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* * *

31. Januar
Paul Louis Bernard Drach

Vor 150 Jahren, am 31. Januar 1865, starb in Rom im Alter von 73 Jahren der aus Straßburg stammende jüdische Konvertit David Drach. Er ließ sich 1823 taufen, nahm den Namen Paul Louis Bernard an und wurde ein einflussreicher katholischer Apologet. Ferdinand Holböck stellt ihn neben anderen jüdischen Konvertiten in seinem Buch Wir haben den Messias gefunden (Stein am Rhein 21987) vor.


31. Januar
Franz Xaver Bianchi

Vor 200 Jahren, am 31. Januar 1815, starb in Neapel im Alter von 71 Jahren der Mystiker, Philosophieprofessor und Mitglied des Barnabitenordens Franz Xaver Bianchi. Er war mit zahlreichen Charismen wie der Wundergabe und Prophetie begnadet und wird der Apostel Neapels genannt. 1893 wurde er selig-, 1951 heiliggesprochen.


31. Januar
Claudius Aquaviva

Vor 400 Jahren, am 31. Januar 1615, starb in Rom im Alter von 72 Jahren und nach 34 Jahren Amtszeit an der Spitze der Gesellschaft Jesu der Jesuitengeneral Claudius Aquaviva SJ. “Glänzende Eigenschaften und die dramatische Spannungen seiner ereignisreichen Amtszeit machten Aquaviva zu einer der hervorragendsten Führerpersönlichkeiten des Ordens. Er schützte dessen Einheit und die Reinheit des Gründungsgedankens gegen Feinde von innen und Gefahren von außen in wechselvollem Entscheidungskampf” (L. Koch im LThK, 1. Auflage). Sein Neffe Rudolf Aquaviva SJ (1550-1583) wurde Märtyrer und 1893 seliggesprochen.


30. Januar
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

54. Folge

Ungefähr in ähnlicher Weise behandelt er die moralischen Erscheinungen der Vorwelt. Die Katholiken pflegten zuweilen auf Männer wie Camillus hinzuweisen, und aus dem Leben derselben die sittliche Freiheit, auch der Heiden, und gewisse Reste des Guten unter denselben zu beweisen; sie verteidigten überdies den Satz, Gottes besondere, um der rückwärts wirkenden Verdienste Christi willen erteilte Gnade, welche die übrig gebliebenen guten Kräfte gestärkt habe, sei in vielen Erscheinungen unverkennbar[94]. Welchen Weg betritt nun Calvin, um dergleichen Erscheinungen zu erklären? Er bemerkt, es sei sehr leicht, durch dieselben über die wahre Natur des Verderbens sich täuschen zu lassen, und verkennt die schöneren Spuren eines sittlichen Geistes nicht geradezu. Allein er sagt, wir sollen uns hierbei einfallen lassen, daß hier und da Gottes Gnade hemmend einwirke, nicht um innerlich dem Menschen stärkend und reinigend zu Hilfe zu kommen, sondern um die sonst unfehlbaren Ausbrüche des Bösen mechanisch zu verhindern [95]. Die Weise des guten Camillus erklärt er hiernach durch die Annahme, es möge dieselbe ein bloß äußerliches, hypokritisches Wesen gewesen sein, oder die Wirkung der eben angedeuteten, das Böse in der Brust des Menschen mechanisch zurückhaltenden Gnade, die ihn um nichts besser als alle übrigen mache [96]. Durch solche mehr als mechanische Erklärungsversuche beweist Calvin unwidersprechlich, daß, wenn er auch von der Vernunft und dem Willen als nicht vertilgten und nicht vertilgbaren Seelenvermögen spricht, wodurch sich der Mensch vom Tiere unterscheide, er dabei doch keineswegs gemeint war, daß der Mensch aus jener unseligen Katastrophe eigentlich moralisch-religiöse Kräfte gerettet habe.

[94] Constitut. Unigenitus [Harduin. Conci1. Tom. XI. fol. 1635.] verwirft daher folgende calvinisch-jansenistische Sä tze: n. XXVI. Nullae dantur gratiae, nisi per fidem. n. XXIX. Extra ecclesiam nulla conceditur gratia. Unter fides ist der Glaube an Christus zu verstehen.

[95] Calvin. Instit. I. II c. 3. p. 2. fol. 94. Exempla igitur ista monere nos videntur, ne hominis naturam in totum vitiosam putemus ... Sed hic succurrere nobis debet, inter illam naturae corruptionem esse nonnullum Dei gratiae locum, non quae illam purget, sed intus cohibeat.

[96] L. c. § 3. fol. 95. Quid autem, si animus parvus fuerit et contortus, qui aliud potius quidvis quam rectitudinern sectatus est? ... Quamquam haec certissima est et facillima hujus quaestionis solutio: non esse istas communes naturae dotes, sed speciales Dei gratias, quas varie et in certum modum profanis alioqui hominibus dispensat.

wird fortgesetzt


29. Januar
Die einzige Sünde

Skeptisch über die Gesprächsführung des Kurienkardinals [Lorenzo Baldisseri] im Plenum [der internationalen Konferenz katholischer Laienbewegungen, die vom 22. bis 24. Januar 2015 auf Einladung des Päpstlichen Familienrats in Rom stattgefunden hat] äußerte sich auch Maria Madise, die Vorsitzende des US-Familienverbandes “Voice of the Family”. Dieser habe den Eindruck hinterlassen, dass “die einzige Sünde heute darin besteht, das zu verteidigen, was die Kirche immer gelehrt hat.”

Aus dem Artikel Bewegungen wollen Ehelehre beibehalten von Regina Einig, Tagespost von heute.


29. Januar
Hildegard Burjan

Vor drei Jahren, am 29. Januar 2012, wurde die Konvertitin Hildegard Burjan (1883-1933) seliggesprochen.


28. Januar
Der nichts von Bitterkeit wusste

Zum 70. Todestag von Paul Stern in Auschwitz (+ Ende Oktober 1944)

Von Jakob Knab

„Und ich begriff, was Freunde gesagt hatten: wenn ihnen je ein Heiliger in den Weg gekommen sei, dann sei es Paul Stern.“ Diese Einsicht stammt von dem christlichen Philosophen und großen Thomas-Gelehrten Josef Pieper (1904 –1997). Vor nunmehr 70 Jahren endete das Leben von Paul Stern, jenem unbekannten Heiligen, in den Gaskammern von Auschwitz. Die Parallelen zur Lebensgeschichte der Heiligen Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein) sind offenkundig. Ihr Leben hatte bereits 1942 in Auschwitz geendet.

Wie Edith Stein stammte auch Paul Stern aus einer jüdischen Familie. Er wurde im Dezember 1888 in Köln geboren. An den Universitäten in Bonn, Freiburg und Leipzig studierte er Archäologie und Philosophie, sein vertieftes Interesse galt den Fremdsprachen. Edith Stein besuchte die Universitäten in Breslau, Göttingen und Freiburg.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Paul Stern wie auch Edith Stein übertrugen Werke von Thomas von Aquin sowie von John Henry Newman ins Deutsche.

Die gelehrte Karmelitin übersetzte aus den Werken des mittelalterlichen Theologen die „Untersuchungen über die Wahrheit“ und auch "De ente et essentia - Über das Seiende und das Wesen“. Die Konvertitin übertrug auch Newmans „Briefe und Texte zur ersten Lebenshälfte“ sowie dessen Vorlesungen „Die Idee der Universität“ ins Deutsche.

Auf Umwegen fanden beide, Edith Stein und Paul Stern, ihren Weg zur katholischen Kirche. Paul Stern konvertierte am 8. April 1921 in der Leipziger Peterskirche zur lutherischen Konfession. Ein Taufpate war sein Übersetzerkollege Hans Nachod, ebenfalls ein konvertierter Jude. Im Juni 1938 freilich verließ Stern die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen.

Bevor Nachod im Jahr 1939 nach Amerika emigrieren konnte, war er in den KZs Dachau und Buchenwald inhaftiert. Mitte der 30er Jahre hatten Nachod und Stern „Die Summe wider die Heiden“ des Thomas von Aquin ins Deutsche übertragen; der Verleger dieser drei Bände war der jüdische Konvertit Jakob Hegner. Über die Begegnung mit dem Kirchenlehrer des Mittelalters fand Paul Stern „den Zugang zu dem wahren Verhältnis zur letzten Wahrheit, der reinen Wirklichkeit, zu Gott und zu den Heilstatsachen der Erlösung“, wie er es einmal selbst aussprach.

Als das NS-Regime die Juden zunehmend ausgrenzte und verfolgte, siedelte Edith Stein mit ihrer Schwester Rosa im November1938 in den Karmel im niederländischen Echt über. Und im September 1938 hatte Paul Stern seine Stellung am Institut für Universalgeschichte der Universität Leipzig verloren. Trost fand er bei Newman. Denn nach jenen Tagen, da ihm der Zutritt zur Universität verwehrt wurde, schrieb er seine Übersetzung von Newmans „Traum des Gerontius“ aufs Neue in einer schönen und klaren Handschrift nieder. Hier ein Auszug:

„Und seines Meisters Wunden selbst / Sie brannten sich ihm ins Fleisch / Der ewigen Liebe Flamme brennt verzehrend / Eh sie verwandelt.“

Auch nach den Pogromen in November 1938 lehnte er es ab, Leipzig zu verlassen. Er musste ins ‚Ghetto’ ziehen, wegen seiner Ehe mit einer Nicht-Jüdin brauchte er aber den gelben Stern nicht zu tragen. Er stand weitgehend mittellos da. Seine Arbeit bestand nun darin, auf den Müllfeldern der Stadt Leipzig unter Aufsicht Metallteile aus dem Abfall zu buddeln. In dieser Notlage wurde er von den Priestern des Leipziger Oratoriums unterstützt. Dazu zählten Pfarrer Theo Gunkel, der sein Noviziat in Birmingham verbracht hatte, Kaplan Josef Gülden, der zur Liturgischen Bewegung gehörte, sowie der Newman-Gelehrte Werner Becker. Die dortige Bibliothek war für Stern eine letzte geistige Zufluchtstätte.

Im Sommer 1942 besuchte Josef Pieper die Oratorianer in Leipzig. Dort erfuhr er auch, dass Stern dank seines Thomas-Studiums vor einiger Zeit katholisch geworden sei. Im Oratorium begegnete Pieper dann auch Paul Stern: „Mir gegenüber saß ein heiter-gelassener Mensch, der nichts von Bitterkeit wusste, nicht einmal, so schien es, von Traurigkeit. Wir sprachen über Thomas von Aquin. Übrigens vermisse er ein wenig mein kleines Buch über die Hoffnung, das ihm abhanden gekommen sei. Doch als ich ihm dann, nicht ohne einige Beschämung, ein neues Exemplar hierher, ins Oratorium, zu schicken verspreche, winkt er ab: Ich brauche es gar nicht mehr.“ (Josef Pieper, Noch wusste es niemand, München 1976, S. 124f.)

Am 14. Januar 1944 wurde Paul Stern verhaftet und zusammen mit anderen Juden in einem Viehwagon ins KZ Theresienstadt transportiert. Am 28. Oktober 1944 begann sein letzter Weg in die Gaskammern von Auschwitz. Dort verlieren sich seine Spuren.

Anhang:

1959 erschien die Übersetzung von Newmans „Der Traum des Gerontius“ im St.-Benno-Verlag Leipzig. Werner Becker stellte diese Widmung voran:

COR AD COR LOQUITUR
Dem Andenken an Paul Stern,
geboren am 10. Dezember 1888 in Köln,
gestorben in Auschwitz, Datum unbekannt,
und an alle Opfer
der ungerechten Gewalt
1933 – 1945

Josef Pieper stellte seinem kleinen Buch „Über die Hoffnung“ (Jakob-Hegner-Verlag Leipzig, 1935) diesen Satz aus der Bibel voran:
„Wenn Er mich auch tötet, ich werde auf ihn hoffen.“ (Job 13, 15)


27. Januar
Augustinus Zhao Rong

Vor 200 Jahren, am 27. Januar 1815, starb als Märtyrer in Wuchuan, China, im Alter von etwa 69 Jahren der hl. Augustinus Zhao Rong. Ursprünglich Soldat, bekehrte er sich 1785 durch das heroische Beispiel des hl. Jean Gabriel Taurin Dufresse MEP, den er als Soldat von Tchen-Tou nach Peking eskortieren musste. Er ließ sich taufen und wurde Priester. 1814 wurde er verhaftet und grausam gefoltert. Am 27. Mai 1900 wurde er seliggesprochen, am 1. Oktober 2000 heiliggesprochen, zusammen mit 119 weiteren Märtyrern (davon 87 Chinesen und 33 Missionare).


27. Januar
Johannes Chrysostomus Blaschkewitz

Vor 100 Jahren, am 27. Januar 1915, wurde in Belyi, Russland, der Kirchenhistoriker Archimandrit Dr. Johannes Chrysostomus Blaschkewitz OSB geboren. Er schrieb u.a. eine dreibändige Kirchengeschichte Russlands der neuesten Zeit. Am 7. Oktober 1981 starb er in Niederaltaich.


26. Januar
Sei stark und werde ein heiliger Mann!

Von Larry Richards

Dritter und letzter Teil

Die Heiligkeit kommt von Jesus und nicht von uns selbst, einverstanden? Es ist genauso wie bei einem Mann, der von einer Schlange gebissen wird und im Sterben liegt. Unterdessen sieht er einen anderen Mann, der zuvor dreimal von einer Schlange gebissen wurde und genügend Abwehrstoffe besitzt, um zu überleben. Damit auch dieser Mann am Leben bleibt, müssen die Ärzte dem Mann mit den Antikörpern Blut entnehmen, um es dem Mann, der gerade gebissen worden ist, zu geben. Das Blut des Einen heilt den Anderen.

Ebenso verhält es sich mit Christus. Wir lebten in der Sünde, deshalb vergoss Jesus Christus sein Blut und gab es uns. Sein Blut macht uns heilig. Im zweiten Brief an die Korinther heißt es: "Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden" (2 Kor 5, 21). Als Jesus am Kreuz zur Sünde gemacht wurde, wurde er von der Schlange gebissen und entwickelte den Antikörper, der für das ewige Leben notwendig ist. Wenn wir zu Christus kommen, gibt er uns sein Blut. Sein Blut in uns gibt uns Kraft. Nun können wir uns vertrauensvoll dem Vater nähern: Jesus erlöst, der Vater befreit uns von der Sünde.

Wenn du dich in deinem Leben mit der Heiligkeit befassen willst, musst du dich zuerst mit deinen Sünden befassen - nicht mit jenen Sünden, denen du unterliegst, sondern mit jenen, über die du Macht hast. Im Brief an die Hebräer steht: "Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit" (Hebr. 4,16). Anstatt den Blick auf unsere Schwächen zu richten, müssen wir auf die Stärke schauen, die von Christus kommt. Im ersten Petrusbrief lesen wir: ,,Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden. Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig!" (1 Petr 1,15-16).

Du wirst mich jetzt nicht ausstehen können, aber ich möchte trotzdem, dass du nun den Jakobusbrief aufschlägst, in dem Jakobus sehr herausfordernd ist: ,,Wer sich in seinen Worten nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann und kann auch seinen Körper völlig im Zaum halten" (Jak 3,2). Jakobus sagt uns, dass wir ein vollkommener Mann sein sollen, indem wir auf unsere Worte achten. Du kannst deinen ganzen Körper mit dem, was du sprichst, beherrschen.

Denke darüber nach, was wir so daherreden! Deshalb sagte Jesus: "Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen" (Mt 12,36). Denke darüber nach, was du manchmal zu deiner Frau sagst, wenn du wütend bist! Denke darüber nach, was du zu deinen Kindern sagst, wenn du verärgert bist. Stell dir vor, jemand hätte deinen Wutanfall in Gegenwart deiner Frau aufgenommen, und stell dir vor, jeder könnte diese Aufnahme anhören! Es macht mich verrückt, wenn die Leute sagen: "Glaubst du, was diese Person erzählte?" Ja, ich glaube es, weil ich weiß, was mir selbst manchmal über die Lippen kommt.

Der hl. Paulus erklärt uns, worüber wir nicht sprechen dürfen: "Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heiligkeit gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit" (Eph 5,3-4).

