Das Portal
zur katholischen Geisteswelt


Zum
Inhalts-
verzeichnis
Zum
biographischen Bereich

Impressum

Das katholische Informationsportal kath-info
dient der theologischen Aufklärung
und bietet Ihnen Beiträge zu Themen der katholischen Welt.

Die Beiträge unterliegen in der Regel dem Urheberrecht.

Zum Autorenverzeichnis

Sie befinden sich im ersten Teil
des blauen Bereichs des PkG (Buchstaben A bis G)
Zum zweiten Teil
Zum dritten Teil

Die neuesten Beiträge finden Sie jeweils auf der Startseite

Zum philosophischen Bereich
Zum
liturgischen Bereich

Links

Themen

Abschuß
abuse
Abtreibung
Abtreibung II
Advent
Ägypten
AIDS
Amtsverzicht
Annaverehrung
Apokalypse
Ärgernis
Auferstehung
Auster
B16 Bundestag
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit II
Barmherzigkeit III
Befreiungstheol.
Beichte
Bekehrung
Belgrad
Benedikt XVI.
Besessenheit
Beten
Bischof
Bischofsamt
Bischofsberater
Bischofsweihen 88
Bischofsweihen II
Borromäusverein
Chesterton G.K.
Christenverfolgung
Christkönigtum
Christozentrismus
CiG
Cloyne Report
Darwinismus
DH
Dialog
Discretio
Dogma
Dogma u. Leben
Doppelwirkung
droben
Drusen
Effetha
Ehe
Einwohnen
Eizellenhandel
Ekklesiologie
Embryo
Emmaus

* * *

22. August
Es geht um das ganze System der Menschenrechte

Das [das Lebensrecht der Ungeborenen] ist das erste, das fundamentale Recht des Menschen. Die Missachtung dieses Rechtes stellt das ganze System der Menschenrechte von den Wurzeln her in Frage, handelt es sich doch hier um das Recht des hilflosesten Menschen, der seine Sicherheit und seine Stütze in den Menschenrechten und in der staatlichen Rechtsprechung finden muss, ebenso wie ihn das Gebot Gottes ‘du sollst nicht töten’ verteidigt.

Der hl. Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren, am 26. August 1990, in seiner Predigt zum Fest U.L.F. von Jasna Gora.

Weiteres zum Thema

Der nächste Beitrag auf kath-info ist für den 3. September geplant


22. August
Dominique Parrenin

Vor 350 Jahren, am 1. September 1665, wurde in Russey, Departement Doubs, der Chinamissionar und Sinologe Dominique Parrenin SJ geboren. Er war viele Jahre lang ein enger Vertrauter des Kaisers Kang Hsi und konnte während der Christenverfolgung unter dessem Nachfolger viel Unheil verhindern. Am 29. September 1741 starb er in Peking.


22. August
Friedrich von Hurter

Vor 150 Jahren, am 27. August 1865, starb in Graz im Alter von 78 Jahren der aus Schaffhausen stammende Historiker Friedrich von Hurter. Seit 1824 Pfarrer der reformierten Kirche, konvertierte er am 21. Juni 1844 zur katholischen Kirche.


22. August
Maria Corsini-Beltrame Quattrocchi

Vor 50 Jahren, am 26. August 1965, starb in Florenz im Alter von 81 Jahren die selige Maria Corsini-Beltrame Quattrocchi. Sie wurde am 21. Oktober 2001 zusammen mit ihrem Ehemann Luigi Beltrame Quattrocchi (1880-1951) seliggesprochen.


22. August
Vilmos Apor

Vor 100 Jahren, am 24. August 1915, wurde der selige Vilmos Apor (1892-1945) zum Priester geweiht. Als Bischof von Győr (seit 1941) protestierte er gegen die Verfolgung der Juden in Ungarn. 1945 wurde er ermordet, als er Frauen und Kinder vor sowjetischen Soldaten schützen wollte. Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 9. November 1997 selig.


22. August
Maria Michaela Desmaisieres

Vor 150 Jahren, am 24. August 1965, starb in Valencia im Alter von 56 Jahren aus Madrid stammende Heilige Maria Michaela Desmaisieres.


21. August
Jesus, einzigartig

Von Peter Kreeft

Zehnter und letzter Teil

Thomas: Das ist einfach. Er war ein Jude, der zu Juden sprach. Er meinte den Gott der Juden, Jehova oder Jahwe. Er meinte den Gott seines Kulturkreises. Unsere Begriffe sind alle durch unsere Kultur bedingt, außer Logik und Mathematik. Darum brauchen wir die beiden, um uns über unsere jeweilige Kultur und Konditionierung hinaus zum Universalen zu erheben.

Sokrates: Glaubst du, es gibt keine höheren Kategorien als die der Logik und Mathematik?

Fesser: Bitte, kommen wir nicht vom Thema ab. Die Frage war: Was meinte Jesus mit Gott?

Sokrates: Heißt das mit anderen Worten, welche Art Gott war der Gott der Juden?

Fesser: Ja

Thomas: Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man ihre Schriften lesen, oder nicht?

Sokrates: Dann tun wir das einfach.

Fesser: Gut. Ich schlage Folgendes vor: Wir verfolgen die von unserem Freund Sokrates vorgeschlagene Spur und untersuchen den jüdischen Hintergrund von Jesus, den jüdischen Gottesbegriff und ebenfalls den jüdischen Begriff des Messias' Gottes, des verheißenen Einen. Jesus beanspruchte, auch dieser Letztere zu sein.

Sokrates: Es wird immer komplizierter.

Fesser: Hier ist eine Literaturliste zu diesem Thema. (Er teilt Kopien aus. Die Studenten zeigen wenig Interesse.)

Sokrates: (liest die Literaturliste) Aber das sind ja alles Bücher, die erst vor Kurzem erschienen sind.

Fesser: Ja, es sind die neuesten Forschungsergebnisse.

Sokrates: Aber sollten wir nicht zuerst unser Fundament absichern, bevor wir unser Bauwerk errichten? Sollten wir nicht zuerst die Fakten sammeln, bevor wir sie interpretieren?

Fesser: Was schlagen Sie vor, Sokrates?

Sokrates: Ich würde gerne die jüdischen Schriften lesen. Ich habe sie noch nicht gelesen, ganz im Gegensatz zu Ihnen, wie es scheint. Und ich denke, dieser Nachteil kann sogar ein Vorteil sein, wenn es stimmt, was Thomas gesagt hat, dass es schwierig ist, der Konditionierung durch den eigenen Kulturkreis zu entkommen. Ich muss keine durch das Christentum verursachte Konditionierung überwinden. Und ich denke, mein Beispiel könnte auch eine Art Modell für euch sein. Wäre es nicht ein großartiges Experiment für uns alle, die jüdischen Schriften so zu lesen, als wäre es das erste Mal, so wie es bei mir der Fall ist? Natürlich können wir unsere Vorurteile nicht vollständig ablegen oder unserer Konditionierung entkommen, aber sollten wir nicht zumindest versuchen, es so weit wie möglich zu tun?

Fesser: Das halte ich für einen großartigen Vorschlag. Der Kurs trifft sich in einer Woche wieder. Warum lesen Sie nicht einfach das, was Ihnen als hilfreich erscheint, sei es etwas aus meiner Literaturliste oder die hebräische Schrift oder beides?

Sokrates: Sollten wir nicht alle die ganze Schrift lesen?

Fesser: Das wäre natürlich ideal, aber ich glaube nicht, dass wir dafür genügend Zeit haben.

Sokrates: Wie viel wäre zu lesen? Wie umfangreich sind die Schriften?

Fesser: Wissen Sie, Sokrates, Sie verhalten sich wirklich so, als ob Sie nichts wüssten.

Sokrates: Natürlich, ich weiß es ja auch nicht.

Fesser: Es sind ungefähr zweitausend Seiten.

Sokrates: In einer Woche? Das wären etwas weniger als dreihundert Seiten pro Tag. Ich werde sie auf jeden Fall lesen.

Fesser: Lesen Sie, was Sie für richtig halten. Ihre Aufgabe wird darin bestehen, beim nächsten Mal für eine Diskussion über den jüdischen Hintergrund von Jesus vorbereitet zu sein, vor allem über den jüdischen Gottesbegriff. Wir treffen uns hier wieder nächste Woche. Dank an alle und danke auch Ihnen, Sokrates.

Sokrates: Es ist an mir, Ihnen zu danken - nachdem ich Gott gedankt habe, der mich hierher geschickt hat, um von Ihnen mehr über ihn zu erfahren.

Zum bisher Erschienenen


19. August
Walter Thirring

Vor einem Jahr, am 19. August 2014, starb in seiner Geburtsstadt Wien im Alter von 87 Jahren der Naturwissenschaftler Walter Thirring. Er war einer der großen Physiker, die noch Albert Einstein persönlich kannten. Er arbeitete u.a. mit Erwin Schrödinger, Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli zusammen und verfasste unter vielen anderen bahnbrechenden Arbeiten das Standardwerk Lehrbuch der Mathematischen Physik I-IV (1977–1980), über das geurteilt wurde: “Die Informationsdichte und die Fülle tiefer Einsichten in diesem Werk ist atemberaubend. Sie wird noch für viele Generationen ein Goldstandard der mathematischen Physik bleiben” (Jakob Yngvason im Nachruf der Universität Wien). Im Buch Kosmische Impressionen: Gottes Spuren in den Naturgesetzen geht er Grenzfragen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften nach und sieht - ähnlich wie Francis S. Collins und Richard Swinburne - in der Feinabstimmung des Kosmos ein starkes Indiz für die Existenz Gottes. Von Thirring war Kardinal Schönborn inspiriert, als er am 7. Juli 2005 in der New York Times die atheistische Konzeption der Evolutionstheorie kritisierte und dadurch weltweit heftige Polemik seitens aggressiver Atheisten und philosophisch ungebildeter Naturwissenschaftler provozierte.


16. August
Der selige Rudolf Aquaviva S. J.
Missionär und Märtyrer in Indien

Von Anton Huonder S.J.

Fünfte Folge

Akbar als Eroberer

Zuerst zwang er die unbotmäßigen mohammedanischen Vasallenfürsten zur Unterwerfung und Heeresfolge, dann brachte er der Reihe nach, teils durch überlegene Waffenführung teils durch kluge Schonung und Bündnisse auch die mächtigen eingebornen Fürsten unter sein Zepter. Mit starker Hand zwang er die festen Burgen und Raubschlösser der stolzen, tapfern Radschputen [auch Rajputen]. 1561 wurde Malwa vom oberen Tschumbul bis zum Rerbuda erobert, 1566 der Pendschab zurückgewonnen, 1572–1573 kam Guzerat dazu, deren wundervoll schöne Hauptstadt Ahmadabad ohne Schwertstreich, Surate durch Erstürmung genommen wurde; 1576 folgten die siegreichen Kämpfe in Bengalen, 1579 wurde die Grenzmark am oberen Indus, wo aus den nordwestlichen Provinzen (Kabul, Lahore und dem Pendschab) die gefährlichsten Rebellionen drohten, durch Erbauung der starken Feste Attok, d. h. Schutzwall, gesichert. Nach blutigen Kämpfen brach Akbar durch die entscheidende Schlacht im Rhaibar-Passe die Macht der trotzigen Afghanenstämme und öffnete den Weg nach Kaschmir, das er 1586 als herrliches Juwel seiner Krone einverleibte. Durch die Einnahme des Sind (1591–1592) und die Wiedergewinnung von Kandahar 1594 hatte der gewaltige Eroberer endlich ein Reich geschaffen, das vom Herzen Afghanistans bis an die Mündung des Ganges und des Brahmaputra und von dem schneebedeckten Himalaya bis an das Hochplateau des Dekhan sich ausdehnte.

