wurde 2010 sogar ironischerweise dieses Unvorbereitetsein als Argument gebracht, gegen die Anordnung aus Rom zu votieren, wie kath-info seinerzeit berichtete.


26. April
Spanische Märtyer (133)

Vor 74 Jahren, am 26. April 1938, starb als Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg auf dem Montjuic bei Gerona der Salesianer Julio Junyer Padern, 46 Jahre alt, seliggesprochen am 11. März 2001.

Die Liste der Märtyrer


25. April
Christus - Sehnsucht der Völker
Das Christentum und die Religionen in der Theologie
Papst Benedikts XVI.

Von Prof. Dr. Albert Dahm

Vierter Teil

3. Der Rückgriff auf Bilder und Denkmodelle der Väter

Wir stehen an einem Punkt, an dem noch einmal die innere Spannung, die Dialektik im Verhaltnis Christentum — Religionen sichtbar wird. Wir hörten: Die Religionen stehen in der Haltung der Erwartung Christus und dem Christentum gegenüber. Doch ist hier mit zu bedenken, dass die Offenheit für Christus unterschiedlich ausgeprägt ist, je nachdem wie sich der angesprochene Negativ-Faktor im Menschen auf die kulturelle Entwicklung auswirkt. Eine Religion kann also bei aller grundsätzlichen Offenheit sich mehr oder weniger Christus annähern. Daraus ergibt sich nun auch: Christentum und Religionen lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Sie sind im letzten nicht miteinander identisch. Sie unterscheiden sich. Die Religionen mögen sich auf die Offenbarung (der Wahrheit) zu bewegen. Aber sie haben sie noch nicht erreicht. Sie müssen erst geöffnet werden für die (volle und ganze) Wahrheit, die im menschgewordenen Logos erschienen ist. Insofern verharren sie noch im Dunkel des Nichtwissens. Dieses Dunkel ist aber keine völlige Finsternis. Das Licht der Wahrheit strahlt schon, wenn auch von ferne, in sie hinein. Erwartung der Wahrheit, der Offenbarung in Christus, bedeutet ja auch, dass hier keine völlige Beziehungslosigkeit und Fremdheit herrscht. Eben hier manifestiert sich noch einmal jene Dialektik, die wir in der Schrift entdeckt haben und die wir beschreiben können als Nähe in der Distanz, als Gleichzeitigkeit von Nähe und Ferne.

Die Tradition hat diese Dialektik zum Ausdruck gebracht im Bild von der Reinigung, deren die Religionen durch den Glauben an Christus bedürfen, sodann im Bild von den Samenkörnem, die der Logos je schon ausgestreut hat. Beide Bilder hat sich das II. Vatikanische Konzil angeeignet (s. besonders das Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Art.9). Auch Papst Benedikt XVI. greift sie auf und gibt damit seine Verwurzelung in der patristischen Tradition ebenso zu erkennen wie seinen Anschluss an die Theologie des II. Vaticanums.

Was ist die Aussage der Bilder? Beginnen wir beim Gedanken der Reinigung. In seinem Buch Unterwegs zu Jesus Christus greift der Papst zurück auf eine Metapher, die sich bei Basilius dem Großen findet (Unterwegs zu Jesus Christus, Augsburg 32005, 45). Basilius kommt in seinem Kommentar zum Buch Jesaia auf die Selbstvorstellung des Propheten Amos zu sprechen. In Am 7,14 sagt der Prophet von sich: “Hirte bin ich und Maulbeerfeigenzüchter.” Nun bezieht sich Basilius aber auf den griechischen Text der Bibel, der den Beruf des Propheten sehr anschaulich urnschreibt. Hier heißt es: “Ich war wie einer, der Maulbeerfeigen schlitzt.” Die griechische Übersetzung nimmt Bezug auf die Praxis des Anritzens der noch nicht ganz reifen Früchte. Die Maulbeerfeige (Sykomore) muss vor der Ernte angeritzt werden, damit sie zur Reife gelangt und ihren Wohlgeschmack erhält. Genau darauf reflektiert Basilius, wenn er in seiner Kommentierung zu Jes 9,10 diesen Vorgang als Bild nimmt für die Begegnung des Christentums mit dem Heidentum. Basilius führt aus:

“Die Sykomore ist ein Baum, der sehr viele Früchte trägt. Aber sie schmecken nach nichts, außer man ritzt sie sorgfältig und lässt einen Saft abfließen, wodurch sie wohlschmeckend werden. Deshalb glauben wir, ist (die Sykomore) ein Symbol für die Gesamtheit der Heiden. Sie bildet eine Fülle, ist aber gleichsam fade. Das kommt vom Leben in den heidnischen Gewohnheiten. Wenn man es fertig bringt, sie durch den Logos zu ritzen, wandelt sie sich, wird schmackhaft und brauchbar” (Basilius, In Es 9,228, Kommentar zu Jes 9,10: PG 30,516D — 517A. Übers, nach Chr. Gnilka, a.a.O., 84).

Was hier gemeint ist, hat Christian Gnilka sehr schön herausgearbeitet. Ihn lässt der Papst ausführlich zu Wort kommen. Gnilka erläutert: “In diesem Symbol liegen Fülle, Reichtum, Üppigkeit des Heidentums ... aber auch sein Mangel liegt darin. So wie es ist, ist es fade, unbrauchbar. Es bedarf einer totalen Veränderung, wobei diese Veränderung die Substanz nicht zerstört, sondern ihr die fehlende Qualität gibt ... Die Früchte bleiben Früchte, ihre Fülle wird nicht gemindert, sondern als Vorzug anerkannt ... Andererseits kann die nötige Veränderung im Bilde kaum schärfer hervortreten als eben dadurch, dass essbar wird, was zuvor ungenießbar war. Im ‚Abfließen‘ des Safts scheint überdies der Vorgang der Reinigung angedeutet“ (Chr. Gnilka. a.a.O., 85).

Gnilka macht dann noch auf ein wichtiges Detail der Metapher aufmerksam, von dem her weiteres Licht auf das Verhältnis Christentum — Heidentum fällt: “Das, was verändert werden muss, kann die Veränderung nicht aus sich selbst heraus bewirken. Es ist ein Eingriff des Züchters, der die Maulbeerfeige reifen lässt. Ein Eingriff von außen.” Ebenso kann auch die Umwandlung der heidnischen Religion und Kultur “nicht aus dem Heidentum selbst kommen. Der Text sagt klar, dass die Umwandlung ein Eingreifen des Logos voraussetzt” (ebd.).

Nun zum Bild von den Samenkörnern! Papst Benedikt kommt auch darauf in seinem schon erwähnten Buch “Unterwegs zu Jesus Christus” zu sprechen, wenn er dem Gedanken nachgeht, dass die antike Welt nicht unvorbereitet war auf die Ankunft des göttlichen Logos, wenn er einer Vorstellung Raum gibt, die Eusebius im Begriff der praeparatio evangelica zum Ausdruck gebracht hatte. Der Papst führt dazu aus:

“Das menschgewordene Wort ist ja nicht in eine Welt hineingetreten, die schlechterdings nichts davon wusste. Es hat seine Strahlen vorausgesandt in die Welt hinein und es hat so die Sehnsucht der Menschheit geweckt. Es ist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt (Joh 1,9). Die Väter haben in diesem Zusammenhang von den ‚Samenkörnem des Wortes‘ gesprochen, die sie in der vorchristlichen Welt gesucht und gefunden haben. Dieser Begriff ist heute zu Recht zu einem Zentralgedanken bei der Suche nach der rechten Verhältnisbestimmung zwischen christlichem Glauben und Weltreligionen geworden“ (Unterwegs zu Jesus Christus, 72).