Ja, die Heiligkeit verbietet schmutzige Witze. Auch du musst bedenken, was du von dir gibst. Erzählst du manchmal schmutzige Witze? Gebrauchst du unflätige Worte? Machst du sexuelle Anspielungen? Wäre Gott stolz auf das Vokabular, das du benutzt? Spiegeln deine Worte deine Heiligkeit wider?

Wir müssen mithelfen, damit das Sündigen aufhört. Wenn deine Sünden mit deiner Sprache, Begierde, Wut oder einer anderen Sünde zusammenhängen, dann lesen wir im Brief an die Hebräer, dass wir uns nach wie vor vertrauensvoll dem Throne Gottes nähern dürfen, weil er uns nun die Macht in Christus gegeben hat, über diese Dinge hinauszuwachsen. Die Apostelgeschichte ruft uns in Erinnerung, dass nicht wir uns selbst heiligen. Wir lesen, wie der hl. Petrus reagierte, als er bedrängt wurde, nachdem er und Johannes einen Kranken geheilt hatten. Petrus sagte: "Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr verraten habt. ( ... ) Und weil er an seinen Namen geglaubt hat, hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht" (Apg 3,12.16). Wenn wir in der Heiligkeit wachsen, begreifen wir, dass nichts von der Kraft, die für die Heiligkeit notwendig ist, aus uns selbst kommt. Alles kommt von Gott.

Der hl. Jean Vianney war ein echter Mann und ein großer Heiliger. Er war ein ganz normaler Pfarrer in der kleinen Pfarrei von Ars, die mitten in Frankreich auf dem Lande lag. Niemand kam dorthin. Man teilte ihm Ars zu, weil man der Meinung war, er sei nicht sehr gescheit. Er schloss als Schlechtester bei der Prüfung ab. Man dachte, er sei zu nichts fähig.

Als er nach Ars kam, betete er: "Mein Herr, mache meine Pfarreiangehörigen heilig! Nur darum bitte ich dich. Und wenn sie nicht heilig werden, dann weiß ich, dass es meine Schuld ist. Aber mache sie heilig!" Er verbrachte die Nächte im Gebet. Dieser demütige Mann hielt die feurigsten Predigten, die man sich vorstellen kann. Durch Gottes Gnade zog dieser Pfarrer von Ars die Könige und Königinnen Frankreichs an, die ihn hören wollten. Die Anzahl seiner Kirchenbesucher stieg so stark an, dass er den ganzen Tag damit verbringen musste, Beichte zu hören.

Wenn du jemals ein Heldenleben kennen lernen willst, dann lies das Leben des hl. Jean Vianney. Der Teufel zündete sein Bett an. Als Flammen aufstiegen, kamen andere Priester herbeigeeilt, um ihm zu helfen. Normalerweise kannst du solche Szenen nur im Film sehen. Sein Bett hüpfte auf und nieder. Dann stieg der hl. Jean Vianney aus dem Bett, schaute auf die anderen Priester, die zu Tode erschrocken waren, und meinte: "Das ist nur der Grappin." So nannte er den Teufel. Es jagte ihm selbst überhaupt keinen Schrecken ein. Er kämpfte jeden Tag gegen den Teufel.

Dieser große Heilige hat uns den Weg der Heiligkeit vorgezeichnet. Wenn du alles, was in diesem Buch steht, vergisst, dann erinnere dich jedoch an diese Worte des hl. Pfarrers von Ars: "Das ist die wunderbare Pflicht des Menschen: zu beten und zu lieben!" Um heilig zu werden, musst du diese beiden Dinge tun: beten und lieben. Konzentriere dich für den Rest deines Lebens auf diese beiden Dinge, so wird auch aus dir ein großer Heiliger werden!

Sei also stark und mannhaft und werde ein heiliger Mann!

Zum bisher Erschienenen


25. Januar
Maristenbrüder

Vor 100 Jahren, am 25. Januar 1915, ließen sich die vom hl. Marzellin Champagnat (1789-1840) gegründeten Maristenbrüder in Furth bei Landshut nieder.


24. Januar
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Zehnter und letzter Teil

Der geistige Kampf, der hier mit großer Deutlichkeit sichtbar wird, steht in keinem Gegensatz zu dem von Christus über den Teufel erfochtenen Sieg: beides, Kampf und Sieg, erfüllen den christlichen Aion, die Endzeit, die von der ersten bis zur zweiten Ankunft des Sohnes Gottes währt. Erst mit der Parusie des Herrn zum Gericht wird dieser Kampf beendet sein und Satan für immer gefesselt werden, mit allen Dämonen und den Verdammten verstoßen in den Abgrund der Finsternis. So lehrt uns Christus, und so lehrt im Auftrag Christi die Kirche. Solange aber die Vorläufigkeit dieser Weltzeit anhält, ist Satan noch ein Spielraum des Wirkens in dieser Welt gegeben. Aufgabe des Menschen ist es, ihm im Geist und der Kraft Christi zu widerstehen und so in die Teilnahme an Christi Triumph hineinzuwachsen.

5. Positive Aspekte

So düster das Erscheinungsbild einer Besessenheit vom Teufel auch ist und so ernst der Zustand einer von satanischen Mächten heimgesuchten Welt, auf den jenes Phänomen aufmerksam macht, mangeln doch einem derartigen Vorgang nicht die positiven Aspekte.

Zu diesen gehört der Rückgewinn jenes größeren Horizontes, der dem Menschen der Neuzeit verlorengegangen war. Für viele ist es wohl eine grundstürzende Erkenntnis, die radikales Umdenken verlangt, daß sich das Geflecht von Ursachen und Wirkungen, in das sie verwoben sind, nicht allein in innerweltliche Faktoren auflösen läßt. Die neue Zurkenntnisnahme der außerirdischen Geistmächte mag manchem etwas wie eine bedingungslose Kapitulation seiner bisher behaupteten Standpunkte abfordern - sie ist aber für jeden, der sie noch nicht in Rechnung gestellt hatte, gleich notwendig wie heilsam. Wenn auf dem Wege dieser schmerzlichen Erfahrungen der Dünkel der Moderne vom autonomen Menschen allmählich abgebaut und das Syndrom der rationalistischen Wahnvorstellungen schließlich überwunden wird, muß auch hier der böse Geist wider Willen einem guten Zwecke dienen.

Nicht nur der bislang Ungläubige kann aus der Manifestation Satans Nutzen ziehen; jeder Einbruch der höllischen Macht bewirkt auch für den Gläubigen eine Aufrüttelung des Gewissens. Wie oft ist gerade ein falsch gedeutetes Bewußtsein völliger Geborgenheit im Glauben für den Christen Anlaß zu zunehmender Leichtfertigkeit gegenüber dem Feind und zu riskanter Schlummrigkeit in der Gefahr! Wie leicht geraten unter dem Einfluß der allgemeinen Bagatellisierung der Sünde und frivoler Oberflächlichkeit der Gesellschaft die Maßstäbe für Gut und Böse außer Gebrauch, um zuletzt gänzlich abhanden zu kommen! Muß nicht ein so fataler Frontbericht wie der aus Klingenberg manchem miles christianus (Soldat Christi) bewußt machen, daß er sich - ohne Urlaub von seiten seines himmlischen Kriegsherrn - längst aus der Geistesschlacht absentiert hat, um irgendwo in der Etappe das träge Vagantenleben eines kampfscheuen Deserteurs zu führen? Muß er nicht jedem, der sich noch einen Rest von Glauben bewahrt hat, ein Ansporn sein, die Festung seines Herzens dicht zu machen gegen das heimliche, ränkevolle Eindringen des Feindes?

Gewiß nicht gering dürfen wir des weiteren jenes Moment in Anschlag bringen, das die Theologie »Scheidung der Geister« nennt. Je herausfordernder, wenn wir so sagen dürfen, sich das Außerirdische in dieser Welt zur Geltung bringt, desto unumgänglicher wird die Parteinahme des Menschen pro oder contra. Je beißender der Spott über den Teufel auf der einen Seite wird, desto klarer muß sich auf der anderen der Glaube kundgeben. Man komme nun ja nicht damit, daß dies - allem Pluralismus und Irenismus zum Trotz - ein Aufruf zur »Polarisierung« sei. Ohne eine solche ist nämlich weder christliche Existenz noch der Kampf dieser Endzeit denkbar. Und wenn es in der Bibel, bezogen auf jene letzte Phase der Geschichte, heißt: »Der Frevler mag noch mehr Frevel tun und der Unreine noch mehr Unreines. Der Gerechte aber handle noch gerechter, und der Heilige heilige sich noch mehr« (Apk 22,1.1) - was ist dies anderes als der gültige Hinweis auf die Unerläßlichkeit der Polarisierung? Verschämtes Verschweigen der Wahrheit dient keinem Frieden, sondern kommt schuldbarer Irreführung gleich.

Von hoher Bedeutung ist ferner der Aufblick zu Gott, der uns gerade in der Begegnung mit den höllischen Mächten zu einem lebendigen Bedürfnis des Herzens wird. Was könnte uns auch mehr antreiben, in Angst und Not, aber auch in Sorge und Sehnsucht das Antlitz des Herrn zu suchen, als solch dreister Vorstoß des Satans ins unseren Lebensraum? Die Hinkehr zu Gott wird uns lehren, daß er auch in derartigen Zulassungen immer noch seine Güte beweist. Gott scheut nicht davor zurück, unsere Welt mit den drastischesten Mitteln zu warnen, aufzuwecken und vom Abgrund zurückzureißen. Daß wir das Opfer der Besessenheit nicht als notwendig verloren betrachten müssen, wurde schon erwähnt. Ward nicht auch Christi Leib und Leben durch den Einfluß Satans auf die Menschen, die er zu unerbittlichen, haßerfüllten Feinden Jesu machte, zerstört, ohne daß der Teufel in Wahrheit vermocht hätte, über Christus zu triumphieren? Was will Gott in allem, was er tut und zuläßt auf Erden, erreichen? Doch dies: unser aller Abkehr von der Sünde und unsere Rettung ins Heil, das Er selber ist.

Ein letzter, positiver Aspekt des Vormarsches Satans soll nicht unausgesprochen bleiben: es ist die ernste Mahnung an die Kirche, der Verweltlichung zu steuern, allen Tand irdischer Eitelkeit und menschlichen Ehrgeizes beiseite zu legen, aufzugeben das törichte Verlangen nach dem Beifall der Welt, weil dies die verhängnisvollen Dinge sind, die sie den finsteren Mächten der Hölle gegenüber schwächen, ja lähmen. Es ist die eindringliche Mahnung an sie, sich auf ihr Wesen und ihre Sendung zu besinnen und sich aufs neue dem Heiligen Geist zu öffnen, der durch sie wirken will. Der Augenblick solchen Sich-Aufraffens der Kirche in Demut und Reue wird die göttliche Macht Christi über den Fürsten der Finsternis glanzvoll aufstrahlen lassen.

Zum bisher Erschienenen


22. Januar
Hans Scholls Quellen des Widerstands

Eine kritische Rezension des Werkes von Robert M. Zoske
Sehnsucht nach dem Lichte. Zur religiösen Entwicklung von Hans Scholl

Von Jakob Knab

Der Hamburger Pastor Robert Zoske hat ein gewichtiges Buch über die religiöse Entwicklung von Hans Scholl, dem führenden Kopf der Weißen Rose, vorgelegt. Der kundige Leser ahnt etwas von der überbordenden Lust des Autors auf neue Horizonte, er spürt auch dessen unermüdliche Hingabe und außergewöhnliche Schaffenskraft. Auf über 800 Seiten werden diese (z.T. widersprüchlichen) Kernthesen entfaltet: „Nicht Kirche und Eucharistie, sondern Kreuz und Erlösung standen für Scholl im Mittelpunkt. Scholl suchte die Essenz des christlichen Glaubens, keine Konfession. Der evangelische Glaube war das Fundament für Hans Scholls Widerstand. Scholl hat, Taten und Texte belegen das, Luthers Freiheit eines Christenmenschen gelebt. Der protestantische Glaube durchzog als Leitton und Leitmotiv seinen widerständig-revolutionären Freiheitskampf.“

Autor Zoske nennt die Freiheit, nicht die Rechtfertigung, den Zentralbegriff protestantischen Glaubens. Im Kapitel „Zur Freiheit befreit“ wird Martin Luthers Streitschrift „Vom unfreien Willen“ (1525) angeführt. Laut Luther ist der menschliche Wille wie ein Lasttier: Wenn Gott es reitet, will es wie Gott will und geht hin, wo er will. Reitet ihn der Teufel, geht es hin, wo der Teufel will. Es hat nicht die Freiheit, seinen Reiter zu wählen. Der katholische Humanist Erasmus, der Luther ein Jahr zuvor herausgefordert hatte, wird bei Zoske nicht erwähnt.

In Zoskes Sicht gründet Scholls Widersagen in Schleiermachers romantischer Gefühlsreligion. Friedrich Schleiermacher war der bedeutendste protestantische Theologe im 19. Jahrhundert. Dabei bewegt sich Autor Zoske freilich auf dünnem Eis, um dessen herausragende Bedeutung für Scholl zu begründen: „Aus Scholls Bibliothek ist ein Exemplar der Reden über die Religion [von Schleiermacher] erhalten geblieben.“ Es kümmert Zoske nicht, dass nirgendwo sonst in Scholls Briefen und Aufzeichnungen der Name Schleiermacher aufscheint. Dies ist nachvollziehbar, denn dessen nationalprotestantische Gesinnung passt nicht in Scholls Geschichtsbild: Im Januar 1809 hatte Schleiermacher bekundet, dass es „dem Christen unanständig sei, der Obrigkeit untertan zu sein um der Strafe willen, dass es ihm natürlich und notwendig sei, ihr sich zu unterwerfen um des Gewissens willen“.

Schleiermacher schafft es im Index auf 34 Einträge. Den Namen Karl Barth sucht man dort vergeblich. Dabei wird Barth immerhin in einer Fußnote kurz erwähnt. Nicht interessiert ist Zoske an der Umkehrung Schleiermachers, denn Barths „Römerbrief“ (1919) ist ein unüberhörbarer Protestschrei gegen die liberale Theologie und gegen nationalprotestantische Mentalitäten des 19. Jahrhunderts. Idealtypisch für jenes preußische und fromme Selbstbewusstsein steht der Name Schleiermacher.

Zoske schlägt eine ideengeschichtliche Brücke von Schleiermacher zu Max Horkheimer von der Frankfurter Schule. Ausführlich wird dabei dessen SPIEGEL-Interview vom Januar 1970 zitiert. Auf der anderen Seite interessiert sich der Autor nicht dafür, dass Horkheimer im Jahr 1936 Theodor Haeckers Buch „Der Christ und die Geschichte“ (1935) besprach. Vor allem durch die innewohnende Sehnsucht nach universaler Gerechtigkeit erweckte Haeckers Wort bei Horkheimer Achtung. Der Konvertit Haecker, einer von Scholls Mentoren, passt nicht in Zoskes Gesamtduktus, so zeichnet er ein Zerrbild. Dabei zählte Haecker für Scholl zu „jenen gewaltigen Erscheinungen, die das, was sie geschrieben haben, durch ihre Person noch steigern.“ Doch Zoskes Sympathien liegen anderswo, sein spürbares Wohlwollen gilt dem homoerotischen und esoterischen Dichter Stefan George.

Im Kriegsjahr 1941 las Scholl das Buch "Kierkegaards Folgen" des katholischen Philosophen Alois Dempf. Die Kennzeichnungen bei der Lektüre, so Zoskes These, zeigen u.a. Scholls Suche nach einem "Staat ohne Repressalien gegen den Einzelnen". Scholls Vorbilder seien die Dissidenten Ockham, Luther und Kierkegaard. Zoske erwähnt freilich nicht, dass Ockham für die erbsündig verderbte Welt eine möglichst wirksame "Staatszwangsgewalt" aufrichten wollte. Nachzulesen bei Dempf auf Seite 104! Ein weiteres Beispiel für Zoskes verkürzte und verzerrte Sicht: Paul Nordhues (1915 – 2004), der spätere Weihbischof von Paderborn, war im Herbst 1942 an Scholls Frontabschnitt als katholischer Militärseelsorger eingesetzt. Nach dem Krieg erzählte er, wie Hans Scholl seine Gottesdienste mitgefeiert und voller Eifer an seinen Bibelstunden teilgenommen habe. Nordhues war sehr erstaunt, als er darüber aufgeklärt wurde, dass Scholl evangelisch gewesen sei. Vergeblich sucht man den Namen Nordhues bei Zoske. Gleiches gilt für die Namen G.K. Chesterton, Etienne Gilson, Francis Jammes, Alfred von Martin, Charles Peguy und Karl Pfleger.

