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* * *

20. Dezember
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

49. Folge

Wenden wir uns von den Chinesen zu den Hindus. Das Gefühl der Entfernung von Gott und des tiefen Falles der Menschheit zeigte sich bei denselben so rege, daß sie die ebenso ernste als kindliche, und in Betracht der Fassungskräfte des jugendlichen Weltalters, welches die ewige, reine Idee des Menschen in Gott nur dann festzuhalten vermag, wenn sie ihr eine konkrete Wirklichkeit in der Zeit gibt, sehr liebenswürdige Lehre von einer Präexistenz der Geister aufstellten, die um ihrer Sünden willen von Gott auf diese Erde verstoßen seien. Sie betrachteten daher das ganze menschliche Leben als eine von Gott gnädig verliehene Frist zur Reinigung und Läuterung, wie dies in dem bekannten Hollwellischen Fragmente so lebendig als klar ausgesprochen ist, und außer den Hindus noch in Tibet, im Reiche der Birmanen, von den Siamesen usw. geglaubt wird; auch wurde jene Idee in dem ganzen bürgerlichen Leben der Hindus, besonders aber in dem Verhältnis der verschiedenen Kasten zueinander ausgeprägt. Wer kann, fragen wir nun, die Entfremdung von Gott schmerzlich empfinden, ohne noch irgend etwas Gottverwandtes, ohne das Bild Gottes in sich zu tragen? Waren die Mittel, die sie zur Wiedervereinigung mit Gott anwendeten, verkehrt; so waren sie es deshalb, weil uns kein Name gegeben ist, in dem wir gerecht vor Gott werden möchten, als allein Jesus Christus; allein selbst in der oft krampfhaften, über alles tragischen Anstrengung, wieder zu Gott zu gelangen, liegt das unwidersprechliche Zeugnis von einer aus der Brust des Menschen nicht vertilgten Sehnsucht nach dem ewigen Leben. Wer kann die Tempel auf Elephantine und Salsette betrachten, und den Indern die Anlage zur Religiosität absprechen? Wer hat je ihre Lehre vom gegenwärtigen Zeitalter, dem Kali-Juga, und seinem Verhältnis zu den früheren beherzigt, ohne sich zu gestehen, daß sie in sich eine tiefe Empfindung des immer sich vergrößernden Verfalles der Menschheit nähren? Wer hat je ihre Lehre von den göttlichen Inkarnationen kennen gelernt, ohne darin wenigstens eine entfernte Sehnsucht nach einer göttlichen Befreiung vom Falle anzuerkennen? Eine Sehnsucht, die sich im ganzen Altertum findet. Artete der frühere indische Theismus mannigfach in Pantheismus aus, so ist die Ursache in der durch die Entwicklung der Sündhaftigkeit immer mehr geschwächten endlichen Vernunft zu suchen; daß aber kein Atheismus, die vollendete Gottlosigkeit, zutage gefördert ward, ist dem unauslöschlichen Ebenbild Gottes im Menschen zu danken.

Was möchte wohl ein Luther und Melanchthon, ein Musäus und Wigand, Flacius und Heßhuß erwidert haben, wenn man ihnen die Lehre der Parsen vorgehalten hätte, die von der Unnatur des Bösen so tief ergriffen waren, daß sie sich das Dasein desselben in der guten Schöpfung nicht anders zu erklären wußten, als durch die Annahme eines für sich bestehenden bösen Prinzips, das dem Guten ewig entgegenwirke? Liegt hierin nicht sogar ein zarteres religiöses Gefühl verborgen, als in der oben vorgetragenen Ansicht Melanchthons, Calvins und Bezas, daß der gute, heilige Gott selbst zum Bösen antreibe, und desselben zur Ausführung seiner Zwecke bedürfe? Vermischten endlich auch die Parsen das physische und moralische Böse, hielten sie es wenigstens nicht gehörig auseinander; es berechtigt diese Erscheinung zu keinem Einwurfe gegen unser eben gefälltes Urteil: die Reformatoren wären nämlich nur zur Erwägung einzuladen, daß es ihnen selbst nicht viel besser erging als den Parsen, und zwar unter ganz anderen Verhältnissen; denn diese kannten die christliche Lehre nicht, die Reformatoren aber bekämpften die Wahrheit, die dicht neben ihnen in ihrem reinen Glanze strahlte.

wird fortgesetzt


19. Dezember
Aufgeklärte Theologen

Würde die Theologie sich stärker mit dem Leben der Heiligen auseinandersetzen, wäre diese Tatsache [sc. die Tatsache, dass es tausendfach einwandfrei abgesicherte Ereignisse gibt, die durch Naturgesetze beim besten Willen nicht erklärt werden können, also Wunder] zweifellos stärker bekannt. Wer beispielweise eine ausführliche Biografie etwa des hl. Johannes Bosco oder des hl. Pfarrers von Ars (Johannes Maria Vianney) gelesen hat, unter Würdigung der geschichtlichen Quellen, weiß mehr über das Wirken Gottes in dieser Welt als die “aufgeklärten” Theologen, die sich von diesen Fakten nicht stören lassen.

Aus: Prof. Dr. Manfred Hauke, Wo Wunder möglich werden, Tagespost vom 18. Dezember 2014, S. 4

Warnung Johannes Pauls II. vor der Pseudotheologie


19. Dezember
Una Voce

Vor 50 Jahren, am 19. Dezember 1964, gründete Bernadette Lecureux (1913-2011) zusammen mit ihrem Mann Georges Cerbelaud Salagnac (1906-1999) in der Krypta der Kirche Saint-Charles de Monceau in Paris die Foederatio Internationalis Una Voce, die heute in 25 Ländern vertreten ist.


18. Dezember
Saudi-Arabien und der Dschihad

Dessen [Saudi-Arabiens] Justizminister Mohammed al-Isa verteidigte erst im Juni 2014 in einer Rede in Washington noch solche Bestrafungen. Ausdrücklich erwähnte er die Enthauptung und das Abschneiden der Hände und betonte, solche „Gottesstrafen können nicht verändert werden, weil sie im islamischen Recht verankert sind. Diese Bestrafungen beruhen auf göttlichen Texte – und wir können sie nicht verändern“. (...)
Gerechtfertigt [wurden tödliche Fatwas] auch durch den saudischen Fernseh- und Internetprediger Scheich Aaidh ibn Abdullah al-Qarni. Im Staatsfernsehen des Wüstenstaates forderte er in einer Lesung über den Koran und Dschihad 2006: „Kehlen müssen durchgeschnitten und Schädel zerschmettert werden – das ist der Weg zum Sieg!“ Der 54-jährige beruft sich auf Vorgaben seines Lehrers, des einflussreichen Gelehrten Muhammad ibn Salih al-Uthaymi. Der 2001 verstorbene Scheich stand dem saudischen Königshaus nahe. 1999 lehnte er es ab, Großmufti des Landes zu werden. Bis zu seinem Tod beriet al-Uthaymi die Regierung seines Heimatlandes in religiösen und rechtlichen Fragen.

Aus: Franz Feyder, ISIS-Terror: Die gelehrten Henker, in den Stuttgarter Nachrichten, 16. September 2014


18. Dezember
Salafismus und Koranauslegung

Der gewalttätige Salafismus ist in den 1980er-Jahren – in Verbindung mit der Ideologie der Muslimbruderschaft und der wahabitischen Theologie in Saudi-Arabien – groß geworden. Seit den 1990er-Jahren investieren die Golfstaaten Unsummen an Geld in die theologische Ausbildung von Imamen, die dann nach Europa, auch nach Österreich, geschickt werden. Die islamische Theologie ist fest in ihrer Hand. (...)
Wir müssen aus dem Koran die eigentliche Botschaft herausholen. Das ist kein Widerspruch zur Demokratie, zur pluralistischen Gesellschaft und zu den Menschenrechten. Der Koran muss im historischen Kontext verstanden werden. Wenn wir den Kontext der Offenbarung vom siebenten Jahrhundert in der Gegenwart suchen, haben wir den Koran nicht verstanden. Historisch gesehen hat der Islam niemals in seiner Geschichte von Menschen gemachte Gesetze abgeschafft, er hat sie nur zivilisiert. Das Handabhacken, die Scheidungsregeln, die Mehr-Ehe und weitere Gesetze, die im Koran erwähnt werden, waren schon vor dem Koran für die Mekkaner bekannte Gesetze zur Regelung der Gemeinschaft. Der Koran darf nicht als Gesetz verstanden werden.

Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik in Wien, im Interview mit profil am 4. Oktober 2014


18. Dezember
Elias Facchini

Vor 150 Jahren, am 18. Dezember 1864, wurde der hl. Elias Facchini (1839-1900) zum Priester geweiht. Bereits 1866 entschloss er sich, als Missionar nach China zu gehen. Dort starb er am 9. Juli 1900 in Shanxi als Märtyrer im Boxeraufstand. 1946 von Pius XII. seliggesprochen, wurde er am 1. Oktober 2000 mit 119 weiteren Märtyrern heiliggesprochen.

Weitere Infos zum Boxeraufstand im Beitrag zum hl. Theodor Balat, der zusammen mit Facchini ermordet wurde.


17. Dezember
Buße als Aufklärung

Im neuen Gotteslob wurde das Bußlied “Tu auf, tu auf” getilgt, das Friedrich Spee um 1630 gedichtet hatte. Es findet sich nur noch in den Eigenteilen von Trier und Köln, und in Köln ohne die vierte Strophe.

Daran haben nun Hansjakob Becker und Hermann Kurzke (Autor des Buches Kirchenlied und Kultur) in Christ in der Gegenwart (Ausgabe Nr. 48/2014) eine bemerkenswerte Kritik geübt. Gerade die vierte Strophe mit der Aussicht auf eine mögliche Verdammung tut heutigen Ohren weh: “Das klingt nach Drohbotschaft statt Frohbotschaft”, bemerken die Autoren, um die Sache im Lichte der Bibel gleich richtigzustellen: “Wir Gutmütigen fragen dagegen: Kann es ein ‘ewiglich verloren’ überhaupt geben? Kann ein liebender Gott solch ein Urteil sprechen? Biblisch gesehen schon. Jesus selbst sagt in seiner Gerichtsrede: ‘Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer’ (Mt 25,41). Eine Liedstrophe kann man streichen, eine unpopuläre Passage aus dem Evangelium nicht.”

Auch wenn Gott den Tod des Sünders nicht will, wie es in der ersten Strophe heißt, die den frohen Teil der Botschaft zum Ausdruck bringt, ist dadurch die Mahnung zur Umkehr nicht überflüssig geworden. Denn wir sündigen, wie die Autoren betonen, immer wieder. Die einen zittern und beben deshalb, die anderen verdrängen es: “Das schlechte Gewissen abschütteln gilt als empfehlenswert, weil Sünderzerknirschtheit im Verdacht steht, geduckte Menschen zu erschaffen, aber umgekehrt liegt in der unaufhörlichen Infragestellung unserer Selbstgerechtigkeit auch etwas tief Christliches, eine Türen öffnende Kraft.”

Das Räumen der Festung in der zweiten Strophe sieht zwar, wie die Autoren bemerken, nach einer militärischen Niederlage aus, ist aber ein moralischer Sieg. Denn das neue Ich, das sich der Gnade geöffnet hat, ist “liebevoll kraft dieser Gnade - nicht kraft seiner Autonomie.”

Die Vernunft bedarf der Gründung in der Gnade, der Christ bedarf der immer erneuten Umkehr. Das ist eine Kampfansage an säkulare wie an christliche Selbstgerechtigkeit und Selbstzufriedenheit. “Die wahre Aufklärung ist die immerwährende Buße. In der Kapitulation liegt die Souveränität.”

________

Das Bußlied von Friedrich Spee, veröffentlicht 1649 in seiner Gedichtsammlung Trutz-Nachtigall:

1. Tu auf, tu auf, du schönes Blut / Gott will zu dir sich kehren! / O Sünder greif nun Herz und Mut / Hör auf die Sünd zu mehren; / Wer Buß zu rechter Zeit verricht´, / Der soll in Wahrheit leben. / Gott will den Tod des Sünders nicht / Wann willst du dich ergeben?

2. Vergebens ist all Rat und Tat, / Was will du länger säumen ? / Es sei nun gleich früh oder spat, / Die Festung mußt du räumen. / O armes Kind! O Sünder blind! / Was hilft das Widerstreben? / Dein Stärk verschwindt als wie der Wind, / Laß ab, es ist vergebens!

3. Tu auf, tu auf, glaub mir´s fürwahr, / Gott läßt mit sich nicht scherzen! / Dein arme Seel steht in Gefahr, / und wird dich´s ewig schmerzen. / Kehr wieder, o verlorner Sohn, / reiß ab der Sünden Banden! / Ich schwör dir bei dem Gottesthron / Die Gnad ist noch vorhanden.

4. Geschwind, geschwind, all Uhr und Stund / Der Tod auf uns kommt eilen; / ist ungewiß, wen er verwundt / Mit seinen bleichen Pfeilen. / Wen er nicht findt in Gnadenzeit, wär nützer nie geboren; / Wer unbereit von hinnen scheidt, ist ewiglich verloren.

