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* * *

22. April
Christentum ist Obskurantismus

Vor wenigen Wochen schickte die belgische Abgeordnete Véronique de Keyser eine E-Mail, die pro vorliegt, an alle Abgeordneten und deren Assistenten. De Keyser wettert darin gegen die Äußerung dreier Abgeordneter. Diese hatten zu sagen gewagt, dass christliche Werte die Wurzeln der Europäischen Union und ihrer Gründerväter seien. De Keyser forderte, dieser “Obskurantismus” müsse bekämpft werden: “Das ist nicht Europa! Europa ist eins der Aufklärung, ein Europa des freien Denkens, ein Europa der Trennung von Staat und Kirche.” Auf Anfrage von pro bestätigte de Keyser die E-Mail. Sie wollte sich “aus Zeitgründen’ aber nicht dazu äußern, ob sie grundsätzlich der Meinung sei, Politiker sollten sich nicht mehr auf christliche Werte berufen dürfen.

Aus dem Artikel Kampf der Ideologen von Nicolai Franz über die Auseinandersetzung über den Estrela-Bericht im EU-Parlament, in: pro-medienmagazin, 2/2014, S. 25. De Keyser gehört der Parti Socialiste (PS) an und ist seit 2001 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Der nächste Beitrag auf kath-info ist für den 26. April geplant


22. April
August Czartoryski

Vor zehn Jahren, am 25. August 2004, wurde August Czartoryski (1858-1893), seliggesprochen.


22. April
Jean Bayer

Vor 100 Jahren, am 26. April 1914, wurde in Gent der Kanonist Jean Bayer SJ geboren. Er wirkte als Berater bei der Reform des Codex Iuris Canonici (CIC) mit und war von 1984 bis 1996 Berater des Päpstlichen Rats für die Interpretation von Gesetzestexten. Am 22. Februar 2002 starb er in Drongen.


21. April
Zum 32. Mal

“Auch dieses Jahr werden sich wieder zwischen 10'000 und 15'000 Pilger aus verschiedenen Ländern zu Fuß auf den gut 100 km langen Weg zum Marienwallfahrtsort Chartres, zum Schleier der Muttergottes, machen. Das Thema der diesjährigen Wallfahrt ist: ‘Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde – Gott, unser Schöpfer und unser Vater’.”

Zum 32. Mal findet in diesem Jahr die traditionelle Fußwallfahrt an Pfingsten von Paris nach Chartres statt, also vom 7. bis 9. Juni. Alle nötigen Infos finden Sie auf dieser Website. Ein "Muss" für jeden Freund einer Erneuerung der Kirche, die diesen Namen verdient.


21. April
Ludwig IX.

Vor 800 Jahren, am 25. April 1214, wurde in Poissy der hl. Ludwig IX. geboren. 1226 wurde er in Reims vom Bischof zum König gesalbt und gekrönt. Mit 21 Jahren übernahm er die Regierung. Er starb 1270 und wurde 1297 heiliggesprochen.


21. April
Giovanni Pusineri

Vor 50 Jahren, am 24. April 1964, starb in Stresa im Alter von 78 Jahren der Philosoph und Theologe Giovanni Pusineri. Er war ein Anhänger der Lehre des sel. Antonio Rosmini (1797-1855).


21. April
Benedetto Menni

Vor 100 Jahren, am 24. April 1914, starb in Dinan im Alter von 73 Jahren der aus Mailand stammende hl. Benedikt Menni OH. 1860 trat er in den Orden der Barmherzigen Brüder vom hl. Johannes von Gott ein. Pius IX. beauftragte ihn 1867 mit der Erneuerung des Ordens in Spanien und Portugal. 1985 wurde er selig-, 1999 heiliggesprochen.


20. April
Theresa von Avila

Vor 400 Jahren, am 24. April 1614, wurde die spanische Mystikerin Theresa von Avila (1515-1582) von Paul V. (1605-1621) seliggesprochen. Die Heiligsprechung folgte 1622.


20. April
Dietrich II. von Moers

Vor 600 Jahren, am 24. April 1414, wurde in Bonn Dietrich II. von Moers (um 1385-1463) zum Erzbischof von Köln gewählt. Er wirkte mehr als politischer Herrscher denn als geistlicher Hirte und bietet ein Beispiel für den immer wieder auftretenden Entweltlichungsbedarf der Kirche.


20. April
Hermann Joseph Schmitt

Vor 50 Jahren, am 23. April 1964, starb in Köln im Alter von 67 Jahren der Priester und Zentrumspolitiker Dr. Hermann Joseph Schmitt. Unter der NS-Herrschaft hatte er Kontakte zum Kreisauer Kreis und befürwortete den Tyrannenmord. 1944 kam er deshalb ins KZ Dachau.


20. April
Johanna von Valois

Vor 550 Jahren, am 23. April 1464, wurde in Nogent-le-Roi die hl. Johanna von Valois als zweite Tochter Ludwigs XI. von Frankreich und seiner Frau Charlotte von Savoyen geboren. Sie gründete 1501 in Bourges den Orden der Annuntiantinnen und starb am 4. Februar 1505. 1743 wurde sie selig-, 1950 heiliggesprochen.


19. April
Monatsranking: Die Top 12 im März

Aufsteiger des Monats ist die Seite mit den Beiträgen von Dr. Bordat und mir über das Fasten.
Zur Rankingseite


19. April
Gedächtnisstätte

Vor 50 Jahren, am 21. April 1964, weihte Bischof Adolf Bolte von Fulda in der Krypta der Bonifatius-Kapelle die Gedächtnisstätte ein zum Gedächtnis an die Opfer aus der katholischen Männerwelt, die in den Jahren 1933 bis 1945 während der NS-Herrschaft ihr Leben lassen mußten.

Zum Thema Kirche und Nationalsozialismus


19. April
Jean-Édouard Lamy

Vor 100 Jahren, am 20. April 1914, gründete der französische Mystiker Jean-Édouard Lamy in Pailly auf Geheiß der Muttergottes in einem alten Forsthaus die Kapelle Unseren Lieben Frau vom Wald (Notre Dame de Bois). Die Wallfahrt besteht heute noch und feiert ihr Hundertjähriges am 1. Juni.


18. April
Clemens V.

Vor 700 Jahren, am 20. April 1314, starb in Roquemaure Papst Clemens V. Am 5. Juni 1305 war er zum Papst gewählt worden. Er verlegte die Residenz nach Frankreich und wurde der erste Avignon-Papst. Unter ihm das Papsttum zu einer Marionette des französischen Königs und verweltlichte in skandalöser Weise, weshalb ihn Dante in seiner Göttlichen Komödie in die Hölle versetzte. Heutige Reformer können von ihm lernen, wie Verweltlichung die Kirche korrumpiert, Entweltlichung sie erneuert. Auf der positiven Liste steht seine Unterstützung der chinesischen Mission, die Ernennung Montecorvinos zum Erzbischof von Peking.


18. April
Klein-Theresien-Karmel

Vor 50 Jahren, am 19. April 1964, wurde in Rankweil, Vorarlberg, von Bischof Bruno Wechner der Klein-Theresien-Karmel eingeweiht, nachdem Bischof Paulus Rusch am 22. Januar 1960 die Erlaubnis zur Gründung des Klosters gegeben hatte.


18. April
Marie-Eustelle Harpain

Vor 200 Jahren, am 19. April 1814, wurde in St-Pallais, im westfranzösischen Départment Charente-Maritime, Diözese La Rochelle, die Mystikerin Marie-Eustelle Harpain geboren. Mit fünfzehn Jahren bekehrte sie sich zu einer konsequenten Nachfolge Jesu. Wegen ihrer innigen Verehrung des Allerheiligsten wurde sie der “Engel der Eucharistie” genannt. Täglich hielt sie zwei bis drei Stunden eucharistische Anbetung; sie wurde mit Schauungen über das Geheimnis der Eucharistie beschenkt. Sie starb am 29. Juni 1842. Ihre Schriften inspirierten den hl. Julian Eymard (1811-1868). 1921 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet.


17. April
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Zweiter Teil

Tatsächlich gestaltete sich die brandenburgisch-preussische Kirchenpolitik im einzelnen nach der Verschiedenheit der Territorien sehr verschieden. Rücksichten der innern und der äußern Politik, wirtschaftliche, militärische und fiscalische Erwägungen wirkten darauf ein. „Hier gänzliche Ignorierung der römischen Kirche als Corporation, dort staatliche Beschützung und Unterstützung selbst gegen gerechte Ansprüche der Protestanten; hier Verbot, dort Anerkennung bischöflicher Gerichtsbarkeit; hier Untersagung des öffentlichen Gottesdienstes, dort engere oder weitere Duldung; hier Festhaltung eines Normaljahres, dort freieste kirchliche Freizügigkeit; hier Aufrechterhaltung, dort Durchbrechung des Pfarrzwanges; hier Ausweisung, dort Zulassung der Jesuiten.“ So kennzeichnet Lehmann (Preußen und die katholische Kirche seit 1640, nach den Akten des Geheimen Staatsarchivs, 6 Teile, 1878 bis 1893) die Religionspolitik des Großen Kurfürsten, und diese Kennzeichnung trifft mehr oder minder bei allen brandenburgisch-preußischen Kurfürsten sowie bei den ersten Königen zu.

Gleichzeitig macht aber überall der entschieden staatskirchliche Zug der brandenburgisch-preußischen Kirchenpolitik sich geltend, sowie das Bestreben, protestantische Auffassungen in die Behandlung katholisch-kirchlicher Angelegenheiten hineinzutragen. Insbesondere nahmen sämtliche Regenten bis auf Friedrich II., diesen eingeschlossen, den landesherrlichen Summepiskopat gegenüber der katholischen Kirche ebenso wie gegenüber der eigenen Religionsgemeinschaft in Anspruch. Die kirchliche und geistliche Jurisdiktion der Bischöfe wurde vielfach angefochten, was namentlich in den Ländern der jülich-clevischen Erbschaft zu langwierigen Verwicklungen führte. Immer wieder wurden die Bemühungen, ein königlich-geistliches Generalvikariat zu errichten, neu aufgenommen. Die Idee, welche dieser Einrichtung zu Grunde lag, präzisierte der Geheime Rat Plotho in einer Denkschrift dahin: in doctrinalibus könne der Recurs an den Papst nicht verweigert werden; dagegen sei es gefährlich, den auswärtigen, geistlichen Prälaten oder dem Papste in ecclesasticis einige Jurisdiction zuzugestehen; das beste sei vielmehr, „wann ein jeder evangelischer Herr in seinen Landen jemanden aus denen unter seiner Hoheit befindlichen Prälaten unter gewissen Conditionen und sonderlich sub promissione fidelitatis zum Vicario in spiritualibus bestellete.“