Wenn nun der Dissident Luther – laut Zoske – ein Vorbild Scholls auf der Suche nach einem "Staat ohne Repressalien gegen den Einzelnen" war, dann ist diese These ein weiterer Beleg für Zoskes Kopfgeburten. In seinem konfessionalistischen Übereifer kennt Zoske nur ein geschöntes und geplättetes Geschichtsbild, wenn es um seinen Heros Martin Luther geht. Richtig ist vielmehr: Schonungslos nahm Luther Partei für die Obrigkeit: „Der Esel will Schläge haben und der Pöbel will mit Gewalt regiert werden.“ Zoske kennt nicht Luther blutrünstiges Pamphlet gegen die aufständischen Bauern: „Wer auf fürstlicher Seite umkommt“, predigte der Reformator, „wird seliger Märtyrer, wer drüben fällt, fährt zum Teufel, darum soll hie zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, und gedenken, dass nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann denn ein aufrührerischer Mensch.“ Nota bene: Hans Scholl gehörte in seiner Zeit zu jenen „aufrührerischen Menschen“. Sapienti sat!

Dennoch wird der wohlwollende und kundige Leser bedauern, dass Autor Zoske nicht einfach seine kostbaren Funde als wohlfeiles Buch veröffentlichte; denn das vorliegende Werk leidet stark an Zoskes ungebremsten Ausflügen in die Ideengeschichte. Hier ein Absatz von Seite 253: „Da Nietzsches Schriften ein einziges ‚Nein!’ des Ungehorsams sind, konnten sie zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Scholls widerständigen Geist werden. Der Versuch der Nationalsozialisten, den Philosophen für ihre Zwecke zu vereinnahmen, war so absurd wie die Instrumentalisierung Luthers. Beide Denker standen in ihrer Einmaligkeit gegen jede Vermassung, sie hatten ‚Charakter und eigne Art’, forderten und förderten das Anderssein. Scholl hatte erkannt, wie die Erziehungsmethoden des Regimes jede Menschlichkeit vernichteten, so dass nur noch, wie Nietzsche nahelegte, ein liebevoller göttlicher Blick sie wieder erwecken konnte. Scholl sah, wie Thomas Mann, den Philosophen ‚wesentlich als Protestanten.“

Hier muss man innehalten, wenn Nietzsche ‚wesentlich als Protestant’ gesehen wird! Für den NS-Ideologen Rosenberg lag es auf der Hand, an Nietzsches Verachtung des Christentums („Sklavenmoral”) anzuknüpfen. 1930 trat Alfred Rosenberg mit seinem Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ an die Öffentlichkeit. In seinem „völkischen“ Kern bedient sich dieses Werk u.a. bei Paul de Lagarde (1827 – 1891) und Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900).

Autor Zoske nimmt nicht zur Kenntnis, wie die Reformation auch eine Nationalisierung des Religiösen zur Folge hatte. Im Klartext: Luther wurde im Dritten Reich von seinen eigenen Leuten ‚vereinnahmt’ und ‚instrumentalisiert’. Als Beleg soll ein Auszug aus der Predigt des Berliner Generalsuperintendenten Otto Dibelius zur Eröffnung des Reichstages am 21. März 1933 dienen: „Wir haben von Dr. Martin Luther gelernt, dass die Kirche der rechtmäßigen staatlichen Gewalt nicht in den Arm fallen darf, wenn sie tut, wozu sie berufen ist. Auch dann nicht, wenn sie hart und rücksichtslos waltet.“

Auch die sog. „Godesberger Erklärung“ ist dem Autor Zoske nicht bekannt. Nachdem der Erzbischof von Canterbury die NS-Aggression gegen die Tschechoslowakei verdammt hatte und zur Einheit der protestantischen Kirchen aufgerufen hatte, unterzeichneten u.a. Repräsentanten von elf Landeskirchen die „Godesberger Erklärung“. Traurige Berühmtheit erlangte die erste Fassung der Grundsätze vom 26. März 1939. Hier der Kernsatz: „Indem der Nationalsozialismus jeden politischen Machtanspruch der Kirchen bekämpft und die dem deutschen Volke artgemäße nationalsozialistische Weltanschauung für alle verbindlich macht, führt er das Werk Martin Luthers … fort.“

Wer sich die Mühe macht, Zoskes Werk auf handwerkliche Professionalität zu überprüfen, wird auf folgende Manipulation stoßen, denn Zoske schreibt auf der besagten Seite 253: „Beide Denker [Luther und Nietzsche] standen in ihrer Einmaligkeit gegen jeder Vermassung, sie hatten ‚Charakter und eigene Art, forderten und förderten das Anderssein. Scholl hatte erkannt, wie die Erziehungsmethoden des Regimes jede Menschlichkeit vernichteten , so dass nur noch, wie Nietzsche nahelegte, ein liebevoller göttlicher Blick’ sie wieder erwecken konnte. Scholl sah, wie Thomas Mann, den Philosophen ‚wesentlich als Protestanten’.“ Als Beleg für den Ausdruck „liebevoller göttlicher Blick“ wird in der Fußnote 1196 die Seite 139 in Nietzsches Unzeitgemäßen Betrachtungen angegeben. Doch wird man dort nicht fündig. Richtig ist vielmehr: Den Ausdruck vom „liebevollen göttlichen Blick“ gebraucht Nietzsche in seinem Antichrist. Hier der Kontext, um Nietzsches Aussageabsicht und –inhalt zu verdeutlichen: „Aus der Höhe gesehn, bleibt diese fremdartigste aller Tatsachen, eine durch Irrtümer nicht nur bedingte, sondern nur in schädlichen, nur in leben- und herzvergiftenden Irrtümern erfinderische und selbst geniale Religion ein Schauspiel für Götter – für jene Gottheiten, welche zugleich Philosophen sind, und denen ich zum Beispiel bei jenen berühmten Zwiegesprächen auf Naxos begegnet bin. Im Augenblick, wo der Ekel von ihnen weicht (– und von uns!), werden sie dankbar für das Schauspiel des Christen: das erbärmliche kleine Gestirn, das Erde heißt, verdient vielleicht allein um dieses kuriosen Falls willen einen göttlichen Blick, eine göttliche Anteilnahme... Unterschätzen wir nämlich den Christen nicht: der Christ, falsch bis zur Unschuld, ist weit über dem Affen – in Hinsicht auf Christen wird eine bekannte Herkunfts-Theorie zur bloßen Artigkeit.“ (Nietzsche, Der Antichrist, Kapitel 39). Zoske liegt auch falsch mit seiner Behauptung, Nietzsche sei wesentlich als Protestant zu verstehen. Richtig ist vielmehr: Nietzsche rebellierte gegen ein düsteres deutsches Luthertum. Sein Entwuf vom „Tod Gottes“ als übernatürlicher Person verdankt sich auch Hegel, Schopenhauer und ist den Verhältnissen des deutschen Protestantismus im späten 19. Jahrhundert geschuldet. Sapienti sat!

Uneingeschränkte Anerkennung verdient der Widerstandsforscher Zoske zu guter Letzt für einen bedeutsamen Fund: er entdeckte Gedichte, die Hans Scholl im Jahr 1938 schrieb und die in der Forschung zur Weißen Rose bisher unbeachtet geblieben sind. In einer frühen Lebenskrise verfasste der junge Soldat Scholl auch stark religiös geprägte Gedichte wie „Nachts im Klostergarten“, „Sonnengesang“, „Gott“ und „Dom“. Ein Gedicht, das Zoske in den Beständen des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) München fand, ragt heraus, dreiundreißig mit Hand geschriebene Seiten umfasst der Marienhymnus. Es ist die Suche nach Reinheit, Glanz und Schönheit, wenn Hans Scholl, der am 7. Mai 1938 wegen Verfehlungen (u.a. § 175a StGB) angeklagt wurde, sich nur wenige Tage später an die fürsorgliche Mutter Jesu wendet: „Maria – Königin / du Starke – du tief / in Gott verschmolzne Rose der Höh’ / laß uns dich grüßen / so wie wir dich erahnen / in unsern engen Bahnen (…) Denn du bist ja Kristall / der tausend Glanze sprüht / und immer anders glüht / du thronest hell im Himmelsall (…) Fülle aus göttlichem Strahle / schütte aus ewigen Brunnen / die Glut in unser Gefäß / Flammen und Feuer und Licht / das ewig verbleibt / wenn Wand und Hülle zerbricht.“

Zum Thema: Die Wurzeln der Weißen Rose


21. Januar
Das apostolische Herz

Von P. Wilhelm Eberschweiler

Vierte und letzte Folge

Bis zum Übermaß ist die Erde mit Sünden bedeckt, aber noch größer ist das Verlangen, das darob in Jesu Herz entbrennt, durch sein Leiden ein Meer von Gnaden zu verdienen. Unendlich ist die Schuld, die sich zwischen Gott und den Menschen aufgehäuft hat; aber auch unendlich ist die Begierde, die darob in Jesu Herz entzündet wird, den Schuldbrief am Kreuz mit seinem eigenen Blute zu tilgen. Furchtbar ist der kalte Tod, den die Sünde in die Welt gebracht hat, unwiderstehlich seine Macht, kein Mensch, der ihm sein Opfer entreißt; aber stark wie der Tod ist die Liebe Jesu, und stärker noch sind die Flammen derselben, wie sie in seinem Herzen auflodern, die es mit einem unsäglichen Verlangen erfüllen, den Stachel des Todes durch seinen Tod zu vernichten.

Entsetzlich wüten die Flammen der Hölle, ein Feuermeer, das in Ewigkeit nicht erlischt, aber noch unauslöschlicher ist jenes Feuermeer, das im Herzen Jesu entbrannt ist. Da glüht der Eifer, von dem es im Hohenliede heißt: "Seine Leuchten sind Leuchten von Flammen und Feuer" (Hohel. 8,6). Und wiederum: "Viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen, und ganze Ströme reißen sie nicht mit weg."

Ein Meer von Leiden ist über Jesus hereingebrochen, aber seinen Liebeseifer vermochte es nicht zu löschen. Noch mehr zu leiden war er bereit. Schon war sein Blut in Strömen geflossen, schon war der Kaufpreis hundertfach und noch darüber geboten, schon war zur Übergenüge erfüllt, was der Prophet gesagt: "Bei ihm ist überreiche Erlösung" und noch dürstet ihn. Mich dürstet nach Leiden für die Seelen. Ja, hören wir, was er eines Tages der heiligen Brigitta sagte: "Ich habe dich geschaffen und habe kein Glied an meinem Leibe geschont, habe ein jedes desselben zur Qual hingegeben für dich; aber zu all dem würde ich auch jetzt noch, wenn es geschehen könnte, wiederum eher mich kreuzigen lassen, als die Seelen verlieren; so sehr liebe ich dieselben."

Das Herz Jesu, das Ideal eines seeleneifrigen Herzens

Das Ideal eines seeleneifrigen Herzens ist in Wahrheit das liebeglühende Herz Jesu; darinnen glühte heiß und warm das dreifache Verlangen, von dem wir gesprochen:

a) Jesus liebt die Seelen als Ebenbilder Gottes, als Tempel bestimmt zur Wohnung seines Heiligen Geistes, und der Eifer für dieses sein Haus verzehrt ihn;

b) Jesus schätzt und liebt Tugend und Heiligkeit, die allein die wahre Zierde des Hauses des Herrn sind; und daher sein heißes Verlangen, alle in dieser Zierde glänzen zu sehen. Das Wohlgefallen des Vaters und das Glück der Vereinigung mit ihm geht Jesus über alles, und darum seufzt sein Herz und ruft mächtig empor: Vater, O ich will, daß die, die du mir gegeben, auch da seien, wo ich bin;

c) Jesus haßt und verabscheut endlich nichts so sehr wie die Sünde. Er kennt kein größeres Unglück, als von Gott verworfen zu werden: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet", und daher sein unwiderstehliches Verlangen, die Sünden zu tilgen, das Unglück der ewigen Verwerfung, ja, jeglichen, auch den geringsten Schaden von den Seelen abzuwenden. Wahrlich, voll von Seeleneifer ist das Herz Jesu. Das Verlangen nach unserm Heile ist eine dauernde, tief innewohnende, eigentümliche Gesinnung, eine mächtige, unwiderstehliche Neigung, eine Hauptleidenschaft.

Auch unser Seeleneifer muß so beschaffen sein. Nicht ein Eifer, der abhängig ist von äußeren Verhältnissen, der nur dann auflebt und tätig ist, wenn äußere Wirksamkeit sich bietet, sondern ein Eifer, der im eigenen Inneren wurzelt, der eine Haupttriebfeder unseres Seelenlebens bildet, der große innere Tugend ist und darum jeden Tag und jede Stunde tätig ist, dessen Leben Apostolat ist, ein Leben für anderer Heil. Ein apostolisches Herz schlägt unaufhörlich von Verlangen nach dem Seelenheil. Aus uns selbst besitzen wir nun freilich ein solches Herz nicht, oh, kein einziger nennt es von Natur aus sein eigen; im Gegenteil, aus uns selbst fleischlich gesinnt, lieben wir eher die Erdengüter als die Seelen; aus uns selbst irdisch gesinnt, haben wir für Tugend und Heiligkeit wenig Verständnis und treue Liebe; aus uns selbst blind und leichtsinnig, werden wir wenig berührt von dem, was der Seele Verderben bringt. Gleichgültig, kalt und steinern ist unser Herz in dieser Beziehung. “Cor lapideum”, wie der Heilige Geist sagt (Ezech. 11,19).

Aber es gibt ja jemanden, der verheißen hat, er werde das steinerne Herz hinweg nehmen aus unserer Brust und uns ein neues geben. Noch mehr, er hat sich schon gewürdigt, dieses Wunder der Gnade an uns zu wirken. Er hat uns hinausgeführt aus der Welt oder uns doch ihre Eitelkeit erkennen lassen; er hat voll Erbarmen uns an sich gezogen in seine Nähe durch die Gnade der Kindschaft und die Firmgnade, durch die stets wachsende Liebe, die er eingießt in der heiligen Kommunion in unser Herz. Bei dem wunderbaren Lichte, in welchem wir wandeln (vgl. I. Petr. 2, 9), tritt um so krasser hervor die Finsternis, in der zahllose Seelen begraben sind; bei den Schönheiten, Wonnen und Reichtümern, die wir im göttlichen Herzen schauen und auch schon genießen, wird uns um so klarer die entsetzliche Armut verblendeter Sünder; in der Vereinigung endlich mit diesem Herzen, da entzündet sich unser Herz, da lernt es schlagen von inbrünstigem Verlangen, alle, alle möchten teilteilhaftig werden des Lichtes, der Wonnen, der Reichtümer unseres Herrn und Gottes.

Oh, so halten wir uns doch in der Nähe desjenigen, der nicht nur das Ideal, sondern auch der Schöpfer eines apostolischen Herzens ist! Seien wir stets bemüht, in Vereinigung mit ihm zu leben und in eine immer innigere Gemeinschaft mit ihm zu treten! Und weil das nur in dem Grade geschehen kann, als wir selbst unser Herz reinigen und demütig werden, so seien wir rastlos um Reinheit und Demut bemüht! Dann wird der wahre Eifer immer mehr unser Anteil werden und sich unermüdlich und freudig betätigen im Bereich unserer Berufsarbeiten, dann werden wir reiche Früchte im Weinberge Gottes ernten, und unsere Krone wird einmal doppelt herrlich sein.

Zum bisher Erschienenen


20. Januar
Die Missbrauchssünden und der Mainstream
der deutschen Moraltheologie

P. Engelbert Recktenwald

Vor fünf Jahren begann die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Innerkirchlich wurde er von einigen Kreisen zum Anlass genommen, die katholische Morallehre infrage zu stellen, obwohl sich der Skandal weniger auf dem Boden der Morallehre als vielmehr auf dem ihrer Liberalisierung entwickelt hatte. Der Missbrauchsskandal in Deutschland war nicht eine Krise der römisch-katholischen Morallehre, sondern der Kirche in Deutschland, die diese Lehre aufgeweicht hatte. Um diesen Zusammenhang herauszustellen, schrieb ich für das Vatican-Magazin folgenden Artikel, der in der März-Ausgabe 2010 veröffenticht wurde.

