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* * *

30. August
Auch für Mädchen

Die seit einem Jahr bestehende, katholisch orientierte Internatsschule Collegium Musicum in Unteralpfen, Südschwarzwald, nimmt ab dem neuen Schuljahr auch Mädchen auf.

Der nächste Beitrag ist für den 3. September geplant.


30. August
Die wahren Verhältnisse

Die evangelische Kirche in Deutschland (genauer: die Gesamtheit der EKD-Mitgliedskirchen) hat in der Zeit von 1950 bis 2009 18 Millionen Mitglieder verloren. Die Zahl der Mitglieder ging von 42,2 Millionen auf 24,2 Millionen zurück. Das ist ein Rückgang um 42,7 %. Die Zahl der Katholiken nahm dagegen im selben Zeitraum von 23,2 Millionen auf 24,9 Millionen zu, also um 7,3 %.
Dies steht in krassem Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung, die nur die Krise der katholischen Kirche im Auge hat und dementsprechend dazu führt, ihr die evangelische Kirche als Vorbild der Modernisierung hinzustellen. Wie wäre es, wenn wir umgekehrt einmal der evangelischen Kirche zur Überwindung ihrer Krise empfehlen würden, etwa den Zölibat einzuführen oder in der Abtreibungsfrage konsequent Stellung zu beziehen?


30. August
Antimodernisteneid

Vor 100 Jahren, am 1. September 1910, verpflichtete der hl. Papst Pius X. durch das Motu Proprio Sacrorum antistitum alle Kleriker ab der Subdiakonatsweihe auf den Antimodernisteneid (cf. Modernismus). 1967 schaffte Paul VI. den Eid ab, so dass sich nun die neomodernistische Theologie ungehindert ausbreiten konnte. Viele, die den Eid noch abgelegt hatten, wurden meineidig.


30. August
Joseph Friedlieb

Vor 200 Jahren, am 1. September 1810, wurde in Meisenheim a. Glan der Theologe Joseph Heinrich Friedlieb geboren. Er lehrte Moraltheologie und Neues Testament in Breslau und starb daselbst am 17. März 1900.


30. August
Perrine Androuin

Vor 250 Jahren, am 31. August 1760, wurde in Saint-Lambert-du-Lattay, Maine-et-Loire, die selige Perrine Androuin, eine Gefährtin des sel. Guillaume Répin, geboren. Sie starb in der Französischen Revolution den Märtyrertod am 1. Februar 1794 in Avrillé, zusammen mit ihren Schwestern Gabrielle und Suzanne. Sie gehört zur Gruppe von 99 Märtyrern, die am 19. Februar 1984 seliggesprochen wurden.


30. August
Maurice Tornay

Vor 100 Jahren, am 31. August 1910, wurde im schweizerischen La Rosière (Wallis) der selige Maurice Tornay geboren. Er trat bei den Augustiner-Chorherren am Großen St. Bernhard ein und kam 1936 als Missionar nach Hanoi, 1945 nach Tibet. Die Hauptstadt Tibets, Lhasa, ist der Sitz des Dalai-Lama. Die Lamas waren dem Christentum gegenüber äußerst feindselig eingestellt und schreckten auch vor Mordtaten nicht zurück. So wurde auch Tornay am 11. August 1949 umgebracht. Am 16. Mai 1993 wurde er seliggesprochen.


30. August
Emmanuel d’Alzon

Vor 200 Jahren, am 30. August 1810, wurde in Le Vigan, Gard, Emmanuel d’Alzon, der Gründer der Assumptionisten, geboren. Er war 39 Jahre lang Generalvikar von Nîmes, arbeitete für die Freiheit des katholischen Unterrichts, der katholischen Presse und für die Bekehrung Russlands und starb am 21. November 1880 in Nîmes. 1935 wurde sein Seligsprechungsprozess eingeleitet.


29. August
Die pastorale Nächstenliebe

Von Msgr. Nicolas Brouwet

Vierter und letzter Teil

2. Das Herz eines Priesters ist ein dienstbereites, verfügbares Herz: Paulus hat nicht die Stunden gezählt, sich nicht aufgespart: er hat gepredigt, „in der Öffentlichkeit und in den Häusern, ... Nacht und Tag unter Tränen...“. Hier sieht man eine totale Hingabe an die Mission, ohne zu rechnen, ohne die Erschöpfungen und die Niederlagen zu zählen, ohne sich selbst zu suchen.

Beispiel: Bruder Athanase, einer der engsten Mitarbeiter des Pfarrers von Ars, gibt einen Zeitplan des Pfarrers während der zehn Jahre, die er in dessen Nähe verbrachte: Aufstehen zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens. Beichtehören bis sieben Uhr. Messe um halb acht. Danach Segnung von Andachtsgegenständen, Frühstück. Beichtehören bis elf Uhr. Unterricht von 45 Minuten. Zeit mit anempfohlenen, kranken, behinderten Personen. Karges Mittagessen. Zeitungslektüre. Ruhepause. 12 Uhr 45: Besuch bei einem Kranken, bei seinem Vikar. Gegen 13 Uhr: Beichtehören bis Einbruch der Nacht (18 Uhr im Winter, 20 Uhr 30 im Sommer). Öffentlicher Rosenkranz. Abendgebet. Rückkehr ins Pfarrhaus.

Dieses Programm ist nicht nachzuahmen. Der Pfarrer von Ars hatte eigene Gnadengaben. Aber was nachzuahmen ist, ist die totale Hingabe seiner selbst an das Priesteramt und an die Treue zu der ihm anvertrauten Sendung.

Das steht dem nicht im Wege, seine eigenen Grenzen zu erkennen, Ruhepausen einzulegen, sich zurückzuziehen, was unerlässlich ist.

Aber unsere innere Verfügbarkeit muß stets überprüft werden. Sie ist nicht nur die Verfügbarkeit für das Arbeitspensum. Sie ist, viel tiefer, die Verfügbarkeit des Herzens. Wenn ich mich, zum Beispiel, an alle wende, mache mich dann für alle verfügbar? Oder pflege ich damit irgendwelche Präferenzen? Für die Jungen, die Intelligenteren, für die Personen, die mich schätzen, etc...Wir wissen, daß der Zölibat ein Zeichen dieser Verfügbarkeit des Herzens in der Nachfolge des zölibatären Christus ist, dessen Leben für alle Menschen hingegeben wurde. Die Ehe ist eine Hingabe in der Ausschließlichkeit einer Liebe; der priersterliche Zölibat ist die Hingabe an eine universelle Liebe.

3. Das Herz des Priesters ist ein demütiges Herz: der heilige Paulus hat nichts vernachlässigt, um den vollständigen Plan Gottes zu verkünden: das ganze Geheimnis bekannt zu machen, ohne einen Teil auszulassen, weil das peinlich wäre oder übel vermerkt werden würde. (Beispiel: vom Kreuz zu sprechen, vom Himmel zu sprechen, von der Unauflöslichkeit der Ehe, von der evangelischen Armut). Es ist das Zeichen einer wahren Armut im Geiste, nicht das zu verkünden, was unsere persönliche Botschaft ist, sondern das Evangelium, so wie es uns Gott anvertraut hat.

Wie schwierig ist es manchmal, uns nicht an unsere Ideen zu einer Frage zu halten, oder über unsere Verständnislosigkeiten zu theoretisieren; wie schwierig ist es manchmal, nicht ein Parteigänger eines Denksystems, einer Denkströmung zu werden. Ein Priester ist nicht der Mann eines Systems, einer Partei, einer Denkungsart; er steht im Dienst des Evangeliums Christi.

Das verlangt Studium. Ein Priester soll lesen und arbeiten. Dabei ist die Zeit niemals vertan; und es ist ein Akt der Nächstenliebe für diejenigen, die uns zuhören, die bei uns Rat suchen, oder auch für jene, die uns über den christlichen Glauben befragen.

4. Das Herz eines Priesters ist ein Herz, das von sich selbst absieht: es läßt sich vom Geist führen, wie Jesus: „es drängt mich durch den Geist nach Jerusalem zu reisen, ohne zu wissen, was ich dort finden werde“. Hier liegt die wahre Verfügbarkeit für den Heiligen Geist, die der Schlüssel des Priesteramtes ist, der Sendung; die den Unterschied macht zwischen dem, der auf eigene Rechnung lebt, der seine Ideen aufdrängen will, sein Projekt Oberhand gewinnen lassen will, und einem Priester Jesu Christi.

Der Gehorsam ist ein gutes Unterscheidungskriterium, ganz sicher: Wie bereitet man sich darauf vor, den von unserem Vorgesetzten geäußerten Willen anzunehmen? Wie akzeptiert man, ein Projekt aus der Hand zu geben, das man ausgearbeitet hat oder dessen Initiator man selbst war?

Beispiel: Um das Jahr 1847 beruft der Bischof von Belley die Laien, die die Regierung der ‚Providence‘ stellen, ab, um sie durch Nonnen zu ersetzen. Der heilige Pfarrer ist erschüttert (es hatte Wunder gegeben – Vermehrung von Mehl und Wein ... – Gebet der kleinen Mädchen, das alles erreichte, Tod von Benoîte Lardet, einer der Leiterinnen, im Ruf der Heiligkeit). Doch der Pfarrer von Ars sagt, indem er sich verneigt: „Ich sehe dort nicht den Willen Gottes, aber Monseigneur sieht ihn. Uns bleibt nichts übrig als zu gehorchen“ (Nodet, S. 39).

All das lebt der heilige Paulus in wahrhafter Selbstverleugnung vor: „mein Leben zählt nicht“. Er sucht es nicht. Es ist wahrhaftig eine starke Versuchung, seinen Vorteil zu suchen, sein ‚Ich‘ an die erste Stelle zu setzen (Beispiel: Karriere machen zu wollen; belohnt, in den Himmel gehoben, gefeiert, entschädigt werden zu wollen, der Liebling der Jugend oder der Pfarrangehörigen zu sein ...). Das verlangt wahren Verzicht. Und es ist nicht damit getan, die Anhänglichkeiten zu entdecken, die tief in uns verwurzelt sind (an einen guten Ruf, an irdischen Ruhm, an das Geld, an Ehren, an Glückwünsche von seiten der Großen, daran ein Buch zu schreiben...).

5. Es ist ein freies Herz. Es gibt bei Paulus eine große Freiheit in Bezug auf die Berufung, der er sich verschrieben hat. Er erhebt keinen Anspruch auf die Ergebnisse. Er überläßt die Früchte der Gnade Gottes. Drei Jahre lang hat er gepredigt: er weiß, daß die Wölfe in den Schafstall eindringen werden, daß einige die Jünger in die Irre führen werden, und dennoch macht er sich auf den Weg nach Jerusalem, geführt vom Heiligen Geist: „Ich weiß, daß die reißenden Wölfe sich bei euch einschleichen werden, wenn ich nicht mehr da sein werde, und die Herde wird nicht verschont werden. Auch unter euch werden Menschen aufstehen, die lügenhafte Reden führen werden, um die Jünger auf ihre Seite zu ziehen.“ Die Kirche gehört nicht ihm; er benansprucht sie nicht: sie ist das, was sich Gott zu eigen gemacht hat „dank des Blutes, das sein eigener Sohn vergossen hat“.

Ein verwundetes Herz, ein verfügbares Herz, ein demütiges Herz, ein Herz, das von sich absieht, ein freies Herz. Das ist das Herz eines Priesters, in dem die Liebe Christi wohnt und das denen ergeben ist, zu denen ihn der Herr gesandt hat. Die innere Umkehr ist niemals beendet. Aber sie ist ein Weg des Friedens und der Freude. Ein Weg des Glücks. Ich habe es niemals bedauert, dem Herrn mit Ja geantwortet zu haben. Denn mir hat sich so viele Male das Wort Jesu bestätigt: „Geben ist seliger als empfangen“.

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28. August
Florence Nightingale

Von Gisbert Kranz

Zweite Folge

Sie zögerte, dem Ruf zu folgen. Zwar beschäftigte sie sich theoretisch mit Krankenpflege, nahm sich auch hier und da eines Kranken in der Umgebung an; aber sie tat noch keinen entschiedenen Schritt auf den praktischen Beruf hin. Gewissensbisse quälten sie deshalb. »Niemand hat so wie ich gegen den Heiligen Geist gefehlt«, schrieb sie in jenen Jahren des Widerstrebens. Praktische Erfahrungen drängten ihren methodischen Geist vorwärts. Viermal half sie an einem Sterbebett, einmal bei einer schweren Geburt. Sie erkannte dabei, daß Zartgefühl, Mitleid und Geduld nicht ausreichten, eine erfolgreiche Pflegerin zu machen. Nötig war vor allem eine gehörige Menge Fachwissen, und das konnte sie am besten in einem Krankenhaus lernen.

Eines Tages erklärte die Fünfundzwanzigjährige ihren Eltern, sie wolle für drei Monate ins Hospital von Salisbury gehen, um dort Krankenpflege zu lernen. Außerdem gestand sie ihren Plan, eines Tages in einem Nachbardorf ein eigenes Krankenhaus zu gründen, zusammen mit »so etwas wie einem protestantischen Schwesternorden, ohne Gelübde, für gebildete Damen«.

Die Erklärung wirkte, als sei eine Bombe in das Haus geschlagen. Die Mutter war empört, der Vater entsetzt, Parthenope fiel in Ohnmacht. Damals war es unvorstellbar, daß eine Frau aus gutem Hause unabhängig durch die Welt komme. Es gab keinen anderen Beruf für sie, als an der Seite eines Gatten die Honneurs zu machen. Und dann Krankenpflegerin! Darunter stellte man sich damals ein grobes altes Weib vor, unwissend, schmuddelig, oft brutal, versoffen und unzuverlässig. Dickens hatte soeben den Typ in seiner Mrs. Gamp geschildert (Charles Dickens, The Life and Adventures of Martin Chuzzlewit, 19 Teile, London 1843—44; in 3 Bänden, London 1844). In der Tat wurde der Dienst an Kranken damals rohesten Wärterinnen überlassen. Krankenhauspflege galt als ein Beruf, den eine anständige Frau nicht ergreifen konnte. Wenn eine Dienstmagd Pflegerin wurde, nahm man an, sie habe sich etwas zuschulden kommen lassen. Manche Wärterinnen gaben sich abwechselnd mit Pflege und mit Prostitution ab. Man kann es schon verstehen, daß die Familie Nightingale sich gebärdete, als ob Florence »studienhalber in ein Bordell eintreten wollte« (Ida Friederike Görres, Aus der Welt der Heiligen, Frankfurt a. M. 1955, S. 285— 355: Florence Nightingale, eine protestantische Heilige? Hier S. 290).

Vorerst streckte Florence die Waffen. Gott hatte sie zum Dienst an den Kranken berufen. Wenn ihre Umwelt mit ihrem Entschluß nicht einverstanden war, so mußte das, meinte sie, daran liegen, daß sie noch nicht würdig genug war. Geduldig spielte sie also weiter tagsüber die gehorsame Haustochter. Vor Morgengrauen aber studierte sie insgeheim Blaubücher über öffentliches Gesundheitswesen und Jahresberichte von Krankenhäusern. Bei Kerzenlicht füllte sie viele Hefte mit Massen von Fakten über das Sanitätswesen in England und in andern Ländern. Durch den preußischen Gesandten von Bunsen, der im Hause Nightingale verkehrte, bekam Florence die Jahresberichte der Diakon issenanstalt in J(aiserswerth zu lesen. Die Lektüre ließ ihr Herz höher schlagen. Diese Gründung des evangelischen Pastors Theodor Fliedner (Theodor Fliedner, 1800—1864. Aus seinen Schriften ragt hervor: Buch der Märtyrer und anderer Glaubenszeugen, 4 Bde., Kaiserswerth 1842—1860, geschrieben für seine Diakonissen) war, was sie suchte: eine Schule, in der junge Mädchen die Krankenpflege erlernen können und zu einer Art Ordensschwestern ohne Gelübde herangebildet werden.