Es lohnt sich, auch hier einen Blick auf die Quelle zu werfen. Justin der Märtyrer, ein gebildeter Philosoph des 2. Jahrhunderts, der sich zum Christentum bekehrt hat und nun als christlicher Philosoph den Dialog mit der heidnischen Philosophie sucht, schreibt in seiner zweiten Apologie:

“Daher ist offenbar unsere Religion erhabener als jede menschliche Lehre, weil der unseretwegen erschienene Christus der ganze Logos, sowohl Leib als auch Logos und Seele ist. Denn was auch immer die Denker und Gesetzgeber jemals Treffliches gesagt und gefunden haben, das ist von ihnen nach dem Teilchen vom Logos, das ihnen zuteil geworden war, durch Forschen und Anschauen mit Mühe erarbeitet worden. Da sie aber nicht das Ganze des Logos, der Christus ist, erkannten, so sprachen sie oft einander Widersprechendes aus” (Justinus Martyr, Apologie 11,10: PG 6,460C; übers. nach BKV, Bd. 12, Kempten / München 1913, 96, G. Rauschen).

Für Justin ist klar, dass in Jesus Christus “der Logos, der jedem innewohnt” (a.a.O., 461A; übers. nach BKV a.a.O.), erschienen ist. Man kann hier auch an die vox Christi denken, die — wie Nikolaus von Kues erläutert — durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch laut wurde, bis sie im menschgewordenen Christus ihr volles Maß erreichte, gleichsam zur vollen Lautstärke anschwoll (s. dazu A. Dahm, Die Soteriologie des Nikolaus von Kuss. Ihre Entwicklung von seinen frühen Predigten bis zum Jahr 1445: BGPhThMA NF, Bd. 48, Münster 1997, 212f.).

In all diesen Bildern wird vermittelt: Was die Menschheit und ihre Geschichte schon immer erfüllte, erreicht in der Menschwerdung Christi sein Vollmaß. Der göttliche Logos ist immer schon unterwegs durch die Geschichte hindurch - bis zu seiner sichtbaren Ankunft in Jesus von Nazareth. Die Betrachtung der Geschichte gewinnt so eine Christozentrik. Der Logos, der in Christus in seiner komplikativen Fülle erschienen ist, durchwirkt und durchwaltet immer schon den Kosmos der Geschichte.

wird fortgesetzt

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24. April
Neu in der Personenübersicht:
Franziskus Solanus, Ignatius Choukrallah Maloyan


24. April
Was zählt?

“‘Ich will mir doch den Saal nicht leerpredigen’, hat der Autor von einem ehrlichen katholischen Priester zu hören bekommen, als er ihn bat, bei passender Gelegenheit doch auch einmal den Lebensschutz zum Gegenstand einer seiner Predigten zu machen.” Das berichtet Stefan Rehder in der Tagespost vom 21. April 2012 (Die Lust am Untergang oder über die Schwierigkeit des Lebensschutzes).

Dazu passt auf der anderen Seite der Versuch, die Jugend durch eigens für sie eingerichtete Kirchen mit Sesseln und Sofas in die Kirche zu locken.

Genau dieser Verleugnung der Kernthemen zugunsten einer vorgeblichen anzustrebenden Attraktivität der Kirche hat der Papst mit seiner Forderung nach Entweltlichung den Kampf angesagt.


23. April
Gleichbehandlung!

»Bei liberalen Katholiken wird die Wiedervereinigung Unruhe und Sorge verursachen. (…) So verweigere der Papst trotz des immensen Problemdrucks etwa der österreichischen Pfarrerinitiative den Dialog. (…) Stattdessen suche Papst Benedikt XVI. die Einheit mit den Traditionalisten.«

So schreibt Peter Wensierski im SpiegelOnline vom 18. April 2012, Artikel Bruderkuss von Papst und Piusbrüdern.

Dazu kommentierte Peter Esser:

SEHR RICHTIG! ICH FORDERE GLEICHBEHANDLUNG!
(20 Jahre Exkommunikation für Schüller & Co.)


22. April
Monatsranking: Die Top 12 im März

Aufsteiger des Monats ist die Schule der Exorzisten.
Zur Rankingseite


21. April
Luigi Calza

Vor 100 Jahren, am 21. April 1912, wurde in der Kathedrale von Parma Luigi Calza (1879 - 1944) zum Bischof geweiht. Er war der erste Bischof aus dem Orden der Xaverianermissionare und wurde Apostolischer Vikar von West-Honan in China. Er wurde geweiht vom hl. Guido Maria Conforti (1865 - 1931), der vom hl. Papst Pius X. persönlich zum Erzbischof von Parma ernannt worden war.


21. April
Jakob Kern

Vor 100 Jahren, am 21. April 1912, gelobte im Alter von 15 Jahren der in Wien geborene selige Jakob Kern (1897 - 1924), nachdem er seine Berufung zum Priestertum erkannt hatte, ewige Keuschheit und wurde Mitglied des Dritten Ordens des hl. Franziskus. 1920 trat er in den Prämonstratenserorden ein, 1922 wurde er zum Priester geweiht. Ganz vom Sühnegedanken durchdrungen, bot er sich Gott zum Sühnopfer an und starb am 20. Oktober 1924 nach schwerem Leber- und Lungenleiden. Am 21. Juni 1998 wurde er seliggesprochen.


20. April
Wahrheit als Kaufhoffiliale

Entweder die Religion besitzt die Wahrheit über das Wesen des Menschen, seine Herkunft und sein Ziel – oder sie besitzt sie nicht. Und wenn sie diese Wahrheit besitzt, muss man nicht über sie sprechen wie über eine Kaufhoffiliale, die Kunden verliert, sodass sich der Filialleiter fragt, woran das wohl liegen kann. Die Wahrheit unterliegt nicht einer Mehrheitsabstimmung. Es ist gut für den, der sie erkennt, es ist schlecht für den, der sie nicht erkennt. Die Wahrheit ist auf Zustimmung nicht angewiesen.

Martin Mosebach in seiner Antwort auf die Frage von Welt Online, ob sich die Religionen angesichts des wachsenden Atheismus fragen lassen müssten, ob sie attraktiv genug seien für die Menschen? Welt-Online von heute


20. April
Schüllers Pfarrerinitiative

Der Frankfurter Karikutarist Michael Schmitt hat uns folgende Karikatur zu Helmut Schüllers Pfarrerinitiative mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam zur Verfügung gestellt. Sie darf weiter verwendet und verbreitet werden.


19. April
Spanische Märtyer (132)

Vor 75 Jahren, am 14. April 1937, starb als Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg in les Coves de Vinromà bei Castellón die Kapuzinerin Isabel Calduch Rovira, 54 Jahre alt, seliggesprochen am 11. März 2001.

Die Liste der Märtyrer


19. April
Elphegus

Heute vor 1000 Jahren, am 19. April 1012, starb der hl. Elphegus II. OSB, Erzbischof von Canterbury, den Märtyrertod. Er war zunächst Mönch zu Deerhurst, später erster Abt von Bath. 984 wurde er als Nachfolger des hl. Ethelwold Bischof von Winchester und 1006 Erzbischof von Canterbury. Als die Dänen 1011 Canterbury eroberten und plünderten, stellte sich ihnen Elphegus entgegen, um die Bevölkerung zu schützen. Er wurde eingekerkert und sieben Monate später enthauptet oder gesteinigt. Es war der Ostersonntag des Jahres 1012.