Der Missbrauchsskandal an katholischen Schulen hat einerseits zu einer erfreulichen Aufklärungsoffensive geführt, die hoffentlich zu einer größeren Sensibilität bei allen Verantwortungsträgern beiträgt, um in künftigen Fällen schneller und konsequenter zu reagieren. Möglichen Tätern muss jede Illusion genommen werden, sie könnten unentdeckt bleiben und sich in Sicherheit wiegen. Schon anlässlich des irischen Missbrauchsskandals hatte der bekannte Moraltheologe Vincent Twomey SVD die Inkompetenz mancher Bischöfe beklagt, die sich unter anderem in der Tendenz zeige, sich hinter der Bischofskonferenz zu verstecken, statt energisch die persönliche Verantwortung, die Kardinal Ratzinger schon 1994 angemahnt hatte, wahrzunehmen (Tagespost vom 10. Dezember 2009).

Andererseits hat der Skandal eine neue Diskussion nicht nur über den Zölibat, sondern über die Sexuallehre der Kirche überhaupt entzündet. Ausgerechnet der Jesuit Klaus Mertes, der Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, der die Missbrauchsfälle an seiner Schule an die Öffentlichkeit brachte, verband seine Offensive mit einer pauschalen Kritik an der kirchlichen Sexuallehre. In der Presse wurde das als mutige Selbstkritik bezeichnet. In Wirklichkeit ist es keine Selbstkritik, sondern eine Fortsetzung des publizistischen Kampfes gegen die kirchliche Lehre mit anderen Mitteln. Dieser Kampf wird seit über vierzig Jahren so erfolgreich geführt, dass Theologen, die treu zur kirchlichen Morallehre stehen, an vielen Universitäten kaum eine Chance haben, auf einen Lehrstuhl für Moraltheologie berufen zu werden. Der Mainstream im deutschen Katholizismus zeichnete und zeichnet sich gerade durch eine kritische Distanz zur kirchlichen Morallehre aus, und der Jesuitenorden bildet dabei, wie Alexander Kissler bemerkt hat, vielfach gerade die “Speerspitze des Neuen”. Theologen wie Prof. Giovanni Sala SJ, die fest auf dem Boden der kirchlichen Lehre stehen, sind die große Ausnahme. Nichts spricht dafür, dass die Jesuitenschule in Berlin ebenfalls eine Ausnahme bildet.

Noch nie hat die Kirche eine so ausgewogene, gut begründete und in einer tiefschürfenden Anthropologie verankerte Sexuallehre vorgelegt wie unter Papst Johannes Paul II. in dessen “Theologie des Leibes”, die er unermüdlich immer wieder vortrug und in der er gerade aus der Würde des menschlichen Leibes einen dieser Würde gemäßen Umgang mit der Sexualität ableitet. Doch diese Lehre wurde in Deutschland boykottiert. Sie kam nie an der Basis an, weil sie weder in der Theologie noch in der Verkündigung rezipiert, geschweige denn weitervermittelt wurde.

Wenn man also über die individuellen Gründe des jeweiligen Missbrauchsfalls hinaus einen Zusammenhang sehen will mit der dahinterstehenden Lehre, dann ist sinnvollerweise nicht die Lehre, die der Papst in Rom vorträgt, ins Auge zu fassen, sondern die Lehre, die hier in Deutschland in der Moraltheologie vorherrscht. Und genau einen solchen Zusammenhang sieht der schon erwähnte Vincent Twomey SVD. Was er über den irischen Missbrauchsskandal sagt, gilt erst recht für den deutschen: “Das Problem wurde noch durch eine bestimmte Art von Moraltheologie verschlimmert, die in Abrede stellte, es gebe Handlungen, die in sich (intrinsisch) schlecht seien. Bestenfalls kommt dabei Untätigkeit in moralischer Hinsicht heraus; schlimmstenfalls jedoch ein lasterhaftes Verhalten.”

Diese Art von Moraltheologie wird heute von vielen Theologen vertreten, die im offenen Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen. Sie vertreten die Ansicht, dass es keine in sich schlechten Handlungen gibt. Jede Handlung sei einer möglichen Güterabwägung unterworfen, und bei jeder Handlung sei die Möglichkeit in Rechnung zu stellen, dass es Umstände geben könne, unter denen sie gerechtfertigt sei. Darüber zu urteilen, ob ein solcher Fall vorliegt, liege in der Gewissensentscheidung des Einzelnen. Demgegenüber lehrt die Kirche, dass es einerseits Handlungen gibt, die aufgrund bestimmter Umstände verwerflich sein können, andererseits aber auch Handlungen, die immer und unter allen Umständen verwerflich sind. Diese werden in sich schlecht (intrinsece malum) genannt. Der Clou der dissidenten Moraltheorie besteht gerade darin, die Existenz solcher Handlungen überhaupt zu leugnen. Wenn es keine in sich schlechten Handlungen gibt, dann ist es auch der Kindesmissbrauch nicht. Und dann ist es der Phantasie des Täters überlassen, Umstände und Gründe zu konstruieren, um sich vor seinem eigenen Gewissen zu entlasten und seine Tat zu rechtfertigen.

Natürlich werden die Vertreter jener Moraltheorie das entrüstet zurückweisen und von einem Missbrauch ihrer Theorie sprechen. Außerdem wäre es interessant, ob Twomey tatsächlich einen empirischen Zusammenhang zwischen der Theorie und dem irischen Skandal belegen kann. Aber es kann nicht geleugnet werden, dass mit der Zurückweisung der Lehre vom In-sich-Schlechten der Weg frei gemacht wird, die Güterabwägung auch auf den Missbrauch von Kindern anzuwenden, so wie einige Theologen, etwa die Moraltheologin Sigrid Müller, sie ja auch auf die Tötung von Kindern, nämlich ungeborenen, anwenden. Und es ist kein Zufall, dass es dieselben Theologen sind, wie etwa Hans Küng, die dem Lehramt Rigorismus in Sachen Abtreibung wie auch in Sachen Keuschheit vorwerfen. Doch in beiden Fällen ist dieser angebliche Rigorismus nichts anderes als die Kehrseite der absoluten, keine Ausnahme zulassenden Schutzwürdigkeit der menschlichen Person in Bezug auf Leib und Leben. Es ist widersprüchlich, in der Praxis von der Kirche eine Null-Toleranz-Politik zu fordern, in der Theorie aber eine Aufweichung der Normen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche kann nur wiederhergestellt werden, indem sie von ihren Priestern in dem hier relevanten Bereich die Orthopraxie mit derselben Strenge einfordert wie die Orthodoxie und so Leben und Lehre in Übereinstimmung bringt.

Es gab Theologen, die konnten sich nicht genugtun, gegen Papst Johannes Paul II. wegen seines Festhaltens an der traditionellen Lehre zu polemisieren. 1989 erschien die Kölner Erklärung, in der über 220 Theologen gegen den Papst in einer Weise Stellung bezogen, dass der oben verwendete Ausdruck des “Kampfes” gegen Rom nicht übertrieben erscheint. Vordergründig erschien die Erklärung als Protest gegen verschiedene Bischofsernennungen, tiefergründig richtete sie sich gegen das Lehramt. Anlass war eine Rede vom 12. November 1988, in der der Papst die Lehre von den in sich schlechten Handlungen in aller Deutlichkeit herausstellte. Er nannte sie “einen Zentralpunkt der christlichen Lehre von Gott und Mensch” und führte aus: “Wohl gemerkt, was hier in Frage gestellt wird, wenn man diese Lehre ablehnt, ist der Gedanke der Heiligkeit Gottes selbst. Indem er uns dazu vorausbestimmt hat, heilig und makellos vor ihm zu sein, hat er uns ‘in Christus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die er für uns im voraus bereitet hat’ (Eph 2,10): jene sittlichen Normen sind einfach ein Erfordernis, von dem kein geschichtlicher Umstand dispensieren kann, ein Erfordernis der Heiligkeit Gottes, das sich konkret und keineswegs abstrakt jeder einzelnen menschlichen Person mitteilt.”

Der Mainstream des deutschen Katholizismus dagegen zeichnete sich durch fortschreitende moralische Lockerungsübungen aus, so dass etwa 1987 in einem Roverheft des DPSG Kondome als Bestandteil der Grundausstattung des Pfadfinders empfohlen wurden. “Keuschheit” und “Selbstbeherrschung” wurden zu Fremdwörtern. Priester, die Frauen anmachten, beriefen sich aufs Zweite Vatikanische Konzil, das vieles lockerer sehe als früher. Während die Psychotherapeutin Christa Meves katholisch wurde, weil sie in der kirchlichen Morallehre ein Bollwerk gegen den zerstörerischen Einfluss der sexuellen Revolution erkannte, gab es innerhalb der Kirche viele, die mit der Revolution bis hin zu den Forderungen der Grünen nach einer Legalisierung des Sex mit Kindern liebäugelten oder sie gar in die Kirche hineintragen wollten. So ist es nicht verwunderlich, dass einer der Täter am Canisius-Kolleg von einem Opfer als faszinierender Priester beschrieben wird, der “sehr fortschrittlich dachte” (in der taz vom 3. Februar).

Überspitzt ausgedrückt könnte man sagen: Für die Lockerungsübungen beruft man sich aufs Konzil, wenn es aber schief geht und zum Skandal kommt, ist plötzlich der Papst dran schuld. Ehrliche Selbstkritik sieht anders aus. Sie sollte den Irrweg zugeben, den man mit der Abwendung von der kirchlichen Lehre eingeschlagen hat. Gewiss bietet auch sie keinen absoluten Schutz vor Kindesmissbrauch, denn die beste Lehre beraubt den Menschen nicht der Möglichkeit, von seiner Freiheit einen schändlichen Gebrauch zu machen. Aber wer vom Wert der Keuschheit überzeugt ist, tut sich leichter, diese Tugend auch zu leben. Wer das Ausleben der Sexualität in allen möglichen Spielarten als Menschenrecht ansieht, tut sich schwerer, absolute Grenzen zu respektieren. Die aus Überzeugung verinnerlichte Lehre der Kirche über die Existenz dieser Grenzen im Sinne einer Humanisierung der Sexualität ist allemal ein größerer Schutz vor dem Absturz in schlimme Vergehen als eine Moraltheologie, die diese Grenzen aufweicht, das Lehramt der Kirche infragestellt und die Grenzziehung dem orientierungslos gewordenen und den Launen der öffentlichen Meinung ausgelieferten Gewissen des Einzelnen überlässt.


19. Januar
Notwendiges Abschiednehmen

Es ist undenkbar, dass die Denkweise, die wir für heilig halten, die gesamte Umma (islamische Welt) zu einer Quelle der Angst, der Gefahr, des Tötens und der Zerstörung für den Rest der Welt werden ließe. Unmöglich! Jenes Denken – ich sage bewusst „Denken“ und nicht „Religion“ – jener Korpus an Texten und Ideen, die über die Zeit für so heilig gehalten worden sind, dass ein Abschiednehmen von ihnen fast unmöglich erscheint, bringt die ganze Welt in Aufruhr. Es bringt die ganze Welt in Aufruhr (erg.: gegen uns)!
Ist es möglich, dass 1,6 Milliarden Menschen (gemeint sind die Muslime der Welt) den Rest der Erdenbewohner umbringen wollte – 7 Milliarden – damit sie selbst am Leben bleiben? Unmöglich! Ich spreche diese Worte hier an der Al-Azhar vor dieser Versammlung von Gelehrten und Ulema (Autoritäten der islamischen Rechtswissenschaften) – der allmächtige Allah sei Zeuge Eurer Wahrheit am Tag des Gerichts im Blick auf das, was ich jetzt rede. All das, was ich Ihnen jetzt sage, können Sie nicht fühlen, wenn Sie in jenem Denken verhaftet bleiben. Sie müssen aus sich heraus gehen, um es wahrnehmen zu können und aus einer aufgeklärteren Perspektive zu betrachten.
Ich sage es und wiederhole noch einmal, dass wir eine religiöse Revolution brauchen. Sie, die Imame (religiösen Führer) tragen Verantwortung vor Allah. Die ganze Welt – ich wiederhole – die ganze Welt wartet auf Ihren nächsten Schritt… denn diese Umma wird zerrissen, sie geht verloren – und das durch unsere eigene Hand.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah Al-Sisi in seiner Neujahrsansprache an der Kairoer Al-Azhar Universität, der höchsten Rechtsinstanz des sunnitischen Islams, in der er den islamistischen Terror geißelt und zur Reform des Islams aufruft (Übersetzung aus dem Englischen durch Michele Antaki). Jene, die behaupten, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, fallen diesen Reformbemühungen in den Rücken. Denn wenn der terroristische Dschihad nichts mit dem Islam zu tun hat, braucht sich der Islam nicht zu ändern und Reformen wären überflüssig.


19. Januar
Reform gilt als Ketzerei

Das Problem besteht darin, dass die Auslegungsprinzipien des Korans in den ersten Jahrhunderten festgelegt wurden und seitdem als unhinterfragbar gelten. Das heißt, man kann heute nicht einfach hingehen und die Verse über die rechtliche Benachteiligung der Frau, über die benachteiligte Stellung von Juden und Christen oder die Verse über den Dschihad grundsätzlich für abgeschafft erklären, ohne sich den Vorwurf der Ketzerei zuzuziehen. Und nicht nur das: Die rechtlichen Regelungen aus der Zeit Mohammeds, die nicht sehr umfangreich waren, sind nach Mohammeds Tod von den frühen Juristen bis zum 10. Jahrhundert in Rechtskompendien interpretiert worden und gelten bis heute als verbindliche Auslegungen.

Die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher im Interview Reform gilt als Ketzerei mit der Oliver Maksan, Tagespost vom 15. Januar 2015.

Weitere Stellungnahmen zum Islam


19. Januar
Diego Laynez

Vor 450 Jahren, am 19. Januar 1565, starb in Rom im Alter von 53 Jahren Diego Laynez SJ, der direkte Nachfolger des hl. Ignatius von Loyola als General der Gesellschaft Jesu.


18. Januar
Wer will da nicht Prinzessin werden?

Ein „Englisches Fräulein“ erobert die Kinderherzen

Von Dr. Petra Kehl

Einst stand Mary Loyolas spiritueller Kinderbuchklassiker „Der König der Goldenen Stadt“ in fast jedem katholischen Haushalt Englands. Nach dem Konzil geriet er weitgehend in Vergessenheit, doch in den vergangenen Jahren erlebte er in den USA eine Renaissance. Nun erscheint diese märchenhafte Einführung ins geistliche Leben erstmals in deutscher Sprache.

Als Elizabeth Giles 1859 mit 14 Jahren zum ersten Mal die Bar Convent School in York betrat, die damals als eine der besten Mädchenschulen in England galt, konnte sie nicht ahnen, dass sie einmal selbst Direktorin und eine der bekanntesten Lehrerinnen dieser Schule werden sollte. Nur ein paar Jahre zuvor war die größte Katastrophe über Elizabeth hereingebrochen, die es in einem Kinderleben geben konnte: Innerhalb weniger Wochen verlor sie beide Eltern und zwei Geschwister durch Scharlach. Im überbevölkerten, schmutzigen London um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren derartige Seuchen keine Seltenheit. Sie suchten nicht nur die Elendsquartiere der Armenviertel, sondern auch die besseren Wohngegenden, wie Islington heim, wo Elizabeths Familie – ihr Vater war ein wohlhabender Getreidehändler – ein komfortables Stadthaus mit Dienstpersonal bewohnte.

Kaum genesen und tief unter dem Verlust der Eltern leidend, kam Elizabeth mit ihren überlebenden drei Geschwistern in die Familie von Samuel Giles, einem der neun Brüder ihres Vaters. Samuel Giles gehörte zu den damals recht zahlreichen Konvertiten, die die Englische Staatskirche verlassen und mit ihrer Familie zur katholischen Kirche übergetreten waren. Sein ältester Sohn William bereitete sich im Englischen Kolleg in Rom auf das Priestertum vor. Der Onkel vermied es ängstlich, in irgendeiner Weise in Fragen der Religion Druck auf die Kinder auszuüben. So trat Elizabeth 1854 aus eigenem freien Willen zur katholischen Kirche über.