Im Winter 1847 bis 48 weilte Florence mit ihrer Familie in Rom. Sie war begeistert von der Stadt, von Michelangelo, vom Papst. Sie lernte Sidney Herbert, den vollkommenen Gentleman, und seine junge Frau kennen, machte mit beiden zu Pferd Ausflüge in die Umgebung Roms und führte mit ihnen lange Gespräche. Zu beiden faßte Florence eine tiefe Zuneigung, die für ihr späteres Leben und Wirken bedeutsam werden sollte. Den tiefsten Eindruck ihres römischen Aufenthaits aber gewann sie im Kloster der Dames du Sacrd Cceur an Santa Trinitä de‘Monti, wo sie fast täglich weilte. Die Schwestern dort unterhielten eine sehr fortschrittliche Waisenhausschule. Florence studierte die Einrichtungen und erhielt manche Anregung. Die Seele des Ganzen war Madre Santa Colomba, die ein intensives mystisches Leben mit erfolgreicher Tätigkeit verband. Diese Ordensfrau riet Florence, sich völlig dem Willen Gottes zu unterwerfen. Florence schrieb alle Aussprüche der Mystikerin auf und machte im Kloster zehntägige Exerzitien. Am Schluß dieser geistlichen Übungen glaubte sie wieder Gottes Stimme zu hören, die von ihr forderte, ihren Willen völlig zu unterwerfen und sich nicht gegen ihre Umwelt aufzulehnen (Woodhani-Smith, S. 72). Es fiel Florence schwer, diesem Befehl zu folgen. Nach England zurückgekehrt, konnte sie sich mit dem untätigen Leben als Haus-tochter nicht abfinden. Ihre fromme Verwandte schrieb ihr, alles, auch eine Party oder ein Empfang, könne zur Ehre Gottes getan werden.

Florence schrieb zurück: »Wie kann es zur Ehre Gottes sein, wenn es so viel Elend gibt in der Welt, das wir heilen könnten, statt in Luxus zu leben!« Sie gab eine Reihe von Unterrichtsstunden in der Schule des Nachbardorfes über das Leben Christi, hatte aber das Gefühl, daß sie zur Lehrerin nicht tauge. Ihr Dasein schien ihr manchmal unerträglich zu sein.

Der Mann, der sie seit neun Jahren umwarb und den sie anbetete, drängte sie zur Entscheidung. Heiraten wäre nur eine Fortsetzung ihres bisherigen müßigen, verwöhnten Lebens gewesen. Sie wußte sich zu anderem berufen und sagte Nein, mochte ihr Herz dabei fast brechen. (Sie hat noch mehrmals Heiratsanträge von ausgezeichneten Männern bekommen und sie stets abgelehnt.) Aber noch sah sie keine Möglichkeit, das zu verwirklichen, um dessentwillen sie dieses Opfer gebracht hatte. Die Leere wuchs, und mit ihr die Qual.

Wird fortgesetzt

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27. August
Die Titus Oates-Verschwörung

Von Joseph Spillmann

99. Folge

Auch die Papistenverschwörung hatte die Opposition wieder vor das Parlament gezogen. Ein gewisser Fitzharris hatte dazu die Veranlassung gegeben, eine Kreatur der Herzogin von Portsmouth. Der Mensch war einer revolutionären Flugschrift wegen eingekerkert worden. Um dem Galgen zu entgehen, ersann er jetzt ein neues Papistenkomplott. Es sei beschlossen, sagte er unter anderem, im Falle des Gelingens die protestantischen Führer des Unterhauses zusammen auszusieden, um so das Öl zur Salbung des künftigen papistischen Königs von England zu gewinnen. Shaftesbury wollte das Parlament über diese neue Schaudermäre verhandeln lassen; aber die Auflösung kam ihm zuvor. Vom Tage derselben an begann die Reaktion gegen die Whigs.

Shaftesbury und dessen Partei waren aber nicht gewillt, ohne einen neuen Versuch das Feld zu räumen. Abermals sollte die Waffe der Papistenverschwörung gebraucht werden. Ende Oktober 1680, gerade als das Parlament zusammentrat, welches über Stafford richtete, hatte Shaftesbury den katholischen Primas von Irland nach London bringen lassen; mit ihm wollte er es noch einmal versuchen, und das Gericht, dem der ehrwürdige Prälat zum Opfer fiel, überbot an Schamlosigkeit alle früheren.

Der ehrwürdige Oliver Plunket [1975 heiliggesprochen], Erzbischof von Armagh und Primas von ganz Irland, war im Jahre 1629 zu Loughcrew in der Grafschaft Meath in Irland von einer hochangesehenen, mit den edelsten Geschlechtern verbundenen Familie geboren. Früh zeigte er Neigung zum geistlichen Stande, erhielt von seinem Anverwandten Dr. Patrick Plunket, Titularabt von St. Mary in Dublin, den ersten Unterricht und ging 16 Jahre alt zur Vollendung seiner Studien nach Rom. 25 Jahre blieb er in der ewigen Stadt und wirkte von 1657 - 1669 als Professor der spekulativen, Kontroversial- und Moral-Theologie am Kollegium der Propaganda; früher schon hatte er den Doktortitel der Theologie erworben. Der Ruf seiner Tugend und Wissenschaft war groß. Als daher der erzbischöfliche Sitz von Armagh erledigt war, beschloß der Apostolische Stuhl am 9. Juli 1669, Dr. Oliver Plunket auf denselben zu erheben. Mitte März 1670 erreichte er seine Heimat, nachdem er am ersten Adventsonntag (30. November 1669) vorher in der bischöflichen Kapelle von Gent in aller Stille die bischöfliche Weihe erhalten hatte. Die Stellung eines Primas von Irland war damals für die menschliche Natur durchaus keine lockende. Bei der Verfolgung der katholischen Religion, welche nie ganz ruhte, schwebte sein Leben in beständiger Todesgefahr; dazu kam die äußerste Armut seiner Kirche. Während der anglikanische Primas von Irland aus den Gütern der Kirche von Armagh ein Jahreseinkommen von 5000 Pfd. St. (etwa ½ Million Mark nach jetztigem [um 1900] Geldwert) bezog, derjenige von Dublin 3000 Pfd. St., erhielt Plunket in ruhigen Zeiten 63 Pfd. St., in den Tagen der Verfolgung aber kaum 5 Pfd. St. jährliches Einkommen. Aber nicht um des irdischen Gewinnes noch um des irdischen Genusses willen hatte der apostolische Mann den ihm vom Papst anvertrauten Hirtenstab ergriffen, und er führte denselben eines Nachfolgers der Apostel und eines Heiligen würdig.

Wir können die apostolischen Arbeiten des ehrwürdigen Plunket auch nicht einmal in einem kurzen Abriß wiedergeben. Gleich zu Anfang seiner Laufbahn (17. Juni 1670) versammelte er die Oberhirten Irlands zu einem Nationalkonzil, und kurz vor seiner Gefangennahme, im August 1678, zu einem Provinzialkonzil. Er arbeitete mit der größten Aufopferung für seine eigene Herde, visitierte die Sprengel seiner Kirchenprovinz und segelte sogar nach den Hebriden und nach Schottland, deren Missionen er im Auftrage der Propaganda besuchte. Sein Hauptaugenmerk warf er aber auf die Heiligkeit und Reinheit des priesterlichen Standes und bot alles auf, unwürdige Glieder durch Liebe und Strenge zur Pflicht zurückzuführen oder doch wenigstens die Hartnäckigen durch geistliche Strafmittel unschädlich zu machen. Das zog ihm den Haß einiger dieser Unseligen zu und verhalf ihm in der Folge zur Marterkrone. Leiden aller Art dienten als Vorbereitung.

1673 hatte das englische Parlament auch für Irland "die Verbannung aller Bischöfe, Generalvikare, Äbte, die im Namen des Papstes geistliche Gewalt ausüben, namentlich aber die Austreibung des 'Peter Talbot, anmaßlichen Erzbischofs von Dublin', wegen offenkundigen Mangels an Loyalität und Verachtung der Gesetze, sodann die Unterdrückung aller Klöster, Seminarien und öffentlichen papistischen Schulen, die Verbannung aller Ordenspriester, Austreibung der irischen Papisten aus den Städten, Entwaffnung und Ausstoßung derselben aus dem Heere" (Killen, The ecclesiastical History of Ireland II, London 1875, 150. Bei Alphons Bellesheim, Geschichte der kathlischen Kirche in Irland, II, 594) verlangt. Am 10. Januar 1674 erging eine verschärfte Proklamation des Vizekönigs von Irland wider alle Bischöfe und Ordensleute.

Auch der Erzbischof von Armagh mußte flüchten. Unter dem Namen Thomas Cox schrieb er am 27. Januar 1674 an den Internuntius Falconieri nach Brüssel: "Kaum hatte ich das (die neue Proklamation) erfahren, da ergriff ich am Sonntag nach der Vesper, es war Petri Stuhlfeier, mit meinem Begleiter (Bischof Brenan von Waterford) die Flucht. Schnee und dichter Hagel fiel auf uns herab; ein schneidender Wind wehte uns entgegen, kaum vermochten wir die Augen zu öffnen. Oftmals schwebten wir in Gefahr, in Schluchten unsern Weg zu verlieren und im Schnee zu ersticken. Endlich erreichten wir das Haus eines verarmten Edelmannes, der nichts zu verlieren hatte; doch weilte ein Fremder bei ihm, dem er unsere Ankunft zu verheimlichen wünschte. Er bot uns eine große Dachstube, aber ohne Herd und Feuer, an, und hier wohnen wir seit acht Tagen. Möge das zur Ehre Gottes und zum Heile unserer Seele gereichen." "Legen wir uns zur Ruhe," heißt es in einem andern Briefe des ehrwürdigen Blutzeugen an den Internuntius, "so können wir durch das schadhafte Dach den gestirnten Himmel sehen; regnet es, so erhalten wir Güsse zur Erfrischung." Die Nahrung der beiden Bischöfe bestand aus Haferbrot und Milch. "Trotzdem würden wir eher vor Hunger und Kälte sterben, als unsere Herde verlassen; denn eine Schmach wäre es, wenn geistliche Krieger, die zu Rom ausgebildet wurden, zu Mietlingen herabsänken."

Ähnliche Drangsale hatten auch die übrigen Bischöfe Irlands zu ertragen. Außerdem litten sie bittere Not.

Noch unerträglicher wurden die Verhältnisse infolge des Titus-Oates-Sturmes. Zwar glaubte, wie aus seinen Privatbriefen hervorgeht, der Herzog von Ormond, der damalige Vizekönig von Irland, keineswegs an die vorgebliche Verschwörung. Gleichwohl ging er voran, als bestände eine solche, und verordnete am 14. Oktober 1678, daß „alle papistischen Titularbischöfe und Würdenträger und alle, welche im Auftrage des Stuhles von Rom eine Jurisdiktion ausübten, alle Jesuiten und andere Regularpriester” vor dem 20. November 1678 Irland zu verlassen hätten. Ähnliche Verordnungen folgten noch viele. Eine Proklamation versprach 10 Pfd. St. Belohnung für die Verhaftung eines Bischofs der Jesuiten, 5 Pfd. St. für jene eines Generalvikars oder Mönchs. Das erste Opfer war der greise Erzbischof Talbot von Dublin. Derselbe hatte sich schon 1673 nach Frankreich flüchten müssen, erhielt aber auf Verwenden des Herzogs von York von Ormond die Erlaubnis zur Rückkehr, um „in der Heimat sterben zu dürfen.” Jetzt ließ er ihn am 8. Oktober 1678 „auf einem Stuhle” in das Schloß von Dublin bringen und alle seine Schriften beschlagnahmen. Obschon nun dieselben nichts Belastendes enthielten, blieb der Erzbischof zwei Jahre im Kerker. Dann kam die Reihe an den Erzbischof von Armagh. Trotz dieser Vorgänge war derselbe im November 1679 nach Dublin gekommen, um seinem Anverwandten Patrick Plunket, dem greisen Bischofe von Meath, in der letzten Krankheit beizustehen. Bereits zehn Tage nach seiner Ankunft in Dublin wurde er von einem Agenten Shaftesburys aufgespürt und am 6. Dezember im Schlosse von Dublin eingekerkert. Es lag zunächst keine Klage auf Hochverrat wider ihn vor; volle sechs Monate war er nun als Bischof ein Gefangener wie der Erzbischof von Dublin, welcher in der anstoßenden Kerkerzelle krank daniederlag, bis ihn der Tod im Dezember 1680 zur ewigen Krone rief.

Wird fortgesetzt.

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26. August
Jaime Balmes

Vor 200 Jahren, am 28. August 1810, wurde im katalonischen Vich der spanische Philosoph Jakob Luciano Balmes geboren. Er war mit dem hl. Antonius Maria Claret befreundet und wurde nur 39 Jahre alt. Wir wollen ihn später ausführlicher vorstellen.


26. August
Bernhard Bley

Vor 100 Jahren, am 28. August 1910, wurde der aus Cloppenburg stammende Bernhard Bley SJ (1879 - 1962) in Valkenburg zum Priester geweiht. Auf dem Gymnasium in Vechta war er ein Schulkamerad des seligen Clemens August Graf von Galen. Er wurde 1931 der erste Provinzial der neuerrichteten ostdeutschen Provinz der Gesellschaft Jesu. 1939 wurde er als Apostolischer Delegat zur Leitung und Sanierung der Kongregation der Barmherzigen Brüder in Trier berufen.


26. August
Dahomey

Vor 150 Jahren, am 28. August 1860, wurde das Apostolische Vikariat Dahomey errichtet. “Es erstreckte sich von der Mündung der Volta bis zum Niger und vom Atlantik bis zum Sudan, also auch über das heutige Togo” (Karl Müller SVD, Geschichte der katholischen Kirche in Togo, Kaldenkirchen 1958, S. 26).
Erster Vikar wurde P. Augustin Planque SMA, der Superior des Lyoner Seminars für die afrikanischen Missionen. An seiner Stelle ging, mit den nötigen Vollmachten ausgestattet, Provikar P. Francesco Borghero (1830 - 1892) nach Afrika und landete am 18. April 1861 mit seinem spanischen Mitbruder Fernandez in Ouidah.


26. August
Mutter Teresa

Vor 100 Jahren, am 26. August 1910, wurde in Skopje die selige Agnes Gonxha Bojaxhiu, die spätere Mutter Teresa von Kalkutta, geboren.


26. August
Michael Hofmann

Vor 150 Jahren, am 27. August 1860, wurde in Kundl, Tirol, Michael Hofmann SJ geboren. Er war Professor für Kirchengeschichte und Kirchenrecht in Salzburg, dann für Kirchenrecht in Innsbruck. Außerdem war er Direktor des vom hl. Papst Pius X. gelobten Canisianums, des Theologenkonvikts in Innsbruck, das sich in der Modernismuskrise als Hort der Glaubenstreue bewährte, so dass Pius X. 1913 sagen konnte: “Qui a Innsbruck possiamo esser del tutto sicuri” (“In Innsbruck können wir für alles ganz sicher sein”). Hofmann starb am 22. Januar 1946 in Sitten, Schweiz. Unter ihm studierte auch ab 1898 der spätere Kardinal, der selige Clemens August Graf von Galen.


25. August
Offenbarung, Dogma und Glaube

Von Prof. Dr. Dr. Julius Beßmer SJ

Achter und letzter Teil

Daher betonen die Modernisten immer wieder, Christus habe nicht ein dogmatisches Lehrsystem gebracht, sondern nur eine religiöse Bewegung veranlasst; „der theologische Intellektualismus“ sei im Unrecht, der Glaube bilde nicht „die Zustimmung der Vernunft zu einem System von Vernunftbegriffen“ (Tyrrell, A Much abused Letter, London 1906, 51); das primitive Christentum hatte Glauben und doch seine Glaubenssätze (Loisy, Autour d'un petit livre 200). Gebert (Katholischer Glaube und die Entwicklung des Geisteslebens [1905] 14 f) behauptet, der Glaubensinhalt könne nur im Willen, in der Nachfolge Christi erfasst werden. Erkenntnis vermöge ihn höchstens anzudeuten, begriffliche Fassung desselben sei erst ein Abgeleitetes, ein Sekundäres, nicht das Dogma führe zur religiösen Psyche, sondern erst die religiöse Psyche führe zum Dogma. Zieht man das Fazit aus all den Ausführungen der Modernisten über den Glauben, so ist es klar, das Glauben für sie nicht die Zustimmung des Verstandes zu einer von Gott geoffenbarten Wahrheit ist, sondern eine Willenstat, durch die sich die Seele für Gott erschließt, sich ihm vertrauensvoll und unbedingt hingibt. Das ist aber nichts anderes als ein Stück rationalistischer Religionsphilosophie, wie sie sich auf Grund der Anschauungen Kants und Schleiermachers in der Ritschlschen Schule ausgebildet hat. Man hat denn auch in Frankreich anfangs keinen Hehl daraus gemacht, dass man zu Kant in die Schule gegangen ist. Auch Gebert aber verlangt, dass man die Apologetik auf Kant aufbauen solle (vgl. Zwanzigstes Jahrhundert 1903, 385).