Es ist hier nicht der Ort, diesen jugendlichen indischen Alexander auf seinen Eroberungszügen zu begleiten und ihn als Feldherrn näher kennen zu lernen. Rasches, blitzschnelles Handeln und zähe Ausdauer bei Erstürmung auch der festesten Plätze waren mit das Geheimnis seiner Erfolge. Berühmt geworden ist der Fall von Tschitor, eines der ergreifendsten Kriegsbilder jener Zeiten, und die Eroberung des für uneinnehmbar gehaltenen Felsennestes Ratanchur. Es lag wie ein Adlerhorst hoch auf fast unzugänglichen Klippen, die so steil waren, daß nach dem Ausdruck des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Badaoni „selbst der Fuß einer emporklimmenden Ameise daran ausgleiten mußte“. Trotzdem brachte Akbar 15 seiner schwersten Belagerungsgeschütze auf einen sichern Felsenvorsprung und erzwang durch ein vernichtendes Feuer die Übergabe. Der Eroberer fühlte richtig die moralische Wirkung solcher Kraftleistungen. Sie trugen den Schrecken vor ihm her und umgaben ihn mit dem Zauber der Unüberwindlichkeit, diesem so mächtigen Bundesgenossen großer Feldherren. Wie sie, war er der Abgott seiner Veteranen, auf die sein persönlicher, oft ans Tollkühne streifender Mut und der eigentümliche Schutz, der ihn mitten im vernichtenden Kugelregen stets unversehrt erhielt und den Glauben an seine Unverletzlichkeit begründete, wie berauschend wirkten.

Akbar als Staatsmann und Politiker

Allein größer noch denn als Feldherr ist Akbar als Staatsmann und Politiker. „Dieser Nachkomme eines Ungeheuers wie Timur“, sagt Adam Müller in seiner Geschichte des Islams, „faßte den für einen Orientalen unglaublichen und auch für viele Abendländer nicht selbstverständlichen Gedanken, Indien nicht bloß für seine eigene Person, nicht für den Islam, sondern für den Indier selbst zu regieren.“ „Er achtete“, betont Ritter, „die indischen Gesetze und die indische Literatur wie keiner seiner Vorgänger und hob dadurch die bisherige Barbarei, das System der Zerstörung und Vernichtung der Muselmänner gegen das Brahmanentum in Hindostan auf“, indem er an Stelle von Siegern und Besiegten gleichberechtigte Bürger eines Vaterlandes setzen wollte. Darum ging von Anfang an sein ganzes Streben dahin, die unterworfenen Völker mit ihrem Schicksal auszusöhnen und zu gewinnen. Dies erreichte er bei den einheimischen Fürstengeschlechtern dadurch, daß er, die Vorurteile der Moslims hintansetzend, eine Hinduprinzessin zur Kaiserin machte und auch andere Familienverbindungen knüpfte, sowie durch Verleihung der einflussreichsten Staatsstellen und Ehrenämter an Hindus und durch Belassung der erblichen Lehen. Auch schmiegte er die neue Reichsverfassung den einheimischen Traditionen und Gewohnheiten an oder setzte dieselben wieder in Kraft. Die Einteilung des Landes geschah nach altindischer Weise in 15 Subahs oder Statthalterschaften, jede mit einem Vizekönig und einem Katual oder obersten Polizeibeamten nach indischer Art.

Namentlich schlugen ihm die Herzen zu, als er die bisher furchtbar drückenden Grundsteuern und die erniedrigende Kopfsteuer aller Nichtmohammedaner, die stets an die Besiegung erinnerte, aufhob. Das indische Steuersystem trat wieder in Kraft, und ein Brahmane, der „alles sehende und alles hörende“ Todar Mal, ein Finanzgenie ersten Ranges, brachte statt der bisherigen Verschleuderung und der Erpressungen der mohammedanischen Beamten wieder Ordnung und Gerechtigkeit in die Verwaltung. Durch diese kluge Politik gewann Akbar an den Hindus die treusten Vasallen und zugleich die Mittel zu seinen großartigen Unternehmungen; stiegen doch seine jährlichen Einkünfte bald auf nicht weniger als 640 Millionen Mark. Dank dieser und ähnlichen Reformen zum Schutz des gemeinen Mannes hob sich auch der traurig daniederliegende Ackerbau und Handel und das Kunstgewerbe rasch zu großer Blüte. Dabei interessierte sich der Kaiser persönlich für alle Einzelheiten des volkswirtschaftlichen Lebens. Er selbst ließ aus Goa europäische Handwerker, Mechaniker, Steinhauer, Emailleure, Goldschmiede, Chirurgen und Ärzte, aus andern Ländern neue Rohstoffe und Muster, fremde Frucht- und Nutzpflanzen kommen, um die einheimischen Gewerbe, die Industrie und die im „Garten Indiens“ so wichtige Obstzucht zu heben. Das Ausland sollte in den verschiedenen Zweigen Lehrer, Akbars Geschmack der Führer sein, und der Padischah hielt es nicht unter seiner Würde, persönlich die Technik der verschiedenen Gewerbe zu studieren und mit eigener Hand in den Werkstätten zu üben.

Den Handel beförderte er durch Anknüpfung neuer Austauschverbindungen mit nah und fern und vor allem durch Anlegung neuer Verkehrswege. Das bereits unter Babur neugeordnete Postwesen wurde zur Vollendung gebracht und Hindustan der Länge und Breite nach durch die großen Kaiserstraßen durchquert, die vom Kabul über Delhi und Agra nach Dacca am Brahmaputra und von Agra bis Mandu im Süden, dem Ausgangspunkt der Heeresstraße nach Malabar, führten. Als Akbar starb, waren Posten durch das ganze Reich eingeführt. Alle fünf Cos (1 Cos = 1,5 englische Meilen) wurden Postpferde und Fußboten gehalten. Die Fußboten liefen so rasch, dass ein Brief von Agra in fünf Tagen nach Ahmadabad in Guzerat (500 englische Meilen weit oder 800 km) gelangen konnte, was schneller ist als die Beförderung der besten englischen Post in Indien vor Einführung der Eisenbahnen. 4000 Rennpferde waren beständig in Dienst. Auf der ganzen Strecke sorgten kleine, je neun Cos voneinander abstehende Festungstürme für die Sicherheit des Verkehrs.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


15. August
Don Bosco

Vor 200 Jahren, am 16. August 1815, wurde in Castelnuovo d’Asti, Piemont, der hl. Johannes Bosco geboren.


15. August
Missionare vom Kostbaren Blut

Vor 200 Jahren, am 15. August 1815, gründete der hl. Kaspar Del Bufalo (1786-1837) im Kloster San Felice di Giano, Umbrien, die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut.


15. August
Erste heilige Messe

Vor 200 Jahren, am 14. August 1815, einen Tag nach seiner Priesterweihe, feierte der hl. Johannes Maria Vianney in der Seminarkapelle von Grenoble seine erste hl. Messe, “und zwar zwischen zwei österreichischen Militärseelsorgern, die an den beiden Seitenaltären zelebrierten” (D. Pezeril in Reformer der Kirche, Mainz 1970, S. 967).


13. August
Diskriminierung christlicher Flüchtlinge

Wie beurteilen Sie die Arbeit des UN-Flüchtlingswerks UHNCR?
Sr. Hatune: Sehr kritisch. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Vor einiger Zeit sollten 10.000 verfolgte Christen aus den Flüchtlingslagern nach Europa kommen. Aber die UNO hat das verneint. Warum? Weil die UNHCR von Saudi-Arabien gesponsert wird und viele Verantwortliche vor Ort Muslime sind, die die nichtmuslimischen Minderheiten benachteiligen.

Schwester Hatune Dogan im Interview mit Bernhard Müller, dem Chefredakteur des pur-Magazins, Ausgabe Juli 2015, S. 16. Eine Zusammenfassung des Interviews wurde auf kath.net veröffentlicht.


13. August
Johannes Maria Vianney

Vor 200 Jahren, am 13. August 1815, wurde in Grenoble der hl. Johannes Maria Vianney, der spätere Pfarrers von Ars, zum Priester geweiht.


8. August
Takashi Nagai

Vor 70 Jahren, am 9. August 1945, warf der Pilot Charles Sweeney die Atombombe über Nagasaki, die “katholische” Stadt Japans, ab. Über das Schicksal des Takashi Nagai (“Die Glocken von Nagasaki”) informiert eine eigene Website von mir.


8. August
Alfons Maria Weigl

Vor 25 Jahren, am 9. August 1990, starb in seinem Geburtsort Langquaid im Alter von 87 Jahren Pfarrer Alfons Maria Weigl. Durch seine vielen volkstümlichen Schriften trug er in einer Zeit der Glaubensverunsicherung bei vielen Menschen zur Glaubensstärkung bei. Seine Bücher wurden im Altöttinger Grignionverlag veröffentlicht, der momentan eine Neubelebung erfährt.


8. August
Bernhard Philbert

Vor fünf Jahren, am 8. August 2010, starb in Australien der Physiker und Theologe Bernhard Philbert. Am 26. März 1927 in Traunstein geboren, studierte er Physik und betätigte sich als Erfinder. Zusammen mit seinem um zwei Jahre jüngeren Bruder Karl war er Inhaber von über hundert Patenten. Mit 45 Jahren empfing er die Priesterweihe. Er war ein Brückenbauer “zwischen dem katholischen Lehramt und den gegenwärtigen Erkenntnissen der Wissenschaft” (Waltraud Uhlenbruch in Kirche heute, Dezember 2010). Seine theologischen Spekulationen haben auch Kritik hervorgerufen, etwa von John F. McCarthy. Sein berühmtestes Werk ist Der Dreieine.


6. August
Austritte

Die EKD braucht weder Missbrauchsskandale noch einen Bischof Tebartz-van Elst. Sie schafft es auch so, dass wesentlich mehr austreten als aus der ach so konservativen katholischen Kirche.

Peter Hahne in einem Leserbrief an ideaSpektrum, Ausgabe vom 29. Juli 2015, S. 42.

Zum Thema: Statistisches


6. August
Monatsranking Juli 2015

Platz Monatsranking Juli 2015
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 580 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Die Priesterbruderschaft St. Petrus

+ 2
3

In-vitro-Fertilisation

- 1
10

Markus Keller: Der hl. Ignatius und die Exerzitien

+ 25
20

Deneke: Priesterkleidung

+ 16
30

Swinburne: Gibt es einen Gott?

+ 7
40

Spaemann: Wirklichkeit als Anthropomorphismus

+ 47
50

Über die Erbsünde

+ 54
60

Beiträge über den hl. Pfarrer von Ars

+ 130
100

Gotthold Hasenhüttl und seine atheistische Theologie

+ 27

5. August
Herbert Madinger

Vor fünf Jahren, am 5. August 2010, starb in Tulln an der Donau im Alter von 88 Jahren der österreichische Heimatmissionar Dr. Herbert Madinger. Er gründete die “Katholische Glaubensinformation der Erzdiözese Wien”, engagierte sich für die Legion Mariens, trug zur Erneuerung des Familiengebetes bei, betrieb ein Schriftenapostolat und weckte viele Priesterberufungen.


4. August
Die dreifache Größe der göttlichen Barmherzigkeit

Eine Predigt von Joseph Anton Bordoni SJ

Dritte Folge

Doch damit begnügt sich Gott noch nicht, dem Sünder die Liebe und Großmut seines Vaterherzens äußerlich zu erkennen zu geben; weit nachdrucksvoller und verständlicher spricht er ihm durch die innere Stimme zu. Sobald die Sünde vollbracht ist, so sucht er die Seele mit schmerzlichen Gewissensbissen heim, beängstigt sie immerfort, und läßt sie keine Freude und kein Vergnügen mehr kosten, ohne dasselbe zu verbittern. "Was hast du getan", spricht er leise, "unglückliche Seele? In welch trauriger Lage befindest du dich?" Zugleich erleuchtet er sie mit dem Lichte seiner Gnade, und läßt sie die Abscheulichkeit des Lasters schauen; er schreckt sie mit fürchterlichen Vorstellungen einer drohenden Gefahr, eines nahen, schrecklichen Todes. Er spricht zu ihr: "Wende dich wieder zu deinem Gotte!" Und er reicht ihr sogleich seine mitleidige Hand, um sie aus ihrem traurigen Zustande herauszuziehen. "Zaudere nicht", ruft er ihr beständig zu, "den Kot der Sünde zu verlassen, meine Barmherzigkeit wartet auf dich!" Wenn aber trotzdem die Unglückliche, von den verführerischen Sinnen oder den Blendwerken der Welt betört, nicht zu ihrem Gotte zurückkehrt, sondern immer weiter und weiter sich von ihm entfernt, so folgt er ihr auf dem Fuße Schritt für Schritt nach, und paßt auf jede günstige Gelegenheit, sie zu fassen und zu retten. Unterwegs erinnert er sie an den frühzeitigen Tod eines Freundes, einer Freundin, und fragt sie: "Nicht wahr, auch die kräftige Jugend ist nicht vor dem Tode sicher, und der Leib, den man so verzärtelt und pflegt, wird eine Speise der Würmer? Und um diesem Leibe, der ein so trauriges Ende nimmt, zu schmeicheln und willfahren, setzt du mich ganz auf die Seite und verachtest mich?" Ein anderes Mal unterbricht er ihren fröhlichen Lauf mit einem Unglücksfall und sagt zu ihr: "Siehe, so verfährt die Welt, auf die du dich so sehr verläßt, die du so eifrig anbetest. Ich würde mit dir ganz anders verfahren." Kurz, die Seele des Sünders mag wachen oder schlafen, mag fliehen, sich verstecken und sich sträuben, wie sie will; Gott hört keinen Augenblick auf, sein Auge auf sie zu richten und ihr zuzuflüstern: "Ich verzeihe dir, sobald du deine Sünde bereust und umkehrst." Unglückliche! Arme Sünder! Gesteht es nur offen, ob ich nicht die Wahrheit sage! Ach, wie viele innerliche Aufforderungen ergehen nicht an euch, zu eurem Gott zurückzukehren? Wie viele Stimmen laden euch nicht zur Buße ein? Wie viele Erleuchtungen von oben zeigen euch nicht sonnenklar, daß euer Gott stets bereit ist, euch Barmherzigkeit zu erweisen? Wenn nun aber dem so ist, woher kommt es denn, daß ihr euch immer noch nicht mit wahrer Reue in seine Vaterarme werft?

