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* * *

27. Februar
Die kath-info-Glosse
Theologischer Fortschritt dank neuer Quellen!

Der deutschen Kirche ist endlich der entscheidende theologische Durchbruch gelungen: Nicht mehr bloß Schrift und Tradition, „sondern auch die Realität von Menschen und der Welt“ seien Quellen theologischer Erkenntnis, meinte ein deutscher Bischof dieser Tage mit Blick auf die heutige Realität gescheiterter Ehen und “wiederverheirateter” Geschiedener. Vorbei also die Zeiten, in denen wir wie ein Hund an der Kette an die einmal ergangene Offenbarung rückgebunden sind! Vorbei die Zeit, in denen wir uns verzweifelt bemühen, die Realität den Forderungen des Evangeliums anzupassen und, wie Spaemann es formuliert hat, die “Schönheit der Botschaft” zu erschließen. Nun sind die Zeiten angebrochen, in denen wir von der Realität lernen, die Forderungen des Evangeliums herunterzuschrauben und diese “Kapitulation vor dem säkularen Mainstream” (Spaemann) als neue Barmherzigkeit zu verkaufen. Sicherlich kann die Kirche dann auch im Erfolg der Homobewegung die Stimme Gottes zur Neubewertung gleichgeschlechtlicher Sexualität erkennen, in der Genderbewegung die Einladung zur Überwindung der langweiligen Zweigeschlechtlichkeit des Menschen, in der massenhaften Abtreibung die Forderung, endlich das Lebensrecht der ungeborenen Menschen dem Selbstbestimmungsrecht der geborenen Menschen unterzuordnen. Zur gelebten Realität gehört auch der Rückgang des Gottesdienstbesuchs auf ca. 10%. Soll nur diese winzige Minderheit von 10% im Recht sein? Lernen wir von der 90prozentigen Realität, die Überbetonung des Wertes der hl. Eucharistie auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben und die Menschen von der Zumutung zu befreien, glauben zu sollen, in der Eucharistie dem leibhaftigen Gott zu begegnen. Ein Blick auf die evangelische Kirche zeigt, wie es uns dann gelingen wird, uns an die Spitze der gesellschaftlichen Entwicklung zu stellen: Dort liegt der Gottesdienstbesuch nur noch bei 3,6 %! Ohne Zweifel hat auch der Zusammenbruch der Beichtpraxis revelatorischen Charakter und verweist auf die so lange verschüttete Wahrheit, die sich in dem nachkonziliaren Gefühl breitmacht, “dass jeder Mensch eigentlich in den Himmel kommt”, wie es Eckhard Bieger SJ und Christian Schnaubelt so treffend formuliert haben. Und ein Ende des theologischen Fortschritts ist nicht abzusehen: Gehört nicht zur Realität auch der weitgehende Verlust des Glaubens an Himmel und Hölle? Spricht sich in ihr nicht die Stimme Gottes aus, endlich jede Heilssorge zu überwinden und jede Jenseitsorientierung aufzugeben? All die vielen Katholiken, die sich keinen Deut mehr um die Rettung ihrer Seele, um Bekehrung, Buße und Nachfolge Christi kümmern, sie sind es, die an der Spitze des theologischen Fortschritts stehen! Wirklich? Vielleicht sind es in Wirklichkeit die säkularen Atheisten und Agnostiker, die sich in den letzten Jahren weltweit am erfolgreichsten ausgebreitet haben. Vielleicht will uns Gott durch diese Realität sagen, dass er gar nicht existiert? Die katholische Kirche hat noch einen weiten Weg vor sich ...

Doch was die Methode des theologischen Fortschritts angeht, hat Rom die Nase vorn, so wie es uns Kardinal Baldisseri vorgemacht hat, der den Synodenvätern der vergangenen Familiensynode für sie bestimmte Post kurzerhand vorenthielt, weil ihr an vorkonziliaren Quellen wir Schrift und Tradition orientierter Inhalt dem theologischen Fortschritt offenbar im Wege stand ...

Weitere Glossen


26. Februar
Demo für alle

Die nächste Demo für alle beginnt am Samstag, den 21. März, um 15 Uhr, auf dem Schillerplatz in Stuttgart. Sie wendet sich gegen die Gender-Ideologie und die Sexualisierung der Kinder und verdient unser aller Unterstützung. Wer kann, sollte teilnehmen.


26. Februar
Dschihad als Fortsetzung des Computerspiels

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warf der französische Philosoph Guillaume Paoli unter dem Eindruck der Pariser Anschläge die alte Frage auf, ob beliebte Ego-Shooter à la “Call of Duty” nicht doch ihren Beitrag zur Gewaltbereitschaft Jugendlicher leisten. Als Beleg zitiert er einen IS-Kämpfer, der gegenüber einem Reporter der BBC erklärt, sein neues Leben sei “spannender als ‘Call of Duty’”. Das Fazit Paolis lautet: “In dieser Hinsicht ist der Dschihad vollkommen in die westliche Moderne integriert, die Fortsetzung des Computerspiels mit anderen Mitteln.”

Aus Daniel Frick, Den Dschihad im Herzen, in: Pro. Christliches Medienmagazin, 1/2015, S. 43

Weitere Beiträge zum Thema Dschihad


25. Februar
St. Brendan der Seefahrer

Haben irische Mönche Amerika entdeckt?

Von Dr. Petra Kehl

Im irischen Clonfert steht St. Brendan als Abt einer Klostergemeinschaft vor, als er eines abends Besuch erhält von Abt Barinthus, seinem Verwandten, der nicht verbergen kann, dass Trauer sein Herz erfüllt. Auf Brendans Fragen hin berichtet Barinthus von der Seereise, von der er gerade zurückkehrt. Er habe seinen geistlichen Sohn Mernoc aufgesucht, der auf einer Insel in der Nähe von Sliabh Liacc als Eremit lebe, und sei anderntags mit Mernoc von der Westküste der Insel aus per Boot zum „verheißenen Land der Heiligen“ (terra repromissionis sanctorum) aufgebrochen. Es sei ein wundersames Land, wo alle Bäume Früchte trügen und selbst die Steine kostbar seien, wo der Tag nicht ende und die beiden Reisenden keine Nahrung hätten zu sich nehmen müssen.

Die Schilderung des Barinthus lässt Brendan nicht los. Von diesem Gespräch veranlasst, macht sich Brendan nach gründlicher Vorbereitung mit fünfzehn Gefährten auf den Weg, um nach dem verheißenen Land zu suchen. Seine seltsamen Erlebnisse auf dieser Meerfahrt, die mehr als sieben Jahre dauert, schildert eine der ungewöhnlichsten und rätselhaftesten Geschichten, die uns aus dem Mittelalter überliefert sind: die Meerfahrt des hl. Brendan – oder – wie ihr lateinischer Titel lautet – Navigatio sancti Brendani abbatis.

Navigatio sancti Brendani abbatis:

Brendan beschließt, die Insel der Seligen zu besuchen, sucht 14 Mönche aus seiner Gemeinschaft aus und macht sich zusammen mit ihnen daran, ein Boot aus hölzernen Spanten und Ochsenhäuten zu bauen. Ausgerüstet wird es mit Reservematerial und Verpflegung für 40 Tage. Dann stechen die Mönche in See. Nach mehr als 15 Tagen gehen sie an einer felsigen Insel an Land. Dort finden sie eine Halle mit Essen vor, aber kein Mensch lässt sich blicken. Erst als sie wieder ablegen wollen, erscheint ein junger Mann und sagt ihnen eine lange Reise voraus. Als nächstes kommen sie zu einer Insel, die wegen der vielen Schafe Insel der Schafe genannt wird. Dort bleiben sie von Gründonnerstag bis Karsamstag. Es folgt eine weitere Insel, die ohne jeden Bewuchs ist. Sie entzünden ein Feuer, um Essen zu kochen. Plötzlich bewegt sich die Insel, die Mönche flüchten sich in ihr Boot. Brendan erkennt, dass es gar keine Insel gewesen ist, sondern ein riesiger Fisch, der Jasconius heißt. Die Mönche segeln weiter und gelangen zum Paradies der Vögel. Einer der Vögel sagt Brendan voraus, dass er noch sieben Jahre suchen müsse, bevor er das Verheißene Land erreiche. Nach weiteren drei Monaten landen die Mönche erschöpft an einer Insel, wo sie in einem Kloster von schweigenden Mönchen empfangen werden, die niemals krank werden oder altern. In dieser Gemeinschaft verbringen Brendan und seine Gefährten Weihnachten. Eine Woche nach Dreikönig setzen sie ihre Reise fort. Sie segeln gewissermaßen im Kreis, gelangen wieder auf die Insel der Schafe, verbringen Ostern auf dem Rücken des Jasconius, bleiben bis Pfingsten im Paradies der Vögel und feiern Weihnachten auf der Insel der schweigenden Mönche. Diese Reihenfolge behalten sie sieben Jahre lang bei. Während des weiteren Verlaufs der Seereise begegnen die Mönche einem Meeresungeheuer, das ihr Boot umschwimmt, dann aber von einem anderen Ungeheuer gefressen wird. Seine Überreste finden sie auf einer Insel, wo sie des schlechten Wetters wegen drei Monate Pause einlegen müssen. Sie treffen auf eine Kristallsäule im Meer, die von einem silbrigen Netz umgeben ist. Dann geraten sie an eine kahle Insel voll glühender Krater, von der ein bestialischer Gestank ausgeht und deren Bewohner – Schmiede – glühende Gesteinsbrocken auf sie werfen. Die Mönche können glücklich entkommen. Einige Zeit später treffen sie auf einer Insel Judas, der an Feiertagen „Urlaub“ von der Hölle hat. Auf einer weiteren Insel begegnen sie einem Einsiedler, den ein Otter mit Fischen versorgt. Er sagt ihnen die sichere Rückkehr nach Irland voraus. Doch zunächst geht es wieder zurück zur Insel der Schafe und dem Vogelparadies. Schließlich erreicht Brendan mit seinen Gefährten nach 40 weiteren Tagen endlich das Gelobte Land der Heiligen, das von dichtem Nebel eingehüllt ist. Nachdem sie die das Land 40 Tage lang erkundet, auch Proben von Früchten und Steinen gesammelt haben, kehren sie schließlich in ihre Heimat zurück.

Wann dieser Bericht schriftlich aufgezeichnet wurde, darüber streiten sich die Gelehrten. Wahrscheinlich geschah dies im 10. Jahrhundert, allerdings nicht in Irland selbst, sondern vermutlich in einem irisch beeinflussten Kloster in Lothringen. Entstanden ist er in mündlicher Form jedoch zweifellos schon früher. Er steht in der Tradition der so genannten Immrama, der irischen Schiffermärchen bzw. Reiseberichte, und vereinigt christliche Elemente mit Erzählungen von Seeabenteuern und keltischen Volksüberlieferungen.

Von der Beliebtheit der Navigatio zeugen die 120 Handschriften der lateinischen Fassung, die erhalten sind. Für mittelalterliche Verhältnisse ein Bestseller. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Erzählung in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Dabei fand zugleich ein inhaltlicher Wandel statt. Anstelle der spirituell geprägten Suche nach dem verheißenen Land der Heiligen trat das Abenteuerliche und Phantastische der Reise in den Vordergrund, das immer ausführlicher dargestellt wurde. Aus der religiös-moralisch belehrenden Klosterschrift wurde ein abenteuerlicher Reiseroman. Insbesondere die Übersetzungen und Bearbeitungen im deutschsprachigen und niederländischen Raum spiegeln dies wider.

Die Faszination der Navigatio hält bis heute an. Man gebe nur einmal das Stichwort „Navigatio sancti Brendani“ in eine Internet-Suchmaschine ein. Besonders beschäftigt die Frage nach dem Wahrheitsgehalt: Ist es nur frühmittelalterliches keltisches Seemannsgarn oder gibt es einen realen Kern? Haben gar irische Mönche – lange vor Christoph Columbus und den Wikingern – bereits Amerika entdeckt?

Da ist zunächst die Person des „Titelhelden“. Einen heiligen Abt namens Brendan hat es wirklich gegeben. Geboren im Jahr 489 im Westen Irlands, wurde er zunächst Mönch und später Abt. Als solcher gründete er mehrere Klöster und unternahm zahlreiche Reisen entlang der irischen Westküste, aber auch zu den Inseln vor der Westküste Schottlands. Nach weniger verlässlichen Quellen soll er sogar zu den Orkneys, den Shetlandinseln und den Färöern gelangt sein. Sein Todesjahr ist nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass er irgendwann zwischen 570 und 585 in Clonfert seine letzte Ruhestätte fand.

Dass die frühmittelalterlichen Iren, insbesondere die irischen Mönche, Seereisen unternahmen, ist bekannt. Seit der Zeit des hl. Patrick war die peregrination pro Christo, die Heimatlosigkeit um Christi willen, ein Ideal, dem viele der irischen Mönche nachstrebten. Etliche zogen deshalb auf den europäischen Kontinent, wo sie Klöster gründeten oder als Missionare tätig waren. Viele andere folgten dem Vorbild der syrischen und ägyptischen Mönche der Spätantike, die sich in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen hatten. Dabei ersetzten sie die in Irland nicht vorhandene Wüste durch unbewohnte Inseln der Nordsee und des Nordatlantiks. So gelangten irische Mönche auf die Orkneys und die Shetlandinseln, erreichten schließlich gar die Färöer und kamen sogar bis nach Island. Und dies bereits im 8. Jahrhundert. Berichtet wird dies von dem Iren Dicuil, der selbst einige der Inseln im Norden und Nordwesten Schottlands besucht hatte, und als Geograph am Hof Karls des Großen um 825 sein geographisches Werk „Liber de mensura orbis terrae“ verfasste:

“Es sind jetzt 30 Jahre her, dass einige Kleriker, die auf jener Insel vom 1. Februar bis zum 1. August geweilt haben, mir berichteten, dass dort nicht nur in der Zeit der Sommersonnenwende, sondern auch in den Tagen vorher und nachher die untergehende Sonne sich gleichsam nur auf der anderen Seite eines kleinen Hügels verstecke, sodass es selbst für einen nur ganz kurzen Zeitraum nicht finster wird. Als ob die Sonne am Himmel stehe, kann man nach Belieben Arbeiten verrichten, ja selbst die Läuse aus seinem Hemd sammeln. Wenn sie auf den hohen Bergen der Insel geweilt hätten, würde die Sonne für sie vielleicht überhaupt nicht verdeckt gewesen sein.”

Als die Wikinger um 870 Island erreichten, fanden sie noch Hinterlassenschaften der irischen Mönche vor, wie Snorri Sturluson im isländischen „Landnamabok“ berichtet:

“Mehr als 100 Jahre, bevor Island von Nordmännern besiedelt wurde, waren das Leute, die die Nordmänner Pappa nennen. Sie waren Christen, und man glaubt, dass sie von Westen übers Meer kamen, denn es fanden sich nach ihrem Weggang irische Bücher, Glocken und Krummstäbe und noch mehr Dinge, aus denen man sehen konnte, dass es Westleute waren. Man fand dies im Osten auf Papey und Papyli. Und in englischen Büchern wird erwähnt, dass in jener Zeit zwischen den Ländern Verkehr bestand.”

Es gibt also verlässliche historische Zeugnisse für die Seefahrten irischer Mönche bis zum Polarkreis, ja bis nach Grönland. Darüber hinaus ist bekannt, dass die irischen Mönche umfangreiche geographische Kenntnisse besaßen, die geographischen Schriften des Ptolemäus kannten und auch schon wussten, dass die Erde keine Scheibe ist.