Bis zu der i.J. 1740 erfolgten Eroberung Schlesiens war die Zahl der katholischen Bewohner des preußischen Staates eine verhältnismäßig geringe, und die katholische Kirche bildete in den alten brandenburgisch-preußischen Landen keinen einheitlichen, geschlossenen Organismus. Durch die Einverleibung Schlesiens wurde die Zahl der Katholiken um das Achtfache vermehrt und zuerst ein katholischer Bischof preußischer Untertan. König Friedrich II. führte nichtsdestoweniger die staatskirchlichen Traditionen fort, wenn auch wieder realpolitische Rücksichten vielfach mildernd und abschwächend einwirkten. Die landläufige Auffassung von der weitgehenden Toleranz dieses hervorragenden Königs gegenüber den Katholiken ist lediglich insoweit berechtigt, als Friedrich II. die Gewissensfreiheit in protestantischem Sinne: die Freiheit der persönlichen religiösen Stellung, auch für seine katholischen Untertanen gewährt wissen wollte (“Hier muss ein jeder nach seiner Facon selig werden“) und es an wohlwollendem Entgegenkommen in manchen Einzelfragen nicht fehlen ließ; dagegen erkannte er die katholische Kirche in ihrer Verfassung und öffentlichen Rechtsstellung nicht an, war vielmehr eifrig darauf aus, dieselbe der sogen. Staatsraison unbedingt dienstbar zu machen. Trotz der in den Friedensverträgen mit Oesterreich verbürgten Aufrechterhaltung des status quo ante für die katholische Kirche in Schlesien wurde ihr gegenüber der protestantische Summepiskopat im weitesten Umfange in Anwendung gebracht; Verfassung, Disziplin und Jurisdiction der Kirche sollten gleicherweise staatlicher Einwirkung unterliegen. Mit erneutem Eifer ging der König an die Errichtung eines königlich preußischen Generalvikariates heran, und zwar trat dabei die Absicht, die Verbindung der katholischen Kirche Preußens mit dem Apostolischen Stuhle zu lösen, deutlich hervor. Die Forderung des Papstes bei den bezüglichen Verhandlungen: die pflichtmäßige Unterwerfung des Generalvikars wie der ihm anvertrauten Katholiken unter den Heiligen Stuhl, den Mittelpunkt der Einheit, müsse anerkannt werden, wurde in dem Entwurfe des Staatskanzlers Cocceji an den Cardinal Fleury als „Untergrabung der Fundamente der königlichen Souveränität in spiritualibus“ bezeichnet. Das Projekt scheiterte endgültig an dem Widerstande des Apostolischen Stuhles.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


16. April
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

25. Folge

Wird nun zu dem Gesagten noch hinzugefügt, daß die Väter von Trient die Freiheit, obwohl sie dieselbe als sehr geschwächt darstellen, doch dem gefallenen Menschen noch beilegen [44] und deshalb lehren, daß nicht alles religiös-sittliche Tun desselben notwendig Sünde, wenn gleichwohl auch nie aus sich und durch sich gottgefällig und irgend vollkommen sei [45], so haben wir alles und zwar in der symbolischen Form mitgeteilt, was streng als Kirchenlehre festzuhalten ist. Daß übrigens auch der gefallene Mensch noch Träger des Bildes Gottes sei (§. 1.), ergibt sich aus dem Gesagten von selbst [46].

[44] Concil. Trident. sess, VI. c. V. Si quis liberum hominis arbitrium post Adae peccatum amissum et extinctum esse dixerit, aut rem de solo titulo, imo titulum sine re, figmentum denique a satana invectum in ecclesiam, a. s. Cap. I. Primum declarat sancta Synodus, ad justificationis doctrinam probe et sincere intelligendam, oportere, ut unusquisque agnoscat, et fateatur, quod cum omnes homines in praevaricatione Adae innocentiam perdidissent, facti immundi, et, ut Apostolus inquit, natura filii irae, ... usque adeo servi erant peccati, et sub potestate diaboli ac mortis, ut non modo gentes per vim naturae, sed ne Judaei quidem per ipsam etiam litteramlegis Moysis inde liberari, aut surgere possent, tametsi in eis liberum arbitrium minime extinctum esset, viribus scilicet attenuatum et inclinatum.

[45] L. c. VII. Si quis dixerit opera omnia, quae ante justificationem fiunt, quacunque ratione facta sint, vere esse peccata, vel odium Dei mereri, a. s.

[46] Bellarmin, de gratia primi hom, c. II. Imago ad naturam, similitudo ad virtutes pertinet; proinde Adam peccando non imaginem Dei, sed similitudinem perdidit.

wird fortgesetzt


15. April
Exegetische Dialogverweigerung

Von P. Franz Prosinger

Nach Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur vom 7. April 2014 bleiben die Verfasser der vier Evangelien anonym. Dagegen wurde im Jahr 1994 das Werk von Hans-Joachim Schulz, Die apostolische Herkunft der Evangelien, im Herder-Verlag unter den Quaestiones disputatae veröffentlicht. Rudolf Schnackenburg bemerkte im Vorwort zu dieser Veröffentlichung, daß diese Arbeit von Schulz etwas aus der Reihe falle, da ansonsten die Arbeiten „in einer progressiven, zu neuen Erkenntnissen vorstoßenden Weise“ behandelt werden. Schnackenburg hat sich, obwohl nach eigener Aussage selbst der „historisch-kritischen Methode“ verpflichtet, gegen den Widerstand seiner Kollegen für die Veröffentlichung der Arbeit von Schulz eingesetzt „aus Gründen der Fairneß, aber auch aufgrund des Gewichts der beigebrachten Argumente“. Abschließend bemerkt er: „In einer Quaestio disputata kann auch einmal mit verkehrter Frontstellung gekämpft werden. Nur aus einem engagierten Pro und Contra kann sich in der Theologie manches bewegen. So hoffe ich, daß diese Quaestio disptutata das Gespräch befruchtet“. Diese Hoffnung ging offensichtlich nicht in Erfüllung.

Schulz geht als Historiker, als Fachmann für Patrologie und Liturgiegeschichte, der frühkirchlichen Überlieferung nach, beginnend mit dem Zeugnis des Apostelschülers Papias, der nicht nur den Apostel Johannes seit den 80er Jahren persönlich gehört hat, sondern auch die Überlieferung der anderen Apostel bei den Apostelschülern nachforschte. Die von Eusebius und Irenäus überlieferten Fragmente des Zeugnisses von Papias untersucht Schulz eingehend und kann deren Glaubwürdigkeit überzeugend begründen. Ausführlicher und von Papias unabhängig bezeugt Irenäus die Verfasserschaft der Evangelisten, gestützt auf das Zeugnis des Apostelschülers Polykarp, der schon im Jahr 69/70 getauft worden ist, lange vor dem Tod des Apostels Johannes (nach Hieronymus im Jahr 98 n. Chr.).

In seinem Markuskommentar schreibt Klemens Stock „Beginnend mit Papias... erachtet die kirchliche Überlieferung einmütig Markus als Autor dieses Evangeliums. Er wird identifiziert mit jenem Markus genannten Johannes (Apg 12, 12), dessen Mutter ein Haus in Jerusalem besaß. In diesem Haus versammelte sich die christliche Gemeinde, und in dieses Haus begab sich Petrus nach seiner Befreiung aus dem Kerker (Apg 12, 12-17)... Es zeigen sich keine starken Argumente gegen die Gültigkeit dieser alten Überlieferung“ (Vangelo secondo Marco, Padua 22005, S. 5). Zu diesem äußeren Zeugnis kommt dann vor allem das innere: die ganz besondere Handschrift des jeweiligen Evangelisten, der eine Gesichtspunkt, die durchgehenden Linien z. B. bei Markus vom Titel „Evangelium von Jesus, dem Christus, dem Sohn Gottes“ (1, 1) über das Zeugnis des Petrus „Du bist der Christus“ (8, 29) bis zum Zeugnis des Hauptmanns: „Wahrhaftig, dieser Mensch war der Sohn Gottes“ (15, 39) – wobei das „war“ durch die Auferstehung korrigiert wird (16, 6). Dabei geht die Klärung der Identität Jesu Hand in Hand mit dem seit dem ersten Kapitel eingeleiteten Weg in die Hingabe des Menschensohnes in den freiwilligen Sühnetod am Kreuz: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele“ (Mk 10, 45). Alexander Weihs hat in einem 800-seitigen Werk eindrucksvoll nachgewiesen, daß die gesamte Struktur des Markusevangeliums auf dieser fortschreitenden Linie gründet (Die Deutung des Todes Jesu im Markusevangelium, Würzburg 2003).

Die einheitliche Handschrift der vier Evangelisten wurde schon früh mit den vier Gesichtern der Ezechielvision (1, 4-28) verbunden. Jeder Evangelist hat seinen Gesichtspunkt, bei Lukas zum Beispiel der persönliche Blick des Arztes und der besondere theologische Blick auf den Tempel im lukanischen Gesamtwerk. - Ein Teamwork in „vier verschiedenen Gemeinden“ - so die KNA-Meldung - trägt eine andere Handschrift: vergleichbar einem Kamel, das nach dem bekannten Bonmot ein in einer Kommission entstandenes Pferd ist.

Man könnte noch lange über den besonderen Charakter der jeweiligen Autoren der vier Evangelien schreiben. Abschließend soll hier nur mit großem Bedauern festgestellt werden, daß im Bereich der deutschen Bischofskonferenz nach wie vor Veröffentlichungen gefördert werden, die sich einer argumentativen Auseinandersetzung, dem vielgepriesenen Dialog entziehen und an progressiv-ideologischen Positionen der 70er Jahre stur-konservativ festhalten. Nach wie vor steht in Einleitung der von den deutschsprachigen Bischofskonferenzen approbierten Einheitsbibel der skandalöse Satz, daß die Entstehung der Evangelien nach dem Jahr 70 anzusetzen seien, da die Zerstörung von Jerusalem als ein Vaticinium ex eventu angesehen wird, wonach also die „Evangelisten“ Jesus eine Prophezeiung nachträglich in den Mund gelegt hätten. Nach wie vor veröffentlicht das Stuttgarter Bibelwerk in seiner Zeitschrift „Welt und Umwelt der Bibel“ Hypothesen, wonach „in der Akzeptanz der Texte in der Gesamtkirche später die Apostelnamen hinzukamen“ und die KNA veröffentlicht dies als neuste Meldung mit der Überschrift „Verfasser der vier Evangelien bleiben anonym“.

Ein weiterer Artikel Prosingers: Verteidigung Papst Benedikts gegen den Exegeten Stefan Schreiber


14. April
Neuerscheinung: Die Messe - Dein Leben

P. Andreas Lauer von der Priesterbruderschaft St. Petrus hat eine hervorragende Hör-CD über die hl. Messe herausgegeben. Es handelt sich um die Digitalisierung einer LP des Herder-Verlags aus dem Jahr 1959. Die CD erschließt uns das Wesen und den Aufbau der hl. Messe. Was man oft tut, gerät in Gefahr, in seinem Wert verkannt zu werden. Diese CD lässt den Wert der hl. Messe durch ein tieferes Verständnis wieder neu aufleuchten und stellt deshalb eine große Hilfe dar, in Zukunft mit größerem geistlichen Gewinn an der hl. Messe teilzunehmen.

Gegen eine geringe freiwillige Spende kann sie bei mir bestellt werden.

Die Messe - Dein Leben

Sprecher:
M. Schardi und H. Schmidt

Choralgesänge:
Chor der Mönche der Benediktiner Erzabtei St. Martin Beuron unter der Leitung von Pater Dr. Maurus Pfaff

Chor:
Palästrina-Kreis unter Leitung von Franz Clausing

Orgel:
Josef Lindemann, Altenberg


14. April
“Comeback der Abtreibungsgegner”

Vor drei Jahren, am 14. April 2011, blamierte sich die ARD mit einer Sendung, in der auf unfaire Weise jene kritisiert wurden, die sich für die Unantastbarkeit der menschlichen Würde einsetzen und Frauen in Not helfen.


13. April
Es geht um die heilige Messe!

Ein zentraler Klärungsbedarf

Von P. Franz Prosinger

“Uneins in Ziel und Zentrum”, so könnte man die Lage der Kirche – zumindest im deutschsprachigen Raum - beschreiben. Um es vorwegzunehmen: dies soll keine Anklage sein, da man nach über 40 Jahren der Verunsicherung und Verwirrung hinsichtlich der Stiftung des Herrn im Abendmahlssaal zwischen Opfern und Tätern kaum mehr unterscheiden kann. Aber eine Klage soll es sein, denn es geht nach den Aussagen des Katechismus und der Dokumente des letzten Konzils um die Quelle und den Höhepunkt allen christlichen Lebens (KKK 1324; LG 11).