Die modernistischen Theologen Frankreichs erhielten plötzlich eine unerwartete Hilfe in dem Mathematiker Le Roy. Wohl möchten sie ihn wieder gerne los werden. In der kurzen Zeit ist er ihnen bereits zum enfant terrible geworden. Während Loisy u. a. mehr schüchtern und unter allerlei Klauseln erklären, gewisse Dogmen bedürfen einer zeitgemäßen Interpretation, Umdeutung und Revision, platzt Le Roy in seinem Aufsatz Qu’est ce qu’un dogme? [8] gleich mit dem Geständnis seiner Überzeugung heraus: Alle Dogmen der katholischen Kirche stehen im schreiendsten Widerspruch mit dem wissenschaftlichen Denken. Die Gegner der Kirche hätten recht mit ihren Argumenten, die Dogmen seien unbeweisbare Behauptungen, absolut unbegreiflich und undenkbar, unverträglich mit der Einheit unseres Geisteslebens.

Solche Positionen sind für einen Katholiken unhaltbar, sie stehen im Widerspruch mit dem katholischen Denken und Fühlen, und kündigen den Entscheidungen der Konzilien den Gehorsam.

Le Roy sucht die Dogmen dadurch zu retten, dass er ihnen nicht zunächst einen intellektuellen, sondern vor allem einen praktischen Sinn unterstellt. Er beruft sich dafür auf P. Laberthonnière, der ja in seinen Essais de philosophie religieuse auch gesagt habe: „Die Dogmen sind nicht einfachhin rätselhafte und finstere Formeln, die Gott im Namen seiner Allmacht uns vorlegen würde, um den Stolz unseres Geistes zu erdrücken. Sie haben einen moralischen und praktischen Sinn; sie haben einen lebenskräftigen Sinn, der uns mehr oder weniger zugänglich ist, je nach der Stufe, die wir im geistlichen Leben erreicht haben.“ Damit stehen wir wieder vor einem Satze, den die Kirche im Dekret Lamentabili sane verurteilt hat.

Satz 26: „Die Dogmen des Glaubens braucht man nur festzuhalten nach ihrer praktischen Bedeutung, d. h. als gebietende Norm des Handelns, nicht aber als Norm des gläubigen Fürwahrhaltens.“

Le Roy brachte (a. a. O. 509 ff 517 ff) drei Beispiele, die uns am besten seine Anschauung erklären. „Derjenige, welcher eine intellektuelle Deutung des Dogmas von der Persönlichkeit Gottes sucht, steht vor einem unlöslichen Dilemma; denn entweder definiert man das Wort Persönlichkeit, und dann fällt man mit fataler Notwendigkeit in einen Anthropomorphismus; oder man definiert ihn nicht, und dann mündet man ebenso notwendig in den Agnostizismus.“ Das Dogma von der Auferstehung des Herrn ist als "intellektuelle Aussage gefasst", „eine bloße Metapher, die sich nicht in genaue Vorstellungen umgestalten lässt. Auch hier braucht es strenggenommen eines neuen Wortes, das allein für diesen Fall reserviert und von dem folglich keine regelrechte Definition möglich wäre.“ In Bezug auf das Dogma der wirklichen Gegenwart Jesu im allerheiligsten Sakramente sagt Le Roy: „Hier gilt es, den Ausdruck Gegenwart zu deuten. Was bedeutet er gewöhnlich? Ein Wesen ist gegenwärtig, wenn es wahrnehmbar ist, oder ... wenn es sich durch wahrnehmbare Wirkungen kundgibt. Nun aber ist nach dem Dogma selbst keines von beiden der Fall. Die Gegenwart, welche in Frage kommt, ist eine geheimnisvolle, unaussprechliche, eigenartige, die keinerlei Ähnlichkeit hat mit irgendetwas, was man gewöhnlich unter diesem Namen zu verstehen pflegt. Dann frage ich also, welche Idee bietet das für uns? Etwas, was man nicht analysieren, nicht einmal definieren kann, kann doch nur mißbräuchlicherweise Idee genannt werden. Man will, dass das Dogma eine Aussage intellektueller Ordnung sei? Was besagt es also? Unmöglich, es genau zu sagen. Ist das nicht eine Verurteilung der Hypothese?“

Le Roy durfte sich nicht auf das Glatteis der Theologie wagen, wenn er von seinem Glauben und von gesunder Philosophie nicht mehr verstand, als er hier zum besten gibt. Wenn man unter Person ein mit Verstand und Willen begabtes, für sich bestehendes Wesen versteht, so ist das kein Anthropomorphismus. Wenn man sagt, dass am dritten Tag die Seele und der Leib des Herrn zu neuer Lebenseinheit sich verbanden, so lässt sich bei diesem Satz wohl etwas denken. Wenn wir endlich bekennen, dass Jesus Christus nach der Konsekration unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig sei, so versteht sogar ein Kind, was wir damit sagen wollen, und der Spott der Ungläubigen ist ein Beweis, dass man wohl begriffen hat, was die Katholiken mit diesem Bekenntnis ausdrücken wollen. Es zeigt endlich wenig Anlage zur Philosophie, wenn man „Gegenwärtigsein“ gleichbedeutend setzt mit Einwirken auf die Sinne.

Wenn Le Roy unglücklich ist in seinem Kampfe gegen die ehrwürdige, altüberlieferte Erklärung der Dogmen, so ist er noch viel unglücklicher in dem Versuch, bloß „praktische Verhaltungsmaßregeln“ aus ihnen herauszulesen. Er schreibt:
„'Gott ist persönlich' will sagen: 'betrage dich in deinem Verkehr mit Gott wie in deinem Verkehr mit einer menschlichen Person', 'Jesus ist auferstanden' will sagen: 'verhalte dich gegen ihn, wie du es getan haben würdest vor seinem Tode, wie du sich verhältst gegen einen Zeitgenossen'. Das Dogma von der wirklichen Gegenwart will sagen, dass man vor der konsekrierten Hostie eine Haltung annehmen soll, die jener gleich ist, die man haben würde, wenn Jesus von Angesicht zu Angesicht sichtbar würde."

Das ist ganz fromm gesagt; aber es ist nicht der Ausdruck der kirchlichen Lehre, selbst dann nicht, wenn es Le Roy gelänge, alle Dogmen so moralisch zu deuten. Nicht der gläubige Katholik, sondern Le Roy steht vor einem Dilemma. Entweder stützen sich die praktischen Verhaltungsmaßregeln auf die Wirklichkeit, und dann muß Le Roy zugestehen, dass das Dogma einen intellektuellen Gehalt hat, ober sie können sich auf keine Wirklichkeit stützen, und dann sind sie unerträgliche Tyrannei und Lüge. Ich kann Gott gegenüber mich nur verhalten wie gegen eine Person, wenn es wirklich einen persönlichen Gott gibt; ich darf Jesus nur preisen und bekennen als den Auferstandenen, wenn er wirklich zu neuem Leben erstanden ist; ich darf nur dann anbetend vor der konsekrierten Hostie niederknien, wenn der Heiland wirklich unter den Gestalten von Brot und Wein zugegen ist. Le Roy hat in seinem Buch Dogme et critique (S. 151 255 258) seinen Regeln eine andere Fassung gegeben. Da gesteht er zu, „Gott ist so, dass er von uns wenigstens wie eine Person behandelt werden muß“. „Der gegenwärtige Zustand Jesu ist so“, dass wir Jesum nicht wie einen Toten, sondern wie einen Zeitgenossen behandeln müssen. „Die Wirklichkeit (der heiligen Eucharistie) ist eine solche“, dass wir vor der konsekrierten Hostie uns betragen müssen, als sähen wir Jesum. Das ist entschieden ein Schritt zum Besseren. Aber wenn Le Roy, wie er beteuert, Katholik sein will, so kehre er zurück zur Lehre der Kirche, welche in den geoffenbarten Dogmen vor allem Wahrheiten sieht, die wir gläubig annehmen müssen, ehe wir nach ihnen leben können.

Die Modernisten hatten versprochen, den Glauben zu festigen; sie haben ihn ruiniert. statt des Brotes der geoffenbarten Wahrheit bieten sie Steine aus dem Trümmerfeld des Rationalismus.

Anmerkungen:

[8] Quinzaine, 16 avril 1905. Das "Zwanzgiste Jahrhundert", arm an Mitarbeitern, die sich auch nur entfernt mit den französischen Modernisten messen könnten, benutzte die günstige Gelegenheit, Le Roys Theorie unter Anführung ziemlich guter Leumundszeugnisse unterm 7. Januar 1906 bei seinen Lesern einzuführen.

Zum bisher Erschienenen


25. August
Hinweis in eigener Sache

Die Texte auf kath-info sind normalerweise urheberrechtlich geschützt. Auf kathpedia wurden nun ganze Passagen wortwörtlich übernommen, z.B. in dem Artikel über den hl. Petrus Claver. In diesem Falle gilt: Zitate (im erlaubten Rahmen) müssen kenntlich gemacht werden und die Quelle muss angegeben werden. Außerdem bitte ich um eine Verlinkung auf die Quelle (wie es etwa auch bei wikipedia üblich ist).

Ich bitte, dies zu beachten.


24. August
Ein guter Tag

“Pfarrer Michael Broch hat sich verhalten wie ein neuer Abteilungsleiter in einem Ministerium, der öffentlich das 'System Politik' geißelt, das Ministerium für rückständig erklärt und den Minister der Inkompetenz zeiht. Zudem hat Broch entweder gelogen oder eine erschütternde Unprofessionalität an den Tag gelegt. Seine Behauptung nämlich, die skandalisierten Passagen nicht gegengelesen zu haben, wurde von der interviewenden Zeitung sehr bestimmt zurückgewiesen.
Insofern müsste der Tag des Rücktritts als ein guter Tag in die Annalen des Münchner 'Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses' (IFP) eingehen. Ein offenbar vielseitig überforderter Mann resignierte, damit die Journalistenschule das Vertrauen der sie tragenden Bischöfe zurückgewinnen und die Zweifel an der eigenen Professionalität zerstreuen kann. Was aber geschieht? Die Meinungsfreiheit sei in Gefahr, schreien katholische und nicht katholische Journalisten auf ...”

Aus: Alexander Kissler, Bunker und Kirche; im European von heute.


24. August
Notre charge apostolique

Vor 100 Jahren verurteilte der hl. Papst Pius X. in seinem Schreiben Notre charge apostolique vom 25. August 1910 die Bewegung des Sillon. Diese war 1893 von Marc Sangnier als eine katholische Bewegung mit sozialer Ausrichtung gegründet worden und empfing 1902 von Papst Leo XIII. kirchliches Lob. Im Laufe der Zeit trat jedoch der katholische Charakter immer mehr zurück, so dass sich die Bewegung “auf eigentliche Irrwege” (Gustav Gundlach im LThK, 1. Auflage) begab. Dies zwang Papst Pius X. zum Einschreiten. Im Schreiben Notre charge apostolique verurteilte er etwa einen Begriff von Menschenwürde, der ein “unabhängiges, autonomes Selbstbewußtsein” voraussetzt.
Erzbischof Marcel Lefebvre hatte in seinem öffentlichen Eintreten für das soziale Königtum Jesu Christi oft auf die Verurteilung des Sillonismus Bezug genommen. Es kam vor, dass zuhörende Journalisten “Zionismus” statt “Sillonismus” verstanden und so zu einer falschen Einschätzung der Aussagen und des Anliegens von Erzbischof Lefebvre kamen.


24. August
Unsere Liebe Frau von Guadalupe

Vor 100 Jahren, am 24. August 1910, erklärte der hl. Papst Pius X. auf die Bitte von 70 lateinamerikanischen Bischöfen hin Unsere Liebe Frau von Guadalupe zur Patronin Lateinamerikas. Bereits Benedikt XIV. hatte sie am 12. Dezember 1754 zur Patronin Mexikos (Neu-Spaniens) ernannt. Am 16. Juli 1935 folgte dann das Patronat über die Philippinen und am 12. Oktober 1945 über ganz Amerika.


24. August
Joseph Huby

Vor 100 Jahren, am 24. August 1910, wurde der aus Châtelaudren stammende Exeget Joseph Huby SJ (1878 - 1948) zum Priester geweiht. Er war Schüler von Pierre Rousselot und wurde Professor für Exegese in Ore-Place und Lyon-Fourvière und gründete die Kommentarserie Verbum Salutis.


23. August
Kardinal Stickler

Heute vor 100 Jahren, am 23. August 1910, wurde in Neunkirchen, Niederösterrich, Alfons Maria Kardinal Stickler geboren. Er war ein Freund der überlieferten Liturgie und starb am 12. Dezember 2007 als damals älterster Kardinal der Welt.


23. August
Auf der Seite der Taliban

“So thematisiere [laut Thomas Schirrmacher] die Presse immer wieder, wenn Missionare [in Afghanistan] umkämen und stellten ihre Gründe für das Engagement im Land in Frage. ‘Die eigentliche Ungeheuerlichkeit’ werde aber nicht zum Thema gemacht – die Tatsache, dass Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt würden. Würde diese Menschenrechtsverletzung häufiger thematisiert, so Schirrmachers These, könnte es die Organisationen im Land stärken. Derzeit geschehe genau das Gegenteil: Die Medien erzeugten Druck auf christliche Werke, indem sie genau untersuchten, wann eine Organisation missioniere und wann nicht. ‘Damit stellen sie sich auf die Seite der Taliban’, sagt der Wissenschaftler.”

Aus: Christliche Helfer im Kreuzfeuer, bei pro-medienmagazin


23. August
Neuerscheinungen zu Chesterton

Im 27. Band des von Dieter Petzold herausgegebenen Jahrbuchs für Literatur und Ästhetik Inklings (2009), der dieses Jahr erschienen ist, bespricht Elmar Schenkel vier Bücher von oder über Gilbert Keith Chesterton.

Jan Lukavec untersucht in Fanatic, prorok, èi klaun? G. K. Chestertron a jeho interpreti (Fanatiker, Prophet oder Clown? Chesterton und seine Interpreten), Brno 2008, die vielfältige Rezeption Chestertons in der Tschechoslowakei und der Tschechischen Republik: “Liberale und Sozialisten, die die Kirche bekämpften, beriefen sich auf ihn in einer Art kreativen Mißverstehens. Für seinen bekanntesten Anhänger Karel Čapek war Chesterton ein Verteidiger des kleinen Mannes und der demokratischen Rechte. Die Poetisten und Dadaisten um Karel Teige sahen in ihm einen Clown und Mit-Narren, katholische Autoren wiederum mochten nicht unbedingt die ausgeflippten Helden seiner Romane” (S. 268).

Joseph R. McCleary kommt in seiner Studie The Historical Imagination of G. K. Chesterton. Locality, Patriotism, and Nationalism, New York 2009, zu dem Ergebnis, dass Chesterton “ein vehementer Gegner des Nationalismus”, aber ein Patriot und vor allem ein Lokalpatriot war.

Die Aufsatzsammlung zum Thema "Weihnachten", die von Matthias Marx 2009 in Bonn unter dem Titel Die englische Weihnacht herausgegeben wurde, soll “den abgestumpften modernen Leser” wachrütteln, damit er die Bedeutung des Weihnachtsgeheimnisses als den nicht endenden Anfang des Christentums wiederentdeckt.

Schließlich erschien 2009 in der Übersetzung von Jakob Vandenburg unter dem Titel Sind wir uns einig? das von Hilaire Belloc moderierte Streitgespräch Chestertons mit Bernard Shaw, bereichert um acht Essays. “Die beiden Kontrahenten und Freunde streiten mit viel Ironie und Spaß über die Frage: Staatssozialismus (Shaw) oder Distributismus (Kleiner-Mann-Sozialismus), also darüber, ob der Staat alles besitzen soll und der Bürger nichts oder jeder etwas. Chesterton bekannte sich zum Verteilen, weil er dem Staat misstraute. Bergwerke, Polizei und Briefmarken können ruhig staatlich sein, nicht aber Land und Arbeit. Shaw votierte für einen staatlichen Sozialismus, der inzwischen komplett gescheitert ist” (S. 270). Chestertons Modell wurde am ehesten verwirklicht vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus (Konzept der Minikredite) und dem Wirtschaftswissenschaftler E. F. Schumacher mit seinem Motto Small is Beautiful.


22. August
Dunkle Wolken über Rom

Eine Rezension von Jennifer Lesch

Diese CD von Ulrich Nersinger versetzt uns in das Jahr 1943, in dem Italien kapituliert und Rom von der deutschen Wehrmacht besetzt wird. Die vatikanischen Besitzungen und kirchlichen Häuser werden für Verfolgte zu Zufluchtsstätten und zum Schutz vor Luftangriffen, Versorgungsengpässen und politischen Verfolgungen.

