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* * *

1. November
Gedenkschrift für Klaus Gamber

Vor 25 Jahren, im Herbst 1989, erschien unter dem Titel Simandron. Der Wachklopfer die Gedenkschrift für den Liturgiewissenschaftler Klaus Gamber. Sie war als Festschrift für seinen 70. Geburtstag geplant. Doch wegen seines unerwarteten Todes am 2. Juni 1989 wurde aus der Festschrift eine Gedenkschrift.

Der Herausgeber Wilhelm Nyssen versammelte auf 348 Seiten nebst eine Auswahlbibliographie und dem letzten Referat Gambers Beiträge von Hartmut Blersch, Gabriel Bunge, Dom Eligius Dekkers OSB, Konrad Onasch, Hans Quecke, Christa Schaffer, Hans-Joachim Schulz, Michael Schneider, Robert Taft SJ, Achilles M. Triacca, Abraham Andreas Thiermeyer, Paul Mai und außerdem der Kardinäle Joseph Ratzinger, Joachim Meisner und Alfons Stickler und von Bischof Karl Braun.

In seinem Beitrag beklagte Kardinal Ratzinger die konkrete Ausführung der Liturgiereform in ihrem Ergebnis als eine Verwüstung. Über Gamber schrieb er: “Gamber hat die Begeisterung und Hoffnung der alten liturgischen Bewegung von ganzem Herzen mitgetragen. Wohl vor allem, weil er aus einer fremden Schule kam, blieb er in der deutschen Szenerie ein Außenseiter, den man nicht recht gelten lassen wollte; noch jüngst entstand für eine Dissertation eine erhebliche Schwierigkeit daraus, daß der junge Gelehrte zu ausführlich und zu freundlich Gamber zu zitieren gewagt hatte. Aber vielleicht war dieses Außenbleiben auch providentiell, weil es Gamber von selbst zu einem eigenen Weg zwang und ihn des konformistischen Drucks enthob.”


1. November
Gelübde

Vor 100 Jahren, am 1. November 1914, legte der hl. P. Maximilian Kolbe (1894-1941) in Rom bei den Franziskanern seine ewigen Gelübde ab.
Am selben Tag legte in Sanluri der selige Nikolaus von Gesturi Medda OFMCap (1882-1958) bei den Kapuzinern und in Tisis (Vorarlberg) Gustav Gundlach SJ (1892-1963) bei den Jesuiten seine ersten Gelübde ab.


31. Oktober
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Sechster Teil

Wo die Bereitschaft fehlt, Teufel und Dämonen als hochintelligente, willensstarke, aber durch ihre Empörung gegen Gott ganz und gar böse gewordene personale Geistwesen ernst zu nehmen, welche die - wenn auch eingeschränkte - Freiheit besitzen, den Menschen zu versuchen, zu gefährden, ja mitunter zu beherrschen, kann auch kein Verständnis für Besessenheit erwartet werden. Diese Weise der möglichen Einwohnung des bösen Geistes im Menschen ist etwas der Art nach vollkommen anderes als irgendeine körperliche oder seelische Krankheit, so sehr solche natürlichen Krankheiten mit einer Besessenheit verknüpft sein können oder, völlig unabhängig und getrennt von ihr, ähnliche Symptome wie der Zustand der Besessenheit aufweisen mögen. Es ist darum auch der Besessenheit als solcher so wenig mit medizinisch-therapeutischen Maßnahmen beizukommen, wie ein Exorzismus geeignet wäre, jemanden von Typhus oder Tuberkulose zu heilen. Man ersieht daraus, wie sehr jene Äußerung an dem konkreten Problem von Klingenberg vorbeigeht, die H.-J. Fischer in dem oben erwähnten Aufsatz macht: »Bei einer gewissenhaften Behandlung durch Vertreter beider Wissenschaften (gemeint sind Medizin und Theologie; Anmerkung von uns) wäre es auch unerheblich gewesen, sich dergleichen als böse Teufel oder als aus dem Innern des Menschen aufsteigende Wahnideen vorzustellen« (FAZ vom 7.8.76, S. 17). Nein, das ist keineswegs unerheblich. Und man ist dankbar, daß Oskar Simmel SJ hinsichtlich der dämonischen Mächte jüngst klargestellt hat: »Der Mensch ist ihnen zwar nicht ausgeliefert - er steht unter der ausschließenden Herrschaft Gottes -, aber die Mächte können sich seiner bemächtigen, sie können Wohnung in ihm nehmen, ihn zerstören, ihn sich selbst entfremden (vgl. Mt 17, 14; 8,28)« (»Rheinischer Merkur« vom 13.8.76, S. 20). Gewiß kann Besessenheit bestimmte Zustände zur Folge haben, die ein Krankheitsbild liefern - »’Der Starke’ greift nicht die uneinnehmbaren Bastionen des Menschen an, sondern die schwachen Stellen körperlicher und psychischer Art« (Simmel, ebd.) -, was aber nicht berechtigt, das biblisch verbürgte Faktum von Einwohnung des Teufels rein medizinisch zu umschreiben. »Diese Ausdrücke durch Begriffe der modernen Medizin ersetzen wollen, heißt, das innere Ausmaß mancher Krankheiten verkennen. Gerade die ärztliche Kunst von heute zeigt, wie sehr manche Krankheiten über organische und individuelle Verursachung hinausreichen, wie hier Kräfte ins Spiel kommen, über die man nicht nur beim heutigen Stand der, Wissenschaft nicht Bescheid weiß, sondern wo die Medizin überhaupt an eine Grenze gekommen ist.« (Simmel, a. a. O.)

Wer kein Verständnis für das Wesen der Besessenheit hat, dem geht notwendigerweise auch das Verständnis für den Exorzismus ab. Man spricht dann fälschlich von »Glaube oder Aberglaube ... , den bösen Geistern könne man allein durch fromme Worte beikommen« (FAZ vom 7.8.76, S. 17). Das nimmt indes kein Unterrichteter in der Kirche an, die aus zwei Jahrtausenden Erfahrung weiß, wie schwer es sein kann, den Teufel zu überwinden und zum Auszug aus dem von ihm besetzten Menschen zu bewegen. Es verharmlost auch ungebührlich die lange währende und intensive geistliche Bemühung des im konkreten Fall vom Bischof zum Exorzismus ermächtigten Priesters, wenn man leichthin und fast salopp sagt, er »ging hin ... und suchte mit lateinischen Formeln die Geister zu bannen« (FAZ, a. a. O.). Wenn aber schon, wie in den meisten erwähnten Kritiken zu Klingenberg, sowohl die glaubens- wie die wissensmäßigen Grundlagen für eine kompetente Äußerung zu diesen Vorgängen nicht gegeben sind, dürfte man doch eine der Wortmeldung vorausgehende Information an Hand der seriösen Fachliteratur, die es auch zu diesem Themenkreis gibt, erwarten, verbunden mit der Bereitschaft, die Dinge von innen her zu verstehen, mögen sie einem auch noch so fremd erscheinen und bisher unbekannt geblieben sein. Daß man augenscheinlich fast allgemein auf einen solchen ergänzenden Wissenserwerb verzichtet hat, läßt hier zuletzt noch einen Mangel an Ernst und Verantwortung erkennen, der das Bild der Blöße rundet, die sich die Gesellschaft und ihre beruflichen Sprecher in dieser Sache gegeben haben.

d) Versagen der Kirche

Dennoch wollen wir keineswegs an dem Tenor der Proteststimmen vorbeigehen, der vor allem von einem Versagen der Kirche spricht. Es ist durchaus möglich, ein solches zu konstatieren; nur liegt es in ganz anderen Fakten vor, als die Öffentlichkeit vermutet.

Nicht daß P. Rodewyk das von ihm verlangte Gutachten erstellte, nicht daß der Bischof von Würzburg die Erlaubnis zum Exorzismus gab und P. Renz sich mit dessen Ermächtigung dieser schwierigen Aufgabe unterzog, kann der Kirche als Versagen angekreidet werden - denn in all diesen Punkten haben die betreffenden Männer der Kirche im Sinn ihrer Hirtenpflicht und priesterlichen Sendung gehandelt. Aber es gibt andere Momente, die das Wort vom Versagen der Kirche nicht ganz unterdrücken lassen.

An erster Stelle muß hier die mit größtem Nachdruck und unter Einsatz seiner persönlichen wissenschaftlichen Autorität wiederholt vorgebrachte Erklärung Prof. Herbert Haags, Tübingen, genannt werden, daß es nach seiner festen Überzeugung einen Teufel nicht gibt, weder Satan, noch Dämonen, noch sonst einen bösen Geist. Er läßt nur »das Böse« gelten und spricht zum bassen Erstaunen nicht Weniger von der »Tatsache, daß nach dem einmütigen Zeugnis der gesamten Bibel für das Böse in der Welt allein der Mensch verantwortlich ist« (»Die Welt«, Nr. 182, S. 7) - ein geradezu ungeheuerlicher Satz aus dem Munde eines Fachmannes der Bibelwissenschaft. »Haag setzt sich mit der Leugnung des Teufels in radikalen Widerspruch zur Lehre der Kirche«, stellt Winfried Jestaedt in der »Deutschen Tagespost« trocken fest (4.8.76, S. 6). »Darüber wird sich jetzt nicht nur der Bischof von Rottenburg, Dr. Georg Moser als zuständiger Ortsordinarius, sondern darüber werden sich auch die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz und womöglich die Glaubenskongregation im Vatikan ernsthaft Gedanken machen müssen.« (ebd.) Gewiß, Haag ist nicht die Kirche. Aber er lehrt in ihrem Namen - und zwar seit langem schon die merkwürdigsten Dinge. Ob man höheren Orts nun meint, das dulden zu können, oder nicht - daß sich ein Lehrer der Kirche in der gegebenen Situation ungestraft so äußern kann, wie er es getan hat, stellt jedenfalls ein schmerzliches Versagen der Kirche dar. Das läßt sich nicht beschönigen.

wird fortgesetzt

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30. Oktober
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

43. Folge

Wir erlauben uns über diese lutherische Lehre von der Erbsünde noch folgende vorläufige Bemerkungen. Es ist nicht zu verkennen, daß die Gesinnung, die dieses so beschaffene Lehrstück hervorgerufen hat, sehr löblich sei: sie ist offenbar aus einem tiefen Gefühl des menschlichen Elendes, der allgemeinen Sündhaftigkeit und der Erlösungsbedürftigkeit des Menschengeschlechts hervorgegangen, und will dieses Gefühl rege erhalten. Erkennen wir dies freudig an, so dürfte es doch ebenso gewiß sein, daß das genannte Dogma diesen Zweck nur dort erreicht, wo die Macht des Gedankens nicht aufkommt, und dem Drange dunkler Gefühle ohne klares Bewußtsein nachgegeben wird. Es wird nämlich vergessen, daß, nachdem Gott eine solche mechanische Tätigkeit an dem Menschen verübt hat, als da ist die gewaltsame, schon allem vernünftigen, noch mehr aber dem christlich-erleuchteten Denken so tief widersprechende Vertilgung eines natürlich geistigen Vermögens, und zwar seines religiös-moralischen, jenes ihn allein und wahrhaft vor den Tieren auszeichnenden Vorzugs, von gar keiner Sünde mehr von Adam bis auf' Christus gesprochen werden könne, und alles moralische Übel sich in ein physisches umwandle. Wie sollte der Mensch sündigen, der auch nicht einmal die dunkelste Erkenntnis von Gott und seiner Bestimmung haben kann, der nicht einmal das Vermögen, das Heilige zu wollen, nicht einmal Freiheit besitzt? Er mag rasen, er mag wüten und zerstören, aber seine Handlungsweise wird nicht anders, als die eines wilden Tieres gewürdigt werden können.

Die zweite Betrachtung, die sich uns aufdrängt, ist diese, daß durch Luthers Übertreibungen, sobald sie von den Seinigen als unhaltbar erkannt wurde, eine andere Übertreibung notwendig herbeigeführt werden mußte. Von einem Extreme, welches in der Behauptung besteht, daß durch Adams Fall alle höheren guten Keime im ganzen Geschlecht bis auf die letzte Spur vertilgt worden seien, wurde zu dem andern übergegangen, daß der Mensch auch jetzt noch nach jeder Beziehung ebenso beschaffen sei, und ebensogut die Welt erblicke, wie der ursprüngliche. Sobald der Damm in sich starker, aber unerleuchteter Gefühle durchbrochen war, vermochte nichts mehr die Hinwegspülung der ganzen Lehre vom Sündenfalle zu hemmen, da dieselbe in der Tat auch nur von dem verworrensten Gefühl eingegeben und keiner höheren geistigen Tätigkeit irgendein Einfluß bei ihrer Zusammensetzung verstattet worden war.

wird fortgesetzt

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12. Oktober
Die Philosophie Thomas Nagels

Die Zeitschrift Aemaet hat einen Artikel von mir über die Philosophie Thomas Nagels veröffentlicht.


12. Oktober
Wiederverheiratete Geschiedene

Von Prof. Dr. Robert Spaemann

Vorbemerkung ER: Am 8. Oktober veröffentlichte ich auf kath-info einen Text des Philosophen Robert Spaemann (der am 9. Oktober von kath.net übernommen wurde). Es handelte sich um eine Rückübersetzung aus dem Englischen durch Dr. Christof Gaspari, der sie in seiner Zeitschrift Vision 2000 publiziert hatte. Diese Rückübersetzung war zudem gekürzt. Die englische Übersetzung war im August 2014 auf firstthings erschienen. Ich habe nun dank des Autors die Möglichkeit, hier den deutschen Originaltext ungekürzt zu veröffentlichen.

Die Scheidungsziffern in modernen westlichen Gesellschaften sind katastrophal. Sie zeigen, dass die Ehe aufgehört hat, als eine neue, gegenüber den Ehepartnern selbständige Entität betrachtet zu werden, eine Entität, zu deren Auflösung jedenfalls der Wille eines der beiden Ehepartner nicht genügt. Dass auch der Konsens beider nicht genügt, und auch nicht der Wille einer Kirchenversammlung oder eines Papstes, weil der Mensch nach den Worten Jesu nicht trennen kann, was Gott verbunden hat – das ist katholische Lehre. Das christliche Verständnis des richtigen Lebens beansprucht zwar, maßgebend für alle Menschen zu sein. Aber schon die Jünger Jesu waren über die Worte ihres Meisters schockiert: Wer mag denn dann noch heiraten?! Das bedeutet: Der christliche Way of Life steht inzwischen dem in der Welt herrschenden entgegen. Die Kirche in den westlichen Ländern wird nolens volens zu einer Gegengesellschaft, und ihre Zukunft hängt nun vor allem davon ab, dass sie als Salz der Erde nicht schal und von den Leuten zertreten wird.

Die Schönheit der Botschaft erschließt sich nur, wenn sie nicht verwässert wird. Die Versuchung, sie zu verwässern, wird heute begünstigt durch die beunruhigende Tatsache, dass die Scheidungsrate unter Katholiken fast ebenso groß ist wie in säkularen Milieus. Da stimmt offenbar etwas nicht. Es ist gegen alle Vernunft, zu glauben, dass alle zivilrechtlich geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken ihre Überzeugung von der Unauflöslichkeit während ihrer Ehe fundamental in ihr Gegenteil verkehrt haben. Vernünftig ist die Annahme, dass sie bereits bei der Eheschließung gar nicht das klare Bewusstsein hatten, nun die Brücken hinter sich für alle Zeit, das heißt bis zu ihrem Tod, abzubrechen, sodass für sie eine zweite Heirat als Alternative gar nicht existierte.

Und daran ist leider die katholische Kirche nicht unschuldig. Die christliche Ehevorbereitung stellt heute den Brautleuten die Konsequenz einer kirchlichen Trauung sehr oft nicht klar vor Augen. Sonst würden nämlich viele Paare auf eine kirchliche Trauung verzichten. Für andere dagegen wäre eine gute Ehevorbereitung Anstoß zu einer Bekehrung. Der Gedanke ist faszinierend, dass die Verbindung eines Mannes mit einer Frau in die Sterne geschrieben ist und niemand sie von dort herunterholen kann, „in bösen Tagen so wenig wie in guten“. Dieses Bewusstsein ist eine wunderbare und beglückende Kraftquelle, wenn es um die Bewältigung von Ehekrisen und um die Wiederbelebung der alten Liebe geht.

Stattdessen wird innerhalb der Kirche, auch von Kardinälen und Bischöfen, eine Alternative erwogen und empfohlen, die einer Kapitulation vor dem säkularen Mainstream gleichkommt. Heilmittel des Ehebruchs soll nämlich nicht mehr Reue, Verzicht und Vergebung sein, sondern Zeit und Gewohnheit. Zeit und Gewohnheit soll ein ehebrecherisches Konkubinat unter der Hand verwandeln in eine gottgefällige Beziehung, auf die von der Kirche der Segen Gottes herabgerufen wird. Dann ist es natürlich nur konsequent, auch homosexuelle Partnerschaften zu segnen.

Hier liegt aber ein tiefer Irrtum. Die Zeit ist nicht schöpferisch. Sie stellt die Unschuld nicht wieder her. Die Zeit wirkt vielmehr immer im Sinn der Entropiezunahme. Alle Ordnungen der Natur werden der Entropie abgerungen und fallen ihr am Ende zum Opfer. Anaximander schreibt: Woraus die Dinge entstehen, dahinein vergehen sie auch, nach der Ordnung der Zeit. Schlimm ist es, wenn das Prinzip des Verfalls und des Todes schöngeredet wird, und wenn das allmähliche Absterben des Schuldbewusstseins verwechselt wird mit dem Schwinden der Schuld.

