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* * *

16. September
Satan im Vormarsch?

Klingenberg und der katholische Glaube

Von Dr. Eduard Kamenicky

Fünfter Teil

Die jüngsten diesbezüglichen »Anträge« an die Adresse der Kirchenleitung stellen mit ernüchternder Deutlichkeit klar, welch platter Rationalismus in Deutschland heute herrscht. Unbegrenztes Vertrauen in die Wissenschaft und die ganze ahnungslose Fortschrittsgläubigkeit des Aufgeklärten von Anno Dazumal spricht aus den Worten Heinz-Joachim Fischers: »Es ist im Jahre 1976 unbegreiflich, daß eine religionspsychopathologische Krankheit nicht durch das umsichtige Gespräch eines Priesters und die einfühlende Diagnose und Therapie eines Arztes geheilt werden können« (FAZ, a. a. O.). Wenn man in dieser Angelegenheit irgendeiner Seite Naivität attestieren muß, dann wohl jener, die mit stolzem Ernst verkündet: »Die durch Aufklärung, Naturwissenschaft und Technik ermöglichte Einflußnahme des Menschen auf die Gestaltung der Welt verdrängte seit dem 18. Jahrhundert die Dämonen aus der Natur« (ebd.). Von dieser Meinung bis zur Einstufung Edisons, Watts und Einsteins als erfolgreichster Exorzisten ist fast nur mehr ein Schritt.

Im Lichte solcher Auffassungen wird die Ungeduld verständlich, mit der die »Süddeutsche Zeitung« fragt: »Wie lange mag es da noch dauern, bis selbst in Europa in die letzten magischen Sektiererzirkel (zu welchen offenbar auch das Ordinariat Würzburg gehört; Anmerkung von uns) die schlichte Wahrheit vorgedrungen ist: nicht der Böse spukt in uns, sondern das Böse.« (SZ, 4.8.76, Streiflicht) Dann läßt sich auch begreifen, daß Hannes Burger - ein Katholik, früher bei der »Münchener Katholischen Kirchenzeitung«! - gegen den »Anachronismus dieses kirchenamtlich praktizierten Aberglaubens« wettert und von »blauäugiger Borniertheit« spricht (SZ, 4.8.76, »Entlarvung durch das Medium«).

Für ihn ist Prof. Haag, der Leugner des Teufels - und damit des katholischen Glaubens - der Ehrenretter der Kirche. Allein dieses Moment läßt fühlen, wie sehr hier alles auch innerkirchlich auf eine Entscheidung hindrängt. Denn daß der Unglaube für Glaube und der Glaube für Aberglaube gilt, ist unerträglich.

c) Mangel an Verständnis

Der offenkundige Mangel an Glauben, der sich aus der Fehlreaktion der Öffentlichkeit auf den Fall Klingenberg als deren Ursache ohne Mühe erheben läßt, zieht als unmittelbare Folge den Mangel an Verständnis nach sich für das, was sich in jener Stadt am Main ereignet hat, und für das, was von seiten der Kirche, ihrer Aufgabe entsprechend, unternommen wurde. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich nicht nur ein erschreckendes Vakuum an Glaubenskraft und Glaubensbereitschaft, sondern auch eine so große Lückenhaftigkeit des religiösen Wissens bei im übrigen vielseitig versierten Mitgliedern der Gesellschaft, wie es Journalisten sind, daß man sich ein sinnvolles und fruchtbares Gespräch über die in Frage stehenden Gegenstände kaum vorstellen kann.

Fundamental fällt hier, wie schon zu bemerken war, bereits das Verständnis für Religion im Sinne des Christentums aus - ein Umstand, der mehr als manches andere zu der erstaunten Frage reizen könnte, wie denn so etwas »im Jahre 1976« möglich sei. Denn wer unter Religion nichts anderes als eine primitive oder intelligente Projektion des menschlichen Inneren zu denken vermag, hat sich von vornherein jeden Zugang zur »Sache selbst«, um die es sich hier handelt, verbaut. Solange der Mensch, »der kleine Gott der Welt«, nicht bereit ist, von seinem selbstgezimmerten Thron zu steigen und aus dem Spiegelkabinett jener Einbildung zu treten, das ihm ein trügerisches Alleinsein mit sich und seinesgleichen suggeriert, sollte er sich redlicherweise in Dingen der Religion der Stimme enthalten.

Wo die Koordinaten für jenen Raum fehlen, in dem bestimmte Erscheinungen zu orten sind, kann auch mit keinem Verständnis für die Ursache der betreffenden Phänomene gerechnet werden. Kein Wunder, daß diesbezüglich die ärgsten Entgleisungen passiert sind. Was soll es denn etwa heißen, wenn die »Frankfurter Allgemeine« in dem zitierten Artikel den Satz wagt: »Auf der Kirche bleibt nach allgemeiner Meinung der Vorwurf lasten, daß sie die Geister, die sie rief, nicht zu bannen imstande sei«? Man muß schon richtig durchdrungen sein von der freisinnigen Ansicht, Glaubenssätze seien Erfindung der Priester und religiöse Überzeugungen Produkte der menschlichen Phantasie, wenn man diesem Passus einen Sinn unterlegen will. Dann wäre die Kirche durch die ihr opportune Kreation der Teufelsidee und die jahrhundertelange Einschüchterung ihrer Gläubigen mit der Hölle und deren Qualen die schuldbar Verantwortliche für alles, was je Christen seitens dämonischer Mächte zu erleiden wähnten. Die Kirche hätte ihnen ja den Stoff und Anlaß zu derlei Hirngespinsten geliefert und sie in jene latente Angst versetzt, in der sie schließlich den vermeintlichen Einfluß von Teufel und Hölle an sich zu erleben begannen. Dann hätte die Kirche mittelbar auch jene Geister gerufen, die Anneliese Michel in Klingenberg durch Jahre hindurch gepeinigt haben. Davon kann natürlich überhaupt keine Rede sein. Der Teufel ist so wenig ein Geschöpf der Priester wie Gott. Die Hölle ist so wenig eine Erfindung der Kirche wie das Himmelreich. Die Ursachen von Heil und Unheil, von Gnade und Verstockung, von außerordentlichen Geistesgaben wie von Besessenheit, so selten die letzterwähnten Befindlichkeiten auch sein mögen, liegen nicht im Menschen, sondern außerhalb. Wer das aus »weltanschaulichen« Gründen nicht anzuerkennen bereit ist, kann zu keiner Interpretation dieser Erscheinungen gelangen, die deren innere Wahrheit trifft.

Es kommt jedoch nicht nur ein weit verbreitetes Fehlen des Sensoriums für das Übersinnliche und Außerirdische zum Vorschein, sondern ein spezifischer Mangel an Verständnis für das Wesen und Wirken der Dämonen. »Dem aufklärerischen Rationalismus entgeht diese Seite der Wirklichkeit, in die der Mensch hineingestellt ist«, merkt der »Rheinische Merkur« schlicht und richtig an (Nr. 31/1976, S. 8). Es ist blinde Überheblichkeit, wenn man jeden ernsten Gedanken an dämonische Mächte und ihr verderbliches Treiben in der Welt mit dem Hinweis beiseite schiebt, an derlei Dinge hätten die Menschen vor Jahrtausenden geglaubt, und nur Stämmen auf der Stufe der Steinzeit könne man heute noch solche Vorstellungen interimistisch gestatten. Hier müßte einmal die dünkelhafte Annahme ausgeräumt werden, daß die je jüngere Meinung die je tiefere Einsicht verbürge. In ungezählten Fällen verhält es sich umgekehrt.

wird fortgesetzt

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15. September
Islam und Menschenrechte

Im Christentum führte die Erfahrung des Unglaubens nicht zum Aufruf, die Ungläubigen zu töten, sondern zum Missionseifer und – nach der Entdeckung Amerikas – zu Gestalten wie Vitoria und Bartolomé de las Casas: In der christlichen Tradition stehend machten sie geltend, dass Ungläubige als Menschen die gleichen grundlegenden Rechte besitzen wie Christen. Dabei wurden sie von päpstlichen Verlautbarungen unterstützt (obwohl die spanischen Könige deren Verbreitung zu verhindern suchten).
Und hier liegt der entscheidende Punkt: Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäß ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die «fitra», ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, «denaturierte» Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. Der Islam akzeptiert die modernen Menschenrechte immer nur unter dem Vorbehalt der Bestimmungen der Scharia. Deshalb kann sich gerade der «wahre Islam» nicht in die Moderne integrieren.

Aus dem Artikel von Prof. Dr. Martin Rhonheimer, Töten im Namen Allahs. Gewalt und theologische Tradition im Islam, NZZ vom 6. September 2014


15. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Verschiedene Beiträge und Meldungen über die Schulsexualerziehung und den politischen Kampf um sie sind auf einer eigenen Seite untergebracht worden, ebenso einige Beobachtungen zur Statistik kirchlicher Entwicklungen. Meine Antwort Der springende Punkt auf die Kritik, die P. Michael Weigl an meinem Artikel Tradition und Lehramt geübt hat, habe ich diesem hinzugefügt.


15. September
Daniel Comboni

Vor 150 Jahren, am 15. September 1864, kam dem hl. Daniel Comboni (1831-1881) am Grab des hl. Petrus in Rom die Erleuchtung für seinen Plan, Afrika durch Afrika zu retten. Damit meinte er das Ziel, in Afrika Eingeborene als Missionare für Afrika auszubilden. So gründete er 1867 in Verona das Institut der Missionare für Afrika (heute die Comboni-Missionare vom Herzen Jesu) und das Werk des Guten Hirten für die Erneuerung Afrikas. Am 17. März 1996 wurde er selig-, am 5. Oktober 2003 heiliggesprochen.


14. September
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

40. Folge

Endlich trat Matthias Flacius auf, und behauptete geradezu, die Erbsünde sei die Substanz des gefallenen Menschen! Nachdem nun die Verirrung den höchsten Grad erreicht hatte, fand notwendig wieder eine rückgängige Bewegung statt; der bloß negative und privative Charakter des Bösen wurde aufs neue begriffen, und man näherte sich wieder mehr der katholischen Betrachtungsweise, ohne jedoch zu leugnen, daß eine, von dem innerlichsten und tiefsten Verderben der ganzen Natur, besonders der (noch zurückgebliebenen) höheren Seelenkräfte begleitete »positiv« böse Kraft von den Eltern auf die Kinder verpflanzt werde [73].

Dies positiv Böse nun, das wahre Ebenbild des Teufels, welches nach dem Verluste des Ebenbildes Gottes durch die Zeugung im Menschengeschlecht fortgepflanzt werden soll, gibt den lutherischen Begriff von der Konkupiszenz, den die Reformatoren als den einzig biblischen, einzig richtigen, genauen und erschöpfenden von der Erbsünde der christlichen Welt aufdringen wollten (Apolog. II. § 3 seq. p. 54 seq). Sie verstehen hiernach unter der Konkupiszenz ein völliges Auf- und Untergehen aller Triebe, Neigungen und Bestrebungen des Gefallenen und nicht Wiedergebornen im Bösen, und zwar vermöge einer auf ihn von Adam aus übergegangenen bösen Kraft.

[73] Solid. Declar. I. § 10. p. 614. Praeterea affirmatur: Quod peccatum originale in humana natura non tantummodo sit talis, qualem diximus, horribilis defectus omnium bonarum virium in rebus spiritualibus ad Deum pertinentibus: sed quod etiam in locum imaginis Dei amissae successerit intima, pessima, profundissima (instar cujusdam abyssi), inscrutabilis et ineffabilis corruptio totius naturae et omnium virium, imprimis vero superiorum et principalium animae facultatum: quae infixa sit penitus intellectui, cordi et voluntati hominis. Itaque jam post lapsum homo haereditario a parentibus accipit congenitam pravam vim, immunditiam cordis, pravas concupiscentias et pravas inclinationes.

wird fortgesetzt

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13. September
Benedikt Schmittmann

Vor 75 Jahren, am 13. September 1939, starb im KZ Sachsenhausen im Alter von 67 Jahren der aus Düsseldorf stammende, mit Konrad Adenauer befreundete Sozialpolitiker Dr. Benedikt Schmittmann. Seit 1919 lehrte er in Köln als Professor für Sozialwissenschaften. Da er die katholische Soziallehre verbreitete, wurde er 1933 nach der Machtergreifung der NSDAP in "Schutzhaft" genommen und mit Lehrverbot belegt. Anfang September 1939 kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er von der SS grausam zu Tode getreten wurde.


13. September
Friedrich August von Klinkowström

Vor 200 Jahren, am 13. September 1814, konvertierte der Pädagoge und Schriftsteller Friedrich August von Klinkowström in Wien im Alter von 36 Jahren zur katholischen Kirche. Vor dem hl. Klemens Maria Hofbauer legte er das katholische Glaubensbekenntnis ab. Anwesend waren Friedrich von Schlegel und Joseph Anton von Pilat. Seine Frau Friederike Luise Charlotte von Mengershausen war schon zuvor während seiner Abwesenheit katholisch geworden, was er erst nach seiner Rückkehr aus Aachen erfuhr. Er starb am 4. April 1835 in Wien. Sein Sohn Georg Ernst Joseph Maria wurde Jesuit und ein erfolgreicher Volksmissionar.


13. September
Passitea Crogi

Vor 450 Jahren, am 13. September 1564, wurde in Siena die stigmatisierte Mystikerin Passitea Crogi geboren. Sie starb am 13. Mai 1615.


