Das Portal
zur katholischen Geisteswelt


Zum
Inhalts-
verzeichnis
Zum
biographischen Bereich

Impressum

Das katholische Informationsportal kath-info
dient der theologischen Aufklärung
und bietet Ihnen Beiträge zu Themen der katholischen Welt.

Die Beiträge unterliegen in der Regel dem Urheberrecht.

Zum Autorenverzeichnis

Sie befinden sich im ersten Teil
des blauen Bereichs des PkG (Buchstaben A bis G)
Zum zweiten Teil
Zum dritten Teil

Die neuesten Beiträge finden Sie jeweils auf der Startseite

Zum philosophischen Bereich
Zum
liturgischen Bereich

Links

Themen

Abba
Abschuß
Abtreibung
Abtreibung II
Advent
Ägypten
AIDS
Amoris laetitia
Amtsverzicht
Annaverehrung
Apokalypse
Ärgernis
Auferstehung
Auster
B16 Bundestag
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit II
Barmherzigkeit III
Befreiungstheol.
Beichte
Bekehrung
Belgrad
Benedikt XVI.
Besessenheit
Beten
Bischof
Bischofsamt
Bischofsberater
Bischofsweihen 88
Bischofsweihen II
Borromäusverein
Chesterton G.K.
Christenverfolgung
Christkönigtum
Christozentrismus
CiG
Cloyne Report
Darwinismus
DH
Dialog
Discretio
Dogma
Dogma u. Leben
Doppelwirkung
droben
Drusen
Effetha
Ehe
Ehe und Familie
Einwohnen
Eizellenhandel
Ekklesiologie
Embryo
Emmaus

* * *

20. März
Die größte Fähigkeit des Menschen

Es ist interessant, dass in den Ethikhandbüchern der Neuzeit zwei Begriff kaum vorkommen, die zwar mit Glück zu tun haben, auf die aber ebensowenig Anspruch geltend gemacht werden kann. Der erste ist Freundschaft. Bei Aristoteles gibt es ein langes Kapitel darüber, in der modernen Ethik hingegen ist das kein prominentes Thema. Das andere ist Verzeihung. Verzeihung ist etwas Schöpferisches. Es bedeutet, etwas, das ganz falsch war, durch Verzeihung zu annullieren. Es ist die größte Fähigkeit des Menschen, verzeihen zu können. Dadurch schöpft man die Wirklichkeit um, aber nicht durch Betrug, nicht durch Täuschung, sondern durch eine reale Veränderung der Situation. Wie bei der Glückseligkeit gibt es auch darauf keinen Anspruch.

Robert Spaemann im Interview Zufriedenheit oder Glück mit Magdalena Hegglin, erschienen in Melchior Nr. 6/2017, S. 65-69.


20. März
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

115. Folge

Hiermit übereinstimmend bemerkte der Bischof Cornelius Mussus, der Apostel spreche der Äußerlichkeit der Werke den Wert ab; Abraham z. B. sei nicht dadurch gottgefällig geworden, daß er seinen Sohn zum Opfer brachte oder durch andere ähnliche Handlungen, sondern durch die inneren Tätigkeiten des Glaubens und andere Tugenden, welche mit der geheiligten, vom Glauben ausgehenden Willensrichtung zusammenhängen, und in guten Werken sich tätig erweisen (Pallavic. l. c. n. 14. p. 261). Sehr richtig war hiermit anerkannt, daß Paulus nicht die Werke eines in Christo geheiligten Menschen im Auge gehabt, und dieselben ausgeschlossen habe, wenn er in den Werken, im Gegensatz vom Glauben, die Kraft, gottgefällig zu werden, nicht finden wollte. Mit andern Worten: sie bemerkten, daß Paulus nur der alten, ungenügenden, gesetzlichen Ordnung den neuen von Gott dargebotenen Heilsweg entgegenstelle, und der lebendigen Anschließung an denselben (pistis) allein die Kraft, gottgefällig zu machen, beilege.

Diese Bestimmungen waren indes mehr negativ: folgende sprechen sich positiv aus. Der Glaube an Christus rechtfertige, bemerkte ein anderer Theologe, heiße soviel: der Glaube sei die schlechthin notwendige Wurzel, aus welcher sich alle geistigen Aktionen, die gottgefällig machen, entwickeln, so daß mit dem Glauben an sich und unmittelbar die vollendete Gottgefälligkeit noch nicht gesetzt sei, wohl aber in seiner weiteren Entfaltung; und ebenso kurz als treffend fügte Claudius Jajus hinzu: durch den Glauben werde uns die Gnade verliehen, nicht in allweg schon gottgefällig zu sein, sondern gottgefällig werden zu können, was Bertanus noch durch die Bemerkung erläuterte, daß Paulus nicht sage, vom Glauben, sondern durch den Glauben werde der Mensch gerechtfertigt; denn unsere Gerechtigkeit sei nicht der Glaube selbst, sondern in diesem sei uns nur die Macht gegeben (Joh 1,12), dieselbe zu erwerben (Pallavic. l. c. n. 3. p. 260).

wird fortgesetzt


19. März

Franz Leopold von Leonrod

Vor 150 Jahren, am 19. März 1867, wurde Franz Leopold Freiherr von Leonrod (1827-1905) II. zum Bischof von Eichstätt geweiht. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil war er ein Befürworter der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit. “Wegen der Verkündigung der Konzilsdekrete geriet er in schweren Konflikt mit dem bayrischen Staatsminister J. v. Lutz. Während des preußischen Kulturkampfes weihte er über 400 norddeutsche Theologen in Eichstätt” (LThK, 2. Auflage).


19. März
Josef Bautz

Vor 100 Jahren, am 19. März 1917, starb im niederrheinischen Keeken im Alter von 73 Jahren der Theologe Josef Bautz.


18. März
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite untergebracht wurden der Artikel Dass alle eins seien! von Robert Mäder und mein Artikel "Guter Ruf und gute Werke." Das Zitat von Paul Josef Cardinal Cordes über Gerard Manley Hopkins als Befreier vom Szientismus findet sich auf der einschlägigen Themenseite.


18. März
Gion Antoni Huonder

Vor 150 Jahren, am 18. März 1867, starb in Chur im Alter von 42 Jahren der rätoromanische Nationaldichter Gion Antoni Huonder. Er war der Vater des Theologen und Schriftstellers Anton Huonder, von dem auf kath-info zwei Aufsätze veröffentlicht sind.


17. März
Franz Brentano

Vor 100 Jahren, am 17. März 1917, starb in Zürich im Alter von 79 Jahren der aus Marienberg bei Boppard stammende Philosoph Franz Brentano. Er war ein Neffe des Dichters Clemens Brentano. Als (Wieder-)Entdecker der Intentionalität “übte er einen bedeutenden Einfluß besonders auf A. von Meinong und E. Husserl u. a. aus. Durch diese und seine weiteren Schüler und Anhänger (Hertling, C. Stumpf, E. Utitz, K. Twardowski, A. Marty, A. Kastil, O. Kraus, H. Schell) kamen seine Gedanken zu großer Wirkung” (LThK, 2. Auflage).


16. März
Polnisch

Den Artikel Die Liebe - Wahrheit oder Schein? gibt es jetzt auch in polnischer Übersetzung.


15. März
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

52. Folge

Wenn sich in einer solchen Nachbildung das Verhältnis des Sohnes Gottes zum Vater wirklich in seinem eigentümlichen Charakter offenbart, so ist doch diese Offenbarung selbst für die Vernunft nicht nur nicht wahrnehmbar, sondern auch unbegreiflich. Es ist also eine Offenbarung, die selbst an dem geheimnisvollen Charakter ihres Urbildes teilnimmt, eine Offenbarung nicht für die Vernunft, sondern für den übernatürlichen Glauben, den der Geist Gottes in die Tiefen der Gottheit einführt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Bilde des trinitarischen Prozesses in dem Innern der vernünftigen Kreatur, in welchem sich jenes reflektieren soll. Einen gewissen Reflex des trinitarischen Prozesses finden die Väter und Theologen in der auf sie selbst gerichteten Tätigkeit der vernünftigen Kreatur. Indem diese sich selbst erkennt, spricht sie ein geistiges Wort ihrer selbst aus, und vermittels der in diesem Worte sich vollziehenden Selbsterkenntnis ergießt sie sich in der Liebe zu sich selbst, wie Gott in dem trinitarischen Prozesse das Wort seiner selbst ausspricht und durch das Wort im Heiligen Geiste seine Liebe aushaucht. Aber wir haben schon gesehen, wie unvollkommen diese Ähnlichkeit ist; und damit erst ein wirklicher Reflex des trinitarischen Prozesses in Gott zustande käme, wäre es notwendig, daß jener natürliche psychologische Prozeß sich ebenfalls um Gott als seinen Mittelpunkt und Inhalt drehte. Das letztere geschieht in etwa schon in der natürlichen Erkenntnis und Liebe Gottes: aus dem Lichte, in dem Gott ihr hier erscheint, zeugt die Seele ein Erkenntniswort, in dem sie Gott ausspricht, und durch die aus dieser Erkenntnis ausströmende Liebe sucht sie sich mit Gott und Gott mit sich zu verbinden. Aber weil jenes Licht bloß ein natürliches, in der geschaffenen Natur liegendes, nicht das Licht Gottes selbst ist, weil ferner Gott hier nur durch seine Wirkungen, nicht durch sein Wesen der Seele erscheint, so ist auch die der Seele mitgeteilte Zeugungskraft keine göttliche, der des ewigen Vaters gleichartige, ihr Wort kein unmittelbarer reiner Ausdruck der göttlichen Wesenheit, also auch kein eigentliches Bild des ewigen Wortes, ihr Liebeshauch endlich nicht erfüllt und durchduftet von der eigentümlichen Kostbarkeit und Süßigkeit der göttlichen Güte, wie sie in dem Heiligen Geiste weht und lebt. Kurz, diesem Bilde fehlt eben die göttliche Lebendigkeit und Kraft seines Ideals.

Wenn also das göttliche Ideal in seinem göttlichen Glanze in der Seele widerstrahlen soll, kann das nicht anders geschehen als dadurch, daß die Seele auf übernatürliche Weise ihrem Ideale ähnlich gemacht, daß sie, über ihre eigene Natur erhoben, der göttlichen Natur teilhaft wird, um so auch die der göttlichen Natur eigentümlichen Vorgänge in sich nachbilden zu können. Ist nämlich die Seele wahrhaft der göttlichen Natur teilhaft, hat Gott sein eigenes Licht über sie ausgegossen, dann erscheint er ihr auch in seiner Wesenheit, die für jedes fremde Licht unzugänglich ist; dann zeugt die Seele aus diesem Lichte ein dem ewigen Worte ebenbürtiges Wort, in welchem sich die göttliche Wesenheit und ihr ewiges Wort abspiegelt; dann umschlingt sie auch mit ihrer Liebe den ihr in seiner Wesenheit gegenwärtigen Gott, ihre Liebe wird ganz von ihrem göttlichen Gegenstande durchdrungen und durchwürzt, und die Flamme, in der sie auflodert, der Odem, in dem sie sich ergießt, ist der lebendige gleichartige Ausdruck des ewigen Liebesergusses in Gott, als welchen wir den Heiligen Geist erkannt haben.