Schon Aristoteles lehrte, dass eine zur Gewohnheit gewordene Sünde eine tiefere Depravation darstellt als ein einmaliger Fehltritt, der noch von Gewissensbissen begleitet ist. Das gilt vor allem im Fall des Ehebruchs, wenn durch ihn und durch seine Legalisierung neue Strukturen entstanden sind, die ohne Schmerzen und Gewaltsamkeit meist nicht wieder aufgelöst werden können. Thomas von Aquin spricht in solchen Fällen von „perplexitas“, das heißt von Situationen, aus denen man sich nicht befreien kann, ohne so oder so schuldig zu werden. So im Fall eines einmaligen Ehebruchs: Soll der Ehebrecher seinem Ehepartner den Ehebruch bekennen oder nicht? Wenn er bekennt, rettet er eventuell die Ehe und zerstört nicht dauerhaft das Vertrauensverhältnis durch eine Lüge. Wenn er die Wahrheit sagt, kann es aber auch sein, dass er die Ehe erst recht gefährdet. Beichtväter raten deshalb wohl oft vom Geständnis ab. Thomas von Aquin schreibt übrigens, dass man in eine solche perplexitas nicht ohne eigene Schuld gerät, was er als Strafe Gottes für die anfängliche Sünde betrachtet.

Mitchristen in solchen Situationen beistehen, ihnen mit Empathie begegnen, sie der Solidarität der Gemeinde vergewissern, sind Werke der Barmherzigkeit. Die Spendung der Eucharistie aber ohne Reue oder ohne Beseitigung der irregulären Situation wäre eine Versündigung gegen das Sakrament, die heute sehr häufig ist. Warum haben die Liturgiereformer ausgerechnet sowohl am Gründonnerstag als auch an Fronleichnam aus dem Text der Lesung aus dem Korintherbrief über die Eucharistie die Pointe dieser ganzen Epistel gestrichen, in der vor dem „unwürdigen Empfang des Leibes Christi“ gewarnt wird: „Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht“? Wenn man sieht, wie Sonntag für Sonntag alle Messbesucher zur Kommunion gehen, so fragt man sich, ob die katholischen Gemeinden nur noch aus Heiligen bestehen?

Aber noch ein Letztes, das eigentlich das Erste sein müsste: Die Kirche bekennt, dass sie im Umgang mit dem Kindesmissbrauch zu wenig die Opfer im Blick hatte. Das geschieht hier wieder. Wer redet eigentlich über die Opfer? Wer redet von der Frau mit vier Kindern, denen Ehemann und Vater weggelaufen ist? Sie wäre vielleicht bereit, ihn wieder aufzunehmen, und sei es aus Gründen der Versorgung. Aber er hat sich eine neue Familie zugelegt und denkt gar nicht an Rückkehr. Inzwischen ist Zeit vergangen. Der Ehebrecher möchte gern wieder zur Kommunion. Er ist bereit, ein Schuldbekenntnis abzulegen, nicht aber den Preis zu zahlen: künftige Enthaltsamkeit. Die verlassene Frau ist gezwungen, mit anzusehen, wie die Kirche den neuen Bund akzeptiert und segnet. An die Stelle der Formel „bis der Tod euch scheidet“ müsste die neue Formel treten, die im Ernst schon vorgeschlagen wird: „bis die Liebe eines der beiden erkaltet“. Das Verlassen des schuldlosen Partners wird noch zusätzlich von der Kirche abgesegnet. Die Ersetzung der Eheschließung durch einen Segnungsgottesdienst ist Augenwischerei und betrügt die Leute.


12. Oktober
Drei

Vor 125 Jahren, am 12. Oktober 1889, wurden drei Philosophen bzw. Theologen geboren: Erich Przywara, Hans Ludwig von Arnim und Dietrich von Hildebrand.


12. Oktober
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden der Beitrag von Urs Keusch Hündchen besiegt US-Kampftruppe und von Eduard Kamenicky Hebe den Stein auf ... Mut zur Begegnung mit Gott untergebracht. Die Rezension meines Communio-Aufsatzes über naturalistische Ethik finden Sie auf der Seite mit weiteren Beiträgen zu diesem philosophischen Thema.


11. Oktober
Der Geist des Konzils

Ein Blick auf seine Deutungsgeschichte

Von Bischof Rudolf Voderholzer

Zweiter und letzter Teil

Wenige Wochen nach Beendigung des Konzils hält es der Papst offenbar selbst für notwendig, die Frage zu beantworten: Che cosa s’intende per „spirito del Concilio“? Er beantwortet sie in einer Ansprache bei der Audienz vom 29.12.1965. Diese kurze Rede ist bislang kaum beachtet und auch nicht ins Deutsche übersetzt. Der Papst führt aus: „Der erste Aspekt des ,Geistes des Konzils‘ ist der Eifer. Das ist klar. Dieses allererste Ziel strebte das Konzil an, nämlich im Volk Gottes ein Aufwachen, eine Bewusstheit, guten Willen, Hingabe, Eifer, neue Vorsätze, neue Hoffnungen, neue Tätigkeiten, geistliche Kraft, Feuer zu wecken. […] Ein Verlangen nach Authentizität, Großmut, Vollkommenheit und Heiligkeit […]: durch ein neu erwachtes Bewusstsein seiner Berufung und durch einen lebhaften Spürsinn der Verteidigung gegen das Eindringen des Geistes der Zeit und auch durch einen wiedererwachten apostolischen Wagemut, die moderne Welt, wie sie ist, mit dem heilsamen Sauerteig der Botschaft des Evangeliums zu durchsetzen.“ Es handelt sich also weniger um eine inhaltlich zu bestimmende Größe, als vielmehr eine Haltung, eine Tugend, man könnte sagen: Paul VI. versteht hier unter „Geist des Konzils“ eine Art von „Begeisterung“, eine Leidenschaft für das Evangelium und seine Verwirklichung durch die Kirche in all ihren Lebensbereichen. Eine missionarische Begeisterung und auch eine leidenschaftliche Hinwendung zur Suche nach Heiligkeit. Wiederum stellt er den „Geist des Konzils“ dem Geist der Welt entgegen.

Ein Jahr nach Beendigung des Konzils findet sich die Rede vom „Geist des Konzils“ schließlich auch im Munde der Deutschen Bischöfe. In ihrem Hirtenwort im Anschluss an die Vollversammlung der DBK vom 27. bis 30. September 1966 in Fulda sprechen die Bischöfe von der bevorstehenden Liturgiereform und warnen vor zwei extremen und je auf ihre Weise gefährlichen Gegnern: „die Verständnislosen, die starr an dem Vergangenen festhalten, und die Ungeduldigen, die nicht anerkennen wollen, dass man den zweiten Schritt nicht zugleich mit dem ersten tun kann. Beide liefern die Argumente für ihre Fehlhaltung, beide sind vom Geist des Konzils gleich weit entfernt.“ Der Begriff wird also hier als Beschreibung der gesunden Mitte zwischen unbeweglicher Beharrlichkeit und ungestümer Reformwut in Bezug auf die Durchführung der durch Sacrosanctum concilium geforderten und angestoßenen Liturgiereform verwendet. Die Rede vom „Geist des Konzils“ ist päpstlich und bischöflich legitimiert. Sie steht freilich nicht im Vordergrund und beansprucht nicht, der Generalschlüssel für alle Fragen der Interpretation und Umsetzung des Konzils zu sein.

Wie verwendete Joseph Ratzinger, einer der bedeutendsten Periti, Berichterstatter und Kommentatoren des Konzils, den Begriff „Geist des Konzils“? In seinem 1966 erschienenen kleinen Band „Die letzte Sitzungsperiode des Konzils“ spricht Joseph Ratzinger davon, dass der Text und die Lösungen, die das Zweite Vatikanische Konzil liefern, in seiner Bedeutung für die Kirche beinahe überboten wird von dem „hinter ihm stehenden Ethos, das eine neue Art kirchlichen Redens hervorbrachte“. Geradezu enthusiastisch identifiziert der damalige Professor in Münster den „Geist des Konzils“ mit dem Pfingstgeist, der zu einer neuen Sprache der Verkündigung und Lehre befähigt. Papst Johannes XXIII. hatte die Rede vom Zweiten Vatikanischen Konzil als ein „neues Pfingsten“ geprägt. Er verband damit die große Hoffnung, dass die Kirche eine wirkliche Erneuerung im Heiligen Geist erfahre, dass sie in dem großartigen und einmütigen Glaubenszeugnis angesichts der modernen Welt wirklich in allen Sprachen spricht, dass jeder sie verstehen kann. Diese Vision muss auch für den jungen Konzilstheologen Joseph Ratzinger leitend gewesen sein. Seine Beiträge für das Konzil, angefangen bei der Genueser Rede (Entwurf für Kardinal Frings, 1961), in der er empfiehlt, die Kirche möge alles ablegen, was das Glaubenszeugnis unnötig erschwert, über die Randbemerkungen an den Schemata, in denen er immer wieder auf den mangelnden ökumenischen und pastoralen Sprachstil hinweist, bis zu den Entwürfen für die Konzilsreden von Kardinal Frings, in denen er nicht zuletzt die allzu schulmäßige Sprache kritisiert.

Nur sieben Jahre später klingt es bei Joseph Ratzinger wesentlich nüchterner. In einem Vortrag zum 10. Jahrestag der Konzilseröffnung beklagt er die Korrumpierung des Begriffs: „[…] wie schnell [konnten] die tatsächlichen Aussagen und Absichten des Vaticanum II der Vergessenheit anheimfallen […], um zunächst durch die Utopie eines kommenden Vaticanum III und dann durch Synoden abgelöst zu werden, die vom Vaticanum II allenfalls den ,Geist‘, aber nicht die Texte gelten lassen – den Geist, das bedeutet hier: die Zuwendung zur Zukunft als dem Feld der unbegrenzten Möglichkeiten.“ So Joseph Ratzinger in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks am 8.10.1972.

Drei Schritte können zu dieser Entwicklung geführt haben: Die Denkfigur „Geist des Konzils“ wurde von Vertretern eines eher utopistischen Geschichtsverständnisses in Beschlag genommen, vom Buchstaben des Konzils gelöst und gleichzeitig rückt die Rede auf zu einem Universalschlüssel. Als Beleg könnte man einen Vortrag von Karl Rahner anführen, den dieser noch vor Abschluss des Konzils im Februar 1965 gehalten hat. Rahner sagt hier:

„Habe ich wenig vom Konzil geredet? Ich meine nicht, auch wenn es natürlich wahr bleibt, dass ich nur sehr weniges berühren konnte aus dem Kirchendekret unter sehr vielem anderen, das jetzt wie ein trockenes Samenkorn aussieht und morgen zu unerwarteter Fülle erblühen wird. Ich meine nicht. Denn das Wichtigste an diesem Konzil sind nicht die Buchstaben der Dekrete, die erlassen wurden. Schon darum nicht, weil sie erst noch in Leben und Tat durch uns alle übersetzt werden müssen. Der Geist, die letzten Tendenzen, Perspektiven und Sinnspitzen dessen, was da geschah, sind das Wichtigste.“

Im Kontext eines Vortrages für Studierende kann man Karl Rahner hier durchaus auch richtig verstehen, in dem Sinne, wie auch Paul VI. den „Geist des Konzils“ als Begeisterung für eine neue, lebendige Evangeliumsverkündigung und Kirchlichkeit verstanden hatte und diesen Geist auch zu befeuern versucht hatte.

Aber im Unterschied zu Paul VI. kommt bei Rahner ein Zungenschlag herein, der den Buchstaben der Texte eher marginal erscheinen lässt. Hatte Paul VI. den „Geist des Konzils“ an die gewissenhafte Umsetzung der Dekrete geknüpft, sei es nach Rahner entscheidend, „Tendenzen, Perspektiven und Sinnspitzen“ zu erkennen, die offenbar jenseits der Texte anzusiedeln sind.

Demgegenüber gibt Joseph Ratzinger in seinem Interview „Zur Lage des Glaubens“ aus dem Jahr 1985 erneut und sehr dezidiert zu bedenken, dass die wahre Rezeption des Konzils noch gar nicht begonnen habe. Seine Dokumente seien umgehend von einem Wust oberflächlicher Deutungen zugeschüttet worden und müssten erst wieder freigelegt werden. Die entsprechende Interviewpassage des Präfekten der Glaubenskongregation mündet in die Aussage: „Die Lektüre des Buchstabens der Dokumente wird uns ihren wahren Geist entdecken lassen können.“ Buchstabe und Geist sind zu unterscheiden. In der Lektüre, so sagt der Kardinal, wird sich der Geist entdecken lassen. Es bedarf also einer Anstrengung und einer Verstehensbemühung.

Mit der Aussage, dass der Geist im Buchstaben verborgen liegt, ist ein Grundsatz schon der Bibelhermeneutik angesprochen, der natürlich im Hintergrund aller Rede vom Buchstaben und Geist präsent ist (vgl. 2 Kor 3). Der Geist ist der Geist Christi, und nur im Blick auf Christus erschließt sich der Geist des Buchstabens der Schrift (= unseres Alten Testaments). Die Erkenntnisse der Bibelhermeneutik müssen auch bei der Rede vom „Geist des Konzils“ bedacht werden. Die Darstellung der Position Ratzingers in unserer Frage wäre freilich nicht vollständig, wenn nicht abschließend ein sehr schönes Wort aus dem Vorwort zu Band 7 der JRGS (= Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften, worin alle oben genannten Texte auch versammelt sind) vom 2. August 2012 in Erinnerung gerufen würde. Es bezieht sich auf Kardinal Frings, dem Joseph Ratzinger als Peritus zur Seite stehen durfte. „Die Bischöfe wussten sich als Lernende in der Schule des Heiligen Geistes und in der Schule der gegenseitigen Zusammenarbeit, aber gerade so als im Glauben lebende und wirkende Diener des Gotteswortes. Die Konzilsväter konnten und wollten nicht eine neue, eine andere Kirche schaffen. Dafür hatten sie weder Vollmacht noch Auftrag. ... In Kardinal Frings hatte ich einen ,Vater‘, der diesen „Geist des Konzils“ beispielhaft lebte. Er war von großer Offenheit und Weite, aber er wusste auch, dass nur der Glaube ins Freie, in die Weite hinausführt, die der positivistischen Einstellung verschlossen bleibt.“

Zum ersten Teil


11. Oktober
Revision der kirchlichen Lehre?

Vor 50 Jahren, am 29. Oktober 1964, forderten auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil die beiden Kardinäle Leo Suenens und Paul Emile Léger und der Patriarch von Antiochien Maximos IV. Sayegh, die kirchliche Lehre über die eheliche Moral und die Geburtenkontrolle zu überdenken und zu revidieren. Papst Paul VI. behielt sich die Entscheidung vor. Erst 1968 gab er seine Entscheidung in der Enzyklika Humanae vitae bekannt. Sie fiel gegen das Mehrheitsvotum der theologischen Kommission aus, die er zum Studium dieser Fragen eingesetzt hatte. In der Zwischenzeit hatte die Öffentlichkeit den Eindruck gewonnen, dass die Kirche ihren Lehrstandpunkt in dieser Frage suspendiert hätte. Die Enttäuschung jener, die eine Änderung der Lehre erwarteten, war dann um so größer. Eine ähnliche Situation durchleben wir gegenwärtig in der Frage der Kommunionzulassung von “wiederverheirateten” Geschiedenen.


11. Oktober
Louis Bouyer

Vor zehn Jahren, am 22. Oktober 2004, starb in Paris im Alter von 91 Jahren der Theologe Louis Bouyer. In Paris geboren, studierte er bei Auguste Lecerf und Otto Cullmann Theologie und konvertierte 1939 aufgrund seiner Beschäftigung mit den Kirchenvätern zur katholischen Kirche. 1944 zum Priester geweiht, wurde er in der Folge zu einem der angesehensten Theologen des 20. Jahrhunderts. Zunächst war er ein Vorkämpfer der Liturgiereform, wurde dann aber angesichts des Ergebnisses zu einem ihrer Kritiker.
Berühmt wurde sein Buch Le Métier de Théologien, Entretiens avec Georges Daix, das 1979 in Paris und 1980 in deutscher Sprache erschien (Das Handwerk des Theologen). Es enthält ein Kapitel mit dem selbstredenden Titel “Die Liturgiereform und ihre Fehlleistungen”. Er kritisiert unter anderem die Umwandlung der Altäre in Tische, die Eliminierung des Opfercharakters der hl. Messe, die Entsakralisierung und die übertriebene Reform des Heiligenkalenders. Mit Dom Lambert Beauduin lobt er das Konzil von Trient, weil es die traditionelle Liturgie nicht angetastet habe, weil man sie sonst zerstört hätte, um im Blick auf die Zeit seit dem Zweiten Vatikanum hinzuzufügen: “Genau das haben wir seit dem Konzil feststellen können...”


11. Oktober
Luis Kondor

Vor fünf Jahren, am 28. Oktober 2009, starb in Fatima im Alter von 81 Jahren Luis Kondor SVD, der Vizepostulator für die Heiligsprechung der Seherkinder von Fatima.


10. Oktober
Monatsranking

Platz Monatsranking Spetember 2014
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 535 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/- 0
3

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+/- 0
10

R. Klesse: Der Todeswunsch aus psychiatrischer Sicht

- 4
20

Recktenwald: Tolkiens christliche Botschaft

- 1
30

Christian Spaemann: Die gegenwärtige Psychotherapieszene und die Frage nach dem Sinn

- 8
40

Der Papst und die Kondome

+ 33
50

Recktenwald: Die Bedeutung des Engelglaubens

- 11
60

711: Der Islam erobert Spanien

+ 20
100

Richard Wurmbrand / Paulos Faraj Rahho / Metodio Domenico Trcka

- 63

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10. Oktober
Marie-Euphrasie Pelletier

Vor 200 Jahren, am 20. Oktober 1814, trat die hl. Marie-Euphrasie Pelletier (1796-1868) in Tours in den Orden der Schwestern U.L.F. von der christlichen Liebe ein, der auf Initiative des hl. Jean Eudes gegründet worden war.


