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* * * 9. Februar Vor 100 Jahren, am 9. Februar 1910, starb im spanischen Premiá de Mar der hl. Miguel Febres Cordero. Am 7. November 1854 in Ecuador geboren, wirkte er mehrere Jahrzehnte als Mitglied der Christlichen Schulbrüder und als beliebter Lehrer und Erzieher in Quito. 1904 kam er nach Europa. 1977 wurde er selig-, 1984 heiliggesprochen. 9. Februar Von Anton Huonder S. J. 26. Folge 8. P. Chaumonot als Seelsorger der Huronenkolonie bei Quebec Nach seiner Rückkehr aus dem Irokesenland fiel Chaumonot zunächst in eine schwere Krankheit, wohl die Folge der übermenschlichen Anstrengungen, die hinter ihm lagen. Ein furchtbares Kopfweh machte ihn fast völlig taub und raubte ihm allen Schlaf. Auch jetzt wieder nahm er seine Zuflucht nicht zu irdischen Arzneien, sondern zur heiligen Familie, und genas fast plötzlich. Am liebsten wäre er möglichst bald wieder ins Land der Irokesen zurückgekehrt. Dieselben hatten bei ihrem Kriegszug gegen die Franzosen (1659/61) wenig Glück gehabt, und die Friedenspartei gewann wieder die Oberhand. Voll Freude meldete Chaumonot 1661 einem Pater in Europa (Brief an P. Germain Rippault vom 29.10.1661), dass die Onondagas, “unter denen ich fast drei Jahre gearbeitet und eine gute Zahl getauft habe”, und auch andere Stämme der Irokesen einzulenken begännen und die Mission dort wieder aufzuleben verspreche. In Onondage stehe noch die Kapelle. “Die Wilden haben erklärt, sie würden nächstes Frühjahr, wenn sie den Rest ihrer Gefangenen nach Quebec brächten, mich wieder in ihr Land mitnehmen, da sie alle sehr nach mir verlangten, zumal jene, die ich selbst im heiligen Glauben unterrichtet habe. Ich bitte Sie und alle anderen hochwürdigen Patres dort inständig, mich bei Ihren heiligen Meßopfern Gott zu empfehlen, damit nicht meine Feigheit und Armseligkeit mich des Glücks berauben, noch einmal mein wertloses Leben im heidnischen Lande für die Bekehrung der Seelen und die Ehre meines Schöpfers daransetzen zu dürfen. O wie dankbar wäre ich den hochwürdigen Patres, wenn sie mir von Unserem Herrn die Gnade erwirkten, den Rest meines Lebens diesem heiligen Apostelberufe zu weihen!” Es sollte nicht sein. Chaumonots Gesundheit war durch die übermäßigen Strapazen stark erschüttert, und ein recht bösartiges Bruchleiden machte ihn zu den Wandermissionen im Urwald untauglich. Zudem hatten die Oberen keinen, der die Huronen so verstand und zu behandeln wußte wie er. So übernahm denn Chaumonot ein zweites Mal die Seelsorge der Huronenkolonie bei Quebec und blieb auf diesem Posten, zwei kürzere Unterbrechungen abgerechnet, bis an sein Lebensende. Die kleine Kolonie hatte während seiner Abwesenheit im Irokesenlande Hartes durchgemacht. Im Mai 1656 war es eine Streifbande Mohawks gelungen, mit 40 Kanoes an den Wällen von Quebec unbemerkt vorüberzuschleichen. Sie landeten ebenso unbemerkt auf der Insel Orléans, legten sich in den Hinterhalt und überfielen am Morgen des 20. Mai die nichts ahnenden Huronen, die teils in der Kirche beteten, teil auf ihren Feldern arbeiteten. 71 wurden entweder niedergemacht oder als Gefangene fortgeschleppt, unter diesen viele junge Frauen. Die unsicher gewordene Insel wurde verlassen und die Kolonie vorläufig unter dem Fort von Quebec (Fort des Hurons) in Sicherheit gebracht, wo sie bis 1868 verblieb. In diesem Jahr siedelte sie unter Führung P. Chaumonots zunächst nach Notre-Dame des Neiges, einer Besitzung der Jesuiten unweit von Quebec, und da dort der Raum nicht genügte, 1669 nach der französischen Kolonie Côte St-Michel, vier Stunden von Quebec entfernt, über. “Die Huronenkolonie”, schreibt Chaumonot, “die im Augenblick 150 Seelen zählt, ist ein Rest der Stämme dieser Nation, die vor der Mordgier der Irokesen verschont blieb. Die göttliche Vorsehung hat sie an einem Ort zusammengebracht, der Côte de Saint-Michel heißt und von Franzosen dicht bevölkert ist, damit so einerseits die Huronen von deren gutem Beispiel Nutzen ziehen und die Franzosen ihrerseits an der Frömmigkeit und dem Eifer der Neubekehrten sich erbauen können.” Beide taten sich auf Anregung ihres gemeinsamen Hirten brüderlich zusammen, um an Stelle der ärmlichen und kleinen Rindenkapelle ein hübsches Kirchlein aufzuführen. Dort stellte Chaumonot eine Kopie des Gnadenbildes Notre-Dame de Foy auf und wurde so unseres Wissens der Gründer des ersten Wallfahrtsortes Unserer Lieben Frau in Neu-Frankreich. Sechs Jahre verblieb die Kolonie in Notre-Dame de Foy, als eine abermalige Übersiedlung nötig wurde. Zwei Gründe bedingten bei den Indianern diese häufigen Ortsveränderungen. Weil sie das Land nicht düngten, war die Ackerkrume nach sechs bis sieben Jahren erschöpft. Sodann brauchten sie für ihre offenen Herdfeuer sehr viel Holz, und da diese auf dem Rücken herbeigeschafft werden mußte, wünschten sie dem Walde möglichst nahe zu bleiben und waren auf waldreiche Gegende angewiesen. Die Kolonie wurde diesmal weiter landeinwärts mitten in die Wälder verlegt. Die neue Übersiedlung bot Chaumonot den Anlaß, sein einst in Loreto gemachtes Gelöbnis, ein Abbild des Heiligen Hauses in Kanada erstehen zu lassen, nunmehr zu erfüllen. P. Dablon, sein ehemaliger Gefährte und jetzt Oberer der ganzen kanadischen Mission, gab freudig seine Zustimmung und übernahm einen Teil der Baukosten. Fromme Wohltäter und die Ursulinen in Quebec taten ein übriges, und so erstand im Jahre 1674 das Heiligtum Notre-Dame de Lorette, das sich rasch zu einem stark besuchten Wallfahrtsort entwickelte und heute noch besteht [auch noch im Jahr 2010]. (Anmerkung Huonder: Im Herbst 1697, also bereits nach Chaumonots Tod, mußte die Kolonie ein letztes Mal weiter in die Wälder vorgeschoben werden. Hier in “Neu-Loreto” blieben die Huronen bis auf den heutigen Tag. Eine zweite Kolonie von Huronen (Petuns) besteht in der Nähe von Sandwich, Essex Co., Ontario, eine dritte ist die Wyandot Reservation in Oklahoma. Das ist alles, was heute von dem einst so mächtigen Stamm übrig geblieben ist; Old Huronia 447 f.) Die Kolonie war inzwischen durch Zuzug von versprengten Huronen, Neutralen und christlich gewordenen Irokesen und durch natürliche Vermehrung auf gut 500 Seelen gestiegen. Sie bildeten ein Herz und eine Seele und halfen sich gegenseitig in allen Nöten und Leiden mit wahrhaft brüderlicher Liebe. wird fortgesetzt. Am 8. August 2001 nahm die Firma Bayer den Cholesterinsenker Lipobay vom Markt, weil es pro 500.000 Anwender einen Todesfall gab. Die Todesrate bei der Pille liegt 100mal höher, und sie bleibt auf dem Markt. Das berichtet die Frauenärztin Dr. Gabriele Marx im Durchblick (Januar 2010, S. 6). 8. Februar Die Fragwürdigkeit eines naiven Fortschrittsoptimismus stellt Joseph Ratzinger durch den Hinweis auf die Atombombe heraus - ein Argument, mit dem schon Adorno gearbeitet hat. Für Posener genügt die Tatsache, dass Israel der Atombombe bedarf, um dieses Argument zurückzuweisen. Dann unterscheidet Posener zwischen der instrumentellen und existentiellen Vernunft. Die Produkte der instrumentellen Vernunft, von Mobiltelefonen bis zur Atombombe, können so lange missbraucht werden, wie sie in den Dienst der existentiellen Unvernunft, also des Wahns, gestellt werden können. Deshalb gehe es darum, “auch die menschlichen Beziehungen vernünftig zu regeln” (S. 57). Das ist eine der Stellen, in denen er mit Ratzinger übereinstimmt. Aber Posener besitzt nicht die Größe, das zuzugeben. Ratzinger fordert einen Vernunftbegriff, der über die instrumentelle Vernunft hinausgeht und auch die menschlichen Beziehungen mit einbezieht, “eine Vernunft, die spricht, das heißt sich in Beziehung setzt. Damit stehen wir bereits vor einer Neufassung des Begriffs der Vernunft, die über die reine Mathematik, die reine Geometrie des Seins hinausgeht” (Joseph Ratzinger, Paolo Flores d’Arcais, Gibt es Gott?, Berlin, 3. Auflage 2006, S. 25 f.). Posener zitiert Ratzingers geforderte “Neufassung des Begriffs der Vernunft” (S. 62), unterschlägt aber, was Ratzinger damit meint, nämlich dasselbe wie Posener. Stattdessen stellt er diesen Ausdruck in den Zusammenhang mit spezifisch katholischen Glaubensinhalten, etwa der eucharistischen Wesensverwandlung, und behauptet dann, dass Ratzinger verlange, dass diese Neufassung des Vernunftbegriffs für alle Menschen gelten solle. Er unterstellt Ratzinger quasi einen katholischen Imperialismus, indem er ein Zitat von ihm in einen sinnfremden Zusammenhang stellt. Das sind die Methoden Poseners. Alexander Gauland hat Recht, wenn er Posener vorwirft, Ratzinger diskreditieren zu wollen, und ebenso Manfred Lütz, wenn er in der Argumentation Poseners zahllose Skurrilitäten und waghalsige Kapriolen feststellt. Ein Blick auf die Originaltexte Ratzingers führt leicht zu dieser Einsicht und zur Erkenntnis der perfiden Methoden, deren sich Posener bedient. Um so blamabler ist es, wenn Rezensenten wie etwa Claudia Keller vom Tagesspiegel dies nicht durchschauen, die Absurditäten Poseners für “ mit reichlich Zitaten aus Papst- und Bischofsreden belegt” und das unappetitliche Machwerk für “wohltuend” halten. 7. Februar 90. Folge Der Blutsturz am Vorabend Mariä Himmelfahrt, der die Abreise P. de la Colombières unmöglich machte, fällt mit dem Ausbruch der großen Verfolgung zusammen, welche die Anklage des Titus Oates heraufbeschwor. Es war Gottes Wille, dass der Prediger der Herzogin von York auch seinen Teil an den Leiden der Katholiken haben sollte. Schon seine Stellung bei Hofe und seine Freundschaft mit dem ehrwürdigen Coleman mussten ihn mit in den Sturm hineinreißen. Freilich war er Titus Oates unbekannt; der „Entdecker“ der angeblichen Verschwörung trug ihn deshalb auch nicht in die Liste der „Verschworenen“ ein. Aber es fand sich ein Judas, der dieses Versäumnis nachholte, um die 20 Pfd. St. zu gewinnen, welche auf die Verhaftung eines Priesters gesetzt waren. Der ehrwürdige P. de la Colombière erzählt selbst: „Ich wurde zu London von einem jungen Menschen aus der Dauphiné angeklagt, den ich bekehrt zu haben glaubte und für dessen Unterhalt ich während eines Zeitraums von etwa drei Monaten gesorgt hatte. Seine Aufführung, die mir zu gerechten Vorwürfen Anlass gab, und mein Unvermögen, ihm fernerhin dieselbe Unterstützung zu gewähren, hatten mich genötigt, mich von ihm zurückzuziehen. Jetzt glaubte er, sich dafür rächen zu können, indem er unsern gegenseitigen Verkehr zur Anzeige bringe. Er tat es und legte mir überdies gewisse Worte gegen den König und das Parlament zur Last. Und da er von meiner Wirksamkeit manches wusste, so ermangelte er nicht, das wenige Gute, das ich unter den Protestanten gewirkt hatte, als große Verbrechen auszulegen und übertrieb noch meinen Eifer und den glücklichen Erfolg meiner Arbeiten.“ Der Name des Verräters war Olivier du Fiquet. Er begab sich zu Luzancy, einem jungen calvinistischen Prediger in London, und beide zusammen verfassten die folgende Klageschrift gegen ihren gemeinsamen Landsmann. „Ich glaube von meinem Gewissen und aus Treue gegen den König und Religion verpflichtet zu sein, die nachstehenden Anzeigen zu machen: Wird fortgesetzt. 6. Februar Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1910, starb in Angri, Italien, der selige Alfons Maria Fusco. Fusco wurde am 23. März 1839 in Angri, Provinz Salerno, geboren. Er wurde zum Dank auf den Namen Alfons getauft, weil das Kind eine Gebetserhörung der lange Zeit kinderlosen Eltern war. Diese hatten in ihrem Anliegen das Grab des hl. Alfons Maria von Liguori, des Gründers der Redemptoristen, in Pagani besucht. Dort hatte ihnen ein Redemptorist prophezeit: “Ihr werdet einen Sohn haben und ihn Alfons nennen; er wird Priester werden und das Leben des seligen Alfons führen.” Der hl. Alfons war 1787 gestorben und 1816 seliggesprochen worden. Die Heiligsprechung erfolgte am 26. Mai 1839, zwei Monate nach der Geburt des kleinen Fusco. Fusco trat in Nocera dei Pagani ins Priesterseminar ein und empfing 1863 die Priesterweihe. Er wurde Kanonikus in seiner Heimatstadt. Zusammen mit Magdalena Caputo aus Angri gründete er den Orden der Schwestern vom hl. Johannes dem Täufer (Suore di S. Giovanni Battista), Baptisterinnen (Battistine) genannt (CSSGB). Das Ziel war die Erziehung von Waisenkindern. Magdalena legte mit drei weiteren jungen Frauen am 25. März 1878 die Gelübde ab. Für die Waisenkinder wurde das “Kleine Haus der Vorsehung” eingerichtet. “Auch wenn es nicht genug zum Essen gab und die finanziellen Mittel knapp wurden: immer gab es Platz auch für neue Kinder. Er [Fusco] sagte in solchen Situationen: ‘Macht euch keine Sorgen. Ich gehe zu Jesus jetzt und er wird für uns sorgen.’ Heute wirken die Baptisterinnen auf vier Kontinenten in 16 Ländern” (Stefan Wirth, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 6, Stein am Rhein 2009, S. 142). Fusco war die Demut in Person, der sich trotz Ungerechtigkeiten, die er erleiden musste, in seiner Geduld und Liebe nie beirren ließ. “Herr, ich danke dir, dass ich dein nutzloser Diener sein durfte”, betete er auf dem Sterbelager. 6. Februar Vor 400 Jahren, am 6. Februar 1610, trat Jodokus Lorichius in den Kartäuserorden ein, in der Kartause in Freiburg im Breisgau. 5. Februar