Den letzten „Schliff“ erhielt ihre katholische Erziehung dann in der Bar Convent School. Bar Convent ist der älteste überlebende katholische Konvent in England. Gegründet wurde er 1686, als Antwort auf die Worte Sir Thomas Gascoignes, eines wohlhabenden katholischen Landadligen, der inmitten der antikatholischen Verfolgungen die Parole ausgegeben hatte: „Wir brauchen eine Schule für unsere Töchter.“ Zu jener Zeit war es in England verboten, katholische Klöster zu gründen. Daher wurde der Konvent heimlich errichtet. Die Schwestern des Instituts Beatae Mariae Virginis, in Deutschland besser bekannt als „Englische Fräulein“, trugen einfache graue Gewänder nach der Mode der Zeit, um keinen Verdacht zu erregen. Die ersten Jahrzehnte des Klosters waren recht turbulent. Die Schwestern hatten unter Armut, Verfolgung und Kerkerhaft zu leiden. Die Verfolgungen und Repressalien gegen Katholiken ließen im 18. Jahrhundert zwar nach, doch Vorsicht war weiterhin geboten. Als daher ein Neubau des Hauses erforderlich wurde, verbarg man die Kuppel der neuen Kapelle unter einem Satteldach und versah die Kapelle sicherheitshalber mit acht (!) geheimen Fluchtwegen.

Zu Elizabeths Zeit freilich hatten die Katholiken in England längst die Freiheit erlangt, ihren Glauben ungehindert praktizieren zu dürfen. Klöster und Kirchen durften offen erbaut und unterhalten werden. Doch die Katholiken wurden weiterhin mit Misstrauen und oft mit Verachtung betrachtet.

1863 hatte die junge Elizabeth ihre Schulzeit beendet. Nun stand für sie die Frage an, was wird aus meinem Leben? Bald spürte sie immer drängender den Ruf Gottes, und so beschloss sie 1866, in den Bar Convent zurückzukehren. Diesmal jedoch als Schwester und Lehrerin.

Es zeigte sich bald, dass Elizabeth oder Mutter Mary Loyola, wie sie seit ihrem Ordenseintritt hieß, die richtige Wahl getroffen hatte. Sie erwies sich als Lehrerin mit ausgezeichneten pädagogischen Fähigkeiten, sodass ihr sogar für etliche Jahre das Amt der Schuldirektorin anvertraut wurde. Einfühlend und durch die Leiden ihrer eigenen Kindheit gereift, verstand sie es, sich in ihre Schülerinnen hineinzuversetzen. Besonders war ihr das Talent gegeben, ihre Zuhörer durch Geschichten in ihren Bann zu ziehen, in die sie neue Erfindungen ihrer Zeit und das aktuelle Zeitgeschehen mit einfließen ließ. Überhaupt war sie für neue Entwicklungen aufgeschlossen und gründete sogar eine Pfadfindergruppe für Jungen, die sie zehn Jahre lang leitete. Sie nutzte einfach alle ihr zu Gebote stehenden Mittel und Möglichkeiten, zu den Menschen von Gott und dem Glauben zu sprechen.

In Anbetracht ihres pädagogischen Geschicks ermutigte sie Pater John Morris SJ, der geistliche Betreuer des Bar Convent, ein Buch zu schreiben, um Kinder auf die Erstkommunion vorzubereiten. Dies wurde 1896 zunächst anonym herausgegeben, erfreute sich aber bald einer solchen Beliebtheit, dass sie in Zukunft alle ihre Bücher unter ihrem Namen veröffentlichte. Es entstanden in der Folge um die 20 Titel: ein Gebetbuch für Kinder, ein Firmbuch, ein Buch zur Beichtvorbereitung, ein Trostbuch für Trauernde (aus Anlass des I. Weltkrieges), eine Kinderbibel und vieles mehr.

Als ihr berühmtestes Buch jedoch kann zweifellos „Der König der Goldenen Stadt“ gelten. Ein kleines Mädchen, das vor der Erstkommunion stand, schrieb ihr einen Brief und bat die verehrte Lehrerin darin, ihr Briefe mit Unterweisungen und kleinen Geschichten zu senden, damit sie sich gut auf den Empfang des Heilandes vorbereiten könne. Mutter Mary Loyola, damals bereits weit über 70 und gerade von schwerer Krankheit genesen, die sie an den Rand des Todes gebracht hatte, entsprach den Wünschen ihrer Schülerin. Das Ergebnis erschien 1921 als Buch unter dem Titel „Der König der Goldenen Stadt“ und gilt unter englischsprachigen Katholiken als ein zeitloses Meisterwerk katholischer Literatur, das nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen mit Begeisterung gelesen wurde und wird.

Mutter Mary Loyola kleidete ihre Unterweisungen in eine allegorische Erzählung: Der König der Goldenen Stadt begegnet einem armen Mädchen, das im Wald in einer Lehmhütte wohnt, und macht ihr ein außergewöhnliches Angebot: Wenn sie will, kann sie in seinem Reich Prinzessin werden. Allerdings gehe das nicht sofort, zuerst müsse sie eine Ausbildung durchlaufen, damit sie auch zu den anderen Prinzen und Prinzessinnen seines Reiches passe. Ein Prinz-Beschützer wird dem Mädchen zugesellt, der ihr hilft und sie beschützt, bis schließlich, am Ende der langen Ausbildungszeit, der König selbst sie abholt und in sein Reich führt. Mutter Mary Loyolas Schilderung ist durchdrungen von der Liebe zu Gott und der Sehnsucht nach Seinem Reich, womit die greise Nonne das Kommen ihres Bräutigams erwartete. Und es gelingt ihr großartig, diese vertrauende Liebe und Sehnsucht in den Herzen der Leser zu wecken, der Erwachsenen ebenso wie der Kinder, sodass sie am Ende der Lektüre nur den einen Gedanken haben: Wer will da nicht Prinzessin (oder Prinz) werden?

Das Buch ist nicht nur eine hervorragende Vorbereitung auf die Erstkommunion. Auch erwachsene Leser werden es mit Gewinn lesen. Und es ist ein wunderbares, trostreiches Geschenk für alte und kranke Menschen.

Geistliche und Religionslehrer erhalten auf Wunsch ein preisreduziertes Prüfexemplar. Bei Bestellungen direkt an den Verlag gibt es auch Staffelpreise.


17. Januar
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

32. Folge

Wie der letztere den Inhalt der Ausdrücke "Wort" und "Bild" in sich kumuliert und abschließt, so jener den Inhalt der Namen "Aspiration" und "Pfand" resp. "Gabe". Wie das Wort an sich schon ein Zeugnis ist, aber erst dann auch als wahrhaft gezeugt und als Person erscheint, wenn es zugleich als reales Bild des sich Bezeugenden auftritt: so ist auch die Aspiration schon ein Hauch des Herzens; aber erst dann, wenn wir im Hauche des Herzens zugleich einen realen Erguß seiner Substanz und seines Lebens erblicken, wird er uns, ähnlich wie die Zeugung, den Ausgang einer neuen Person in Gott vorstellen.

Wenn wir die Innigkeit der Vereinigung zweier Personen ausdrücken wollen, so sagen wir, sie seien eines Geistes oder auch ein Geist. Wir wollen damit sagen, daß sie kraft ihrer Liebe und Zuneigung füreinander und ineinander leben; denn der Geist ist uns hier das Leben selbst, weil es auf animalischem Gebiete hauptsächlich durch den Odem sich kundgibt. Diese Einheit des Lebens und des Geistes beruht darauf, daß der Liebende alles für den Geliebten tut wie für sich selbst, und alles, was derselbe leidet und empfindet, so aufnimmt, als litte und empfände er es selbst; darauf, daß der Liebende dem Affekte nach sich in den Geliebten versetzt, was man die Ekstase der Liebe nennt. Aber diese affektuelle Ekstase der Liebe, diese affektuelle Lebenseinheit der Liebenden strebt ihrer Natur gemäß danach, auch eine reale zu werden [34]. Die Liebenden suchen in der Wirklichkeit ihr beiderseitiges Leben ineinander überzugießen und zu einem Leben zu verschmelzen. Den vollkommensten und adäquatesten Ausdruck dieses Strebens müssen wir auf geschöpflichem Gebiete da suchen, wo die Liebeseinheit die natürlichste und realste Basis hat und sich in der reinsten und zartesten Weise kundgibt. Das Kind auf dem Schoße der Mutter, die es unter ihrem Herzen getragen, aus der es sein Leben empfangen und aus deren Brust es dasselbe noch immer schöpft, wodurch gibt es seine innige Liebe lebendiger kund als durch die Küsse, die es auf ihren Mund drückt; und wonach verlangt das Mutterherz mehr als danach, der Frucht ihres Schoßes durch den Kuß gleichsam noch einmal ihr Leben einzuhauchen?

In diesem Akte wird die ersehnte Lebenseinheit in möglichst vollkommener und realer Weise vollzogen durch das Überströmen des Lebensodems und der in ihm lodernden Liebesflamme aus einem Herzen in das andere, aus einer Seele in die andere [35]. In der Begegnung und Verschmelzung ihres Lebensodems begegnen und verschmelzen sich die Herzen und die Seelen zu einem Leben, zu einem Geiste. Die einfache Aspiration, wodurch die Liebenden noch voneinander entfernt ihre Liebe kundgeben, wird hier zur vollen lebendigen Hingabe, und die Hingabe, durch die auch entfernte einander angehören können, zur wechselseitigen lebendigen Durchdringung.

Wenn wir also den Hauch als Lebensodem fassen, inwiefern dadurch im Kusse die von der Liebe erstrebte Lebenseinheit vermittelt und ausgedrückt wird: so muß seine Bedeutung ungleich reicher und kräftiger erscheinen, als wenn wir in ihm bloß die Aspiration der Liebe ins Auge fassen; so wird er uns also auch ein weit konkreteres und lebendigeres Analogon geben für die dritte Person in der Gottheit.

Anmerkungen:

[34] "Amor est", sagt der heilige Augustinus (De Trin. l. 8, c. 10), "iunctura quaedam, duo aliqua copulans vel copulare appetens." "Quod dicit copulans", kommentiert der heilige Thomas (I, 2, q. 28, a. I), "refertur ad unionem affectus, sine qua non est amor; quod vero dicit, copulare intendens, pertinet ad unionem realem."

[35] S. Ambros., De Isaac et an. c. 3: "Ii, qui se osculantur, non sunt labiorum praelibatione contenti, sed spiritum suum sibi videntur infundere." Vgl, S. Franccis de Sales, De l'amour de Dieu l. 1.

Wird fortgesetzt

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16. Januar
Gender Mainstreaming XLVII

Vom einstigen Geist der Frauenemanzipation ist nicht mehr viel übrig geblieben. Was früher eine Volksbewegung war – also eine Bewegung hauptsächlich der Bürgerinnen –, ist heute zur Staatsdoktrin geworden. Der Staatsfeminismus, der scheinbar dem Motto nachlebt, dass alles Gute von oben kommt, eröffnet ein weites Feld für Interventionen. Der Staat sucht unentwegt nach neuen Missständen – zu Amtsdeutsch: Handlungsbedarf –, um immer weiter regulieren zu können. Die individuelle Eigenverantwortung, welche am Anfang der Aufklärung und damit auch der Frauenbewegung stand, ist dem gönnerhaften Staatsfeminismus fremd.

Aus: Claudia Wirz, Die Gender-Doktrin: Bitte keine Zwangsbeglückung, NZZ vom 2. Januar 2015

Weitere Infos über GM


14. Januar
Gute und böse Islamophobie

Mir scheint, dass die Ereignisse der letzten Zeit uns lehren, eine gute und eine böse Islamophobie zu unterscheiden. Die gute Islamophobie besteht in der Verhöhnung des Islams durch Karikaturen, wie sie Charlie Hebdo praktiziert hat. Böse Islamophobie liegt dann vor, wenn Christen eine schleichende Islamisierung Europas befürchten. Die gute Islamophobie ist gut, weil sie von links kommt und alle Religionen verächtlich macht. Die böse Islamophobie ist böse, weil sie einen Unterschied zwischen den Religionen macht. Tolerant ist, wer alle Religionen für falsch hält. Intolerant ist, wer alle Religionen außer einer für falsch hält.


14. Januar
Geburtsfehler

Jesus Christus war ein gewaltfreier, herrschaftskritischer Religionsstifter. Er war kein Kriegsherr und kein Kriegstreiber wie Mohammed. Der Geburtsfehler des Islam liegt in seiner Gründungsfigur, seinem “Propheten”. Das Christentum als von der Wurzel her selbstkritische und herrschaftskritische Religion ist - wie seine (Befreiungs-)Theologie beweist - geistig im Jahr 2014 angekommen, der Islam in breitesten Teilen nicht. Für Letzteres gibt es keine historische Entschuldigung mehr.

Aus dem Kommentar Herrschaftsreligion von Christ in der Gegenwart, Ausgabe vom 21. Dezember 2014.

Weitere Beiträge zum Thema


14. Januar
André Frossard

Vor 100 Jahren, am 14. Januar 1915, wurde in Colombier-Châtelot der Konvertit André Frossard geboren. Sein Vater gehörte zu den Gründern der Kommunistischen Partei Frankreichs und war Minister in der Dritten Republik. Atheistisch und antiklerikal erzogen, erfuhr André Frossard eine plötzliche Bekehrung, die er in seinem Buch Gott existiert. Ich bin ihm begegnet beschrieben hat. Seitdem war er ein publizistischer Streiter für den katholischen Glauben und gewann solches Ansehen, dass er 1987 in die Académie Française aufgenommen wurde. Er starb am 2. Februar 1995 in Neuilly bei Paris.

Großes Aufsehen erregte sein 1993 erschienenes Buch La parti de Dieu (Die Partei Gottes), in dem er die Zerstörung des Glaubens anprangerte und die Bischöfe aufrief, dem nicht länger tatenlos zuzuschauen. Das Buch ist geschrieben als ein offener Brief an die Bischöfe. Der FELS brachte im April 1993 Auszüge aus dem Werk. Darin heißt es:
"Bischöfe Frankreichs, Ihr habt nur eine Partei zu ergreifen, die Partei Gottes. Seit einiger Zeit jedoch bietet Ihr nur mehr ein Christentum an, das seines Lebensnervs, seiner Geheimnisse und Wunder beraubt und auf die Soziologie und die Geschichte reduziert ist. Es ist in religiöser Hinsicht das, was die Mitte für die Politik darstellt. Ihr vermehrt die Zugeständnisse an die intellektuelle Mode, die Kompromisse mit der Welt. Die Welt aber, die in Angst lebt und in geistiger Hungersnot, die Welt, die Hoffnungen gehabt hat und der nur noch Enttäuschungen beschert werden, erwartet von Euch Gründe zu glauben. Eure Furchtsamkeit aber liefert nur Gründe zu zweifeln. Ihr sprecht immer weniger wie der hl. Paulus und immer mehr wie ein Senator der Mitte."


13. Januar
Monatsranking

Platz Monatsranking Dezember 2014
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 535 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 12
2

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

- 1
3

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

- 1
10

Spaemann: Rationalität und Gottesglaube

+ 16
20

Eduard Kamenicky: Die auf Dich warten

- 10
30

Zum Thema Abtreibung

- 8
40

Miriam Schilling: Vergib mir Natascha. Eine Rezension

+ 50
50

Recktenwald: Darf man im Katastrophenfall Passagierflugzeuge abschießen?

+ 11
60

Das vergessene Massaker an den Maroniten

+ 4
100

Spaemann: Wirklichkeit als Anthropomorphismus

- 11

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass es neben dem neuen Spitzenreiter einen weiteren Artikel gibt, der es durch einen Sprung um 12 Plätze in die Top 10 geschafft hat, nämlich auf Platz 4: Tolkiens christliche Botschaft.

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13. Januar
Guido Dessauer

Vor drei Jahren, am 13. Januar 2012, starb in Tutzing im Alter von 96 Jahren der aus Aschaffenburg stammende Physiker und Honorarprofessor Guido Dessauer, Neffe von Friedrich Dessauer (1881-1963), Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Ursprünglich dem sog. Linkskatholizismus zugehörig, durchschaute er bald die nachkonziliare Entwicklung als Niedergang, unterstützte den Kurs des Papstes etwa in der Forderung nach dem Ausstieg aus der das Zeugnis der Kirche verdunkelnden Schwangerschaftskonfliktberatung und wurde ein Freund des FELS und der Initiativkreise.