10. Oktober
Schönstatt

Vor 100 Jahren, am 18. Oktober 1914, schloss P. Josef Kentenich im Michaelskapellchen in Vallendar ein Liebesbündnis mit der allerseligsten Jungfrau Maria. Das war für ihn die Geburtsstunde der Schönstatt-Bewegung.


9. Oktober
Theodor Lipps

Vor 100 Jahren, am 17. Oktober 1914, starb in München im Alter von 63 Jahren der Philosoph Theodor Lipps. Zu seinen Schülern zählten Dietrich von Hildebrand, Johannes Daubert, Adolf Reinach, Alexander Pfänder, Otto Selz, Aloys Fischer und Moritz Geiger.


9. Oktober
San Damiano

Vor 50 Jahren, am 16. Oktober 1964, hatte Rosa Quattrini, Mama Rosa genannt, in San Damiano nach eigenen Angaben ihre erste Muttergotteserscheinung. Die Erscheinungen wurden von der Kirche nie anerkannt. Nach dem Zeugnis ihres Pfarrers Edgardo Pellacani, der von der Kirche suspendiert wurde, hielt der hl. Pater Pio, bei dem Rosa manchmal beichtete, die Erscheinungen für echt.


9. Oktober
Friedrich Gustav Piffl

Vor 150 Jahren, am 15. Oktober 1864, wurde in Landskron Friedrich Gustav Piffl geboren. Er wurde 1913 Erzbischof von Wien und 1914 Kardinal. Am 21. April 1932 starb er in Wien.


9. Oktober
Horst Mertens

Vor einem Jahr, am 14. Oktober 2013, starb im Alter von 86 Jahren Horst Mertens, Mitbegründer des Initiativkreises Köln und der bis heute jährlich stattfindenden Kölner Liturgischen Tagung.


9. Oktober
Erzbischof Christoph Anton Migazzi

Vor 300 Jahren, am 14. Oktober 1714, wurde Christoph Anton Graf Migazzi geboren, der der am längsten regierende Bischof von Wien in der Kirchengeschichte wurde.


9. Oktober
Bernardino Realino

Vor 450 Jahren, am 13. Oktober 1564, trat in Neapel der hl. Bernardino Realino (1530-1616) in den Jesuitenorden ein. 1947 wurde er heiliggesprochen.


8. Oktober
Heiligsprechung

Vor fünf Jahren, am 11. Oktober 2009, wurden Damian de Veuster und Rafael Baron heiliggesprochen.


8. Oktober
Domenico Kardinal Ferrata

Vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1914, starb in Rom im Alter von 67 Jahren Domenico Kardinal Ferrata. Der hl. Papst Pius X ernannte ihn 1908 zum Präfekten der neu errichteten Kongregation für die Sakramentenordnung, 1914 zum Sekretär des Heiligen Offiziums.


7. Oktober
Islam vs. Islamismus

Es gibt längst eine innerislamische Kritik am Islamismus, und es gibt zahlreiche Versuche, offenere Modelle eines islamischen Selbstverständnisses zu entwickeln. Für Ersteres steht etwa der Ägypter al-Ashmawi, der in seinem 1987 erschienenen Buch «Der politische Islam» das islamistische Gedankengut scharf verurteilte. An der Universität Ankara – das wäre ein Beispiel für Letzteres – sind in den letzten Jahrzehnten neue, der Hermeneutik verpflichtete kritische Methoden der Koranexegese ausgearbeitet worden. – Solche Stimmen sollte man unterstützen, sowohl in der islamischen Welt als auch in Europa, wo sich gerade ein differenzierter öffentlicher Diskurs über solche Fragen entwickelt, wie etwa die grosse Tagung «Horizonte der islamischen Theologie» an der Universität Frankfurt Anfang September gezeigt hat. Aber das tut man nicht, indem man jede Form von neuer und subtiler Hermeneutik als «Islam light» diffamiert und radikale Positionen als den «eigentlichen» Islam bezeichnet – was nur Fundamentalisten in die Hände spielt.

Der Islam-Wissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Rudolph in seinem Artikel Schluss mit den Vorurteilen! in der NZZ vom 1. Oktober 2014


7. Oktober
Islamisches Menschenbild

Das islamische Menschenbild geht auf die Vorstellung zurück, dass Allah die Menschheit als Muslime geschaffen hat, dass alle Nichtmuslime deshalb eigentlich Abtrünnige sind. Folglich kann es im Islam auch keine Unterscheidung zwischen Schöpfungsordnung und Heilsordnung geben. Ebenso wenig ist eine Unterscheidung zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt möglich, wie es auch kein Naturrecht geben kann, das für alle Menschen, auch die „Ungläubigen“, unterschiedslos moralischer Maßstab ist. Und damit können auf islamischer Grundlage auch keine allgemeinen Menschenrechte anerkannt werden. Nur die Scharia kann hier als wahres Recht anerkannt werden.

Prof. Dr. Martin Rhonheimer im Interview Antithese zum Christentum mit Stefan Meetschen in der Tagespost, Ende September 2014.


7. Oktober
Don Bosco und Maria Mazzarello

Vor 150 Jahren, am 7. Oktober 1864, begegneten sich in Mornese zum ersten Mal der hl. Don Bosco (1815-1888) und die hl. Maria Mazzarello (1837-1881). Diese gründete 1872 die Töchter Mariä, Hilfe der Christen, die für Mädchen das leisten sollten, was die Salesianer Don Boscos für Jungen taten.


6. Oktober
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

28. Folge

In vielen Beziehungen ist also diese geistige Zeugung der sinnlichen nach ihrem idealen Gehalte nicht nur gleich, sondern auch überlegen; gerade die Bezeugung des Zeugenden ist hier formell vollkommener, weil sie denselben nicht nur erkennen läßt, sondern auch die Erkenntnis selbst in sich enthält. Aber in der Realität und Selbständigkeit des erzeugten Gleichbildes bleibt sie weit hinter der materiellen Zeugung zurück; denn ihr Produkt ist kein substantiales, auf das die substantiale Natur des Zeugenden übergehen könnte, und darum auch kein neues, selbständiges Wesen. So ist es schwer zu sagen, auf welcher Seite die Zeugung wahrer und vollkommener sich verifiziere. Sie ist Ausprägung, Bezeugung der Natur in ihrem Gleichbilde auf beiden Seiten, in der materiellen und in der geistigen Natur, und darum die eigentümlichste und charakteristischste Betätigung der Natur überhaupt; aber auf der einen Seite kann sie es bloß zu einem realen, auf der andern bloß zu einem idealen Gleichbilde bringen. Würden wir also nicht das Ideal der Zeugung, die vollkommenste Zeugung vor uns finden, wenn es uns gelänge, eine Produktion nachzuweisen, deren Produkt zugleich das ideale und reale Gleichbild und so im eminenten Sinn ein gesprochenes und sprechendes Bild des Zeugenden wäre?

In Gott, wo alles, was in den Kreaturen zerstreut vorkommt, eins ist, zeigt uns der Glaube die Produktion des Wortes aus dem Schoße des Vaters. Dieses Wort ist ein ideales Bild seines Prinzips, weil es aus seiner Erkenntnis hervorgeht und sie bezeugt; es ist aber auch zugleich ein reales, substantiales, persönliches Bild, weil nicht nur die Erkenntnis, sondern auch der Gegenstand derselben, das Wesen der ersten Person, welches mit der Erkenntnis real eins ist, in diesem Worte ausgeprägt und demselben eingeprägt wird. Die zweite Person in der Gottheit wird eben dadurch hervorgebracht, daß die erste sich selbst aussprechen und bezeugen, ihre Natur ausprägen und offenbaren will; sie erhält die Natur des Vaters eben, um dieselbe in sich darzustellen und zu offenbaren. Was fehlt ihr also, um zu sagen, daß sie wahrhaft gezeugt sei, ja daß ihre Zeugung das vollendete Ideal aller Zeugung sei, und daß, gemäß den Worten der Heiligen Schrift, nach der zeugenden Vaterschaft ihres Prinzips alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden genannt werde? [26] Obgleich nämlich wir den Begriff der Zeugung von den Geschöpfen auf Gott übertragen, weil wir ihn aus den Geschöpfen bilden, so sehen wir doch ein, daß das Objekt dieses Begriffes im reinsten und vollkommensten, im idealen Sinne ursprünglich sich nur in Gott findet und deshalb die entsprechende Produktion der Geschöpfe nur sekundär und teilweise den Namen der Zeugung verdiene [27].

Anmerkungen:

[26] "Flecto genua mea ad Patrem Domini nostri Iesu Christi, ex quo omnis paternitas in coelis et in terra norninatur" (Eph 3, 14-15).

[27] Der heilige Thomas erklärt in der "Summa contra gentiles" (l. 4, c. II), nachdem er in analoger Weise wie wir das Wesen der Produktion des Sohnes und alles, was die Heilige Schrift von derselben sagt, aus der Idee des "Verbum" entwickelt hat, insbesondere die in der Heiligen Schrift vorkommenden Ausdrücke, durch welche die an sich durchaus einfache Zeugung Gottes nach verschiedenen Seiten durch die mannigfachen Momente, die bei der geschöpflichen Zeugung auseinanderfallen, charakterisiert wird. Die ganze Entwicklung verdiente zwar hier mitgeteilt zu werden, indes müssen wir uns des Raumes wegen auf die Schlußpartie beschränken.
"Considerandum est etiam quod id, quod generatur, quandiu in generante manet, dicitur esse conceptum. Verbum autem Dei ita est a Deo genitum, quod tamen ab ipso non recedit, sed in eo manet, ut ex superioribus patet. Recte ergo Verbum Dei potest dici a Deo conceptum. Hinc est quod Dei Sapientia dicit: Nondum erant abyssi, et ego iam concepta eram (Prv 8, 24).
Est autem differentia inter conceptionem Verbi Dei et materialem conceptionem, quae apud nos in animalibus invenitur, Nam proles, quandiu concepta est et in utero clauditur, nondum habet ultimam perfectionem, ut per se subsistat, a generante secundum locum distinctum: unde oportet, quod in corporali generatione animalium aliud sit genitae prolis conceptio atque aliud partus ipsius, secundum quem etiam loco separatur proles genita a generante, ab utero generantis egrediens. Verbum autem Dei, in ipso Deo dicente existens, est perfectum, in se subsistens, distinctum a Deo dicente: non enim exspectatur ibi localis distinctio, sed sola relatione distinguuntur, ut dictum est. Idem est ergo in generatione Verbi Dei et conceptio et partus; et ideo, postquam ex ore Sapientiae dictum est: Ego iam concepta eram, post pauca subditur: Ante colles ego parturiebar (Prv 8, 25).
Sed quia conceptio et partus in rebus corporalibus cum motu sunt, oportet in eis quandam successionem esse: cum conceptionis terminus sit esse concepti in concipiente; terminus autem partus sit esse eius, qui paritur distinctum a pariente. Necesse est igitur in corporalibus quod id quod concipitur, nondum sit; et id quod parturitur, in parturiendo non sit a parturiente distinctum. Conceptio autem et partus intelligibilis verbi non est cum motu, nec cum successione: unde simul dum concipitur, est; et simul dum parturitur, distincturn est; sicut quod illuminatur, simul dum illuminatur, illuminatum est, eo quod in illuminatione successio nulla est. Et cum hoc inveniatur in intelligibili verbo nostro, multo magis competit Verbo Dei: non solum quia intelligibilis conceptio et partus est; sed quia in aeternitate existit utrumque, in qua prius er posterius esse non possunt. Hinc est quod, postquam ex ore Sapientiae dictum est, Ante colles ego parturiebar; ne intelligeretur quod, dum parturiretur, non esset, subditur: Quando praeparabat coelos, aderam (Prv 8, 27): ut sic, cum in generatione carnali animalium prius aliquid concipiatur, deinde parturiatur, et deinde conveniat sibi adesse parturienti, quasi sibi consociatum ut ab eo distinctum; haec omnia in divina generatione simul esse intelligantur; nam Verbum Dei simul concipitur, parturitur et adest.
Et quia quod paritur, ex utero procedit, sicut generatio Verbi Dei, ad insinuandum perfectam distinctionem eius a generante, dicitur partus, simili ratione dicitur generatio ex utero, secundum illud Psalmi: Ex utero ante luciferum genui te (Ps 109, 3). Quia tamen non est talis distinctio Verbi a dicente quae impediat Verbum esse in dicente, ut ex dictis patet; sicut ad insinuandam distinctionem Verbi, dicitur parturiri, vel ex utero genitum esse; ita, ad ostendendum quod talis distinctio non excludit Verbum esse in dicente, dicitur, quod est in sinu Patris (Io 1, 18).
Attendendum autem quod generatio carnalis animalium perficitur per virtutem activam et passivam: et ab aectiva quidem virtute dicitur pater, a passiva vero dicitur mater. Unde eorum, quae ad generationem prolis requiruntur, quaedarn conveniunt patri quaedam conveniunt matri: dare enim naturam et speciem prolis competit patri; concipere autem et parturire competit matri, tanquam patienti et recipienti. Cum autem processio Verbi secundum hoc dicta sit esse quod Deus seipsum intelligit; ipsum autem divinum intelligere non est per aliquam virtutem passivam, sed quasi activam, quia intellectus divinus non est in potentia, sed actu tantum: in generatione Verbi Dei non competit ratio matris, sed solum patris. Unde quae in generatione carnali distinctim patri et matri conveniunt, omnia in generatione Verbi Patri attribuuntur in Sacris Scripturis: dicitur enim Pater et dare Filio vitam et concipere et parturire (Io 5, 26)."

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


5. Oktober
Verdrehung

Über Deschners Arbeitsweise, die als wissenschaftlich daherkommt, muss nicht viel gesagt werden. In subjektiver Auswahl hat er fleißig Quellen- und Literaturzitate gesammelt, die er collageartig zusammenstellt und mit seinen bissigen Kommentaren würzt. Oft werden diese Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und so verdreht, dass sie schließlich in sein Konzept passen. Die benutzte Literatur ist oft veraltet, neuere Forschungen nimmt der Autor nicht zur Kenntnis.

Prof. Lutz E. von Padberg in seiner Rezension von Band 10 von Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums. Die Rezension erschien in ideaSpezial Nr. 5.2014.
Als Korrektiv solcher und ähnlicher Darstellungen der Kirchengeschichte ist das Buch von Michael Hesemann Die Dunkelmänner sehr zu empfehlen, aus dem auf kath-info ein Teil des Kapitels über die Kreuzzüge veröffentlicht ist.


5. Oktober
Fulgencio Torres

Vor 100 Jahren, am 5. Oktober 1914, starb in New Norcia, Australien, im Alter von 53 Jahren der in Ibiza auf den Balearen geborene Fulgencio Torres OSB. 1886 in Montserrat bei den Benediktinern eingetreten, empfing er drei Jahre später die Priesterweihe. 1896 wurde er auf den Philippinen Superior des Klosters von Mindanao, 1902 Abt des 1846 gegründeten Dreifaltigkeitskloster im westaustralischen New Norcia (Neu Nursia). 1908 gründete er in dieser Eigenschaft 2000 Meilen weiter nördlich unter vielen Gefahren die OSB-Mission Drydale River in Nordwestaustralien. Das Missionsgebiet ist mit fast 100.000 Quadratkilometern größer als Österreich, aber extrem dünn besiedelt. 1910 wurde er Apostolischer Administrator von Kimberly.


4. Oktober
Jesus, einzigartig

Von Peter Kreeft

Es handelt sich bei diesem Text um das 7. Kapitel des empfehlenswerten Buches Peter Kreeft, Sokrates trifft Jesus. Der größte Denker der abendländischen Geschichte stellt sich dem Anspruch Christi, das 2013 im Media Maria Verlag erschienen ist. Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Erlaubnis des Verlags. Das Original erschien 1987 unter dem Titel Socrates meets Jesus in der Inter Varsity Press, Downers Grove.

Sokrates und Bertba Boradmind stehen im überfüllten Korridor der Have It Divinity School - zwischen zwei Kursen.

Bertha: Nun, Sokrates, bist du für die erste Vorlesung in Christologie bereit?

Sokrates: Zum Lernen bin ich immer bereit.

Bertha: Was hoffst du, dort zu lernen?

Sokrates: Zwei Dinge: Wer diese Person namens Jesus ist und warum mich die göttliche Vorsehung hierher geführt hat, um etwas über ihn zu erfahren.

Bertha: Nun, wenn irgendjemand dich das lehren kann, dann Professor Fesser. Er ist ein weltberühmter Experte in Christologie.

Sokrates: Dann liegt zwischen uns beiden der größtmögliche Unterschied, denn ich weiß kaum, was Christologie überhaupt ist. Vom Namen her vermute ich, dass es die Lehre von Christus ist, das rationale Studium dieser Person namens Jesus, der auch Christus genannt wird, nicht wahr?

Bertha: Richtig. Hei! (Sie betreten den Kursraum, sehen einen runden Tisch, um den fünf Studenten herumsitzen.) Es ... es wird ein Seminar sein. Das wird dir gefallen, Sokrates. Es bedeutet, dass du viele Fragen stellen kannst.

Sokrates: Das hoffe ich. Gibt es überhaupt einen anderen Weg, um etwas zu lernen? Finden nicht alle Kurse so statt?