5. O Ewigkeit, o Ewigkeit! / Wer wird sich können messen? / Sind deiner doch schon allbereit / Die Menschenkind vergessen./ O Gott vom höchsten Himmel gut, / Wann wird es besser werden? / Die Welt nur immer scherzen tut. / Kein Sinn ist mehr auf Erden.


17. Dezember
Max Jakob

Vor 100 Jahren, am 17. Dezember 1914, hatte der Dichter und Maler Max Jakob (1876-1944) seine Vision (fünf Jahre nach der ersten Christusvision), die ihn zur endgültigen Bekehrung führte. Zwei Monate später wurde er getauft.


16. Dezember
Prometheus oder Maria?

Von Prof. Dr. Georg Siegmund

Zweiter und letzter Teil

Wer begriffen hat, daß es der Geist des »Prometheus« ist, der auf eine die ganze Welt umspannende Revolution ausgeht, fühlt sich gedrängt, nach einem Gegen-Bild Ausschau zu halten, unter dessen Führung sich ein Ausweg aus der Sackgasse der Weltgefährdung auftut. Hierfür brauchen wir dem Geist der Zeit nicht gewaltsam ein Bild aufzupressen, gegen das er sich innerlich wehren würde, sondern nur jenes Bild aufzugreifen, das Johann Gottlieb Fichte, der Vater des deutschen Idealismus, der als junger Mann Prometheus auf seinen Schild erhob, in seiner reifen Zeit selbst noch als erlösendes Gegen-Symbol erschaut hat. Er erkennt in dem menschlichen Eigenwillen, der sich dem göttlichen Willen entgegenstellt, den Grund allen Weltübels. Eine falsche Selbstliebe verschließt dem Menschen das Tor zur Seligkeit, statt dessen stürzt sich seine am Sinnlichen entzündete Gier auf Trebern, die ihn nicht befriedigen können. Zur höheren Moralität steigt der Mensch erst empor, wenn er seinen Eigen-Willen zur Autonomie aufgibt und sich einfügt in das, was Gott will.

Bei seinem Bemühen, diesen Grundgedanken durch ein Beispiel zu verdeutlichen, spricht Fichte von der Schönheit, die es in dieser Welt nur als Spiegelung der Urquelle der göttlichen Schönheit gibt. Vollkommen schön ist in dieser Welt nur das vollkommene Durchleuchten der göttlichen Idee, ohne daß menschliche Eigenwilligkeit dieses Leuchten trübte.

Verwirklicht ist die vollkommene menschliche Schönheit im Bild einer »heiligen Frau, welche, emporgehoben in die Wolken, eingeholt von den himmlischen Heerscharen, die entzückt in ihr Anschauen versinken, umgeben von allem Glanze des Himmels, dessen höchste Zierde und Wonne sie selbst wird, ... ganz verflossen ist in die eine Empfindung: Ich bin des Herrn Magd, mir geschehe immerfort, wie Er will ... «

Das bewußte Ja-Wort Marias, das unbeirrt auf Gott gerichtet bleibt, ohne mit einem einzigen Blick der Selbstgefälligkeit aus dieser Höhe zu fallen, ist es, was das volle Durchleuchten möglich macht. Schon ein Blick wohlgefälliger Selbstbespiegelung hätte genügt, das Bild dieser Schönheit trübe und stumpf zu machen.

In dieser Sicht tritt Maria dem Mythos Prometheus in genauer Entsprechung als Gegen-Symbol gegenüber. Prometheus wird zum symbolhaften Titanen durch die eigenmächtige Revolte gegen Gott, in der er Gott volles Selbstbewußtsein und männliche Tathärte entgegensetzt. Marias Haltung ist die Demut des Kindes, die jedoch in bewußtem Ja und in der unbedingten, niemals zurückgenommenen Bejahung des Gotteswillens den Bereich des naiv Kindlichen ebenso überschreitet und zur vollendeten Reife der Schönheit der Frau auf den Wolken gelangt. Damit ist Maria der Prototyp, Bild der vollendeten christlichen Haltung, die der ebenso ausgesprochenen prometheischen Versagung gegen Gott entgegentritt. Die Kirche feiert Maria über alles Gefühlsmäßige hinaus als die Kraft, die wirklich der Schlange den Kopf zertritt, die Irrtümer besiegt, die im Laufe der Kirchen-Zeit mit der christlichen Wahrheit in Widerstreit geraten. Sie wendet auf sie geradezu das Schriftwort an: »Furchtbar bist du wie ein geordnetes Kriegsheer« (Hoheslied).

Mit »Prometheus« und »Maria« sind also zwei einander von der Wurzel an grundverschiedene Letzthaltungen versinnbildet. Hat der Geist der Zeit bisher unter dem Zeichen des »Prometheus« gestanden, so ruft die Einsicht in das Scheitern dieses Geistes ihn zu einer Kehre hin zum Gegen-Zeichen »Maria«.

Der katholische Christ ist darüber hinaus des Glaubens, daß Maria nicht bloß eine Idee, nicht bloß ein Bild, Mythos oder Symbol ist, vielmehr eine höchstpersönliche Wirklichkeit, die dem Weltgeschehen nicht tatenlos zuschaut, sondern sich an die Menschen unserer Zeit mit der Aufforderung zu einer Sinnesänderung gewandt hat, um weiteres Unheil von der Menschheit abzuwehren. Der Unglaube wurzelt in einer affektiven, radikalen, unbelehrbaren Vorentscheidung, mit der es keinen Kompromiß geben kann. Er vermag die Unentschiedenen zu faszinieren und zu blenden. Angesichts der so häufigen Verblendung besteht keine andere Möglichkeit für eine Wendung als dadurch, daß der wachgewordene Einzelne eine »Metanoia«, eine »Umsinnung« oder »Sinnesänderung« vornimmt. Nachdem die Päpste im letzten Jahrhundert immer eindringlicher auf Maria als das »Zeichen am Himmel unserer Zeit« hingewiesen haben, darf der gläubige Christ von heute nicht mehr abseits stehen und die Dinge dahin treiben lassen, wohin sie drängen.

Gewisse namhafte Leute haben die geistigen Wächter der Zeit zu trösten versucht mit dem Hinweis darauf, daß nach der äußersten Gottentfremdung »ganz von selbst« wieder eine Umkehr und Rückkehr zu Gott erfolgen werde. Das ist ein fataler Irrtum! Solche automatische Rückkehr in die Ausgangsposition gibt es nur bei untermenschlichen Naturereignissen. So umläuft die Erde die Sonne mit Perihel und Aphel. Auf eine Zeit größter Annäherung folgt eine Zeit größter Entfernung. Einem Beobachter im Weltall könnte es zeitweise so scheinen, als ob die Erde vor der Sonne fliehe und sich in alle Ewigkeit immer weiter von ihr entferne. Dann aber würde er zu seiner Verwunderung gewahren, daß ein Umschwung erfolgt. Die Erde nähert sich von neuem der Sonne.

Solche automatische Umschwünge gibt es in der untermenschlichen Natur, aber nicht in der Geschichte des Menschen. Man hat unsere Zeit eine Zeit der »Flucht vor Gott« genannt, eine Zeit der »Gottesferne«, ja des »Gotteshasses«. Man hat gemeint, wir hätten bereits die äußerste Entfernung von Gott erreicht, und uns damit trösten wollen, Gott käme schon wieder von selbst »in Sicht«. Nein, er kommt nicht von selbst in Sicht. Erst wenn wir - wie der verlorene Sohn der Parabel - den Mut aufbringen, uns selbst aufzumachen und zum Vater zurückkehren, kommt Gott von neuem in Sicht. Dazu sind wir heute alle aufgefordert.

Zum ersten Teil


15. Dezember
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Zehnter und letzter Teil

Die Hauptstütze des allen Religionsneuerungen abgeneigten Königs war in kirchlichen Fragen der Staatsminister von [Johann Christoph von] Wöllner [1732-1800], der auch unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. zunächst noch an der Spitze des geistlichen Departements blieb, trotz seiner Schmiegsamkeit aber alsbald entlassen wurde, weil er entgegen der königlichen Willensmeinung das Religionsedikt nochmals eingeschärft hatte. In einer Kabinettsordre vom 13. Januar 1798 bedeutete der König dem Minister: die Religion müsse Sache des Herzens, des Gefühls und der eigenen Überzeugung sein und bleiben und dürfe nicht durch methodischen Zwang zu einem gedankenlosen Plapperwerk herabgewürdigt werden, wenn sie Tugend und Rechtschaffenheit befördern solle. „Vernunft und Philosophie müssen ihre unzertrennlichen Gefährten sein; dann wird sie durch sich selbst bestehen, ohne die Autorität derjenigen zu bedürfen, die es sich anmaßen wollen, ihre Lehrsätze künftigen Jahrhunderten aufzudrängen und den Nachkommen vorzuschreiben, wie sie zu jeder Zeit und in jedem Verhältnisse über Gegenstände, die den wichtigsten Einfluß auf ihre Wohlfahrt haben, denken sollen.“ Unter Friedrich Wilhelm III. wurde die Verstaatlichung der protestantischen Kirchengemeinschaft auch äußerlich vollzogen, indem die bisherigen geistlichen Behörden in Wegfall kamen und dem Ministerium des Innern eine Abteilung für den Kultus und öffentlichen Unterricht untergeordnet wurde; durch Kabinettsordre vom 3. November 1817 wurde dann ein selbständiges Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten gegründet. Anläßlich der 300jährigen Jubelfeier der Reformation brachte der König die Vereinigung der Lutheraner und Reformierten aufs neue in Anregung. Als bezügliche Verhandlungen keinen durchschlagenden Erfolg hatten, erließ er i.J. 1822 eine Agende für seine Hofkirche, befahl die Einführung derselben für die Garnisonskirchen und empfahl sie allen Gemeinden des Staates. Im Jahre 1825 hatten von 7782 Kirchen bereits 5343 die Agende angenommen. Seit 1830 galt die Agende und die Union der beiden Kirchen zur „evangelischen Landeskirche“ als Gesetz. Gegen die noch widerstrebenden Lutheraner ward mit großer Härte vorgegangen; ihre Anhänger wurden gepfändet und eingekerkert, ihre Geistlichen gefangen gesetzt und verfolgt. Erst im Jahre 1838 wurden die Zwangsmaßregeln gegen die Altlutheraner gemildert. Unter Friedrich Wilhelm IV. erlangten dieselben i.J. 1845 ihre Anerkennung als Gemeinden der von der Landeskirche getrennten Lutheraner. König Friedrich Wilhelm IV. erwies sich auch der bürokratischen Bevormundung der eigenen Kirchengemeinschaft abhold. Er sehnte sich danach, seine Kirchengewalt und oberbischöfliche Stellung in andere Hände niederzulegen, wenn er nur die richtigen hätte finden können. Was die Beziehungen der beiden christlichen Bekenntnisse anlangt, so betonte der König das Gemeinsame schärfer als das Trennende.

König Wilhelm I. sprach sich in den ersten Regierungsjahren wiederholt gegen die Orthodoxie in der protestantischen Kirche aus. Die Kirchenpolitik der 70er Jahre – die Änderung der Landesverfassung und die sogen. Maigesetzgebung – traf die evangelisch-kirchlichen Gemeinschaften ebenso wie die katholische Kirche. Wenn Konflikte mit jenen trotzdem nur selten eintraten, so erklärt sich dies daraus, daß die evangelisch-kirchlichen Grundsätze nicht entfernt in demselben Umfange und in derselben Bestimmtheit dieser Staatsgesetzgebung widersprachen und daß die Angehörigen und Diener der evangelischen Kirchengemeinschaften, vornehmlich in den alten Provinzen Preußens, die Beugung unter die Ansprüche des Staates schon seit unvordenklicher Zeit gelernt hatten. Der alle kirchliche Freiheit und Selbständigkeit ausschließenden Richtung dieser gemeinsamen Gesetzgebung entsprach auch die gleichzeitige besondere Gesetzgebung in den evangelischen Kirchengemeinschaften und für dieselben. In dem letzten Jahrzehnte seiner Regierung neigte sich König Wilhelm I. wieder mehr der orthodoxen Richtung zu, wie sich namentlich in den königlichen Ernennungen zur Generalsynode kundgab.