5. Februar Die Top 60 der meistbesuchten Seiten im Jahr 2009 habe ich schon vorgestellt. Hier folgt die Liste der 14 am wenigsten besuchten Seiten. In den meisten Fällen liegt die Ursache der niedrigen Besucherzahlen in dem einfachen Umstand, dass die entsprechende Seite erst gegen Ende des Jahres eingerichtet wurde, so z.B. die Seite über den Philosophen Henry Deku erst am 12. Dezember. Darüber hinaus dürfte der geringe Bekanntheitsgrad der geschilderten Personen dafür verantwortlich sein. Was man nicht ergoogelt, findet man auch nicht, und die meisten Besucher von kath-info kommen über google. Die Vorstellung dieser Seiten soll ein Anstoß sein, einmal ein wenig auf der Website zu stöbern und sich von bislang Unbekanntem bereichern zu lassen. 4. Februar Von Prof. Dr. Walter Hoeres § 1 Die Dialektik der Aufklärung 1. Irrationale Rationalität Zweifellos besteht die geschichtliche Leistung Theodor W. Adornos darin, schonungslos und in einer ganz neuen Weise die selbstzufriedene Sicherheit zerstört zu haben, in der die Aufklärung bis heute als Segen und entscheidender Markstein der Menschheit auf dem Wege zum Fortschritt gesehen wurde. Daß er das aus der Aufklärung resultierende Verhängnis ausgerechnet in den fünfziger und sechziger Jahren beschwor, in denen sich Wissenschaftsfetischismus, der Kult der absoluten, als Selbstzweck gepflegten Technologie, die Auflösung der letzten gewachsenen Überlieferungen und Institutionen, die radikale „Entmythologisierung“ des Christentums mit dem Kritischen Rationalismus zu einer neuen, scheinbar unaufhaltsamen Welle der Aufklärung verdichteten, ließ sein Denken für die Gegenwart zum Scandalum schlechthin werden. Die „Dialektik der Aufklärung“, die 1947 zum ersten Mal erschien (Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Amsterdam 1947), ist zwar ein Gemeinschaftswerk Adornos und Max Horkheimers (18951973), wie sich überhaupt der Anteil der beiden an der Entfaltung der „Kritischen Theorie“ oder Begründung der „Frankfurter Schule“ nur schwer voneinander trennen läßt. Es trägt aber unverkennbar die Handschrift Adornos und es ist deshalb kein Zufall, daß diese Kritik der Aufklärung schließlich in seiner „Negativen Dialektik“ ihren unüberbietbaren Höhepunkt erreicht (Theodor W. Adorno: Negative Dialektik (stw 113) 3. Aufl. Frankfurt am Main 1982). Mit der ihm eigenen schöpferischen Brisanz, die vermutlich auch dazu beigetragen hat, sein Leben zu verkürzen, ist er ohnehin der spekulativere Kopf von beiden gewesen, sodaß die hier zu skizzierende philosophische Theorie tatsächlich trotz des Ehrgeizes der beiden Denker, Philosophie als team-work zu betreiben, ganz und gar als sein Werk betrachtet werden kann. Auf den ersten Blick ist es mehr als merkwürdig, daß ausgerechnet Adorno, der sich immer wieder über die angebliche Fadenscheinigkeit alter, gewachsener Bindungen und Uberlieferungen mokierte, in der „Dialektik der Aufkjärung“ zu dem Ergebnis kommen kann, „die vollends aufgeklärte Erde strahle im Zeichen triumphalen Unheils“ (S. 13). Ausdrücklich weist er damit die Schuld für das Entsetzen, das die Welt heute heimsucht, der Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts und ihrer Nachwirkung zu. Dialektisch mißt er sie an ihren eigenen Maßstäben von Vernünftigkeit, um sie nach dem Grundsatz: „an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“ umso wirksamer ihrer eigenen Unwahrhaftigkeit zu überführen. Wie Kant in seiner berühmten Programmschrift: „Was ist Aufklärung?“ definiert, will diese nichts anderes als der Weg zur Mündigkeit sein, und sie sei der Versuch, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Adorno besteht unnachsichtig auf dieser Forderung und zwar nicht so sehr wie Kant in Frontstellung gegen die alten Autoritäten, sondern im Blick nach vorne auf die Irrationalität der heutigen, angeblich so aufgeklärten Gesellschaft. „Krampfhaft willentlich“, so Adorno, „wird verkannt, daß das Zuviel an Rationalität, über das zumal die Bildungsschicht klagt und das sie in Begriffen wie Mechanisierung, Atomisierung gern auch Vermassung registriert, ein Zuwenig an Rationalität ist, die Steigerung nämlich aller kalkulierbaren Herrschaftsapparaturen und -mittel auf Kosten des Zwecks, der vernünftigen Einrichtung der Menschheit, die der Unvernunft bloßer Machtkonstellationen überlassen bleibt und zu der das Bewußtsein, getrübt von unablässiger Rücksicht auf bestehende positive Verhältnisse und Gegebenheiten, sich überhaupt nicht mehr zu erheben getraut“.(Vernunft und Offenbarung. In: Stichworte. Kritische Modelle 2, ed. Suhrkamp 347, S. 23) Wird fortgesetzt Es handelt sich bei diesem Text um das dritte Kapitel im Vierten Abschnitt (Maßstäbe für die neue Ethik? Auf der Suche nach der verlorenen Begründung) des empfehlenswerten Buches von Walter Hoeres Heimatlose Vernunft. Denker der Neuzeit im Ringen um Gott und die Welt, Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2005, erschienen als Band XI in der Reihe Quaestiones non disputatae, begründet von Johannes Bökmann, herausgegeben von David Berger. Der Philosoph Walter Hoeres war Schüler von Adorno. Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis des Autors. 3. Februar 3. Februar Eine “entsakralisierte“ Gesellschaft drücke sich durch eine vollkommen innerweltliche Kunst aus, die weder im Stande sei, sich für den Himmel zu öffnen, noch fähig, die Welt mit der christlichen Freude eines Menschen auszudrücken, der in seinem Leben die Anwesenheit des Schöpfers spüre. Das meint Francesco Colafemmina, Initiator des viel beachteten “Appells an Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. für die Rückkehr zu einer wirklich katholischen sakralen Kunst”, in einem Interview, das im Vatican-Magazin (Januar 2010) erschienen ist. Dabei sieht er den desaströsen Zustand der gegenwärtigen sakralen Kunst in Zusammenhang mit einer entsprecheden Theologie: “Die Fleischwerdung Christi zu leugnen wie es bei den neuen Werke sakraler Kunst geschieht, die nicht im Stande sind, körperliche Formen ernst zu nehmen oder die Realpräsenz in der Eucharistie zu leugnen was der Fall ist, wenn man die Tabernakel aus der Mitte der Kirchen entfernt und sie ins ‘Hinterzimmer’ steckt: Das alles sind die Ergebnisse einer schwerwiegenden theologischen Verwirrung, die seit vierzig Jahren herrscht.” 3. Februar Vor 100 Jahren, am 3. Februar 1910, legte Bruder Eugen Ostermeier OSB in St. Ottilien seine Ewige Profeß ab. 3. Februar Wie bereits berichtet, gab es im Jahr 2009 auf kath-info um 52,8 % mehr Besucher als im Jahr 2008. Dieser Trend setzt sich auch im neuen Jahr fort. Im Januar stieg die Besucherzahl im Vergleich zum Januar 2009 um 35,8 %. Gegenüber dem Januar 2008 betrug die Steigerung 55,7 % und gegenüber Januar 2007 135,8 %. 2. Februar Eine persönliche Erinnerung von Andreas Ziemann Ende der siebziger Jahre muß es gewesen sein, als der damalige Rektor der Ludwig-Maximillian-Universität zu München (LMU) Nikolaus Lobkowicz Kardinal Joseph Ratzinger, damals Bischof von München-Freising, zu einem Vortrag in die Große Aula der Universität geladen hatte. Für die zu dieser Zeit an der LMU noch relativ stark vertretenen kommunistischen Studentengruppen galt dies als eine Provokation, zumal der Rektor für deren Veranstaltungen ein striktes Raumverbot verhängt hatte. Den Kommunisten galten die „bürgerlichen“ Universitäten allemal als Kaderschmieden des Kapitals. Hinzu kam, dass die LMU dem Kultusminister Hans Maier unterstellt war, einer der zahlreichen rechten Hände von Franz-Josef Strauß. Der Rektor Lobkowicz wiederum galt als einer der rechten Hände von Hans Maier. Alle drei waren katholisch, daher nicht marxistisch, daher reaktionär und Kardinal Ratzinger galt als der natürlich ebenfalls reaktionäre Diener von all diesen und war zuständig für das „Opium fürs Volk“. Aufgrund dieser messerscharfen und unwiderlegbaren marxistischen Analyse war uns klar: Der Kardinal musste am Reden gehindert werden die Kommunisten wollten nun ihrerseits ein „Raumverbot für den Kardinal“ durchsetzen. Die Taktik: Rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung sollten möglichst viele Plätze der Großen Aula von Mitgliedern und Symphatisanten der kommunistischen Gruppen besetzt werden. Beim Einzug des Rektors mit dem Kardinal sollten sie alle „Großer Gott wir loben Dich“ anstimmen und alle 11 Strophen solange wiederholen, bis der Kardinal die Große Aula „freiwillig“ verlassen würde. Dazu wurden auf allen Plätzen Liederzettel verteilt denn man ging davon aus, dass auch die Nichtkommunisten aus Höflichkeit mitsingen würden, bevor sie merkten, was gespielt wurde. Und so war es dann auch. Zu Beginn sangen alle Anwesenden mit, auch Rektor Lobkowicz. Aber schon nach der dritten Strophe kam Verdacht auf denn an der Stelle „Alles ist Dein Eigentum“ brachen die Kommunisten in lautes Gelächter aus von wegen Abschaffung des Privateigentums. Dennoch, die Durchführung klappte wie geplant und ich - Student und eifriger kommunistischer Kader - begeistert mitsingend mittendrin. Hatte doch Karl Marx schon gesagt: „Man kann die versteinerten Verhältnisse nur dadurch zum Tanzen bringen, indem man ihnen ihre eigene Melodie vorspielt“. Nach kurzer Zeit war Kardinal Ratzinger klar, dass er sich trotz des Mikrofons kein Gehör würde verschaffen können, und die Veranstaltung wurde in einen anderen Raum außerhalb der Universität verlegt. Damit war die Sache noch nicht erledigt zumindest nicht für mich: Zwanzig Jahre später hatte ich auf Wegen, die letztlich nur Gott allein versteht, zur Kirche zurückgefunden und jedes Mal, wenn ich „Te Deum laudamus...