Ich begreife es nicht, meine Zuhörer, wie der Sünder bei der Betrachtung, daß Gott im Verzeihen so großmütig ist, seine Rückkehr auch nur einen einzigen Augenblick verschieben kann. Und was mag ihn wohl abhalten, sogleich in die Arme eines so liebreichen Gottes zu fliegen? Etwa die Menge seiner Sünden? Aber er weiß doch, daß Gott durch den Propheten Ezechiel beteuert:"Wenn der Gottlose Buße tut und sich von all seinen Sünden bekehrt, so will ich all seiner Ungerechtigkeiten, die er begangen hat, nicht mehr gedenken" (Ezech. 18, 21.22). Gott will also dem Sünder, wenn die Zahl seiner Sünden auch noch so groß wäre, seine Sünden nicht bloß vergeben, sondern sogar das Andenken an sie vertilgen. Oder hält ihn vielleicht die Abscheulichkeit seiner Sünden von der Buße zurück? Nein; spricht doch der Herr durch den Propheten Isaias: "Wenn auch eure Sünden so rot wie der Scharlach sind, weiß sollen sie werden wie Schnee" (Is. 1, 18). Oder fürchtet er vielleicht, Gott möchte in die Aussöhnung nur unter harten und beschwerlichen Bedingungen einwilligen? Aber er hat doch durch den Psalmisten verkünden lassen, daß er nichts als ein zerknirschtes Herz verlange. "Ein zerknirschtes, gedemütigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten." (Ps. 50, 19) Oder schreckt ihn vielleicht das Todesurteil, das Gott durch den Mund Ezechiels über den Übertreter der göttlichen Gebote gefällt hat: "Die Seele, welche sündigt, soll sterben"? Nein, antwortet der Herr, ich widerrufe den geschriebenen Ausspruch ganz gerne; kehret nur zu mir zurück, ihr Kinder, und seid getrost! "Ich will den Tod des Sterbenden nicht", spricht Gott der Herr, "kehret wieder um, und lebet!" Könnte sich Gott wohl zärtlicher und nachdrücklicher erklären, um eine verirrte Seele zur schleunigsten Umkehr aufzumuntern? Fürwahr, wenn wir nicht wüßten, daß Gott keines einzigen von uns bedarf, so könnten wir versucht sein, zu glauben, er müsse einen ungeheuren Vorteil von der Rückkehr eines bußfertigen Sünders haben, da er ihm ja so willig, so schnell, so vollkommen verzeiht. Oder könnte Gott noch mehr tun, wenn von der Aussöhnung mit seinem Beleidiger sogar die Erhöhung oder Verminderung seiner eigenen Glückseligkeit abhinge? Könnte er wirklich eine noch größere Eilfertigkeit, ihn zu rufen, eine größere Freundlichkeit, ihn einzuladen, eine größere Standhaftigkeit, ihm nachzugehen, an den Tag legen? Und doch, hört es ihr Himmel, und staunt! Obwohl Gott dem Menschen so großmütig die Verzeihung anbietet, gibt es unendlich viele Sünder, welche sie verschmähen. Sie hören die Einladungen Gottes, aber sie folgen ihnen nicht und verharren trotz aller Einsprechungen und Erleuchtungen fest und unveränderlich in ihrem elenden Zustande. Ach, die Unglücklichen wollen die Vergebung der Sünden nicht; darum werden sie dieselbe auch nicht erhalten. Mögen sie immerhin fortfahren, ihre Ohren gegen die Mahnungen und Warnungen Gottes zu verschließen; es wird eine Zeit kommen, wo sie ihre Stimmen zu Gott erheben werden, aber sie werden alsdann kein Gehör finden. "Alsdann werden sie zu mir schreien, und ich werde sie nicht erhören" (Jerem. 11,11). Jetzt lachen sie zu den Beleidigungen Gottes; alsdann aber wird Gott zu ihrem Verderben lachen. "Ich werde auch bei eurem Untergange lachen." Die Drohung ist ausgesprochen, sie wird auch in Erfüllung gehen.

Und wahrhaftig, es ist nicht mehr als billig, daß sie erfüllt werde. Es ist kein Übel zu ersinnen, das derjenige nicht verdiente, welcher die ihm so großmütig angebotene Verzeihung nicht beizeiten annimmt. Wir nehmen die angebotene Verzeihung von ganzem Herzen an, und hoffen eben darum Gnade und Barmherzigkeit nach dem Tode von Gott, unserem Vater, zu erlangen. Himmlischer Vater! Sieh gnädig auf uns herab! Es reut uns, dich jemals erzürnt und beleidigt zu haben; wir sind fest entschlossen, dein Vaterherz nie mehr mit einer Sünde zu betrüben. Ewiges Lob und Dank sei deiner unendlichen Barmherzigkeit gebracht, die unserer gedachte und uns suchte, da wir deiner vergaßen und an ganz andere Dinge dachten! Verleih' uns die Gnade, daß wir dich fortan zärtlicher lieben, und in deinem Dienste so treu und beständig sein mögen, als du in der Verzeihung unserer Sünden großmütig gewesen bist.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


2. August
Nikolaus Mazza

Vor 150 Jahren, am 2. August 1865, starb in seiner Geburtsstadt Verona im Alter von 75 Jahren der Ordensgründer Nikolaus Mazza. Ihm verdankte der hl. Daniel Comboni seine Berufung zum Afrikamissionar. Am 3. Juni 2013 wurde im Rahmen des Seligsprechungsprozesses der heroische Tugendgrad Mazzas festgestellt.


2. August
Tränenwunder

Vor 300 Jahren, am 1. August 1715, ereignete sich das Tränenwunder von Máriapócs, Ungarn.


31. Juli
Pornounterricht?

Das einschlägige Methoden-Standardwerk “Sexualpädagogik der Vielfalt” liest sich streckenweise wie ein Porno. Dort werden schamzerstörende Unterrichtsbeispiele empfohlen. Da sollen zehnjährige Kinder ihre Lieblingssexualpraktiken mitteilen, Zwölfjährige im Sex-Quiz die Bedeutung der Begriffe wie “Oral- und Analverkehr”, Swinger-Club, Gangbang, Intimpiercing, Stricher und so weiter erlernen, 13-Jährige Analsex, Masturbation oder Kondomüberziehen als Pantomime darstellen und 14-jährige Schüler entscheiden, ob Vibrator, Reizwäsche oder Lederpeitsche zur ihrer Sexualität gehören oder nicht. Das ist aktive Sexualisierung und Indoktrinierung der Kinder im Rahmen der Schulpflicht. Dazu hat der Staat kein Recht und dagegen demonstrieren wir mit immer mehr Menschen, das nächste Mal am 11. Oktober in Stuttgart.

Aus: “Gravierende Irrtümer”, Exklusiv-Interview mit Hedwig von Beverfoerde, in: neue bildpost vom 1./2. August 2015, S. 3.

Zur Website von Demo für alle


28. Juli
Sterne

Die heutige Zeit mit ihrer Genderideologie zeigt uns, wie mit dem Glauben an Gott auch die Orientierung verlorengeht, die uns die Schöpfungsordnung geben kann. Aus der von Gott zum Heil und Wohl des Menschen gefügten Ordnung, in der der Mensch seinen Platz, seine Identität und seinen Lebenssinn findet, wird eine unbegrenzte Manipulationsmasse, aus der sich der Einzelne wie aus Knete immer wieder neu formen und erfinden will: Er will nicht festgelegt sein auf ein bestimmtes Geschlecht, sondern nach Belieben Mann, Frau, Zwitter, Neutrum, Transgender oder etwas anderes werden können (Nur wenn er homosexuell ist, soll er das nicht ändern dürfen!).

Nun mag es, so könnte man argumentieren, dem Einzelnen überlassen bleiben, aus der Not seiner Identitätskrise die Tugend kreativer Selbsterfindung zu machen. Doch die Genderideologen belassen es nicht dabei. Vielmehr haben sie schon längst mit einem Kreuzzug begonnen, ihre Ideologie mit missionarischem Eifer zu verbreiten und in den Schulen die Kinder damit zu infizieren. Kürzlich bekannte mir ein renommierter Psychologe, dass er anfangs die Warnungen vor dieser Ideologie als Panikmache angesehen habe, bis er damit begonnen habe, die Schriften der Genderideologen selber zu lesen: Es sei in Wirklichkeit noch viel schlimmer!

Und wer hält dagegen? Statt dass die Kirchen hörbar und mächtig ihre Stimme erheben, hat die evangelische Kirche die Genderideologie bereits übernommen, während die katholische Kirche in Deutschland damit beschäftigt ist, sich für ihre vermeintlich veraltete Sexuallehre ständig zu entschuldigen und zu beteuern, dass man aus der heutigen Lebenswirklichkeit lernen und sich weiterentwickeln wolle. Katholische Theologen beteiligen sich sogar an einer verhängnisvollen Verharmlosungsstrategie, so z.B. Regina Heyder, die Vorsitzende der Theologischen Kommission des Katholischen Deutschen Frauenbunds KDFB. In einem Interview auf katholisch.de ("Nein, die gibt es nicht". Theologin Regina Heyder über eine angebliche "Gender-Ideologie") vom 2. Juli 2015 leugnete sie die Existenz einer Gender-Ideologie und bestritt, dass ernsthafte Vertreter des Gender Mainstreaming die freie Wählbarkeit des Geschlechts propagieren - und das zu einer Zeit, in der z.B. Norwegen ein Gesetz plant, das Kindern ab sieben Jahren erlaubt, ohne vorhergehende psychiatrische oder medizinische Untersuchung ihr Geschlecht zu wechseln. Frau Heyder scheint weder die Thesen Judith Butlers zu kennen, der Vorreiterin der Genderideologie, noch solche Sexualwissenschaftler wie die Professoren Martin Lücke oder Uwe Sielert. Es ist, so können wir daraus ersehen, eine gehörige Portion Weltfremdheit nötig, um sich über die Gefahren der Genderideologie hinwegzutäuschen. Und man vermisst in der Kirche auf weiter Flur fast jede Spur vom Selbstbewusstsein der ersten Christen, die sich mit heiligem Stolz von der antiken Sittenverderbnis abhoben und sich betrachteten als “Gotteskinder ohne Makel mitten in einem verdrehten und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr leuchtet wie Sterne im Weltall” (Phil. 2, 15).


25. Juli
Genial gegen Gender

Das ist vielleicht das Geniale an dem Schreiben des Papstes: Auf dem Weg über eine Umwelt-Enzyklika schrieb Franziskus genau gegen jene grüne Ideologie an, die die Natur zum Gott erhebt und sich dabei das Unnatürlichste auf die Fahnen schreibt, was es überhaupt gibt: Dass der Mensch sein Geschlecht selber bestimmen könne. Dass der Unterschied zwischen Mann und Frau keine Rolle spielt.

Aus: Guido Horst, Die Unlogik des Westens, erschienen in der Tagespost von heute


25. Juli
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

36. Folge

Wenn wir also sagen, daß der Heilige Geist vom Vater und Sohne ausgehe, dann drücken wir damit aus, nicht bloß daß er überhaupt seinen Ursprung aus ihnen habe, sondern daß dieser Ursprung eben stattfinde auf dem Wege einer ausströmenden Bewegung, die sich in dem Ergusse der Liebe und der Hingabe des Lebens vom Vater und Sohn an den Heiligen Geist vollzieht [37].