Die Kirchenpolitik bewegt sich seitdem in der gleichen Richtung. König Wilhelm II. hat sich wiederholt zum Apostolischen Glaubensbekenntnisse bekannt, besonders feierlich in der von ihm unterzeichneten Urkunde über den Akt der Einweihung der wiederhergestellten Schloßkirche zu Wittenberg (31. Oktober 1892). In dieser Urkunde findet sich der Satz „wie wir zu dem die gesammte Christenheit verbindenden Glauben an Jesum Christum, den menschgewordenen Gottessohn, den Gekreuzigten und Auferstandenen, uns von Herzen bekennen, und wie wir zu Gott hoffen, allein durch diesen Glauben gerecht und selig zu werden, also erwarten wir auch von allen Dienern der evangelischen Kirche, daß sie allezeit beflissen sein werden, nach der Richtschnur des Wortes Gottes in dem Sinn und Geist des durch die Reformation wiedergewonnenen reinen Christenglaubens ihres Amtes zu warten.“ In einer Ansprache bei derselben Gelegenheit bezeichnete der König das Apostolische Glaubensbekenntnis als „ein Band des Friedens, welches über die Trennung hinüberreicht“. Wenn innerhalb des preußischen Protestantismus vielfach erwartet worden ist, König Wilhelm II. werde sich den Bestrebungen, der evangelischen Kirchengemeinschaft eine größere Selbständigkeit gegenüber dem Staate zu verleihen (Anträge v. Kleist-Retzow und v. Hammerstein), geneigt zeigen, so hat sich diese Erwartung bisher nicht erfüllt, der König hat vielmehr keinen Zweifel darüber gelassen, daß er die kirchenregimentlichen Machtbefugnisse des Landesherrn ungeschmälert erhalten wissen will.

Wie der Rückblick auf die preußische Kirchenpolitik für das evangelische kirchliche Gebiet ergibt, haben dabei die Begünstigung der kirchlichen Orthodoxie und die des kirchlichen Liberalismus gewechselt. Aber auch in diesem Wechsel ist der unwandelbare Grundsatz festgehalten worden, daß die kirchliche Lehre und Verfassung dem Staatsinteresse, wie das jeweilige Regierungssystem dasselbe versteht, unbedingt untergeordnet und diese Unterordnung mit allen staatlichen Machtmitteln zur Geltung zu bringen sei.

Literatur:

Max Lehmann, Preußen und die katholische Kirche seit 1640, nach den Akten des Geheimen Staatsarchivs, 6 Teile, 1878 bis 1893 (diese Publikationen umfassen den Zeitraum von 1640- 1792); Jul. Bachem, Preußen und die katholische Kirche, 5. Aufl., 1887 (diese Schrift liegt vorstehender Abhandlung zu Grunde); H.J. Floß (herausgegeben aus dessen Nachlaß), Zum clevisch-märkischen Kirchenstreit, 1883; Adolf Franz, Die gemischten Ehen in Schlesien, 1878; Laspeyres, Geschichte und heutige Verfassung der katholischen Kirche Preußens, 1840; Franz Hipfer, Briefe und Jahrbücher des Fürstbischofs von Ermland, Joseph Prinz von Hohenzollern-Hechingen, 1883; Korrespondenz zwischen dem apostolischen Verwalter der Erzdiözese Köln, Johannes von Geissel und dem Kardinal-Staatssekretär Lambruschini (Archiv für katholisches Kirchenrecht,1884); Hirschel, Das Recht der Regierungen bezüglich der Bischofswahlen, 1870; Briefwechsel des Erzbischofs Graf Ferdinand August Spiegel zum Desenberg (Historisch-politische Blätter Bd. 89 [Jahrgang 1882]); Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Erzbischof von Köln, Über den Frieden unter der Kirche und den Staaten, 1843; Emil Friedberg, Die Grundlage der preußischen Kirchenpolitik unter Friedrich Wilhelm IV.,1882; A. von Reumont, Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen, 1884; Diplomatische Korrespondenz über die Berufung des Bischofs Johannes von Geissel von Speyer zum Coadjutor des Erzbischofs Clemens August Freiherrn v. Droste zu Vischering von Köln (herausgegeben von Domkapitular Dumont), 1880; Hermann Wagner, Die Politik Friedrich Wilhelms IV., 1883; Die Ministerialerlasse vom 22. Mai und 16. Juli 1852 in der Zweiten Kammer, Paderborn,1853; die katholischen Interessen bei den Budgetverhandlungen in den preußischen Kammern des Jahres 1852/53, Paderborn 1853; Denkschrift über die Parität an der Universität Bonn, mit einem Hinblick auf Breslau und die übrigen deutschen Hochschulen, 1862; Schriften und Reden von Johannes Kardinal von Geissel, Erzbischof von Köln, herausgegeben von Domkapitular Dumont, 1868; Franz Xaver Schulte, Geschichte des Kulturkampfes in Preußen, in Aktenstücken dargestellt, 1882; Carl Kiefer, Die rechtliche Stellung der evangelischen Kirche Deutschlands in geschichtlicher Entwicklung, 1893.

Zum bisher Erschienenen


14. Dezember
Monatsranking

Platz Monatsranking Oktober 2014
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 535 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/- 0
3

In-vitro-Fertilisation

+/- 0
10

Eduard Kamenicky: Die auf Dich warten

+ 40
20

Wie seriös ist Dawkins?

+/- 0
30

Pastor: Michelangelo und die Sixtinische Kapelle

- 12
40

Der Streit um die Evolution

- 2
50

Grisar: Luther und der Ablassstreit

+ 10
60

W. Zimmer: Aufgabe des Priesters ist zu konsekrieren

+ 151
100

Spaemann: Tierschutz und Menschenwürde

+ 54

Bemerkenswert ist, dass drei Beiträge es durch einen großen Sprung in die Top 10 geschafft haben:

  • Und den gewaltigsten Sprung um 351 Plätze auf Platz 5 machte die Vision des hl. Don Bosco über den Schild des Glaubens.

Zum Monatsranking

Zum Jahresranking


14. Dezember
Bernadette Lecureux

Vor drei Jahren, am 14. Dezember 2011, verstarb in Brest im Alter von 99 Jahren Mme Georges Cerbelaud Salagnac, geb. Bernadette Lecureux, Ritter der Ehrenlegion. Sie gehörte 1964 zusammen mit ihrem Mann Georges Cerbelaud Salagnac (1906-1999) zu den Gründern der französischen Una Voce. Sie hatte, wie es im Nachruf der Una Voce Korrespondenz heißt, “entscheidenden Einfluss auf die gesunde und heilsame Reaktion von Laien, und das bereits zu einer Zeit, als das 2. Vatikanum seine Arbeit noch nicht beendet hatte. Im Mai 1964 veröffentlichte die ausgezeichnete Latinistin, Archivarin und Paläographin unter ihrem Mädchennamen Bernadette Lecureux ein bedeutendes und in vielfacher Hinsicht begeisterndes Werk: »Latein, die Sprache der Kirche«.”


13. Dezember
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Siebte und letzte Folge

Nun ergibt sich aber eine merkwürdige Konstellation: Egidius hat mit Wilhelm von Ockham und Marsilius eines gemeinsam: die Etablierung des Voluntarismus. Die Gesetzlosigkeit des Papstes bei Egidius ist das hierokratische Spiegelbild des ockhamistischen Nominalismus und Voluntarismus. Die Beschreibung des egidianischen Papstes paßt genau auf den ockhamschen Gott: Dessen Wille ist durch kein Gesetz und durch keine Gerechtigkeit gebunden. Das Gute ist gut, weil Gott es will, nicht umgekehrt. Mit Marsilius ist Egidius sich in der Verwerfung des Naturrechts einig.

So besteht der entscheidende Gegensatz nicht zwischen der hierokratischen Theorie und ihren Gegenentwürfen. Vielmehr handelt es sich bei diesem Gegensatz um die entgegengesetzten Seiten derselben Münze, durch welche die alte Währung abgelöst wurde. Dempf sieht deshalb in den hierokratischen Theorien die Faktoren der Neuzeit genauso wirksam wie bei Wilhelm von Ockham und Marsilius von Padua [3]. Der Abgrund, der die Modernen von den Alten trennt, ist die verschiedene Rolle, die sie dem Ethischen zuweisen. Voneinander unterscheiden sie sich nur durch die Frage, wem sie die solcherart autonom gewordene Macht zusprechen. In dieser Frage ist eine Vermittlung ausgeschlossen, es kann nur ein Souveränitätsideal dem anderen gegenübergestellt werden. Denn die einzige Klammer, die einigend wirken könnte, ist weggefallen: die Orientierung an einer gemeinsamen Vorgabe, nämlich dem Ordo des Ethischen. Genau dies war dem hl. Thomas gelungen. Die natürliche Ethik des Aristoteles konnte er - ohne daß sie letztlich, wie bei Augustinus Triumphus, doch absorbiert wurde - so in die christliche Heilsordnung integrieren, daß sie gleichzeitig den Dualismus und die Einheit ermöglichte. Sie war die Klammer, die beide Gewalten in einen je relativ eigenständigen Bereich auseinanderhielt und gleichzeitig miteinander verband in der hierarchisch gestuften Unterordnung unter ein gemeinsames Gesetz und gemeinsames Ziel. Er verband das im Übernatürlichen wurzelnde Einheitsideal des Hugo von St. Viktor mit der aristotelischen Anerkennung der natürlichen Eigenständigkeit der Welt. Zusammengehalten wurde diese Spannungseinheit durch das Ethische. Fiel dieses weg, mußte die Spannungseinheit, konsequent zu Ende gedacht, entweder in einen hierokratischen Absolutismus wie bei Egidius Spiritalis, oder in einen unversöhnlichen Dualismus und damit - weil ein solcher Dualismus immer nur als Übergang möglich ist - in einen cäsaropapistischen Absolutismus [4] auseinanderfallen. Thomas mildert Bernhard von Clairvaux, so daß er kein Augustinus Triumphus wird, und bewahrt den Dualismus davor, unversöhnlich zu werden.

Ein Blick auf die reale Situation bestätigt diese These, auch wenn der erste Augenschein trügt: Steht Johannes XXII. in seiner Auseinandersetzung mit Ludwig dem Bayern nicht für dieselbe Sache ein wie einst Gregor VII. im Investiturstreit gegen Heinrich IV.? Sind nicht die Machtansprüche Johannes' eine Neuauflage des Programms Gregors - man denke an den Dictatus Papae? Bei dieser Fragestellung aber bleibt die innere Transformation, die der Begriff der potestas durchgemacht hat, verborgen. Wenn man bedenkt, daß Gregor als Mönch Hildebrand aus der Reformbewegung kam, die z.B. die Simonie als den Todfeind der Kirche bekämpft hat, und wenn man ein wenig die "Petrusmystik" kennt, von der Gregor VII. durchglüht war, dann weiß man, daß er aus demselben Holz geschnitzt war wie ein Bernhard von Clairvaux. Das Ethos Gregors war wie das Bernhards ein zutiefst moralisches. Für ihn war die päpstliche potestas noch heilige auctoritas: erschütternde Last der Verantwortung. Selbst für die Könige der Menschen haben die Priester im jüngsten Gericht Rechenschaft abzulegen, schrieb einst Gelasius über die "auctoritas sacrata ponitificum." Gregor ging es im Investiturstreit um die libertas ecclesiae, damit diese ihrer vom Herrn anvertrauten Sendung nachkommen könne. Wenn dagegen Johannes XXII. ein jahrzehntelanges Interdikt über Deutschland verhängt, um Ludwig in die Knie zu zwingen, dann ist dies in der Praxis genau die Umkehrung der Theorie, die die Praxis rechtfertigen soll. Die Theorie begründet die Suprematie des Papstes mit der Unterordnung der temporalia unter die spiritualia, und die Praxis Johannes' ordnet die spiritualia seinen höchst temporalen Machtbestrebungen unter. Die Politik des in Avignon sitzenden Papstes ist ein Verrat an der libertas ecclesiae, seine Geltungsansprüche eine Karikatur der Ideale Gregors. Derselbe Bernhard von Clairvaux, der beide Schwerter der Kirche verlieh, hätte ihm wohl nicht einen Tractatus de potestate papae gewidmet, sondern, über seinen Papstspiegel hinaus, ihm ins Angesicht widerstanden und ihn an seine Verantwortung für das Heil der Seelen erinnert, wie es wenige Jahrzehnte später die hl. Katharina von Siena getan hat, als sie an Gregor XI. schrieb: "Erwerben Sie sich zuerst einen wahren Hunger nach dem Heil der Seelen und dann wägen sie die beiden Übel gegeneinander ab: den Verlust weltlicher Größe und Herrschaft und den Verlust so vieler Seelen. Dann werden Sie einsehen, wie viel mehr Sie gehalten sind, die Seelen heimzuholen."