“ hörte, wurde mir äußerst mulmig, denn jetzt wurde „Großer Gott wir loben Dich“ gesungen. Und damit kam jedesmal die Erinnerung an den kleinen Mann in Priesterkleidung, der da allein vor ca. 600 Leuten stand und wartete, dass man ihn reden ließ und der, als er merkte, was gespielt wurde, milde lächelnd den Saal verließ, begleitet von rhytmischem Klatschen und Sprechchören wie: Ra Ra Ratzinger. Da ich inzwischen schon einige seiner Bücher gelesen hatte, war mir auch klar, daß er nichts versäumt hatte, als wir ihn am Reden hinderten, wir dagegen viel, da wir uns am Hören gehindert hatten. An Pfingsten im Jahr 2000 schließlich wieder einmal war ein Te Deum zum Dank angestimmt worden - konnte ich mich endlich vor lauter Scham, die mit jeder Zeile, die ich von ihm las, größer wurde, zu einer Entschuldigung durchringen. Schriftlich. Beim Präfekten der Glaubenskongregation persönlich. Das Schreiben steckte ich in einen Umschlag mit der Adresse: Kardinal Ratzinger, Vatikan, Rom, Italien in der Hoffnung, das würde ankommen. Es kam an. Vier Wochen später erhielt ich von Kardinal Ratzinger einen Brief mit einer persönlichen handgeschriebenen Antwort. Vier oder fünf Zeilen des Inhalts: Gerne nehme er meine Entschuldigung an; dass seine Bücher mir hilfreich seien, freue ihn, und daß ich den Weg zur Kirche gefunden habe, sei schon ein „Großer Gott wir loben Dich“ wert. Große befreiende Freude. Schließen möchte ich mit zwei brandaktuellen Sätzen, die G.K.Chesterton zwar nicht über Papst Benedikt XVI. geschrieben hat, sondern über den heiligen Thomas von Aquin: „St. Thomas muss sich eine ganze Anzahl von Feinden gemacht haben, obgleich er kaum irgend jemand als Feind behandelte. Leider wirkt Milde oft aufreizender als ihr Gegenteil.“ 1. Februar Zweiter Teil Der apostoloische Vikar Pompallier hatte dem P. Bataillon versprochen, nach fünf Monaten zum Besuch der Missionen von Mittel-Ozeanien zurück zu kommen. Der Missionar hatte daher den Wallisern die nahe Ankunft des Bischofs verkündet. Nicht allein die Katechumenen, sondern auch die Heiden freuten sich darauf, indem Pompallier den besten Eindruck auf die Eingeborenen von Wallis gemacht hatte. Nachdem aber statt eines halben Jahres anderthalb Jahre seit der Abreise des Bischofs verflossen waren, hielten viele die Worte des Paters Bataillon für eine absichtliche Täuschung. Dies schadete nicht wenig dem Fortschritt des Evangeliums. Unter diesen Umständen war es ein Glück, dass im Mai 1839 zehn Missionare, die nach Neuseeland bestimmt waren, auf Wallis landeten. Ihre, wenn auch nur vorübergehende, Anwesenheit diente doch dazu, den Mut der Katechumenen zu erhöhen und das sinkende Ansehen des P. Bataillon unter den Heiden wiederherzustellen. Bataillon besuchte mit diesen Missionaren die Insel Futuna und blieb einige Wochen bei seinem Ordensgenossen, dem P. Chanel. Während seiner Abwesenheit entbrannte der König wieder in Zorn gegen seine christlichen Untertanen, namentlich gegen die Einwohner der kleinen Insel Nukutea; er stieß gegen Tahangara ernstliche Drohungen aus. Überdies boten die Protestanten alles auf, um das Eindringen des katholischen Glaubens auf Wallis zu verhindern. Der Gedanke an eine feste Begründung der katholischen Kirche in der Nähe ihrer Hauptniederlassungen war ihnen unerträglich. Doch wagten sie nicht, selbst nach Wallis zu kommen; sie suchten vielmehr ihren Zweck dadurch zu erreichen, dass sie die wallisische Inselgruppe mit verleuderischen Flugschriften gegen die katholische Religion und mit verfälschten Bibeln überschwemmten. Allein trotz dieser Bemühungen und ungeachtet der feindseligen Stimmung des Königs wurde die Hinneigung der Bevölkerung zum katholischen Glauben allmählich größer; die Missionare gewannen an Einfluss und traten mit ihrer Missionstätigkeit immer offener hervor. Bataillon wagte es sogar, auf der kleinen Insel Nukutea, deren Einwohner fast sämtlich Christen waren, eine Kirche zu bauen und den Gottesdienst öffentlich zu halten. An den Feiertagen war zweimal, an den Wochentagen einmal öffentlicher Unterricht; Sonntags aber wurden beim feierlichen Hochamt Lieder in wallisischer Sprache vom Volke gesungen. Der feierliche Gottesdienst und der öffentliche Unterricht zogen oft ganze Familien, mitunter sogar ganze Dorfschaften nach Nukutea. Selbst mehrere der mächtigsten Häuptlinge der großen Insel nahmen den katholischen Glauben an, und die Zahl der Getauften stieg bald auf achthundert. Unter diesen Umständen war die Ankunft des Paters Chevron und des Laienbruders Attalus, welche der Bischof Pompallier, der selbst Neuseeland nicht verlassen konnte, zur Verstärkung der Missionen von Mittel-Ozeanien nach Wallis und Futuna gesandt hatte, eine höchst erfreuliche Erscheinung. Die neuen Missionare hatten auf ihrer Fahrt die Fidschi-Gruppe und die Insel Tonga besucht und kamen im Mai 1840 auf Wallis an. Hier hielt sich Pater Chevron einige Zeit auf und begab sich sodann nach der Insel Futuna. Diese Insel war noch immer der Schauplatz der Kämpfe zweier Parteien. Zwar hatte man sich bei der bedenklichen Abnahme der Bevölkerung dahin geeinigt, dass die Gefangenen nicht mehr geschlachtet und verzehrt werden, sondern als Sklaven unter der Botmäßigkeit der Sieger leben sollten. Doch waren die Kriege, welche Niuriki, König von Poi, um diese Zeit gegen den Stamm von Singavi führte, für beide Seiten sehr verderblich. Sie waren ein wesentliches Hindernis für den Fortschritt der katholischen Mission. Auch lag dem König Niuriki der Gedanke an die Annahme der christlichen Religion fern, indem seine Autorität, wie sein Einkommen, großenteils aus dem herrschenden religiösen Aberglauben hergeleitet waren. Er hatte die Missionare nur deswegen freundlich aufgenommen, weil er hoffte, in den Parteikämpfen von ihrer Anwesenheit Nutzen zu ziehen. Die Erfolglosigkeit der katholischen Glaubenspredigt auf Futuna in den ersten Jahren ist also wohl erklärlich. Doch wurden die Missionare teils durch die freundlichen Zusicherungen des Königs Niuriki, dass er keineswegs abgeneigt sei, einstens die christliche Religion anzunehmen, teils durch Beweise des Vertrauens und der Zuneigung anderer Futunier mitunter getröstet und zu neuen Hoffnungen aufgerichtet. Besonders günstig wirkte auf die Stimmung der Futunier der Besuch, den P. Bataillon im Jahre 1839 mit den nach Neuseeland bestimmten Missionaren auf Futuna machte. Da P. Bataillon schon damals weit mehr als P. Chanel der Landessprache mächtig war, so predigte er vor dem Könige und vielem Volke mit einem solchen Erfolg, dass eine Menge abergläubischer Gegenstände öffentlich verbrannt wurde. Dieses erschütterte nicht wenig das Vertrauen zu den Göttern; zwei Dörfer des Königs Niuriki sprachen sogar ihr Verlangen nach Belehrung und Taufe offen aus. P. Chanel und Bruder Nizier mischten sich nicht in die Parteistreitigkeiten; sie standen vielmehr über den Parteien und besuchten furchtlos die Gebiete beider kriegführenden Stämme. So gewannen sie auch einigen Anhang im anderen Lager; besonders schloss ein junger Häuptling von Singavi namens Sam-Keletoni sich von ganezem Herzen den Missionaren an. Das Vertrauen aber, welches der feindliche Häuptling gegen die Missionare an den Tag legte, erregte leider beim König Niuriki ein Misstrauen, welches allmählich in wirklichen Hass ausartete. Unterdessen entbrannte zwischen den beiden feindlichen Parteien der Kampf, der einige Zeit geruht hatte, aufs Neue. Auf Niurikis Seite standen zwei Betrüger, die als Orakel mächtiger Götter betrachtet wurden. Diesen schrieb man allgemein das Übergewicht dieses Königs zu. Um sie für sich zu gewinnen, schickten die besiegten Singavier eine Gesandtschaft zu denselben und ließen ihnen ein Geschenk von zehn gebratenen Schweinen anbieten. Die beiden Seher widerstanden dem lockenden Anerbieten nicht und entflohen in das Tal der Gegner. Sofort durchtobte wildes Kriegsgeschrei die ganze Insel. P. Chanel machte die größten Anstrengungen, den Frieden zu vermitteln. Er begab sich von einem Lager ins andere und brachte den erzürnten König Niuriki wirklich dahin, seinem schwächeren Gegner Frieden und Geschenke anzubieten; aber alles umsonst. Der König von Singavi, des Sieges gewiss, wollte nur Krieg, um die früher erlittenen Niederlagen zu rächen. Am 10. August 1839 erfolgte der Kampf, den die Krieger von Singavi eröffneten, indem sie einige Leute Niurikis durch Flintenschüsse verwundeten. Anfangs schien sich auch der Sieg für sie zu erklären. Doch Niuriki ließ sich dadurch nicht abschrecken; er ermunterte die Seinigen und stürzte sich in das Treffen mit solchem Ungestüm, dass der Feind nicht widerstand. Die feindliche Jugend zerstreute sich zuerst. Der König von Singavi, einer der beiden Betrüger, welche den Krieg veranlasst hatten, ein Engländer, der kürzlich angekommen und ein erklärter Anhänger der Besiegten war, endlich die meisten untergeordneten Anführer dieser Partei kamen im Getümmel um. Von Seiten der Besiegten bedeckten 24 Leichen das Schlachtfeld; doch zählten die Sieger auch 13 Tote. Für die schwache Bevölkerung Futunas waren diese Verluste schon sehr beträchtlich. Sobald die Missionare Kunde von diesen blutigen Ereignissen erhielten, eilten sie nach dem Schlachtfeld, um den Verwundeten beizustehen und den Sterbenden, wo möglich, das Sakrament der Taufe zu erteilen. Inmitten der Wehklagen der Verwandten der Verwundeteten und Getöteten erfüllten sie dieses Liebeswerk bis in die Nacht hinein. Sam-Keletoni, eine Hauptstütze der besiegten Partei, hatte wie ein Löwe gefochten; er war der Letzte, der den Kampfplatz verließ. Indem er aber der Übermacht wich, zog er sich auf einen hohen, unzugänglichen Berg zuück. Hier besuchte ihn Pater Chanel und fand ihn, umgeben von seiner geflüchteten Familie und dem Reste seiner Mannschaft, in der traurigsten Lage, so dass der Missionare bei seinem Anblick in Tränen zerfloss. P. Chanel umarmte ihn und drang in ihn, sich so schnell als möglich zu Schiffe zu retten und mit den Seinigen auf Wallis eine Zufluchtsstätte zu suchen. Sam-Keletoni folgte diesem Rat, wurde auf Wallis von P. Bataillon freundlich empfangen und nach einer gründlichen Belehrung in die Zahl der Katechumenen aufgenommen. Nach seinem Abzuge aber unterwarf sich Singavi dem Sieger, so dass nunmehr König Niuriki ganz Futuna beherrschte. Wird fortgesetzt. 31. Januar 89. Folge Unter den Priestern, welche die Meineide des Titus Oates in die gefürchteten Gefängnisse von London brachten, befand sich auch der Prediger der Herzogin von York, P. Claudius de la Colombière. Er ist der bekannte Gewissensführer der seligen Margareta Maria Alacoque [1920 heiliggesprochen], welcher der Heiland die Schätze seines ... 30. Januar In der Neujahrsansprache, die Bischof Gebhard Fürst am 6. Januar 2010 in der Rottenburger Festhalle gehalten hat, ging das ehemalige Mitglied des Nationalen Ethikrates hart mit den Methoden ins Gericht, mit denen 2008 die den Lebensschutz weiter aushöhlende Novellierung des Stammzellengesetzes durchgedrückt wurde. Zu diesen Methoden gehörten Heilungsversprechen, die nie erfüllt wurden (“Von den durch Forscher und Medien zwischen 2000 und 2008 geweckten Versprechungen bezüglich der therapeutischen Möglichkeiten der embryonalen Stammzellen ist bislang nichts wahr geworden. Es gibt nach 10 Jahren Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen keine einzige Therapie”), das Verschweigen der Erfolge der adulten Stammzellen und das Herunterspielen der Gesundheitsrisiken: “Zudem wurde das Tumorrisiko bei Therapien mit menschlichen embryonalen Stammzellen nicht gesehen bzw. nicht angemessen dargestellt.” 30. Januar Vor 150 Jahren, am 30. Januar 1860, starb in Tonkin, Nordvietnam, als Märtyrer der selige Thomas Khuong. Er wurde 1789 geboren und war der Sohn eines Mandarins. Vor seinem Tod musste er noch grausame Torturen erleiden. Er gehört zu einer Gruppe von 25 Märtyrern, die Pius XII. 1951 seligsprach und die zu den 4000 Opfern der Christenverfolgung gehörten, die zwischen 1857 und 1862 in Tonkin wütete. Zu dieser Gruppe gehört auch der hl. Bischof Diaz Sanjurjo. 30. Januar Vor 300 Jahren, am 30. Januar 1710, starb in Turin der sel. Sebastiano Valfrè Or, vom hl. Don Bosco “der Apostel Turins” genannt. 29. Januar Das Anliegen einer liturgischen Erneuerung, das Papst Benedikt XVI. immer wieder vorgetragen hat, fällt auf fruchtbaren Boden: In letzter Zeit sind vier vielbeachtete Studien dazu erschienen:
29. Januar Vor 100 Jahren, am 29. Januar 1910, gründete der selige Giuseppe Allamano (1851 - 1916) die Missionsschwestern von der Consolata. Allamano war ein Neffe des hl. Giuseppe Cafasso (1811 - 1860), des Beraters des hl. Don Bosco (1815 - 1888). Er wurde im selben Ort wie Cafasso und Don Bosco geboren, in Castelnuovo d’Asti, und hatte als Gymnasiast den letzteren zum Seelenführer. Er gründete 1901 die Gemeinschaft der Missionare von der Consolata, die 1902 ihre ersten Missionare nach Kenia aussandte. 1910 gründete er die erwähnte Schwesterngemeinschaft. Der Name Consolata leitet sich vom Consolata-Heiligtum in Turin her, einem Gnadenbild der Muttergottes, der Patronin Turins, für welches 1836 eine Wallfahrtskirche (Bild) erbaut wurde. Deren Rektor war Allamano seit 1880. Dem Orden der Missionsschwestern von der Consolata gehörte Leonella Sgorbati an, die am 19. September 2006 von fanatischen Muslimen aus Rache gegen die Regensburger Rede des Papstes ermordet wurde. 29. Januar Einen Ausschnitt aus meinem Interview, das letzten Samstag in der Tagespost erschienen ist, bringt Elsa Laska auf ihrem Blog, samt Kommentar. 29. Januar Der französische Dramatiker und glühende Katholik Paul Claudel erlebe seit einiger Zeit auf deutschen Bühnen eine Renaissance, meint in der Welt von heute Stefan Keim anlässlich der Neuinszenierung des philosophischen Beziehungsdramas Der Tausch durch den bekannten Opernregisseur Christoph Loy. Über die Gegenwartsbedeutung Claudels schreibt er: “Doch vor allem fragt Claudel beharrlich nach Werten, zeigt den verführbaren, sündhaften Menschen, diskutiert die Alternativen seines Handelns. Das macht ihn interessant für Regisseure, die den immer noch allgegenwärtigen Relativismus überwinden wollen.” 28. Januar Von Prof. Dr. Rolf Schönberger Dritter und letzter Teil So sehr die Distinktion eine unersetzliche Weise klaren Denkens ist, so sehr sind konkrete Begriffe erst geeignet, umfassende Zusammenhänge in dem Sinne denkbar zu machen, dass man auf die Zusammengehörigkeit achtet. Auf solche abstrakten Trennungen zielt die Kritik Dekus durchgängig: Forschung und Lehre, Wahrheit und Liebe, Theorie und Praxis. Dass sich dann, wenn es nicht um die Feststellung empirischer Tatsachen geht, sondern um die Fassung ganz grundsätzlicher Sachverhalte, bestimmte Präferenzen oder Bedingtheiten geltend machen, erscheint nicht unplausibel. Wenn man darauf aufmerksam geworden ist, dann sprechen Texte, die in geistesgeschichtlichen Kategorien gedacht unterschiedlichen oder gar weit voneinander entfernten Traditionen zuzuordnen sind, in einem verwandten und konvergierenden Sinne. Wie oft wird der Satz des Augustinus zitiert: mores perducunt ad intelligentiam (Gute Sitten führen zur Einsicht)! Und ähnlich lautende oder in eine ähnliche Richtung zielende wären ebenso anzuführen. Aber hier wird man bemerken, dass für die Einheit von beidem sich bestimmte philosophische oder psychologische Gründe anführen lassen, diese enthalten aber noch nicht den Grund, darauf mit einem solchen Nachdruck zu pochen. Hier spielen Denkerfahrungen eine Rolle, auf die Deku rekurrieren kann, bei denen er aber darauf verzichtet, sie zu Markte zu tragen. So wie viele Neuplatoniker nach Formeln gesucht haben, um die beiden bedeutendsten Philosophen der Antike nicht in einem unversöhnlichen Gegensatz verharren zu lassen, so wie Thomas von Aquin es immer wieder unternommen hat, durch interpretatorische Kunst Augustinus nicht gegen Aristoteles auszuspielen, so kann man in diesem œuvre ein vergleichbares Interesse am Werke sehen: Wenn man so oberflächliche Kategorien wie Statik und Dynamik verwendet, dann hat das Griechentum mit der semitischen Tradition allerdings nichts zu tun. Wenn man aber das Anliegen und die Ansprüche der Texte selbst in den Blick nimmt, dann lässt sich die Verbindlichkeit in beiden Fällen anerkennen, weil es nicht schlechterdings unterschiedliche Ansprüche oder inkommensurable Gesichtspunkte wirksam sind. Natürlich kann man einfach sagen, die platonische Konzeption der Seele habe kein unmittelbares Äquivalent im Alten Testament (Deku verteidigt freilich, dass auch das AT die Unsterblichkeit der Seele kenne). Aber warum müssen wir uns der biblischen Anthropologie anschließen und alles verwerfen, was ihr "fremd" ist? Das folgt einfach nicht. Stattdessen muss man sich auf die Inhalte in allen ihren Sinnschichten einlassen. Und dabei gilt dann: Nähe und Ferne sind relativ, nämlich bezogen auf das, worum es geht bzw. was auf dem Spiele steht. Es werden im Übrigen die Differenzen aber nicht verwischt. Was es mit der Kirche auf sich hat, kann man nicht in die Antike zurückdatieren. Deku schreibt im Zusammenhang der antiken Gottesbeweise: "Allerdings kam einem auch dafür der so bewiesene Gott im Alltag nicht allzu nahe, obschon er von allen Fehltritten wissend, diese nach dem Tode bestrafte es hatte nur niemals geheißen: Tibi soli peccavi [Ps. 51 (50), 6]." Hierfür gäbe es noch weitere Beispiele. Dekus Schriften sind überreich an historischem Material, aber dieses ist niemals Selbstzweck. Die Kritik am Historismus unter dem irreführenden Interesse am Relativismus, am mangelnden Einheitssinn ist durchgängig und durchgängig radikal. Umso interessanter sind die Reflexionen zum sich geschichtlich (!) wandelnden Begriff der Geschichte. Dann erst werden wieder grundsätzliche Fragen wie die interessant, was denn geschichtliche Prozesse bestimmt, von welcher Art diese Bestimmung überhaupt ist. Man kann zudem sehen, dass eine frühe, schon aus den 30er Jahren datierende Aufmerksamkeit auf das Phänomen, das Deku "Selbstbestrafung" nennt und dem er einen ganz besonders materialreichen Aufsatz gewidmet hat, auch seine Geschichtsinterpretation leitet: So wie es Antizipationen und teleologische Prozesse in der Geschichte gibt so dass sich jene Antizipationen vom Ziel her interpretieren lassen , so gibt es auch vergleichbar bei individuellen Abirrungen auch in der Geschichte "Selbstbestrafung". Nach dem Satz des Thomas von Aquin, dass peccatum est poena peccati (eine Sünde die Strafe einer [anderen] Sünde ist), liegt die Selbstbestrafung darin, dass die Korrektur ausbleibt und Abirrung noch tiefgehender wird und noch radikaler ausfällt. Hierfür gibt es in den Aufsätzen mannigfache Beispiele. Eine andere Form der Deutung geschichtlicher Prozesse besteht darin, eine einigermaßen konstante Systematik zugrundezulegen sei sie ontologischer, sei sie moralpsychologischer Art. Von diesen systematischen Zusammenhängen aus werden Entwicklungen identifiziert, die etwa funktionale Äquivalente bereitstellen. Allerdings: Bestimmte "Systemstellen" können zwar inhaltlich kritisiert werden, diese Kritik geht aber anscheinend unmöglich so weit, dass diese Stellen selbst unbesetzt bleiben könnten. Am geläufigsten ist der Prozess der Vergötzung: an die Stelle Gottes tritt die Nation, der Fortschritt, die Geschichte etc. Da es sich aber selbstverständlich gerade nicht um austauschbare Inhalte handelt, erklären solche Substitutionen wieder neue Verirrungen. Ganz platonisch inspiriert ist die Rolle, die der Mathematik zugesprochen wird. Sie ist das Bollwerk gegen allen Relativismus und der Ausweis für absolute Wahrheit. Dass sie eine humanisierende Wirkung auf den haben sollte, der sich ihr zuwenden, gehört ebenfalls zu einer Tradition, für Deku Belege von Platon über Boethius und Descartes bis Christian Wolff angibt. Ganz außergewöhnlich ist allerdings die Analogie, die Deku zwischen den Einheitsleistungen der Mathematik und der Vereinheitlichung der Tugendpraxis vorliegen sieht (WT 149; 228). Die im Denken gefassten Relationen können zwingend sein, ihre Geltung ist aber keine, die im Sosein oder gar im Sogewordensein der Vernunft ihr Fundament hat. Die menschliche Vernunft hat selbst ein Fundament aber kein dingliches, kein geschichtliches, kein sprachliches. Diese Bedingtheiten werden freilich keineswegs bestritten, vielmehr sogar untersucht; worauf es Deku aber ankommt, ist, dass ihre Erklärungskraft nicht indifferent ist dagegen, ob eine Einsicht oder ein Irrtum verständlich zu machen ist. Henry Deku war eine in höchstem Maße eindrucksvolle Persönlichkeit. Wenn man zweifeln konnte, ob es Philosophie im authentischen Sinne gibt, ob es Philosophie in einer Weise gibt, die sich nicht als Professoren-Philosophie im Stile Schopenhauers oder Nietzsche verdächtigen lässt, dann konnte einem die Begegnung mit diesem Mann eines Besseren belehren. In seiner Persönlichkeit bildeten tiefster Ernst und geistreicher Witz, eine sokratische Form unmittelbaren Fragens und eine geradezu stupenden Gelehrsamkeit eine unvergleichliche Einheit. Das Wissenwollen kann ausgesprochen ansteckend sein. Inspirierend wird das philosophische Fragen eines akademischen Lehrers aber erst dann, wenn ein Denker nicht bloß bestimmte Auffassungen "vertritt", sondern den Geist, aus dem die Suche nach Wahrheit hervorgeht, verkörpert. Die Konsequenzen von Gedanken werden dann erst sichtbar; denn Verbindlichkeit bedarf nicht allein einer guten Begründung, sondern der Erfahrung. Argumente dienen dazu, Behauptungen einsichtig zu machen. Dass es aber lohnend ist, darüber nachzudenken, das geht auch aus noch so starken Argumenten nicht hervor. Man kann es nur im "Umgang" (Platon, Ep. VII) erfahren, womit es jemand Ernst ist am Ende dasjenige Ziel, von dem die Philosophie weithin abgekommen ist: sapientia. Am 13. Dezember 2009 jährte sich der Geburtstag von Henry Deku zum hundertsten Mal. Dieses Jubiläum fiel auf den Sonntag Gaudete. Aufsatzsammlung: 27. Januar Von P. Franz Prosinger Die zentrale Begründung einer Zurückweisung staatlicher Reglementierungen im religiösen Bereich abgesehen von Verstößen gegen die Grundprinzipien der Moral und den berechtigten Frieden in der Gesellschaft findet sich im ersten Abschnitt der Konzilserklärung „Dignitatis humanae“ (DH 1). Nachdem die Heilige Synode zuerst die aus der Offenbarung Gottes folgende Pflicht der Menschen gegenüber der einzig wahren Religion bekennt, heißt es: „In gleicher Weise bekennt die Heilige Synode, daß diese Pflichten der Menschen das Gewissen berühren und binden, wobei sich die Wahrheit auf keine andere Weise auferlegt als kraft der Wahrheit selbst, die zugleich sanft und stark den Gesinnungen eingeht“ (zur Übersetzung: „mens“ als „Geist“ zu übersetzen, erscheint mir zu allgemein es geht um die grundlegende Gesinnung als Orientierung des Denkvermögens; „illabitur“ besagt wörtlich ein Einfallen oder Hineingleiten). In falscher Bescheidenheit gibt der Konzilstext die biblische Quelle jenes „suaviter simul ac fortiter“ nicht an. Es stammt aus der lateinischen Bibelübersetzung des hl. Hieronymus, aus dem Buch der Weisheit Salomons im 8. Kapitel, Vers1: „adtingit enim a fine usque ad finem fortiter et disponit omnia suaviter“ (vielen bekannt aus der O-Antiphon zum Magnificat am 17. Dezember). Den griechischen Urtext können wir etwa so übersetzen: „Sie (die Weisheit) erstreckt sich von einem Ende zum anderen wohl-entschlossen und durchwohnt das All zuträglich.