Bertha: Nein, die meisten sind Vorlesungen.

Sokrates: (schockiert) Oh, ich verstehe. Meine Methode hat sich also nicht wirklich durchgesetzt. Und vermutlich besteht der größte Teil eurer Lektüre im Lesen von Büchern, nicht von Menschen.

Bertha: Was meinst du mit »Menschen lesen«?

Sokrates: Einen Dialog natürlich.

Bertha: Oh. Nun ja, das gibt es bei uns auch, aber wir lesen hier hauptsächlich Bücher. Was ist denn an Büchern falsch?

Sokrates: Oh, nichts ist falsch an ihnen. Sie sind eine wunderbare Erfindung. Aber ich habe zwei Vorbehalte gegen sie.

Bertha: Welche?

Sokrates: Einen Vorbehalt habe ich aus der ägyptischen Legende über den Gott Thoth entnommen, der für den Pharao die Hieroglyphen erfand. Der Pharao war über alle Maßen dankbar, doch Toth warnte ihn, dass er das, was er mit der einen Hand gebe, mit der anderen wieder nehme.

Bertha: Was bedeutet das?

Sokrates: Wenn wir mit einem Buch ein größeres externes Gedächtnis haben, haben wir gleichzeitig ein kleineres internes Gedächtnis in der Seele. Bücher werden leicht wie Parasiten, die vom Blut ihres Wirtes, des Verstandes, leben. Und der zweite Vorbehalt ist, dass Bücher eher wie Leichen statt etwas Lebendiges sind, da sie, wenn man sie befragt, immer die gleiche Antwort geben. Ich habe den Dialog mit Lebenden, deren Antworten unvorhersagbar waren, immer dem Dialog mit den Toten vorgezogen.

Bertha: Nun, hier wirst du das erhalten, was du bevorzugst. Diese Leute scheinen alle lebendig zu sein. (Sie richtet sich an die sechs anderen sitzenden Studenten.) Hallo.

Studenten: Hallo.

Professor Fesser: Guten Morgen. Willkommen in meinem Christologie-Seminar. Ich bin Professor Fesser und ich würde diesen Kurs gerne so zwanglos wie nur möglich halten, weil ich denke, dass wir alle fortgeschrittene Studenten sind und weil wir offensichtlich eine recht kleine Gruppe von ... Moment ... sieben Studenten sind und weil Sie vermutlich alle sehr verschieden sind und weil jeder von Ihnen etwas ganz Individuelles beitragen kann. Ich verstehe mich eher als Moderator denn als Dozent. Dieser Kurs ist für Sie, nicht für mich. So, nachdem ich mich vorgestellt habe, würde ich gerne damit beginnen, dass jeder von Ihnen sich selbst vorstellt, indem er seinen Namen sagt und irgendetwas, das wir wissen sollten und das er für wichtig oder nützlich hält, zum Beispiel warum dieser Kurs oder die Divinity School gewählt wurde oder ganz allgemein, woher man kommt. In Ordnung?

Kurs: In Ordnung. (Einige schmunzeln entspannt, andere scheinen argwöhnisch zu sein.)

Fesser: Fangen wir hier zu meiner Rechten an und gehen dann weiter in der Runde.

Molly: Ich heiße Molly Moony und ich bin hier, um den Menschen zu studieren, der das einheitsstiftende Prinzip des Universums ist. Jesus lehrte uns den Weg, den Weg der Einheit, der Liebe und des Einsseins, und das ist das Geheimnis des Lebens, wie es alle großen Denker gewusst haben. Zum Beispiel ...

Fesser: Entschuldigen Sie, Molly, aber ich glaube, wir sollten die Vorstellungen so kurz wie möglich halten, einverstanden? Es wird später genügend Zeit geben, dass jeder ausführlich etwas ... ähm ... beiträgt.

Molly: (lächelt süßlich) Geht in Ordnung.

Fesser: (betulich) Ich wollte Ihnen nicht das Wort abschneiden oder Sie demütigen. Ganz und gar nicht.

Molly: (lächelnd) Kein Problem, Herr Professor. Ich stimme Ihnen zu. Ich stimme jedem zu. Ich akzeptiere Sie. Ich akzeptiere jeden. Ich liebe jeden. Sehen Sie, ich lebe nach dem Grundprinzip ...

Fesser: (geduldig, aber bereits etwas genervt) Ja, danke, Molly. Können wir nun zum Nächsten gehen?

wird fortgesetzt


3. Oktober
Gisbert Kranz

Vor fünf Jahren, am 3. Oktober 2009, starb in Aachen der Schriftsteller Gisbert Kranz.


3. Oktober
Seligsprechung

Vor zehn Jahren, am 3. Oktober 2004, sprach Papst Johannes Paul II. Anna Katharina Emmerick (1774-1824), Pierre Vigne (1670-1740), Joseph-Marie Cassant (1878-1903), Marie-Louise de Angelis (1880-1962) und Karl von Habsburg (1887-1922) selig.


3. Oktober
Hélène Martin

Vor 150 Jahren, am 3. Oktober 1864, wurde Hélène Martin geboren, die vierte Tochter der seligen Zélie Martin, geb. Guérin, und des seligen Louis Martin, und ältere Schwester der hl. Theresia von Lisieux. Sie starb am 22. Februar 1870. Die hl. Theresia (1873-1897) war das neunte und jüngste Kind. Ein Schlüsselerlebnis für sie war die Erhörung ihrer Gebete, die sie an ihre verstorbenen Geschwister richtete, als sie wegen ihrer Skrupel in geistlicher Not war.


2. Oktober
Wenn sich Lutheraner von der Reformation entfernen ...

Luthers Lehre nach dem gnädigen Gott gilt als Ursprung der Reformation und zugleich als Voraussetzung zum Verständnis seiner “Lutherischen Rechtfertigungslehre”. Es heißt dann, dass ‘den Menschen von heute’ andere Fragen bewegen wie z.B. “Wie findet mein Leben einen Sinn?” “Wie finde ich einen gnädigen Nächsten?” “Wie können wir diese Welt verändern, den Krieg, den Hunger, die Ungerechtigkeit und Ungleichheit beseitigen?” - kurz: Das Paradies auf Erden wieder herstellen? An solchen und ähnlichen Fragen scheiterte 1963 auf der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Helsinki der Versuch, zu der Frage nach “Rechtfertigung heute” ein gemeinsames Dokument zu verabschieden. Man muss nur einmal überlegen, was es bedeutet, dass die versammelten Lutheraner nicht imstande waren, sich über Bedeutung und Inhalt ihrer Zentrallehre untereinander zu verständigen ...

Der evangelische Theologe Prof. Dr. Reinhard Slenczka, Schüler von Edmund Schlink, in seinem Aufsatz Reformation gegen Deformation in der Kirche. Aufklärung und Ermahnung aus Luthers Lehre. Zum Reformationsjubiläum 2017, erschienen als Sonderdruck des Informationsbriefs der Bekenntnisbewegung “Kein anderes Evangelium”. Schon Papst Benedikt XVI. hatte 2011 in Erfurt angesichts der Verflüchtigung des Glaubens vor allem - nicht nur - in der evangelischen Kirche an Luthers Uranliegen erinnert.


2. Oktober
Le Barroux

Vor 25 Jahren, am 2. Oktober 1989, weihte Edouard Kardinal Gagnon mit elf weiteren Bischöfen und Äbten die Klosterkirche der Benediktinerabtei in Le Barroux ein. Am 23. September 1995 hielt Kardinal Ratzinger in Le Barroux eine Predigt, die wir auf kath-info veröffentlicht haben.


2. Oktober
Urban IV.

Vor 750 Jahren, am 2. Oktober 1264, starb in Perugia im Alter von etwa 64 Jahren nach dreijährigem Pontifikat Papst Urban IV. In Troyes geboren, war Jacques Pantaléon um 1242 Archidiakon in Lüttich, wo er die hl. Juliana von Lüttich kennenlernte, der vom Herrn der Wunsch nach der Einführung des Fronleichnamsfestes geoffenbart wurde. Als Papst führte er später dieses Fest am 11. August 1264 ein. Den hl. Thomas von Aquin beauftragte er mit der Abfassung des Festoffiziums. 1255 wurde er Patriarch von Jerusalem. Er wurde am 29. August 1261 in Viterbo zum Papst gewählt. Er kam nie nach Rom, sondern residierte in Viterbo und Orvieto.


1. Oktober
Gewalttätig

Permanent versuchte eine Gruppe, den Marsch mit Sitzblockaden und gezielten Attacken aufzuhalten. Einige entrissen den Lebensschützern sogar die Kreuze. Ich habe selbst gesehen, wie ein solches Kreuz an einem Bordstein vor dem Brandenburger Tor zertreten wurde. “Scheiß politisches Christentum”, rief derjenige, der das tat. Zuvor hatte es einen Anschlag auf den Bundesverband Lebensschutz gegeben. Den als Redner geladenen CDU-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Behinderten-Beauftragten Hubert Hüppe traf ein roter Farbbeutel am Hinterkopf. Nicht einmal der Abschluss-Gottesdienst blieb von den Störaktionen verschont.

Christian Soyke in seinem Kommentar zum diesjährigen Berliner "Marsch für das Leben" Ein Marsch, der Zeichen setzt, in: Neue Bildpost vom 27./28. September, S. 8.

Felix Honekamp schreibt in seiner Rückschau auf den Marsch: “Womöglich fragen sich Linke und sogenannte Humanisten in Zukunft doch, ob sie Gegendemonstranten tatsächlich ideologisch und finanziell aufrüsten wollen, wenn die sich benehmen wie eine rot lackierte SA und wirklich niemand mehr objektiv einen Zweifel haben kann, auf welcher Weise eigentlich die toleranten Zeitgenossen stehen.”

Zu den Unterstützern der Gegenkundgebung gehört auch pro familia.

Für 2015 ist der Marsch für das Leben für den 19. September geplant.


1. Oktober
Gender Mainstreaming XLV

Die perversen Phantasien, die in der Mehrzahl der Genderköpfe rumspuken, dass eines Tages die Klonerei den verabscheuten Geschlechtsakt überflüssig machen könnte, muss man nicht vornehm übersehen, sondern ganz im Gegenteil, man muss den Finger in diese perverse Wunde legen. Bei all dem Geschwafel vermeiden es die Genderisten regelmäßig, anders als Alice Schwarzer es getan hat, vom Geschlechtsakt auch nur zu sprechen. Dennoch wird dieser, ganz im Sinne von Schwarzer, ganz selbstverständlich als Ausübung männlicher Herrschaft über die Frau angesehen.

Aus: Bettina Röhl, Der Irrsinn der Entmännlichung unserer Gesellschaft, Wirtschaftswoche vom 9. Juli 2013

Weitere Infos über GM


30. September
Keine Nachricht wert

Wenn 5000 Lebensschützer unter Polizeischutz durch Berlin ziehen, ist das dem deutschen Nachrichtenmagazin Tagesschau.de keine Nachricht wert. Völlig anders ist es, wenn 1000 Homosexuelle unter Polizeischutz durch Belgrad ziehen. Dann wird berichtet.

Dr. Josef Bordat in seinem Blog am 29. September


29. September
Entsetzen über das ZDF

Schon während der Kundgebung war ich entsetzt von der mangelnden Objektivität der dort anwesenden Kamerateams des ZDF. Anstatt ihre Linsen auf die zahlenmäßig weit überlegenen Teilnehmer des Marsches zu richten, filmten und interviewten diese fast ausschließlich die Gegendemonstranten und man konnte den Verantwortlichen sichtbar die Freude darüber ablesen, wie bereitwillig sich diese zu entsprechenden Sprechchören anregen ließen.

Aus dem Beitrag Beim Marsch für das Leben von Clara Wehler, in der Tagespost vom 27. September 2014. Hinzu kommt, dass das ZDF in seiner Satire-Sendung heute-show den Engagement der Lebensrechtler auf dem Berliner Marsch für das Leben am 20. September 2014 verhöhnte, die aggressiven Gegendemonstranten dagegen als Opfer von Polizeigewalt darstellte.

Weitere Fernsehkritik


29. September
Karl von Blois

Vor 650 Jahren, am 29. September 1364, starb im Alter von etwa 45 Jahren der selige Karl von Blois, Herzog von Bretagne. Er “geriet im Erbfolgekrieg mit Jean de Montfort um das Herzogtum Bretagne 1347 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1356 befreit wurde” (G. Allemang im LThK, 1. Auflage). Er fiel in der Schlacht von Auray. 1904 wurde sein Kult bestätigt.


27. September
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Siebter Teil

Unter den Streitschriften jener Tage machte namentlich der „Athanasius“ Josephs von Görres einen gewaltigen Eindruck. Die Bischöfe von Münster und Paderborn widerriefen zu Anfang Januar 1838 ihre Zustimmung zu der Geheimen Convention. Auch alle anderen Bischöfe traten in der Angelegenheit der gemischten Ehen von der eingerissenen sogen. mildern Praxis zurück; nur der Fürstbischof von Breslau, Graf [Leopold] von Sedlnitzky [seit 1836 Fürstbischof], legte lieber sein Amt (am 25. Dezember 1840) nieder. Inzwischen brach auch in der Erzdiözese Posen-Gnesen der Konflikt wegen der gemischten Ehen aus. Erzbischof Martin von Dunin [1831-1842] verbot allen Geistlichen bei Strafe der Suspension gemischte Ehen anders als unter den kirchlichen Bedingungen einzusegnen. Vom Posener Oberlandesgericht verurteilt, wurde der Erzbischof am 20. Oktober 1839 nach der Festung Kolberg abgeführt. Dem Vorgehen gegen den Kölner Erzbischof fehlte vollständig die gesetzliche Unterlage, da der in der Rheinprovinz geltende Code pénal keine Handhabe zu strafrechtlicher Verfolgung bot. Eine den Ereignissen nachhinkende Kabinettsordre vom 9. April 1838 bestimmte, daß „Personen, die sich beikommen lassen, Erlasse auswärtiger geistlicher Oberen zu überbringen, zu übersenden oder zu befördern, oder Vorschub dazu zu leisten, sofort unter Vorbehalt weiterer Untersuchung und Bestrafung zu verhaften und nach Bewandtnis der Umstände in eine Festung abzuliefern“ seien. Eine durch Kabinettsordre vom 17. Februar 1838 angeordnete Kommission legte bereits am 12. Mai desselben Jahres drei ein vollständiges System staatlicher Bevormundung der katholischen Kirche enthaltende Verordnungsentwürfe vor, deren Beratung der Staatsrat am 14. Januar 1839 beendete. Friedrich Wilhelm III. starb vor der Vollziehung dieser Verordnungen (7. Juni 1840).

Friedrich Wilhelm IV. [1840-1861] legte diese Verordnungen zu den Akten und zeigte sich alsbald nach seinem Regierungsantritt eifrig bemüht, den Frieden zwischen Staat und Kirche herzustellen. Sein ernst christlicher Sinn, seine ideale Auffassung von der Aufgabe der Kirche und sein Verständnis für Volkspsychologie befähigten diesen Monarchen in hohem Maße zu einer ausgleichenden Tätigkeit auf dem schwierigen Gebiete der Grenzregulierung zwischen Staat und Kirche. Erzbischof von Dunin durfte sein Amt wieder antreten; dem Erzbischof Clemens August, welcher in einem von der preußischen Staatszeitung veröffentlichten königlichen Schreiben eine förmliche Ehrenerklärung erhielt, wurde im Einverständnisse mit dem Apostolischen Stuhle ein Coadjutor gegeben in der Person des damaligen Bischofs von Speyer, Johannes Geissel, nachdem über die wichtigsten grundsätzlichen Streitpunkte eine Verständigung erzielt worden war. Insbesondere sollte die Behandlung der gemischten Ehen der kirchlichen Autorität ohne Einmischung der Staatsregierung überlassen bleiben. Das Breve Pius' VIII. vom 25. März 1830 gelangte auch in den übrigen preußischen Diözesen unbehindert zur Ausführung. Durch eine königliche Kabinettsordre vom 1. Januar 1841 wurde den Bischöfen der freie Verkehr mit Rom gestattet, durch eine weitere königliche Entschließung vom 12. Februar 1841 im Kultusministerium eine aus katholischen Räten bestehende eigene Abteilung für die katholischen Angelegenheiten errichtet.