In Szene 1 wird nach der Einleitung über die Luftangriffe der Alliierten berichtet. Neben Augenzeugenberichten bekommt der Hörer genaue Einblicke in die Schritte, die der Papst zum Schutze der Bürger zu unternehmen beginnt. Die darauffolgende Szene erzählt über das Eintreffen der Deutschen und die Art und Weise, wie sie mit Pius XII. und dem Vatikan umgehen. Szene 3 verschafft einen Überblick darüber, wie sich der Heilige Vater um die Verfolgten kümmert. Die vierte Szene handelt von der Verfolgung der Juden, die auch in Rom keinen Halt macht, die fünfte von den Maßnahmen, die der Papst in seiner Sommerresidenz zum Schutze der Verfolgten ergreift. In Szene 6 geht es um die Übergriffe auf das Vatikanische Gebiet und die letzte Szene handelt von der Befreiung Roms.

Die CD beginnt mit einer kurzen Einleitung in die geschichtlichen Ereignisse, die den Hintergrund des Geschehens bilden. Italien befindet sich seit drei Jahren an Hitlers Seite im Kampf gegen die Alliierten. Am 10. Juni 1940 erklärte Mussolini den Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg. Die Schilderung der CD setzt 1943 zum Höhepunkt des Krieges ein und läßt uns etwa die Luftangriffe der Alliierten auf Rom miterleben. Ulrich Nersinger schildert im Detail die Ereignisse. Er nennt nicht nur Fakten, sondern beschreibt auch, wie einzelne Personen die Ereignisse wahrgenommen haben oder was im weiteren Verlauf mit ihnen geschehen ist. Im ersten Kapitel hören wir beispielsweise den Augenzeugenbericht von Mutter Pascalina, der Haushälterin Pius’ XII. An dieser Stelle setzt eine weibliche Stimme ein, die über die Bombenangriffe und die Reaktionen des Papstes genau berichtet. Als Zuhörer fühlt man sich in diese Zeit zurückversetzt und durchlebt zusammen mit Pius XII. die Ereignisse dieser beiden Jahre. Die einzelnen Szenen werden mit Musik und dem jeweiligen Datum und Ort eingeleitet und der Hörer ist sofort im Geschehen mitten drin. Das macht es leichter, den geschichtlichen Ereignissen zu folgen.

Besonders fasziniert hat mich Szene fünf: In der päpstlichen Sommerresidenz. Hier wird erzählt, wie der Papst die Pforten seiner Sommerresidenz öffnet, um allen Zuflucht zu gewähren. Zwischen zwölf- und sechzehntausend Menschen suchen die Residenz auf und schlafen in den Zimmern oder auch im Garten in Zelten. Der Papst lässt eine Küche einrichten, die er tagtäglich durch vatikanische Lastwagen beliefern lässt. Lebensmittel, Matratzen und Decken zahlt er von seinem Privatvermögen. Seine Privatgemächer stellt er werdenden Mütter zur Verfügung und lässt eine eigene Hauspolizei zusammenstellen. Diese Szene zeigt deutlich, wie wichtig dem Papst die Menschen sind. Er ist sich seiner Verantwortung als guter Hirte bewusst und zögert keinen Augenblick, alles, was er hat, mit den Notleidenden zu teilen. Er erweist sich als ein Papst, der verstanden hat, was das Christentum bedeutet.

Auch die anderen Szenen sind sehr hörenswert. Sie sind kurzweilig und abwechslungsreich, da ein ständiger Wechsel von Erzählung und Augenzeugenberichten vorliegt. Das kleine Heft, welches in der Hülle der CD zu finden ist, lässt durch Bilder, die alle eine kurze Beschreibung haben, das Geschehen leichter mitverfolgen, jedoch kann man sich auch mit geschlossenen Augen während des Hörens genaue Bilder schaffen.

Diese Audio-CD ist sehr empfehlenswert für alle historisch Interessierten, besonders für jene, die sich ein zutreffendes Bild von der Gestalt Pius’ XII. angesichts von Krieg, Not und Verfolgung machen wollen.

Ulrich Nersinger: Dunkle Wolken über Rom, Pius XII. und die Ewige Stadt 1943 – 1944; Audio-CD; Verlag Petra Kehl; Laufzeit: ca. 65 Min.


21. August
Franziskus Solanus

2. Folge

Unserem Heiligen wurde nun das Predigtamt übertragen. Unermüdlich zog er von Ort zu Ort, um durch seine Predigt zur Umkehr vom Bösen und zur Tugend und Gottesfurcht zu mahnen. Seine Worte hatten Erfolg: Zahlreiche Sünder bekehrten sich und begannen ein neues Leben. Als man ihn einst fragte, woher er solche Kraft und Weisheit schöpfte, gab er die Antwort: “In einem verborgenen Plätzchen der Kirche ist es, wo Gott, der beste und weiseste Lehrer, mich unterweist.”

Schon die ganze Erscheinung des Heiligen wirkte auf die Menge. Die hagere, aszetische Gestalt, der herzgewinnende, überaus freundliche Wesen zog alle an. Hörte man nur, dass er irgendwo predige, strömte das Volk zusammen, um seinen Lehren zu lauschen.

Gern pflegte er auch die Kinder um sich zu sammeln. Er lehrte sie, mahnte sie zum Guten und betete mit ihnen. Rührend war es zu sehen, wie die Schar sich mit heller Begeisterung um den Heiligen drängte. Mit dem Ruf “Der Heilige ist da” stürmten sie heran, um fromme Geschichten zu hören.

Im Jahr 1583 brach in Andalusien die Pest aus und forderte zahlreiche Opfer. Auch die Stadt Montoro wurde von ihr heimgesucht. In einiger Entfernung von der Stadt errichtete man ein eigenes Hospital für die Pestkranken und legte in der Nähe desselben einen Friedhof an.

Franziskus erbat sich von seinem Oberen die Erlaubnis, das Hospital aufzusuchen, um den Pestkranken beizustehen, ihnen die Tröstungen der Religion zu spenden und sie auf ihren letzten Gang vorzubereiten. Der Obere wollte ihn nicht der sicheren Todesgefahr aussetzen. Doch der Heilige bat und flehte so lange, bis er endlich die Erlaubnis erhielt. Zur Begleitung wurde ihm Pater Bonaventura mitgegeben, der ebenso wie er von glühender Liebe zu den Kranken erfüllt war. Freudigen Mutes verließen die Brüder unter den Segenswünschen des Oberen und des ganzen Konvents das Kloster, um ihren edles Liebeswerk anzupacken.

Man begrüßte die Brüder als rettende Engel. Neuer Mut und neues Gottvertrauen erwachten in den Kranken. Die bloße Gegenwart dieser Ordensleute, die ihr Leben für sie zu opfern bereit waren, verbreitete Frieden und Hoffnung bei den Unglücklichen. Besonders war es Franziskus Solanus, dem alle Herzen entgegenschlugen. Er war unverdrossen bemüht, zu helfen und zu lindern, salbte die Wunden, bereitete die Mahlzeiten, ordnete die Ruhelager, scheute vor keiner Mühe und Beschwerde zurück. Vor allem ließ er sich die Sorge für die Seelen angelegen sein. Er stellte ihnen diese Heimsuchung als ein “großes Jubiläum” dar, das vom Vater gesendet zum Vater führen solle, ermunterte sie zum geduldigen Ausharren, spendete ihnen die Sakramente, stärkte die Sterbenden für ihren letzten Gang und verharrte, nachdem er ihnen die Wegzehrung gereicht hatte, betend und segnend an ihrem Lager, bis ihr Geist emporgestiegen war zur ewigen Ruhestätte. Hatte der Kranke seine Seele ausgehaucht, so begrub er ihn mit eigenen Händen und versah die Gruft mit einem schlichten Kreuzlein. War ein Kranker vollständig genesen, so führte er ihn zum nahen Fluss, wusch ihn mit eigener Hand, besorgte ihm frische Kleidung und begleitete ihn in seine Wohnung. Dann ging es wieder eiligst zurück, um anderen Kranken beizustehen.

Die Kraft zu diesem Liebesdienst fand er bei dem Geliebten seiner Seele, mit welchem er inmitten seiner Arbeiten einen innigen Verkehr unterhielt. Er pries sich glücklich, in den Kranken seinem Heiland selbst dienen zu können.

Doch es folgte eine harte Prüfung: Sein Gefährte, P. Bonaventura, wurde von der furchtbaren Krankheit heimgesucht und starb. Solanus litt sehr unter dieser Trennung. Er fand nur Trost im Gedanken an den herrlichen Lohn, der seinen Mitbruder dort oben erwartete. Er begrub ihn unter Tränen auf dem Pestkirchhof und pflanzte ein großes Holzkreuz auf die Ruhestätte seines geliebten Freundes.

Bald wurde er selbst von der Pest befallen und sein Leben stand in großer Gefahr. Mit vollkommener Geistesruhe sah er dem letzten Stündlein entgegen, ja, er freute sich in dem Gedanken, bald zum ewigen Frieden einzugehen. Aber Gott hatte es anders beschlossen, da er ihm im fernen Westen noch ein großes Arbeitsfeld bestimmt hatte. Solanus wurde wieder gesund und gab sich nun wieder mit unermüdlicher Sorge der Krankenpflege hin, bis endlich die Plage wich und er seinen Wirkungsort verlassen konnte. Mit großem Jubel wurde er von seinem Oberen und seinen Mitbrüdern empfangen, die das Tedeum anstimmten.

Einige Monate später wurde Franziskus zum Kloster St. Ludwig berufen. Dieses Kloster liegt in der Nähe von Granada. Es war von Königin Elisabeth erbaut und nach dem hl. König Ludwig von Frankreich benannt worden. Auch hier erbat sich unser Heiliger die Erlaubnis, die Kranken pflegen zu dürfen.

Aufschluß über seine Motivation gibt seine Antwort auf die Frage, die der frühere Guardian ihm einmal stellte, nämlich weshalb er so sehr nach der Krankenpflege verlange und ihretwegen sogar das Gebet unterlasse. Er antwortete: “Den Kranken beizustehen ist ein Gebot unserer hl. Regel, und so möchte ich lieber im Gehorsam bei den Kranken bleiben, als nach eigenem Willen dem Gebet obliegen.”

Mit Erlaubnis der Oberen besuchte er auch das Hospital des hl. Johannes von Gott (1495 - 1550), das dieser 1540 gegründet hatte, um dort die Preßhaften zu pflegen. Desgleichen suchte er die Gefängnisse auf, um den Gefangenen beizustehen. Diesen Tätigkeiten widmete sich Solanus, bis seine eigentliche Lebensaufgabe sich vor ihm auftat.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


20. August
Neu in der Personenübersicht:
Jacinta von Fatima, Petrus Claver


20. August
Leo XII.

Vor 250 Jahren, am 20. August 1760, wurde in Genga bei Spoleto Annibale della Genga geboren. Er wurde am 28. September 1823 zum Papst gewahlt und nannte sich Leo XII. Neben weniger glücklichen Maßnahmen reformierte er “die Kurie, die Universität und viele Orden, minderte die Beamtenschar, hob das Schulwesen, schuf die Studienkongregation, förderte Akademien und Bibliotheken, Kunstwerke und Ausgrabungen, Orient- und Heidenmissionen, stiftete viele Wohltätigkeitsanstalten, erneuerte das Römische und Englische Kolleg” (Joseph Schmidlin im LThK, erste Auflage). Er starb am 10. Februar 1829.


20. August
Juan de Lugo

Vor 350 Jahren, am 20. August 1660, starb in Rom der Theologe Juan de Lugo SJ.
Lugo wurde am 25. November 1583 in Madrid geboren, trat 1603 in die Gesellschaft Jesu ein, lehrte ab 1611 Philosophie, seit 1616 Theologie und wurde 1643 zum Kardinal erhoben. “Lugo zeichnete sich durch große Selbständigkeit aus (Glaubensanalyse, Meßopfertheorie). Durch Scharfsinn hat er viele Streitfragen endgültig gelöst, besonders in der Moraltheologie, worin er dem hl. Alfons von Liguori nach Thomas von Aquin als größter Theologe galt” (Hermann Lange im LThK, erste Auflage). Sein Bruder war der Theologe Francisco de Lugo SJ (1580 - 1652).


19. August
Alphonsa Anna Muttathupadathu

Vor 100 Jahren, am 19. August 1910, wurde im Dorf Kudamalur in Kerala, Südindien, Alfonsa Anna Muttathupadathu, die erste indische Heilige geboren. Sie war das jüngste von fünf Kindern ihrer Eltern Joseph Muttathupadathu und Maria Puthukari, deren Familienlegende bis ins 12. Jahrhundert und nach Syrien zurückreicht, von wo die Vorfahren durch einen Hindu-König nach Kudamalur gerufen worden sein sollen. Die Familie gehörte dem syrisch-malabarischen Ritus an.

Am 28. August wurde die Kleine auf den Namen Anna getauft. Ihr Rufname war Annakutty, kleine Anna. Die Taufgnade hat sie nach eigenem Bekunden nie verloren.

Als nach drei Monaten ihre Mutter starb, kam sie zu ihren Großeltern in Elumparambil. “Ihre Großmutter vermittelt ihr sehr früh eine kindliche Liebe am Glauben. Sie erfährt gelebte Liebe zum Gebet und die frohe Bereitschaft, armen Menschen wie den Bettlern zu helfen, die jeden Mittwoch von der Großmutter eingeladen werden” (Wilderich von Boeselager in: St. Alphonsa. Indiens erste Heilige, die “Passionsblume”, in: Feuer und Licht, Mai 2010, S. 6). In den christlichen Familien Keralas war es Brauch, eine ganze Stunde dem Abendgebet zu widmen. Bereits mit fünf Jahren übernahm Annakutty dabei mit kindlicher Begeisterung das Vorbeten.

Am 11. November 1917, also mit sieben Jahren, empfing sie zum ersten Mal den Heiland in der heiligen Kommunion. Dieses Glück konnte sie nicht für sich behalten: “Wisst ihr, warum ich heute so glücklich bin? Ich trage Jesus in meinem Herzen”, lautete ihr Bekenntnis gegenüber ihren Freundinnen.

In Thonnankuzhy besuchte sie die Grundschule. Dort schloss sie eine enge Freundschaft mit dem Hindu-Mädchen Pongana. Diese bekannte später beim Seligsprechungsprozess: “Annakutty war ein besonders feines Mädchen. Immer war sie bereit, Leid zu ertragen und anderen zu verzeihen. Ihre Geduld und Klugheit, ihre Liebe zu dem, der sie verletzt hatte, hat mich sehr beeinflusst und zum Gutsein angetrieben!” (zitiert in Boeselager, S. 7).

Mit ihrer Großmutter zusammen las sie die Schriften der kleinen hl. Theresia von Lisieux. Schon in dieser Zeit, als sie sah, wie ihre älteren Schwestern schon früh verheiratet wurden, wuch in ihr der Wunsch, ganz und allein Jesus Christus als ihrem einzigen Bräutigam zu gehören.

1920 wechselte Annakutty auf die Mittelschule nach Muttuchira. Aus diesem Grund kam sie nun in die Obhut ihrer Tante Anna Murickal. Diese hatte kein Verständnis für die Frömmigkeit und Berufung Annkuttys, die sich oft ins benachbarte Kloster der Karmelitinnen begab und lange Zeit im Gebet nach der hl. Kommunion verbrachte. Als die überaus hübsche Annakutty 13 Jahre alt war und sich über Mangel an Verehrern nicht zu beschweren brauchte, arrangierte die Tante für sie eine Ehe. Um dem zu entgehen, entschloss sich Anna in ihrer Verzweiflung, ihren Körper zu entstellen und verbrannte ihren Fuß in einem Haufen glühender Kohlen.

Ihr Beichtvater P. James Muricken vermittelte ihr die Möglichkeit, ab dem 24. Mai 1927 als Internatsschülerin das College der Kongregation der Franziskaner Klarissen (FCC, auch Arme Schwestern der hl. Klara genannt) in Bharananganam zu besuchen. Bei dieser Kongregation begann sie ihr Postulat am 2. August 1928, dem Festtag des hl. Alphons Maria von Liguori. Sie nahm den Ordensnamen Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis an. Am 19. Mai 1930 folgte die Einkleidung durch Bischof James Kalacherry von Changanacherry (1927 - 1949).

“Die nächsten fünf Jahre waren gezeichnet von schwerer Krankheit und seelischem Leiden. Nur im Schuljahr 1932 konnte sie Kinder unterrichten. Ansonsten arbeitete sie als Sekretärin, da sie eine hervorragende Schrift hatte. Am 12. August 1935 wurde sie zum Noviziat zugelassen [unter der liebe- und verständnisvollen Leitung von Sr. Ursula]. Bereits eine Woche später erlitt sie einen Blutsturz aus Nase und Augen, eine schwere Organschwäche und eiternde Wunden an den Oberschenkeln. Das Schlimmste war zu befürchten. Wunderbar und augenblicklich geheilt wurde sie nach einer Novene zum Diener Gottes, Karmelitenpater Kuriakose Elia Chavara - mit dem zusammen sie von Papst Johannes Paul II. am 8. Februar 1986 im Stadion von Kottayam selig gesprochen wird” (Kurian Thakadiel in: Schwester Alphonsa, die erste indische Heilige, in: Friede und Heil. Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten, 3/2010, S. 45).