18. April
Prophetisch

Erneuerung braucht Glaubwürdigkeit, lautet eine der Forderungen der prophetischen Entweltlichungs-Rede des Papstes, jener Magna Charta der Reformen für die katholische Kirche in Deutschland. Wo sich Kirche um ein Leben in der totalen Redlichkeit des Evangeliums müht, von der der Papst in Freiburg sprach, gewinnt sie verlorene Glaubwürdigkeit zurück, da erreicht das Evangelium wieder die Menschen. (...) Es gehört zur Tragödie der Kirche im Heimatland des Papstes, dass sie die historische Chance dieses Pontifikates nicht geschlossen ergreift. Statt gemeinsam an einem Aufbruch zu arbeiten, blockiert man sich mit Struktur-Debatten, verzettelt sich in Zweitrangigkeiten und schaut zu, wie häretische und schismatische Bewegungen um sich greifen.

Markus Reder in der Tagespost vom 14. April 2012


18. April
Unbestechlich

Den Kampf gegen jeglichen Missbrauch und die vorbehaltlose Aufklärung dieser dunklen Seite der Kirche hat keiner so zielstrebig geführt wie er. Dass er unbestechlich ist, müssen ihm selbst seine schärfsten Kritiker und Feinde bescheinigen, an denen es ihm Zeit seines Lebens nie mangelte; ein eifernder Jakobiner war er deshalb dennoch nie.

Paul Badde über Benedikt XVI., Welt-online vom 16. April 2012


17. April
Jaime Balmes

Von Weinand

Sechster Teil

Am 15. Mai befiel ihn im Hause seines Bruders das Todesfieber; zu seiner großen Freude konnte er am 28 Mai nach Vich gebracht werden. Am heiligen Fronleichnamsfest empfing er bei dem in seinem Sterbezimmer gefeierten heiligen Opfer die Wegzehrung. "Niemand" sagte sein Bruder, "hat aus seinem Munde auch nur eine einzige Klage gehört." Er starb nachmittags am 9. Juli 1848. Kurz vor dem Eintritt in den Todeskampf sagte er: "Mir ist wohl, zwei Menschen leben in mir: der eine ist geistlich der andere leiblich. Der leibliche Mensch beschäftigt mich wenig." In tiefer, vollendeter Ruhe, wie in der Meditation begriffen, das Auge auf die vor ihm stehende Statue Marias geheftet, schied er von hinnen. Das übermächtige Geistesleben hatte ihn vor der Zeit aufgerieben; er war noch nicht 38 Jahre alt. Fürstliche Ehren von weltlicher wie geistlicher Seite geleiteten ihn zu Grabe; in Vich schuf die Stadtbehörde vier Tage nach seinem Tod zu dauernder Erinnerung an ihren besten Sohn den "Balmesplatz". Ein Aufruf an ganz Spanien verlangte für "den großen Verteidiger des katholischen Glaubens, den christlichen Philosophen, den frommen und ausgezeichneten Schriftsteller, den Priester Jakob Balmes" ein würdiges Denkmal. Ende Januar 1848 hatte die Madrider Akademie den Marquis von Viluma mit Einstimmigkeit beauftragt, ihn wegen seiner Verdienste um die spanische Sprache einen Sitz anzubieten; Balmes nahm an, hat seinen Sitz aber nie eingenommen. Der Schmerz ganz Spaniens über seinen frühen Tod war ein gerechter: Balmes war ein priesterlicher Charakter in der ganzen Größe seines Wortes; ein Mann der Wissenschaft, der Frömmigkeit, des Opfers, vor dessen makelloser Hoheit auch die Gegner sich beugten, dessen Einfluß es in erster Linie mit zuzuschreiben ist, daß Spanien nicht mehr die Wege des Entsetzens zu wandern hatte, von welchen er es in der verzehrenden Glut seiner Liebe zur Kirche und zu seinem Volke abgelenkt hatte.

Überblickt man sein Lebenswerk auf allen Gebieten der praktischen wie theoretischen Politik und Philosophie, so wird man bei tieferem Nachforschen unschwer die eine große Idee erkennen, welche dasselbe beherrscht: den Kampf gegen die rationalistische und die Verteidigung der christlichen Gesellschaftsauffassung. Erstere trat ihm im Guizotschen Doktrinarismus entgegen, in der allgemeinen Skepsis gegenüber den Grundwahrheiten der Religion, in den Verirrungen des philosophischen Denkens, letztere in der katholischen Tradition, in dem übernatürlichen Glauben, in der zeitgemäßen Wiederbelebung der scholastischen Philosophie. Alle Wahrheit strömte für ihn aus einer Quelle, aus Gottes zwiefacher Schöpfung im Reiche der Natur und der Gnade, aus ihrer harmonischen Einheit im Glauben, Lehren, Leben der Kirche; alle Erkenntis hatte für ihn eine Norm, die Glaubensregel und die große Tradition der katholischen Philosophie; alles Wirken stand bei ihm in strenger Abhängigkeit von einem Ziele, Spanien seiner katholischen Vergangenheit und damit einer glorreichen Zukunft wiederzugeben. Hätte er die erste vatikanische Konstitution Dei Filius Pius' IX., hätte er die Enzyklika Leos XIII. Aeterni Patris (4. August 1879) über die Restauration der katholischen Philosophie gelesen, die Freude hätte ihn überwältigt. Im Lichte dieser autoritativen Kundgebungen muß Balmes unzweifelhaft als einer der größten, gottbegnadetsten Geister des neuern Katholizismus angesehen werden. Im Doktrinarismus und seiner Politik erkannte er eine neue Phase des protestantischen Geistes, eine Weiterbildung des "Glaubensbekentnisses des savoyardischen Vikars", des Conract social, d. h. der Proklamation der Souveränität der Vernunft und der Volkssouveränität und der Umgestaltung aller gesellschaftlichen Ordnung nach ihren Forderungen. Diesem letzten Versuch der Fortsetzung der revolutionären Emanzipation des Menschengeistes des 16. Jahrhunderts galt seine nie ruhende Zurückweisung in den Soziallehren und in den politischen Dokrinen, zunächst des eigenen Volkes. Wenn ihm trotzdem zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen von seinen Freunden eine zu große Nachgiebigkeit gegen die Institutionen des modern-politischen Lebens zum Vorwurf gemacht wurde, wie von seinen Gegnern eine Hinneigung zum reaktionären Pessimismus, so mag dies mit Bezug auf einzelne Äußerungen eine gewisse Berechtigung haben. Nicht so mit Bezug auf die Grundlinien seiner Gesamtanschauung. Für Spanien forderte er die Herrschaft des katholischen und des monarchischen Prinzips, da das erstere gegenüber den sozialen Umgestaltungen des Volkslebens allein eine Macht der Aussöhnung, der Ordnung, der Friedigung besitze, das letztere allein einer Gesellschaft die Stabilität ihrer Instititionen sichern könne.

Die Weltpolitik der modernen Zeiten hat mit den dreifachen, von ihr adoptierten Axiomen der Regierungskunst: dem Interessen- und Parteikult, der Zentralisation, der den Körper schwächenden, den Geist der erniedrigenden Erziehungsmethode, nur die Herrschaft der universalen Knechtung proklamiert. Der Katholizismus allein ist noch die rettende Macht, da er den Dingen dieser Zeit das rechte Maß in der übernatürlichen Bestimmung alles sozialen Lebens geben kann, weil er allein die durch die universale Revolution in der Volksseele geschaffene Leere auszufüllen vermag. Was Balmes in dieser Hinsicht über die Grundelemente alles sozialen Lebens, die Individualität, Arbeit, Eigentum, Ehe, Jungfräulichkeit, Liebe, geschrieben, scheint uns mit das Vollendetste zu sein, was hohe Vernunft und seltene Zartheit des Herzens eingegeben. Das gleiche gilt von den Institutionen und politischen Doktrinen des Katholizismus, z.B. den religiösen Orden. "Wenn der Gesellschaft Auflösung droht, dann helfen nicht Werke, Pläne, Gesetze, sondern starke Institutionen, die den Leidenschaften, der Unbeständigkeit des Menschen, den zermalmenden Schlägen der Ereignisse widerstehen. Institutionen tun not, um die Intelligenz zu bilden, das Herz zu beruhigen und zu veredeln, um eine Bewegung des Widerstandes und der Reaktion inmitten einer Gesellschaft herbeizuführen, deren verderbliche Elemente letztere dem Tode überantworten."