Von größter Bedeutung für die Entwicklung der katholischen Kirche in Preußen waren die auf das Verhältnis von Staat und Kirche bezüglichen Bestimmungen der Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850. Insbesondere gewährleistete Art. 12 die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschaften und der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religionsausübung. Art. 15 bestimmte: „Die evangelische und die römisch-katholische Kirche sowie jede andere Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbstständig und bleibt im Besitz und Genuß der für ihre Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und Fonds.“ Art. 16: „Der Verkehr der Religionsgesellschaften mit ihren Oberen ist ungehindert. Die Bekanntmachung kirchlicher Anordnungen ist nur denjenigen Beschränkungen unterworfen, welchen alle übrigen Veröffentlichungen unterliegen.“ Art.18: „Das Ernennungs-, Vorschlags-, Wahl- und Bestätigungsrecht bei Besetzung kirchlicher Stellen ist, soweit es dem Staate zusteht und nicht auf dem Patronat oder besonderen Rechtstiteln beruht, aufgehoben.“ Art. 24: „Bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen sind die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen. Den religiösen Unterricht in der Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschaften.“

Dank dieser Bestimmungen, welche der preußische Episkopat unter Führung des Erzbischofs von Geissel weise zu benützen verstand, gelangte die katholische Kirche in Preußen bald zu segensreicher Entfaltung und hoher Blüte. An Störungen des förderlichen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche fehlte es gleichwohl nicht. Namentlich versuchte die in den Kammern überwiegende konservative Partei den mit der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der Bekenntnisse unverträglichen Satz von dem „evangelischen Staate Preußen“ aufzustellen und praktisch zur Geltung zu bringen. Die v. Raumer'schen [Karl Otto von Raumer, 1805-1859, preußischer Kultusminister von 1850 bis 1858] Ministerialerlasse vom 22. Mai und 16. Juli 1852 verboten bzw. beschränkten die Abhaltung von Missionen, das Studium im römischen Collegium Germanicum und die Zulassung von Jesuiten, während eine Denkschrift des evangelischen Oberkirchenrates „Über die Vermehrung der Dotation der evangelischen Kirche in Preußen“ die Verpflichtung des Staates behauptete, alles dasjenige, was der evangelischen Kirche zur Befriedigung ihrer kirchlichen Gesamtbedürfnisse noch fehle, aus allgemeinen Mitteln zuzuschießen. Mit guten Erfolge trat die am 30. November 1852 gegründete katholische Fraktion unter Führung der Brüder August und Peter Reichensperger diesen auf Verkümmerung des jungen Verfassungsrechts gerichteten Bestrebungen im Abgeordnetenhaus entgegen. Auch ein höchst peinlicher Zwischenfall, welcher durch einen Erlaß des Ministers von Westphalen [Ferdinand von Westphalen, preußischer Innenminister von 1850 bis 1858] vom 11. Mai 1854 herbeigeführt wurde, fand schließlich in befriedigender Weise Erledigung. Dieser an die Oberpräsidenten mit Ausnahme des katholischen Oberpräsidenten von Duisburg in Münster gerichtete Erlaß nahm Bezug auf eine in Berlin eingegangene vertrauliche Anzeige, wonach der katholische Klerus mit der Demokratie gemeinsame Sache mache, um in russenfeindlichem Sinne auf die Gemüter einzuwirken, und sich von Frankreich aus in gleichem Sinne beeinflussen lasse. Als der Erzbischof von Köln in Verbindung mit den Bischöfen von Trier, Paderborn und Münster eine sehr scharfe Vorstellung an das Staatsministerium gegen diese Denunziation und das den Bischöfen und Geistlichen durch die Berücksichtigung derselben bekundete Mißtrauen sich wandte, drückte schließlich der Minister in einem Schreiben vom 4. März 1855 wiederholt das lebhafte Bedauern aus, welches er „über die infolge der unbefugten Veröffentlichung jenes vertraulichen Erlasses unter dem katholischen Klerus hervorgerufene Mißstimmung zu teilen nicht umhin“ könne.

wird fortgesetzt

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26. September
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Achte und letzte Folge

Von hier aus können wir nun einen hellen Durchblick durch die eigentümliche Natur des Urteils gewinnen. Jedes Urteil bezieht sich notwendig auf irgendeinen Gegenstand. In der Wahl des Gegenstandes ist das Urteil an sich unbeschränkt frei. Da jeder Gegenstand unbeschränkt viele mögliche Sachverhalte darbietet, so kann nun ein Urteil über einen, aus der unendlichen Menge möglicher Gegenstände frei gewählten, Gegenstand auch irgendeinen der unbeschränkten Menge möglicher Sachverhalte frei wählen. Aber nachdem es so selbstherrlich an die Gegenstände und die Sachverhalte herangetreten ist, muß es nun auf Grund seines eigenen Wesens, auf Grund seines Anspruches auf Wahrheit, sich in seinem konkreten Gehalt absolut und vollständig dem frei gewählten Gegenstand und seinem Verhalten unterordnen, es muß sich ihm absolut sklavenhaft, mit der größten Behutsamkeit anschmiegen. Es liegt im Wesen des Urteils, seine Selbstherrlichkeit gegenüber der Gegenstandswelt von sich aus frei und absolut aufzugeben und in diesem Sinne absolut objektiv sein zu wollen.

Das redliche Wahrheitsstreben wird daher bei der Aufstellung von Urteilen zum Kriterium ihrer Wahrheit nicht die schon vorhandenen und für wahr gehaltenen Urteile des Lebens und der Wissenschaften nehmen, wird nicht ausschließlich die Widerspruchslosigkeit mit diesen Urteilen zum entscheidenden Maßstab gebrauchen, wird nicht die Beweisbarkeit durch derartige Urteile allein entscheiden lassen, wird nicht die Meinungen vieler, aller oder gewisser autoritativer Menschen den Richter über die Wahrheit neuer Urteile bilden lassen, wird aber auch nicht die angenehme oder unangenehme Gefühlswirkung, nicht die Lebensförderung oder Lebensschädigung, die von den Urteilen ausgehen können, verwechseln mit der Wahrheit des Urteils, sondern es wird sich zunächst den zu beurteilenden Gegenständen und Sachverhalten so nahe und so unvoreingenommen als möglich zuwenden und nun in möglichst behutsamer und sorgfältiger Anschmiegung an die Gegenstände und ihr Verhalten die Urteile bilden oder prüfen. Es wird vor allem nicht verwechseln die Aussagen eines »Wahrheitsgefühls« oder den Wahrheitsschein mit dem Wahrsein; und nicht das bloße Fürwahrhalten mit der Einsicht in die Wahrheit eines Urteils.

Das Wahrheitsurteil, das von einem Urteil ausdrücklich behauptet, daß es wahr sei, ist also ein Relationsurteil, das seinen Subjektsgegenstand, nämlich das betreffende Urteil, in eine bestimmte Relation zu dem Verhalten desjenigen anderen Gegenstandes setzt, der von dem beurteilten Urteil betroffen wird. Die Prädikatsbestimmtheit des Wahrheitsurteils ist die Relationsbestimmtheit »wahr«. Diese wird durch den Prädikatsbegriff »wahr« und durch die Kopula »ist« hinbezogen auf den Subjektsgegenstand, nämlich auf das beurteilte Urteil, und behauptend mit ihm in eine bestimmte sachliche Einheit gesetzt. Das Wahrheitsurteil entspricht also ebenfalls der allgemeinen Formel des Urteils »S ist P«, indem es sowohl einen Subjektsbegriff als auch einen Prädikatsbegriff und den doppelt funktionierenden Kopulabegriff enthält.

Nachdem nun das allgemeine Wesen des Urteils klargestellt ist, sei noch kurz, bevor wir in die Betrachtung der verschiedenen einzelnen Arten von Urteilen eintreten, darauf hingewiesen, welche Urteile in einem sprachlich ausgedrückten Urteil impliziert sind.

Die in einem Urteil implizierten Urteile

Die Frage nach der Implikation von Urteilen in einem vorgegebenen Urteil betrifft das allgemeine Problem, welcher Umkreis von Urteilen notwendig mit der Wahrheit eines bestimmten Urteils ebenfalls wahr ist. Dieses Problem aber gehört in die Lehre von den unmittelbaren Schlüssen und kann daher erst später behandelt werden. Hier sei nur an einem besonderen Beispiel näher ausgeführt, daß schon ein scheinbar einfaches Urteil eine ganze Reihe anderer Urteile implizieren kann. Diese implizierten Urteile gehören dann allerdings mit zu dem vollen Bedeutungsgehalt des bestimmten Urteils. Aber sie bilden nicht dessen entfalteten Sinn. Gerade weil sie jedoch in ihm enthalten sind, so bieten sie die verführerische Gelegenheit, dieses oder jenes von ihnen mit dem entfalteten Sinn des Urteils zu verwechseln und so das Urteil in ein ganz anderes umzudeuten. Bei der Deutung eines gegebenen Urteils muß man also genau unterscheiden, ob man auch wirklich seinen entfalteten Sinn oder nur diesen oder jenen der in ihm implizierten Sinne mit der Ausdeutung trifft.

Als Beispiel sei ein einfaches positives Bestimmungsurteil, nämlich das Urteil: »Dies ist Schwefel« genommen. Dieses sprachlich ausgedrückte Urteil enthält in sich implizite mindestens folgende verschiedenen Urteile:

1. Das Bestimmungsurteil: »Dies ist ein körperlicher Stoff.«

2. Die attribuierenden Urteile: »Dies ist ausgedehnt, schwer, gelb, harzglänzend«, wenn der Begriff »Schwefel« nicht nur die bestimmte Stoffart, sondern zugleich die ihr zukommenden Eigenschaften »ausgedehnt, schwer, gelb und harzglänzend« mitmeint.

3. Die Existenzialurteile: »Dies existiert« und »Schwefel existiert«, wenn das »Dies« die Existenzialmeinung in sich schließt.

4. Die Relationsurteile: »Dies ist ähnlich oder gleichartig bestimmten anderen Körperdingen«, wenn im gegebenen Falle der Begriff »Schwefel« nicht nur eine bestimmte Stoffart, sondern zugleich auch andere Dinge meint, die ebenfalls diese Stoffart zeigen.

Außer diesen Ähnlichkeitsrelationsurteilen enthält das Urteil weiter das »Benennungsurteil«, also das intentionale Relationsurteil: »Dies heißt im Deutschen Schwefel«, insofern in dem sprachlichen Ausdruck des Urteils das deutsche Wort »Schwefel« in seinem sprachgebräuchlichen Sinn genommen zu sein beansprucht.

Es ist außerdem impliziert das intentionale Begriffsurteil »Dies fällt unter den Begriff Schwefel«, weil das, was tatsächlich Schwefel ist, auch unter den Begriff »Schwefel« fällt.

Schließlich impliziert das Urteil noch die Behauptung: »Dies gehört zu der Klasse von Dingen, die aus Schwefel bestehen«, weil jeder bestimmten Stoffart eine Klasse von Dingen aus dieser Stoffart entspricht, und jedes Ding, das von dieser Stoffart ist, auch zu dieser Klasse von Dingen gehört.

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25. September
Michael Davies

Vor zehn Jahren, am 25. September 2004, starb im Alter von 68 Jahren Michael Davies, der im englischen Sprachraum der wortmächtigste Verteidiger von Erzbischof Lefebvre war, ähnlich wie Jean Madiran in Frankreich und Eduard Kamenicky im deutschen Sprachraum. Alle drei hielten 1988 Lefèbvres Weihen von vier Bischöfen und seine Ablehnung einer bereits ausgehandelten Versöhnung mit Rom für einen schwerwiegenden Fehler.


25. September
Mateo Crawley-Boevey

Vor 100 Jahren, am 25. September 1914, weihte in Paray-le-Monial P. Mateo Crawley-Boevey SSCC, der Begründer der Herz-Jesu-Thronerhabung, sich und sein Wirken dem heiligsten Herzen Jesu. Im Internet scheint es den Text des wunderschönen Weihegebetes nur in englischer Sprache zu geben.


25. September
Entweltlichung

Heute vor drei Jahren, am 25. September 2011, hielt Papst Benedikt XVI. in Freiburg seine berühmte Rede, in der er das Stichwort “Entweltlichung” zu einer Kirchenerneuerung gab, die diesen Namen verdient. Diese Rede ist deshalb viel kritisiert worden. Mit der Kritik habe ich mich in einem eigenen Artikel auseinandergesetzt.


24. September
Liebe im Koran

Im Koran kommt das Wort Liebe 47 Mal vor, aber 44 Mal in negativer Form: Allah liebt nicht den, der sich nicht muslimisch verhält. Und die anderen drei Male beziehen sich nur auf Muslime. In diesem Gottesbild sind Toleranz und Achtung der Freiheit des anderen nicht so sehr im Mittelpunkt.

Jürgen Liminski in: Dschihad in deutschen Straßen, neue bildpost vom 20./21. September 2014


24. September
Ist Islam Barmherzigkeit?

Extremisten, die ihre Gräueltaten im Namen des Islams legitimieren, berufen sich auf einzelne koranische Verse, die sie aus ihrem textlichen und historischen Kontext herausreißen, um ihr Vorgehen religiös zu begründen. Der Koran, ähnlich wie die Bibel, wurde in einem bestimmten historischen Kontext verkündet und spricht bestimmte Ereignisse an, darunter auch kriegerische Auseinandersetzungen im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel. Eine Lesart des Korans, die diese historische Kontextualisierung verweigert, bietet eine Grundlage für Missbrauch. Letztendlich sagt die 21. Sure des Koran zum Verkündungsauftrag des Propheten Mohammeds: „Wir [Gott] haben dich [Mohammed] lediglich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt“, und das ist der Selbstanspruch des Korans an Mohammeds Verkündung. Jede Lesart seiner Biografie, die diesem Kriterium der Barmherzigkeit widerspricht, ist zurückzuweisen.

Prof. Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler an der Universität in Münster und Autor des 2012 erschienenen Buches Islam ist Barmherzigkeit, in seinem Kontra-Beitrag in der Pro&Kontra-Rubrik von IdeaSpektrum zur Frage Ist Gewalt im Islam angelegt?, IdeaSpektrum vom 17. September 2014, S. 15. Gegen Khorchides “Theologie der Barmherzigkeit”, die er in seinem Buch darlegt, hat der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am 17. Dezember 2013 Stellung genommen und ist in einem Gutachten zur Schlussfolgerung gelangt, dass sie “weder mit dem dahinter stehenden wissenschaftlichen Anspruch, noch mit Khorchides Selbstverpflichtung zur bekenntnisgebunden Islamtheologie konform geht.”


24. September
Was bedeutet Distanzierung?

So kommt es vor, dass sich eine Gemeinde in Deutschland öffentlich vom IS-Terror distanziert, aber trotzdem die Bücher eines radikalen Islamisten wie Jussuf al-Karadawi verkauft und ihn den Jugendlichen als Vorbild präsentiert. Dieser Mann legitimiert das Töten israelischer Kinder durch Selbstmordattentate, verharmlost die Schoah und wünscht sich, Muslime sollten die „Arbeit“ von Hitler vollenden.

Der Palästinenser Ahmad Mansour in seinem Artikel Reinheit, Ehre, Todesverachtung. Muslime sollten ihre Religion reformieren. Der moderate Islam ist der radikalen Auslegung des Glaubens zu ähnlich, veröffentlicht im Spiegel 37/2014 vom 8. September 2014.


24. September
Vergehen an der Religion

„Unschuldige Menschen zu töten, zu foltern oder aus ihrer Heimat zu vertreiben, ist mit islamischen Werten nicht vereinbar. Wer dies trotzdem tut, ist ein Verbrecher, der sich nicht nur an der Menschlichkeit, sondern auch an seiner Religion vergeht.
Unsere Religion lehrt uns, Unterdrückten zu helfen, für ihr Leben, Hab und Gut einzustehen. Flüchtlinge aus diesen Ländern dürfen nicht allein gelassen werden. Sie brauchen unsere Solidarität und wohlwollende Aufnahme.“

Aus einer Pressemitteilung "VIKZ verurteilt jedwede Gewalt" des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) vom 5. September 2014 anlässlich des IS-Terrors im Irak und in Syrien.


24. September
Jugendvigil

Heute vor drei Jahren, am 24. September 2011, fand im Rahmen des Papstbesuches die Jugendvigil in Freiburg statt. Sie enthielt einen Programmpunkt, den ich äußerst kritikwürdig fand.


23. September
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Vierte Folge

Doch geht es uns hier weniger darum, den genauen Verlauf der Kontroverse zu verfolgen, als vielmehr den ideengeschichtlichen Hintergrund der hierokratischen Theorie zu untersuchen, um zu erkennen, wie sie ihren Charakter unter der Hand auf eine Weise ändert, daß sie eine der ursprünglichen Intention genau entgegengesetzte Wirkung entfaltet.

Welches sind die Argumente, die die Hierokraten für ihre Theorie ins Feld führen? Die biblische Argumentation ist für die Zeitgenossen unserer Kontroverse eine Selbstverständlichkeit, da für sie als gläubige Christen die göttliche Offenbarung eherne Norm des Denkens ist. Da jedoch die Ablehnung des Dualismus eine Neuerung gegenüber der traditionellen Auffassung darstellte, für deren Anhänger dasselbe gilt, kommen hier die biblischen Texte nicht als eigentlich inspirierende Quelle für die neuen Anschauungen in Betracht. Vielmehr erfahren umgekehrt die klassischen Bibelstellen im Lichte der neuen Theorie eine neue Deutung. Ein Beispiel ist die Deutung von Mt. 16, 19: "Quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in coelis; et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in coelis." Dieses Wort Christi an Petrus wurde stets im Sinne der geistlichen Jurisdiktion innerhalb der sichtbaren Kirche verstanden. Papst Innozenz IV. leitet daraus aber eine Urteilsbefugnis über die rechte Amtsführung des Kaisers ab und damit die Vollmacht, den Kaiser abzusetzen, wenn er sich in den Augen des Papstes als seines Kaisertums unwürdig erweist. In seiner Absetzungsbulle "Ad apostolicae dignitatis" vom 17. Juli 1245 beruft er sich ausdrücklich auf diese Stelle. Später wird das Binden und Lösen auf Erden wie selbstverständlich im Sinne einer iurisdictio temporalis verstanden, z.B. schon von Tholomeus von Lucca OP. Die Gegner der potestas directa in temporalibus dagegen erinnern an die alte Deutung, z.B. Remigius Girolami und Dante: Mt. 16, 16-19 beziehe sich auf die geistlichen Dinge. Remigius verweist im Gegenzug auf Mt. 22,21: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist", Dante auf Joh. 18,36: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Dieses dialektische Wechselspiel im Beibringen von Schriftzitaten ließe sich noch an vielen anderen Beispielen illustrieren. Wichtig für uns ist hierbei die Erkenntnis, daß in den meisten Fällen die bereits anderweitig gewonnene Überzeugung es ist, die darüber entscheidet, welche Deutung man den einzelnen Schriftaussagen gibt, welchen man die entscheidende Beweiskraft zuspricht und welche man in ihrer Bedeutung gegenüber der anderen relativiert.