13. September
Die Andacht der fünf ersten Samstage

Vor 75 Jahren, 13. September 1939, approbierte Bischof José Alves Correia da Silva von Leiria (1920-1957) die Übung der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, die auf die Fatimaseherin Schwester Maria Lucia von Jesus zurückgeht. Diese hatte am 10. Dezember 1925 in Pontevedra als Novizin im Institut der hl. Dorothea eine Erscheinung der Muttergottes, die zu ihr sprach:
“Meine Tochter, siehe mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch Lästerungen und Undankbarkeiten ständig durchbohren. Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und mache bekannt, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde Gesellschaft leisten, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten. ”


12. September
Christliche Missionsmethode

Mein Apostolat muß das Apostolat der Güte sein. Wenn man mich beobachtet, soll man sich sagen: „Wenn dieser Mensch so gut ist, dann muß seine Religion gut sein“. Wenn man mich fragt, warum ich mich so mild und gut verhalte, muß ich antworten: „Weil ich der Diener eines bin, der viel besser ist als ich. Wenn ihr wüßtet, wie gut mein Meister Jesus ist“.

Aus den Notizen des seligen Charles de Foucauld, der nach Algerien zog, um die muslimischen Tuaregs zu Christus zu führen.


12. September
Der Unterschied

Eine Studie aus dem Jahr 2010, die sich auf die Befragung von 45.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland stützt, hat gezeigt, dass bei jungen Muslimen die Gewaltbereitschaft um so größer ist, je religiöser sie sind. Bei christlichen Jugendlichen ist es umgekehrt.

Islam und Christentum


12. September
Christenbedrängnis in Deutschland

Flüchtlinge aus Syrien und Indien werden in deutschen Asylbewerberheimen monatelang von Muslimen drangsaliert.


12. September
Pastorale Nächstenliebe

Vor fünf Jahren hielt Weihbischof Nicolas Brouwet von Nanterre seine Rede über pastorale Nächstenliebe, die wir auf kath-info veröffentlicht haben.


11. September
Die preußische Kirchenpolitik bis zum 19. Jahrhundert

Von Julius Bachem

Sechster Teil

Von den allgemeinen kirchenpolitischen Zuständen in Preußen um die Mitte der 30er Jahre entwerfen die „Beiträge zur Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts in Deutschland“ (Augsburg, 1835) folgende Schilderung: Das Ministerium bestimmt, ohne auf die Festsetzungen der Bulle De salute animarum zu achten oder auf einen Vorschlag des betreffenden Kapitels einzugehen, wann, wie und wer als Bischof gewählt werden soll. Wenn der vom Ministerium zur sogen. Wahl bestimmte Tag herannaht, so ladet der königliche Wahlkommissar jeden Kapitular einzeln zu sich ein, macht ihm bekannt, wer als einzige persona regi grata gewählt werden soll, fordert zum pflichtmäßigen Gehorsam auf und fügt als triftige Drohung bei, daß das Bistum unbesetzt bleiben und die Auszahlung des Domkapitulargehalts sistiert werden würde. Das Kapitel schreitet, wie befohlen, zur Wahl und verkündet die canonisch vollzogene Wahl, die mit der erhaltenen Vorschrift genau übereinstimmt. Man sieht, die harmonia praestabilita ist verwirklicht, das Kapitel erhält vom Ministerium ein Belobigungsschreiben, daß es seine Stellung begriffen und seine Pflicht erkannt hätte. In Köln und Paderborn mußte das Kapitel einen Bischof wählen, den es früher nicht einmal dem Namen nach gekannt hatte. Das Ministerium behandelt den Bischof als einen Untergeordneten. Die Besetzung aller vacanten Domherrenstellen vollzieht tatsächlich der König. Über alle vorkommenden Angelegenheiten werden vom Domkapitel Akten geführt, welche auf Verlangen dem Oberpräsidenten zur Einsicht vorgelegt werden müssen. Die Dekane bedürfen zu ihrer Ernennung des landesherrlichen Placets. Die Regierung überträgt ihnen auch die Inspektion über die Elementarschulen. Die Pfarreien, Kaplaneien und Vikarien werden in verschiedenen Gegenden auf verschiedene Weise besetzt; die Regierungen suchen hierbei, wie überall, ihre Macht und ihren Einfluß immer mehr auszudehnen; sie haben beinahe hinsichtlich aller Pfarreien und sonstigen seelsorgerlichen Stellen das Patronat an sich gerissen. In den meisten Regierungsbezirken besetzen die Regierungen die Stellen, ohne auch nur von dem Bischof sich Vorschläge machen zu lassen, ohne die Personen gehörig zu kennen; in Magdeburg z.B. fertigt sie den Erlesenen die Ernennungsurkunde aus und überläßt es ihm, mit dem Bischof hinsichtlich der canonischen Collation und Investitur sich zu benehmen. Versetzungen und Entsetzungen der Geistlichen sind mit manchen Schwierigkeiten verbunden, weil kein Geistlicher ohne Placet in eine Stelle eingewiesen werden kann. Auf die Seminarien und theologischen Lehranstalten übt der Staat großen Einfluß und lähmt und beschränkt dabei in vielfacher Hinsicht die geistliche Gewalt. Die Errichtung dieser Anstalten, die Ernennungen der Lehrer, die Bestimmung der Lehrfächer hängt größtenteils von den Staatsbehörden ab; selbst zur Ernennung der Direktoren oder Regenten in den Seminarien wird ein landesherrliches Placet erfordert. Die Kirchenrechnungen prüfen die Regierungen, sie stellen die Kirchenetats fest, und so geschieht es nicht selten, daß ein protestantischer Rat bestimmt, wie viel Meßwein und Wachs, wie viele Hostien u.s.w. in einer katholischen Kirche gebraucht werden sollen. Das kirchliche Bauwesen befindet sich ganz in der Gewalt der Regierungen. Die milden Stiftungen sind den Geistlichen entzogen, und die Aufsicht darüber, soweit nicht die Verwaltung vom Stifter ausdrücklich der Kirche übertragen ist, der eiskalten Regierung beigelegt. Das Unterrichts- und Erziehungswesen ist zum Monopol des Staates und zum Ruin der Kirche gemacht. Auf Staatskosten, wozu die Katholiken beitragen, werden in ehemals rein katholischen Orten protestantische Pfarreien und Schulen errichtet, aber nicht eine einzige katholische. Im Sommer 1834 wurde jede Ordination zum Priester von einem Staatsministerialbeschluß abhängig gemacht, damit kein Demagoge geweiht würde. An den höheren Staats- und Provinzialämtern haben die Katholiken keinen Teil, auf die Regierung und Verwaltung haben sie keinen Einfluß. „Wäre in der Kirche“, so bemerkt der Verfasser, „nicht ein göttliches Lebensprinzip, das durch keine menschliche Gewalt zerstört werden kann, wir und die kommenden Geschlechter würden nur unter Ruinen umherirren.“

Erzbischof Ferdinand August starb alsbald nach Abschluß der verhängnisvollen Geheimen Konvention über die gemischten Ehen. Während dieser Kirchenfürst in dem Entgegenkommen gegen die Wünsche der Staatsgewalt bis an die äußerste Grenze ging, war sein Nachfolger Clemens August Freiherr von Droste zu Fischering ein Prälat von großer Entschiedenheit, der dem kirchlichen Rechte in keinem Punkte vergab. An das Breve vom 25. März 1830 sich haltend, beharrte er auf den Bürgschaften in betreff der katholischen Kindererziehung und ging auch gegen die der hermesianischen Lehre [die von Rom verurteilte semirationalistische Lehre des Georg Hermes, der in Bonn lehrte] anhängenden Geistlichen vor. Als der Erzbischof sich jeder Beeinflussung unzugänglich erwies, wurde er auf Grund Beschlusses des Ministerrates am Abende des 20. November 1837 von dem damaligen Oberpräsidenen von Bodelschwingh [Ernst von Bodelschwingh der Ältere, Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz von 1834 bis 1842] gefangen genommen und nach Minden abgeführt. Eine vom 15. November datierte Verfügung des Ministeriums der geistlichen Angelegenheiten an das Metropolitankapitel zu Köln begründete diese Gewaltmaßregel mit dem Vorgehen des Erzbischofs gegen die hermesianischen Professoren der katholisch-theologischen Fakultät zu Bonn, Vollziehung päpstlicher Bullen und Breven sowie Erlaß bischöflicher Verordnungen ohne Staatsgenehmigung und namentlich seinem Verhalten in Sachen der gemischten Ehen. In letzterer Beziehung warf die Verfügung dem Erzbischof Wortbruch vor, da er vor seiner Bestätigung die Erklärung abgegeben habe, die gemäß dem Breve Papst Pius’ VIII. getroffene Vereinbarung nicht anfechten zu wollen, während Clemens August in einer später erschienenen Verteidigungsschrift feststellt, daß ihm bei seinem Amtsantritte die von seinem Amtsvorgänger abgeschlossene Geheime Convention nicht bekannt gewesen sei und er bei seiner Erklärung auf die Versicherung des Ministers gefußt habe, daß jene Convention in Gemäßheit des päpstlichen Breves abgeschlossen worden sei. Eine gleichfalls unterm 15. November ergangene königliche Kabinettsordre untersagte dem Erbischof die fernere Verwaltung seines Amtes. Hiervon wurde das Metropolitankapitel in der vorgedachten Ministerialverfügung behufs Vornahme der im Falle einer Sedes impedita angemessenen Anordnungen in Kenntnis gesetzt. Endlich erging ein zum öffentlichen Anschlag bestimmtes, von den Ministern der geistlichen Angelegenheiten, der Justiz sowie des Innern und der Polizei unterzeichnetes Publicandum, welches den Erlaß der Kabinettsordre nebst allgemein gehaltener Begründung kundgab, jeden geschäftlichen Verkehr mit dem Erzbischof verbot und Zuwiderhandlungen mit einer Geldbuße von 50 Talern bedrohte. Das Metropolitankapitel ließ sich alsbald zur Bestellung eines Kapitelsvikars bereit finden, während die katholische Bevölkerung, namentlich der Westprovinzen, durch die Verhaftung des Erzbischofs in große Erregung geriet, welche besonders dadurch gesteigert wurde, daß die Regierung in der Verfügung an das Kapitel den Erzbischof auch revolutionärer Umtriebe beschuldigt hatte. Papst Gregor XVI. nahm sich in einer wenige Wochen nach der Gefangennahme Clemens Augusts veröffentlichten Allocution des Erzbischofs nachdrücklich an.

wird fortgesetzt

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10. September
Rettet die Menschlichkeit

Alfred Delp und der “Theonome Humanismus”

Von Korbinian Kleber

In den Tagen nach dem 20. Juli 1944 wurde der Münchener Jesuitenpater Alfred Delp von der Gestapo verhaftet. Als eines der führenden Mitglieder des Widerstandskreises um Graf von Moltke hatte er Skizzen zu einer Neuordnung Deutschlands nach dem NS-Regime entworfen. Infolge des Attentats vom 20. Juli wurde ihm vor dem Volksgerichtshof der Prozess gemacht. Vom Vorwurf der Mitwisserschaft sogar befreit, wurde er schließlich vor allem aufgrund seiner christlichen Gesinnung zum Tode verurteilt. Ein Angebot der „Freilassung gegen Ordensaustritt“ von Seiten der Gestapo hatte Delp abgelehnt.

Hingerichtet wurde Delp am 2. Februar 1945. Seine Asche wurde auf Befehl Hitlers auf den Rieselfeldern Berlins verstreut – nichts mehr sollte erinnern an den mutigen Jesuiten und Visionär eines neuen, menschenwürdigeren Zeitalters. Alfred Delps Überlegungen zum „Theonomen Humanismus“ sind von bleibender Aktualität.

„Der Mensch soll und will noch einmal werden“ – mit diesem Wort der Hoffnung wendet sich Alfred Delp unter dem Eindruck der Schrecken des Dritten Reiches aus dem Gefängnis an die Menschen seiner Zeit, die er zu neuer Humanität ermutigen möchte. Der Eindruck, der sich ihm aufdrängt, ist der einer unermesslichen Selbstzerstörung des Menschen, deren tiefste Ursache Delp darin sieht, dass der Mensch gottlos und Gottes unfähig geworden sei. Der Mensch seiner Zeit bedürfe eines neuen Erwachens zu sich selbst, eines Erwachens „zur ehrlichen Erkenntnis seiner göttlichen und humanen Möglichkeiten“.

„Sine tuo numine: gnadenlos wollten wir leben.“ Dies sei „kurz und bündig der große Irrtum und Wahn“ dieses Geschlechts, seine Anmaßung und sein Absturz. Der Mensch sei – wie in der Pfingstsequenz besungen (sine tuo numine nihil est in homine) – „nur mit Gott zusammen Mensch“, denn die „innerste Gemeinschaft mit Gott“ gehöre zu den „ersten Voraussetzungen eines gelungenen und gekonnten Lebens“, und Gott daher „in die Definition des Menschen“. Eine wahrhaft menschliche Zeit wird es nur in Gemeinschaft mit Gott geben können: „Es soll die Zeit des theonomen Humanismus werden.“

Doch, so könnte eingewandt werden, ist solche Rede von einem theonomen oder christlichen Humanismus nicht ein Unding, ein hölzernes Eisen? Musste der Mensch nicht gerade Gott ausschalten, um selber in den Vollbesitz seiner menschlichen Größe zu treten? Ist nicht gerade – so spitzte Joseph Ratzinger einmal die Anfrage des Atheismus im Namen des Menschen pointiert zu – „der eigentliche Zwang aller Zwänge für den Menschen Gott“, also die Nichtexistenz Gottes die Bedingung menschlicher Freiheit?