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


16. April
Eine Jungfrau namens Barmherzigkeit

von Urs Keusch

Im Buch Das fließende Licht der Gottheit der deutschen Mystikerin Mechthild von Magdeburg (13. Jh.) lesen wir diese schöne Aufforderung: “Du sollst bitten, dass dich Gott leidenschaftlich, oft und lange liebt; dann wirst du rein, schön und heilig”.

Gott ist schön, seine Liebe ist schön, Gott ist die Liebe. Je weiter wir Ihm unsere Türen öffnen, je liebevoller wir Ihn aufnehmen in unser Haus, umso reiner wird unsere Wohnung sein, schön und heilig. Viele Menschen haben ihre Wohnung nicht aufgeräumt. Sie leben in Schmutz und Dunkelheit. Wenn Gott an ihre Türe klopft, machen sie Ihm nicht auf. Aber solange wir Menschen hier auf Erden leben, klopft Gott an. Denn Er möchte, dass wir rein werden; rein, schön und heilig.

Gott sucht uns unaufhörlich, Dieses Suchen Gottes nach uns nennen wir Barmherzigkeit. Die barmherzige Liebe Gottes ist eine suchende Liebe, eine um uns leidende Liebe. Darum geht Gott all unsere Wege mit, denn diese Zeit auf Erden ist eine Zeit der Barmherzigkeit. Wenn diese Zeit um ist, dann endet die Zeit der Barmherzigkeit.

Weil Gott Liebe ist, Liebe und Barmherzigkeit, darum lässt Er auf Erden nichts unversucht, uns für seine Liebe zu gewinnen. Das hebräische Wort für Barmherzigkeit ist rachamim und hat den gleichen Wortstamm wie Mutterschoß: rechem. Die barmherzige Liebe Gottes wird darum gerne auch als "mütterliche Eigenschaft" Gottes bezeichnet. Wie eine Mutter keine Ruhe findet, solange sie ihr Kind verloren hat und es in Gefahr sieht, so — und unendlich mehr — findet auch Gott keine Ruhe, bis Er seine verlorenen Kinder bei sich hat. "Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht" (Jes 49,15).

Weil die barmherzige Liebe Gottes so schön ist, so anmutig, so zärtlich, sehnsüchtig, sanft, milde, geduldig, liebenswürdig, keusch, aufmerksam, rücksichtsvoll, vor allem aber ganz unbeschreiblich schön, sehen und beschreiben manche Heilige und Mystiker die Barmherzigkeit Gottes im Bild der Jungfrau. So zum Beispiel die heilige Mechthild von Magdeburg und noch anschaulicher die hl. Maria Bernarda Bütler. Hören wir zuerst, was Mechthild über diese Jungfrau schreibt:

"Nun ist diese Jungfrau gekommen, die mit mir geht. Sie wurde meine Gefährtin; sie heißt Barmherzigkeit. Alle, die sie suchen und unerschütterlich anrufen, überwinden alle Herzensnot ... Was immer an Bedrängnis dem Menschen widerfährt — wenn er dann voller Reue zu ihr flieht, so legt sie ihre sanfte Hand auf das Unvollkommene ... Sie tröstet den Betrübten, sie heilt die Verwundeten, sie erfreut alle, die zu ihr kommen ... Sie hat mich lieb und ich sie. Wir werden immer zusammen sein bis zum Jüngsten Tag."

Noch ergreifender beschreibt die heilige Maria Bernarda die Jungfrau Barmherzigkeit, die sie in einem geistigen Bilde sieht:

"Sie war von unaussprechlicher Schönheit, Anmut und Holdseligkeit. Ihr ganzes Inneres war durch und durch erfüllt von Liebe und Güte. Ihr ganzes Gewand war gewebt mit den zartesten, feinsten und kostbarsten Fäden von purem Gold und von nahezu unzerreißbarer Seide. Die Jungfrau war so zart und doch so stark, dass sich nichts Wunderbareres erdenken ließe."

Von dieser überaus schönen und anmutigen Jungfrau sagt nun Maria Bernarda, dass sie gerade die verwahrlostesten Menschen (die Sünder) aufsuchte und zu gewinnen trachtete. Sie sagt von diesen Menschen:

"Sie waren hässlich, nach innen und außen schmutzig und äußerst widerwärtig. — Doch die Liebe dieser wahrhaft himmlischen Jungfrau war so groß wie nahezu ganz unbesieglich. In der Glut des Eifers und der Liebe lief sie zu Fuß diesen armen Brüdern und Schwestern überall hin nach, kein Weg war ihr zu weit. Sie eilte an schreckliche Abgründe, auf die spitzigsten Berge, eilte in die dichtesten Wälder und lockte mit allen erdenklichen Kunstgriffen diese ihr so teuren Brüder und Schwestern an sich. Sie rief dieselben mit holdseligen Rufen zu sich, reichte allen allüberall ihre zartesten Hände, um jedem Einzelnen zu helfen. Ja, sie schien ganz wie verzehrt von dieser Sehnsucht, ihnen allen zu helfen, sie alle zu retten, Ich erkannte dabei, dass manche von dieser Liebe gerührt und bewegt wurden. Die Jungfrau küsste diese Brüder und Schwestern so gar zärtlich und herzgewinnend, dass sie sich ihr ganz ergaben und sie dankbar erkannten als ihre einzige und treueste Retterin. Und mit großer Liebe blieben sie glückselig ihre Gefangenen bis zum Tode und in alle Ewigkeiten. Und allen half sie unermüdlich auf ganz wunderbare Weise — und zwar jedem Bruder und jeder Schwester ganz nach den Bedürfnissen jedes Einzelnen. Dieses Bild war unaussprechlich tröstlich und ermunternd."

Die Jungfrau, die hier «in der Glut des Eifers und der Liebe» zu Fuß den gefährdeten Menschen nachgeht, ist also niemand anders als die rettende barmherzige Liebe Gottes. Es ist die Sehnsucht und die Sorge des Guten Hirten, wie sie uns im Lukas-Evangelium (vgl. 15. Kapitel) beschrieben wird, Es ist jene barmherzige Liebe Gottes, "die mütterliche Züge trägt und wie eine Mutter jedem ihrer Kinder, jedem verirrten Schäflein nachgeht, selbst wenn es Millionen solcher Verirrungen gäbe" (Johannes Paul II.). So wird es auch der hl. Maria Bernarda von Jesus Christus selbst zu verstehen gegeben, der zu ihr sagt:

"Jetzt eile ich noch als Heiland, als Erlöser, als der Gute Hirte unermüdlich den Brüdern und Schwestern nach, die im Zustande der Todsünde dahinleben. Mit welcher Zärtlichkeit Ich sie liebe, mit welcher Sehnsucht Ich sie vor dem ewigen Verderben retten möchte, das kann kein Menschenherz erfassen. Ja, jetzt, wo noch die Zeit existiert, eilt die schöne und holdselige Jungfrau unermüdlich durch das ganze Weltall, um Seelen zu gewinnen, die heilige, süße, göttliche Barmherzigkeit."