“ Dem „suaviter“ entspricht im Griechischen das chrêstôs, an sich ein Allerweltswort aus chrê und chraomai: tauglich, zweckmäßig, nützlich, brauchbar, zuträglich, förderlich etc. Aber hier, wie auch in Mt 11,30 und 1 Petr 2,3, meint es eine ganz eigene Art der religiösen Wirklichkeit. Das Substantiv chrêstótês bezeichnet in Tit 3,4 das Wesen Gottes, das sich zusammen mit seiner Menschen-Freundschaft im Werk der Menschwerdung und Erlösung in Jesus Christus geoffenbart hat. Es geht also um sein dem Menschen ent-sprechendes Wesen, da der Mensch durch seine Gottebenbildlichkeit den Ruf Gottes als Ruf zu freundschaftlicher Beziehung zu vernehmen vermag (vgl. Gen 1,26 und 2,7). Eben darum geht es auch im zentralen Abschnitt des Buches der Weisheit Salomons (Näheres und Tieferes im Sammelband von Gilbert Maurice, La Sagesse de L'Ancien Testament, Leuven 19792). Nachdem der König erkannte, daß auch er nur ein armseliger, hilfloser Mensch ist (7,1-6), betet er flehentlich um Einsicht und den Geist der Weisheit (7,7 in Anspielung an den berühmten Traum von Gibeon in 1 Kg 3,5-12). Dabei hat der Beter nicht all die zusätzlichen Vorteile der Weisheit im Sinn (7,11 vgl. 1Kg 3,13), sondern die Weisheit selbst als „ein unerschöpflicher Schatz: die ihn besitzen, ziehen an die Freundschaft Gottes an, empfohlen durch die Gaben aus Unterweisung“ (7,14). Auch hier ist die Gottesfreundschaft das eigentliche Ziel, wobei die erkannte Transparenz des Geistes im Bau des Weltalls und in der Wirksamkeit der Elemente (7,17) dieses Vertrautsein mit Gott ermöglicht (vgl. Röm 1,20): „was verborgen ist und was offenbar erkannte ich: denn die alles kunstvoll gestaltet, hat es mich gelehrt: die Weisheit“ (7,21). Nun folgt der berühmte Abschnitt (7,22 8,1), den man in Anlehnung an 1 Kor 13 als das Hohelied der Weisheit bezeichnen kann: Die eigenartige Verbindung besteht einerseits in der Diskretion und Unscheinbarkeit: der der Weisheit innewohnende Geist ist leptós d.h. fein, zart, dünn, subtil..., und er wohnt in allen Geistern, die verständig sind und rein und ebenfalls ganz und gar fein, zart, dünn, subtil... (7,23). Der Autor betont noch einmal, dass es die Behendigkeit und die Reinheit ist, durch die die Weisheit durch alles hindurch verweilen und wirken kann (7,24). Andererseits und dies ist das Erstaunliche ist dieser so unscheinbare Geist wohl-wirkend, ja alles vermögend (auch der hl. Paulus verwendet immer wieder die Worte dynamis und enérgeia, um die Dynamik und die Energie - sozusagen die Sprengkraft - dieses Geistes zu betonen). Beide Eigenschaften sind abschließend in 8,1 zusammengefaßt: Die Weisheit Gottes erstrecket sich von einem Ende (des Alls) bis zum anderen sowohl voller Kraft als auch in angemessener Sanftmut. Die rahmende Vor-Beschreibung in 6,12-21 betont, daß sie leicht von denen erkannt wird, die sie lieben, und von denen gefunden wird, die sie suchen (6,12). Offensichtlich ist dem Menschen bereits eine Vorahnung und Sehnsucht eröffnet, die ein Suchen aus Liebe ermöglichen, das durch ein Finden und Erkennen beantwortet wird. Erwartet wird ein herzliches Erwägen und eine Wachsamkeit des Geistes (6,15), ein Ausschauen schon am frühen Morgen, denn sie die Weisheit sitzt vor der Tür (6,14). So sagt Christus, die Mensch-gewordene Weisheit Gottes: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Offb 3,20). Ja, die Weisheit „geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind, und erscheint ihnen freundlich auf den Wegen und begegnet ihnen in jedem Vorhaben“ (Weish 6,16). Beide Aspekte sind notwendig, um dem Menschen eine freie Antwort aus Liebe zu ermöglichen. Ohne die diskrete Zurückhaltung der in allen Dingen verborgenen Weisheit Gottes wäre der Mensch überwältigt, geblendet und gleichsam gezwungen und ohne die machtvolle Offenbarung des göttlichen Wirkens würde der Mensch im Dunklen tappen oder sich in esoterischen Unverbindlichkeiten verlieren. Die Offenbarung Gottes ist anspruchsvoll, aber nicht elitär. Im Gegenteil: gerade nicht die Mächtigen und Weisen dieser Welt gelangen zu ihrer Erkenntnis (1 Kor 1,26-29), sondern die Armen im Geist (Mt 5,3). Die religiöse Wirklichkeit ist kein Reflektionssystem, das einen ausgeklügelten Verstand erforderte, und kein auferlegtes System von Regeln, dem man sich zu unterwerfen hätte. Sie ergreift den Menschen im Ursprung seiner Existenz und erfordert eine feine innere Bereitschaft. Der Geist der göttlichen Weisheit erweist sich gerade dadurch als „menschfreundlich“, daß er in seiner „Feinheit“ alle Geister durchdringt, die ihm in derselben „Feinheit“ entsprechen (Weish 7,22f). Erfordert ist unvoreingenommene Offenheit und selbstloses Suchen dieser Wahrheit, die sich „auf keine andere Weise auferlegt als kraft der Wahrheit selbst, die zugleich sanft und stark den Gesinnungen eingeht“ (DH 1). Deshalb ist eine staatliche Reglementierung dieses religiösen Bereiches von Exzessen gegen die Moral und dem öffentlichen Frieden abgesehen im strengen Sinn des Wortes unangemessen. Zweiter Teil folgt. Zum Thema: 26. Januar Eine Online-Petition zur Unterstützung von Bischof Andre-Mutien Léonard gegen die Angriffe wegen seiner Ernennung zum Erzbischof von Mechelen-Brüssel und Primas von Belgien ist auf dieser Website eingerichtet worden. Bischof Léonard ist ein Freund der überlieferten Liturgie, vgl. etwa die Informationen auf summorum-pontificum unter dem Datum vom 18. Januar. 26. Januar Über den Einfluss eines gewissen Feminismus und der einseitigen Praxis von "Gender Mainstreaming" ist solches nun allerdings weithin auch offizielle Politik geworden. Den Jungen sollen Eigenschaften abtrainiert werden, die, wie Bewegungsdrang, Wettbewerb, Leistungsstreben oder Autonomie, traditionelle Qualitäten von Männlichkeit sind. Eine Frauen- und Gleichstellungsministerin ihres Landes hat vor einigen Jahren vom "Ausmerzen" dieser männlichen Eigenschaften gesprochen. Jungen müssten sich halt heute einfach in ihrem Verhalten an den Mädchen ausrichten, die Mädchen würden jetzt vorgeben, was richtig ist und was falsch. Aus: Prof. Dr. Walter Hollstein, Was vom Manne übrig blieb - Das Problem der männlichen Identität. Weitere Infos über Gender Mainstreaming 26. Januar Die Bischöfe sind in Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri “Zeugen der katholischen Wahrheit” und “authentische, d. h. mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer” (Lumen gentium, Nr. 25). Diese Beziehung zu dem Glaubensgut, das der Kirche von Chrstus anvertraut wurde, damit sie es hüte und verkündige, ist die Quelle der schweren Verpflichtungen, die das bischöfliche Amt kennzeichnen. Papst Johannes Paul II. heute vor 25. Jahren in seiner Ansprache an die Bischöfe Venezuelas in Caracas während seiner Pastoralreise nach Lateinamerika (26. Januar bis 6. Februar 1985; aus: Der Apostolische Stuhl 1985, S. 290 f. 25. Januar Den Beitrag von P. Franz Prosinger über unser Leben als Advent habe ich mit dem thematisch ähnlichen Beitrag von Eduard Kamenicky zusammengestellt, während ich die beiden anderen Beiträge Kamenickys, die dort ursprünglich standen, auf einer eigenen Seite untergebracht habe. 25. Januar Diese Website umfasst inzwischen etwa 300 Seiten. Welche 60 Seiten sind im Jahr 2009 am meisten gelesen worden, haben es also ins oberste Fünftel geschafft? Wir geben die Top 60 auf unserer Rankingseite an. Hier finden Sie die ersten 20, angegeben mit der Veränderung gegenüber dem Vorjahr.
25. Januar Als Vorbild für eine gepflegte Debattenkultur empfiehlt Georg Alois Oblinger (Tagespost vom 23. Januar 2010) das öffentliche Streitgespräch, das 1928 zwischen Gilbert Keith Chesterton und George Bernard Shaw unter der Leitung von Hilaire Belloc stattfand und nun in deutscher Sprache wieder im Elsinor-Verlag publiziert wurde (Sind wir uns einig?, Coesfeld 2009). In der Sozialen Frage standen sich dabei der Standpunkt des Sozialismus und der des Distributismus gegenüber mit all ihren religiösen und weltanschaulichen Implikationen. Im Vergleich zum geistreichen Stil des Streitgesprächs empfindet Oblinger jede heutige Fernseh-Talkshow als “unglaublich fade”. Das Buch enthält außerdem acht Essays Chestertons, in denen es u.a. um eine saubere Grenzziehung naturwissenschaftlicher Kompetenz geht: “Wer nur das Materielle als Gegenstand seiner Forschung kennt, kann daraus nicht folgern, dass damit bewiesen sei, es gäbe nur Materielles.” Die “halbwissenschaftlichen Revolutionäre” hätten “den großen Paradoxien (...) nur Gemeinplätze entgegenzusetzen.” 24. Januar Von P. Sven Leo Conrad FSSP Aus Anlass des Priesterjahres hat die Priesterbruderschaft St. Petrus ein Buch ihres Liturgikers P. Sven Conrad veröffentlicht: „Empfange die Gewalt“ Sein und Vollmacht des Priesters, Theologisch- spirituelle Notizen zum Priestertum, 95 Seiten. Es stellt in klarer Sprache mit Bezugnahme auf aktuelle Entwicklungen die traditionelle Theologie des priesterlichen Amtes dar. Wir bringen daraus als Auszug das Kapitel über die einzelnen Weihestufen. Das Büchlein richtet sich an Priester, Seminaristen und theologisch interessierte Gläubige und kann kostenlos gegen eine Spende auf introibo bezogen werden. Der hl. Thomas von Aquin schenkt uns in scholastischer Tradition in seiner Summa contra Gentiles einen schönen inhaltlichen Zugang zu der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Weihestufen, wobei er die klassischen Niederen und Höheren Weihen behandelt und ihre innere Zuordnung aufeinander aufzeigt. Thomas zieht dazu einen Vergleich zur Kunst: Bei der Kunst gibt es eine eigentliche Hauptkunst, die das Kunstwerk schafft. Dieser dienen allerdings untergeordnete Künste. Der hl. Thomas sagt: „Weil die Weihegewalt hauptsächlich ausgerichtet ist auf das Konsekrieren des Leibes Christi und dessen Spendung an die Gläubigen wie auch darauf, die Gläubigen von den Sünden zu reinigen, muß es einen Haupt-Ordo geben; und dies ist der priesterliche Ordo. Die anderen dienen diesem auf irgendeine Weise, indem sie die Materie bereiten, und dies sind die Ordines der Diener. Weil also die priesterliche Vollmacht … auf ein Zweifaches gerichtet ist: auf das Konsekrieren des Leibes Christi und auf das Geeignet-Machen der Gläubigen zum Empfang der Eucharistie durch die Lossprechung von den Sünden, deshalb ist es notwendig, daß die untergeordneten Ordines dem Priestertum entweder in beidem dienen oder nur in einer dieser Aufgaben. Es ist offensichtlich, daß ein niederer Ordo insofern höher steht, wie er dem priesterlichen entweder in vielerlei Hinsicht oder in etwas Würdigerem dient. Die unteren Grade dienen dem priesterlichen Ordo nur in der Bereitung des Volkes. Die Ostiarier, indem sie Ungläubige von der Versammlung der Gläubigen fernhalten, die Lektoren, indem sie die Taufbewerber über die Wurzeln des Glaubens unterrichten … die Exorzisten, indem sie diejenigen reinigen, die schon unterrichtet sind, wenn diese auf irgendeine Weise vom Dämon am Empfang der Sakramente gehindert werden; die höheren Weihen dienen den priesterlichen sowohl in der Bereitung des Volkes als auch beim Vollzug des Sakramentes. Denn die Akolythen haben den Dienst über die nicht-geweihten Gefäße inne, in denen die Materie des Sakramentes vorbereitet wird, weshalb ihnen bei ihrer Weihe die Kännchen übergeben werden. Die Subdiakone haben die Gewalt über die heiligen Gefäße und über die Bereitstellung der noch nicht konsekrierten Materie. Die Diakone haben darüberhinaus eine gewisse Vollmacht über die schon konsekrierte Materie, indem der Diakon den Gläubigen das Blut Christi spendet: deshalb werden diese drei Weihestufen, also die Priester, Diakone und Subdiakone, heilige Weihen genannt (ordines sacri), weil sie ein Amt über irgendetwas Heiliges ausüben. Die höheren Weihestufen dienen auch in der Bereitung des Volkes. Deshalb wird den Diakonen anvertraut, die Lehre des Evangeliums dem Volk vorzulegen, den Subdiakonen die Lehre der Apostelbriefe…“ (Thomas von Aquin, SGC, liber IV, caput LXXV.28) Der hl. Thomas verweist uns hier in mancherlei Hinsicht auf das Wesentliche des Priestertums und aller anderer heiligen Ämter, wie es die Tradition versteht und wie es sich zumindest im Kern in der traditionellen Form des römischen Ritus erhalten hat. Der Priester dient dem Leibe Christi: sei es dem wahren Leib des Herrn in der Feier des eucharistischen Opfer, sei es seinem Mystischen Leib. Alle anderen Ordines assistieren ihm dabei. Anstatt den niederen Weihen im Zuge der Liturgiereform unter Wahrung ihrer Identität wieder einen neuen Sitz im kirchlichen Leben zu geben, hat man sie für den allgemeinen Gebrauch durch das Motu proprio Ministeria quaedam Papst Pauls VI. vom 15. 