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* * *

30. März
An den Freund, der nicht mehr an die Liebe glaubt

Von Emma Lindle

Letzten Sommer war ich bei einer Freundin zuhause. Ihre zwei adoptierten Kinder rannten herum und spielten, und ich trank eine Tasse Tee, die sie mir gemacht hatte. Während wir uns unterhielten, begannen wir über die Liebe zu sprechen, und sie erzählte mir von einem Freund ihres Ehemannes, Mark, der die Liebe aufgegeben hatte, im Glauben, dass er zu viele Menschen am Versuch, sie zu erreichen, scheitern gesehen hatte. Marks Ansicht stand in direktem Widerspruch zu der meiner Freundin, die glaubt, dass Liebe in ihrem Leben nicht nur sichtbar und fühlbar ist, sondern auch täglich gewürdigt wird in den Opfern, die sie für ihre Familie bringt. Aber Mark glaubte nicht, dass der Mensch in der Lage sei, sich selbst zu überwinden, um für einen anderen zu sorgen. Er glaubte, sein eigenes Ego zu befriedigen sei das Einzige, wozu der Mensch fähig sei.

Ich rechne es Mark hoch an, dass er die Sache beim Namen genannt hat. Viele Dinge werden als Liebe betitelt, und wenn wir diese Illusion dann durchschauen, werden wir verletzt und sind hoffnungslos. Am Ende sagen wir: „Liebe existiert nicht.“ Oder wenigstens: „Der Mensch ist nicht fähig, zu lieben.“

Das Letztere scheint das zu sein, von dem Mark mehr überzeugt war, als dass Liebe überhaupt nicht existiert. Und diese Ansicht enthält noch Hoffnung. Indem er sagt, der Mensch scheint der Liebe nicht fähig zu sein, sagt er auch, dass Liebe existiert, allerdings als etwas Unerreichbares. Unerreichbare Liebe scheint ein besserer Ausblick zu sein, um sich damit zu beschäftigen und darüber nachzudenken, als überhaupt keine Liebe.

Mark, nichtsahnend von der Hoffnung in seinem Herzen, bezeichnete sich selbst als einen „Ungläubigen der Liebe“. Jedenfalls, Mark hat sich vor einiger Zeit für eine Frau interessiert. Diese Beziehung hatte das Potenzial, Licht in die Dunkelheit seiner tristen Ansicht zu bringen, aber Liebe in Gestalt einer gegenseitigen Selbstgenugtuung war dazu bestimmt, ihn ohne Liebe zurückzulassen. Ich fragte mich, ob er während dieser Zeit mit ihr in sich selbst etwas finden würde, das ihn auf die Liebe verweisen würde, oder ob er sich unbefriedigt fühlen würde, unfähig, in ihr etwas anderes als ein Mittel zu seiner eigenen Erfüllung zu sehen.

Marks utilitaristischer Zugang zu Liebe

Marks Kritik an der gescheiterten Liebe des Menschen kann man als Utilitarismus bezeichnen. In „Liebe und Verantwortung“ erklärt Karol Wojtyla, dass Utilitarismus die Nützlichkeit des menschlichen Handelns betont, sowie die Maximierung von Lust und die Minimierung von Unlust als die primäre Basis des menschlichen Lebens (Wojtyla, Love and Responsibility, 35).

Das ist die Linse, durch die viele von uns die Welt sehen. Es ist nicht völlig verrückt. Ich esse das Eis, nicht weil ich mich um das Eis sorge, sondern weil ich den Genuss der leckeren Eiscreme erleben will. Menschen wollen den Umgang mit anderen Menschen ebenfalls mit dieser Linse betrachten. Ich strebe nach Freundschaft mit dieser Person, nicht weil ich mich um sie sorge, sondern lediglich, weil ich mir von ihr irgendeinen Genuss verspreche. Dieser Genuss kann wie viele verschiedene Dinge aussehen, aber in all seinen Formen entsteht ein Problem, wenn der Genuss wichtiger als die Person wird. In diesen Fällen haben wir uns mit etwas Geringerem als Liebe abgefunden. Lasst uns versuchen, dieses „Abfinden“ zu verstehen, und überlegen, wie wir uns bemühen können, darüber hinaus zu wachsen.

Gelebte utilitaristische Liebe

Für den Utilitaristen ist der Genuss das Ende, das Ziel. Das ist wichtig, denn Genuss ist nicht schlecht, aber eben nicht alles. Wenn wir die Schönheit und die Ordnung des Universums betrachten, wenn wir die Geburt eines Kindes erlebt haben, wenn wir die Kapazitäten unseres Verstandes und unseres Herzens betrachten, können wir da ernsthaft glauben, dass das Ende unserer Taten einfach der Genuss ist? Als wären wir in einem Cartoon, und Porky taucht auf, um zu sagen: „Das war‘s, Leute!“ Es gibt nichts mehr außer dem Genuss. Das war‘s, Leute! Ja, ich würde mich wie ein Looney Tune fühlen, wenn ich, wo ich doch so wunderschön gemacht bin, wie ich bin, wo ich in dieser Welt lebe, die so komplex und geordnet ist, dennoch mit ganzem Herzen glauben würde, dass das Ende und das Ziel meiner Taten der Genuss ist und sonst nichts. Ich denke, an diesem Punkt würde Mark zu mir sagen: „Ich verstehe, dass der Utilitarismus nicht so toll ist, aber schau uns an. Es sieht nicht so aus, als wären wir fähig, etwas über den Genuss hinaus zu erreichen.“

Utilitarismus als Verzweiflung

Ich würde antworten: „Ich weiß, dass es Zeiten gibt, in denen wir nicht die Fähigkeit zeigen, uns selbst und den Genuss zu überwinden. Ich weiß, Mark, wir finden uns oft damit ab.“ Dieses „Abfinden“ ist eine Form von Verzweiflung. Der Mangel einer Hoffnung, die wir einst besaßen. Sogar Kinder kümmern sich nicht allein um Genuss. Ich habe Zeit mit einem Vierjährigen verbracht und gesehen, wie ernsthaft er darauf bedacht war, seiner Mutter zu helfen, indem er ihr im Haushalt zur Hand ging. Über die Zeit haben manche von uns die Fähigkeit aufgegeben, nach etwas über den Genuss hinaus zu erstreben. Das Akzeptieren dieser Niederlage bedeutet, an unserer Würde zu verzweifeln, an unserer Fähigkeit, uns in andere einzufühlen, und an Werten wie die Liebe.

Die Harmonie des Utilitarismus

„Harmonie ist dennoch möglich!“, protestiert der Utilitarist, „Genuss als unser Endziel ist keine Form von Verzweiflung. Es trennt uns nicht voneinander.“ Utilitarismus sucht den größtmöglichen Genuss für uns beide und darf für den anderen niemals unangenehm sein. Aber Wojtyla antwortet: „Dann aber ist diese so verstandene Liebe (also die Harmonie des Utilitarismus) selbstverständlich lediglich eine Vortäuschung, die sorgfältig gepflegt werden muss, um die zugrundeliegende Realität zu verdecken“ (a.a.O., 39). Diese zugrundeliegende Realität entlarvt aber die Scharade der Harmonie des Utilitarismus, die Gemeinschaft vortäuscht. Und diese versteckte Realität ist es, die Mark sieht, wenn er zu seiner Schlussfolgerung gelangt, dass der Mensch nicht fähig zur Liebe ist.

Eine neue Basis für die Liebe

Als meine Freundin mir von Mark erzählte, hoffte ich, dass er in seiner neuen Beziehung etwas über Genuss hinaus erkennen würde. Ich hoffte, dass die Beziehung ihn und jene Frau mit einem objektiven Gut in Berührung bringen würde, das sie vereinigen konnte. Es ist nicht so, dass Genuss überhaupt kein Wert ist. Er kann bloß nicht der höchste Wert sein. Wojtyla beschreibt eine neue Basis für die Liebe: „die personalistische Norm“ (a.a.O. 40). Der Wert der Person soll über dem Wert des Genusses stehen. Die Wahrheit erhebt uns von der Verzweiflung zur Hoffnung. Sie verleiht uns Würde! „Die Person ist ein Wesen, das so beschaffen ist, dass die einzig richtige und adäquate Art, mit ihm in Beziehung zu stehen, die Liebe ist“ (a.a.O. 40).

Das Risiko dieser Basis

Wojtylas Gedanken klingen schön, und wir haben einen klareres intellektuelles Verständnis der Liebe als etwas, das uns die Person höher schätzen lehrt als den Genuss, und als etwas, das uns mit dem anderen durch ein gemeinsames Gut in Beziehung sein lässt. Dennoch, wir haben noch nicht gezeigt, dass der Mensch in seinem Leben dessen fähig ist. Auch haben wir nicht zugegeben, dass – so schön es klingt, eine Person höher zu schätzen als den Genuss – diese Denkweise eine tiefe Hingabe beinhaltet. Es gibt ein Risiko, warum also es eingehen? Tiefer als unser Verlangen, zufriedengestellt zu werden, ist unser Verlangen, in Gemeinschaft mit anderen Menschen zu sein. Wahre Gemeinschaft verlangt diese Hingabe. Wahre Liebe erfordert ein Risiko. Ein Risiko, das über die Bereitschaft, zu leiden, hinausgeht – das Risiko, von dem, den man liebt, verletzt zu werden. Es gibt Menschen in unserer Zeit, die dieses Risiko eingehen, aber wir brauchen mehr. Denn Mark verdient es, zu wissen, dass diese tiefe Liebe menschenmöglich ist.