Doch Maria Bernarda muss in diesem geistigen Bild auch schmerzlich erkennen, dass sich viele Menschen von dieser Liebe nicht berühren und ergreifen lassen:

"Sie verlachten und verspotteten die so holdselige Jungfrau, kehrten ihr boshaft den Rücken zu und warfen Steine nach ihr. Diese Toren wollten durch und durch zeitlebens und in Ewigkeit nichts von ihr wissen."

Und dies ist das größte Unglück, das der Mensch sich in diesem Leben zuziehen kann: Die Gleichgültigkeit und die Verschlossenheit gegenüber Gottes Erbarmen! Was kann dann Gott in seiner Barmherzigkeit noch für uns Menschen tun? Lasst uns vielmehr mit der hl. Maria Bernarda aus ganzem Herzen beten:

O Gott, erbarme Dich meiner und aller Menschen nach der Größe Deiner Erbarmungen. Rette uns, verzeihe uns und hilf uns, dass wir uns alle rechtzeitig zu Dir bekehren ... Bekehre uns von aller Lauheit und Leichtsinnigkeit, durch Jesus, unseren Heiland und Erlöser. Amen


15. April
Die drei Priester der Titanic

Vor 100 Jahren, am 15. April 1912, ging die Titanic unter. Unter den Opfern waren drei katholische Priester:

P. Joseph Peruschitz OSB, geboren 1871 in der Nähe von Wolfratshausen, war vom Kloster Scheyern nach Minnesota zur Leitung eines Ordensgymnasiums gesandt worden.

Thomas Roussel Byles war ein bekehrter englischer Hugenotte, der als Pfarrer einer Landgemeinde nach Brooklyn zur Trauung seines Bruders reiste.

Jouzas Montvila aus Litauen war unterwegs nach Massachusetts, um dort Seelsorger zu werden.

Alle drei Priester feierten auf der Titanic täglich die hl. Messe. Ihr Verhalten während des Untergangs wurde von der amerikanischen Presse sehr gerühmt. Sie richteten “Trost- und Ermutigungsworte an ihre Umgebung. Dann waren sie den Kindern und Frauen bei der Einschiffung in die Rettungsboote behilflich. Mehrere Angebote seitens der Matrosen, sich zu retten, wiesen sie mit den Worten zurück, dass ihr Platz bei den an Bord befindlichen dem Tode geweihten Menschen sei” (St. Josephsblatt, April 2012, nach einem Bericht des Speyerer Bistumsblatts von 1912).


15. April
Cum gravissima

Vor 50 Jahren, am 15. April 1962, erließ Papst Johannes XXIII. das Motu proprio Cum gravissima, in dem er bestimmte, dass Kardinäle Bischöfe sein müssen.


14. April
David gegen Goliath

LebensForum (Nr. 101, 1. Quartal 2012) bringt einen Bericht über Lila Rose und zeigt an derem Beispiel, was der mutige und beharrliche Einsatz eines Einzelnen bewirken kann. Vor acht Jahren gründete Lila Rose im Alter von 15 Jahren die Organisation Live Action. “Mit dieser Organisation hat Rose dem weltweit größten Anbieter von Abtreibungen Planned Parenthood im vergangenen Jahr einen empfindlichen Schlag versetzt: So haben sich neun Bundesstaaten nach zahlreichen Vorsprachen Roses bei führenden Politikern und Teilnahmen an diversen Talkshows, bei denen sie jeweils über die Arbeit von Planned Parenthood berichtete, dazu entschlossen, Planned Parenthood finanziell nicht länger zu unterstützen. Inhalte ihrer Stellungnahmen waren unter anderem die Enthüllung, dass Planned Parenthood den Missbrauch von Kindern deckt, sowie Spenden annimmt, die für die gezielte Tötung afro-amerikanischer Babies bestimmt sind. Mit der Entscheidung der besagten Bundesstaaten, Planned Parenthood keine Steuergelder mehr zukommen zu lassen, erhält Planned Parenthood statt der bislang mehr als 300 Mio. Steuergelder jährlich nunmehr 60 Mio. Dollar weniger. Der persönlichen Einschätzung einer Mitarbeiterin von Live Action zufolge werde es vermutlich nur noch wenige Jahre dauern, bis Planned Parenthood gar keine staatliche Subventionierung mehr erhält."


10. April
Gerd Klaus Kaltenbrunner

Vor einem Jahr, am 12. April 2011, starb der Schriftsteller Gerd Klaus Kaltenbrunner.


10. April
Manipulation

Vor einem Jahr, am 14. April 2011, leistete sich die ARD mit ihrem Beitrag Comeback der Abtreibungsgegner in der Sendung Kontraste einen Höhepunkt an manipulativer Berichterstattung.


9. April
Lev Sinovevic Kopelev

Vor 100 Jahren, am 9. April 1912, wurde in Kiew der Germanist und Menschenrechtler Lev Sinovevic Kopelev (auch Lew Sinowjewitsch Kopelew) geboren. 1981 wurde der Regimekritiker aus der Sowjetunion ausgebürgert. Er erhielt in Wuppertal eine Forschungsprofessur zur Erforschung der Geschichte deutsch-russischer Fremdenbilder. “Der Sohn jüdischer Eltern verstand sich selbst als Agnostiker, fühlte sich aber dem Geist der Bergpredigt verpflichtet” (Mechthild Keller im LThK, 3. Auflage). Er starb am 18. Juni 1997 in Köln.


8. April
Der Schild des Glaubens

Von Ilona Szollár

Im Juni 1876 hatte der hl. Don Bosco einen Traum, der ihm die Bedeutung des Glaubens klarmachte. Don Bosco hatte viele prophetische Träume. Manchmal war er sich bei dem einen oder anderen Traum nicht sicher, ob er wirklich von Gott kam. Dann prüfte er ihn, und wenn er zur Gewißheit kam, erzählte er ihn seinen Jungen. Niemals hätte er ihnen einen Traum erzählt, wenn er hätte befürchten müssen, sie dadurch in die Irre zu führen. Wenn er also einen Traum weitererzählte, dann deshalb, weil er sicher war, dass Gott etwas durch ihn mitteilen wollte.

Diesen Traum nun über die Bedeutung des Glaubens erzählte er seinen Jungen am Fronleichnamsfest des Jahres 1876. Das war der 30. Juni. Der Traum lag bereits zwei Wochen zurück. Er war die Erhörung eines Gebetes. Denn der hl. Don Bosco hatte den Herrn um eine besondere Erkenntnis gebeten, nämlich darüber, was dem Seelenzustand seiner Zöglinge nützen oder schaden könne. In der darauffolgenden Nacht träumte er von ihnen: Sie hielten sich abends mit dem Heiligen zusammen im Innenhof ihres Oratoriums auf. Da hörte er plötzlich schrille Schreie. Einige seiner Jungen stürzten voller Panik und Entsetzen von draußen in den Hof hinein. Sie berichteten von einem Ungeheuer, das sich nähere und alle verschlingen wolle. Don Bosco ging hin, um sich zu überzeugen, und musste mit eigenen Augen das Gemeldete wahrnehmen: ein Ungeheuer, schrecklicher als ein Bär, mit einem Rachen, der mit einem Mal einen ganzen Menschen verschlingen konnte und aus dem zwei scharfe, sehr lange Zähne herausragten. Das Ungeheuer näherte sich bedächtig, aber unaufhaltsam. Voller Angst drängten sich die Jungen um Don Bosco. Sie befanden sich unter den Säulenhallen. Don Bosco, selber von Furcht ergriffen, war ratlos. Da forderte er seine Jungen auf, mit ihm zusammen sich hinzuknien und die Gottesmutter anzurufen. Maria, die himmlische Mutter, werde helfen!