12. Januar
Können, Sollen und inneres Leben

Von Edith Stein (hl. Teresa Benedicta vom Kreuz)

Zum Einwohnen Gottes in der Seele und zur Verankerung ihres Seins im göttlichen gibt es noch einen anderen Zugang von der inneren Erfahrung her: vom Erlebnis des Könnens und Sollens her oder, was damit zusammenhängt, vom Verhältnis der Freiheit des Ich zu der ihm zu Gebote stehenden Kraft. Die Kraft, die einem Menschen jeweils als bereits vorhandener Besitz zur Verfügung steht, und selbst das ihm seiner Wesensbestimmtheit nach zugedachte Höchstmaß ist ein Maß, d. h. "bemessen", eine endliche Größe. Jede freie Tat ist eine Leistung, die Kraft verbraucht, und so kann schließlich eine natürliche Erschöpfung eintreten, wenn nicht aus den früher behandelten Quellen ausreichende Zuströme kommen. So kann der Fall eintreten, daß das Ich sich einer Forderung, die es vernimmt, nicht mehr gewachsen fühlt. Der Arzt, der nach übermäßiger Tagesarbeit nachts wiederum zu einem Kranken gerufen wird, mag sich außerstande fühlen, noch einmal hinauszugehen. Aber die Forderung schweigt davor nicht still. Es steht ein Menschenleben auf dem Spiel - "du kannst, denn du sollst". Dieser Satz, den man in Kants Kritik der praktischen Vernunft vielleicht mit Befremden gelesen hat, drängt sich hier als Ausdruck der erlebten Forderung auf. Es mag sein, daß im einzelnen Fall das Gefühl des Unvermögens eine Selbsttäuschung war, daß die natürlichen Kräfte, wenn man sie nur recht zusammenraffte, noch zu der Leistung fähig waren. Es kann aber auch sein, daß das Sollen über die natürliche Kraft hinaus verpflichtet. (Damit ist nicht gemeint, daß jede Forderung, die Menschen stellen können - wenn sie nur in sich recht sei -, in dieser Weise verpflichte. Gegenüber menschlichen Anforderungen gibt es durchaus ein ultra posse nemo obligatur, wobei das posse sich nach dem Maß der natürlichen Kraft bestimmt.) Im Gebot der Pflicht offenbart sich die Freiheit des Ich auch noch gegenüber seiner eigenen Natur. (So ist es bei Kant gemeint.) Das kann aber nicht heißen, daß es aus sich selbst heraus zu Kraftleistungen über seine Natur hinaus fähig wäre. Damit würde man ihm eine Schöpferkraft zusprechen, wie sie kein Geschöpf besitzen kann. Wird es über seine natürliche Kraft hinaus verpflichtet, so kann das nur den Sinn haben, daß es sich auf eine Kraftquelle außerhalb seiner Natur stützen könne. Der Glaube gibt die Antwort darauf, wo diese Kraftquelle zu suchen sei. Gott verlangt nichts vom Menschen, ohne ihm zugleich die Kraft dafür zu geben. Der Glaube lehrt es, und die Erfahrung des Lebens aus dem Glauben bestätigt es. Das Innerste der Seele ist ein Gefäß, in das der Geist Gottes (das Gnadenleben) einströmt, wenn sie sich ihm kraft ihrer Freiheit öffnet. Und Gottes Geist ist Sinn und Kraft. Er gibt der Seele neues Leben und befähigt sie zu Leistungen, denen sie ihrer Natur nach nicht gewachsen wäre, und er weist zugleich ihrem Tun die Richtung. Im Grunde ist jede sinnvolle Forderung, die mit verpflichtender Kraft vor die Seele tritt, ein Wort Gottes. Es gibt ja keinen Sinn, der nicht im Logos seine ewige Heimat hätte. Und wer ein solches Wort Gottes bereitwillig in sich aufnimmt, der empfängt eben damit die göttliche Kraft, ihm zu entsprechen. Jeder Zuwachs an Gnade ist aber auch eine Stärkung des geistigen Seins und erschließt der Seele ein reicheres und feineres Verständnis für das göttliche Wort, für den übernatürlichen Sinn, der aus allem Geschehen spricht und der sich auch als "Einsprechung" in ihrem Inneren vernehmlich macht. Darum ist die Seele, die sich kraft ihrer Freiheit auf den Geist Gottes oder auf das Gnadenleben stützt, zu einer vollständigen Erneuerung und Umwandlung fähig. Ihr von der Gnade getragenes freies Tun hat Macht gegenüber allem unwillkürlichen seelischen Verhalten. Es ist nicht möglich, das Zusammenwirken von Natur, Freiheit und Gnade in der Gestaltung der Seele hier in seinem ganzen Umfang zu zeigen, es soll nur durch ein Beispiel klargemacht werden.

Vielleicht hat der früher ausgesprochene Satz: "Die Liebe ist das Freieste, was es gibt", Staunen und lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Natürlicherweise sieht man ja Liebe und Haß als Elementargewalten an, die über die Seele hereinbrechen, ohne daß sie sich ihrer erwehren könnte. Schon von ihren Neigungen und Abneigungen pflegen die Menschen zu sagen, daß sie "nichts dafür könnten". Und in der Tat: die Seele "antwortet" auf den "Eindruck", den sie von einem Menschen empfängt - oft sofort bei der ersten Begegnung, sonst bei längerer Bekanntschaft -, unwillkürlich mit Zuneigung oder Abneigung, vielleicht auch mit Gleichgültigkeit; sie fühlt sich angezogen oder abgestoßen; und es kann darin eine durchaus sinnvolle Auseinandersetzung ihres eigenen Seins mit dem fremden liegen; ein Sich-hingezogen-fühlen zu dem, der ihr Bereicherung und Förderung verspricht, ein Zurückschrecken vor jemandem, der eine Gefahr für sie bedeutet. Andererseits sind hier schwere Täuschungen möglich: Äußerlichkeiten können das wahre Sein des Menschen verdecken und damit auch die Bedeutung, die ihm für den anderen zukommt. Diese natürlichen Regungen sind also nicht etwas, worüber man einfach hinweggehen dürfte; es ist aber auch nicht "vernünftig", sich ihnen einfach zu überlassen: sie sind einer Nachprüfung mit Hilfe des Verstandes und einer Beeinflussung durch den Willen zugänglich und bedürftig. Und gegenüber allem Spiel der Neigungen und Abneigungen richtet sich das Gebot des Herrn auf: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Das gilt ohne Bedingungen und Abstriche. Der "Nächste" ist nicht der, den ich "mag". Es ist ein jeder, der mir nahekommt. ohne Ausnahme. Und wieder heißt es: Du kannst, denn du sollst! Es ist der Herr, der es verlangt, und er verlangt nichts Unmögliches. Vielmehr er macht möglich, was natürlicherweise nicht möglich wäre [1], Heilige, die sich im Vertrauen darauf zu heldenmütiger Feindesliebe entschlossen, haben es erfahren, daß sie die Freiheit hatten, zu lieben. Ein natürlicher Widerwille wird sich vielleicht noch eine Zeitlang behaupten; aber er ist kraftlos und vermag das Verhalten nicht zu beeinflussen, das von der übernatürlichen Liebe geleitet wird. In den meisten Fällen wird er bald vor der Übermacht des göttlichen Lebens weichen, das die Seele mehr und mehr erfüllt. Liebe ist ja ihrem letzten Sinne nach Hingabe des eigenen Seins und Einswerden mit dem Geliebten. Den göttlichen Geist, das göttliche Leben, die göttliche Liebe - und das alles heißt nichts anderes als: Gott selbst - lernt kennen, wer den Willen Gottes tut. Denn indem er mit innerster Hingabe tut, was Gott von ihm verlangt, wird das göttliche Leben sein inneres Leben: er findet Gott in sich, wenn er bei sich einkehrt.

Anmerkungen:

[1] Der hl. Hieronymus sagt über das Gebot der Feindesliebe: Multi praecepta Dei imbecillitate sua, non Sanctorum viribus aestimantes, putant esse impossibilia quae praecepta sunt ... Sciendum est ergo, Christum non impossibilia praecipere, sed perfecta. (Viele messen die Gebote Gottes an ihrer Schwäche, nicht an den Kräften der Heiligen, und halten darum das Gebotene für unmöglich ... Man muß also wissen, daß Christus nicht Unmögliches gebietet, sondern Vollkommenes.) Kommentar zu Matth. 5 u. 6, Buch 1; Römisches Brevier, Feria VI post Cineres.

Der Text ist dem philosophischen Hauptwerk Edith Steins Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins entnommen. Das vollständige Werk ist inzwischen im Internet frei zugänglich.


11. Januar
Göttlich

Meine erste Meinung, dass das Christentum verglichen mit dem Islam zweitklassig und minderwertig sei, hat sich gewandelt, als ich mich konfrontiert sah mit der menschlichen Person Jesu und mich daraufhin entschied, Christ zu werden. Als ich vor mir Jesus sah, seine geistliche Vitalität, sein Schönheit und unbestechlichen Mut, ein Mensch, der sein ganzes Leben für Gott und andere gab, wurde ich - was immer noch der Fall ist - durch seine Persönlichkeit tief betroffen und geriet ins Staunen. Trotz der theologischen Kontroversen über den “historischen Jesus” war ich gezwungen, ihn in der Kategorie des Göttlichen zu sehen.

Prof. Lamin Sanneh, aus Gambia stammend, konvertierte vom Islam zum Christentum und ist heute römisch-katholisch. Er ist Professor für Geschichte an der Yale-Universität in New Haven, Connecticut. Das Zitat stammt aus dem Buch von Albrecht Hauser (Hg.) Ich glaubte an Allah und träumte von Jesus, Holzgerlingen: SCM-Verlag 2010, S. 155.


10. Januar
Letzter gelungener Versuch

Von P. Andreas Hirsch FSSP, Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus, ist die Doktorarbeit mit dem Titel Gottes- und Trinitätslehre - ein oder zwei Traktate? - Zur deutschsprachigen katholischen Dogmatik des 20. Jahrhunderts erschienen. Sie umfasst in zwei Bänden 858 Seiten. Nun hat ihr die Tagespost in der Ausgabe vom 8. Januar eine sehr empfehlende Rezension aus der Feder des Philosophen Walter Hoeres gewidmet, in der es u.a. heißt: “Bei der Gesamtbewertung dieser neuscholastischen Lehrbücher [Pohle-Gierens, Diekampf, Ludwig Ott] führt der Verfasser Prof. Thomas Ruster an, der die Ansicht vertritt, sie seien der letzte gelungene Versuch gewesen, den katholischen Glauben systematisch und geschlossen auch gegen glaubensfeindliche Strömungen mit Hilfe der Schrift, der Väter, des Lehramtes und theologischer Traditionen zu präsentieren.”


10. Januar
Deutschlandweihe

Vor 100 Jahren, am 10. Januar 1915 weihten die Bischöfe Deutschland dem heiligsten Herzen Jesu. In ihrem Hirtenbrief vom 19. Dezember 1914, der am Sonntag, den 27. Dezember verlesen wurde, ordneten sie an, dass nach einem vorbereitenden Triduum am Sonntag, den 10. Januar, in allen Kirchen das Allerheiligste zur Anbetung den ganzen Tag über ausgesetzt werde. Außerdem heißt es darin: “Welches ist unsere Hauptaufgabe? Wir antworten ohne zu zögern: Buße und Sühne. Der Krieg ist ein Strafgericht für alle Völker, die von ihm betroffen werden, daher ein lauter Ruf zur Buße und Sühne. Kriegszeit ist Bußzeit.”


9. Januar
Jesus, einzigartig

Von Peter Kreeft

Fünfter Teil

Bertha: Er hatte Tausende Jünger.

Molly: Er lebte, was er lehrte.

Sokrates: Ich auch.

Bertha: Er befreite die Menschen von Unwissenheit, Aberglauben, Vorurteilen und Sexismus.

Sokrates: Ich auch.

Bertha: Er lehrte einen hochstehenden Monotheismus.

Sokrates: Ich auch.

Molly: Und einen sittlichen Idealismus ...

Sokrates: Ich auch.

Molly: Aber er war weltoffen, universalistisch und vereinigend ...

Sokrates: Ich auch.

Bertha: Er belehrte die Leute über das Leben nach dem Tod.

Sokrates: Ich auch.

Molly: Er war ein Prophet, ein Diener Gottes.

Sokrates: Ich auch.

Bertha: Meinst du also, dass du ihm an Bedeutung gleichkommst?

Sokrates: Nein, nein, ich nehme vielmehr das Gegenteil an! Es wäre absurd, die Geschichte nach mir zu datieren! Nein, ich frage, warum er so viel größer war als ich oder jemand anders.

Bertha: Dies wurde eben erklärt.

Sokrates: Nein, das war nicht der Fall. Alles, was ihr bisher gesagt habt, gilt auch für mich. Inwiefern war er größer?

Thomas: Sokrates, viele Leute halten einen seltsamen Aberglauben über ihn für wahr. Sie glauben, dass er ...

Sokrates: Aber du, was glaubst du? Bitte sage mir, was du glaubst, bevor du mir erzählst, was andere glauben. Es ist für mich schwer genug, das Erstere zu verstehen, ohne gleich zum Zweiten überzugehen.

Fesser: Gut, gut. Gehen wir nochmals zurück und schauen wir, was wir bisher gefunden haben. Sokrates, was haben Sie bisher in diesem Kurs erfahren?

Sokrates: Die Studenten haben mir zwei Dinge erklärt: Erstens, dass Jesus der größte Mensch der Geschichte war und dass deswegen die Jahreszahlen nach ihm datiert wurden, und zweitens, dass der Grund für seine Größe darin besteht, dass er eine radikale Philosophie der Liebe gelehrt hat.

Alle: Richtig.

Sokrates: Aber diese Philosophie haben auch viele andere gelehrt. Was macht Jesus unverwechselbar und hebt ihn besonders hervor?

Bertha: Warum muss er unverwechselbar gewesen sein? Vielleicht identifizieren wir uns mit ihm, weil er nichts Besonderes war. Er war wie jede andere Person und nicht wie jedermann. Das männliche Pronomen beweist den Chauvinismus unserer Kultur.

Sokrates: Das meinst du nicht im Ernst? Ist es chauvinistisch, eher mit er auf mich zu verweisen als mit sie? Oder würdest du auf das Wort es bestehen?

Bertha: Wenn Jesus nur ein Er war, dann könnte sich nur die halbe Welt mit ihm identifizieren. Frauen wären außen vor.

Sokrates: Ich weiß nicht, was du mit »sich mit ihm identifizieren« meinst, aber wenn er existiert hat, dann muss er entweder ein Mann oder eine Frau gewesen sein. Oder gehörte er zu einem dritten Geschlecht, das ich nicht kenne?

Bertha: Sokrates, das ist eine sexistische Haltung.

Sokrates: Natürlich! Es ist die Frage nach seinem Geschlecht. Ist diese Frage verboten? Ich verstehe das nicht.

wird fortgesetzt

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8. Januar
Das Zitat

Als junger Mann war ich praktizierender Atheist. Die Erforschung des Universums hat mir gezeigt, dass die Existenz von Materie ein Wunder ist, das sich nur übernatürlich erklären lässt.

Der amerikanische Astrophysiker Allan Sandage (1926-2010)


6. Januar
Die große Wende

Europa als Begriff ist nur als kulturelle Einheit verständlich – und zwar als jener Raum, dessen Kultur wesentlich von der Botschaft Christi geprägt worden ist. Sie war es, die in den 1000 Jahren, die wir heute abschätzig als dunkles Mittelalter bezeichnen, die Grundlage für die europäische Lebensform und Zivilisation gelegt hat.

Das sei am Beispiel der Stellung der Frau in der Gesellschaft illustriert: Hier läßt sich ein deutlicher Bruch zur Antike feststellen: Unter christlichem Vorzeichen habe sich im Mittelalter eine Kultur entwickelt, in der die Stellung der Frau weitaus bedeutender und ihr Einfluß viel größer gewesen sei als im Altertum und in der beginnenden Neuzeit, erklärt Historikerin Régine Pernoud in ihrem Werk La femme au temps des cathédrales: „In Rom war die Frau – ohne Übertreibung und ohne Paradox – nicht einmal Rechtssubjekt. Die Frau war einfach nur ein Gegenstand.“ Keine Rede davon, daß Frauen im Römischen Reich öffentliche Funktionen hätten ausüben können. Das römische Familienrecht sah nämlich vor, daß Frauen zunächst unter der Herrschaft des Vaters standen, um unter die des Ehemannes zu wechseln.