Es handelt sich bei diesem Text um eine Übersetzung des Artikels To The Friend Who Has Given Up On Love, der auf der Website Truth from the Heart erschienen ist. Die Website ist der Philosophie Dietrichs von Hildebrand gewidmet.


29. März
Islamische Wurzeln

Anfang Dezember 2014 hat sich Al Azhar in zehn Regeln gegen Extremismus und Terrorismus ausgesprochen. Man dürfe nicht gegen die Christen vorgehen, die Gläubige seien. Das waren nur Worte ohne Konsequenz. Der ägyptische Präsident ist sehr mit der Situation angesichts der Bedrohung durch den IS beschäftigt. In einer sehr starken Rede im Dezember 2014 forderte er, Al Azhar solle die Interpretation der Texte ändern und eine neue islamische Theologie verbreiten. Alle Imame haben applaudiert. Viele muslimische Denker und auch ein paar Imame treten dafür ein, die Texte im historischen und kulturellen Kontext zu verstehen. Aber zwischenzeitlich hat sich nichts an der Lehre geändert. Diese Würdenträger verherrlichen nicht Gewalt, aber die klassische Lehre kann hingegen in die Arme des IS treiben. Die Kämpfer sagen, sie seien echte Muslime und handelten genauso wie ihr Prophet. Alles, was die Kämpfer tun, hat seine Wurzeln im Koran oder in der islamischen Tradition.

Aus einem Interview mit dem ägyptischen Jesuiten und Islamgelehrten Samir Khalil Samir vom 28. Februar 2017 zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen der Kairoer Al Azhar Universität und dem Vatikan

Weitere Stimmen und Meinungen zum Zusammenhang zwischen Islam und Gewalt


29. März
Mirjam von Abellin

Vor 150 Jahren, am 29. März 1867, wurde die hl. Mirjam von Abellin OCD (1846-1878) stigmatisiert. Im Juni trat sie in den Karmel von Pau ein. Dort ging die Stigmatisation auf Befehl der Novizenmeisterin zurück.


28. März
Der Analphabetismus der Gefühle und die Kultur der Liebe

Von Livio Melina

Zweite Folge

Der Analphabetismus der Gefühle

Dennoch kann sich unter der unkontrollierten und unmittelbaren Zurschaustellung der Gefühle, unter der Gewohnheit, den Emotionen freien Lauf zu lassen, ein Drama verbergen, das dem soeben beschriebenen ähnlich ist. Es ist vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weit verbreitet. Man spricht bereits von einem verbreiteten „Analphabetismus der Gefühle“ innerhalb der jungen Generationen. In Southhampton (England) und Umgebung erfolgte kürzlich eine Umfrage in gut 90 Schulen unter Schülern der unteren Mittelschicht, von denen etwa 40 Prozent in Familien mit nur einem Elternteil leben. Diese Jugendlichen kennen im Höchstfall etwa zehn Worte, die mit Gefühl und Affektivität zu tun haben. Die Worte unterscheiden sich kaum voneinander, sind im allgemeinen vulgär und lassen keine Feinheiten zu, wenn es darum geht, den eigenen Gemütszustand zu beschreiben oder den anderer zu verstehen (A. Oliveiro, “Le nostre emozioni alle ricera di un alfabeto”, in Avvenire, 1. März 2001; Ders., “Ragione e passione nelle emozioni”, in Psicologia 130, Juli/August 1995, 52). Dieses Phänomen ist alarmierend. Die Unfähigkeit, mit der Welt der eigenen Gefühle in Kontakt zu treten, verhindert gleichzeitig die Kommunikation mit anderen und den Aufbau echter Beziehungen. Einige aus den Medien bekannte dramatische Vorfälle zeigen, dass in dem Gesellschaftsgefüge, in dem wir leben, der Raum der Gefühle und ihrer Kommunikation bei vielen Jugendlichen immer kleiner wird. Dadurch kommt es zu plötzlichen Gewaltausbrüchen, vor allem dort, wo Massenemotionen gelebt werden.

Dieser Analphabetismus der Gefühle, den Soziologen und Psychologen unterstreichen, ist eine Art Unfähigkeit zu lesen und zu schreiben. Das „Lesen“ und Verstehen eigener Gefühle geschieht nicht. Diese werden verdrängt oder brechen unkontrolliert aus. Das eigene Innenleben wird nicht gedeutet und nicht in einen größeren Sinnzusammenhang gestellt. Die innersten Gefühle kann der Mensch wegen dieses Analphabetismus nicht in den Handlungsverlauf der eigenen Existenz und der Geschichte hinein „schreiben“. Die Gefühle werden also nicht oder nur schlecht zum Ausdruck gebracht, bleiben unverständlich und können nicht umgesetzt werden. Das von Einsamkeit geprägte Umfeld verhindert, die Gefühle zu deuten und den Sinn zu erkennen, der ihnen zugrunde liegt und Orientierung gibt. Lehrer, Erzählungen und gelebte Gemeinschaft fehlen als maßgebliche Bezugspunkte. Ohne Vokabular, ohne Grammatik, ohne Lehrer lernt man nicht lesen und schreiben. Damit ist das entscheidende Problem für die Formung der Person deutlich geworden: Es muss ein Rahmen gefunden werden, der der Deutung des Phänomens der Gefühle dient, ein Sinnzusammenhang, in den die Erfahrung integriert werden kann, um sie verständlich und konstruktiv zu machen.

Die Familie „liquidieren“

An diesem Punkt müssen wir uns mit einer besonderen Schwierigkeit unseres kulturellen Umfeldes auseinandersetzen. Es gibt hier nicht nur eine Krise der Familie und ihrer traditionellen Erzieherrolle, sondern es findet ein Angriff auf die Familie statt, eine wohl organisierte Strategie, sie zu „liquidieren“. Einer Untersuchung des bekannten polnischen Soziologen Zygmunt Bauman zufolge muss dieser Begriff in erster Linie wörtlich aufgefasst werden und erst in zweiter Linie symbolisch. Bauman lehrt in Leeds (England) und ist eine der größten Autoritäten für die Interpretation unserer Zeit. Er definiert unsere Zeit als „flüchtige Moderne“, die gekennzeichnet ist von der Deregulierung und Privatisierung der Aufgaben und Pflichten, die die Modernisierung mit sich bringt. Man kann es als Individualismus bezeichnen: Während die Betonung zunächst auf der gerechten Gesellschaft lag, so liegt sie jetzt auf den Menschenrechten, die jedoch verkürzt werden auf »das Recht des Einzelnen, sich von den anderen zu unterscheiden, und seinen Anspruch, sich für eine eigene Idee des Glücks und einen eigenen Lebensstil zu entscheiden« (Z. Bauman, Flüchtige Moderne, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2003, 40). Die „flüchtige Moderne“ duldet keine festen Körper. Ihre Werte sind Schnelllebigkeit, Veränderung, fließender Wandel, Vergänglichkeit und Instabilität. Daher kann die Moderne die Familie, die Klasse, die Nachbarschaft, die Pfarrgemeinde nicht dulden. Sie müssen „verflüchtigt“ oder „liquidiert“ werden.

Ebenso spricht Bauman von flüchtiger Liebe: Auch die Liebe wird zum Kommerz, zur Handelsbeziehung, zur Supermarktware. In der sich schnell wandelnden Gegenwart ist es „normal“, die Paarbeziehungen den Handelsbeziehungen anzugleichen. Die Liebe und der Partner werden zum Gut, auf das ich ein Recht habe oder das ich wegwerfe, wenn ich genug davon habe und am Horizont ein „Produkt“ sichtbar wird, das mir mehr Befriedigung verspricht. Die Moderne ist beherrscht von Gelüsten, die im Gegensatz stehen zu Wünschen, die gehegt werden, dem Prinzip der Stabilität. Bauman schreibt: “Das Prinzip, die Gelüste zu befriedigen, ist tief in das tägliche Verhalten eingedrillt durch die starke Macht des Konsumgütermarktes. Einen Wunsch zu hegen, gleicht dagegen eher der Liebesverpflichtung – es ist unbequem, unbehaglich, lästig“ (Z. Baumann, Liquid Love, Blackwell Publishers, Malden, MA 2003, 12). Das erklärt die Offensive gegen die auf die Ehe gründende Familie, die sich nicht den Regeln oder besser gesagt der Deregulierung anpasst: Sie muss liquidiert werden.

Wird fortgesetzt.

Zum bereits Erschienenen

Es handelt sich bei diesem Text um das vierte Kapitel des hervorragenden Buches Livio Melina, Für eine Kultur der Familie: Die Sprache der Liebe; Altötting: Grignion Verlag 2015.


27. März
Amoris laetitia: ein Paradigmenwechsel?

Meinen Essay Amoris Laetitia: ein Paradigmenwechsel? gibt es jetzt - in leicht veränderter Form - auch als Hörbeitrag.


27. März
Marie-Eugen Grialou

Vor 50 Jahren, am 27. März 1967, einem Ostermontag, starb im Alter von 75 Jahren der aus Le Gua stammende Karmelit Marie-Eugen Grialou. Er gründete die geistliche Familie Notre-Dame de Vie (1932) und schrieb das Buch Ich will Gott schauen über die karmelitische Spiritualität und Mystik. Am 19. November 2016 wurde er in Avignon seliggesprochen.


26. März
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

116. Folge

Noch dürfte eine Äußerung des Bernard Diaz der Erwähnung wert sein; dieser sagte nämlich, es werde aus dem Grunde dem Glauben die rechtfertigende Kraft zugeschrieben, weil er uns aus der angeborenen Dürftigkeit (erdwärts gerichteten Gesinnung) erhebe und in gewissen Bewegungen bestehe, die uns auf eine das natürliche Dasein erhabene Stufe des geistigen Lebens versetzen; so daß wir von Gott als solche betrachtet würden, die den Weg, sein Wohlgefallen (durch die Anschließung an Christus) zu erwerben, bereits betreten haben [156].