Auch der Reflex des trinitarischen Prozesses in der Kreatur ist also wesentlich übernatürlich und deshalb weiterhin wahrhaft geheimnisvoll; denn das Prinzip und die Tätigkeiten, wodurch und worin er sich vollzieht, entziehen sich dem Auge der natürlichen Vernunft; nur in ihrem eigenen Lichte können sie erkannt werden. Nur durch ihr eigenes Licht offenbaren sie ferner das Ideal, dessen Reflex sie sind. Dasselbe göttliche Licht, wodurch wir instand gesetzt werden, die trinitarischen Vorgänge in Gott nachzubilden und sie in uns zu erkennen, setzt uns zugleich in den Stand, das göttliche Ideal anzuschauen; denn mit der unmittelbaren Anschauung des göttlichen Wesens, die es herbeiführt, offenbart es uns auch notwendig die Personen, in denen dieses Wesen subsistiert.

Damit haben wir bewiesen, daß die Nachbildung der Trinität an und in der vernünftigen Kreatur, sofern sie nicht nur überhaupt analoge Verhältnisse und Prozesse, sondern solche enthält, in denen die Natureinheit und Göttlichkeit der ewigen Personen hervortritt, oder mit andern Worten, insofern sie die Dreifaltigkeit zugleich als Dreieinigkeit und göttliche Dreieinigkeit darstellt, ebenso wie die Trinität selbst nur ein übernatürliches Mysterium sein kann.

Zugleich ist aber damit durch erschöpfende Induktion überhaupt bewiesen, daß die Werke Gottes, mit denen seine Dreifaltigkeit in lebendiger Beziehung steht, nur übernatürliche, geheimnisvolle sein können.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


14. März
Das Zitat

Alles, was zu meiner Verherrlichung getan wird, Gebete, Fasten, Wachen und andere Werke geistiger Zucht, sehe ich mit gütigen Augen an. Aber dennoch - auch wenn es Kleingläubigen nicht so scheint - bin ich mit größerer Zuneigung bei meinen Auserwählten, die in ihrer menschlichen Schwäche und Gebrechlichkeit vertrauensvoll zu meiner Barmherzigkeit Zuflucht suchen.

Christus zur hl. Gertrud von Helfta


14. März
Hermann Riedl

Vor 25 Jahren, am 14. März 1992, starb im Alter von 81 Jahren der Theologe Hermann Riedl OCist. Er lehrte Dogmatik in Heiligenkreuz.


13. März
Jahresranking 2016: Die Top 100

Fünfter Teil: Die Plätze 81 bis 100

Die Aufsteiger des Jahres in diesem Bereich sind die Gebete des hl. Alfons für eine gute Todesstunden und der Artikel von Robert Spaemann über Tierschutz und Menschenwürde.

Platz Jahresranking 2016
Die Top 100 von über 610 Seiten
Fünfter Teil: Die Plätze 81-100
Verän-derung gegen-über dem Vorjahr
81

Christa Meves: Die Mutter gehört zum Kind

- 37
82

Miriam Schilling: Vergib mir Natascha. Eine Rezension

- 12
83

Beiträge zur Unauflöslichkeit der Ehe

+ 10
84

Gertrud von Le Fort: Die Letzte am Schafott

- 2
85

Andreas Wollbold: Die Auferstehung der Toten

- 7
86

Johannes Paul II.: Ehe und Naturrecht

- 36
87

Über den hl. Pfarrer von Ars

+ 9
88

Beiträge zum Verhältnis von Islam, Djihad und Gewalt

+ 19
89

Spaemann: Tierschutz und Menschenwürde

+ 36
90

Baumann: Wie die Engel im Himmel / Hl. Alfons: Die Seele im Himmel

+ 24
91

Der Papst und die Kondome

- 37
92

Kamenicky: Die auf dich warten

- 6
93

Spaemann: Ist ein opferloses Christentum möglich?

+ 5
94

Renate Krüger: die „Hymnen an die Kirche“ Gertruds v. le Fort

+ 14
95

Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria

- 14
96

Hl. Alfons: Gebete für eine gute Todesstunde

+ 84
96

Beiträge zur Kirchenkrise

- 2
98

Josef Bordat: Peter Wusts Ungewißheit und Wagnis

- 23
99

Pirmin Meier: Gerd-Klaus Kaltenbrunner

+ 8
100

Georges Bernanos

+ 11

Zu den Top 80


12. März
Wahrheit oder Illusion?

"Und was sollen wir aus ihm lernen? Eines jedenfalls: dass eine Religion wahr sein muss, wenn sie gut sein soll. Der Mensch, der sich selbst achtet, will nicht Opfer einer Illusion werden, keiner grausamen und keiner freundlichen."

"Die gute Religion würde lehren, dass es deshalb möglich ist, bedingungslos zu lieben und sich selbst loszulassen, ohne die Angst, dabei der Dumme zu sein und den Kürzeren zu ziehen. Sie würde, ähnlich wie Platon, die Einheit von Gutsein und Glücklichsein lehren und, angesichts überwältigender Gegenargumente, ein Endgericht, in dem alle Dinge so erscheinen, wie sie wirklich sind, wo jeder erfährt, was seine Taten wert sind, wo Gutsein gut und Bösesein weh tut, wo den Barmherzigen Barmherzigkeit widerfährt, den Unbarmherzigen Unbarmherzigkeit."

Robert Spaemann heute vor zehn Jahren in der NZZ unter dem Titel "Die Welt ist kein geschlossenes System, der Tod hat nicht das letzte Wort". Der Artikel war Teil einer Reihe, in der verschiedene Autoren Stellung nahmen zu der Frage: "Was ist eine gute Religion?"


12. März
Theophanes Confessor

Vor 1200 Jahren, am 12. März 817, starb im Alter von etwa 52 Jahren der hl. Theophanes Confessor. Er stammte aus Konstantinopel, wurde Mönch und Abt und nahm 787 am II. Konzil von Nicäa teil. 815 wurde er “von Kaiser Leon V. wegen seiner Verteidigung der Bilderverehrung nach Konstantinopel gerufen und nach zweijähriger Gefangenschaft auf die Insel Samothrake verbannt, wo er bald starb” (LThK, 2. Auflage).


10. März
Neu im Personenregister:
Kenneth Walker, Evelyn Waugh


10. März
Johannes Schasching

Vor 100 Jahren, am 10. März 1917, wurde im oberösterreichischen St. Roman der Sozialethiker Johannes Schasching SJ geboren. Er unterrichtete an der Gregoriana, war Konsultor des Päpstlichen Rates Iustitia et Pax und zählte neben Oswald von Nell-Breuning und Johannes Messner zu den Nestoren der katholischen Soziallehre im deutschsprachigen Raum. Am 20. September 2013 starb er in Wien.


9. März
Türkenkriege und Volksfrömmigkeit

Von Richard Niedermeier

Die Erfindung des Buchdrucks und damit die Etablierung erster Zeitungen, die freilich am Anfang eher Flugschriften waren, machte die Welt kleiner und überschaubarer. Was bislang bestenfalls nur als eine ferne, sehr dunkle Kunde an die Ohren der Europäer drang, wurde nun zur brennenden Neuigkeit, die mühelos Gebirge, Flüsse und sogar Meere übersprang; die aber auch den Kreis ihrer Empfänger beträchtlich erweiterte, so dass das Wissen selbst von weit entfernten Geschehnissen kein Privileg höherer Stände mehr blieb. Das betraf natürlich auch die Nachrichten von den Geschehnissen an der Türkenfront, die nunmehr Menschen damit konfrontierten, die selbst noch nie einen Türken gesehen hatten. So lässt sich erklären, dass die Türkenangst („Heidenangst“) nun sehr weite Kreise zog, fast ganz Europa eroberte und als Reaktion darauf ein inniges Beten und Bitten hervorbrachte, wie es eine bloße Anordnung aus Rom oder aus den Bischofsresidenzen und Fürstenhöfen nie vermocht hätte.

Spezielle „Türkendrucke“ und „Türkenzeitungen“ – aus dem 16. Jh. sind uns heute noch mehr als 2500 davon überliefert, darunter ungefähr 1000 in deutscher Sprache – setzten die Menschen nicht nur über das Vordringen der Türken in Kenntnis, sondern hatten vor allem auch den Zweck, die Greueltaten der Türken an den Christen bekannt zu machen, damit die Gläubigen umso intensiver beteten. Die sächsische Landesbibliothek bewahrt einen solchen Türkendruck aus dem Jahre 1594 auf (Inv. Sign. Hist. Hungar 436,40), dessen Überschrift lautet: „Wahrhafftige Nawe Zeittung. Von dem itzigen Krieg wieder den Türcken in Ungern“.

Seit 1454, also ein Jahr nach dem Fall Konstantinopels, verbreiten sich auch „Türkenkalender“ – sie waren überhaupt die ersten gedruckten Kalender –, darunter einer dessen Titel: „Eyn manung der cristenheit widder die durken“ den Zweck unschwer erkennen lässt.

Nicht nur Schriften mahnten und riefen die Türkenkriege in Erinnerung; auf akustischem Wege waren es die Glocken, die eindringlich zur Besinnung und zum Bittgebet riefen. Papst Calixt III. hatte nach dem Verlust von Morea am 29. Juni 1456 bereits angeordnet, dass in allen Kirchen zur Mittagszeit eine oder mehrere Glocken „gegen die Türken“ zu läuten hätten. Man nannte dies das sog. „Mittagsläuten“ oder auch „Angstläuten“. Die Gläubigen sollten während des Glockenläutens drei Vaterunser und drei Avemaria beten.

Die dazu verwendeten Glocken wurden „Türkenglocken“ genannt, wobei diese Bezeichnung später, als auf dem Schlachtfeld die ersten Erfolge gegen die Türken erzielt wurden, noch eine spezielle Bedeutung erhielt: Glocken, die aus dem Erz erbeuteter türkischer Kanonen gegossen wurden. Von da an hatten die Türkenglocken auch nicht mehr die alleinige Funktion, zum Gebet um die Hilfe Gottes aufzurufen; sie wurden auch zum Dank für einen Sieg geläutet.

Hatte der Papst nur ein mittägliches Läuten befohlen, so weiteten Angst und Frömmigkeit es auch auf andere Tageszeiten aus. Einige Beispiele:

Die zwanzig Zentner schwere Türkenglocke der Pfarrkirche im oberösterreichischen Mauthausen wurde von dem aus diesem Ort stammenden Kriegskammerherren Christoph Voster 1688 gestiftet und soll aus erbeuteten türkischen Kanonen gegossen sein. Auch die Türkenglocke auf dem Grazer Schlossberg – sie wurde 1587 im Auftrag von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und seiner Frau Maria gegossen – soll aus 101 erbeuteten Türkenkanonen gefertigt sein. Nach 1683, also nach der für die Christen siegreichen Schlacht am Kahlenberg, läutete sie morgens, mittags und abends mit jeweils 101 Schlägen zum Dank an die Gottesmutter und als Bitte für weiteren Schutz in zukünftigen Gefahren.