Gesagt, getan. Pochenden Herzens begannen sie zu beten, während das Ungeheuer immer näher kam. Schließlich war es da, nur noch einen Sprung entfernt! In diesem Augenblick wurden sie wunderbarerweise in den geräumigen Speisesaal versetzt, und die Muttergottes erschien mitten unter ihnen. Sie erstrahlte in feurigem Lichtglanz und erleuchtete den Saal. Sie war umgeben von Seligen und Engeln. Alle Augen waren auf sie gerichtet, als ihre zärtliche Stimme erklang: "Fürchtet euch nicht! Habt Glauben! Dies ist nur eine Prüfung, die euch mein göttlicher Sohn schickt!" Don Bosco erkannte unter den Seligen einige aus dem Oratorium, die bereits gestorben waren. Sie waren schon im Paradies.

Da rief einer aus dem Gefolge der allerseligsten Jungfrau mit erhobener Stimme: "Surgite! - Erhebet euch!" Wunderbarerweise wurden sie in die Höhe erhoben. In diesem Augenblick drang das Ungeheuer in den Saal ein, begleitet von einer großen Menge anderer Bestien. Sie stießen ein schreckliches Geheul aus. Mit blutroten Augen schauten sie die Jungen an und waren ganz versessen auf den Kampf. Da erklang zum zweiten Mal die Stimme der allerseligsten Jungfrau wie ein hinreißender Gesang, der sie in Verzückung versetzte: "Sumite ergo scutum fidei inexpugnabile! - Ergreifet den unüberwindlichen Schild des Glaubens!" Es waren die Worte des heiligen Paulus aus dem Epheserbrief. Da erhielt jeder der Anwesenden einen Schild. Dieser Schild stellte den Glauben dar. Er wurde über das Herz jedes Jungen gelegt. Die Schilde waren groß, schön und glänzend. In ihnen spiegelte sich das Licht wider, das von der Muttergottes ausging.

"Ad pugnam! - Zum Kampfe!", erscholl eine mächtige Stimme. Die Bestien begannen zu rasen, Don Bosco und die Jungen fielen herunter. Die Bestien griffen an und schleuderten mit dem Gifthauch ihres Rachens Kugeln und Pfeile den Jungen entgegen. Aber diese waren beschützt vom göttlichen Schild, den sie in Händen hielten. Alle Geschosse prallten an ihm ab. Beinahe ehrfurchtsvoll wichen die Ungeheuer beim Anblick des Schildes, der das Licht der Muttergottes widerspiegelte, zurück. Mit dem Schild in der Hand waren die kleinsten Knirpse stärker als die größten Ungetüme. Wer aber von den Jungen den Schild losließ, wurde grausam zerfleischt. Lange dauerte der Kampf, bis plötzlich wieder, zum dritten Mal, die Stimme der allerseligsten Jungfrau erklang: "Haec est victoria vestra, quae vincit mundum, fides vestra. - Dies ist der Sieg, der die Welt überwindet, euer Glaube." Da flohen die Bestien in wilder Flucht davon und verschwanden. Die den Schild des Glaubens festgehalten hatten, waren gerettet. Ihre Augen waren in Verzückung auf die unbeschreibliche Schönheit der Gottesmutter gerichet.

Ich habe den Traum des hl. Don Bosco in gekürzter Fassung wiedergegeben. Er ist in Wirklichkeit noch ausführlicher. Don Bosco erklärte zum Beispiel auch die Bedeutung der beiden großen Zähne des Ungeheuers. Der hl. Don Bosco beendete seine Erzählung mit der Ermahnung an seine Jungen, den Glauben wieder lebendig zu machen.

Alles beginnt bei der Erziehung der Kinder. Es besteht eine Offenheit, ja ein Bedürfnis nach der Wahrheit. Aber wo wird diesem Verlangen noch die nötige übernatürliche Nahrung gegeben?

Heute ist es nötiger denn je, sich über die Heilsbedeutung des Glaubens klarzuwerden. Er gehört zum Kostbarsten, was dem Menschen von Gott geschenkt werden kann, und zu dem, was heute am wenigsten geschätzt wird. Das hat mit einem Umstand zu tun, der für unsere Zeit typisch ist und den es so - jedenfalls in diesem Ausmaß - bisher nicht gegeben hat.

Irrlehren hat es zu allen Zeiten gegeben. Sie betreffen eine bestimmte Glaubenswahrheit oder einen bestimmten Bereich von Glaubenswahrheiten und bestehen in deren Leugnung oder Verzerrung. Für die Kirche war das Auftreten von Irrlehren immer Anlass, die in Frage stehende Glaubenswahrheit klarer zu erfassen, verbindlicher zu verkünden und bewusster zu leben. Heute aber steht nicht mehr diese oder jene Glaubenswahrheit in Frage, sondern das, was "Glauben" überhaupt bedeutet. Hat es der Glaube überhaupt mit Wahrheit zu tun? Oder ist er nicht vielmehr eine subjektive Erfahrung, die Artikulation existenzieller Betroffenheit und religiöser Gefühle? Jeder macht seine Erfahrungen, der Christ macht seine Erfahrungen, der Muslim seine und der Buddhist wiederum seine. Und so hat auch jeder seine eigene Wahrheit.

Die Reduzierung des Glaubens auf die existenzielle Betroffenheit und seine Entkleidung von jedem absoluten Wahrheitsanspruch ist nun genau das, wodurch sich die modernistische Theologie in Gegensatz stellt nicht nur zum katholischen Glauben, sondern zu jeder "klassischen" Häresie. Die großen dogmatischen Auseinandersetzungen, angefangen bei den christologischen Streitigkeiten der ersten Jahrhunderte (für immer verknüpft mit den Namen Arius, Nestorius, Eutyches und vieler anderer, deren Häresien Anlaß für die großartigen Definitionen der Konzilien von Nicäa, Ephesus und Chalcedon waren) über die Erschütterungen der Reformation (Luther, Trient) bis zu den Kämpfen mit dem Rationalismus, Traditionalismus und Semirationalismus (de Bonald, Hermes, Erstes Vaticanum), wurden ausgetragen auf der Basis der gemeinsamen Überzeugung, dass Glaubensaussagen wahrheitsfähig sind. Heute wird genau diese Wahrheitsfähigkeit in Frage gestellt. Was von den Glaubensaussagen, wenn man ihre Wahrheitsfähigkeit leugnet, übrigbleibt, sind Sätze, und denen, die den Glauben bewahren, wird folgerichtig ein fundamentalistisches Festhalten an Sätzen und dementsprechend an einem instruktionstheoretischen Modell der Offenbarung unterstellt. Die angebotene Alternative besteht dann in einem sogenannten kommunikationstheoretischen Modell, das es nicht mit satzhaften Wahrheiten, sondern mit personaler Beziehung zu tun habe. Doch wie fraglich das Ausspielen des personalen Charakters des Glaubens gegen sein inhaltliches Moment ist, zeigt sich etwa in der Entwicklung des katholischen Theologen Gotthold Hasenhüttl, bei dem die Leugnung jenes Momentes schließlich zur Leugnung des personalen Gottes selbst geführt hat. Glauben ist für ihn folglich weder ein Fürwahrhalten noch ein auf Gott gerichteter Vertrauensakt. Für Hasenhüttl richtet sich das Gebet deshalb auch nicht mehr an ein persönliches Du, sondern bleibt, wie kein Geringerer als Joseph Ratzinger festgestellt hat, "ein trauriges Zwiegespräch mit dem Nichts" (Das Fest des Glaubens, 1981, S.14). Dass ein solcher Atheist im Namen und mit Wissen der Kirche seinen Unglauben unter dem Etikett "Katholische Dogmatik" unter Theologiestudenten verbreiten durfte, verrät das ganze Ausmaß der Geistesverwirrung und läßt einen erschütternden Realitätsbezug des Traums des hl. Don Bosco erkennen. Damit wir in den Kämpfen der Zeit den Schild des Glaubens nicht fallenlassen, müssen wir eine klare Vorstellung davon haben, dass Glauben die Antwort des Menschen auf die göttliche Offenbarung bedeutet. Er umfasst sowohl die Annahme des Inhalts der Offenbarung, der wahrheitsfähig ist und in wahrer Rede (in Sätzen) ausgedrückt wird, wie auch die personale Beziehung zu Gott, dessen Glaubwürdigkeit wir vertrauen. Wenn wir diese Struktur des Glaubensaktes verstanden haben, sind wir gegenüber vielen modischen Schlagworten immun und laufen weniger Gefahr, den Herrn zu enttäuschen. Ein Blick in das Evangelium belehrt uns darüber, dass es vor allem die Kleingläubigkeit und der Zweifel seiner Apostel waren, die der Herr so oft beklagen mußte. Niemals hat er jemanden getadelt wegen eines zu großen Glaubens, sondern immer nur wegen eines zu geringen Glaubens. "Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!", sagt er in den Abschiedsreden zu den Seinen. Und nachdem er von ihnen geschieden war, war es Maria, um die sich die Apostel scharten, deren Glaube stets unerschüttert blieb. "Selig, die du geglaubt hast" (Lk 1,45), lautet die erste Seligpreisung nach der Menschwerdung Gottes. Es ist nichts anderes als das Licht Mariens, das wir mit dem Schild des Glaubens den Angriffen der höllischen Mächte entgegenzuwerfen haben.