Und schließlich gibt die „Navigatio“ selbst Beschreibungen und Hinweise, die sich mit konkreten geographischen Gegebenheiten in Übereinstimmung bringen lassen. So verweist die Insel der Schafe, zu der Brendan mit seinen Gefährten gelangt, auf die Färöer, deren dänischer Name schlicht Schafsinsel bedeutet. Zugleich sind die Inseln der Färöer auch als Vogelparadies bekannt, sodass dort auch die Vogelinsel bzw. das Vogelparadies der „Navigatio“ gesucht werden kann. Die Beschreibung der Insel der Schmiede hingegen, mit ihrem Schwefelgestank und den glühenden Gesteinsbrocken, die durch die Luft fliegen, passt gut auf einen Vulkanausbruch, wie er auf Island immer wieder vorkommt. Und schließlich deutet der Nebel, der das Gelobte Land umgibt, auf Neufundland, das oft hinter einer Nebelbank liegt.

Die Beschreibungen der „Navigatio“ scheinen sich logisch erklären zu lassen und tatsächlich auf Fakten zu beruhen. Und doch blieb und bleibt Skepsis.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entschließt der Ire Timothy Severin, Historiker, Buchautor und Abenteurer, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Berichts im Experiment zu erproben. Er baut ein traditionelles irisches Boot nach, ein so genanntes Curragh, mit genau den Materialien, die in der „Navigatio“ angegeben sind: mit in Eichenlohe gegerbten und mit Wollfett eingeschmierten Ochsenhäuten. Allen Unkenrufen der Experten zum Trotz – Leder zersetzt sich in Salzwasser sehr rasch – erweist sich das kleine Boot als hochseetüchtig und zeigt sich sogar der Fahrt durch Packeis gewachsen. Timothy Severin und seine Mannschaft erreichen über die Färöer-Inseln, Island und Grönland wohlbehalten die Küste von Neufundland. Was die Eignung des mittelalterlichen Materials anbelangt, gelangten sie im Verlauf ihrer langen Reise zu erstaunlichen Erkenntnissen. Severin berichtet in seinem Buch "Tausend Jahre vor Kolumbus":

“Es ist interessant zu wissen, dass die mittelalterlichen Originalteile an Bord der Brendan genauso gut waren wie die modernen Dinge an Bord und in manchen Fällen sogar besser, wenn sie unter den bitter harten Bedingungen auf einem kleinen Boot im Nordatlantik ihre Dienste leisten mussten. Holz, Leder und Flachs erwiesen sich in vielen Fällen als dauerhafter als Metall, Plastik oder Nylon, zudem konnte man mit ihnen besser umgehen, wenn es um die täglichen Reparaturen ging. (…) Die modernen Teile arbeiteten besser – bis sie brachen. Die "mittelalterlichen" Teile, schwerbeweglich und unrationell, überlebten die schwersten Beanspruchungen – und das allein zählt.”

Ähnliche Beobachtungen gelten auch für die übrige Ausrüstung, die Brendan und seinen Gefährten zur Verfügung stand. Severin vermerkt:

“Es gibt zudem kaum etwas, das der mittelalterliche Seefahrer vom modernen Seemann borgen könnte, um seine persönliche Bequemlichkeit und den Lebensunterhalt zu verbessern. Abgesehen von wasserabweisender Überkleidung, war der mittelalterliche Seemann in seinen wollenen Hosen, Hemden und Mantel besser bedient als mit synthetischem Unterzeug. Wenn er zu einer kalten und nassen Reise in einem offenen Boot aufbrach, nahm er eine kaum zu verbessernde Verpflegung mit sich aus getrocknetem Fleisch, und Fisch, Getreide, Früchten und Nüssen. Das war nahrhafter und schmackhafter und hielt sich vor allem besser als die getrocknete Paketverpflegung von heute. Das Trinkwasser konnte in Lederbälgen mitgeführt und im Notfall aufgefüllt werden, indem man umgedrehte Lederdecken in einem der im Norden so häufig vorkommenden Regenschauer ausbreitete und so Wasser sammelte.”

Wie auch immer die Schilderungen der „Navigatio sancti Brendani abbatis“ zu bewerten sind, eines steht nach Severins Reise fest: Die Seereise in einem Lederboot von Irland nach Nordamerika ist den Iren des Frühmittelalters zumindest möglich gewesen.


24. Februar
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

57. Folge

Die ältesten helvetischen Konfessionen (II. und III.) sprechen sich mit vieler Besonnenheit und Umsicht aus, und könnte man nur ihres Geistes versichert sein, d. h. wären wir nur gewiß, daß ihre eben gerühmte Eigentümlichkeit nicht aus demselben Grunde zutage gefördert ward, aus welchem die Tetrapolitana von der Erbsünde gar nicht besonders zu sprechen für gut fand, so könnte sich sogar der Katholik vollkommen zufrieden erklären [101].

An die helvetischen Konfessionen schließt sich die anglikanische an, die überall schroffes Wesen gerne zu vermeiden sucht [102].

[101] Confess. Helvet. II. c. XIII. p. 95. Atque haec lues, quam originalem vocant, genus totum sie pervasit, ut nulla ope irae filius inimicusque Dei, nisi divina per Christum curari potuerit. Nam si quid bonae frugis superstes est, vitiis nostris assidue debilitatum in pejus vergit. Superest enim mali vis, et nec rationem persequi, nec mentis divinitatem excolere sinit. Was heißt mentis divinitas? Confess. Helvet. III. c. 2. p. 103. Confitemur, hominem ab initio secundum Dei imaginem et justitiam et sanctitatem a Deo integre factum. Est autemsua sponte lapsus in peccatum, per quem lapsum totum humanum genus corruptum et damnationi obnoxium factum est. Hinc natura nostra vitiata est, ac in tantam propensionem ad peccatum devenit, ut nisi eadern per spiritum sanctum redintegretur, homo per se nihil boni faciat, aut velit.

[102] Confess. Anglic. art. IX. p. 129. Peccatum originale non est, ut fabulantur Pelagiani, in imitatione situm, sed est vitium et depravatio naturae cujuslibet hominis ex Adamo naturaliter propagati, qua fit, ut ab originali justitia quam longissime distet, ad malum sua natura propendeat, et caro semper adversus spiritum concupiscat, unde in quoque nascentium iram Dei atque damnationem meretur.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


23. Februar
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

33. Folge

Daß wir ihn gerade in dieser Bedeutung als Analogon der dritten Person fassen dürfen und müssen, liegt auf der Hand. Nennen sie doch die heiligen Väter so gern mit dem lieblichen Namen "osculum Patris et Filii, osculum suavissimum, sed secretissimum", wie der heilige Bernard sich so zart ausdrückt. Wenn irgendwo zwischen zwei Personen nicht nur Liebes-, sondern auch Lebenseinheit besteht, wenn irgendwo zwei Liebende eines Geistes, ein Geist sind, dann sind es der Vater und der Sohn in ihrer einigen göttlichen Natur. Es sind hier in der Tat nicht zwei Leben, die sich erst miteinander verschmelzen - es gibt nur ein Leben und ein Herz. Das "osculum" kann also auch nicht das Vehikel, das Mittel der erst herzustellenden Einheit des Lebens sein; nur der Ausdruck derselben kann es sein. Daher gießen Vater und Sohn durch ihr "osculum" ihren Lebensodem nicht ineinander über, sondern aus dem einen Lebensherde ihres gemeinsamen Herzens gießen sie ihn aus in eine dritte Person, in welcher ihre Liebes- und Lebenseinheit dargestellt wird.

Wie diese dritte Person nur durch Ausgießung des Lebensodems zustande kommt, so ist sie auch nichts anderes als dieser Odem selbst. Als solcher ist sie offenbar mehr denn eine bloße Aspiration der Liebe, auch mehr als ein bloßes Pfand; sie ist beides zugleich in lebendigster Einheit, wie der Sohn als Sohn zugleich Wort und Bild des Vaters ist; sie ist eine Aspiration mit realer Hingabe alles dessen, was die Liebenden in ihrem Herzen tragen, und ein Pfand und Band, das aus dem innersten Herzen der Liebenden selbst genommen wird und in lebendiger Strömung mit der Aspiration der Liebe aus demselben fließt. Da ferner der von Vater und Sohn ausgehende Lebensodem offenbar einen Erguß, eine Mitteilung ihres eigenen Lebens involviert, so erscheint er sofort auch als ein Träger des Lebens, welches in ihn ausgegossen wird, als Empfänger und Inhaber des Lebens, somit in der konkretesten Weise als eine selbständige Hypostase und Person, ebenso wie der Sohn durch die Einheit von Wort und Bild als Gezeugter und damit als selbständiges, lebendiges Wesen erscheint. Somit ist der Name "Odem oder Geist des Vaters und des Sohnes" zugleich der reichste, lebendigste und konkreteste, den wir für die dritte Person in Gott finden oder auch nur wünschen dürfen. Beide Ausdrücke: "Odem" und "Geist", sind hier strenggenommen identisch; im Griechischen und Lateinischen hat man auch in der Tat nur einen Ausdruck. Wir ziehen indes in der Regel den Namen Geist vor, weil die Lebenseinheit in Gott, die sich in der dritten Person darstellt, eben eine durchaus geistige, immaterielle ist und weil anderseits das Wort Geist ohnehin schon zur Bezeichnung der Träger geistigen Lebens im Gebrauche ist, obgleich es eben darum seine hier festzuhaltende relative Bedeutung nicht so sehr hervortreten läßt.

Man könnte einwenden, der Name "Geist" in seiner engeren Fassung als Lebensodem stelle uns nicht in ähnlicher Weise wie der Name Sohn eine Hypostase, einen Inhaber der Natur und des Lebens vor, da er beim Menschen nur Zeichen und Vehikel des Lebens und der Lebenseinheit sei, ohne selbst dieses Leben zu sein und zu besitzen. In der Tat ist der Lebensodem des Menschen nicht, wie der Sohn desselben, ein in sich selbst hypostatisches Bild der entsprechenden göttlichen Hypostase; aber das hindert nicht, daß er eben durch die Übertragung auf Gott die entsprechende göttliche Hypostase fast ebenso lebendig und konkret bezeichne wie der Name Sohn die andere. Auch beim Menschen erscheint uns nämlich der Odem in etwa schon als Träger des Lebens. Freilich ist er das nur insofern, als er Vehikel des Lebens ist, also es nicht in sich und für sich selbst besitzt, sondern um es von der Person, von der er ausgeht, zur andern, mit welcher die Lebenseinheit hergestellt werden soll, zu übermitteln. Sobald wir aber das Bild auf Gott übertragen, sehen wir, daß der Odem hier nicht als bloßes Vehikel Träger des Lebens sein kann; ist er doch hier der Ausfluß einer bestehenden, unendlich innigen Lebenseinheit zwischen Vater und Sohn, die keiner eigentlichen Vermittlung bedarf, noch dieselbe überhaupt zuläßt. Bei Gott geht der Lebensstrom nicht vom Vater zum Sohne, oder umgekehrt, durch ihren Odem hindurch, sondern aus der Einheit des Vaters und Sohnes in ihren Odem hinüber, um in demselben zu ruhen und abzuschließen. Der Odem Gottes ist folglich offenbar Träger des Lebens, als Empfänger und Inhaber desselben, und erscheint als solcher ohne weiteres, sobald er nur als Odem Gottes oder göttlicher Personen gedacht wird.

Wird fortgesetzt


22. Februar
Thomas Cuartero

Vor 100 Jahren, am 22. Februar 1915, wurde in Tabuenca, Saragossa, der selige Thomas Cuartero geboren. Er trat bei den Passionisten ein und legte am 29. Oktober 1933 die Profess ab. Am 23. Oktober 1936 erlitt er im Spanischen Bürgerkrieg den Märtyrertod. Zusammen mit seinem um drei Jahre jüngeren Bruder Josef und vier weiteren Passionisten wurde er erschossen, nachdem sie bei einem Überfall auf ihr Kloster in Daimiel, Mancha, im Juli 1936 schwer verletzt und dann im Krankenhaus behandelt worden waren. In diesem Kloster befanden sich zur Zeit des Überfalls 31 Ordensleute. 26 von ihnen wurden Märtyrer. Sie wurden am 1. Oktober 1989 seliggesprochen.


18. Februar
Max Jakob

Vor 100 Jahren, am 18. Februar 1915, ließ sich im Alter von 38 Jahren der Maler und Dichter Max Jakob taufen.


18. Februar
Pina Suriano

Vor 100 Jahren, am 18. Februar 1915, wurde in Partinico, Sizilien, die selige Josephina Suriano geboren. Sie engagierte sich in der Katholischen Aktion und machte jahrelang ein seelisches Martyrium durch, weil sich ihre Eltern ihrer Berufung zum Ordensstand widersetzten. Sie wollten lieber eine tote Tochter als eine gottgeweihte. Pina gründete die Vereinigung der Töchter Mariens und bot sich am 30. Mai 1948 dem Herrn als Opfer für die Heiligung der Priester an. Sie starb am 30. Mai 1950 und wurde am 5. September 2004 seliggesprochen.


18. Februar
Jaume Custurer

Vor 300 Jahren, am 18. Februar 1715, starb in Calataiud im Alter von etwa 58 Jahren der aus Palma de Mallorca stammende Theologe und Jesuit Jaume Custurer SJ. Er hat große Verdienste um die Erforschung und gerechte Würdigung der Gedankenwelt seines Landmannes Raimundus Lullus (1232-1316).


16. Februar
Weit entfernt

Man müsste auch irgendwann einen Schritt weitergehen und sagen, wir müssen den Koran als eine historische Schrift auch verstehen können. Davon ist der Islam noch weit entfernt, das muss man dazu sagen. Dann müssen wir einfach die Basis vergrößern, auf der liberale Muslime stehen. Wir haben im Moment die Realität in Deutschland, dass die konservativen Verbände diejenigen sind, die gut organisieren, das heißt diejenigen sind, die für ihre Mitglieder die Auslegung des Koran festlegen. Die liberalen Muslime sind leider eine kleine Minderheit und diese Minderheit muss größer werden.

Lale Akgün, ehemalige Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, im Gespräch mit Jürgen Liminski, Islam in Deutschland: "Die liberalen Muslime sind leider eine kleine Minderheit", Deutschlandfunk am 9. Januar 2015

Weitere Stimmen zur Frage des Verhältnisses von Islam und Gewalt


16. Februar
Mainstream-Islam

Ich verstehe Leute nicht, die die Position vertreten, die Gewalttaten hätten nichts mit dem Islam zu tun. Sie haben sehr wohl etwas mit dem Mainstream-Islam zu tun! In den Vorschriften der vier prägenden Rechtsschulen, von den Sunniten bis zu den Schiiten, heißt es, man muss jene töten, die Gott und seinen Gesandten beleidigen. In Saudi-Arabien gibt es jede Woche auf ordentlicher Rechtsgrundlage Auspeitschungen und Enthauptungen, und es hat sie immer gegeben.

Der muslimische Religionspädagoge Ednan Aslan im Gespräch mit Jasmin Fischer, Psychologie des Terrors: "Islamische Theologie fußt auf Gewalt", General-Anzeiger vom 4. Februar 2015


16. Februar
Nicholas Wiseman

Vor 150 Jahren, am 15. Februar 1865, starb in London im Alter von 62 Jahren Nicholas Kardinal Wiseman, Erzbischof von London. Er hatte durch sein Ansehen und sein Wirken großen Anteil an der Wiedergeburt des englischen Katholizismus und der Konversion zahlreicher Anglikaner.


15. Februar
Distanziert und verfolgt

Im Dritten Reich waren 8021 Priester aus politischen Gründen während der Jahre 1933-1945 von insgesamt 22703 nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen betroffen worden. Die Katholiken waren in allen nationalsozialistischen Organisationen nachweislich unterrepräsentiert. “Der Katholizismus hat im Dritten Reich als weitgehend geschlossene Gruppe seine Distanz zur Naziideologie bewahren können. Von 1866 Priestern der Erzdiözese Köln hätten beispielsweise nur 10 mit dem Regime sympathisiert, lediglich drei von ihnen seien Mitglied der NSDAP gewesen.”