Anlaß dieser Klage ist Helmut Hopings Buchbesprechung Eucharistie. Liturgische Feier und theologische Erschließung (Regensburg 2013), verfaßt vom Würzburger Liturgieprofessor Martin Stuflesser (Tagespost vom 26. Oktober 2013, S. 12). Die Buchbesprechung ist sachlich, sine ira et studio, und von wissenschaftlicher Seite ist dem nichts hinzuzufügen. Hoping korrigiert die Aussage Stuflessers, wonach „die Eucharistie nur und ausschließlich deshalb ein Opfer (sei), weil in der Feier der Eucharistie das Gedächtnis des einmaligen Opfers Jesu – seine Selbsthingabe – gefeiert wird“. An den Gebeten nach der Konsekration, in denen das Brot des Lebens und der Kelch des Heiles, der Leib und das Blut Christi, dargebracht werden, nimmt Anstoß. Auch meint er, die Konsekration befinde sich zu Unrecht im Zentrum der eucharistischen Hochgebete.

Die Auseinandersetzung ist nicht neu. Die Konstrukteure der Liturgiereform von 1970 haben im zweiten Hochgebet, das der Anaphora der „Traditio Apostolica“ nachgestaltet ist – wie Hoping mit Recht vorsichtig formuliert -, die Bezeichnung „oblatio ecclesiae“ weggelassen und wollten auch das „offerimus“ streichen, worauf aber Papst Paul VI. bestand und so das dogmatische Minimum der Meßopferlehre des Konzils von Trient wahrte (cf. P. Cantoni, Novus Ordo Missae e fede catolica, Quadrivium, Genova 1988; jetzt auch im Internet). Zur Erinnerung: Während Luther eine bloße Gedächtnisfeier des Opfers Christi am Kreuz akzeptieren kann, ist ihm die Vorstellung, daß die Kirche dieses Opfer immer neu darbringt, ein papistischer Greuel, eine Anmaßung des Menschen, am Werk der Erlösung mitwirken zu wollen; und nach dem Heidelberger Katechismus der Reformierten gilt: „Und ist also die Meß im Grund nichts anderes denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei“ (Frage 80). Dagegen verurteilt das Konzil von Trient die Auffassung von Eucharistie als nuda commemoratio sacrificii in cruce peracti (DS 1753 – und trifft damit genau die oben zitierte Aussage Stuflesser), lehrt aber durchaus, daß es sich auch um die Vergegenwärtigung des Gedächtnisses des einmal am Kreuz blutig dargebrachten Opfers handelt, so daß das von der Kirche immer neu dargebrachte Opfer kein eigenständiges, sondern auf das einmalige Opfer Christi rückbezogenes ist (DS 1740). Dies wiederholt auch der Katechismus der Katholischen Kirche in den Nummern 1323 und 1330: das einmalige blutige Opfer Christi am Kreuz ist der Kirche im Sakrament des geopferten Leibes und des vergossenen Blutes zur Darbringung anvertraut, als „oblatio ecclesiae“, als die Opfergabe, in der die Kirche das Opfer Christi und darin eingeschlossen das Opfer ihrer selbst darbringt.

Soweit sollte die Lehre der Kirche klar sein. Dennoch besteht dringender Klärungsbedarf. Im Frühjahr 1977 erklärten 180 Priester der Aktionsgemeinschaft der Diözese Rottenburg, sie hätten eine Opfertheorie aufgegeben, nach der das Opfer Christi immer neu dargebracht werden müßte. Die Erklärung zielte auf die gemeinsame Eucharistiefeier mit den Lutheranern. Die vielen Priester, Professoren und Pfarrer, blieben offensichtlich in Amt und Würden, soweit sie nicht – wie so viele damals – von sich aus den Priesterberuf aufgaben.

Wie das Buch von Stuflesser zeigt, bleibt die Auseinandersetzung auch 40 Jahre später aktuell. Als Beispiel fortwährender Verunsicherung sei die deutschsprachige Ausgabe des Youcat, eine Zusammenfassung des Katechismus der Katholischen Kirche für Jugendliche, angeführt. Während es im Katechismus heißt, „welche Namen diesem Sakrament gegeben werden können“ (Nr. 1328 – wobei die sich anschließenden weitschweifigen Ausführungen nur mühsam das eigentliche Zentrum erschließen lassen), heißt es im Youcat an der entsprechenden Stelle, welche Namen diesem Mahl gegeben werden können. So entsteht der Eindruck, als wäre der Mahlcharakter der wesentliche und die übrigen Aspekte beigefügt. Dagegen stehen die Ausführungen Ratzingers zum Geist der Liturgie, wonach weder der äußeren Form, noch dem wesentlichen Inhalt nach von einem Mahl gesprochen werden könne. Tatsächlich steht in Mk 14, 12 das Essen des Pascha dem Schlachten des Pascha nachgeordnet, wobei das Essen des geopferten Fleisches die Kommunion im Opfer bedeutet und keineswegs ein bloßes Mahl.

Hier geht es nicht um Detailfragen von Exegese und Theologie, sondern um „Herz und Gipfelpunkt des Lebens der Kirche“ (KKK 1407). In der Darbringung und im Einswerden mit dem geopferten Leib Christi wird die Kirche, was sie ist: Christi Leib. Es ist ihr Selbstvollzug, das eigentliche Geheimnis ihrer Existenz. Mit Ratzinger und seinem Schülerkreis kann man hier von einer „eucharistischen Ekklesiologie“ sprechen, und schon im Titel der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia ist dies auch lehramtlich gesichert. Aber offensichtlich genügt es nicht, sich die diese Auffassung der Kirche zusammensuchen zu können. Solange Stuflesser mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem römischen Kanon und der Meßopferlehre des Konzils von Trient in Würzburg Priesteramtskandidaten ausbilden und sein praktisches Handbuch zur Eucharistiefeier im Pustetverlag veröffentlichen kann, besteht ein für das Leben der Kirche zentraler Klärungsbedarf. Hat nicht jeder Priester die Pflicht und das Recht, von der Kirche verbindlich zu erfahren, was er eigentlich vollzieht, wenn er den Stiftungsauftrag Jesu im Abendmahlssaal erfüllen will und soll: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“? Und wie kann die Konzelebration, vor allem diejenige mit dem Bischof und seinem Presbyterium in der „Missa Chrismatis“ Zeichen der Einheit sein, wenn es mit Duldung der kirchlichen Oberen einander entgegengesetzte und sich ausschließende Auffassungen zum Geschehen am Gründonnerstag gibt?


12. April
Lewis bei Oster

Im nach den Inklings benannten Jahrbuch für Literatur und Ästhetik 2013, das kürzlich erschienen ist, findet sich eine über sieben Seiten lange Rezension des Werkes Person und Transsubstantiation: Mensch-Sein, Kirche-Sein und Eucharistie - eine ontologische Zusammenschau, das der kürzlich zum Bischof von Passau ernannte Theologe Stefan Oster verfasst hat. Dem Rezensenten Raimund B. Kern gefällt es, dass Oster den Inkling C. S. Lewis in seinem Werk ausführlich berücksichtigt und ihm ein Kapitel mit dem Titel “Der Erfahrungsweg von C. S. Lewis in den Glauben und im Glauben” widme. Dort gehe er vor allem auf Lewis’ Werke The Four Loves, Über das Lesen von Büchern: Literaturkritik ganz anders und Die Abschaffung des Menschen ein. Ziel der Ausführungen Osters ist es demnach, einen Begriff der personalen Erfahrung als Schlüssel für eine theologische Anthropologie zu etablieren.


12. April
Gerd Klaus Kaltenbrunner

Vor drei Jahren, am 12. April 2011, starb in Lörrach im Alter von 72 Jahren der Schriftsteller und Universalgelehrte Gerd Klaus Kaltenbrunner.


11. April
Joseph Boher Foix

Vor 100 Jahren, am 11. April 1914, wurde der selige Joseph Boher Foix (1887-1936) zum Priester geweiht. Er starb 1936 als Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg in Salas de Pallars zusammen mit sechs Gefährten mit dem Ruf “Viva Cristo Rey!” Am 29. Oktober 2005 wurde er seliggesprochen.


11. April
Sühnopfer

Vor fünf Jahren, am 11. April 2009, machte Erzbischof Robert Zollitsch im Hessischen Rundfunk seine umstrittenen Äußerungen zum Opfercharakter des Todes Jesu.


11. April
Helena Guerra

Vor 100 Jahren, am 11. April 1914, starb in ihrem Geburtsort Lucca im Alter von 78 Jahren die selige Helena Guerra. Sie setzte sich für die Verehrung des Heiligen Geistes ein und gründete die Kongregation der Oblatinnen des Heiligen Geistes. Von Papst Johannes XXIII. wurde sie “Apostel des Heiligen Geistes” genannt und am 26. April 1959 seliggesprochen.


9. April
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer eigenen Seite wurde der Artikel von Franz Prosinger Das soziale Königtum Jesu Christi und die Herrschaft des Kreuzes untergebracht. Es wurde die Seite mit zwei Beiträgen zum Thema Vergebung eingerichtet. Meine Kritik Gut verkauft an einer Wortmeldung von Klaus Mertes habe ich auf der Seite zum Thema Missbrauch untergebracht.


9. April
Friedrich III. von Saarwerden

Vor 600 Jahren, am 9. April 1414, starb in Poppelsdorf im Alter von etwa 66 Jahren Friedrich III. von Saarwerden, seit 1370 Erzbischof von Köln. Unter ihm wurde 1388 in Köln die viertälteste Universität des Römischen Reiches (nach Prag, Wien und Heidelberg) gegründet.


8. April
Gut und böse

In der soeben erschienenen März/April-Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ist von mir der Artikel Gut und böse. Über die Unmöglichkeit ihrer naturalistischen Erklärung erschienen.


8. April
Maria Euthymia Üffing

Vor 100 Jahren, am 8. April 1914, wurde im westfälischen Halverde die selige Maria Euthymia Üffing geboren. Sie trat der Kongregation der Clemensschwestern bei, wurde Krankenschwester und pflegte in Dinslaken während des Zweiten Weltkriegs Kriegsgefangene, von denen sie den Namen “Engel der Liebe” erhielt. Am 9. September 1995 starb sie in Münster, am 7. Oktober 2001 wurde sie seliggesprochen.


7. April
Ein Zeugnis aus Ruanda

Heute vor 20 Jahren, am 7. April 1994, begann in Ruanda der Völkermord an den Tutsi. Ein authentisches und bewegendes Zeugnis des Verzeihens aus der Sicht einer Überlebenden liefert das Buch Aschenblüte.


7. April
Stanley Jaki

Vor fünf Jahren, am 7. April 2009, starb in Madrid der Physiker und Wissenschaftsphilosoph P. Stanley Jaki OSB. Er wurde am 17. August 1924 im ungarischen Györ geboren, empfing 1948 die Priesterweihe und ging 1950 nach Amerika, wo er u.a. beim Nobelpreisträger Victor F. Hess studierte und promovierte und an verschiedenen Universitäten lehrte. Er schrieb Bücher über die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Glaube, über Chesterton, Newman und Pierre Duhem. 1987 erhielt er den hochdotierten Templeton-Preis.