Anmerkungen:

[37] Nirgendwo finden wir die Bedeutung des "procedere" bei der dritten Person im Gegensatz zum Ursprung der zweiten erschöpfender und gründlicher erörtert als bei Albertus Magnus, Summa tract, 7, quaest. 31, membr. 4. Ja er ist fast der einzige, der die Frage "ex professo" und erschöpfend behandelt. Deshalb haben wir die Hauptpunkte seiner Entwicklung, obgleich sich dieselbe eben nicht sehr durch Anmut des Stiles empfiehlt, hierher gesetzt.
"L. c. in Solut, Dicendum, quod spiritus, in quantum est spiritus, sive sit corporeus, sive incorporeus, proprium est semper procedere. Et ideo incorporeus spiritus etiam secundum philosophos, procedendo ab intellectu agente per voluntatem, omnibus operatis invehit formas agentis intelligentiae, sicut spiritus artificis, procedens a mente artificis, formas artis continue procedendo invehit manibus, securi, dolabrae et lapidibus et lignis. Et ad hanc similitudinem dictum est illud Sapientiae I, 7: ‘Spiritus Domini replevit orbem terrarum, et hoc, quod continet omnia’; et Job 26: Spiritus eius ornavit coelos; et illud Ps 32: ‘Verbo Domini coeli firmati sunt, et Spiritu oris eius omnis virtus eorum.’ Similiter amoris, sive spiritualis, sive carnalis semper est procedere et emanare et nunquam stare, Et propter hoc dicit Chrysostomus, quod, cum Spiritus sanctus in cor hominis intravit, omni fonte magis manat et non stat, sed proficit. Et Io 7: ‘Qui credit in me, sicut dicit Scriptura, flumina de ventre eius fluent aquae vivae.’ Et subdit Evangelista: hoc autem dixit de Spiritu.
Et ideo etiam dicit Dionysius, quod est extasim faciens divinus amor, hoc est transpositionem: transponit enim amantem in amatum et non sinit eum rnanere in se ipso. Et inde est, quod etiam apud grammaticos hoc verbum: amo, vehementis dicitur esse transitionis. Quia ergo Spiritus sanctus et est Spiritus et est amor spiratus, proprium eius est simpliciter procedere: et geniti, secundum quod est genitum, non est proprium procedere, sed existere in natura accepta.
Unde quod I° obiicitur, iam solutum est: processio enim sonat dilatationem et quasi motum in alterum, quod non dicit generatio, et ideo generatio non est simpliciter processio, sed processio quaedam. Et spiratio, !icet processio sit specificata, sicut generatio, tarnen simpliciter est processio: quia spiritus et amoris proprius actus est procedere. Et bene concedimus, quod procedere ab uno vel duobus nihil facit ad rationem processionis. Et quod dicitur de similitudine ad generationem, quae est a masculo ad feminam, dicimus, quod nihil valet et tantae munditiae valde incongruum est exemplum ... et certe temerarium videtur cogitare vel credere, quod virtus spirativa in Filio haberet se ad virtutem spirativam, quae est in Patre, sicut se habet virtus feminae ad virturem masculi in generatione. Unde ratio illorum nihil valet.
Ad quaest. Ad id, quod quaeritur, si procedere dicatur aequivoce vel univoce? dicendum quod, si simpliciter accipiatur procedere, tunc dicit motum secundum locum ab uno in alterum et rnotum voluntarium. Propter quod etiam animalia, per appetitum mota et voluntatem, motu processivo moveri dicuntur in III. de anima. Et secundum hunc motum simpliciter procedere convenit Spiritui sancto, quia et a voluntate et quasi processive procedit amor et etiam Spiritus. Et tunc processio non convenit Filio nisi sub determinatione. Si autem dicatur processio ad similitudinem processus causati de causa, sicut dicit Dionys. lib. de divinis nominibus cap. 4, quod quae sunt multa processibus, sunt unum principio: tunc elargato nomine dicitur processio, et tunc communiter convenit generationi Filii et spirationi Spiritus sancti; et tunc nihil prohibet, quod secundum aliquem modum conveniat Filio et secundum alium conveniat Spiritui sancto, et quod modus, secundum quem convenit filio in natura creata, in qua potest esse prius et posterius, principalior sit, quam modus secundum quem convenit Spiritui sancto; quia processus per generationem est in esse, processus autem amoris in tali natura non est, nisi in bene esse. Sed hoc in divinis nihil est, quia nihil est ibi principale et secundarium, et sicut Filio per generationem est esse a Patre, ita Spiritui sancto per spirationem est esse a Patre et Filio, et ideo processio per hunc modum dicta sub diverso modo aequaliter convenit Filio et Spiritui sancto.”
Da Albert der Große seine Summa erst gegen Ende seines Lebens, also zum Teil wenigstens nach dem Jahre 1274 geschrieben, in diesem Jahr aber auf dem Konzil von Lyon die Frage nach dem Ausgang des Heiligen Geistes mit den Griechen verhandelt worden: darf man wohl annehmen, daß Albere aus diesen Verhandlungen seine tiefere Auffassung des "procedere" geschöpft hat. In diesem Umstande dürfte eine Bestätigung der viel bestrittenen Annahme liegen, daß Albert an jenem Konzil persönlich Anteil genommen habe.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


24. Juli
Hl. Boris

Vor 1000 Jahren, am 24. Juli 1015, starb der hl. Boris, Sohn des Großfürsten Wladimir I. Er und sein Bruder Gleb wurden im Laufe der Thronstreitigkeiten mit ihrem älteren Halbbruder Svjatopolk ermordet. Boris und Gleb sind die ersten kanonisierten russischen Heiligen.


23. Juli
Das 68. Wunder

Vor 50 Jahren, am 23. Juli 1965, geschah in Lourdes das 68. und damit bislang vorletzte anerkannte Wunder. Die gelähmte Schwester Luigina Traverso aus Italien kam todkrank nach Lourdes. Beim Vorbeitragen des Allerheiligsten während der hl. Messe, an der sie auf einer Tragbahre teilnahm, wurde sie auf einen Schlag geheilt. Das internationale Ärztekomitee bestätigte am 19. November 2011 den unerklärlichen Charakter des Vorgangs, Bischof Alceste Catella von Casale-Monferrato am 11. Oktober 2012 das Wunder. Das 69. und bislang letzte Wunder wurde am 20. Juni 2013 anerkannt.


20. Juli
Philipp Neri

Vor 500 Jahren, am 21. Juli 1515, wurde in Florenz der hl. Philipp Neri geboren. 1533 kam er nach Rom, wo er bis zu seinem Lebensende am 26. Mai 1595 blieb. 1548 gründete er die Bruderschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit, deren Kirche 2008 der Priesterbruderschaft St. Petrus anvertraut wurde. Der Apostel Rom wurde 1611 selig-, 1622 heiliggesprochen.


20. Juli
Thomas Molnar

Vor fünf Jahren, am 20. Juli 2010, starb in Richmond, Virginia, im Alter von 89 Jahren der aus Budapest stammende katholische Philosoph und Politikwissenschaftler Thomas Molnar.


18. Juli
Religiöse Wandlungen in Indien
im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert

Von Alfons Väth S.J.

Sechste Folge

Der in den letzten Jahrzehnten vielgenannte und über Gebühr gepriesene Sadhu Sundar Singh (seit Ende 1929 verschollen) mag gleichfalls zu dieser Klasse gerechnet werden. Auf den ersten Blick erscheint es, als habe in ihm das Christentum den Hinduismus ganz überwunden. Nach dem Urteil seines bedeutendsten europäischen Bewunderers hat er alles Hinduistische abgestreift und ist das Vorbild des Christen der Zukunft, in dem sich das Beste des katholischen und protestantischen Wesens zur Einheit verbindet. Aber bei näherem Zusehen entdecken wir in ihm noch viel Hinduismus. Sein Bekehrungserlebnis, als Christus ihm sichtbar erschien und ihn für immer beglückte, gleicht dem hinduistischen Erlösungserlebnis, wenn die Erleuchtung aufblitzt: Ich bin Brahma. Die hinduistische Ungebundenheit im Glauben zeigt sich darin, daß er sich keiner kirchlichen Gemeinschaft anschließen wollte. Der Inhalt seiner Frömmigkeit ist wohl christlich, aber die Form bleibt weitgehend hinduistisch. Die Versenkung ist für ihn der gewöhnliche Zustand im Gebet; er gleicht hierin den hinduistischen Erlösten. Hinduistisch ist ferner, daß er unter dem Eindruck lebte, Christus verkörpere sich in ihm. So suchte er sich im Äußern der Erscheinung Christi, wie der gute Christ sich dieselbe vorstellt, anzugleichen. Er glaubte die Lebensschicksale Christi zu teilen. So redete er sich ein, er habe ein vierzigtägiges Fasten vollendet, sei vom Teufel versucht worden, habe durch Handauflegung und Gebet Kranke geheilt, sei angenagelt worden, nicht an ein Kreuz, wohl aber auf ein Brett. So können wir auch bei Sadhu Sundar Singh eine Verbindung von Christentum und Hinduismus feststellen, in der aber das Christliche überwiegt.

Ähnlich muß das Urteil lauten über eine edle indische Frau. Es ist die Brahmanenwitwe Ramabai Sarasvati (1858-1922), die, weil in der indischen Philosophie bewandert, den Titel Pandita (Meisterin) führte. Als junge Witwe kam sie unter protestantischen Einfluß und besuchte England, wo sie getauft wurde, und Amerika. Da sie als Witwe nicht mehr heiraten durfte, entschloß sie sich zu einem Leben der Karitas. So entstand bei Puna die Niederlassung Mukti, die sich mit unglücklichen Frauen und Mädchen füllte. Ihre Zahl betrug schließlich 2000. Zumeist waren es Opfer der Hungersnot: Witwen, Waisenmädchen, gestrauchelte Frauen und Mädchen, unheilbar Erkrankte. Ramabai hat Erstaunliches geleistet. Sie war Unitarierin, d. h. sie verwarf das Dogma von der Dreifaltigkeit, folglich auch die Gottheit Christi. Der Erlöser war ihr nur Vorbild und Führer. Sie selbst leitete den Gottesdienst ihrer Gemeinde, der aus Bibelerklärung und Gebet bestand.

Wie ist diese synkretistische Bewegung in ihren verschiedenen Abarten zu beurteilen? Wir sehen hier einen Erfolg der christlichen Mission, mögen die Inder dies auch leugnen und die christlichen Kirchen verketzern. Die Überlegenheit des Christentums über den Hinduismus ist klar erwiesen. Daß christliche Ideen ins Volk eindringen und viel Gutes wirken, daß durch sie der krasse Götterdienst gemildert wird, verdient Anerkennung. Protestanten liberaler Richtung wie Stanlev Jones, der in seinem Buch "Der Christus der indischen Landstraße" die Bewegung schildert, begrüßen mit übertriebenen Hoffnungen diesen religiösen Synkretismus, der zur allmählichen Christianisierung Indiens - im Sinne der liberalen Protestanten, denen am dogmatischen Christentum wenig gelegen ist - führen werde. Auf katholischer und konservativ-protestantischer Seite dagegen steigen auch starke Bedenken auf. Der Hinduismus veredelt sich und gewinnt an Widerstandskraft. Hindus wie Gandhi fühlen sich befriedigt in ihrer durch christliche Gedanken und Einrichtungen bereicherten Religion. Es fehlt ihnen jeglicher Antrieb, das volle Christentum aufzunehmen. Doch besteht die Hoffnung, daß einmal in der Zukunft auf dem christlich durchsäuerten Boden sich eine wirkliche Christianisierungsbewegung größeren Stils einleiten läßt. Mit dieser Hoffnung vor der Seele widmet sich in Kalkutta eine Gruppe von katholischen Gelehrten unter Führung der Jesuiten Dandoy [Georges Dandoy, 1882-1962] und Johanns [Pierre Johanns, 1882-1955] der Aufgabe, die christliche Religion in anziehender Form dem intellektuellen Indien näher zu bringen, ferner den Wahrheitsgehalt der indischen Weisheitssysteme herauszuschälen und zusammenzustellen und gleichzeitig durch Einbürgerung fehlender und Berichtigung falscher Begriffe den höheren Hinduismus zu läutern.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


17. Juli
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

67. Folge

Die Reformierten stimmen im Grunde den Lutheranern bei, jedoch finden einige Verschiedenheiten statt. Calvin tadelt es, wenn die wittenbergischen Reformatoren dem Gesetze allein die Bestimmung zuweisen, das Gefühl der Sünde und das Bewußtsein der Schuld zu erregen; er meint vielmehr, daß dem Evangelium gleich anfangs seine Stelle gebühre, und mittels der Entwicklung der göttlichen Barmherzigkeit in Christo Jesu der Sünder auf seinen verworfenen Zustand müsse aufmerksam gemacht werden, so daß dem Glauben die Reue folge [111].