So Lothar Groppe in seinem Artikel Kirche des Versagens?, in: Theologisches November/Dezember 2014, Sp. 587-596. Er stützt sich auf die statistisch gesicherten Erhebungen, die 1984 unter dem Titel Priester unter Hitlers Terror erschienen sind.


15. Februar
Theodosius Florentini

Vor 150 Jahren, am 15. Februar 1865, starb in Heiden, Appenzell Ausserrhoden, im Alter von 56 Jahren Theodosius Florentini OFMCap. Zusammen mit Maria Theresia Scherer gründete er die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, deren Mutterhaus das Kloster Ingenbohl im Kanton Schwyz ist.


14. Februar
Der Christ und die Veränderung

Was einst war, ist vergangen (Offenbg 21,4)

Von Eduard Kamenicky

Wen Gottes Wort trifft, den ruft es in radikale Veränderung. »Zieh fort aus deinem Lande und von deiner Verwandtschaft und vom Hause deines Vaters in das Land, das Ich dir zeigen werde«, lesen wir in der Berufungsgeschichte Abrahams (Gen 12, 1). »Erfüllt ist die Zeit und herangekommen Gottes Reich. Macht kehrt in eurem Denken und glaubt an das Evangelium«, faßt Markus (1, 15) den Appell von Christi Predigt markant zusammen. »Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und nach hinten schaut, ist tauglich für das Reich Gottes«, spricht der Herr (Lk 9, 62). Was Gott an dem Menschen tut, ist so groß, und was er will, so anders als das, was die Welt sinnt und liebt, daß die positive Antwort auf Gottes Ruf nur in totaler Abkehr vom Bisherigen erfolgen und nur in vollkommenem Wandel des eigenen Strebens gelingen kann.

Der religiöse Mensch und, in seiner reinsten Ausgestaltung, erst recht der Christ ist also von Haus aus der Mensch der Veränderung, der Mensch unerhörter Flexibilität und der Bereitschaft, das ganz Neue, das von Gott her aufbricht, anzunehmen und zu verwirklichen. Es kann auch nicht übersehen werden, daß - geschichtlich betrachtet - die Erde bisher durch nichts so grundlegend und nachhaltig verändert wurde wie durch das Christentum und den Sieg seiner Lehre über die Gedanken und Lebensformen der antiken Welt.

Veränderung suspekt geworden

Wir stehen heute vor dem, so gesehen, seltsamen Phänomen, daß das Prinzip der Veränderung gerade für den tief im Glauben wurzelnden Christen suspekt geworden ist. Es hat sich nämlich nicht nur der Menschen im allgemeinen, sondern auch der Kirche ein Geist der Veränderung bemächtigt, der zwar seiner Natur nach ebenfalls auf ganz Neues, nie Dagewesenes abzielt, sich dabei aber, wie immer deutlicher wird, dem Geist Christi und dem Sinn seiner Botschaft entfremdet.

Die Folge davon ist, daß die Frommen weithin »konservativ« geworden sind, um dieses allzu strapazierte Wort noch einmal zu gebrauchen, und zwar bemerkenswerterweise auch solche, deren Wesensanlage zunächst gar nicht zu einer Haltung furchtsamen Bewahrens des Vertrauten und Eingespielten hinneigt. Angesichts eines immer offenkundigeren Verlustes jeder zuverlässigen Orientierung wird aber der ernsthaft Gläubige um jeden Preis beharrend und aller Bewegung abhold. Er wünscht festzuhalten an dem, was überkommen ist und was er als fraglos richtig erkennt. Darum wendet er notgedrungen seinen Blick mehr als je zurück und heftet ihn auf das, was ihm eindeutig als das Erbe des göttlichen Stifters der Kirche und seines Heilswillens in der Welt aufleuchtet.

Diese Reaktion des gläubigen Menschen auf eine ganz bestimmte Zeitlage und deren geistige Unsicherheit ist an sich natürlich und dürfte daher weder verwundern noch gar auf strikte Ablehnung stoßen. Die von Christus geforderte Bereitschaft, den alten Menschen abzulegen und in der Neuheit der Gnade zu wandeln, und der heute verlangte Abschied von diesem christlichen Leben zugunsten eines anderen und, wie es scheint, rein menschlich-irdischen Ideals, ist zweierlei. Das müßten auch extreme Verfechter der Gesellschaftsveränderung zu erfassen imstande sein.

Veränderung - ein Wert an sich?

Der eben genannten Einsicht steht jedoch ein großes Hindernis im Wege: für nicht wenige gilt heute Veränderung als ein Wert an sich. Man könnte sogar sagen, daß darin das gemeinsame Credo vieler zeitgenössischer Gesellschaftstheoretiker, Evolutionsfetischisten und Berufsrevolutionäre ohne klares Konzept besteht. Wie kommt man zu einer solchen ungesunden und einseitig überspitzten Auffassung? Der Gedankengang, der dahin führt, dürfte im Grunde ziemlich einfach sein. Veränderung wird unbesehen gleichgestellt mit Leben, Vitalität, Aufstieg, Verbesserung, Wachstum von Freiheit und Glück. Dabei bleiben die Inhalte des Bisherigen im Kern ebenso unbeachtet wie diejenigen, die in der Zukunft zu erwarten sind. Das Gewesene beziehungsweise Vorhandene, aber bereits aus dem Gestern Stammende wird allein um dieser Eigenschaft willen disqualifiziert; das Kommende, künftig Herrschende, in seiner Neuheit Überraschende aber mit dem schlechterdings Guten und Richtigen gleichgesetzt. Diese Ansicht ist jedoch nicht nur utopisch und gefährlich, sondern entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

wird fortgesetzt

Der Text erschien im FELS November 1978.


13. Februar
Monatsranking

Platz Monatsranking Januar 2015
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von ca. 550 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+ 1
2

Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?

+ 4
3

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/- 0
10

Die Priesterbruderschaft St. Petrus

- 1
20

Wie seriös ist Dawkins?

- 4
30

Pastor: Michelangelo und die Sixtinische Kapelle

+ 1
40

Sabatina James, Nur die Wahrheit macht uns frei

- 21
50

Prosinger: Was heißt glauben? Ein biblischer Streifzug

- 21
60

Djihad, Gewalt und gemäßigter Islam

+ 135
100

Christa Pfenningberger: Dietrich von Hildebrand

+ 145

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass es zwei Seiten in die Top 10 geschafft haben, die sich mit dem Thema "Islam" beschäftigen: Auf Platz 7 das Thema Unterschied zwischen Islam und Christentum (um 18 Plätze gestiegen) und Platz 9 die Seite zur Regensburger Rede von Papst Benedikt (um 19 Plätze gestiegen).

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12. Februar
Philipp II. von Daun

Vor 500 Jahren, 12. Februar 1515, starb auf Schloß Poppelsdorf im Alter von etwa 52 Jahren der Erzbischof von Köln Philipp II. von Daun. Am 13. November 1508 war er zum Bischof gewählt worden. Zur Durchsetzung von Reformen hielt er ein Provinzialkonzil ab.


12. Februar
Alfons Auer

Vor 100 Jahren, am 12. Februar 1915, wurde in Schönbürg, Kreis Biberach an der Riß, der Moraltheologe Alfons Auer geboren. Er lehrte in Würzburg und Tübingen und war Vertreter einer in mancher Hinsicht umstrittenen “autonomen Moral im christlichen Kontext”. Immerhin findet sich in seinem 1960 erschienenen Werk Weltoffener Christ (S. 245) ein Plädoyer für die Großfamilie: Soziologische Untersuchungen hätten ergeben, “dass die Kinder aus großen Familien stets die gesündesten und leistungsfähigsten bleiben. De Guchteneere, La limitation des naissances (Collection d’Études Philosophiques et Religieuses.) 2me Éd. Bruxelles o. J. 105ff., berichtet auf Grund genauer Untersuchungen, dass Kinder aus großen Familien die beste physische Gesundheit besitzen, die größere berufliche Tüchtigkeit und Leistung aufzuweisen haben und am längsten leben. Unter 1700 Studenten, die von 1922 bis 19126 an der Universität Yale akademische Grade erworben haben, sind die Einkinder am schwächsten vertreten, am stärksten aber die Kinder aus Familien mit sechs und mehr Kindern. Vgl. auch R. Maistriaux, Mariage, route de sainteté 199ff.” Auer starb am 19. November 2005 in Tübingen.


11. Februar
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht die Beiträge über die Ermordung von P. Kenneth Walker FSSP, und zwar in deutscher und englischer Sprache. Die Ausführungen Johannes Pauls II. über den moralischen Abgrund, in den die Verachtung Gottes hinabführt, findet sich auf der einschlägigen Themenseite.


11. Februar
Offene Leugnungen und unglaubwürdige Beschwichtigungen

“Eine zivile Zweitehe sollte nicht einfach als fortdauernder Ehebruch verurteilt, sondern je nach Situation auch als verantwortungsvoller Neuanfang bewertet werden”, so heißt es in einer Resolution der Delegierten des Familienbundes der Katholiken. Gerhard Stumpf hat in der Februar-Ausgabe des FELS darauf aufmerksam gemacht. Dass es tatsächlich um das katholische Verständnis der Ehe und ihrer Unauflöslichkeit geht, zeigt ein Interview mit dem Moraltheologen Eberhard Schockenhoff aus dem Jahr 2011. Er hält das Eheverständnis, aufgrund dessen eine zivile Zweitehe als vom Sakramentenempfang ausschließender Ehebruch bewertet werden müsse, für überholt (wofür, wie könnte es anders sein, das Zweite Vatikanum bemüht wird). Warum eine, wie er es nennt, “personale Eheauffassung” etwas an der Unauflöslichkeit der Ehe und der sich daraus ergebenden Beurteilung einer Zweitehe ändert, bleibt sein Geheimnis. Tatsache ist jedenfalls, dass solche Wortmeldungen deutlich machen, dass allen Gegenbeteuerungen zum Trotz die katholische Ehelehre auf dem Spiel steht. Das Interview wurde von der Verlagsgruppe Bistumspresse verbreitet, zu der die Kirchenzeitungen von Hamburg, Hildesheim, Leipzig, Mainz und Osnabrück gehören.

Fazit: Solange nicht solche Angriffe auf die Ehelehre der Kirche von den zuständigen Hirten unterbunden werden, bleiben Beteuerungen etwa von Kardinal Kasper, die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe werde durch seine Vorschläge zur Kommunionzulassung “wiederverheirateter” Geschiedener nicht in Frage gestellt, unglaubwürdig.


10. Februar
Philipp Jakob Steyrer

Vor 300 Jahren, am 10. Februar 1715, wurde in Freiburg im Breisgau Philipp Jakob Steyrer geboren. Er trat 1731 in das Benediktinerkloster St. Peter auf dem Schwarzwald ein. Dort wurde er 1749 zum Abt gewählt. Er war der 54. Abt in der Geschichte des Klosters und gleichzeitig jener, der am längsten regierte: bis zu seinem Tod am 7. November 1795. Unter seinem Nachfolger fiel der Kloster der Säkularisation zum Opfer.


10. Februar
Jean Cayrol

Vor zehn Jahren, am 10. Februar 2005, starb in seiner Geburtsstadt Bordeaux im Alter von 93 Jahren der Schriftsteller Jean Cayrol. “Cayrols entscheidendes Erlebnis waren die drei Jahre lang ertragenen Schrecken des Konzentrationslagers Mauthausen, in das er als Widerstandskämpfer deportiert worden war. Er wurde dort zum Tode verurteilt und zur Arbeit im Steinbruch begnadigt. In seinem Essay Lazarus unter uns fordert er, aus seinen Erfahrungen im Lagern, ‘eine Literatur des Erbarmens, die den Menschen rettet’.” (Gisbert Kranz im Lexikon der christlichen Weltliteratur, Herder 1978, Sp. 320).


8. Februar
Westliche Dekadenz nicht exportieren!

‘Neu’ an der Außerordentlichen Synode war, dass sich der afrikanische Katholizismus als ein Hauptfaktor für die Gestaltung der Zukunft des Katholizismus auf der Welt erwiesen hat. Die afrikanischen Synodenväter waren unter den Anführern derer, die die Vorschläge Kaspers hinterfragten. Und sie argumentierten mit Nachdruck, dass sich die christliche Auffassung der Ehe in ihren Kulturen vor allem für die Frauen als eine befreiende Kraft gezeigt habe. Sie schlugen auch – implizit oder explizit – vor, dass Bischöfe, die sterbende Ortskirchen repräsentierten, die westliche Dekadenz nicht in den Südteil der Welt exportieren sollten, wo der Katholizismus exponentiell gewachsen sei, indem die Wahrheiten des Evangeliums mitfühlend, aber auch kompromisslos verkündigt werden. Das erforderte Mut, und zwar nicht nur, weil sich die Afrikaner damit der Anklage aussetzten, kulturell rückständig zu sein (oder, wie es Kardinal Kasper wenig elegant formulierte, „Tabus“ zu unterliegen). Es erforderte auch Mut, weil ein großer Teil der Kirche in Afrika Geld von deutschen katholischen Hilfswerken erhält, die dank der Kirchensteuer über beträchtliche Mittel verfügen und sehr großzügig sind.

George Weigel in seinem Artikel Die afrikanische Stunde über die letzte Bischofssynode, in der Tagespost vom 7. Februar 2015.


7. Februar
Jahresranking 2014

Die Top 80. Erster Teil: Die Plätze 1 bis 40

Wie jedes Jahr gebe ich die 80 meistgelesenen Beiträge für das vergangene Jahr bekannt, und zwar in zwei Teilen: Zunächst die Top 40, dann in einigen Tagen die nächsten 40. Ganz rechts sehen Sie, um wie viele Plätze jeweils der Beitrag im Vergleich zum Vorjahr gestiegen oder gefallen ist. Wie Sie selber erkennen können, ist der Aufsteiger des Jahres die Rezension über Sabatinas James' Buch Nur die Wahrheit macht uns frei.

Platz Jahresranking 2014
Die Top 40 etwa 550 Seiten
Verän-derung gegen-über dem Vorjahr
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/-0
2

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/-0
3

In-Vitro-Fertilisation

+1
4

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

-1
5

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+2
6

Die Priesterbruderschaft St. Petrus

+2
7

Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?

+8
8

Bernward Deneke: Liebe, und dann tue was du willst

-3
9

Über Handkommunion

+/-0
10

Der Streit um das Konzil

-4
11

Robert Spaemann

+/-0
12

Wie seriös ist Dawkins?

+2
13

Das Hör-Erleben des ungeborenen Kindes

-3
14

Recktenwald / Bordat: Fasten

+2
15

Zum Thema Abtreibung

+7
16

Bernward Deneke: Die Unterscheidung der Geister

+1
17

Albert Lang: Der Primat Petri

-5
18

Recktenwald: Tolkiens christliche Botschaft

+3
19

Raimund Klesse: Der Todeswunsch aus psychiatrischer Sicht

+13
20

Prof. Dr. Wolfgang Kuhn: Darwins Evolutionstheorie

+4
21

Katholische Kirche und Nationalsozialismus;
Geschichtsfälschung um den Löwen von Münster

-2
22

Die Pränataldiagnostik

-4
23

Georg May: Falschlehrer der Kirche

+11
24

Pastor: Michelangelo und die Sixtinische Kapelle

-11
25

Spaemann: Rationalität und Gottesglaube

+3
26

Zur Hirntoddebatte

+7
27

Pius XII. und die Juden

-1
28

Prosinger: Was heißt glauben? Ein biblischer Streifzug

+16
29

Markus Keller: Der hl. Ignatius und die Exerzitien

+1
30

Befreiungstheologie

-10
31

Gender Mainstreaming

+17
32

Martin Ramm: Der Widerstand der katholischen Jugend im Dritten Reich

+5
33

Paul Hacker: Hinduismus

+9
34

Recktenwald: Hatte Jesus Brüder?