Dies ist nicht zuletzt auch die Überzeugung des atheistischen Existentialismus: Die Befreiung des Menschen von Gott als Befreiung des Menschen zu sich selbst. Jean-Paul Sartre etwa propagiert das „Reich des Menschen“, in dem es „keinen anderen Gesetzgeber als ihn selbst [den Menschen] gibt“. Der Mensch sei das, wozu er sich mache. In der Mitte steht für diesen Existentialismus das eigene Ich, das sich sein Leben entwirft, nicht jedoch der Mensch als immer schon Angesprochener, von Gott Gerufener.

Ähnlich auch Karl Marx' Ansatz: „Ein Wesen gibt sich erst als selbstständiges, sobald es auf eigenen Füßen steht, und es steht erst auf eigenen Füßen, sobald es sein Dasein sich selbst verdankt. Ein Mensch, der von der Gnade eines anderen lebt, betrachtet sich als abhängiges Wesen. Mein Leben hat notwendig einen Grund außer sich, wenn es nicht meine eigene Schöpfung ist.“ Unter diesen Prämissen freilich scheint echter Humanismus nur und gerade in der Befreiung des Menschen von Gott möglich zu sein. Atheismus im Namen und um des Menschen willen?

Ein erstes Indiz für den Irrtum dieser Annahme kann bereits die bloße Feststellung liefern, dass sich tatsächlich das humanistische Denken in Europa „dank des fruchtbaren Austausches zwischen den verschiedenen Kulturen seiner Völker und dem christlichen Glauben“ (Benedikt XVI.) entwickelt hat. Benedikt XVI. beklagt darum die „falsche Dichotomie zwischen Theismus und echtem Humanismus“, die bis zu dem Extrem geführt werde, einen unlösbaren Konflikt zwischen dem göttlichen Gesetz und der menschlichen Freiheit zu postulieren. Die Krise der Moderne sieht er vor allem in den Problemen gründen, die durch einen „Humanismus“ entstünden, der den Anspruch erhebe, ein „regnum hominis“ aufzubauen, das von seiner notwendigen ontologischen Grundlage losgelöst sei.

Als ein Symptom solcher Loslösung des Menschen von seiner ontologischen Grundlage kann beispielsweise die Tendenz zu einer Diskrepanz zwischen immer höherem technischem Können einerseits und immer größerem Verlust an Humanität, Innerlichkeit und persönlicher Freiheit andererseits betrachtet werden. So konstatiert Delp, der moderne Mensch sei zwar „auf vielen Gebieten des Lebens ein überragender Könner geworden“, zugleich aber „krankhaft lebensunkundig geworden“. An Stelle von geistiger Wachheit und persönlicher Lebendigkeit, Selbstständigkeit, Urteils-, Verantwortungs- und Gewissensfähigkeit sind für Delp vor allem Erscheinungen eines „getriebenen und verführten Menschen, des ewigen Objekts fremder Entscheidungen und Vergewaltigungen“ zu erkennen. Es bleibe „der Mensch, der von sich und seinen Weiten und Größen keine Ahnung“ habe und „schließlich doch nur eine Karikatur, einen kläglichen Restbestand des eigentlichen Menschen“ darstelle.

Der Verheißung der Gottesebenbildlichkeit, in der das christliche Europa seinen „ältesten Adelsbrief, den Grund unserer Größe“, erkannt und die es einst als Befreiung begrüßt hatte, habe man sich entledigt. Stattdessen habe sich der Mensch nun „ein Bild seiner selbst gebildet, auf dem er sich nur noch als ens vegetativum et sensitivum“ sehe, in dem Verstand, Vernunft und Gemüt ihre eigentliche humane Bedeutung verloren hätten und „eigentlich nur noch Larven zur Intensivierung des Faktischen“ seien. Gegen solch verkürzte Sicht des Menschseins wendet Delp ein, der Mensch müsse „über sich selbst hinauswollen, wenn er überhaupt Mensch bleiben“ wolle. Gerade kraft seines Geistes sei der Mensch „immer offen für das Ganze und immer auf das Ganze aus“. Und somit sei er eigentlich immer schon „über sich hinaus“, weshalb es bereits eine „Verstümmelung“ bedeute, „wenn man ihn um des ,rein Menschlichen‘ willen in sich selbst verschließen möchte“. Vielmehr sei er immer schon und natürlicherweise an eine ihn überragende und umfassende Ordnung des Seins gebunden. Von hier aus sei es dann nur noch ein kleiner Schritt zu der Einsicht, dass das Ganze noch nicht das Letzte sein könne. Vielmehr führt Delps Ansicht nach das Ernstnehmen der eigenen Wirklichkeit letztlich zur Erkenntnis Gottes als einer „natürliche[n] Tatsache des Lebens“ und zeigt, dass Gott „als solche schlicht und einfach zum Menschenleben“ dazugehöre. Diese Entdeckung weite das Dasein ins Unendliche und binde es zugleich durch die Ordnungen des Seins, hinter denen letztlich die bindende Kraft jenes persönlichen Absoluten stehe.

Zweiter Teil folgt.

Der Text erschien zuerst in der Tagespost vom 12. August 2014, S. 13. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Tagespost.


9. September
Monatsranking

Da im Laufe der Zeit die Bewegungen innerhalb der monatlischen Top 12 immer geringfügiger wurden und der Informationswert damit gesunken ist, habe ich mich entschlossen, in Zukunft mitzuteilen, welche Seiten sich außer auf den drei Spitzenplätzen auf den Plätzen 10, 20, 30, 40, 50, 60 und 100 befinden. Das vermittelt zwar nur einen sehr fragmentarischen, aber hoffentlich interessanteren Einblick in das Monatsranking als bisher.

Platz Monatsranking August 2014
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 535 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

+/- 0
3

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 4
10

Robert Spaemann

- 2
20

Spaemann: Rationalität und Gottesglaube

+ 2
30

Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

+ 13
40

Gabriel Malagrida / Franz von Paula / Dominikus Mau

+ 209
50

Martin Ramm: Der Ritus der hl. Messe: Die Opferung

+ 1
60

Walter Hoeres: Adorno oder der zweideutige Fortschritt

+ 60
100

Georges Bernanos

- 41

Zum Monatsranking

Zum Jahresranking


9. September
Jacques-Desiré Laval

Vor 150 Jahren, am 9. September 1864, starb in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, der aus der Normandie stammende Missionar und Selige Jacques-Desiré Laval CSsP). "1841 durch F. M. P. Libermann zur Bekehrung der freigelassenen Negersklaven auf Mauritius gesandt, taufte [er] über 1500 Erwachsene, bekehrte ungefähr 67.000 (...) Sein Grab ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort für Christen, auch für Inder, Hindus und Chinesen" (H. Döring im LthK, 1. Auflage 1934). Am 29. April 1979 wurde er seliggesprochen.


9. September
Elisabeth Eppinger

Vor 200 Jahren, am 9. September 1814, wurde in Niederbronn Elisabeth Eppinger geboren. Mystisch begnadet und von einem schweren, schmervollen Leiden geheilt, gründete sie 1849 die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern), die sich ganz der Pflege der Armen, Alten und Kranken widmen. Sie starb am 31. Juli 1867 in Oberbronn. Der Seligsprechungsprozess ist eingeleitet.


8. September
Utopische Hoffnung

Renate Martin: Wir brauchen als wichtigstes begeisterte Apostel (s. „Evangelii gaudium, besonders ab Nr. 259. Dann aber bedarf es dringend einer pastoralen Aufarbeitung der päpstlichen Schreiben über Ehe und Familie auf breiter Basis, die das Sakrament in seinem inneren Sinn verdeutlicht. Seit 1968 warten wir darauf. Ist es utopisch zu hoffen, dass katholische Schulen und unsere Pfarreien Programme erarbeiten und das Ruder herumreißen? Manchmal fürchten wir das. Im Gespräch mit jungen Leuten hingegen machen wir oft die Erfahrung, dass sie froh sind, wenn man ihnen von der christlichen Auffassung der Schönheit der Liebe und des Wunders des Lebens erzählt.

Renate Martin, Ehefrau von Prof. Dr. Norbert Martin (Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie) im Interview mit Regina Einig in der Tagespost vom 8. Februar 2013


8. September
Johannes Kardinal von Geissel

Vor 150 Jahren, am 8. September 1864, starb in Köln im Alter von 68 Jahren Johannes Kardinal von Geissel. Geboren in der Rheinpfalz, wurde er 1837 Bischof von Speyer und 1845 Erzbischof von Köln. Er sorgte für eine gute Priesterausbildung in seiner Diözese und ging deshalb gegen Häresien vor. Die von ihm 1848 einberufene Würzburger Bischofskonferenz war eine solche, die für einen neuen Aufschwung in der Kirche Deutschlands sorgte. 1860 leitete er das Kölner Provinzialkonzil.


7. September
Gottes Liebe im Werk der Erlösung

Von P. Franz Prosinger

Zwei Veröffentlichungen aus jüngster Zeit geben Anlaß, noch einmal auf das Thema der Soteriologie (Lehre vom Erlösungswerk) zurückzukommen [1]. Von Hubertus Halbfas wurde ein Interview von 2013 wiederveröffentlicht unter dem Titel Was einmal hilfreich war, kann störend werden, und Hansjürgen Verweyen schrieb ein Buch zum Thema Ist Gott die Liebe? Spurensuche in Bibel und Tradition. Regensburg 2014 – das in der Tagespost vom 26. August auf S. 6 besprochen worden ist.

Daß der nun achtzigjährige H. Halbfas mit der katholischen Theologie radikal gebrochen hat – in vielen Punkten stimmt er mit E. Biser überein [2] -, bekennt er offen. In geradezu nostalgischer Weise vertritt er die These der 70-er Jahre, Paulus habe die Botschaft Jesu grundlegend verfälscht und dessen Tod am Kreuz mit den Kategorien von Opfer, Sühne und Versöhnung umgedeutet. Während angeblich Jesus in allen Menschen die vom Vater geliebten Gotteskinder sehe und ohne Erbsünde, Gnade, Rechtfertigung und Erlösung das Reich Gottes verkündet habe, wäre für Paulus der Mensch ein erlösungsbedürftiger Sünder. Dagegen ist zu sagen, daß nicht nur Paulus, sondern auch das Markusevangelium ganz gezielt und von Anfang an auf den Prozeß und Todesbeschluß zugeht. Der zweite Teil (8, 27 bis 16, 8) ist strukturiert durch die drei Leidensankündigungen mit ihren jeweiligen Deutungen des Kreuzes als Überwindung und Hingabe seiner selbst. Daß die Auslieferung in die Hände der Sünder geschieht „als Lösepreis für viele“ (10, 45), ist nicht etwa ein Zusatz und eine spätere Deutung, sondern in den Duktus des ganzen Evangeliums eingebunden, welcher zielt auf die Worte über den Kelch im Abendmahlssaal (14, 24) und das Gebet Jesu am Ölberg (14, 36). [3] -

Seriöser und deshalb beunruhigender sind die Ausführungen des Ratzinger-Schülers Verweyen. Freilich werden auch hier alte Vorurteile transportiert. Unverständlich ist etwa, daß man auch heute noch im Kohelet einen Agnostiker und profanen Glückssucher sehen kann, nachdem der Fachwelt der sowohl spirituell wie auch exegetisch beeindruckende Kommentar von Schwienhorst-Schönberger geschenkt worden ist [4]. Aber auch in der zentralen Frage zum Kreuzestod Jesu zeigt Verweyen wenig theologisches Feingefühl. Schon die Formulierung, „ob der Kreuzestod Jesu notwendig für Gott selber war“, ist anthropomorph und führt schließlich zur Frage, „ob diese Selbstdarbringung (des Sohnes) vom Vater verlangt wurde als Lösegeld für die vielen und damit doch als eine Sühneleistung“. Wenn in den Evangelien der göttliche Heilsplan mit dem griechischen dei (“müssen”, lat. oportet; etwa in Mt 26, 54 als Erfüllung der Schrift, in Mk 8, 31 und Lk 24, 26 bezüglich der Passion, der Tötung und der Auferstehung des Menschensohnes, aber auch das Sein des Sohnes in dem, was des Vaters ist in Lk 2, 49) angedeutet wird, so wird damit eben jene anthropomorphe Vorstellung vermieden, als ob sich Vater und Sohn als zwei Personen gegenüberständen und der Vater seinem Sohn eine Notwendigkeit auferlegte. Natürlich kostete es dem menschlichen Willen Jesu Überwindung, sich als der ganz Heilige in die Hände der Sünder auszuliefern (Mk 14, 36f; Heb 5, 7f), aber die unzertrennliche Übereinstimmung von Vater und Sohn, wie sie vor allem im Johannesevangelium zum Ausdruck kommt, stand nie in Zweifel. Die freiwillige und vollkommene Hingabe an den Vater, in die uns Christus hineinnehmen will, dient der Verherrlichung des Vaters (12, 23. 28; 13, 31f; 17, 1. 5), seiner Verherrlichung in den Seinen (17, 10) und deren Heiligung (17, 17. 19). Nach Joh 3, 3.5 besteht die Notwendigkeit in uns, zu einem neuen Leben wiedergeboren zu werden. Also nicht Gott hat es notwendig, durch ein Sühnopfer versöhnt zu werden, sondern wir müssen unser verwirktes Leben zum Opfer der Sühne darbringen, damit so der Tod verwandelt werde zu neuer Geburt. Daß dies dem Sohn das Leben „kostete“ und er sein kostbares Blut als „Lösepreis“ dahingab, darf nicht einseitig verstanden werden: die Erlösung besteht nach Heb 9, 11-14 nicht in einem äußeren Akt der Wiedergutmachung durch die Bezahlung einer Schuld, sondern in der Eröffnung eines neuen, nicht von Menschhand gemachten Heiligtums durch die Hingabe und Konsekration des Sohnes als dem wahren und einzigen Sühnopfers.