Dennoch soll noch auf eine Schriftstelle eingegangen werden, nämlich auf Joh. 21,17: "Pasce oves meas." Hier überträgt der Herr dem Petrus auf feierliche Weise durch dreimalige Wiederholung die allgemeine Hirtengewalt über seine Schafe. Wenn nun Guido Vernani beispielsweise zu diesen Schafen auch den Kaiser zählt, dann knüpft er damit an eine alte Tradition an. Ist nicht dasselbe gemeint, wenn etwa schon Ambrosius den Kaiser einen Sohn der Kirche nannte und ihn in der bekannten Episode von 390 wegen des Gemetzels in Thessalonich der Bußgewalt der Kirche unterwarf? Genau dieser Sachverhalt aber war das Einfallstor für jene Konzeption der Eingriffsmöglichkeit "ratione peccati", die von den Kanonisten immer mehr zu einer ordentlichen rechtlichen Kompetenz ausgebaut wurde. Bei dem Kanonisten Rufin (+ um 1192) handelt es sich noch um eine reine Buß- und Absolutionsgewalt des Papstes über die Person des weltlichen Herrschers. Bei Innozenz III. aber wird sie bereits zum Examinations- und bei Innozenz IV. zum Absetzungsrecht. Der Umschlag zur potestas directa in temporalibus ist schließlich sehr schön zu beobachten bei Matthäus de Aquasparta. Er spricht dem Papst bereits allgemein die Urteilsbefugnis ratione peccati "de omni temporali" zu, um unmittelbar zur Unterscheidung zwischen executio und Besitz der zeitlichen Jurisdiktionsgewalt de iure überzugehen: "de omni temporali habet cognoscere summus pontifex et iudicare ratione peccati. Unde dico quod iurisdictio temporalis potest considerari vel prout competit alicui ratione actus et usus, vel prout competit summo pontifici, qui est vicarius Christi et Petri, de iure." Die Unterscheidung zwischen Besitz und Ausübung der Gewalt wird dann typisch für die hierokratische Theorie.

Dieses Beispiel soll zeigen, wie ein ursprünglich richtig gesehener Sachverhalt, sobald seiner Deutung eine bestimmte Richtung gegeben wird, eine Eigendynamik entfalten kann, die die Behandlung eines Problems immer mehr unter die Herrschaft der eigenen Perspektive reißt, so daß er zum alles beherrschenden und einzig entscheidenden Faktor der Untersuchung wird. Dies gilt nun in besonderem Maße für zwei Begriffe, aus denen heraus die hierokratische Anschauung immer stringenter entwickelt wird: der Papst als "vicarius Christi" und seine "plenitudo potestatis." Alle Hierokraten schlachten diese Begriffe in ihrem Sinne aus, indem sie ihnen einen Sinn unterlegen, der die Grenzen der ursprünglichen Bedeutung überschreitet. Die "plenitudo potestatis" deuten sie so, daß sie auch die direkte zeitliche Gewalt umfaßt. Dies wird von Jakob von Viterbo gerade mit dem vicarius-Christi-Titel begründet. Nach Aegidius Romanus kann der Papst wie Christus sprechen: "Data est mihi omnis potestas in celo et in terra" (Mt. 28,18), denn: "In potestate summi pontificis continetur omnis potestas sacerdotalis et regalis, celestis et terrena" (De ecclesiastica potestate, III, 10, S. 197). Bei Egidius Spiritalis wird die plenitudo potestatis zu einer absolutistischen Willkürherrschaft, die außer an den Glauben an kein Recht gebunden ist. Was dem Papst gefällt, hat Gesetzeskraft, denn: "apud eum erit pro ratione voluntas."

Wenn auch "vicarius Christi" und "plenitudo potestatis" die beiden Schlüsselbegriffe in der hierokratischen Argumentation darstellen, so ist dennoch damit noch nicht die tiefste theologische Wurzel des hierokratischen Systems angesprochen. Das ist vielmehr der Augustinismus.

Mit "Augustinismus" ist hier jene theologische Richtung gemeint, die im engen Anschluß an die Gnadenlehre des hl. Augustinus so sehr von der Notwendigkeit der Gnade überzeugt ist, daß ohne sie der Mensch vor Gott zu nichts Gutem fähig ist. Die Verderbnis seiner Natur infolge des Sündenfalls reicht so tief, daß der Mensch selbst zur Wiederherstellung einer rein natürlichen Integrität vollständig auf die Heilung durch die Gnade angewiesen ist. Sünde oder Gnade lautet die Alternative. Ein Zwischenbereich des bloß Natürlichen und Naturrechtlichen existiert nicht. Der entscheidende Gedankengang besteht nun in der Anwendung dieser Theologie auf die Frage des dominiums. Am konsequentesten ist dabei Aegidius Romanus vorgegangen. Nach ihm haben wir durch die Erbsünde - wie auch durch die persönliche Sünde - jedes Besitzrecht verloren. Herrschaft, "potestas", faßt Aegidius nach Analogie des Besitzrechtes ("possessio") auf, der Mittelbegriff ist "dominium." Durch die Sünde verliert der Mensch jedes Eigentumsrecht, und das heißt gleichzeitig: jede potestas. Der einzige Weg aber vom Zustand der Sünde in den der Gnade führt über die Taufe, dem "remedium contra originale", bzw. über das Bußsakrament, dem "remedium contra peccatum actuale", und das heißt: über die Kirche. "Nullus efficitur dignus dominator nec dignus princeps nec possessor rerum, nisi sub ecclesia et per ecclesiam." [2] Folglich ist die Verleihung durch die Kirche der einzige Weg, in den rechtmäßigen Besitz einer Sache zu kommen. Die Kirche selber hat also im eigentlichen Sinn das Eigentumsrecht und die höchste Herrschaft über alle Temporalia. Der Begriff der "Kirche" ist aber bei Aegidius austauschbar mit dem des Papstes. Und so gilt für die "potestas summi sacerdocii": "sic habet imperium super temporalibus, quod dominus temporalium dici debet" (ebd. II, 10, S. 91). Der Kirche kommt auch das "iudicare de iusta et iniusta possessione quarumcumque rerum" zu. Da auch die potestas unter die Kategorie des dominiums fällt, ergibt sich die Folgerung für jeden weltlichen Herrscher von selbst. Aegidius drückt es in unerbittlicher Prägnanz aus: "nullus princeps erit dignus et verus princeps, nisi sit per ecclesiam regeneratus spiritualiter, et si incidat in peccatum mortale, nisi sit per ecclesiam absolutus sacramentaliter" (ebd. III, 2, S. 154). Der Papst ist - wie Gott - Quelle aller Gewalt. Er ist vicarius Dei.

Anmerkungen:

[2] De ecclesiastica potestate II, 8, S. 78 f. Das ganze 11. Kapitel des 2. Buches ist dem Beweis der These gewidmet: "Quod infideles omni possessione et dominio et potestate qualibet sunt indigni."

wird fortgesetzt.

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19. September
Rettet die Menschlichkeit

Alfred Delp und der “Theonome Humanismus”

Von Korbinian Kleber

Zweiter und letzter Teil

Im Tiefsten geht es in der Frage nach einem echten, überzeugenden Humanismus um die Frage, wie die menschliche Freiheit angemessen zu verstehen ist. Die Freiheitsbegriffe eines Marx oder Sartre werden der menschlichen Wirklichkeit nicht gerecht: Menschliche Freiheit nämlich ist nicht völlige Beliebigkeit, Willkür, sondern immer schon an die eigene, innere Mitte gebundene Freiheit, Freiheit in Bindung. Weder muss sich der Mensch ja derart haltlos und zusammenhangslos ins Dasein geworfen und zur Freiheit verurteilt wissen, wie es der atheistische Existentialismus annimmt, noch ist es stimmig, überhaupt von der Möglichkeit einer voraussetzungslosen Selbstschöpfung des Menschen auszugehen. In vielfacher Hinsicht ist das eigene Dasein gebunden. Letztlich geht es nur immer um die Frage, wie der Mensch dem ihm nicht notwendig, sondern ungeschuldet und ihm nicht verfügbar Zukommenden begegnet und welche Antwort er dem in sein Dasein hineinragenden Unendlichen zu geben bereit ist. Humanismus im christlichen Sinne wie auch im Sinne von Marx oder Sartre meint Befreiung, „Erlösung“ zu wahrem Menschsein. Doch die Frage ist die nach deren richtigem Verständnis: Meint nämlich „Erlösung“ die Befreiung von jedweder Abhängigkeit, die Befreiung zu totalem Selbststand und Auf-sich-selbst-gestelltsein? Oder aber ist die wahre Befreiung des Menschen zum wahren, vollen Menschsein nicht vielmehr die „völlige Abhängigkeit der Liebe“ (Joseph Ratzinger)?

Die Verhältnisse, die Marx sich herbeisehnt und die – wenngleich unter anderem Vorzeichen in unseren Tagen immer mehr Realität zu werden drohen –, hießen, sich einen Zustand zu wünschen, in dem niemand mehr jemandem zu danken braucht, keiner mehr auf die freie Zuwendung des anderen angewiesen ist, sondern jeder seinen Teil nach seinem Recht hat und auf sich selbst gestellt ist. Ist das aber echte Humanität, das Menschsein in Fülle, nach dem wir uns wirklich sehnen?

Nicht von ungefähr ist die Kehrseite dieses Menschenbildes die vielfach erkrankte Seele des Menschen: Die Freiheit von Liebe und Abhängigkeit und das restlose Bauen auf die eigene Kraft, das dem Dasein seine Unsicherheit nehmen und Furcht oder Ehrfurcht überflüssig machen sollte, melden sich nun trotz aller Errungenschaften und großartigen Leistungen des modernen Menschen wieder in einer vielfältig sich zeigenden fundamentalen Angst, die letztlich die Angst vor der eigenen Endlichkeit ist. Dahinter aber verbirgt sich letzten Endes ein falsches Verständnis des Unendlichen, dem man anstatt mit Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen mit Angst und Verdrängung begegnet ist.

Hieraus entsteht ein Ressentiment gegen Gott, das ihn um der Möglichkeit des vollen Menschseins willen leugnen zu müssen meint. Doch ohne Gott fehlt dem Menschen das Maß seiner Ordnungen und das Maß zur rechten Beurteilung der Dinge. So erwiderte bereits Platon auf Protagoras' berühmten Ausspruch: Nicht der Mensch, sondern vielmehr Gott sei das Maß aller Dinge! Alfred Delp erwähnt in diesem Sinne beispielsweise die Leidenschaft des Menschen: Ihr müsse das Zerstörerische und die Verliebtheit in sich selbst genommen werden. Das rechte innere Maß zu haben aber bedeutet keineswegs, dass ihr etwas von „Wucht und Feuer ernster wirkender Liebe zum Menschen“ genommen würde. Insofern wird der theonome und christliche Humanismus die Herausforderung eines neuen, „positiven“ Atheismus, der seine Kraft nicht so sehr aus theoretischer, spekulativer Überlegung nimmt, sondern eine neue Inbrunst des Willens zur Erde zeigt und viel eher im Willen (etwa zu neuer Solidarität) denn in der Vernunft seine Wurzel hat, wohl ernst nehmen müssen.

Jedoch wird er dieser Herausforderung standhalten, da der Transzendenz-Bezug im christlichen Sinn sowohl das Jenseits als auch Gottes Gegenwart im Leben des Menschen hier und jetzt meint. Es geht dem Christen, so könnte man etwas überspitzt formulieren, im Gegensatz zur marxistisch-kommunistischen Ideologie gerade um den Menschen von heute, nicht erst um denjenigen einer illusionären Zukunft des erwünschten Himmels auf Erden, zu dessen vermeintlicher Herbeiführung der einzelne Mensch heute noch verzwecklicht werden dürfe. Dabei ist sich aber auch Delp dessen bewusst, dass es einer gründlichen Änderung der Zustände des Lebens seiner Zeit bedarf, denn „solange der Mensch menschenunwürdig und unmenschlich leben“ müsse, solange werde „der Durchschnitt den Verhältnissen erliegen und weder beten noch denken“. Eine bloße Änderung der äußeren Zustände jedoch würde nicht genügen: Die veränderten Verhältnisse würden „über kurz oder lang aufs neue vermurkst sein“. Auch die Art der Änderung der Zustände müsse eine fundamental andere sein als der Gedanke einer Weltrevolution. Im Gegenteil: Der Mensch müsse durch intensives Bemühen „wieder seelisch und geistig bodenständig“ gemacht werden. Diese Bemühung um wenigstens ein Minimum an „geistiger Wachheit“, „persönlicher Lebendigkeit“ und „sachhafter Lebenskundigkeit“ des Menschen, ohne das er nicht in der Lage sein könne, das Wort Gottes zu vernehmen und Gottes Ordnung anzuerkennen, müsse aber selbst schon „innerlich geführt sein vom Leitbild dessen, der vom Menschen gesagt hat: ad imaginem suam“.

Das ist die Idee des theonomen Humanismus im Gegensatz zum nihilistischen Ansatz atheistisch-humanistischer Illusionen, die doch nur wieder in neuer Hybris und Verirrung, in einem neuen Wahn enden würden. Die „schlechten Erfahrungen“, die der Mensch im Laufe der letzten Jahrhunderte mit sich selbst gemacht hat, müssen, das ist auch Delps besonderes Anliegen, „zu klaren Aussagen durchdacht und der Menschheit als Ergebnisse von viel Leid und Not mit auf den weiteren Lebensweg gegeben werden“. Zu diesen dringenden Forderungen und Einsichten gehört für Alfred Delp auch die Einsicht, dass Menschheit und Staat „nicht ohne ein Minimum an allgemeiner Hingabe an die Transzendenz“ bestehen können. In diesem Sinn wird die angesichts der Schrecken von heutigem religiösem Fanatismus und Terrorismus allerdings zu einseitige Feststellung Delps zu verstehen sein: „Wie immer die Idee oder das Ideal einer Zeit beschaffen sein mag, mag es auch von der vollen Wahrheit nur noch ein Schatten sein: jede irrige Idee und jedes falsche Ideal sind der öden, massenhaften Gedankenlosigkeit vorzuziehen, da sie im Menschen eine gewisse Lebendigkeit für das Geistige überhaupt erwecken.“ Mindestens ebenso sehr sollte wohl die unersetzbare Bedeutung der Vernunft als Korrektiv religiöser Anschauungen betont werden.

Zu Recht als Illusion entlarvt wird von Alfred Delp allerdings die Möglichkeit eines Atheismus im Namen des Menschen. Im Kontrast zu diesem nämlich sieht Delp erst in einem irreduziblen Rückbezug des Menschen auf Gott die schützende Grenze vor dem „despotischen Druck der Masse“, vor einer letzten Hingabe an das Wir, „die auch den letzten Raum des Intimsten prostituiert, das Gewissen verschlingt, das Urteil vergewaltigt und schließlich den Geist blendet und erstickt“. Mit anderen Worten: Ein recht verstandener Transzendenz-Bezug bedeutet nicht Einengung menschlicher Freiheit, sondern ist ermöglichende Bedingung wahrer Menschlichkeit, deren Herzmitte Delp in der Freiheit des Gewissens erkennt. Sie ist die „persönliche Intimsphäre, der Raum, in dem der Mensch die Sterne überragt und das Ewige berührt“. Anerkannt und respektiert werden wird sie über kurz oder lang nur dort, wo sie als „vom Ewigen, vom Absoluten her garantiert“ verstanden wird und somit als eine Intimität des Menschen, in der dieser von keinem Wir mehr belangt werden kann.

Alfred Delps Stimme ist die Stimme eines Rufenden in der Wüste, der den Menschen seiner Zeit wie der kommenden Generationen die Herzmitte aller Humanität in Erinnerung rufen wollte – aus der Überzeugung heraus, hierfür sogar bis zur Hingabe seines Lebens einstehen zu müssen: „Im äußersten Falle, in dem infolge einer Rebellion der Werte (...) die letzte Würde des Menschen, die Freiheit des Menschen zu Gott und zum Gewissen in Frage“ stehe, müsse „sogar (...) der Wille zum Leben und zur Erhaltung des Lebens geopfert werden“. Delp ruft mit dem Mut eines Löwen dazu auf, „die wandernde Wüste (...) aufzufangen durch die größere Kraft des bekehrten Herzens“. – „Wehe aber einer Zeit“, so schreibt er wenige Wochen vor seiner Hinrichtung, „in der die Stimmen der Rufenden in der Wüste verstummt sind, verschrien vom Tageslärm oder verboten oder untergegangen im Fortschrittstaumel oder gehemmt oder leiser geworden aus Furcht und Feigheit.“

Zum ersten Teil


18. September
Martino Martini

Vor 400 Jahren, am 20. September 1614, wurde in Trient der Chinamissionar Martino Martini SJ geboren. 1643 kam er nach China und wirkte in Hangtschou. Er “unternahm weite Reisen für geographische Forschungen, 1651 nach Europa gesandt und nach langem Aufenthalt in Amsterdam 1655 in Rom angelangt, erwirkte hier 1656 die den Jesuiten günstige Entscheidung in der Ritenfrage, kehrte 1659 nach Hangtschou zurück” (A. Väth im LThK, 1. Auflage). Hier starb er am 6. Juni 1661.


18. September
Margareta Maria Alacoque

Vor 150 Jahren, am 18. September 1864, wurde die Empfängerin der Herz-Jesu-Offenbarungen Margareta Maria Alacoque (1647-1690) von Papst Pius IX. seliggesprochen. Die Heiligsprechung folgte 1920.