08. 1972 in prinzipiell laikale Ämter umgewandelt. Ostiariat und Exorzitat sollten fortan nicht mehr erteilt werden. Eine laikale Interpretation dieser liturgischen Ämter ist allerdings ein Novum in der gesamten Kirchengeschichte. (Der Priesterbruderschaft St. Petrus wie auch anderen Gemeinschaften des usus antiquior waren sie von Anfang an wieder zugestanden.) Die Niederen Weihen kann man durchaus vom Weihesakrament her verstehen und interpretieren, auch wenn sie keine sakramentalen Weihestufen sind. Die Kirche hat nämlich die Vollmacht, „in einer gewissen Nachahmung der Sakramente“ (Vaticanum II, SC 60) andere Zeichen einzusetzen, die ex opere operantis Ecclesiae (das meint aufgrund der Fürbittmacht, die der Kirche gegeben ist, die diese Sakramentalien einsetzen kann) wirken: die Sakramentalien. So können wir die niederen Weihestufen als nicht-sakramentale Ableitungen des Ordo definieren. Sie sind innerlich auf den Ordo hingeordnet und bereiten auf die sakramentalen Stufen vor. Ein Seminarist, der sich vom geistlichen Anspruch der niederen Weihen und des Subdiakonates innerlich erfassen läßt, wird so in idealer Weise spirituell auf das Priestertum vorbereitet (Eine gute spirituelle Hinführung bietet: Bernardin Goebel, Auf sieben Stufen zum Altar, Regensburg 1962). Schritt für Schritt geleitet die Kirche ihn in das Innerste des Heiligtums, im steten Blick auf das Geheimnis des Leibes Christi, der Eucharistie und des Corpus Christi Mysticum. Die Weihegebete und Ermahnungen des Ritus haben beständig diese Verbindung vor Augen. Beispielhaft sei die Monitio an die Kandidaten zum Subdiakonat angeführt. Zunächst verweist der Weihespender auf die äußeren Amtspflichten des Subdiakons am Altar, wie das Eingießen des Wassers in den Kelch zur Opferung. Dann gibt er detaillierte Anweisungen über die Altarwäsche. Schließlich interpretiert der liturgische Text diese Amtspflichten geistlich und spannt den Bogen von der Bereitung des corpus verum in der Eucharistie zum corpus mysticum: „Bemühe Dich, daß Du, indem Du diese sichtbaren Dienste, die Wir genannt haben, schön und sorgfältig ausführst, durch Dein Beispiel das Unsichtbare an ihnen vollbringst. Der Altar der hl. Kirche ist Christus selbst, wie es Johannes bezeugt, der in seiner Apokalypse anführt, einen goldenen Altar gesehen zu haben, der vor dem Throne stand, in dem und durch den die Opfer der Gläubigen Gott dem Vater geweiht werden. Die Pallen (Decken) und Korporalien dieses Altares sind die Glieder Christi, d.h. die Gläubigen Gottes, mit denen der Herr gleichsam wie mit kostbaren Gewändern umgeben wird, wie der Psalmist sagt: Der Herr ist Herrscher, er ist mit Schmuck bekleidet. Auch der selige Johannes sieht in der Apokalypse den Menschensohn mit einem goldenen Gürtel umgürtet, das ist die Schar der Heiligen. Wenn daher durch menschliche Schwachheit bei Gläubigen ein Makel entsteht, muß von Dir das Wasser der göttlichen Lehre dargereicht werden, durch das sie gereinigt zum Schmuck des Altares und zum Kult des göttlichen Opfers zurückkehren. Sei also ein solcher, der den göttlichen Opfern und der Kirche Gottes, die der Leib Christi ist, würdig dienen möge, gegründet auf dem wahren und Katholischen Glauben…“ In der klassichen Sicht erscheint letztlich das hl. Opfer der Messe als Dreh- und Angelpunkt des christlichen Lebens. Die Gläubigen sollen bereitet werden, in dieses Opfer einzugehen, würdig den eucharistischen Leib zu empfangen. Daraus erbaut sich mehr und mehr durch die Zeiten hindurch der Mystische Leib. 23. Januar In meiner letzten Randnotiz habe ich die überzogene Kritik und die Ehrfurchtslosigkeit kritisiert, mit der die Piusbruderschaft - oder sollte man besser sagen: bestimmte Mitglieder? - den Papst immer wieder überzieht. Dass es auch anders geht, zeigt eine am Tag darauf veröffentlichte Video-Botschaft, in der P. Franz Schmidberger dem Papst mit warmen und aufrichtigen Worten für die Aufhebung der Exkommunikation dankt. Je gegenstandsloser meine Kritik an der Piusbruderschaft werden sollte, um so mehr würde ich mich freuen. Ausführlicher habe ich mich zum Thema in einem Interview geäußert, das heute in der Tagespost erschienen ist. 23. Januar Vor 250 Jahren, am 23. Januar 1760, wurde in Finkenhammer bei Pleystein in der Oberpfalz Georg Michael Wittmann geboren. Nach seinem Studium in Heidelberg wurde er am 21. Dezember 1782 zum Priester geweiht. 1788 kam er ans Lyzeum (Priesterseminar) in Regensburg, wo er bis 1833 als Professor, Subregens oder Regens an der Ausbildung von über 1500 Priestern mitwirkte, so dass er “der geistige Vater des Bistums” genannt wurde. Daneben war er 25 Jahre lang Dompfarrer und damit Seelsorger für 8000 Gläubige. 1797 begann seine Freundschaft mit Johann Michael Sailer, der 1822 Generalvikar und am 23. Oktober 1829 Bischof von Regensburg wurde. Er machte 1830 Wittmann zu seinem Generalvikar, nachdem dieser schon am 1. Mai 1829 zum Weihbischof ernannt worden war. Doch schon am 20. März 1832 starb Sailer, von Wittmann mit den Sterbesakramenten versehen. Am 25. Juli 1832 wurde Wittmann von König Ludwig I. zum Bischof von Regensburg ernannt. Regierungspräsident Eduard von Schenk hatte dem König berichtet, dass Wittmann “von Protestanten wie Katholiken als ein Heiliger verehrt” werde, ungeachtet seines unerschütterlichen Festhaltens “an den Grundsätzen und Rechten der katholischen Kirche.” Doch Wittman starb am 8. März 1833 nach zwei Wochen heftigster Schmerzen noch vor dem Eintreffen der päpstlichen Bestätigung. Schon im Juli 1791 hatte ein Blutsturz Wittmann an den Rand des Todes geführt. Die Ärzte gaben ihn auf. Doch augenblicklich wurde er gesund, als er in seiner Todesnot vor einem Marienbild Gott sein Leben zum Opfer darbrachte. Wittman kämpfte “entschieden gegen den Geist der Aufklärung für strengkirchliche Gesinnung und steht darum in der Ehrenreihe der Führer der kirchlichen Restaurationsbewegung (J. M. Sailer, J. J. v. Görres, G. Zirkel, H. Felder, B. Overberg u. a.)” (Johann Baptist Lehner im LThK, 2. Auflage, Band 10, Freiburg i. Br. 1965). Er wurde zu einem “Wecker katholischen Denkens und Lebens” (ebd.). Was mit dem Geist der Aufklärung gemeint ist, gegen den Wittmann kämpfte, geht aus der Website der Diözese Regensburg hervor, die Wittmann beschreibt als einen “Kämpfer gegen den einseitigen Rationalismus der Aufklärung, die das Übernatürliche mit bloßer Humanität, die unendlich reiche und schöpferische Welt der christlichen Dogmen mit einem dürftigen Moralismus vertauschen wollte.” Im Mischehenstreit 1831 einigte er die Bischöfe Bayerns auf der Basis des kirchlichen Standpunktes. Karl Hausberger nennt ihn in der dritten Auflage des LThK einen vorbildlichen Seelsorger und Priestererzieher, den geistigen Vater der Armen Schulschwestern (Gründerin: Karolina Maria Theresia Gerhardinger) und durch seine Übersetzung des NT einen Pionier der Bibelbewegung. Unvergesslich für die Bevölkerung war seine Nächstenliebe. “Im Jahr 1809, als die Franzosen Regensburg erstürmten [am 23. April] und der Brand eine Masse Häuser in Asche legte, schritt Wittmann unter dem Kugelregen durch die Straßen der brennenden Stadt, um die Verwundeten an sichere Orte zu tragen (...) Jährlich verschaffte er einigen hundert Kindern Nahrung, Kleidung und Obdach (...) Täglich fand er sich auch im Waisenhause ein und leistete persönliche Dienste; ebenso war er in den Krankenhäusern der willkommenste Hausfreund, der nicht bloß geistlichen Trost, sondern auch leibliche Hilfe brachte und selbst vor dem Unrate nicht zurückschreckte.” (Rupert Mittermüller OSB in Wetzer und Welte). Heroisch war auch sein Einsatz im Typhusjahr 1813 und während der Hungersnot 1816/17. Kritisch dagegen beurteilt Georg Schwaiger die Erziehungsmethode Wittmanns, die durch Buchstabenkrämerei und ängstlicher Kontrolle geprägt gewesen sei, wodurch viele Seminaristen bei aller Anerkennung der lauteren und selbstlosen Absicht Wittmanns sich abgestoßen fühlten. “Sicherlich wirkte die Art Johann Michael Sailers in Landshut auf die künftigen Priester weit anziehender als die Praxis Michael Wittmanns, wie denn überhaupt von der Sailerschen Priesterschule auch im Bistum Regensburg die katholische Erneuerung zunächst die fruchtbarsten Anstöße erhalten hat” (Schwaiger, Bavaria Sancta, Band II, Regensburg 1971, S. 322). Über das Vertrauen, das Sailer in Wittmann setzte, berichtete Melchier von Diepenbrock in seiner Leichenrede: “Sailers Liebe und Verehrung für Wittmann hat sich am rührendsten gezeigt, als er in tödlicher Krankheit sein Bistum ihm empfahl und dann sagte, nun könne er ruhig sterben” (zitiert in: Berthold Lang S.J., Bischof Sailer und seine Zeitgenossen, Regensburg 1932, S. 104). An veröffentlichten Werken Wittmanns sind zu nennen: Katholische Grundsätze über die Heilige Schrift (1793), Anmerkungen zu den Büchern Mosis (1796), Vom Nutzen des Breviergebetes (1801), Nachrichten vom Geistlichen Seminarium in Regensburg (1803). Am 7. März 1955 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. 22. Januar Von Prof. Dr. Albert Lang 9. Folge 2. Kapitel: Die Texte Lk 22, 31 f. und Jo 21, 15-17 1. Petrus, der »confirmator fratrum«Das Wort des Herrn, das uns in Lk 22, 31 f. aufbewahrt ist, handelt nicht unmittelbar vom Primat des Petrus, hat aber die primatiale Stellung des Petrus, besonders seine oberste Lehrgewalt, zur notwendigen Voraussetzung. Das Wort wird vor allem zum Beweis herangezogen, daß Jesus dem Petrus das Charisma der Unfehlbarkeit verliehen hat. Dieses Herrenwort erhält ein besonderes Gewicht durch die Umstände von Ort und Zeit, unter denen es gesprochen wurde. Es ist die Stunde des letzten Abendmahles, die Abschiedsstunde des Herrn. Jesus sieht vorher, daß der Glaube der auf sich allein gestellten Apostel bedroht ist durch dämonische Einflüsterungen und Versuchungen. Dem Petrus hat er die Aufgabe zugedacht, die Kirche sicher durch alle Fährnisse zu leiten. In der Abschiedsstunde gibt er ihm den Auftrag, in den Zeiten der Gefahr die Brüder im Glauben zu stärken, gibt ihm aber auch die Versicherung, daß ihm sein Beistand bei der Erfüllung dieser Aufgabe nicht fehlen werde. Durch sein Gebet, das hier nur als ein wirksames Gebet verstanden werden kann, hat Jesus erreicht, daß der Glaube des Petrus nicht wanken wird. Das soll nicht ein persönliches Privileg für den Apostel sein, sondern eine Ausrüstung für sein Amt, die ihn verpflichtet, nun seinerseits die Brüder im Glauben zu stärken. Diesem Auftrag kann er nur nachkommen, wenn er leitend, mahnend und vorbeugend auf die Brüder einwirken kann, um ihren Glauben zu bewahren und zu lenken. Dem Confirmator fratrum muß Lehr-und Jurisdiktionsgewalt über die Brüder zustehen. Gott läßt die Prüfung aller zu. Jesus erbittet aber die Unerschütterlichkeit des Glaubens nicht für alle, sondern für den einen, er erwirkt das Charisma nicht für alle, sondern für den einen. Aber durch die Unterordnung unter die Leitungsgewalt dieses Einen wird die Festigkeit des Glaubens aller erreicht. 2. Die Übertragung der Hirtengewalt an Petrus