7. April
Predigtverbot

Vor 75 Jahren, am 7. April 1937, verhängte das Geheime Staatspolizeiamt Berlin ohne Prozess und richterliches Urteil über P. Rupert Mayer SJ “wegen seiner staatsschädigenden Reden Redeverbot für das gesamte Reichsgebiet”. Es geschah dies einen Tag nach der Anordnung Hitlers, die Sittlichkeitsprozesse gegen Priester wieder aufzunehmen. Provinzial Augustinus Rösch SJ stellte sich hinter P. Mayer und kam nach Beratungen zu dem Schluss: “Der Kampf zwischen Partei und Kirche ist - vor allem wegen der Schule - in eine neue Entscheidung getreten. Da ist es Aufgabe unseres Ordens, der Kirche und damit den Eltern und der Jugend zu helfen, soviel in seinen Kräften liegt; wenn daher P. Rupert Mayer gegen das ausdrückliche Predigtverbot weiterpredigen will, danken wir ihm dafür und für alles, was er damit auf sich zu nehmen bereit ist” (zitiert in: Heinz Hürten, Deutsche Katholiken 1918 bis 1945, Paderborn 1992, S. 391). Auch Kardinal Faulhaber protestierte gegen das Verbot, was nicht verhindern konnte, dass P. Rupert Mayer am 5. Juni 1937 wegen Übertretung des Verbots verhaftet wurde.


7. April
Stanley Jaki

Vor drei Jahren, am 7. April 2009, starb in Madrid der Physiker und Wissenschaftsphilosoph P. Stanley Jaki OSB. Er wurde am 17. August 1924 im ungarischen Györ geboren, empfing 1948 die Priesterweihe und ging 1950 nach Amerika, wo er u.a. beim Nobelpreisträger Victor F. Hess studierte und promovierte und an verschiedenen Universitäten lehrte. Er schrieb Bücher über die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Glaube, über Chesterton, Newman und Pierre Duhem. 1987 erhielt er den hochdotierten Templeton-Preis.


6. April
Notker der Stammler

Vor 1100 Jahren, am 6. April 912, starb in St. Gallen im Alter von etwas über 60 Jahren der selige Notker der Stammler (Balbulus) OSB, ein Gelehrter der karolingischen Zeit, der erste Komponist deutscher Herkunft und “eine feinsinnige und zarte, ja ängstliche, gegen Anfechtungen aber heroische Mönchsgestalt” (J. Beckmann im LThK, 1. Auflage).


5. April
Klagen statt zweifeln

Erst in der Neuzeit begannen Menschen aufgrund dieser Wirklichkeit [des Leidens] an Gottes Existenz zu zweifeln. Vorher haben sie sich bei ihm beklagt. Damit haben sie ihm Macht zugebilligt, und diese Macht zugleich als gerecht und ansprechbar anerkannt. Andernfalls wäre es ja sinnlos, sich bei ihm zu beschweren. Und man beklagte sich - Ijob - bei ihm mit Berufung auf ihn! In der Tat: Wer protestiert, stützt sich doch nicht auf sein privates Unbehagen, sondern auf Recht, Gerechtigkeit und Ordnung überhaupt. Woher aber stammen die und ihr Recht (etwa aus der Evolution, in der die Fittesten überleben?), wenn nicht von jenem Sinn-Absoluten, das wir mit dem Gottesnamen meinen?

Der Philosoph Jörg Splett im Interview mit Dorothee Wanzek, Warum Leben, Leiden und Lieben zusammengehören, in: Glaube verbindet, S. 10


4. April
Versuch über die „Hymnen an die Kirche“ von Gertrud von le Fort

Von Dr. Renate Krüger

Fünfter Teil

Aber die als menschenfreundlicher Lebensraum erfahrene Natur kann sich auch ins Gegenteil verwandeln: Schöner grüner Kerker der Natur, wie machst du mir so bange!

In der Vorliebe für Natur und Landschaft gibt sich die Dichterin selbst zu erkennen. Autobiographische Bezüge finden sich auch im mehrfachen Hinweis auf die Tätigkeit des Spinnens, bei der sich die Dichterin und ihre Schwester während der frühen Ludwigsluster Jahre fotografieren ließen. Der Umgang mit dem Spinnrad galt ihnen als aristokratische Handarbeit.

In den Hymnen heißt es: Die edlen Spinnerinnen deiner Herrlichkeit haben ihre Spindeln verloren!... Du bist fein geworden, Seele, du bist wie seidener Flachs geworden, an dem man lange spann: Du bist wie ein leichter Faden, der nicht mehr haftet.

Ein autobiographisches Motiv ist ferner die liebevolle, aber trauererfüllte Hinwendung zu welkenden Blumen als einem Symbol der Vergänglichkeit: Das Glück sinkt auf deine Seele wie Todesduft welker Kräuter... Denn alle Nähe der Menschen ist wie Blumen, die auf Grüften welken.... Dieses Motiv zieht sich durch viele Dichtungen der le Fort.

Bezeichnend für die Dichterin ist das Vermeiden ganz bestimmter Motivkreise. Kein Wort, kein Bild aus der Welt der Technik und des Handels. Gewisse Anklänge an den sozialen Bereich finden sich nur in der Litanei zur Königin des Friedens.

Zusammenfassung und Vorausblick

Die Hymnen an die Kirche sind sowohl eine Summe des bisherigen Lebens und Denkens der Dichterin, als auch die Darlegung und Ordnung ihrer Zukunftsmöglichkeiten. Gertrud von le Fort hat nicht nur angedeutet, gestreift, nicht nur entdeckt und experimentiert, sondern alle einmal aufgenommenen Linien weitergeführt, alle ihr bewußt gewordenen Schichten vertieft und sorgfältig durchdrungen.