[156] L. c. n. 16. p. 262. Ideo dici hominem per fidem justificari, quod haec ex humilitate nativa nos attollit, motusque quosdam super conditionem naturae nobis imprimit, efficitque ut a Deo respiciamur ceu iter justitiae jam ingressi.

wird fortgesetzt


25. März
Gregorius Khomysyn

Vor 150 Jahren, am 25. März 1867, wurde in Hadynkivtsi, Ukraine, der selige Gregorius Khomysyn geboren. 1893 zum Priester geweiht, wurde er 1904 zum Bischof von Stanislaviv (heute Ivano-Frankivsk) ernannt. 1945 wurde er vom KGB verhaftet und ins Gefängnis von Kiew gebracht. Hier erlitt er am 17. Januar 1947 das Martyrium. Am 27. Juni 2001 wurde er mit 24 weiteren Märtyrern der griechisch-katholischen Kirche seliggesprochen, darunter der selige Nicola Carneckyj.


25. März
Alain de Solminihac

Vor 400 Jahren, am 25. März 1617, wurde der selige Alain de Solminihac (1593-1659) zum Diakon geweiht.


25. März
Ermland

Vor 25 Jahren, am 25. März 1992, wurde das Bistum Ermland zum Erzbistum erhoben. 1243 war das Bistum Ermland gegründet worden. Bei der Erhebung zum Erzbistum wurde es durch die gleichzeitige Gründung von zwei Suffraganbistümern auf eine Fläche von ca. 12.000 km2 verkleinert. Damit ist es immer noch 75 mal größer als die Erzdiözese Liechtenstein.


23. März
Hugo Staudinger

Vor 25 Jahren, am 23. März 1992 erhielt der Historiker Hugo Staudinger (1921-2004) das Bundesverdienstkreuz am Bande. Staudinger war seit 1962 Professor für politische Bildung und Didaktik in Paderborn. Von 1958 bis 1966 leitete er das Deutsche Institut für Bildung und Wissen. Er war einer der letzten Gesprächspartner von Max Horkheimer.
In seinem Werk Gott - Fehlanzeige? (Trier) setzt er sich mit den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen der Gottesfrage aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft auseinander. Besonders wertvoll ist sein Buch Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, das aus der Sicht des Profanhistorikers auf die Versuche von Exegeten wie Rudolf Bultmann und Willi Marxsen, den Evangelien ihren historischen Charakter weithin abzusprechen, antwortet. Es erschien seit 1969 in mehreren Auflagen in verschiedenen Verlagen.


20. März
Die größte Fähigkeit des Menschen

Es ist interessant, dass in den Ethikhandbüchern der Neuzeit zwei Begriffe kaum vorkommen, die zwar mit Glück zu tun haben, auf die aber ebensowenig Anspruch geltend gemacht werden kann. Der erste ist Freundschaft. Bei Aristoteles gibt es ein langes Kapitel darüber, in der modernen Ethik hingegen ist das kein prominentes Thema. Das andere ist Verzeihung. Verzeihung ist etwas Schöpferisches. Es bedeutet, etwas, das ganz falsch war, durch Verzeihung zu annullieren. Es ist die größte Fähigkeit des Menschen, verzeihen zu können. Dadurch schöpft man die Wirklichkeit um, aber nicht durch Betrug, nicht durch Täuschung, sondern durch eine reale Veränderung der Situation. Wie bei der Glückseligkeit gibt es auch darauf keinen Anspruch.

Robert Spaemann im Interview Zufriedenheit oder Glück mit Magdalena Hegglin, erschienen in Melchior Nr. 6/2017, S. 65-69.


19. März

Franz Leopold von Leonrod

Vor 150 Jahren, am 19. März 1867, wurde Franz Leopold Freiherr von Leonrod (1827-1905) II. zum Bischof von Eichstätt geweiht. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil war er ein Befürworter der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit. “Wegen der Verkündigung der Konzilsdekrete geriet er in schweren Konflikt mit dem bayrischen Staatsminister J. v. Lutz. Während des preußischen Kulturkampfes weihte er über 400 norddeutsche Theologen in Eichstätt” (LThK, 2. Auflage).


19. März
Josef Bautz

Vor 100 Jahren, am 19. März 1917, starb im niederrheinischen Keeken im Alter von 73 Jahren der Theologe Josef Bautz.


18. März
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite untergebracht wurden der Artikel Dass alle eins seien! von Robert Mäder und mein Artikel "Guter Ruf und gute Werke." Das Zitat von Paul Josef Cardinal Cordes über Gerard Manley Hopkins als Befreier vom Szientismus findet sich auf der einschlägigen Themenseite.


18. März
Gion Antoni Huonder

Vor 150 Jahren, am 18. März 1867, starb in Chur im Alter von 42 Jahren der rätoromanische Nationaldichter Gion Antoni Huonder. Er war der Vater des Theologen und Schriftstellers Anton Huonder, von dem auf kath-info zwei Aufsätze veröffentlicht sind.


17. März
Franz Brentano

Vor 100 Jahren, am 17. März 1917, starb in Zürich im Alter von 79 Jahren der aus Marienberg bei Boppard stammende Philosoph Franz Brentano. Er war ein Neffe des Dichters Clemens Brentano. Als (Wieder-)Entdecker der Intentionalität “übte er einen bedeutenden Einfluß besonders auf A. von Meinong und E. Husserl u. a. aus. Durch diese und seine weiteren Schüler und Anhänger (Hertling, C. Stumpf, E. Utitz, K. Twardowski, A. Marty, A. Kastil, O. Kraus, H. Schell) kamen seine Gedanken zu großer Wirkung” (LThK, 2. Auflage).


16. März
Polnisch

Den Artikel Die Liebe - Wahrheit oder Schein? gibt es jetzt auch in polnischer Übersetzung.


15. März
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

52. Folge

Wenn sich in einer solchen Nachbildung das Verhältnis des Sohnes Gottes zum Vater wirklich in seinem eigentümlichen Charakter offenbart, so ist doch diese Offenbarung selbst für die Vernunft nicht nur nicht wahrnehmbar, sondern auch unbegreiflich. Es ist also eine Offenbarung, die selbst an dem geheimnisvollen Charakter ihres Urbildes teilnimmt, eine Offenbarung nicht für die Vernunft, sondern für den übernatürlichen Glauben, den der Geist Gottes in die Tiefen der Gottheit einführt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Bilde des trinitarischen Prozesses in dem Innern der vernünftigen Kreatur, in welchem sich jenes reflektieren soll. Einen gewissen Reflex des trinitarischen Prozesses finden die Väter und Theologen in der auf sie selbst gerichteten Tätigkeit der vernünftigen Kreatur. Indem diese sich selbst erkennt, spricht sie ein geistiges Wort ihrer selbst aus, und vermittels der in diesem Worte sich vollziehenden Selbsterkenntnis ergießt sie sich in der Liebe zu sich selbst, wie Gott in dem trinitarischen Prozesse das Wort seiner selbst ausspricht und durch das Wort im Heiligen Geiste seine Liebe aushaucht. Aber wir haben schon gesehen, wie unvollkommen diese Ähnlichkeit ist; und damit erst ein wirklicher Reflex des trinitarischen Prozesses in Gott zustande käme, wäre es notwendig, daß jener natürliche psychologische Prozeß sich ebenfalls um Gott als seinen Mittelpunkt und Inhalt drehte. Das letztere geschieht in etwa schon in der natürlichen Erkenntnis und Liebe Gottes: aus dem Lichte, in dem Gott ihr hier erscheint, zeugt die Seele ein Erkenntniswort, in dem sie Gott ausspricht, und durch die aus dieser Erkenntnis ausströmende Liebe sucht sie sich mit Gott und Gott mit sich zu verbinden. Aber weil jenes Licht bloß ein natürliches, in der geschaffenen Natur liegendes, nicht das Licht Gottes selbst ist, weil ferner Gott hier nur durch seine Wirkungen, nicht durch sein Wesen der Seele erscheint, so ist auch die der Seele mitgeteilte Zeugungskraft keine göttliche, der des ewigen Vaters gleichartige, ihr Wort kein unmittelbarer reiner Ausdruck der göttlichen Wesenheit, also auch kein eigentliches Bild des ewigen Wortes, ihr Liebeshauch endlich nicht erfüllt und durchduftet von der eigentümlichen Kostbarkeit und Süßigkeit der göttlichen Güte, wie sie in dem Heiligen Geiste weht und lebt. Kurz, diesem Bilde fehlt eben die göttliche Lebendigkeit und Kraft seines Ideals.

Wenn also das göttliche Ideal in seinem göttlichen Glanze in der Seele widerstrahlen soll, kann das nicht anders geschehen als dadurch, daß die Seele auf übernatürliche Weise ihrem Ideale ähnlich gemacht, daß sie, über ihre eigene Natur erhoben, der göttlichen Natur teilhaft wird, um so auch die der göttlichen Natur eigentümlichen Vorgänge in sich nachbilden zu können. Ist nämlich die Seele wahrhaft der göttlichen Natur teilhaft, hat Gott sein eigenes Licht über sie ausgegossen, dann erscheint er ihr auch in seiner Wesenheit, die für jedes fremde Licht unzugänglich ist; dann zeugt die Seele aus diesem Lichte ein dem ewigen Worte ebenbürtiges Wort, in welchem sich die göttliche Wesenheit und ihr ewiges Wort abspiegelt; dann umschlingt sie auch mit ihrer Liebe den ihr in seiner Wesenheit gegenwärtigen Gott, ihre Liebe wird ganz von ihrem göttlichen Gegenstande durchdrungen und durchwürzt, und die Flamme, in der sie auflodert, der Odem, in dem sie sich ergießt, ist der lebendige gleichartige Ausdruck des ewigen Liebesergusses in Gott, als welchen wir den Heiligen Geist erkannt haben.