Hier gilt das Wort des heiligen Augustinus: sacrificium externum signum sacrificii interni – wenn das äußere Opfer nicht Ausdruck innerer Hingabe ist, verkommt es zu bloßem Ritualismus. Ein re-ligiöses Werk ist einzig die innere Rückbindung an den, der mich ins Leben ruft. Diese Bindung bzw. diesen Bund wiederherzustellen, ist das Werk unserer Erlösung: „Sei ohne Furcht, ich habe dich erlöst, ich rufe dich bei deinem Namen: mein bist du“ (Jes 43, 1). Wenn nur ein anderer für meine Schuld bezahlt, würde sich nichts an meiner eigenen Entfremdung ändern [5].

Unter den drei Theologen, J. Ratzinger, K. Rahner und H. U. v. Balthasar kann Verweyen noch am ehesten der Soteriologie Balthasars zustimmen. Aber ausgerechnet dieser schöpft seine Gedanken weniger biblischem als griechisch-mythologischem Denken. Die unendliche Zerspannung zwischen Vater und Sohn, die „alle Distanzen der Sünder von Gott überholt und in sich einfaßt“ [6], wird als ein Wüten Gottes gegen sich selbst gesehen, als ein ersatzweises Austragen von Schuld und Strafe zwischen Vater und Sohn. So etwas mag auf dem Olymp denkbar sein, aber nicht auf Golgotha.

Zur Beurteilung der gegenwärtigen Situation in Theologie und Kirche ist zu bedenken, daß Theologen so verschiedener Provenienz und Erudition wie Halbfas und Verweyen jeweils die Möglichkeit einer ewigen Verwerfung ausdrücklich ausschließen. Demnach gäbe es keinen doppelten Ausgang in der Geschichte des Einzelnen und der Menschheit insgesamt, nicht einen breiten und bequemen Weg, der ins Verderben führt (Mt 7, 13), nicht ein Aussenden der Engel am Ende der Zeit, welche die Gerechten von den Bösen sondern, keinen Ort, wo es Heulen und Zähneknirschen gibt (Mt 13, 49f), sondern alle, Johannes der Täufer und Herodias, Adolf Hitler und Alfred Delp werden gemeinsam, Hand in Hand im Paradies lustwandeln – oder nach der Formulierung Leo Scheffzcyks: der Mensch könnte sich demnach nicht davor retten, gerettet zu werden. Daß der biblischen Botschaft und dem kirchlichen Leben damit der Ernst der Entscheidung, der Ruf zur Bekehrung und der Sinn des Erlösungswerkes entzogen wird, kennzeichnet die gegenwärtige Situation zumindest im deutschsprachigen Raum nach wie vor.

Wer keine unbiblischen Vorstellungen in das Werk der Erlösung am Kreuz hineinliest, muß die Liebe Gottes im Kreuzestod Jesu nicht problematisieren. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für uns dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt (und somit an dessen Hingabe teilnimmt), nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe (Joh 3, 16). Jesus selbst erläutert seine Liebe bis zur Vollendung (Joh 13, 1) so, daß niemand eine größere Liebe habe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15, 13). Und der heilige Paulus gibt darüber hinaus noch zu bedenken, daß Gott seine Liebe zu uns darin beweist, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder bzw. seine Feinde waren (Röm 5, 8-10). Wer das Erlösungswerk verstehen will, muß mit der schmerzhaften Mutter am Fuß des Kreuzes stehen und aufschauen zu dem, den wir durchbohrt haben (Joh 19, 26. 37). Dann gilt es aber auch, sich dem von der geöffneten Seite ausgehenden Geist der Buße und Sühne-Besprengung zu öffnen (Zach 13, 1 LXX B).

Auch in Bezug auf die Liturgie der Meßfeier wird sich Verweyen von Halbfas deutlich unterscheiden, der an die „offenen Tischgemeinschaften Jesu“ anknüpfen will. Aber trotz der Wahrung einer gewissen Sakralität wird man angesichts einer Allerlösungslehre der immer wieder erneuten Darbringung des Opfers Christi durch die Kirche kein Verständnis entgegenbringen können.

[1] F. Prosinger, ... Damit sie geheiligt seien in Wahrheit. Siegburg 2008. War der Kreuzestod Jesu ein Opfer? in Communio 1999 (II), S. 189 (auch auf kath-info).

[2] Vgl. E. Biser, Der unsichtbare Sonnenaufgang. In: Stimmen der Zeit; Bd.213 (1995) S.723-729.

[3] Siehe hierzu die über 800-seitige Darlegung von A. Weihs, Die Deutung des Todes Jesu im Markusevangelium, Würzburg 2003

[4] L. Schwienhorst-Schönberger, Kohelet. HThKAT, Freiburg 2004.

[5] Siehe hierzu meinen Artikel Wer bezahlt das zerbrochene Fenster? Gedanken zur Erlösungslehre.

[6] H. U. v. Balthasar, Theodramatik III. Die Handlung. Einsiedeln 1980, S. 465.


6. September
Miesepeterei

Alles, was hier gefordert wird, ist in den evangelischen Kirchen längst verwirklicht. Ist dort die Situation grundsätzlich besser? Hätten die genannten Einwände recht, so müßte dort das christliche und kirchliche Leben in ungeahntem Ausmaß blühen. Dass man dort mit denselben Problemen zu kämpfen hat wie bei uns und mit einigen dazu, ist jedoch offenkundig (...)
So bleibt zum Schluß nur noch ein Wort gegen die weitverbreitete Miesepeterei in der Kirche. Sie macht mit ihrer eigenen Unlust alles madig und ist immer nur daran interessiert, das berühmte Haar in der Suppe zu finden. Wenn man will, kann man es immer finden und damit sich und den anderen den Appetit verderben. Man kann, obwohl man am Verdursten ist, ein halbvolles Glas Wasser mißgelaunt zurückweisen mit der Begründung, es sei doch halb leer. Gegen eine solche Einstellung ist kein Kraut gewachsen.

Prof. Dr. Walter Kasper 1986 im Schlußplädoyer “gegen die Miesepeterei und für einen neuen Realismus in der Kirche” seines Kommentars zu den Dokumenten der außerordentlichen Bischofssynode, die vom 24. November bis 8. Dezember 1985 in Rom tagte (Zukunft aus der Kraft des Konzils. Die außerordentliche Bischofssynode ‘85. Die Dokumente mit einem Kommentar von Walter Kasper; Freiburg, Basel, Wien: Herder 1986, S. 108). Seine Worte gelten den Kritikern, die der Synode vorwarfen, den “Zölibat, das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen, die Frage Geburtenregelgung, die Frauenordination” (S. 107) nicht aufgegriffen zu haben.


6. September
Hans Apel

Vor drei Jahren, am 6. September 2011, starb in Hamburg im Alter von 79 Jahren der evangelische Christ, SPD-Politiker und ehemalige Verteidigungsminister Hans Apel. Er war ein scharfer Kritiker der zunehmenden theologischen Profillosigkeit der evangelischen Volkskirche und warnte vor einem “weichgespülten Christentum”. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Hamburg unter Maria Jepsen, die zudem die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day übernahm, brachte bei Apel das Fass zum Überlaufen: Er trat 1999 aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche aus und schloss sich der SELK (Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche) an.


5. September
Seligsprechung

Vor zehn Jahren, am 5. September 2004, sprach Papst Johannes Paul II. Pedro Tarrés y Claret (1905-1950), Alberto Marvelli (1918-1946) und Pina Suriano (1915-1950) selig.


4. September
Alles verloren und alles gewonnen

Wir haben alles verloren: Haus, Arbeit, Familienmitglieder. Aber wir haben das größte gewonnen, was ein Mensch gewinnen kann: das Wissen, dass Jesus Christus unser Retter ist.

Ramir, ehemaliger syrischer Muslim; Quelle: Open Doors


4. September
Dina Bélanger

Vor 85 Jahren, am 4. September 1929, starb im Alter von 32 Jahren die kanadische Selige und Mystikerin Dina Bélanger. Sie wurde von Gott mit Visionen, u.a. über das Priestertrum, reich beschenkt. Sie könnten in der gegenwärtigen Glaubenskrise wertvolle Wegweiser sein.


4. September
Werner Bergengruen

Vor 50 Jahren, am 4. September 1964, starb in Baden-Baden im Alter von fast 72 Jahren der aus Riga stammende Dichter und Schriftsteller Werner Bergengruen. 1936 war er zum katholischen Glauben konvertiert.


3. September
Vor den Karren gespannt?

Über die Fortschritte der Wissenschaft in der Frage des Hirntodes berichtet der Philosoph Prof. Andreas Brenner aus Basel in einem Interview, das die Zeitschrift Information Philosophie (Ausgabe Juli 2014, S. 74-82) mit ihm und Frau Prof. Andrea Esser aus Marburg geführt hat. Dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen sei, die “Transplantation lebenswichtiger Organe mithin also Tötung” bedeute, habe sich in Amerika selbst unter Anhängern der Transplantationsmedizin schon so weit durchgesetzt, dass dort die Formel vom justified killing ausgedacht wurde, um die Transplantationsmedizin doch noch zu retten. In Deutschland beklagt er u.a. eine “Aufklärung” über Organspende, die in Wirklichkeit interessegeleitet ist und moralischen Druck aufbaut: “Nach dieser Logik wird ja auch von den staatlichen Stellen, - derzeit lässt sich das an der Informationspolitik des deutschen Bundesgesundheitsministerium beobachten -, eine als Aufklärungskampagne bezeichnete, in Wahrheit aber alleine an möglichst großen Spenderzahlen interessierte einseitige PR-Kampagne zu Gunsten der Transplantationsmedizin betrieben. Die Kirchen lassen sich übrigens vor den Karren der utilitaristischen Biopolitik spannen, und erklären jeden Zweifel am Hirntodkonzept mit einem Mangel an Nächstenliebe” (S. 76)

Weitere Infos zum Thema


3. September
Hugo Staudinger

Vor zehn Jahren, am 3. September 2004, starb der Historiker Hugo Staudinger. Geboren am 5. Juli 1921 in Dresden, studierte er in Dresden und Münster Physik, Geschichte, Philosophie, Latein und Theologie. 1962 wurde er Professor für politische Bildung und Didaktik in Paderborn. Von 1958 bis 1966 leitete er das Deutsche Institut für Bildung und Wissen. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er war einer der letzten Gesprächspartner von Max Horkheimer.

In seinem Werk Gott - Fehlanzeige? (Trier) setzt er sich mit den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen der Gottesfrage aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft auseinander. Besonders wertvoll und empfehlenswert ist sein Buch Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien, das aus der Sicht des Profanhistorikers auf die Versuche von Exegeten wie Rudolf Bultmann und Willi Marxsen, den Evangelien ihren historischen Charakter weithin abzusprechen, antwortet. Es erschien seit 1969 in mehreren Auflagen in verschiedenen Verlagen. Antiquarisch ist es noch erwerbbar.


2. September
Das ignorierte Martyrium

Die Juli/August-Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ist dem Thema Christenverfolgung gewidmet. Tobias Mayer stellt in seinem Artikel Wie Schafe unter die Wölfe (S. 261-267) das neueste Buch des Journalisten John Allen vor, das demnächst in deutsch unter dem Titel Krieg gegen Christen erscheinen soll. Zur Beobachtung Allens, dass die Christen heute die weltweit am meisten verfolgte religiöse Gruppierung sei, deren Märtyrer zudem viel zu oft unbemerkt leiden müssten, kommentiert Mayer: “Die Zahlen sind in der Tat erschreckend: Den meisten Schätzungen zufolge leben 100 Millionen Christen weltweit in einer Verfolgungssituation. Die Summer der Märtyrer der letzten 20 Jahre beläuft sich auf Hunderttausende (allein 70.000 im Jahr 2013), manche sprechen gar von bis zu 2 Millionen. Unbestritten ist, dass die Zahl der Christen, die allein im 20. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten, die Summe der Märtyrer aller vorhergehenden Jahrhunderte übertrifft.”

Mit Allen stellt er die Frage: “Doch warum schweigt die Kirche?” Allen: “Ist es nicht paradox, dass das fesselndste Narrativ des Christentums unseres jungen Jahrhunderts nicht ins Blickfeld des christlichen Bewusstseins gerät?” Zu den Gründen gehört ihm zufolge u.a. “eine eilfertige ‘political correctness’ des interreligiösen Dialogs”.

Ich würde noch die Vermutung hinzufügen, dass große Teile der Reformkatholiken so fanatisch auf ihre Lieblingsthemen und ihr Projekt der Anpassung kirchlicher Lehre und Praxis an ihre Ideen eingeschworen sind, dass für das Leid der Märtyrer einfach nicht mehr genügend Ressourcen an Interesse und Aufmerksamkeit zur Verfügung stehen. Man denke nur an den ganzen institutionellen, finanziellen und medialen Aufwand für einen fruchtlosen Dialog um die bekannten Reizthemen im Vergleich zur eklatanten Vernachlässigung des Einsatzes für unsere verfolgten Brüder und Schwestern. 2013 hat das bereits der Historiker Peter Keller bemerkt und ausgesprochen: “Während in den arabischen Hinterhöfen die Christen verfolgt und vertrieben werden, diskutiert die hiesige Intelligenz über die Homo-Ehe und das Frauenpriestertum als dringendste Reformprojekte für den neuen Papst. Frohe Ostern.”