+20
35

Sabatina James, Nur die Wahrheit macht uns frei

+297
36

Die Bekehrung von C. S. Lewis

-13
37

Christian Spaemann: Die gegenwärtige Psychotherapieszene und die Frage nach dem Sinn

-1
38

Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

-20
39

Islam: Über die Papstrede in Regensburg

+6
40

Johannes Paul II.: Ehe und Naturrecht

-13

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6. Februar
Jesus, einzigartig

Von Peter Kreeft

Sechster Teil

Bertha: Jesus war kein Sexist.

Sokrates: Meinst du, er war kein Mann? War er eine Frau?

Bertha: Nicht im wörtlichen oder biologischen Sinne, aber ...

Sokrates: Also war er ein Mann?

Bertha: Nicht auf Kosten des Weiblichen.

Sokrates: Ist Jesus also ein Archetyp? Steht er für das Menschsein als solches, ist er ein Mythos, ein Symbol?

Bertha: Ja, das würde ich als richtig empfinden.

Sokrates: Ich habe dich nicht nach deinen Empfindungen gefragt, sondern nach den Fakten.

Bertha: Wie meinst du das?

Sokrates: Ich habe nicht nach dir gefragt, sondern nach Jesus. Lebte Jesus als ein wirklicher, individueller Mann auf Erden?

Bertha: Nun ja, natürlich, aber er war eine ganz andere Art von Mensch.

Sokrates: Gut. Auf welche Weise war er anders.

Bertha: Er war androgyn, wenn du so willst.

Sokrates: Jesus war androgyn?

Bertha: Ja.

Sokrates: Du meinst, er hatte sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane?

Bertha: Nein, androgyn im geistigen Sinne, nicht körperlich.

Fesser: Wir schweifen offensichtlich vom Thema ab. Bertha, glauben Sie, die Androgynität ist der Grund, dass die Menschheit die Jahreszahlen nach Jesus datiert? Das ist die Frage, von der wir ausgegangen sind und die wir noch nicht beantwortet haben.

Sokrates: (überrascht und erfreut) Danke, Herr Professor, dass Sie uns an die ursprüngliche Frage erinnern. Ich warte immer noch gespannt auf deine Antwort, Bertha.

Thomas: Das war natürlich nicht der Grund, Sokrates.

Sokrates: Warum wird dann eure Geschichte nach ihm datiert?

Thomas: Das ist einfach so Brauch.

Sokrates: Hat der Brauch eine rationale Grundlage?

Thomas: Definiere »rationale Grundlage«.

Sokrates: Verdient Jesus eine solch spezielle Beachtung?

Thomas: Ich finde nicht.

Molly: Nun, ich schon.

Sokrates: Warum, Molly?

Molly: (bemerkt ihre Voreiligkeit) Äh ... nun ... ich bin mir nicht sicher.

Sokrates: Dann ist es jetzt vielleicht Zeit, dass wir uns von dem, was ihr von ihm glaubt, dem zuwenden, was andere von ihm glauben - was ich vorher nicht tun wollte.

Bertha: Meinst du vielleicht, die anderen werden dir eine bessere Antwort geben?

Sokrates: Ja.

Thomas: (platzt heraus) Die Menschen behaupten, er war Gott.

Sokrates: (denkt, er hätte falsch gehört) Wie bitte?

wird fortgesetzt

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5. Februar
Der selige Rudolf Aquaviva S. J.
Missionär und Märtyrer in Indien

Von Anton Huonder S.J.

Quellen:
Der selige Rudolf Aquaviva und seine Gefährten. Von P. Herm. Gruber S. J., Regensburg 1894.
Missione al Gran Mogor del P. Rid. Aquaviva d. C. d. G. Descritta dal P. Daniello Bartoli d. m. C., Venesia 1830.
Briefe aus Ostindien. 2. u. 3. TL, Augsburg 1795.
Oriente Conquistado… Delo P. Franc. de Souza, 2. ed., Bombaim 1881.
Fr. Catrou S. J., Hist. générale de l’empire du Mogol... Sur les mémoires Portugais de M. Manouchi, Paris 1705.
Pierre du Jarric, L’hist. des choses plus mémorables advenues tant ez Indes Orientales que autres pays de la découverte des Portugais, Arras 1611 (lateinisch in Köln 1615).

Eine der interessantesten Episoden der älteren indischen Missionsgeschichte bildet unstreitig der Aufenthalt und das Wirken der Jesuiten am Hofe Akbars des Großen. Die Begeisterung und Ausführlichkeit, mit welcher die zeitgenössischen Berichte den Charakter dieser seltsamen Persönlichkeit und die Zustände seines herrlichen Reiches schildern, spiegelt heute noch deutlich die freudigen Hoffnungen wider, die sich damals an die Bekehrung dieses größten aller indischen Fürsten knüpften. Und in der Tat, wäre sie nicht durch Stolz und Sinnlichkeit vereitelt worden, sie hätte den tiefstgreifenden Einfluss auf die Missionsgeschichte Indiens ausgeübt. Zwar täuschte der Ausgang die glänzenden Erwartungen, doch blieb auch der Versuch eine denkwürdige Tat, und es dürfte gewiss am Platze sein, dem Manne eine ausführlichere Darstellung zu widmen, dem bei dieser eigenartigen Mission die Hauptrolle zufiel.

1. Vorleben und Ankunft in Indien

Aquaviva war geboren am 2. Oktober 1550 als Sohn des Joh. Hieronymus, Herzogs von Atri in den Abruzzen, und der Margareta Pia, aus dem Hause der Carpi in Emilien. Beide Familien gehörten zu den vornehmsten Geschlechtern Italiens.

Rudolfs Kindheits- und Jugendleben gleicht fast Zug um Zug demjenigen des etwas später (1568) geborenen hl. Aloysius, der von mütterlicher Seite her ihm verwandt war. Hier wie dort schon in zartester Jugend ein seltener Zug zur Frömmigkeit, Reinheit und Buße; hier wie dort eine heiligmäßige Mutter, die mit treuer Sorge über ihrem Liebling wacht; hier wie dort ein früh erwachter Ordensberuf, der nur im heißen Kampfe gegen den Vater errungen wird. Der zeitweise Aufenthalt des P. Nikolaus de Bobadilla S. J., eines der ersten Gefährten des hl. Ignatius, im herzoglichen Palaste von Atri lenkte zuerst die Aufmerksamkeit und Zuneigung des Knaben auf die Gesellschaft Jesu hin.

Der Eintritt seines Onkels Claudius, des späteren Ordensgenerals, ermutigte Rudolf, seinem längst gehegten Verlangen gleichfalls Folge zu geben. Aber der Vater – die Mutter war im Jahre 1567 gestorben – wollte ihn um keinen Preis ziehen lassen. Umsonst flehte der siebzehnjährige Jüngling zu den Füßen des hl. Franz Borgia um Aufnahme. Auch dieser wies ihn wohl aus Rücksicht auf den Vater zunächst ab. Es sei doch nur, so hielt er Rudolf vor, die Liebe zu seinem Onkel Claudius, die ihn ziehe. „Nein, nein“, rief der Jüngling, „senden Sie mich bis an die Enden der Welt, nach Osten oder Westen, so daß ich niemals wieder eines von den Meinigen sehe; Wenn ich nur der Gesellschaft angehöre, bin ich’s zufrieden.“ Endlich gelang es durch das Dazwischentreten des heiligen Papstes Pius V., den Widerstand des Vaters, der von seinen fünf Söhnen bereits drei dem Dienste des Altares geschenkt hatte (Julius und Ottavio wurden Kardinäle, Horazio Bischof), zu brechen, und überglücklich trat Rudolf am 2. April 1568, bereits im Besitz der Tonsur und der niedern Weihen, ins Noviziat St Andreä zu Rom. Hier traf er unter den beiläufig 60 Novizen aus aller Herren Ländern unter andern in der Folge berühmt gewordenen Männern auch den hl. Stanislaus Kostka, diese süßduftende Lilie, die Gott schon wenige Monate später, am 15. August, in den himmlischen Garten verpflanzte.

Schon früh erwachte in Rudolf das Verlangen nach den äußeren Missionen, und er nährte dasselbe durch eine innige Andacht zum hl. Franz Xaver, dem Apostel Indiens, dessen wunderbare apostolische Taten damals noch frisch im Gedächtnis waren. Dieser Wunsch wurde zur mächtigen Begierde durch die Kunde vom glorreichen Martyrium des seligen Ignatius von Azevedo und seiner Gefährten, welche am 15. Juli 1570 auf der Überfahrt nach Brasilien ihren Glauben mit ihrem Blut besiegelt hatten. Aber seine Bitten fanden keine Erhörung; denn der mit ungewöhnlichen Gaben ausgestattete Fürstensohn konnte nach der Ansicht des Generals P. Everard Mercurian – der hl. Franz Borgia war am 1. Oktober 1572 gestorben – in Europa größeres Wirken, und überdies schien seine zarte, durch Bußwerke geschwächte Gesundheit den Strapazen des Missionslebens keineswegs gewachsen.

wird fortgesetzt

Der Text ist entnommen dem Buch von Anton Huonder S.J. Bannerträger des Kreuzes, Zweiter Teil, Freiburg im Breisgau: Herdersche Verlagshandlung 1915, S. 92 ff. Demselben Werk ist bereits die Biographie Chaumonots entnommen.


4. Februar
Religiöse Wandlungen in Indien
im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert

Von Alfons Väth S.J.

Zweite Folge

Eine große Stunde hat man leider ungenützt vorübergehen lassen. Im Söldneraufstand hatte sich das Europäertum moralisch überlegen gezeigt und der Hinduismus eine schwere Einbuße an Ansehen erlitten. Hätte die Regierung in diesem günstigen Augenblick bei aller Aufrechterhaltung der religiösen Neutralität ihren eigenen christlichen Standpunkt betont, so hätte wohl eine Bewegung zum Christentum eingesetzt. Eine Reihe von trefflichen hohen Beamten wünschte in der Tat eine christliche Politik und sogar eine Förderung des Christentums. Aber eine andere Richtung siegte. In dem Aufruf, der die Grundsätze der künftigen Regierung den indischen Völkern kundgab, sprach es die Königin in einem Nebensatz schüchtern aus, daß sie Christin sei und den Trost der christlichen Religion dankbar anerkenne, aber dann verkündete sie den Grundsatz der völligen religiösen Neutralität, die in der Ausführung der Religionslosigkeit gleichkam, und bei der Auswahl der Beamten wurde nicht im geringsten darauf geachtet, ob sie sich durch wahre Religiosität empfahlen.

Das mußte sich verhängnisvoll auswirken. In Indien durchdringt die Religion das gesamte öffentliche Leben. Die mohammedanischen und hinduistischen Staaten sind auf religiöser Grundlage aufgebaut, und es wird namentlich vom Herrscher ein Bekenntnis seiner Religion verlangt. Die Kultur ist von religiösem Geist vollständig durchtränkt. Ungläubige hat es in Indien bis in die neueste Zeit kaum gegeben. Ein so religiös eingestelltes Volk kann keine Achtung haben vor fremden Beamten, die keine Religion bekennen und anscheinend keine haben, und von einer reinen Diesseitskultur. Infolge dieses Grundfehlers ist deshalb in weitgehendem Maße das Gegenteil von dem eingetreten, was England erstrebte und hoffte: eine Abkehr vom Geist des Westens und eine Neubelebung des Geistes des Hinduismus und Islams. Die schon so schwierige Missionsarbeit unter den Gebildeten und besseren Klassen wurde noch bedeutend erschwert.

Die Anfänge der christlichen Mission schienen allerdings viel zu versprechen. Der erste Einblick in die christliche Gedankenwelt, den Alexander Duff und andere protestantische Missionare - katholische hat es damals kaum gegeben - in ihren Schulen den jungen Indern eröffneten, brachte seine Wirkung hervor. Eine neue Ideenwelt tat sich dem intellektuellen Indien auf. (...) Manche der Besten des Volkes bekannten sich zum Christentum.

Aber der erste günstige Eindruck verflüchtigte sich, sowie der Inder mit der religionslosen Verwaltung und Schule Bekanntschaft machte und mit den unwürdigen Mitgliedern der weißen Rasse in nähere Berührung kam. Die Früchte der europäischen Erziehung waren nur zu häufig Halbgebildete, die jede Religion und gute Sitte über Bord warfen.

Der Hinduismus entfaltete jetzt die ihm innewohnende starke Widerstandskraft. Die theopanistische Grundhaltung verwehrt bei den Gebildeten die Annahme der christlichen Grundwahrheiten. Der Hinduismus kann sich einer großen Vergangenheit rühmen. Er hat Meisterwerke der Literatur und Kunst geschaffen, denen das äußerlich so armselig erscheinende Christentum wenig gegenüberstellen kann. Er ist mit dem Kulturleben aufs innigste verwachsen, so daß eine Trennung kaum möglich erscheint. Der sinnberückende Glanz des Kultus hält das Volk gefangen. Bei seiner synkretistischen Geistesverfassung fehlt dem Hindu auch der Drang, sich unter Opfern der "fremden" Religion anzuschließen. Er kann alles Gute, das er im Christentum findet, mit seiner eigenen Religion verschmelzen und findet darin Befriedigung. Ja er glaubt damit eine religiöse Form zu besitzen, die das Beste des Hinduismus mit dem besten Christlichen verbindet und somit dem Christentum überlegen ist. Und seine Gesellschaftsordnung bietet ihm ein wirksames Abwehrmittel. Wer den Glauben der Väter verläßt, wird aus der Kaste ausgeschlossen. Eine andere Kaste kann ihn nicht aufnehmen, weil die Kaste angeboren ist. Er steht als Geächteter hilflos in der Welt.

Leider hat mangelnde Anpassung den Widerstand erleichtert. Das Christentum trat wieder zu sehr als ausländische Religion auf. Die europäischen Verkünder derselben behielten ihre fremde Lebensweise und Sitten bei, die der Inder nicht versteht, die ihm häßlich vorkommen. Auch die Neubekehrten nahmen mancherorts noch zu viel von europäischem Denken und fremden Sitten an.

Wird fortgesetzt

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3. Februar
Metamorphose

Zur Rezension des empfehlenswerten Film Metamorphose möchte ich diesen englischsprachigen Trailer nachliefern.


3. Februar
Ansgar

Vor 1150 Jahren, am 3. Februar 865, starb in Bremen im Alter von 63 Jahren der hl. Ansgar, der Apostel des Nordens. Nach einer Missionstätigkeit in Dänemark und Schweden wurde er der erste Bischof des 831 gegründeten Bistums Hamburg, später Bischof von Bremen. Von dort organisierte er die Christianisierung Schleswigs und Skandinaviens.


2. Februar
Krieg und Frieden in Christentum und Islam

In der Auffassung von Krieg und Frieden - so ist am Ende festzustellen - unterscheidet sich der Islam diametral vom Christentum. Im Christentum erhält der Friede - so das ‘Historische Wörterbuch der Philosophie’ - “seine stärksten Impulse aus der christlichen Heilsbotschaft, die sich ingesamt als Verkündigung des Friedens versteht” (Eugen Biser, Friede, in: HWP 2, 1972, Sp. 1114-1117, Sp. 1115). Demgegenüber ist für den Islam, wie Tilman Nagel sagt, “das gewöhnliche Verhältnis zwischen den islamischen und den übrigen Territorien dasjenige des Krieges” (Tilman Nagel, Islam. Die Heilsbotschaft des Korans und ihre Konsequenzen, Westhofen 2001, S. 102).

Aus: Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster: Verlag Aschendorff, 22007, S. 441


2. Februar
Heimsuchung Mariens

Vor 400 Jahren, am 2. Februar 1615, gründete der Orden von der Heimsuchung Mariens seine Niederlassung in Lyon. In diesem Kloster starb einige Jahre später, am 28. Dezember 1622, der hl. Franz von Sales.