Auch der Reflex des trinitarischen Prozesses in der Kreatur ist also wesentlich übernatürlich und deshalb weiterhin wahrhaft geheimnisvoll; denn das Prinzip und die Tätigkeiten, wodurch und worin er sich vollzieht, entziehen sich dem Auge der natürlichen Vernunft; nur in ihrem eigenen Lichte können sie erkannt werden. Nur durch ihr eigenes Licht offenbaren sie ferner das Ideal, dessen Reflex sie sind. Dasselbe göttliche Licht, wodurch wir instand gesetzt werden, die trinitarischen Vorgänge in Gott nachzubilden und sie in uns zu erkennen, setzt uns zugleich in den Stand, das göttliche Ideal anzuschauen; denn mit der unmittelbaren Anschauung des göttlichen Wesens, die es herbeiführt, offenbart es uns auch notwendig die Personen, in denen dieses Wesen subsistiert.

Damit haben wir bewiesen, daß die Nachbildung der Trinität an und in der vernünftigen Kreatur, sofern sie nicht nur überhaupt analoge Verhältnisse und Prozesse, sondern solche enthält, in denen die Natureinheit und Göttlichkeit der ewigen Personen hervortritt, oder mit andern Worten, insofern sie die Dreifaltigkeit zugleich als Dreieinigkeit und göttliche Dreieinigkeit darstellt, ebenso wie die Trinität selbst nur ein übernatürliches Mysterium sein kann.

Zugleich ist aber damit durch erschöpfende Induktion überhaupt bewiesen, daß die Werke Gottes, mit denen seine Dreifaltigkeit in lebendiger Beziehung steht, nur übernatürliche, geheimnisvolle sein können.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


14. März
Das Zitat

Alles, was zu meiner Verherrlichung getan wird, Gebete, Fasten, Wachen und andere Werke geistiger Zucht, sehe ich mit gütigen Augen an. Aber dennoch - auch wenn es Kleingläubigen nicht so scheint - bin ich mit größerer Zuneigung bei meinen Auserwählten, die in ihrer menschlichen Schwäche und Gebrechlichkeit vertrauensvoll zu meiner Barmherzigkeit Zuflucht suchen.

Christus zur hl. Gertrud von Helfta


14. März
Hermann Riedl

Vor 25 Jahren, am 14. März 1992, starb im Alter von 81 Jahren der Theologe Hermann Riedl OCist. Er lehrte Dogmatik in Heiligenkreuz.


13. März
Jahresranking 2016: Die Top 100

Fünfter Teil: Die Plätze 81 bis 100

Die Aufsteiger des Jahres in diesem Bereich sind die Gebete des hl. Alfons für eine gute Todesstunden und der Artikel von Robert Spaemann über Tierschutz und Menschenwürde.

Platz Jahresranking 2016
Die Top 100 von 629 Seiten
Fünfter Teil: Die Plätze 81-100
Verän-derung gegen-über dem Vorjahr
81

Christa Meves: Die Mutter gehört zum Kind

- 37
82

Miriam Schilling: Vergib mir Natascha. Eine Rezension

- 12
83

Beiträge zur Unauflöslichkeit der Ehe

+ 10
84

Gertrud von Le Fort: Die Letzte am Schafott

- 2
85

Andreas Wollbold: Die Auferstehung der Toten

- 7
86

Johannes Paul II.: Ehe und Naturrecht

- 36
87

Über den hl. Pfarrer von Ars

+ 9
88

Beiträge zum Verhältnis von Islam, Djihad und Gewalt

+ 19
89

Spaemann: Tierschutz und Menschenwürde

+ 36
90

Baumann: Wie die Engel im Himmel / Hl. Alfons: Die Seele im Himmel

+ 24
91

Der Papst und die Kondome

- 37
92

Kamenicky: Die auf dich warten

- 6
93

Spaemann: Ist ein opferloses Christentum möglich?

+ 5
94

Renate Krüger: die „Hymnen an die Kirche“ Gertruds v. le Fort

+ 14
95

Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria

- 14
96

Hl. Alfons: Gebete für eine gute Todesstunde

+ 84
96

Beiträge zur Kirchenkrise

- 2
98

Josef Bordat: Peter Wusts Ungewißheit und Wagnis

- 23
99

Pirmin Meier: Gerd-Klaus Kaltenbrunner

+ 8
100

Georges Bernanos

+ 11

Zu den Top 80


12. März
Wahrheit oder Illusion?

"Und was sollen wir aus ihm lernen? Eines jedenfalls: dass eine Religion wahr sein muss, wenn sie gut sein soll. Der Mensch, der sich selbst achtet, will nicht Opfer einer Illusion werden, keiner grausamen und keiner freundlichen."

"Die gute Religion würde lehren, dass es deshalb möglich ist, bedingungslos zu lieben und sich selbst loszulassen, ohne die Angst, dabei der Dumme zu sein und den Kürzeren zu ziehen. Sie würde, ähnlich wie Platon, die Einheit von Gutsein und Glücklichsein lehren und, angesichts überwältigender Gegenargumente, ein Endgericht, in dem alle Dinge so erscheinen, wie sie wirklich sind, wo jeder erfährt, was seine Taten wert sind, wo Gutsein gut und Bösesein weh tut, wo den Barmherzigen Barmherzigkeit widerfährt, den Unbarmherzigen Unbarmherzigkeit."

Robert Spaemann heute vor zehn Jahren in der NZZ unter dem Titel "Die Welt ist kein geschlossenes System, der Tod hat nicht das letzte Wort". Der Artikel war Teil einer Reihe, in der verschiedene Autoren Stellung nahmen zu der Frage: "Was ist eine gute Religion?"


12. März
Theophanes Confessor

Vor 1200 Jahren, am 12. März 817, starb im Alter von etwa 52 Jahren der hl. Theophanes Confessor. Er stammte aus Konstantinopel, wurde Mönch und Abt und nahm 787 am II. Konzil von Nicäa teil. 815 wurde er “von Kaiser Leon V. wegen seiner Verteidigung der Bilderverehrung nach Konstantinopel gerufen und nach zweijähriger Gefangenschaft auf die Insel Samothrake verbannt, wo er bald starb” (LThK, 2. Auflage).


10. März
Neu im Personenregister:
Kenneth Walker, Evelyn Waugh


10. März
Johannes Schasching

Vor 100 Jahren, am 10. März 1917, wurde im oberösterreichischen St. Roman der Sozialethiker Johannes Schasching SJ geboren. Er unterrichtete an der Gregoriana, war Konsultor des Päpstlichen Rates Iustitia et Pax und zählte neben Oswald von Nell-Breuning und Johannes Messner zu den Nestoren der katholischen Soziallehre im deutschsprachigen Raum. Am 20. September 2013 starb er in Wien.


9. März
Türkenkriege und Volksfrömmigkeit

Von Richard Niedermeier

Die Erfindung des Buchdrucks und damit die Etablierung erster Zeitungen, die freilich am Anfang eher Flugschriften waren, machte die Welt kleiner und überschaubarer. Was bislang bestenfalls nur als eine ferne, sehr dunkle Kunde an die Ohren der Europäer drang, wurde nun zur brennenden Neuigkeit, die mühelos Gebirge, Flüsse und sogar Meere übersprang; die aber auch den Kreis ihrer Empfänger beträchtlich erweiterte, so dass das Wissen selbst von weit entfernten Geschehnissen kein Privileg höherer Stände mehr blieb. Das betraf natürlich auch die Nachrichten von den Geschehnissen an der Türkenfront, die nunmehr Menschen damit konfrontierten, die selbst noch nie einen Türken gesehen hatten. So lässt sich erklären, dass die Türkenangst („Heidenangst“) nun sehr weite Kreise zog, fast ganz Europa eroberte und als Reaktion darauf ein inniges Beten und Bitten hervorbrachte, wie es eine bloße Anordnung aus Rom oder aus den Bischofsresidenzen und Fürstenhöfen nie vermocht hätte.

Spezielle „Türkendrucke“ und „Türkenzeitungen“ – aus dem 16. Jh. sind uns heute noch mehr als 2500 davon überliefert, darunter ungefähr 1000 in deutscher Sprache – setzten die Menschen nicht nur über das Vordringen der Türken in Kenntnis, sondern hatten vor allem auch den Zweck, die Greueltaten der Türken an den Christen bekannt zu machen, damit die Gläubigen umso intensiver beteten. Die sächsische Landesbibliothek bewahrt einen solchen Türkendruck aus dem Jahre 1594 auf (Inv. Sign. Hist. Hungar 436,40), dessen Überschrift lautet: „Wahrhafftige Nawe Zeittung. Von dem itzigen Krieg wieder den Türcken in Ungern“.

Seit 1454, also ein Jahr nach dem Fall Konstantinopels, verbreiten sich auch „Türkenkalender“ – sie waren überhaupt die ersten gedruckten Kalender –, darunter einer dessen Titel: „Eyn manung der cristenheit widder die durken“ den Zweck unschwer erkennen lässt.