Daß die harte Bemerkung Calvins zu der Stelle, worin er das eben bezeichnete Verhältnis zwischen der Reue und dem Glauben ausspricht, die Bemerkung nämlich, daß diejenigen gar nichts von dem Wesen des Glaubens verstünden, die das Verhältnis anders auffaßten als er, nicht so ganz und gar ungegründet sei, und auf keiner leeren Streitsucht beruhe, wird sich weiter unten sehr klar ergeben, wo gezeigt werden wird, daß dem Calvin die Reue etwas ganz anderes ist, als im lutherischen Systeme der Schrecken über die Sünde, und nach jenem nicht minder die Rechtfertigung und Heiligung in einer lebendigen Verbindung erscheinen.

[111] Calvin. Institut. 1. III. c. 3. § 1. fol. 209. Proximus autem a fide ad poenitentiam nobis erit transitus; quia hoc capite bene cognito, melius patebit, quomodo sola fide et mera venia justificetur homo, ne tamen a justitiae imputatione separetur realis (ut ita loquar) vitae sanctitas, poenitentiam vero non modo fidem continuo subsequi, sed ex ea nasci, extra controversiam esse debet. - Quibus videtur, fidem potins praecedere poenitentiae, quam ab ipsa manare vel proferri, tanquam fructus ab arbore, nunquam ejus vis fuit cognita et nimium levi argumento ad id sentiendum moventur.

wird fortgesetzt


15. Juli
Neue Adresse

Aufgrund einer Versetzung bin ich umgezogen. Meine neue Adresse, die ab sofort gültig ist, finden Sie im Impressum.


15. Juli
Wladimir I.

Vor 1000 Jahren, am 15. Juli 1015, starb im Alter von etwa 55 Jahren Wladimir der Heilige, Großfürst von Kiew. Im Jahre 989 ließ er sich taufen und erhob das Christentum im Rus-Reich, das er seit 980 als Alleinherrscher regierte, zur Staatsreligion.


7. Juli
Umzug

Wegen Umzugs ruht die Arbeit an kath-info für einige Tage.


3. Juli
Denis Coiffet

Heute früh um 4.50 Uhr ist nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren P. Denis Coiffet FSSP gestorben. Er gehört zu den Gründer der Priesterbruderschaft St. Petrus. Er war 1977 zusammen mit P. Josef Bisig FSSP, dem langjährigen Generaloberen der Petrusbruderschaft, zum Priester geweiht worden.


1. Juli
Ernennung

Gestern hat Bischof Vitus Huonder von Chur P. Martin Ramm FSSP, der, zur Petrusbruderschaft gehörend, die Personalpfarrei hl. Maximilian Kolbe im Kanton Zürich leitet, zum Bischofsvikar für die Angelegenheiten der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus ernannt.


1. Juli
Franz Borgia

Vor 450 Jahren, am 2. Juli 1565, wurde auf dem Zweiten Generalkapitel der Gesellschaft Jesu mit 31 von 39 Stimmen der hl. Franz Borgia SJ zum Ordensgeneral gewählt. Er war nach dem hl. Ignatius von Loyola und Diego Laynez der dritte Ordensgeneral und sollte die Jesuiten sieben Jahre lang leiten.


1. Juli
Ignatius Falzon

Vor 150 Jahren, am 1. Juli 1865, starb auf seinen Geburtstag in seiner Geburtsstadt Valletta, Malta, im Alter von 52 Jahren der selige Ignatius Falzon. Er wurde Kleriker, lehnte aber die Priesterweihe aus Demut ab und wirkte als Erwachsenen- und Kinderkatechet sehr erfolgreich. Am 9. Mai 2001 wurde er seliggesprochen.


30. Juni
Margarete Sommer

Vor 50 Jahren, am 30. Juni 1965, starb in Berlin im Alter von fast 72 Jahren Margarete Sommer. Sie leitete seit 1941 das “Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin” für verfolgte Nichtarier, das sie zusammen mit dem seligen Bernhard Lichtenberg gegründet hatte, und trat für die unveräußerlichen Rechte aller Menschen ein. 1963 wandte sie sich in einem offenen Brief an Erwin Piscator gegen die Verleumdung Papst Pius’ XII. durch Hochhuths Stück Der Stellvertreter.


30. Juni
Joseph Aertnys

Vor 100 Jahren, am 30. Juni 1915, starb im Alter von 87 Jahren der aus Eindhoven stammende Moralist und Liturgiker Joseph Aertnys CSSR. 1901 hatte er die pastoraltheologische Zeitschrift Niederlandsche katholiske Stemmen mitbegründet.


29. Juni
Genius der Frau statt Genderismus

Ihr seht also, liebe Schwestern, wie viele Beweggründe die Kirche für ihren Wunsch hat, daß auf der bevorstehenden, von den Vereinten Nationen in Peking ausgerichteten Konferenz die volle Wahrheit über die Frau zutage treten möge. Man möge wirklich den »Genius der Frau« gebührend hervorheben, indem nicht nur die großen und berühmten Frauen der Vergangenheit oder unserer Zeit berücksichtigt werden, sondern auch jene einfachen Frauen, die ihr Talent als Frau in der Normalität des Alltags im Dienst an den anderen zum Ausdruck bringen. Denn besonders in ihrer Hingabe an die anderen im tagtäglichen Leben begreift die Frau die tiefe Berufung ihres Lebens, sie, die vielleicht noch mehr als der Mann den Menschen sieht, weil sie ihn mit dem Herzen sieht. Sie sieht ihn unabhängig von den verschiedenen ideologischen oder politischen Systemen. Sie sieht ihn in seiner Größe und in seinen Grenzen und versucht, ihm entgegenzukommen und ihm eine Hilfe zu sein. Auf diese Weise verwirklicht sich in der Geschichte der Menschheit der grundlegende Plan des Schöpfers und tritt in der Vielfalt der Berufe und Berufungen unaufhörlich die - nicht nur physische, sondern vor allem geistige - Schönheit zutage, mit der Gott von Anfang an die menschliche Kreatur und im besonderen die Frau beschenkt hat.
Aus dem Brief, den heute vor 20 Jahren, am 29. Juni 1995, der hl. Papst Johannes Paul II. an die Frauen der ganzen Welt gerichtet hat, und zwar anlässlich der 4. Weltfrauen-Konferenz in Peking. Während der Papst in diesem Brief dazu aufruft, den “Genius der Frau” zu erkennen und zu würdigen, wurde auf dieser Konferenz mit der Etablierung des Gender Mainstreaming eine Entwicklung in Gang gesetzt, die die Geschlechtsunterschiede als soziales Konstrukt verkennt und damit den Genius der Frau verleugnet und abschafft.


29. Juni
Claudia de Angelis

Vor 300 Jahren, am 29. Juni 1715, starb in Rom im Alter von 40 Jahren die aus Anagni stammende Mystikerin Claudia de Angelis. Seit ihrem vierten Lebensjahr hatte sie Visionen. Die Stigmatisierte erwarb sich “große Verdienste um die Gründung katholischer Schulen” (G. Gieraths im LThK, 2. Auflage). 1916 wurde ihr Seligsprechungsprozess eingeleitet.


29. Juni
Pedro Sanz

Vor 300 Jahren, am 29. Juni 1715, kam der hl. Pedro Sanz OP (1680-1747), 1704 zum Priester geweiht, in der chinesischen Provinz Fukien an, wo er fortan sehr erfolgreich als Missionar wirkte. 1730 wurde er Apostolischer Vikar. Als 1742 Papst Benedikt XIV. den sogenannten Ritenstreit durch das Verbote der Ritenakkomodation beendete, verstand es Sanz, durch ein einfühlsames Rundschreiben alle Missionare seines Vikariats zur Annahme der päpstlichen Weisung zu bewegen. “Die ruhige und schlichte Beilegung des auch Fukien in früherer Zeit heftig bewegenden Ritenstreites war die letzte große Tat des Oberhirten” (J. Beckmann in: Reformer der Kirche, hg. von Peter Manns, Mainz 1970, S. 1052). Sanz starb 1747 als Märtyrer, wurde 1893 selig- und 2000 heiliggesprochen.


26. Juni
Pierre-François Martin

Vor 150 Jahren, am 26. Juni 1865, starb in Alençon im Alter von 88 Jahren Kapitän Pierre-François Martin, der Vater des hl. Louis Martin (1823-1894) und Großvater der hl. Theresia von Lisieux (1873-1897). Er war geboren in Athis-de-l’Orne (Orne).


26. Juni
Paolino Bernardini

Vor 500 Jahren wurde in Lucca Paolino Bernardini OP geboren. Er war ein Freund des hl. Philipp Neri, ein “großer Prediger und Gelehrter, von heiligmäßigem Wandel” (A. Walz im LThK 2. Auflage). 1585 starb er in Neapel.


26. Juni
Anna, Herzogin von Schlesien

Vor 750 Jahren, am 26. Juni 1265, starb in Breslau im Alter von 61 Jahren Anna, Herzogin von Schlesien. Sie war die Tochter Königs Przemysl Ottokar I. von Böhmen. 1216 wurde sie im Alter von etwa 12 Jahren mit Herzog Heinrich II. von Schlesien vermählt, dem Sohn der hl. Hedwig. Ihre Schwester war die selige Agnes von Böhmen. Als Witwe stiftete sie vier von ihrem Mann bereits geplante Klöster.


25. Juni
Wahrheit und Nächstenliebe

Schwulenaktivisten werfen der Kirche häufig eine böswillige Nichtanerkennung ihrer Andersartigkeit und schwulenfeindliche “Vorurteile” vor. Doch von Vorurteilen kann hier keine Rede sein. Die katholische Kirche lehnt jedwedes Vorurteil, homosexuelle Personen seien in irgendeiner Weise unmenschlich oder untermenschlich, rundweg ab. Aus katholischer Sicht sind Homosexuelle Personen, die dazu berufen sind, das in das menschliche Herz hineingeschriebene Gesetz des Schenkens zu leben wie jeder andere auch. Wie alle anderen auch werden die Homosexuellen in der heutigen Gesellschaft kämpfen müssen, um keusch zu leben - um die Integrität der Liebe in der Selbsthingabe zu leben und sexuelle Handlungen zu vermeiden, die aufgrund ihrer Natur moralisch ungeordnet sind und eher der Selbstbehauptung als der Selbsthingabe dienen. Kein Katholik bildet sich ernsthaft ein, dass das irgend jemandem leichtfällt. In ihrem Ringen sollten homosexuell orientierte Männer und Frauen in der katholischen Kirche Unterstützung finden - die von Anfang an eine Kirche von Sündern gewesen ist.
Der verstorbene New Yorker Kardinal John J. O’Connor war eine häufige Zielscheibe schwuler Feindseligkeiten; ein Katalog von Gemälden zum Thema AIDS beschrieb O’Connor als ‘fetten Kannibalen’ und ‘widerlichen Schwarzrock’ und nannte die St. Patrick’s Cathedral ‘das Haus der wandelnden Hakenkreuze an der Fifth Avenue’. Der Kardinal seineseits weigerte sich, die katholische Lehre über den sittlichen Stellenwert homosexueller Handlungen zu verleugnen. Zur gleichen Zeit aber erfüllte er die inderselben katholischen Lehre enthaltenen Gebote der Nächstenliebe und Solidarität. Und so besuchte der Kardinalerzbischof von New York regelmäßig eines der von der Erzdiözese unterhaltenen Hospize, um dort sterbenden AIDS-Patienten Trost und Rat zu bringen und ihre Bettpfannen zu wechseln.
Genau das ist die Haltung der katholischen Kirche in diesen und anderen Fragen der Sexualmoral. Die Kirche lehrt die Wahrheit, von der sie glaubt, dass sie ihr anvertraut worden ist, und steht solidarisch jenen zur Seite, die fallen und sich bemühen, wieder aufzustehen - wie Christus auf dem Kreuzweg. Beides gehört zusammen.