Am 12. August 1936, dem Fest der hl. Klara, durfte sie endlich die ewige Profess ablegen und das erreichen, was sie schon im Alter von 12 Jahren ihrer Schwester Elisabeth anvertraut hatte: “Jesus ist mein einziger Bräutigam, und kein anderer.” Diesem bot sie sich als Brandopfer an: “Mein Herr, tue mit mir, was du willst. Ich bin Dein! Verbrenne mich im Feuer der Leiden. Verwunde mein Herz mit quälendem Schmerz. Biete mir keinerlei weltliche Behaglichkeit, sondern führe mich, dass ich wahre Tugend erringe.”

Der Herr nahm sie beim Wort, und es folgte Schlag auf Schlag: Typhus, doppelte Lungenentzündung, Schleimhautentzündung an Magen- und Dünndarm, Leberprobleme, Tumorerkrankung und ein Nervenschock, als ein Dieb in der Nacht in ihr Schlafzimmer einbrach.

Doch Alphonsa bereute nichts von ihrer Hingabe. Ihre Leiden betrachtete sie als ein Stück vom Kreuze Jesu. “Ich sehne mich danach, mit Freude zu leiden. Es scheint, dass mein Bräutigam diesen Wunsch erfüllen will!” Am 20. November 1944 schrieb sie an ihren Seelenführer: “Lieber Vater, da mein guter Herr Jesus mich so sehr liebt, wünsche ich aufrichtig, in diesem Krankenbett zu bleiben und auch noch anderes, was immer es sei, zu leiden, sogar bis ans Ende der Welt. Ich spüre nämlich, dass Gott die Absicht hat, mein Leben zu einer Opfergabe zu machen, zu einem Opfer des Leiden.”

Bei der Seligsprechung meinte Johannes Paul II. dazu: “Schwester Alphonsa lernte, das Leid zu lieben, weil sie den leidenden Christus liebte. Sie lernte, durch ihre Liebe zum gekreuzigten Herrn das Kreuz selbst zu lieben. Schwester Alphons wußte, dass sie durch ihr Leiden am Apostolat der Kirche teilnahm, sie fand am Leiden Freude, indem sie alles Christus aufopferte.So scheint sie sich die Worte des hl. Paulus zu eigen gemacht zu haben: ‘Jetzt freue ich mich an den Leiden, die ich für euch ertrage: Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich an meinem Erdenleben das, was an den Leiden Christi noch fehlt’ (Kol 1, 24). Gott hat Schwester Alfonsa mit einer liebevollen, glücklichen Gemütsart ausgestattet, mit der Fähigkeit, sich an gewöhnlichen, einfachen Dingen zu erfreuen. Die Wucht ihrer Leiden, Unverständnis und Eifersucht konnten die Freude des Herrn, die ihr Herz erfüllte, nicht auslöschen!”

“Mit dieser Einstellung, ein Opfer der Liebe für den Herrn zu bringen, war sie bis zum letzten Moment ihres Lebens glücklich und trug immer ein unschuldiges Lächeln auf ihren Lippen. Ruhig und froh endete ihr 36-jähriges irdisches Leben im Konvent der Franziskaner-Klarissen von Bharananganam am 28. Juli 1946 um 12.30 Uhr. Es war ein Sonntag. Kinder riefen es auf den Straßen: ‘Eine Heilige ist gestorben. Sie war eine Heilige. Sr. Alphonsa ist heilig.’ Ein Hindu-Mädchen mit einem Geschwür am Bein legte Kerzen an ihr Grab und war am nächsten Morgen vollständig geheilt” (Kurian Thakadiel, S. 45).

Bei ihrer Beerdigung prophezeite ihr Beichtvater P. Romulus: “Wir sollten uns über den Tod dieser heiligmäßigen Frau nicht grämen! Niemand muss Tränen für sie vergießen. Ich versichere euch: Mein größtes Glück ist, dass ich ihr eng verbunden sein durfte. Mein Herz ist voll unbeschreiblicher Freude! Nicht weil ihr Leiden ein Ende hat, sondern weil wir jetzt eine uns sehr verbundene Fürsprecherin im Himmel haben. Wir alle sind gesegnet. Auch unser Dorf Bharananganam ist gesegnet. So Gott will, wird es das Lisieux Indiens werden! Pilger von überall in Kerala, von ganz Indien und darüber hinaus werden das Grab von Alphonsa aufsuchen. Bischöfe, ja selbst Kardinäle werden in ihrem Grab beten” (zitiert bei Boeselager).

Diese Vorhersage hat sich erfüllt. Selbst Hindus und Muslime suchen ihr Grab auf.
Am 12. Oktober 2008 wurde Schwester Alphonsa von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen.


18. August
Justianus vom hl. Gabriel von der Schmerzensmutter Cuesta

Vor 100 Jahren, am 19. August 1910, wurde der selige Märtyrer und Passionistenpater Justianus vom hl. Gabriel von der Schmerzensmutter Cuesta geboren. Er wurde während des Spanischen Bürgerkriegs von den marxistischen Rotgardisten um seines Glaubens willen am 23. Oktober 1936 ermordet. Er gehört zu einer Gruppe von 26 Passionisten, die das Martyrium erdulden mussten und am 1. Oktober 1989 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurden. Sie waren Angehörige des Passionisten-Konvents in Daimiel in der Diözese Ciudad Real. “Die Stadt Daimiel lag mit der ganzen Diözese und Provinz Ciudad Real im Spanischen Bürgerkrieg in der marxistischen Zone und erlebte von Anfang an die Greuel der Religionsverfolgung nach bolschewistischer Art. Die Mitglieder des Passionsten-Klosters wurden gleich zu Beginn des Bürgerkriegs gezwungen, ihr Haus zu verlassen. In der Nacht des 21. Juli 1936 versammelte der Provinzial P. Niceforus den Konvent vor dem Allerheiligsten und ermunterte seine Mitbrüder zur Bereitschaft für das Martyrium; dann spendete er ihnen die Hl. Kommunion und leerte den Tabernakel. Vor dem Verlassen des Hauses teilte er die 25 Mitbrüder noch in vier Gruppen ein, wobei er darauf achtete, dass jede Gruppe gemischt zusammengesetzt war aus Patres, Klerikern und Laienbrüdern. So sollten sich alle gegenseitig stärken und ermutigen für das bevorstehende Leidensdrama” (Ferdinand Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 3, Stein am Rhein 1994, S. 142 f).

Weitere Infos zum Spanischen Bürgerkrieg


18. August
Warnung vor Pseudotheologie

Die Präsenz der Kirche als einer Gemeinschaft der Gläubigen innerhalb der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Realitäten des Lebens wird zu einem nicht geringen Teil durch theologische Reflexion vermittelt. Um echt christlich zu sein, muss diese theologische Reflexion vom geoffenbarten Wort Gottes und von der Lehre der Kirche geleitet sein, wie sie sich seit den Anfängen durch die Ausübung des Hirten- und Lehramtes Christi entwickelt hat, das insbesondere vom Bischof von Rom und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm übermittelt worden ist.

Die Anwendung einer “wissenschaftlichen” Methode auf diese Reflexion ist die besondere Aufgabe der Theologen. Theologische Reflexion beleuchtet die mit dem Verstand fassbare Struktur der christlichen Botschaft, deckt ihre innere Kohärenz auf und verdeutlicht die Beziehung des unveränderlichen Inhalts der Glaubenselemente mit den wechselhaften und veränderlichen kulturellen Kontexten, in denen sie die Botschaft verkünden und predigen.

Auf dem Hintergrund des gegenwärtigen sozialen und kulturellen Wandels, der in der ganzen Welt, auch in euren afrikanischen Ländern, Platz greift, ist die Herausforderung, denen die Theologen begegnen, nicht ohne große Schwierigkeit und Risiken.

Die Gefahren eines theologischen Studiums, das abgeschnitten ist von einem Leben aus dem Geist, und der Schaden, der durch eine pseudotheologische Kultur verursacht wird, der der echte Geist des Dienstes am Heilsmysterium fehlt, werden schon von den schwerwiegenden Worten des hl. Johannes angedeutet: “Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrist” (1 Joh 4,3).

Der “Geist der Wahrheit” und der “Geist des Irrtums” (vgl. Joh 4,6) kämpfen um den Geist derer, die die Wahrheit suchen.

Während eine richtig verstandene und notwendige Freiheit der Forschung unbedingter Bestandteil des Fortschritts in den theologischen Wissenschaften ist, sollten diejenigen, die theologische Forschung betreiben, diese Freiheit nicht als eine Übertragung von methodischen Kriterien anderer Wissenschaften auf das Gebiet der Theologie verstehen. Christliche Theologie hat als besonderen Ausgangspunkt das Wort Gottes, wie es von der Tradition und der Heiligen Schrift überliefert worden ist, und sie besitzt als ständigen Bezugspunkt das kirchliche Lehramt, das der authentische Hüter und Interpret der vollen Lehre Christi ist.

Papst Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren in seiner Ansprache an der Katholischen Universität von Ostafrika in Nairobi, Kenia; veröffentlicht in: Der Apostolische Stuhl 1985, Libreria Editrice Vaticana, Verlag J. Bachem, S. 938 f.


17. August
Neuerscheinung

P. Martin Ramm FSSP, dessen Schriften sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuen (vgl. etwa Was ist Keuschheit und Die letzten Dinge), hat nun ein neues Büchlein herausgegeben:

Heilige Berufung. Die niederen und höheren Weihen nach der überlieferten Form in ihren Riten erklärt.

Auf 80 erklärt er die vier niederen Weihen zum Ostiarier, Lektor, Exorzisten und Akolyten und die vier höheren Weihen zum Subdiakon, Diakon, Priester und Bischof.

Das Büchlein ist die ideale Ergänzung zu den mehr theologischen Ausführungen von P. Sven Conrad FSSP zum selben Thema.

Es kann über die Website unseres Schriftenapostolats gegen freiwillige Spende bezogen werden.


17. August
Neue Zeitschrift

Gestern ist die erste Ausgabe der neuen Zeitschrift Dominus vobiscum. Katholisches Magazin für Tradition und Kultur erschienen (nicht zu verwechseln mit Vobiscum, dem Publikationsorgan des Erzbistums Vaduz). Sie wird von Pro Missa Tridentina herausgegeben und erscheint zweimal im Jahr.


17. August
Volontär in Kolumbien

Am 6. August machten wir auf unser Apostolat in Kolumbien aufmerksam. Eine wichtige ergänzende Information besteht in dem Hinweis auf die Möglichkeit, als Volontäre dort ein Jahr oder zumindest einige Monate mitzuarbeiten. Im Juli flog die neunzehnjährige Ann-Christin Weiß nach Kolumbien. In einem ersten Rundbrief berichtet sie über ihre Erfahrungen.


17. August
Gesunde Hürden

Psychologisch ist der Zölibat ein durchaus plausibler Schutz davor, dass Menschen mit dem kindlischen Wunsch, als Lokomotivführer oder Priester widerspruchslos “an der Spitze zu stehen”, sich mit dem Priestertum selbst eine Freude zu machen. Der Verzicht, den der Zölibat fordert, ist da wenigstens eine Hürde. In den heutigen oft allzu normalen Gemeinden ist eine solche Lebensform radikalen Glaubens aber vor allem eine leibhaftige Erinnerung an das eigentlich Wichtige im Leben von Christen. Wer die Aufhebung des Zölibats mit dem Argument fordert, dass die Gemeinden sonst nicht ausreichend “versorgt” würden, übersieht, dass ohne solch radikales Bekenntnis “mitten in dieser Welt” die Gemeinden noch mehr Gefahr laufen würden, sich in gutbürgerlicher Betriebsamkeit zu erschöpfen und inhaltlich wie formal bloß noch zur Verdoppelung der Kommunalverwaltung zu werden. Wer über den Priestermangel nur noch in den Kategorien nicht besetzter Planstellen spricht, hat vielleicht gar nicht gemerkt, dass er genau die “Amtskirche” fordert, der er sonst möglicherweise bekämpft.

Aus: Manfred Lütz, Der Botschafter Gottes, in: theo. Das katholische Magazin, 1/2008.

Weiteres zum Thema "Zölibat"


16. August
Liturgische Erneuerung zwischen Hinführung zur Gestalt und deren Neuentwurf

Das Konservative und das Revolutionäre im Wirken von Theodor Schnitzler (1910–1982)

von P. Lic. Sven Conrad FSSP

Sechster Teil

Es ist also ein Fragezeichen zu setzen, inwieweit die Arbeit der Restauratoren nicht doch geschadet hat. Die Eingangsriten – um bei ihnen zu bleiben – wurden auch stark verändert. Wenig überzeugend – wenn auch bei manchem inhaltlich schönen Gedanken – ist die Art und Weise, wie Schnitzler die Eröffnungsriten der jetzigen forma ordinaria präsentiert. Hier wird eine Form verteidigt, die aus päpstlichem Willen so ist, wie sie nun ist. Schnitzler bezeugt:
„Papst Paul VI. kommt nach Bogotá in Kolumbien zum Eucharistischen Kongreß. Er feiert eine heilige Messe mit dem ganz einfachen Volk des Landes. Es ist des Lesens und Schreibens unkundig, hat keine hohe religiöse Schulung und kennt keine geschliffene Liturgie. Aber das Volk ist sich der Anwesenheit des Nachfolgers Petri bewußt. Die Herzen öffnen sich von der Freude, mit dem Papst die heilige Messe zu feiern. Nun dringt die Stimme des zelebrierenden Oberhirten durch die Lautsprecher. Als die ersten Silben bekannter Worte vernehmbar werden, wissen sie sofort Bescheid. Sie fallen ein und sprechen in lautem Chor mit dem Heiligen Vater: 'Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.' Südamerika und Rom vereinen sich im Bekenntnis der Dreifaltigkeit am Beginn der Messe. Seit Jahrhunderten begann so die Feier der Messe. Doch nur der Priester sprach die Worte. Sie lagen unter der Hülle der Introitusgesänge. Dann übte die Gemeinschaftsmesse ein paar Jahrzehnte den Brauch eines vernehmlichen und gemeinsamen Sprechens des Stufengebetes, aber diese Sitte gehörte nicht der Weltkirche. Nun wird in Kolumbien das neue Missale Romanum ins Leben gerufen. Noch sind die Verhandlungen über seine Form und Gestalt nicht beendet. Da entscheidet sich in Bogotá: Die heilige Messe kann nicht anders beginnen als mit dem einfachsten Gebet, das es gibt, nicht anders als mit dem Kreuzzeichen. Denn der Papst ist überwältigt und mitgerissen vom Chor des Volkes in Kolumbien“ (Schnitzler, Was die Messe bedeutet ..., 47).

Diese Erklärung hat den Geschmack des Sentimentalen. Der Introitus wird abgewertet; das Geschick einer sehr differenzierenden römischen Liturgie liegt in der Gunst des Augenblicks einer Papstreise.

Heute wird die in der Schaffung des Bußaktes erfolgte Umordnung der Struktur in ihrer Problematik von verschiedenen Seiten erkannt, vgl. z.B. Studien und Entwürfe zur Meßfeier. Texte der Studienkommission für die Meßliturgie und das Meßbuch, ed. Eduard Nagel (in Verbindung mit Roland Bachleitner, Winfried Bachler, Rupert Berger, Thomas Egloff, Angelus Häußling, Martin Klöckener, Irmgard Pahl, Anton Pomella, Heinrich Rennings †, Emile Seiler), Freiburg Basel Wien 1995, 263f.