Zum Dank erklangen auch die beiden Türkenglocken von 1686 in dem nahe Wien gelegenen Perchtoldsdorf, das noch 1683 von den Türken erobert und dessen Bevölkerung etwa zur Hälfte von den Osmanen niedergemetzelt worden war. Auf der einzigen von ihnen heute noch erhaltenen Glocke findet sich die Inschrift: „…rueffe ich die Christen alle zusam zu loben Gott in hoegstem Thron der uns erloest aus der Tyrgken noth“.

Die Türkenglocke des nahe Villach in Kärnten gelegenen Ortes Maria Gail stammt bereits aus dem Jahre 1486 und stellt gleichsam eine Antwort auf die im Türkeneinfall von 1478 erfolgte Schändung der Kirche und Zerstörung des Ortes dar.

Nicht nur in den österreichischen Landen, die die Türkengefahr in besonderer Weise spürten, finden sich solche Türkenglocken. Auch das oberfränkische Bad Steben oder sogar das brandenburgische Rathenow besitzen Türkenglocken. Obwohl von Papst Calixt das Türkenläuten angeregt wurde, gibt es Türkenglocken auch in evangelischen Kirchen, wie etwa die 1683 gegossene große Türkenglocke der evangelisch-lutherischen Kirche St. Rochus in Zirndorf belegt. Ihre Inschrift nennt als Zweck ihres Läutens den Aufruf zur Buße in der Zeit der Türkennot: „Man haist mich ja frei die große Turckenglocken. Dieweil ich die Christen zur Buse thu locken…“.

Im 18. Jh. freilich, als die Türkengefahr weitgehend vorüber war, ist das Türkenläuten zumeist verstummt und machte dem schon älteren Gebetsläuten des Angelus wieder Platz.

In den Nöten der Zeit suchten die Katholiken gerade bei der Gottesmutter Maria Hilfe. Die bereits 1531 in Loreto bezeugte, in ihren Anfängen aber noch viel ältere und nach ihrem Ursprungsort benannte Lauretanische Litanei erhielt durch Papst Pius V. die Anrufung „Hilfe der Christenheit“. Natürlich war auch dieser Hilferuf an Maria schon wesentlich älter; die Kreuzfahrer etwa hatten bereits ein „Maria hilf“ auf den Lippen. Doch vor allem nach der Schlacht von Lepanto und dem Sieg der Christen vor Wien (1683) hatte die Maria-Hilf-Verehrung einen ungeahnten Aufschwung genommen. Dieser spiegelt sich wider in der Geschichte des Gnadenbildes der „Auxiliatrix Christianorum“, das in vielen Kirchen vor allem des süddeutschen und österreichischen Raumes zu finden ist.

Lucas Cranach d. Ä. hatte nach 1537 ein Marienbild geschaffen, das die Madonna mit dem sie liebkosenden Jesuskind zeigt. Dieses Bild, das in der kurfürstlichen Gemäldesammlung zu Dresden aufbewahrt wurde, erhielt 1611 der Fürstbischof von Passau, Erzherzog Leopold, zum Geschenk, der es nach Innsbruck verbrachte. Doch der Passauer Domdekan, Marquard Freiherr von Schwendi, ein überaus frommer Mann, ließ eine Kopie für sein privates Beten anfertigen. Als er jedoch auf dem späteren Mariahilfberg – damals noch Schulerberg – von mehreren Lichtvisionen heimgesucht wurde, nahm er dies als ein Zeichen, dass die Gottesmutter auf diesem Berg über Passau die öffentliche Verehrung ihres Bildes wünsche. Er ließ dort eine Kapelle erbauen. Es waren zuerst, neben den privaten Nöten, vor allem die Bedrängnisse des Dreißigjährigen Krieges, die die Menschen in Scharen zur Wallfahrt auf den Mariahilfberg trieben. Nach der verlorenen Schlacht von St. Gotthard an der Raab (1664) aber suchte man dort bei Maria Schutz und Hilfe vor allem in den Türkenkriegen. Von beiden Orten, Passau und Innsbruck, strahlte der Ruf Mariens als Auxiliatrix Christianorum immer weiter aus. Vom Original wie von der Passauer Kopie wurden weitere Kopien erstellt. Wir finden diese Kopien – und was noch wichtiger ist, die entsprechende Marienverehrung – vielfach im bayerischen Oberland (z.B. Benediktbeuern und Berchtesgaden, Maria Eck im Chiemgau), in der Oberpfalz (Neumarkt, Amberg) und im Tirolischen (Bozen, Kufstein oder Schloss Schenna bei Meran), im Schwäbischen (Weingarten) und im Salzburger Land (Mondsee und Salzburg), selbst das Moselländische Wasserliesch wurde zu einem Ort der Verehrung. Vor allem aber im Ober- und Niederösterreichischen (Heiligenkreuz im Wienerwald, Mariahilfer Kirche in Wien, Pfarrkirche Atzgersdorf in Wien) und in Böhmen (Zedlitz bei Karlsbad) entfaltete sich der Mariahilf-Kult, der sogar in Polen und natürlich auch in Ungarn regen Anklang fand. Als die Türkengefahr vor 1683 am größten war und sogar Kaiser Leopold I. mitsamt seinem Hofstaat aus Wien nach Passau fliehen musste, da sah dieses Marienbild auch einen kaiserlichen Beter zu seinen Füßen.

Die Passauer Wallfahrt zu Maria, der Helferin der Christenheit, wurde seit 1631 von dem Orden betreut, der wie kein anderer in der Neuzeit mit dem bayerischen und österreichischen Volk verbunden war: den Kapuzinern. Pater Prokop von Templin hatte die auf dem Berg so reichlich ausgespendeten Gnadengaben der jungfräulichen Gottesmutter in einem anrührenden Gedicht gepriesen. Doch es war der als Apostolischer Missionar aus Italien gekommene Kapuziner Marco d’Aviano, der durch seine Predigten das Volk in so gewaltigen Scharen zum Gebet auf den Mariahilfberg führte, dass sogar die Brücke über den Inn ins Schwanken geriet. Der 1631 im Friaul zu Aviano geborene Bruder Marco (Geburtsname: Carlo Domenico Cristofori), der 1648 in den Kapuzinerorden eintrat, war seit seiner Jugend von der Idee beseelt, die Türken zu missionieren und dabei als Märtyrer zu sterben. Begleitet waren seine in Latein und Italienisch gehaltenen Predigten von Wunderheilungen, die Marco d’Aviano in ganz Europa bekannt machten und ihn zum Vertrauten Kaiser Leopolds I. werden ließen. Charakteristisch für seine Türkenpredigten war, dass er den Blick auch auf die Sünden der Christenheit lenkte und seine Zuhörer zur Buße aufrief.

Das wohl bekannteste Beispiel der barocken Türkenpredigt bot indes der Augustiner Abraham a Sancta Clara (Johann Ulrich Megerle). Als die Türken-Krise mit der zweiten Belagerung Wiens ihren Höhepunkt erreichte, da schmetterte er sein „Auff, Auff, ihr Christen“ mittels eines Traktates ins Land. Doch darf man diesen Aufruf nicht isoliert vom Gesamtwerk des Predigers sehen: Es ist bezeichnend, dass sich auch bei Abraham a Sancta Clara die Bereitschaft zum Kampf mit dem Ruf zur inneren Umkehr und zur geistlichen Erneuerung verbindet. Man mag das Kämpferische solcher Schriften und Predigten, wie die Barockpredigt überhaupt, heute eher belächeln, doch muss man anerkennen, dass sie den Menschen in Zeiten und Situationen großer Bedrängnis Mut gemacht haben und eine Lebenskraft zum Ausdruck brachten, die dem Fatalismus, der Verzweiflung und der Resignation widerstand. Auch wäre diese barocke Kraft nicht denkbar, wenn nicht trotz der Religionskriege in Frankreich und des Dreißigjährigen Krieges auf dem Gebiet des Reiches die Nachwirkungen des großen Trienter Konzils ihre Früchte gezeigt hätten.

Auszug aus dem Buch Mohammed vor den Toren von Richard Niedermeier, Verlag Petra Kehl, 264 Seiten.


8. März
Versuch einer Theodizee

Von Theodor Haecker

Dreizehnte Folge

Das herrschende Prinzip in dieser zweiten Sphäre ist das Gewissen als Mittelpunkt und Herz der erschaffenen Person. Es ist nicht so, wie moderne Philosophen meinen, die von einer ungenierten Philosophie des Lebens notwendig, langsam oder rasch wie der Tod, aber sicher wie der Tod, zu einer Philosophie des Todes kamen, es ist nicht so, daß der Tod das Persönlichste des Menschen ist, denn ihn teilt er ja mit der Pflanze und noch intimer mit dem Tiere, sondern das Persönlichste des Menschen ist das Gewissen, das in sich über den Tod hinausgeht. Nach der Lehre des heiligen Thomas wissen die Engel um die Stunde des Todes eines jeden Menschen, aber auch nicht der größte ihrer hat Einsicht in den Gewissenszustand auch nur des geringsten Menschen. Die Kenntnis seines Gewissens teilt der Mensch allein mit seinem Schöpfer. Auch was er dem Priester sagt, muß er zuvor erforscht haben allein mit seinem Schöpfer. Es gibt kein Gewissen, das nur für das Diesseits gälte, das ist eine zweifellose Verkennung des Tatbestandes, da unzählige Erfahrungen beweisen, daß das Gewissen gerade kurz vor dem Tode, wenn gar keine Aussicht mehr ist auf das »Diesseits«, sich regt; das Gewissen reicht an sich und von sich aus in das Leben nach dem Tode. Das Gewissen überschreitet den Tod, ist persönlicher als der Tod. Zwar ist die Person, das höchste Sein und Dasein, durch nichts anderes erklärbar, bestimmbar, identifizierbar als durch sie selbst in der Analogie mit der göttlichen Person, also daß auch die Person nicht identisch ist mit dem Gewissen, sie ist es nur mit sich selbst, die unsagbarer ist als das individuum ineffabile, aber das Gewissen ist am nächsten der erschaffenen Person, konstituiert sie mit, ohne sie selber zu sein. Das Gewissen ist erziehbar und kann zugrundegehen ohne die Ernährung und Erhaltung durch das Wort Gottes, durch die objektive Offenbarung, welche in die Hut der Kirche gelegt ist. Die »Person« geht nie zugrunde. Und auch das Tragische wird hier überschritten! Denn das Tragische gehört mehr zum Allgemeinen und fast Abstrakten als zum buchstäblich Persönlichen und Konkreten des Menschen: der tragischer Held ist noch nicht zum seligen Kern seiner Person gelangt.

Dennoch: das Herz des Menschen ist größer als all das. Es ahnt, daß der Urquell seines Seins noch tiefer reicht, und es läßt nicht ab von seiner Sehnsucht nach ihm. Gott als Schöpfer und Gott als Richter, das läßt in seinem Herzen noch eine ganze unendliche Wüste frei - das schafft Staunen, das schafft Furcht, in einem überwältigenden Maße und im Modus des Mysteriums, aber in einem unvorhergesehenen Augenblick läßt das alles plötzlich das Herz des Menschen leer. Das ewige, unvergängliche Blut, nach dem das Herz des Menschen verlangt, damit es selber ewig lebe, ist die Liebe. Sie sucht im Grunde keine Theodizee mehr, aber sie findet sie. Sie verlangt selber nicht nach ihr, aber sie gibt sie.