Nicht nur Schriften mahnten und riefen die Türkenkriege in Erinnerung; auf akustischem Wege waren es die Glocken, die eindringlich zur Besinnung und zum Bittgebet riefen. Papst Calixt III. hatte nach dem Verlust von Morea am 29. Juni 1456 bereits angeordnet, dass in allen Kirchen zur Mittagszeit eine oder mehrere Glocken „gegen die Türken“ zu läuten hätten. Man nannte dies das sog. „Mittagsläuten“ oder auch „Angstläuten“. Die Gläubigen sollten während des Glockenläutens drei Vaterunser und drei Avemaria beten.

Die dazu verwendeten Glocken wurden „Türkenglocken“ genannt, wobei diese Bezeichnung später, als auf dem Schlachtfeld die ersten Erfolge gegen die Türken erzielt wurden, noch eine spezielle Bedeutung erhielt: Glocken, die aus dem Erz erbeuteter türkischer Kanonen gegossen wurden. Von da an hatten die Türkenglocken auch nicht mehr die alleinige Funktion, zum Gebet um die Hilfe Gottes aufzurufen; sie wurden auch zum Dank für einen Sieg geläutet.

Hatte der Papst nur ein mittägliches Läuten befohlen, so weiteten Angst und Frömmigkeit es auch auf andere Tageszeiten aus. Einige Beispiele:

Die zwanzig Zentner schwere Türkenglocke der Pfarrkirche im oberösterreichischen Mauthausen wurde von dem aus diesem Ort stammenden Kriegskammerherren Christoph Voster 1688 gestiftet und soll aus erbeuteten türkischen Kanonen gegossen sein. Auch die Türkenglocke auf dem Grazer Schlossberg – sie wurde 1587 im Auftrag von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und seiner Frau Maria gegossen – soll aus 101 erbeuteten Türkenkanonen gefertigt sein. Nach 1683, also nach der für die Christen siegreichen Schlacht am Kahlenberg, läutete sie morgens, mittags und abends mit jeweils 101 Schlägen zum Dank an die Gottesmutter und als Bitte für weiteren Schutz in zukünftigen Gefahren.

Zum Dank erklangen auch die beiden Türkenglocken von 1686 in dem nahe Wien gelegenen Perchtoldsdorf, das noch 1683 von den Türken erobert und dessen Bevölkerung etwa zur Hälfte von den Osmanen niedergemetzelt worden war. Auf der einzigen von ihnen heute noch erhaltenen Glocke findet sich die Inschrift: „…rueffe ich die Christen alle zusam zu loben Gott in hoegstem Thron der uns erloest aus der Tyrgken noth“.

Die Türkenglocke des nahe Villach in Kärnten gelegenen Ortes Maria Gail stammt bereits aus dem Jahre 1486 und stellt gleichsam eine Antwort auf die im Türkeneinfall von 1478 erfolgte Schändung der Kirche und Zerstörung des Ortes dar.

Nicht nur in den österreichischen Landen, die die Türkengefahr in besonderer Weise spürten, finden sich solche Türkenglocken. Auch das oberfränkische Bad Steben oder sogar das brandenburgische Rathenow besitzen Türkenglocken. Obwohl von Papst Calixt das Türkenläuten angeregt wurde, gibt es Türkenglocken auch in evangelischen Kirchen, wie etwa die 1683 gegossene große Türkenglocke der evangelisch-lutherischen Kirche St. Rochus in Zirndorf belegt. Ihre Inschrift nennt als Zweck ihres Läutens den Aufruf zur Buße in der Zeit der Türkennot: „Man haist mich ja frei die große Turckenglocken. Dieweil ich die Christen zur Buse thu locken…“.

Im 18. Jh. freilich, als die Türkengefahr weitgehend vorüber war, ist das Türkenläuten zumeist verstummt und machte dem schon älteren Gebetsläuten des Angelus wieder Platz.

In den Nöten der Zeit suchten die Katholiken gerade bei der Gottesmutter Maria Hilfe. Die bereits 1531 in Loreto bezeugte, in ihren Anfängen aber noch viel ältere und nach ihrem Ursprungsort benannte Lauretanische Litanei erhielt durch Papst Pius V. die Anrufung „Hilfe der Christenheit“. Natürlich war auch dieser Hilferuf an Maria schon wesentlich älter; die Kreuzfahrer etwa hatten bereits ein „Maria hilf“ auf den Lippen. Doch vor allem nach der Schlacht von Lepanto und dem Sieg der Christen vor Wien (1683) hatte die Maria-Hilf-Verehrung einen ungeahnten Aufschwung genommen. Dieser spiegelt sich wider in der Geschichte des Gnadenbildes der „Auxiliatrix Christianorum“, das in vielen Kirchen vor allem des süddeutschen und österreichischen Raumes zu finden ist.

Lucas Cranach d. Ä. hatte nach 1537 ein Marienbild geschaffen, das die Madonna mit dem sie liebkosenden Jesuskind zeigt. Dieses Bild, das in der kurfürstlichen Gemäldesammlung zu Dresden aufbewahrt wurde, erhielt 1611 der Fürstbischof von Passau, Erzherzog Leopold, zum Geschenk, der es nach Innsbruck verbrachte. Doch der Passauer Domdekan, Marquard Freiherr von Schwendi, ein überaus frommer Mann, ließ eine Kopie für sein privates Beten anfertigen. Als er jedoch auf dem späteren Mariahilfberg – damals noch Schulerberg – von mehreren Lichtvisionen heimgesucht wurde, nahm er dies als ein Zeichen, dass die Gottesmutter auf diesem Berg über Passau die öffentliche Verehrung ihres Bildes wünsche. Er ließ dort eine Kapelle erbauen. Es waren zuerst, neben den privaten Nöten, vor allem die Bedrängnisse des Dreißigjährigen Krieges, die die Menschen in Scharen zur Wallfahrt auf den Mariahilfberg trieben. Nach der verlorenen Schlacht von St. Gotthard an der Raab (1664) aber suchte man dort bei Maria Schutz und Hilfe vor allem in den Türkenkriegen. Von beiden Orten, Passau und Innsbruck, strahlte der Ruf Mariens als Auxiliatrix Christianorum immer weiter aus. Vom Original wie von der Passauer Kopie wurden weitere Kopien erstellt. Wir finden diese Kopien – und was noch wichtiger ist, die entsprechende Marienverehrung – vielfach im bayerischen Oberland (z.B. Benediktbeuern und Berchtesgaden, Maria Eck im Chiemgau), in der Oberpfalz (Neumarkt, Amberg) und im Tirolischen (Bozen, Kufstein oder Schloss Schenna bei Meran), im Schwäbischen (Weingarten) und im Salzburger Land (Mondsee und Salzburg), selbst das Moselländische Wasserliesch wurde zu einem Ort der Verehrung. Vor allem aber im Ober- und Niederösterreichischen (Heiligenkreuz im Wienerwald, Mariahilfer Kirche in Wien, Pfarrkirche Atzgersdorf in Wien) und in Böhmen (Zedlitz bei Karlsbad) entfaltete sich der Mariahilf-Kult, der sogar in Polen und natürlich auch in Ungarn regen Anklang fand. Als die Türkengefahr vor 1683 am größten war und sogar Kaiser Leopold I. mitsamt seinem Hofstaat aus Wien nach Passau fliehen musste, da sah dieses Marienbild auch einen kaiserlichen Beter zu seinen Füßen.

Die Passauer Wallfahrt zu Maria, der Helferin der Christenheit, wurde seit 1631 von dem Orden betreut, der wie kein anderer in der Neuzeit mit dem bayerischen und österreichischen Volk verbunden war: den Kapuzinern. Pater Prokop von Templin hatte die auf dem Berg so reichlich ausgespendeten Gnadengaben der jungfräulichen Gottesmutter in einem anrührenden Gedicht gepriesen. Doch es war der als Apostolischer Missionar aus Italien gekommene Kapuziner Marco d’Aviano, der durch seine Predigten das Volk in so gewaltigen Scharen zum Gebet auf den Mariahilfberg führte, dass sogar die Brücke über den Inn ins Schwanken geriet. Der 1631 im Friaul zu Aviano geborene Bruder Marco (Geburtsname: Carlo Domenico Cristofori), der 1648 in den Kapuzinerorden eintrat, war seit seiner Jugend von der Idee beseelt, die Türken zu missionieren und dabei als Märtyrer zu sterben. Begleitet waren seine in Latein und Italienisch gehaltenen Predigten von Wunderheilungen, die Marco d’Aviano in ganz Europa bekannt machten und ihn zum Vertrauten Kaiser Leopolds I. werden ließen. Charakteristisch für seine Türkenpredigten war, dass er den Blick auch auf die Sünden der Christenheit lenkte und seine Zuhörer zur Buße aufrief.

Das wohl bekannteste Beispiel der barocken Türkenpredigt bot indes der Augustiner Abraham a Sancta Clara (Johann Ulrich Megerle). Als die Türken-Krise mit der zweiten Belagerung Wiens ihren Höhepunkt erreichte, da schmetterte er sein „Auff, Auff, ihr Christen“ mittels eines Traktates ins Land. Doch darf man diesen Aufruf nicht isoliert vom Gesamtwerk des Predigers sehen: Es ist bezeichnend, dass sich auch bei Abraham a Sancta Clara die Bereitschaft zum Kampf mit dem Ruf zur inneren Umkehr und zur geistlichen Erneuerung verbindet. Man mag das Kämpferische solcher Schriften und Predigten, wie die Barockpredigt überhaupt, heute eher belächeln, doch muss man anerkennen, dass sie den Menschen in Zeiten und Situationen großer Bedrängnis Mut gemacht haben und eine Lebenskraft zum Ausdruck brachten, die dem Fatalismus, der Verzweiflung und der Resignation widerstand. Auch wäre diese barocke Kraft nicht denkbar, wenn nicht trotz der Religionskriege in Frankreich und des Dreißigjährigen Krieges auf dem Gebiet des Reiches die Nachwirkungen des großen Trienter Konzils ihre Früchte gezeigt hätten.