1. Februar
Am eigenen Schopf

Der schlanke Father O'Connor [John O’Connor, 1870-1952, nahm Chesterton und David Jones in die katholische Kirche auf und diente Chesterton als Vorbild für dessen Romanfigur Father Brown] hatte äußerlich wenig mit Father Brown gemeinsam, aber einen vergleichbaren Scharfsinn und zudem ein beneidenswertes sprachliches Talent, das ihm gestattete, Werke von Claudel und Maritain ins Englische zu übertragen. Doch es war Chesterton, nicht Father O'Connor, der als junger Mann im Sog der viktorianischen Endzeitströmung des Nihilismus zu versinken drohte. Er erkannte die Gefahr und zog sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf, indem er in seinem Roman „Der Mann, der Donnerstag war“, aus der Existenz des Bösen auf die des Guten schließt. Kafka schrieb nach der Lektüre des Romans über dessen Verfasser: „Er ist so lustig, dass man fast glauben könnte, er habe Gott gefunden.“

Aus: Michael Hanke, Geniestreich mit Schönheitsfehlern, in: Die Tagespost vom 29. Januar 2015

Weitere Infos und ein Video über Chesterton


1. Februar
Kongregation Unserer Lieben Frau

Vor 400 Jahren, am 1. Februar 1615, bestätigte Papst Paul V. (1605-1621) die Kongregation Unserer Lieben Frau (Augustiner-Chorfrauen), die die selige Alix de Clerc (1576-1622) gegründet hatte.


31. Januar
Paul Louis Bernard Drach

Vor 150 Jahren, am 31. Januar 1865, starb in Rom im Alter von 73 Jahren der aus Straßburg stammende jüdische Konvertit David Drach. Er ließ sich 1823 taufen, nahm den Namen Paul Louis Bernard an und wurde ein einflussreicher katholischer Apologet. Ferdinand Holböck stellt ihn neben anderen jüdischen Konvertiten in seinem Buch Wir haben den Messias gefunden (Stein am Rhein 21987) vor.


31. Januar
Franz Xaver Bianchi

Vor 200 Jahren, am 31. Januar 1815, starb in Neapel im Alter von 71 Jahren der Mystiker, Philosophieprofessor und Mitglied des Barnabitenordens Franz Xaver Bianchi. Er war mit zahlreichen Charismen wie der Wundergabe und Prophetie begnadet und wird der Apostel Neapels genannt. 1893 wurde er selig-, 1951 heiliggesprochen.


31. Januar
Claudius Aquaviva

Vor 400 Jahren, am 31. Januar 1615, starb in Rom im Alter von 72 Jahren und nach 34 Jahren Amtszeit an der Spitze der Gesellschaft Jesu der Jesuitengeneral Claudius Aquaviva SJ. “Glänzende Eigenschaften und die dramatische Spannungen seiner ereignisreichen Amtszeit machten Aquaviva zu einer der hervorragendsten Führerpersönlichkeiten des Ordens. Er schützte dessen Einheit und die Reinheit des Gründungsgedankens gegen Feinde von innen und Gefahren von außen in wechselvollem Entscheidungskampf” (L. Koch im LThK, 1. Auflage). Sein Neffe Rudolf Aquaviva SJ (1550-1583) wurde Märtyrer und 1893 seliggesprochen.


29. Januar
Die einzige Sünde

Skeptisch über die Gesprächsführung des Kurienkardinals [Lorenzo Baldisseri] im Plenum [der internationalen Konferenz katholischer Laienbewegungen, die vom 22. bis 24. Januar 2015 auf Einladung des Päpstlichen Familienrats in Rom stattgefunden hat] äußerte sich auch Maria Madise, die Vorsitzende des US-Familienverbandes “Voice of the Family”. Dieser habe den Eindruck hinterlassen, dass “die einzige Sünde heute darin besteht, das zu verteidigen, was die Kirche immer gelehrt hat.”

Aus dem Artikel Bewegungen wollen Ehelehre beibehalten von Regina Einig, Tagespost von heute.


29. Januar
Hildegard Burjan

Vor drei Jahren, am 29. Januar 2012, wurde die Konvertitin Hildegard Burjan (1883-1933) seliggesprochen.


28. Januar
Der nichts von Bitterkeit wusste

Zum 70. Todestag von Paul Stern in Auschwitz (+ Ende Oktober 1944)

Von Jakob Knab

„Und ich begriff, was Freunde gesagt hatten: wenn ihnen je ein Heiliger in den Weg gekommen sei, dann sei es Paul Stern.“ Diese Einsicht stammt von dem christlichen Philosophen und großen Thomas-Gelehrten Josef Pieper (1904 –1997). Vor nunmehr 70 Jahren endete das Leben von Paul Stern, jenem unbekannten Heiligen, in den Gaskammern von Auschwitz. Die Parallelen zur Lebensgeschichte der Heiligen Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein) sind offenkundig. Ihr Leben hatte bereits 1942 in Auschwitz geendet.

Wie Edith Stein stammte auch Paul Stern aus einer jüdischen Familie. Er wurde im Dezember 1888 in Köln geboren. An den Universitäten in Bonn, Freiburg und Leipzig studierte er Archäologie und Philosophie, sein vertieftes Interesse galt den Fremdsprachen. Edith Stein besuchte die Universitäten in Breslau, Göttingen und Freiburg.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Paul Stern wie auch Edith Stein übertrugen Werke von Thomas von Aquin sowie von John Henry Newman ins Deutsche.

Die gelehrte Karmelitin übersetzte aus den Werken des mittelalterlichen Theologen die „Untersuchungen über die Wahrheit“ und auch "De ente et essentia - Über das Seiende und das Wesen“. Die Konvertitin übertrug auch Newmans „Briefe und Texte zur ersten Lebenshälfte“ sowie dessen Vorlesungen „Die Idee der Universität“ ins Deutsche.

Auf Umwegen fanden beide, Edith Stein und Paul Stern, ihren Weg zur katholischen Kirche. Paul Stern konvertierte am 8. April 1921 in der Leipziger Peterskirche zur lutherischen Konfession. Ein Taufpate war sein Übersetzerkollege Hans Nachod, ebenfalls ein konvertierter Jude. Im Juni 1938 freilich verließ Stern die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen.

Bevor Nachod im Jahr 1939 nach Amerika emigrieren konnte, war er in den KZs Dachau und Buchenwald inhaftiert. Mitte der 30er Jahre hatten Nachod und Stern „Die Summe wider die Heiden“ des Thomas von Aquin ins Deutsche übertragen; der Verleger dieser drei Bände war der jüdische Konvertit Jakob Hegner. Über die Begegnung mit dem Kirchenlehrer des Mittelalters fand Paul Stern „den Zugang zu dem wahren Verhältnis zur letzten Wahrheit, der reinen Wirklichkeit, zu Gott und zu den Heilstatsachen der Erlösung“, wie er es einmal selbst aussprach.

Als das NS-Regime die Juden zunehmend ausgrenzte und verfolgte, siedelte Edith Stein mit ihrer Schwester Rosa im November1938 in den Karmel im niederländischen Echt über. Und im September 1938 hatte Paul Stern seine Stellung am Institut für Universalgeschichte der Universität Leipzig verloren. Trost fand er bei Newman. Denn nach jenen Tagen, da ihm der Zutritt zur Universität verwehrt wurde, schrieb er seine Übersetzung von Newmans „Traum des Gerontius“ aufs Neue in einer schönen und klaren Handschrift nieder. Hier ein Auszug:

„Und seines Meisters Wunden selbst / Sie brannten sich ihm ins Fleisch / Der ewigen Liebe Flamme brennt verzehrend / Eh sie verwandelt.“

Auch nach den Pogromen in November 1938 lehnte er es ab, Leipzig zu verlassen. Er musste ins ‚Ghetto’ ziehen, wegen seiner Ehe mit einer Nicht-Jüdin brauchte er aber den gelben Stern nicht zu tragen. Er stand weitgehend mittellos da. Seine Arbeit bestand nun darin, auf den Müllfeldern der Stadt Leipzig unter Aufsicht Metallteile aus dem Abfall zu buddeln. In dieser Notlage wurde er von den Priestern des Leipziger Oratoriums unterstützt. Dazu zählten Pfarrer Theo Gunkel, der sein Noviziat in Birmingham verbracht hatte, Kaplan Josef Gülden, der zur Liturgischen Bewegung gehörte, sowie der Newman-Gelehrte Werner Becker. Die dortige Bibliothek war für Stern eine letzte geistige Zufluchtstätte.

Im Sommer 1942 besuchte Josef Pieper die Oratorianer in Leipzig. Dort erfuhr er auch, dass Stern dank seines Thomas-Studiums vor einiger Zeit katholisch geworden sei. Im Oratorium begegnete Pieper dann auch Paul Stern: „Mir gegenüber saß ein heiter-gelassener Mensch, der nichts von Bitterkeit wusste, nicht einmal, so schien es, von Traurigkeit. Wir sprachen über Thomas von Aquin. Übrigens vermisse er ein wenig mein kleines Buch über die Hoffnung, das ihm abhanden gekommen sei. Doch als ich ihm dann, nicht ohne einige Beschämung, ein neues Exemplar hierher, ins Oratorium, zu schicken verspreche, winkt er ab: Ich brauche es gar nicht mehr.“ (Josef Pieper, Noch wusste es niemand, München 1976, S. 124f.)

Am 14. Januar 1944 wurde Paul Stern verhaftet und zusammen mit anderen Juden in einem Viehwagon ins KZ Theresienstadt transportiert. Am 28. Oktober 1944 begann sein letzter Weg in die Gaskammern von Auschwitz. Dort verlieren sich seine Spuren.

Anhang:

1959 erschien die Übersetzung von Newmans „Der Traum des Gerontius“ im St.-Benno-Verlag Leipzig. Werner Becker stellte diese Widmung voran:

COR AD COR LOQUITUR
Dem Andenken an Paul Stern,
geboren am 10. Dezember 1888 in Köln,
gestorben in Auschwitz, Datum unbekannt,
und an alle Opfer
der ungerechten Gewalt
1933 – 1945

Josef Pieper stellte seinem kleinen Buch „Über die Hoffnung“ (Jakob-Hegner-Verlag Leipzig, 1935) diesen Satz aus der Bibel voran:
„Wenn Er mich auch tötet, ich werde auf ihn hoffen.“ (Job 13, 15)


27. Januar
Augustinus Zhao Rong

Vor 200 Jahren, am 27. Januar 1815, starb als Märtyrer in Wuchuan, China, im Alter von etwa 69 Jahren der hl. Augustinus Zhao Rong. Ursprünglich Soldat, bekehrte er sich 1785 durch das heroische Beispiel des hl. Jean Gabriel Taurin Dufresse MEP, den er als Soldat von Tchen-Tou nach Peking eskortieren musste. Er ließ sich taufen und wurde Priester. 1814 wurde er verhaftet und grausam gefoltert. Am 27. Mai 1900 wurde er seliggesprochen, am 1. Oktober 2000 heiliggesprochen, zusammen mit 119 weiteren Märtyrern (davon 87 Chinesen und 33 Missionare).


27. Januar
Johannes Chrysostomus Blaschkewitz

Vor 100 Jahren, am 27. Januar 1915, wurde in Belyi, Russland, der Kirchenhistoriker Archimandrit Dr. Johannes Chrysostomus Blaschkewitz OSB geboren. Er schrieb u.a. eine dreibändige Kirchengeschichte Russlands der neuesten Zeit. Am 7. Oktober 1981 starb er in Niederaltaich.


26. Januar
Sei stark und werde ein heiliger Mann!

Von Larry Richards

Dritter und letzter Teil

Die Heiligkeit kommt von Jesus und nicht von uns selbst, einverstanden? Es ist genauso wie bei einem Mann, der von einer Schlange gebissen wird und im Sterben liegt. Unterdessen sieht er einen anderen Mann, der zuvor dreimal von einer Schlange gebissen wurde und genügend Abwehrstoffe besitzt, um zu überleben. Damit auch dieser Mann am Leben bleibt, müssen die Ärzte dem Mann mit den Antikörpern Blut entnehmen, um es dem Mann, der gerade gebissen worden ist, zu geben. Das Blut des Einen heilt den Anderen.

Ebenso verhält es sich mit Christus. Wir lebten in der Sünde, deshalb vergoss Jesus Christus sein Blut und gab es uns. Sein Blut macht uns heilig. Im zweiten Brief an die Korinther heißt es: "Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden" (2 Kor 5, 21). Als Jesus am Kreuz zur Sünde gemacht wurde, wurde er von der Schlange gebissen und entwickelte den Antikörper, der für das ewige Leben notwendig ist. Wenn wir zu Christus kommen, gibt er uns sein Blut. Sein Blut in uns gibt uns Kraft. Nun können wir uns vertrauensvoll dem Vater nähern: Jesus erlöst, der Vater befreit uns von der Sünde.

Wenn du dich in deinem Leben mit der Heiligkeit befassen willst, musst du dich zuerst mit deinen Sünden befassen - nicht mit jenen Sünden, denen du unterliegst, sondern mit jenen, über die du Macht hast. Im Brief an die Hebräer steht: "Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit" (Hebr. 4,16). Anstatt den Blick auf unsere Schwächen zu richten, müssen wir auf die Stärke schauen, die von Christus kommt. Im ersten Petrusbrief lesen wir: ,,Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden. Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig!" (1 Petr 1,15-16).

Du wirst mich jetzt nicht ausstehen können, aber ich möchte trotzdem, dass du nun den Jakobusbrief aufschlägst, in dem Jakobus sehr herausfordernd ist: ,,Wer sich in seinen Worten nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann und kann auch seinen Körper völlig im Zaum halten" (Jak 3,2). Jakobus sagt uns, dass wir ein vollkommener Mann sein sollen, indem wir auf unsere Worte achten. Du kannst deinen ganzen Körper mit dem, was du sprichst, beherrschen.

Denke darüber nach, was wir so daherreden! Deshalb sagte Jesus: "Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen" (Mt 12,36). Denke darüber nach, was du manchmal zu deiner Frau sagst, wenn du wütend bist! Denke darüber nach, was du zu deinen Kindern sagst, wenn du verärgert bist. Stell dir vor, jemand hätte deinen Wutanfall in Gegenwart deiner Frau aufgenommen, und stell dir vor, jeder könnte diese Aufnahme anhören! Es macht mich verrückt, wenn die Leute sagen: "Glaubst du, was diese Person erzählte?" Ja, ich glaube es, weil ich weiß, was mir selbst manchmal über die Lippen kommt.

Der hl. Paulus erklärt uns, worüber wir nicht sprechen dürfen: "Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heiligkeit gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit" (Eph 5,3-4).

Ja, die Heiligkeit verbietet schmutzige Witze. Auch du musst bedenken, was du von dir gibst. Erzählst du manchmal schmutzige Witze? Gebrauchst du unflätige Worte? Machst du sexuelle Anspielungen? Wäre Gott stolz auf das Vokabular, das du benutzt? Spiegeln deine Worte deine Heiligkeit wider?

Wir müssen mithelfen, damit das Sündigen aufhört. Wenn deine Sünden mit deiner Sprache, Begierde, Wut oder einer anderen Sünde zusammenhängen, dann lesen wir im Brief an die Hebräer, dass wir uns nach wie vor vertrauensvoll dem Throne Gottes nähern dürfen, weil er uns nun die Macht in Christus gegeben hat, über diese Dinge hinauszuwachsen. Die Apostelgeschichte ruft uns in Erinnerung, dass nicht wir uns selbst heiligen. Wir lesen, wie der hl. Petrus reagierte, als er bedrängt wurde, nachdem er und Johannes einen Kranken geheilt hatten. Petrus sagte: "Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr verraten habt. ( ... ) Und weil er an seinen Namen geglaubt hat, hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht" (Apg 3,12.16). Wenn wir in der Heiligkeit wachsen, begreifen wir, dass nichts von der Kraft, die für die Heiligkeit notwendig ist, aus uns selbst kommt. Alles kommt von Gott.