Schmerzliches Ach und staunendes Oh!
Über warum? und himmlisches So!

In dieser letzten Sphäre, die da entspricht dem dritten Motiv einer Welt- und Menschenschöpfung, von dem ich am Anfang sprach: der Liebe und dem heiligen Drang der Liebe, überzufließen, sich selber mitzuteilen, ohne etwas zu verlieren, in dieser dritten, hierarchisch obersten Sphäre sind die beiden anderen nicht vernichtet, sondern aufgehoben. In dieser dritten Ordnung erst der Schöpfung, die doch für Gott eine ist, ist der Mensch vollendet, als geschaffen ad imaginem Dei: Er ist nicht vollendet als Bild des Schöpfergottes, das er von Anfang ist; er ist nicht vollendet als Bild des heiligen Richtergottes, das er als sittliche Person kraft seiner Freiheit wird; er ist erst vollendet als Bild des Gottes, der die Liebe ist - erst vollendet als selber, schöpferisch und heilig, Liebender, welcher er auf dem Grunde des Seins, kraft der unveräußerbaren Freiheit seines Willens, durch unaussprechliche Gnade, ist und wird und dann erst ist. Wie am ersten Tage stehen nun die Werke Gottes und ist voll scheuer Lust das Staunen, das vom Werk auf den Schöpfer geht und selber auch eine Gabe Gottes ist. Überstrahlt vom neuen Lichte der Liebe stehen die großen Wahrheiten der zweiten Sphäre: in der Mitte, alles überragend, das große Mysterium der Freiheit, denn wer am meisten von der Gnade lebt, wie der Heilige, hat auch das tiefste Erleben der Freiheit, hat die tiefste und Schauer erregendste Erkenntnis von der Realität der Schuld und der Sünde (wie aber wären diese ohne Freiheit?), hat eine ursprüngliche Einsicht in den primären Zusammenhang von Sünde und Leiden als Strafe und Sühne; der reinste Mensch weiß am sichersten und zweifelt am wenigsten, daß es eine Hölle gibt. Ganze Geschlechter und Völker erniedrigen sich und werken dahin wie Pflanzen oder verwesen wie Tiere. Nur der Heilige weiß, was der Tod ist und wieviel und was an Sein ein Mensch verlieren kann. Hier erst wird die Gabe der Freiheit vollendet, indem aus der anfänglichen Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse die Autonomie der Kinder Gottes wird, nämlich in Wahrheit gottähnlich die souveräne Freiheit durch Gnade zu verdienen und zu erhalten innerhalb des Guten gegenüber allen Mitteln und Möglichkeiten: Ama et fac quod vis - ein Wort des Verderbens für alle Mißversteher, die das »Ama« (hin und zurück ist derselbe Weg) auslassen - nach dem Bilde des trinitarischen Gottes, der die Liebe ist und als der einzig vollkommene Gott tut, was Er will, was Er will, was Er will. Numero Deus impare gaudet [Vergil, Bucolica, VIII, 75: Gott erfreut sich an der ungeraden Zahl]. Wie sonderbar und erschreckend, daß, was für das menschliche Herz das natürlichste sein sollte und nach seiner Verwandlung auch ist, daß Gott die Liebe ist, ihm ohne die Offenbarung so fremd ist und war.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


7. März
Das Zitat

Wenn sich vielleicht jemand unter euch befindet, der im Glauben schwach ist, für den weiß ich kein kräftigeres Mittel, im Glauben zu erstarken, als täglich auf den Knien mit Andacht ein Ave Maria zu beten. Die bedrängte Seele wird Ruhe finden! Und durch das Rosenkranzgebet habe ich alles erlangt, was ich gewünscht habe!

Heiliger Klemens Maria Hofbauer


7. März
"Der Glaube und der alte Ritus"

Vor 10 Jahren, am 7. März 2007, erschien in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel “Der Glaube und der alte Ritus” eine ganzseitige Sammlung von Beiträgen, die den Wert der überlieferten Liturgie herausstellten und die offensichtlich dazu dienen sollten, eine wohlwollende Aufnahme des Motu proprio Summorum Pontificum vorzubereiten, das vier Monate später kam. Die Beiträge stammten unter anderem von Robert Spaemann, Durs Grünbein, Eckhard Henscheid, Martin Mosebach, Ulli Hahn und Hans Zender. Spaemann schrieb in seinem Beitrag: "Heute bildet er [der christliche Kult] eher ein humanes Widerlager zu einer formlosen und der Beliebigkeit frönenden Zeit. Als solches Widerlager, als Kontrastprogramm übt die Feier der Messe im alten Ritus eine ganz neuartige Faszination aus."


6. März
Beispiellos

Es ist das Papsttum, das der katholischen Kirche ihre in der Weltgeschichte beispiellose Dauer verliehen hat; epochale Umwälzungen, Kulturbrüche, Mentalitätswandel, politische Katastrophen, Verlust der Ursprungsländer und die verschiedenen Säkularisationen vermochten es nicht, die Fortdauer der Kirche zu beenden. Ihr schieres Alter spricht für sie - was in zweitausend Jahren nicht untergehen konnte, obwohl es sich gegen Angriffe aus jeder erdenklichen Richtung zu verteidigen hatte und oft genug dem nackten Hass gegenüberstand, das muß eine Kraft besitzen, die den menschlichen Institutionen sonst versagt ist.

Martin Mosebach in seinem Vorwort zum Buch von Roberto de Mattei Verteidigung der Tradition. Die unüberwindbare Wahrheit Christi, da soeben in deutscher Übersetzung im Grignion Verlag erschienen ist.


6. März
Peter von Cornelius

Vor 150 Jahren, am 6. März 1867, starb in Berlin im Alter von 83 Jahren der aus Düsseldorf stammende Maler Peter von Cornelius. Er war das “stärkste Talent der Nazarener” und “wirkte bahnbrechend für die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert” (LThK, 2. Auflage).


5. März
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite untergebracht wurden der Artikel von Urs Keusch über die Mystikerin Benigna Consolata Ferrero und ihre ergreifende Botschaft, und der Artikel Von Sartre lernen von John T. Mullen. Das Zitat des Philosophen Markus Gabriel über naturalistische Denkfehler findet sich auf der einschlägigen Themenseite.


5. März
Johannes Linneborn

Vor 150 Jahren, am 5. März 1867, wurde in Hagen bei Arnsberg der Kirchenrechtler Johannes Linneborn geboren. Er wurde 1910 Professor in Paderborn, 1918 in Bonn. Von 1924 bis 1933 war er Mitglied des Preußischen Landtags. Er “leistete Hervorragendes auf dem Gebiet der Rechtsgeschichte und der Kirchenpolitik, besonders für das Zustandekommen des Preußischen Konkordats von 1929" (LThK, 2. Auflage). Am 22. Januar 1933 starb er in Paderborn.


3. März
Der Analphabetismus der Gefühle und die Kultur der Liebe

Von Livio Melina

In der Audienz für das Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie am 11. Mai 2006 hat Benedikt XVI. an die grundlegende Idee erinnert, die das Erbe Johannes Pauls II. ist und die diesen in seinem Leben und in seinem Hirtendienst stets begleitete: die Idee, dass man „die Jugendlichen lieben lehren“ muss. Dieser Ausdruck scheint nur schwer verständlich. Was heißt „lieben lehren“? Ist die Liebe etwa nicht das Spontanste, das man sich vorstellen kann? Ist sie nicht etwas, das sich unserer Kontrolle vollkommen entzieht – etwas, das einfach geschieht und über das wir keine Macht haben? Was ist die Liebe, wenn es heißt, dass es notwendig ist, lieben zu lernen? Die Liebe ist keine Idee und auch kein ethischer Entschluss, so sagt Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika, sondern sie ist vor allem eine Erfahrung, »die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt« (Deus caritas est, Nr. 1). Sie ist nicht nur ein Gebot, sondern eine Antwort auf das Geschenk der Liebe, das uns entgegengebracht wird.

Die Erfahrung der Liebe ist ein Abenteuer, ein Risiko, das man eingehen muss. Sie ist eine Dynamik, die das Leben vorantreibt – hin zu einer neuen, unbekannten Fülle. Wir sollen uns nicht nur an einem Gefühl erfreuen, das wir zufällig für jemanden empfinden, sondern wir sollen lernen zu lieben, also Subjekte zu werden, die wirklich fähig sind zu lieben. Das Abenteuer der Liebe ist kein einfaches. Die Liebe bringt uns aus dem Gleichgewicht, weil sie uns aus unserer Ichbezogenheit herausführt und uns der Realität einer anderen Person gegenüberstellt, die mit ihrer Anwesenheit in unser Leben einbricht, unvorhersehbar und unbekannt, und dennoch so faszinierend in ihrem undurchdringlichen Geheimnis. So erscheint uns die Liebe also als ein Weg, der manchmal schwierig und steil ist, der von uns verlangt, in die neue Dimension des Dialogs mit dem anderen einzutreten, um zusammen eine Lebensgemeinschaft aufzubauen.

Was wäre das Leben ohne Liebe? In seiner ersten Enzyklika Redemptor hominis sagte Johannes Paul II.: »Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen; sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält« (Nr. 10). Sein Leben ist zum Scheitern verurteilt, wenn er nicht der Liebe begegnet und nicht lernt zu lieben. Der Übergang von der Liebe zur Fähigkeit zu lieben ist schwer, denn zu lieben bedeutet sich hinzugeben, dem anderen keine Dinge, sondern sich selbst zu geben, sich dem anderen hinzugeben. Und das geschieht weder unmittelbar, noch ist es selbstverständlich. Hier klingen die großen Worte der Konzilsväter nach: »Der Mensch, der auf Erden die einzige von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist, kann sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden« (Gaudium et spes, Nr. 24). Es ist das Paradoxon des Evangeliums: »Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt? … Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten« (Lk 9, 24-25).

Der Liebe begegnen und lieben lernen ist vor allem für die jungen Menschen heute besonders schwer. Neue, nie da gewesene Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg, und diese müssen klar erkannt werden. Um lieben zu lehren oder zu lernen, muss man sich einer epochalen Herausforderung stellen und eine Kultur wieder aufbauen, ein menschliches Umfeld, das die Person formt und sich einer Gegenkultur widersetzt, die verhindert zu lieben. Meine Überlegungen bestehen aus zwei Schritten: In einem ersten möchte ich die Gegenkultur genauer beleuchten, die die Liebe unmöglich macht. In einem zweiten Schritt werde ich versuchen, die Wege abzustecken, die zum Wiederaufbau einer Kultur der Liebe führen, die nicht nur für jede einzelne Person, sondern auch für die Gesellschaft als Ganze so entscheidend ist.