2. September
Christkönigsjugend

Vor 25 Jahren, am 2. September 1989, wurde in Wigratzbad die Christkönigsjugend (CKJ) gegründet.


1. September
Drei wichtige Kundgebungen

Am Sonntag, den 14. September, findet in Augsburg um 16:30 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto Glaube braucht Bekenntnis – Verfolgte Christen brauchen unsere Solidarität im Rahmen eines Begegnungstages von Kirche in Not statt.

Am Samstag, den 20. September, findet in Berlin der jährlich Marsch für das Leben statt.

Am Sonntag, den 19. Oktober, beginnt in Stuttgart um 14 Uhr auf dem Schillerplatz mit einer Kundgebung die Demo für alle zum Anliegen Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!

Alle drei Kundgebungen verdienen breiteste Unterstütung!


1. September
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden die Ausführungen von Peter Kwasniewski über die Eigenschaften einer guten Predigt und der Artikel von Franz Prosinger über die eucharistische Ekklesiologie Ratzingers und Voderholzers untergebracht. Die Beobachtungen P. Axel Maußens über die selektive Berichterstattung über den Heiligen Vater findet man auf der Seite mit den gesammelten Notizen zu Papst Franziskus.


1. September
Universität Krakau

Vor 650 Jahren, am 1. September 1364, erließ Papst Urban V. (1362-1370, in Avignon residierend) eine Bulle, in der er König Kasimir III. dem Großen von Polen (1333-1370) auf dessen Bitte hin die Gründung der Universität Krakau erlaubte, und zwar mit den Fakultäten für die Artes, Medizin und beide Rechte. Eine theologische Fakultät war also ausgeschlossen. Sie kam erst im Jahre 1400 hinzu. Die Jagiellonen-Universität ist nach Prag die zweitälteste Universität Mitteleuropas. Noch im selben Jahrzehnt folgten Wien und Fünfkirchen (Pécs).


31. August
Gemäßigter Islam?

Kürzlich brachte kath.net eine KNA-Meldung, wonach Saudi-Arabiens Großmufti Abdul Asis bin Abdullah al-Scheich vor der Armee des Islamischen Staates (IS; vorher ISIS) gewarnt habe. Der Großmufti ist die höchste islamische Autorität des Landes. Abdul Asis bin Abdullah bekleidet seit 1999 dieses Amt. Tatsächlich hatte er schon 2004 jeden Terror im Namen des Islam verurteilt. Dieser sei eine Religion des Friedens und der Güte. Derselbe Mann forderte aber 2012 in einer Fatwa die Zerstörung aller Kirchen in Arabien einschließlich Kuwait, da es in diesem Gebiet nur eine einzige Religion, den Islam, geben dürfe. Natürlich ist die Zerstörung von Kirchen im Vergleich zu den Gräueltaten der IS im Irak und in Syrien eine maßvolle Gewalttat. Aber es sollte klar sein, dass im Kontrast zum IS-Terror gemäßigt erscheinende Islamvertreter immer noch meilenweit von der Rechtsstaatlichkeit unserer westlichen Demokratien entfernt sind.

Nun muss man zugeben, dass die in Saudi-Arabien herrschende Form des Sunnitentum, also der Hauptrichtung des Islam, eine besonders radikale ist, nämlich der Wahhabismus, der auf Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb (1703-1792) zurückgeht und sich großenteils mit dem Salafismus deckt. Er zeichnet sich durch fanatische Intoleranz aus, der auch dem Schiitentum gilt. Wenn die IS-Terroristen schiitische Heiligtümer zerstören, tun sie nur das, was ihr wahhabitischen Vorfahren schon im 19. Jahrhundert taten.

Im Vergleich zum arabischen Wahhabitentum ist der Islam, wie er von den Gelehrten der Kairoer Al-Azhar-Universität vertreten wird, wiederum sehr gemäßigt. Für einen Großteil der islamischen Welt gilt der al-Azhar-Scheich, der auch Großimam genannt wird, als die höchste geistliche Autorität des Islam. Natürlich hat auch Al-Azhar das Vorgehen der IS-Milizen verurteilt und die Ausrufung des Kalifats zurückgewiesen. Eine solche Haltung hindert aber nicht die Meinung, dass Muslime, die vom Islam abfallen, die Todesstrafe verdienen, wie es eine Fatwa aus Al-Azhar 1978 festgelegt hat.

Es gibt also einen gemäßigten Islam. Er ist aber gemäßigt nur im Vergleich zu Phänomenen wie dem IS oder Boko Haram in Nigeria. Allen diesen Formen des Islam ist die Anerkennung der Scharia gemeinsam, die das herrschende Rechtssystem in jedem islamischen Staat sein muss. Einzelne muslimische Intellektuelle, die die Scharia in Frage stellen oder die deren ernsthafte Anpassung an die westliche Rechsstaatlichkeit mit ihrem Verständnis der Menschenrechte fordern, dürften Ausnahmeerscheinungen sein, die es niemals geschafft haben, dort, wo der Islam gesellschafts- und staatsbildend wurde, ihre Anschauungen durchzusetzen.


29. August
Das Urteil und sein Anspruch auf Wahrheit

Von Alexander Pfänder

Siebte Folge

5. Positive Bestimmung der Wahrheit. So bleibt denn für den Anspruch auf Wahrheit gar keine andere Beziehung mehr übrig, als die Beziehung des Urteils zu den von ihm gesetzten Gegenständen und Sachverhalten. Es scheint also die Bestimmung, die zuweilen in der Logik gegeben worden ist, daß nämlich die Behauptung, ein Urteil sei wahr, gar nichts anderes besage, als daß der Sachverhalt, den das Urteil setze, bestehe, das Richtige zu treffen. Dennoch liegt genaugenommen auch in dieser Bestimmung wieder eine der leider in der Logik so häufig vorkommenden Bedeutungsverwechslungen vor. Denn die beiden, bedeutungsidentisch gesetzten Behauptungen sind offenbar bedeutungsverschieden, da sie sowohl verschiedene Subjektsbegriffe als auch verschiedene Prädikatsbegriffe enthalten. Im ersten Fall ist der Begriff des Urteils Subjektsbegriff, das Urteil selbst also Subjektsgegenstand, und der Begriff »wahr« der Prädikatsbegriff, »wahr« selbst demnach die Prädikatsbestimmtheit; während im zweiten Falle der Begriff des von dem Urteil verschiedenen Sachverhalts den Subjektsbegriff, der Sachverhalt selbst den Subjektsgegenstand und der Begriff »besteht« den Prädikatsbegriff bildet. Trotz dieser Bedeutungsverschiedenheit stehen jedoch die beiden Behauptungen in engem Zusammenhang: wenn das Urteil wahr ist, dann besteht der entsprechende Sachverhalt; und wenn der Sachverhalt, den das Urteil setzt, besteht, dann ist auch das Urteil wahr. Aber dieser Zusammenhang begründet keine Identität des Sinnes, sondern nur eine Äquivalenz.

Die richtige Ausdeutung des Sinnes der Behauptung, ein Urteil sei wahr, können wir gewinnen, wenn wir von der alten Bestimmung ausgehen, die Wahrheit sei die »Adaequatio intellectus et rei«, wenn wir unter dem »intellectus« hier das Urteil und unter der »res« den von dem Urteil betroffenen Gegenstand verstehen. Dann besagt nämlich diese Bestimmung das gleiche wie jene andere alte Erklärung: die Wahrheit eines Urteils sei seine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Die Einwände, die gegen diese Erklärung erhoben worden sind, beruhen wohl alle auf Mißverständnissen und lassen sich durch die Aufhebung dieser Mißverständnisse sämtlich beseitigen. Zunächst darf die »Wirklichkeit«, mit der das Urteil übereinstimmen soll, nicht mit der Realität identifiziert werden. Sonst wäre freilich jene Bestimmung ungenügend, da es ja Urteile gibt, die sich gar nicht auf etwas Reales beziehen, wie z. B. die mathematischen und die logischen Urteile, und die dennoch wahr sein können, ohne mit irgend einer Realität übereinzustimmen. Unter der Wirklichkeit kann nur das wirkliche Verhalten der von dem Urteil bezielten Gegenstände, seien diese nun real oder irreal, gemeint sein. Das zweite Mißverständnis bezieht sich auf die »Übereinstimmung«. Sie ist hier, wie ja überhaupt, nicht notwendig im Sinne einer Gleichheit oder Ähnlichkeit zu verstehen. Denn sonst wäre jene Erklärung allerdings falsch, da Urteile sich von den Gegenständen und den Sachverhalten, auf die sie sich beziehen, in den allermeisten Fällen wesentlich unterscheiden, also gar keine Gleichheit oder Ähnlichkeit mit ihnen haben können, trotzdem aber sehr wohl noch wahr sein können. Ebensowenig bedeutet die Übereinstimmung eines Urteils mit dem Verhalten des von ihm bezielten Gegenstandes, daß das Urteil ein Abbild des Gegenstandes und seines Verhaltens sei. Das Denken, das Bilden von Urteilen speziell, besteht gar nicht im Herstellen von Abbildern der Gegenstände. Wer sich solche Abbilder von Gegenständen macht, gewinnt eine Bildergalerie, aber keine Urteile. Die Übereinstimmung besagt hier vielmehr nur dies, daß das Urteil in seiner behauptenden Setzung, die es in bezug auf seinen Subjektsgegenstand vollzieht, zusammentrifft mit dem Verhalten des Gegenstandes selbst. Nimmt man daher die Begriffe »Wirklichkeit« und »Übereinstimmung« in diesem genaueren Sinne, so ist allerdings mit jener Erklärung die Bedeutung der Wahrheit eines Urteils richtig getroffen. Ein Urteil ist wahr, z. B. das Urteil »Schwefel ist gelb« ist wahr, das heißt wirklich nichts anderes als, das Urteil trifft in seiner behauptenden Hinzusetzung des »gelb« zu dem Subjektsgegenstand »Schwefel« zusammen mit dem Verhalten des Schwefels selbst, der, indem er gelb ist, sich wirklich so verhält, wie das Urteil von ihm behauptet. Wir können also das Wort »Übereinstimmung« in diesem Sinne nehmen und dann kürzer sagen, die Wahrheit eines Urteils ist die Übereinstimmung des Urteils mit dem bestehenden Sachverhalt.

Ist dies der Sinn der Wahrheit, so besteht also der Anspruch des Urteils, wahr zu sein, in dem Anspruch, dem Selbstverhalten des von dem Urteil betroffenen Subjektsgegenstandes gemäß oder angemessen zu sein. Dieser Anspruch setzt das Selbstverhalten des Gegenstandes als maßgebendes Fixum für die Urteilsbildung voraus. Der Begriff der Wahrheit setzt voraus, daß es Gegenstände gibt, die unabhängig von den auf sie bezogenen Urteilen sich in bestimmter Weise verhalten, und durch ihr so selbständiges Verhalten für die auf sie bezogenen Urteile den absolut entscheidenden Maßstab bilden. Auch die irrealen Gegenstände, die selbst Produkte einer Denktätigkeit sind, können trotzdem diese Voraussetzung erfüllen, insofern sie als einmal produzierte nun einen Eigenbestand und ein eigenes Verhalten zeigen. Läßt man diese Voraussetzung fallen, behauptet man also, daß es gar keine von den Urteilen unabhängigen und sich selbständig verhaltenden Gegenstände gebe, so hebt man damit die Möglichkeit von Urteilen auf, oder man muß den Sinn der Urteile und den Sinn der Wahrheit umdeuten und verfälschen.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


28. August
Die hierokratische Theorie im Spätmittelalter

Ihr paradoxes Schicksal als paradigmatisches Beispiel kirchlicher Krise

Von P. Engelbert Recktenwald

Dritter Teil

Es sieht so aus, als ob in der Synthese des heiligen Thomas von Aquin OP (1225-1274) die berechtigten Anliegen beider Seiten für einen weltgeschichtlichen Augenblick zu einer ausgewogenen Balance gefunden hätten. Daraus ließe sich auch die gegensätzliche Wertung erklären, die Thomas in der Forschung findet. John A. Watt etwa sieht ihn in einer Linie mit den hierokratischen Ansprüchen Bonifaz VIII., Fritz Bleienstein dagegen betrachtet ihn als den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der politischen Theorie, der der Anerkennung der relativen Selbständigkeit des Staates zum Durchbruch verholfen habe. [1] Nach Thomas ist der Staat eine Gesellschaftsform, die sich aus der Natur des Menschen ergibt und einen natürlichen Zweck verfolgt. Dieser Zweck ist das irdische Glück des Menschen durch ein tugendhaftes Leben. Dem Grundsatz gemäß, daß die Gnade die Natur nicht zerstört, bleibt dieser dem Staat eigentümliche Zweck auch im Neuen Bund bestehen. Doch im Neuen Bund obliegt es den Priestern, die Menschen zu einem übernatürlichen Ziel hinzuführen. Diesem Ziel muß auch das Staatsziel untergeordnet werden. Aus diesem Grund müssen die Könige dem Papst unterworfen sein wie Christus selbst. Wie diese Unterwerfung unter die geistliche Gewalt mit der relativen Eigenständigkeit der zeitlichen Gewalt harmonisierbar ist, läßt Thomas offen. In dieser offen gelassenen Spannung aber liegt der Keim zu jener maßvollen Theorie der potestas indirecta in temporalibus, zu deren reiferen Ausbildung der Weg erst durch den Zusammenbruch der päpstlichen Machtansprüche freigelegt wurde.