Damit wird ein Strukturelement kirchlicher Krise sichtbar, das sich in der Geschichte wiederholt. Nicht Anfechtung von außen, sondern falsche Reaktion im Innern der Kirche sind normalerweise für Kirchenkrisen verantwortlich. Ein ursprünglich positives Anliegen verselbständigt sich und führt zu einer Störung und Umkehrung der richtigen Rangordnung kirchlicher Ziele und Werte. Für die Durchsetzung seiner Theorie zahlt Johannes XXII. einen Preis, der genau das opfert, um dessentwillen die Theorie entwickelt wurde. Die Theorie hält am päpstlichen Anspruch auf die potestas temporalis fest, um die Unabhängigkeit der potestas spiritualis sicherzustellen. In der Theorie ist die politische Gewalt des Papstes um des Seelenheiles der Gläubigen willen da. In der Praxis wird die Theorie durchgesetzt, indem die spirituelle Gewalt der Politik untergeordnet wird. Um Ludwig politisch in die Knie zu zwingen, wird das Interdikt über ganz Deutschland verhängt. Das Seelenheil wird der Politik untergeordnet. Ein Blick auf die Gegenwart genügt, um sich zu überzeugen, wie frappierend ähnlich sich der Vorgang wiederholt. Die Erneuerung, die allgemein vom Zweiten Vatikanischen Konzil erwartet wurde, fand in einigen Punkten statt: aber um einen Preis, der die Kirche in eine der größten Krisen ihrer Geschichte stürzen ließ. Exemplifiziert sei der Vorgang an der liturgischen Erneuerung. Kardinal Ratzinger schrieb bereits 1975: "Ist es zum Beispiel nicht wirklich merkwürdig, daß man nie von ähnlichen bischöflichen Reaktionen gegen Zerstörungen im Kern der Liturgie selbst gehört hat, wie sie nun gegen den Gebrauch des doch nicht erst seit Pius V. existierenden Meßbuches der Kirche hervortreten?" (Theologische Prinzipienlehre, München 1982, S. 408). Von der Richtigkeit dieser Beobachtung kann sich jeder auch heute noch überzeugen. Wenn sie aber zutrifft, dann bezeugt dieses widersprüchliche Verhalten der Bischöfe eine Transformation, die das liturgische Anliegen des letzten Konzils unter der Hand durchgemacht hat: Gewisse Zielgrößen der Liturgiereform wie z.B. die participatio actuosa haben eine solch beherrschende Stellung im Urteilen über das, wie Liturgie sein soll, erlangt, daß demgegenüber sogar noch konstitutivere Elemente der Liturgie wie z.B. ihr Geheimnischarakter oder ihre im unverfügbaren Ritus sich manifestierende wesentliche Vorgegebenheit nicht ins Gewicht fallen. "Heute muß man sich fragen, ob es überhaupt noch einen lateinischen Ritus gibt; ein Bewußtsein dafür ist sicher kaum noch vorhanden. Die Liturgie erscheint in den Augen der meisten vielmehr als eine Gestaltungsaufgabe für die jeweilige Gemeinde, in der entsprechende Kreise oft mit einem ebenso bewundernswerten wie verfehlten Eifer von Woche zu Woche eigene 'Liturgien' basteln" (Ratzinger, Das Fest des Glaubens, Einsiedeln 1981, S. 75). Im Namen der liturgischen Erneuerung wird solch liturgiezerstörerisches Verhalten gefördert oder geduldet, während es auf der anderen Seite vorgekommen ist, daß z.B. blühendes kirchliches Leben an Wallfahrtsorten erstickt wurde, weil die Liturgie dort noch zu sehr im alten Stil gefeiert wurde. Im Namen der Reform, die sich angeschickt hatte, die Liturgie zu erneuern, wird Liturgie zerstört. Die Reform wird zum Maßstab der Liturgie, nicht mehr die Liturgie zum Maßstab der Reform. Die Reform ist zu einem Selbstwert geworden, der das ursprüngliche Ziel aus dem Auge verloren hat. Johannes XXII. ordnete um der Theorie willen, die die Politik dem Seelenheil unterordnete, das Seelenheil der Politik unter. Heute ordnet man um der Reform willen, die eine liturgische Erneuerung anstrebte, die liturgische Erneuerung der Durchsetzung der Reform unter.

Anmerkungen:

[3] "Das Überraschende der hier vertretenen These ist also, daß die scheinbar extrem mittelalterliche Partei der Kurialisten gar nicht mehr mittelalterlich ist. Sie ist schon bestimmt von den drei Hauptfaktoren der Neuzeit, Wissenschaft, juristischer Bildung und geldwirtschaftlichem Denken," Sacrum Imperium, S. 442. Uns interessiert hier nur die "juristische Bildung", womit der Versuch gemeint ist, die Einheit der Christenheit und damit die temporale und spirituelle (!) Gewalt von Papst und Kirche in rechtlichen Kategorien auszudrücken und damit nach Art des neuzeitlichen Absolutismus zu fassen. Zu Egidius Spiritalis von Perugia macht Dempf diesbezüglich die bissige Bemerkung: "Man kann sagen, daß eigentlich bis Hobbes niemand mit solcher Schärfe die rein voluntaristische Staats- und Rechtsauffassung so stilgerecht durchgedacht hat. Stünde er nicht auf seiten der falschen Partei, so würde er zweifellos als der erste Theoretiker des Polizeistaates und des konsequenten Absolutismus entsprechenden Ruhm in der Geschichte der Staatsphilosophie besitzen." S. 462 f.

[4] Watt, a.a.O., S. 421, nennt übrigens das System des Marsilius einen Cäsaropapismus, den er gegen die Hierokratie konstruiert habe. Tatsächlich knüpft Marsilius ja an die oströmische Tradition des Cäsaropapismus an, erinnert daran, daß der Kaiser die ersten Konzilien einberufen habe und hält Ludwig für einen Constantinus redivivus. Wenn Ludwig einen Gegenpapst aufstellt, ist dies der Versuch der Verwirklichung der cäsaropapistischen Ideologie.

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12. Dezember
Theodor Groppe

Vor 75 Jahren, am 12. Dezember 1939, schützte der “schwarze General” Theodor Groppe (1882-1973) zahlreiche Juden. Er war zu jener Zeit Kommandeur der 214. Infanterie Division, die am Westwall zwischen Merzig und Dillingen/Saar im Einsatz war. Der dortige Kreisleiter der NSDAP hatte “spontane Volkskundgebungen” gegen die Juden befohlen. Als Groppe davon hörte, erließ er sofort den Befehl, Ausschreitungen gegen Juden notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Tatsächlich fanden deshalb keine Ausschreitungen statt. Groppe wurde daraufhin von Hitler degradiert, aus der Wehrmacht ausgeschlossen und verhaftet. Wegen seines katholischen Bekenntnisses - er verweigerte z.B. konsequent den Hitlergruß - war er den Nazis schon lange ein Dorn im Auge war. Dass er überhaupt mit dem Leben davonkam, verdankte er nur dem mutigen Einsatz der Generalobersten Von Witzleben und Ritter von Leeb, dem Chef der Heeresjustiz Dr. Karl Sack und dem Kommandanten der Haftanstalt Major Dr. Leussing. Theodor Groppe war der Vater des Jesuiten P. Lothar Groppe.

Zum Thema: Katholische Kirche und Nationalsozialismus


12. Dezember
Sansibar

Vor 50 Jahren, am 12. Dezember 1964, wurde die Diözese Sansibar, Tansania, errichtet. Am 17. Februar 2013 wurde auf Sansibar der katholische Priester Evarist Mushi ermordet. Zu dem Anschlag bekannte sich die islamistische Gruppe Uamsho.


12. Dezember
Bartolo Longo

Vor 150 Jahren, am 12. Dezember 1864, promovierte der selige Bartolo Longo (1841-1926) zum Doktor der Rechtswissenschaft. Der selige Bartolo Longo ist der große Heilige des Rosenkranzes, über den Papst Johannes Paul II. schrieb: “Ein besonderes Charisma hatte weiterhin der selige Bartolo Longo, der ein wahrer Apostel des Rosenkranzes gewesen ist. Sein Weg der Heiligkeit gründete auf einer Eingebung, die er in der Tiefe seines Herzens vernahm: ‘Wer das Rosenkranzgebet verbreitet, ist gerettet!’”


11. Dezember
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Achter Teil

Unterdessen hat sich die Erwartung, die Deutsche Bischofskonferenz werde in ihrer Äußerung zu den von Klingenberg aufgeworfenen Fragen zwischen Scylla und Charybdis zu lavieren versuchen, prompt erfüllt. Wie ließe sich auch ein zwiespältiges Wort in dieser Sache vermeiden, wenn man sich gehalten fühlt, weder die aufgeklärten Kreise, die Teufel und Hölle längst hinter sich gelassen haben, noch die schon so sehr enervierten Gläubigen vor den Kopf stoßen zu sollen? So geriet denn die Erklärung von Fulda vage und schillernd. Was den die Öffentlichkeit so sehr beschäftigenden Fall betrifft, können sich die Bischöfe unter Hinweis auf das noch im Gang befindliche Verfahren des Urteils enthalten. Was aber die Lehre der Kirche angeht, müßte diese mit weit größerer Klarheit ausgesprochen werden. Immer wieder fällt auf, wie hart das die berufenen Lehrer der Wahrheit heute ankommt.

Zunächst wirkt es natürlich gut und verpflichtet zu nichts, bei Verdacht von Besessenheit zu höchster Umsicht und Zurückhaltung zu mahnen. Hier steht der Wunsch, sich mit der theoretischen Bejahung einer Realität, die praktisch doch nie mit voller Sicherheit faßbar wird, aus der Affäre ziehen zu können, spürbar zwischen den Zeilen. Wo indes das überlieferte Wort der Kirche massiv und eindeutig spricht, geht man ebenso unmißverständlich auf Distanz: »Hinweise und Texte des Großen Exorzismus im Rituale Romanum entspringen dem Denken und Empfinden einer anderen Zeit und bedürfen deshalb einer Neufassung, die seit längerem in Vorbereitung ist.« Daß die Anwendung dieses bestbekannten Prinzips alles zu verändern erlaubt, was einem neuen »Empfinden« nicht entspricht, leuchtet von selbst ein; nicht weniger durchsichtig ist, daß solche beanstandeten Texte tatsächlich keinem speziellen »Empfinden« entspringen, sondern schlicht jenem Glauben, den zu bekennen den Bischöfen heute zumindest inopportun scheint. Diesem Bekenntnis geht auch der folgende Satz gekonnt aus dem Wege: »Weder Mißdeutungen einer überlieferten Lehre, noch Mißbräuche, noch die Aussagen einzelner Theologen rechtfertigen es, Glaubensinhalte preiszugeben.« Man müßte präzise wissen, was hier als Glaubensinhalt betrachtet wird, um klar erfassen zu können, worin man »Mißdeutungen« der Lehre erblickt, was als »Mißbrauch« zu verstehen ist, welche Aussagen welcher Theologen gemeint sind. Auch die Beteuerung hilft wenig: »Wir können einfach nicht aus der Bibel herausstreichen, daß sie an vielen Stellen von Mächten und Gewalten, von Engeln und vom Teufel spricht.« Zu sehr ist schon geläufig geworden, was aus allen derartigen Texten unter Anwendung zeitgemäßer Exegese und unter Berücksichtigung hermeneutischer Regeln der Sinnerschließung modern durchaus Tragbares herausgelesen werden kann! So bewegt sich denn auch auf minimalistischer Spur der seltsame Satz: »Es wäre vermessen, wenn der Mensch sich als einzig mögliches geistbegabtes Wesen der Schöpfung verstünde.« Genügt es etwa dem Glauben des katholischen Christen, Engel und Teufel für möglich zu halten? Und: Was soll denn hier die Rede von “Vermessenheit”?

Wie in vielen anderen Fällen scheint auch in der Erklärung von Fulda zum Problemkreis Teufel, Besessenheit, Exorzismus schließlich doch alles befriedigend gelöst und aufs beste bestellt, da die einschlägige Lehrentscheidung des IV. Lateran-Konzils von 1215 wörtlich zitiert wird. Leider kommt solcher Einbeziehung klassischer Dokumente des Magisteriums in zeitgenössische Stellungnahmen der Kirche keineswegs mehr die Bedeutung fragloser Übernahme und Bekräftigung der in jenen Zeugnissen formulierten Doktrin zu; gelten ja auch sie einem Denken und Empfinden entsprungen, das nicht mehr das unsere ist. Der naive Gläubige fühlt sich beruhigt, der wissende »Glaubende von heute« in seiner neuen Sicht der Dinge ungestört. Er liest mit Genugtuung, was die Bischöfe anfügen: »Die Theologie steht vor der Aufgabe, die unaufgebbare Wahrheit über das Böse und den Bösen so zu vermitteln, daß auch der heutige Mensch zu ihr einen verläßlichen Zugang findet.« Damit ist zum bedenklichen Ende aller Relativierung Tür und Tor geöffnet. Selbst in der frommen Erinnerung daran, daß Christus »die Macht des Teufels und der Dämonen überwunden hat«, dominiert dann für den, der zu lesen versteht, die kaum verhohlene Billigung der Ansicht, daß der Satan »passé« sei.