Und Schnitzler selbst weist dann darauf hin, daß die Messe eigentlich längst vor dem Kreuzzeichen begonnen hat: „Die Messe begann ...“ (Schnitzler, Was die Messe bedeutet ..., 57-63)

Manchmal hat man den Eindruck, Schnitzler versuche, Änderungen wider besseres Wissen zu verteidigen und ihnen einen Wert abzugewinnen. Dies zeigt sich etwa in seiner Behandlung der Abschaffung der traditionellen Kanonstille, die er nach Einführung des um der Verständlichkeit willen lauten Kanons unverständlicherweise immer noch in der Möglichkeit des „Abschaltens“ gegeben sieht. Er sagt: „Lautes Sprechen des Kanons bedeutet nicht, man müsse ihn mitsprechen. Verstehbarkeit der Worte verlangt nicht, man müsse sie Laut für Laut anhören. Man darf ,abschalten‘. Man kann sich in sein eigenes Gespräch mit Gott vertiefen. Das gelingt nun noch besser als einst, da das Sanctuslied den ersten Teil des Kanons überdeckte, oder als gar noch nach der Wandlung gesungen wurde. Ob die Kanonstille bleibt, ist dem einzelnen Beter überlassen. Die Worte des Zelebranten sollten nicht übermächtig durch die Kirche klingen; so werden sie den stillen Beter nicht hindern, sondern eher durch diesen oder jenen vernommenen Satz führen und anregen“ (Theodor Schnitzler, Der Römische Meßkanon. In Betrachtung, Verkündigung und Gebet, Freiburg Basel Wien 1968, 19). In diesem Punkt zeigt sich auch sein Traditionsverständnis über Brüche: „Laut sangen die Märtyrerbischöfe der Frühzeit das Eucharistiegebet vor ihrer Gemeinde, und Mitbrüdern und Gläubigen prägte sich der Text des dem Tode nahen Bischofs so kraftvoll ein, daß sie die Worte in die Jahrhunderte mitnahmen. Achthundert Jahre später wird der große Lobgesang ein Stillgebet. Wie ein Lettner richtet sich das Schweigen um den Kanon auf, um ihn ehrfürchtig zu bergen und zu hüten. Nun schlägt diese Entwicklung wieder um. Der Kanon wird wieder vernehmlich. Der Lettner wird abgebaut. ... Wir sind also wieder bei den Anfängen angekommen. Unsere Messe ist der Messe der Märtyrer ähnlicher geworden. Sind nicht auch die Zeitläufe den Ursprüngen näher?“ (Der Römisch Meßkanon, 20 f).

Einige Jahrzehnte später wird eine Studienkommission feststellen: Der volkssprachliche, laute Vollzug der bestehenden Hochgebet ist für die Teilnehmer ermüdend und läßt gerade den Höhepunkt der gesamten Feier zu einem emotionalen Tiefpunkt werden“ (Studien und Entwürfe zur Meßfeier, 263).

3. Einfluß des Zeitgeistes der 60er und 70er Jahre

Aus dem Werk Theodor Schnitzlers spricht bisweilen der Zeitgeist der 1960er und 70er Jahre. Während „Die Messe in der Betrachtung“ im Sinn einer inhaltlichen Hinführung (vgl. Wechselwirkung von Gehalt und Gestalt) noch mit einem ausführlichen Blick auf die Bundestheologie beginnt, so ist der Ansatz in „Was die Messe bedeutet“ ein modifizierter, wobei die Bundestheologie durchaus integriert bleibt.

Allerdings ist Schnitzler bei den Erklärungen, die man charakterisieren könnte mit „Was die Messe nicht ist“, nicht ganz frei von allzu schnellen Vorurteilen im Kontext der Zeit. Standesgemäßes Zeremoniell, bei dem etwa herausragenden politischen Personen eine Rolle im Ordo des Ganzen zukommt, wird pauschalierend abgetan:
„Missa sollemnis von Ludwig van Beethoven, Kathedrale einer europäischen Hauptstadt, Zelebrant Seine Exzellenz der Hochwürdigste Herr, in eigenen Sesseln der Herr Ministerpräsident mit Gattin, Vertreter des Parlaments, der Presse usw. Da sind peinliche Ähnlichkeiten mit einer Vorstellung, mit einem religiösen Drama, mit der Oper. Aber so etwas ist doch sehr, sehr selten geworden“ (Was die Messe bedeutet, 17).

Diese Äußerung ist leider rein polemischer Natur. Die Missa sollemnis von Beethoven war nie für die Liturgie gedacht (vgl. “Bachs h-moll-Messe und Beethovens Missa sollemnis sprengen mit ihrem Umfang den Rahmen der Liturgie (Konzertaufführung).” Ulrich Michels, dtv-Atlas Musik. Systematischer Teil. Musikgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2008, 129). Es ist zudem keineswegs zwingend, daß solche polyphonen Meßfeiern im Sinne eines Staatsaktes per se veräußerlicht sind, unser Autor stellt es aber so dar. Man könnte hierin auch noch einen letzten Schatten einer christlich-abendländischen Gesellschaft sehen, die ein Ganzes bildete. Man denke etwa an jenes bewegende Photo aus dem Jahr 1962, das Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer auf zwei Thronsesseln in der Vierung der Kathedrale von Reims bei einem Pontifikalamt zur Besiegelung der Deutsch-Französischen Freundschaft zeigt, ein historisches Ereignis, geschichts-mächtig und Ausdruck des Glaubens im Lauf der Geschichte zugleich (vgl. dazu den Bericht in französischer Sprache.

Vielleicht spiegelt sich auch noch in seinem Beispiel der Missa sollemnis in Gegenwart des Ministerpräsidenten die nachkonziliare Kontroverse um die wahre tätige Teilnahme.

wird fortgesetzt.

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15. August
Museumswärter

Von P. Bernward Deneke FSSP

Siena! Mein Wunsch, die gotische Stadt in der Toskana wiederzusehen, war lebhaft: die halbrunde Piazza del Campo, überragt vom riesenhaften Turm des Stadtpalastes (der, wie so viele Gebäude in Siena, die Inschrift „IHS“ trägt), die Dominikanerkirche mit dem Haupt der heiligen Katharina, vor allem aber die Kathedrale, dieses Wunderwerk aus schwarzem und weißem Marmor. Schon beim ersten Besuch, viele Jahre zuvor, hatte sie mich fasziniert wie nur wenige andere Kirchen.

Als ich mich ihr näherte und staunend die mit Skulpturen übersäte Fassade der Westfront betrachtete, bemerkte ich auch die langen Menschenschlangen, die sich am Portal gebildet hatten, maß ihnen aber noch keine Bedeutung bei. In der Urlaubszeit ist der Andrang an solchen Stätten nun einmal erheblich. Doch dann wurde ich bald der Tatsache gewahr, daß nicht das hohe Personenaufkommen selbst, sondern etwas anderes die Schuld an der Stauung trug: Zum Eintritt in das Gotteshaus muß inzwischen an einer nahegelegenen Verkaufsstelle ein Billet erworben und dann im Eingang des Domes gelöst werden. Man empfiehlt sehr eindringlich die All-Inclusive-Tickets (Preis: 10 Euro), mit denen man außerdem auch das Baptisterium, die Krypta, das Dommuseum und das Oratorium des heiligen Bernhardin besuchen sowie einen Panoramaweg auf den Gemäuern der Kathedrale begehen kann.

Das ist wirklich nicht teuer im Vergleich zu anderen Besichtigungen. Wer beispielsweise die imposante Kuppel der protestantischen Frauenkirche zu Dresden besteigen will, muß allein dafür 8 Euro bezahlen! Aber genau hier liegt das Problem: Der Rund- und Ausblick auf eine sehenswerte Stadt ist ebenso wie die Gemälde- und Skulpturensammlung eines Museums oder der Prunksaal eines Schlosses ein echtes touristisches Ziel, während es sich bei einer katholischen Kirche in erster Linie um ein Heiligtum der Gegenwart Gottes handelt, erbaut für den Opferkult des Neuen Bundes und für die persönliche Begegnung gläubiger Christen mit ihrem Herrn.

Diesen Charakter nun hat die Kathedrale von Siena – zumindest in den Zeiten des sommerlichen Massenandranges – verloren. Begibt man sich vor den Seitenaltar mit dem Tabernakel („Zutritt reserviert für Beter“ – immerhin!), so fühlt man sich unter den Blicken der herumlaufenden, ungeniert miteinander redenden und unablässig photographierenden Touristen wie jemand, der in einem Kunstmuseum vor einem religiösen Bild kniend seine Andacht verrichten wollte. Wer würde diesen Menschen nicht für einen wunderlichen, überfrommen Exoten halten, der allenfalls eines halb belustigten, halb bemitleidenden Blickes wert ist!

Man fragt sich, was geschehen ist, daß sich gläubige Katholiken inzwischen in einer Domkirche wie Fremdlinge vorkommen. Wer trägt die Verantwortung dafür? Es drängt sich mir ein Wort auf: „Museumswärter“. Damit hat es seine eigene Bewandtnis. Denn wiederholt wurde dieser Ausdruck benutzt, Priester und Laien, die sich für die traditionelle Liturgie der Römischen Kirche einsetzen, zu verunglimpfen. Der Vorwurf lautete: „Ihr hütet eure Schätze und achtet streng darauf, daß sich ihnen niemand nahe, sie gar anrühre. Doch diese Dinge sind samt und sonders veraltet, sie taugen nicht mehr für den Menschen von heute. Daher solltet ihr euch endlich den wahren Bedürfnissen der Gegenwart zuwenden und den Krimskrams von früher hinter euch lassen. Sonst seid ihr nicht missionarisch, apostolisch, pastoral, sondern nur Museumswärter!“

Mir stellt sich angesichts von Kirchen, für deren Besuch man Eintritt bezahlen muß und in denen der Beter eine Ausnahmeerscheinung darstellt, die Frage, wer es denn nun wirklich verdient, „Museumswärter“ genannt zu werden. Etwa diejenigen, die aus Gründen des Glaubens und der Ehrfurcht die überlieferte Liturgie feiern und damit eine Quelle erschließen, die schon unzählige Menschen geheiligt hat; und die dazu auch die Schätze der Vorzeit (Altäre, Gewänder, sakrale Gerätschaften) wieder ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch zuführen? Oder nicht doch vielmehr diejenigen, welche die Kirchen in der Urlaubssaison dem gewöhnlichen Beter verschließen und nur dem zahlenden Touristen öffnen; die aus den zur Ehre Gottes geschaffenen Kunstwerken Museumsstücke machen und so das prächtige Menschenwerk ins Zentrum rücken, das heiligste Sakrament aber, das Werk Gottes ohnegleichen, in einer verlorenen Nische verschwinden lassen?

Der Besuch der Kathedrale von Siena jedenfalls hinterließ einen faden Nachgeschmack. Beinahe wähnt man sich schuldig, das Treiben der kirchlichen Museumswärter unterstützt zu haben. Und da ja heutzutage zeitgemäße Schriftübertragungen im Trend liegen, hier meine aktualisierte Form von Mt 21,13: „Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt es zu einem Museum gemacht!“


14. August
In eigener Sache

Nachdem sich im Laufe der Zeit eine genügende Anzahl von Notizen zu Hans Küng ansammelte, habe ich nun dem großen Theologen eine eigene Seite gewidmet.


14. August
Hilarius Hoiß

Vor 100 Jahren, am 15. August 1910, legte in St. Ottilien im Alter von 22 Jahren der aus Bayern stammende Märtyrer Bruder Hilarius Hoiß OSB (Taufname Benedikt) seine Profess ab. Am 7. Januar 1911 wurde er in die Mission nach Seoul gesandt. Hier wurde er ein Opfer der kommunistischen Christenverfolgung. Er wurde eingekerkert und dann ins Internierungslager von Manpo verlegt, wo er am 12. Dezember 1950 vor Hunger und Kälte starb.


14. August
St. André

Vor 100 Jahren, am 14. August 1910, weihte Abtbischof Gerard van Caloen die Abteikirche von St. André bei Brügge. Acht Tage zuvor war der Missionsabtei vom Heiligen Stuhl die Apostolische Präfektur Katanga in Belgisch Kongo übertragen worden.


14. August
Charitas Brader

Vor 150 Jahren, am 14. August 1860, wurde in Kaltbrunn, St. Gallen, Charitas Brader geboren. 1880 wurde sie Kapuzerin in Altstätten, 1888 gehörte sie zu den sechs Begleiterinnen der hl Bernarda Bütler, die als Missionarin nach Ecuador zog. 1893 wurde Brader Oberin des neugegründeten Klosters Tuquerres in Kolumbien. “Daselbst stiftete sie die Lehrkongregation der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die sich über verschiedenen Staaten Lateinamerikas verbreitete (Beda Mayer im LThK II). Sie starb am 27. Februar 1943 in Pasto, Kolumbien.


14. August
Matteo Liberatore

Vor 200 Jahren, am 14. August 1810, wurde in Salerno der Philosoph Matteo Liberatore SJ geboren, der “Hauptbegründer des philosophischen Neuthomismus in Italien (Novatus Picard im LThK II). Er trat 1826 in die Gesellschaft Jesu ein, war von 1837 bis 1848 Professor der Philosophie in Neapel und wurde Mitbegründer der Zeitschrift Civiltà Cattolica. Seine Institutiones philosophicae werden von Picard als die erste neuzeitliche Synthese der thomistischen Philosophie bezeichnet. Er starb am 18. Oktober 1892 in Rom.


13. August
Der Verrat an den Kleinen

“Erstkommunion- oder Firmvorbereitung sind zu psychosozialen Gruppenstunden umgestaltet; die Hinführung zum Sakrament unterbleibt. Bischof Tebartz-van Elst sagt: ‘Die Primärsymbole der Liturgiefeier sind Brot und Wein, die zu Christi Leib und Blut werden. In diesem Horizont ist so manche Praxis der Erstkommunionfeiern sehr kritisch zu sehen. Wo Sekundär- und Tertiärsymbole wie Bäume und Boote in die Altarräume geschleppt werden, muss es nicht verwundern, wenn Kinder nicht zum Wesen der sakramentalen Begegnung mit Jesus Christus finden.’”
Hannes Hintermeier, Im Land der Mutlosen, in der FAZ vom 9. August 2010.

Als ich vor zwanzig in einem Interview auf die Missstände in der Erstkommunionvorbereitung aufmerksam machte und behauptete, dass die betroffenen Kinder oft nicht das Wesentliche, was die hl. Kommunion ausmacht, erfahren, beschwerte sich ein Bischof über mich in Rom. Doch auch hier gilt: Jeder Versuch der Vertuschung wird sich früher oder später rächen.


13. August
Noch ein Skandal

Ein “Kavaliersdelikt” nennt François Reckinger in neuesten Ausgabe des FELS (August/September 2010) die Einladung zur Kommunion, die Prof. Dr. Gotthold Hasenhüttl 2003 an die evangelischen Christen ausgesprochen hatte, wegen derer er suspendiert wurde - ein Kavaliersdelikt, “verglichen mit seinem jahrzehntelangen Dozieren von ‘Katholischer Theologie’ als Atheist, im atheistischen Sinne”. Darauf hatten wir schon vor langer Zeit hingewiesen. Reckinger stellt klar, dass Hasenhüttls Positionen seit dessen frühen Publikationen aus den Jahren 1974, 1979 und 1980 bekannt gewesen seien. “Dennoch durfte der vom Glauben öffentlich Abgefallene äußerlich-rechtlich gesehen weitermachen und über Jahrzehnte hin Studenten und durch diese Kinder und Jugendliche zum Unglauben verleiten - eine Verweigerung bischöflicher Pflichterfüllung, die nicht zu begreifen ist”, schreibt Reckinger - die aber, so könnte man hinzufügen, seit über 40 Jahren zum Normalfall gehört. Schon Dietrich von Hildebrand schrieb 1973 in seinem “Verwüsteten Weinberg” von der Lethargie der Wächter. Anders als wie beim Missbrauchsskandal wird dieser Skandal niemals öffentlichkeitswirksam aufgearbeitet werden, weil die weltliche Presse sich dafür nicht interessiert. Die Kirche hat Bischöfe nötig, denen der Wille Gottes wichtiger ist als die Berichterstattung der Medien.


12. August
Johannes Lantrua von Triora

6. Teil

Die Ruhe, die um das Jahr 1810 in China herrschte, wie wir aus dem Brief unseres Heiligen ersahen, sollte nur zu bald durch ein unvermutetes Ereignis gestört werden. 1811 nahm man in Schan-si einen Missionar gefangen, der ein Verzeichnis der Distrikte seiner Wirksamkeit, sowie der ihm verliehenen Vollmachten bei sich trug.Unter letzteren befand sich auch die Befugnis, in gewissen Fällen die Absolution zu erteilen. Die Mandarine sahen in der Ermächtigung, diese und jene Sünden nachzulassen, das Zeichen einer politischen und gerichtlichen Organisation und schlossen daraus, die Europäer wollten Männer ihrer Wahl als Richter und Beamte anstellen. In Peking wurden drei Kirchen sofort geschlossen.