1. Der Analphabetismus der Gefühle und die Gegenkultur der Autonomie: die Familie „liquidieren“

Vielleicht erinnern sich einige noch an den englischen Butler mit Namen Stevens aus dem Film „Was vom Tage übrig blieb“ (USA 1993) des Regisseurs James Ivory. Der Butler war sehr formal, untadelig und naiv, absolut unfähig, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, vor denen er Angst hatte. In der dramatischen und überzeichneten Handlung bevorzugt der Butler die kalte Steifheit leerer und formaler Beziehungen, an die er sich in seiner Rolle gewöhnt hat. Eine lebendige Beziehung zur Gouvernante hätte ihn aus dem Gleichgewicht geworfen. Zwanzig Jahre später gesteht ihm die Gouvernante ihre Liebe. Stevens ist verlegen und unfähig, das tiefe Gefühl, das er trotz allem in seinem Herzen verspürt, anzunehmen und zum Ausdruck zu bringen. Die Figur erregt Heiterkeit, weil sie dem Klischee des unterkühlten Engländers vergangener Zeiten entspricht und nicht viel mit uns zu tun zu haben scheint. Die Steifheit jener puritanischen Gesellschaft, die ihre Gefühle unterdrückt, scheint in einem radikalen Gegensatz zu stehen zu der Welt, in der wir leben und in der die scheinbare Abwesenheit von Regeln uns die volle Freiheit schenkt, unsere Gefühle zu zeigen und nach eigenem Ermessen in die Tat umzusetzen.

Wird fortgesetzt.

Es handelt sich bei diesem Text um das vierte Kapitel des hervorragenden Buches Livio Melina, Für eine Kultur der Familie: Die Sprache der Liebe; Altötting: Grignion Verlag 2015.


2. März
Pierre du Jarric

Vor 400 Jahren, am 2. März 1617, starb in Saintes im Alter von 51 Jahren der Theologe und Historiker Pierre du Jarric SJ. Er schrieb ein dreibändiges Werk über die Asienmission unter dem Patronat Portugals, das weite Verbreitung fand. Für Huonders Darstellung des Wirkens des seligen Rudolf Aquaviva SJ war Jarric eine wichtige Quelle.


1. März
Monatsranking Februar 2017

Platz Monatsranking Februar 2017
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 610 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

+ 1
3

In-vitro-Fertilisation

-1
10

Die Priesterbruderschaft St. Petrus

- 2
20

Die Zerstörung der Grabeskirche

- 10
30

Martin Ramm: Der Widerstand der katholischen Jugend im Dritten Reich

+ 14
40

Andreas Wollbold: Die Auferstehung der Toten

+ 54
50

Über die Erbsünde

- 3
60

R. Spaemann: Ist ein opferloses Christentum möglich?

+ 23
100

Ehe und Naturrecht

+ 11

Zum Ranking der Vormonate


28. Februar
Das Gewissen zwischen Vision und Illusion

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter und letzter Teil

Wenn man in einem atheistischen Weltbild objektive, uns vorgegebene Werte und Normen, die uns wirklich - und nicht nur scheinbar - im Gewissen binden, nicht unterbringen kann, ist es auch mit der heroischen atheistischen Moral, von der Schröder schwärmt, nicht weit bestellt. Was setzt er an die Stelle des himmlischen Glücks der Christen? Nicht etwa die Kantische Achtung vor dem Gesetz, sondern das irdische Glück: “Die Moral von religiösen Prämissen zu befreien und ihr im Glücksstreben und im Interesse jedes Einzelnen an einer stabilen Gemeinschaft ein solides Fundament zu geben, war das vorrangige Ziel der Radikalaufklärer.” Hier erscheint das Glücksstreben plötzlich als solides Fundament der Moral, während es beim Christen noch als ihre Verunreinigung denunziert wurde. So vermag sich Schröder innerhalb weniger Sätze selbst zu widersprechen. Er offenbart sich als Vertreter einer interessenbasierten Ethik und damit einer Moral, die gerade nicht autonom ist, da die Autonomie in der “Lossagung von allem Interesse” (Kant) besteht. Er muss sich deshalb fragen lassen, was er unter einem moralischen Motiv versteht, wenn er in der Kritik des Christentums das Glücksmotiv als außermoralisch verwirft, für die atheistische Ethik aber kein anderes Motiv anbieten kann.

Die recht verstandene Kantische Autonomie der Moral ist dagegen sehr wohl in der christlichen Ethik verwirklicht, nämlich in der Lehre über die Liebe zu Gott um Gottes willen. In dieser Liebe wird die reine Lohnmoral überschritten. Wir sollen Gott nicht nur aus Eigeninteresse lieben, sondern um seiner selbst willen, d.h. weil er aufgrund seiner unendlichen Güte unsere Liebe verdient. Gemäß der katholischen Lehre sind wir dazu durch die göttliche Tugend der Liebe auch befähigt, auch wenn anscheinend allzu wenige Christen von dieser Fähigkeit Gebrauch machen. Dass diese Liebe möglich ist, zeigt uns der hl. Franz von Sales, der in der Krise seiner Jugendzeit sich verdammt wähnte und sich trotzdem zu dem heroischen Entschluss durchrang, Gott so viel wie möglich zu lieben - wenigstens in diesem Leben. Wenn das Neue Testament lehrt, dass die vollkommene Liebe die Furcht vertreibt, dann ist damit gerade die Überwindung einer bloßen Lohnmoral angesprochen. Berühmt wurde die Explikation dieser Überwindung in Fénelons Lehre über die reine Liebe, in der Spaemann zurecht einen Wegbereiter von Kants kategorischem Imperativ sieht. Aber auch schon der Ansatz des hl. Anselm von Canterbury, für den das Handeln erst gut ist, wenn es ihm um die Rechtheit des Willens um der Rechtheit willen geht, enthält bereits die Idee einer autonomen Moral. Der Unterschied zu Kant liegt darin, dass diese Rechtheit als oberster sittlicher Wert eine Verankerung in der Wirklichkeit hat, nämlich in Gott, der in gewisser Weise diese Rechtheit in Person ist.

Diese Verankerung fehlt bei Kant. Bei ihm ist der kategorische Imperativ ein Faktum der Vernunft. Diese Vernunft ist zwar als allgemeine dem jeweils einzelnen Menschen vorgegeben. Dennoch ist für Kant der einzige Ort, in dem diese Vernunft wirklich ist, der einzelne Mensch. Dasselbe gilt für den Willen. Wenn er von der Selbstgesetzgebung des Willens spricht, meint er damit zwar nicht die Freiheit des Einzelwillens, sich ein Gesetz zu geben, wie es ihm beliebt. Aber da er keinen dem kategorischen Imperativ immanenten, dem Menschen aber transzendenten Willen anerkennt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als von demselben menschlichen Willen auszusagen, dass er dem Gesetze unterworfen wie auch dessen Urheber sei (so in der Grundlegung der Metaphysik der Sitten). Dadurch bekommt seine Rede von der Autonomie eine fatale Zweideutigkeit. Sie kann nicht nur als Unabhängigkeit von jedem außermoralischen Antrieb, sondern auch als Leugnung einer Verankerung in einer absoluten Wirklichkeit verstanden werden und ist damit dem beschriebenen Absturz in die Heteronomie schutzlos preisgegeben. Oder mit anderen Worten: Wenn Kant die Vernunft als Quelle der Normativität ansieht, dann steht und fällt der Anspruch des kategorischen Imperativs mit dem ontischen Status der Vernunft. Seine Ausführungen lassen kaum einen anderen Schluss zu, als dass, wie etwa der Kant-Interpret Peter Baumanns schreibt, bloß die Struktur der "endlichen Vernunft" es ist, die den Ursprung und den "Systemort" des kategorischen Imperativs bereitstellt (P. Baumanns, Kants Ethik, Würzburg 2000, S.40). Wenn dann auch noch mit dem Naturalismus die Vernunft nur als zufälliges Produkt der Evolution verstanden wird, ist der Weg frei für die beschriebene Entlarvung des Gewissens und aller Moral. Die evolutionär bedingte Kontingenz der Vernunft macht die Nichtkontingenz des Faktums der Vernunft, also des Sittengesetzes, zunichte.

Letztlich kann nur Gott der Moral den ontischen Status garantieren, den sie unserem Gewissen gegenüber beansprucht. Aus diesem Grund erteilt das Konzil der Idee der Selbstgesetzgebung eine klare Absage, wenn es lehrt: “Im Innern seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft.” Dies würde nur dann eine Fremdbestimmung im Sinne einer theonomen Moral bedeuten, wenn das Wesen des Guten vom Willen Gottes abhängig wäre. In Wirklichkeit aber gilt: Das Gute, z.B. die Nächstenliebe, ist nicht gut, weil Gott es will, sondern Gott will es, weil es gut ist. Grausamkeit, Betrug und Mord sind nicht böse, weil Gott sie verboten hat, sondern Gott verbietet sie, weil sie böse sind. Wir gehorchen nicht einem Willkürgott, sondern entdecken in unserem Gewissen die Welt der Werte in ihrer inneren Sinnhaftigkeit und das moralisch Gute als den höchsten, sich selbst rechtfertigenden Wert. Gerade weil aber dieser Wert, wie wir ihn im Gewissen erfahren, verankert ist im Wesen Gottes, der die Güte in Person ist, werden wir durch den Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Guten über uns selbst hinaufgehoben zu einer göttlichen Vollendung, die über unseren eigenen Kräften liegt.

Der Mensch steht in der Mitte zwischen Gott und Materie. Von allein kann er sich nicht in dieser Mitte halten. Entweder wird er nach oben gezogen, oder er fällt nach unten. Nach oben gezogen wird er durch den Gehorsam gegenüber dem unbedingten Anspruch des Guten, der in seinem Gewissen aufstrahlt als ein Widerschein göttlicher Herrlichkeit. In dieser Vergöttlichung findet er die Vollendung seiner Würde. In einem atheistischen Weltbild findet der Anspruch des Guten in der Wirklichkeit keinen letzten Halt mehr. Sobald man ihm misstraut, kippt die Autonomie um in Heteronomie und aus dem Gewissen wird eine Illusionsmaschine. Der Naturalisierungsprozess, der oft mit der Umdeutung der Moral beginnt, endet dann schließlich in der Auffassung des Behavioristen F. Skinners, der Mensch sei nur ein physikalisches System.

Zum ersten Teil


27. Februar
Clemens Brentano

Vor 200 Jahren, am 27. Februar 1817, legte Clemens Brentano (1778-1842) vor Johannes Ambrosius Taube (1778-1823), Propst der St. Hedwigs-Kirche in Berlin, seine Generalbeichte ab. Er hatte sich durch die Begegnung mit der frommen, lutherischen Dichterin Luise Hensel (1798-1876) zu Gott bekehrt. Hensel ihrerseits konvertierte 1818 zur katholischen Kirche.


27. Februar
Jesuiten

Vor 250 Jahren, am 27. Februar 1767, wurde in Spanien der Jesuitenorden durch ein Dekret König Karls III. verboten, seine Mitglieder verhaftet und außer Landes geschafft. 1773 hob Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu auf.