Wenn schon das Stichwort »Versagen der Kirche« gefallen ist, kann man nicht ganz übergehen, daß der Exorzismus von Klingenberg dem äußeren Schein nach ohne Erfolg war. Freilich wird der gläubige Betrachter dieses Geschehens nicht vergessen dürfen, daß Anneliese Michel am letzten Abend ihres Erdenlebens um die Absolution gebeten und diese empfangen hat. Niemand wird sich auch erkühnen, P. Renz nachträglich daran zu erinnern, daß »solche Geister nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden« (Mt 17,21), das heißt, durch den rückhaltlosen und opferbereiten Einsatz der mit den finsteren Mächten ringenden Priesterpersönlichkeit - denn das weiß P. Renz selber gut genug, ohne Zweifel. Daß der Exorzismus in schweren Fällen von Besessenheit oft wiederholt und durch lange Zeit hindurch vorgenommen werden muß, ist der Kirche bekannt, ebenso, daß zuweilen, wenn auch sehr selten, alle Anstrengung vergeblich bleibt. Hier sieht der Gläubige kein »Versagen«. Was sich allerdings im nachhinein an fast stolzer Bereitwilligkeit gezeigt hat, die Details der vollzogenen Riten samt allen sie begleitenden Ereignissen auf dem Markte der Neugier und Sensationslust auszubreiten - vom Interview bis zur Fernsehsendung, von der Schilderung der eigenen Erfahrungen bis zum Abspielen des Tonbandmaterials -, kann uns nicht gefallen. Nicht nur der Beichtstuhl ist streng versiegelt; im Grunde haben alle Belange der Seelsorge und erst recht so ernste wie die des erörterten Falles Anspruch auf Diskretion. Sie ist verletzt worden und zwar gröblich. Leider. Auch das gehört zu dem Punkt, den wir hier berühren wollten: »Versagen der Kirche«.

Sicher, hier kommen Fehler zur Sprache. Nicht deshalb, weil es uns ein Anliegen wäre, Vorwürfe zu erheben. Auch darum nicht, weil es heute fast dazugehört. nach der Kirche mit Steinen zu werfen. Nein. Aber man muß Fehler sehen, um sie einzusehen. Man muß sie einsehen, um sie künftig verändern zu können. Oder sollte nur der Kirche die Fähigkeit mangeln, aus Fehlern zu lernen?

wird fortgesetzt

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9. Dezember
Beweis

Die Liebe, die sich in den Heiligen aller Jahrhunderte auf vielfältige Weise realisiert und spiegelt, ist der wirkliche Beweis für die Wahrheit des Christentums.

Benedikt XVI., Papst emeritus, in seinem Grußwort zur Wiedereröffnung der Aula Magna der Päpstlichen Universität Urbaniana am 21. Oktober 2014.


9. Dezember
Bratislawa

Vor einem Jahr, am 9. Dezember 2013, haben die slowakischen Bischöfe unter Leitung von Erzbischof Stanislav Zvolensky, Bratislawa, die Hauptstadt der Slowakischen Republik, der Muttergottes geweiht.


9. Dezember
Türkenkrieg

Vor 300 Jahren, am 9. Dezember 1714, erklärte das Osmanische Reich Venedig den Krieg. Es war der Beginn des 8. Venezianischen Türkenkriegs, der erst durch den Eintritt Österreichs und den Siegen unter der militärischen Leitung Prinz Eugens von Savoyen entschieden werden konnte. Seit dem Frieden von Passarowitz 1718 war für Europa die osmanische Gefahr gebannt.


8. Dezember
Sei stark und werde ein heiliger Mann!

Von Larry Richards

Am 13. März 2000 bat Papst Johannes Paul II. öffentlich um Verzeihung für die Sünden, die in der Geschichte der Kirche begangen wurden. Die Kirche gestand ein, dass ihre Mitglieder sündhafte Taten vollbracht haben - sie war sündig, ja, aber nach wie vor heilig. Das gilt auch für uns! Wir sind sündige Menschen, oh ja, aber nach wie vor heilig und zum Wachstum in der Heiligkeit berufen. Wir müssen alle zur Reife Christi heranwachsen.

Jeden Tag sollten wir uns selbst zurücknehmen und Christus in uns zum Vorschein bringen. In den Seligpreisungen legt uns Jesus Christus aus, wer selig ist. Im Matthäus-Evangelium heißt es: "Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden" (Mt 5,6). Wenn du diesen Hunger nach Heiligkeit nicht verspürst, dann bitte Jesus darum.

Zu den Geschichten, die ich am liebsten erzähle, wenn ich in einer Pfarrei eine Mission abhalte, gehört mein Rauswurf aus dem Priesterseminar. Am ersten Abend sage ich für gewöhnlich mitten in einem Vortrag: "Ihr müsst wissen, dass man mich aus dem Priesterseminar hinausgeworfen hat." Alle spitzen die Ohren und reißen ihre Augen weit auf. Wenn jemand einen Moment eingeschlafen war, ruft er nun aus: "Was?" Natürlich meint jeder, es hätte einen skandalösen Grund dafür gegeben. Alle fragen sich, was ich wohl angestellt hatte, und wollen es natürlich wissen. Und ich gebe ihnen die folgende Erklärung: "Wenn ihr wissen wollt, weshalb ich aus dem Priesterseminar hinausgeworfen wurde, dann müsst ihr zum letzten Vortrag der Gemeindemission kommen; ich werde es euch dann verraten." Und alle rufen daraufhin: "Ohhh!"

Wenn sie dann am letzten Abend wiederkommen, ist dies normalerweise die dringlichste Frage. Manchmal vergesse ich, dieses Thema aufzugreifen, und dann rufen alle nach dem Schlusssegen: "Warum wurden Sie aus dem Priesterseminar hinausgeworfen?" Die Leute wollen immer Stoff zum Tratschen.

"Na, so etwas!", sage ich dann. "Ihr habt mir vier Abende lang zugehört, das waren acht Stunden eures Lebens, und ihr habt keine Ahnung, weshalb ich aus dem Priesterseminar hinausgeworfen wurde? Ich wurde aufgrund meiner Predigten hinausgeworfen!"

Der Lehrer, der mich im Predigen unterwies, war auch für meine allgemeine Ausbildung zuständig. Er war Franziskaner, klein von Gestalt. Wenn man das erste Mal eine Predigt hält, kann dies sehr einschüchternd sein, vor allem vor jemandem, der dich zu benoten hat. Jedes Mal, wenn ich meinen Mund öffnete, wurde der Franziskaner immer röter im Gesicht. (Manche behaupten, ich hätte diese Wirkung bei manchen Menschen.) Als ich fertig war, kochte er geradezu. "Warum ist er so verärgert?", dachte ich. "Es war doch meine erste Predigt."

"Wir sind zur Heiligkeit berufen", war das Thema dieser Predigt. Es war die erste Predigt, die ich je gehalten hatte. Als ich fertig war, schlug er auf den Tisch und sagte: "Zuerst einmal, Larry, will ich kein Heiliger sein! Und zweitens, wer bist du eigentlich, dass du dir erlaubst, den Menschen zu sagen, sie seien zur Heiligkeit berufen?"

"Ahhhh ...", murmelte ich. Ich war nur ein einfacher Seminarist. "Glauben Sie nicht, dass es die Aufgabe jedes Priesters ist, die Menschen zur Heiligkeit in Christus aufzurufen?"

"Nein, das ist nicht die Aufgabe des Priesters. Deine Aufgabe ist es, den Menschen zu verkünden, dass Gott sie liebt und dass alles okay sein wird", erwiderte er.

Vielleicht werdet ihr bestätigen, dass ich dieser Art von Theologie nie Glauben geschenkt habe. Ich glaube nicht, dass Gott von uns will, was nicht seinem Wort entspricht. Wie zuvor erwähnt, sagt Gott im Brief an die Hebräer: "Strebt voll Eifer (...) nach Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird!" (Hebr 12,14). Jeder ist zur Heiligkeit berufen. Hierzu gibt es keine Alternative.

Sei dir bewusst: Das größte Hindernis für die Heiligkeit ist der Stolz, und dies ist eine sehr subtile Sache. Die Pharisäer taten sehr heilige Dinge, aber sie waren nicht heilig. Warum? Weil sie es nicht aus Liebe taten. Dies war das Problem. Sie strebten nur für sich selbst nach Heiligkeit, anstatt dass sie dies aus Liebe zu Gott taten.

Meine Definition von Heiligkeit ist sehr einfach: “Wenn Gottes Wille und unser eigener Wille eins werden." Das heißt, ich verwirkliche Gottes Willen vollkommen in meinem Leben.

Gottes Wille und unser eigener Wille werden nur dann eins, wenn ich mich total in Gott verliebe. Ich möchte, dass du darüber nachdenkst, was dies für dich persönlich bedeutet. Bist du total in Gott verliebt? Können die Menschen dies von dir behaupten? Könnte jemand dies vor allen anderen Dingen von dir sagen?

wird fortgesetzt.

Der Text ist entnommen dem 9. Kapitel Sei ein Mann, der ein heilige Leben führt, des Buches Männer sind anders. Die Bibel gibt Auskunft, von Larry Richards; deutsch von Ilona Szollár; Illertissen: Media Maria Verlag 2012, S. 199-208. Originaltitel: Be a Man! - Becoming the man God created you to be, San Francisco: Ignatius Press 2009. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Media Maria Verlags.


7. Dezember
Ausgesuchtes Erbarmen

Siehe, am Ende der Zeiten umringt Meine Barmherzigkeit die ganze Menschheit mit einem ausgesuchten Erbarmen, um so viele Menschen zu retten, als nur gerettet werden können. In gleicher Weise steigt Meine Barmherzigkeit in erhöhtem Grade ins Fegfeuer, um die leidenden Glieder schneller zu erlösen als es je geschehen ist. Darum rege ich Tausende von Gläubigen zu vermehrtem Gebet und zu guten Werken für sie an.

Worte, die die hl. Bernarda Bütler (1848-1924) von Jesus hörte


7. Dezember
Paulos Faraj Rahho

Vor zehn Jahren, am 7. Dezember 2004, verübten Islamisten in Mossul einen Anschlag auf das Bischofshaus von Erzbischof Faraj Rahho und ließen es in Flammen aufgehen. Gute drei Jahre später wurde der Bischof ermordet. Wir sollten ihn nicht vergessen!


6. Dezember
Das apostolische Herz

Von P. Wilhelm Eberschweiler

Zweite Folge

Ähnliche Liebe zu den Seelen glühte in den Herzen aller großen Apostel: Paulus schätzt in den Seelen den Gegenstand der Liebe eines göttlichen Herzens: Christus hat uns geliebt! Im Lichte dieser Liebe leuchtet vor seinem Auge jede Seele in wunderbarer Schönheit, und nie kann er vergessen den unendlichen Lösepreis, um den sie erkauft sind: er hat sich für uns dahingegeben. Diese Wahrheit ergreift sein Herz stets aufs neue beim Anblick der Menschen; er sieht an ihren Seelen Christi Blut rot erstrahlen; und dieser Anblick drängt ihn unaufhaltsam zu neuer Rettungsarbeit, erfüllt ihn mit glühendem Verlangen, allen alles zu werden. Ein anderes Beispiel: Der große Weltapostel Franz Xaver! Was treibt ihn hinaus nach Indien, Japan, China? Was läßt ihn alle Mühen eines unsagbar schweren Opferlebens auf sich nehmen? - Xaverius hatte es erfaßt, was die Menschenseele wert ist, hatte es erkannt, wie auch eine ganze Welt nichts wert ist im Vergleich mit einer einzigen Seele. Daher sein unersättlicher Durst nach ihrem Heil. Daher sein stets erneuertes Gebet: Gib mir Seelen, gib mir Seelen! Nimm alles, aber gib mir Seelen! Und nachdem er schon Tausende und Abertausende von Gott erhalten, ist sein Verlangen, statt gestillt zu sein, nur noch mehr entbrannt. Wir sehen also: Hochschätzung und Liebe zu den Seelen selbst ist die Grundbedingung zum eifrigen Verlangen nach ihrem Heil.

Nun frage dich einmal: Mit welchen Augen betrachtest du die Menschen? Mit rein natürlichen? Stößt du dich zumeist an all dem Äußeren, an Mängeln, Fehlern und Sünden, die an der Oberfläche erscheinen und die Menschen oft so wenig liebenswürdig machen? Bist du gar voll von liebeleeren oder selbst lieblosen Urteilen über sie? Wieviel Bitterkeit vielleicht in deinem Herzen! - Wie ganz anders schaut ein seeleneifriges Herz die ganze Welt! Wie übersieht ein wahrer Apostel alles, was ihn aufregen, kränken, verbittern könnte! Er sieht tiefer, er schaut die Seelen im Lichte der göttlichen Liebessonne, des brechenden Heilandsherzens auf Golgatha. Willst du mitarbeiten in der Katholischen Aktion? Ist dann nicht Begeisterung vonnöten? Die aber fließt nur aus einer tiefgläubigen Erfassung des Wertes der Seelen.

b) Hochschätzung und Liebe jener Güter, die das Heil der Seele ausmachen

Wenn man um irgendein Gut nicht viel gibt, dann wird man auch nicht sehr danach verlangen, weder für sich, noch für andere. Umgekehrt verlangt man alles, was man sehr schätzt, nicht nur für sich, sondern man wünscht es auch eifrigst für seine Lieben, für alle Freunde, für alle, die man wirklich liebt, denen man darum alles Gute wünscht. Offenbar werden wir darum unseren Mitmenschen Gnade, Tugenden, das Wohlgefallen Gottes, die Seligkeit des Himmels um so eifriger wünschen, je mehr wir alles dieses uns selbst wünschen, schätzen und lieben.