Das Motiv der blühenden Säule unter lauter Schutt, mit dem sie die Kirche vergleicht, findet sich in abgewandelten Formen auch in dem Roman Das Schweißtuch der Veronika, sowie in den Erzählungen Die Consolata (1943 vollendet, 1947 veröffentlicht) und Die Tochter Farinatas (1950). Es bedeutet nicht das Bewahren eines winzigen Restes einstiger Herrlichkeit in denkmalpflegerischer Absicht, um sich durch Erinnerung an vergangene Größe Selbstwertgefühl zu sichern, sondern ein Symbol oder auch ein Signal für ein anderes Beziehungssystem, in dem sich die einzelnen Phänomene als Paradoxa zeigen.

Der Aufbau dieses Systems kennzeichnet den Prozeß innerhalb aller epischen Werke der Dichterin. Solche paradoxen Lösungen lässt sie auch die Kirche anbieten: Du sprichst zu den Zweifelnden: „Schweigt!“ und zu den Fragenden „Kniet nieder!“ Das ist nicht hartherzige Mißachtung akuter Probleme und Bedürfnisse, sondern die Umleitung auf eine andere Beziehungsebene durch eine bewußte Intervention. Auf dieser Ebene wird das leidende Subjekt aufgefordert, nicht mehr mit den gleichen Waffen zu kämpfen wie die Bedränger. Es ist die Absage an das Sicherheitsdenken, wie sie sich als Voraussetzung für die gefundenen Lösungen in jedem Werk der Gertrud von le Fort anbietet: Wo ich selbst anfange, da will ich aufhören, und wo ich aufhöre, da will ich ewiglich bleiben.

Überzeugende Beispiele dieser Haltungen sind die Heiligen: Deine Entsagenden verschwenden, und deine Besitzlosen bringen fürstliche Gaben, deine Gebundenen erlösen und deine Geopferten machen lebendig, deine Einsamen sprechen von Einsamkeit los.

Innerhalb dieses Beziehungssystems ist die Barmherzigkeit der Welt eine Voraussetzung mit impulsauslösender Wirkung, ein Kriterium, das le Fort auch noch in einer späten Buchrezension (Aufzeichnungen und Erinnerungen S.53) ins Feld führt. Auch die Suche nach einer Seinsweise, in der Worte nur seine Herolde sind, hat Gertrud von le Fort lebenslang beibehalten und in Lyrik und Prosa entfaltet.

Neben dem Schleiermotiv findet sich das Motiv des Spiegels: Und ich werde daliegen wie ein nackender Spiegel im Angesicht der Welten, ein Spiegel, in dem sich Kosmos und Seelen erkennen in einem allumfassenden überdimensionalen Prozeß der Selbsterfahrung. Eine ähnliche Funktion wird der Ich-Erzählerin im Roman Das Schweißtuch der Veronika zugewiesen. Veronika, die den Kosenamen Spiegelchen trägt, wirkt in allen Prozessen von Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis als Katalysator und ist somit der Kirche innerlich verwandt.

Von hier aus ergibt sich eine interessante und wesentliche Perspektive auf das Wesen der Kirche in der Auffassung und Darstellung der le Fort. Als blühende Säule unter lauter totem Schutt ist sie das überlebende Edle in der Vergänglichkeit, die Hüterin bester Traditionen, Garantin fruchtbarer Kontinuitäten. Aber die Dichterin weiß auch, daß die Kirche kein Fluchtort sein darf: Aber du bist keine Herberge am Weg, und deine Tore öffnen sich nicht nach außen... Vielmehr ist die Kirche der Raum, in dem sich Lösungen höherer Ordnung finden lassen, denen so radikale Forderungen vorausgehen, daß die Dichterin erschrocken fragt: Weißt du, was du tust?

Für Gertrud von le Fort ist die Kirche immer Gestalt, und zwar weibliche, ist Person, nicht Institution, trägt mütterliche Züge. Die Dichterin vergleicht die eigene Seele mit einem ausgesetzten Kind, dessen sich die Kirche mütterlich angenommen hat: Denn ich bin die Mutter aller Kinder dieser Erde... Und was an der Kirche durch die Weihen gesetzte Institution ist, wird aus der Dynamik des lebendigen Eros, nicht an der Statik des wohlgeordneten Systems gemessen: Deine Weihen sind wie große Zeichen von Feuer auf den Stirnen....

Gipfelpunkte der Aussagen über die Kirche sind ihre Darstellung als mystischer Leib Christi und als Braut Christi. So sehr le Fort die Kirche als Leib sieht, dem die Leiblichkeit des Menschen adäquat ist, so wenig sieht sie ihn als „Schoß Abrahams“, als Raum, in dem die Seelen gesammelt werden. Die dichteste Identität der Kirche findet sie im Eros der Braut Christi, die zugleich Königsbraut und Schwester der Natur ist: Ich bin ein Lauschen unter Wipfeln, ich bin ein Leuchten unter Blumen, ich bin ein Suchen unter den seidenen Halmen der Gräser! Im Bewußtsein und in der Haltung der Brautschaft bringt sie das Lob dar, dessen Höhepunkt innerhalb der Hymnen im Te Deum liegt: Ich will mit meinem Lied ins Meer deiner Herrlichkeit springen: unterjauchzen will ich in den Wogen deiner Kraft. Aus dieser Haltung stellt sie sich auch als die große Beterin dar, die die Litaneien betet, auch als die Gestalt, die sich mit ihren Kindern identifiziert, tausendfach mit ihnen stirbt, als Anwältin der „Entrechteten und Beleidigten“: Ich halte in den Armen alle, die das Leben wegstößt... In dieser Dichtung findet sich auch bereits das Kirchenbild der Zukunft, das Bild des pilgernden Gottesvolkes: Ich bin die Straße aller ihrer Straßen: auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott!

Wird fortgesetzt


3. April
Priesterbruderschaft St. Petrus: Generalkapitel

Vom 3. bis 18. Juli 2012 findet das nächste Generalkapitel der Priesterbruderschaft St. Petrus statt. Es ist nach der Gründungsversammlung 1988 in Hauterive und den Kapiteln in Pontcalec, Bretagne (1991) und Wigratzbad (1994, 2000, 2006) das sechste Generalkapitel. Es findet dieses Mal in Amerika statt und besteht aus 37 Mitgliedern.

Über das Generalkapitel 2006


3. April
Spanische Märtyer (131)

Vor 75 Jahren, am 3. April 1937, starb als Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg in Mancha Real bei Jaén der Trinitarier Juan de Jesús María (Juan) Otazua y Madariaga, 42 Jahre alt, seliggesprochen am 28. Oktober 2007.

Die Liste der Märtyrer


2. April
Caspar Druzbicki

Vor 350 Jahren, am 2. April 1662, starb in Posen im Alter von 72 Jahren Caspar Druzbicki SJ. Er war Novizenmeister, Rektor, Provinzial und Autor geistlicher Schriften. Dabei war er inspiriert vom sel. Heinrich Seuse und vom hl. Lorenzo Giustiniani.


1. April
Maria de Victoria

Vor 400 Jahren, am 1. April 1612, gründeten die Jesuiten in Ingolstadt die marianische Bürgerkongregation Maria de Victoria. Anfangs aus 33 Männern bestehend, wuchs die Zahl der Mitglieder bis 1649 auf etwa 1000. 1618 wurde ein eigenes Oratorium für die Kongregation erbaut.

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