Ein Beispiel für das tragische Schicksal der Jesuiten: Gabriel Malagrida


27. Februar
Robert von Melun

Vor 850 Jahren, am 27. Februar 1167, starb in Hereford im Alter von knapp 70 Jahren der Theologe Robert von Melun. In Paris wurde er Nachfolger Abaelards als Magister artium (also als Professor der Philosophie). Ihn hörten unter anderem Johannes von Salisbury und Johannes von Cornwall. 1163 wurde er Bischof von Hereford. Die Bischofsweihe empfing er vom hl. Thomas Becket.


26. Februar
Amoris Laetitia: ein Paradigmenwechsel?

Von P. Engelbert Recktenwald

Das Gleichnis, in dem der Herr uns mahnt, Unkraut und Weizen wachsen zu lassen, ist vielleicht das Lieblingsgleichnis vieler Bischöfe. Aber das soll jetzt nicht unser Thema sein. Schauen wir lieber auf die Begründung: Die Knechte sollen das Unkraut deshalb nicht ausreißen, weil sie sonst mit ihm zusammen auch den Weizen ausreißen könnten. Das liegt daran, dass sich das Unkraut manchmal um den Weizen schlingt, so dass eine Trennung nicht möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass es Unklarheiten gibt in Bezug auf die Frage, was Weizen und was Unkraut ist. Der Blick des kundigen Bauern kann sie genau unterscheiden. Er weiß: Das ist Weizen, und das ist Unkraut. Und es gibt auch kein Mittleres. Die Kunst des Unterscheidens wird in diesem Gleichnis vorausgesetzt. Die tatsächliche Trennung ist ja auch nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben, nämlich auf den Tag des Gerichts.

Die Kunst des Unterscheidens ist eine Frage der Klugheit und des gebildeten Gewissens. Sie setzt den klaren Unterschied zwischen Gut und Böse voraus. Die Kirche hat immer gelehrt, dass es Handlungen gibt, die ihrer Natur nach moralisch verwerflich sind, z.B. der Ehebruch. Der hl. Paulus nennt im Römerbrief in der Aufzählung der Gebote, die das eine große Gebot der Nächstenliebe ausmachen, das Verbot des Ehebruchs sogar an erster Stelle (13,9). Es ist vollkommen klar: Etwas ist entweder ein Ehebruch oder es ist kein Ehebruch. Tertium non datur, ein Drittes gibt es nicht. Es gibt auch keinen graduellen Übergang. Ein bisschen Ehebruch ist nicht möglich. Die Handlung ist entweder erlaubt oder unerlaubt, richtig oder falsch, Weizen oder Unkraut. Die Gewissensbildung der Gläubigen, die durch die Morallehre der Kirche erreicht werden soll, hat zum Ziel die Fähigkeit, Weizen und Unkraut, richtige und falsche Handlungen möglichst gut zu unterscheiden.

Doch das soll sich jetzt geändert haben. Björn Odendahl spricht auf katholisch.de, das laut Impressum das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland ist, von einem Paradigmenwechsel, den Papst Franziskus mit Amoris laetitia vollzogen habe: Es gebe “kein letztes Unterteilen mehr von Handlungen in ‘richtig’ oder ‘falsch’”. Das ist schon lange ein Lieblingsthema von Moraltheologen einer bestimmten Richtung, die die Vorstellung von in sich schlechten Handlungen ablehnen und sich deshalb schon 1989 in der sogenannten Kölner Erklärung in offene Opposition zu Papst Johannes Paul II. stellten. Sie reagierten damit unter anderem auf die Aussage Johannes Pauls II.: “Die Existenz besonderer Normen für das innerweltliche Handeln des Menschen, die von so verpflichtender Kraft sind, dass sie immer und überall die Möglichkeit von Ausnahmen ausschließen, ist eine ständige Lehre der Überlieferung und des Lehramtes der Kirche gewesen, die von einem katholischen Theologen nicht in Zweifel gezogen werden darf.” Wir sehen, dass es im Streit um die Deutung von Amoris laetitia um noch viel mehr geht als um die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe.

Wenn nun also Papst Franziskus für diesen grundlegenden Paradigmenwechsel in Anspruch genommen wird - und das beileibe nicht nur von Herrn Odendahl -, dann bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder er weist diese Vereinnahmung zurück oder nicht.

Papst Johannes Paul II. hatte in seiner Enzyklika Familiaris Consortio die Verwirrung der Gläubigen vorausgesagt für den Fall, dass die Kirche wiederverheiratete Geschiedene zum eucharistischen Mahle zulasse. In welche Tiefen diese Verwirrung reicht, zeigen die Auslassungen von Herrn Odendahl.


25. Februar
Verwirrung, Jubel

“Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung.”
Der hl. Papst Johannes Paul II. in Familiaris Consortio, 84.

Damals herrschte bei den Gläubigen keine Verwirrung, sondern Klarheit, bei den Gegnern dieser Lehre aber Unzufriedenheit.
Nach der "Weiterentwicklung" dieser Lehre herrscht bei den Gläubigen Verwirrung, bei ihren Gegnern Jubel.

Weitere Notizen zu Amoris Laetitia


24. Februar
Nochmals Anton de Waal

Der Verlag Petra Kehl hat zwei Bücher von Anton de Waal herausgebracht. Er stellt sie mit diesen Worten vor:

Seit Giovanni Battista de Rossi, der Begründer der christlichen Archäologie, 1850 mit der Erforschung der Katakomben Roms begonnen hatte, beflügelten diese frühchristlichen Begräbnisstätten aus der Zeit der Christenverfolgungen die Phantasie der damaligen Schriftsteller. Zahlreiche Erzählungen und Romane entstanden, die sich mit dieser „Heldenzeit“ der Kirche beschäftigten und sich mehr oder weniger an der historischen Realität orientierten. Die berühmtesten Werke aus diesem Bereich sind zweifellos „Fabiola“ von Kardinal Nicholas Wiseman und „Quo vadis“ von Henryk Sienkiewicz. Historisch präziser sind jedoch zweifellos die Erzählungen von Anton de Waal. Der 1837 in Emmerich geborene de Waal, siedelte schon sechs Jahre nach seiner Priesterweihe nach Rom über, wo er ab 1868 als Kaplan an der Kirche Santa Maria dell'Anima wirkte. 1873 wurde er Rektor des Campo Santo Teutonico. Neben seinen seelsorgerischen Pflichten beschäftigte er sich mit christlicher Archäologie, sammelte christliche Altertümer und führte deutschsprachige Pilger durch die Heiligtümer Roms.

In den Erzählungen, die er in dem Werk „Katakombenbilder“ 1891 zusammenfügte, griff der Rektor des Campo Santo Teutonico auf seine langjährigen Studien zur christlichen Archäologie Roms zurück sowie auf seine Erfahrungen als Führer deutschsprachiger Pilger.

Zwei seiner Erzählungen sind anlässlich seines 100. Todestages in leicht modernisierter Sprache neu erschienen. Sie sind für ältere Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen:

Welt und Weisheit

Aus der Zeit des Kaisers Marc Aurel

Vergeblich hat der Philosoph Justinus bisher nach der Wahrheit und dem wahren Gott gesucht. Da sagt ihm die vornehme und reiche Cornelia bei einem Gastmahl voraus, er werde schon noch einen Lotsen finden. Tatsächlich trifft Justinus kurz darauf bei einem Spaziergang außerhalb der Stadt einen Greis, dessen Worte ihn in Erstaunen versetzen. Bald erkennt der Philosoph, dass ausgerechnet bei den verachteten Christen seine Suche ans Ziel gelangt. Nicht nur sein Leben verändert sich. Die gebildete Cornelia hat inzwischen ebenfalls die christliche Lehre kennen gelernt – wenn auch auf einem anderen Weg. Doch auch unter dem Philosophenkaiser Marc Aurel leben Christen gefährlich…

Domitian

Aus dem 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung

Flavius Clemens, aus dem berühmten Geschlecht der Flavier, führt trotz seiner engen Verwandtschaft zum Kaiserhaus mit seiner Familie ein zurückgezogenes Leben. Er gilt als träge und an politischen Ämtern nicht interessiert. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft ihn die Entscheidung seines kaiserlichen Vetters Domitian, der ausgerechnet ihn zum Mitregenten machen und seine Söhne adoptieren will. Sie sollen einmal seine Nachfolger auf dem Thron werden. Flavius Clemens und seiner Gattin Domitilla bleibt keine andere Wahl, als dem Befehl des despotischen, stets argwöhnischen Kaisers zu gehorchen. Sie wissen, dass nun ihre Bewährungsprobe gekommen ist; denn ihre Zurückgezogenheit hatte einen Grund, der sie nun das Leben kosten kann: Flavius Clemens und Domitilla sind Christen.


23. Februar
Anton de Waal

Vor 100 Jahren, am 23. Februar 1917, starb in Rom im Alter von 79 Jahren der deutsche Priester Anton de Waal. Er wurde 1873 Rektor des Camposanto Teutonica, 1887 Herausgeber der Römischen Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte und in der römischen Deutschenseelsorge u.a. ein großer Förderer der Wissenschaft. “Als Schriftsteller schrieb er packende Bilder aus der Kirchengeschichte seiner Zeit und der Vergangenheit” (LThK, 2. Auflage).


22. Februar
Abilius vom Kreuz Ramos

Vor 100 Jahren, am 22. Februar 1917, wurde Fr. Abilius vom Kreuz Ramos geboren. Er gehört zu einer Gruppe von zwölf Passionisten, die im Spanischen Bürgerkrieg am 23. Oktober 1936 das Martyrium erlitten. Am 1. Oktober 1989 wurde er mit 24 weiteren Passionisten-Märtyrern seliggesprochen.


22. Februar
Sacramentum Caritatis

Vor zehn Jahren, am 22. Februar 2007, erschien das nachsynodale apostolische Schreiben Benedikts XVI. Sacramentum Caritatis, das P. Franz Prosinger auf kath-info kommentierte.


22. Februar
Konfraternität

Vor zehn Jahren, am 22. Februar 2007, wurde die Konfraternität St. Petrus gegründet, eine Vereinigung von katholischen Laien und Priestern, die durch Gebet und Opfer die Priesterbruderschaft St. Petrus unterstützen möchten. Aus diesem Anlass hat Pater Armand de Malleray, FSSP, der Kaplan der Konfraternität Sankt Petrus, einen Brief an die Mitglieder der Konfraternität St.Petrus und an und alle Unterstützer priesterlicher Berufungen verfasst, den Sie hier als PDF-Datei herunterladen können.


21. Februar
Wahn der Machbarkeit

Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, die sich aus diesem Verständnis von Barmherzigkeit ergibt. Beim slippery slope, der schiefen Ebene, lässt sich in der Regel ziemlich genau vorhersagen, was kommen wird. Man muss nur der Logik folgen. Was hier passiert ist auch deshalb fatal, weil in den entsprechenden kirchlichen Dokumenten offensichtlich kein vernunftgeleiteter Anschluss mehr an die kirchliche Tradition gesucht wird. Die innere Einheit von Glaube und Vernunft wird so infrage gestellt. Für viele Gläubigen entsteht damit der Eindruck einer Art Machbarkeit in Sachen Glaube, Moral und Pastoral. Das leistet natürlich dem Relativismus Vorschub. Zu der sich ausbreitenden Vorstellung, katholisches Christentum könne ohne so etwas wie Naturrecht, Anthropologie und inhaltliche Stringenz ihrer Lehre auskommen, scheint der kurze Tweet des italienischen Jesuiten Antonio Spadaro, Mitglied des Redaktionskomitees für den Schlussbericht der Bischofssynode, zu passen: „Theologie ist nicht Mathematik. 2 + 2 kann in der Theologie 5 ergeben…“ (Epiphanie 2017).