Blicken wir wieder ins Herz Jesu! Warum glüht es so von Begierde, alle, alle Menschen zu Kindern seines himmlischen Vaters zu machen? Niemand weiß besser, was es um die Kindschaft Gottes ist, als er, der Eingeborne vom Vater. Niemand schätzt und liebt das Wohlgefallen dieses Vaters so sehr, wie er, dessen tägliches Brot es war, den Willen des Vaters zu erfüllen (Jo. 4,43). Niemand weiß mehr das Glück, vom Vater geliebt zu sein, zu würdigen, als er, der in feierlicher Weise das Wort hören durfte: "Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe" (Mt. 3, 17).

So war und ist's auch bei allen wahren Aposteln. Warum wird ein heiliger Paulus unwiderstehlich gedrängt, allen Menschen die Gnade unseres Herrn Jesus Christus zu bringen? Warum ist sein Herz so voll von diesem Verlangen, daß sein Mund davon überfließt, daß er nicht müde wird, diesen seinen Wunsch immer zu wiederholen: "Gnade werde euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!" (Röm. 1, 7). Ganz voll ist er von diesem Verlangen! Ja, warum? - Weil er selbst die Gnade so über alles hochschätzt, die Gnade, die mit den Arbeiten, Mühen, dem Schweiß und dem Blute eines Gottmenschen erkauft wurde. Weil er kein erhabeneres Ideal kennt als die Wiederherstellung jenes Reiches in den Herzen der Menschen, das da ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geiste, weil diese Güter in seinen Augen von solchem Wert sind und von seinem Herzen mit solcher Begeisterung und Liebe umfaßt werden, daß alles andere, was die Welt bietet, im Vergleich damit ihm wie ein eitles Nichts vorkommt, ja sogar wie ein Schaden und Nachteil, wie wertloser Straßenkot (Phil. 3, 8).

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


5. Dezember
Zweigewaltenlehre

Meine Studie über die Zweigewaltenlehre im Spätmittelalter ist nur noch bis Ende des Jahres über den Buchhandel erhältlich.


5. Dezember
Rationalität des Gottesglaubens

Vor zehn Jahren, am 6. Dezember 2004, hielt Prof. Dr. Robert Spaemann in München seinen Vortrag über die Rationalität des Gottesglaubens, einer der wichtigsten Texte auf kath-info.


5. Dezember
Paul von An der Lan-Hochbrunn

Vor 100 Jahren, am 5. Dezember 1914, starb in München im Alter von fast 51 Jahren der aus Südtirol stammende Komponist Paul von An der Lan-Hochbrunn. Er trat 1879 in Salzburg dem Franziskanerorden bei (Ordensname Hartmann), wurde 1886 zum Priester geweiht, studierte in Innsbruck Musik bei Josef Pembaur und wirkte, u.a. als Organist, in Jerusalem, Rom und München. Er komponierte u.a. Oratorien (beeinflusst von Lorenzo Perosi), Messen, Motetten und Orgelstücke.


4. Dezember
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

30. Folge

Nein; für die zweite Produktion haben wir keinen Ausdruck, der dem der Zeugung vollkommen parallel stünde, d. h. der das Produkt in derselben Weise wie jener als ein hypostatisches und persönliches erscheinen ließe. Der Grund ist leicht einzusehen. In den Geschöpfen, von denen wir diesen Ausdruck hernehmen, sehen wir nirgendwo eine auf natürlichem Wege sich vollziehende Produktion eines lebendigen, gleichartigen Suppositums anders vor sich gehen als auf dem Wege der Zeugung; oder - wenn man zwischen gewissen Fortpflanzungsarten bei den Pflanzen und unvollkommenen Tieren und der eigentlichen Zeugung einen wesentlichen Unterschied finden will - doch keine solche Produktion, welche der zweiten Produktion in Gott nach ihrem spezifischen Charakter ähnlich wäre [29].

Bei der persönlichen, konkreten Bezeichnung der dritten Person und ihres Ausganges scheinen wir uns also jedenfalls behelfen zu müssen. Dazu kommt auch noch der Umstand, daß diejenigen Bezeichnungen, welche in der Regel von der Offenbarung und der Kirche, den Namen des Sohnes und der Zeugung gegenüber, auf die dritte Person angewandt werden, wegen ihrer anscheinenden Unbestimmtheit und Allgemeinheit nur ein sehr vages Bild seiner Person zu entwerfen und nur künstlicherweise auf dieselbe fixiert zu sein scheinen. Der Name "Geist", "Heiliger Geist" kann nämlich auch den beiden übrigen Personen in der Gottheit mit Fug und Recht beigelegt werden, weil und inwiefern sie eine höchst geistige und heilige Natur besitzen. Der Ausdruck "processio - Ausgang" aber bezeichnet an sich überhaupt jeden beliebigen Ursprung, den persönlichen sowohl wie den unpersönlichen, den Ausgang auf dem Wege der Zeugung nicht minder als den Ausgang auf dem Wege des Willens; er hat also nicht nur keinen Vorzug vor den bei den übrigen Namen, "Aspiration" und "Hingabe", die wir früher für unzureichend erklärt haben, sondern gibt uns auch überhaupt kein bestimmtes, geschweige denn ein klares, lebendiges Bild von dem Ursprung der dritten Person in der Gottheit. Wir hoffen indes, zeigen zu können, daß diese Ausdrücke trotz ihrer anscheinenden Unbestimmtheit, und zum Teil eben wegen derselben, eine solche Elastizität und Prägnanz besitzen, daß sich in ihnen alle Vorstellungen, die wir bis jetzt von der dritten Person und ihrem Ausgang gewonnen, konzentrieren lassen, und daß sie uns alsdann ein, wenn auch weniger scharf abgegrenztes, so doch an Kolorit und Lebendigkeit desto reicheres Bild von jenen Gegenständen entwerfen.

Vor allem ist zu bemerken, daß das Wort "Geist" im feststehenden Sprachgebrauche jedenfalls ein subsistierendes Wesen, eine Person bezeichnet, und daß das Wort "Ausgang" den Ursprung einer Person wenigstens ebensogut wie den jedes andern Gegenstandes anzeigen kann. Somit sind wir, was die Konkretheit der Bezeichnung anlangt, mit diesen Ausdrücken weit genug über die Namen Hauch und Pfand, Hauchung und Hingabe hinausgekommen. Wie aber werden sie zu charakteristischen, spezifischen Namen der dritten Person und ihres Ausganges?

Wie schon bemerkt, ist in Gott der Vater Geist und der Sohn Geist, d. h. immaterielles und intellektuelles Wesen; alle drei Personen sind in diesem Sinne Geist, weil sie Gott sind; denn "Gott ist ein Geist", und der reinste Geist. Die dritte Person selbst könnte nicht Geist sein, wenn nicht schon die Personen, von denen sie ausgeht, Geist wären. Sie ist nur Geist vom Geiste. "Der Heilige Geist ist von beiden als Geist vom Geiste: denn Gott ist Geist", sagt der heilige Epiphanius [30]. Bis hierhin verrät der Name noch nicht eine Eigentümlichkeit der dritten Person, nicht einmal überhaupt ihr relatives Verhältnis zu Vater und Sohn.

Den ersten Schritt zu seiner Spezifikation finden wir bei dem heiligen Augustinus, der darin dem heiligen Ambrosius folgt. Gerade deshalb, meint der heilige Augustinus, weil der Name an sich auf die beiden ersten Personen ebenfalls paßt, komme er in besonderer Weise der dritten Person zu, weil sie das gemeinschaftliche Band beider sei [31]. Dieser Grund wird klarer, wenn wir, weiter gehend, in Anschlag bringen, daß die dritte Person eben der Ausdruck und das Siegel der geistigen Einheit ist, welche Vater und Sohn als ein Geist untereinander haben, daß sich in ihr die absolute Geistigkeit der andern Personen am klarsten ausspricht und wie in ihrer Spitze kulminiert.

Aber auch so stellt uns der Name die dritte Person noch nicht deutlich genug in ihrem relativen, eigentümlichen Wesen vor; überhaupt wird er uns dazu nicht verhelfen, solange er uns bloß ein immaterielles Wesen als solches bedeutet.

Anmerkungen:

[29] Wir glauben zwar, daß es eben auf dem Gebiete der menschlichen Natur eine durch übernatürliche Vermittlung vollzogene Produktion einer Person aus der andern gibt; welche mit der Produktion der dritten Person in der Gottheit eine merkwürdige Analogie besitzt. Aber von dieser Produktion hat die Offenbarung den hypostatischen Namen der dritten Person faktisch nicht abgeleitet. überdies glauben wir wegen der Neuheit und der delikaten Natur der Sache kein zu großes Gewicht darauf legen zu dürfen. Deshalb haben wir diesen unsern Gedanken hier übergangen und legen denselben am Schlusse dieses Hauptstückes mit den bescheidenen Ansprüchen einer persönlichen Meinung dem Urteil unserer Leser vor.

[30] Tò dè hágion pneuma par’ amphotéron pneuma ek pneúmatos, pneuma gàr hó theós (Epiph., Haeres. 30, c. 4, n. 7).

[31] "Ut ex nomine, quod utrique convenit, utriusque communio significetur, vocatur donum amborum Spiritus sanctus" (De Trin. l. 5, c. II fin.); "quia communis est ambobus, id vocatur ipse proprie, quod ambo communiter" (ebd. l. 15, c. 19 fin.).

Wird fortgesetzt

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2. Dezember
Das Geheimnis von Weihnachten

Ich möchte auf die Broschüre Ein Geschenk des Himmels hinweisen, die hervorragend als Geschenk für Kinder geeignet ist, um ihnen den tiefen Sinn von Advent und Weihnachten nahezubringen. Gerne können Sie auch eine größere Zahl bestellen, um sie an Kinder weiterzugeben.


2. Dezember
Irmgard Schmidt-Sommer

Vor einem Jahr, am 3. Dezember 2013, starb im Alter von 86 Jahren die aus Dresden stammende Schriftstellerin Dr. Irmgard Schmidt-Sommer. Sie hatte von 1966 bis 1969 bei Ratzinger in Tübingen studiert, war Oblatin der Erzabtei der Missionsbenediktiner von St. Ottilien und hat viel über kirchliche und hagiographische Themen publiziert. Mit der Priesterbruderschaft St. Petrus war sie freundschaftlich verbunden. Einen Tag vor ihrem Tod erschien in den Stuttgarter Nachrichten ein Artikel, in dem die Krebskanke zitiert wird: “Ich weiß, dass ich sterben werde. Trotzdem muss ich nicht immer traurig sein. Hier [im Stuttgarter Marienhospital] wird auch mal gelacht.“


2. Dezember
Mariette Beco

Vor drei Jahren, am 2. Dezember 2011, starb im Alter von 90 Jahren Mariette Beco, die Seherin von Banneux. 1933 erschien ihr achtmal die Muttergottes im belgischen Banneux als “Jungfrau der Armen” (Bild) Mariette war damals elf Jahre alt.

1949 wurden die Erscheinungen vom Bischof von Lüttich anerkannt.


1. Dezember
Manfred Spieker

Von fünf Jahren, Anfang Dezember 2009, wurde der Osnabrücker Sozialethiker Prof. Dr. Manfred Spieker mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet. Bei der feierlichen Überreichung durch den österreichischen Botschafter wurden seine wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiet der Bioethik, der politischen Ethik und der Wirtschaftsethik hervorgehoben. Auf kath-info findet sich sein Artikel über Euthanasie - ein Bruch in der europäischen Rechtskultur.


1. Dezember
Clementine Anuarite Nengapeta

Vor 50 Jahren, am 1. Dezember 1964, starb in Isiro, Kongo, im Alter von fast 25 Jahren als Märtyrerin der Reinheit die selige Clementine Anuarite Nengapeta. Am 15. August 1985 wurde sie seliggesprochen.


1. Dezember
Jesuiten

Vor 250 Jahren, am 1. Dezember 1764, verbot König Ludwig XV. (1710-1774) von Frankreich in seinem Reich auf Druck des jansenistisch dominierten Parlements (Gerichtshofs) die Gesellschaft Jesu.

Weitere Ereignisse aus der Geschichte der Gesellschaft Jesu


30. November
Gender Mainstreaming XLVI

Die radikalste Vordenkerin in diesem Feld ist die US-Amerikanerin Donna Haraway, die in linken Kreisen als „sozialistische Feministin“ firmiert. (…) Den banalen Gender Mainstream-Ansatz verschärft Harawy durch die Anbetung der naturwissenschaftlichen Entwicklung: Durch die Hybridisierung der Menschen mit Maschinen sollen Zwitterwesen entstehen, Cybernetic organisms oder kurz Cyborgs, die die alte Trennung in Adam und Eva überwinden. In ihrem „Manifest für Cyborgs“ (1995) träumt sie von einer „Neuerfindung der Natur“: „Im späten 20. Jahrhundert, in unserer Zeit, einer mythischen Zeit, haben wir uns alle in Chimären, theoretisierte und fabrizierte Hybride aus Maschine und Organismus verwandelt, kurz, wir sind Cyborgs.“ Harawy träumt von einem neuen Geschlecht namens MannFrau© in Anlehnung an die Erfindung der OncoMouse™ – dem ersten patentierten transgenen Lebewesen, einer Maus, der man für Forschungszwecke Brustkrebsgene eingepflanzt hatte. Beides seien Geschöpfe, die die naturgegebene Grenze der Spezies überschritten hätten.