Der hl. Jean Vianney war ein echter Mann und ein großer Heiliger. Er war ein ganz normaler Pfarrer in der kleinen Pfarrei von Ars, die mitten in Frankreich auf dem Lande lag. Niemand kam dorthin. Man teilte ihm Ars zu, weil man der Meinung war, er sei nicht sehr gescheit. Er schloss als Schlechtester bei der Prüfung ab. Man dachte, er sei zu nichts fähig.

Als er nach Ars kam, betete er: "Mein Herr, mache meine Pfarreiangehörigen heilig! Nur darum bitte ich dich. Und wenn sie nicht heilig werden, dann weiß ich, dass es meine Schuld ist. Aber mache sie heilig!" Er verbrachte die Nächte im Gebet. Dieser demütige Mann hielt die feurigsten Predigten, die man sich vorstellen kann. Durch Gottes Gnade zog dieser Pfarrer von Ars die Könige und Königinnen Frankreichs an, die ihn hören wollten. Die Anzahl seiner Kirchenbesucher stieg so stark an, dass er den ganzen Tag damit verbringen musste, Beichte zu hören.

Wenn du jemals ein Heldenleben kennen lernen willst, dann lies das Leben des hl. Jean Vianney. Der Teufel zündete sein Bett an. Als Flammen aufstiegen, kamen andere Priester herbeigeeilt, um ihm zu helfen. Normalerweise kannst du solche Szenen nur im Film sehen. Sein Bett hüpfte auf und nieder. Dann stieg der hl. Jean Vianney aus dem Bett, schaute auf die anderen Priester, die zu Tode erschrocken waren, und meinte: "Das ist nur der Grappin." So nannte er den Teufel. Es jagte ihm selbst überhaupt keinen Schrecken ein. Er kämpfte jeden Tag gegen den Teufel.

Dieser große Heilige hat uns den Weg der Heiligkeit vorgezeichnet. Wenn du alles, was in diesem Buch steht, vergisst, dann erinnere dich jedoch an diese Worte des hl. Pfarrers von Ars: "Das ist die wunderbare Pflicht des Menschen: zu beten und zu lieben!" Um heilig zu werden, musst du diese beiden Dinge tun: beten und lieben. Konzentriere dich für den Rest deines Lebens auf diese beiden Dinge, so wird auch aus dir ein großer Heiliger werden!

Sei also stark und mannhaft und werde ein heiliger Mann!

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25. Januar
Maristenbrüder

Vor 100 Jahren, am 25. Januar 1915, ließen sich die vom hl. Marzellin Champagnat (1789-1840) gegründeten Maristenbrüder in Furth bei Landshut nieder.


24. Januar
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Zehnter und letzter Teil

Der geistige Kampf, der hier mit großer Deutlichkeit sichtbar wird, steht in keinem Gegensatz zu dem von Christus über den Teufel erfochtenen Sieg: beides, Kampf und Sieg, erfüllen den christlichen Aion, die Endzeit, die von der ersten bis zur zweiten Ankunft des Sohnes Gottes währt. Erst mit der Parusie des Herrn zum Gericht wird dieser Kampf beendet sein und Satan für immer gefesselt werden, mit allen Dämonen und den Verdammten verstoßen in den Abgrund der Finsternis. So lehrt uns Christus, und so lehrt im Auftrag Christi die Kirche. Solange aber die Vorläufigkeit dieser Weltzeit anhält, ist Satan noch ein Spielraum des Wirkens in dieser Welt gegeben. Aufgabe des Menschen ist es, ihm im Geist und der Kraft Christi zu widerstehen und so in die Teilnahme an Christi Triumph hineinzuwachsen.

5. Positive Aspekte

So düster das Erscheinungsbild einer Besessenheit vom Teufel auch ist und so ernst der Zustand einer von satanischen Mächten heimgesuchten Welt, auf den jenes Phänomen aufmerksam macht, mangeln doch einem derartigen Vorgang nicht die positiven Aspekte.

Zu diesen gehört der Rückgewinn jenes größeren Horizontes, der dem Menschen der Neuzeit verlorengegangen war. Für viele ist es wohl eine grundstürzende Erkenntnis, die radikales Umdenken verlangt, daß sich das Geflecht von Ursachen und Wirkungen, in das sie verwoben sind, nicht allein in innerweltliche Faktoren auflösen läßt. Die neue Zurkenntnisnahme der außerirdischen Geistmächte mag manchem etwas wie eine bedingungslose Kapitulation seiner bisher behaupteten Standpunkte abfordern - sie ist aber für jeden, der sie noch nicht in Rechnung gestellt hatte, gleich notwendig wie heilsam. Wenn auf dem Wege dieser schmerzlichen Erfahrungen der Dünkel der Moderne vom autonomen Menschen allmählich abgebaut und das Syndrom der rationalistischen Wahnvorstellungen schließlich überwunden wird, muß auch hier der böse Geist wider Willen einem guten Zwecke dienen.

Nicht nur der bislang Ungläubige kann aus der Manifestation Satans Nutzen ziehen; jeder Einbruch der höllischen Macht bewirkt auch für den Gläubigen eine Aufrüttelung des Gewissens. Wie oft ist gerade ein falsch gedeutetes Bewußtsein völliger Geborgenheit im Glauben für den Christen Anlaß zu zunehmender Leichtfertigkeit gegenüber dem Feind und zu riskanter Schlummrigkeit in der Gefahr! Wie leicht geraten unter dem Einfluß der allgemeinen Bagatellisierung der Sünde und frivoler Oberflächlichkeit der Gesellschaft die Maßstäbe für Gut und Böse außer Gebrauch, um zuletzt gänzlich abhanden zu kommen! Muß nicht ein so fataler Frontbericht wie der aus Klingenberg manchem miles christianus (Soldat Christi) bewußt machen, daß er sich - ohne Urlaub von seiten seines himmlischen Kriegsherrn - längst aus der Geistesschlacht absentiert hat, um irgendwo in der Etappe das träge Vagantenleben eines kampfscheuen Deserteurs zu führen? Muß er nicht jedem, der sich noch einen Rest von Glauben bewahrt hat, ein Ansporn sein, die Festung seines Herzens dicht zu machen gegen das heimliche, ränkevolle Eindringen des Feindes?

Gewiß nicht gering dürfen wir des weiteren jenes Moment in Anschlag bringen, das die Theologie »Scheidung der Geister« nennt. Je herausfordernder, wenn wir so sagen dürfen, sich das Außerirdische in dieser Welt zur Geltung bringt, desto unumgänglicher wird die Parteinahme des Menschen pro oder contra. Je beißender der Spott über den Teufel auf der einen Seite wird, desto klarer muß sich auf der anderen der Glaube kundgeben. Man komme nun ja nicht damit, daß dies - allem Pluralismus und Irenismus zum Trotz - ein Aufruf zur »Polarisierung« sei. Ohne eine solche ist nämlich weder christliche Existenz noch der Kampf dieser Endzeit denkbar. Und wenn es in der Bibel, bezogen auf jene letzte Phase der Geschichte, heißt: »Der Frevler mag noch mehr Frevel tun und der Unreine noch mehr Unreines. Der Gerechte aber handle noch gerechter, und der Heilige heilige sich noch mehr« (Apk 22,1.1) - was ist dies anderes als der gültige Hinweis auf die Unerläßlichkeit der Polarisierung? Verschämtes Verschweigen der Wahrheit dient keinem Frieden, sondern kommt schuldbarer Irreführung gleich.

Von hoher Bedeutung ist ferner der Aufblick zu Gott, der uns gerade in der Begegnung mit den höllischen Mächten zu einem lebendigen Bedürfnis des Herzens wird. Was könnte uns auch mehr antreiben, in Angst und Not, aber auch in Sorge und Sehnsucht das Antlitz des Herrn zu suchen, als solch dreister Vorstoß des Satans ins unseren Lebensraum? Die Hinkehr zu Gott wird uns lehren, daß er auch in derartigen Zulassungen immer noch seine Güte beweist. Gott scheut nicht davor zurück, unsere Welt mit den drastischesten Mitteln zu warnen, aufzuwecken und vom Abgrund zurückzureißen. Daß wir das Opfer der Besessenheit nicht als notwendig verloren betrachten müssen, wurde schon erwähnt. Ward nicht auch Christi Leib und Leben durch den Einfluß Satans auf die Menschen, die er zu unerbittlichen, haßerfüllten Feinden Jesu machte, zerstört, ohne daß der Teufel in Wahrheit vermocht hätte, über Christus zu triumphieren? Was will Gott in allem, was er tut und zuläßt auf Erden, erreichen? Doch dies: unser aller Abkehr von der Sünde und unsere Rettung ins Heil, das Er selber ist.

Ein letzter, positiver Aspekt des Vormarsches Satans soll nicht unausgesprochen bleiben: es ist die ernste Mahnung an die Kirche, der Verweltlichung zu steuern, allen Tand irdischer Eitelkeit und menschlichen Ehrgeizes beiseite zu legen, aufzugeben das törichte Verlangen nach dem Beifall der Welt, weil dies die verhängnisvollen Dinge sind, die sie den finsteren Mächten der Hölle gegenüber schwächen, ja lähmen. Es ist die eindringliche Mahnung an sie, sich auf ihr Wesen und ihre Sendung zu besinnen und sich aufs neue dem Heiligen Geist zu öffnen, der durch sie wirken will. Der Augenblick solchen Sich-Aufraffens der Kirche in Demut und Reue wird die göttliche Macht Christi über den Fürsten der Finsternis glanzvoll aufstrahlen lassen.

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22. Januar
Hans Scholls Quellen des Widerstands

Eine kritische Rezension des Werkes von Robert M. Zoske
Sehnsucht nach dem Lichte. Zur religiösen Entwicklung von Hans Scholl

Von Jakob Knab

Der Hamburger Pastor Robert Zoske hat ein gewichtiges Buch über die religiöse Entwicklung von Hans Scholl, dem führenden Kopf der Weißen Rose, vorgelegt. Der kundige Leser ahnt etwas von der überbordenden Lust des Autors auf neue Horizonte, er spürt auch dessen unermüdliche Hingabe und außergewöhnliche Schaffenskraft. Auf über 800 Seiten werden diese (z.T. widersprüchlichen) Kernthesen entfaltet: „Nicht Kirche und Eucharistie, sondern Kreuz und Erlösung standen für Scholl im Mittelpunkt. Scholl suchte die Essenz des christlichen Glaubens, keine Konfession. Der evangelische Glaube war das Fundament für Hans Scholls Widerstand. Scholl hat, Taten und Texte belegen das, Luthers Freiheit eines Christenmenschen gelebt. Der protestantische Glaube durchzog als Leitton und Leitmotiv seinen widerständig-revolutionären Freiheitskampf.“

Autor Zoske nennt die Freiheit, nicht die Rechtfertigung, den Zentralbegriff protestantischen Glaubens. Im Kapitel „Zur Freiheit befreit“ wird Martin Luthers Streitschrift „Vom unfreien Willen“ (1525) angeführt. Laut Luther ist der menschliche Wille wie ein Lasttier: Wenn Gott es reitet, will es wie Gott will und geht hin, wo er will. Reitet ihn der Teufel, geht es hin, wo der Teufel will. Es hat nicht die Freiheit, seinen Reiter zu wählen. Der katholische Humanist Erasmus, der Luther ein Jahr zuvor herausgefordert hatte, wird bei Zoske nicht erwähnt.

In Zoskes Sicht gründet Scholls Widersagen in Schleiermachers romantischer Gefühlsreligion. Friedrich Schleiermacher war der bedeutendste protestantische Theologe im 19. Jahrhundert. Dabei bewegt sich Autor Zoske freilich auf dünnem Eis, um dessen herausragende Bedeutung für Scholl zu begründen: „Aus Scholls Bibliothek ist ein Exemplar der Reden über die Religion [von Schleiermacher] erhalten geblieben.“ Es kümmert Zoske nicht, dass nirgendwo sonst in Scholls Briefen und Aufzeichnungen der Name Schleiermacher aufscheint. Dies ist nachvollziehbar, denn dessen nationalprotestantische Gesinnung passt nicht in Scholls Geschichtsbild: Im Januar 1809 hatte Schleiermacher bekundet, dass es „dem Christen unanständig sei, der Obrigkeit untertan zu sein um der Strafe willen, dass es ihm natürlich und notwendig sei, ihr sich zu unterwerfen um des Gewissens willen“.

Schleiermacher schafft es im Index auf 34 Einträge. Den Namen Karl Barth sucht man dort vergeblich. Dabei wird Barth immerhin in einer Fußnote kurz erwähnt. Nicht interessiert ist Zoske an der Umkehrung Schleiermachers, denn Barths „Römerbrief“ (1919) ist ein unüberhörbarer Protestschrei gegen die liberale Theologie und gegen nationalprotestantische Mentalitäten des 19. Jahrhunderts. Idealtypisch für jenes preußische und fromme Selbstbewusstsein steht der Name Schleiermacher.

Zoske schlägt eine ideengeschichtliche Brücke von Schleiermacher zu Max Horkheimer von der Frankfurter Schule. Ausführlich wird dabei dessen SPIEGEL-Interview vom Januar 1970 zitiert. Auf der anderen Seite interessiert sich der Autor nicht dafür, dass Horkheimer im Jahr 1936 Theodor Haeckers Buch „Der Christ und die Geschichte“ (1935) besprach. Vor allem durch die innewohnende Sehnsucht nach universaler Gerechtigkeit erweckte Haeckers Wort bei Horkheimer Achtung. Der Konvertit Haecker, einer von Scholls Mentoren, passt nicht in Zoskes Gesamtduktus, so zeichnet er ein Zerrbild. Dabei zählte Haecker für Scholl zu „jenen gewaltigen Erscheinungen, die das, was sie geschrieben haben, durch ihre Person noch steigern.“ Doch Zoskes Sympathien liegen anderswo, sein spürbares Wohlwollen gilt dem homoerotischen und esoterischen Dichter Stefan George.

Im Kriegsjahr 1941 las Scholl das Buch "Kierkegaards Folgen" des katholischen Philosophen Alois Dempf. Die Kennzeichnungen bei der Lektüre, so Zoskes These, zeigen u.a. Scholls Suche nach einem "Staat ohne Repressalien gegen den Einzelnen". Scholls Vorbilder seien die Dissidenten Ockham, Luther und Kierkegaard. Zoske erwähnt freilich nicht, dass Ockham für die erbsündig verderbte Welt eine möglichst wirksame "Staatszwangsgewalt" aufrichten wollte. Nachzulesen bei Dempf auf Seite 104! Ein weiteres Beispiel für Zoskes verkürzte und verzerrte Sicht: Paul Nordhues (1915 – 2004), der spätere Weihbischof von Paderborn, war im Herbst 1942 an Scholls Frontabschnitt als katholischer Militärseelsorger eingesetzt. Nach dem Krieg erzählte er, wie Hans Scholl seine Gottesdienste mitgefeiert und voller Eifer an seinen Bibelstunden teilgenommen habe. Nordhues war sehr erstaunt, als er darüber aufgeklärt wurde, dass Scholl evangelisch gewesen sei. Vergeblich sucht man den Namen Nordhues bei Zoske. Gleiches gilt für die Namen G.K. Chesterton, Etienne Gilson, Francis Jammes, Alfred von Martin, Charles Peguy und Karl Pfleger.