Die große Wende brachte das Christentum. Dazu Pernoud: „Die Worte Christi ... enthielten für die Frauen keinerlei Hinweis auf eine besondere Form von Schutz, aber sie machten auf besonders einfache, aber auf entwaffnende Art die grundlegende Gleichheit zwischen Mann und Frau deutlich: ,Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, der bricht ihr gegenüber die Ehe, und wenn sie ihren Mann entläßt und einen anderen heiratet, so bricht sie die Ehe’.“

Nach christlichem Verständnis konnten Frauen nunmehr ihren Familienstand selbst bestimmen. Dazu ein Theologe aus dem 12. (!) Jahrhundert, Hugo v. St. Viktor: „In Beziehung zum Mann ist die Frau weder Herrin, noch Magd, sondern Gefährtin.“

Unter christlichem Einfluß hat sich, Pernoud zufolge, auch eine Tradition der weiblichen Bildung entwickelt. In den ersten weiblichen Klostergründungen habe man das Studium der Psalmen, der Heiligen Schrift und der Schriftkommentare gepflegt.

Damit sei ein Stil entstanden, der etwas ganz Neuartiges dargestellt habe und der im Mittelalter von besonderer Bedeutung gewesen sei: „Der doppelte Einfluß, den Kirche und Frauen ausüben, trägt dazu bei, daß die Erziehung des Mannes auf ein Leitbild ausgerichtet wird, das sich später im gebildeten Prinzen verwirklicht, der Sorge für die Verteidigung der Armen trägt.“

Aus: Christof Gaspari, Europas Zivilisation lebt von ihren christlichen Wurzeln, in: Vision 2000, 4/2012


5. Januar
Religiöse Wandlungen in Indien
im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert

Von Alfons Väth S.J.

Unter der staatsmännisch-klugen britischen Verwaltung erlebte Indien einen anerkennenswerten materiellen und wirtschaftlichen Aufschwung. Entsprach ihm auch ein geistig-moralisch-religiöser Fortschritt? Daß westliche Staats- und Rechtsauffassungen Eingang fanden und die rohesten Gebräuche des Hinduismus unterdrückt wurden, ist uns schon bekannt. Hat sich aber auch die indische Seele gewandelt in der Richtung auf eine freundliche Einstellung gegenüber der europäischen Geisteskultur und der christlichen Religion? Die Regierung und die christlichen Missionen hatten sich stets mit dieser Hoffnung getragen. Beide arbeiteten zum Teil mit denselben Mitteln, zum Teil nach eigenen Methoden darauf hin. Die Regierung hoffte, durch Vermittlung rein weltlichen Wissens, namentlich durch Eröffnung der Schätze der englischen Literatur, in den höheren Schulen eine Führerschicht heranzubilden, "englisch in Neigungen, Anschauungen, in Sitte und Denken", wie [Thomas Babington] Macaulay [britischer Historiker und Politiker] in seiner bekannten Denkschrift sich ausdrückte. Diese von der Überlegenheit des englischen Geistes durchdrungenen Inder würden sich dann auf Englands Seite stellen und das Volk, das schon durch den Genuß der Segnungen der westlichen Zivilisation günstig gestimmt sei, mit sich ziehen. Die christliche Mission erstrebt naturgemäß einzig die Gewinnung der Inder für das Christentum durch die Mittel des christlichen Beispiels, der religiösen Unterweisung, der christlichen Nächstenliebe und vor allem auch der Schule, die notgedrungen sich der staatlichen Ordnung anpaßte.

In einer Richtung haben sich Macaulays Erwartungen erfüllt. Eine stetig wachsende Gruppe von Hindus der besseren Stände, die begierig die westliche Bildung in sich aufnahmen, kehrte den Überlieferungen ihres Volkes - der abstrusen Philosophie, der Heldensage, dem Götterdienst - den Rücken und lernte englisch sprechen, denken und fühlen. Im Vergleich zur religiös eingestellten Vergangenheit ist der Sinn dieser fortschrittlichen Inder der Diesseitswelt zugewandt; nur darin sind sie noch Kinder ihres Volkes, daß sie sich von der theopanistischen Vorstellung nicht frei machen können. Die Volkssprachen errangen einen endgültigen Sieg über das ehrwürdige Sanskrit und entwickelten sich zu vollwertigen Literatursprachen. Die zahlreich gegründeten Zeitungen und Zeitschriften in englischer und einheimischer Sprache halten sich ganz an das europäische Vorbild. Die Roman- und Erzählungsliteratur und die Dichtung schildert indisches Leben, aber in europäischen Formen. Indien hat Gelehrte auf allen modernen Wissenschaftsgebieten hervorgebracht. Auch die Kunst hat sich zusehends verweltlicht. Das heutige Indien denkt nicht mehr daran, große Tempel zu bauen, sondern errichtet palastähnliche Verwaltungsgebäude, Handelshäuser und Privatwohnungen.

Diese Wandlung zum Modernen läßt sich namentlich in Bengalen verfolgen. Seine Sprache, von Rammohan Pai, Bankim Chandra Chatterji (1838-1894), dem "indischen Walter Scott", und andern Schriftstellern ausgebildet, besitzt eine bedeutende neuzeitliche Literatur. Der größte Bengale der neuen Zeit, Rabindranath Tagore, hat durch seine wunderbaren lyrischen Dichtungen und seine Prosawerke Weltruhm erlangt und wurde 1913 des Nobelpreises für Literatur für würdig erachtet.

Im übrigen haben sich die hochgespannten Erwartungen Macaulays und protestantischer Schulmänner nicht erfüllt. Die indische Führerschicht hat gegenüber England und der christlichen Religion nur in geringem Grade die erhoffte freundliche Einstellung gefunden. Der Hauptgrund ist die völlige Ausschaltung der christlichen Religion aus den Berechnungen der Regierung. Die meisten Kolonialmächte der Neuzeit sind in diesen Fehler gefallen.

Die Regierung verhält sich seit jeher grundsätzlich neutral in religiösen Dingen. Jede Religion erfreut sich gleicherweise gesetzlichen Schutzes. Wer die religiösen Gefühle anderer verletzt, z. B. gegen den Willen der Heiden in einen Tempel eindringt, ein Götterbild verunehrt oder ein heiliges Tier tötet, wird streng bestraft. Die religiösen Feste und Umzüge der Religionsgemeinschaften werden vor jeder Störung geschützt. Das alles läßt sich verstehen. Es entspricht der modernen Einstellung des Staates gegenüber den Religionen der Untertanen, und in Indien mit seiner gewaltigen mohammedanischen und heidnischen Bevölkerung wäre eine andere Haltung kaum möglich.

Aber die Regierung ist auch grundsätzlich religionslos. Von Staats wegen wird keine religiöse Feier veranstaltet, in den Staatsschulen kein religiöser Unterricht erteilt. Es kommt hinzu, daß die Mehrheit der Europäer in Indien, soweit sie nicht Missionare sind, auch persönlich wenig Religion haben oder zeigen, ganz zu schweigen von der moralischen Minderwertigkeit so vieler Soldaten und Angestellten und der verlorenen Existenzen, die das Land heimsuchen. Die gleichen Erfahrungen machen die Inder, die studienhalber die Großstädte Europas und Amerikas besuchen.

Wird fortgesetzt

Es handelt sich um einen Auszug aus dem Geschichtswerk: Alfons Väth S.J., Die Inder, Freiburg im Breisgau: Herder 1934, S. 238 ff (Des dritten Teils Indien unter europäischem Einfluß und britischer Herrschaft. Die Neuzeit Kapitel 12 Geistige und religiöse Wandlungen der letzten hundert Jahre). Das Buch erschien als 28. Band der Geschichte der führenden Völker, hg. von Heinrich Finke, Hermann Junker und Gustav Schnürer.


4. Januar
Der mündige Christ und die Kirche

Zweiter und letzter Teil

Von P. Engelbert Recktenwald

Noch etwas anderes aber geschieht in der Entwicklung des Kindes: Es entdeckt auch die Fehler der Mutter. Natürlich ist die Kirche “strahlend rein, ohne Flecken, ohne Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und makellos” (Eph 5,27). Doch auch dies ist eine idealisierte Redeweise, und es gehört zur Mündigkeit des Christen, zwischen den Bereichen unterscheiden zu können, in denen sie gilt, und jenen, in denen sie nicht gilt. Die Kirche ist heilig in ihrem Ursprung (Jesus Christus), in ihrem Wirken (den Sakramenten), in ihrem Opfer (dem Messopfer) und in ihrer Lehre. Diese Heiligkeit ist unverlierbar. Sie ist aber in vielen Gliedern unwirksam, weil diese ihre Mitwirkung verweigern. Wir tragen, wie der hl. Paulus sagt, den Schatz der Gnade in “irdenen Gefäßen” (2 Kor 4, 7). Das gilt sogar für die Gefäße, in denen uns der Schatz dargereicht wird: Auch die Autoritätsträger der Kirche sind anfällig für Sünden und Versagen. Jeder einzelne von ihnen bis hinauf zum Papst steht gewissermaßen in einer Doppelrolle: Er ist einerseits Empfangender, andererseits Geber: Empfangender im Gegenüber zur Kirche, seiner Mutter, und Geber als Repräsentant eben dieser Kirche. Streng genommen gilt das für jedes Glied der Kirche: Auch der einzelne Gläubige ist gleichzeitig Empfangender und - gegenüber Außenstehenden - Repräsentant der Kirche, der den Glauben bezeugen soll: Licht der Welt, Salz der Erde. Das Versagen eines Papstes oder Bischofs ändert so wenig an diesen Wahrheiten über die Kirche wie mein eigenes Versagen.

Die Mündigkeit des Christen besteht also weder in der Emanzipation von seiner kindlichen Abhängigkeit von der Kirche noch im Leugnen oder Schönreden von Missständen in der Kirche. Sie besteht vielmehr in der Kunst der Unterscheidung: Der Christ weiß sich abhängig von der Gnade, die ihm die Kirche vermittelt, nicht aber von der Heiligkeit ihrer Repräsentanten. Sein Seelenfrieden hängt von Gott, nicht vom Papst ab. Der hl. Paulus empfing demütig die Anweisungen des Ananias in Damaskus, widerstand aber Petrus in Antiochien.

Am Beispiel des hl. Paulus können wir erkennen, wie es sich mit der Verschränkung von Gottunmittelbarkeit und kirchlicher Vermittlung genauer verhält: Haben wir einmal die Glaubensgnade empfangen, dann verbleibt diese Gnade unabhängig von der Kirche in unserer Seele. Die Kirche hat durch die Taufe das Glaubenslicht in unserem Herzen entfacht, dann aber brennt dieses Licht von selber weiter, weil Gott die Gnade niemandem entzieht, der sich nicht selbst aus freiem Entscheid von ihm abwendet. Wir haben es hier mit einer unmittelbaren Gottesbeziehung zu tun, die dem Zugriff der Kirche entzogen ist. Abhängig sind wir trotzdem weiterhin von der Kirche in der Kenntnis dessen, was zum Inhalt des Glaubens gehört. Es ist die Kirche, die über das Glaubensgut (depositum fidei) wacht und in Streitfällen darüber entscheidet, was dazugehört und was nicht. Solange sie die Entscheidung nicht gefällt hat, herrscht in der Streitfrage - positiv ausgedrückt: - Freiheit, zu denken, was man will, oder - negativ ausgedrückt: - Unsicherheit darüber, was wahr ist und was nicht. Hat die Kirche aber die Streitfrage mit höchster Autorität entschieden, dann ist diese Unsicherheit behoben, weil der Kirche für eine solche Entscheidung das Charisma der Unfehlbarkeit verliehen ist. Das bedeutet: Gerade durch den unfehlbaren Lehrentscheid wird mir eine neue Unabhängigkeit geschenkt. Mein Glaube an diese Wahrheit wird unabhängig von allen künftigen Wechselspielen in der Kirche. Die Unabhängigkeit meines Glaubens ist Frucht der Anerkennung meiner Abhängigkeit vom kirchlichen Lehramt.

Ein klassisches Beispiel für eine unfehlbare Lehrentscheidung ist der Canon des Konzils von Trient über die Unauflöslichkeit der Ehe: “Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie gelehrt hat und lehrt: Nach evangelischer und apostolischer Lehre (Mt 19, 6 ff; Mk 10, 6 ff; 1 Kor 7, 10 ff) könne wegen eines Ehebruchs des einen Ehegatten das eheliche Band nicht gelöst werden und beide, auch der unschuldige Teil, der keinen Anlaß zum Ehebruch gegeben hat, könne zu Lebzeiten des andern Ehegatten keine andere Ehe eingehen; und der Mann begehe einen Ehebruch, der nach Entlassung der ehebrecherischen Frau eine andere heirate, ebenso die Frau, die nach Entlassung des ehebrecherischen Mannes sich mit einem anderen vermähle, der sei ausgeschlossen.”

Zur Mündigkeit des Glaubens gehört in diesem Fall die Fähigkeit, den Wert des Geschenkes zu erkennen, das uns der Herr mit der Unauflöslichkeit der Ehe gemacht hat. Heute erleben wir, wie Christen zunehmend das Unverständnis teilen, das die Welt der Ehe entgegenbringt, die Unauflöslichkeit der Ehe als Schikane betrachten und der Kirche daraus einen Strick ziehen, dass sie auch angesichts gescheiterter Ehen an der Wahrheit festhält. Diese Christen vertauschen ihre Abhängigkeit von der Kirche mit der von der Welt. Die Abhängigkeit von der Kirche ist ehrenvoll, weil sie uns nach einem Wort Chestertons davor bewahrt, ein Kind unserer Zeit zu sein. Die Abhängigkeit von der Welt ist erniedrigend, weil sie uns den Launen der Tagesmoden ausliefert.

Louis Bouyer hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Kirche nie so missionarisch war als zu jener Zeit, in der sie sich von der Welt distanzierte, nämlich in den ersten Jahrhunderten: “Alle Taufkatechesen beschreiben und bekräftigen im einzelnen die vollständige Lebenserneuerung, die für den neuen Christen bei seinem Eintritt in die Kirche zu erfolgen hat, und betonen den sich daraus ergebenden unaufhörlichen Kampf gegen den ‘Geist der Welt’” (Die Kirche, Band I). Heute erleben wir die Gegenprobe aufs Exempel: Man übertrumpft sich in Verständnisäußerungen gegenüber dem Geist der Welt, und die missionarische Kraft der Kirche ist so erlahmt wie selten zuvor.

Der hl. Paulus nannte die Christen in Philippi “Kinder Gottes ohne Fehl inmitten eines verdorbenen und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Sterne im Weltall” (Phil 2,15). Dieses paulinische Selbstbewusstsein ist heute einem Kniefall vor der Welt gewichen. Und je größer dieser ist, um so strenger das Urteil über die “Bewahrer” in der Kirche, die als Spielverderber des Anpassungskurses erscheinen. Paulus aber schreibt im Anschluss an die zitierte Stelle: “Haltet fest am Worte des Lebens.”

Bouyer erklärt das “seltsame Paradox”, dass die Kirche der Frühzeit die Welt für sich gewinnen konnte, obwohl sie sich so energisch von ihr distanzierte, mit dem Bewusstsein, “aus einer Wirklichkeit zu leben, von der sie mehr in Besitz genommen war, als dass sie sie besessen hätte: aus einem Geschenk Gottes, das nicht nur eine Gabe an sie ist, sondern in dem er sich ihr selbst hingibt.”

Für den mündigen Christen ist weder die Anpassung an jeden kirchlichen Schlingerkurs noch der Ausstieg aus der Glaubensgemeinschaft eine Option. Es bleibt dabei, dass niemand für sich alleine glaubt. Aber dieser Glaube macht ihn unabhängig von den Tagesereignissen, weil er ihn aus einer Wirklichkeit leben lässt, die ihm von keiner irdischen Macht genommen werden kann.