Aus: Karel Meissner, Postfeminismus: Cyborgs in der Gender-Welt, in: Compact Mai 2014; zitiert auf Kreidfeuers Blog

Weitere Infos über GM


29. November
Bibel als Kirchenkontrollinstanz?

Auf intelligente Weise hat seinerzeit Karl Rahner das protestantische Sola-Scriptura-Prinzip kritisiert:

Ich kann die Kirche nicht meistern wollen, indem ich ihr die Schrift entreiße, die ihr gehört, und diese gegen sie ins Treffen führe. Sie beugt sich der Schrift. Dass sie es aber tut, dafür ist Bürgschaft nicht meine Kontrolle, in die ich mich außerhalb der Kirche versetze, um zu messen, ob sie es auch wirklich tut. Dafür ist ihr eigener Geist Bürge. Wollte ich die Schrift für sich allein zur konkreten Anwesenheit des gehorsamfordernden Wortes Gottes an mich machen, so würde ich entweder (ob ich es weiß oder nicht) ein Buch mir gegenüberstellen, das sich nicht wehren kann, das meiner Auslegung keinen Widerstand entgegenzusetzen vermag, demgegenüber ich schließlich doch der Herr bliebe, oder ich muß an den Geist des Herrn appellieren, der dieses Buch lebendig macht und verteidigt. Aber dann wäre wiederum die Frage zu erheben und zu verneinen, ob es tatsächlich so sei, dass dieser Geist zuerst und zuletzt auf das Buch gefallen sei und nicht auf die Menschen, die er gesandt hat, seine Botschaft zu reden und so auch erst zu bezeugen, das, was sie schrieben, von ihm selbst eingegeben sei.

Aus: Karl Rahner, Vom Glauben inmitten der Welt; Freiburg / Basel /Wien: Herder-Bücherei Band 88, 1961, S. 38

Manchmal war Rahner auch selber kritikwürdig


29. November
Anne de Vries

Vor 50 Jahren, am 29. November 1964, starb in Zeist, Provinz Utrecht, im Alter von 60 Jahren der niederländische Schriftsteller Anne de Vries. In Deutschland wurde er bekannt durch seine Kinderbibel (Die Bibel unserer Kinder), die seit Jahrzehnten immer wieder aufgelegt wird.


28. November
Jesus, einzigartig

Von Peter Kreeft

Dritter Teil

Fesser: Oh ... nun gut, wir können das hermeneutisch-heuristisch-linguistische Problem ein anderes Mal diskutieren. (Sokrates runzelt die Stirn.) Oh, wer ist unsere nächste Studentin bitte?

Bertha: Ich bin Bertha Broadmind und ich bin hier, um Jesus zu studieren, weil er einer meiner absoluten Helden in Bezug auf Liberalität und Liebe ist.

Fesser: Danke, Bertha. Und zu guter Letzt, wer sind Sie, mein Herr, und warum sind Sie hier?

Sokrates: Ich heiße Sokrates und ich bin hier, weil die göttliche Vorsehung es so gefügt hat - doch das letzte Ziel kenne ich noch nicht. (Die Kursteilnehmer lächeln nachsichtig.)

Fesser: Ich verstehe. Hmmm ... Vielleicht wäre ein Rollenspiel ein gutes Mittel. Möchten Sie, dass wir Sie Sokrates nennen?

Sokrates: Allerdings. Ich hatte immer eine starke Neigung, die Dinge bei ihrem wirklichen Namen zu nennen. (Die Kursteilnehmer lachen leise.)

Fesser: Ausgezeichnet. Ich denke, Sie sind eine wunderbar gemischte Gruppe und ich hoffe, dass jeder etwas zu diesem Seminar beitragen wird. Ich denke, wir sollten jetzt ein Konzept entwerfen, wie wir im Kurs vorgehen wollen -, anstatt dass ich Ihnen meinerseits ein starres Schema aufzwinge. Was halten Sie davon?

Thomas: Was ist, wenn wir das nicht wollen? Würden Sie uns dann nicht Ihr festes Schema von Nicht-Festigkeit aufzwingen?

Fesser: (überrascht und verwirrt) Empfinden es die anderen auch so? (Einige schütteln den Kopf)

Thomas: Das ist keine Frage des Empfindens. Es ist eine Frage der Logik und Konsistenz.

Bertha: Also mir gefällt das offene Konzept.

Molly: Mir auch.

Ahmen: Aber wir können nicht über alles reden.

Fesser: Ich denke, die einzig notwendige Bedingung ist, dass wir uns auf das Christusereignis konzentrieren.

Ahmen: Was meinen Sie bitte damit?

Fesser: Oh, ich meine damit nur, dass wir die Grundthemen der Christologie behandeln: Dinge wie die Heilsgeschichte, Christologie "von oben" versus Christologie "von unten", Entmythologisierung, Glaube an die Auferstehung, Hermeneutik ... (Bemerkt, dass Sokrates seine Hand hebt.) Ja, Sokrates?

Sokrates: Darf ich um eine Definition der Begriffe bitten?

Fesser: Natürlich. Genau das würden wir von Ihnen erwarten. Aber ich hätte eigentlich auch erwartet, dass sich Studenten auf Ihrem akademischen Niveau schon eine grundlegende Vertrautheit mit diesen Begriffen angeeignet hätten.

Sokrates: Dann gehöre ich vielleicht nicht hierher.

Fesser: Welche Kurse haben Sie schon belegt?

Sokrates: Keinen - außer das Leben selbst. Verstehen Sie, ich starb vor vielen Jahren, bevor diese Begriffe überhaupt erfunden wurden.

Fesser: Oh ja, ich verstehe. Nun gut, dies könnte vielleicht eine sehr nützliche Methode für unser Vorgehen sein. Wie würden wir das Christusereignis jemandem erklären, der 399 v. Chr. gestorben ist, also vor zweitausend plus einigen Jahren? Moment, von 399 v. Chr. bis A. D. 1987, das sind ... 2386 Jahre später.

Sokrates: Entschuldigen Sie, aber was bedeutet bitte »v. Chr.« und »A.D.«?

Fesser: Oh, richtig! Sokrates hätte solche Begriffe nicht verstanden.

Sokrates: Ich weiß nicht, warum Sie im Konjunktiv sprechen, denn ich verstehe diese Begriffe wirklich nicht. Könnten Sie sie mir bitte erklären?

Fesser: Nun, Studenten?

Bertha: »V. Chr.« bedeutet »vor Christus« und »A. D.« bedeutet »Anno Domini«, lateinisch für »im Jahr des Herrn« oder »nach Christus«.

Sokrates: Ist Christus dein Herr?

Bertha: (betreten) Das ist nur eine Ausdrucksweise.

Sokrates: Oh! Also ist Christus nicht dein Herr? (Ahmen lächelt, ebenso Thomas.)

Bertha: Das ist nicht der Punkt.

Ahmen: Bist du dir sicher?

Sokrates: Ich wüsste gerne, warum ihr die gesamte geschichtliche Zeitrechnung nach diesem Menschen datiert. Ihr müsst ihn für den bedeutendsten Menschen in der Geschichte halten. Trifft dies zu?

Bertha: Ja.

Sokrates: Warum?

wird fortgesetzt

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26. November
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht mein Beitrag zu dem Buch Liebesbriefe an die Kirche, der Artikel Glaube oder Ärgernis von Gerhard Hermes und die Kritik Franz Prosingers an den Thesen des Theologen Stuflesser über die Eucharistie.


26. November
Heinz Eberlein

Vor 50 Jahren, am 26. November 1964, starb im Kongo im Alter von 29 Jahren der aus Wingendorf im Westerwald stammende Afrikamissionar Heinz Eberlein. Er begann 1962 in St. Remy sein Postulat bei den Kleinen Brüdern Jesu und legte am 10. Februar 1964 seine ersten Gelübde ab. Im Mai 1964 reiste er in den Kongo, um dort “den Ärmsten der Armen” zu dienen. Am 26. November wurde er von Rebellen erschossen. Der letzte Eintrag seines Tagebuchs stammt vom 25. Oktober 1964 und lautet: “Christus, unser König, mach unser Herz und die Welt bereit für Dein Reich. Laß uns durch die Freuden und Leiden, die wir antreffen, durchsehen, Dich sehen, damit Deine Liebe überall aufgebaut wird. Du bist durch das Kreuz zur Auferstehung gelangt. Du läßt uns durch die Teilnahme am Kreuztragen Seelen in den Himmel ziehen. Gib, daß wir stets mit Dir sagen: Vater, Dein Wille geschehe.”


24. November
Verurteilung

Together we repudiate all exploitation of religion in political conflict and the usurpation of religious symbols by extremists used as a means for segregation and a cause for injustice and oppression. At every official spiritual and public level, we reject the fractured teaching and defamation of values within Islam, especially by those who claim Islamic rulership in Iraq and Syria and their followers. We invite all people of faith and good will to condemn these practices and to stand united against these tactics.

Aus der Wiener Erklärung des KAICIID vom 19. November 2014. KAICIID steht für das Wiener "König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog", das Ende 2012 gegründet wurde und von Saudi-Arabien finanziert wird. Die Erklärung wurde von der Konferenz „United against Violence in the Name of Religion“ verabschiedet, die das Zentrum in Wien veranstaltet hatte. An der Konferenz nahmen unter anderem teil: Gregory III. Laham (Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient, von Alexandrien und Jerusalem), Ignatius Youssef Younan (Patriarch der mit Rom unierten syrisch-katholischen Kirche von Antiochien in Beirut), Sheikh Shawqi Ibrahim Allam (Großmufti von Ägypten), Sheikh Abdul al Karim Al Khasawneh (Großmufti des Haschemitischen Königreiches Jordanien), Sheikh Abd Al Latif Derian (Großmufti des Libanon), Isaac Barakat (Metropolit von Deutschland und Mitteleuropa), Louis Raphael I Sako (Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche), Anba Marcos (koptisch-orthodoxer Bischof von Shubra el-Kheima), Malek Al Shaar (Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche und Mufti von Tripoli und dem Nordlibanon).

“Der Terrorismus hat die noble Botschaft des Islam verzerrt.”
Scheich Abdul Karim Khasawneh, Großmufti von Jordanien.


24. November
The rise of Isis

But its critics have responded. Mohammed Habash, a cleric from Syria, places blame for the rise of Isis on mosque imams, saying: "We did not speak about the caliphate as a political system that is fallible. No, we spoke about it as a sacred symbol of unity … Isis did not arrive from Mars; it is a natural product of our retrograde discourse." A Saudi commentator, Ibrahim al-Shaalan, tweeted that Isis is "but an epitome of what we've studied in our school curriculum. If the curriculum is sound, then Isis is right, and if it is wrong, then who bears responsibility?"

Hassan Hassan, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Delma-Instituts in Abu Dhabi, in The Observer vom 16. August 2014.


24. November
Agostino Kardinal Casaroli

Vor 100 Jahren, am 24. November 1914, wurde in Castel San Giovanni, Provinz Piacenza, Agostino Kardinal Casaroli geboren. Von 1979 bis 1990 war er Kardinalstaatssekretär. Er war vor allem wegen seiner Ostpolitik umstritten, die er seit 1964 betrieb. “Der Vatikan ging über einen Märtyrer hinweg, um der Kirche den Lebensraum zu erweitern”, schrieb beispielsweise der Spiegel 1964 nach dem von Casaroli betriebenen Vertragsabschluss mit Ungarn. Mit dem Märtyrer war Kardinal Mindszenty gemeint. Statt solcher Bekennerbischöfe wurden jetzt dem Staat genehme Bischöfe ernannt. Casaroli starb am 9. Juni 1998 in Rom.


20. November
Wider alle Regeln

Das Konklave auf dem Konzil von Konstanz

Von Ulrich Nersinger

Ein Konzil, das von einem König erzwungen wird, ein Konklave, das der Tradition und den kirchlichen Gesetzen widerspricht, wäre in normalen Zeiten ein Skandal. Doch zu Beginn des 15. Jahrhunderts erfordern die Umstände ein drastisches Vorgehen …

In Konstanz am Bodensee, der einzigen deutschen Stadt, in der ein Konzil abgehalten wurde, entstand 1990 der kleinste Triumphbogen Europas. Das rund acht Meter hohe Monument wurde von dem aus Nürnberg stammenden Bildhauer Peter Lenk geschaffen. Der eigenwillige Triumphbogen zeichnet sich durch bildlich-zeitliche Gegensätzlichkeit aus. So ist auf einem Relief Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im Papamobil zu sehen, auf der gegenüberliegenden Seite sieht man einen berühmten Zwischenfall, der im Jahre 1414 Papst Johannes XXIII. auf dem Weg nach Konstanz ereilte.