Wenn nun der Dissident Luther – laut Zoske – ein Vorbild Scholls auf der Suche nach einem "Staat ohne Repressalien gegen den Einzelnen" war, dann ist diese These ein weiterer Beleg für Zoskes Kopfgeburten. In seinem konfessionalistischen Übereifer kennt Zoske nur ein geschöntes und geplättetes Geschichtsbild, wenn es um seinen Heros Martin Luther geht. Richtig ist vielmehr: Schonungslos nahm Luther Partei für die Obrigkeit: „Der Esel will Schläge haben und der Pöbel will mit Gewalt regiert werden.“ Zoske kennt nicht Luther blutrünstiges Pamphlet gegen die aufständischen Bauern: „Wer auf fürstlicher Seite umkommt“, predigte der Reformator, „wird seliger Märtyrer, wer drüben fällt, fährt zum Teufel, darum soll hie zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, und gedenken, dass nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann denn ein aufrührerischer Mensch.“ Nota bene: Hans Scholl gehörte in seiner Zeit zu jenen „aufrührerischen Menschen“. Sapienti sat!

Dennoch wird der wohlwollende und kundige Leser bedauern, dass Autor Zoske nicht einfach seine kostbaren Funde als wohlfeiles Buch veröffentlichte; denn das vorliegende Werk leidet stark an Zoskes ungebremsten Ausflügen in die Ideengeschichte. Hier ein Absatz von Seite 253: „Da Nietzsches Schriften ein einziges ‚Nein!’ des Ungehorsams sind, konnten sie zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Scholls widerständigen Geist werden. Der Versuch der Nationalsozialisten, den Philosophen für ihre Zwecke zu vereinnahmen, war so absurd wie die Instrumentalisierung Luthers. Beide Denker standen in ihrer Einmaligkeit gegen jede Vermassung, sie hatten ‚Charakter und eigne Art’, forderten und förderten das Anderssein. Scholl hatte erkannt, wie die Erziehungsmethoden des Regimes jede Menschlichkeit vernichteten, so dass nur noch, wie Nietzsche nahelegte, ein liebevoller göttlicher Blick sie wieder erwecken konnte. Scholl sah, wie Thomas Mann, den Philosophen ‚wesentlich als Protestanten.“

Hier muss man innehalten, wenn Nietzsche ‚wesentlich als Protestant’ gesehen wird! Für den NS-Ideologen Rosenberg lag es auf der Hand, an Nietzsches Verachtung des Christentums („Sklavenmoral”) anzuknüpfen. 1930 trat Alfred Rosenberg mit seinem Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ an die Öffentlichkeit. In seinem „völkischen“ Kern bedient sich dieses Werk u.a. bei Paul de Lagarde (1827 – 1891) und Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900).

Autor Zoske nimmt nicht zur Kenntnis, wie die Reformation auch eine Nationalisierung des Religiösen zur Folge hatte. Im Klartext: Luther wurde im Dritten Reich von seinen eigenen Leuten ‚vereinnahmt’ und ‚instrumentalisiert’. Als Beleg soll ein Auszug aus der Predigt des Berliner Generalsuperintendenten Otto Dibelius zur Eröffnung des Reichstages am 21. März 1933 dienen: „Wir haben von Dr. Martin Luther gelernt, dass die Kirche der rechtmäßigen staatlichen Gewalt nicht in den Arm fallen darf, wenn sie tut, wozu sie berufen ist. Auch dann nicht, wenn sie hart und rücksichtslos waltet.“

Auch die sog. „Godesberger Erklärung“ ist dem Autor Zoske nicht bekannt. Nachdem der Erzbischof von Canterbury die NS-Aggression gegen die Tschechoslowakei verdammt hatte und zur Einheit der protestantischen Kirchen aufgerufen hatte, unterzeichneten u.a. Repräsentanten von elf Landeskirchen die „Godesberger Erklärung“. Traurige Berühmtheit erlangte die erste Fassung der Grundsätze vom 26. März 1939. Hier der Kernsatz: „Indem der Nationalsozialismus jeden politischen Machtanspruch der Kirchen bekämpft und die dem deutschen Volke artgemäße nationalsozialistische Weltanschauung für alle verbindlich macht, führt er das Werk Martin Luthers … fort.“

Wer sich die Mühe macht, Zoskes Werk auf handwerkliche Professionalität zu überprüfen, wird auf folgende Manipulation stoßen, denn Zoske schreibt auf der besagten Seite 253: „Beide Denker [Luther und Nietzsche] standen in ihrer Einmaligkeit gegen jeder Vermassung, sie hatten ‚Charakter und eigene Art, forderten und förderten das Anderssein. Scholl hatte erkannt, wie die Erziehungsmethoden des Regimes jede Menschlichkeit vernichteten , so dass nur noch, wie Nietzsche nahelegte, ein liebevoller göttlicher Blick’ sie wieder erwecken konnte. Scholl sah, wie Thomas Mann, den Philosophen ‚wesentlich als Protestanten’.“ Als Beleg für den Ausdruck „liebevoller göttlicher Blick“ wird in der Fußnote 1196 die Seite 139 in Nietzsches Unzeitgemäßen Betrachtungen angegeben. Doch wird man dort nicht fündig. Richtig ist vielmehr: Den Ausdruck vom „liebevollen göttlichen Blick“ gebraucht Nietzsche in seinem Antichrist. Hier der Kontext, um Nietzsches Aussageabsicht und –inhalt zu verdeutlichen: „Aus der Höhe gesehn, bleibt diese fremdartigste aller Tatsachen, eine durch Irrtümer nicht nur bedingte, sondern nur in schädlichen, nur in leben- und herzvergiftenden Irrtümern erfinderische und selbst geniale Religion ein Schauspiel für Götter – für jene Gottheiten, welche zugleich Philosophen sind, und denen ich zum Beispiel bei jenen berühmten Zwiegesprächen auf Naxos begegnet bin. Im Augenblick, wo der Ekel von ihnen weicht (– und von uns!), werden sie dankbar für das Schauspiel des Christen: das erbärmliche kleine Gestirn, das Erde heißt, verdient vielleicht allein um dieses kuriosen Falls willen einen göttlichen Blick, eine göttliche Anteilnahme... Unterschätzen wir nämlich den Christen nicht: der Christ, falsch bis zur Unschuld, ist weit über dem Affen – in Hinsicht auf Christen wird eine bekannte Herkunfts-Theorie zur bloßen Artigkeit.“ (Nietzsche, Der Antichrist, Kapitel 39). Zoske liegt auch falsch mit seiner Behauptung, Nietzsche sei wesentlich als Protestant zu verstehen. Richtig ist vielmehr: Nietzsche rebellierte gegen ein düsteres deutsches Luthertum. Sein Entwuf vom „Tod Gottes“ als übernatürlicher Person verdankt sich auch Hegel, Schopenhauer und ist den Verhältnissen des deutschen Protestantismus im späten 19. Jahrhundert geschuldet. Sapienti sat!

Uneingeschränkte Anerkennung verdient der Widerstandsforscher Zoske zu guter Letzt für einen bedeutsamen Fund: er entdeckte Gedichte, die Hans Scholl im Jahr 1938 schrieb und die in der Forschung zur Weißen Rose bisher unbeachtet geblieben sind. In einer frühen Lebenskrise verfasste der junge Soldat Scholl auch stark religiös geprägte Gedichte wie „Nachts im Klostergarten“, „Sonnengesang“, „Gott“ und „Dom“. Ein Gedicht, das Zoske in den Beständen des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) München fand, ragt heraus, dreiundreißig mit Hand geschriebene Seiten umfasst der Marienhymnus. Es ist die Suche nach Reinheit, Glanz und Schönheit, wenn Hans Scholl, der am 7. Mai 1938 wegen Verfehlungen (u.a. § 175a StGB) angeklagt wurde, sich nur wenige Tage später an die fürsorgliche Mutter Jesu wendet: „Maria – Königin / du Starke – du tief / in Gott verschmolzne Rose der Höh’ / laß uns dich grüßen / so wie wir dich erahnen / in unsern engen Bahnen (…) Denn du bist ja Kristall / der tausend Glanze sprüht / und immer anders glüht / du thronest hell im Himmelsall (…) Fülle aus göttlichem Strahle / schütte aus ewigen Brunnen / die Glut in unser Gefäß / Flammen und Feuer und Licht / das ewig verbleibt / wenn Wand und Hülle zerbricht.“

Zum Thema: Die Wurzeln der Weißen Rose


21. Januar
Das apostolische Herz

Von P. Wilhelm Eberschweiler

Vierte und letzte Folge

Bis zum Übermaß ist die Erde mit Sünden bedeckt, aber noch größer ist das Verlangen, das darob in Jesu Herz entbrennt, durch sein Leiden ein Meer von Gnaden zu verdienen. Unendlich ist die Schuld, die sich zwischen Gott und den Menschen aufgehäuft hat; aber auch unendlich ist die Begierde, die darob in Jesu Herz entzündet wird, den Schuldbrief am Kreuz mit seinem eigenen Blute zu tilgen. Furchtbar ist der kalte Tod, den die Sünde in die Welt gebracht hat, unwiderstehlich seine Macht, kein Mensch, der ihm sein Opfer entreißt; aber stark wie der Tod ist die Liebe Jesu, und stärker noch sind die Flammen derselben, wie sie in seinem Herzen auflodern, die es mit einem unsäglichen Verlangen erfüllen, den Stachel des Todes durch seinen Tod zu vernichten.

Entsetzlich wüten die Flammen der Hölle, ein Feuermeer, das in Ewigkeit nicht erlischt, aber noch unauslöschlicher ist jenes Feuermeer, das im Herzen Jesu entbrannt ist. Da glüht der Eifer, von dem es im Hohenliede heißt: "Seine Leuchten sind Leuchten von Flammen und Feuer" (Hohel. 8,6). Und wiederum: "Viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen, und ganze Ströme reißen sie nicht mit weg."

Ein Meer von Leiden ist über Jesus hereingebrochen, aber seinen Liebeseifer vermochte es nicht zu löschen. Noch mehr zu leiden war er bereit. Schon war sein Blut in Strömen geflossen, schon war der Kaufpreis hundertfach und noch darüber geboten, schon war zur Übergenüge erfüllt, was der Prophet gesagt: "Bei ihm ist überreiche Erlösung" und noch dürstet ihn. Mich dürstet nach Leiden für die Seelen. Ja, hören wir, was er eines Tages der heiligen Brigitta sagte: "Ich habe dich geschaffen und habe kein Glied an meinem Leibe geschont, habe ein jedes desselben zur Qual hingegeben für dich; aber zu all dem würde ich auch jetzt noch, wenn es geschehen könnte, wiederum eher mich kreuzigen lassen, als die Seelen verlieren; so sehr liebe ich dieselben."

Das Herz Jesu, das Ideal eines seeleneifrigen Herzens

Das Ideal eines seeleneifrigen Herzens ist in Wahrheit das liebeglühende Herz Jesu; darinnen glühte heiß und warm das dreifache Verlangen, von dem wir gesprochen:

a) Jesus liebt die Seelen als Ebenbilder Gottes, als Tempel bestimmt zur Wohnung seines Heiligen Geistes, und der Eifer für dieses sein Haus verzehrt ihn;

b) Jesus schätzt und liebt Tugend und Heiligkeit, die allein die wahre Zierde des Hauses des Herrn sind; und daher sein heißes Verlangen, alle in dieser Zierde glänzen zu sehen. Das Wohlgefallen des Vaters und das Glück der Vereinigung mit ihm geht Jesus über alles, und darum seufzt sein Herz und ruft mächtig empor: Vater, O ich will, daß die, die du mir gegeben, auch da seien, wo ich bin;

c) Jesus haßt und verabscheut endlich nichts so sehr wie die Sünde. Er kennt kein größeres Unglück, als von Gott verworfen zu werden: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet", und daher sein unwiderstehliches Verlangen, die Sünden zu tilgen, das Unglück der ewigen Verwerfung, ja, jeglichen, auch den geringsten Schaden von den Seelen abzuwenden. Wahrlich, voll von Seeleneifer ist das Herz Jesu. Das Verlangen nach unserm Heile ist eine dauernde, tief innewohnende, eigentümliche Gesinnung, eine mächtige, unwiderstehliche Neigung, eine Hauptleidenschaft.

Auch unser Seeleneifer muß so beschaffen sein. Nicht ein Eifer, der abhängig ist von äußeren Verhältnissen, der nur dann auflebt und tätig ist, wenn äußere Wirksamkeit sich bietet, sondern ein Eifer, der im eigenen Inneren wurzelt, der eine Haupttriebfeder unseres Seelenlebens bildet, der große innere Tugend ist und darum jeden Tag und jede Stunde tätig ist, dessen Leben Apostolat ist, ein Leben für anderer Heil. Ein apostolisches Herz schlägt unaufhörlich von Verlangen nach dem Seelenheil. Aus uns selbst besitzen wir nun freilich ein solches Herz nicht, oh, kein einziger nennt es von Natur aus sein eigen; im Gegenteil, aus uns selbst fleischlich gesinnt, lieben wir eher die Erdengüter als die Seelen; aus uns selbst irdisch gesinnt, haben wir für Tugend und Heiligkeit wenig Verständnis und treue Liebe; aus uns selbst blind und leichtsinnig, werden wir wenig berührt von dem, was der Seele Verderben bringt. Gleichgültig, kalt und steinern ist unser Herz in dieser Beziehung. “Cor lapideum”, wie der Heilige Geist sagt (Ezech. 11,19).

Aber es gibt ja jemanden, der verheißen hat, er werde das steinerne Herz hinweg nehmen aus unserer Brust und uns ein neues geben. Noch mehr, er hat sich schon gewürdigt, dieses Wunder der Gnade an uns zu wirken. Er hat uns hinausgeführt aus der Welt oder uns doch ihre Eitelkeit erkennen lassen; er hat voll Erbarmen uns an sich gezogen in seine Nähe durch die Gnade der Kindschaft und die Firmgnade, durch die stets wachsende Liebe, die er eingießt in der heiligen Kommunion in unser Herz. Bei dem wunderbaren Lichte, in welchem wir wandeln (vgl. I. Petr. 2, 9), tritt um so krasser hervor die Finsternis, in der zahllose Seelen begraben sind; bei den Schönheiten, Wonnen und Reichtümern, die wir im göttlichen Herzen schauen und auch schon genießen, wird uns um so klarer die entsetzliche Armut verblendeter Sünder; in der Vereinigung endlich mit diesem Herzen, da entzündet sich unser Herz, da lernt es schlagen von inbrünstigem Verlangen, alle, alle möchten teilteilhaftig werden des Lichtes, der Wonnen, der Reichtümer unseres Herrn und Gottes.

Oh, so halten wir uns doch in der Nähe desjenigen, der nicht nur das Ideal, sondern auch der Schöpfer eines apostolischen Herzens ist! Seien wir stets bemüht, in Vereinigung mit ihm zu leben und in eine immer innigere Gemeinschaft mit ihm zu treten! Und weil das nur in dem Grade geschehen kann, als wir selbst unser Herz reinigen und demütig werden, so seien wir rastlos um Reinheit und Demut bemüht! Dann wird der wahre Eifer immer mehr unser Anteil werden und sich unermüdlich und freudig betätigen im Bereich unserer Berufsarbeiten, dann werden wir reiche Früchte im Weinberge Gottes ernten, und unsere Krone wird einmal doppelt herrlich sein.

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20. Januar
Die Missbrauchssünden und der Mainstream
der deutschen Moraltheologie

P. Engelbert Recktenwald

Vor fünf Jahren begann die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Innerkirchlich wurde er von einigen Kreisen zum Anlass genommen, die katholische Morallehre infrage zu stellen, obwohl sich der Skandal weniger auf dem Boden der Morallehre als vielmehr auf dem ihrer Liberalisierung entwickelt hatte. Der Missbrauchsskandal in Deutschland war nicht eine Krise der römisch-katholischen Morallehre, sondern der Kirche in Deutschland, die diese Lehre aufgeweicht hatte. Um diesen Zusammenhang herauszustellen, schrieb ich für das Vatican-Magazin folgenden Artikel, der in der März-Ausgabe 2010 veröffenticht wurde.