6. April
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Dritte Folge

Es liegt nahe, die Bestimmung der Wahrheit als der äußeren Widerspruchslosigkeit gegen die Kritik retten zu wollen dadurch, daß man unter den anderen Urteilen nicht die beliebigen Vorurteile irgendwelcher Menschen, sondern die Urteile derjenigen Wissenschaften versteht, die für die betreffenden Urteilsgegenstände maßgebend sind. Aber auch diese Bestimmung würde doch nur zur Rechtfertigung einer unberechtigten Sinnverwirrung führen, die allerdings häufig vorkommt. Wie oft sind nicht wahre Urteile bloß deshalb zunächst für falsch erklärt worden, weil sie gewissen, in den betreffenden Wissenschaften für wahr geltenden Urteilen widersprachen, und andere, später als falsch erkannte Urteile zunächst für wahr erklärt worden, weil sie so gut übereinstimmten mit den »gesicherten Ergebnissen der Wissenschaft«. Nichts hat den Fortschritt der Wissenschaften so sehr gehemmt und hemmt ihn noch immer, als die Anwendung dieses falschen Wahrheitskriteriums der »Widerspruchslosigkeit mit anderen Urteilen«. Es liegt in diesen Fällen auch nicht etwa nur eine falsche Anwendung eines an sich richtigen Wahrheitskriteriums vor, die sofort zu einer richtigen und wohl berechtigten werde, wenn man sich eben auf die wirklich »gesicherten Ergebnisse« der bisherigen Wissenschaft beschränke. Denn setzen wir auch voraus, daß diese Ergebnisse wirklich wahre Urteile seien, so ist zwar der Widerspruch, in den ein neues Urteil mit diesen wahren Urteilen tritt, ein hinreichendes Zeichen für die Falschheit des neuen Urteils. Der Widerspruch mit schon vorhandenen, wirklich wahren Urteilen kann also wohl als zureichendes Kriterium für die Abscheidung des Falschen aus der Wissenschaft gebraucht werden. Aber es gilt deshalb nicht das Entsprechende für die Widerspruchslosigkeit. Ein Urteil, das den wahren Urteilen der in Betracht kommenden Wissenschaft nicht widerspricht, ist deshalb noch kein wahres Urteil, sondern kann immer noch ebenso gut falsch sein. Die äußere Widerspruchslosigkeit eines Urteils ist weder identisch mit seiner Wahrheit noch ein hinreichendes Kriterium dafür. Sie ist zwar eine notwendige, aber nicht eine hinreichende Bedingung für seine Wahrheit. Wenn man daher die äußere Widerspruchslosigkeit eines Urteils, vielleicht zusammen mit seiner inneren Widerspruchslosigkeit, zuweilen als seine »formale« Wahrheit bezeichnet hat, so ist dies eine Sinnfälschung des Wahrheitsbegriffes und ein Mißbrauch des Wortes Wahrheit. Wenn man auf Grund erkenntnistheoretischer Überlegungen meint, die Wahrheit in dem eigentlichen und richtigen Sinne könne bei keinem einzigen Urteil vom Menschen wirklich erkannt werden, und wenn man dann doch nicht ganz auf wahre Urteile verzichten möchte, so deutet man gern die Wahrheit in bloße Widerspruchslosigkeit zu anderen Urteilen um. Erkenntnistheoretische Überlegungen haben jedoch bei der Bestimmung des reinen und unverfälschten Sinnes der Wahrheit gar nicht mitzusprechen.

Eine andere Beziehung eines Urteils zu bestimmten Urteilen scheint uns näher an den echten Wahrheitsbegriff heranzubringen, nämlich der Beweis oder die Begründung des Urteils, denn diese hängen so nahe mit der Wahrheit des Urteils zusammen, daß man manchmal im Ernste meint, ein wahres Urteil sei nichts anderes als ein bewiesenes Urteil. Es ist nicht immer nur eine ungeschickte Ausdrucksweise, wenn man zuweilen von jedem Urteil, das den Anspruch erhebt, wahr zu sein, verlangt, daß es bewiesen werden solle. Sondern man meint zuweilen wirklich, daß die Wahrheit eines Urteils nichts anderes sei als seine Bewiesenheit.

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5. April
Eine Stunde Anbetung

Der Heilige Vater möchte mit dem, was er sagt und tut, wirklich zur Substanz vorstoßen, zur lebendigen Begegnung mit Jesus Christus. Er hält jeden Tag eine Stunde Anbetung. Es ist entscheidend, dass der Papst uns darin ein Vorbild ist.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongegration, im Interview mit Markus Reder und Guido Horst, Tagespost vom 29. März 2014, S. 13


5. April
Andreas Schönberger

Vor einem Jahr, am 5. April 2013, starb im Saarland im Alter von 90 Jahren der im Kampf gegen die nachkonziliare Glaubenskrise sehr engagierte Dr. Andreas Schönberger. Vor allem betätigte er sich über viele Jahre als Übersetzer für den FELS und die Una-Voce-Korrespondenz und brachte auf diese Weise dem deutschen Leser die französischen Verhältnisse und Ereignisse näher.


4. April
Spaemanns Psalmenauslegung

Im Februar ist ein unphilosophisches Buch des Philosophen Robert Spaemann erschienen: seine Auslegung der Psalmen 1 bis 51 unter dem Titel Meditationen eines Christen; unphilosophisch, aber dennoch weise und erhellend.


4. April
Georg Kardinal Kopp

Vor 100 Jahren, am 4. April 1914, starb in Troppau im Alter von 76 Jahren der in Duderstadt geborene Kardinal Georg Kopp. 1872 wurde er Generalvikar von Hildesheim, 1881 Bischof von Fulda und 1887 Fürstbischof von Breslau Er setzte sich für eine Überwindung des Kulturkampfes ein und “wurde zum Architekten des darauffolgenden langen kirchenpolitischen Friedens” (Erwin Gatz im LThK, 3. Auflage). Als Mitglied des preußischen Herrenhauses bekämpfte er 1908 das gegen die Polen gerichtete Enteignungsgesetz.


3. April
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

22. Folge

Wie demnach der Ausdruck der göttlichen Erkenntnis ein persönlicher Ausdruck derselben ist, so ist auch der Ausfluß der göttlichen Liebe ein persönlicher Ausfluß dieser Liebe. Wie aber auch das Wort der subsistierende persönliche Repräsentant der göttlichen Weisheit: so ist der Ausfluß der Liebe keine bloße poetische Personifikation, sondern eine wirkliche Person, eine Inhaberin dieser Liebe, die sie nicht nur vorstellt, sondern ebenso gut besitzt wie die beiden übrigen Personen. Und nur deshalb, weil sie diese Liebe auf eine eigentümliche Art besitzt und empfängt, weil sie eben zugleich das Pfand dieser Liebe ist, repräsentiert sie dieselbe auch auf eine vorzügliche Weise, stellt sie dieselbe in sich dar und bringt sie in sich zum Ausdruck; nur deshalb wird sie auch auszeichnend die persönliche (nicht personifizierte, sondern in einer Person dargestellte) Liebe genannt.

Ohne alle Figur würde man freilich besser sagen, die dritte Person in Gott sei die Person der Liebe, d. h. die der Fruchtbarkeit der göttlichen Liebe entsprechende Person. Denn eigentlich ist nicht die Liebe selbst persönlich, d. h. eine Person, da sie ja allen göttlichen Personen gemeinschaftlich ist; nur ihr Ausfluß ist eine Person, und es ist eine Figur, wenn ich die Liebe für ihren Ausfluß setze. Ebenso ist es ein großer Unterschied, ob ich sage, die zweite Person sei das persönliche Wort, oder ob ich sage, sie sei die persönliche Weisheit; denn das Wort ist wirklich eine eigene Person, von dem Sprecher und dem Liebeshauche reell verschieden; die Weisheit hingegen ist es nicht; die Weisheit ist allen Personen gemeinschaftlich, und nur dann ist sie etwas Besonderes, Geschiedenes, für sich Bestehendes, wenn ich sie figürlich für ihren Ausdruck, für das "verbum sapientiae", setze.

Sollte es noch nötig scheinen, zu erklären, warum denn Erkenntnis und Liebe in den Geschöpfen keine Personen bildenden Tätigkeiten sind? Daß sie es wirklich nicht sind, weiß jeder vernünftige Mensch und bedarf keines Beweises. Aber die Gegenüberstellung dieser Tätigkeiten mit den göttlichen kann nicht nur vielfache Mißverständnisse, die hier unterzulaufen pflegen, abschneiden, sondern auch dazu dienen, auf den Charakter der göttlichen Persönlichkeit ein neues Lieht zu werfen.

In unserer Seele sind die Akte der Erkenntnis und Liebe Akzidenzien unserer Substanz und unserer Person. Das geistige Wort und der geistige Hauch der Liebe sind im Grunde reell dasselbe mit den fertigen Akten der Erkenntnis und Liebe, also ebenfalls Akzidenzien unserer Substanz und Person. Um selbst Personen zu sein, müßten sie aber vor allem substantiell sein. Das sind sie nicht, und so können sie auch nur dazu dienen, die Person, der sie angehören, zu vervollkommnen; sie vermitteln derselben das Bewußtsein und den Genuß ihrer selbst, entwickeln sie zur vollen Offenbarung und Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit. Die geschaffene Person bedarf also der innern Produktion zur Vollendung ihrer selbst, während in Gott die erste Person in ihrer Substanz schon die aktuelle Erkenntnis und Liebe ihrer selbst besitzt und daher durch Produktion nur die Fülle ihres Reichtums offenbart, um andere gleiche Personen sich gegenüberzustellen. Die geschaffene Person legt in ihr Wort und ihren Hauch nicht eine substantielle, sondern eine akzidentelle Weisheit und Liebe hinein; darum ist weder ihr Wort noch ihr Hauch auch nur Substanz; die göttliche hingegen legt eine substantiale Weisheit in ihr Wort, eine substantiale Liebe in ihren Hauch, und darum sind beide ihr konsubstantiale und, als von ihr ausgehend, doch von ihr verschiedene Produkte, also Personen.

Wie die geschaffene Person durch ihr äußeres Wort sich nur andern, schon existierenden Personen offenbaren kann: so offenbart sie sich durch ihr inneres Wort auch nur sich selbst, nicht dem Worte, als einem andern. Die erste göttliche Person hingegen, wie sie durch ihr äußeres Wort mit schöpferischer Allmacht die Wesen und Personen ins Dasein setzt, denen sie sich offenbaren will: setzt auch durch eine noch größere Macht in ihrem innern Worte eine andere Person, um nicht so sehr durch dieses Wort sich selbst offenbar zu werden, als vielmehr sich selbst diesem Worte zu offenbaren und mitzuteilen. Gleichwohl ist es wahr, daß die erste göttliche Person in ihrem Gegensatz zu den übrigen, als distinkte Person, als Vater, sich auch nur in und durch die übrigen oder vielmehr in ihrer Beziehung auf diese erkennt. Aber daraus folgt keineswegs, daß die Persönlichkeit des Vaters erst durch sein Wort und seinen Hauch komplettiert werde; denn Komplement einer Person und selbständige Person sein, ist ein Widerspruch. Es folgt bloß, daß die Person des Vaters in wesentlicher Beziehung zur Person des Sohnes und des Heiligen Geistes steht und daher auch nur in dieser Beziehung sich in ihrer eigenen Selbständigkeit und Totalität erkennen kann.

Wird fortgesetzt

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2. April
Nichts mehr wert?

Es ist die Sorge um den Anderen, die den Kranken aufwertet und ihn gerade nicht verzagen lässt. Es geht also um den Ausdruck der Wertschätzung für den Kranken. Das ist der zentrale Gehalt ärztlicher Sorge. Und deswegen sind die Debatten um den assistierten Suizid gefährlich. Denn mit der Befürwortung der ärztlich unterstützten Selbsttötung unterstützt man nur den Eindruck des Patienten, er sei nichts mehr wert.

Dr. Giovanni Maio, Professor für Bioethik und Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Freiburg, im Interview (Unsere Krankenhäuser sind krank) mit Karsten Huhn, in IdeaSpektrum vom 26. März 2014, S. 17.