Unmittelbarer Vorläufer zur hierokratischen Theorie ist schließlich Tholomeus von Lucca OP (1236-1326/27). Seine "Determinatio compendiosa" aus dem Jahre 1280 denkt die Approbationstheorie konsequent zuende. Die kaiserliche Herrschaft gerät in eine so prinzipielle Abhängigkeit vom Papst, daß dieser die freie Verfügung über das Reich besitzt. Der Papst hat gegenüber dem Kaiser nicht nur das Approbations-, sondern auch das Ernennungsrecht. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, die zur letzten Steigerung und Übersteigerung päpstlichen Machtanspruchs im großen Doppelkonflikt mit Philipp IV. und Ludwig dem Bayern führen.

II. Die hierokratische Theorie zu Anfang des 14. Jahrhunderts

Man kann im propäpstlichen Lager zwei Richtungen unterscheiden, eine extreme und eine gemäßigte. Die extreme Richtung ist die hierokratische, die die potestas directa des Papstes in temporalibus immer ungehemmter ausbaut. Die gemäßtigte versucht, die Kontinuität mit der von Gelasius herkommenden Tradition zu wahren und beschränkt die Oberhoheit des Papstes auf eine potestas indirecta in temporalibus. Dabei bleibt der Vorrang der geistlichen Gewalt gewahrt, und je nachdem, wie sehr er betont und auf welche Weise die Fälle bestimmt werden, in denen die potestas indirecta zum Zuge kommt, kann diese Konzeption sich sehr stark der extremen Richtung nähern.

Die theologische Speerspitze des propäpstlichen Lagers stellt der Orden der Augustinereremiten. In der Auseinandersetzung zur Zeit Ludwigs steht er - von der bayerischen Provinz abgesehen - treu dem Papst zur Seite. Zwei seiner Ordensgeneräle, Alexander a San Elpidio (1312-1326) und Wilhelm von Cremona (1326-1342) sind scharfe literarische Verfechter der päpstlichen Oberhoheit über die weltliche Gewalt. Die bedeutendsten Theoretiker der hierokratischen Theorie sind jedoch die beiden Augustinereremiten Aegidius Romanus OESA und Augustinus von Ancona OESA, genannt Augustinus Triumphus. Aegidius Romanus (ca. 1243-1316), persönlicher Schüler Thomas' von Aquin, seit 1287 offizielle Lehrautorität des Ordens, 1296 von Bonifaz VIII. nach Rom zum Beistand im Konflikt mit Philipp IV. gerufen und Mitwirkender bei der Abfassung von "Unam sanctam", hat die Gewaltenfülle des Papstes in seinem Werk "De ecclesiastica potestate" (1301) am radikalsten zu Ende gedacht. Was die systematische Entfaltung und Fundierung der hierokratischen Theorie angeht, so gebührt die erste Stelle jedoch Augustinus Triumphus (1243-1328). Seine monumentale "Summa de ecclesiastica potestate" entstand ca. 1325 anläßlich des "Defensor pacis" des Marsilius von Padua. Erwähnt werden muß hier auch Jakob von Viterbo OESA, der mit seinem Traktat "De regimine christiano" (1302) in die Fußstapfen des Aegidius Romanus tritt, allerdings in der Beschreibung der päpstlichen Gewaltenfülle infolge aristotelischen Einflusses maßvoller ist.

Die zweite große Summa aus jener Zeit neben der des Augustinus Triumphus stammt von einem kanonistisch gebildeten Franziskaner, Alvaro Pelayo (latinisiert Alvarus Pelagius, 1275/80-1350). Er schrieb seine "Summa de planctu Ecclesiae" im Auftrag Johannes' XXII. und steht teilweise in wörtlicher Abhängigkeit von Jakob von Viterbo.

Andere Vertreter der hierokratischen These, die hier lediglich erwähnt werden sollen, sind die Franziskaner Matthäus von Aquasparta, Vitalis de Furno, Guilelmus de Sarzano, Andreas und Franciscus Toti de Perusio, die Dominikaner Guido Vernani von Rimini, Galvaneus Flamma, Hervaeus Natalis und Johannes de Regina von Neapel, und schließlich die Weltkleriker Opicinus de Canestris, Egidius Spiritalis de Perusio und Heinrich von Cremona (+ 1312). Letzterer rühmt sich, als erster die Lehre von der direkten zeitlichen Gewalt des Papstes formuliert zu haben.

Als Verfechter der potestas indirecta gehören zur gemäßigten Richtung des propäpstlichen Lagers die Dominikanertheologen Petrus de Palude und Remigius Girolami von Florenz, der Karmelit Sybert von Beek und der Prämonstratenser Petrus de Lutra. Der Dominikaner und Thomist Johannes Quidort von Paris (+ 1306) ist durch seinen Dualismus schon ein Verteidiger der weltlichen Gewalt, nämlich des französischen Königs, gegen die Machtansprüche des Papstes, ebenso Dante (1265-1321) und Wilhelm von Ockham OFM (um 1285-1347). Marsilius von Padua dagegen verläßt in seinem "Defensor pacis" (1324) bereits die dualistische Tradition und stellt der hierokratischen Theorie einen Cäsaropapismus gegenüber, der den göttlichen Ursprung des Papsttums ableugnet und die Kirche, indem ihr jede potestas coactiva abgesprochen wird, ganz der Herrschaft des Kaisers unterwerfen will. Auch die Vorstellung eines normativen Naturrechts gibt er auf.

[1] John A. Watt, Spiritual and temporal powers, in: J. H. Burns (Hg.), The Cambridge history of medieval political thought c. 350 - c. 1450, Cambridge 1988, S. 367-423; Fritz Bleienstein in der Einleitung zur Edition des Traktates Über königliche und päpstliche Gewalt des Johannes Quidort von Paris, Stuttgart 1969.

wird fortgesetzt.

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27. August
Moralischer Abgrund

Denn im Grunde haben das nationalsozialistische Heidentum wie das marxistische Dogma dies gemeinsam, daß sie totalitäre Ideologien sind und dazu neigen, Ersatzreligionen zu werden.

Schon lange vor dem Jahre 1939 zeigte sich in gewissen Bereichen der europäischen Kultur der Wille, Gott und sein Bild aus dem Horizont des Menschen zu entfernen. Man begann, die Kinder vom jüngsten Alter an in diesem Sinne zu indoktrinieren.

Die Erfahrung hat den traurigen Beweis erbracht, daß der Mensch, welcher allein der Macht des Menschen ausgeliefert und in seiner religiösen Sehnsucht verstümmelt ist, sehr schnell zu einer Nummer oder einem bloßen Objekt wird. Im übrigen hat noch kein Zeitalter die Gefahr vermeiden können, daß sich der Mensch in einer Haltung stolzer Selbstgenügsamkeit in sich selbst verschloß. Diese Gefahr aber hat sich in diesem Jahrhundert in dem Maße verschärft, wie Waffengewalt, Wissenschaft und Technik dem heutigen Menschen die Illusion haben geben können, der alleinige Herr und Meister von Natur und Geschichte zu werden. Ein solcher Anspruch liegt den Auswüchsen zugrunde, die wir heute beklagen.

Der moralische Abgrund, in den die Verachtung Gottes und damit auch des Menschen die Welt vor fünfzig Jahren hinabgestürzt hat, läßt uns die Macht des »Herrschers dieser Welt« (Joh 14,30) mit Händen greifen: Er vermag die Gewissen zu verführen durch die Lüge, durch die Verachtung des Menschen und des Rechtes, durch den Kult von Herrschaft und Macht.

An all das erinnern wir uns heute und bedenken dabei, zu welch extremen Folgen die Aufgabe jeglicher Achtung vor Gott und jeglichen transzendenten Moralgesetzes führen kann.

Papst Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren in seinem Apostolischen Schreiben zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs


27. August
Philipp Angelus Becchetti

Vor 200 Jahren, am 27. August 1814, starb im Alter von 72 Jahren der Kirchenhistoriker Philipp Angelus Becchetti OP, seit 1800 Bischof von Pieve, Italien. Seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung bestand in der Fortsetzung der Herausgabe der Istoria ecclesiastica, die Giuseppe Agostino Orsi 1747 begonnen hatte. Als dieser 1761 starb, waren 20 Bände erschienen, die den Zeitraum der ersten sechs Jahrhunderte abdeckten. Becchetti gab weitere 28 Bände heraus und kam bis zum Jahr 1587. Das monumentale Werk wurde mehrmals nachgedruckt und in verschiedene Sprachen, auch in die deutsche, übersetzt.


25. August
Maria Flesch

Vor drei Jahren, am 26. August 2011, starb im Alter von 86 Jahren Maria Flesch, die 1984 die von dem kanadischen Priester Pierre Gendron gegründete Herz-Jesu-Familie in Deutschland einführte.


25. August
László Dobszay

Vor drei Jahren, am 25. August 2011, starb in Budapest im Alter von 76 Jahren Prof. László Dobszay. Er setzte sich mit Kompetenz für die überlieferte Liturgie und den Gregorianischen Gesang ein. Große Beachtung fanden seine Werke The Bugnini Liturgy and the Reform of the Reform und The Restoration and Organic Development of the Roman Rite.


24. August
Monatsranking: Die Top 12 im Juli

Aufsteiger des Monats ist mein Artikel über die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben.
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24. August
Maria Bartholomäa Bagnesi

Vor 500 Jahren, am 24. August 1514, wurde in Florenz die selige Maria Bartholomaea Bagnesi OP geboren. Sie war eine Mystikerin und “wirkte trotz ihrer mit heroischer Geduld getragenen Leiden höchst segensreich in ihrer Vaterstadt” (H. Wilms im LThK, 1. Auflage). Am 28. Mai 1578 starb sie in Florenz.


23. August
Gender Mainstreaming XLIV

Die Abteilung „Wir haben sonst keine Sorgen“ hat sich ein neues Terrain mit maximaler Mädchenunterrepräsentanz gesucht: Die Kinderspielplätze. Die SPD in München will nun nach dem Vorbild der Stadt Wien den Spielraum in der Stadt gendergerecht umgestalten. Separate Mädchenhäuser und Jungshäuser und mehr Klettergerüste und Wasserspielzeug, weil das eher die Mädchen anspricht. Diese sind dort nämlich weniger häufig anzutreffen, das schreit nahezu nach Ungerechtigkeit und ungeahnten Budgets.
Gut, man hätte sich auch mit der Überrepräsentanz von Jungs als Schulschwänzer, Sitzenbleiber, Gewaltkriminelle und Ritalinschlucker beschäftigen können, schließlich sind dies ebenfalls total ungerechte Jungendomänen – war aber als Thema wohl nicht so sexy und dazu auch noch so unangenehm realistisch. Dann lieber Genderseifenblasenpusten auf Spielplätzen.

Aus: Birgit Kelle, Spielen im Opfer-Modus, auf The European am 14. März 2014.

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18. August
Julius Bessmer

Vor 150 Jahren, am 21. August 1864, wurde in Baar, Kanton Zug, der Theologie und Psychologe Julius Bessmer SJ geboren. 1888 zum Priester geweiht, lehrte er ab 1895 Dogmatik. Am 18. April 1924 starb der hochangesehene Gelehrte in Valkenburg. Seine Auseinandersetzung mit dem modernistischen Offenbarungs- und Dogmenbegriff ist auf kath-info veröffentlicht.


18. August
John MacHale

Vor 200 Jahren, am 22. August 1814, wurde John MacHale (1791-1881) zum Priester geweiht. Er war ein “Führer im Kampf um die irische Emanzipation” (J.J. Twomey im LThK, 2. Auflage). 1833 wurde er Erzbischof von Tuam.


18. August
Bernard Galura

Vor 250 Jahren, am 21. August 1764, wurde in Herbolzheim Bernard Galura geboren. 1788 zum Priester geweiht, wurde er 1829 Fürstbischof von Brixen. Er war ein “überaus fruchtbarer Schriftsteller” und mit J. B. Hirscher “für die moderne Katechetik grundlegend” (L. Bopp im LThK, 2. Auflage 1960). Am 4. Mai 1856 starb er in Brixen.


18. August
Ladislaus Findysz

Vor 50 Jahren, am 21. August 1964, starb im polnischen Krościenko im Alter von 56 Jahren der selige Ladislaus Findysz. 1932 zum Priester geweiht, wurde er 1944 von den Deutschen aus seiner Pfarrei vertrieben, anschließend von den Kommunisten verfolgt. 1963 wurde er verhaftet und gefoltert. Im Krakauer Gefängnis verweigerte man ihm eine nötige Operation zur Entfernung eines Tumors an der Speiseröhre, woran er schließlich starb. Zusammen mit Bronislaus Markiewicz und Ignatius Klopotowski wurde er am 19. Juni 2005 in Warschau seliggesprochen.


17. August
Pius X.

Vor 100 Jahren, am 20. August 1914, starb der hl. Papst Pius X. Er war ein großer Reformpapst und ein unerschrockener Verteidiger des Glaubens gegenüber den Gefahren des Modernismus, den er in seiner Enzyklika Pascendi als Sammelbecken aller Häresien entlarvte.


17. August
Franz Xaver Wernz

Vor 100 Jahren, am 19. August 1914, starb in Rom im Alter von 71 Jahren der aus Rottweil stammende Kanonist Franz Xaver Wernz SJ. 1875 wurde er Professor für Kirchenrecht, 1886 Konsultor von drei römischen Kongregationen, 1906 Ordensgeneral. Er war der 25. Ordensgeneral in der Geschichte der Gesellschaft Jesu.