Um diese Zeit wurden die in den Gebirgen Houkouangs wohnenden Christengemeinden von Räubern, den sogenannten Pei-lien-kiao, oder der Sekte der Weißen Seerose oder des Weißen Lotus bedrängt und bedrückt. Diese Sekte hatte sich dergestalt vermehrt, dass ihr Anführer mit Stolz sagen konnte: “Ein Drittel des Reiches gehört mir.” P. Klet beschreibt sie als eine sehr alte Sekte, die, durch schauerliche Schwüre und das unverbrüchlichste Schweigen gebunden, zu einer furchtbaren, geheimen Gesellschaft wurde.

Die Pei-lien-kiao verlegten sich nur auf Raub und Mord. Ihre plötzlichen Überfälle säten überall Unheil und Tod.

Zur Zeit unseres Heiligen sah es so aus, als ob sie kurz davor stünden, sich zum Herrn über China aufzuwerfen. Unter ihrem Anführer Wang drangen sie 1813 bis an die Pforte des kaiserlichen Palastes. Sie waren, wie man sagte, zahlreich wie die Sandkörner am Meere. Die kaiserlichen Soldaten flohen bei ihrem Nahen in die Berge, wo sie vor Schrecken und Furcht umkamen. Die Triumph jener Horde dauerte jedoch nur kurze Zeit: Wang wurde gefangen genommen und enthauptet.

Im Jahre 1811 wurde plötzlich das Gerücht von einer Empörung der Christen verbreitet. 1812 berichtet P. Klet, dass zwei Europäer die Anstifter des Komplottes seien. Wie sein göttlicher Meister sollte auch P. Johannes einen Judas unter den Seinigen finden. In Van-Kia-Vang war es, dass ein Katechet Leou sein Vertrauen missbrauchte und ihn bei den Mandarinen zweier Verbrechen beschuldigte: Europäer und Missionar zu sein.

Bald erschien ein Mandarin in Van-Kia-Vang, begleitet von vielen bewaffneten Soldaten. Diese umzingelten Residenz und Kirche. Sie glaubten, des Missionars habhaft zu werden, doch dessen Stunde war noch nicht gekommen. Mit einer Geistesgegenwart, die seine Ruhe angesichts des Todes klar bewies, verkleidete er sich schnell als Bauer. Den Kopf bedeckte er mit einem großen, alten Strohhut, der sein Gesicht teilweise verdeckte. Dann nahm er einen alten Korb auf die Schulter, in den er getrocknete Pflanzen und alles, was ihm in die Hände geriet, gelegt hatte. In dieser Verkleidung schritt er durch die Offiziere und Soldaten, die ihn suchten und nichts ahnten, und entfloh so seinen Feinden.

Dennoch hatte des Verbrechen des chinesischen Judas traurige Folgen. Wütend, dass ihnen ihre Beute entgangen, richteten die Henker ihre Wut gegen die Christen von Van Kiang Vang und der Umgegend. Alle, die der Verräter ihnen genannt, hatten viel von ihrer Gewalttätigkeit zu leiden.

Nach langen Jahren hatte Mgr. Rizzolati den Trost, den unglücklichen Verräter zu Gott zurückzuführen; er bekehrte sich aufrichtig und beharrte bis ans Lebensende in strenger Buße.

P. Johannes sah seine Wirksamkeit gehemmt und seine Christen in Gefahr. Er schrieb darum seinen Oberen, dass die Mandarine, um sich für die erlebte Täuschung zu entschädigen, ihm beständig nach dem Leben trachteten, ja, dass seine Anwesenheit für seine Umgebung, besonders für jene, die ihm Gastfreundschaft gewährten, eine Verfolgung nach sich ziehen könne. Als würdiger Sohn des hl. Franziskus stellte er indes alles seinen Vorgesetzten anheim und begab sich aus Vorsicht nach Hupé, um deren Entscheidung dort zu erwarten.

Über seinen dortigen Aufenthalt wissen wir durch Mgr. Rizzolati wertvolle Einzelheiten.
In dieser gefahrvollen Zeit suchte P. Johannes von Triora die treuen Gläubigen im Glauben zu bestärken. Mit Liebe führte er jene, die zur Zeit der Verfolgung im christlichen Leben nachgelassen hatten, zu ihrem ersten Eifer zurück. Wie ein guter Hirte gehörte er ganz seiner Herde, und Gott belohnte seine Aufopferung und Liebe mit zahlreichen Bekehrungen.

Sein Katechet Fang-Chung-Chian erzählte Mgr. Rizzolati folgendes:
Die Christen von Huo-Panh waren abgefallen, und P. Johannes entschloß sich mit Gefahr seines Lebens, sie zum heiligen Glauben zurückzuführen. Er bat den Katecheten, ihn zu begleiten, doch dieser konnte sich nicht dazu verstehen. Er suchte im Gegenteil den Heiligen zu überzeugen, dass seine Reise vergeblich und ein sicherer Tod sein Lohn sein werde. P. Johannes lieh den Worten menschlicher Klugheit kein Gehör. War er nicht der Jünger des Guten Hirten, der sein Leben für seine Schafe hingab? Er reiste also allein, und sein Mut wurde aufs herrlichste belohnt. Die verlorenen Söhne hörten alle auf die Stimme ihres Vaters, alle bekehrten sich. P. Johannes predigte, taufte und spendete die Sakramente. Er verbannte alle abergläubischen Gegenstände, an denen die Chinesen nur zu sehr hängen, und ersetzte sie durch Übungen der christlichen Frömmigkeit. Mit Katechesen suchte er die Seinen im Eifer zu erhalten.

Groß war das allgemeine Erstaunen über eine solche Wiederbelebung des christlichen Glaubens. Niemand jedoch wunderte sich so sehr wie der Katechet, der unsren Heiligen nicht hatte begleiten wollen. Mit Recht bedauerte er dies nun. Jenem, der später seine Stelle einnahm, wurde wie P. Johannes die Palme des Martyriums zuteil: Stephan Chang-Hi-Xen ließ sein Leben für den Herrn. Dieser einfache Laie war ein Mann von seltener Tugend, von dem Zeugen bestätigten, dass er nie ein unnützes Wort geredet habe. Er tat alles, was in seinen Kräften stand, zum Heil der Seelen.

Als P. Johannes in Hou-Panh den alten Eifer hergestellt hatte, erhielt er die Antwort des Apostolischen Vikars auf sein Schreiben. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das zu jener Zeit der schon erwähnte P. Silvetti. Im Oktober 1811 war Mgr. Landi, der Bischof von Hou-kouang, unter dem unserer Heiliger seine Missionstätigkeit begonnen hatte, gestorben. Zu diesem Zeitpunkt war P. Silvetti bereits Bischof, doch seine Ernennung wurde erst im November 1816 in China bekannt.

Die Entscheidung des Apostolischen Vikars rief unseren Heiligen nach Hunan zurück. Diesem galt der heilige Gehorsam mehr als seine Überzeugung von der Unmöglichkeit dieser Mission. Er verließ die Hauptstadt von Hupé und begab sich nach Chang-sa-fou, der Hauptstadt Hunans, wo ein glorreicher Tod seine apostolischen Arbeiten krönen sollte.

Wird fortgesetzt.

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11. August
Die Einführung der Reformation in Irland

Von Alphons Bellesheim

9. Teil

So scheiterten also sämtliche Versuche der Regierung, das irische Volk der neuen Lehre dienstbar zu machen. Nur in einer Beziehung gelangten die Kirchengesetze 1560 zur Ausführung. Die öffentliche Abhaltung des katholischen Gottesdienstes wurde eingestellt. Zerstören ist eben leichter denn Aufbauen. Die Pfarrkirchen im Pale ließ die Regierung mit Beschlag belegen, aber alle Berichte an die Regierung nach London bezeugen, dass bald alle in Ruinen lagen. Vielfach wurden den Bekennern des Glaubens Steuern zur Instandhaltung dieser dem protestantischen Gottesdienst gewidmeten Kirchen auferlegt, in den weitaus meisten Fällen dagegen gingen sie unenthaltsam dem Verfall entgegen und wurden zu Zeugen der Gewalt, deren es zur Einführung der Reformation in der Insel der Heiligen bedurfte.

Der Erlass der Kirchengesetze von 1560 musste die Bekenner des alten Glaubens zur Aufwendung aller Bemühungen antreiben, sollte der Katholizismus nicht mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Zu den bedeutendsten Männern, welche bei diesem Werke tätig waren, gehörte der irische Jesuit P. David Wolf. Geboren in Limerick hatte er sich schon früh dem hl. Ignatius angeschlossen. Jener Ire, von welchem Ignatius schrieb, “er berechtige zu großen Hoffnungen”, war ohne Zweifel P. Wolf, welcher sieben Jahre in Rom verbrachte, dort feierliche Profess tat und dann die Leitung des Jesuitenkollegs in Modena übernahm. Im Jahre 1559 finden wir ihn in Angelegenheiten des Ordens im Veltlin [Tal in der Lombardei] tätig. Der Abfall Elisabeths von der Kirche bewog Kardinal Morone, Bischof von Modena und Protektor Irlands, mit Papst Pius IV. wegen Abordnung eines Theologen nach Irland in Verbindung zu treten, welcher die Katholiken im alten Glauben befestigen solle. Der Ordensgeneral Lainez, an welchen der Papst sich gewendet, bestimmte P. Wolf für die schwierige Aufgabe und erreichte dabei unter kluger Abwägung der irischen Verhältnisse, dass Wolf nicht als Bischof und mit äußerem Gepränge auftreten, sondern bloß die geistlichen Vollmachten eines Nuntius empfangen solle. Die bischöfliche Konsekration Wolfs die der Papst anfangs dringend gewünscht hatte, unterblieb demnach. Dagegen empfing er eingehende Instruktionen, die seine Tätigkeit genau regelten. Namentlich trug ihm der Papst auf, über passende Kandidaten für die erledigten Bischofsstühle sich genau zu erkundigen und darüber an die Kurie zu berichten, dasselbe Verfahren sei einzuschlagen bei wichtigen Priesterpfründen, deren Verleihung dem Heiligen Stuhl zustehe. Die in den “Ricordi circa le cose d’Ibernia” niedergelegten Anweisungen, welche Wolf von seinen Ordensobern empfing, lauteten:
1. Er wird die vornehmsten katholischen Edelleute weltlichen Standes in Irland besuchen, im Namen des Papstes ihre Anhänglichkeit an die Kirche beloben und sie zu standhafter Ausdauer ermuntern.
2. In gleicher Weise wird er mit den Bischöfen verfahren. Sollte einer unter ihnen die Erfüllung seiner Pflichten versäumen, indem er den Gläubigen böses Beispiel gibt, keine Residenz beobachtet, die Visitation unterlässt, den Schmuck der Kirche nicht unterhält oder unwürdige Personen befördert, so ist er zu ermahnen, bessere Wege einzuschlagen, damit er beim Papst in guten Geruch komme.
3. Auch die Priester, namentlich die in der Seelsorge, sind durch Ermahnungen zur Erneuerung des geistlichen Lebens zu führen. Öffentliche Sünden und Nachlässigkeit in der Erfüllung der Amtspflichten in Spendung der Sakramente und Seelsorge sind durch die Bischöfe zu ahnden.
4. Es ist genau zu beobachten, wie die Priester die Sakramente spenden, und die Bischöfe die Firmung erteilen, und hier namentlich beim Beichthören auszuhelfen.
5. Es ist zu untersuchen, ob das Wort Gottes im katholischen Sinne vorgetragen wird; den Geistlichen sollen sie in der Erteilung des christlichen Unterrichts zur Hand gehen, und auch selber durch Predigt das Volk zu einem christlichen Leben anhalten.
6. Pfarrern, die Irrlehren predigen, werden sie die Möglichkeit benehmen, andere zu schädigen, aber auch sich selber in spiritu lenitatis bemühen, sie für die Wahrheit wieder zu gewinnen. Begegnen sie hartnäckigem Sinn, so sind die kirchlichen Oberen anzurufen, damit der Schuldige Strafe empfange.
7. Die Schwachen im Glauben soll er befestigen und zum offenen Bekenntnis desselben ermuntern.
8. Priester, die zur Unterweisung anderer befähigt sind, wird er den Bischöfen zur Beförderung empfehlen.
9. Könnte man Lateinschulen an einigen Orten gründen und mit guten katholischen Lehrern besetzen, so besäße man ein Mittel gegen die große Unwissenheit der Bewohner (ignoranza grande del paese). Die Eltern sind anzuhalten, ihre Kinder diesen Schulen anzuvertrauen.
10. Die Wiederaufrichtung von Männer- und Frauenklöstern und die Gründung von Leihhäusern zum Schutz der Armen, sowie von Spitälern ist in Erwägung zu ziehen.
11. Bei allen Verrichtungen darf nach der Vorschrift des Ordens keine Belohnung, auch nicht in Almosen (ne anco eleemosyna) angenommen werden.
12. Sollten sie zur Ehre Gottes, ohne Verwegenheit und ohne Gott zu versuchen, sich der Gefahr des Lebens aussetzen müssen, so werden sie dieselbe nicht umgehen, sonst aber Gewandtheit und Klugheit anwenden, um den Beamten der Königin zu entgehen.
Des weiteren bezeichnet die Instruktion die Punkte, über welche nach Rom zu berichten ist.
1. In erster Linie tun sie Meldung über die Lage der Kirche und den Gehorsam der Geistlichen und Laien gegen den Heiligen Stuhl.
2. Sollte das ärgerliche Leben dortiger Prälaten nur durch Anrufung des Heiligen Stuhles zu bessern sein, so werden sie über das einzuschlagende Verfahren berichten.
3. Einen Katalog tauglicher Bischofskandidaten unter Begründung seiner Vorschläge wird er einreichen.

Am 11. August 1560 trat David Wolf, mit Reisegeld und kirchlichen Utensilien vom Papst reichlich versehen, in Begleitung eines Ordensbruders irischer Herkunft von Rom die Reise nach dem Norden an. Nicht ohne Unfälle wurde sie zurückgelegt. In der Stadt Nantes für einen Lutheraner gehalten, mußte er vier Tage im Gefängnis schmachten, das Schiff, dem er zu St. Malo sein Reisegepäck übergab, ging unter, über Bordeaux konnte Wolf endlich am 20. Januar 1561 Cork in Irland erreichen. Dem Ordensgeneral Jakob Lainez meldete er, dass kaum, nachdem das Gerücht von seiner Ankunft sich verbreitet, Männer und Frauen barfuß, nur mit einem Gewand bekleidet, scharenweise zu ihm geströmt, um Lossprechung von ihren Sünden und Revalidation ungültig geschlossener Ehen zu erlangen. Mehrere Tausende von solchen Verbindungen habe er durch apostolische Vollgewalt saniert. Von Häresie frei, sei das Volk vom Übel ungültig geschlossener Ehen belastet. Dass er keine Sporteln und Geschenke annehme, errege beim Volke Verwunderung. Aller Habe durch den Schiffbruch beraubt, ringe er mit Not; Einladungen zu Gastmählern nehme er nicht an, um den Schein der Begünstigung zu vermeiden. Betteln sei um so weniger angebracht, weil man kaum Brot bei jemand finde, indem die Leute ihr frisch gebackenes Brot täglich bei der Mahlzeit, aber kaum vor Sonnenuntergang verzehrten. Das Gespötte einiger Geistlichen, denen seine Lebensweise zu hart erscheine, ertrage er gerne aus Liebe zur heiligen Armut.

wird fortgesetzt.

Zum bisher Erschienenen


10. August
Sebastiano Zerbino

Vor 100 Jahren, am 10. August 1910, starb in Molare, Alessandria, im Alter von 72 Jahren der Diözesanpriester Sebastiano Zerbino. 2001 wurde sein Seligsprechungsprozess eingeleitet.


10. August
Pater Pio

Vor 100 Jahren, am 10. August 1910, wurde in Benevento der hl. P. Pio zum Priester geweiht.


9. August
Wert und Motivation

Von Dietrich von Hildebrand

5. Folge

Vergleichen wir diese beiden Typen des Bedeutsamen, so entdecken wir sogleich die wesenhafte Verschiedenheit zwischen ihnen. Der erste — das Kompliment — ist nur subjektiv bedeutsam, der andere dagegen — der Akt des Verzeihens — in sich bedeutsam. Es ist uns ganz klar, das Kompliment trägt nur, soweit es uns Freude macht, den Charakter des Bedeutsamen. Seine Bedeutsamkeit zehrt ausschließlich von seiner Relation auf unsere Befriedigung; sobald es von dieser geschieden wird, sinkt es zurück in die Anonymität des Neutralen und Indifferenten.

Im Gegensatz dazu erweist sich der großmütige Akt des Verzeihens als etwas in sich Bedeutsames. Wir sind uns deutlich bewußt, daß seine Bedeutsamkeit in keiner Weise von irgendeiner Wirkung abhängt, die er in uns hervorruft. Seine besondere Bedeutsamkeit zehrt nicht von irgendwelcher Beziehung zu unserem Vergnügen und unserer Befriedigung. Er steht vor uns als etwas wesenhaft und autonom Bedeutsames, das in keiner Weise von unserer Reaktion abhängig ist.