Johannes XXIII. ist kein Schreibfehler. Es handelt sich bei dem Betreffenden um Baldassarre Cossa, der gegen den in Avignon residierenden Benedikt XIII. und den in Rom herrschenden Gregor XII. am 17. Mai 1410 in Bologna zum „Papst“ gewählt worden war. Es ist die Zeit des Großen Abendländischen Schismas, das im Jahr 1378 begonnen hat. Drei Päpste kämpfen verbittert um die Anerkennung als Oberhaupt der Kirche. Unter den Gläubigen herrschen Verwirrung und Verzweiflung. „Wie nötig und nützlich eine Reform der Kirche ist, weiß die ganze Welt, weiß der Klerus, weiß alles christliche Volk“, klagt ein Theologe der Zeit. „Es ruft der Himmel, es rufen die Elemente, es ruft es der täglich umkommenden Opfer zum Himmel spritzendes Blut. Mit ihnen werden schon die Steine zum gleichen Ruf gezwungen.“ Da ergreift der römisch-deutsche König Sigismund die Initiative. Das kirchliche Recht kann er nicht brechen — doch er beugt es. Er kündigt ein Konzil an. Dann zwingt er Johannes XXIII., es offiziell einzuberufen. Stattfinden soll die Kirchenversammlung am Bodensee, in Konstanz.

Der ehrgeizige und skrupellose Baldassarre Cossa macht sich widerwillig zum Konzil auf, um für seine Sache, den päpstlichen Thron zu kämpfen. Auf der Fahrt dorthin ist er gezwungen, den nicht ungefährlichen Albergpass zu überqueren. Die Pferde, die den Karren Johannes’ XXIII. ziehen, versagen auf der beschwerlichen Passstraße den Gehorsam. Sie werden unruhig und versuchen auszubrechen. Reitknechte und Dienerschaft versuchen der heiklen Lage Herr zu werden. Doch ohne Erfolg. Der Karren kippt um, und der „Heilige Vater“ findet sich auf dem Boden wieder. In Ulrich von Richentals Chronik des Konstanzer Konzils zeigt ein Holzschnitt das Unglück. Johannes XXIII. soll nach dem Sturz gerufen haben, nun liege er hier in Gottes Namen. Eine anonyme Hand fügt dem Holzschnitt später in Latein und Deutsch die Worte hinzu: „hic iacet inanimus dyabilus — hie leich der teufel im drecke“.

Zum Einzug in die Bodenseestadt wählt Baldassarre Cossa die Form des feierlichen adventus. Durch den Adventus umgaben sich in der Antike orientalische Herrscher und die selbstbewussten Cäsaren Roms mit göttlichem Nimbus und präsentierten sich dem Volk gleichsam als überirdische Heilsbringer. So reitet Cossa mit großem Gepränge in Konstanz ein. Das Schicksal ereilt ihn am Ende der Prozession. Noch bevor Johannes XXIII. von seinem prachtvoll geschmückten Schimmel herabsteigen kann, streiten sich die Stratoren — die Halter der Zügel — um den Besitz des Pferdes. Eine uralte Tradition gesteht dem ältesten der Stratoren nach dem Adventus als Belohnung das päpstliche Reittier zu. Der Kampf um den Schimmel bringt Cossa in Bedrängnis. Krampfhaft, doch sehr unvorteilhaft, hält er sich fest. Dann aber folgt der unvermeidliche Sturz. Das Gelächter der Umstehenden ist für Johannes XXIII. demütigender als die Angriffe seiner „Mitpäpste“.

König Sigismund und der Großteil der in Konstanz versammelten Kirchenmänner finden sich durch die Episode nurmehr bestärkt, der Kirche ein neues Oberhaupt zu geben. Man handelt rigoros. Johannes XXIII. wird in Haft genommen, ihn und die beiden anderen „Päpste“ fordert der König zum freiwilligen Rücktritt auf. Sie alle drei werden für abgesetzt erklärt. Das Konzil nimmt das Heft in die Hand. Am 28. Oktober 1417 einigt man sich feierlich auf die folgende Wahlordnung: „Es sollen zu den Kardinälen 30 Wahlmänner, sechs aus jeder Nation, hinzutreten. Papst solle derjenige sein, welcher Zweidrittel von den Stimmen der Kardinäle und Zweidrittel jeder Nation erhalte. Die Wahl solle innerhalb von zehn Tagen beginnen.“ Mit den Nationen sind Deutschland, Frankreich, Italien, England und Spanien gemeint.

So wird für den 8. November das Konklave angesetzt. Zum Ort der Wahl, wo die 23 Kardinäle und 30 „Deputierte“ ihren Entscheid zu fällen haben, bestimmt man das alte Kaufhaus der Freien Reichsstadt. Es wird zu einer regelrechten Festung ausgebaut. Alle Fenster und Türen werden sorgfältig vermauert. Zum See hin ist das Gebäude mit hohen Balken abgesperrt; so „hoch wie ein Kriegsspieß“, heißt es in einer Chronik. Diese stehen so dicht nebeneinander, dass niemand eine Hand hindurchstrecken kann. Zwölf Söldner des Rates der Stadt und die gleiche Anzahl von königlichen Soldaten halten hier Tag und Nacht Wache. Kein Schiff darf sich auf dem Bodensee weiter als auf Pfeilschussweite dem Haus nähern. Zum Schutz vom Wasser her sind in dem See, „soweit eine Armbrust reicht“, große, aneinander gebundene Holzstämme eingelassen worden, die eine Fahrt zu dem Kaufhaus unmöglich machen.

Nur eine einzige Tür führt in das Gebäude. Auch sie wird von 24 Bewaffneten gesichert. Die Tür kann mit einem gewaltigen Schloss versperrt werden. Drei Schlüssel sind nötig, es zu öffnen oder zu schließen. Einen hat der König in Verwahrung, einen anderen das Konzil, den dritten das Domkapitel von Konstanz. Wer in das Kaufhaus eintritt, gelangt an eine zweite Tür mit einer viereckigen Durchreiche, die ebenfalls mit einem Vorhängeschloss versperrt werden kann. Türhüter und Träger des Schlüssels ist der Hochmeister des Hospitalordens der Ritter von Rhodos, der Johanniter. Bei diesem Zugang halten sich Tag und Nacht zwei Bischöfe und Abgesandte des Konzils auf. Auch drei Fürsten und Grafen sind dort postiert. Sie alle sind für die Überwachung der Verpflegung der Konklaveteilnehmer zuständig. Zu den Essenszeiten bringen zwei Knechte jedem der Papstwähler eine Gelte (hölzerne Truhe). Sie ist aus Holz und mit dem Wappen des Adressaten bemalt. In ihr befinden sich Brot, Fleisch, Fisch und Gemüse. Ein weiterer Knecht trägt der Gelte zwei durchsichtige Gefäße voran, eines mit weißem, das andere mit rotem Wein gefüllt. Die Bischöfe, Prälaten, Fürsten und Grafen öffnen dann die Gelten, zerschneiden die Lebensmittel und überprüfen, ob sich darin irgendwelche Nachrichten befinden. Das Gemüse und die Getränke probieren sie mit Löffeln. Wird alles für unbedenklich befunden, reicht man es dem Hochmeister, der es durch die Durchreiche in der Tür an denjenigen weitergibt, für den es bestimmt ist.

Den Teilnehmern am Konklave ist gestattet worden, einen Diener mitzunehmen. Dieser bezieht einen Verschlag vor der Kammer seines Herrn. „Vor dem kämerlin war ain clains kämerlin gebuwen, das yegliches knecht inlag, won jeglicher mit ainem knecht inhin gieng, und nit mer“, berichtet als Zeitzeuge Ulrich von Richental. Der König und das Konzil haben zudem verfügt, dass Teilnehmer gleicher Nationalität keine Zellen nebeneinander erhalten dürfen. So hofft man, vertraute Gespräche und Abmachungen zu unterbinden. Das Zimmer der Papstwähler ist mit einem Bett, einem Tischchen und Sitzgelegenheiten ausgestattet. Kein Sonnenstrahl, kein Licht von draußen dringt in die ehemalige Kaufhalle. Im Erdgeschoss würden große Laternen mit mehreren Kerzen brennen, berichtet Ulrich von Richental, ebenso im ersten Stock. Dort, im ersten Stock des Gebäudes, bei der Treppe, haben Zimmerleute eilends eine kleine Kapelle mit drei Altären errichtet. Auch sie muss ohne Tageslicht auskommen, und die Zelebranten sind gezwungen, die heilige Messe allein bei Kerzenschein zu feiern.

Schon in der Nacht zum 11. November kommen die Mitglieder des Konklave zu einer Einigung, und in den Morgenstunden des Tages steht das neue Oberhaupt der Kirche fest: Oddone Colonna. Der Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro gibt sich den Namen des Tagesheiligen. Als Papst Martin V. wird der Spross eines der vornehmsten Adelsgeschlechter der Ewigen Stadt dem Volk verkündet. „Die Menschen konnten vor Freude kaum sprechen“, berichtet ein Augenzeuge. Die Konstanzer Wahl findet allgemeine Anerkennung. Über Mantua und Florenz kehrt Martin V. nach Rom zurück. Unter seiner Herrschaft wird die halb zerstörte Stadt am Tiber zu neuer Blüte geführt. Der fromme und bescheidene Pontifex erweist sich als ein fähiger, die Reform unterstützender Verwalter der Kirche. Aber er besitzt auch ein Ohr für die weltlichen Bedürfnisse seiner Untertanen. Den Römern gestattet er, die Feier des Karnevals auf mehrere Tage auszudehnen. Sie danken es ihm auf ihre eigene Art und nennen ihn il Papa Carnevale. Am 20. Februar 1431 stirbt Martin V. Die Inschrift an seinem Grabmal bezeichnet den Colonna-Papst als „temporum suorum felicitas — das Glück seiner Zeit“.

Seinem „Vorgänger“, Johannes XXIII., bleibt ein solcher Zuspruch verwehrt. Wie seine Reise nach Konstanz und der verunglückte Adventus, so wird auch seine Abreise aus der Bodenseestadt zu einer tiefen Demütigung. Noch bevor das Konzil richtig tagt und das Konklave beginnt, flieht er in der Nacht vom 20. auf den 21. März des Jahres 1415 — als Reitknecht verkleidet — „uff ainem klainen rösly“ nach Schaffhausen. Die Flucht wird ihm durch Herzog Friedrich von Tirol ermöglicht. In Konstanz ist man bestürzt. Angst kommt auf, das Schisma könnte weiterbestehen. Doch bevor Baldassarre Cossa von außen auf das Konzil Einfluss nehmen kann, handelt König Sigismund. Er lässt den Flüchtigen am 29. April in Freiburg im Breisgau gefangen nehmen und befiehlt dem Reichsvikar Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz, ihn im Heidelberger Schloss festzusetzen, bis in Konstanz ein neuer Papst gewählt ist. Das Konzil unternimmt den nächsten, folgerichtigen Schritt. Es erklärt Johannes XXIII. für abgesetzt. Zu guter Letzt nimmt aber auch der weitere Lebensweg des Ex-Papstes ein positives Ende. Die Ereignisse haben ihn geläutert. Baldassare Cossa reist zu Martin V. und wirft sich ihm zu Füßen. Der Papst begnadigt ihn nicht nur, sondern ernennt ihn darüber hinaus zum Kardinalbischof von Tusculum und Dekan des Heiligen Kollegiums.

Am Ende einer der schwersten Krisen, in die die katholische Kirche geraten war, urteilt der protestantische Geschichtsschreiber und erklärte Gegner des Papsttums, Ferdinand Gregorovius: „Jedes weltliche Reich würde darin untergegangen sein; doch so wunderbar war die Organisation des geistlichen Reiches und so unzerstörlich die Idee des Papsttums selbst, dass diese tiefste der Spaltungen nur dessen Unteilbarkeit bewies.“

Aus dem Buch: Ulrich Nersinger, Tatort Konklave, Verlag Petra Kehl. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Eine wertvolle CD aus dem Verlag Petra Kehl


19. November
Die Mär vom selbstbestimmten Suizid

In der bisher umfangreichsten Meta-Studie aus dem Jahr 2004, bei der 27 wissenschaftliche Studien miteinander verglichen wurden, in denen wiederum insgesamt 3275 Suizide erfasst wurden, kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass in 87,3 Prozent der Fälle eine zuvor diagnostizierte psychische Erkrankung die Hauptursache für die Selbsttötung war. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Auch bei den verbleibenden 12,7 Prozent konnte nicht etwa ein „freiverantwortlicher Suizid“ nachgewiesen werden, sondern die Hauptursache bloß nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Wenn aber der Suizid – zumindest in der Mehrzahl der Fälle – Ausdruck einer geistig-seelischen Krankheit ist – dann kann er eigentlich nicht als eine Form, sich selbst zu bestimmen, betrachtet werden. Wer dies dennoch tut, müsste auch den Spirituosenkonsum eines Alkoholkranken als Ausdruck seiner Willensfreiheit werten und nicht – wie es gemeinhin üblich ist – als Beleg für eine mangelnde Willensfreiheit.

Aus: Stefan Rehder, Nun sollen die Ärzte ran, in: Lebensforum Nr. 111, 3. Quartal 2014, S. 6

Stefan Rehder: Die Todesengel

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