Auszug aus dem Buch Mohammed vor den Toren von Richard Niedermeier, Verlag Petra Kehl, 264 Seiten.


8. März
Versuch einer Theodizee

Von Theodor Haecker

Dreizehnte Folge

Das herrschende Prinzip in dieser zweiten Sphäre ist das Gewissen als Mittelpunkt und Herz der erschaffenen Person. Es ist nicht so, wie moderne Philosophen meinen, die von einer ungenierten Philosophie des Lebens notwendig, langsam oder rasch wie der Tod, aber sicher wie der Tod, zu einer Philosophie des Todes kamen, es ist nicht so, daß der Tod das Persönlichste des Menschen ist, denn ihn teilt er ja mit der Pflanze und noch intimer mit dem Tiere, sondern das Persönlichste des Menschen ist das Gewissen, das in sich über den Tod hinausgeht. Nach der Lehre des heiligen Thomas wissen die Engel um die Stunde des Todes eines jeden Menschen, aber auch nicht der größte ihrer hat Einsicht in den Gewissenszustand auch nur des geringsten Menschen. Die Kenntnis seines Gewissens teilt der Mensch allein mit seinem Schöpfer. Auch was er dem Priester sagt, muß er zuvor erforscht haben allein mit seinem Schöpfer. Es gibt kein Gewissen, das nur für das Diesseits gälte, das ist eine zweifellose Verkennung des Tatbestandes, da unzählige Erfahrungen beweisen, daß das Gewissen gerade kurz vor dem Tode, wenn gar keine Aussicht mehr ist auf das »Diesseits«, sich regt; das Gewissen reicht an sich und von sich aus in das Leben nach dem Tode. Das Gewissen überschreitet den Tod, ist persönlicher als der Tod. Zwar ist die Person, das höchste Sein und Dasein, durch nichts anderes erklärbar, bestimmbar, identifizierbar als durch sie selbst in der Analogie mit der göttlichen Person, also daß auch die Person nicht identisch ist mit dem Gewissen, sie ist es nur mit sich selbst, die unsagbarer ist als das individuum ineffabile, aber das Gewissen ist am nächsten der erschaffenen Person, konstituiert sie mit, ohne sie selber zu sein. Das Gewissen ist erziehbar und kann zugrundegehen ohne die Ernährung und Erhaltung durch das Wort Gottes, durch die objektive Offenbarung, welche in die Hut der Kirche gelegt ist. Die »Person« geht nie zugrunde. Und auch das Tragische wird hier überschritten! Denn das Tragische gehört mehr zum Allgemeinen und fast Abstrakten als zum buchstäblich Persönlichen und Konkreten des Menschen: der tragischer Held ist noch nicht zum seligen Kern seiner Person gelangt.

Dennoch: das Herz des Menschen ist größer als all das. Es ahnt, daß der Urquell seines Seins noch tiefer reicht, und es läßt nicht ab von seiner Sehnsucht nach ihm. Gott als Schöpfer und Gott als Richter, das läßt in seinem Herzen noch eine ganze unendliche Wüste frei - das schafft Staunen, das schafft Furcht, in einem überwältigenden Maße und im Modus des Mysteriums, aber in einem unvorhergesehenen Augenblick läßt das alles plötzlich das Herz des Menschen leer. Das ewige, unvergängliche Blut, nach dem das Herz des Menschen verlangt, damit es selber ewig lebe, ist die Liebe. Sie sucht im Grunde keine Theodizee mehr, aber sie findet sie. Sie verlangt selber nicht nach ihr, aber sie gibt sie.

Schmerzliches Ach und staunendes Oh!
Über warum? und himmlisches So!

In dieser letzten Sphäre, die da entspricht dem dritten Motiv einer Welt- und Menschenschöpfung, von dem ich am Anfang sprach: der Liebe und dem heiligen Drang der Liebe, überzufließen, sich selber mitzuteilen, ohne etwas zu verlieren, in dieser dritten, hierarchisch obersten Sphäre sind die beiden anderen nicht vernichtet, sondern aufgehoben. In dieser dritten Ordnung erst der Schöpfung, die doch für Gott eine ist, ist der Mensch vollendet, als geschaffen ad imaginem Dei: Er ist nicht vollendet als Bild des Schöpfergottes, das er von Anfang ist; er ist nicht vollendet als Bild des heiligen Richtergottes, das er als sittliche Person kraft seiner Freiheit wird; er ist erst vollendet als Bild des Gottes, der die Liebe ist - erst vollendet als selber, schöpferisch und heilig, Liebender, welcher er auf dem Grunde des Seins, kraft der unveräußerbaren Freiheit seines Willens, durch unaussprechliche Gnade, ist und wird und dann erst ist. Wie am ersten Tage stehen nun die Werke Gottes und ist voll scheuer Lust das Staunen, das vom Werk auf den Schöpfer geht und selber auch eine Gabe Gottes ist. Überstrahlt vom neuen Lichte der Liebe stehen die großen Wahrheiten der zweiten Sphäre: in der Mitte, alles überragend, das große Mysterium der Freiheit, denn wer am meisten von der Gnade lebt, wie der Heilige, hat auch das tiefste Erleben der Freiheit, hat die tiefste und Schauer erregendste Erkenntnis von der Realität der Schuld und der Sünde (wie aber wären diese ohne Freiheit?), hat eine ursprüngliche Einsicht in den primären Zusammenhang von Sünde und Leiden als Strafe und Sühne; der reinste Mensch weiß am sichersten und zweifelt am wenigsten, daß es eine Hölle gibt. Ganze Geschlechter und Völker erniedrigen sich und werken dahin wie Pflanzen oder verwesen wie Tiere. Nur der Heilige weiß, was der Tod ist und wieviel und was an Sein ein Mensch verlieren kann. Hier erst wird die Gabe der Freiheit vollendet, indem aus der anfänglichen Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse die Autonomie der Kinder Gottes wird, nämlich in Wahrheit gottähnlich die souveräne Freiheit durch Gnade zu verdienen und zu erhalten innerhalb des Guten gegenüber allen Mitteln und Möglichkeiten: Ama et fac quod vis - ein Wort des Verderbens für alle Mißversteher, die das »Ama« (hin und zurück ist derselbe Weg) auslassen - nach dem Bilde des trinitarischen Gottes, der die Liebe ist und als der einzig vollkommene Gott tut, was Er will, was Er will, was Er will. Numero Deus impare gaudet [Vergil, Bucolica, VIII, 75: Gott erfreut sich an der ungeraden Zahl]. Wie sonderbar und erschreckend, daß, was für das menschliche Herz das natürlichste sein sollte und nach seiner Verwandlung auch ist, daß Gott die Liebe ist, ihm ohne die Offenbarung so fremd ist und war.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


7. März
Das Zitat

Wenn sich vielleicht jemand unter euch befindet, der im Glauben schwach ist, für den weiß ich kein kräftigeres Mittel, im Glauben zu erstarken, als täglich auf den Knien mit Andacht ein Ave Maria zu beten. Die bedrängte Seele wird Ruhe finden! Und durch das Rosenkranzgebet habe ich alles erlangt, was ich gewünscht habe!

Heiliger Klemens Maria Hofbauer


7. März
"Der Glaube und der alte Ritus"

Vor 10 Jahren, am 7. März 2007, erschien in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel “Der Glaube und der alte Ritus” eine ganzseitige Sammlung von Beiträgen, die den Wert der überlieferten Liturgie herausstellten und die offensichtlich dazu dienen sollten, eine wohlwollende Aufnahme des Motu proprio Summorum Pontificum vorzubereiten, das vier Monate später kam. Die Beiträge stammten unter anderem von Robert Spaemann, Durs Grünbein, Eckhard Henscheid, Martin Mosebach, Ulli Hahn und Hans Zender. Spaemann schrieb in seinem Beitrag: "Heute bildet er [der christliche Kult] eher ein humanes Widerlager zu einer formlosen und der Beliebigkeit frönenden Zeit. Als solches Widerlager, als Kontrastprogramm übt die Feier der Messe im alten Ritus eine ganz neuartige Faszination aus."


6. März
Beispiellos

Es ist das Papsttum, das der katholischen Kirche ihre in der Weltgeschichte beispiellose Dauer verliehen hat; epochale Umwälzungen, Kulturbrüche, Mentalitätswandel, politische Katastrophen, Verlust der Ursprungsländer und die verschiedenen Säkularisationen vermochten es nicht, die Fortdauer der Kirche zu beenden. Ihr schieres Alter spricht für sie - was in zweitausend Jahren nicht untergehen konnte, obwohl es sich gegen Angriffe aus jeder erdenklichen Richtung zu verteidigen hatte und oft genug dem nackten Hass gegenüberstand, das muß eine Kraft besitzen, die den menschlichen Institutionen sonst versagt ist.

Martin Mosebach in seinem Vorwort zum Buch von Roberto de Mattei Verteidigung der Tradition. Die unüberwindbare Wahrheit Christi, da soeben in deutscher Übersetzung im Grignion Verlag erschienen ist.


6. März
Peter von Cornelius

Vor 150 Jahren, am 6. März 1867, starb in Berlin im Alter von 83 Jahren der aus Düsseldorf stammende Maler Peter von Cornelius. Er war das “stärkste Talent der Nazarener” und “wirkte bahnbrechend für die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert” (LThK, 2. Auflage).