Die Übertragung des Primats hat Jesus erst nach der Auferstehung vorgenommen, als er sieben Jüngern am See Genezareth erschien. Nur Johannes berichtet davon. Die Szene ist in ihren äußeren Umständen ganz anders als jene bei Caesarea Philippi mit dem mächtigen Hintergrund des Hermon und anders als beim letzten Abendmahl. Friede und Ruhe kennzeichnen die Situation am Gestade des Sees. Durch den überreichen Fischfang hat sich Jesus den Aposteln zu erkennen gegeben und sich zugleich als der erwiesen, der auch den Menschenfischern Erfolg verleihen kann. Am Ufer, in dem Schweigen, das die Freude und die Ergriffenheit auferlegte, fragt Jesus den Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Da sprach er zu ihm: Weide meine Lämmer. Da fragte er ihn abermals: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Und er sprach zu ihm: Weide meine Lämmer. Er fragte ihn zum drittenmal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da ward Petrus traurig, daß er ihn zum drittenmal fragte: Liebst du mich? und er antwortete ihm, Herr, du weißt alles, du weißt auch, daß ich dich liebe. Jesus sprach zu ihm: Weide meine Schafe« (Jo 25, 5-17). Anschließend hat der Herr dem Petrus Drangsale und Verfolgung angekündigt, ja den Tod durch die Kreuzigung, und er hat ihn zu treuer Nachfolge aufgefordert (Jo 21,18-19). 1. Gegen die literarische Echtheit des Textes erhebt man vor allem das Bedenken, daß der Text in dem letzten Kapitel des Jo-Ev steht, das sich deutlich als Nachtragskapitel kundtue und erst später angefügt worden sei. Daß das 21. Kapitel ein Nachtrag zum Evangelium ist, läßt sich nicht bestreiten [7]. Der Nachtrag ist aber von Anfang an mit dem Evangelium verbunden gewesen. »Ohne dieses Nachtragskapitel hat es nie ein Exemplar des Evangeliums gegeben, soweit wir seine Geschichte verfolgen können.« [8] Das Zeugnis, das Johannes im 21. Kapitel, unmittelbar oder durch seine Schüler, über die Verleihung des Primats an Petrus ablegt, ist um so wertvoller, als das Jo-Ev sonst die Vorrangstellung des Petrus nicht besonders hervorhebt. Anmerkungen: [7] L. Vaganay, Le finale du quatrième Evangile: RevBibl 5 (1936) 512-528. Jo 20, 30. 31 ist ein eindeutiger Abschluß des Ev. Der Versuch von J. M. Lagrange (L'Évangile selon s. Jean, Paris 1925, S. 520), diese beiden Verse erst nach 21, 23 einzureihen, hat keine positiven Grundlagen. [8] K. Th. Schäfer, Grundriß der Einleitung in das NT, 'Bonn 1951, S. 88. Ob Kap. 21 den gleichen Verfasser hat wie die Kap. 1-20, darüber sind die Exegeten noch uneinig. Die Frage hat an Bedeutung verloren, seit die Ansicht immer mehr an Boden gewinnt, daß an der letzten Redaktion oder Zusammenstellung des Evangeliums Jünger oder Schüler des Johannes beteiligt waren. R. Schnackenburg (Das Johannesevangelium I, Freiburg 1965) entscheidet sich dahin, daß der Zebedäide Johannes im Evangelium seinen Platz habe, aber nicht unmittelbar an der Niederschrift des Evangeliums beteiligt gewesen sei; für das Nachtragskapitel sei ein besonderer Redaktor anzunehmen (S. 85). Wird fortgesetzt. 21. Januar Von Alphons Bellesheim Vorbemerkung (ER): Wenige Monate nach der Übernahme der Regierung [18. November 1558] tat die Königin [Elisabeth I.] die ersten Schritte zur Einführung der Reformation in Irland. Im Frühjahr 1559 erteilte sie Befehl, “die Wände in der Christuskirche und im Patricksdom zu Dublin zu übertünchen und statt der Gemälde und päpstlichen Fabeln Texte der Schrift dort anzubringen” (Richard Mant, History of the Church of Ireland from the Reformation to the Union of 1801, vol. 1, 253). Als der zum Lord Deputy bestellte Graf Sussex zum ersten Male in der Christuskirche dem feierlichen Gottesdienst beiwohnte, sang der Chor die Litanei in englischer Sprache. An die Einführung des neuen Lord Deputy knüpft sich eine altprotestantische Legende, die seit den Tagen Robert Wares in den besten Geschichtswerken der englischen und irischen Protestanten eine stehende Rubrik bildet. Um seiner Abneigung wider die neue Regierung Ausdruck zu verleihen, so wird berichtet, habe der Klerus von Dublin über einer Christusstatue einen triefenden Schwamm anbringen lassen, um den Eindruck hervorzurufen, als schwitze der Heiland Blut. In der Person des Geistlichen Richard Leigh habe der Erzbischof den Täter ermittelt, ihn mit öffentlicher Kirchenbuße belegt und darauf die Beseitigung des Standbildes anbefohlen. Der katholischen Forschung ist es heute gelungen, die unlautere Quelle aufzudecken, welcher diese Verleumdung der hauptstädtischen Geistlichkeit entsprungen ist. Robert Ware hat die Geschichte erfunden und erstmals in seinem Werk “The Hunting of the Romish Fox” (Dublin 1683) mitgeteilt. Strype, Mant und selbst Bagwell haben sie als wahr angenommen. “Es sei gestattet”, bemerkt der scharfsinnige Bridgett, “Mr. Bagwell zu fragen, welcher irische, oder englisch sprechende Schriftsteller vor Robert Ware von diesem blutenden Christus gehört hat. Hat auch nur ein einziger Geschichtschreiber in England oder Irland vor der Veröffentlichung des 'Hunting oft the Romish Fox' diesen groben öffentlichen Betrug auch nur mit einem Worte erwähnt? Welche Stütze hat er gefunden in der Prüfung der Urkunden der englischen und irischen Staatsarchive?” (T. E. Bridgett, Blunders and Forgeries. Historical Essays, London 1890, 232). Auch die in neuester Zeit aufgestellte Behauptung, bereits 1559 habe Elisabeth die heilige Messe in Dublin abgeschafft, ist reine Erfindung. Öffentliche Urkunden, welche das bezeugen könnten, fehlen. "In der Instruction Elisabeths an Lord Sussex, welche Shirley in den Original-Letters mitteilt, ist von Abschaffung der Messe mit keinem Wort die Rede. Vornehme und Beamte empfangen lediglich den Befehl, den reformierten Gottesdienst in ihren Privathäusern zu gebrauchen. Wahrscheinlich wurde die von Heinrich VIII. abgekürzte Litanein von Allerheiligen gebraucht. Aber in keinem Falle hat 1559 eine Abschaffung der Messe stattgefunden" (Bridgett, l. c. 235.236). Dem wandelbaren Sinn des Erzbischofs Curwin [Hugo Curwin, seit 1555 Erzbischof von Dublin und Lordkanzler von Irland; 1533 öffentlicher Verteidiger der unrechtmäßigen Ehe Heinrichs VIII. mit Anna Boleyn] bot der Umschwung in der Regierung willkommene Veranlassung, sich öffentlich für den Protestantismus zu erklären. Unter Heinrich VIII. Anhänger des Schisma, während der Regierung Marias der alten Kirche Gehorsam heuchelnd, trat er nunmehr entschieden auf Seiten der protestantischen Elisabeth. Das weit verehrte Christusbild ließ Curwin aus seiner Domkirche entfernen und erwies sich fortan als einen der heftigsten Gegner der alten Kirche. Kaum hatte Erzbischof Parker [Matthew Parker, seit 1559 anglikanischer Erzbischof von Canterbury, ernannt von Königin Elisabeth] von diesen Vorgängen erfahren, als er Königin Elisabeth zum Erlass einer Verfügung bewog, welche die Wegnahme aller Bilder aus den Kirchen befahl. Der Wille der Regentin gelangte bald zur Ausführung, Reliquien und Bilder verschwanden aus allen Dubliner Gotteshäusern. Auch die 1560 vom Parlament erlassenen Kirchengesetze über die geistliche Gewalt der Krone und die Einheit in Vollziehung des Gottesdienstes nahm der Erzbischof bereitwillig an, fand aber dabei einen heftigen Gegner an Dr. Leverous, Bischof von Kildare, welcher mit Genehmigung des Papstes zugleich das Amt des Domdechanten zu St. Patrick in Dublin bekleidete. Leverous, der Schützer und Lehrer des letzten Sprosses der Geraldinen (Gerald Fitzgerald, elfter Graf von Kildare), hatte diesen nach dem Tod seines Bruders und seiner fünf Oheime durch Heinrich VIII. im Jahre 1535 glücklich nach Frankreich geflüchtet und dann zur weiteren Ausbildung nach Deutschland und Italien geleitet. In Rom mit Pole [Reginald Pole, Sohn der seligen Margaret Pole, Cousin von Maria Stuart, widerstand Heinrich VIII., emigrierte 1532 nach Italien, wurde Kardinal und nach der Thronbesteigung Maria Stuarts 1553 päpstlicher Legat, 1555 zum Erzbischof von Canterbury ernannt, starb am 17. November 1558, am selben Tag wie die Königin] bekannt geworden, gab Leverous sich von 1543 bis 1548 höheren Studien hin und kehrte wohl bewandert in der Theologie und im Rechte nach dem Tode Heinrichs VIII. [1547] mit dem jungen Grafen von Kildare in die nordische Heimat zurück. Er stand im Rufe eines milden und gelehrten Geistlichen. Im Jahre 1551 glaubte der Vicekönig Sir James Crofts ihn der Regierung für einen der erledigten Stühle von Cashel und Ossory vorschlagen zu sollen, “da er mit Bezug auf Gelehrsamkeit, Klugheit und ehrbaren Lebenswandel der mildeste Mann im Reiche ist und die höchste Befähigung zum Predigen in englischer und irischer Sprache besitzt”. “Allerdings”, fährt der Bischof fort, “hat er für das Vergehen der Entfernung des jungen Gerald aus dem Reiche Verzeihung erlangt, dennoch wage ich nicht, förmlich für ihn einzutreten. Aber ich wiederhole: Niemanden kenne ich, der ihm an Milde der Gesinnung gleich käme. Eine Predigt hörte ich ihn halten, wie ich, nach meinem einfältigen Verständnis, seit Jahren keine vernommen habe” (Evelyn Philipp Shirley, Original Letters and Papers in illustration of the History of the Church in Ireland during the Reigns of Edward VI, Mary and Elizabeth, London 1851, 61.62). Aber mit einnehmender Milde paarte Leverous unbeugsame Festigkeit des Charakters, so dass er erst 1555 unter Königin Maria nach Vertreibung des protestantischen Bischofs von Kildare den dortigen bischöflichen Stuhl besteigen konnte. Wird fortgesetzt. 20. Januar Als Montalembert, neben Lamennais und Lacordaire einer drei bedeutendsten französischen Liberalen, die durch die kirchliche Verurteilung des Liberalismus getroffen wurden, 1870 starb, ließ es sich Papst Pius IX. nicht nehmen, für ihn ein feierliches Requiem halten zu lassen und demselben persönlich beizuwohnen. Dadurch bezeugte er die ... 20. Januar Vor 50 Jahren, am 20. Januar 1960, wurde vom Bistum Ondo in Nigeria (Westafrika) die Apostolische Präfektur Ilorin abgetrennt und der Gesellschaft der Afrikanischen Missionen (SMA) anvertraut. Das Apostolische Vikariat von Ondo-Ilorin war 1943 errichtet und 1950 zur Diözese erhoben worden. Ondo liegt im Südwesten Nigerias, knapp 100 km vom Meer entfernt. Ilorin liegt über 150 km nördlich von Ondo. Am 29. Mai 1969 wurde die Apostolische Präfektur von Ilorin zur Diözese erhoben. Die erste hl. Messe auf dem Gebiet der Diözese wurde 1912 gefeiert, als P. L. Ekins in Offa, 45 km südöstlich von Ilorin, mit der Missionierung begann. Zum Apostolischen Präfekten wurde am 6. Dezember 1960 William Mahony SMA ernannt, der die spätere Diözese bis 1984 leitete. Die Bischofsweihe empfing er am 1. August 1969 von Papst Paul VI. persönlich. 19. Januar Johannes 4, 23 [“Das Heil kommt von den Juden”] spielte eine traurige Rolle in der Nazizeit. Am 15. März 1938 teilte der evangelische Landesbischof der Kirche in Baden dem zuständigen NS-Kultusminister in Karlsruhe [Otto Wacker] mit, Johannes 4 solle zukünftig ohne 4, 23 durchgenommen und aus den „Biblischen Geschichten“ gestrichen werden, damit die Gefahr einer Behandlung des Satzes im Unterricht nicht mehr bestehe. Der Erzbischof von Freiburg hatte am 3. Dezember 1937 dieses Ansinnen strikt abgelehnt. Er schrieb: „Ich lasse mich auch nicht in Auseinandersetzungen darüber ein, ob das jüdische Volk das von Gott auserwählte Volk ist... weil auch der neue Staat nicht befugt ist, Gott Vorschriften darüber zu machen, welches Volk er etwa zum Träger seiner Offenbarungen macht. Beim Freiburger Erzbischof, der dem antisemitischen Ansinnen der Nazis widerstand, handelte es sich um Conrad Gröber, beim evangelischen Landesbischof, der ihm nachgab, um Julius Kühlewein. 