Zum Thema: Der Todeswunsch aus psychiatrischer Sicht


2. April
Alfons Deissler

Vor 100 Jahren, am 2. April 1914, wurde im badischen Weitenung der Alttestamentler Alfons Deissler geboren. 1939 zum Priester geweiht, absolvierte er 1948 bis 1951 ein Spezialstudium in Paris bei André Robert PSS (1883-1955). Von 1951 bis 1984 lehrte er in Freiburg im Breisgau. Dort starb er am 10. Mai 2005.


1. April
Die konziliare Aufwertung des Wunders

In der soeben erschienenen März/April-Ausgabe von Theologisches findet sich von mir ein Artikel Die konziliare Aufwertung des Wunders, in dem ich zeige, dass seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Leugung der Wundertaten Jesu in schärferem Gegensatz zum katholischen Offenbarungsverständnis steht als vorher.


1. April
Demo für alle

Ein breites Aktionsbündnis zum Schutz der Familie ruft für nächsten Samstag, den 5. April, um 15 Uhr zu einer Demonstration in Stuttgart gegen den baden-württembergischen Bildungsplan auf. Die Demonstration steht unter dem Motto »Elternrecht wahren – gegen Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder per Bildungsplan«.


1. April
The Catholic Encyclopedia

Vor 100 Jahren, im April 1914, wurde mit dem Index-Band, dem 16. Band, die Veröffentlichung der berühmten The Catholic Encyclopedia beendet, die 1907 begonnen worden war. Chef des Herausgeberteams war der im Münsterland geborene Charles George Herbermann (1840-1916).


30. März
Jahresranking: Die Aufsteiger des Jahres 2013

Platz Die Aufsteiger des Jahres 2013
Die Top 25
Welche von den 475 Seiten, die keine Neueinsteiger sind, haben die größten Sprünge nach oben gemacht? Hier sind die Top 25. In der rechten Spalte sind die Plätze angegeben, um welche die jeweilige Seite im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.
gestie-
gene Plätze
1

Urs Keusch: Kein Strom für schlechtes Reden!

309
2

Beiträge zum Islam im Unterschied zum Christentum

291
3

Sel. Charles de Foucauld: Betrachtungen über das Gebet

277
4

Isa Vermehren

246
5

M. J. Scheeben: Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

220
6

Gotteskrise. Wie der Theologe Norbert Scholl sie überwinden will

195
7

Uwe Christian Lay: Unsere Heimat ist im Himmel

185
8

Beiträge über die Familie

179
9

Urs Keusch: «Ich bin nicht zornig, weil ich Gott habe»

176
10

Engelbert Recktenwald: Entweltlichung oder Entewigung?

148
11

Lebensschutzhandbuch

142
12

Max Scheler: Reue und Wiedergeburt

140
13

Michael Fiedrowicz: “Was überall, immer, von allen geglaubt wurde”

139
14 119
15 109
16 107
17 105
18

Rolf Schönberger: Henry Deku

98
18

Urs Keusch: “Alles wird gut werden”

98
20

Eric de Saventhem

96
21 95
22 93
23

Maribor

92
24 90
25

Über Christ in der Gegenwart

89

Jahresranking: Zu den Top 80 und den Newcomers im Jahr 2013


29. März
Das große Gut des Papsttums

Am 12. Februar 1934, dem zwölften Jahrestag der Krönung Papst Pius XI., stellt er die großen Verdienste dieses Papstes in seinem Tagebuch heraus. Er hat soeben Matthäus 16 und Johannes 21 gelesen, zwei Stellen, die die Funktion und den Primat des Petrus behandeln.
"Wie herrlich ging mir der tiefste Sinn und das große Gut des Papsttums auf, besonders an unserem Pius XI. Welch unermeßliche Gnade ist doch von seinem Wirken ausgegangen: Christkönigsfest! - Friedensreich der Gotteskinder - seine gewaltigen Rundschreiben: - Casti connubii - Quadragesimo anno... Katholische Aktion! Belebung der Missionen! - Eine gewaltige Welle des Katholizismus geht unter Pius XI. durch die Welt. Katholische Lebensfülle allein kann sie retten. Wie mächtig steht doch heute wieder der Katholizismus und das Papsttum darin, ruhig und fest als der ragende Fels, der nicht wankt! Gott, Dank für unseren Papst! Gebet weiter für unseren Papst und die Kirche."
Er nahm sich vor, jeden Tag die Messe zu besuchen, die ganze Fastenzeit hindurch. Die Eucharistie bleibt ihm die Quelle, aus der er schöpft und sich stärkt auf dem dürren Weg, der vor ihm liegt, so weit das Auge reicht...

Aus dem sehr empfehlenswerten Buch von René Lejeune, Wie Gold im Feuer geläutert. Karl Leisner 1915-1945, 302 Seiten, Parvis-Verlag 1991. Der Martyrer Karl Leisner (1915-1945) war wegen seines Glaubens über vier Jahre im KZ. 1996 wurde er seliggesprochen.


29 März
Johannes B. Wild

Vor drei Jahren, am 29. März 2011, starb in der Schweiz im Alter von 80 Jahren der aus Frankfurt stammende P. Johannes B. Wild SJ. 1976 war er an der Gründung des Freundeskreises Maria Goretti beteiligt.


28. März
Beleidigte Gesellschaft

Wenn alles modern ist, brauchen wir besonders dringlich das, was älter ist als die Moderne. Der kluge Bischof Dyba meinte einmal, er wünsche nicht, dass die katholische Kirche zu einer der 350 protestantischen Sekten werde. Recht hat der Mann, das sage ich als ehemaliger Protestant. Der Zölibat? Die säkulare Gesellschaft ist beleidigt, wenn ihr banales Heiligtum, die Sexualität, nicht in gebührender Weise verehrt wird.

Der Philosoph Rüdiger Safranski über die katholische Kirche im Interview mit Michael Mann, in credo. Ein Magazin zum Jahr des Glaubens, hg. von Bischof Gregor Maria Hanke und Peter Seewald, S. 80


28. März
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht mein Artikel über die Anna-Verehrung, mein Essay Wir nehmen das Leben zu ernst und die Rezension von Spaemanns Schritten über uns hinaus durch Michael König.


28. März
Karl Prümm

Vor 100 Jahren, am 28. März 1914, wurde in Trier der saarländische Theologe Karl Prümm SJ (1890-1981) zum Priester geweiht. Er hat sich besondere Verdienste um die Überwindung von Bultmanns Entmythologisierungsprogramm erworben.


27. März
Die hierokratische Zweigewaltenlehre

Ein mittelalterliches Problem und seine Aktualität

Eine Buchbesprechung von Sabine Düren

Das Verhältnis von Vater Staat und Mutter Kirche hat in der modernen Zeit schon viele Gemüter erhitzt. Auch im Mittelalter war das Verhältnis von kirchlicher und staatlicher Gewalt nicht immer ganz harmonisch und ausgewogen, das wird dem Leser bereits nach wenigen Seiten der vorliegenden Studie klar. Recktenwald stellt die spätmittelalterliche Zweigewaltenlehre anhand der Zweischwerterlehre dar, die sich auf eine allegorische Deutung von Lk 22,35-38 stützt, und beleuchtet kritisch die vom heutigen Standpunkt aus gesehen überzogenen Ansprüche der damaligen kurialen Seite.

Zwei Teile des Buches führen zum Thema hin: Der erste skizziert die mittelalterliche Entwicklung der Zweigewaltenlehre, der zweite stellt die wichtigsten Dokumente zum Thema vor, wobei Recktenwald den Schwerpunkt auf die propäpstliche Position legt. Im Hauptteil schließlich werden die Motive und Argumente dieser sogenannten kurialen Partei analysiert.

Das erste Kapitel führt den Leser in komprimierter Form in die Problematik ein und weist darauf hin, daß die Zweischwerterlehre zunächst von kaiserlicher Seite aus bemüht wurde, um päpstliche Anspruchssteigerungen zurückzuweisen und die eigene potestas zu sichern. Recktenwald skizziert zwei Traditionslinien, die ab dem 12. Jahrhundert zu beobachten sind, nämlich die theologische und die kanonistische. Die theologische Traditionslinie möchte im Hinblick auf die alles umfassende Heilsordnung die plenitudo potestatis der Kirche zuschreiben; die kanonistische dagegen hält länger an der Gleichgewichtigkeit der beiden Gewalten fest: Das weltliche wie auch das kirchliche Oberhaupt erhalten ihr ,Schwert' von Gott. Doch was ist nun, wenn der weltliche Herrscher seine potestas temporalis mißbraucht? Recktenwald zeigt auf, wie sich die potestas indirecta in temporalibus des Papstes in diesem Fall zu einer potestas directa in temporalibus entwickelte, was letztendlich in der Ansicht kulminierte, der Kaiser habe sein gladius temporalis vom Papst erhalten und dieser habe darum auch das Recht, es ihm wieder aus gegebenem Anlaß zu entziehen. Die Ausformung des ,vicarius-Christi'-Titels für den Papst stärkte schließlich die sogenannte hierokratische Theorie, nach der der Papst rechtmäßiger Besitzer bei der Schwerter ist, dem Kaiser dagegen lediglich die executio gladii temporalis zugestanden wird. Recktenwaids Position wird klar, wenn er aufzeigt, wie Thomas von Aquin in einer Synthese "die berechtigten Anliegen beider Seiten für einen weltgeschichtlichen Augenblick zu einer ausgewogenen Balance" (13) geführt habe: "Nach Thomas ist der Staat eine Gesellschaftsform, die sich aus der Natur des Menschen ergibt und einen natürlichen Zweck verfolgt. Dieser Zweck ist das irdische Glück des Menschen durch ein tugendhaftes Leben. Dem Grundsatz gemäß, daß die Gnade die Natur nicht zerstört, bleibt dieser dem Staat eigentümliche Zweck auch im Neuen Bund bestehen. Doch im Neuen Bund obliegt es den Priestern, die Menschen zu einem übernatürlichen Ziel hinzuführen. Diesem Ziel muß auch das Staatsziel untergeordnet werden. Aus diesem Grund müssen die Könige dem Papst unterworfen sein wie Christus selbst. Wie diese Unterwerfung unter die geistliche Gewalt mit der relativen Eigenständigkeit der zeitlichen Gewalt harmonisierbar ist, läßt Thomas offen. In dieser offen gelassenen Spannung aber liegt der Keim zu jener maßvollen Theorie der potestas indirecta in temporalibus, zu deren reiferen Ausbildung der Weg erst durch den Zusammenbruch der päpstlichen Machtansprüche freigelegt wurde." (14)