5. März
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite untergebracht wurden der Artikel von Urs Keusch über die Mystikerin Benigna Consolata Ferrero und ihre ergreifende Botschaft, und der Artikel Von Sartre lernen von John T. Mullen. Das Zitat des Philosophen Markus Gabriel über naturalistische Denkfehler findet sich auf der einschlägigen Themenseite.


5. März
Johannes Linneborn

Vor 150 Jahren, am 5. März 1867, wurde in Hagen bei Arnsberg der Kirchenrechtler Johannes Linneborn geboren. Er wurde 1910 Professor in Paderborn, 1918 in Bonn. Von 1924 bis 1933 war er Mitglied des Preußischen Landtags. Er “leistete Hervorragendes auf dem Gebiet der Rechtsgeschichte und der Kirchenpolitik, besonders für das Zustandekommen des Preußischen Konkordats von 1929" (LThK, 2. Auflage). Am 22. Januar 1933 starb er in Paderborn.


2. März
Pierre du Jarric

Vor 400 Jahren, am 2. März 1617, starb in Saintes im Alter von 51 Jahren der Theologe und Historiker Pierre du Jarric SJ. Er schrieb ein dreibändiges Werk über die Asienmission unter dem Patronat Portugals, das weite Verbreitung fand. Für Huonders Darstellung des Wirkens des seligen Rudolf Aquaviva SJ war Jarric eine wichtige Quelle.


1. März
Monatsranking Februar 2017

Platz Monatsranking Februar 2017
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von 635 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

+ 1
3

In-vitro-Fertilisation

-1
10

Die Priesterbruderschaft St. Petrus

- 2
20

Die Zerstörung der Grabeskirche

- 10
30

Martin Ramm: Der Widerstand der katholischen Jugend im Dritten Reich

+ 14
40

Andreas Wollbold: Die Auferstehung der Toten

+ 54
50

Über die Erbsünde

- 3
60

R. Spaemann: Ist ein opferloses Christentum möglich?

+ 23
100

Ehe und Naturrecht

+ 11

Zum Ranking der Vormonate


28. Februar
Das Gewissen zwischen Vision und Illusion

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter und letzter Teil

Wenn man in einem atheistischen Weltbild objektive, uns vorgegebene Werte und Normen, die uns wirklich - und nicht nur scheinbar - im Gewissen binden, nicht unterbringen kann, ist es auch mit der heroischen atheistischen Moral, von der Schröder schwärmt, nicht weit bestellt. Was setzt er an die Stelle des himmlischen Glücks der Christen? Nicht etwa die Kantische Achtung vor dem Gesetz, sondern das irdische Glück: “Die Moral von religiösen Prämissen zu befreien und ihr im Glücksstreben und im Interesse jedes Einzelnen an einer stabilen Gemeinschaft ein solides Fundament zu geben, war das vorrangige Ziel der Radikalaufklärer.” Hier erscheint das Glücksstreben plötzlich als solides Fundament der Moral, während es beim Christen noch als ihre Verunreinigung denunziert wurde. So vermag sich Schröder innerhalb weniger Sätze selbst zu widersprechen. Er offenbart sich als Vertreter einer interessenbasierten Ethik und damit einer Moral, die gerade nicht autonom ist, da die Autonomie in der “Lossagung von allem Interesse” (Kant) besteht. Er muss sich deshalb fragen lassen, was er unter einem moralischen Motiv versteht, wenn er in der Kritik des Christentums das Glücksmotiv als außermoralisch verwirft, für die atheistische Ethik aber kein anderes Motiv anbieten kann.

Die recht verstandene Kantische Autonomie der Moral ist dagegen sehr wohl in der christlichen Ethik verwirklicht, nämlich in der Lehre über die Liebe zu Gott um Gottes willen. In dieser Liebe wird die reine Lohnmoral überschritten. Wir sollen Gott nicht nur aus Eigeninteresse lieben, sondern um seiner selbst willen, d.h. weil er aufgrund seiner unendlichen Güte unsere Liebe verdient. Gemäß der katholischen Lehre sind wir dazu durch die göttliche Tugend der Liebe auch befähigt, auch wenn anscheinend allzu wenige Christen von dieser Fähigkeit Gebrauch machen. Dass diese Liebe möglich ist, zeigt uns der hl. Franz von Sales, der in der Krise seiner Jugendzeit sich verdammt wähnte und sich trotzdem zu dem heroischen Entschluss durchrang, Gott so viel wie möglich zu lieben - wenigstens in diesem Leben. Wenn das Neue Testament lehrt, dass die vollkommene Liebe die Furcht vertreibt, dann ist damit gerade die Überwindung einer bloßen Lohnmoral angesprochen. Berühmt wurde die Explikation dieser Überwindung in Fénelons Lehre über die reine Liebe, in der Spaemann zurecht einen Wegbereiter von Kants kategorischem Imperativ sieht. Aber auch schon der Ansatz des hl. Anselm von Canterbury, für den das Handeln erst gut ist, wenn es ihm um die Rechtheit des Willens um der Rechtheit willen geht, enthält bereits die Idee einer autonomen Moral. Der Unterschied zu Kant liegt darin, dass diese Rechtheit als oberster sittlicher Wert eine Verankerung in der Wirklichkeit hat, nämlich in Gott, der in gewisser Weise diese Rechtheit in Person ist.

Diese Verankerung fehlt bei Kant. Bei ihm ist der kategorische Imperativ ein Faktum der Vernunft. Diese Vernunft ist zwar als allgemeine dem jeweils einzelnen Menschen vorgegeben. Dennoch ist für Kant der einzige Ort, in dem diese Vernunft wirklich ist, der einzelne Mensch. Dasselbe gilt für den Willen. Wenn er von der Selbstgesetzgebung des Willens spricht, meint er damit zwar nicht die Freiheit des Einzelwillens, sich ein Gesetz zu geben, wie es ihm beliebt. Aber da er keinen dem kategorischen Imperativ immanenten, dem Menschen aber transzendenten Willen anerkennt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als von demselben menschlichen Willen auszusagen, dass er dem Gesetze unterworfen wie auch dessen Urheber sei (so in der Grundlegung der Metaphysik der Sitten). Dadurch bekommt seine Rede von der Autonomie eine fatale Zweideutigkeit. Sie kann nicht nur als Unabhängigkeit von jedem außermoralischen Antrieb, sondern auch als Leugnung einer Verankerung in einer absoluten Wirklichkeit verstanden werden und ist damit dem beschriebenen Absturz in die Heteronomie schutzlos preisgegeben. Oder mit anderen Worten: Wenn Kant die Vernunft als Quelle der Normativität ansieht, dann steht und fällt der Anspruch des kategorischen Imperativs mit dem ontischen Status der Vernunft. Seine Ausführungen lassen kaum einen anderen Schluss zu, als dass, wie etwa der Kant-Interpret Peter Baumanns schreibt, bloß die Struktur der "endlichen Vernunft" es ist, die den Ursprung und den "Systemort" des kategorischen Imperativs bereitstellt (P. Baumanns, Kants Ethik, Würzburg 2000, S.40). Wenn dann auch noch mit dem Naturalismus die Vernunft nur als zufälliges Produkt der Evolution verstanden wird, ist der Weg frei für die beschriebene Entlarvung des Gewissens und aller Moral. Die evolutionär bedingte Kontingenz der Vernunft macht die Nichtkontingenz des Faktums der Vernunft, also des Sittengesetzes, zunichte.

Letztlich kann nur Gott der Moral den ontischen Status garantieren, den sie unserem Gewissen gegenüber beansprucht. Aus diesem Grund erteilt das Konzil der Idee der Selbstgesetzgebung eine klare Absage, wenn es lehrt: “Im Innern seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft.” Dies würde nur dann eine Fremdbestimmung im Sinne einer theonomen Moral bedeuten, wenn das Wesen des Guten vom Willen Gottes abhängig wäre. In Wirklichkeit aber gilt: Das Gute, z.B. die Nächstenliebe, ist nicht gut, weil Gott es will, sondern Gott will es, weil es gut ist. Grausamkeit, Betrug und Mord sind nicht böse, weil Gott sie verboten hat, sondern Gott verbietet sie, weil sie böse sind. Wir gehorchen nicht einem Willkürgott, sondern entdecken in unserem Gewissen die Welt der Werte in ihrer inneren Sinnhaftigkeit und das moralisch Gute als den höchsten, sich selbst rechtfertigenden Wert. Gerade weil aber dieser Wert, wie wir ihn im Gewissen erfahren, verankert ist im Wesen Gottes, der die Güte in Person ist, werden wir durch den Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Guten über uns selbst hinaufgehoben zu einer göttlichen Vollendung, die über unseren eigenen Kräften liegt.

Der Mensch steht in der Mitte zwischen Gott und Materie. Von allein kann er sich nicht in dieser Mitte halten. Entweder wird er nach oben gezogen, oder er fällt nach unten. Nach oben gezogen wird er durch den Gehorsam gegenüber dem unbedingten Anspruch des Guten, der in seinem Gewissen aufstrahlt als ein Widerschein göttlicher Herrlichkeit. In dieser Vergöttlichung findet er die Vollendung seiner Würde. In einem atheistischen Weltbild findet der Anspruch des Guten in der Wirklichkeit keinen letzten Halt mehr. Sobald man ihm misstraut, kippt die Autonomie um in Heteronomie und aus dem Gewissen wird eine Illusionsmaschine. Der Naturalisierungsprozess, der oft mit der Umdeutung der Moral beginnt, endet dann schließlich in der Auffassung des Behavioristen F. Skinners, der Mensch sei nur ein physikalisches System.