17. September
Die Kunst der Vergebung

Vergeben und sich vergeben lassen sind sehr wichtig für die psychische Gesundheit. Wer nicht vergibt, verbittert. Die Verbitterungsstörung ist die, die leider erst vor 15 Jahren entdeckt worden ist und die rasend um sich greift. Immer mehr Menschen verbittern, immer mehr Menschen hadern mit ihrem Schicksal, mit der scheinbaren Ungerechtigkeit, mit der sie leben müssen. Der Königsweg da heraus ist die Fähigkeit, zu vergeben. All dieses Böse, mit dem man konfrontiert wird, dort zu lassen und im Frieden damit abzuschließen. Leichter ist es, wenn der andere um Vergebung bittet. Die große Kunst ist zu vergeben, wenn nicht um Vergebung gebeten wird.

Aus: Vergebung ist der Königsweg, Interview von Norbert Schäfer mit Raphael M. Bonelli, Pro-Medienmagazin 4/2014, S. 11

Weitere Beiträge zum Thema


17. September
Juan Bautista de Morales

Vor 350 Jahren, am 17. September 1664, starb in Funing, China, im Alter von etwa 67 Jahren der spanische Missionar Juan Bautista de Morales OP. Er wirkte seit 1622 auf den Philippinen, seit 1633 in China. Im südchinesischen Fujian (Fukien), wo bisher nur Jesuitenmissionare tätig waren, begründete er zusammen mit Gefährten die erste Dominikanermission. Als Gegner der Jesuiten im Ritenstreit erwirkte er 1645 von der Sacra Congregatio de Propaganda Fide unter Innozenz X. (1644-1655) die Verurteilung die Methode der Jesuiten, die den von ihnen missionierten chinesischen Christen die Teilnahme an der Ahnen- und Konfuziusverehrung erlaubten.


15. September
Islam und Menschenrechte

Im Christentum führte die Erfahrung des Unglaubens nicht zum Aufruf, die Ungläubigen zu töten, sondern zum Missionseifer und – nach der Entdeckung Amerikas – zu Gestalten wie Vitoria und Bartolomé de las Casas: In der christlichen Tradition stehend machten sie geltend, dass Ungläubige als Menschen die gleichen grundlegenden Rechte besitzen wie Christen. Dabei wurden sie von päpstlichen Verlautbarungen unterstützt (obwohl die spanischen Könige deren Verbreitung zu verhindern suchten).
Und hier liegt der entscheidende Punkt: Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäß ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die «fitra», ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, «denaturierte» Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. Der Islam akzeptiert die modernen Menschenrechte immer nur unter dem Vorbehalt der Bestimmungen der Scharia. Deshalb kann sich gerade der «wahre Islam» nicht in die Moderne integrieren.

Aus dem Artikel von Prof. Dr. Martin Rhonheimer, Töten im Namen Allahs. Gewalt und theologische Tradition im Islam, NZZ vom 6. September 2014


15. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Verschiedene Beiträge und Meldungen über die Schulsexualerziehung und den politischen Kampf um sie sind auf einer eigenen Seite untergebracht worden, ebenso einige Beobachtungen zur Statistik kirchlicher Entwicklungen. Meine Antwort Der springende Punkt auf die Kritik, die P. Michael Weigl an meinem Artikel Tradition und Lehramt geübt hat, habe ich diesem hinzugefügt.


15. September
Daniel Comboni

Vor 150 Jahren, am 15. September 1864, kam dem hl. Daniel Comboni (1831-1881) am Grab des hl. Petrus in Rom die Erleuchtung für seinen Plan, Afrika durch Afrika zu retten. Damit meinte er das Ziel, in Afrika Eingeborene als Missionare für Afrika auszubilden. So gründete er 1867 in Verona das Institut der Missionare für Afrika (heute die Comboni-Missionare vom Herzen Jesu) und das Werk des Guten Hirten für die Erneuerung Afrikas. Am 17. März 1996 wurde er selig-, am 5. Oktober 2003 heiliggesprochen.


13. September
Benedikt Schmittmann

Vor 75 Jahren, am 13. September 1939, starb im KZ Sachsenhausen im Alter von 67 Jahren der aus Düsseldorf stammende, mit Konrad Adenauer befreundete Sozialpolitiker Dr. Benedikt Schmittmann. Seit 1919 lehrte er in Köln als Professor für Sozialwissenschaften. Da er die katholische Soziallehre verbreitete, wurde er 1933 nach der Machtergreifung der NSDAP in "Schutzhaft" genommen und mit Lehrverbot belegt. Anfang September 1939 kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er von der SS grausam zu Tode getreten wurde.


13. September
Friedrich August von Klinkowström

Vor 200 Jahren, am 13. September 1814, konvertierte der Pädagoge und Schriftsteller Friedrich August von Klinkowström in Wien im Alter von 36 Jahren zur katholischen Kirche. Vor dem hl. Klemens Maria Hofbauer legte er das katholische Glaubensbekenntnis ab. Anwesend waren Friedrich von Schlegel und Joseph Anton von Pilat. Seine Frau Friederike Luise Charlotte von Mengershausen war schon zuvor während seiner Abwesenheit katholisch geworden, was er erst nach seiner Rückkehr aus Aachen erfuhr. Er starb am 4. April 1835 in Wien. Sein Sohn Georg Ernst Joseph Maria wurde Jesuit und ein erfolgreicher Volksmissionar.


13. September
Passitea Crogi

Vor 450 Jahren, am 13. September 1564, wurde in Siena die stigmatisierte Mystikerin Passitea Crogi geboren. Sie starb am 13. Mai 1615.


13. September
Die Andacht der fünf ersten Samstage

Vor 75 Jahren, 13. September 1939, approbierte Bischof José Alves Correia da Silva von Leiria (1920-1957) die Übung der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, die auf die Fatimaseherin Schwester Maria Lucia von Jesus zurückgeht. Diese hatte am 10. Dezember 1925 in Pontevedra als Novizin im Institut der hl. Dorothea eine Erscheinung der Muttergottes, die zu ihr sprach:
“Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch Lästerungen und Undankbarkeiten ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und mache bekannt, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde Gesellschaft leisten, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten. ”


12. September
Christliche Missionsmethode

Mein Apostolat muß das Apostolat der Güte sein. Wenn man mich beobachtet, soll man sich sagen: „Wenn dieser Mensch so gut ist, dann muß seine Religion gut sein“. Wenn man mich fragt, warum ich mich so mild und gut verhalte, muß ich antworten: „Weil ich der Diener eines bin, der viel besser ist als ich. Wenn ihr wüßtet, wie gut mein Meister Jesus ist“.

Aus den Notizen des seligen Charles de Foucauld, der nach Algerien zog, um die muslimischen Tuaregs zu Christus zu führen.


12. September
Der Unterschied

Eine Studie aus dem Jahr 2010, die sich auf die Befragung von 45.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland stützt, hat gezeigt, dass bei jungen Muslimen die Gewaltbereitschaft um so größer ist, je religiöser sie sind. Bei christlichen Jugendlichen ist es umgekehrt.

Islam und Christentum


12. September
Christenbedrängnis in Deutschland

Flüchtlinge aus Syrien und Indien werden in deutschen Asylbewerberheimen monatelang von Muslimen drangsaliert.


12. September
Pastorale Nächstenliebe

Vor fünf Jahren hielt Weihbischof Nicolas Brouwet von Nanterre seine Rede über pastorale Nächstenliebe, die wir auf kath-info veröffentlicht haben.


9. September
Jacques-Desiré Laval

Vor 150 Jahren, am 9. September 1864, starb in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, der aus der Normandie stammende Missionar und Selige Jacques-Desiré Laval CSsP). "1841 durch F. M. P. Libermann zur Bekehrung der freigelassenen Negersklaven auf Mauritius gesandt, taufte [er] über 1500 Erwachsene, bekehrte ungefähr 67.000 (...) Sein Grab ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort für Christen, auch für Inder, Hindus und Chinesen" (H. Döring im LthK, 1. Auflage 1934). Am 29. April 1979 wurde er seliggesprochen.


9. September
Elisabeth Eppinger

Vor 200 Jahren, am 9. September 1814, wurde in Niederbronn Elisabeth Eppinger geboren. Mystisch begnadet und von einem schweren, schmervollen Leiden geheilt, gründete sie 1849 die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern), die sich ganz der Pflege der Armen, Alten und Kranken widmen. Sie starb am 31. Juli 1867 in Oberbronn. Der Seligsprechungsprozess ist eingeleitet.


8. September
Utopische Hoffnung

Renate Martin: Wir brauchen als wichtigstes begeisterte Apostel (s. „Evangelii gaudium, besonders ab Nr. 259. Dann aber bedarf es dringend einer pastoralen Aufarbeitung der päpstlichen Schreiben über Ehe und Familie auf breiter Basis, die das Sakrament in seinem inneren Sinn verdeutlicht. Seit 1968 warten wir darauf. Ist es utopisch zu hoffen, dass katholische Schulen und unsere Pfarreien Programme erarbeiten und das Ruder herumreißen? Manchmal fürchten wir das. Im Gespräch mit jungen Leuten hingegen machen wir oft die Erfahrung, dass sie froh sind, wenn man ihnen von der christlichen Auffassung der Schönheit der Liebe und des Wunders des Lebens erzählt.

Renate Martin, Ehefrau von Prof. Dr. Norbert Martin (Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie) im Interview mit Regina Einig in der Tagespost vom 8. Februar 2013


8. September
Johannes Kardinal von Geissel

Vor 150 Jahren, am 8. September 1864, starb in Köln im Alter von 68 Jahren Johannes Kardinal von Geissel. Geboren in der Rheinpfalz, wurde er 1837 Bischof von Speyer und 1845 Erzbischof von Köln. Er sorgte für eine gute Priesterausbildung in seiner Diözese und ging deshalb gegen Häresien vor. Die von ihm 1848 einberufene Würzburger Bischofskonferenz war eine solche, die für einen neuen Aufschwung in der Kirche Deutschlands sorgte. 1860 leitete er das Kölner Provinzialkonzil.


7. September
Gottes Liebe im Werk der Erlösung

Von P. Franz Prosinger

Zwei Veröffentlichungen aus jüngster Zeit geben Anlaß, noch einmal auf das Thema der Soteriologie (Lehre vom Erlösungswerk) zurückzukommen [1]. Von Hubertus Halbfas wurde ein Interview von 2013 wiederveröffentlicht unter dem Titel Was einmal hilfreich war, kann störend werden, und Hansjürgen Verweyen schrieb ein Buch zum Thema Ist Gott die Liebe? Spurensuche in Bibel und Tradition. Regensburg 2014 – das in der Tagespost vom 26. August auf S. 6 besprochen worden ist.

Daß der nun achtzigjährige H. Halbfas mit der katholischen Theologie radikal gebrochen hat – in vielen Punkten stimmt er mit E. Biser überein [2] -, bekennt er offen. In geradezu nostalgischer Weise vertritt er die These der 70-er Jahre, Paulus habe die Botschaft Jesu grundlegend verfälscht und dessen Tod am Kreuz mit den Kategorien von Opfer, Sühne und Versöhnung umgedeutet. Während angeblich Jesus in allen Menschen die vom Vater geliebten Gotteskinder sehe und ohne Erbsünde, Gnade, Rechtfertigung und Erlösung das Reich Gottes verkündet habe, wäre für Paulus der Mensch ein erlösungsbedürftiger Sünder. Dagegen ist zu sagen, daß nicht nur Paulus, sondern auch das Markusevangelium ganz gezielt und von Anfang an auf den Prozeß und Todesbeschluß zugeht. Der zweite Teil (8, 27 bis 16, 8) ist strukturiert durch die drei Leidensankündigungen mit ihren jeweiligen Deutungen des Kreuzes als Überwindung und Hingabe seiner selbst. Daß die Auslieferung in die Hände der Sünder geschieht „als Lösepreis für viele“ (10, 45), ist nicht etwa ein Zusatz und eine spätere Deutung, sondern in den Duktus des ganzen Evangeliums eingebunden, welcher zielt auf die Worte über den Kelch im Abendmahlssaal (14, 24) und das Gebet Jesu am Ölberg (14, 36). [3] -

Seriöser und deshalb beunruhigender sind die Ausführungen des Ratzinger-Schülers Verweyen. Freilich werden auch hier alte Vorurteile transportiert. Unverständlich ist etwa, daß man auch heute noch im Kohelet einen Agnostiker und profanen Glückssucher sehen kann, nachdem der Fachwelt der sowohl spirituell wie auch exegetisch beeindruckende Kommentar von Schwienhorst-Schönberger geschenkt worden ist [4]. Aber auch in der zentralen Frage zum Kreuzestod Jesu zeigt Verweyen wenig theologisches Feingefühl. Schon die Formulierung, „ob der Kreuzestod Jesu notwendig für Gott selber war“, ist anthropomorph und führt schließlich zur Frage, „ob diese Selbstdarbringung (des Sohnes) vom Vater verlangt wurde als Lösegeld für die vielen und damit doch als eine Sühneleistung“. Wenn in den Evangelien der göttliche Heilsplan mit dem griechischen dei (“müssen”, lat. oportet; etwa in Mt 26, 54 als Erfüllung der Schrift, in Mk 8, 31 und Lk 24, 26 bezüglich der Passion, der Tötung und der Auferstehung des Menschensohnes, aber auch das Sein des Sohnes in dem, was des Vaters ist in Lk 2, 49) angedeutet wird, so wird damit eben jene anthropomorphe Vorstellung vermieden, als ob sich Vater und Sohn als zwei Personen gegenüberständen und der Vater seinem Sohn eine Notwendigkeit auferlegte. Natürlich kostete es dem menschlichen Willen Jesu Überwindung, sich als der ganz Heilige in die Hände der Sünder auszuliefern (Mk 14, 36f; Heb 5, 7f), aber die unzertrennliche Übereinstimmung von Vater und Sohn, wie sie vor allem im Johannesevangelium zum Ausdruck kommt, stand nie in Zweifel. Die freiwillige und vollkommene Hingabe an den Vater, in die uns Christus hineinnehmen will, dient der Verherrlichung des Vaters (12, 23. 28; 13, 31f; 17, 1. 5), seiner Verherrlichung in den Seinen (17, 10) und deren Heiligung (17, 17. 19). Nach Joh 3, 3.5 besteht die Notwendigkeit in uns, zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden. Also nicht Gott hat es notwendig, durch ein Sühnopfer versöhnt zu werden, sondern wir müssen unser verwirktes Leben zum Opfer der Sühne darbringen, damit so der Tod verwandelt werde zu neuer Geburt. Daß dies dem Sohn das Leben „kostete“ und er sein kostbares Blut als „Lösepreis“ dahingab, darf nicht einseitig verstanden werden: die Erlösung besteht nach Heb 9, 11-14 nicht in einem äußeren Akt der Wiedergutmachung durch die Bezahlung einer Schuld, sondern in der Eröffnung eines neuen, nicht von Menschhand gemachten Heiligtums durch die Hingabe und Konsekration des Sohnes als dem wahren und einzigen Sühnopfers.

Hier gilt das Wort des heiligen Augustinus: sacrificium externum signum sacrificii interni – wenn das äußere Opfer nicht Ausdruck innerer Hingabe ist, verkommt es zu bloßem Ritualismus. Ein re-ligiöses Werk ist einzig die innere Rückbindung an den, der mich ins Leben ruft. Diese Bindung bzw. diesen Bund wiederherzustellen, ist das Werk unserer Erlösung: „Sei ohne Furcht, ich habe dich erlöst, ich rufe dich bei deinem Namen: mein bist du“ (Jes 43, 1). Wenn nur ein anderer für meine Schuld bezahlt, würde sich nichts an meiner eigenen Entfremdung ändern [5].

Unter den drei Theologen, J. Ratzinger, K. Rahner und H. U. v. Balthasar kann Verweyen noch am ehesten der Soteriologie Balthasars zustimmen. Aber ausgerechnet dieser schöpft seine Gedanken weniger biblischem als griechisch-mythologischem Denken. Die unendliche Zerspannung zwischen Vater und Sohn, die „alle Distanzen der Sünder von Gott überholt und in sich einfaßt“ [6], wird als ein Wüten Gottes gegen sich selbst gesehen, als ein ersatzweises Austragen von Schuld und Strafe zwischen Vater und Sohn. So etwas mag auf dem Olymp denkbar sein, aber nicht auf Golgotha.

Zur Beurteilung der gegenwärtigen Situation in Theologie und Kirche ist zu bedenken, daß Theologen so verschiedener Provenienz und Erudition wie Halbfas und Verweyen jeweils die Möglichkeit einer ewigen Verwerfung ausdrücklich ausschließen. Demnach gäbe es keinen doppelten Ausgang in der Geschichte des Einzelnen und der Menschheit insgesamt, nicht einen breiten und bequemen Weg, der ins Verderben führt (Mt 7, 13), nicht ein Aussenden der Engel am Ende der Zeit, welche die Gerechten von den Bösen sondern, keinen Ort, wo es Heulen und Zähneknirschen gibt (Mt 13, 49f), sondern alle, Johannes der Täufer und Herodias, Adolf Hitler und Alfred Delp werden gemeinsam, Hand in Hand im Paradies lustwandeln – oder nach der Formulierung Leo Scheffzcyks: der Mensch könnte sich demnach nicht davor retten, gerettet zu werden. Daß der biblischen Botschaft und dem kirchlichen Leben damit der Ernst der Entscheidung, der Ruf zur Bekehrung und der Sinn des Erlösungswerkes entzogen wird, kennzeichnet die gegenwärtige Situation zumindest im deutschsprachigen Raum nach wie vor.