17. August
Weltjugendtag

Vor drei Jahren, am 18. August 2011, kam Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag nach Madrid.


17. August
Christian Philippe Chanut

Vor einem Jahr, am 17. August 2013, starb in Boutigny-sur-Essonne im Alter von 65 Jahren der Historiker Christian Philippe Chanut. Er studierte in Saint-Sulpice und wurde 1979 zum Priester geweiht. Viele Jahre lehrte er Kirchengeschichte, Patristik und Homiletik im Priesterseminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad. Nach der Promulgation des Motu proprio Summorum Pontificum im Jahre 2007 wurde er in der Diözese Évry-Corbeil-Essonnes zum Verantwortlichen für dessen Umsetzung ernannt.


15. August
Berührt das mein Herz?

Wenn ich daran denke oder höre, dass viele Christen verfolgt werden und sogar das Leben für ihren Glauben hingeben, berührt das mein Herz oder kommt es bei mir nicht an? Bin ich offen für jenen Bruder oder für jene Schwester der Familie, der oder die ihr Leben hingibt für Jesus Christus? Beten wir füreinander? Ich stelle euch eine Frage, aber antwortet nicht mit lauter Stimme, sondern nur im Herzen: Wie viele von euch beten für die verfolgten Christen? Wie viele? Jeder möge im Herzen antworten.

Papst Franziskus in der Generalaudienz vom 25. September 2013


15. August
Andrés Solá y Molist

Vor 100 Jahren, am 15. August 1914, legte der spanische Katalane Andrés Solá y Molist CMF im Alter von 18 Jahren seine erste Profess als Claretiner ab. 1922 zum Priester geweiht, kam er im darauffolgenden Jahr nach Mexiko, um im Untergrund den verfolgten Katholiken beizustehen. Am 24. April 1927 wurde er zusammen mit dem mexikanischen Priester Trinidad Rangel und dem Laienmitarbeiter Leonardo Pérez verhaftet und am darauffolgenden Tag erschossen.

“Leonardo Pérez und der Priester Rangel starben anscheinend sofort, während unser Martyrer, tödlich verwundet, noch drei Stunden mit dem Tod kämpfte. Einige Eisenbahnarbeiter wurden aus nächster Nähe Zeugen des Martyriums. Als schon Stunden vergangen waren, gingen sie zu den Erschossenen hin. P. Andrés Solá kämpfte noch mit dem Tod, und als er merkte, dass diese Leute da waren, sagte er: ‘Zwei von uns sind Priester, und wir sterben für Jesus, wir sterben für Gott. Ich bin schwer verwundet, ich sterbe für Jesus. Vergessen Sie nicht, meiner Mutter, wie auch immer es Ihnen möglich ist, zukommen zu lassen, dass ich gestorben bin, aber sagen Sie ihr, dass sie einen Martyrer als Sohn hat.’ P. Solá bat um etwas Wasser, wie Jesus am Kreuz. Seine letzten Worte waren: ‘Mein Jesus, Barmherzigkeit! Jesus, vergib mir! Jesus, ich sterbe um deinetwillen. Mein Gott, ich sterbe für dich.’” (Quelle).

Am 20. November 2005 wurde zusammen mit zwölf weiteren mexikanischen Märtyrern seliggesprochen.


15. August
Johannes B. Torelló

Vor drei Jahren, am 15. August 2011, starb in Wien im Alter von fast 91 Jahren der in Barcelona geborene Theologe und Psychiater Dr. Johannes B. Torelló. Nach seiner Promotion in Medizin trat er 1941 dem Opus Dei bei und empfing 1948 die Priesterweihe. Von Franz Kardinal König sehr geschätzt, wirkte er ab 1964 in Österreich. Außerdem war er befreundet mit Viktor Frankl, dem Gründer der Logotherapie.


15. August
Pierre Goursat

Vor 100 Jahren, am 15. August 1914, wurde Pierre Goursat, der Gründer der katholischen Gemeinschaft Emmanuel, geboren. Er starb am 25. März 1991. 2010 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet.


14. August
Maria Eugenie delle Grazie

Vor 150 Jahren, am 14. August 1864, wurde in Ungarisch-Weißkirchen die Schriftstellerin Maria Eugenie delle Grazie geboren. Sie war eine Anhängerin des naturwissenschaftlich geprägten Materialismus eines Ernst Haeckel, bekehrte sich aber 1912 zum katholischen Glauben. Am 19. Februar 1931 starb sie in Wien.


14. August
Raimund Lull

Vor 700 Jahren, am 14. August 1314, segelte der selige Theologe und Mystiker Raimund Lull im Alter von über 80 Jahren ein letztes Mal nach Tunis, um die Muslime zu bekehren. In Algier überlebte er eine Steinigung und starb 1316 in Mallorca. Im Laufe seines Lebens gründete er mehrere Sprachschulen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch.


14. August
Romanus Lysko

Vor 100 Jahren, am 14. August 1914, wurde in Horodok bei Lemberg der selige Romanus Lysko geboren. 1941 von Erzbischof Andrey Sheptytsky zum Priester geweiht, starb er 1949 an den Foltern unter den Sowjets, weil er sich weigerte, zur russisch-orthodoxen Kirche zu konvertieren. Am 27. Juni 2001 wurde er zusammen mit 27 weiteren ukrainischen Märtyrern seliggesprochen.


13. August
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurde die Biographie Christa Pfenningbergers über Matt Talbot und der Artikel von Peter Lippert über Dogma und Leben untergebracht. Die Meldung über die Kritik Manfred Spiekers an der Antwort der DBK auf den römischen Fragebogen zu den “pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung” findet man auf der Seite mit weiteren einschlägigen Meldungen.


13. August
Kanut Graf von Enffans d’Avernas

Vor 100 Jahren, am 13. August 1914, wurde der aus Schirmdorf (Steiermark) stammende Kanut Graf von Enffans d’Avernas OSB im Alter von 28 Jahren zum Priester geweiht. Er gehörte zur Missionsabtei St. Ottilien. 1921 wurde er nach Korea gesandt. Hier fand er in der kommunistischen Christenverfolgung mit vielen Mitbrüdern der Märtyrertod. Er starb am 6. November 1950 an den unmenschlichen Strapazen der Lagerhaft in Manpo.


12. August
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

26. Folge

Wollen wir daher verstehen und erklären, warum und wie die ersten Personen, und zwar sie allein, mit den Eigennamen Vater und Sohn bezeichnet werden, so müssen wir zu verstehen und zu erklären suchen, warum und wie die Produktion der zweiten Person aus der ersten, und zwar ausschließlich im Gegensatz zu der andern göttlichen Produktion, Zeugung genannt wird. Es sind eigentlich zwei Fragen, ob und wie die erste Produktion Zeugung genannt werden könne und müsse, und ob und wie dieser Name und der ihm zu Grunde liegende Begriff ihr allein und nicht auch der zweiten Produktion zukomme. Gleichwohl sind diese Fragen kaum getrennt zu behandeln; denn wenn die erste Produktion eben wegen ihres eigentümlichen Charakters den Namen in Anspruch nimmt, ist er damit schon der zweiten abgesprochen; und falls er dieser ebenfalls zukäme, würde er auch keineswegs den eigentümlichen Charakter der ersten bezeichnen.

Vieles scheint uns von dieser Untersuchung abzuschrecken. Man ruft uns die Worte des Propheten zu: "Seine Zeugung, wer wird sie erklären?" (Is 53,8) Man führt uns in dichten Scharen die heiligen Väter vor, die es für eine grenzenlose Verwegenheit halten, die Zeugung Gottes begreifen und den Unterschied der Zeugung von der Produktion des Heiligen Geistes ergründen zu wollen; die behaupten, man müsse diese Dinge im Glauben festhalten und sich nicht vergeblich abmühen, sie mit der Vernunft zu durchschauen, was den Gläubigen erst im Himmel aufbewahrt sei.

Fürchten wir nicht. Das alles gilt zunächst denjenigen, die im Lichte der bloßen Vernunft oder auch bloß an der Hand des Glaubens, nicht aus dem Glauben selbst, über das innere Geheimnis Gottes denken und reden, - wir entwickeln das Verständnis dieser Sache aus dem Glauben und seinen Daten. Es gilt ferner allen denen, die, wie die Eunomianer, gegen welche die heiligen Väter vorzüglich redeten, das Geheimnis vollständig ergründen und erschöpfen wollen, - wir wollen bloß den Sinn des Ausdruckes, womit die Offenbarung den Ursprung der zweiten Person bezeichnet, verstehen, ohne damit seinen Inhalt völlig zu ergründen. Wir wollen bloß untersuchen, warum und inwiefern die Offenbarung diesen der sinnlichen Welt entlehnten Begriff und Ausdruck auf Gott angewandt hat; da wir aber nicht einmal die sinnliche Zeugung in ihrem innersten Wesen begreifen und durchschauen, so werden wir noch viel weniger Anspruch darauf machen, das selbst für unsere Vernunft unsichtbare Ideal derselben aus seinem schwachen Abbilde zu ergründen und zu umspannen. Den Sinn der geoffenbarten Wahrheiten und den Zusammenhang derselben müssen wir so viel als möglich zu erfassen streben, wenn unser Glaube ein erleuchteter, inhaltreicher sein soll; um so viel weniger dürfen wir uns damit begnügen, bloße Formeln festzuhalten und deren Sinn für unbestimmbar auszugeben. Freilich klingen einzelne Ausdrücke der heiligen Väter so, als wenn dieses behauptet werden wollte. Aber es kam dies nur daher, weil die Wissenschaft zu ihrer Zeit den innern Organismus der Trinität noch nicht genug beleuchtet, den vollen, tiefen Sinn der Ausdrücke faktisch noch nicht genug erklärt hatte und man doch den Häretikern gegenüber behaupten mußte, daß die Bezeichnungen des Sohnes und des Heiligen Geistes nicht miteinander verwechselt werden dürften. Unterdes hat die theologische Wissenschaft immense Fortschritte gemacht; durch die wissenschaftliche Forschung und die übernatürliche Kontemplation, deren Gegenstand das Dogma bei den Heiligen war, ist es in klareren, helleren Zügen hervorgetreten, und so dürfen wir es wohl wagen, ohne den Vorwurf der Verwegenheit an unsere Frage heranzutreten. Wir dürfen es um so zuversichtlicher, als wir in dem Vorhergehenden eigentlich schon den sachlichen Unterschied zwischen der zweiten und dritten Person erklärt und begründet und jetzt im Grunde nur die Namen zu erklären haben.

§ 16. Die Produktion der zweiten Person in Gott als Zeugung, ihr Produkt als Sohn

Zunächst soll natürlich durch den Namen der Zeugung die Produktion der zweiten Person in Gott von der Schöpfung, von dem Akte, durch den die außergöttlichen Wesen ins Dasein treten, unterschieden werden. Die Schöpfung ist eine freie Tat des göttlichen Willens, durch welche Gott Dinge, die aus sich nichts waren, ins Dasein ruft und ihnen ein von dem seinigen wesentlich verschiedenes Sein mitteilt. Sein inneres Wort hingegen bringt Gott dadurch hervor, daß er sein eigenes Sein, seine eigene Substanz in dasselbe hineinlegt. Das Wort geht aus dem Innersten, aus der Substanz des Vaters hervor, weil die letztere auf dasselbe übergeht und es in den Vollbesitz derselben Natur setzt, welche dem Vater eigen ist. Das ist aber das erste, wodurch sich die Zeugung in den Geschöpfen von jeder andern Hervorbringung unterscheidet: daß etwas von der Substanz des Hervorbringenden in das Produkt übergeht, und daß das Produkt selbst substantiell dem Hervorbringenden ähnlich ist. In der Regel sind beide Bedingungen in den Geschöpfen verbunden; die zweite ist immer und überall an die erste geknüpft, aber nicht umgekehrt. So geht z. B. auch bei den Parasiten, die auf einem Baume wachsen, etwas von der Substanz des Baumes als Stoff mit in das Produkt hinein; aber das spezifische Wesen des Baumes nicht. In Gott hingegen stehen die beiden Bedingungen in so wesentlichem Zusammenhang, daß man sie kaum voneinander unterscheiden kann. Die göttliche Substanz ist absolut einfach; deshalb geht nicht nur ein Teil derselben, wie das selbst bei der vollkommensten sinnlichen Zeugung geschieht, auf die zweite Person über, sondern die ganze Substanz. Diese Substanz ist aber durchaus vollkommen und lebendig; sie geht somit auch nicht über als zu formierender, zu belebender Stoff, sondern als absolute Vollkommenheit und reines Leben, womit das produzierte Subjekt ausgerüstet werden soll. Weil also die ganze Substanz mit ihrer ganzen Vollkommenheit auf das Produkt übergeht, deshalb sind auch bei der Produktion der zweiten Person die beiden ersten Bedingungen der Zeugung im vollkommensten Sinne vorhanden.

Wird fortgesetzt

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11. August
Fronleichnam

Vor 750 Jahren, am 11. August 1264, führte Papst Urban IV. (1261-1264) mit der Bulle Transiturus de hoc mundo das Fronleichnamsfest ein, das auf die Visionen der hl. Juliana von Lüttich zurückgeht.