Im zweiten Kapitel bietet Recktenwald eine Übersicht über Autoren des 14. Jahrhunderts bezüglich der Auseinandersetzungen zwischen sacerdotium und regnum und deckt in einem konklusierenden dritten Kapitel die Motive und Argumentationsstränge der sogenannten kurialen Partei auf. Recktenwald erläutert anhand der Begriffe ,vicarius Christi' und ,plenitudo potestatis', "wie ein ursprünglich richtig gesehener Sachverhalt, sobald seiner Deutung eine bestimmte Richtung gegeben wird, eine Eigendynamik entfalten kann, die die Behandlung eines Problems immer mehr unter die Herrschaft der eigenen Perspektive reißt, so daß er zum alles beherrschenden und einzig entscheidenden Faktor der Untersuchung wird" (32). Die Bedeutung der beiden Schlüsselbegriffe sei im Laufe der Zeit durch ihre "Offenheit für eine immer mehr ausufernde Deutung von den Hierokraten" (34) immer mehr ausgedehnt worden. Doch die eigentliche Wurzel des hierokratischen Systems macht Recktenwald im ,Augustinismus' aus, jener theologischen Richtung, die "im engen Anschluß an die Gnadenlehre des hl. Augustinus so sehr von der Notwendigkeit der Gnade überzeugt ist, daß ohne sie der Mensch vor Gott zu nichts Gutem fähig ist. Die Verderbnis seiner Natur infolge des Sündenfalls reicht so tief, daß der Mensch selbst zur Wiederherstellung einer rein natürlichen Integrität vollständig auf die Heilung durch die Gnade angewiesen ist. Sünde oder Gnade lautet die Alternative. Ein Zwischenbereich des bloß Natürlichen und Naturrechtlichen existiert nicht" (35). Die Übertragung dieses Augustinismus beobachtet Recktenwald vor allem bei Aegidius Romanus: Nach Aegidius verliere der Mensch durch die Sünde jede potestas. "Der einzige Weg aber vom Zustand der Sünde in den der Gnade führt über die Taufe ... bzw. über das Bußsakrament ... und das heißt: über die Kirche ... Der Begriff der ,Kirche' ist aber bei Aegidius austauschbar mit dem des Papstes ... Der Papst ist - wie Gott - Quelle aller Gewalt. Er ist der vicarius Dei ... So absorbiert bei Aegidius Romanus die Überzeugung von der Notwendigkeit der Heilsvermittlung durch die Kirche jeden Gedanken an ein natürliches Rechts- und Herrschaftssystem." (35 ff) Eine gerechte Herrschaft gebe es für die Vertreter der hierokratischen Richtung nur aufgrund der Verleihung durch die Kirche bzw. den Papst. Nach und nach, so Recktenwald, sei die potestas des Papstes nicht mehr als ethische Verantwortung und moralische Last verstanden worden, sondern als dominium. "Diese Verrechtlichung zugunsten eines selbstgenügsamen Machtbegriffs auf Kosten der ethischen Verantwortung bedeutet der eigentliche Verrat am alten Ideal der Theologen." (45) Das bedeutet hinsichtlich der päpstlichen Gewalt: "Bei den Hierokraten steigt der Papst in dem Sinne zum vicarius Dei auf, daß auf ihn wie auf Gott alles hingeordnet ist wie auf das letzte Ziel; bei den alten Theologen hat Gott sich herabgelassen in die Konkretion eines Stellvertreters, damit dieser alle Menschen und Dinge hinlenke auf die Gerechtigkeit und damit zu ihrer eigenen Vollendung" (46).

Wo liegt nun der Bezug dieser historischen Arbeit zum Heute? "Nicht Anfechtung von außen, sondern falsche Reaktion im Inneren der Kirche sind normalerweise für Kirchenkrisen verantwortlich. Ein ursprünglich positives Anliegen verselbständigt sich und fuhrt zu einer Störung und Umkehrung der richtigen Rangordnung kirchlicher Ziele und Werte." (50)

Als Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus sieht Recktenwald die Parallelen zu den liturgischen Erneuerungen im Umfeld des letzten Konzils. "Gewisse Zielgrößen der Liturgiereform wie z.B. die participatio actuosa haben eine solch beherrschende Stellung im Urteilen über das, wie Liturgie sein soll, erlangt, daß demgegenüber sogar noch konstitutivere Elemente der Liturgie wie z.B. ihr Geheimnischarakter oder ihre im unverfügbaren Ritus sich manifestierende wesentliche Vorgegebenheit nicht ins Gewicht fallen ... Die Reform wird zum Maßstab der Liturgie, nicht mehr die Liturgie zum Maßstab der Reform. Die Reform ist zu einem Selbstwert geworden, der das ursprüngliche Ziel aus dem Auge verloren hat. Johannes XXII. ordnete um der Theorie willen, die die Politik dem Seelenheil unterordnete, das Seelenheil der Politik unter. Heute ordnet man um der Reform willen, die eine liturgische Erneuerung anstrebte, die liturgische Erneuerung der Durchsetzung der Reform unter" (51f).

Es stellt sich die Frage: Lassen sich noch andere Parallelen zu heutigen Problemen erkennen? Wurde nicht bei der Frage des Schutzes ungeborener Kinder auch ein ursprünglich positives Anliegen verselbständigt, nämlich das Gespräch mit ungewollt schwangeren, abtreibungswilligen Frauen? Wurde nicht um einer staatlichen Anerkennung dieser Tätigkeit willen übersehen, daß die Einbindung kirchlichen Wirkens in ein Unrechtskonstrukt einhergehen muß mit einer stillschweigenden und zumindest partikularen Akzeptanz des gerade zu vermeidenden Übels, hier der Tötung ungeborener Kinder?

Geht es beim Kompetenzgerangel zwischen Kirche und Staat im Grunde nicht immer um die Anerkennung der von der Kirche gelehrten naturrechtliehen Normen durch die staatliche Gewalt sowie um die moralische Autorität des kirchlichen Lehramtes? Hier liegt auch der Punkt, warum die Thematik, die Recktenwald in seiner Studie aufgreift, nicht nur historisch gesehen von Bedeutung ist. Jedes Schwert hat zwei Schneiden. Darum muß jede Macht einhergehen mit der damit verbundenen Verantwortung. Das hat schon der hl. Augustinus erkannt, als er die auf Unrecht basierenden Obrigkeiten als "große Räuberbanden" bezeichnete. Würde er heute nicht einer Regierung die Legitimation absprechen, wenn diese ganz offensichtlich das Naturrecht ignoriert und - einem Teil der Menschheit sein Grundrecht auf Leben nicht gewährt? Läßt sich vielleicht die Kirche zu sehr in weltliche Belange einbinden, so daß sie als Korrektiv versagt?

Wie gesagt: Die vorliegende Schrift ist keine rein historische Arbeit, da sie selbst schon einen Bezug zum Heute aufzeigt und zum weiteren Nachdenken über Parallelen Anreiz gibt, einem Heute, in dem zwar die Problematik nicht mehr so vordergründig zu beobachten ist, aber dennoch existiert. Gerade in einem politischen System, in dem alle Macht "vom Volke" ausgeht (vgl. Grundgesetz Art. 20 Abs. 2), ist die Rückbesinnung notwendig, daß Politik stets Gott gegenüber verantwortlich ist (vgl. Grundgesetz, Präambel). Die Kirche hat daher gegenüber dem Staat die unverzichtbare Aufgabe, den Anspruch Gottes im Gesellschaftsgefüge zur Geltung zu bringen. Dieses moralische Schwert darf die Kirche nicht in die Scheide stecken!

Engelbert Recktenwald, Die hierokratische Zweigewaltenlehre im 14. Jahrhundert, Books on Demand 2000, 61 Seiten, ISBN 3-8311-0399-2.

Diese Buchbesprechung erschien im ersten Band von Doctor Angelicus. Internationales Thomistisches Jahrbuch, hg. von Mons. Prof. Dr. Brunero Gherardini (Vatikan), Mons. Prof. Dr. Rudolf Michael Schmitz (Bayerisch Gmain), Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Waldstein (Salzburg / Rom) und Dr. David Berger (Köln), 2001, S. 187-190.


26. März
Augustina Pietrantoni

Vor 150 Jahren, am 27. März 1864, wurde in Pozzaglia Sabina, Provinz Rieti, die hl. Augustina Pietrantoni SDC geboren. 1886 trat sie in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern der hl. Johanna Antida Thouret ein. Als Schwester übte sie mit aller Hingabe den äußerst schwierigen Dienst der Pflege von Tuberkulosekranken in einem der ältesten Krankenhäuser Roms aus. Am 13. November 1894 wurde sie von dem antiklerikal eingestellten Giuseppe Romanelli durch sieben Messerstiche ermordet. 1972 wurde sie selig-, 1999 heiliggesprochen, am 29. April 2003 zur Patronin der Kranken ernannt.


26. März
Franz Anton Zaccaria

Vor 300 Jahren, am 27. März 1714, wurde in Venedig der Theologe Franz Anton Zaccaria SJ geboren. Er “verteidigte unerschrocken die Rechte des Papstes gegen alle febronianischen Auffassungen. Er gab bedeutende Schriftsteller heraus (Petavius, Pallavicini, Lacroix, Pichler, T. Tamburini u. a.), verfaßte selbst neben vielen Handschriften 161 gedruckte Werke” (B. Lang im LThK, 1. Auflage). Außerdem wirkte er “als berühmter Volksmissionar in der Mark Ancona, Lombardei und Toskana”. Am 10. Oktober 1795 starb er in Rom.


26. März
Aloysius Winter

Vor drei Jahren, am 26. März 2011, starb in seinem Geburtsort Perl-Besch an der Mosel, Kreis Merzig, im Alter von 79 Jahren der saarländische Priester und Fundamentaltheologe Prof. Dr. Aloysius Winter. Er starb an den Folgen eines Raubüberfalls auf ihn in Fulda in der Nacht zum 25. Juni 2010. Ein 31jähriger Drogensüchtiger, dem Winter finanziell geholfen hatte, verletzte ihn tödlich.


25. März
Der springende Punkt

Eine Antwort auf P. Michael Weigl

Von P. Engelbert Recktenwald

In der Una Voce Korrespondenz erschien letztes Jahr mein Artikel Tradition und Lehramt, in dem ich die katholische Lehre über das Verhältnis von Tradition und Lehramt dargelegt habe. Dabei spielt der theologische Fachausdruck der “Glaubensregel” eine große Rolle. Das Lehramt ist die nächste, die Tradition die entferntere Glaubensregel. Das bedeutet, dass das von Christus gestiftete lebendige Lehramt der Kirche mir den Schlüssel zur Deutung und zum Verständnis der Offenbarungswahrheit, wie sie in Schrift und Tradition enthalten ist, darbietet. Bei den Protestanten und den Jansenisten kehrte sich dieses Verhältnis um: Sie beanspruchen für sich, unabhängig vom Lehramt das richtige Verständnis der Glaubenswahrheit zu besitzen, und messen nun das Lehramt an diesem ihrem Verständnis. Die Protestanten richten über das Lehramt im Namen der Schrift, die Jansenisten im Namen der Tradition. Die Anwendung des Prinzips der Glaubensregel auf die Haltung, wie sie sich im Laufe der Jahre immer deutlicher bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. herausgebildet hat, offenbart eine deutliche Tendenz in Richtung Jansenismus (in dem erwähnten Punkt!). Dem hat in der Folge ein Mitglied der Piusbruderschaft, P. Dr. Michael Weigl, widersprochen.

In seiner in der UVK erschienen Antwort listet er die Beispiele für widerstreitende Lehrentscheidungen auf, die er im Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen (Denzinger-Hünermann) gefunden hat, und legt mit ihrer Hilfe überzeugend dar, dass das kirchliche Lehramt keineswegs durchgehend unfehlbar ist und sich folglich im Laufe der Kirchengeschichte in manchen seiner Äußerungen geirrt hat. Dies wäre eine schlagende Widerlegung meiner Ausführungen, wenn dieselben eine solch durchgehende Unfehlbarkeit behauptet hätten. Aber das haben sie nicht. Vielmehr geht es um die grundsätzliche Frage des Verhältnisses von Lehramt und Tradition, der nächsten und entfernteren Glaubensregel, und des Inhabers der Interpretations- und Entscheidungskompetenz über den Inhalt und den Verbindlichkeitsgrad von Lehramtsäußerungen. Mit anderen Worten: Wer entscheidet in letzter Instanz, ob das Lehramt unfehlbar oder gar fehlerhaft gesprochen hat oder nicht, oder wie eine Konzilsaussage zu verstehen ist oder nicht? Das Lehramt selber oder die Piusbruderschaft oder Bischof Williamson oder sonst jemand? Diese Fragen werden von P. Weigl nicht einmal berührt, geschweige denn beantwortet.