Wer keine unbiblischen Vorstellungen in das Werk der Erlösung am Kreuz hineinliest, muß die Liebe Gottes im Kreuzestod Jesu nicht problematisieren. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für uns dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt (und somit an dessen Hingabe teilnimmt), nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe (Joh 3, 16). Jesus selbst erläutert seine Liebe bis zur Vollendung (Joh 13, 1) so, daß niemand eine größere Liebe habe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15, 13). Und der heilige Paulus gibt darüber hinaus noch zu bedenken, daß Gott seine Liebe zu uns darin beweist, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder bzw. seine Feinde waren (Röm 5, 8-10). Wer das Erlösungswerk verstehen will, muß mit der schmerzhaften Mutter am Fuß des Kreuzes stehen und aufschauen zu dem, den wir durchbohrt haben (Joh 19, 26. 37). Dann gilt es aber auch, sich dem von der geöffneten Seite ausgehenden Geist der Buße und Sühne-Besprengung zu öffnen (Zach 13, 1 LXX B).

Auch in Bezug auf die Liturgie der Meßfeier wird sich Verweyen von Halbfas deutlich unterscheiden, der an die „offenen Tischgemeinschaften Jesu“ anknüpfen will. Aber trotz der Wahrung einer gewissen Sakralität wird man angesichts einer Allerlösungslehre der immer wieder erneuten Darbringung des Opfers Christi durch die Kirche kein Verständnis entgegenbringen können.

[1] F. Prosinger, ... Damit sie geheiligt seien in Wahrheit. Siegburg 2008. War der Kreuzestod Jesu ein Opfer? in Communio 1999 (II), S. 189 (auch auf kath-info).

[2] Vgl. E. Biser, Der unsichtbare Sonnenaufgang. In: Stimmen der Zeit; Bd.213 (1995) S.723-729.

[3] Siehe hierzu die über 800-seitige Darlegung von A. Weihs, Die Deutung des Todes Jesu im Markusevangelium, Würzburg 2003

[4] L. Schwienhorst-Schönberger, Kohelet. HThKAT, Freiburg 2004.

[5] Siehe hierzu meinen Artikel Wer bezahlt das zerbrochene Fenster? Gedanken zur Erlösungslehre.

[6] H. U. v. Balthasar, Theodramatik III. Die Handlung. Einsiedeln 1980, S. 465.


6. September
Miesepeterei

Alles, was hier gefordert wird, ist in den evangelischen Kirchen längst verwirklicht. Ist dort die Situation grundsätzlich besser? Hätten die genannten Einwände recht, so müßte dort das christliche und kirchliche Leben in ungeahntem Ausmaß blühen. Dass man dort mit denselben Problemen zu kämpfen hat wie bei uns und mit einigen dazu, ist jedoch offenkundig (...)
So bleibt zum Schluß nur noch ein Wort gegen die weitverbreitete Miesepeterei in der Kirche. Sie macht mit ihrer eigenen Unlust alles madig und ist immer nur daran interessiert, das berühmte Haar in der Suppe zu finden. Wenn man will, kann man es immer finden und damit sich und den anderen den Appetit verderben. Man kann, obwohl man am Verdursten ist, ein halbvolles Glas Wasser mißgelaunt zurückweisen mit der Begründung, es sei doch halb leer. Gegen eine solche Einstellung ist kein Kraut gewachsen.

Prof. Dr. Walter Kasper 1986 im Schlußplädoyer “gegen die Miesepeterei und für einen neuen Realismus in der Kirche” seines Kommentars zu den Dokumenten der außerordentlichen Bischofssynode, die vom 24. November bis 8. Dezember 1985 in Rom tagte (Zukunft aus der Kraft des Konzils. Die außerordentliche Bischofssynode ‘85. Die Dokumente mit einem Kommentar von Walter Kasper; Freiburg, Basel, Wien: Herder 1986, S. 108). Seine Worte gelten den Kritikern, die der Synode vorwarfen, den “Zölibat, das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen, die Frage Geburtenregelgung, die Frauenordination” (S. 107) nicht aufgegriffen zu haben.


6. September
Hans Apel

Vor drei Jahren, am 6. September 2011, starb in Hamburg im Alter von 79 Jahren der evangelische Christ, SPD-Politiker und ehemalige Verteidigungsminister Hans Apel. Er war ein scharfer Kritiker der zunehmenden theologischen Profillosigkeit der evangelischen Volkskirche und warnte vor einem “weichgespülten Christentum”. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Hamburg unter Maria Jepsen, die zudem die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day übernahm, brachte bei Apel das Fass zum Überlaufen: Er trat 1999 aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche aus und schloss sich der SELK (Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche) an.


5. September
Seligsprechung

Vor zehn Jahren, am 5. September 2004, sprach Papst Johannes Paul II. Pedro Tarrés y Claret (1905-1950), Alberto Marvelli (1918-1946) und Pina Suriano (1915-1950) selig.


4. September
Alles verloren und alles gewonnen

Wir haben alles verloren: Haus, Arbeit, Familienmitglieder. Aber wir haben das größte gewonnen, was ein Mensch gewinnen kann: das Wissen, dass Jesus Christus unser Retter ist.

Ramir, ehemaliger syrischer Muslim; Quelle: Open Doors


4. September
Dina Bélanger

Vor 85 Jahren, am 4. September 1929, starb im Alter von 32 Jahren die kanadische Selige und Mystikerin Dina Bélanger. Sie wurde von Gott mit Visionen, u.a. über das Priestertrum, reich beschenkt. Sie könnten in der gegenwärtigen Glaubenskrise wertvolle Wegweiser sein.


4. September
Werner Bergengruen

Vor 50 Jahren, am 4. September 1964, starb in Baden-Baden im Alter von fast 72 Jahren der aus Riga stammende Dichter und Schriftsteller Werner Bergengruen. 1936 war er zum katholischen Glauben konvertiert.


3. September
Vor den Karren gespannt?

Über die Fortschritte der Wissenschaft in der Frage des Hirntodes berichtet der Philosoph Prof. Andreas Brenner aus Basel in einem Interview, das die Zeitschrift Information Philosophie (Ausgabe Juli 2014, S. 74-82) mit ihm und Frau Prof. Andrea Esser aus Marburg geführt hat. Dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen sei, die “Transplantation lebenswichtiger Organe mithin also Tötung” bedeute, habe sich in Amerika selbst unter Anhängern der Transplantationsmedizin schon so weit durchgesetzt, dass dort die Formel vom justified killing ausgedacht wurde, um die Transplantationsmedizin doch noch zu retten. In Deutschland beklagt er u.a. eine “Aufklärung” über Organspende, die in Wirklichkeit interessegeleitet ist und moralischen Druck aufbaut: “Nach dieser Logik wird ja auch von den staatlichen Stellen, - derzeit lässt sich das an der Informationspolitik des deutschen Bundesgesundheitsministerium beobachten -, eine als Aufklärungskampagne bezeichnete, in Wahrheit aber alleine an möglichst großen Spenderzahlen interessierte einseitige PR-Kampagne zu Gunsten der Transplantationsmedizin betrieben. Die Kirchen lassen sich übrigens vor den Karren der utilitaristischen Biopolitik spannen, und erklären jeden Zweifel am Hirntodkonzept mit einem Mangel an Nächstenliebe” (S. 76)

Weitere Infos zum Thema


3. September
Hugo Staudinger

Vor zehn Jahren, am 3. September 2004, starb der Historiker Hugo Staudinger. Geboren am 5. Juli 1921 in Dresden, studierte er in Dresden und Münster Physik, Geschichte, Philosophie, Latein und Theologie. 1962 wurde er Professor für politische Bildung und Didaktik in Paderborn. Von 1958 bis 1966 leitete er das Deutsche Institut für Bildung und Wissen. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er war einer der letzten Gesprächspartner von Max Horkheimer.

In seinem Werk Gott - Fehlanzeige? (Trier) setzt er sich mit den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen der Gottesfrage aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft auseinander. Besonders wertvoll und empfehlenswert ist sein Buch Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, das aus der Sicht des Profanhistorikers auf die Versuche von Exegeten wie Rudolf Bultmann und Willi Marxsen, den Evangelien ihren historischen Charakter weithin abzusprechen, antwortet. Es erschien seit 1969 in mehreren Auflagen in verschiedenen Verlagen. Antiquarisch ist es noch erwerbbar.


2. September
Das ignorierte Martyrium

Die Juli/August-Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ist dem Thema Christenverfolgung gewidmet. Tobias Mayer stellt in seinem Artikel Wie Schafe unter die Wölfe (S. 261-267) das neueste Buch des Journalisten John Allen vor, das demnächst in deutsch unter dem Titel Krieg gegen Christen erscheinen soll. Zur Beobachtung Allens, dass die Christen heute die weltweit am meisten verfolgte religiöse Gruppierung sei, deren Märtyrer zudem viel zu oft unbemerkt leiden müssten, kommentiert Mayer: “Die Zahlen sind in der Tat erschreckend: Den meisten Schätzungen zufolge leben 100 Millionen Christen weltweit in einer Verfolgungssituation. Die Summer der Märtyrer der letzten 20 Jahre beläuft sich auf Hunderttausende (allein 70.000 im Jahr 2013), manche sprechen gar von bis zu 2 Millionen. Unbestritten ist, dass die Zahl der Christen, die allein im 20. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten, die Summe der Märtyrer aller vorhergehenden Jahrhunderte übertrifft.”

Mit Allen stellt er die Frage: “Doch warum schweigt die Kirche?” Allen: “Ist es nicht paradox, dass das fesselndste Narrativ des Christentums unseres jungen Jahrhunderts nicht ins Blickfeld des christlichen Bewusstseins gerät?” Zu den Gründen gehört ihm zufolge u.a. “eine eilfertige ‘political correctness’ des interreligiösen Dialogs”.

Ich würde noch die Vermutung hinzufügen, dass große Teile der Reformkatholiken so fanatisch auf ihre Lieblingsthemen und ihr Projekt der Anpassung kirchlicher Lehre und Praxis an ihre Ideen eingeschworen sind, dass für das Leid der Märtyrer einfach nicht mehr genügend Ressourcen an Interesse und Aufmerksamkeit zur Verfügung stehen. Man denke nur an den ganzen institutionellen, finanziellen und medialen Aufwand für einen fruchtlosen Dialog um die bekannten Reizthemen im Vergleich zur eklatanten Vernachlässigung des Einsatzes für unsere verfolgten Brüder und Schwestern. 2013 hat das bereits der Historiker Peter Keller bemerkt und ausgesprochen: “Während in den arabischen Hinterhöfen die Christen verfolgt und vertrieben werden, diskutiert die hiesige Intelligenz über die Homo-Ehe und das Frauenpriestertum als dringendste Reformprojekte für den neuen Papst. Frohe Ostern.”


2. September
Christkönigsjugend

Vor 25 Jahren, am 2. September 1989, wurde in Wigratzbad die Christkönigsjugend (CKJ) gegründet.


1. September
Drei wichtige Kundgebungen

Am Sonntag, den 14. September, findet in Augsburg um 16:30 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto Glaube braucht Bekenntnis – Verfolgte Christen brauchen unsere Solidarität im Rahmen eines Begegnungstages von Kirche in Not statt.

Am Samstag, den 20. September, findet in Berlin der jährlich Marsch für das Leben statt.

Am Sonntag, den 19. Oktober, beginnt in Stuttgart um 14 Uhr auf dem Schillerplatz mit einer Kundgebung die Demo für alle zum Anliegen Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!

Alle drei Kundgebungen verdienen breiteste Unterstütung!


1. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden die Ausführungen von Peter Kwasniewski über die Eigenschaften einer guten Predigt und der Artikel von Franz Prosinger über die eucharistische Ekklesiologie Ratzingers und Voderholzers untergebracht. Die Beobachtungen P. Axel Maußens über die selektive Berichterstattung über den Heiligen Vater findet man auf der Seite mit den gesammelten Notizen zu Papst Franziskus.


1. September
Universität Krakau

Vor 650 Jahren, am 1. September 1364, erließ Papst Urban V. (1362-1370, in Avignon residierend) eine Bulle, in der er König Kasimir III. dem Großen von Polen (1333-1370) auf dessen Bitte hin die Gründung der Universität Krakau erlaubte, und zwar mit den Fakultäten für die Artes, Medizin und beide Rechte. Eine theologische Fakultät war also ausgeschlossen. Sie kam erst im Jahre 1400 hinzu. Die Jagiellonen-Universität ist nach Prag die zweitälteste Universität Mitteleuropas. Noch im selben Jahrzehnt folgten Wien und Fünfkirchen (Pécs).


31. August
Gemäßigter Islam?

Kürzlich brachte kath.net eine KNA-Meldung, wonach Saudi-Arabiens Großmufti Abdul Asis bin Abdullah al-Scheich vor der Armee des Islamischen Staates (IS; vorher ISIS) gewarnt habe. Der Großmufti ist die höchste islamische Autorität des Landes. Abdul Asis bin Abdullah bekleidet seit 1999 dieses Amt. Tatsächlich hatte er schon 2004 jeden Terror im Namen des Islam verurteilt. Dieser sei eine Religion des Friedens und der Güte. Derselbe Mann forderte aber 2012 in einer Fatwa die Zerstörung aller Kirchen in Arabien einschließlich Kuwait, da es in diesem Gebiet nur eine einzige Religion, den Islam, geben dürfe. Natürlich ist die Zerstörung von Kirchen im Vergleich zu den Gräueltaten der IS im Irak und in Syrien eine maßvolle Gewalttat. Aber es sollte klar sein, dass im Kontrast zum IS-Terror gemäßigt erscheinende Islamvertreter immer noch meilenweit von der Rechtsstaatlichkeit unserer westlichen Demokratien entfernt sind.

Nun muss man zugeben, dass die in Saudi-Arabien herrschende Form des Sunnitentum, also der Hauptrichtung des Islam, eine besonders radikale ist, nämlich der Wahhabismus, der auf Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb (1703-1792) zurückgeht und sich großenteils mit dem Salafismus deckt. Er zeichnet sich durch fanatische Intoleranz aus, der auch dem Schiitentum gilt. Wenn die IS-Terroristen schiitische Heiligtümer zerstören, tun sie nur das, was ihr wahhabitischen Vorfahren schon im 19. Jahrhundert taten.

Im Vergleich zum arabischen Wahhabitentum ist der Islam, wie er von den Gelehrten der Kairoer Al-Azhar-Universität vertreten wird, wiederum sehr gemäßigt. Für einen Großteil der islamischen Welt gilt der al-Azhar-Scheich, der auch Großimam genannt wird, als die höchste geistliche Autorität des Islam. Natürlich hat auch Al-Azhar das Vorgehen der IS-Milizen verurteilt und die Ausrufung des Kalifats zurückgewiesen. Eine solche Haltung hindert aber nicht die Meinung, dass Muslime, die vom Islam abfallen, die Todesstrafe verdienen, wie es eine Fatwa aus Al-Azhar 1978 festgelegt hat.

Es gibt also einen gemäßigten Islam. Er ist aber gemäßigt nur im Vergleich zu Phänomenen wie dem IS oder Boko Haram in Nigeria. Allen diesen Formen des Islam ist die Anerkennung der Scharia gemeinsam, die das herrschende Rechtssystem in jedem islamischen Staat sein muss. Einzelne muslimische Intellektuelle, die die Scharia in Frage stellen oder die deren ernsthafte Anpassung an die westliche Rechsstaatlichkeit mit ihrem Verständnis der Menschenrechte fordern, dürften Ausnahmeerscheinungen sein, die es niemals geschafft haben, dort, wo der Islam gesellschafts- und staatsbildend wurde, ihre Anschauungen durchzusetzen.


27. August
Moralischer Abgrund

Denn im Grunde haben das nationalsozialistische Heidentum wie das marxistische Dogma dies gemeinsam, daß sie totalitäre Ideologien sind und dazu neigen, Ersatzreligionen zu werden.

Schon lange vor dem Jahre 1939 zeigte sich in gewissen Bereichen der europäischen Kultur der Wille, Gott und sein Bild aus dem Horizont des Menschen zu entfernen. Man begann, die Kinder vom jüngsten Alter an in diesem Sinne zu indoktrinieren.

Die Erfahrung hat den traurigen Beweis erbracht, daß der Mensch, welcher allein der Macht des Menschen ausgeliefert und in seiner religiösen Sehnsucht verstümmelt ist, sehr schnell zu einer Nummer oder einem bloßen Objekt wird. Im übrigen hat noch kein Zeitalter die Gefahr vermeiden können, daß sich der Mensch in einer Haltung stolzer Selbstgenügsamkeit in sich selbst verschloß. Diese Gefahr aber hat sich in diesem Jahrhundert in dem Maße verschärft, wie Waffengewalt, Wissenschaft und Technik dem heutigen Menschen die Illusion haben geben können, der alleinige Herr und Meister von Natur und Geschichte zu werden. Ein solcher Anspruch liegt den Auswüchsen zugrunde, die wir heute beklagen.

Der moralische Abgrund, in den die Verachtung Gottes und damit auch des Menschen die Welt vor fünfzig Jahren hinabgestürzt hat, läßt uns die Macht des »Herrschers dieser Welt« (Joh 14,30) mit Händen greifen: Er vermag die Gewissen zu verführen durch die Lüge, durch die Verachtung des Menschen und des Rechtes, durch den Kult von Herrschaft und Macht.

An all das erinnern wir uns heute und bedenken dabei, zu welch extremen Folgen die Aufgabe jeglicher Achtung vor Gott und jeglichen transzendenten Moralgesetzes führen kann.

Papst Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren in seinem Apostolischen Schreiben zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs

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