Der Missbrauchsskandal an katholischen Schulen hat einerseits zu einer erfreulichen Aufklärungsoffensive geführt, die hoffentlich zu einer größeren Sensibilität bei allen Verantwortungsträgern beiträgt, um in künftigen Fällen schneller und konsequenter zu reagieren. Möglichen Tätern muss jede Illusion genommen werden, sie könnten unentdeckt bleiben und sich in Sicherheit wiegen. Schon anlässlich des irischen Missbrauchsskandals hatte der bekannte Moraltheologe Vincent Twomey SVD die Inkompetenz mancher Bischöfe beklagt, die sich unter anderem in der Tendenz zeige, sich hinter der Bischofskonferenz zu verstecken, statt energisch die persönliche Verantwortung, die Kardinal Ratzinger schon 1994 angemahnt hatte, wahrzunehmen (Tagespost vom 10. Dezember 2009).

Andererseits hat der Skandal eine neue Diskussion nicht nur über den Zölibat, sondern über die Sexuallehre der Kirche überhaupt entzündet. Ausgerechnet der Jesuit Klaus Mertes, der Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, der die Missbrauchsfälle an seiner Schule an die Öffentlichkeit brachte, verband seine Offensive mit einer pauschalen Kritik an der kirchlichen Sexuallehre. In der Presse wurde das als mutige Selbstkritik bezeichnet. In Wirklichkeit ist es keine Selbstkritik, sondern eine Fortsetzung des publizistischen Kampfes gegen die kirchliche Lehre mit anderen Mitteln. Dieser Kampf wird seit über vierzig Jahren so erfolgreich geführt, dass Theologen, die treu zur kirchlichen Morallehre stehen, an vielen Universitäten kaum eine Chance haben, auf einen Lehrstuhl für Moraltheologie berufen zu werden. Der Mainstream im deutschen Katholizismus zeichnete und zeichnet sich gerade durch eine kritische Distanz zur kirchlichen Morallehre aus, und der Jesuitenorden bildet dabei, wie Alexander Kissler bemerkt hat, vielfach gerade die “Speerspitze des Neuen”. Theologen wie Prof. Giovanni Sala SJ, die fest auf dem Boden der kirchlichen Lehre stehen, sind die große Ausnahme. Nichts spricht dafür, dass die Jesuitenschule in Berlin ebenfalls eine Ausnahme bildet.

Noch nie hat die Kirche eine so ausgewogene, gut begründete und in einer tiefschürfenden Anthropologie verankerte Sexuallehre vorgelegt wie unter Papst Johannes Paul II. in dessen “Theologie des Leibes”, die er unermüdlich immer wieder vortrug und in der er gerade aus der Würde des menschlichen Leibes einen dieser Würde gemäßen Umgang mit der Sexualität ableitet. Doch diese Lehre wurde in Deutschland boykottiert. Sie kam nie an der Basis an, weil sie weder in der Theologie noch in der Verkündigung rezipiert, geschweige denn weitervermittelt wurde.

Wenn man also über die individuellen Gründe des jeweiligen Missbrauchsfalls hinaus einen Zusammenhang sehen will mit der dahinterstehenden Lehre, dann ist sinnvollerweise nicht die Lehre, die der Papst in Rom vorträgt, ins Auge zu fassen, sondern die Lehre, die hier in Deutschland in der Moraltheologie vorherrscht. Und genau einen solchen Zusammenhang sieht der schon erwähnte Vincent Twomey SVD. Was er über den irischen Missbrauchsskandal sagt, gilt erst recht für den deutschen: “Das Problem wurde noch durch eine bestimmte Art von Moraltheologie verschlimmert, die in Abrede stellte, es gebe Handlungen, die in sich (intrinsisch) schlecht seien. Bestenfalls kommt dabei Untätigkeit in moralischer Hinsicht heraus; schlimmstenfalls jedoch ein lasterhaftes Verhalten.”

Diese Art von Moraltheologie wird heute von vielen Theologen vertreten, die im offenen Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen. Sie vertreten die Ansicht, dass es keine in sich schlechten Handlungen gibt. Jede Handlung sei einer möglichen Güterabwägung unterworfen, und bei jeder Handlung sei die Möglichkeit in Rechnung zu stellen, dass es Umstände geben könne, unter denen sie gerechtfertigt sei. Darüber zu urteilen, ob ein solcher Fall vorliegt, liege in der Gewissensentscheidung des Einzelnen. Demgegenüber lehrt die Kirche, dass es einerseits Handlungen gibt, die aufgrund bestimmter Umstände verwerflich sein können, andererseits aber auch Handlungen, die immer und unter allen Umständen verwerflich sind. Diese werden in sich schlecht (intrinsece malum) genannt. Der Clou der dissidenten Moraltheorie besteht gerade darin, die Existenz solcher Handlungen überhaupt zu leugnen. Wenn es keine in sich schlechten Handlungen gibt, dann ist es auch der Kindesmissbrauch nicht. Und dann ist es der Phantasie des Täters überlassen, Umstände und Gründe zu konstruieren, um sich vor seinem eigenen Gewissen zu entlasten und seine Tat zu rechtfertigen.

Natürlich werden die Vertreter jener Moraltheorie das entrüstet zurückweisen und von einem Missbrauch ihrer Theorie sprechen. Außerdem wäre es interessant, ob Twomey tatsächlich einen empirischen Zusammenhang zwischen der Theorie und dem irischen Skandal belegen kann. Aber es kann nicht geleugnet werden, dass mit der Zurückweisung der Lehre vom In-sich-Schlechten der Weg frei gemacht wird, die Güterabwägung auch auf den Missbrauch von Kindern anzuwenden, so wie einige Theologen, etwa die Moraltheologin Sigrid Müller, sie ja auch auf die Tötung von Kindern, nämlich ungeborenen, anwenden. Und es ist kein Zufall, dass es dieselben Theologen sind, wie etwa Hans Küng, die dem Lehramt Rigorismus in Sachen Abtreibung wie auch in Sachen Keuschheit vorwerfen. Doch in beiden Fällen ist dieser angebliche Rigorismus nichts anderes als die Kehrseite der absoluten, keine Ausnahme zulassenden Schutzwürdigkeit der menschlichen Person in Bezug auf Leib und Leben. Es ist widersprüchlich, in der Praxis von der Kirche eine Null-Toleranz-Politik zu fordern, in der Theorie aber eine Aufweichung der Normen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche kann nur wiederhergestellt werden, indem sie von ihren Priestern in dem hier relevanten Bereich die Orthopraxie mit derselben Strenge einfordert wie die Orthodoxie und so Leben und Lehre in Übereinstimmung bringt.

Es gab Theologen, die konnten sich nicht genugtun, gegen Papst Johannes Paul II. wegen seines Festhaltens an der traditionellen Lehre zu polemisieren. 1989 erschien die Kölner Erklärung, in der über 220 Theologen gegen den Papst in einer Weise Stellung bezogen, dass der oben verwendete Ausdruck des “Kampfes” gegen Rom nicht übertrieben erscheint. Vordergründig erschien die Erklärung als Protest gegen verschiedene Bischofsernennungen, tiefergründig richtete sie sich gegen das Lehramt. Anlass war eine Rede vom 12. November 1988, in der der Papst die Lehre von den in sich schlechten Handlungen in aller Deutlichkeit herausstellte. Er nannte sie “einen Zentralpunkt der christlichen Lehre von Gott und Mensch” und führte aus: “Wohl gemerkt, was hier in Frage gestellt wird, wenn man diese Lehre ablehnt, ist der Gedanke der Heiligkeit Gottes selbst. Indem er uns dazu vorausbestimmt hat, heilig und makellos vor ihm zu sein, hat er uns ‘in Christus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die er für uns im voraus bereitet hat’ (Eph 2,10): jene sittlichen Normen sind einfach ein Erfordernis, von dem kein geschichtlicher Umstand dispensieren kann, ein Erfordernis der Heiligkeit Gottes, das sich konkret und keineswegs abstrakt jeder einzelnen menschlichen Person mitteilt.”

Der Mainstream des deutschen Katholizismus dagegen zeichnete sich durch fortschreitende moralische Lockerungsübungen aus, so dass etwa 1987 in einem Roverheft des DPSG Kondome als Bestandteil der Grundausstattung des Pfadfinders empfohlen wurden. “Keuschheit” und “Selbstbeherrschung” wurden zu Fremdwörtern. Priester, die Frauen anmachten, beriefen sich aufs Zweite Vatikanische Konzil, das vieles lockerer sehe als früher. Während die Psychotherapeutin Christa Meves katholisch wurde, weil sie in der kirchlichen Morallehre ein Bollwerk gegen den zerstörerischen Einfluss der sexuellen Revolution erkannte, gab es innerhalb der Kirche viele, die mit der Revolution bis hin zu den Forderungen der Grünen nach einer Legalisierung des Sex mit Kindern liebäugelten oder sie gar in die Kirche hineintragen wollten. So ist es nicht verwunderlich, dass einer der Täter am Canisius-Kolleg von einem Opfer als faszinierender Priester beschrieben wird, der “sehr fortschrittlich dachte” (in der taz vom 3. Februar).

Überspitzt ausgedrückt könnte man sagen: Für die Lockerungsübungen beruft man sich aufs Konzil, wenn es aber schief geht und zum Skandal kommt, ist plötzlich der Papst dran schuld. Ehrliche Selbstkritik sieht anders aus. Sie sollte den Irrweg zugeben, den man mit der Abwendung von der kirchlichen Lehre eingeschlagen hat. Gewiss bietet auch sie keinen absoluten Schutz vor Kindesmissbrauch, denn die beste Lehre beraubt den Menschen nicht der Möglichkeit, von seiner Freiheit einen schändlichen Gebrauch zu machen. Aber wer vom Wert der Keuschheit überzeugt ist, tut sich leichter, diese Tugend auch zu leben. Wer das Ausleben der Sexualität in allen möglichen Spielarten als Menschenrecht ansieht, tut sich schwerer, absolute Grenzen zu respektieren. Die aus Überzeugung verinnerlichte Lehre der Kirche über die Existenz dieser Grenzen im Sinne einer Humanisierung der Sexualität ist allemal ein größerer Schutz vor dem Absturz in schlimme Vergehen als eine Moraltheologie, die diese Grenzen aufweicht, das Lehramt der Kirche infragestellt und die Grenzziehung dem orientierungslos gewordenen und den Launen der öffentlichen Meinung ausgelieferten Gewissen des Einzelnen überlässt.


19. Januar
Notwendiges Abschiednehmen

Es ist undenkbar, dass die Denkweise, die wir für heilig halten, die gesamte Umma (islamische Welt) zu einer Quelle der Angst, der Gefahr, des Tötens und der Zerstörung für den Rest der Welt werden ließe. Unmöglich! Jenes Denken – ich sage bewusst „Denken“ und nicht „Religion“ – jener Korpus an Texten und Ideen, die über die Zeit für so heilig gehalten worden sind, dass ein Abschiednehmen von ihnen fast unmöglich erscheint, bringt die ganze Welt in Aufruhr. Es bringt die ganze Welt in Aufruhr (erg.: gegen uns)!
Ist es möglich, dass 1,6 Milliarden Menschen (gemeint sind die Muslime der Welt) den Rest der Erdenbewohner umbringen wollte – 7 Milliarden – damit sie selbst am Leben bleiben? Unmöglich! Ich spreche diese Worte hier an der Al-Azhar vor dieser Versammlung von Gelehrten und Ulema (Autoritäten der islamischen Rechtswissenschaften) – der allmächtige Allah sei Zeuge Eurer Wahrheit am Tag des Gerichts im Blick auf das, was ich jetzt rede. All das, was ich Ihnen jetzt sage, können Sie nicht fühlen, wenn Sie in jenem Denken verhaftet bleiben. Sie müssen aus sich heraus gehen, um es wahrnehmen zu können und aus einer aufgeklärteren Perspektive zu betrachten.
Ich sage es und wiederhole noch einmal, dass wir eine religiöse Revolution brauchen. Sie, die Imame (religiösen Führer) tragen Verantwortung vor Allah. Die ganze Welt – ich wiederhole – die ganze Welt wartet auf Ihren nächsten Schritt… denn diese Umma wird zerrissen, sie geht verloren – und das durch unsere eigene Hand.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah Al-Sisi in seiner Neujahrsansprache an der Kairoer Al-Azhar Universität, der höchsten Rechtsinstanz des sunnitischen Islams, in der er den islamistischen Terror geißelt und zur Reform des Islams aufruft (Übersetzung aus dem Englischen durch Michele Antaki). Jene, die behaupten, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, fallen diesen Reformbemühungen in den Rücken. Denn wenn der terroristische Dschihad nichts mit dem Islam zu tun hat, braucht sich der Islam nicht zu ändern und Reformen wären überflüssig.


19. Januar
Reform gilt als Ketzerei

Das Problem besteht darin, dass die Auslegungsprinzipien des Korans in den ersten Jahrhunderten festgelegt wurden und seitdem als unhinterfragbar gelten. Das heißt, man kann heute nicht einfach hingehen und die Verse über die rechtliche Benachteiligung der Frau, über die benachteiligte Stellung von Juden und Christen oder die Verse über den Dschihad grundsätzlich für abgeschafft erklären, ohne sich den Vorwurf der Ketzerei zuzuziehen. Und nicht nur das: Die rechtlichen Regelungen aus der Zeit Mohammeds, die nicht sehr umfangreich waren, sind nach Mohammeds Tod von den frühen Juristen bis zum 10. Jahrhundert in Rechtskompendien interpretiert worden und gelten bis heute als verbindliche Auslegungen.

Die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher im Interview Reform gilt als Ketzerei mit der Oliver Maksan, Tagespost vom 15. Januar 2015.

Weitere Stellungnahmen zum Islam


19. Januar
Diego Laynez

Vor 450 Jahren, am 19. Januar 1565, starb in Rom im Alter von 53 Jahren Diego Laynez SJ, der direkte Nachfolger des hl. Ignatius von Loyola als General der Gesellschaft Jesu.


16. Januar
Gender Mainstreaming XLVII

Vom einstigen Geist der Frauenemanzipation ist nicht mehr viel übrig geblieben. Was früher eine Volksbewegung war – also eine Bewegung hauptsächlich der Bürgerinnen –, ist heute zur Staatsdoktrin geworden. Der Staatsfeminismus, der scheinbar dem Motto nachlebt, dass alles Gute von oben kommt, eröffnet ein weites Feld für Interventionen. Der Staat sucht unentwegt nach neuen Missständen – zu Amtsdeutsch: Handlungsbedarf –, um immer weiter regulieren zu können. Die individuelle Eigenverantwortung, welche am Anfang der Aufklärung und damit auch der Frauenbewegung stand, ist dem gönnerhaften Staatsfeminismus fremd.

Aus: Claudia Wirz, Die Gender-Doktrin: Bitte keine Zwangsbeglückung, NZZ vom 2. Januar 2015

Weitere Infos über GM


14. Januar
Gute und böse Islamophobie

Mir scheint, dass die Ereignisse der letzten Zeit uns lehren, eine gute und eine böse Islamophobie zu unterscheiden. Die gute Islamophobie besteht in der Verhöhnung des Islams durch Karikaturen, wie sie Charlie Hebdo praktiziert hat. Böse Islamophobie liegt dann vor, wenn Christen eine schleichende Islamisierung Europas befürchten. Die gute Islamophobie ist gut, weil sie von links kommt und alle Religionen verächtlich macht. Die böse Islamophobie ist böse, weil sie einen Unterschied zwischen den Religionen macht. Tolerant ist, wer alle Religionen für falsch hält. Intolerant ist, wer alle Religionen außer einer für falsch hält.

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