Bei der Generalaudienz vom 17. November 2010 führte Benedikt XVI. darüber u.a. aus:

“Mit 16 Jahren hatte sie [Juliana von Lüttich] zum ersten Mal eine Vision, die sich ihr später in der eucharistischen Anbetung mehrmals wiederholte. In der Vision zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz, von einem dunklen Streifen durchquert. Der Herr gab ihr die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond symbolisierte das Leben der Kirche auf der Erde, die trübe Linie dagegen das Fehlen eines liturgischen Festes, für dessen Einführung Juliana sich tatkräftig einsetzen sollte: ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen.
(...)
Auch Jacques Pantaléon aus Troyes wurde für das gute Anliegen des Fronleichnamsfestes gewonnen; er hatte die Heilige während seiner Amtszeit als Archidiakon in Lüttich kennengelernt. Als er dann mit dem Namen Urban IV. Papst geworden war, setzte er 1264 das Fronleichnamsfest als gebotenen Feiertag für die Universalkirche ein, am Donnerstag nach Pfingsten. In der Einsetzungsbulle mit dem Titel Transiturus de hoc mundo (11. August 1264) verwies Papst Urban sehr zurückhaltend auch auf Julianas mystische Erfahrungen und bestätigte damit ihre Echtheit. So schreibt er: »Wenngleich die Eucharistie jeden Tag gefeiert wird, so halten wir dafür, sie wenigstens einmal im Jahr ehrwürdiger und feierlicher zu begehen. Die anderen Dinge nämlich, derer wir gedenken, begreifen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, erhalten aber deshalb nicht ihre Realpräsenz. In dieser sakramentalen Gedächtnisfeier Christi dagegen ist Jesus Christus, wenngleich unter anderer Gestalt, in seiner eigenen Substanz bei uns gegenwärtig. Denn bevor er in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er: ›Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt‹ (Mt 28,20)«.

Der Papst selbst wollte mit gutem Beispiel vorangehen und feierte das Fronleichnamsfest in Orvieto, der Stadt, in der er damals residierte. Auf sein Geheiß hin wurde – und wird noch immer – im Dom der Stadt das berühmte Korporale mit den Spuren des eucharistischen Wunders verwahrt, das ein Jahr zuvor, 1263, in Bolsena geschehen war. Ein Priester wurde während der Wandlung von Brot und Wein von starken Zweifeln an der Realpräsenz von Leib und Blut Christi im Sakrament der Eucharistie befallen. Auf wunderbare Weise begannen einige Blutstropfen aus der geweihten Hostie hervorzuquellen. Auf diese Weise bestätigte sich das, was unser Glaube bekennt. Urban IV. bat einen der größten Theologen der Geschichte, den hl. Thomas von Aquin – er begleitete damals den Papst und befand sich in Orvieto –, die Texte für das liturgische Gebet dieses großen Festes zu verfassen. Sie werden heute noch in der Kirche verwendet: Meisterwerke, in denen Theologie und Poesie miteinander verschmelzen. Es sind Texte, die die Saiten des Herzens in Schwingung versetzen, um dem Allerheiligsten Sakrament Lob und Dank zum Ausdruck zu bringen, während der Verstand staunend in das Geheimnis vordringt und in der Eucharistie die lebendige und wahre Gegenwart Jesu erkennt, seines Liebesopfers, das uns mit dem Vater versöhnt und uns das Heil schenkt.

Zwar wurde nach dem Tod Urbans IV. die Feier des Fronleichnamsfestes auf einige Regionen Frankreichs, Deutschlands, Ungarns und Norditaliens beschränkt, aber ein anderer Papst, Johannes XXII., stellte es 1317 für die ganze Kirche wieder her. Seitdem hat das Fest eine wunderbare Entwicklung erfahren und ist beim christlichen Volk noch immer sehr beliebt. Ich möchte mit Freude darauf hinweisen, daß es heute in der Kirche einen »eucharistischen Frühling« gibt: Wie viele Menschen verweilen still vor dem Tabernakel, um mit Jesus ein liebevolles Gespräch zu führen! Es ist tröstlich zu wissen, daß nicht wenige Gruppen junger Menschen neu entdeckt haben, wie schön es ist, das Allerheiligste Sakrament anzubeten.”


11. August
Nikolaus von Kues

Vor 550 Jahren, am 11. August 1464, starb im umbrischen Todi im Alter von 63 Jahren der Theologe und Humanist Nikolaus Kardinal von Kues.


2. August
Gonzalo Carrasco Espinosa

Vor 100 Jahren, am 8. August 1914, wurde der Maler Gonzalo Carrasco Espinosa SJ (1859-1936) während der mexikanischen Katholikenverfolgung verhaftet und zum Tode verurteilt. Er entging der Hinrichtung durch ein Porträt, das er vom mexikanischen Präsidenten Venustiano Carranza machte und das diesem so gut gefiel, dass er die Todesstrafe in die Strafe des Exils verwandelte. Carrasco starb am 19. Januar 1936 in Puebla.


2. August
Friedrich Muckermann

Vor 100 Jahren, am 7. August 1914, wurde Friedrich Muckermann SJ (1883-1946) zum Priester geweiht. Wegen seines unermüdlichen Engagements gegen den Nationalsozialismus musste er 1934 nach Holland, später in die Schweiz und nach Frankreich emigrieren. Seit 1925 gab er die Kulturzeitschrift Der Gral heraus. Er schrieb bedeutende Werke über Goethe und Solowjew.


2. August
Gesellschaft Jesu

Vor 200 Jahren, am 7. August 1814, stellte Papst Pius VII. mit der Bulle Sollicitudo omnium ecclesiarum den Jesuitenorden wieder her, den Papst Clemens XIV. 1773 aufgehoben hatte. Die Bulle wurde in der Jesuitenkirche Il Gesù verlesen, nachdem der Papst am Ignatiusaltar die hl. Messe gefeiert hatte.


1. August
Antisemitismus

Am selben Tag, an dem wir der Märtyrer des 20. Juli 1944 gedachten, war die aktuelle Israelpolitik Gegenstand von Hass- und Hetz-Demonstrationen. „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“, skandierte in Berlin ein Mob aus arabischen Muslimen und Linkspartei-Jugend. Sie lesen richtig: Links!

Peter Hahne in einem Gastkommentar in ideaSpektrum vom 30. Juli 2014, S.3.


1. August
Johannes Petrus Maria van der Ploeg

Vor zehn Jahren, am 4. August 2004, starb in Nijmegen im Alter von 95 Jahren der Theologe Johannes Petrus Maria van der Ploeg OP., ein Kritiker des Holländischen Katechismus und nachkonziliarer Verirrungen.


1. August
Die Synode von Arles

Vor 1700 Jahren, am 1. August 314, versammelten sich 33 Bischöfe zur Synode von Arles, die im Donatistenstreit die Gültigkeit der Ketzertaufe feststellte und die in Nordafrika verbreitete rigoristische Sekte der Donatisten verurteilte. Diese hielt sich aber noch über 100 Jahre. Zu den Synodenteilnehmern gehörten die britannischen Bischöfe von York, London und Lincoln und auch der hl. Maternus, der erste Bischof von Köln, der in der Teilnehmerliste an 24. Stelle rangierte.


31. Juli
Frühzeitige Warnung aus Rom vor der Genderideologie

Heute vor zehn Jahren, am 31. Juli 2004, veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem Präfekten Joseph Kardinal Ratzinger ein Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt. Darin wird auch die Genderideologie präzise beschrieben und zurückgewiesen. Angesichts der Entwicklung, die diese Ideologie inzwischen genommen hat, kann man das Schreiben nur als prophetisch bezeichnen. Doch es stieß in manchen Regionen, wie wir es ja schon gewohnt sind, auf taube Ohren, so dass die Ausbreitung dieser Ideologie auf keinen Widerstand seitens der Kirche stieß. Inzwischen sind jedoch einige Bischofskonferenzen aufgewacht und schlagen Alarm, so die polnische, portugiesische und slowakische.

Wir bringen hier einige Ausschnitte:

2. In den letzten Jahren haben sich in der Auseinandersetzung mit der Frauenfrage neue Tendenzen abgezeichnet. Eine erste Tendenz unterstreicht stark den Zustand der Unterordnung der Frau, um eine Haltung des Protestes hervorzurufen. So macht sich die Frau, um wirklich Frau zu sein, zum Gegner des Mannes. Auf die Missbräuche der Macht antwortet sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht. Dieser Prozess führt zu einer Rivalität der Geschlechter, bei der die Identität und die Rolle des einen zum Nachteil des anderen gereichen. Die Folge davon ist eine Verwirrung in der Anthropologie, die Schaden bringt und ihre unmittelbarste und unheilvollste Auswirkung in der Struktur der Familie hat.

Im Sog dieser ersten Tendenz ergibt sich eine zweite. Um jegliche Überlegenheit des einen oder des anderen Geschlechts zu vermeiden, neigt man dazu, ihre Unterschiede zu beseitigen und als bloße Auswirkungen einer historisch-kulturellen Gegebenheit zu betrachten. Bei dieser Einebnung wird die leibliche Verschiedenheit, Geschlecht genannt, auf ein Minimum reduziert, während die streng kulturelle Dimension, Gender genannt, in höchstem Maß herausgestrichen und für vorrangig gehalten wird. Die Verschleierung der Verschiedenheit oder Dualität der Geschlechter bringt gewaltige Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen mit sich. Diese Anthropologie, die Perspektiven für eine Gleichberechtigung der Frau fördern und sie von jedem biologischen Determinismus befreien wollte, inspiriert in Wirklichkeit Ideologien, die zum Beispiel die Infragestellung der Familie, zu der naturgemäß Eltern, also Vater und Mutter, gehören, die Gleichstellung der Homosexualität mit der Heterosexualität sowie ein neues Modell polymorpher Sexualität fördern.

3. Die unmittelbare Wurzel der genannten Tendenz findet sich im Kontext der Frauenfrage. Ihre tiefste Begründung muss aber im Versuch der menschlichen Person nach Befreiung von den eigenen biologischen Gegebenheiten gesucht werden. [1] Gemäß dieser anthropologischen Perspektive hätte die menschliche Natur keine Merkmale an sich, die sich ihr in absoluter Weise auferlegen: Jede Person könnte und müsste sich nach eigenem Gutdünken formen, weil sie von jeder Vorausbestimmung auf Grund ihrer Wesenskonstitution frei wäre.

Diese Perspektive hat vielfältige Auswirkungen. Zum einen wird dadurch die Meinung bekräftigt, die Befreiung der Frau bringe eine Kritik an der Heiligen Schrift mit sich, die ein patriarchalisches Verständnis von Gott überliefere, das von einer wesentlich männlichen Kultur genährt sei. Zum anderen ist es gemäß dieser Tendenz unwichtig und bedeutungslos, dass der Sohn Gottes die menschliche Natur als Mann angenommen hat.

4. Angesichts dieser Denkströmungen spricht die Kirche hingegen, erleuchtet vom Glauben an Jesus Christus, von aktiver Zusammenarbeit von Mann und Frau bei ausdrücklicher Anerkennung ihrer Verschiedenheit.

[...]

8. Eine Durchsicht dieser grundlegenden Texte macht es möglich, einige Kernaussagen der biblischen Anthropologie zu bekräftigen. Vor allem muss der personale Charakter des Menschen unterstrichen werden. „Der Mensch ist eine Person: das gilt in gleichem Maße für den Mann und für die Frau; denn beide sind nach dem Bild und Gleichnis des personhaften Gottes geschaffen“. [2] Die gleiche Würde der Personen verwirklicht sich als physische, psychologische und ontologische Komplementarität, die eine auf Beziehung angelegte harmonische „Einheit in der Zweiheit“ schafft. Nur die Sünde und die in der Kultur eingeschriebenen „Strukturen der Sünde“ haben aus dieser Beziehung eine potentielle Konfliktsituation gemacht. Die biblische Anthropologie legt nahe, die Probleme im Zusammenhang mit der Verschiedenheit des Geschlechts auf öffentlicher und privater Ebene in einer Weise anzugehen, die von der gegenseitigen Beziehung und nicht von Konkurrenz oder Rache ausgeht.

Darüber hinaus ist zu unterstreichen, wie wichtig und sinnvoll die Verschiedenheit der Geschlechter als eine dem Mann und der Frau tief eingeschriebene Wirklichkeit ist. „Die Geschlechtlichkeit kennzeichnet Mann und Frau nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der psychologischen und geistigen Ebene und prägt alle ihre Ausdrucksweisen“.[3] Sie kann nicht auf einen unbedeutenden biologischen Aspekt reduziert werden, sondern „ist eine grundlegende Komponente der Persönlichkeit; sie ist eine ihrer Weisen zu sein, sich zu äußern, mit den anderen in Kontakt zu treten und die menschliche Liebe zu empfinden, auszudrücken und zu leben“.12 Diese Fähigkeit zu lieben, Abglanz und Bild Gottes, der die Liebe ist, äußert sich auch im bräutlichen Charakter des Leibes, in dem die Männlichkeit bzw. die Weiblichkeit der Person eingeschrieben ist.

Diese anthropologische Dimension der Geschlechtlichkeit kann nicht von der theologischen Dimension getrennt werden. Das menschliche Geschöpf in seiner Einheit von Seele und Leib ist von Anfang an durch die Beziehung zum anderen gekennzeichnet.

[1] Zur komplexen Frage des Gender vgl. auch Päpstlicher Rat für die Familie, Familie, Ehe und „de-facto“ Lebensgemeinschaften (26. Juli 2000), 8: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache (22. Dezember 2000), 8.

[2] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem (15. August 1988), 6: AAS 80 (1988) 1663.

[3] Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe. Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung (1. November 1983), 4: Ench. Vat. 9, 423.

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