Aus: George Weigel, Die Wahrheit. Lehre und Streitfragen der Kirche von heute, Augsburg: Sankt Ulrich Verlag 2010, S. 113 f, aus dem sechsten Kapitel: Wie sollten wir lieben? Sexualität als Geschenk Gottes.


25. Juni
Clairvaux

Vor 900 Jahren, am 25. Juni 1115, gründete der hl. Bernhard von Clairvaux (ca. 1090-1153) zusammen mit 12 Mönchen die Zisterzienserabtei Clairvaux als Tochterkloster von Cîteaux. Von Clairvaux aus wurden über 350 weitere Tochterklöster gegründet. Die Abtei existierte bis 1791. Heute dient das Anwesen als Gefängnis.


23. Juni
Mussinghoffs Verdrehung der Tatsachen

Er habe "nie verstanden, warum Papst Benedikt diese Fürbitte in den alten Ritus wieder eingefügt hat", sagte Bischof Heinrich Mussinghoff von Aachen der KNA: "Das war mit Verlaub gesagt und bei allem Respekt keine gute Sache." Mit Mussinghoffs Formulierung wird der wahre Sachverhalt auf den Kopf gestellt.

Ich beziehe mich auf einen KNA-Beitrag von Gottfried Bohl von gestern, der Musshinghoffs Worte als Zitat bringt. Es geht um die Fürbitte für die Juden in der Karfreitagsliturgie nach den liturgischen Büchern von 1962, die Papst Benedikt XVI. wieder erlaubt hatte. In begrenztem Maße war diese Liturgie schon von Papst Johannes Paul II. mit dem Indult Quattuor abhinc annos vom 3. Oktober 1984 wieder eingeführt worden. Damals gab es keine Proteste gegen die Wiederzulassung der Fürbitte für die Juden, die Formulierungen enthält, die heute von einigen als antijudaistisch empfunden werden, etwa die Bitte, den “Schleier von ihren Herzen” zu nehmen, damit sie Jesus Christus erkennen - obwohl diese Formulierung dem Neuen Testament entnommen ist (2 Kor 3). Von einem “Götzendienst” der Juden ist allerdings entgegen dem Bericht von Bohl in der Fürbitte nicht die Rede.

Es gab also keine Proteste, als Papst Johannes Paul II. diese Fürbitte wieder erlaubte. Protest gab es erst, als Papst Benedikt XVI. die als anstößig empfundenen Formulierungen entfernte, die Fürbitte also, in den Augen der Kritiker, “verbesserte”. Nun wurde ihm vorgeworfen, nicht weit genug zu gehen. Er hätte die Fürbitte, wie sie in den liturgischen Büchern seit der Liturgiereform von 1970 steht, einführen sollen.

Bischof Mussinghoff dagegen stellt es so dar, als ob Papst Benedikt mit der jetzt kritisierten Fürbitte die “gute”, jetzt geforderte Fürbitte ersetzt hätte.

Zum Thema


22. Juni
Rassismus heute

Der Rassismus unterdrückte nicht nur Afro-Amerikaner - er versengte auch die Gewissen der Unterdrücker. Manche Auswirkungen des Rassismus machten das Leben dieser Menschen scheinbar angenehmer, bequemer, und so überließen sie sich den Falschheiten. Sie wurden von diesen Falschheiten in gewisser Weise abhängig. Und so begannen sie an das zu glauben, was sie in ihren Herzen doch als falsch erkannten. Und so ist es auch heute mit den Lügen derer, die abtreiben.
Die Ungeborenen von heute sind die Schwarzen von gestern - am besten außer Sichtweite und weit weg von unserem Denken, damit wir uns möglichst wenig mit der Ungerechtigkeit, die wir verursachen, beschäftigen müssen. Das Problem der Abtreiber und ihrer Unterstützer ist aber das gleiche Problem, das die Rassisten und Segregationisten hatten: die Wirklichkeit. Ungeborene Kinder lassen sich nicht verstecken.

Dr. Alveda King, die Nichte von Martin Luther Kings jr., heute vor fünf Jahren einer Rede im Europäischen Parlament.


21. Juni
Dichtung als Gottesdienst

Über Gerard Manley Hopkins

Von Michael Hanke

Es ist der 4. Dezember 1875. In Bremerhaven nimmt der Dampfsegler „Deutschland“ Kurs auf die Vereinigten Staaten: an Bord neben etwa 100 Besatzungsmitgliedern 135 Passagiere. Die meisten sind Auswanderer, darunter fünf franziskanische Ordensfrauen aus dem westfälischen Salzkotten, die im Zuge des preußischen Kulturkampfes ihre Heimat verlassen müssen. Das Wetter ist schlecht; zu hohem Seegang und anhaltendem Nebel gesellt sich ein Schneesturm. Vierzig Kilometer vor der englischen Südostküste führt ein Navigationsfehler des Kapitäns zur Katastrophe: Das Schiff weicht vom Kurs ab und läuft in der Themsemündung auf eine Sandbank. Eisige Brecher fegen übers Deck; vor allem Frauen und Kinder werden von Bord gespült. Zu den 57 Passagieren, die ihr Leben verlieren, gehören die Ordensfrauen.

Zur gleichen Zeit genießt ein junger Pater namens Gerard Manley Hopkins (1844–1889) das milde Wetter im walisischen Jesuitenkolleg St Bruno. In den folgenden Tagen liest er in der Times die ausführlichen, um immer neue Details erweiterten Berichte über den Untergang der „Deutschland“; im Artikel des 11. Dezember werden auch die Franziskanerinnen erwähnt: „Fünf Ordensfrauen fassten sich an den Händen und gingen gemeinsam unter. Ihre Leiterin, eine hagere Frau von großem Wuchs, rief mehrfach: ,O Christus, komm schnell!‘“

Hopkins erzählt seinem Rektor, wie sehr ihn das Unglück bewegt, und dieser äußert den Wunsch, es möge jemand ein Gedicht darüber schreiben. Er kann nicht wissen, dass er den wortgewaltigsten englischen Dichter der Gegenwart vor sich hat. Dieser hatte zwar in der Jugend einige Kostproben seiner Verskunst vorgelegt, beim Eintritt in den Jesuitenorden aber gelobt, keine Gedichte mehr zu verfassen – es sei denn, einer seiner Oberen sollte ihn dazu auffordern. Jetzt begibt er sich ans Werk und schreibt ein Gedicht, das ein halbes Jahrhundert später in der wichtigsten Anthologie moderner englischer Dichtung an den Anfang gerückt und seither als Wendepunkt in der englischen Verskunst der letzten drei Jahrhunderte gewürdigt wird. Wer ist der 31-jährige Pater, der binnen weniger Wochen das heute weit über den englischen Sprachraum hinaus bekannte Gedicht „Der Untergang der ,Deutschland‘“ schreibt?

Gerard Manley Hopkins wird 1844 als Sohn einer wohlhabenden anglikanischen Familie geboren. Schon früh lässt er eine außergewöhnliche künstlerische und intellektuelle Begabung erkennen, so dass ihm eine glanzvolle Laufbahn prophezeit wird. Der junge Gerard – von attraktivem Äußeren, doch zarter Gesundheit – dichtet, malt, komponiert. Seine besondere Liebe gilt der antiken Literatur. Sie führt ihn 1863 an die Universität Oxford, wo er alte Sprachen studiert und vier Jahre später ein hervorragendes Examen ablegt, das ihm gegen Ende seines Lebens eine Professur für Gräzistik in Dublin einbringt.

Zur Freude der Eltern ist die Universität Oxford Zentrum der sogenannten Oxford- Bewegung, jener Strömung des Anglikanismus, die mit der sogenannten „niederkirchlichen“ Richtung rivalisiert und in Ritus und Lehre mit dem Katholizismus sympathisiert, ohne ihre protestantische Identität zu leugnen. Doch die Freude weicht rasch der Bestürzung, als der Sohn (ohne um Rat oder Zustimmung zu bitten) ihnen mitteilt, dass er seinem verehrten Vorbild John Henry Newman folgen und konvertieren werde. Die Eltern halten ihn für ebenso „kopf- wie herzlos“. Doch Hopkins erklärt seinen Entschluss für ebenso folgerichtig wie das Ergebnis der Addition von zwei und zwei. Wenige Wochen später nimmt ihn Kardinal Newman in die Kirche auf und verspricht ihm Unterstützung für den Fall, dass seine Konversion zu familiären oder finanziellen Problemen führen sollte.

Bei der Konversion bleibt es nicht. Kardinal Newman bemerkt die Willensstärke des jungen Mannes und bestärkt ihn in dem Wunsch, in den Jesuitenorden einzutreten. Im Unterschied zu der heute unter Konvenienz-Katholiken verbreiteten Neigung, praktizierte Homosexualität als moralisch unbedenkliche Variante des Liebesbegriffs anzuerkennen, nimmt Hopkins mit diesem Schritt den Kampf gegen eine Veranlagung auf, die er als Todsünde ansieht. Mit Blick auf sein „Deutschland“-Gedicht lässt sich sagen, dass er sie im Einklang mit den Gesetzen Gottes künstlerisch sublimiert.

Die Faszinationskraft dieses Gedichts (wie der meisten seiner späteren Gedichte) verdankt sich der bewunderungswürdigen Verschmelzung von Thema und Form. Thema ist der als Martyrium verstandene Tod der Ordensfrauen; rasch wechselnde Sprechsituationen sind eingebettet in Gebete und Meditationen. Das Gedicht beginnt mit einer Anrufung Gottes, in dem Ehrfurcht, Bewunderung und ahnendes Verstehen seiner Allmacht (wie im Lobgesang der Engel zu Beginn des „Faust“) zur demütigen Bejahung seines Wirkens führen; es endet mit der Bitte an die Leiterin der Ordensfrauen, sein Heimatland zum wahren Glauben zurückzuführen. Die Form des Gedichts ergibt sich aus der von Hopkins angestrebten Verbindung des Schönen mit dem Schrecken einflößenden Erhabenen.

Die Dichterin und Konvertitin Edith Sitwell hat diese Kunst in ihrer Analyse des Gedichtanfangs verdeutlicht: „Im langsamen und majestätischen Eröffnungsvers 'Du mich meisternder [Gott]' erzeugen die langen und kräftig anschwellenden Vokale sowie die alliterierenden m's das Bild einer riesigen Welle, die sich erhebt, langsam steigt, ungeheure Kraft gewinnt, bis wir zur Pause am Versende gelangen. Dann fällt die Welle, nur um erneut sich nach vorn zu stürzen.“ Zwar mag es verwegen erscheinen, all dies einem einzigen, syntaktisch nicht einmal vollständigen Vers extrahieren zu wollen. Und doch: Wer das Gedicht von Anfang bis Ende liest (und seiner Sogwirkung kann man sich nur schwer entziehen), wird zugeben, dass Edith Sitwell weniger die Wirkung allein des isoliert zitierten Verses, wohl aber die des gesamten, 280 Verse umfassenden Werkes treffend beschreibt. Hopkins ist mit diesem Gedicht der Schöpfer eines eigenen, von ihm als „Sprungrhythmus“ bezeichneten Metrums geworden, in dem der Einzelvers bei fester Zahl der Hebungen (der betonten Silben) eine beliebige Zahl der jeder Hebung vorausgehenden oder folgenden Senkungen (der unbetonten Silben) aufweist – eine an englische Vorbilder des Mittelalters angelehnte technische Meisterleistung, die eine kleine Revolution der Dichtkunst zur Folge haben sollte.

Weder eine Paraphrase noch dem Zusammenhang entnommene Zitate vermögen die energetische Wucht dieses langen Gedichts zu vermitteln. Hopkins stellt sich die Aufgabe, den durch die grauenhaften Geschehnisse nicht etwa geschwächten, sondern gestärkten Glauben als Zentrum menschlichen Seins symbolisch zu vermitteln. Die Szenerie des Sturmes, des Schiffbruchs und des gewaltsamen Todes wird vom gläubigen Visionär (im Sinne eines ignatianischen „exercitium spirituale“) als Teil des Schöpfungsplans gedeutet und bejaht. Die fünf Franziskanerinnen sind nicht etwa Opfer eines sinnlosen Unfalls oder gar eines „Zufalls“, der im christlichen Weltbild ohnehin keinen Platz hat. Hopkins identifiziert sie mit den fünf Wundmalen ihres Ordensgründers, des Heiligen Franziskus und symbolisiert solcherart ihre Bereitschaft zur „imitatio Christi“. Ihr Tod unter den Mastbäumen des Schiffes ist die ihnen zugedachte Kreuzigung, ihr Tod fällt zusammen mit dem ihres Erlösers.