Zum ersten Teil


27. Februar
Clemens Brentano

Vor 200 Jahren, am 27. Februar 1817, legte Clemens Brentano (1778-1842) vor Johannes Ambrosius Taube (1778-1823), Propst der St. Hedwigs-Kirche in Berlin, seine Generalbeichte ab. Er hatte sich durch die Begegnung mit der frommen, lutherischen Dichterin Luise Hensel (1798-1876) zu Gott bekehrt. Hensel ihrerseits konvertierte 1818 zur katholischen Kirche.


27. Februar
Jesuiten

Vor 250 Jahren, am 27. Februar 1767, wurde in Spanien der Jesuitenorden durch ein Dekret König Karls III. verboten, seine Mitglieder verhaftet und außer Landes geschafft. 1773 hob Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu auf.

Ein Beispiel für das tragische Schicksal der Jesuiten: Gabriel Malagrida


27. Februar
Robert von Melun

Vor 850 Jahren, am 27. Februar 1167, starb in Hereford im Alter von knapp 70 Jahren der Theologe Robert von Melun. In Paris wurde er Nachfolger Abaelards als Magister artium (also als Professor der Philosophie). Ihn hörten unter anderem Johannes von Salisbury und Johannes von Cornwall. 1163 wurde er Bischof von Hereford. Die Bischofsweihe empfing er vom hl. Thomas Becket.


25. Februar
Verwirrung, Jubel

“Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung.”
Der hl. Papst Johannes Paul II. in Familiaris Consortio, 84.

Damals herrschte bei den Gläubigen keine Verwirrung, sondern Klarheit, bei den Gegnern dieser Lehre aber Unzufriedenheit.
Nach der "Weiterentwicklung" dieser Lehre herrscht bei den Gläubigen Verwirrung, bei ihren Gegnern Jubel.

Weitere Notizen zu Amoris Laetitia


24. Februar
Nochmals Anton de Waal

Der Verlag Petra Kehl hat zwei Bücher von Anton de Waal herausgebracht. Er stellt sie mit diesen Worten vor:

Seit Giovanni Battista de Rossi, der Begründer der christlichen Archäologie, 1850 mit der Erforschung der Katakomben Roms begonnen hatte, beflügelten diese frühchristlichen Begräbnisstätten aus der Zeit der Christenverfolgungen die Phantasie der damaligen Schriftsteller. Zahlreiche Erzählungen und Romane entstanden, die sich mit dieser „Heldenzeit“ der Kirche beschäftigten und sich mehr oder weniger an der historischen Realität orientierten. Die berühmtesten Werke aus diesem Bereich sind zweifellos „Fabiola“ von Kardinal Nicholas Wiseman und „Quo vadis“ von Henryk Sienkiewicz. Historisch präziser sind jedoch zweifellos die Erzählungen von Anton de Waal. Der 1837 in Emmerich geborene de Waal, siedelte schon sechs Jahre nach seiner Priesterweihe nach Rom über, wo er ab 1868 als Kaplan an der Kirche Santa Maria dell'Anima wirkte. 1873 wurde er Rektor des Campo Santo Teutonico. Neben seinen seelsorgerischen Pflichten beschäftigte er sich mit christlicher Archäologie, sammelte christliche Altertümer und führte deutschsprachige Pilger durch die Heiligtümer Roms.

In den Erzählungen, die er in dem Werk „Katakombenbilder“ 1891 zusammenfügte, griff der Rektor des Campo Santo Teutonico auf seine langjährigen Studien zur christlichen Archäologie Roms zurück sowie auf seine Erfahrungen als Führer deutschsprachiger Pilger.

Zwei seiner Erzählungen sind anlässlich seines 100. Todestages in leicht modernisierter Sprache neu erschienen. Sie sind für ältere Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen:

Welt und Weisheit

Aus der Zeit des Kaisers Marc Aurel

Vergeblich hat der Philosoph Justinus bisher nach der Wahrheit und dem wahren Gott gesucht. Da sagt ihm die vornehme und reiche Cornelia bei einem Gastmahl voraus, er werde schon noch einen Lotsen finden. Tatsächlich trifft Justinus kurz darauf bei einem Spaziergang außerhalb der Stadt einen Greis, dessen Worte ihn in Erstaunen versetzen. Bald erkennt der Philosoph, dass ausgerechnet bei den verachteten Christen seine Suche ans Ziel gelangt. Nicht nur sein Leben verändert sich. Die gebildete Cornelia hat inzwischen ebenfalls die christliche Lehre kennen gelernt – wenn auch auf einem anderen Weg. Doch auch unter dem Philosophenkaiser Marc Aurel leben Christen gefährlich…

Domitian

Aus dem 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung

Flavius Clemens, aus dem berühmten Geschlecht der Flavier, führt trotz seiner engen Verwandtschaft zum Kaiserhaus mit seiner Familie ein zurückgezogenes Leben. Er gilt als träge und an politischen Ämtern nicht interessiert. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft ihn die Entscheidung seines kaiserlichen Vetters Domitian, der ausgerechnet ihn zum Mitregenten machen und seine Söhne adoptieren will. Sie sollen einmal seine Nachfolger auf dem Thron werden. Flavius Clemens und seiner Gattin Domitilla bleibt keine andere Wahl, als dem Befehl des despotischen, stets argwöhnischen Kaisers zu gehorchen. Sie wissen, dass nun ihre Bewährungsprobe gekommen ist; denn ihre Zurückgezogenheit hatte einen Grund, der sie nun das Leben kosten kann: Flavius Clemens und Domitilla sind Christen.


23. Februar
Anton de Waal

Vor 100 Jahren, am 23. Februar 1917, starb in Rom im Alter von 79 Jahren der deutsche Priester Anton de Waal. Er wurde 1873 Rektor des Camposanto Teutonica, 1887 Herausgeber der Römischen Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte und in der römischen Deutschenseelsorge u.a. ein großer Förderer der Wissenschaft. “Als Schriftsteller schrieb er packende Bilder aus der Kirchengeschichte seiner Zeit und der Vergangenheit” (LThK, 2. Auflage).


22. Februar
Abilius vom Kreuz Ramos

Vor 100 Jahren, am 22. Februar 1917, wurde Fr. Abilius vom Kreuz Ramos geboren. Er gehört zu einer Gruppe von zwölf Passionisten, die im Spanischen Bürgerkrieg am 23. Oktober 1936 das Martyrium erlitten. Am 1. Oktober 1989 wurde er mit 24 weiteren Passionisten-Märtyrern seliggesprochen.


22. Februar
Sacramentum Caritatis

Vor zehn Jahren, am 22. Februar 2007, erschien das nachsynodale apostolische Schreiben Benedikts XVI. Sacramentum Caritatis, das P. Franz Prosinger auf kath-info kommentierte.


22. Februar
Konfraternität

Vor zehn Jahren, am 22. Februar 2007, wurde die Konfraternität St. Petrus gegründet, eine Vereinigung von katholischen Laien und Priestern, die durch Gebet und Opfer die Priesterbruderschaft St. Petrus unterstützen möchten. Aus diesem Anlass hat Pater Armand de Malleray, FSSP, der Kaplan der Konfraternität Sankt Petrus, einen Brief an die Mitglieder der Konfraternität St.Petrus und an und alle Unterstützer priesterlicher Berufungen verfasst, den Sie hier als PDF-Datei herunterladen können.


21. Februar
Wahn der Machbarkeit

Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, die sich aus diesem Verständnis von Barmherzigkeit ergibt. Beim slippery slope, der schiefen Ebene, lässt sich in der Regel ziemlich genau vorhersagen, was kommen wird. Man muss nur der Logik folgen. Was hier passiert ist auch deshalb fatal, weil in den entsprechenden kirchlichen Dokumenten offensichtlich kein vernunftgeleiteter Anschluss mehr an die kirchliche Tradition gesucht wird. Die innere Einheit von Glaube und Vernunft wird so infrage gestellt. Für viele Gläubigen entsteht damit der Eindruck einer Art Machbarkeit in Sachen Glaube, Moral und Pastoral. Das leistet natürlich dem Relativismus Vorschub. Zu der sich ausbreitenden Vorstellung, katholisches Christentum könne ohne so etwas wie Naturrecht, Anthropologie und inhaltliche Stringenz ihrer Lehre auskommen, scheint der kurze Tweet des italienischen Jesuiten Antonio Spadaro, Mitglied des Redaktionskomitees für den Schlussbericht der Bischofssynode, zu passen: „Theologie ist nicht Mathematik. 2 + 2 kann in der Theologie 5 ergeben…“ (Epiphanie 2017).

Aus: Christian Spaemann, Die Erosion der katholischen Sakramentenordnung in Deutschland, vom 17. Februar 2017. Ein Weckruf, der diesen Namen verdient.


18. Februar
Was weh tut

Wie reagiert die katholische Kirche in Deutschland auf einen Kirchenaustritt? Mit dem automatischen Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft, sprich: Exkommunikation. Das ist übertrieben, nicht nachvollziehbar. Man kann Dogmen infrage stellen, das tut keinem weh, da fliegt keiner raus. Ist denn das Nichtbezahlen von Kirchensteuer ein größeres Vergehen gegen den Glauben als Verstöße gegen Glaubenswahrheiten? Der Eindruck, der entsteht, ist doch der: Solange der Glaube auf dem Spiel steht, ist das nicht so tragisch, sobald aber das Geld ins Spiel kommt, dann hört der Spaß auf. Das scharfe Schwert der Exkommunikation bei Kirchenaustritt ist unangemessen und korrekturbedürftig.

Erzbischof Georg Gänswein im Interview mit der Schwäbischen Zeitung im Juli 2016

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