Aus: Christian Spaemann, Die Erosion der katholischen Sakramentenordnung in Deutschland, vom 17. Februar 2017. Ein Weckruf, der diesen Namen verdient.


18. Februar
Was weh tut

Wie reagiert die katholische Kirche in Deutschland auf einen Kirchenaustritt? Mit dem automatischen Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft, sprich: Exkommunikation. Das ist übertrieben, nicht nachvollziehbar. Man kann Dogmen infrage stellen, das tut keinem weh, da fliegt keiner raus. Ist denn das Nichtbezahlen von Kirchensteuer ein größeres Vergehen gegen den Glauben als Verstöße gegen Glaubenswahrheiten? Der Eindruck, der entsteht, ist doch der: Solange der Glaube auf dem Spiel steht, ist das nicht so tragisch, sobald aber das Geld ins Spiel kommt, dann hört der Spaß auf. Das scharfe Schwert der Exkommunikation bei Kirchenaustritt ist unangemessen und korrekturbedürftig.

Erzbischof Georg Gänswein im Interview mit der Schwäbischen Zeitung im Juli 2016


18. Februar
Michael Novak

Gestern ist im Alter von 83 Jahren der Philosoph Michael Novak gestorben. Von ihm ist auf kath-info der Artikel Einsame Atheisten veröffentlicht.


17. Februar
Das Zitat

Auf den täglichen Rosenkranz ist mein Werk gegründet. Ich bin entschlossen, viele andere Übungen zu unterlassen, aber nicht diese. Ich sehe im Rosenkranz den Bankrott des Teufels.

Hl. Don Bosco


17. Februar
Edmund Bishop

Vor 100 Jahren, am 17. Februar 1917, starb in Barnstaple im Alter von 70 Jahren der englische Liturgiehistoriker Edmund Bishop. Er war Privatsekretär Thomas Carlyles und arbeitete von 1864 bis 1885 im Unterrichtsministerium. 1867 konvertierte er von der anglikanischen zur katholischen Kirche. Er wurde zu einem “Anreger und Mitarbeiter benediktinischer liturgiehistorischer Forschung” (LThK, 2. Auflage).


16. Februar
Kaspar Ulenberg

Vor 400 Jahren, am 16. Februar 1617, starb in Köln im Alter von 68 Jahren der aus Lippstadt stammende Theologe Kaspar Ulenberg. Der Sohn lutherischer Eltern und Anhänger des M. Flacius studierte in Wittenberg, konvertierte 1572 in Köln, wurde 1575 Professor und empfing 1576 die Priesterweihe. Er war in Köln Pfarrer in St. Kunibert und St. Kolumba, zeitweise auch Rektor der Universität. “Ulenberg war ein erfolgreicher Seelsorger, wortgewaltiger Prediger, sprachmächtiger Schriftsteller und Kontroverstheologe, guter Erzieher und Organisator” (LThK, 2. Auflage).


15. Februar
Der Gesandte des großen Geistes

Von Anna Diouf

Vierter und letzter Teil

Franz Xaver Weisers Buch bietet eine Möglichkeit, historische Vor- und Fehlurteile zu berichtigen. Oft sind es Nebensätze oder Nebenfiguren, die zum Nachdenken anregen. So wird heute die Sesshaftmachung als ganz und gar negativer Eingriff in das Leben indigener Bevölkerungsgruppen betrachtet. Angesichts der bitteren Not, die Nomadenstämme ohne Wissen um Landwirtschaft häufig zu ertragen hatten, scheint diese Einstellung der sonst so fortschrittsgläubigen Europäer weniger respektvoll denn dekadent: Wer keine materielle Not kennt, schon gar nicht in der Prärie des 19. Jahrhunderts, hat gut reden und kann eine romantisierte Tradition leicht über das Wohlergehen der Menschen stellen. Die einfühlsame und auf die kulturellen Eigenheiten achtende Einführung bis dahin unbekannter Techniken und Lebensweisen erscheint dagegen als eine Maßnahme, die den Lebensstandard signifikant erhöht und dem Menschen dient. An anderer Stelle stolpert man über den Indianerhäuptling Billy Caldwell. Sauganash, so sein indianischer Name, war irischer und indianischer Abstammung: Dass es neben Konflikt und Auseinandersetzung von Beginn an auch ein Zueinanderfinden, eine Durchmischung, einen Kontakt auf Augenhöhe gab, passt nicht in das Schema vom guten Ureinwohner und vom bösen Siedler, und wird deshalb kaum beachtet und nicht in die allgemeine Rezeption aufgenommen. All dies sind kleine Puzzleteile, die sich in das sich neu fügende, komplexe Bild einordnen, dass sich dem Leser bei der Lektüre erschließt.

Obwohl an junge Adressaten gerichtet, ist Der Gesandte des großen Geistes auch für Erwachsene eine lohnende Lektüre und bietet einen guten Einstieg in eine weithin unbekannte Version der Historie Nordamerikas. Franz Xaver Weiser (*1901 in Wien, +1986 in Weston, Massachusetts), selbst Theologe und Priester, hat ein umfangreiches literarisches Werk hinterlassen. Es umfasst neben theologischen Schriften in englischer und deutscher Sprache viele Jugendbücher. Bereits in den 30er Jahren wurde er in die USA entsandt und studierte die Quellen, die Einblick in die Geschichte der jesuitischen Missionen in Nordamerika bieten. Es ist berührend, dass auch dieser Biograph De Smets selbst einer derjenigen ist, die um Christi willen weit entfernt von ihrer Heimat begraben liegen. Dies ist ein starkes, bewegendes Zeugnis. Weiser ist nicht einfach passionierter Erzähler eines Abenteuerromans, sondern ein Experte, der sein Wissen um die Indianermissionen und seine Quellenforschung konzentriert und jugendgerecht aufgearbeitet hat. Entsprechend gut recherchiert und seriös ist der Informationsgehalt, der sich bis zu den Archiven in St. Louis zurückführen lässt, die originale Aufzeichnungen des Paters bewahren. Das ist wichtig im Hinblick auf den "apologetischen" Wert des Buches – natürlich kann eine phantasievolle Geschichte über Indianer alles Mögliche behaupten, hier aber kann man Fakten herauslesen, die nachprüfbar sind und historischen Wert besitzen! Anhand der eingängig und spannend erzählten Lebensgeschichte des Paters De Smet hinterfragt der Leser den Narrativ, der die Kirche im Verein mit Machtmissbrauch, Unterdrückung und Vernichtung von fremden Kulturen sieht. Man wünscht sich nichts sehnlicher, als in den Archiven selbst nachzulesen, was der unermüdliche Streiter für die Ureinwohner Nordamerikas in eigenen Worten zu sagen hatte. Und man kann nur hoffen, dass De Smets Aufzeichnungen und die seiner Mitbrüder für eine breitere Öffentlichkeit aufbereitet würden: Dies würde dazu verpflichten, die Rezeption der Missionstätigkeit deutlich zu korrigieren.

Als Jugendbuch aus den Dreißigerjahren ist die Sprache, an heutiger Jugendliteratur gemessen, ungewöhnlich reich und damit besonders zu empfehlen in einer Zeit, in der der Sprachschatz nicht mehr annähernd ausgeschöpft und Jugendlichen kaum noch ein angemessenes Sprachniveau vermittelt wird; und an ganz wenigen Stellen (wenn etwa von "Negerfamilien" die Rede ist) ist die Sprache für heutige Leser etwas gewöhnungsbedürftig – was allerdings den Wert des Buches keineswegs mindert. Ohne übertrieben didaktisch zu wirken, sind die Passagen, die den inneren Antrieb und die persönliche Entwicklung des jungen Mannes schildern, der seine Familie voller Begeisterung verlässt, um in Nordamerika ins Priesterseminar einzutreten, ungemein beredt: Das Ringen um Berufung, die Balance zwischen Abenteuerlust und Verantwortungsgefühl, die Pflicht, den Charakter zu bilden, Gehorsam und Eigeninitiative, all die Pole, zwischen denen die katholische Seele schwankt, und zwischen denen sich ein Gleichgewicht herausbilden muss, werden anschaulich und glaubwürdig deutlich gemacht. Was an diesem Buch besonders positiv auffällt, ist, dass keine Scheu vor "großen Gefühlen" besteht, ohne deshalb kitschig zu werden. Es ist eine Krankheit der relativistischen Moderne, die Lebenswelt auf rein äußere Vollzüge zu beschränken und auch in der Emotionalität sehr oberflächlich zu bleiben. Tatsächlich aber werden wir Menschen, ob jung oder alt, von tiefen seelischen Vorgängen bestimmt, und gerade bei Jugendlichen ist das Bedürfnis nach Authentizität ausgeprägt und nicht versteckt hinter angeblicher Rationalität. Moderner Literatur fehlen oft die Worte, wirklich tiefgehende Gefühle, Ahnungen und Bestrebungen zu schildern, weshalb ein Rückgriff auf ältere Literatur jungen Menschen oftmals viel gerechter wird als "Popliteratur", die nur äußerliche Phänomene der Moderne aufgreift, gegenüber den eigentlichen Brennpunkten menschlichen Lebens aber distanziert und gleichgültig bleibt.