Doch ist der Ausruf „O Christus, Christus, komm schnell!“ – so ließe sich einwenden – nicht auch Ausdruck ihrer Todesangst? Hopkins kommt dem Einwand zuvor. „Herr, wir verderben“, zitiert er den Angstschrei der Jünger auf dem See Genezareth, obwohl der Herr mitten unter ihnen ist. „Sie waren anders gesinnt“, kommentiert Hopkins; er lässt seine Ordensfrau „ihr Kreuz ihren Christus“ nennen. Dem Gottesleugner muss diese Deutung des gewaltsamen Todes pervers erscheinen. Doch nur sie ist für Hopkins sinnvoll. Die Vertreibung der Ordensfrauen aus dem protestantischen Deutschland ist Teil des göttlichen Heilsplans. Christus macht sie zu Heiligen, so dass der Dichter sie in den letzten Versen sogar um Fürsprache für seine der Häresie verfallene Heimat machen darf.

Hopkins verstand sein ganzes Leben als Gottesdienst; seine Dichtung war nur Teil davon. Es verwundert, dass manche Forscher noch heute so viel Mühe darauf verwenden, sein Spätwerk, insbesondere die nicht von Hopkins selbst so genannten „schrecklichen Sonette“ seiner letzten, gesundheitlich schwer angeschlagenen Dubliner Monate als Beweis für ein zerrüttetes Gottvertrauen zu reklamieren. Schon sein nüchterner Hinweis in einem Brief an den Dichterfreund Robert Bridges, er habe „ein weiteres Sonett“ geschrieben (es sollte sein letztes sein), hätte als Beleg dafür dienen können, dass er nicht in Depressionen versunken war – auch dann nicht, als er einige Tage später an Tuberkulose erkrankte.Was ihm tatsächlich Sorgen machte, war nicht fehlendes Gottvertrauen, sondern ein Paar abgelaufener Schuhe: Er bat, sie zum Schuster zu bringen. Seine letzten Worte – ein Mitbruder hat sie überliefert – lauteten: „Ich bin so glücklich.“

Unter Freunden wirkte Hopkins auch als strenger Kritiker. Bewegt von Hopkins’ Tod im Juni 1889 schrieb der katholische Dichter Coventry Patmore dem gemeinsamen Freund Bridges, dass er ihm nach jahrelangem Feilen ein Prosawerk zugesandt habe, in dem die Beziehung der Seele zu Gott in Analogie zur Beziehung von Mann und Frau gedeutet wurde. Hopkins habe geantwortet, dass die literarische Gestaltung des Erhabenen und Unschuldigen nicht dagegen gefeit sei, Gedanken an Niederes zu wecken; selbst die Kontemplation auf höchstem Niveau stehe in Gefahr, missbraucht zu werden. Zwei Jahre lang – schreibt Patmore – habe er geschwankt. Am Weihnachtsabend des Jahres 1887 sei es dann soweit gewesen: Er habe sich Hopkins’ „durchschlagender Güte und Frömmigkeit“ nicht mehr entziehen können und das Manuskript ins Feuer geworfen.

Erst 1918 wagte Robert Bridges – damals als „poeta laureatus“ der angesehenste englische Dichter seiner Zeit – eine Auswahl von Hopkins’ Lyrik zu publizieren. Vor dem „Untergang der ,Deutschland‘“ glaubte er die Leser in einem apologetischen Vorwort jedoch warnen zu müssen: Das Gedicht bäume sich zu Beginn des Bandes auf wie ein Drache. Doch seither ist Hopkins’ dichterisches Ansehen auf Kosten des Freundes stetig gewachsen: Die Dichtung von Bridges ist nur noch eine Fußnote in einem Kapitel der Literaturgeschichte, die von Hopkins ein Eckstein.

Als 1930 eine erweiterte Auflage des Bandes erschien, traf Hopkins’ Lyrik die jüngste Generation englischer Dichter (W. H. Auden, George Barker, Dylan Thomas) wie ein Blitz. Doch rezipierten sie nicht seine religiösen Themen, sondern seine Verstechnik. Bei den führenden katholischen Autoren stieß Hopkins auf betretenes Schweigen. Chesterton hat ihn in keinem seiner literarkritischen Essays auch nur erwähnt. Doch ist das verwunderlich? Bedenkt man, dass Hopkins sogar bei dem ihm so wohlgesonnenen Coventry Patmore auf Unverständnis gestoßen war (er bezeichnete Hopkins’ Gedichte als „in Quarz eingelegte Juwelen“), um wieviel mehrmusste ein Mann wie Chesterton, der sich zeitlebens gegenmetrische Experimente gewehrt hatte, die Lyrik des Paters ablehnen. Und während der junge George Barker sein geistreiches Huldigungssonett an Hopkins („An Pater Gerard Manley Hopkins, S.J.“) unter Rückgriff auf dessen Sprungrhythmen schrieb, wartete der frisch konvertierte Südafrikaner Roy Campbell mit zwei nicht minder geistreichen Hopkins-Parodien auf, in denen er die nicht zu leugnenden Manierismen des Meisters humorvoll auf die Spitze (und vielleicht darüber hinaus) trieb.

Wie steht es heute um Hopkins? Niemand wird einzelne Schwächen seines Dichtungsstils bestreiten wollen. Die besten seiner Gedichte aber erfüllen Gottfried Benns Diktum: „Lyrik muss entweder exorbitant sein oder gar nicht.“ Das Mittelmaß war Hopkins verhasst, in der Lyrik wie im Glauben. Und was seine Manierismen betrifft – sie verblassen angesichts der Intensität eines dichterischen und religiösen Empfindens, das der Maxime des Heiligen Ignatius von Loyola gerecht wird: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott zu preisen.“

Der Text erschien am 24. März 2015 in der Tagespost, der empfehlens- und unterstützenswerten einzigen katholischen Zeitung Deutschlands. Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis.

Über W. H. Auden


19. Juni
Ladislaus Findysz

Vor zehn Jahren, am 19. Juni 2005, wurde in Warschau Ladislaus Findysz (1907-1964) seliggesprochen. 1932 zum Priester geweiht, wurde er 1944 von den Deutschen aus seiner Pfarrei vertrieben, anschließend von den Kommunisten verfolgt. 1963 wurde er verhaftet und gefoltert. Im Krakauer Gefängnis verweigerte man ihm eine nötige Operation zur Entfernung eines Tumors an der Speiseröhre, woran er schließlich starb.
Mit ihm zusammen wurden Bronislaus Markiewicz (1842-1912) und Ignatius Klopotowski (1866-1931) seliggesprochen.


19. Juni
Antonius Baldinucci

Vor 350 Jahren, am 19. Juni 1665, wurde in Florenz der selige Antonius Baldinucci SJ geboren. Seit 1695 predigte er überaus erfolgreich Volksmissionen. Berühmt ist das Wunder von 1705 während der Volksmission in Cori, das zeigte, wie zahlreich die Seelen in die Hölle stürzen. Baldinucci starb am 7. November 1717 und wurde 1893 seliggesprochen.


18. Juni
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Aus der Seite mit den gesammelten Beiträgen über Christenverfolgung wurde die Schilderung der Situation im Irak aus dem Jahre 2009 auf eine eigene Seite ausgegliedert. Außerdem wurde der Artikel von Robert Spaemann über das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen auf einer eigenen Seite untergebracht, ebenso der Artikel von Prof. Dr. Georg Siegmund Prometheus oder Maria?


18. Juni
Universität Wien

Vor 650 Jahren, am 18. Juni 1365, erließ Papst Urban V. eine Bulle, mit der er die Errichtung des Generalstudiums in Wien mit Ausnahme der Theologie bewilligte. Für die Theologie kam die Erlaubnis im Jahr 1384 von Urban VI. Wien war nach Prag die zweitälteste Universität im Römischen Reich, gegründet im März 1365 durch Herzog Rudolf IV.


16. Juni
Gefahr für die Demokratie?

Über die Methoden der BR-Journalistin Veronika Wawateschek in ihrer Reportage über ihr nicht genehme gläubige Christen haben wir bereits berichtet. Trotz der Rüge des Rundfunkrats, den ihr ihre Sendung APO von christlich rechts vom 19. Februar 2015 eingetragen hat, legte sie nun noch eins drauf. Die Website fairemedien.de wirft ihrem Beitrag Angstmacher vom rechten Rand der Kirche - Eine Gefahr für die Demokratie? vom 14. Juni mangelnde Fairness und grobe Unwahrheiten vor.


15. Juni
Jakobus Alberione

Vor 100 Jahren, am 15. Juni 1915, gründete der selige Jakobus Alberione SSP (1884-1971) zusammen mit Tecla Merlo (1894-1964) die Fromme Gesellschaft der Töchter vom heiligen Paulus (kurz Paulus-Schwestern genannt), die sich der Verkündigung des Evangeliums durch die modernen Medien widmen wollte. 1953 wurde die Gemeinschaft vom Heiligen Stuhl anerkannt. Alberione wurde am 27. April 2003 seliggesprochen.


15. Juni
Ignaz Parhamer

Vor 300 Jahren, am 15. Juni 1715, wurde im oberösterreichischen Schwanenstadt der Pädagoge und Katechet Ignaz Parhamer SJ geboren. 1784 wurde er Oberdirektor aller milden Stiftungen und Waisenhäuser der Habsburger Monarchie. “Bedeutsam durch die von ihm als Vorsteher der katechetischen Missionen in Österreich (bes. 1754-58) gehaltenen Kinder- und Volksmissionen, als Verfasser von Katechismen und als Leiter (seit 1759) des wegen seiner pädagogischen Methoden berühmten Waisenhauses ULF am Rennweg in Wien” (A. Gruber im LThK, 2. Auflage). Am 1. April 1786 starb er in Wien.


14. Juni
Militanter Hinduismus

Endzeitliche Spekulation und der arrogante Irrtum, dass Gott den Menschen beauftragt hätte, die Apokalypse herbeizuführen, sind kein spezifisch muslimisches Phänomen, sondern auch in anderen Weltreligionen ein gefährliches Problem, zum Beispiel im Shiva-Kult des Hinduismus. In der hinduistischen Dreieinigkeit, Trimurti genannt, ist Shiva der Zerstörer neben Brahma, dem Schöpfer, und Wischnu, dem Erhalter. Im Gegensatz zum Christentum denken Hindus in aufeinanderfolgenden Zyklen. Ein wachsender Teil der Inder glaubt nun, dass das Äon Wischnus verklungen sei und das Zeitalter Shivas angehoben habe. Starke Verbände von Shiva-Verehrern meinen, dazu berufen zu sein, das Zerstörungswerk ihrer Gottheit voranzutreiben, damit Brahma bald wieder ein neues Universum schaffen könne. Als gefährlichste dieser Gruppen gilt die paramilitärische Nationalistenorganisation RSS, die sich unter anderem die NSDAP zum Vorbild genommen hat. Es war ein RSS-Mitglied, Nathuram Godse, der 1948 Mahatma Gandhi ermordete. Die sich häufenden Anschläge auf Kirchen und Moscheen in Indien, die Morde an Missionaren, Ordensschwestern und Konvertiten gehen überwiegend auf das Konto der wie die Hitlerjugend uniformierten RSS-Soldateska.

Aus dem Artikel von Uwe Siemon-Netto Die Herren der Geschichte, in: factum 3/15, S. 16.
RSS steht für Rashtriya Swayamsevak Sangh (Nationale Freiwilligen-Organisation). Es handelt sich dabei laut der Spiegel-Special-Ausgabe Weltmacht Religion 9/2006 um einen 1925 gegründeten Kampfverband “mit Sympathien für die Rassenlehre der deutschen Nazis” (Olaf Ihlau im Artikel Götter, Götzen und Dämonen). Auf Facebook kann sich die Seite der RSS der stattlichen Anzahl von 1,3 Millionen Likes erfreuen. Bei den Wahlen 2014 erreichte der politische Arm der RSS, die BJP (Bharatiya Janata Party) mit 31% der Stimmen die absolute Parlamentsmehrheit (282 von 543 Sitzen).


13. Juni
Maria Gräfin von Graimberg

Vor 50 Jahren, am 14. Juni 1965, starb in Heidelberg im Alter von fast 86 Jahren die aus Bensheim stammende Schulgründerin Maria Gräfin von Graimberg. Sie gründete 1911 in Heidelberg die erste katholische “Soziale Frauenschule” und war 1918 Mitbegründerin des religiösen Laieninstituts “Societas Religiosa”, das auf die Initiative Kardinal Faulhabers zurückging.