P. Weigl führt die Bulle Etsi non dubitemus Eugens IV. an, um darzulegen, dass “die Tradition ein Maßstab des lebendigen Lehramtes” sei. Hätte er meinen Artikel aufmerksam gelesen, hätte er bemerken können, dass er damit bei mir offene Türen einrennt. Auf Seite 64 habe ich die Rückgebundenheit des Lehramts an die Tradition ausdrücklich dargelegt. Ich habe dann aber auch die Grenze dieses Prinzips aufgezeigt und darzulegen versucht, warum nach katholischer Auffassung trotzdem das Lehramt die nächste und die Tradition die entferntere Glaubensregel ist, und warum deshalb die Jansenisten, die die Tradition gegen das Lehramt ausspielten, im Irrtum waren. Auf all dies geht Weigl mit keiner Silbe ein.

Weigl zitiert Papst Eugen IV., der die Pflicht einschärft, kirchliche Dekrete im Licht der Tradition zu interpretieren. Genau dieser Pflicht entzieht sich die Piusbruderschaft, indem sie die Hermeneutik der Kontinuität ablehnt und darauf beharrt, das Zweite Vatikanische Konzil modernistisch zu interpretieren, wie ich es an einem Beispiel demonstriert habe. Auch dies übergeht Weigl.

Weigl bringt ein aufschlußreiches Zitat von Kardinal Van Rossum, in dem dieser die legitime Möglichkeit einräumt, von der Irrigkeit eines Lehramtsdekrets überzeugt zu sein. In diesem Fall sei es “völlig erlaubt und lobenswert, mit der geschuldeten Ehrerbietung Argumente für die Gegenposition vorzubringen und von der Kirche demütig die Prüfung des Dekretes zu erwarten.”

Hier könnte man biblisch antworten: “Du richtest dich mit deinen eigenen Worten.” Denn genau dies hat der Heilige Stuhl der Piusbruderschaft zugestanden, und zwar schon im Einigungsprotokoll vom 5. Mai 1988 und neulich wieder im Brief von Kurienerzbischof Augustine di Noia von Ende 2012 an die Piusbruderschaft. Di Noia zitiert die Instruktion Donum Veritatis der Glaubenskongregation vom 24. Mai 1990, die es dem Theologen erlaubt, seine Einwände gegen eine Äußerung des Lehramts vorzulegen, aber eben in jenem Geiste, den auch Kardinal Van Rossum bezeugt, d.h. in der Bereitschaft, das letzte Urteil dem Lehramt zu überlassen. Genau in diesem Punkt weicht die Piusbruderschaft von der katholischen Haltung ab. Sie behält sich selber das letzte Urteil vor, richtet über den Papst wie über einen Apostaten und erwartet, dass Rom sich zu dem bekehre, was sie unter Tradition versteht. Der springende Punkt ist nicht, dass sie Schwierigkeiten mit einzelnen Lehramtsäußerungen hat und ihre Bedenken vorträgt, sondern dass sie behauptet, man müsse, um katholisch zu bleiben, eine Einigung mit Rom ablehnen. Sie spricht dem Heiligen Stuhl den katholischen Glauben ab, und das über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten und der Pontifikatsdauer mehrerer Päpste hinweg. Damit beansprucht sie für sich genau jene oberste Richterkompetenz, die nach katholischem Verständnis nur Rom zusteht.
Weigl hat für eine solche Position weder Beispiele noch Belege aus der Tradition anführen können, hat sich aber auch nicht von den horrenden Urteilen der Piusbruderschaft über Papst und Konzil als Vertretern einer neuen Religion distanziert. Andererseits ehrt es ihn, das Zitat des Kardinals, mit dem er sich selber überführt, nicht unterschlagen zu haben. Im übrigen geht es mir nicht, wie Weigl zu meinen scheint, darum, die Piusbruderschaft abzuqualifizieren, sondern von ihren Blockaden zu befreien, die sie daran hindern, in der Kirche ihren Platz zu finden. Das wünsche ich ihr von ganzem Herzen, damit ihr Wirken für die Kirche fruchtbar werde.

Weitere Kommentare zur Haltung der Piusbruderschaft


24. März
Joseph Kalinowski

Vor 150 Jahren, am 24. März 1864, wurde der hl. Joseph Kalinowski (1835-1907) wegen des von ihm angezettelten litauischen Aufstands gegen Russland gefangengenommen. Am 2. Juni wurde er zum Tod durch Erschießen verurteilt. Kurz danach wurde die Strafe in zehn Jahre Arbeitslager in Sibirien umgewandelt.


22. März
Gender Mainstreaming XLI

Die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandene Gender-Ideologie ist freilich nichts wirklich Neues: schon Simone de Beauvoir, die Lebensgefährtin des französischen Existentialisten Jean-Paul Sartre, vertrat 1949 in ihrem Werk “Das andere Geschlecht”, gleichsam einer “Bibel des Feminismus”, die Auffassung: “Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es” (Reinbek 1968, 265). Diese Behauptung stützt sich auf die Philosophie von Sartre, wonach der Mensch nichts anderes ist, als wozu er sich macht, denn eine von Gott geschaffene Natur des Menschen gibt es nicht. Der Einfluss de Beauvoirs verbindet sich in der Mitte der 60er Jahre mit einer Radikalisierung des Marxismus, nach dem der Mensch nur das Ensemble der sozialen Verhältnisse darstellt und deshalb unbegrenzt formbar ist. Schon Friedrich Engels hatte eine Abschaffung der Familie und eine Kindererziehung durch das Kollektiv gefordert. Die von den Marxisten stigmatisierte Familie, die als Unterdrückung der Frau gebrandmarkt wird, wird von der neomarxistischen Bewegung der “Frauenbefreiung” (Women’s Liberation Movement) als allerschlimmste Struktur der Unterdrückung erklärt, die noch tiefer reiche als die Unterschiede zwischen den Klassen.

Aus: Prof. Dr. Manfred Hauke, Das Zueinander und Miteinander von Mann und Frau, in: Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, März 2014

Weitere Infos über GM


22. März
Rafqa Choboq Ar-Rayes

Vor 100 Jahren, am 23. März 1914, starb in Al Dahr, Libanon, im Alter von 82 Jahren die hl. Rafqa Choboq Ar-Rayes. Sie überlebte 1860 das Massaker der Drusen an den Maroniten und konnte auch das Leben vieler Kinder retten. Am 10. Juni 2001 wurde sie heiliggesprochen.

21. März
Ein Gott der Liebe

"Unser Gott ist wahrlich ein guter, Er ist ein milder Gott, denn Er ist ein Gott der Liebe. Und wo die Liebe im menschlichen Herzen lebt, da wird es erwärmt und durchglüht vom Geiste Gottes. So müsst ihr Gott lieben mit einem Gemüte, welches zart, innig, freudig und großmütig Gott liebt - aus seinem innersten Wesen."

Worte, die die hl. Maria Bernarda Bütler (1848-1924) von ihrem Engel hörte.


21. März
Kath-info

Vor acht Jahren, am 21. März 2006, ging das Portal zur katholischen Geisteswelt online.


21. März
Seligsprechung

Vor zehn Jahren, am 21. März 2004, sprach Papst Johannes Paul II. Luigi Talamoni, Matilde del Sagrado Corazón Télles Robles, Piedad de la Cruz Ortíz Real und Maria Candida von der Eucharistie selig. Letztere nannte der Papst bei seiner Predigt zur Seligsprechung “eine wahre Mystikerin der Eucharistie”.


21. März
Hermann-Josef Weidinger

Vor zehn Jahren, am 21. März 2004, starb in Waidhofen an der Thaya im Alter von 86 Jahren der Chinamissionar und Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger.


18. März
Monatsranking: Die Top 12 im Februar

Die ersten vier Plätze sind gleich geblieben, und auch sonst gab es keine nennenswerten Veränderungen.
Zur Rankingseite


18. März
Jacques de Molay

Vor 700 Jahren, am 18. März 1314, starb Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Templerordens, im Alter von 70 Jahren, auf Betreiben des französischen Königs Philipps IV. des Schönen, in Paris auf dem Scheiterhaufen, nachdem er seine Geständnisse, mit denen er sich und den Orden belastete, widerrufen hatte.


18. März
Giovanni Domenico Lucchesi

Vor 300 Jahren, am 18. März 1714, starb in Viterbo im Alter von 61 Jahren der Karmelit und Mystiker Giovanni Domenico Lucchesi OCD. Im Kloster hatte er zeitweise die Ämter des Sakristans, des Novizenmeisters und des Subpriors inne. Seine besondere Sorge galt den Armen und Kranken. Er war ein großer Verehrer des allerheiligsten Altarsakraments, besaß das Charisma der Prophetie und war ein begnadeter Seelenführer voll apostolischen Eifers.


17. März
Der künstliche Kondomskandal

Vor fünf Jahren, am 17. März 2009, antwortete Papst Benedikt XVI. während seines Flugs nach Afrika auf die Frage eines Journalisten nach der Weise, wie die katholische Kirche dem AIDS-Problem begegnet: “Ich denke, daß die wirksamste, am meisten präsente Realität im Kampf gegen Aids gerade die katholische Kirche mit ihren Bewegungen und verschiedenen Strukturen ist. Ich denke an die Gemeinschaft Sant’Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel tut – sichtbar und auch im Verborgenen –, ich denke an die Kamillianer, an viele andere Dinge, an all die Ordensschwestern, die sich um die Kranken kümmern… Ich würde sagen, daß man das Aidsproblem nicht nur mit Geld lösen kann, das zwar auch notwendig ist. Aber wenn die Seele nicht beteiligt ist, wenn die Afrikaner nicht mithelfen (indem sie eigene Verantwortung übernehmen), kann man es mit der Verteilung von Präservativen nicht bewältigen. Im Gegenteil, sie vergrößern das Problem. Die Lösung kann nur in einem zweifachen Bemühen gefunden werden: erstens in einer Humanisierung der Sexualität, das heißt in einer spirituellen und menschlichen Erneuerung, die eine neue Verhaltensweise im gegenseitigen Umgang mit sich bringt; und zweitens in einer wahren Freundschaft auch und vor allem zu den Leidenden, in einer Verfügbarkeit, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht an der Seite der Leidenden zu sein. Das sind die Faktoren, die helfen und sichtbare Fortschritte bringen. Deshalb würde ich sagen, es geht um diese unsere doppelte Kraft, einmal den Menschen von innen her zu erneuern, ihm spirituelle und menschliche Kraft zu geben für ein rechtes Verhalten zu seinem eigenen Leib und dem des anderen, und dann diese Fähigkeit mit den Leidenden zu leiden, in Situationen innerer Prüfung präsent zu bleiben. Mir scheint das die richtige Antwort zu sein, und die Kirche tut dies und leistet so einen sehr großen und wichtigen Beitrag. Danken wir all denen, die dies tun.”

Warum der Skandal, der daraus gemacht wurde, weniger ein Problem des Heiligen Stuhls, sondern vielmehr des Journalismus ist, hatte ich in einem Kommentar zu verdeutlichen versucht.


17. März
The Rite - Das Ritual

Vor drei Jahren, am 17. März 2011, startete in den deutschen Kinos der Film The Rite - Das Ritual, der auf dem Buch Die Schule der Exorzisten von Matt Baglio baisert.


17. März
Maria Gabriela Sagheddu

Vor 100 Jahren, am 17. März 1914, wurde in Dorgali auf Sardinien die selige Maria Gabriela Sagheddu geboren. Mit 21 Jahren trat sie in den Trappistenorden ein und opferte ihr Leben für die Einheit der Christen auf. Sie starb am 23. April 1939 in Grottaferrata und wurde 1983 seliggesprochen.


16. März
Mond oder schwarzes Loch?

Die “ekklesiologische Nabelschau”. Das ist ein unaufhörliches Kreisen um sich selbst, wie es leider auf vielen Ebenen des kirchlichen Lebens zu beobachten ist. Aufgabe der Kirche ist es jedoch nicht, wie ein “schwarzes Loch” durch endlose Strukturdebatten und Infragestellung der Glaubensgrundlagen alle Lichtstrahlen zu absorbieren, sondern wie der Mond das empfangene Licht weiterzuschenken und die Weltennacht hell und menschlicher zu machen.