Zum ersten Teil


31. Dezember
Cathérine de Bar

Vor 400 Jahren, am 31. Dezember 1614 wurde in St. Dié, Lothringen, Cathérine de Bar OSB, die Stifterin der Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes, geboren. In Paris gründete sie als Benediktinerin von Rambervillers eine Niederlassung, in der sie 1653 die ewige Anbetung einführte. Am 6. April 1698 starb sie in Paris.


28. Dezember
Ludwig Auer

Vor 100 Jahren, am 28. Dezember 1914, starb in Donauwörth im Alter von 75 Jahren der Volksschriftsteller und Bildungsreformer Ludwig Auer. “Die Bedeutung der Familie für das ganze Volksleben hat Auer schon früh klar erkannt. Die von ihm gegründeten Zeitschriften (Monika 1869, Schutzengel 1875, Notburga 1877, Raphael 1879) dienen der Familienpflege” (LThK, 1. Auflage). 1875 gründete er zur wissenschaftlichen und praktischen Förderung der Pädagogik im Geiste der katholischen Kirche das Cassianeum.

27. Dezember
Michael Dummett

Vor drei Jahren, am 27. Dezember 2011, starb in Oxford im Alter von 86 Jahren der berühmte Philosoph und Logiker Michael Dummett. In Oxford lehrte er viele Jahre als Nachfolger von Alfred Ayer.
In einem Aufsatz, der in der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio erschien, kritisierte er die wunderleugnende Bibelexegese moderner Theologen. Im Historischen Wörterbuch der Philosophie (Bd. 12, S. 1070) heißt es dazu im Artikel Wunder: “«Ausnahmslos schildern die Wunder-Geschichten keinen historischen Verlauf von so und so Passiertem» (R. PESCH: Jesu eigene Taten? Ein Beitrag zur Wunderfrage (1970), S. 143); das NT enthält Erzählungen, die Vorbilder des AT «grotesk überbieten». Vor diesem Hintergrund kam es zu dem nicht alltäglichen Vorgang, daß von philosophischer Seite (M. DUMMETT) Einspruch gegen die theologische Exegese erhoben wurde: Eine christliche Theologie, die das im Offenbarungstext mit klaren Worten berichtete und als fundamental («Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig»; 1. Kor. 15, 17) ausgezeichnete Wunder des leeren Grabes ins Zwielicht rückt oder gar leugnet, verliert ihre Glaubwürdigkeit (M. DUMMETT: Biblische Exegese und Auferstehung. Int. kath. Z. Communio 13 (1989) 271–283)”


27. Dezember
Franziskus Spoto

Vor 50 Jahren, am 27. Dezember 1964, starb in Biringi, Kongo (ehemals Zaire), im Alter von 40 Jahren als Märtyrer der aus Italien stammende Missionar Franziskus Spoto SdP. Er war im August als Generaloberer der Missionsdiener der Armen nach Zaire, wo der Bürgerkrieg wütete, gereist, um seine Priester zu stärken. Angesichts der Gefahren betete er: “Herr, ich biete dir mein Leben an, aber rette meine Mitbrüder.” Tatsächlich wurde er von den Simba-Rebellen entdeckt, misshandelt und erschossen. Am 21. April 2007 wurde er seliggesprochen.


26. Dezember
Eine Spur durch die Jahrhunderte

Das Licht von Bethlehem ist nicht mehr erloschen. In allen Jahrhunderten hat es Menschen berührt, hat es sie umstrahlt. Wo der Glaube an dieses Kind aufging, da blühte auch die Caritas auf ‒ die Güte für die anderen, das Zugehen auf die Schwachen, auf die Leidenden, die Gnade des Verzeihens. Von Bethlehem her zieht sich eine Lichtspur, eine Spur der Liebe und der Wahrheit durch die Jahrhunderte: Wenn wir auf die Heiligen hinschauen von Paulus über Augustinus hinauf zu Franz von Assisi und Dominikus, über Franz Xaver und Teresa von Avila bis herauf zu Mutter Teresa ‒ dann sehen wir diesen Strom der Güte, diesen Weg des Lichtes, der sich immer neu am Geheimnis von Bethlehem entzündet, an dem Gott, der ein Kind geworden ist.

Weihnachtsbotschaft Benedikts XVI. 2005


26. Dezember
Glühende Liebe

Wie viele und große Lehren gehen von der Krippe in Bethlehem aus! O welch glühende Liebe muss das Herz für den empfinden, der für uns ganz zart und klein geworden ist! Bitten wir das Göttliche Kind, es möge uns mit Demut erfüllen; denn allein dank dieser Tugend sind wir imstande, dieses Geheimnis göttlicher Zärtlichkeit und Menschenfreundlichkeit zu erfassen und zu genießen.

Hl. Pater Pio


25. Dezember
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht der Beitrag Prosingers über exegetische Dialogverweigerung, mein Beitrag über die Wissenschaftsfeindlichkeit der Genderideologie und der Aufsatz von Robert Spaemann Wer ist ein Fundamentalist?

25. Dezember
Cool

“Der 80-jährige Kölner Kardinal Joseph Meisner reagierte total cool”, kommentierte die WELT die Reaktion von Kardinal Meisner auf die Femenaktion heute vor einem Jahr, als “ein durchgeknalltes Suppenhuhn” (so der Kölner Kabarettist Tom Gerhardt) während des von Kardinal Meisner zelebrierten Weihnachtsgottesdienstes barbusig den Altar des Kölner Doms stürmte. Sie wollte damit gegen die Haltung der Kirche zur Abtreibung demonstrieren. Dass sie sich dazu Kardinal Meisner aussuchte, darf dieser als Auszeichnung werten: Offensichtlich wird die klare Haltung der Kirche gegen vorgeburtliche Kindstötung bei ihm am meisten wahrgenommen.


23. Dezember
Rupert Mayer

Vor 75 Jahren, am 23. Dezember 1939, wurde der selige P. Rupert Mayer SJ ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Die ersten sechs bis acht Wochen musste er in völliger Isolierhaft verbringen. Eines Nachts träumte er, dass er erschossen werden würde. Er berichtet darüber: “In demselben Augenblick wurde es in dem Gefängnis sehr laut (es war das manchmal der Fall, dass vor Tagesanbruch einige Häftlinge abtransportiert wurden; wohin konnte ich nie erfahren). Ich war noch ganz in dem Traum befangen und dachte nicht anders, als dass ich nun geholt würde. Nun überkam mich plötzlich eine nicht erlebte Seligkeit. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich dazu ausersehen sei, als Märtyrer zu sterben. Ich hatte mich bereits erhoben, um gleich fertig zu sein, da entfernten sich die Schritte wieder von meinem Zimmer. Das war eine sehr große Enttäuschung, aber der ganze Vorgang hat mir oft Mut gemacht, da ich tatsächlich gerne für den Glauben gestorben wäre. Doch noch ein Gutes hatte dieses Erlebnis: Ich habe es nun an mir selbst erfahren, wie leicht es der liebe Gott durch Seine allmächtige Gnade denen machen kann, die für den hl. Glauben sterben müssen oder besser: sterben dürfen.” (Aus: P. Rupert Mayer, Der National-Sozialismus und meine Wenigkeit, in: Roman Bleistein (Hg.), Rupert Mayer SJ, Leben im Widerspruch. Autobiographische Texte. Prozeß vor dem Sondergericht. Reden und Briefe, Frankfurt am Main: Verlag Josef Knecht, 1991, S. 119).


23. Dezember
Hartmann

Vor 850 Jahren, am 23. Dezember 1164, starb der selige Hartmann, Bischof von Brixen. Er stammte aus der Nähe von Passau, wurde Domdekan in Salzburg, dann Propst in Herren-Chiemsee. Vom hl. Leopold III. (Markgraf von Österreich 1095-1136) 1133 nach Klosterneuburg berufen, führte er dort das kanonische Leben ein. 1140 wurde er Bischof von Brixen.


19. Dezember
Aufgeklärte Theologen

Würde die Theologie sich stärker mit dem Leben der Heiligen auseinandersetzen, wäre diese Tatsache [sc. die Tatsache, dass es tausendfach einwandfrei abgesicherte Ereignisse gibt, die durch Naturgesetze beim besten Willen nicht erklärt werden können, also Wunder] zweifellos stärker bekannt. Wer beispielweise eine ausführliche Biografie etwa des hl. Johannes Bosco oder des hl. Pfarrers von Ars (Johannes Maria Vianney) gelesen hat, unter Würdigung der geschichtlichen Quellen, weiß mehr über das Wirken Gottes in dieser Welt als die “aufgeklärten” Theologen, die sich von diesen Fakten nicht stören lassen.

Aus: Prof. Dr. Manfred Hauke, Wo Wunder möglich werden, Tagespost vom 18. Dezember 2014, S. 4

Warnung Johannes Pauls II. vor der Pseudotheologie


19. Dezember
Una Voce

Vor 50 Jahren, am 19. Dezember 1964, gründete Bernadette Lecureux (1913-2011) zusammen mit ihrem Mann Georges Cerbelaud Salagnac (1906-1999) in der Krypta der Kirche Saint-Charles de Monceau in Paris die Foederatio Internationalis Una Voce, die heute in 25 Ländern vertreten ist.


18. Dezember
Saudi-Arabien und der Dschihad

Dessen [Saudi-Arabiens] Justizminister Mohammed al-Isa verteidigte erst im Juni 2014 in einer Rede in Washington noch solche Bestrafungen. Ausdrücklich erwähnte er die Enthauptung und das Abschneiden der Hände und betonte, solche „Gottesstrafen können nicht verändert werden, weil sie im islamischen Recht verankert sind. Diese Bestrafungen beruhen auf göttlichen Texte – und wir können sie nicht verändern“. (...)
Gerechtfertigt [wurden tödliche Fatwas] auch durch den saudischen Fernseh- und Internetprediger Scheich Aaidh ibn Abdullah al-Qarni. Im Staatsfernsehen des Wüstenstaates forderte er in einer Lesung über den Koran und Dschihad 2006: „Kehlen müssen durchgeschnitten und Schädel zerschmettert werden – das ist der Weg zum Sieg!“ Der 54-jährige beruft sich auf Vorgaben seines Lehrers, des einflussreichen Gelehrten Muhammad ibn Salih al-Uthaymi. Der 2001 verstorbene Scheich stand dem saudischen Königshaus nahe. 1999 lehnte er es ab, Großmufti des Landes zu werden. Bis zu seinem Tod beriet al-Uthaymi die Regierung seines Heimatlandes in religiösen und rechtlichen Fragen.

Aus: Franz Feyder, ISIS-Terror: Die gelehrten Henker, in den Stuttgarter Nachrichten, 16. September 2014


18. Dezember
Salafismus und Koranauslegung

Der gewalttätige Salafismus ist in den 1980er-Jahren – in Verbindung mit der Ideologie der Muslimbruderschaft und der wahabitischen Theologie in Saudi-Arabien – groß geworden. Seit den 1990er-Jahren investieren die Golfstaaten Unsummen an Geld in die theologische Ausbildung von Imamen, die dann nach Europa, auch nach Österreich, geschickt werden. Die islamische Theologie ist fest in ihrer Hand. (...)
Wir müssen aus dem Koran die eigentliche Botschaft herausholen. Das ist kein Widerspruch zur Demokratie, zur pluralistischen Gesellschaft und zu den Menschenrechten. Der Koran muss im historischen Kontext verstanden werden. Wenn wir den Kontext der Offenbarung vom siebenten Jahrhundert in der Gegenwart suchen, haben wir den Koran nicht verstanden. Historisch gesehen hat der Islam niemals in seiner Geschichte von Menschen gemachte Gesetze abgeschafft, er hat sie nur zivilisiert. Das Handabhacken, die Scheidungsregeln, die Mehr-Ehe und weitere Gesetze, die im Koran erwähnt werden, waren schon vor dem Koran für die Mekkaner bekannte Gesetze zur Regelung der Gemeinschaft. Der Koran darf nicht als Gesetz verstanden werden.

Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik in Wien, im Interview mit profil am 4. Oktober 2014


17. Dezember
Buße als Aufklärung

Im neuen Gotteslob wurde das Bußlied “Tu auf, tu auf” getilgt, das Friedrich Spee um 1630 gedichtet hatte. Es findet sich nur noch in den Eigenteilen von Trier und Köln, und in Köln ohne die vierte Strophe.

Daran haben nun Hansjakob Becker und Hermann Kurzke (Autor des Buches Kirchenlied und Kultur) in Christ in der Gegenwart (Ausgabe Nr. 48/2014) eine bemerkenswerte Kritik geübt. Gerade die vierte Strophe mit der Aussicht auf eine mögliche Verdammung tut heutigen Ohren weh: “Das klingt nach Drohbotschaft statt Frohbotschaft”, bemerken die Autoren, um die Sache im Lichte der Bibel gleich richtigzustellen: “Wir Gutmütigen fragen dagegen: Kann es ein ‘ewiglich verloren’ überhaupt geben? Kann ein liebender Gott solch ein Urteil sprechen? Biblisch gesehen schon. Jesus selbst sagt in seiner Gerichtsrede: ‘Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer’ (Mt 25,41). Eine Liedstrophe kann man streichen, eine unpopuläre Passage aus dem Evangelium nicht.”

Auch wenn Gott den Tod des Sünders nicht will, wie es in der ersten Strophe heißt, die den frohen Teil der Botschaft zum Ausdruck bringt, ist dadurch die Mahnung zur Umkehr nicht überflüssig geworden. Denn wir sündigen, wie die Autoren betonen, immer wieder. Die einen zittern und beben deshalb, die anderen verdrängen es: “Das schlechte Gewissen abschütteln gilt als empfehlenswert, weil Sünderzerknirschtheit im Verdacht steht, geduckte Menschen zu erschaffen, aber umgekehrt liegt in der unaufhörlichen Infragestellung unserer Selbstgerechtigkeit auch etwas tief Christliches, eine Türen öffnende Kraft.”

Das Räumen der Festung in der zweiten Strophe sieht zwar, wie die Autoren bemerken, nach einer militärischen Niederlage aus, ist aber ein moralischer Sieg. Denn das neue Ich, das sich der Gnade geöffnet hat, ist “liebevoll kraft dieser Gnade - nicht kraft seiner Autonomie.”

Die Vernunft bedarf der Gründung in der Gnade, der Christ bedarf der immer erneuten Umkehr. Das ist eine Kampfansage an säkulare wie an christliche Selbstgerechtigkeit und Selbstzufriedenheit. “Die wahre Aufklärung ist die immerwährende Buße. In der Kapitulation liegt die Souveränität.”

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Das Bußlied von Friedrich Spee, veröffentlicht 1649 in seiner Gedichtsammlung Trutz-Nachtigall:

1. Tu auf, tu auf, du schönes Blut / Gott will zu dir sich kehren! / O Sünder greif nun Herz und Mut / Hör auf die Sünd zu mehren; / Wer Buß zu rechter Zeit verricht´, / Der soll in Wahrheit leben. / Gott will den Tod des Sünders nicht / Wann willst du dich ergeben?

2. Vergebens ist all Rat und Tat, / Was will du länger säumen ? / Es sei nun gleich früh oder spat, / Die Festung mußt du räumen. / O armes Kind! O Sünder blind! / Was hilft das Widerstreben? / Dein Stärk verschwindt als wie der Wind, / Laß ab, es ist vergebens!

3. Tu auf, tu auf, glaub mir´s fürwahr, / Gott läßt mit sich nicht scherzen! / Dein arme Seel steht in Gefahr, / und wird dich´s ewig schmerzen. / Kehr wieder, o verlorner Sohn, / reiß ab der Sünden Banden! / Ich schwör dir bei dem Gottesthron / Die Gnad ist noch vorhanden.

4. Geschwind, geschwind, all Uhr und Stund / Der Tod auf uns kommt eilen; / ist ungewiß, wen er verwundt / Mit seinen bleichen Pfeilen. / Wen er nicht findt in Gnadenzeit, wär nützer nie geboren; / Wer unbereit von hinnen scheidt, ist ewiglich verloren.

5. O Ewigkeit, o Ewigkeit! / Wer wird sich können messen? / Sind deiner doch schon allbereit / Die Menschenkind vergessen./ O Gott vom höchsten Himmel gut, / Wann wird es besser werden? / Die Welt nur immer scherzen tut. / Kein Sinn ist mehr auf Erden.

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