12. Juni
Innozenz XII.

Vor 400 Jahren, am 13. Juni 1615, wurde bei Spinazzola (Basilicata) Antonio Pignatelli geboren, der ab dem 12. Juli 1691 als Papst Innozenz XII. die Kirche regierte. Er war “streng geistlich gesinnt, anspruchslos und reformeifrig” (G. Schwaiger im LThK, 2. Auflage). Von der Bevölkerung der Kirchenstaates wurde er der “Vater der Armen” genannt. Er starb am 27. September 1700.


12. Juni
Winand Kayser

Vor 250 Jahren, am 12. Juni 1765, wurde in Köln Winand Kayser OPraem geboren. 1784 trat er in den Prämonstratenserorden ein und wurde 1790 zum Priester geweiht. Er “nahm 1802 die aufgehobene Abtei Knechtsteden in Pacht, kaufte sie 1810 und stellte Kloster und Kirche baulich wieder her” (N. Backmund im LThK, 2. Auflage). Am 1. Juli 1842 starb er in Köln.


11. Juni
Kenneth Walker

Vor einem Jahr, am 11. Juni 2014, wurde im Pfarrhaus der Pfarrei Mater Misericordiae in Phoenix (Arizona) P. Kenneth Walker FSSP bei einem Überfall ermordet.


11. Juni
Ignatius Choukrallah Maloyan

Vor 100 Jahren, am 11. Juni 1915, erlitt der selige Ignatius Choukrallah Maloyan, Erzbischof der armenischen Diözese Mardin in der heutigen Südosttürkei, im Alter von 46 Jahren das Martyrium.


10. Juni
Großer Skandal

“Es ist wahr, dass der Zölibat für die agnostische Welt, für die Welt, die mit Gott nichts zu tun hat, ein großer Skandal ist, da er gerade zeigt, dass Gott als Wirklichkeit betrachtet und gelebt wird. Mit dem eschatologischen Leben des Zölibats betritt die künftige Welt Gottes die Wirklichkeit unserer Zeit. Und das sollte verschwinden!” Das sagte Papst Benedikt XVI. vor fünf Jahren, 10. Juni 2010. Die Tatsache, dass der Zölibat auch innerkirchlich nicht verstanden und deshalb bekämpft wird, zeigt, wie weit der Geist der agnostischen Welt in die Kirche eingedrungen ist.


9. Juni
Demo für alle am 21. Juni

Am Sonntag, den 21. Juni, beginnt um 14 Uhr auf dem Schillerplatz in Stuttgart die nächste Demo für alle, die sich für den Schutz der Kinder vor der Gender-Ideologie in der Schule einsetzt. Es gibt immer noch viel zu wenige Eltern, die sich dieser Gefahr genügend bewusst sind. Sich darüber zu informieren und an der Weckung der Gewissen durch Beteiligung an der Demo zu beteiligen, sollte deshalb jedem verantwortungsbewussten Christen ein Anliegen sein.


9. Juni
Mother of Divine Grace House

Vor zehn Jahren, am 9. Juni 2005, wurde in Littleton, Diözese Denver, das Haus der Petrusbruderschaft Mother of Divine Grace kanonisch errichtet. Eine solche Errichtung gibt der Niederlassung eine solche juristische Stabilität, dass sie nur noch vom Heiligen Stuhl aufgehoben werden kann. Gegenwärtig wirken in Littleton drei Priester der Petrusbruderschaft: James W. Jackson, Earl Eggleston und Joseph Hearty.


6. Juni
Neu in der Personenübersicht:
Joseph Geyser, Theodor Haecker


6. Juni
Ehe bleibt Ehe!

Das Aktionsbündnis Demo für alle ruft in der unterstützenswerten Aktion Ehe bleibt Ehe dazu auf, sich einem Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel anzuschließen, die Ehe als Ehe und das natürliche Recht des Kindes auf Vater und Mutter zu schützen.


6. Juni
Pius VII.

Vor 200 Jahren, am 7. Juni 1815, kehrte Papst Pius VII. (1800-1823) nach Rom zurück. Am 22. März 1815 hatte er nach Genua fliehen müssen, weil infolge der Rückkehr Napoleons aus Elba dessen Schwager, König Joachim Murat von Neapel, den Kirchenstaat besetzt hatte. Die Rückkehr des Papstes war durch den Sieg der Österreicher über Murat möglich geworden.


4. Juni
Die Scheidung der Geister

Von Markus Reder

Das Stimmengewirr ist gewaltig. Doch mit pfingstlicher Zungenrede hat das gigantische Durcheinander leider nichts zu tun. Mit der Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, künftig gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, droht der Diskussion um das katholische Eheverständnis der Absturz ins Bodenlose. Nur zur Erinnerung: Papst Franziskus ist das Thema Ehe und Familie derart wichtig, dass er zwei Synoden dazu einberufen hat. Sinn der Sache war erklärtermaßen, katholisches Ehe- und Familienleben unter dem massiven Druck einer säkularisierten Gesellschaft zu stärken. Herausgekommen ist – zumindest für den deutschen Sprachraum muss man das mit Entsetzen feststellen – eine Debatte, die sich zunächst an der Frage der Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener festbiss und sich nun im Thema Homo-„Ehe“ verrennt.

Wo ist die Auseinandersetzung mit dem Versagen der Kirche in der Ehevorbereitung? Wo werden neue Ideen zur lebensnahen Ehekatechese entwickelt? Wo ist die breite Debatte, wie man das unterscheidend Andere der sakramentalen Ehe jungen Menschen vermittelt und Ehepaare besser begleitet? Solche inhaltlichen Steilvorlagen, die die Synode zuhauf böte, bleiben weiter ungenutzt. Stattdessen schwillt die Verwirrung an und das katholische Eheverständnis wird immer unkenntlicher.

Umso notwendiger ist es, dass Bischöfe ihre Stimmen erheben, um dem Ansinnen des ZdK eine deutliche Absage zu erteilen. Dafür kann man nur dankbar sein. Nichts ist inmitten dieses unsäglichen Durcheinanders dringlicher, als Orientierung zu geben. Eine Scheidung der Geister, wie sie Bischof Oster fordert, ist mehr als überfällig. Diese Scheidung der Geister ist kein Nachtrag zum innerkirchlichen Dialog. Sie ist Voraussetzung dafür, dass ein solcher Dialog überhaupt sinnvoll ist und nicht von vornherein zur Machtfrage verkommt, ganz nach dem Motto, die Pressure-Group, die am meisten Wind macht, setzt sich durch. Eine solche zunehmende Politisierung kirchlichen Lebens entfremdet vom Evangelium, nimmt der Kirche ihre geistliche Kraft und lähmt jegliche missionarische Dynamik. Das Ergebnis ist jener fatale Prozess der Selbstsäkularisierung, der sich bereits an allen Ecken und Enden besichtigen lässt und sich immer stärker beschleunigt.

Man kann nicht Heilige Schrift und Überlieferung ignorieren, dann per Mehrheitsvotum Schöpfungstheologie, Ehe- und Sakramentenlehre und die christliche Anthropologie abwickeln und sich dabei auf den Glaubenssinn des Gottesvolkes berufen. Das ist absurd. Dass genau dies geschieht, zeigt das ganze Drama und Ausmaß der Verwirrung inmitten einer Kirche, die Gefahr läuft, sich immer mehr der Welt anzupassen und so tatsächlich zu einer seelenlosen NGO zu werden. Eine Entwicklung, vor der der Heilige Vater mit großem Nachdruck warnt. Längst geht es ja nicht mehr nur um die Frage, welchen Schaden Ehe und Familie im Säurebad des Säkularismus nehmen, sondern darum, wie die Kirche als Ganzes diesen Zersetzungsprozess übersteht und was dabei vom Evangelium übrig bleibt. Nichts wird dadurch besser, dass man die ätzende Säure des Relativismus zum Wohlfühl-Schaumbad „Marke Lebenswirklichkeit“ erklärt. Abhilfe schafft allein der Mut, die Geister zu unterscheiden. An diesem Klärungsprozess führt kein Weg vorbei.

Die Vorbereitung der Synode brauche nicht Gerede, sondern vor allem Gebet, hat Papst Franziskus mehr als einmal gesagt. Pfingsten ist kein schlechter Zeitpunkt, damit Ernst zu machen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Gaben des Geistes, sie sind bitter nötig.

Der Artikel erschien zuerst in der empfehlenswerten Tagespost am 22. Mai und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.

Weitere Beiträge zur Familiensynode


30. Mai
Luigi Padovese

Vor fünf Jahren, am 3. Juni 2010, wurde im türkischen Iskenderun Luigi Padovese, Apostolischer Vikar von Anatolien und Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz, von seinem Chauffeur erstochen. Dieser schnitt ihm von hinten mit dem Ruf Allahu Akbar (Allah ist groß) den Hals durch. Dass der Chauffeur, ein Muslim, einige Jahre zuvor zum katholischen Glauben konvertiert sei, wird von seinem Anwalt wie auch von Erzbischof Ruggero Franceschini von Smyrne zurückgewiesen. Dieser war der Vorgänger Padoveses in Anatolien und kennt den Chauffeur, der der Neffe eines früheren Bürgermeisters Iskenderuns ist, persönlich.


30. Mai
Mater Misericordiae in Phoenix

Vor zehn Jahren, am 1. Juni 2005, wurde in Phoenix, Arizona, für den überlieferten Messritus die Personalpfarrei Mater Misericordiae gegründet und der Petrusbruderschaft anvertraut. Dasselbe hat Papst Benedikt XVI. in Rom und Bischof Vitus Huonder in der Diözese Chur getan. Die Bischöfe in Deutschland haben sich gegen solche Gründungen ausgesprochen. Letztes Jahr wurde in Phoenix ein Priester der Petrusbruderschaft ermordet.


27. Mai
Norbert von Magdeburg

Vor 900 Jahren, am 28. Mai 1115, bekehrte sich der hl. Norbert von Magdeburg (ca.1080-1134). Er war zu Pferd auf dem Weg nach Vreden, als er durch einen Blitz zu Boden geworfen wurde. Noch im selben Jahr ließ er sich zum Priester weihen und verschrieb sich der Erneuerung der Kirche im Sinne der Gregorianischen Kirchenreform.


27. Mai
Wolfgang Rosenbaum

Vor 100 Jahren, am 27. Mai 1915, wurde in Witten Fritz Rosenbaum als Sohn jüdischer Eltern geboren. Am 15. September 1933 ließ er sich von Pfarrer Rechmann von der Wittener St.-Franziskus-Pfarrei katholisch taufen. Dieser bezeugte, er habe nie einen Menschen kennengelernt, der eine so persönliche Liebe zu Jesus geoffenbart habe wie Rosenbaum. Als 1935 der Vater Rosenbaums an einem Herzinfarkt starb, wurde auch seine Mutter katholisch. In der Kristallnacht wurde er von den Nazis brutal zusammengeschlagen. “Als er seinen Verfolgern gegenüber erklärte, er sei katholisch, wurde er erst recht mißhandelt” (Ferdinand Holböck, Wir haben den Messias gefunden, Stein am Rhein, 2. Auflage 1987, S. 101). In den Niederlanden trat er bei den Franziskanern ein und erhielt den Namen Wolfgang. Am 2. August 1942 wurden alle konvertierten Juden in den Niederlanden verhaftet. So wurde Bruder Wolfgang ein Schicksalsgenosse der hl. Edith Stein. Am 30. September 1942 starb er in Auschwitz.

Themen

Engel
Englandreise
Entmytholog.
Entweltlichung
Erbsünde
Erlösung
Erneuerung
Evangelien
Evangelisierung
Evangelisierung II

Evangelium
Evolution
Exegese
Exerzitien
Exkommunikation
Falschlehrer
Familie
Fasten
Fegefeuer
Fellay B.
Felix culpa
Frauendiakonat
Freiheit u. Gnade
Fremde Sünden
Freundschaft
FSSP
FSSPX
Fundamentalismus
Gebet
Geburt Jesu
Gehsteigberatung
Geistbraus
geistliches Leben
Genderideologie
Gender Mainstr.
Generalkapitel 06
Geschlecht
Glaube
Glauben
Glaubensjahr
Glaubensregel
Glaubensschild
Glossen
Goa
Gold
Gott
Gott II
Gottesbegegnung
Gottesknecht
Gotteskrise
Grabeskirche
Guadalupe

Zu den neuesten Beiträgen