19. Januar Der Glaube geht aus der ewigen Vernunft hervor, die in unsere Welt gekommen ist und uns den wahren Gott gezeigt hat. Das geht über die unserer Vernunft eigenen Fähigkeiten hinaus, so wie die Liebe mehr als der einfache Verstand sieht. Doch der Glaube spricht zur Vernunft und kann der Vernunft im dialektischen Vergleich standhalten. Er widerspricht ihr nicht, sondern er kann mit ihr Schritt halten und führt gleichzeitig über sie hinaus er führt den Menschen in die größere Vernunft Gottes ein. Als Hirten unserer Zeit haben wir die Aufgabe, als Erste die Vernunft des Glaubens zu erfassen. Die Aufgabe, ihn nicht einfach eine Tradition bleiben zu lassen, sondern ihn als Antwort auf unsere Fragen zu erkennen. Der Glaube erfordert unsere vernünftige Teilhabe, die in einer Gemeinschaft der Liebe vertieft und gereinigt wird. Benedikt XVI. in seiner Predigt am 29. Juni 2009 18. Januar 88. Folge Nennen wir auch einige Beispiele heroischer Frauen aus jener Zeit. Lady Tempest, die edle Tochter Sir Thomas Gascoignes, wurde bereits erwähnt. Auch die Gemahlin Richard Giffords von Chillington, der seinen Leiden in der Newgate erlag, wurde ins Gefängnis geworfen und ihrer Habe um des Glaubens willen beraubt. Ohne Unterlass soll diese ... 17. Januar Zweiter und letzter Teil Nach Île-à-la-Crosse zurückgekehrt, entwickelte er mit Taché zusammen den Plan, im Gebiet des Mackenzie River, der auf einer Länge von 1900 km vom Großen Sklavensee aus den Nordwesten durchfließt, ein Vikariat aufzubauen, das von einem eigenen Bischof regiert werden sollte. Dieser Plan schien angesichts des Vordringens der Anglikaner dringend. Bis 1864 widmete sich Grandin unter schwierigsten Bedingungen diesem Aufbau. Es gab nur fünf Missionare, auf deren Mitwirkung er zurückgreifen konnte. Er selbst durchreiste das Gebiet auf Hundeschlitten bis zur Arktis. 1861 gründete er das Fort Providence als wichtigen Stützpunkt der Mission und möglichen Residenzort des künftigen Bischofs. Das Fort liegt im Westen des Großen Sklavensees am Mackenzie, 470 km nordwestlich vom Fort Chipewyan, 870 km nordwestlich von Île-à-la-Crosse und 1800 km nordwestlich von St. Boniface. Er visitierte außerdem die Forts Simpson (200 km westlich von Fort Providence; am Mackenzie), Liard (340 südwestlich vom Fort Providence; am Liard River, der in den Mackenzie fließt), Good Hope (770 km nordwestlich von Fort Providence; am Mackenzie; nur noch 400 km vom Nordpolarmeer entfernt), Norman (210 km südöstlich vom Fort Good Hope; am Mackenzie) und Rae (210 km nordöstlich von Fort Providence; am Nordarm des Großen Sklavensees). Als er im August 1864 nach Île-à-la-Crosse von seiner dreijährigen Reise zurückkehrte, erfuhr er zu seiner Überraschung, dass er selber als Vikar dieses Gebietes vorgesehen sei. Doch er wehrte sich und schlug Henri Faraud vor, der in der Mission Nativité sein Lehrer gewesen war und viel mehr als er geeignet sei. Zu seiner Erleichterung war es dann tatsächlich Faraud, der am 13. Mai 1862 zum Apostolischen Vikar des neu errichteten Vikariats von Athabasca-Mackenzie ernannt wurde. 1867 begleitete Grandin Taché zum Generalkapitel seines Ordens, das im August in Rom tagte. Taché schlug vor, das riesige Gebiet seiner Diözese zu verkleinern durch die Schaffung eines Missionsvikariats von Saskatchewan mit Residenz in Sankt Albert. Sankt Albert liegt nur wenige Kilometer nordwestlich von Edmonton, der heutigen Hauptstadt von Alberta. Der Generalobere ging darauf ein, und so wurde das Vikariat am 20. März 1868 errichtet und Grandin anvertraut. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Gebiet des Vikariats sieben Missionsstationen: St. Albert, Lac-Sainte-Anne, St. Joachim, Saint-Paul-des-Cris, Unsere Liebe Frau vom Sieg, St. Johannes Baptist und St. Peter. Das Missionspersonal bestand aus einem Bischof, neun Priestern und vier Brüdern, die alle dem Orden der Oblaten angehörten. Auf Weisung Tachés nahm Grandin im selben Jahr am Provinzialkonzil von Québec teil, das vor allem die kirchliche Neuordnung Kanadas beriet. Es schlug Rom vor, Saint-Boniface zum Erzbistum zu erheben, dem ein zu gründendes Suffraganbistum und die Apostolischen Vikariate von Athabasca-Mackenzie und Britisch-Kolumbien zugeordnet sein sollten. Als Folge errichtete Rom am 22. September 1871 die Diözese St. Albert (seit 1912 Erzbistum von Edmonton) und ernannte Grandin zum Bischof, den die Ernennungsbulle erst im April 1872 erreichte. Nicht viele Priester standen ihm zur Verfügung, aber dafür war unter ihnen “der erfolgreichste Indianermissionar Kanadas im 19. Jahrhundert” (Nikolaus Kowalsky im LThK 2. Auflage), Albert Lacombe OMI, der Apostel der Kri- und Schwarzfußindianer und Gründer von St. Albert (1861). Ihn ernannte Grandin am 21. April 1872 zu seinem Generalvikar. Wegen einer verwickelten Streitfrage, die die Mission Unserer Lieben Frau vom Sieg in Lac La Biche betraf, kam es zum Konflikt zwischen Grandin und Faraud. Tranché wurde vom Generaloberen mit besonderen Vollmachten ausgestattet, um diesen Konflikt beizulegen. Dies gelang ihm schließlich, und 1890 kam die Mission unter die Jurisdiktion von Grandin. Da die staatlichen Behörden die Protestanten begünstigten, wenn es um die für die Indianer vorgesehenen Schulen und Institutionen ging, die katholischen Missionare aber behinderten, insistierte Grandin immer wieder auf dem Recht der Indianer, selber zu entscheiden, welcher Religion bzw. Konfession sie angehören wollten, und erwirkte schließlich am 9. Dezember 1886 vom kanadischen Premierminister John Alexander Macdonald (1867 - 1873; 1878 - 1891) die schriftliche Versicherung, dass die Regierung die Religionsfreiheit der Indianer achten und sich nicht in die Missionsangelegenheiten einmischen werde. Grandin lag die Ausbildung eines einheimischen Klerus sehr am Herzen, das Unterfangen erwies sich aber als schwierig. Am 19. März 1890 wurde der erste Mestize des Nordwestens von Grandin zum Priester geweiht, Éduard Cunningham. Am 21. Januar 1900 gründete Grandin zur Förderung seines Anliegens in St. Albert das Kleine Seminar von der Heiligen Familie. Grandin hatte eine große Liebe zu den Indianern und den Mestizen und setzte sich unermüdlich für ihre Rechte und Belange ein. 1885 kam es zu einem Aufstand unter dem Mestizenführer Louis Riel. Dieser Aufstand hat eine Vorgeschichte: Wenn es oben hieß, Grandin sei in den Westen Kanadas gesandt worden, so ist das Wort “Kanada” nur im geographischen Sinne zu verstehen. Politisch gehörte das riesige Gebiet erst seit 1869 zu Kanada. Da Kanada aber 1763 von Frankreich ans anglikanische England gekommen war und der Staat anfangs den alteingesessenen Katholiken gegenüber auch nicht vor Protestantisierungsversuchen zurückschreckte, befürchteten die katholischen Mestizen am Red River das Schlimmste und bangten um ihr Land und ihren Glauben. 1869 wagten sie unter ihrem Anführer Louis Riel einen ersten Aufstand, der aber brutal niedergeschlagen wurde. Riel floh über die Grenze nach Montana, kehrte aber fünfzehn Jahre später wieder zurück. Die Mestizen waren vom Gebiet des Red River, das zur Provinz Manitoba erhoben worden war, ins Gebiet von Saskatchewan zurückgewichen. Doch nun wurden sie wieder von den Weißen eingeholt: die Canadian Pacific Railway trieb den Eisenbahnbau bis in ihr Gebiet hinein voran. Auf ihr Land wurde keine Rücksicht genommen. Die Gleichgültigkeit der Regierung ihrer Not gegenüber, verursacht durch den Ausfall von Ernten und dem Verschwinden der Bisons, steigerte ihre Frustration. In Verbindung mit den indianischen Crees probten sie zum zweiten Mal den Aufstand, der wiederum niedergeschlagen wurde. Riel wurde zum Tode verurteilt und gehängt. In diesem Konflikt war Grandin nach Kräften um Frieden bemüht. Einerseits wandte er sich gegen den Griff zu den Waffen und sah in Riel einen unverantwortlichen Agitator. Andererseits sah er die Hauptschuld des Konflikts auf Seiten der englischen Kolonisten, die die Mestizen ihres Landes beraubten. Nach der Niederschlagung des Aufstands setzte er sich bei der Regierung für die größtmögliche Schonung der Aufständischen ein, obwohl auch zwei Missionare und sieben Kirchen oder Missionsstationen aufgehetzten Rebellen zum Opfer gefallen waren. Die Mestizen ermutigte er, sich in der Kolonie anzusiedeln, die P. Albert Lacombe in Saint-Paul-des-Métis (Alberta) gegründet hatte. Im Laufe seiner Bischofszeit dehnte Grandin das Missionsgebiet aus und gründete die Missionsstationen Notre-Dame-de-la-Paix bei Calgary (1872; am Bow River, 290 km südlich von St. Albert), Brocket (1881; 450 km südlich von St. Albert, nur noch 60 km von der Grenze nach Montana entfernt), Cluny (1882; 90 südöstlich von Calgary) und Stand Off (1889, 35 km südöstlich von Brocket). Nach Kräften und mit Erfolg bemühte er sich um die Gründung von Schulen, Kranken- und Waisenhäusern. Die Leistungen Grandins sind um so bewundernswerter, als er von Kindheit an von schwacher Konstitution war und im Laufe der Jahre die Krankheiten und Beschwerden immer mehr zunahmen. Als er deshalb demissionieren wollte, lehnte Rom seinen Rücktritt ab, gewährte ihm aber einen Koadjutor, Émile-Joseph Légal, den er am 17. Juli 1897 zum Bischof weihte. Er starb schließlich am 3. Juni 1902. Schon bei seinem Tod wurde er als “Heiliger des Nordwesten” verehrt. Nach diözesanen Vorbereitungen, die 1929 begannen, wurde 1937 in Rom sein Seligsprechungsprozess eingeleitet. Dieser war 1966 so weit fortgeschritten, dass Grandin als verehrungswürdig erklärt werden konnte. In der dritten Auflage des Lexikons von Theologie und Kirche ist sein Eintrag getilgt. Quellen: 16. Januar 2001 erschien das vom Historiker Antonio Gaspari verfasste Werk “Die von Pius XII. geretteten Juden”. Dieses enthält ein Verzeichnis von 150 Ordensgemeinschaften, die auf Veranlassung des Vatikans Tausende von Juden in ihren Niederlassungen versteckten und so vor der Deportation retteten. Der damalige Oberrabbiner von Rom, Israele Zolli, lernte bei seinen Kontakten mit dem Vatikan den Pacelli-Papst in besonderer Weise schätzen. Im Oktober 1944 gab er sein Amt auf und konvertierte zum katholischen Glauben. Bei seiner Taufe am 13. Februar 1945 wähte er den Namen Eugenio, dies in dankbarer Erinnerung an den Taufnamen des Pacelli-Papstes. Aus: Traugott Voegeli-Tschirky , Zum Tugendgrad von Papst Pius XII., in: Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt vom 17. Januar 2010. 16. Januar Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat, wie schon einmal erwähnt, zum Priesterjahr zwei Schriften herausgebracht: die Enzyklika Pius' X. Haerent animo und die Enzyklika Johannes' XXIII. Sacerdotii nostri primordia über den hl. Pfarrer von Ars. Durch die Lektüre und Verbreitung dieser Enzykliken kann jeder seinen Anteil zum Gelingen des Priesterjahres beitragen. 16. Januar Mein kath.net-Interview über die Situation der überlieferten Liturgie nach dem Motu Proprio Summorum Pontificum und über die Aussagen des Liturgikers Eberhard Amon ist jetzt im Netz auch in polnischer Sprache erschienen. 16. Januar Heute vor 100 Jahren, am 16. Januar 1910, legte in St. Ottilien Bruder Josef Grahamer seine Ordensprofess ab. Er gehörte zu jenen Missionsbenediktinern, die nach Korea zum Aufbau der schon erwähnten Abtei St. Benedikt geschickt und dann unter der kommunistischen Verfolgung zu Märtyrern wurden. In Korea war er als Schneider, Krankenpfleger und Arzt tätig. Nach fast fünfmonatiger Kerkerhaft wurde er am 4. Oktober 1950 in Pyongyang hingerichtet, zusammen mit Br. Gregor Giegerich OSB. |
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Reise Sharm el Sheikh |
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