Auch unsere Sprache bringt diese grundlegende Unterscheidung zum Ausdruck. Die Bedeutsamkeit des Angenehmen oder Befriedigenden wird immer durch die Präposition „für“ ausgedrückt: Etwas ist angenehm für oder befriedigend für jemanden. Die Termini „angenehm“ und „befriedigend“ können als solche nicht auf einen Gegenstand angewandt werden, sondern nur, insoweit sie eine Person oder analog ein Tier betreffen. Andererseits verlangen die Ausdrücke „heroisch“, „schön“, „edel“, „erhaben“ durchaus nicht die Präposition „für“; sie widersprechen ihr vielmehr. Ein Akt der Liebe ist nicht erhaben für jemanden, sowenig wie die Neunte Symphonie Beethovens oder ein herrlicher Sonnenuntergang schön für jemanden ist.

Die innere Bedeutsamkeit eines großmütigen Aktes des Verzeihens bezeichnen wir als „Wert«, zum Unterschied von der Bedeutsamkeit aller jener Güter, die unser Interesse nur darum erregen, weil sie angenehm oder befriedigend für uns sind.

Aber sind sich diese beiden wesenhaft verschiedenen Typen der Bedeutsamkeit nicht doch in einer anderen Hinsicht ähnlich? Ist es nicht wahr, daß das Gute, Schöne, Edle, Erhabene uns tief ergreift, uns mit Freude und Entzücken erfüllt? Gewiß lassen sie uns nicht indifferent. Spendet uns jedes volle Erlebnis der Schönheit nicht notwendig Beglückung? Freuen wir uns nicht, wenn die Liebe oder Großmut eines Menschen unser Herz berührt? Solche Wonne, solches Entzücken sind tatsächlich wesenhaft verschieden von dem Vergnügen, das ein Kompliment hervorruft. Doch hebt dieser Unterschied wirklich die Tatsache auf, daß in beiden Fällen eine ähnliche Beziehung auf ein freudevolles Erlebnis zu finden ist?

Sicherlich haben die Dinge, die wir in sich selbst bedeutsam nennen, die werttragenden Dinge, die Fähigkeit, Freude zu spenden. Doch wird eine Analyse des spezifischen Charakters der Freude noch deutlicher die wesenhafte Verschiedenheit dieser beiden Arten der Bedeutsamkeit erweisen. Sie wird zeigen, daß der Wert seine Bedeutsamkeit unabhängig von seiner Wirkung auf uns besitzt.

Das Entzücken, die Ergriffenheit, die wir als Zeuge einer edlen sittlichen Tat oder beim Anblick der Schönheit eines sternenbesäten Himmels erleben, setzt wesenhaft das Bewußtsein voraus, daß die Bedeutsamkeit des Gegenstandes in keiner Weise von der Freude, die er uns schenkt, abhängt. Denn diese Seligkeit erwächst gerade aus unserer Konfrontation mit einem in sich selbst bedeutsamen Gegenstand, der majestätisch und autonom in seiner Erhabenheit und Hoheit vor uns steht. Es gehört gerade zu unserer Seligkeit, daß wir hier einen Gegenstand finden, der vollkommen unabhängig von unserer Reaktion auf ihn ist, dessen Bedeutsamkeit wir nicht verändern, weder erhöhen noch verringern können; denn sie erwächst ihm nicht aus seinem Verhältnis zu uns, sondern aus seiner eigenen Ranghöhe. Er steht gleichsam als eine Botschaft von oben vor uns; er trägt uns über uns selbst hinaus.

Deshalb ist der Unterschied zwischen dem Glück, das der bloßen Existenz eines Wertes entströmt, und dem Vergnügen an etwas subjektiv Befriedigendem kein Unterschied des Grades, sondern der Art: eine Wesensverschiedenheit. Ein Leben, das in einem ununterbrochenen Strom von Vergnügungen bestünde, die nur subjektiv Befriedigendes zur Ursache haben, könnte uns niemals einen Augenblick jenes seligen Glückes gewähren, das echt werthaltige Wirklichkeiten erzeugen.

Darum ist der Unterschied zwischen der egozentrischeri Lust, die Aristippos als das einzig wahre Gut hinstellte, und dem Glück, nach dem Sokrates und Platon rangen, kein bloßer Gradunterschied, sondern einer des Wesens (vgl. Augustinus, Sermo 179, 6). Egozentrisches Glück zehrt sich auf die Dauer selbst auf und endet in Langeweile und Leere. Das beständige Genießen des bloß subjektiv Befriedigenden wirft uns schließlich in unsere eigene Begrenztheit zurück und kerkert uns in uns selbst ein. Unsere Zuwendung zu einem Wert erhebt uns dagegen, befreit uns vom Kreisen um uns selbst und trägt uns in eine von uns selbst, unseren Stimmungen, unserer jeweiligen Verfassung unabhängige transzendente Ordnung. Dieses beglückende Erlebnis setzt eine Teilhabe an dem in sich Bedeutsamen voraus; ihm wohnt eine Harmonie inne, die allein das in sich Gute, das wesenhaft Edle ausstrahlen. Es entfaltet eine Leuchtkraft vor uns, die mit der inneren Schönheit und Herrlichkeit des Wertes „konsubstantial“ (kongenial) ist. In dieser einzigartigen Berührung mit dem wahrhaft und autonom in sich Bedeutsamen ist es der Gegenstand, der unseren Geist birgt und umfängt.

Wird fortgesetzt


8. August
Monatsranking: Die Top 12 im Juli

Die Ferienzeit hat das Ranking durcheinandergewirbelt: Die Seite zum Thema Kirche und Nationalsozialismus ist erstmals überhaupt nicht unter den ersten zwölf. Das Thema Pille und Gesundheitsrisiken ist seit Oktober 2009 zum ersten Mal wieder Spitzenreiter. Aufsteiger des Monats sind unsere Zitatensammlung und der Beitrag Spaemanns über die Rationalität des Gottesglaubens.
Zur Rankingseite


8. August
Benedikt XVI., Anwalt der Vernunft (37)

Es war die große Leistung Platons, dass er dieses Drei-Staaten-Schema [der Vorsokratiker] aus der geographischen Einteilung [in die Völker des Nordens, des Ostens/Südens und in Hellas] herausnahm und es statt dessen mit den drei Grundweisen menschlicher Existenz verknüpfte, Politik also an Anthropologie band. Er spricht von drei Seelenteilen im Menschen, aber wir können stattdessen auch einfach von drei Grundweisen der Integration oder Desintegration des Menschen reden. Die Gestalt des Staates wird davon abhängen, welche dieser drei anthropologischen Grundformen die Oberhand gewinnt. Es gibt die Herrschaft des Niedrigsten im Menschen - die Herrschaft der Gier, der Gier nach Habe, nach Macht, nach Lust. Verstand und Herz werden intrumentalisiert für das Niedrige; der Mensch sieht im anderen nur noch den Konkurrenten oder das Instrument für die Ausweitung des eigenen Ich. Markt und Meinung regieren über den Menschen und werden zur Karikatur der Freiheit. Über der Gier steht in Platons anthropologischer Formel der bloße Wille, die Kühnheit des Wagens und Unternehmens, die aber blind bleibt. Die wahre Instanz der Intregration des Menschen ist für Platon der “Nous”, was wir sehr unzulänglich mit Vernunft oder Verstand übersetzen. Gemeint ist die Fähigkeit, die eigentlichen Maße des Seins selbst wahrzunehmen, das Organ für das Göttliche.

Aus: Joseph Kardinal Ratzinger, Europa - Hoffnungen und Gefahren, Sonderdruck Speyer 1990; wieder abgedruckt in: Joseph Cardinal Ratzinger, Wendezeit für Europa? Diagnosen und Prognosen zur Lage von Kirche und Welt, Einsiedeln, Freiburg 1991, S. 82 - 104, hier S. 94 f.

Weitere Zitate zum Thema


7. August
Kommuniondekret

Vor 100 Jahren, am 8. August 1910, erließ der hl. Papst Pius X. das Dekret Quam singulari Christus amore über die Erst- und Frühkommunion. Ferdinand Holböck nennt es die “Krone aller eucharistischen Kundgebungen des Papstes”. Er bringt folgende Auszüge aus dem Dekret (Ferdinand Holböck, Das Allerheiligste und die Heiligen, Stein am Rhein 1979, S. 390 f):

“Das Dekret des IV. Laterankonzils (1215), das noch immer in Geltung ist, bestimmt, dass alle Gläubigen, wenn sie zum Unterscheidungsalter gekommen sind, sofort verpflichtet sind, die heiligen Sakramente der Buße und des Altares wenigstens einmal im Jahr zu empfangen. Nun ist leider in der Frage nach dem Zeitpunkt des Unterscheidungsalters im Lauf der Zeit eine Menge irrtümlicher Ansichten und bedauernswerter Missbräuche entstanden. Man glaubte, anders für das Bußsakrament und anders für den Empfang der heiligen Eucharistie bestimmen zu müssen. In Bezug auf die Beichte trete dann das Unterscheidungsalter ein, wenn das Kind das Gute vom Bösen unterscheiden, das heißt sündigen könne. Für den Empfang der heiligen Kommunion aber - so meinte man - sei das Unterscheidungsalter später anzusetzen, nämlich dann, wenn beim Kind schon eine gewisse Fülle von Glaubenskenntnissen und eine größere geistige Reife vorhanden und daher ein bessere Vorbereitung möglich wäre. So kam man je nach der Verschiedenheit der persönlichen Ansichten dazu, an manchen Orten 10 oder 12 Jahre zum Erstkommunionempfang zu fordern, anderswo sogar 14 oder noch mehr Jahre, alle Kinder aber, welche dieses geforderte Alter noch nicht erreicht hatten, vom Genuss der heiligen Eucharistie einfach auszuschließen. Aus diesem Brauch, die Kinder vom heiligsten Sakrament unter dem Vorwand der Ehrfurcht abzuhalten, ergibt sich eine Reihe von Missständen. Der Kindesunschuld entgeht das innere Wachstum, da sie von der Vereinigung mit Christus, der Lebensquelle, zurückgehalten wird. Ja, noch mehr, die Jugend verliert sogar die Unschuld, da sie in den vielen Gefahren, von denen sie umgeben ist, gerade die stärkste Hilfe entbehren muss; so gerät sie leicht in schwer sündhafte Gewohnheiten, noch bevor sie von den heiligen Geheimnissen des Leibes und Blutes Christi kosten ...”

Dann folgen diese Bestimmungen:

“I. Das zum Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares geforderte Unterscheidungsalter ist beim Kind dann gegeben, wenn es den Vernunftgebrauch zu erlangen anfängt, also in der Regel um das siebte Lebensjahr, eventuell später oder auch früher. In diesem Alter beginnt für das Kind auch die Pflicht, das Doppelgebot der Beichte und Kommunion zu erfüllen.
II. Für die erste Beichte und Kommunion wird aber keineswegs eine umfassende und eindringende Kenntnis der christlichen Glaubenslehre gefordert ...
III. Die vom Kind geforderte Glaubenskenntnis zum würdigen Empfang der Erstkommunion besteht darin, dass es erstens die zur Seligkeit unumgänglich notwendigen Glaubenswahrheiten mit einer seiner geistigen Kraft entsprechenden Kenntnis erfasst; und zweitens dass es das eucharistische Brot von gewöhnlicher Speise zu unterscheiden versteht. Dann soll das Kind mit einer seinem Alter entsprechenden Andacht zum heiligsten Sakrament hinzutreten.”


7. August
Josef Matthias Götz

Vor 250 Jahren, am 7. August 1760, starb in München der Bildhauer und Architekt Josef Matthias Götz. Götz wurde 1696 in Bamberg geboren und war ein Vertreter des Rokoko. Er arbeitete u.a. für die Klöster in St. Nicola (bei Passau), Aldersbach, Fürstenzell, Straubing und Zwettl. Vornehmlich schuf er Altäre.


6. August
Hiroshima und Nagasaki

Vor 65 Jahren, am 6. August 1945, wurde über Hiroshima die Atombombe abgeworfen. Drei Tage später folgte der Atombombenabwurf über Nagasaki, worüber ein interessantes Detail zu berichten wir früher schon die Gelegenheit hatten.


6. August
Neues aus Kolumbien

Im neuesten Rundbrief der Petrusbruderschaft in Kolumbien berichten die Patres Angel Alfaro und Louis Baudon de Mony FSSP von den Fortschritten ihres Apostolats. Unter anderem konnten in diesem Jahr drei Einschulungsklassen eröffnet werden. Der Rundbrief kann im pdf-Format heruntergeladen werden.


6. August
Theologisches

Die neueste Ausgabe von Theologisches (Juli/August 2010) enthält zwei Beiträge von Priestern der Petrusbruderschaft. P. Sven Conrad widmet sich der Frage “Ein Ritus in zwei Formen? Über die Frage der Einheit des Römischen Ritus” (Sp. 239 - 260). In seinen Folgerungen für die Bewertung der Reform hinterfragt er kritisch die Behauptung, bei der Liturgiereform handele es sich um eine organische Entwicklung. Der These Winfried Haunerlands, es handele sich um legitime theologische Akzentverschiebungen, setzt er die Überlegung entgegen: “Wenn aber ein wichtiger theologischer Fortschritt wie z.B. die Klärung des Amtspriestertums und des Messopfers beim Konzil von Trient im liturgischen Ausdruck stark relativiert wird, muss man die Frage stellen, ob dies nicht zur Gefahr werden kann” (Sp. 255).
Der Exeget P. Franz Prosinger setzt seine Überlegungen zum Thema “Staat und Kirche in der Bibel - Ist der Staat eine Institution göttlichen Rechts?” fort.


6. August
Dominus Jesus

Vor zehn Jahren, am 6. August 2000, veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre die Erklärung über die Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche Dominus Iesus. Am selben Tag sieben Jahre zuvor erschien die Enzyklika Veritatis splendor.


5. August
Die Titus Oates-Verschwörung

Von Joseph Spillmann

98. Folge

Im Tower verwandte der ehrwürdige Blutzeuge alle Zeit dazu, sich in Gebet und Betrachtung zum Tode vorzubereiten. Er blieb voll Sanftmut, Heiterkeit, Gottergebenheit bis zum Ende. Als man ihm mitteilte, der König habe das Urteil bestätigt, sagte er zuerst : “Ich muß gehorchen.” Dann wandte er die Worte des Psalmisten auf den Tag der Hinrichtung an: ...
Zum Beitrag


4. August
Randnotizen zur Causa Piusbruderschaft (29):
Die Unfähigkeit zur Scham

Guido Horst bezeichnet in seinem Leitartikel der Tagespost vom 3. August 2010 die Überwindung der unseligen Hermeneutik des Bruchs in der Konzilsinterpretation als eine der Hauptaufgaben des Pontifikats Benedikts XVI. Zurecht stellt er den “der Tradition verpflichteten Konzils-Interpretierern” die “Bruch-Hermeneutiker” entgegen, “die von einer ganz anderen Kirche träumen”.

Es ist an Tragik kaum zu überbieten, dass in diesem geistigen Ringen die Priesterbruderschaft St. Pius X. den Modernisten in die Hände spielt, indem sie deren Bruch-Hermeneutik teilt, die modernistische Konzilsinterpretation zementieren hilft und den Glaubenszerstörern den größten (scheinbaren) Trumpf, die Berufung auf das Konzil, überläßt. Sie hat sich damit vom entscheidenden geistigen Kampf verabschiedet, um sich der Hoffnung hinzugeben, die Kirche werde das Zweite Vatikanische Konzil ungeschehen machen. Ein auch nur flüchtiger Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass diese Hoffnung völlig illusorisch ist. Neueste Äußerungen des Generaloberen Fellay lassen befürchten, dass die Einigungsbemühungen Roms an der hartnäckig festgehaltenen Bruch-Hermeneutik der Piusbruderschaft scheitern werden. Das würde bedeuten, dass der Papst, nachdem ihn die Piusbruderschaft via Williamson in die bis dahin größte Glaubwürdigkeitskrise hineingerissen hatte, mit leeren Händen dastehen wird. Außer Spesen (bzw. einem Scherbenhaufen) nichts gewesen. Wie groß muss eigentlich angesichts dieser Tragödie die Gleichgültigkeit und der Verlust an sentire cum Ecclesia seitens der Piusanhänger sein, darüber keinen Schmerz, und seitens der Verantwortlichen, darüber keine Scham zu empfinden?

Weitere Randnotizen

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