Zuletzt möchte ich den geistlichen Wert der Lektüre herausstellen, was sicher auch im Sinne des Autors ist: Gerade für den katholischen Leser ist dieses Buch nämlich mehr als lediglich ein Anstoß für neues katholisches Sendungsbewusstsein und Selbstbewusstsein angesichts der Historie: Zum einen ist da natürlich das vorbildhafte Leben des Paters: Er bleibt gehorsam, auch, wenn ihm seitens der Ordensleitung Unrecht geschieht, er nimmt Beschwernis, Krankheit und sogar zeitweiliges Verbot seiner Missionstätigkeit seitens seiner Oberen auf sich. Etwas anderes aber beeindruckt (und beschämt) mindestens ebenso tief: von dem glühenden Verlangen der Ungetauften nach Christus zu lesen. Wenn Menschen, die nie eine heilige Messe erlebt haben, die nie die Kommunion empfangen durften, ihr Leben aufs Spiel setzen, um einen "Schwarzrock" zu sich zu holen, der sie lehrt, wovon sie nur vage gehört haben, was aber ihr Herz entzündet hat, dann müssen wir uns fragen, wie es mit unserer Liebe, unserem Glaubenseifer aussieht, die wir doch im Vergleich zum Nordamerika des 19. Jahrhunderts paradiesische Zustände haben. Wie verantworten wir es, dass man hier zum Wortgottesdienst geht, wenn das Dorf, in dem die heilige Messe gefeiert wird, nur wenige Kilometer entfernt liegt? Wie können wir in der Ewigkeit da dem Indianer entgegentreten, der sein ganzes Leben vielleicht nur eine einzige heilige Messe mitfeiern durfte? Denn all diese Gläubigen, von denen wir nichts wissen, gehören ja zur Gemeinschaft der Heiligen, und wir müssen uns an ihrem Glauben und an ihrer Treue messen lassen. Pater De Smet schildert in seinen Aufzeichnungen wiederholt, wie er, wenn er nach Jahren in eine Mission zurückkehrte, Sterbenden die Beichte abnahm, und sie befragte, welche Sünden sie begangen hätten seit ihrer Taufe – die Antwort lautete seinem Bericht zufolge oftmals, welche Sünde denn, sie hätten doch bei der Taufe versprochen, nicht mehr zu sündigen, und wie könnten sie dieses Versprechen brechen? Das Erlebnis solcher Glaubenstreue muss einen europäischen Missionar tief bewegt haben, und es bewegt und beeindruckt uns auch heute. Wir, die wir jede Woche oder beinahe jede Woche eine Beichtgelegenheit haben – nutzen wir sie? Hüten wir unser Taufgewand? Oder sind wir gleichgültig, weil wir uns darauf verlassen, dass die Absolution es schon wieder reinwaschen wird? Nehmen wir die sakramentalen Gnaden nicht viel zu selbstverständlich hin? Ich denke, diese Fragen machen deutlich, wieso "Der Gesandte des großen Geistes" viel mehr ist als ein spannend und gut geschriebenes Abenteuerbuch für Jugendliche. Es ist nicht nur eine Kritik an der weit verbreiteten einseitigen Rezeption missionarischer Tätigkeit, es stellt dem Gläubigen einen Gewissensspiegel vor Augen, der ihn zu neuem apostolischen Eifer, aber auch zu neuem Elan in der eigenen, persönlichen Beziehung zu Christus anregt. Ich jedenfalls war nach der Lektüre zu jedem "Abenteuer" bereit, das Feuer der Liebe zu Christus in meinem Herzen hell brennen zu lassen, für mich und für andere – auch, wenn die eigene Seelensteppe keine nordamerikanische Prärie ist, ist sie doch oft ein weites Feld für Mission und Evangelisation!

Die Autorin führt ein eigenes, lesenswertes Blog


14. Februar
Katholisches Schriftprinzip?
Josef Rupert Geiselmanns These der materialen Schriftsuffizienz

Von P. Daniel Eichhorn

Vierter Teil

7. Theologische Auswertung – einige zentrale Aspekte

Aus der Vielzahl positiver wie negativer Aspekte der Konzeption Geiselmanns können hier nur die zentralsten kurz angedeutet werden. Die Schriftsuffizienzthese war in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Schritt nach vorn und entsprach einem „Zeichen der Zeit“. Dieser Ansatz reiht sich ein in die Stärkung der Bibel, die bereits durch die Bibelbewegung und die Fortschritte der Exegese in der ersten Jahrhunderthälfte erreicht worden war. Dabei kann Geiselmann sich auf einen breiten theologiegeschichtlichen Befund stützen. Dem Anliegen nach ist das beziehungslose Gegenüber von Schrift und Tradition überwunden zugunsten einer neuen Einheit, die in einer theologischen relecture auf alte Vorbilder zurückgreift. Laut Walter Kasper wollte Geiselmann dem Nicht-Ergreifen-Können der Wahrheit, d. h. der Unverfügbarkeit des Wortes Gottes und dessen kritischer Funktion gegenüber Tradition, Theologie und Kirche dienen. Die theologische Durchführung dieses Anliegens zeigt jedoch Grenzen und Mängel durch bleibende Abhängigkeiten von den Positionen, die Geiselmann abwehren will:

7.1 Mangelnde Abgrenzung von Offenbarung und Heiliger Schrift

Geiselmann hebt Gottes Selbstoffenbarung in Wort und Tat unzureichend von ihrer schriftlichen Bezeugung in der Bibel ab. Geiselmann zeigt zwar selber, daß die Bibel das Gotteswort in der Gestalt von Menschenwort bezeugt und enthält, doch bleibt dies für seine Konzeption bedeutungslos. Im Grunde identifiziert er die Offenbarung mit ihrem Materialprinzip Schrift bzw. das lebendige, in der Geschichte Fleisch gewordene Wort Gottes mit dem Wort Gottes als inspiriert Niedergeschriebenes. Die Identität ist für ihn v. a. lehrinhaltlich begründet, d. h. die Schrift enthalte die gesamte Offenbarungslehre in „Fülle und Ganzheit“ [7].

Geiselmanns fehlende Unterscheidung von Seins- und Bezeugungsebene des Wortes Gottes (bzw. von modus essendi und modus cognoscendi) behindert sein eigenes Ziel, der Unverfügbarkeit des Gotteswortes zu dienen. Die letztverantwortliche Deutung der Heiligen Schrift schreibt er zu Recht dem kirchlichen Lehramt und nicht der Exegese zu. Doch die mangelnde Differenzierung von göttlichem, geschichtlich wirksam gewordenem Ursprung und dessen geschichtlicher Wirkung im schriftlichen, historischen Niederschlag liefert das Wort Gottes einseitig dem Zugriff historisch-kritischer Forschung aus und bewirkt damit eine Loslösung der Schrift und der Exegese vom Gesamtsubjekt Kirche. Damit setzt Geiselmanns Konzeption unbeabsichtigt eine Dynamik frei, die im Widerspruch zu seinen eigenen Absichten steht. Im Hintergrund der faktischen Identifikation von Offenbarung und Schrift steht erkennbar Geiselmanns problematisches Verständnis von Offenbarung:

7.2 Ein lehrhafter Offenbarungsbegriff

Weitgehend bedeutungslos bleibt bei Geiselmann die Offenbarung als Selbsteröffnung der trinitarischen Liebe und Gemeinschaft, als Handeln Gottes mit dialogischem Charakter, insofern es auf die neue, erlöste Menschheit, auf eine Lebens- und Liebesgemeinschaft Gottes mit seiner Schöpfung zielt. Diesem Offenbarungsverständnis entspricht sein Umgang mit der Schrift. Er sieht vorwiegend den lehrhaften Charakter der biblischen Texte. Erst die Dogmatische Konstitution über die Offenbarung Dei Verbum des II. Vatikanischen Konzils sollte die Aufmerksamkeit ausdrücklich auf den göttlichen Heilsdialog richten. In der Sicht des Konzils „redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen“ (DV 2; DH 4202).

Auf der Grundlage seines einseitig lehrhaften Offenbarungs- und Traditionsverständnisses fragt Geiselmann bei der Auswertung der Bibel wie auch der theologiegeschichtlichen Quellen einseitig nach der Glaubenslehre [8]. Hier zeigt er deutliche Übereinstimmung mit der Theologie des I. Vatikanischen Konzils, teilweise auch mit dem Tridentinum, die Offenbarung und Tradition überwiegend als Wortgeschehen auffassen. Die Konstitution Dei Verbum betont hingegen die Einheit von “Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind” (DV 2). Geiselmann berücksichtigt nicht hinreichend den dialogischen Charakter der Offenbarung und die Tatsache, daß Gottes Wort keineswegs nur Belehrung, Instruktion, Lehrwort ist, sondern wesentlich heilsmächtiges, heilswirksames Wort. Daher ist auch die inspirierte Schrift v. a. Heilsanrede des himmlischen Vaters, nicht nur ein göttlich inspirierter Katechismus voller Glaubenswahrheiten und Moralanweisungen. Geiselmanns Absicht, dem modernen, „kommunikationstheoretischen“ Offenbarungsbegriff zu dienen und ihn für eine erneuerte fundamentaltheologische Konzeption fruchtbar werden zu lassen, scheitert an seiner „instruktionstheoretischen“, neuscholastischen Prägung.

Anmerkungen:

[7] Josef Rupert Geiselmann, Die Tradition, in: Johannes Feiner / Franz Trütsch / Franz Böckle, Fragen der Theologie heute, Einsiedeln 1957, 69-108, hier 103.

[8] Wenn Geiselmann z. B. mit Bakhuizen auf Irenäus und Tertullian blickt, so berücksichtigt er dabei nicht den einseitig lehrhaften bzw. juristischen Zugang dieser beiden Theologen zum Christentum und dessen Glaubensinhalten – obwohl Bakhuizen diesen Zugang bereits klar als verengt kritisiert hatte.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


12. Februar
Emilie Linder

Vor 150 Jahren, am 12. Februar 1867, starb in München im Alter von 69 Jahren die in Basel geborene Malerin und Konvertitin Emilie Linder. 1832 ließ sie sich in München nieder, wo sich um sie ein Kreis “von Künstlern und Gelehrten, wie Overbeck, Peter von Cornelius, Ringseis, Lasaulx, Christian und Klemens Brentano” sammelte, “unter deren Einfluß sie 1843 katholisch wurde” (LThK, 1. Auflage).


10. Februar
Charlotte Blennerhassett

Vor 100 Jahren, am 10. Februar 1917, starb in München im Alter von fast 74 Jahren die liberale Katholikin Charlotte Blennerhassett. Sie schrieb unter anderem für Carl Muths Hochland und war “eine der letzten Vertreterinnen liberalkatholischen Gedankenguts der Kreise um Dupanloup und Montalembert” (LThK, 3. Auflage).


8. Februar
Nur Liebe nimmt Liebe wahr

Wo der Anspruch Jesu, der Anspruch der unbedingten Liebe nicht anerkannt wird, da muss er missverstanden werden: als Ausdruck einer persönlichen Anmaßung, als Ausdruck des Machtstrebens, als Ausdruck ebenjenes Geistes, der der Geist der Ankläger selbst ist. Quis cognoscit spiritum nisi ipse spiritus? - “Wer erkennt den Geist, wenn nicht der Geist selbst?” Nur Liebe nimmt Liebe als das wahr, was sie ist. Die in sich selbst verkrümmte Selbstbehauptung kann überall nur wieder Selbstbehauptung wahrnehmen und ist blind für das Göttliche, für die Liebe.

Robert Spaemann in seiner Auslegung von Psalm 35, aus: Robert Spaemann, Meditationen eines Christen. Über die Psalmen 1-51, Stuttgart: Klett-Cotta 2014, S. 274.

Themen

Engel
Englandreise
Entmytholog.
Entweltlichung
Erbsünde
Erlösung
Erneuerung
Evangelien
Evangelisierung
Evangelisierung II
Evangelium
Evolution
Exegese
Exerzitien
Exkommunikation
Falschlehrer
Familie
Familiensynode
Fasten
Fegefeuer
Fellay B.
Felix culpa
Flüchtlinge
Frau
Frauendiakonat
Freiheit u. Gnade
Fremde Sünden
Freundschaft
FSSP
FSSPX
Fundamentalismus
Gebet
Geburt Jesu
Gehsteigberatung
Geistbraus
geistliches Leben
Gender
Genderideologie
Gender Mainstr.
Generalkapitel 06
Geschlecht
Glaube
Glauben
Glaubensjahr
Glaubensregel
Glaubensschild
Glossen
Goa
Gold
Gott
Gott II
Gottesbegegnung
Gottesknecht
Gotteskrise
Grabeskirche
Guadalupe

Zu den neuesten Beiträgen