Bischof Rudolf Voderholzer in seinem Artikel Reform! Aber richtig!, in: credo. Ein Magazin zum Jahr des Glaubens, hg. von Bischof Gregor Maria Hanke und Peter Seewald, S. 55


16. März
Verheerende Priesterausbildung

Vor fünf Jahren, am 16. März 2009, hielt der Sekretär der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Erzbischof Jean-Louis Bruguès, vor den Rektoren der päpstlichen Seminaren seinen Vortrag “Priesterausbildung am Scheideweg”, in dem er ein schonungloses Bild der Situation zeichnete. Das Pontifikats Benedikts XVI. war von dem Bemühen gekennzeichnet, auf diese Situation die rechte Antwort zu geben.


15. März
Moralische Werte?

Wozu soll das gut sein?

Von Annie Foster

Jeden Sonntag sitzt ein Bettler namens Frederick auf einer Bank am Rand der Hauptstraße, abseits der drei meistbesuchten Kirchen der Stadt. Er sitzt dort, um auf das Ende des Gottesdienstes und auf die Kirchenbesucher zu warten, die aus den Seiteneingängen strömen. Er nimmt seine alte zerbrochene Violine aus der Tasche und beginnt, das einzige Musikstück zu spielen, das er kennt. Jede Woche bleiben dieselben zwei Leute stehen, um für einen kurzen Moment zuzuhören, bevor sie ihr übriges Kleingeld in seine Dose werfen und weitergehen. Frederick ist fast eins mit der Szenerie des Straßenrandes geworden, seine zerlumpte Gestalt verschmolzen mit der abgenutzten Sitzbank. Nur einige Leute, die nicht aus der Gegend stammen, nehmen überhaupt Notiz von seiner Gegenwart. Für diejenigen, die ihm täglich über den Weg laufen, ist Frederick nicht mehr Mensch als die Bank, auf der er sitzt. Er ist zu einem bloßen Ornament der Straßenecke geworden. Vielleicht war diese Entmenschlichung und Objektivierung eines armen Landstreichers der Grund, warum niemand Frederick an dem Sonntag beachtete, an dem er einen Herzinfarkt bekam und beinahe starb.

Zwei Freunde, die neu in der Gegend waren, kamen gerade aus der Kirche, als einer von ihnen Frederick auf der Bank liegen sah, während dieser stark zuckte. Der Mann, der Frederick bemerkte, drehte sich um und sagte zu seinem Freund: „Hast du den Mann auf der Bank gesehen? Ich glaube, er ist gerade dabei, einen Herzinfarkt oder etwas ähnliches zu bekommen. Komm, wir müssen ihm helfen!“ Sein Freund antwortete: „Mann, ich weiß nicht. Vielleicht ist es ja gar nichts. Außerdem bin ich hungrig. Wir sollten schnell zu einem Restaurant gehen, damit wir noch einen Tisch bekommen.“ Und so machte er kehrt und begann, auf das Pfannkuchenhaus auf der anderen Straßenseite zuzugehen. Für einen kurzen Moment starrte der Mann auf den Rücken seines Freundes, während dieser immer weiter lief. Dann rannte er sofort zu Frederick, der immer noch auf der Bank lag.

Der Mann hob Fredericks schweren Körper an und rief ein Taxi, um ihn ins Krankenhaus zu bringen. Als sie dort ankamen, wurde ihm gesagt, dass Frederick beinahe an diesem Tag auf der Bank gestorben wäre. Niemand hätte seinen starren bewegungslosen Leib dort liegen sehen. Die Gemeindemitglieder wären davongeeilt, um mit ihren Familien zu frühstücken – zu beschäftigt, um Fredericks Existenz zu bemerken, geschweige denn, dass er immer noch tot auf der Sitzbank lag.

Diese fiktive Geschichte zeigt eine allzu reale und bekannte moralische Situation. Der gute Samariter, der stehen blieb, um dem Bettler zu helfen, traf die moralisch gute Entscheidung, während sein Freund sich für die moralisch schlechte entschied. Dennoch sollten wir nicht nur auf die Moralität aufgrund guter oder schlechter Handlungen schauen, sondern auch die Wichtigkeit einer inneren Antwort auf moralische Werte in Betracht ziehen. Wir können nicht immer durch Handlungen auf einen Wert antworten. Gelegentlich ist eine Antwort aus unserem Inneren vonnöten. Diese innere Antwort besteht etwa im Gefühl der Dankbarkeit, das man gegenüber einer Person fühlt, die ihr Leben geopfert hat, um einem das eigene zu retten. Diese innere Antwort der Dankbarkeit gebührt dem Wert dieses heroischen Aktes der Lebensrettung. Es ist bedeutsam, edel und wichtig, echte Bescheidenheit, Großmut, selbstlose Liebe und wirkliche Vergebung dem gegenüber auszudrücken, was diese Antworten zu Recht verdient. Indem wir den Werten die gebührende Ehrfurcht erweisen, können wir in der Formung einer Persönlichkeit voranschreiten, die Tugend und Sittlichkeit ausstrahlt.

Wenn die zwei Männer, die aus der Kirche kamen, bemerkt hätten, dass eine Blume unter den Füßen eines Gemeindemitglieds zertreten worden wäre, dann wäre von ihnen in geringerem Maße eine Antwort gefordert gewesen. Der Bettler hat dagegen einen intrinsischen Wert, weil er ein menschliches Wesen ist, der höher als der Wert einer Blume steht. Ich erweise einem Menschen nicht dieselbe Liebe wie einer Blume. Folglich verlangt ein Unrecht, das dem Bettler angetan wird, eine stärkere Reaktion als das Zertrampeln einer Blume.

Der Mann in der Geschichte, der sich eher dafür entschied, zum Frühstück zu gehen, als dem Bettler zu helfen, war nur an dem interessiert, was für ihn subjektiv zufriedenstellenden Wert hatte, was ihm angenehm war. Er hatte kein Interesse an dem Wert, der dem Menschenleben innewohnt. Der Mann, der sich moralisch verhielt, sah, dass das Leben des Bettlers in sich selbst wertvoll war. Dietrich von Hildebrand legt in seinem Werk The Art of Living (Chicago: Franciscan Herald Press, 1965) die moralische Verpflichtung dieser Situation dar: „Ob man einer Person, die in Not ist, hilft oder nicht, hängt nicht vom eigenen willkürlichen Belieben ab; man macht sich deshalb schuldig, wenn man diesen objektiven Wert ignoriert.“ Positive moralische Werte verlangen unsere Bejahung, negative Werte unsere Zurückweisung (The Art of Living, S. 3).

Moralische Werte zu erfassen ist wichtig für die Verwirklichung einer Person, zu ihrer Formung zu einer moralisch integeren Person, die Werte erkennt und darauf tugendhaft antwortet. Hildebrand fasst es so zusammen: „Die Fähigkeit, Werte zu begreifen, sie anzuerkennen und auf sie zu antworten, ist die Grundlage zur Verwirklichung moralischer Werte des Menschen.“ Moralische Werte sind die höchsten unter allen natürlichen Werten und sie sind immer personale Werte, die nur vom Menschen umgesetzt werden können. Ein materielles Ding wie ein Hund oder der Baum kann weder gut noch schlecht sein noch moralische Güte besitzen. Der Mensch alleine hat die Freiheit, für seine Handlungen verantwortlich zu sein. Der Mensch alleine kann verantwortlich sein für seine Liebe, seinen Hass, seine Freude und seine Trauer, und kann moralisch gut oder schlecht sein (The Art of Living, S. 2). Es ist von großer Wichtigkeit für den Menschen, sich auf die Welt der positiven Werte zu konzentrieren und negative moralische Werte zurückzuweisen. Diese Forderung wird unterstützt von großen Geistern wie Platon oder Sokrates, die selbst die Überzeugung teilten, dass es besser sei, Unrecht zu erleiden als es zu verüben (The Art of Living, S. 1). Moralische Werte stehen höher als jegliche Art kultureller Leistung, Persönlichkeit oder oder intellektueller Eigenschaften. Es ist besser, demütig als charmant zu sein, besser ehrlich zu sein als eine Goldmedaille zu gewinnen und besser liebevoll zu sein als den besten Notendurchschnitt zu besitzen.

„Güte, Reinheit, Aufrichtigkeit und Demut des Menschen stehen höher als Genie, Brillanz und überschwängliche Vitalität, höher als die Schönheit der Natur oder der Kunst und höher als die Stabilität und Macht eines Staates“ (The Art of Living, S. 3).

Hildebrand erklärt, dass nur der Mensch, der Dinge, die in sich gut und schön sind, erkennen und den Anspruch der Werte begreifen und sich von ihnen formen lassen kann, fähig ist, moralische Werte zu verwirklichen. Daher mögen wir es den moralischen Werten erlauben, uns zu verändern, und auf ihre Forderungen antworten, auf dass wir mit einer klaren Vision die Fülle der Welt der Werte sehen können.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf dem amerikanischen Studentenblog zur Philosophie Dietrichs von Hildebrand. Die Übersetzung besorgte Manuel Schuster.

Zum Thema: Die Wertethik Hildebrands


14. März
Basteln statt Zeugen?

Die Ersetzung der Zeugung durch Basteln im Labor ist ein radikaler Bruch mit allen humanen Traditionen der Menschheit. Aber der Abscheu vor diesen Praktiken und der dahinterstehenden Ideologie – Schicksallosigkeit als Lebensqualität – darf nichts zu tun haben mit den Menschen, die daraus hervorgehen. Sie besitzen Würde wie jeder andere Mensch. Die Tatsache, dass ihre Würde mit ihrer Zeugung verletzt wurde, rechtfertigt nicht, sie auch weiter zu verletzen. Mensch ist, wer von Menschen abstammt, und zwar unabhängig von den konkreten Entstehungsbedingungen. Ins Leben treten heisst Emanzipation von den Entstehungsbedingungen.

Robert Spaemann in der NZZ von heute unter dem Titel Gerechtfertigter Abscheu über die Dresdner Rede der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff.


14. März
Bei 1978 stehengeblieben

Prof. Dr. Juan José Pérez-Soba, spanischer Moraltheologe am römischen Päpstlichen Institut Johannes Paul II., hat in einem Interview mit Regina Einig (Tagespost vom 12. März) zur Familienrede Kardinal Kaspers Stellung genommen. Er bemängelt, dass weder die Enzyklika Familiaris consortio (1981) noch das Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen aus dem Jahr 1994 berücksichtigt wurden. Der Kardinal übergehe die von anerkannten Patrologen erwiesene Unhaltbarkeit der Thesen von Cereti über die altkirchliche Praxis, auf die er sich berufe. Nach Pérez-Soba ist Kardinal Kasper praktisch auf dem Forschungsstand von 1978 stehen geblieben. Konkret meint der Theologe zu den von Kardinal Kasper vorgeschlagenen Fällen, in denen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen dürften: “Dies wäre nicht nur mit der von Johannes Paul II. in Familiaris consortio verkündeten Pastoraltheologie unvereinbar, sondern auch mit der Tradition und der jahrhundertealten Lehre der Kirche. Es wäre also eine 'Neuheit', die somit über den pastoralen Bereich hinausgeht und gänzlich in den Bereich der Lehre eintritt. Der Herr Kardinal befürwortet eine andere Weise, das Eheband zu verstehen, die dieses in Wahrheit seines Inhaltes entleert. Es ist unmöglich, diese Sichtweise auf die Pastoral anzuwenden, ohne sich zuerst ihrer lehrhaften Bedeutung klar bewusst zu werden.”

Zum Thema: Über die Unauflöslichkeit der Ehe

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